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Westfälische Nachrichten: Winfried Nachtwei 1968: "Das müde Münster wachrütteln"

Autor: Webmaster

Datum: 30. März 2008 12:38:58 +02:00 oder So, 30 März 2008 12:38:58 +02:00

Zusammenfassung:  Münster - Als Winfried Nachtwei im Jahr vor 1968 in Münster mit dem Studium begann, war er „parteipolitisch CDU-nah", Bundeswehrleutnant der Reserve, Mitglied der katholischen Jugendbewegung. „Vietnam? Ich wäre bereit gewesen", erinnert sich der 61-Jährige, der heute für die Grünen im Bundestag sitzt. Wenige Jahre später gehörte Nachtwei in München den sogenannten K-Gruppen an, die Mao verehrten und die Sowjetunion nach Stalin überwiegend ablehnten.

Hauptteil: 


Was war passiert?

Seine ersten Uni-Erfahrungen in Münster: „Es ging nahezu absolutistisch zu. Was gelehrt wurde, bestimmten die Ordinarien." Die Reaktionen der Münsteraner auf die ersten Demonstrationen in Münster? „Überwiegend Ablehnung, teilweise Feindschaft."

Winfried Nachtwei Ende der 1960er-Jahre bei einer Fachschaftssitzung (2.v.r.). Winfried Nachtwei Ende der 1960er-Jahre bei einer Fachschaftssitzung (2.v.r.).

Als Tausende gegen Bundeskanzler Kiesingers Besuch beim Kramermahl protestierten und die Presse schwieg: „Wut, die Solidarisierungseffekte auslöste". Nachtwei fasst solche Ereignisse als „Kette von Enttäuschungen" zusammen - Enttäuschungen, die bewirkten, dass seine anfängliche Begeisterung für das Lebensgefühl von 1968 einer zunehmenden Politisierung wich.

Mehrere Tausend Menschen demonstrieren am 22. Januar 1969 gegen den Besuch von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger in Münster. Mehrere Tausend Menschen demonstrieren am 22. Januar 1969 gegen den Besuch von Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger in Münster.

Engagiert hatte sich Nachtwei freilich schon vorher in der Studentenbewegung. Penibel hat er darüber Tagebuch geführt, mit winzig kleiner Schrift Gedanken und Ereignisse festgehalten. „Ein Glücksfall", sagt er heute.

Berichte über eine Sitzung des Studentenparlaments nach der Erschießung Benno Ohnesorgs finden sich darin, „danach setzte sich von der Aasee-Mensa ein Zug mit 6000 Trauernden in Marsch". Als politische Plakate auftauchten, habe er mit dafür gesorgt, dass sie wieder verschwinden.

In Berlin bekam er die Oster-Unruhen mit, nahm an „Teach-Ins" teil, wenig später an einer großen Demo gegen die Notstandsgesetze in Bonn. „Bunt, lebendig, fantasievoll", erinnert er sich, „doch die Bevölkerung interessierte das kaum."

Am 15. Mai 1968 dann ein „Riesen-Teach-In" im Hörsaal H 1 in Münster. „Es war in erheblichem Maße abstoßend, wie die Diskussionen geführt wurden", blickt Nachtwei zurück. „Es wurde verbal aufeinander eingeschlagen, untereinander herrschte wenig Toleranz - und sehr viel Kritikempfindlichkeit".

Beim anschließenden Marsch durch Münster war er dennoch dabei, „nicht, weil ich gegen die Notstandsgesetze war, sondern um das müde Münster wachzurütteln, ich war einer der Hauptschreier". Indes: „Zu Diskussionen mit den Münsteranern kam es kaum, man blieb unter sich."

Noch heute wurmt ihn diese „Reaktion der Etablierten". Sein Haare wurden länger, seine Wut wurde größer, der Lebensgefühl-Protest wich politischem Protest. Er machte Wahlkampf für Willy Brandt, „doch Brandt hatte ich bald hinter mir gelassen".

Nachtwei ging an die Uni München, „ein Sammelbecken Linker, sehr marxistisch orientiert". Als er sich mit Lateinamerika auseinander setzte, „fiel es mir wie Schuppen von den Augen: US-Imperialismus im eigenen Hinterhof". In jener Zeit sah sich Nachtwei als „Teil einer weltweiten revolutionären Bewegung", gehörte schließlich radikalen K-Gruppen an.

Dort, so sagt er heute, wurden ihm allerdings auch schnell die Augen geöffnet. „Die internen Strukturen waren extrem autoritär, die Diskussionen krass dogmatisch, das war nicht zum Aushalten" - autoritär unter einem antiautoritären Gewand sei es zugegangen. Heute bezeichnet es Nachtwei als „historisches Glück", dass die K-Gruppen nicht die Möglichkeit hatten, an die Macht zu kommen. „Das wäre eine Diktatur geworden."

Gleichwohl bewertet er die 1968er-Zeit im Rückblick als unterm Strich „eindeutig positiv" - unter anderem, weil die „sehr starke Autoritätshörigkeit in Deutschland" in Frage gestellt worden sei, auch seien viele Proteste durchaus berechtigt gewesen. „Gut, dass ich diese Zeit miterlebt habe", betont er, „das waren tolle Erfahrungs- und Lernprozesse für mich."

VON MARTIN KALITSCHKE, MÜNSTER

Anmerkungen: 

Bei den Westfälischen Nachrichten findet sich der Beitrag hier.

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