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Jahresbilanz 2012 des Afghanistan NGO Safety Office ANSO: Rückgang der Sicherheitsvorfälle um 24%, Schwerpunktverlagerung der bewaffneten Opposition

Veröffentlicht von: Nachtwei am 17. Februar 2013 12:02:43 +01:00 (20129 Aufrufe)

Eine besonders verlässliche und differenzierende Quelle zur Sicherheitslage in Afghanistan ist das Afghanistan NGO Safety Office. Hier die wichtigsten Feststellungen des 4. Quartalsbericht 2012, der zugleich einen Jahresüberblick gibt. Der seit Jahren eskalierende bewaffnete Konflikt erlebt jetzt eine Phase der Deeskalation - mit Vorpositionierungen für die Zeit nach 2014.

Jahresbilanz 2012 des Afghanistan NGO Safety Office (ANSO):

Rückgang der Sicherheitsvorfälle um 24% primär wegen des Rückzugs der internationalen Truppen

zusammengefasst von W. Nachtwei

Das Afghanistan NGO Safety Office (ANSO) bringt in seinem 4. Quartalsbericht 2012 seine Jahresbilanz für 2012. Der ganze Bericht (wie auch die Quartalsberichte 1, 2 und 3) unter www.ngosafety.org/index.php?pageid=88 )

Nachdem die Sicherheitsvorfälle über sechs Jahre ständig zugenommen hätten (2007 +36%, 2008 +48%, 2009 +34%, 2010 + 58%, 2011 +28%), gingen sie in 2012 erstmalig um 24% zurück. Den größten Anteil an dem Rückgang hätten die internationalen Truppen (IMF). Die von ihnen initiierten Vorfälle gingen um 57% zurück, gefolgt von denen der gewaffneten Opposition (AOG) um 25%. Die Konfliktstruktur blieb unverändert. Der Rückgang der AOG-Aktivitäten sei eine bewusste und reversible Reaktion auf den ISAF-Rückzug. Sie wird von ANSO also ausdrücklich nicht als Zeichen der Schwäche gewertet. Die afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) würden bisher nicht die Lücke ausfüllen, die die internationalen Truppen mit ihrem Rückzug eröffneten.

Zivilopfer: Die Zahl der im Kontext des bewaffneten Konflikts getöteten Zivilpersonen ging um 14% auf 2.038 zurück, 90% bei AOG-initiierten Operationen, 10% bei IMF-initiierten Operationen. 46% der Zivilopfer geschahen im Süden, 19% im Osten, 13% im Norden, 12% in der Zentralregion, 10% im Westen.

Nationalisierung": Die AOG initiierte in 2012 insgesamt 10.468 bewaffnete Attacken. Durchschnittlich erfolgten damit pro Tag 28 Attacken ggb. 38 im Vorjahr. Dabei verschoben sich die „Zielgruppen": Die Attacken auf IMF gingen von 3.792 in 2011 auf 1.275 zurück, die Attacken auf die ANSF wuchsen von 5.681auf 6.618 (ihr Anteil an den AOG-Attacken von 53% auf 72%). Der Trend ist also zunehmende „Nationalisierung" der AOG-Attacken.

Räumliche Trends: Der Süden ist weiterhin eine Hochburg der AOG-Aktivitäten - mit zugleich den höchsten Rückgängen: Helmand von 2.420 in 2011 um -66% auf 811 in 2012, Ghazni von 1.680 um -44% auf 968. Die Rückgänge gehen aber einher mit einer Verlagerung von AOG-Netzwerken und Attacken in Nachbarprovinzen, z.B. Uruzgan und Farah. Zugleich verlagern die  AOG ihren operativen Fokus auf den Osten, wo sie offenbar ihre Position verstärken und eine zweite Hochburg im Hinblick auf die Nach-Übergabe-Periode schaffen wollen. In Kunar (bis 2009 heiß umkämpft, ab 2009/10 Rückzug der US-Außenposten) ereigneten sich 2012 mit 1.303 die meisten AOG-initiierten Attacken von allen Provinzen, die Nachbarprovinz Nangahar erfuhr den größten Zuwachs an AOG-initiierten Attacken (+167) - mit einem Überschwappen nach Laghman mit dem zweithöchsten Zuwachs (+158). Hier zielen die AOG-Aktivitäten auf die Infiltationsrouten aus Pakistan und die strategisch bedeutsamen Gebiete angrenzend an den Kabul-Tokham-Highway.

Im Norden gingen in der Mehrzahl der Provinzen die Sicherheitsvorfälle zurück. Während viele der AOG-Aktivitäten von Kunduz sich  nach Baghlan verschoben(+88%), bilden die Aufständischen eine dritte Front im Nordwesten in der Linie Faryab - Badghis über Ghormach nach Südwest (Herat/Farah).

NGO-Risiken: In 2012 wurden bei 164 Zwischenfällen 74 NGO-Mitarbeiter zu Opfern. Entführungsfälle gingen von 36 in 2011 auf 25 in 2012 zurück, während die Zahl der IED-Opfer von 39 auf 45 anstieg. Die NGO-„Verlustrate" ging 2012 um 43% auf 11 Tote und 26 Verletzte) zurück. Der gegenwärtige Übergabeprozess scheint bisher für die NGO-Sicherheit unwesentlich zu sein.

AOG Attacks 2012 ggb. 2011 (absolute Zahlen 2010/2011/2012)

Norden

Takhar            -44% (144/34/19)

Balkh              -29% (183/144/102)

Sar-e Pul        -29% (82/112/79)

Jawzjan          -22% (75/111/87)

Kunduz          -20% (355/205/163)

Faryab           +11% (296/329/365)

Badakhshan   +21% (35/57/69)

Samangan     +17% (21/12/14)

Baghlan +88% (222/82/154)

Zentral

Kabul             -29% (151/116/83)

Bamyan         +70% (4/10/17)

Laghman       +71% (196/222/380)

Panshir         +150% (5/2/5)

Osten

Paktya          -54% (490/608/282)

Paktika         -50% (898/1194/596)

Khost            -45% (910/1105/611)

Ghazni          -44% (1544/1680/968)

Kunar               +1% (1468/1293/1303)

Nangarhar     +30% (505/557/724)

Süden

Helmand       -66% (1408/2420/811)

Kandahar      -15% (1167/1290/1097)

Uruzgan        +10% (363/406/445)

Westen

Nimroz          -69% (109/104/32)

Herat              -6% (258/317/299)

Badghis           -5% (358/412/391)


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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