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Frankfurter Rundschau: Teddys, Blechdosen, ein Offizier und ein Brief

Autor: Webmaster

Datum: 4. Mai 1983 07:45:27 +01:00 oder Mi, 04 Mai 1983 07:45:27 +01:00

Zusammenfassung:  Einen ganz besonderen Beitrag zur Diskussion über die Strategie der Abschreckung haben drei Dülmener Bürger geleistet. Sie, die Anfang April einen Ostermarsch in der westfä­lischen Stadt organisiert hatten, wel­cher auch zum Lager Visbeck, einem Außenposten der Dülmener Kaserne, führte, wurden nämlich vom Kom­mandeur des Beobachtungsbataillons 73 in Dülmen, Oberstleutnant Manfred Knapp, zur Kasse gebeten. Den Grund dafür gab der Stabsoffizier in einem Schreiben an die drei Dülmener Alfred Weischer, Rainer Tönnis und Winfried Nachtwei unter anderem so an:

Hauptteil:  „Zum diesjährigen Ostermarsch der Friedensbewegung im Münster­land wurde durch Sie ... aufgerufen. Sie zeigten sich auch gegenüber der Stadtverwaltung verantwortlich für die Durchführung dieses Marsches. Am 2. April 1983 wurde am Lager Vis­beck dazu aufgerufen, als Zeichen der eigenen Betroffenheit persönliche Ge­genstände am Zaun des Lagers anzu­bringen. Nach Beendigung des Mar­sches mußten 80 Soldaten eine Stunde lang das Außengelände des Lagers rei­nigen und die besagten Gegenstände beseitigen. Dem Bund entstanden dadurch natürlich Kosten, die sich wie folgt berechnen: 80 Soldaten x 1 Std. Arbeitszeit ä DM 9,25 = DM 740,-."

Folgte noch die Kontonummer und die Bitte an die drei Dülmener, jeweils ein Drittel des Betrages zu überweisen „mit dem Verwendungszweck Arbeitseinsatz Dülmen-Visbeck". Und der Kommandeur schloß: „Ich bedanke mich im voraus für Ihr Verständnis und verbleibe mit freundlichem Gruß - Manfred Knapp."

Das erhoffte Verständnis mochten die Adressaten allerdings nicht auf­bringen. Schließlich seien sie, wie sie dem Oberstleutnant antworteten, nicht die Verursacher, sondern „die Regie­rungen in Ost und West, die die viel­fältigen Aktionen der Friedensbewe­gungen zu Ostern erst notwendig machten". Und sie vermuteten auch, daß es sich möglicherweise um einen Versuch handele, die Friedensbewe­gung einzuschüchtern. Dabei sei doch der Arbeitseinsatz für die Soldaten „eine Abwechslung im sonstigen Dienstbetrieb" gewesen.

Und dann fügten sie ihre strategi­sche Lagebeurteilung hinzu: „Sollte Ihr Verlangen nach Kostenerstattung der Abschreckungsdoktrin entstam­men, so ist anzuerkennen, daß hiermit ein Weg eingeschlagen wird, auf dem der Abschreckungswert der Bundes­wehr enorm gesteigert werden könnte. Im Falle eines Angriffs der Streit­kräfte des Warschauer Paktes müßten diese nicht nur mit einer militärischen Reaktion, sondern auch mit Kostenforderungen in enormer Höhe seitens der Bundeswehr rechnen. Angesichts der heute schon immensen Verschul­dung des Ostblocks im Westen wäre klar, daß sich der Russe schon aus finanziellen Gründen einen Angriff gar nicht mehr leisten könnte." Sie seien also nicht bereit zu zahlen, mein­ten Tönnis, Weischer und Nachtwei, fügten aber hinzu: „Die Aktivitäten der Friedensbewegung richteten sich nicht gegen die Soldaten, sondern gegen eine bestimmte Art von Politik."

Oberstleutnant Knapp wiederum will sein Schreiben ironisch verstan­den wissen, wie er am Dienstag der FR sagte: „Weil diese Leute nicht nur mit dem Postulat auf Frieden und Abrü­stung angetreten sind, sondern gleich­zeitig auch - und das ist auch in ihren Flugblättern erkennbar - eintreten für eine saubere Umwelt." Sie hätten jedoch Arbeit für 80 Soldaten hinter­lassen, die immerhin eine ganze Stunde im Einsatz waren. „Wir sam­melten insgesamt Müll für acht große Müllsäcke zusammen plus einer zu­sätzlichen großen Plane, die mit dem Abfall allein mehrere hundert Pfund wog." Darunter hätten sich Strampel­höschen, Teddybären, Blumen und Plastikkissen, aber auch Papier, Fla­schen und Dosen befunden. Kommen­tierte Knapp: „Ich wollte damit eigentlich nur mal deutlich machen, daß man nicht auf der einen Seite ein­treten kann für eine saubere Umwelt und auf der andere Seite so etwas hinterläßt. Es hat meinen Soldaten sicherlich keine Freude gemacht, den Dreck anderer zusätzlich noch am Samstagabend wegzuräumen." Der Bataillonskommandeur gesteht aber auch zu, daß er seinen durchaus freundlichen Brief lieber als Privatmann und nicht in offizieller Funktion hätte schreiben sollen. „Mir ist natür­lich klar gewesen, daß es dafür keine Rechtsgrundlage gibt."

Dies meint auch Oberregierungsrat Fritz Boiler vom Bundesverteidi­gungsministerium in Bonn in einer Stellungnahme zum militärisch-zivilen Vorgang „Arbeitseinsatz Dülmen-Vis­beck". Der Kommandeur hätte nicht selber irgendwelche Kosten einfordern können: „Wenn an Liegenschaften und Unterkünften irgend etwas nicht in Ordnung war oder ist, hat es der Zu­ständige an die Standortverwaltung (eine nicht-militärische Bundeswehr- Behörde; Red.) zu geben. Die macht das oder bedient sich im Zweifelsfall der Hilfe der Wehrbereichsverwal­tung, so daß also der eingeschlagene Weg vom rein Formalen oder Admini­strativen her nicht richtig war."

ULRICH MACKENSEN

FR-Artikel als PDF-Datei (2.220 KB).

Anmerkungen: 

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