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Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik von Winfried Nachtwei im Tagebuchformat
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Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik

Autor: Webmaster

Datum: 1. Februar 2007 00:40:16 +02:00 oder Do, 01 Februar 2007 00:40:16 +02:00

Zusammenfassung:  06. - 31. Januar 2007.

Hauptteil: 

Persönliche Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik, Januar 2007 (26)

Schwerpunkte: Afghanistan, Tornado-Einsatz, Untersuchungsausschuss Kurnaz/KSK, Skandal um die Münstersche Zeitung, Wittstock

von Winfried Nachtwei, MdB

31. Januar

Verteidigungsausschuss: Gespräch mit dem afghanischen Außenminister Dr. Rangin Spanta: Hier wie bei anderen Auftritten zeigt er sich überrascht über das dramatisch-negative AFG-Bild hierzulande, wo die positiven Entwicklungen viel zu wenig beachtet würden. (In der Tat dominieren regelmäßig die bad news der Anschläge und Kämpfe.) Diese kluge, feine und humorvolle - zzt. einzige grüne - (deutsch-)afghanische Außenminister ist der Gegentyp zu den Warlords und Drogenbaronen, die oft das Bild der Afghanen prägen. Er gewinnt schnell unser aller Köpfe und Herzen. Wie vor Monaten beim Besuch der 14 afghanischen Parlamentarierinnen in Berlin fühle ich bei solchen Begegnungen ganz besonders deutlich, worum es in Afghanistan geht. Wie damals gelobe ich auch jetzt: „Wir lassen Sie nicht im Stich!"

Unterrichtungen zur Tornado-Frage und NATO-Außenministerkonferenz zu AFG: Für die Tornados würde nur Mazar-e-Sharif im Norden zur Verfügung stehen. Häufige Sandwinde und -stürme bringen dort den Flugbetrieb regelmäßig zum Erliegen. Auf der NATO-Konferenz scheint die ISAF-Strategie für Süd-AFG nicht näher diskutiert worden zu sein. Der seit Monaten gerade bei Militärs laute Ruf nach Stärkung der Aufbauanstrengungen scheint nur von den USA erhört worden zu sein. EU und Deutschland stellen nicht mehr Mittel zur Verfügung.

Insgesamt ist die Informationsbereitschaft der Bundesregierung in Sachen Tornado so zugeknöpft wie lange nicht bei Auslandseinsätzen. Den vor zwei Wochen zugesagten Anforderungsbrief von SHAPE haben wir immer noch nicht erhalten. Die Regierung tut ihrerseits nichts dazu, unsere Entscheidungsfindung zu erleichtern. Ein Interesse, die Opposition überzeugen und gewinnen zu wollen, ist nicht spürbar. Offenbar ist man sich in der Regierung selbst nicht so sicher gegenüber einem Einsatz, dem man sich aus Bündnissolidarität meint nicht entziehen zu können.

Billigung mehrerer Beschaffungsvorlagen, die z.T. sinnvoll (Modernisierung des Transporthubschraubers CH-53), z.T. spitzen-unsinnig (Zweitflugkörper „Iris" für das Raketenabwehrsystem MEADS) sind, die aber alle in Kostendimensionen reichen (vier Projekte für zusammen 1,2 Mrd. Euro), von denen man in der Welt der Zivilen Krisenprävention nur träumen kann.

Gespräche mit Tagesspiegel, ARD-Tagesschau zu AFG

Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss zu Kurnaz/KSK: Vernehmung des langjährigen Chefs der Abteilung Spezialoperationen im Einsatzführungskommandos der Bundeswehr sowie von drei KSK-Soldaten des 1. Dt. Heereskontingents Enduring Freedom/AFG.

Zu den Kurnaz-Vorwürfen gibt es keine Aufklärungsfortschritte. Zum Kontext Kandahar und KSK-Einsätze in 2002 in Afghanistan ergeben sich immer mehr Mosaiksteine. Seit zwei Wochen findet erstmalig eine direkte parlamentarische Kontrolle eines KSK-Einsatzes statt.

Angesichts der bisherigen Erkenntnisse ist für mich die totale Geheimhaltung durch die Bundesregierung noch weniger nachvollziehbar. (Die heutige Sitzung dauert acht Stunden.)

Inzwischen sind über zwanzig Antworten von AFG-Fachleuten auf mein Beratungspapier „Tornados nach AFG?" eingetroffen. Sie differenzieren das Bild, machen die Entscheidung aber noch keineswegs einfacher.

Einbringung des von mir mitunterzeichneten Entschließungsantrags zum Entwurf eines Gesetzes zu dem Übereinkommen vom 20. Oktober 2005 über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen (BT-Drs. 16/4213).

30.1.

Gespräch mit Vertretern des niederländischen Außenministeriums zu den Erfahrungen der Niederlande in AFG-Süd und vor allem Uruzgan. (Die niederländische Task Force Uruzgan ist mit 1.200 Mann + Frau seit 1. August 2006 in dieser „heißen" Provinz im Einsatz. Seit 1.11.2006 führt der niederländische General Ton Van Loon das Regional Command South von ISAF. Die Niederlande haben 10% ihres ganzen Heeres in AFG. Das erste NL-Kontingent (Deployment Task Force) startete im März und hatte die Logistik, v.a. das Kamp Holland in Tarin Kowt/Uruzgan aufzubauen. Der NL-Einsatz war flankiert von einer großen politischen Initiative: Anfang Mai lud der NL-Außenminister zu einer Konferenz in Kabul ein, wo zusammen mit Gouverneuren, Stammesältesten über Sicherheit, Entwicklung und Gesundheit gesprochen wurde. Vor Ort wurde die Zusammenarbeit mit Shuren (Ratsversammlungen) aufgenommen. Über zwei Jahre stellen die NL 200 Mio. € für Aufbau und Entwicklung zur Verfügung. Die Hälfte davon geht über die Regierung, über 20 Mio. verfügt die Truppe. Am 1. August übernahm die Task Force Uruzgan die zwei Stützpunkte Tarin Kowt und Deh Rawod 60 km westlich. Die TFU ist u.a. ausgestattet mit drei Panzerhaubitzen 2000. Sie wird von sechs AH-64D Apache Kampfhubschraubern und einer F-16-Staffel unterstützt. Im Unterschied zu den anderen Haupttruppenstellern im Süden (GB, CAN, USA) hat das NL-Kontingent bisher keine Todesopfer zu beklagen.)

Klausur des Fraktionsarbeitskreises IV „Internationale Politik und Menschenrechte" zu den Arbeitsschwerpunkten 2007. Meine Schwerpunkte werden/sollen sein: Untersuchungsausschuss Kurnaz/ KSK, AFG, Umsetzung und Stärkung des Aktionsplans Zivile Krisenprävention, Rüstungsexporte + Abrüstung (Atom- und Kleinwaffen), Friedens- und Sicherheitspolitische Kommission der Grünen Partei. Mein Vorschlag, in der Fraktion Kriterien für Auslandseinsätze zu erarbeiten und zu beschließen, wird abgelehnt. Der F+S-Kommission soll nicht vorgegriffen werden. (Vgl.die von mir entwickelten und „Thesen und Kriterien für Auslandseinsätze der Bundeswehr", jetzt auch unter http://www.nachtwei.de/)

Gespräch in der Heinrich Böll Stiftung zwischen dem afghanischen Außenminister Spanta und Spitzenvertretern von Grüner Partei und Fraktion.

Teilnahme an der Podiumsdiskussion „Realities of Nationbuilding in Afghanistan" in der kanadischen Botschaft mit dem CAN-Botschafter in Kabul, David Sproule, Thomas Ruttig (nach 25 Jahren in AFG jetzt SWP), Dr. Khalatbari (Konrad Adenauer Stiftung Kabul), moderiert von Dr. K.-H. Kamp/KAS.

29.1.

Vorstandssitzung der Dt. Gesellschaft für die Vereinten Nationen. Nach dem plötzlichen Ausscheiden von Dr. Christoph Zöpel wird Prof. Thomas Bruha zum Vorsitzenden des Vorstandes gewählt.

Gespräch mit dem dt. Botschafter in Kabul, Dr. Seidt

Abendessen von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses mit einer Delegation des japanischen Parlaments. Die jap. Kollegen sind u.a. sehr interessiert an der Parlamentsbeteiligung, an der dt. Kontoverse über Bundeswehreinsätze im Innern, die Rolle von VN-Mandaten.

28.1.

Gedenkveranstaltung zum 27. Januar im Bremer Rathaus mit Margers Vestermanis/Riga als Hauptredner: Der Holocaust-Überlebende M. Vestermanis ist der Schöpfer und die Seele des Museums „Juden in Lettland", den wir 1989 bei unserem ersten Riga-Besuch kennen lernten. Heute spricht er über „Judenretter" in Lettland zur Zeit der Nazi-Herrschaft. Allein dem Hafenarbeiter-Paar Janis und Johanna Lipke verdanken 55 Menschen ihr Leben!

Telefonkonferenz zwischen den Grünen Fraktionsvorsitzenden und zuständigen Fachpolitikern zur Tornado-Frage

27.1.

Teilnahme am Protest des Pressevereins Münster-Münsterland und dju im Münsterland vor der Münsterschen Zeitung in Münster: Vor einer Woche wurde die gesamte Lokal- und Sportredaktion von jetzt auf gleich vom Verlag Lensing-Wolff (Dortmund) „freigestellt" und die Redaktion von einer anderen Firma derselben Verleger übernommen. Der bisherige lokale Chefredakteur - am Reformbedarf der MZ wahrlich nicht unbeteiligt - wurde als Mitherausgeber übernommen. Ein solches handstreichartiges „Freistellen" und Austauschen einer kompletten Redaktion zeugt nicht nur von einer kalten Wegwerfhaltung gegenüber der Leistung langjähriger und in der Bevölkerung verankerter, insgesamt 17 Redakteure. Es ist darüber hinaus in der deutschen Presselandschaft einigartig und droht ein Präzendenzfall zu werden.

In einem gemeinsamen Brief an die Verleger Lensing-Wolff haben vorher Grüne Stadtratsfraktion, Vorstand, MdL-Kollege Rüdiger Sagel und ich dagegen protestiert. Einige Tage später kündige ich nach mehr als 20 Jahren mein Abo - „auf Bewährung". (Kündigungsbrief unter http://www.nachtwei.de/) Am 3. Februar erscheint in der taz-NRW der auch von mir unterzeichnete Aufruf. Aktuelle Informationen unter www.presseverein-muenster-muensterland.de/MZ-Spezial.

Artikel „Auslandseinsätze in der politischen Krise. Auch die Politik braucht Transformation" für den „InfoBrief Heer".

25.1.

Gespräch mit Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, taz, ddp und Spiegel zu dem geplanten Tornado-Einsatz.

Teilnahme an der Podiumsdiskussion „Zwischen Aktionsplan und Weißbuch: EU-Ratspräsident-schaft und Friedenspolitik der Bundesregierung" mit Gesine Lötzsch (MdB Linke), Angelika Spelten (FriEnt) und Andreas Zumach als Moderator in München. Veranstalter sind die Petra-Kelly-Stiftung, AG Friedenspädagogik, Evang. Stadtakademie. Hauptthemen sind der Paradigmenwechsel der dt. Sicherheitspolitik, die Auseinandersetzung um angebliche deutsche Macht- und Interessenpolitik

hinter den Auslandseinsätzen. Auch wenn „Vergangenheitsbewältigung" einen erheblichen Raum einnimmt, kommen wir dann doch noch zu den neueren Entwicklungen auf dem Feld der Zivilen Krisenprävention. Während einige Alt-Friedensbewegte das als Deckmäntelchen abtun, ist die Mehrheit doch bereit, diese Chancen wahr und ernst zu nehmen.

Eine Mitstreiterin aus der Friedensbewegung der 80er und 90er Jahre begrüßt mich offiziell als „treuen Eckhard der Zivilen Konfliktbearbeitung".

24.1.

Versendung des Beratungspapiers „Tornados nach Afghanistan?" an ca. 40 AFG-KennerInnen in Deutschland und in Afghanistan mit der Bitte um Antworten.

Gespräch zwischen Renate Künast, unseren Mitarbeitern Anja Seiffert, Andreas Körner und mir mit Golde (Pro Heide), B. Schirge (FREIe HEIDe), Schneider (Offener Himmel) und Prof. Günther über den aktuellen Stand des seit 13 Jahren dauernden Kampfes gegen das Vorhaben eines Luft-Boden-Schießplatzes Wittstock in der Kyritz-Ruppiner Heide/Brandenburg und für ihre zivile Nutzung. Der letzte Bericht des Ministeriums zu den Luft-Boden-Schießplätzen in 2005 bestätigt erneut den langjährigen Trend eines ständig sinkenden Übungsaufkommens der Bundeswehr. (Im In- und Ausland von 2004 2.349 auf 2005 2.025) Wir besprechen die Zweckmäßigkeit eines dritten Anlaufes zu einem Gruppenantrag im Bundestag und vereinbaren nächste Aktionsschritte. Die Fraktionsspitze will sich in der Sache direkt an die Kanzlerin wenden und erneut die Heide besuchen.

Gespräch mit dem Ruppiner Anzeiger zu Wittstock.

Referat und Diskussion zu Afghanistan und Kongo bei der LAG Europa der Bündnisgrünen NRW in Düsseldorf.

23.1.

Wissenschaftliches Interview zu Polizeiaufbau in Afghanistan.

Teilnahme an der Podiumsdiskussion „Sind Auslandseinsätze der Bundeswehr sinnvoll oder unendlich?" mit MdB-Kollege Bahr (FDP), moderiert von K. Gottwald von der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik Münster im Freiherr-von-Stein-Saal des Dt.-Ndl. Korps in Münster. Deutlich wie selten artikulieren Offiziere ihren Frust über die zurückbleibenden Aufbauanstrengungen und politischen Konfliktlösungen bei Auslandseinsätzen, ja sogar die im Vergleich zum Militär relativ geringen Aufbauinvestitionen in AFG. Bemerkenswert ist, wie sehr inzwischen unsere langjährige Kritik an der Unausgewogenheit des Ressourceneinsatzes auch von Militärs vorgebracht wird. Allerdings wird dabei oft übersehen, dass diese Unausgewogenheit in hohem Maße durch die in der Sicherheitspolitik vorherrschende Militärlastigkeit/-fixiertheit verursacht wird, zu der ein historisch gewachsener militärisch-politisch-industrieller Komplex und militärische Nabelschauen erheblich beigetragen haben. Beigetragen hat dazu aber auch eine zivile Politik, der meist noch ein Verständnis für dringend notwendige neue Friedensfähigkeiten und -kapazitäten abgeht.

22.1.

Gemeinsame Sitzung der Grünen Landtagsfraktion NRW mit der Bundestags-Landesgruppe NRW in Berlin zur aktuellen politischen Lage.

Briefantwort von Minister Jung auf meine Anregung an ihn und den Außenminister, eine öffentliche Veranstaltung zum abgeschlossenen Kongo-Einsatz durchzuführen (um vor allem auch Aufmerksamkeit und politisches Engagement für den Kongo über die Wahlen hinaus zu halten). Die Anregung wird in Abstimmung mit dem AA begrüßt. Als Veranstalter wird aber das Parlament empfohlen.

21.1. (Sonntag)

Dia-Vortrag über die Deportation von Juden aus Dresden und Leipzig HEUTE vor 65 Jahren in das „Reichsjudenghetto Riga" im Haus an der Kreuzkirche. Veranstalter ist die örtliche Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenabeit unterstützt von den Grünen.

Sicherheitspolitischer Stammtisch bei der Dresdener Grünen im Umwelthaus.

19.1.

Gespräch von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses mit ca. hundert Offiziersanwärtern der der Offizierschule des Heeres/Dresden in Berlin.

Wissenschaftliches Interview mit einer niederländischen Studentin über europäische sicherheitspolitische Identitäten am Beispiel Deutschlands und Großbritanniens

Die geplante Teilnahme an dem Podium zu „Sicherheitspolitik und Menschenrechten" beim Forum Menschenrechte in Iserlohn fällt den Folgen des schweren Sturms zwischen 18./19.1. zum Opfer.

18.1.

Live im Hessischen Rundfunk zur Tornado-Frage.

Unterausschuss Innere Führung zu internen Befragungen in der Bundeswehr (ausscheidender Soldaten, einsatzerfahrener Soldaten) und zum Entwurf der Zentralen Dienstvorschrift ZDv 10/1 Innere Führung - die letzte Fassung stammt von 1993.

Zeitweise Teilnahme am Untersuchungsausschuss BND, wo Murnat Kurnaz und sein Rechtsanwalt als Zeugen vernommen werden.

Mittagessen von Mitgliedern des Verteidigungsausschusses mit dem Auswärtigen Ausschuss des britischen Unterhauses: Themen sind AFG und Drogenbekämpfung, die unterschiedlichen Arten der Parlamentsbeteiligungen bei Auslandseinsätzen. (In GB wird die Einsatzentscheidung des Verteidigungsministers nur nachträglich im Unterhaus debattiert, aber nicht abgestimmt.)

Teilnahme am „Strategischen Gesprächskreis EADS" mit Minister Jung zu „Sicherheitspolitischen Herausforderungen in 2007".

17.1.

Verteidigungsausschuss: Vier Wochen nach Bekanntwerden der NATO-Bitte um dt. Aufklärungs-Tornados und der äußerst kurzfristigen Telefonkonferenz damals mit dem Minister erfolgt endlich eine ausführlichere Unterrichtung durch Minister und Generalinspekteur. Deutlich wird, dass es jetzt nicht in erster Linie um die Absicherung des dt. geführten Stabilisierungseinsatzes im Norden geht, sondern um ein viel weiteres Aufgabenspektrum. Die anfängliche Neigung in der Bundesregierung, kein neues Mandat zu beantragen, ist erledigt dank des Einsatzes von Opposition und Koalitionskollegen. Ein Teilerfolg. Ich benenne die entscheidenden Bewertungsaspekte, zu denen die Bundesregierung konkret antworten muss, insbesondere:

Was ware der operative Kontext und Auftrag? Unterstützung der Counterinsurgency-Operationen im Süden und Südosten, von OEF, der Drogenbekämpfung?

Der Generalinspekteur stellt einen Bericht zu den Konsequenzen aus der „Schädelfoto-Affäre" vor: sehr differenziert, konkret und konsequent in den Umsetzungsschritte. Wie nach „Coesfeld" ist auch jetzt wieder bemerkenswert, wie gründlich die Bundeswehrführung versucht aus solchen Vorfällen zu lernen. In der Öffentlichkeit sorgen nur die Vorfälle für Wirbel. Die über disziplinarische und strafrechtliche Schritte hinausgehenden Präventions-Konsequenzen finden hingegen regelmäßig keinerlei Beachtung mehr.

Gespräche mit FAZ, SZ, Sächsische Zeitung, Stuttgarter Zeitung, ARD zum Untersuchungsausschuss und seinen Perspektiven.

Erste Zeugenvernehmung im Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss Kurnaz/KSK:

Vernommen werden der Kommandeur des 1. Dt. Heereskontingents Spezialoperationen OEF/AFG im Einsatzland, Rechtsanwalt Docke, Murnat Kurnaz. Die bisher völlig unbekannte Startphase des KSK-Einsatzes in AFG wird in wichtigen Grundzügen sichtbar. Die Schilderungen von M. Kurnaz und seinem Anwalt sind erschütternd und erscheinen ausgesprochen glaubwürdig.

Die erste Sitzung dauert achteinviertel Stunden ohne Unterbrechung. Die Verhandlungsführung durch den Vorsitzenden Karl Lamers ist gut und fördert ein ergiebiges Verhandlungsklima.

Bis 22.15 Uhr.

16.1.

Im AK IV Verabschiedung der Großen Anfrage zur aktuellen Politik in AFG, an der ich kräftig mitgewirkt habe.

Bewerbungsgespräche für die Stelle eines/r MitarbeiterIn im Untersuchungsausschuss.

15.1.

Mittagessen mit den Gesandten der nordischen Botschaften (DÄN, NOR, FIN, SWE) zu aktuellen sicherheitspolitischen Fragen

Neujahrsempfang der Bundeswehrdienststellen in Potsdam (u.a. Einsatzführungskommando, Militärgeschichtliches Forschungsamt).

13.1.

Live im WDR-Mittagsecho zur Tornado-Frage

11./12.1.

Gespräche mit Nordwestzeitung, Berliner Zeitung, Financial Times Deutschland, Kölner Stadtanzeiger, SZ, FAZ, Neue Hannoversche Allgemeine und Hess. Rundfunk zur Tornado-Frage.

Grußwort bei der Eröffnung der Ausstellung „Dem Judenmord entkommen" (Portraits von Holocaust-Überlebenden in Lettland) von Hanna und Wolf Middelmann in der Bürgerschaft in Bremen. Das Göttinger Ehepaar lernte ich 1993 nach einer NDR-Panorama-Sendung kennen, die den Skandal bekannt machte, dass wohl ehemalige Angehörige der lettischen Waffen-SS Kriegsversehrtenrenten aus Deutschland bezogen, ehemalige Ghetto- und KZ-Häftlinge aber keinen Pfennig „Entschädigung" gesehen hatten. Seitdem engagierten sich die Middelmanns in beispielloser Weise für die Holocaust-Über-lebenden im Baltikum: Sie sammelten Spenden, besuchten zweimal/Jahr die Überlebenden - inzwischen 25-mal.

10.1.

Gemeinsame Sitzung von Grüner Fraktion im Europa-Parlament, Bundestag + dem Netzwerk grüner Parlamentarier zu Herausforderungen der dt. Präsidentschaft 2007.

8./9.1.

Fraktionsklausur in Wörlitz: intensiv diskutierte Schwerpunktthemen sind „Grüne Marktwirtschaft", „Auf dem Weg ins solare Zeitalter", Familienpolitik.

7.1.

Neujahrsempfang der Stadt Münster im Rathausfestsaal. Emnid-Chef Klaus-Peter Schöppner spricht zu „So leben wir in Münster im Jahr 2020".

6.1.

Gespräch mit dem Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk IBB/Dortmund-Minsk über die Erhöhung der Visagebühren gegenüber Belarus. Angesichts des sonst so gewünschten Austauschs ist das völlig unverständlich und kontraproduktiv.

Beim „Fussballturnier der Gievenbecker Vereine" in der Peter-Deimling-Halle in Münster mache ich bei der „Promi-Mannschaft" mit - wg. jahrzehntelanger Fußballabstinenz als simulierender Coach. „Wir" besiegen die Vorstände-Mannschaft mit 1:0. Der inzwischen 82-jährige Peter Deimling ist heute unser Schiedsrichter. Er war 39 Jahre Vorsitzender des 1. FC Gievenbeck, der eine sehr breite und integrative Jugendarbeit betreibt. Für meine nächste AFG-Reise wünscht er mir alles Gute - „passen Sie auf. Sie werden noch gebraucht!"

Anmerkungen: 

Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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