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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: HeiÃŸ in jeder Hinsicht: Besuch der Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afrika + Rede von Winfried Nachtwei</span>

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            HeiÃŸ in jeder Hinsicht: Besuch der Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 4. Oktober 2006 11:20:16 +01:00 (126870 Aufrufe)            </div>
            <div>    Vom 24. bis 27. September 2006 besuchten die Obleute und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses zusammen mit Verteidigungsminister und Generalinspekteur die Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo. Winfried Nachtwei nahm an der Reise teil und verfasste anschlieÃŸend folgenden Bericht:</div>
            <div>    <p align="center"><strong>HeiÃŸ in jeder Hinsicht: Besuch der Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo<br /></strong>Winfried Nachtwei, MdB (4. Oktober 2006)</p><p><em>Am  24.-27. September besuchten die Obleute und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses zusammen mit Verteidigungsminister und Generalinspekteur die <strong>Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo</strong>. Mit dabei waren ca. 20 Pressevertreter und eine Menge PersonenschÃ¼tzer. Am Horn von Afrika interessiert vor allem die RealitÃ¤t des wenig beachteten Marine-Dauereinsatzes vor dem Hintergrund der im Oktober anstehenden MandatsverlÃ¤ngerung und des anlaufenden Libanon-Einsatzes. Im Kongo interessieren Stand des Wahlprozesses und Sicherheitslage nach den schweren Auseinandersetzungen um den 21. August und die Frage, ob EUFOR und Bundeswehr tatsÃ¤chlich ab 1. Dezember abziehen kÃ¶nnen. Am Horn von Afrika war ich zuletzt vor 24 Jahren - im Rahmen des NotÃ¤rzte-Komitees in Hargeisa/Nordsomalia, dem heutigen Somaliland. Nach der Woche im April ist es mein zweiter Kongo-Besuch. (Bericht unter <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a>)</em></p><p><strong>Djibouti und Horn von Afrika</strong></p><p>Als wir nach sieben Stunden um 20.00 Uhr mit dem Luftwaffen-Airbus â€žKonrad Adenauer&quot; in Djibouti landen, herrschen noch 32Â° C, die dank extremer Luftfeuchtigkeit den SchweiÃŸ auch beim Sitzen nur so flieÃŸen lassen. </p><p>Besuch der Fregatte â€žSchleswig-Holstein&quot;, die an der Ã¤uÃŸersten Spitze des groÃŸen und recht modernen Hafens von Djibouti angelegt hat. Mit seiner Lage an den Hauptschlagadern des Welthandels und als Zentralhafen fÃ¼r das Binnenland Ã„thiopien mit seinen ca. 80 Mio. Einwohnern hat Djibouti eine herausragende Bedeutung. Zusammen mit dem Betriebsstoffversorger â€žSpessart&quot; und der Marine-Logistik-Basis in Djibouti bildet die Fregatte den dt. Beitrag zur Coalition Task Force 150 als Teil der US-gefÃ¼hrten Operation Enduring Freedom (OEF) - Horn of Africa (HOA). (vgl. <a href="http://www.hoa.centcom.mil/">http://www.hoa.centcom.mil/</a>) Das dt. Kontingent umfasst ca. 320 Soldaten, davon 240 (12 Soldatinnen) auf der Fregatte unter FregattenkapitÃ¤n Wetters. (Obergrenze lt. Bundestagsbeschluss 1.500 Soldaten)  </p><p>Zur CTF 150 gehÃ¶ren auÃŸerdem zwei franzÃ¶sische, je eine pakistanische und US-Fregatte sowie zwei US-ZerstÃ¶rern. Die CTF 150 wird zum 4. Mal von Deutschland (Flottillenadmiral Lange) gefÃ¼hrt. Neben der  CTF 150 unterstehen dem US Central Command in Tampa/Florida und dem Coalition Forces Maritime Component Command (CFMCC) bzw. USNAVCENT in Bahrein (&quot;Doppelhut&quot; des US-Vizeadmiral Walsh) etliche weitere Task Forces in der Region: CTF 152 sÃ¼dlicher Persischer Golf, TF 158 irakische KÃ¼ste, TF 50 Carrier Strike Group, TF 54 Submarine Force, TF 56 Mobile EOD Unit, TF 57 MPA/RECCE Force, TF 53 Logistic Forces, TF 55 Middle East Forces, TF 561 Naval Special Warfare Group, TF 51 Expeditionary Strike Group.   </p><p><u>Der Einsatzraum</u> der Task Force umfasst das Seegebiet um das Horn von Afrika, sÃ¼dliches Rotes Meer und Bab el Mandeb, Golf von Aden, Golf von Oman, StraÃŸe von Hormus bis 56Â° Ost, KÃ¼ste Somalias bis HÃ¶he Mombasa, insgesamt  ca. 6.000 nautische Meilen (1 nm = 1852 m) KÃ¼stenlinie, 2.100 nm diagonal SW - NO und die zehnfache FlÃ¤che Deutschlands. Hierdurch gehen die  wichtigsten und sensibelsten Seewege der Welt: ca. 50% der weltweiten Ã–lversorgung, der ganze Container-Verkehr zwischen Ostasien und Europa. Durch die StraÃŸe von Hormus/Persischer Golf (55 km schmal) gehen pro Tag  75 Supertanker und andere GroÃŸschiffe, durch den  Bab el Mandeb (â€žStraÃŸe der TrÃ¤nenâ€ž, Eingang Rotes Meer, 27 km schmal)  55. Vor zwei Wochen habe es im Jemen zeitgleich einen Anschlagsversuch gegen eine Ã–lverladestelle bei Mukalla und eine Raffinerie mit zwei Fahrzeugen gegeben. Das erste sei durchgebrochen, das zweite von SicherheitskrÃ¤ften gestoppt worden. (Erinnerung an den Anschlag auf den Tanker Limburg in derselben Gegend vor vier Jahren) Reichlich individuelle und organisierte Piraterie gab es vor den KÃ¼sten Somalias und Somalilands. Mit der Machtergreifung der islamistischen â€žUnion islamischer Gerichte&quot; in Somalia ist die von den Warlords betriebene Piraterie zum Erliegen gekommen. Am Tag unseres Djibouti-Besuches nehmen dort die Islamisten die strategisch wichtige Hafenstadt Kismayo ein. WÃ¤hrend des gerade begonnenen Fastenmonats Ramadan soll sogar das sonst allgegenwÃ¤rtige Rauschmittel Khad verboten werden. Die â€žislamischen Gerichte&quot; sind als extremistisch eingestuft, manche ihrer Akteure sollen Al Qaida nahe gestanden haben. Die von Ã„thiopien unterstÃ¼tzte Interimsregierung beherrscht nur noch die Provinzhauptstadt Baidao 250 km nordwestlich von Mogadischu. Schmuggel gibt es in dieser Region seit alters her.  </p><p><u>Auftrag des Verbandes</u>: SeeraumÃ¼berwachung, Kontrolle terroristischer Nachschubwege und Konterbande (Schleichhandel bzw. Schmuggel auf See), Eskortieren gefÃ¤hrdeter Schiffe an neuralgischen Punkten, Sammlung und Auswertung von Informationen, Nothilfe bei Seenot, UnglÃ¼cksfÃ¤llen und Naturkatastrophen, UnterstÃ¼tzung regionaler Sicherheitskooperation. Generell gehe es darum, durch PrÃ¤senz mehr Sicherheit und StabilitÃ¤t in einem unstrukturierten Gebiet zu schaffen und Terrorismus abzuschrecken.</p><p><u>Operationsformen: </u></p><p>- Heute Baseline-Operations: Patrouillenfahrten in zugewiesenem Seegebiet. </p><p>- Beobachtung und Erfassung aller Schiffsbewegungen, von Piraterie und Menschenhandel (zu letzterem hat man wohl kein Mandat, gibt aber die Informationen an ZustÃ¤ndige weiter); ggfs. Abfragen von Schiffen; </p><p>- â€žContacts of Interest&quot; sind auf Grund nachrichtendienstlicher Hinweise bzw. anderer Anhaltspunkte verdÃ¤chtige Schiffe, die â€žbesucht2 werden (Boarding): Untersuchung von Papieren und Ladung, Personalienfeststellung; hierbei ist ein Handelsoffizier sehr hilfreich; Datenweitergabe an`s Hauptquatier;</p><p>- Die Rules of Engagement (Einsatzregeln) gelten nur fÃ¼r Seeoperationen, also nicht an Land und nicht innerhalb fremder TerritorialgewÃ¤sser. Sie ermÃ¶glichen vielfÃ¤ltige abgestufte MaÃŸnahmen zur DurchfÃ¼hrung des Auftrags und zum Eigenschutz: Sie reichen bis Schuss vor den Bug, gezielte BeschÃ¤digung, zwangsweise Umleitung und Festnahme. Solche MaÃŸnahmen mussten in den vier Jahren bisher nicht ergriffen werden. Die deutschen Einsatzregeln seien angemessen und hinreichend und lÃ¤gen im normalen Durchschnitt der Teilnehmernationen. Die deutschen KrÃ¤fte agieren im unteren Level der Eingriffsrechte und erreichen in der Regel Kooperation. In der Praxis komme es viel mehr auf FingerspitzengefÃ¼hl an. Die Besatzungen seien oft zuvorkommend. Oft werde man auch an Bord eingeladen: Man bringe dann kleine Geschenke wie Arbeitshandschuhe, Erste-Hilfe-KÃ¤sten oder Wasser mit. Ein Boardingteam kommt per Schlauchboot oder vom Hubschrauber aus an Bord. Ein solcher â€žBesuch&quot; kann ca. vier Stunden dauern und ist schon wegen der manchmal unmÃ¶glichen VerhÃ¤ltnisse an Bord nicht ungefÃ¤hrlich. Die Art und Weise des Auftretens sei wichtiger als alle Richtlinien.</p><p>Die US-KrÃ¤fte hÃ¤tten neben einem Ã¼ber OEF hinausgehendem Aufgabenspektrum (offensiv gegen Drogentransporte) auch weitergehende Rechte, ggfs. auch zum opposed, also zwangsweisen Boarding. US-KrÃ¤fte seien Ã¼berhaupt mehr fÃ¼r das obere Risikospektrum ausgebildet. Das aber laufe dem Anliegen eines strategischen Dialogs zuwider. </p><p>- TerritorialgewÃ¤sser: Diese dÃ¼rfen nur mit Genehmigung der jeweiligen Anrainerstaaten befahren werden. Bei dem failed State Somalia ist das ein offenkundiges Problem. Mit Oman und Jemen laufen zzt. Verhandlungen, um hier zwar nicht generell Zugangsrechte, aber fÃ¼r schwere FÃ¤lle zu erhalten. Denn Vorrang soll die EigenbefÃ¤higung der Anrainerstaaten haben.     </p><p>- Pulse Operation, um verdÃ¤chtige Schiffe zu entdecken (Abweichung vom â€žNormalverhalten&quot;);  </p><p>- Begleitschutz vor allem bei Tankern. </p><p>- Nothilfe ist immer wieder mal angesagt. In dieser Weltgegend mangelt es den Anrainerstaaten an entsprechenden RettungskapazitÃ¤ten. </p><p>- Sicherheitskooperation: Die Anrainerstaaten sollen befÃ¤higt werden, selbst fÃ¼r KÃ¼stenschutz und Seesicherheit zu sorgen. (â€žEndstate&quot;) UnterstÃ¼tzung beim Aufbau von Marinen und KÃ¼stenwachen und Ãœbungen mit ihnen. Im Jemen z.B. wird die Hafensicherheit gefÃ¶rdert. (Offen bleibt fÃ¼r mich der Stellenwert diese strukturellen StabilisierungsbeitrÃ¤ge und wie intensiv und umfassend sie betrieben werden.) </p><p><u>Bilanz des dt. Kontingents</u>: Seit Februar 2002 wurden 11.100 Seefahrzeuge kontrolliert (z.T. abgefragt), es gab 50 Boardings verdÃ¤chtiger Schiffe und 70 GeleitschutzauftrÃ¤ge. Nach 120.000 Inspektionen in See insgesamt durch die gesamte CTF 150 habe man einen ganz guten Ãœberblick, wer auf welchen Pfaden wandle.  </p><p><u>An Bord der Fregatte</u>: Im Unterschied zu den grÃ¶ÃŸeren US-ZerstÃ¶rern hat die â€žSchleswig-Holstein&quot; Raum fÃ¼r die Operationszentrale der Task Force 150. Hier hÃ¤tte dann beim Libanon-Kontingent auch ein libanesischer Verbindungsoffizier seinen Platz. </p><p>- Beim Auslaufen aus dem Hafen sind vor allem die Waffenstationen fÃ¼r den Nahbereich zum Selbstschutz (20-mm-Maschinenkanone und Maschinengewehre) besetzt. Auch hier sind die EinsatzmÃ¶glichkeiten abgestuft. Die Soldaten mÃ¼ssen sehr genau und schnell unterscheiden kÃ¶nnen. Manche kleinen Fischerboote schaffen mehr als 30 Knoten, sind bis zu sieben Tagen unterwegs und haben manchmal eine Fahrweise wie Piraten. Den Soldaten ist kein scharfer Einsatz in Erinnerung. </p><p>- VersorgungsmanÃ¶ver mit dem Tanker â€žSpessart&quot;: In Parallelfahrt werden VersorgungsschlÃ¤uche rÃ¼bergeholt und verkoppelt.</p><p>- Boarding: Die Ausbildung der Boardingteam-Soldaten dauert sechs Monate. Unter ihnen sind auch einige FWDL`er (lÃ¤ngerdienende Wehrpflichtige) sowie eine 21-jÃ¤hrige Soldatin. Auf der â€žSpessart&quot; seilt sich das Boardingteam aus dem Hubschrauber ab.   </p><p><u>Die Arbeitsbedingungen</u> fÃ¼r die Soldaten sind extrem: Wenn die Maschinen nicht selten mit Meereswasser von bis zu 37Â° â€žgekÃ¼hlt&quot; werden mÃ¼ssen und im Maschinenraum bis zu 65Â° herrschen, dann ist ein Schlafen in den KajÃ¼ten nicht mehr mÃ¶glich. Auf DauereinsÃ¤tze in solchen Breiten sind kaum irgendwelche Marinen voll eingestellt. Angefangen mit der Fregatte â€žBayern&quot; soll bei der Bundesmarine eine entsprechende UmrÃ¼stung anlaufen.    </p><p>Die â€žSchleswig-Holstein&quot; ist seit Juni im Einsatz. Die Ã¼bliche Einsatzzeit liegt bei 180 Tagen, fÃ¼nf Monate im Einsatzraum und je 14 Tage hin und zurÃ¼ck. Davor lÃ¤uft die zweimonatige Einsatzvorbereitung in GroÃŸbritannien. Wegen des Libanon-Einsatzes wird die Fregattenbesatzung einen Monat spÃ¤ter, also auf Weihnachten nach Hause kommen. Solche Unberechenbarkeiten sind nicht selten, aber vor allem fÃ¼r AngehÃ¶rige eine enorme Belastung. Nicht der Einsatz, sondern die lange Abwesenheit sei das Belastende. Drei Monate nach RÃ¼ckkehr gehe es dann schon wieder Richtung Libanon. Die Trennungsquote bei MarineangehÃ¶rigen ist besonders hoch. </p><p><u>Zusammengefasst</u>: Kern des Einsatzes hier ist, zur Seesicherheit in einem vital bedeutsamen wie gefÃ¤hrlichen Raum beizutragen. Der deutsche Beitrag zu OEF-HOA ist offenkundig mehr eine Art maritime ISAF als ein OEF-Anti-Terroreinsatz. Wie wirksam der Ursprungsauftrag â€žÃœberwachung und Verhinderung terroristischer Bewegungen Ã¼ber See&quot; umgesetzt wird, lÃ¤sst sich nicht beweisen und hÃ¶chstens vermuten: Belege fÃ¼r terroristische Bewegungen auf See wurden bisher nicht gefunden. Es gab nur Vermutungen. Das kann das Ergebnis einer abschreckenden Wirkung des Marineeinsatzes sein, muss aber nicht. Seit dem Terrorangriff auf den Tanker Limburg vor vier Jahren gab es immer wieder kriminelle Angriffe Einzelner auf Schiffe, aber keinen weiteren organisierten terroristischen Zwischenfall auf See. </p><p>Da Deutschland hier keine Sonderinteressen vertrete und kooperativ auftrete, sei es in der Region besonders angesehen. </p><p>Ein Ende des Einsatzes ist angesichts der â€žVitalitÃ¤t&quot; der zugrunde liegenden Interessen und der weit entfernten Stabilisierung und EigenbefÃ¤higung der Anrainerstaaten nicht absehbar.   </p><p><u>Djibouti allgemein</u>: Im expandierenden Hafen mit seinen Container-Gebirgen sind nur kleine traditionelle Inseln zu sehen - ein Gehege mit Kamelen, auf dem Wasser einige Dhow`s, die traditionellen arabischen Handels- und Segelschiffe. Auf dem gegenÃ¼berliegenden Ufer liegen kaum erkennbar ein Armenviertel und Lager fÃ¼r FlÃ¼chtlinge aus Somalia, dazwischen die grÃ¶ÃŸte Moschee der Stadt. FÃ¼r Soldaten gilt die Gegend als no-go-area. Von dort schwimmen MÃ¤nner immer wieder zum - landseitig krÃ¤ftig gesicherten - Hafen, um sich dort als TagelÃ¶hner zu verdingen.  </p><p>Von der Stadt selbst sehen wir nur ziemlich ordentliche Randgebiete mit auffÃ¤llig vielen Kreisverkehren. In Djibouti kÃ¶nnen sich Soldaten frei bewegen. Allerdings gibt es Viertel, wo auch franzÃ¶sische FremdenlegionÃ¤re lieber nicht hingehen. Wer dort verschwindet, wird nicht mehr gesucht. </p><p>Die Kerndelegation ist wohl klimatisiert im Sheraton-Hotel untergebracht. Das Hotel der Presseleute ist wegen StromausfÃ¤llen weniger verlÃ¤sslich klimatisiert und fÃ¼r seine GÃ¤ste deshalb landestypisch schweiÃŸtreibend. </p><p>Wiedersehen mit dem berlinernden, ehemaligen US-MilitÃ¤r-Attache in Berlin, der jetzt fÃ¼r Ã„thiopien und â€žUmgebung&quot; zustÃ¤ndig ist und Ã¼ber langjÃ¤hrige Erfahrungen im arabischen Raum verfÃ¼gt und dem noch schlimme Erlebnisse von Kongo 1997 in den Knochen stecken. Im GesprÃ¤ch mit ihm kommt viel von der Kompliziertheit und BrutalitÃ¤t der Konflikte in dieser Weltgegend hoch, von der wir bei unserer perfekt organisierten und geborgenen Stippvisite nur entferntest, abstrakt und klimatisiert was mit bekommen.   </p><p><strong>Gabun</strong></p><p>Am 25.9. ab 15.00 in fÃ¼nf Stunden Ã¼ber Ã„thiopien, Sudan, Zentralafrikanische Republik nach Libreville/Gabun am Atlantik knapp oberhalb des Ã„quator. Bei Ankunft sind es hier nur 28Â° C.</p><p>Gabun ist seit 1960 unabhÃ¤ngig. Seit 1967, also 39 Jahren, ist der zum Islam Ã¼bergetretene El Hadj Omar Bongo Ondimba PrÃ¤sident eines der â€žreichsten&quot; und stabilsten LÃ¤nder Afrikas. Gabun hat nie solche Krisen wie die NachbarlÃ¤nder gesehen. Ende des Jahres finden Parlamentswahlen statt. Hier scheint der Rohstoffreichtum (ErdÃ¶l, Tropenholz, Mangan, Uran, Gold) noch nicht zum Fluch geworden. Bei einer BevÃ¶lkerung von 1,5 Mio. betrÃ¤gt das statistische Prokopfeinkommen/Jahr immerhin 3.760 Euro (im Kongo Ende 2003 um 100 US-$!). Gabun sei besonders an einem stabilen Kongo interessiert. Hier kommen im Krisenfall auch als erstes die FlÃ¼chtlinge an. Der alte PrÃ¤sident soll Einfluss auf die jungen StreithÃ¤hne im Kongo haben. Massiv ist die franzÃ¶sische PrÃ¤senz. Seit dem Niedergang und der Spaltung der unter StaatsprÃ¤sident Houphouet-Boigny (1960-1993) stabilen ElfenbeinkÃ¼ste ist Gabun ist eine der letzten SÃ¤ulen von France afrique. </p><p>Bei unseren schnellen Konvoifahrten Ã¼ber die mehrspurige Durchgangsstrasse macht Libreville einen sehr aufgerÃ¤umten und relativ â€žunarmen&quot;, ja z.T. wohlhabenden  Eindruck. Ein Indikator ist der Zustand der Autos: Sie sind meist gut in Schuss,  kein Vergleich mit der Masse der Schrottkisten auf den StraÃŸen von Kinshasa. Dass sich Soldaten, die von dort hierher kamen, nahezu im Paradies wÃ¤hnten, kann ich verstehen. Umgekehrt ist dieser Eindruck fÃ¼r uns und ein etwas differenzierteres Afrikabild wichtig.</p><p>Empfang durch die deutsche Botschafterin Ilse Lindemann-Macha. Besuch des dt. Einsatzkontingents EUFOR RD Congo, von dem  zzt. 386 Soldaten in Libreville und 339 in Kinshasa sind. In Libreville sind die deutschen KrÃ¤fte an vier Orten untergebracht und an fÃ¼nf Orten eingesetzt. Im Camp â€žDragages Gabon&quot; liegen Stab, Logistik, Role 1. Im Feldlager â€žPolice Academy&quot; ist inzwischen die Masse der Soldaten untergebracht. </p><p>Am 18. Juli war Buwe mit allen Teilen hier, teilweise mit 500 Soldaten. Innerhalb von elf Tagen wurde planmÃ¤ÃŸig die Einsatzbereitschaft gemeldet. Ein ganz besonderes Erschwernis war, dass die spanische Firma, die Unterbringung und Verpflegung bereitstellen sollte, dies aus verschiedenen GrÃ¼nden nicht fristgerecht schaffte, weshalb anfangs acht Hotels und zwei andere UnterkÃ¼nfte fÃ¼r teures Geld genutzt werden mussten. In dieser schwierigen Startphase war offenbar auch die Zusammenarbeit mit der franzÃ¶sischen Seite enttÃ¤uschend.  </p><p>Die Personalobergrenze ist so knapp bemessen, dass bei einem Personalaustausch Ãœbergaben nicht mÃ¶glich sind. (Das ist eine Folge der innenpolitisch motivierten Knauserigkeit bei der Festlegung von Obergrenzen. Es widerspricht der langjÃ¤hrigen Erfahrung, dass Obergrenzen Spielraum fÃ¼r einen gleitenden Personalwechsel lassen mÃ¼ssen.)</p><p>Sehr wichtig ist die stÃ¤ndige Rotation mit Kinshasa, wo neben den stÃ¤ndigen KrÃ¤ften dort stÃ¤ndig ein Einsatzzug ist. Anfangs war die Unsicherheit groÃŸ, was einen in Kinshasa erwarten wÃ¼rde. </p><p>In Libreville und Kinshasa verfÃ¼gt die Buwe jeweils Ã¼ber hundert Fahrzeuge. Die Masse der 23 Mungos ist voraus in Kinshasa stationiert. </p><p>Angesichts des Enddatums 30. November hat Buwe mit der Planung der RÃ¼ckverlegung (Redeployment) begonnen. Die Soldaten beschÃ¤ftigt es sehr, ob es ab 30. November wirklich zurÃ¼ckgeht. </p><p>Im Feldlager Police Academy stehen fÃ¼r Buwe 39 klimatisierte Unterkunftszelte fÃ¼r je 6-9 Personen zur VerfÃ¼gung. Pro Soldat gibt es ein Bett (1,90 m), einen Stuhl, einen Leichtschrank und ein Wertfach. </p><p>Beim GesprÃ¤ch mit den Vertrauensleuten sind Hauptthemen die fristgemÃ¤ÃŸe Beendigung der EUFOR-Mission und angebliche Defizite beim Ã¤rztlichen Personal - was spÃ¤ter zufriedenstellend geklÃ¤rt wird. </p><p>Auf dem militÃ¤rischen Teil des Flughafens Verabschiedung von deutschen und gabunesischen FallschirmjÃ¤gern zum gemeinsamen Sprungdienst mit franzÃ¶sischen Schirmen. </p><p>Die deutsche PrÃ¤senz sei, wie es heiÃŸt, sehr willkommen. Die zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit gewinne an Fahrt. Erwartungen an Deutschland seien riesig. GesprÃ¤che kreisen auffÃ¤llig lange um Buwe-Hilfen (quick-impact bei Impfprogrammen und in Lambarene), so dass der eigentliche und einzige Auftrag, schnellst- und bestmÃ¶glich fÃ¼r Kinshasa zur VerfÃ¼gung zu stehen, in den Hintergrund tritt. </p><p>DarÃ¼ber bleiben auch MÃ¶glichkeiten ungenutzt, mehr zu den RealitÃ¤ten des Landes zu erfahren (was kommt nach dem 71-jÃ¤hrigen, kranken Bongo? Risiko einer ElfenbeinkÃ¼sten-Entwicklung) und den Stellenwert des relativ stabilen Gabun in einer deutschen Afrikapolitik zu diskutieren. Angesichts der Tatsache, dass die hiesige Botschaft aus nur zwei  â€žEntsandten&quot; plus drei OrtskrÃ¤ften (wÃ¤hrend EUFOR um drei Entsandte aufgestockt) besteht, scheint der Stellenwert Gabuns aus Berliner Sicht eher gering zu sein. FÃ¼r andere LÃ¤nder sieht das ganz anders aus. Neben dem hier etablierten Frankreich fasst China in Gabun massiv und strategisch FuÃŸ: Aufgegriffen werden Projekte, die der Westen liegen lieÃŸ: Hafen, Eisenbahnlinie, ParlamentsgebÃ¤ude - lauter Prestigeprojekte. Kredite gibt es zu gÃ¼nstigen Bedingungen, mit antikolonialer Rhetorik und ohne politische Auflagen wie Good Governance und Menschenrechtern bei EU-Krediten.</p><p>Nach dem offiziellen Programm erlauben wir uns zu drei Kollegen am Abend noch etwas Freigang an der KÃ¼stenstraÃŸe entlang. Unsere PersonenschÃ¼tzer kommen so auch endlich mal an die etwas frischere Luft. </p><p><strong>Kinshasa - Demokratische Republik Kongo</strong></p><p>Am 26.9. um 11.00 Uhr Abflug nach Kinshasa/Kongo. Empfang am internationalen Flughafen N`Djili durch den kongolesischen Verteidigungsminister Dr. Adolphe Onusumba. Wider mein Erwarten gelangt der Konvoi sehr zÃ¼gig Ã¼ber den sonst berÃ¼chtigt vollen Boulevard Lumumba ins Zentrum. Die Eskorte der Spezialpolizei UPI (UnitÃ© de Police IntegrÃ©e) bringt tatsÃ¤chlich den Chaos-Verkehr an die Seite und zum Stehen. Die Kongo-Erstlinge sind Ã¼berwÃ¤ltigt-erschÃ¼ttert von den Menschenmassen, von den vermÃ¼llten FlÃ¤chen, den Ã¼berladenen Schrottautos, den Ã¤rmlichsten Provisorien. Umso bemerkenswerter die sehr saubere Kleidung der Menschen. Ab und zu sind am StraÃŸenrand kleine Parzellen mit GemÃ¼se zu sehen.</p><p>Das <u>Force Headquarter von EUFOR</u> auf dem Innenstadt-Flugfeld N`Dolo besteht im Zentrum aus modernen und mobilen franzÃ¶sischen Funktionscontainern. Briefings durch den Force Commander, den frz. Generalmajor Damay, und seinen Stellvertreter, den dt. Flottillenadmiral Henning Bess. </p><p>Zzt. stehen 1.150 Soldaten in Kinshasa und 1.250 in Gabun. Die Strategische Reserve in SÃ¼dfrankreich umfasst 850 Soldaten. EUFOR stehen sieben Flugzeuge und drei Hubschrauber zur VerfÃ¼gung. Die Einsatzbereitschaft wurde planmÃ¤ÃŸig am 29. Juli hergestellt. Vom 6.-16. August fand in Kananga eine Ãœbung statt, um EUFOR auch auÃŸerhalb Kinshasa bekannt zu machen. </p><p>Die PrÃ¤sidentschaftswahlen: Inzwischen haben die dritt- und viertplazierten Kandidaten Gizenga (13%) und Mobutu (5%) Kabila (45%) ihre UnterstÃ¼tzung fÃ¼r den zweiten Wahlgang zugesagt. Der zweitplazierte Bemba, der vor allem in Kinshasa und Equateur gewann, ist deshalb ohne grÃ¶ÃŸeren Partner. (Inzwischen wollen ihn aber Teile der Tschisekedi-Partei UDPS unterstÃ¼tzen.) Bemba, der am 21. August seinen Hubschrauber verlor und einen Monat spÃ¤ter durch GroÃŸbrand seine beiden Fernseh- sowie seinen Radiosender (sie senden inzwischen wieder mit schwacher Kraft), mÃ¼sse jetzt schnell seinen Wahlkampf intensivieren. Auch wenn sein Sieg unwahrscheinlich sei, sei er nicht abgeschrieben. Seine demagogischen FÃ¤higkeiten seien erheblich, ZwischenfÃ¤lle kÃ¶nnten provoziert werden, Risiko von Ãœberreaktionen des Kabila-Lagers. Die beiden Lager stÃ¼nden sich antagonistisch gegenÃ¼ber. Die Lage in Kinshasa bleibe zerbrechlich. Hohes Gewaltrisiko bestehe um den Tag der PrÃ¤sidenten-Stichwahl und der Provinzwahlen am  29. Oktober und die VerkÃ¼ndigung des Wahlergebnisses der Stichwahl am 19. November.    </p><p>MONUC und EUFOR bemÃ¼hen sich um Deeskalation und vertrauensbildende MaÃŸnahmen. Dazu gehÃ¶ren eine teilweise Demilitarisierung von Kinshasa, eine Kontrolle des Zugangs zu den Medien und ein Verhaltenskodex fÃ¼r die Wahlen. </p><p>Zusammengefasst: Kinshasa ist offenkundig der wichtigste Hotspot. Das EUFOR-Eingreifen vom 20./21. August hat die GlaubwÃ¼rdigkeit der Mission erhÃ¶ht. FÃ¼r eine effiziente Abschreckung ist die Synergie aller internationaler Partner essentiell. EUFOR und MONUC sind verstÃ¤rkt als Schiedsrichter gefragt, der ein fair play beim restlichen Prozess garantieren soll. â€žWir sollten mit Forderungen rechnen, die EUFOR-PrÃ¤senz in Kinshasa Ã¼ber das Ende des laufenden Mandats (30. Nov.) hinaus zu halten.&quot; </p><p>Flottillenadmiral Bess schildert in Anwesenheit der Presse die <u>Ereignisse ab 20. August</u>. FÃ¼r den Tag der VerkÃ¼ndigung des Ergebnisses der PrÃ¤sidentschaftswahl bestand fÃ¼r  EUFOR hohe Alarmbereitschaft bei niedriger Einsatzschwelle. (Die Gewalteskalation am 21.8. wird recht genau im Bericht des VN-GeneralsekretÃ¤rs an den Sicherheitsrat vom 21. September, S/2006/759, <a href="http://www.un.org/">http://www.un.org/</a>, geschildert: Kleinere Gruppen der PrÃ¤sidentengarde lieferten sich an Bembas Residenz mit leichten und schwereren Kalibern Schusswechsel mit ca. 200 MilizionÃ¤ren Bembas. Auf Seiten der PrÃ¤sidentengarde sollen auch einzelne T 54/55-Panzer - sowjetische Standardpanzer der 50er bis 70er Jahre - gewesen sein. In der Residenz befanden sich die Diplomaten der Internationalen Kommission zur Begleitung der Transition/CIAT, darunter der deutsche Botschafter. Zwei MONUC- und eine EUFOR-Kompanien holten die in der Residenz Eingeschlossenen, darunter internationale Botschafter, heraus. Inzwischen alles noch detaillierter in: Policy Briefing 42 der International Crisis Group vom 2. Oktober 2006: Securing Congo`s Elections: Lessons from the Kinshasa Showdown; <a href="http://www.crisisgroup.org/">http://www.crisisgroup.org/</a>)  </p><p>Mit dem intensiven Engagement des Sondergesandten des VN-GeneralsekretÃ¤rs und flankiert von MONUC und EUFOR gelang es, die Gewalt zu stoppen und einen Waffenstillstand zu vereinbaren. </p><p>Die MONUC-Bitte an EUFOR, Enforcement Patrols zu stellen, wurde - weil angeblich vom Mandat nicht gedeckt - abgelehnt. EUFOR beteiligt sich aber an Joint Verification Teams unter MONUC-Leitung. Diese sollen die Umsetzung der Waffenstillstandsvereinbarung vom 22. August Ã¼berwachen und zur Vertrauensbildung zwischen den Konfliktparteien beitragen. Nach bisher 25  JVT-EinsÃ¤tzen sei die Verifikation teilweise erfolgreich gelaufen. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Garden sei begrenzt.        </p><p>EUFOR-Patrouillen zur AufklÃ¤rung und Erkundung an Hotspots: anfÃ¤nglich nur mit Fahrzeugen, inzwischen auch z.T. zu FuÃŸ. In bestimmten Vierteln kÃ¶nne man sich gut bewegen. </p><p>Weitere Operationen laufen nach (a) Stabilization Plan Kinshasa, (b) Redeployment (RÃ¼ckverlegung) Plan. Man sei auf Worst-Case-Szenarien vorbereitet. </p><p>Die Strategische Reserve habe eine politische Seite (Signal von Entschlossenheit durch AnkÃ¼ndigung) und eine militÃ¤rische Seite (ErhÃ¶hung der KapazitÃ¤ten). Sie ist binnen 20-30 Tagen in Kinshasa verfÃ¼gbar. Hier sind Beschleunigungen notwendig, z.B. von Einzelelementen, und Vorrausstationierungen von GerÃ¤t. </p><p>Die RÃ¼ckverlegung: Das Operation Headquarter in Potsdam ist schon intensiv damit befasst. Alle FÃ¤higkeiten mÃ¼ssen bis zum 30. November auf 100% bleiben. Danach gibt es nur noch Force Protection (Selbstschutz). Angesichts der Tatsache, dass bis zum 29. November spÃ¤testens die Wahlergebnisse verkÃ¼ndet werden dÃ¼rfen und fÃ¼r den 10. Dezember die AmtseinfÃ¼hrung des PrÃ¤sidenten angesetzt ist, stellt die letzte Folie der Powerpoint-PrÃ¤sentation fÃ¼r die RÃ¼ckverlegungsphase ab 1. Dezember die Frage in den Raum: â€žMilitary tasks 0%?&quot; </p><p>Minister Jung`s Antwort darauf ist hundertprozentig: Stabile Vorrausetzungen seien geschaffen. VN- und Bundestagsmandat gehen bis zum 30. November. Deutschland habe keinerlei Absicht, dass Mandat zu verlÃ¤ngern. Danach sei wieder MONUC allein verantwortlich.  </p><p>Am 23. September hatte Chris Patton, Vorsitzender der International Crisis Group und ehemaliger EU-AuÃŸenkommissar, in der SZ geschrieben, es wÃ¤re â€žWahnsinn die EU-Operation wie geplant Ende November zu beenden. Die EuropÃ¤er kÃ¶nnen dem Land doch kaum ausgerechnet in dem Moment den RÃ¼cken kehren, der der kritischste im ganzen Drama sein wird. Die von DEU gefÃ¼hrte EU-Truppe sollte ihr Mandat verlÃ¤ngern, bis die neue Regierung vereidigt ist.&quot; Nach Kinshasa mÃ¼sste viel mehr Einsatztruppe verlegt werden. Von Deutschland fordert er â€žkÃ¼hne FÃ¼hrung&quot;. </p><p>Seine Intervention wird mit der Bemerkung abgetan, es sei schleierhaft, wie er auf das Datum 17. Januar fÃ¼r die AmtseinfÃ¼hrung der neuen Regierung komme. (Hier bleibt eine zentrale Frage ungeklÃ¤rt: Wenn die AmtseinfÃ¼hrung des PrÃ¤sidenten am 10. Dezember sein soll, ist das nicht gleichbedeutend mit der Vereidigung der ganzen Regierung.)  </p><p>Beim GesprÃ¤ch mit <u>Vertrauensleuten</u> geht es um passende Stiefel, fehlende NachtsichtgerÃ¤te und den Antrag auf hÃ¶heren Auslandsverwendungszuschlag (hier zzt. Stufe 4/66,47 Euro/Tag  bei â€žhoher Belastung, bÃ¼rgerkriegsÃ¤hnlichen Auseinandersetzungen&quot;) </p><p>GesprÃ¤ch mit dem <u>PrÃ¤sidentschaftskandidaten und bisherigen VizeprÃ¤sidenten Jean-Pierre Bemba</u> in seinem Dienstsitz, der auch von gepanzerten MONUC-Fahrzeugen gesichert wird. Trotz aller Vorabsprachen bedarf es massiver Interventionen, dass wir Abgeordnete von den grimmig-harten Bemba-MÃ¤nnern rein gelassen werden. Im Hof sitzen ca. 200 Menschen. Es sind Bemba-VerbÃ¼ndete der   â€žUnion fÃ¼r die Nation&quot;, die Ã¼ber die Wahlkampfstrategie beraten.  </p><p>Im Unterschied zu unserem Treffen im April tritt der berÃ¼chtigte ehemalige Warlord, der mich tatsÃ¤chlich wieder erkennt, jetzt seriÃ¶s, verbindlich und lÃ¤ngst nicht so machtvoll-autoritÃ¤r und bedrohlich auf - als hÃ¤tte er ganz viel Kreide zu sich genommen. WÃ¤hrend er mit seiner kompakten Statur zurÃ¼ckgelehnt unter einem Bild mit heroisch-muskulÃ¶sen Fischern in seinem Sessel thront, hocken einzelne Delegationsmitglieder auf der Vorderkante ihres Sessels.</p><p>FÃ¼nf Stunden lang sei er am 21. August zusammen mit dem Botschafter angegriffen und bombardiert worden. Er wolle den Prozess aufrechterhalten. Ohne die PrÃ¤senz der Botschafter wÃ¤re der Prozess wohl zu Ende gewesen. Er sei EUFOR fÃ¼r ihr effizientes Handeln dankbar. Bei der Stichwahl dÃ¼rften sich solche ZwischenfÃ¤lle nicht wiederholen. Das Ergebnis werde hoffentlich respektiert. Bei der Umsetzung der Vereinbarung vom 22. August sei EUFOR sehr wichtig. </p><p>Von deutscher Seite wird der Wille versichert, nach EUFOR zum Aufbau und zur weiteren friedlichen und demokratischen Entwicklung beitragen zu wollen. (Die Frage ist, ob Bemba die uns so leicht von den Lippen gehenden Werte und Ziele teilt oder sie eher als stÃ¶rend empfindet.)     </p><p>Ich schnappe mir die einzige Abgeordnetenfrage: Er kÃ¶nne stolz auf sein Volk und dessen Engagement bei den Wahlen sein. Jeder Kandidat setze selbstverstÃ¤ndlich auf Sieg. Das Problem bei ihm und Kabila sei die in ihren Wahlergebnissen zutage tretende Teilung des Landes. Wie wolle er nach einem Wahlsieg die Teilung Ã¼berwinden?  Bemba: Das Wahlergebnis sei wohl geteilt, aber nicht aus inhaltlichen GrÃ¼nden. Auch im Osten wollten die Menschen Sicherheit. Er trete fÃ¼r Sicherheit, Gerechtigkeit und Entwicklung ein. In der â€žUnion fÃ¼r die Nation&quot; seien Politiker aus allen Regionen.  </p><p>Thomas Nehls (WDR) stellt ihm unter den Augen von Jung die Frage nach dem Mandatsende: Bemba, der sich im April eher ironisch zu EUFOR geÃ¤uÃŸert hatte, spricht sich jetzt fÃ¼r eine gewisse VerlÃ¤ngerung aus.   </p><p>Vor dem GebÃ¤ude spreche ich zwei uruguayische MONUC-Offiziere an und danke Ihnen fÃ¼r Ihre gute Arbeit und Ihr Engagement. In der notorischen Bundeswehr-Fixiertheit solcher Besuche wird MONUC praktisch nicht wahrgenommen. </p><p>Zwei geplante <u>SpitzengesprÃ¤che</u> kommen nicht zustande: PrÃ¤sident Kabila fÃ¤llt wg. des bekannten Organisationschaos im PrÃ¤sidentenumfeld kurzfristig aus. Im BÃ¼ro des Vorsitzenden der UnabhÃ¤ngigen Wahlkommission ist man von einem Termin 24 Stunden spÃ¤ter ausgegangen. Jetzt befindet sich der Vorsitzende in Afrika. Wer hier die â€žSchuld&quot; bei der Botschaft sieht, ist offenbar ganz neu hier. Anfang des Jahres lieÃŸ Kabila wider alle afrikanische Achtung des Alters die WeltautoritÃ¤t und den Ã¤lteren Kofi Annan einfach sitzen.   </p><p>&nbsp;</p><p>GesprÃ¤ch mit <u>deutschsprachigen Kongo-Kennern</u> auf der Terrasse der Botschaft oberhalb des Kongo-Flusses - mit einem Steyler Missionar, der seit 1969 im Land ist, mit Vertretern der Konrad-Adenauer-, der Franz-Seidel-Stiftung und GTZ sowie einer Mitarbeiterin des Evangelischen Entwicklungsdien-stes:</p><p>- Die Wahlen seien beeindruckend friedlich gewesen. Das Volk habe sehr viel Reife dabei bewiesen. Jetzt gebe es enorme Erwartungen und Hoffnungen, aber auch Angst vor dem nÃ¤chsten Wahltag. </p><p>- EUFOR sei vorher von einigen Kreisen stark misstraut worden. Mit dem 21. August sei der Verdacht, EUFOR sei SchÃ¼tzenhilfe fÃ¼r Kabila, zerstreut worden. </p><p>- Nach der Stichwahl seien wieder Unruhen mÃ¶glich. Die wÃ¼rden aber kaum lÃ¤nger andauern. </p><p>- Wenn das Mandatsende am 30. November breit bekannt werde, kÃ¶nnten sich StÃ¶rer darauf einstellen. </p><p>- Das Bildungsniveau sei extrem niedrig. Es gebe ein hohes Potenzial an Menschen, sie sich betrogen fÃ¼hlen und verfÃ¼hrbar sind. Es sei hÃ¶chst ungeschickt, dass der Abzug fÃ¼r den 30. November so angekÃ¼ndigt worden sei. Man habe mehr Angst vor dem Mob als vor allem anderen. </p><p>- EZ-MaÃŸnahmen laufen ununterbrochen weiter: Integration von Kindersoldaten, Wasserversorgung, Gesundheitswesen, Kleingewerbe. </p><p>- Viele Menschen sind vom Kampf ums Ãœberleben absorbiert. â€žIn diesem Land geht nichts. Aber es geht alles.&quot; </p><p>- NÃ¤chste Schritte: Demokratie muss sich lohnen! Sichtbare Projekte sind notwendig, z.B. im StraÃŸenbau. Um der Korruption von unten entgegenzuwirken, mÃ¼ssen Staatsdiener ausreichend bezahlt werden.    </p><p>&nbsp;</p><p>In halsbrecherischer Konvoifahrt geht es anschlieÃŸend wieder zum Flughafen, wo ein zweites Treffen mit dem Verteidigungsminister stattfindet. Dieser entschuldigt sich fÃ¼r die ausgefallenen GesprÃ¤che und Ã¼berreicht seinem Kollegen eine Leopardenstatuette als Symbol der Macht. </p><p>Emotional empfinde ich diesen so kurzen Kinshasa-Aufenthalt dank vieler Wiedererkennungs- und Vergleichssituationen als viel lÃ¤nger. Bei dem stv. Force-Commander und Kommandeur des deutschen Kontinents FltAdm Bess spÃ¼re ich Ã¼ber die Ã¼berzeugende ProfessionalitÃ¤t hinaus politisch-menschliches Engagement fÃ¼r die Menschen im Kongo. Bewusst verlasse ich als letzter kongolesischen Boden. </p><p><strong>ErgÃ¤nzung und Zusammenfassung: </strong></p><p>(a) Nach dem innerdeutschen Streit um die Kongo-Mission wechselte die allgemeine Aufmerksamkeit schnell wieder zu anderen Themen. Der Fortgang des schwierigen und risikoreichen Prozesses wurde kaum noch wahrgenommen - abgesehen vom Kurzurlaub von General Viereck zum unpassenden Zeitpunkt.    </p><p>Festzustellen bleibt: Mehrere HÃ¼rden wurden erfolgreich genommen. </p><p>- Die BevÃ¶lkerung hat beim Wahlprozess sehr engagiert und ernsthaft mitgemacht, die Wahlbeteiligung von 70,43 % bei mehr als 25 Mio. registrierten Wahlberechtigten unter den Kongo-Bedingungen ist bewundernswert. Die im Vorfeld so beachtete Boykottbewegung spielte keine erkennbare Rolle.  Vorher waren 260.000 Wahlhelfer trainiert worden. 47.500 nationale und 1.773 internationale Wahlbeobachter kamen zum Einsatz, auÃŸerdem 466.000 Beobachter der Parteien. Von mehreren Wahlbeobachtern hÃ¶rte ich inzwischen sehr positive, ja bewegende Berichte auch aus dem Osten  - zum Verhalten der WÃ¤hlerInnen, der Polizisten, von MONUC. Im Bericht des VN-GeneralsekretÃ¤rs vom 21. September an den Sicherheitsrat heiÃŸt es, die Wahlen seien in generell friedlicher und ordentlicher Weise und mit breitem Enthusiasmus in der BevÃ¶lkerung gelaufen. Probleme gab es in 239 Wahllokalen in beiden Kasai`s - bei 50.000 Wahllokalen insgesamt. Dort wurde die Wahl sofort nachgeholt. Die AuszÃ¤hlung klappte vor allem dank sÃ¼dafrikanischer technischer Hilfe bis auf einzelne AusreiÃŸer insgesamt ordentlich. Ãœberhaupt habe es bei der ganzen Wahlorganisation eine beste Nord-SÃ¼d-Zusammenarbeit gegeben. Dass Kabila nicht im ersten Wahlgang gewann, entkrÃ¤ftete den Parteilichkeitsvorwurf gegen EUFOR und verschaffte EUFOR einen groÃŸen GlaubwÃ¼rdigkeitsgewinn. </p><p>- Praktisch unbeachtet blieb hierzulande die andere, wahrlich nicht unwichtige Wahl am 30. Juli, die des Parlaments mit einem recht bunten Ergebnis. Am 22. September traf es zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. </p><p>- Ausgesprochen bewÃ¤hrt haben sollen sich die durch die EU-Polizeimission EUPOL ausgebildeten Polizeieinheiten. Eine Erfolgsgeschichte! </p><p>- Die Auseinandersetzungen vom 21. August bewiesen, wie notwendig die EUFOR-Stationierung in Kinshasa war. Hier ist der Hotspot Nr. 1. Ohne die EUFOR-Flankierung wÃ¤re der ganze Wahlprozess mÃ¶glicherweise entgleist.  </p><p>Chris Patton, ICG-Vorsitzender, am 23. September in der SZ, die Tatsache der Wahlen sei angesichts der Voraussetzungen â€žim Grunde unglaublich&quot;. </p><p> (b) Am 29. September verlÃ¤ngerte der  VN-Sicherheitsrat die MONUC-Mission unverÃ¤ndert bis zum 15. Februar 2007. Bis soll genÃ¼gend Zeit sein zu GesprÃ¤chen mit der neuen kongolesischen Regierung Ã¼ber die kÃ¼nftige Rolle von MONUC. Nicht unwahrscheinlich ist, dass ein kÃ¼nftiger PrÃ¤sident die Internationale Gemeinschaft mit ihrer Forderung nach Good Governance - ein Horror fÃ¼r erfahrene Kleptokraten - lieber heute als morgen vom Hals haben mÃ¶chte. Das hochinteressierte und mit Krediten Ã¤uÃŸerst groÃŸzÃ¼gige China kÃ¶nnte da hilfreich sein. (Bei MONUC scheint die Bundesrepublik inzwischen keine sonderliche Rolle mehr zu spielen: Der von DEU gestellte stellvertretende Leiter der politischen Abteilung ist routinemÃ¤ÃŸig im Sommer wegrotiert und nicht ersetzt worden. Das hÃ¤tte viel mehr Ã¶ffentliche Aufregung verdient als ein von BILD hoch gezogener Kurzurlaub! Bei den MONUC-Uniformierten ist DEU sowieso mit null Personen vertreten - im Unterschied zu NL, TSCH und ElfenbeinkÃ¼ste je 1, DÃ„N + POL je 3, BOS-HERZ/5, GB 6, BEL/9, ..., CHI 238, ... IND 4.648)    </p><p>Die VerstÃ¤rkung von MONUC durch ein Bataillon der VN-Mission in Burundi (ONUB) bleibt erhalten. DarÃ¼ber hinaus wurde keine Aufstockung beschlossen.  </p><p>- Am 2. Oktober bestÃ¤tigte das Treffen der EU-AuÃŸenminister in Finnland auf deutsche Empfehlung hin, dass EUFOR pÃ¼nktlich am 30. November enden soll.  </p><p>- Nach aller bisherigen Erfahrung ist kaum damit zu rechnen, dass sich der Wahlverlierer bzw. seine AnhÃ¤nger mit einer Niederlage, d.h. einem existenziellen Verlust an PfrÃ¼nden, abfinden wÃ¼rden. Diese erhÃ¶hte Risikophase kann bis zum 30. November abgeflacht sein, muss es aber nicht. Zu dem Zeitpunkt EUFOR auf Null zu schalten und damit die multinationale PrÃ¤senz in Kinshasa ersatzlos zu reduzieren, ist regelrecht eine Einladung an die eine oder andere Seite, auf alt bekannte gewaltsame Weise um Macht zu kÃ¤mpfen. </p><p>WÃ¤hrend AuÃŸenminister Steinmeier noch kein Mal den Kongo besucht hat - erst kam der Iran, dann der Libanon dazwischen -, trat Minister Jung bei seinem 2. Kongo-Besuch deutlich als ein Ressortminister auf, der immer wieder betont, dass die Bundeswehrsoldaten zu Weihnachten wieder zu Hause seien, dass also am 30. November Schluss sei. Diesen Wunsch teile ich. </p><p>Dieser Wunsch ist aber innenpolitisch und gegenÃ¼ber den Soldaten so berechtigt wie auÃŸenpolitisch verkÃ¼rzt. Und er wird auch nicht durch die vÃ¶llig richtigen Angebote verantwortlicher, von DEU aus kÃ¼nftig verstÃ¤rkt zu Polizei- und StreitkrÃ¤ftereform (EUPOL und EUSEC) beitragen zu wollen (dabei bleibt offen, wieweit das in der Bundesregierung Ã¼berhaupt abgemacht ist). Die Betonung dieses legitimen Interesses und das auf dem internationalen Parkett notwendige Pokern eines Ministers entbinden ganz und gar nicht von dem europÃ¤ischen und internationalen Interesse an einem friedlichen Abschluss des Wahlprozesses bis zur AmtseinfÃ¼hrung des PrÃ¤sidenten und der Regierung. Wie das von VN + MONUC, von EU und Deutschland mit der jetzigen KrÃ¤fteplanung gewÃ¤hrleistet werden kann, bleibt auÃŸen vor. Im Force-Headquarter in Kinshasa hÃ¶re ich Beunruhigung Ã¼ber die Tabuisierung dieser SchlÃ¼sselfrage. Im November kann das zu Ã¤uÃŸerst kritischen und hochnotpeinlichen Situationen fÃ¼r VN, EU und nicht zuletzt eine Bundesregierung fÃ¼hren. </p><p>Die renommierte International Crisis Group fordert in ihrem jÃ¼ngsten Policy Briefing eine deutliche Aufstockung der EU-Einsatztruppen in Kinshasa und eine VerlÃ¤ngerung des EU-Einsatzes bis zum Ende des Wahlprozesses im Januar 2007. Mir wÃ¤re am liebsten, sie hÃ¤tte damit nicht Recht. Aber es ist die verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Bundesregierung, diese Forderungen zu prÃ¼fen, zu entkrÃ¤ften oder die entsprechenden Schlussfolgerungen zu ziehen. </p><p>Bisher hÃ¶re und spÃ¼re ich aber vor allem die Botschaft: â€žIhr macht das schon. Hauptsache weg!&quot; </p><p>Angesichts der groÃŸen und hehren Worte in der EUFOR-Startphase ist das ein politischer und moralischer Salto mortale.</p><p> (c) Ausgesprochen sympathisch und gut ist, wie sehr militÃ¤risch Verantwortliche am Horn von Afrika wie im Kongo betonen,  dass deutsche Soldaten im Unterschied zu manchen anderen VerbÃ¼ndeten respektvoll und mÃ¶glichst kooperativ mit ihren â€žKunden&quot; umgehen. Das ist kooperative Sicherheitspolitik ganz konkret. </p><p>Besseres Verhalten und Auftreten bedeutet aber noch lÃ¤ngst nicht bessere Politik. Hier gibt es noch reichlich Nachholbedarf bei deutscher Afrika-Politik, angefangen bei den KapazitÃ¤ten und FÃ¤higkeiten, die Ã¼berhaupt dafÃ¼r zur VerfÃ¼gung gestellt werden. </p>Der Kongo ist dafÃ¼r weiterhin eine Nagelprobe.</div>


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