    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Auf der Zielgeraden: Besuch bei KFOR im Kosovo</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=81&amp;aid=1036</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Bericht von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=1">Publikationstyp</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=81">Bericht</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            Auf der Zielgeraden: Besuch bei KFOR im Kosovo         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 18. März 2011 09:01:52 +02:00 (174300 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p><img style="float: left; margin: 5px;" src="images/article/fuchsbruecke-2-11.jpg" alt="An der ehemaligen &quot;FuchsbrÃ¼cke&quot; in Prizren: Nichts erinnert mehr daran, dass hier vor Jahren ein militÃ¤rischer Checkpoint war. W. Nachtwei mit dem albanischen Juristen und Sprachmittler Arben G. " width="200" />Es war der 10. Besuch von W. Nachtwei im Kosovo seit 1999. Inzwischen hat sich die Sicherheitslage erheblich entspannt. KFOR umfasst in wenigen Wochen nur noch 5.000 Soldaten, ein Zehntel der AnfangsstÃ¤rke. Ein Ende der militÃ¤rischen Friedenssicherung ist in Sicht. Hierzu der Reisebericht:</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>KFOR-Einsatz im Kosovo auf der Zielgerade,</strong></p>
<p align="center"><strong>ABER NOCH NICHT AM ZIEL!</strong></p>
<p align="center"><strong>Besuch beim 28. deutschen Einsatzkontingent</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (MÃ¤rz 2011)</p>
<p><em>Vom 21. bis 23. Februar 2011 besuchte der Beirat fÃ¼r Fragen der Inneren FÃ¼hrung (den) Kosovo mit den Stationen Pristina und Prizren. Im Mittelpunkt des Besuches stand die Erkundung der Inneren Lage und der Wirklichkeit der Inneren FÃ¼hrung bei einem Bundeswehrkontingent im Einsatz. Die diesbezÃ¼glichen Erkundungsergebnisse werden im Beirat ausgewertet und flieÃŸen in seine BeratungstÃ¤tigkeit gegenÃ¼ber dem Bundesminister der Verteidigung ein.</em></p>
<p><em>FÃ¼r mich war es die zehnte Kosovo-Reise. Der erste Besuch fand im Oktober 1999 statt (2. Kontingent, COMKFOR General Klaus Reinhardt<a name="_ftnref1" href="index.php/articles/news/1036#_ftn1"><strong>[1]</strong></a>), der heikelste zu Beginn der MÃ¤rzunruhen 2004, die letzten um die UnabhÃ¤ngigkeit 2007 und 2008.</em></p>
<p><em>Mit diesem Bericht konzentriere ich mich auf die sicherheits- und militÃ¤rpolitische Seite des Einsatzes, den ich zehn Jahre lang als Mitglied des Verteidigungsausschusses mitbeschlossen, mitverantwortet und begleitet hatte. Der Besuch vermittelte Einblicke in die Wirksamkeit des KFOR-Einsatzes Ã¼ber die Jahre sowie den komplexen Prozess von VerantwortungsÃ¼bergabe und Reduzierung +RÃ¼ckfÃ¼hrung der eigenen KrÃ¤fte.</em></p>
<p><strong>(Zusammenfassung + Bewertung S.5)</strong></p>
<p>Schon auf dem Weg vom militÃ¤rischen Teil des Flughafens Pristina inÂ  die Hauptstadt sind die VerÃ¤nderungen augenfÃ¤llig: Die StraÃŸe ist vierspurig ausgebaut und dicht gesÃ¤umt von HandelshÃ¤usern und Gewerbebetrieben. Die Masse an neuesten Hotels und vor allem Tankstellen Ã¼bertrifft jeden Bedarf um ein Vielfaches. Es sollen primÃ¤r Geldwaschanlagen sein. Am Rand von Pristina befinden sich HochstraÃŸen im Rohbau. Der frÃ¼her freie Hang unterhalbÂ  von Film City (KFOR-Hauptquartier) ist inzwischen voll bebaut.</p>
<p>AuffÃ¤llig viel Werbung auf den Hauptstrassen macht die ProCredit Bank. Sie ist die erste und erfolgreichste Bank im Nachkriegs-Kosovo und gehÃ¶rt zur ProCredit Group mit 21 Banken in Ãœbergangs- und Entwicklungsgesellschaften. Ihr Schwerpunkt ist die FÃ¶rderung von Kleinst-Gewerbetreibenden, von kleinen und mittleren Unternehmen. (Muttergesellschaft in Deutschland, Teilhaber u.a. KfW Entwicklungsbank)</p>
<p>Der <strong>Auftrag von KFOR</strong> ist unverÃ¤ndert gemÃ¤ÃŸ UN-Sicherheitsratsresolution 1244 von 1999 ein <em>Safe and Secure Enviroment (SASE)</em>. Die Rolle von KFOR als â€ž<em>3rd Responder</em>&quot; nach Kosovo Police und der <em>EU Rule of Law Mission in Kosovo EULEX</em> Ã¤ndert nichts an der vÃ¶lkerrechtlichen Sicherheitsgesamtverantwortung von KFOR. KFOR soll eine <em>Deterrent Presence</em> gewÃ¤hrleisten und mit dem Aufwuchs der von EULEX unterstÃ¼tzten Kosovo Police (KP) die Sicherheitsverantwortung zunehmend an die kosovarische Seite Ã¼bergeben.</p>
<p>Die inzwischen mehr als 11 Jahre der <em>Peace Support Operation</em> wird als eine â€žErfolgsstory&quot; gewertet, die in Deutschland praktisch nicht wahrgenommen werde.</p>
<p><strong>Kosovarische SicherheitskrÃ¤fte</strong>: Fortgeschritten ist der Aufbau der Kosovo Police (8.500 Polizisten, davon 85% Albaner). Sie wird begleitet, beraten und in AusnahmefÃ¤llen aktiv unterstÃ¼tzt von der EULEX und ihren 1.400 internationalen Polizisten (s.u.). Die Kosovo Security Forces (KSF, frÃ¼her KOS Protection Corps) mit 2.000 Mann (geplant 2.500) plus 800 Reserve ist zustÃ¤ndig fÃ¼r Search + Rescue, Gefahrgut, BrandbekÃ¤mpfung, MinenrÃ¤umung. Die KSF erhielt gerade Ã¼ber 900 G-36-Gewehre. Sie versteht sich als kÃ¼nftige Armee des Kosovo.</p>
<p>Die <strong>Sicherheitslage</strong> gilt insgesamt als ruhig und stabil: Schwere GewaltkriminalitÃ¤t ist inzwischen auf westeuropÃ¤ischem Niveau reduziert (Morde von 250 im Jahr 2000 auf ca. 30 in 2009, EntfÃ¼hrungen von &gt;100 auf ca. 40). Ethnische HintergrÃ¼nde spielen nur noch eine geringe Rolle. Auch bei den serbischen Enklaven im SÃ¼den ist die Lage ruhig. VÃ¶llig ruhig verliefen die Feiern zum 3. Jahrestag der UnabhÃ¤ngigkeitserklÃ¤rung und auch die AmtseinfÃ¼hrung des neuen serbisch-orthodoxen Bischofs Theodosje in Prizren am 26.11.2010, an der mehrere Hundert serbische GlÃ¤ubige, zwei serbische Minister aus Belgrad sowie Vertreter etlicher religiÃ¶ser Gemeinschaften teilnahmen.</p>
<p>Im serbisch dominierten Gebiet im Norden werden Verwaltung und Polizei aus Belgrad gesteuert.</p>
<p>- Der militÃ¤rische Schutz von serbischen KulturgÃ¼tern (v.a. KlÃ¶ster und Kirchen) Â konnte in den letzten Jahren erheblich reduziert werden. (FÃ¼r den Schutz z.B. eines Klosters brauchte es eine Kompanie.) Seit MÃ¤rz 2010 konnte die Schutzverantwortung fÃ¼r fÃ¼nf von neun Objekten an die Kosovo Police Ã¼bergeben werden. Das Erzengelkloster bei Prizren soll in einigen Monaten Ã¼bergeben werden.</p>
<p>- Im April 2010 wurde die die Kontrolle der ganzen Grenze zu Albanien komplett an die kosovarischen BehÃ¶ren Ã¼bergeben. Am 22.1.2011 erfolgte die Ãœbergabe eines ersten Grenzabschnitts zu Mazedonien.</p>
<p>- Allerdings: Es gibt noch ein erhebliches latentes Gewaltpotenzial, das bei bestimmten AnlÃ¤ssen schnell explodieren kann. Am 11.9.2010 kam es in Mitrovica zu gewaltsamen ZusammenstÃ¶ÃŸen nach einem verlorenen Basketball-Weltmeisterschaftsspiel der Serben. Das starke Gewehrfeuer dabei sei eine neue QualitÃ¤t gewesen. Ein anderes Beispiel: Im November 2010 wurden erhebliche Mengen an Waffen und Munition beschlagnahmt. Die Lage im Norden ist der Dreh- und Angelpunkt fÃ¼r die weitere Entwicklung der Sicherheitslage im Kosovo.</p>
<p>- Allerdings: Wo die Arbeitslosigkeit bei 50% (in Mitrovica bis 80%) liegt, 16% mit weniger als einem Euro pro Tag, 36% mit weniger als zwei Euro auskommen mÃ¼ssen (Armutsgrenze), wo die HÃ¤lfte der BevÃ¶lkerung jÃ¼nger als 25 Jahre ist (jÃ¼ngste BevÃ¶lkerung in Europa), da ist die Perspektivlosigkeit das drÃ¤ngendste Problem und der soziale Sprengstoff erheblich.</p>
<p>- Eine solche Gewaltexplosion, wie sie im MÃ¤rz 2004 geschah, dÃ¼rfe es nicht mehr geben. Sie sei auch unwahrscheinlich.</p>
<p><strong>KFOR</strong> Lines of Operations sind zzt.:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Beitrag zu sicherem Umfeld und Bewegungsfreiheit</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  verstÃ¤rkte Zusammenarbeit mit den Institutionen im Kosovo</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  proaktive und umfassende Kommunikation</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  UnterstÃ¼tzung bei der StÃ¤rkung der KSF-FÃ¤higkeiten.</p>
<p>Mit der Operation Joint Commitment North seit 4. Oktober 2010 sollte die Sicherheitslage im Norden verbessert werden. Mit Checkpoints und gemeinsamen Patrouillen Â von KFOR, KP und EULEX sollte die Bewegungsfreiheit von Organisierter KriminalitÃ¤t behindert werden. Ãœber diese Operation sei EULEX im Norden so sichtbar wie nie zuvor gewesen.</p>
<p><strong>Reduzierung und Umstrukturierung von KFOR</strong>: Im Februar 2011 hatte KFOR eine PersonalstÃ¤rke von 7.550 Soldatinnen und Soldaten, davonÂ  ca. 1.300 aus Deutschland (dt. Mandatsobergrenze 2.500), 1.130 Italien, 790 USA, 730 Frankreich. Ein ORF-Bataillon (Operational Readiness Force) wird von Deutschland (470) und Ã–sterreich (170) bis Ende 2011 gestellt.</p>
<p>Die Stufe (Gate) 1 des Einsatzprofils â€žDeterrent Presence&quot; begann am 31.1.2010. Die KFOR-StÃ¤rke wurde von 13.000 auf 8.600 abgesenkt, die Zahl der ManÃ¶verkompanien um 50% redeuziert. Am 29.10.2010 billigte der NATO-Rat die Stufe 2 der Deterrent Presence: In ihr sollÂ  ab 1.3.2011 der KFOR-Umfang auf 5.500 Soldaten reduziert werden. Mit der Stufe 3 (Einsatzprofil â€žMinimum Presence&quot;) soll sich der KFOR-Auftrag auf Beratung, Ausbildung und Kooperation mit kosovarischen SicherheitskrÃ¤ften ohne jede exekutive Funktion beschrÃ¤nken. Dem â€žSenior Military Representative&quot; sollen noch 2.500 Soldaten zugeordnet sein.</p>
<p>Zum Vergleich: 1999 waren es ca. 50.000 Soldaten aus 40 LÃ¤ndern (auch Neutrale wie Finnland, Schweden, Ã–sterreich, Schweiz, auchÂ  russische FallschirmjÃ¤ger bis Mai 2002), davon DEU mit bis zu 6.440 Soldaten (Mandatsobergrenze 8.500). 2005 umfasste KFOR 16.180 Soldaten aus 24-NATO- und 11 Nicht-NATO-Staaten, davon 2.530 DEU, 2.380 IT, 2.240 FR, 1.780 USA.</p>
<p>AufgelÃ¶st wurden die Multinational Battlegroups (MNBG, GrÃ¶ÃŸenordnung Bataillon) South am 20. Januar (DEU, Ã–sterreich, Schweiz, TÃ¼rkei) und North am 28. Februar 2011, in Stufe 3 auch die letzten MNBG West + East.</p>
<p>An ihre Stelle traten ab 1. MÃ¤rz 2011 die <em><span style="text-decoration: underline;">Joint Regional Detachments</span></em> (JRD) South + North sowie West, Central und East mit ihren sechs (South), sieben (West, Central, North) und acht Liaison and Monitoring Teams (LMT). Aufgabe der in Fieldhouses untergebrachten LMT (in Bosnien&amp; Herzegowina seit 2004 als Liaison Observation Teams) ist die eines offen agierenden â€žPulsfÃ¼hlers&quot; in der Ã¶rtlichen Gesellschaft und zugleich des Verbindungshaltens zu wichtigen Akteuren. Das JRD South soll insgesamt 124 Soldaten umfassen, davon 65 in sechs LMT`s. Lead-Nation der JRD`s sind Italien (W), TÃ¼rkei (S), USA (E) und Schweden (C). Nord ist noch offen. Diese KrÃ¤fte haben keine operativen FÃ¤higkeiten mehr. KFOR verfÃ¼gtÂ  mit nur noch vier Hubschraubern Ã¼ber eine minimale Luftbeweglichkeit.</p>
<p>Im Krisenfall mÃ¼ssten ReservekrÃ¤fte herangefÃ¼hrt und vom Headquarter aus gefÃ¼hrt werden. (In Stufe 2 16 Einsatzkompanien, davon 4 bei der MNBG West und 12 bei der MNBG East, in Stufe 3 nur noch vier)</p>
<p><strong>KÃ¼nftige deutsche Rolle bei KFOR</strong>: Von den bisher 16 COMKFOR kamen fÃ¼nf aus Deutschland: 1999 General Reinhardt, 2004 General Kammhuber, 2007 General Kather, 2009 General Bentler, seit 1.10.2010 Generalmajor Erhard BÃ¼hler. (Parallel waren immer wieder Spitzenpositionen bei UNMIK bzw. EULEX von Deutschland besetzt, z.B. wiederholt der Chef der Polizeimission.) Deutschland stellt weiter das grÃ¶ÃŸte Kontingent und soll in Kosovo weiterhin einen besten Ruf haben. Aus der verbleibenden Basisstruktur der â€žOhren und Augen&quot; hat sich Deutschland aber vÃ¶llig zurÃ¼ckgezogen, ist weder in den LMT`s noch in der JRD-FÃ¼hrung vertreten.</p>
<p>Der deutsche Beitrag reduziert sich auf die Stellung des Feldlazaretts, Anteile am KFOR-Headquarter, eine Einsatzkompanie der dt.-frz. Brigade mit 150 Mann temporÃ¤r in das franzÃ¶sische Camp Â NOVO SELO bei Vushtrri im Norden.</p>
<p>Offiziere vor Ort kÃ¶nnen diesen, offenbar in Berlin so entschiedenen deutschen TeilrÃ¼ckzug nicht nachvollziehen, ja halten ihn fÃ¼r falsch.</p>
<p><strong>RÃ¼ckbau des Dt. KFOR-Kontingents</strong>: Der Flugbetrieb der Bundeswehr wurde am 1.2.2011 eingestellt und alle Hubschrauber (frÃ¼her bis zu vier CH-53 und acht UH-1D) zurÃ¼ckverlegt. AufgelÃ¶st werden bis August die Feldlager Topliane und Airfield (Logistik). (Hier konnte man in der Vergangenheit erleben, welchen enormen logistischen Aufwand ein groÃŸer Auslandseinsatz erfordert.)</p>
<p>Insgesamt 25.000 Artikel, 700 Container und 330 Kraftfahrzeuge (von 596 auf 266) werden zwischen MÃ¤rz und Mai â€žabgesteuert&quot;. In der Zeit sollen 276 Dienstposten abgebaut werden. Der Umfang des dt. KFOR-Kontingents sinkt damit von 2.100 im November 2009 (24. Ktgt) Ã¼ber 1.360 im Juni 2010 (26. Ktgt) und 1.200 im Februar 2011 (28. Ktgt) auf 900 im Juni 2011 (29. Ktgt). Das FÃ¼hrungsgrundgebiet 9 (CIMIC) umfasst nur noch einen Major und einen Feldwebel. Man verfÃ¼gt Ã¼ber keine KrÃ¤fte mehr im Raum und konzentriert sich auf die Stadt Prizren.</p>
<p>Parallel zum Truppenabbau sinkt auch die Zahl der lokalen zivilen ArbeitskrÃ¤fte. Mit 400 Ã¼berdurchschnittlich verdienenden ArbeitskrÃ¤ften war Bundeswehr in Prizren ein bedeutender Arbeitgeber.</p>
<p>Das <strong>EULEX</strong>- Hauptquartier ist in einem neuen, groÃŸen, geradezu komfortabel erscheinenden GebÃ¤ude untergebracht. Ein groÃŸer Unterschied zum engen und provisorischen Altbau von UNMIK in der Vergangenheit. EULEX ist mit 1.700 internationalen und 1.200 lokalen Mitarbeitern die bisher grÃ¶ÃŸte zivile Mission im Rahmen der EuropÃ¤ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Zum Briefing kommt der stv. Missionsleiter Andrew Spark, vormals brit. Botschafter in Kosovo. Der Auftrag von EULEX ist, im Rahmen der UN-Resolution 1244 die kosovarischen AutoritÃ¤ten auf dem Feld der Rechtsstaatlichkeit, insbesondere Polizei, Justiz und ZÃ¶lle, zu unterstÃ¼tzen. Das Missionsbudget betrÃ¤gt 165 Mio. Euro von Oktober 2010 bis Oktober 2011.</p>
<p>Die Police Component umfasst insgesamt 1.400 Polizisten, davon 81 aus Deutschland. Ihre Aufgabe ist primÃ¤r Monitoring, Mentoring und Advising, also UnterstÃ¼tzung von local ownership. Aktiv eingreifen kann EULEX Police in FÃ¤llen, wo die AutoritÃ¤ten Gewalt gegen Minderheiten nicht verhindern und wenn Politik Rechtsstaatlichkeit unterminiert. EULEX-Polizisten sind in allen 34 KP-Stationen des Landes sowie den sechs regionalen Hauptquartieren. Head of EULEX-Police ist Polizeidirektor Udo MÃ¶ller, vormals Leiter der Polizei im Landkreis HÃ¶xter/NRW, der Ã¼ber reiche internationale Erfahrung verfÃ¼gt (u.a. UNMIK Regional Commander, Dep. Head of Mission EU AMIS in Sudan und Adis Abeba).</p>
<p>Die Justice Component umfasst 420 Mitarbeiter, davon 70 im GefÃ¤ngniswesen, mehr als 50 Richter und ca. 30 StaatsanwÃ¤lte.</p>
<p>Die Customs Component umfasst 76 internationaler und 39 lokale Mitarbeiter.</p>
<p>Die Rekrutierung von internationalen Mitarbeitern mache Probleme.</p>
<p>Die Zusammenarbeit zwischen EULEX und KFOR am Boden sei gut.</p>
<p>Mit dem Abbau von KFOR wachse die Rolle von EULEX.</p>
<p>(AuÃŸerhalb des EULEX-GebÃ¤udes ist mehrfach zu hÃ¶ren, dass KFOR bei der kosovarischen BevÃ¶lkerung hoch angesehen sei, EULEX deutlich weniger, erst recht im serbisch dominierten Norden, wo sich EULEX allein bisher nicht sehen lassen konnte.)</p>
<p><strong>Unterschiede zu den Vorjahren</strong> sind bei RundgÃ¤ngen durch das Feldlager Prizren und bei der FÃ¼hrung durch Prizren augenfÃ¤llig.</p>
<p>Das <strong>Feldlager</strong> auf dem GelÃ¤nde einer in Osmanischer Zeit ab 1906 errichteten Kaserne ist von einem typischen Friedensmissionszaun umgeben: dÃ¼nner Doppelzaun zum Abhalten von unbefugten Eindringlingen, zur StraÃŸe Sichtblenden, nichts gegen Angriffe. Das FeldlagerÂ  zeigt erste LÃ¼cken. Hier standen frÃ¼her Container oder GebÃ¤ude, z.B. die Villa Kunterbunt. Unterwegs begegnen einem viel weniger Soldaten. Betreuungseinrichtungen sind spÃ¤rlich besucht.</p>
<p>Unterhalb des StabsgebÃ¤udes steht die groÃŸzÃ¼gige neue Versorgungseinrichtung mit KÃ¼che und groÃŸem Speisesaal. Der ist prÃ¤destiniert als kÃ¼nftige Mensa der <strong>Uni Prizren</strong>, der zweiten staatlichen UniversitÃ¤t in Kosovo. In den neun StudiengÃ¤ngen sind inzwischen 3.000 Studierenden eingeschrieben. In den erziehungswissenschaftlichen StudiengÃ¤ngen wird auf albanisch, tÃ¼rkisch und serbokroatisch gelehrt. GrÃ¼ndungsrektor ist Prof. Ronald MÃ¶nch, der 1982 bis 2002 GrÃ¼ndungsrektor der Hochschule Bremen war. Am 11. Februar 2011 schlossen die Uni Prizren und die Hochschule Bremen eine Kooperationsvereinbarung. (Als der andere â€žLeuchtturm&quot; in der Region Prizren wird das â€ž<strong>Loyola-Gymnasium</strong>&quot; genannt. Das 2005 gegrÃ¼ndete private Gymnasium mit Internaten fÃ¼r MÃ¤dchen und Jungen wird von dem deutschen Jesuitenpater Walter Happel geleitet und der Asociation Loyola-Gymnasium getragen. Eine Schulpartnerschaft besteht mit dem Thomas-Morus-Gymnasium in Oelde/NRW. www.alg-prizren.com)</p>
<p>Durch das Zentrum und die <strong>Altstadt von Prizren</strong> fÃ¼hrt der vorzÃ¼gliche und langjÃ¤hrige Sprachmittler A.G..</p>
<p>Am ersten Kreisverkehr nach Prizren steht seit 12.6.2009 (Tag des KFOR-Einmarschs vor zehn Jahren) ein Denkmal fÃ¼r KFOR.</p>
<p>Auf der SÃ¼dseite des FlÃ¼sschen Lumebardhi liegt die Altstadt mit dem frÃ¼heren Serbenviertel am Hang. Bei jedem frÃ¼heren Besuch ging es hierher. In den ersten Jahren standen auf der BrÃ¼cke drei Fuchs-Transportpanzer und ein KontrollhÃ¤uschen. Es war die â€žFuchsbrÃ¼cke&quot;. Nachdem die NATO im FrÃ¼hsommer 1999 die GroÃŸvertreibung der Kosovoalbaner gestoppt und rÃ¼ckgÃ¤ngig gemacht hatte, wurde das Serbenviertel im Juni 1999 zum groÃŸen Teil von Kosovoalbanern zerstÃ¶rt und niedergebrannt. Einer zweiten ZerstÃ¶rungswelle fielen im MÃ¤rz 2004 u.a. das Erzengelkloster, die serbische â€žHohe theologische Klosterschule&quot; am Eingang zum Serbenviertel und die serbisch-orthodoxe St. Georg-Kathedrale (Bischofssitz) zum Opfer. Die zunÃ¤chst militÃ¤risch gesicherten Ruinen von Klosterschule und Kirche wurden inzwischen wieder aufgebaut. Gesichert werden sie seit 2009 von einem KP-Posten in einem BÃ¼rocontainer.</p>
<p>Der Observation Point â€žAuge&quot; oberhalb des Serbenviertels wurde inzwischen eingestellt.</p>
<p>Seit Jahren leben keine Serben mehr in Podkalaja. Es heiÃŸt, in den nÃ¤chsten Monaten wollten zehn Familien zurÃ¼ckkehren. Die GrundstÃ¼cke sind auch noch alle serbisches Eigentum.</p>
<p>Die Sinan-Pascha-Moschee, der serbisch-orthodoxe Bischofssitz und die katholischeÂ  Kirche (ebenfalls Bischofssitz) stehen Â jeweils nur wenige Hundert Meter entfernt. Unser StadtfÃ¼hrer betont, dass es in der albanischen Geschichte nie Krieg aus religiÃ¶sen GrÃ¼nden gegeben habe. Albaner hÃ¤tten nie andere beherrscht, sondern seien von anderen beherrscht worden.</p>
<p>In den zwei Stunden unseres Rundgangs fÃ¤hrt einmal ein Bundeswehr-Lkw vorbei. Das ist die einzige sichtbare MilitÃ¤rprÃ¤senz.</p>
<p><strong>Zur selben Zeit</strong></p>
<p>Nach seiner Konstituierung am 21. Februar wÃ¤hlte das neue kosovarische Parlament unter â€žmerkwÃ¼rdigen UmstÃ¤nden&quot; (Bestechung von und Druck auf Abgeordnete, Einflussnahme des US-Botschafters) einen â€žzwielichtigen PrÃ¤sidenten&quot;. (SZ 24.2.2011) Dies steht exemplarisch fÃ¼r die magere und sehr ernÃ¼chternde Bilanz von 12 Jahren extern gestÃ¼tztem Statebuilding.<a name="_ftnref2" href="index.php/articles/news/1036#_ftn2">[2]</a> Le Monde Diplomatique bringt in ihrer dt. MÃ¤rzausgabe eine zweiseitige Reportage Ã¼ber die schwerkriminellen HintergrÃ¼nde u.a. der der Demokratischen Partei des Kosovo (PDK) von MinisterprÃ¤sident Thaci.<a name="_ftnref3" href="index.php/articles/news/1036#_ftn3">[3]</a></p>
<p>Das Erinnerungsbuch einer ehemaligen, an PTBS erkrankten Bundeswehrsoldatin Â erfÃ¤hrt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und in der FAZ (20., 25.2. und 3.3.) eine massive Kritik: Viele ihrer Kosovo-Einsatzerfahrungen von 1999 Â seien erfunden. (â€žMit der HÃ¶lle hÃ¤tte ich leben kÃ¶nnen&quot;, Heyne Verlag)</p>
<p><strong>Zusammenfassung</strong></p>
<p>(a) Kosovo ist von der FlÃ¤che her so groÃŸ wie eine Provinz im Norden Afghanistans, dabei verkehrsmÃ¤ÃŸig viel zugÃ¤nglicher und kulturell nÃ¤her.</p>
<p>(b) Das Ende des 12-jÃ¤hrigen KFOR-Einsatzes kommt in Sicht. Der Auftrag, nach dem Krieg im Kosovo 1998/1999 fÃ¼r ein sicheres Umfeld zu sorgen, wurde trotz erheblicher, kriegerischer Eskalationsrisiken (Presevotal im Jahr 2000, Nordmazedonien 2001, UnabhÃ¤ngigkeitserklÃ¤rung 2008) und des massiven RÃ¼ckschlages vom MÃ¤rz 2004 zunehmend erreicht. Die BrÃ¼cke zu nachhaltiger Sicherheit wird zumindest von Seiten der Sicherheitsstrukturen immer fester.</p>
<p>Die Frauen und MÃ¤nner, die Soldaten und Offiziere der inzwischen 28 Kontingente kÃ¶nnen stolz auf den insgesamt erfolgreichen KFOR-Einsatz sein.</p>
<p>(c) Der serbisch dominierte Norden und Mitrovica bleiben eine Risikozone. Die massenhafte Perspektivlosigkeit fÃ¼r junge Menschen in der jÃ¼ngsten Gesellschaft Europas ist ein enormer sozialer Sprengstoff.</p>
<p>(d) Dass der KFOR-Erfolg in der deutschen Ã–ffentlichkeit praktisch nicht mehr wahrgenommen wird, ist angesichts des medialen bad-news-are-good-news-Mechanismus nicht verwunderlich. Umso dÃ¼mmer ist allerdings, wenn der KFOR-Einsatz als â€žEinsatz zweiter Klasse&quot; gilt, wenn es sogar in Bundeswehrkreisen heiÃŸt, esÂ  gehe â€žnur zu KFOR&quot;. Als wÃ¼rde sich der â€žWert&quot; eines Einsatzes einzig an seiner IntensitÃ¤t, an Belastungen und Opfern festmachen, und nicht vor allem auch an seiner Wirksamkeit beim Auftrag KriegseindÃ¤mmung und -verhÃ¼tung.</p>
<p>(Die GeringschÃ¤tzung von KFOR geschieht im Umfeld eines Diskurstrends, der total von Afghanistan dominiert wird: Wo pauschal von â€žKriegseinsatz&quot; zu reden, als realistisch und ehrlich gilt, wo der Begriff â€žStabilisierungseinsatz&quot; pauschal als beschÃ¶nigend und realitÃ¤tsverleugnend gilt, wo damit Friedenssicherung im Rahmen des VN-Systems abgewertet und unterhÃ¶hlt wird.)</p>
<p>(e) Wo Erfolge und Leistungen bei Stabilisierung und Friedensicherung durch das normale Wahrnehmungsraster von Medien fallen, ist es umso wichtiger, diese â€žunsichtbaren&quot; Erfolge zu kommunizieren. Das ist die Aufgabe der politischen Auftraggeber, also Regierung und Parlament. In der Vergangenheit wurden solche Chancen regelmÃ¤ÃŸig nicht wahrgenommen.</p>
<p>(f) Die Fortschritte gerade der letzten Jahre dÃ¼rfen aber kein Grund sein, leichtsinnig zu werden und einen <em>frozen conflict</em> zurÃ¼ckzulassen. Die Explosionsrisiken sind bekannt. Und Kosovo liegt nicht am Hindukusch, sondern in Europa und tangiert europÃ¤ische Sicherheit ganz direkt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Der sich anbahnende RÃ¼ckzug der langjÃ¤hrigen und hoch angesehenen KFOR-FÃ¼hrungsnation Deutschland aus der ersten Reihe von KFOR erscheint mir voreilig und kurzsichtig und ist - gelinde gesagt - sehr diskussionswÃ¼rdig. Es stellt sich die Frage, wieweit dieser TeilrÃ¼ckzug in Berlin Ã¼berhaupt von der Bundesregierung offen gelegt und vom Parlament bzw. Verteidigungsausschuss thematisiert wurde</span>.</p>
<p>(g) Die Fortschritte im Sicherheitsbereich Ã¤ndern nichts daran, dass die Abschiebung Tausender Roma, Ashkali und Ã„gypter aus Deutschland in den Kosovo unverantwortlich und zynisch ist. Laut RÃ¼cknahmeÃ¼bereinkommen zwischen den deutschen Innenministern und Â der kosovarischen Regierung vom April 2010 sollen in den nÃ¤chsten Jahren ca. 13.000 AngehÃ¶rige dieser Minderheiten in den Kosovo abgeschoben werden. Dazu eine UNICEF-Studie: â€žKinder aus Familien der Roma, Ashkali und Kosovo-Ã„gypter (...) haben dort kaum eine Perspektive auf Schulbildung, medizinische Hilfe und gesellschaftliche Integration. Das Wohl der Kinder spielt in den politischen und gesetzlichen Vorgaben auf deutscher und kosovarischer Seite praktisch keine Rolle, obwohl fast die HÃ¤lfte der Betroffenen Kinder sind.&quot; (Reportage â€žGestrandet in einer schrecklichen Heimat&quot; von Enver Robelli, SZ 23.10.2010)</p>
<p><strong>Exemplarische Fotos aus Prizren:</strong></p>
<p>â€žFuchsbrÃ¼cke&quot; 2002 - 2011; Ruine der serbisch-orthodoxen St. Georg-Kathedrale 2005 - voll renoviert 2011</p>
<p align="center"><strong>Anhang: Zum Vergleich</strong></p>
<p align="center"><strong>AuszÃ¼ge aus meinen frÃ¼heren KOS-Reiseberichten</strong></p>
<p><strong>April 2008</strong></p>
<p>(...) Die â€žCo-ordinated Declaration of Independence&quot; am 17. Februar 2008 verlief in frÃ¶hlicher und gelÃ¶ster Stimmung. Die kosovo-albanische FÃ¼hrung inszenierte das lang ersehnte Ereignis betont zurÃ¼ckhaltend. In Prizren waren bis zuÂ  5.000 Menschen auf der StraÃŸe. KFOR hatte bewusst aus den MÃ¤rz-Unruhen 2004 gelernt: enge Kooperation mit UNMIK und KPS (Kosovo Police Service); Vorausverlegung in â€žFoward Assembly Areas&quot;, um EinschlieÃŸungen vorzubeugen, Informationskampagnen und AnkÃ¼ndigung der eigenen Reaktionsweise bei Gewalt (adressiert ausdrÃ¼cklich an Nichtgewaltbereite); schrittweise Absenkung der Bereitschaftsgrade bis auf 30 Minuten; ReservekrÃ¤fte. ZusÃ¤tzlich beruhigend wirkte wohl auch die Temperatur von -15Â° C.</p>
<p>Anders war die Lageentwicklung im Norden. Dort wurden am 19. Februar die Grenzstation Gate 1 und DOG 31 niedergebrannt, am 21.2. gab es Ausschreitungen (SteinwÃ¼rfe, brennende Reifen) am Gate 3. Sie hÃ¶rten auf, als KFOR anrÃ¼ckte.</p>
<p>Am 14. MÃ¤rz wurde das Gericht von ehemaligen Justizangestellten in Nord-Mitrovica besetzt. Bei einem VermittlungsgesprÃ¤ch zwischen UNMIK und dem fÃ¼r Kosovo zustÃ¤ndigen serbischen Minister verweigerte dieser ein Einwirken auf die Besetzer.Â  UNMIK erfuhr, dass fÃ¼r den 17. MÃ¤rz auch die Besetzung der Polizeistation und des GefÃ¤ngnisses beabsichtigt war. Damit wÃ¤re das UN-Mandat fÃ¼r Nord-Kosovo erledigt gewesen. Um dem zuvor zu kommen, wurde das Gericht am Morgen des 17. MÃ¤rz gerÃ¤umt. Nachdem das ohne Widerstand geschafft war, entwickelten sich Ausschreitungen, wie sie das UN-Protektorat Kosovo noch nicht erlebt hatte. Erstmalig wurden tÃ¶dliche Waffen (Handfeuerwaffen, Splitterhandgranaten) auch gegen KFOR eingesetzt. 47 Personen wurden leicht verletzt (22 KFOR, 25 UNMIK Polizei), 4 schwer (2 UNMIK Polizei, 2 KFOR) schwer verletzt. EinÂ  ukrainischer UNMIK-Polizist verblutete an 50 Splittern. Obwohl KFOR inzwischen breit auf Crowd + Riot Control (CRC) eingestellt ist - mit solcher Art Gewalt hatte man nicht gerechnet.</p>
<p>Wir sehen ein internes Video der Ausschreitungen, die offenkundig vorbereitet und organisiert waren. Etliche GewalttÃ¤ter werden identifiziert: Es sind AngehÃ¶rige des serbischen Innenministeriums (MUP)!!!</p>
<p>Der 17. MÃ¤rz war Ã¼brigens der Jahrestag des Beginns der MÃ¤rzunruhen von 2004, eine Woche vor dem Jahrestag des Beginns desÂ  NATO-Luftkrieges am 24. MÃ¤rz 1999.</p>
<p>Ein taktisches VersÃ¤umnis war, dass KFOR nicht Ã¼ber die geplante RÃ¤umung informiert worden war und unmittelbar nicht genug Fahrzeuge zum Abtransport der 53 serbischen Besetzer bereitstanden.</p>
<p>Im Unterschied zu frÃ¼heren Gewalteskalationen im Kosovo, wo Einzelereignisse schnell zu einem FlÃ¤chenbrand fÃ¼hren konnten, kam es dieses Mal nicht zu einem â€žspill over&quot;. Die kosovo-albanische BevÃ¶lkerung blieb ruhig. Dazu wird wesentlich die albanische FÃ¼hrung beigetragen haben.</p>
<p>Gewaltfreier Protest gegen die UnabhÃ¤ngigkeit: Von ca. 800 serbischen KPS-AngehÃ¶rigen sei ca. die HÃ¤lfte dem Dienst ferngeblieben. Sie seien vom Belgrad unter Druck gesetzt, ihre Gehaltskonten seien geschlossenÂ  worden. Die albanische Seite sei damit sensibel umgegangen und bemÃ¼he sich um die RÃ¼ckkehr ihrer serbischen Kollegen: Das Fernbleiben werde als Krankheit bewertet und eine Barauszahlung des Solds ermÃ¶glicht. Zivilen Ungehorsam gab es auch bei der Justiz, der Eisenbahn und der Regionalverwaltung.</p>
<p>TÃ¤glich um 12.44 Uhr kommen Studierende an der Ibar-BrÃ¼cke in Mitrovica zusammen, um friedlich gegen die UnabhÃ¤ngigkeit zu demonstrieren.</p>
<p><strong>Warnung!</strong></p>
<p>FÃ¼r den Fall der Festnahme von GewalttÃ¤tern, der Wiederherstellung der Zollhoheit an den GrenzÃ¼bergÃ¤ngen im Norden oder die Ankunft von EULEX-Personal kÃ¼ndigte die serbische Seite erneut Gewalt an. Das gilt als glaubwÃ¼rdig. Deutsche KFOR-Offiziere betonen Ã¼beraus deutlich, dass KFOR - schon aus GrÃ¼nden der Selbstverteidigung - dann Waffen gegen GewalttÃ¤ter einsetzen wÃ¼rde. Verkompliziert werde es dadurch, dass bei Ausschreitungen gezielt Frauen und Kinder â€žnach vorne&quot; geschickt und die internationale Presse dazu eingeladen wÃ¼rde. Man stellt sich ganz offensichtlich auf eine neue â€žQualitÃ¤t&quot; von Auseinandersetzungen ein - eingeschlossen das Risiko â€žhÃ¤sslicher Bilder&quot;.</p>
<p>KFOR steht nach KPS und UNMIK-Police eigentlich in der â€ž3. Reihe&quot;. Angesichts der Reduzierung der UNMIK Special-Police-Units komme KFOR kÃ¼nftig schneller in die 1. Reihe.</p>
<p><strong>Juni 2007</strong></p>
<p>25.-28. Juni 2007 Besuch der Obleute des Verteidigungsausschusses in <strong>Kosovo und Bosnien-Herzegowina</strong>, an dem aber nur je ein Vertreter von SPD, Linksfraktion und GrÃ¼nen teilnahm.</p>
<p>In <strong>Pristina</strong> GesprÃ¤che mit dem Leiter des Dt. VerbindungsbÃ¼ros Eugen Wollfahrt, Vertretern des dt. Kontingents bei der UNMIK-Police, dem Kommandeur KFOR Generalleutnant Kather, dem PrÃ¤sidenten des Kosovo, Dr. Sejduk, dem ParlamentsprÃ¤sidium, dem Sonderbeauftragten des VN-General-sekretÃ¤rs RÃ¼cker, dem OSZE-Vertreter; in <strong>Prizren</strong> GesprÃ¤che mit dem Kommandeur des 17. Dt. Einsatzkontingents KFOR, Brigadegeneral Bund, und seinem Stab, mit dem Kommandeur der Multinationalen Brigade SÃ¼d, dem tÃ¼rkischen Brigadegeneral Tarcin, sowie Einweisung in das Schutzkonzept Novake und Besuch der Heeresflieger (Hubschrauber) in Toplicane.</p>
<p>Angesichts der immer wieder enttÃ¤uschten Hoffnungen auf eine politische LÃ¶sung/UnabhÃ¤ngigkeit sei das GlaubwÃ¼rdigkeitskapital der Internationalen Gemeinschaft wie auch der politischen Klasse bei den Kosovoalbanern fast aufgebraucht. Eine Stimmung wachse, dass es â€žZeit wird, die Dinge in die eigenen HÃ¤nde zu nehmen.&quot; Die Lage sei ruhig, aber nicht stabil und nicht vorhersehbar. Wenn es nicht bald eine Perspektive gebe, dann sei eine ganz neue Lage zu befÃ¼rchten. KFOR sei ganz anders als 2004 auf Unruhen vorbereitet: von der Kommunikations- und Dialogstrategie (â€žwalk + talk&quot;) und interethnische VerstÃ¤ndigungs-PR Ã¼ber gemeinsame Patrouillen von KFOR mit serbischen, mazedonischen, albanischen und montenegrinischen SicherheitskrÃ¤ften bis zur gemeinsamen FÃ¼hrung, Ausstattung, Ausbildung, Luftbeweglichkeit und der Befreiung von nationalen Vorbehalten. In der serbischen Enklave Novake fÃ¼hrt uns KFOR einen Schutzeinsatz gegen â€žanrÃ¼ckende gewaltbereite Demonstranten&quot; vor. Trotzdem: Nicht jede Lage sei beherrschbar. Und eine kosovarische UnabhÃ¤ngigkeitserklÃ¤rung, die unilateral von einem KFOR-Mitglied unterstÃ¼tzt wÃ¼rde, sei ein Super-GAU. Damit verlÃ¶ren UNMIK und KFOR ihre vÃ¶lkerrechtliche Grundlage und HandlungsmÃ¶glichkeit.</p>
<p>Erschwerend kommt hinzu, dass UNMIK personell schwÃ¤cher wird. In Erwartung des absehbaren Endes von UNMIK bewerben sich erfahrene MitarbeiterInnen auf andere VN-Posten. Die â€ž3. Reihe&quot; rÃ¼ckt nach vorne. Der Kosovo Police Service (KPS) gehÃ¶rt zu den wenigen Erfolgsgeschichten des Statebuilding im Kosovo. Ihre Grenzen sind bei der Organisierten KriminalitÃ¤t.</p>
<p>Ãœber UNMIK erhalten wir eine beeindruckende 12-seitige Liste mit Minderheitenprojekten der kosovarischen Regierung.</p>
<p>Die nÃ¤chsten Monate werden besonders heikel und explosiv. Mit Deutschen an der Spitze von UNMIK, KFOR und OSZE sowie der Spezialisierten UNMIK-Einheiten, der Abteilung Organisierte KriminalitÃ¤t, der Grenzpolizei und des UNMIK-Police-Stabes ist die Bundesrepublik ganz unmittelbar in besonderer Verantwortung.</p>
<p><em>â€žWie verhÃ¤lt sich die Bundesregierung bei einseitiger UnabhÃ¤ngigkeit? Das bewegt hier jeden!&quot;</em></p>
<p><strong>MÃ¤rz 2005 (2004)</strong></p>
<p>Am Flughafen Pristina werden wir von zwei Fahrern des deutschen VerbindungsbÃ¼ros aufgenommen,<em> mit denen ich zuletzt am 17. MÃ¤rz 2004 gefahren war. AnlÃ¤sslich eines Besuches bei deutschen UN-Polizisten im Kosovo waren wir am Vormittag durch den â€žVorzeige&quot;-Polizeidistrikt Lipjan bei Pristina gefahren, sahen skandinavische KFOR-Soldaten frÃ¼hlingssonnend und entspannt auf ihren gepanzerten Fahrzeugen, hÃ¶rten Ã¼ber Polizeifunk von der Eskalation der Gewalt in Mitrovica. WÃ¤hrend wir aus dem Kosovo ausflogen, explodierte in Lipjan und landesweit die Gewalt gegen die UN-Verwaltung im Kosovo (UNMIK) und die serbische Minderheit. In den Folgetagen erfuhr ich von deutschen Polizisten von der krassen Gewalt im Raum Pristina und Prizren, vom Zusammenbruch des international gestÃ¼tzten Gewaltmonopols und dem Versagen vor allem vieler KFOR-VerbÃ¤nde. (vgl. Bericht â€žPolizeimissionen auf dem Balkan - Gewaltexplosion im Kosovo&quot;, <a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>).</em></p>
<p><em>Vor diesem Hintergrund war auffÃ¤llig, wie selektiv und beschÃ¶nigend in den ersten Wochen in Berlin die Auswertung der MÃ¤rz-Unruhen auf dem normalen Bundeswehr- â€žDienstweg&quot; war. Es bedurfte des Einsatzes des Generalinspekteurs, des neuen Kommandeurs des Bundeswehrkontingents sowie skandalisierender Medienberichte (Spiegel: â€žDie Hasen vom Amselfeld&quot;), dass eine rÃ¼ckhaltlose bundeswehrinterne Aufarbeitung zustande kam und dann zÃ¼gig Konsequenzen gezogen wurden. FÃ¼r professionelle Besucher der Einsatzkontingente war das ein Sturz aus dem heiteren Himmel der Briefings, wonach die Lage immer herausfordernd, aber unter Kontrolle war.</em></p>
<p><em>Vertieft wurde die Aufarbeitung der MÃ¤rz-Unruhen inzwischen vom Verteidigungsausschuss. Eine integrierte ressortÃ¼bergreifende Auswertung, in die die Erfahrungen von Bundeswehr, Polizisten, Diplomaten und Zivilexperten eingegangen wÃ¤ren, war fÃ¼r uns Parlamentarier in Berlin lange Zeit nicht erkennbar. AnsÃ¤tze dazu gab es beim â€žRÃ¼ckkehrertreffen&quot; des ZIF und bei einer Podiumsdiskussion in der Bundesakademie fÃ¼r Sicherheitspolitik.</em></p>
<p><em>GrundsÃ¤tzlich stellt sich damit das Problem des internen Berichtswesens in hierarchischen, ressortgeteilten und dann noch multinationalen Organisationen: Hier gibt es offenkundig BeschÃ¶nigungsmechanismen, die sich aus individuellen und Organisationsinteressen ableiten und strukturell realitÃ¤tsnahe Lagebilder behindern. Eine Ã¶ffentliche und politische Diskussion, die personalisierend und gnadenlos immer nur nach â€žSchuldigen&quot;Â  sucht (z.B. die â€žnichtgemeldete Leiche von Prizren&quot;), verstÃ¤rkt solche Mechanismen und erschwert einen offenen und konstruktiven Umgang mit Defiziten und Fehlern.</em></p>
<p><strong>Besuch beim Deutschen Kontingent KFOR</strong></p>
<p>Nach dem Briefing im botschaftsÃ¤hnlichen Deutschen VerbindungsbÃ¼ro durch den stellvertretenden Leiter Stefan Kruschke Ã¼bernimmt uns im KFOR-Hauptquartier, dem ehemaligen â€žFilm-City&quot;, die Bundeswehr. Mit einem schweizerischen KFOR-Hubschrauber fliegen wir Ã¼ber verschneite HÃ¼gel und die Schraffur des kahlen Winterwaldes nach Prizren zum Sektor der Multinationalen Brigade SÃ¼dwest (MNB SW). Zurzeit wird sie vom deutschen Brigadegeneral Richard Rosmanith gefÃ¼hrt. Die deutsch-italienische MNB SW umfasst 7.000 Soldaten aus 11 Nationen. (Die anderen Brigaden sind viel weniger multinational: die MNB NE ist zu 80% franzÃ¶sisch, die MNB E zu 100% amerikanisch.)Â  Zur Brigade gehÃ¶ren fÃ¼nf Task Forces (DEU Prizren, IT Pec, TÃœR Dragas, SPA und Ã–ST), der deutsche Anteil liegt bei 2.700 Soldaten. Die dt. Task Force ist das einzige Einsatzbataillon der Bundeswehr auf dem Balkan. Der Einsatzraum fÃ¼r ihre vier deutschen und eine tÃ¼rkische Kompanie umfasst 600 qkm.</p>
<p>In Prizren besuchen wir Hot Spots vom MÃ¤rz: das Erzengel-Kloster im Tal der Bistrica und das Serbenviertel oberhalb der Altstadt. Der TF-Kommandeur aus Celle, Oberstleutnant Frank Peter Schmitz, und der junge Kompaniechef tragen vorbildlich klar und konzentriert vor. Das Erzengel-Kloster wurde ab 1348 zur Zeit der Schlacht auf dem Amselfeld erbaut und 1455 durch die TÃ¼rken zerstÃ¶rt. Steine vom Erzengelkloster wurden in der Sinan-Paha-Moschee in Prizren verbaut. Wo zeitweilig bis zu 250 MÃ¶nche lebten, waren es bis zum MÃ¤rz 2004 noch sieben. Das Kloster wurde damals von einem Zug mit zehn Soldaten gesichert. Technische Sperren gab es nicht. Man bereitete sich darauf vor, das Kloster an UNMIK-Police zu Ã¼bergeben. Am 17. MÃ¤rz gegen 20.00 Uhr wurde der Anmarsch einer gewalttÃ¤tigen Menge gemeldet und die MÃ¶nche daraufhin zum Gefechtsstand evakuiert. Gegen 22.00 Uhr nÃ¤herten sich ca. 250 Personen. Eine Hauptgruppe band die zehn Soldaten an der BrÃ¼cke, zwei andere Gruppen kamen von West und SÃ¼d. Ihr Hass richtete sich gegen die MÃ¶nche. Das Kloster wurde auf den Kopf gestellt und in Brand gesetzt. Vor den schwarzen FensterhÃ¶hlen des Klosters zeigt man uns Fotos von der frÃ¼heren sakralen Pracht.</p>
<p>Vom Beobachtungspunkt â€žAuge&quot; am Hang oberhalb des Serbenviertels und der Altstadt blicken wir auf die verschiedenen Orte der MÃ¤rz-Unruhen: Der Marktplatz mit Brunnen, wo sich die Demonstranten sammelten; die Ruine des serbisch-orthodoxen Bischofssitzes, wo ca. 1.000 Gewaltbereite auf WarnschÃ¼sse mit Beifall reagierten (man wusste, dass die Einsatzregeln Schusswaffengebrauch zum Objektschutz untersagten); das Priesterseminar, wo eine Leiche gefunden, aber nicht nach Berlin gemeldet wurde; die â€žFuchsbrÃ¼cke&quot; als Zufahrt zur Altstadt; das verspiegelte ehemalige UNMIK-GebÃ¤ude, einem Brennpunkt der Attacken im MÃ¤rz. Bis zum MÃ¤rz lebten im zerstÃ¶rten Serbenviertel noch wenige alte Leute. Seit den Unruhen niemand mehr.</p>
<p><em>Die Gewaltdemonstrationen am 17. und 18. MÃ¤rz Ã¼berraschten in ihrem AusmaÃŸ, ihrer IntensitÃ¤t und Organisiertheit auch sehr landeserfahrene Sicherheitsexperten vor Ort. Es war, als fÃ¤nden Kreuzberger Mai-Krawalle bundesweit und zusÃ¤tzlich mit Handgranaten, Schusswaffen etc. statt.Â  Die vielen Brennpunkte lieÃŸen bei KFOR und UNMIK-Police keine Schwerpunktbildungen mehr zu. Die regionalen SicherheitskrÃ¤fte mussten im Wesentlichen selbst mit ihrer regionalen Situation fertig werden. Das aber wurde zusÃ¤tzlich be- und oftmals verhindert durchÂ  eklatante FÃ¼hrungsmÃ¤ngel (VN-Sonderbeauf-tragter, einzelne KFOR-Kommandeure, unzureichende Abstimmung zwischen KFOR und UNMIK-Police), eine in der Extremsituation Ã¼berforderteÂ  MultinationalitÃ¤t bei KFOR (Sprachprobleme, nationale Vorbehalte), hemmende und uneinheitliche Einsatzregeln, fehlende KrÃ¤fte und Demo-Einsatz-mittel,Â  insbesondere eine auf Truppenreduzierung und RÃ¼ckzug orientierte MentalitÃ¤t bei KFOR. Einzelbeispiele: marschbereite Einsatzkompanien rÃ¼cken trotz Hilferufen der Polizei nicht aus; Soldaten werden ohne jede Meldung von einem Polizei-Hauptquartier abgezogen und hinterlassen eine offene Flanke.</em></p>
<p><em>Die Bilanz der Unruhen ist mit 19 Toten, 800-900 verletzten Zivilisten, 4.500 Vertriebenen, jeweils mehr als 50 Verletzten bei UNMIK-Police, KPS und KFOR schlimm. Zugleich ist angesichts der quantitativen Ãœberlegenheit, GewalttÃ¤tigkeit und Bewaffnung der Demonstranten und des groÃŸen Anteils junger Leute die Feststellung von militÃ¤rischer wie polizeilicher Seite nicht abwegig, dass Polizisten und Soldaten vor Ort mit DurchhaltefÃ¤higkeit und Besonnenheit das Schlimmste verhindert hÃ¤tten. (Das vor allem an die Adresse derjenigen, die meinen, mit einem breiten Schusswaffeneinsatz wÃ¤re die Lage schneller wieder unter Kontrolle gekommen.)</em></p>
<p>KFOR und das deutsche Kontingent haben aus dieser realen Niederlage - unabhÃ¤ngig von der Ã¶ffentlichen und parlamentarischen Debatte - zÃ¼gig und <strong>umfassend Konsequenzen</strong> gezogen. Das Bewusstsein bei KFOR habe sich gewandelt: Man habe gelernt, das Undenkbare zu denken.</p>
<p>Kosovoweit sind SchlÃ¼sselgebiete/-objekte definiert, die als â€žred boxes&quot; gegebenenfalls mit der Schusswaffe verteidigt wÃ¼rden. Sie sind umgeben von einer â€žblauen&quot; VerzÃ¶gerungszone, in der vor allem UNMIK-Police und Kosovo Police Service (KPS) agieren. Die Reduzierung von KFOR ist gestoppt. Viel mehr Soldaten stehen inzwischen als â€žManÃ¶verkrÃ¤fte&quot; zur VerfÃ¼gung, ggfs. auch Fernmelder, Pioniere und Logistiker (insgesamt mehr als die HÃ¤lfte der Brigade). FrÃ¼he Vorwarnung, VerzÃ¶gerung und potentielle GewalttÃ¤ter auf Distanz halten, hohe LuftmobilitÃ¤t und EinsatzflexibilitÃ¤t stehen jetzt im Vordergrund. Nationale Vorbehalte (caviats) wurden weitgehend abgebaut. VerstÃ¤rkungskrÃ¤ften kÃ¶nnen binnen ein bis zwei Stunden herangefÃ¼hrt werden. Die Soldaten sind jetzt auf â€žCrowd &amp; Riot Control&quot; (CRC) vorbereitet, die FÃ¤higkeit zur abgestuften - immer verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigen - Eskalation wurde auf der Ebene der â€žnichtletalen&quot; Mittel erheblich verbessert. Den Soldaten steht neben ausreichenden Demo-Schutzausstattungen ein umfassendes Arsenal von Distanz- und Wirkmitteln zur VerfÃ¼gung: AbdrÃ¤ngstock, Pfefferspray, Reizstoffpatronen und Hartgummigeschosse, CS-WurfkÃ¶rper. Hier seien â€žkeine WÃ¼nsche offen&quot;. Das CRC-Konzept wurde wohl in Abstimmung mit den deutschen Polizeien entwickelt. Die Einsatztaktik bleibt aber von der polizeilichen verschieden. Zum Schutz von Personen und Objekten sollen primÃ¤r Angreifer auf Distanz gehalten und nicht etwa ergriffen werden.</p>
<p>Ein Knackpunkt fÃ¼r das richtige Verhalten im Einsatz - und damit fÃ¼r die Ausbildung der militÃ¤rischen FÃ¼hrer - ist die FÃ¤higkeit, bei plÃ¶tzlichen LageverÃ¤nderungen schnell eigenstÃ¤ndig â€žumschalten&quot; zu kÃ¶nnen und dabei weder zurÃ¼ckzuweichen noch Ã¼berzureagieren.</p>
<p>Da auf dem Balkan GlaubwÃ¼rdigkeit oft nur mit Gewalt(drohung) zu schaffen sei, wird die KFOR-StÃ¤rke demonstrativ gezeigt und die Gegenseite zu Ãœbungen eingeladen - verbunden mit der klaren Botschaft, dass alle weiteren Unruhen die UnabhÃ¤ngigkeit auf den St. Nimmerleinstag verschieben wÃ¼rde.</p>
<p>KFOR ist damit viel besser in der Lage, gewalttÃ¤tige Angreifer abzuwehren und Menschen und wichtige Objekte wirksam zu schÃ¼tzen. Dabei will man auf keinen Fall von den â€žHasen&quot; zu den â€žKillern vom Amselfeld&quot; werden. An die Politik wird appelliert, darauf zu achten, dass MilitÃ¤r nicht zu sehr in die Polizeiarbeit gezogen wird.</p>
<p>Kontakte und Zusammenarbeit mit UNMIK-Police wurden intensiviert. Inzwischen gibt es auch gemeinsame Ãœbungen. Man demonstriere den Ã¶ffentlichen Schulterschluss.</p>
<p>Allerdings sind UNMIK-Police und KPS lÃ¤ngst nicht so gut ausgestattet wie KFOR.</p>
<p>Es bleibt die politische Frage: Was sind das fÃ¼r VerhÃ¤ltnisse, wo ein Kloster mit zzt. 6-8 MÃ¶nchen mit einem solchem internationalen Personal- und Materialaufwand geschÃ¼tzt werden muss!</p>
<p>Â </p>
<p>Â </p>
<hr size="1" />
<p><a name="_ftn1" href="index.php/articles/news/1036#_ftnref1">[1]</a> Klaus Reinhardt: KFOR - StreitkrÃ¤fte fÃ¼r den Frieden. Tagebuchaufzeichnungen als deutscher Kommandeur im Kosovo, Frankfurt/Main 2001</p>
<p><a name="_ftn2" href="index.php/articles/news/1036#_ftnref2">[2]</a> Vgl. Andreas Ernst: Kosovos glÃ¼cklose Baumeister - Das Wechselspiel internationaler und lokaler Akteure als SchlÃ¼ssel zur Staatsbildung, in Neue ZÃ¼rcher Zeitung 17.2.2011; Berit Bliesemann de Guevara, Florian KÃ¼hn: Illusion Statebuilding - Warum sich der westliche Staat so schwer exportieren lÃ¤sst, edition KÃ¶rber-Stiftung, Hamburg 2010</p>
<p><a name="_ftn3" href="index.php/articles/news/1036#_ftnref3">[3]</a> Jean-Arnault Derens: Die UCK vor Gericht - Aufarbeitung des schmutzigen Kriegs im Kosovo, u.a. Ã¼ber die â€žDrenica-Gruppe&quot; in der UCK und ihre Gefangenlager in Albanien, Ã¼ber das Verschwinden serbischer Zivilisten und politische Morde an AnhÃ¤ngern der Rugova-Partei LDK.</p>
<p>Â </p>
<p>Â </p></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
