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Genauer Hinsehen: Sicherheitslage Afghanistan (Lageberichte + Einzelmeldungen) bis 2016
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Vorbemerkungen, Sicherheitsvorfälle AFG landesweit aktuell, Sicherheitsvorfälle nach Provinzen, Regionen, Kategorien, Wochen (Teil 1)

Veröffentlicht von: Webmaster am 5. August 2010 21:57:26 +02:00 (43879 Aufrufe)

Sicherheitsvorfälle Afghanistan, v.a. Region Nord bis Anfang August 2010 zusammengestellt von Winfried Nachtwei, MdB a.D.:

Sicherheitsvorfälle Afghanistan, v.a. Region Nord bis Anfang August 2010

zusammengestellt von Winfried Nachtwei, MdB a.D.

(1)     Vorbemerkungen zur Sicherheitslage: HINSEHEN!

(2)     Aktuell: Sicherheitsvorfälle AFG landesweit (Mai-Anfang August 2010)

(3)     Sicherheitsvorfälle nach Provinzen

(4)     Sicherheitsvorfälle nach Kategorien und Regionen/Woche

(5)     Aktuell: Sicherheitsvorfälle AFG-Nord (Januar bis Anfang August 2010)

(6)     Schwere Sicherheitsvorfälle beim Bundeswehreinsatz 2002-2009

(7)     Die Sicht der Bevölkerung: BMZ-Wirkungsanalyse in Nordost-AFG

(8)     Kommentar zur Entwicklung im Raum Kunduz  (http://www.nachtwei.de/index.php/articles/968)

(9)     Sicherheitsvorfälle AFG-Nord 2006-2009  (http://www.nachtwei.de/index.php/articles/968)

(10) Sicherheitsvorfälle AFG landesweit 2007-2008

(1)  Vorbemerkungen zur Sicherheitslage

Absicht GENAUER HINSEHEN: Diese Materialien sind ein Auszug aus meinen seit August 2007 laufend aktualisierten „Materialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistans (mit Pakistan)".[1] Diese wurden notwendig, weil die Bundesregierung von sich aus nur bruchstückhaft über die Lageentwicklung im deutschen Hauptverantwortungsbereich berichtete - nur einzelfallbezogen und vor allem bei Betroffenheit eigener Kräfte, ohne Trends, Schwerpunkte, kaum zur Sicherheitslage der Bevölkerung, zum Stand des „sicheren Umfelds" (Auftrag), kaum zur Sicherheitsentwicklung in anderen Landesteilen. Völlig beschwiegen werden Spezialeinsätze, erst recht in Problemfällen (z.B. Imam Shahib März 2009). Erst und nur in Antworten auf Kleine Anfragen im Bundestag lieferte die Bundesregierung in jüngerer Zeit umfassendere Daten zur Sicherheitslage.[2] Folge dieser Halb- und Viertelinformation war lange Beschönigung - und damit Realitäts- und Glaubwürdigkeitsverlust. Parallel mangelt es unverständlicherweise an einer zusammenfassenden zivilen und Aufbau-Lage, für die es immer noch einiges an Berichtenswertem gäbe. (Vgl. meine „Better News statt Bad News aus Afghanistan" auf www.nachtwei.de) Seit April 2010 hat das deutsche Verteidigungsministerium seine wöchentlichen, allerdings vertraulichen  „Unterrichtungen des Parlaments" um Ausführungen zu Aufbau, Entwicklung, Wirtschaft erweitert.

Dimensionen: Region Nord mit 9 Provinzen: 1.200 x 400 km, schwierige Geographie, sehr spärliche Verkehrsinfrastruktur, 10 Mio. Einwohner; über 10.000 ISAF-Soldaten, 209. ANA Korps mit inzwischen zwei Brigaden (3. Brigade zzt. im Aufbau); angeblich 18.000 Polizisten - zum geringen Teil ausgebildet.[3]

Als Sicherheitsvorfälle gelten: Feuerwechsel + Gefechte, Sprengstoffanschläge, indirektes Feuer. Im Folgenden Benennung der Todesopfer, nur punktuell der oft höheren Zahl an Verwundeten; die Zahl der seelisch Verwundeten ist um ein Vielfaches höher, lässt sich aber nur z.T. Einzelereignissen zuordnen. Die Sicherheitsvorfälle sind ein zentraler Indikator, der allein aber noch nicht den Grad des „sicheren Umfelds" erfasst, um das es gemäß VN- und ISAF-Auftrag gehen muss. Hier sind Zahl der Zivilopfer, Entführungen, Zugänglichkeit von Distrikten für Regierungsleute (government access), Hilfsorganisationen ausschlaggebend.

Quellen: ISAF, Agenturmeldungen auf www.longwarjournal.org, www.globalsecurity.org; inzwischen neben der afg. Agentur Pajhwok besonders informativ die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua „Afghanistan Situation" , www.english.news.cn/special/afghanistan; Quartals- und Zweiwochenberichte des Afghanistan NGO Safety Office/ANSO www.afgnso.org.[4] Die Verlässlichkeit einzelner Angaben kann nicht garantiert werden. Deutlich werden aber auf jeden Fall Trends und Schwerpunkte.

WARNUNG: Diese Zusammenstellung ist eine Horrorsammlung von lauter schlimmsten Nachrichten, sie sind der düsterste Teil der afghanischen Wirklichkeit, aber nicht die ganze Wirklichkeit.  Zu ihrer richtigen Einordnung sind notwendig zu beachten (a) die sehr ungleiche regionale Verteilung der Sicherheitsvorfälle - es sind Welten zwischen Sangin in Helmand einerseits und Herat und Mazar andererseits, zwischen den Provinzen Kunduz  und Balkh oder Badakhshan; (b)  die Wahrnehmung der Sicherheitslage durch die Bevölkerung.  (vgl. die alljährlichen landesweiten Umfragen von ABC/ARD und BBC sowie die Studie der FU-Forschergruppe zu Takhar und Kunduz, von „The Liaison Office" zu Uruzgan u.a. Provinzen)

Abkürzungen:

ANA    Afghan  National Army

ABP     Afghan Border Police

ANCOP Afghan National Civil Order Police (Bereitschaftspolizei)

ANP    Afghan National Police

ANSF  Afghan National Security Forces

CAS    Close Air Support (Luftnahunterstützung) durch Show of Force/SOF (Präsenz/Abschreckung) bzw. Waffeneinsatz

COIN   Counterinsurgency

IED      Improvised Explosive Device (unkonventionelle Sprengmittel)

LOC     Line of Communication

NDS    National Directorate of Security (Geheimdienst)

OMF    Opposing Militant Forces

OMLT  Operational Mentoring + Liaison Team (Ausbildungs- und Beratungsteams beim Militär)

PRT     Provincial Reconstruction Team, PAT  Provincial Advisory Team (Mini-PRT)

QRF    Quick Reaction Force

RPG    Rocked Propelled Grenade (Art Panzerfaust)

(2)  Aktuell: Sicherheitsvorfälle AFG landesweit (Mai - Anfang August  2010)

Sicherheitsvorfälle 28. KW ab 12. Juli (22.): 780 (582), davon Central 1 (2), Nord 23 (16), West 29 (25), Südwest 371 (-), Süd 212 (plus SW 355), Ost 144 (184); davon 551 (367) Feuerwechsel/Gefechte, 124 (103) Sprengstoffattacken (2 Selbstmordanschläge in Herat, Kabul), 84 (97) indirekter Beschuss; 20 (7) ISAF-Soldaten getötet, 127 (92) verwundet. (22. KW 2009: 313, davon 1/17/24/143/128; davon 187/66/53. Ausführlich unter 7) Der Juni 2010 war mit über 100 getöteten ISAF-Soldaten der bisher opferreichste Monat für internationale Truppen. (37 in Juni 2009)

Direkte Angriffe durch regierungsfeindliche Kräfte: 560 in 2006, 3.641 in 2007, 5.346 in 2008, 10.333 in 2009, 2.756 im 1. Quartal 2010, 5.359 im 2. Quartal (+51% ggb. 2.Q 2009), im Juni allein 1.309.

IED-Anschläge im 1. Quartal 2010 im Vergleich zum Vorjahrszeitraum Zunahme um 94%. Durchschnittlich gibt es drei Selbstmordanschläge/Woche, „komplexe Selbstmordattacken" zwei/Monat gegenüber ein/Monat in 2009. Angriffe auf Staatsbedienstete stiegen um 45% auf sieben/Woche. (Bericht des UN-Generalsekretärs vom 16. Juni 2010)

Im März gab es 987 IED-Zwischenfälle. Davon geschahen 53% (522) in Helmand, 13% (132) in Kandahar, 6% (59) in Khowst, 4% in Uruzgan und Ghazni, 20% (195) in anderen Provinzen.  Von den 161 in 2010 bis 10. Juni gefallenen US-Soldaten wurden 47% durch IED`s getötet. Seit 2008 ist der Anteil der IED`s mit Sprengstoffladungen über 25 lbs dramatisch angewachsen. Lt. Anthony Cordesman (CSIS) wurden die IED`s inzwischen die „Stingers" dieses Afghanistankrieges.[5]

Zivilopfer im Kontext des bewaffneten Konflikts: in 2006 929, davon 25% Pro-Regierungskräften zugeordnet, 75% der bewaffneten Opposition (OMF); 2007 1.523, 41%/46%; 2008 2.118, 39%/55%; 2009 2.259, 24%/69%. (UNAMA)

„Regierungsfeindliche Kräfte": Lt. Bundesregierung dürfte der „aktive Kern bewaffneter Kämpfer" aus 20.000 bis 30.000 Personen bestehen. Der dem militanten Widerstand nahe stehende Personenkreis „umfasst einen signifikanten Anteil der paschtunischen Gesellschaft (wahrscheinlich mehrere 100.000 Personen), sollte aber nicht automatisch mit „regierungsfeindlichen Kräften" gleichgesetzt werden." (Bundestagsdrucksache 17/1729, Fußnote 2)

Strategische Bewertung durch ANSO (Bericht 2. Quartal 2010, Juli 2010):

Es gibt wenig Anzeichen, dass der COIN-Ansatz die Opposition schwächt. Die AOG-Angriffe waren im 2. Quartal 2010 um 51% höher als im Vorjahrszeitraum. ANSO teilt nicht die COIN-Perspektive, dass die Dinge sich erst schlechter entwickeln, bevor es besser wird. Bestätigt werde vielmehr der Fünfjahrestrend einer ständigen Verschlechterung.

Die Schlüsseloperation inMarjah/Helmand führte bisher nur dazu, dass Helmand inzwischen die Provinz mit der meisten Gewalt landesweit ist. Die aufgeschobene Operation HAMKARI in Kandahar lasse Schlimmes für die Zivilbevölkerung befürchten. ANSO hält es für wahrscheinlich, dass HAMKARI die Unterstützung für die bewaffnete Opposition in Kandahar stark anwachsen lässt und eventuell eine Überlegenheit der Taliban ermöglicht.

Der Schutz der Zivilbevölkerung hat sich verschlechtert: Die Zahl der Zivilopfer stieg um 23% auf 1.110 im 1. Halbjahr (zunehmend verursacht - 83% -  von AOG, abnehmend von Pro-Regierungskräften). Zunahme der Anschläge/Angriffe auf Vertreter/Mitarbeiter von Regierung/Behörden (175 Tote, darunter 3 Distriktgouverneure, viele Bürgermeister, Ratsmitglieder, Führer von Distrikt Shuren, Pro-Regierungs-Mullahs, Stammesführer und Informanten) und Privaten Entwicklungsorganisationen (PDO For-Profits, mehr als 30 Tote in Jan-Apr 2010), die im Rahmen der COIN-Strategie die Legitimität der Regierung fördern sollen. Die Angriffe auf NGO`s gingen im 1. Halbjahr 2010 hingegen um 35% auf 47 Zwischenfälle zurück (v.a. wegen besserer Sicherheitsvorkehrungen).

Die Verluste der internationalen Truppen stiegen um 53%, die der ANSF sanken leicht um 2%.

Einzelne Sicherheitsvorfälle (ohne Norden)

Am 4.8. überlebt in Uruzgan weiterer Berater des Präsidenten einen Bombenanschlag, dem ein Kind zum Opfer fällt. In Zabul 5 private Sicherheitsmänner durch IED getötet.

Am 3.8. bei Angriff von 6 Taliban, 2 mit Sprengstoffweste, auf den Haupteingang von Kandahar Airfield, dem größten ISAF-Stützpunkt im Süden, alle getötet; vorher Abschuss von zwei Raketen.

Katastrophenhilfe für Pakistan, wo in den gigantischen Überschwemmungen seit dem 29. Juli in der - früheren - Nordwest-Grenzprovinz mehr als 1.500 Menschen um`s Leben gekommen und mehr als 600.000 Menschen von der Umwelt abgeschnitten sind. Allein im Swat-Tal mehr als 14.000 Häuser und 22 Schulen zerstört: Bisher 30.000 pakistanische Rettungskräfte und Soldaten im Einsatz, auch islamistische Wohltätigkeitsorganisationen, denen Verbindungen zu Terrororganisationen vorgeworfen werden; US-Streitkräfte in AFG wollen mit 6 Hubschraubern und 100 Soldaten Hilfe leisten; Lieferung von 400.000 Fertigmahlzeiten. CARE (seit 2005 in Pakistan) hat inzwischen 8 mobile Gesundheitsstationen ins Swat-Tal gebracht, 4 Basisgesundheitsstationen sind in Betrieb, Verteilung von Zelten, Plastikplanen, Kleidung, Hygieneartikeln und Küchenutensilien an 5.200 Menschen. CARE will in den kommenden Monaten 100.000 Menschen unterstützen.

Am 2.8. In Dand/Kandahar 6 Kinder durch Selbstmordattentäter gegen Polizeifahrzeug getötet. In Maiwand/Kandahar 2 Zivilpersonen durch IED getötet, 12 verwundet. In Jalalabad/Nangarhar Präsidentenberater für tribal affairs und 7 weitere Personen durch IED verwundet.  In Nuristan bei Angriff von ANA und Koalitionstruppen auf Taliban in den Orten Bachancha und Badnuk mehr als 30 Aufständische und 2 ANA-Soldaten getötet. In Kunar mehrere Aufständische bei der Suche nach einem Spitzenkommandeur der Taliban getötet.

Reportage „A counterinsurgency conundrum in Salam Bazaar" von Bill Ardolino im LWJ: Plastisch wird, wie breit verwurzelt der Taliban-Einfluss im südlichen Teil des Distrikts Now Zad in der Provinz Helmand ist und wie aussichtslos hier das COIN-Unterfangen ist, Köpfe, Herzen und Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen.

Am 1. August in Maiwand/Kandahar 6 Zivilpersonen in Minibus durch IED getötet (darunter 2 Frauen + 2 Kinder), 9 verwundet.  In Nahr-e Saraj/Helmand bei mehrstündigem Gefecht 5 Taliban getötet, 4 gefangen genommen.

Offizieller Beginn des Abzugs der niederländischen Streitkräfte aus AFG, Appell in Tarin Kowt/Uruzgan.  Der vierjährige Einsatz in der Süd-Provinz Uruzgan kostete 1,8 Mrd. Euro, in ihm kamen  24 niederländische Soldaten um`s Leben. Zzt. umfasst das niederländische Kontingent ca. 1.950 Männer und Frauen. „The Liaison Office"/Kabul veröffentlichte im September 2009 „Three Years later - A socio-political Assessment of Uruzgan Province from 2006 - 2009", ausgehend von einer Analyse bei Beginn der niederländischen zivil-militärischen Mission. Das Fazit: „Despite initial scepticism from larger NATO powers when the Dutch took command of Uruzgan in August 2006, the troubled province is now widely seen as one of the only positive developments in Afghanistan`s increasingly insecure South."  Differenziert nach den 7 Distrikten wird der Stand der Energieversorgung, Gesundheitseinrichtungen, Bildung, Medien, Infrastruktur, Förderung der Frauen, Landwirtschaft, Governance auf Provinz- und Distriktebene, Sicherheit und Zugänglichkeit der Distrikte für Regierungsvertreter, Wahrnehmung der internationalen militärischen Akteure analysiert.  Die Fortschritte vor allem in den bevölkerungsreichen Distrikten Tarin Kowt, Deh Rawod und Chora sind erheblich, das Ansehen der Niederländer ist generell gut, das Ansehen der im Rahmen von OEF in Uruzgan operierenden US-Truppen schlecht. Die TLO-Studie ist die genaueste mir bisher bekannt gewordene Evaluation einer Provinz. Vorbildlich für die gegenwärtige Debatte in Berlin um eine regelmäßige Wirksamkeitsbewertung des deutschen Einsatzes. (www.tlo-afghanistan.org/sites/default/files/province-district-assessments/TLO-Uruzgan-Assessment-final.pdf)

Vor diesem Hiintergrund war es nicht überraschend, aber in AFG erstmalig, dass Ende März 2010 eine Shura mit über 100 Stammesältesten, Maliks und Kommandeuren der Distrikte Tarin Kowt, Deh Rawod, Chora und Gizab eine Petition an das niederländische Parlament beschloss, in der sie an die Abgeordneten appellierte, Uruzgan nicht auf halber Strecke eines bisher erfolgreichen Peacebuilding zu verlassen. (www.mw.nl/article/afghans-petition-dutch-stay)

Anmerkung: Nach allem, was ich von dem niederländischen Einsatz erfahren und in 2008 vor Ort gesehen habe, ist der militärische Abzug der NL ausdrücklich zu bedauern - gerade aus der Perspektive der Afghanen, der UN und des ISAF-Auftrages. (vgl. meine Berichtsauszüge „Niederlande in Afghanistan 2006 - 2008)

Am 31.7. in Argandhab/Kandahar ein Stammesältester von Taliban aus seinem Hause entführt und getötet. Im benachbarten Panjwai-Distrikt forderten die Taliban 70 Stammesälteste auf, jede Zusammenarbeit mit der Regierung einzustellen.

Am 30.7. in Kabul auf der Hauptstraße zum Flughafen Zusammenstoß zwischen 2 Geländelimousinen der US-Botschaft und Zivilfahrzeug, wobei 4 Afghanen um`Leben kommen; bei der folgenden Demonstration US-Fahrzeuge in Brand gesetzt, Steinwürfe, Rufe „Death to America", Polizei schießt in die Luft.

Taliban töten landesweit 13 Zivilpersonen: In Ab Band/Ghazni 6 bei Bauarbeiten erschossen, in Kandahar 3 durch IED (der attackierte Parlamentskandidat bleibt unverletzt), in Ghazni 3 durch IED, in Paktia eine Person durch IED. Im Süden 2 ISAF-Soldaten durch IED getötet. Der Juli ist mit 66 toten US-Soldaten der opferreichste Monat für die US-Streitkräfte seit 2001.  Die britischen Streitkräfte verloren in AFG seit 2001 322 Soldaten, 155 allein seit Mai 2009. Die „Todesrate" der brit. Truppen stieg von 7,4 auf 14 auf 1000 Soldaten, in den letzten 10 Wochen auf 17. Die „Todesrate" der US-Sreitkräfte liegt bei 6,8. (Islamic Republic News Agenca IRNA 20.7.)

Im Südteil von Nad-e Ali/Helmand Beginn der britischen-afghanischen Operation Tor Shezade: In Sayedabad (ca. 6.000 Einwohner) sollen sich ca. 180 Kämpfer befinden.

In Herat 50 Polizisten entlassen, die an Checkpoints auf dem Highway Herat-Kandahar Geld abgepresst hatten.

Am 29.7. in Ghazni 6 private Sicherheitsleute im Kfz durch IED getötet.

LWJ berichtet zur Al Qaida-Präsenz in AFG: Lt. CIA-Chef Panetta seien es nur 50-100 Operative. Wenn man aber nur Presseberichte seit 2007 auswertet, komme man auf eine Präsenz von Al Qaida und angeschlossenen Gruppen (z.B. Islamic Jihad Union) in 45 Distrikten von 15 Provinzen.

Am 28.7. in Delaram/Nimruz 25 Zivilpersonen, darunter Frauen und Kinder, im Bus durch IED getötet, 20 verletzt. In Mizan/Zabul 4 Zivilpersonen durch IED getötet, in Kash Rod/Nimruz 2 Zivilpersonen.

Am 27.7. in Shiagierd/Parwan 6 Bauarbeiter getötet, Staatsanwalt entführt. Koalitions- und afg. Kräfte töten und verhaften einige Taliban-Kommandeure und Kämpfer in Logar, Paktia, Kandahar und Helmand.

Am 26.7. Rückeroberung des Distrikt Bag-e Matal/Nuristan durch ANSF.

(Anm.:  Seit Wochen auffällig viele ISAF-Meldungen, die über Gefangennahmen von Taliban-Kommandeuren und Kämpfern be richten und die Verhältnismäßigkeit des  Vorgehens betonen. Zugleich Meldungen über Tötung von Führern der Aufständischen unter Nennung des Namens und wesentlicher Beschuldigungen.)

Am 25.7. erneute Übernahme des Distrikt Barg-e Matal/Nuristan (direkt an der PAK Grenze, Berge bis 5.400 m) durch Taliban; sofortige Exekution eines Stammesführers wegen Zusammenarbeit mit der Regierung.  Damit wechselte die Kontrolle über den Distrikt  zum 3. Mal in diesem Jahr. Die letzte Belagerung des Distrikts begann am 14. Juli, als Hunderte Taliban die Grenze von PAK überschritten. An den folgenden Kämpfen seien 700-1.200 Taliban beteiligt gewesen. Mit der Aufgabe von US-Außenposten in Nuristan und Kunar im Herbst 2009 sei hier ein Rückzugs- und Aufmarschgebiet der Taliban entstanden - mit Ausstrahlung in die nördlichen Nachbarprovinzen Takhar und Badakhshan. Im Distrikt Jurm (südl. Feyzabad) deutliche Zunahme der Angriffe. (ausführlich in LWJ) In Barg-e Matal 50 Taliban durch afg. Kommandotruppen getötet.

In Logar ein US-Soldat getötet, einer gefangen. Seine Leiche wird wenige Tage später gefunden. In Qarabagh/Ghazni Kandidat zu den Parlamentswahlen entführt.

25.7. Veröffentlichung des Afghan War Diary 2004-2009 auf WikiLeaks im Verbund mit SPIEGEL, GUARDIAN und NEW YORK TIMES (www.wardiary.wikileaks.org)

Anmerkung: Die Behauptung des SPIEGEL (3.8.2010), die WikiLeks-Enthüllungen würden „erstmals belegen, wie unzureichend die deutsche Regierung die Parlamentarier über die Operation am Hindukusch unterrichtet", ist falsch, ebenfalls die pauschale Behauptung, die Abgeordneten würden „seit 2001 jährlich die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes abnicken".  Gerade weil wir GRÜNEN das nicht wollten und nicht taten, erstellte ich für die Fraktion umfangreiche Beratungspapiere. 2007 stieß ich aus Unzufriedenheit mit der selektiven Unterrichtung durch die Bundesregierung auf die Website von Enduring Freedom AFG (Combined Joined Task Force 82, später 101, www.cjtf101.com), deren Startseite bis Dezember 2007 praktisch identisch war mit der des ISAF Regional Command East (www.isaf-rce.com). Dort erschienen fast täglich Pressemitteilungen über Gefechte, Schusswechsel und Attacken. Meist hieß es, die Taliban hätten auf ANSF und Koalitionstruppen gefeuert und diese hätten dann reagiert. Auffällig oft tauchten altbekannte Distrikte wie Sangin, Musa Qala in Helmand und Panjwai in Kandahar auf, wo schon 2006 harte Gefechte stattfanden.

In der Bundestagsrede am 8.11.2007 zur OEF-Verlängerung und in meiner OEF-Bilanz vom 14.11.2007 („Enduring Freedom nach 6 Jahren: Selbstverteidigung ohne Grenzen - mehr Begleitschäden als Nutzen") brachte ich die kriegerische Realität in Afghanistan deutlich zur Sprache. (www.nachtwei.de/index.php/articles/610, www.nachtwei .de/index.php/articles/615)

Am 19.11. berichtete darüber www.geopowers.com. In meiner „Sicherheitslage Afghanistan (militärisch/polizeilich) vom August 2008 zitierte ich eine OEF-Pressemitteilung

Nr. 7 vom 2.12.2007: In Musa Qala/Helmand einige Militante getötet, darunter ein höherer Taliban-Kommandeur, der für die Entführung eines italienischen Journalisten, seines Dolmetschers und Fahrers  im März verantwortlich sein soll. („Coalition Forces conducted a precision-guided munitions strike targeting a senior Taliban commander believied to be involved in the March kidnapping of Italian journalist (...) Reports indicate the individual is also responsible for a number of mortar attacks on Coalition bases as well as several improvised explosive device attacks. Coalition forces targeted a vehicle in the Musa Qaleh district containing five adult males during the course of operations, one of whom intelligence reports indicated to be a senior Taliban commander. A supporting aircraft released a precision-guided munition, destroying the vehicle and killing the occupants.")  ((Anmerkung: Wahrscheinlich ein Fall von "targeting killing"/gezielter Tötung von Verdächtigen. Das ist im Rahmen von OEF anscheinend ein gängiges Verfahren. Vgl. ISAF-Meldung vom 28.11. zu einem ähnlichen Fall in Nuristan (s. unter 3.4), der in Focus 51/2007 ausführlich behandelt wurde. Bundeswehrsoldaten dürfen nicht an solchen Tötungen auf Verdacht teilnehmen oder dazu beitragen. T. Wiegold/focus vermutet, dass Bundeswehrangehörige über die Mitarbeit im ISAF-Hauptquartier und Tornado-Aufklärungsbilder höchstwahrscheinlich indirekt mit dem targeting killing zu tun hätten.))

Außenminister Steinmeier und die SPD-Spitze wollten das damals nicht zur Kenntnis nehmen und lehnten zusammen mit der Union Initiativen der Grünen für eine umfassende Unterrichtung des Parlaments ab. Wenn jetzt die SPD ihre parlamentarische Kontrollpflicht entdeckt, kommt das reichlich spät.

Am 24.7. In S-AFG 5 US-Soldaten durch IED getötet, 2 Polizisten in Kandahar. In Khost Selbstmordattentäter gefasst.

Am 23.7. in Ismailkhakil/Khost bei Bombenexplosion in Moschee 20 Menschen verletzt, darunter ein Kandidat zur Parlamentswahl. In Helmand 3 Militante getötet. In Helmand laut Präsident Karzai 52 Zivilpersonen durch NATO-Raketenbeschuss getötet. ISASF bestreitet Zivilopfer. .

Am 22.7. 2 US-Soldaten bei Helicopter-Absturz im Süden getötet.

Am 20.7. in Marawara/Kunar direkt an der pakistanischen Grenze Luftlandeoperation mit 400 ANSF und US-Kräften gegen Rückzugsgebiet von Taliban und Al Qaida: höchster Kommandeur von Taliban und Al Qaida sei Qari Zia Rahman; er verfüge über Kämpfer aus Tschetschenien, Usbekistan, Turkmenistan, AFG und einigen arabischen Ländern. Er gilt als Brigadekommandeur in der Al Qaida „Schattenarmee" (Lashkar al Zil).

Am 19.7. in Kashrod/Farah 22 Militante (darunter 2 Kommandeure) bei Treffen in Versteck durch Luftangriff getötet. In Nimruz einige Militante in Kfz getötet und verwundet. In Khakriz/Kandahar 6 Polizisten durch IED getötet.

Am 18.7. in Naw Zad/Helmand und Qalat/Zabul 2 US-Soldaten durch IED getötet. In Kabul vor Krankenhaus Selbstmordattentäter mit Motorrad gegen ISAF-Konvoi, 3 Zivilpersonen getötet, mehr als 20 verletzt.

Koalitionstruppen fangen eine neue Direktive  von Mullah Omar ab, die eine Wende im Umgang mit Zivilisten markiert. Der Taliban Code of Conduct vom Sommer 2009 forderte Rücksichtnahme auf Zivilpersonen: „ (...) must do their best to avoid civilian deaths, civilian injuries and damage to civilian property." . Jetzt heißt es: „Capture and kill any Afghan who is supporting and/or working for coalition forces or the Government (...) Capture and kill any Afghan woman who are helping or providing information to coalition forces." (LWJ 29.7.)

Am 17.7. in Orgun/Paktika ein brit. und ein US-Soldat durch IED getötet, weitere 3 ISAF-Soldaten im Süden getötet.

Am 16.7. in Sangin/Helmand ein brit. und ein US-Soldat bei Gefecht getötet. In Helmand seit 1. Mai große Zahl von Aufständischen getötet, 12 Kommandeure und mehr als 170 Militante gefangen genommen. In Herat 500 Meter vom Regionalkommando West Selbstmordattentäter mit Kfz, 3 ANA-Soldaten getötet. In Bala Boluk/Farah Taliban-Kommandeur Mullah Akhter mit mehreren Kämpfern getötet; er soll die Einschleusung von Kämpfern aus dem Iran ermöglicht haben.

Am 15.7. in Zhelay/Kandahar 2 US-Soldaten durch IED getötet. In Uruzgan örtlicher Taliban-Kommandeur und 4 Militante bei Feuergefecht getötet. In Kandahar 5 health workers entführt. In Paktika 4 Taliban durch vorzeitige Bombenexplosion getötet.

In Kandahar City Kommandoübergabe von Kanada an USA (82nd Airborne Division): Nach mehr als vier Jahren reduziert Kanada seine militärische Verantwortung auf die Distrikte Panjwai, Dand und Daman südwestlich und südöstlich von Kandahar City. In Kandahar City bleibt das Kanadische PRT mit seinen 350 Frauen und Männern, darunter einer Infanteriekompanie. (Umfang des kanadischen Kontingents zzt. 2.850; seit 2002 150 Soldaten um`s Leben gekommen; Abzug der kanadischen Kampftruppen bis Juli 2011)

Am 14.7. in Qalat/Zabul 4 US-Soldaten durch IED getötet, in Argandhab/Kandahar ein US-Soldat durch Beschuss getötet. In Marja/Helmand 9 Zivilpersonen durch IED getötet. In Kandahar 3 ISAF-Soldaten und 5 Zivilbeschäftigte bei Angriff auf das ANCOP-Hauptqiuartier getötet. In Ghazni 3 Militante bei Feuerwechsel mit privaten Sicherheitsleutenm getötet.

Am 13.7. in Kandahar 3 US-Soldaten durch IED getötet, in Sangin/Helmand ein brit. Soldat bei Gefecht getötet. In Nahri Sarraj/Helmand eröffnet in Patrouillenstation ein ANA-Soldat Feuer mit RPG und MPi, tötet 3 brit. Soldaten und verwundet 4. Täter entkommt. In Lashkar Gah/Helmand 8 Zivilpersonen in Minibus durch IED getötet, in Shanalzai/Zabul 3 Zivilpersonen durch Mine getötet. In Ghazni bei Angriff auf ein Dorf mehrere Angreifer und ein Dorfbewohner getötet.

Am 12.7. in Sayyidabad/Wardak 7 afg. Soldaten durch IED getötet. In Nad Ali/Helmand und Sapera/Khost 8 Zivilpersonen durch IED getötet.

Am 11.7. in Nahri Sarraj/Helmand ein US-Soldat durch IED getötet. Sicherheitskräfte töten 23 Taliban in Ghazni (hier allein 10), Zabul und Kandahar.

Am 10.7. 4 US-Soldaten in den Provinzen Kandahar, Kunar und Badakhshan durch IED und Beschuss getötet. In Chamkani/Paktia 2 Afghanen und 11 Pakistani durch Taliban erschossen. In Kabul in letzten beiden Wochen Verhaftung von 11 mutmaßlichen Terroristen, darunter 6 Selbstmordattentätern, 450 kg Sprengstoff beschlagnahmt.

Am 9.7. in Nad Ali/Helmand und Chora/Uruzgan ein US- und zwei austral. Soldaten getötet. In Khwajai Omari/Ghazni Staatsanwalt durch Taliban getötet.

Am 8.7. in Sangin und Nad Ali/Helmand drei brit. Soldaten durch IED und bei Gefechten getötet. In Bar Kupar/Kunar ein US-Soldat getötet. Im Bazar von Janikhil/Paktia 6  Afghanen durch Rakete getötet.

Am 7.7. in Andar/Ghazni irrtümlich 6 ANA-Soldaten durch ISAF-Luftangriff getötet. In Gereshk/Helmand 4 Militante durch ANSF getötet, in Yahya Kel/Paktika mehrere Militante durch Luftangriff.

Am 6.7. in Qalat/Zabul 3 US-Soldaten durch IED getötet. In Targab/Kapisa ein franz. Soldat durch IED getötet. In Ansar/Ghazni 6 entführte Bauarbeiter durch Taliban getötet, in Barako Borak/Logar 3 Polizisten. Neuer ANA-Generalstabschef Generalleutnant Karimi. Der bisherige Kommandeur 209. Korps Mazar, Generalmajor Murad, jetzt Chef der afg. Bodentruppen.

Am 5.7. in den Provinzen Herat, Wardak und Kandahar 5 US-Soldaten durch IED getötet. In Nahri Sarraj/Helmand ein brit. Soldat durch IED getötet.

Am 4.7. in Argandhab/Kandahar ein US-Soldat bei Beschuss getötet. In Musa Qala/Helmand Selbstmordattentäter mitr Fahrrad gegen 11.00 Uhr auf Marktplatz, 4 Zivilpersonen getötet. In Deshoo/Helmand bei zweitägige Operation 63 Militamnte getötet, 10 gefangen, mehr als 16 Tonnen Narkotika beschlagnahmt. In Syedabad/Wardak 14 Militante getötet.

Am 3.7. in Kandahar 3 Zivilisten irrtümlich durch combined forces getötet, dabei auch ein Taliban-Kommandeur gefangen und ein Kämpfer getötet. In Zabul 2 Zivilpersonen durch IED getötet.

Am 2.7. in Bagram/Parvan ein US-Soldat durch Beschuss getötet, in Zhelay/Kandahar ein US-Soldat durch IED getötet.

Am 1. Juli in Helmand ein brit. und ein US-Soldat getötet.  Am 1./2.7. bei Operation von ANSF und ISAF im Süden 5,7 Tonnen Heroin, Waffen, Munitionen, IED-Komponenten gefunden, ca. 50 Militante getötet.

Am 30.6. in Jalalabad/Nangarhar bei komplexem Angriff auf J.-Airfield 13 Militante getötet; in Qarabagh/Ghazni 7 Militante getötet. In Seydabad/Wardak ein US-Soldat getötet.

Am 29.6. in Zabul bei Feuergefecht zwischen Militanten und Konvoi privater Sicherheitsfirma 6 Personen getötet. In Kandahar 2 Zivilpersonen durch IED getötet. In Seydabad/Farah zwei Zivilpersonen auf Motorrad durch IED getötet. Bei Beschuss eines UN-Fahrzeugs in Kabul nähe Gesundheitsministerium eine Person verletzt.

Am 28.6. in Kandahar bei nächtlicher Operation 8 Verdächtige getötet. In Ghazni 8 Zivilpersonen in Minibus durch Mine getöötet.

Am 27.6.  in Marawara/Kunar bei Operation von 700 eingeflogenen US- und afg. Soldaten mehr als 150 Militante getötet, auch 2 US- und ein ANA-Soldat. In Paktika 15 Taliban und ein Al Qaida Kämpfer durch vorzeitige Explosion getötet. In Diak/Ghazni 8 Militante getötet; in Panjwai/Kandahar 5 Militante durch Luftschlag. In Nahr-e Saraj/Helmand ein britischer Soldat durch IED getötet; in Tarin Kot/Uruzgan eine Zivilperson durch IED.

Am 26.6. im Basar von Tarin Kot/Uruzgan durch Selbstmordattentäter gegen Polizeifahrzeug 3 Kinder getötet, 4 weitere Zivilisten verletzt. In Seydabad/Wardak ein US-Soldat durch IED getötet. In Moqur/Ghazni ein polnischer Soldat durch IED getötet. In Panjwar/Kandahar zwei kanadische Soldaten durch IED getötet. In Naw Zad, Garmsser und Musa Qala/Helmand drei US-Soldaten durch IED getötet.

Am 25.6. in Khas Uruzgan/Uruzgan 11 Männer von Taliban unter der Beschuldigung der „Spionage" getötet, 5 von ihnen enthauptet. Nahe Kandahar ein mittlerer Taliban-Kommandeur und andere Militante beim Verlegen von IED getötet. In Qadis/Badghis eine große Zahl von Militanten durch Luftschlag getötet, als ca. 50 eine afg.-internationale Patrouille angriffen. In Zabul 18 Militante einschließlich zweier Gruppenkommandeure bei Vorgehen gegen ein Talibanversteck getötet. In Pech/Kunar 2 UWS-Soldaten getötet.

Am 24.6. in Jalai/Kandahar bei Stürmung eines Taliban-Verstecks 15 Militante getötet, 3 gefangen genommen. In Panjway/Kandahar größere IED-Fertigungsstätte durch Luftschlag zerstört. Der Taliban-Kommandeur von Panjwaj, Izzatullah, und einige Militante getötet. In Arghandab/Kandahar ein US-Soldat durch IED getötet.

Am 23.6. in Paktia nahe pakistanischer Grenze große Anzahl von Kämpfern des Haqqani Netzwerks durch US- und afg. Kräfte getötet, darunter Araber, Usbeken, Tschetschenen, Turkmenen. In Sangin/Helmand ein britischer Soldat bei Feuergefecht getötet.

Am 22. in Urgan/Paktika 31 Kämpfer des Haqqani Netzwerks durch Luftangriff getötet. In Sangin und Musa Qala/Helmand ein britischer und zwei US-Soldaten bei Feuergefecht und IED getötet. In Khash Rod/Nimruz ein US-Soldat, in Charkh/Logar ein US-Soldat und in Qalat/Zabul zwei polnische Soldaten durch IED getötet.

Am 21.6. bei Hubschrauberabsturz in Shah Wali Kot/Kandahar 3 australische Kommandosoldaten und ein US-Soldat getötet. In Kunar an Polizei Checkpoint 19 Personen durch weiblichen Selbstmordattentäter verwundet.  In Nad Ali und Sangin/Helmand ein britischer und ein US-Soldat getötet. In Panjwai/Kandahar ein kansischer Soldat durch IED getötet.

Am 20.6. In Nangharhar zwei Kinder durch Rakete getötet. In Lashkar Gah/Helmand innerhalb von wenigen Minuten zwei IED`s nahe einer Bank und einer Schule, drei Menschen getötet, darunter ein 12-jähriges Kind. In Nuristan 14 Taliban durch ANSF getötet, 5 gefangen genommen.

Am 19.6. in Nord-Waziristan/Pakistan mindestens 11 Militante durch US-Drohne getötet.

Am 18./19.6. 38 Kämpfer des Haqqani-Netzwerks nahe der pakistanischen Grenze in Musa Khel/Khost durch ANSF und US-Kräfte bei Gefecht mit mehr als 200 Militanten getötet, auch CAS. Im Bazar von Deh Rawud/Uruzgan 2 Polizisten und 3 Zivilpersonen durch IED getötet. Ein französ. Soldat in Tagab/Kapisa erschossen. Zwei US-Soldaten und ein brit. Soldat im Süden getötet. In Garmser/Helmand ein US-Soldat durch IED getötet. In Zhelay/Kandahar zwei US-Soldaten bei Angriff mit IED und Handwaffen getötet.

Am 16.6. in Suriobi und Komad/Paktika 38 Haqqani Netzwerk-Kämpfer getötet. In Ghazni 3 private Sicherheitsleute durch IED getötet. In Sangin + Musa Qala/Helmand zwei US-Soldaten durch IED bzw. Feuergefecht getötet.

Am 15.6. in Kandahar City der Distriktgouverneur von Arghandab/Kandahar, Haji Abdul Jabbar, sein Sohn und Fahrer durch Bombe getötet. Jabbar galt als wichtiger Verbündeter bei dem Versuch, Arghandab zu einem Modell für Frieden und Stabilität zu machen. Der Anschlag ist der letzte Höhepunkt einer Anschlags- und Einschüchterungskampagne gegen Stammesführer und Politiker, die Regierung und Koalitionskräfte in Kandahar unterstützen. In den letzten Monaten wurden mehr als 20 höhere Offizielle, darunter der stellv. Bürgermeister von Kandahar, durch Taliban-Attentäter getötet. Die USA ihrerseits zielen im Vorfeld der lang erwarteten Großoperation auf die höchsten Taliban-Führer und Unterstützer in Kandahar In den letzten vier Monaten wurden mehr als 70 Taliban-Kommandeure der mittleren Ebene bei einer Serie von Spezialoperationen in und um Kandahar getötet: Am 30.5. Mullah Zergeay, Führer der Taliban in Kandahar City und den Distrikten Zhari und Arghandabad, am 29.5. Haji Amir, der als einer der beiden höchsten Talibanführer der Provinz galt. Von den 13 Distrikten der Provinz sollen lt. District Assessment von ISAF einer - Kandahar-City - als pro Regierung gelten, drei als neutral, 6 als mit den Taliban sympathisierend und einer sie unterstützend. (LWJ 15.6.)  In Nad Ali/Helmand ein brit. Soldat bei Feuergefecht getötet. In Shaygal Wa Shiltan/Kunar ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet, in Ghazni ein polnischer soldat getötet.

Am 14.6. in Shamul/Khost Fazil Subhan, führender Kommandeur im Haqqani Netzwerk, und einige Kämpfer getötet.

Aufteilung des ISAF RC South in South West (Lashkar Gah mit Helmand + Nimruz unter US-Generalmajor Mills) und South mit Kandahar etc.

Am 13.6. in Shindand/Herat legen ein Taliban Kommandeur und 30 Kämpfer ihre Waffen nieder und schließen sich dem Friedensprozess der Regierung an.

Am 12.6. in Paktika mehr als 40 Schülerinnen wegen Vergiftungsverdacht ins Krankenhaus. In Waghaz/Ghazni ein poln. Soldat durch IED getötet, 8 verwundet. In Nahri Sarraj/Helmand ein brit. Soldat durch IED getötet, am Folgetag ein dänischer Soldat.

Am 11.6. in Uruzgan 39 Kämpfer durch ANP und ISAF getötet. In Helmand Durchsuchungsaktion gegen mutmaßliche Taliban, afg. Spezialpolizei holt Frauen und Kinder raus, Verdächtige gefangen genommen. „No shot was fired and no civilians harmed during these operations." (ISAF Joined Command Operational Update 13.6.; solche Sätze tauchen seit einigen Monaten des öfteren in OpUpdates auf.)  In Paktika 4 Bauarbeiter durch Militante getötet, in Khariz/Kandahar 3 Polizisten. Auf dem Highway von Kandahar nach Helmand durch IED 9 Zivilpersonen, darunter 4 Frauen und 3 Kinder, in Minibus getötet. Im Bazar von Shajoy/Zabul 3 Zivilpersonen durch Suizidattacke getötet.

In Nord-Waziristan/Pakistan 14 Militante durch US-Drohne getötet.

In der Juni-Ausgabe von Le Monde Diplomatique (taz-Beilage) zweiseitige Reportage von Stephen Grey: „Die Banden von Kandahar": Er schildert ein heilloses und undurchsichtiges Durcheinander von Warlords, obskuren Milizen, Special Forces, Korruption und Willkür! Tiefster Sumpf, dichtester Nebel, permanente Explosionsgefahr! Und das im fünften (!) Jahr mit immer mehr ISAF-Truppe. (www.monde-diplomatique.de/pm/2010/06/11.mondeText1.artikel,a0041.idx,9)  (Vgl. die Reportage „Die Kronprinzen von Kandahar" von Friederike Böge in der FAZ 24.6.2010)

Am 10./11.6. in drei Distrikten von Helmand 4 US-Soldaten durch IED getötet.

Am 10.6. in Nagahan, östlicher Distrikt Arghandab/Kandahar Kfz-gestütztes Selbstmordattentat gegen eine Hochzeitsgesellschaft, 40 Menschen getötet, 74 verwundet (Lt. Distriktgouverneur 84 Tote; der Attentäter sei ein 14-jähriger Junge gewesen. F. Böge in einer Reportage über das überfüllte Mirwais-Krankenhaus in Kandahar, FAZ 17.6.) Der Bräutigam soll wie sein Bruder und einige Gäste Mitglied einer örtlichen Anti-Talibanmiliz bzw. der ANP gewesen sein. Dieser Distriktteil galt als relativ ruhig. In Nord-Waziristan/Pakistan 3 Militante durch Drohne getötet.

130-Seiten Report von Amnesty International zu den Stammesgebieten (FATA) und Nordwest-Pakisten „As If Hell Fell On Me": Ca. 4 Millionen Menschen leiden dort in einer „menschenrechtsfreien Zone" unter der Herrschaft der Taliban. In 2009 wurden in NW-Pakistan im Kontext des Gewaltkonfliktes mehr als 8.500 Menschen getötet, mehr als 1.500 Zivilpersonen allein bei Angriffen von Aufständischen. Der Bericht vermittelt ein detailliertes und krasses Bild von einer Hölle auf Erden. [6]

Am 9.6. US-Hubschrauber bei Unterstützung von brit. Truppen bei Clear-Operation in Sangin/Helmand von Taliban abgeschossen, 4 US-Soldaten getötet. Ein brit. Soldat in Nahr-e Saraj/Helmand durch IED getötet. In Sangin/Helmand ein 7-jähriger Junge wegen „Spionage" von Taliban an Baum aufgehängt. (Xinhua 9.6.) In den Distrikten Omna und Surobi/Pakitka 19 Militante durch afg. und Koalitionskräfte getötet.

Mehr als 30 NATO-Nachschub-Trucks in einem Depot außerhalb der pakist. Hautstadt Islamabad zerstört.

Am 8.6. in Nad Ali/Helmand 2 US-Soldaten bei Durchsuchungsaktion durch IED getötet, ein brit. Soldat in Bad Ali bei Gedfecht getötet. In Balamurghab/Badghis 23 Taliban durch afg. Kommandos getötet und 7 gefangen genommen. In Mianshin/Kandahar 14 Militante getötet.

Rückblende: Vor vier Jahren, im Frühsommer 2006, gerieten kanadische, britische und niederländische Truppen mit der ISAF-Süderweiterung in Kandahar, Uruzgan und Helmand in schwerste Kämpfe. Davon berichtet eindringlich aus eigenem Erleben der damalige Adjutant des Kommandeurs der britischen Truppen in Helmand, Captain Leo Docherty, der das Vorgehen dort als Musterbeispiel bezeichnete, „wie man Aufstandsbekämpfung vermasselt". Er war im Mai 2006 bei den britischen Vorstößen in die „Kleinstädte" Sangin, Nawzad, Musa Qala und Kajaki in Nord-Helmand dabei. Sie waren als low-risk Wiederaufbau-Missionen im Rahmen des Comprehensive Approach gedacht und mündeten in die blutigsten Kämpfe, die britische Truppen seit dem Korea-Krieg mitgemacht hatten. Die Gewalteskalation fielen bis August 2007 in Helmand und Süd-AFG mehr als 6.000 Menschen zum Opfer. (Berichte von Christina Lamb in www.timesonline.co.uk, 10.9.2006; Leo Docherty „Desert of Death -  A Soldier`s Journey from Iraq to Afghanistan", Taschenbuch, London 2007. Schon damals war neben dem Comprehensive Approach die Rede  von der "Tintenfleck-Strategie", von Sicherheit, Entwicklung und Governance als Lines of Operations, von Counterinsurgency (COIN) mit den Phasen shape, clear, hold, build. Fast vier Jahre später begann Mitte Februar 2010 im Raum Marjah/Mardschah in Helmand die bisher größte ISAF-/ANSF-Operation „Muschtarak" mit insgesamt 15.000 Soldaten und Polizisten. Trotz des enormen Kräfteeinsatzes kommt die Operation nur schwer voran mit ihrem strategischen Ziel, das Vertrauen der Bevölkerung zu gewinnen und Governance zu fördern. Auch wenn die Vorbereitung auf die Hold- und Build-Phase so sehr wie nie zuvor betont wurde, soll bisher eine Distriktverwaltung kaum präsent sein, scheint der Einfluss der Taliban nicht gebrochen zu sein. ISAF-Kommandeur McChrystal im Mai: Marjah sei ein „blutendes Geschwür".

Am 7.6. in Bar Konar/Kunar 5 US-Soldaten durch IED getötet, in Garmser/Helmand ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet. In Adghandab/Kandahar 6 US-Soldaten durch IED verwundet, einer erliegt seinen Verwundungen. In Tayab/Kapisa ein französischer Soldat bei Feuergefecht getötet. In Tarin Kowt/Uruzgan zwei australische Soldaten durch IED getötet. In Kandahar 3 Selbstmordattentäter bei Angriff auf ein Ausbildungszentrum der Polizei von Polizisten getötet. In Helmand 4 private Sicherheitsleute durch IED getötet.

Am 6.6. Rücktritt von Innenminister Mohammed Hanif Atmar und NDS-Chef Amrullah Salah nach der Attacke auf die Peacejirga. In Khogyani/Nangarhar ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet. In Panjway/Kandahar ein kanad. Soldat durch IED getötet, ebenfalls ein Polizist und zwei Zivilpersonen. In der Provinz Farah Taliban-Kommandeur und einige seiner Bodyguards getötet.

Am 4.6. in Nahr-e Saraj/Helmand 3 Militante beim Verlegen von IED durch Polizei erschossen. In Zhari/Kandahar der führende Taliban Kommandeur Mullah Zergay und einige Bodyguards durch afg. und Coalition Special Operation Forces getötet. Er soll der Drahtzieher hinter der Anschlagskampagne in Kandahar sein, mit der der Wille zur Zusammenarbeit mit Regierung und Alliierten gebrochen werden soll.  In Logar ein Sub-Kommandeur und ein Kämpfer gefangen genommen.

Am 3.6. in Syedabad/Wardak (40 km westl. Kabul) 5 Militante von ANSF getötet, 9 gefangen genommen. In Zabul 5 Militante getötet. In Marjah/Helmand 4 Zivilpersonen im Kreuzfeuer zwischen Taliban und ANSF getötet, 4 weitere Zivilpersonen durch IED.

Am 2.6. in Kabul vormittags Angriff auf die Beratende Friedensjirga mit Raketen, Selbstmordattentätern und Kämpfern, zwei Militante getötet, einer verhaftet, Teilnehmer der Jirga nicht verletzt.

In Nahri Sarraj/Helmand am 4.6. zwei britische Soldaten bei Feuergefecht getötet und ein US-Soldat durch IED getötet, am 2.6. ein brit. Soldat durch IED, am 1.6. ein dänischer Soldat durch IED getötet.

Am 1. Juni der Distrikt Barg-e Matal/Nuristan von afg. Kommandos zurückerobert. Am 25.5. hatten 300-500 Taliban das Distriktzentrum angegriffen, unterstützt von pakistanischen, tschetschenischen und anderen ausländischen Kämpfern. Der Distrikt ist für Taliban ein wichtiges Transitgebiet nach Pakistan. Im vorigen Jahr hatten die Taliban den Distrikt mehrere Monate unter Kontrolle. Er grenzt an den Distrikt Kamdesh, der seit US-Rückzug im letzten Frühjahr von den Taliban kontrolliert wird. Diese schlachteten die Übernahme der verlassenen US-Basen propagandistisch aus.

Am 30.5. in Helmand zwei ISAF-Soldaten getötet. In Sangin/Helmand ein brit. Soldat durch IED getötet. In Nad Ali/Helmand ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet. In Khost 5 Zivilpersonen erschossen. In Ghazni 6 Tanklaster für ISAF zerstört. US geben zu, dass US-Kräfte am 21.5. in Uruzgan irrtümlich mit Luftangriff 23 Afghanen getötet und 12 verletzt haben.

Am 28.5. in Rig Helmand/Helmand ein US-Soldat durch IED getötet.

Am 27.5. in Nuristan lt. Grenzpolizei angeblich Mullah Fazlullah, Taliban-Kommandeur des Swat-Distrikts in Pakistan,  mit 6 Kämpfern bei Zusammenstoß getötet, keine Bestätigung.

Am 26.6. in Nahri Saraj und Sangin/Helmand zwei brit. Soldaten durch IED getötet.

Am 24.5. in Nader Shah Kot/Khowst ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet. In Panjwayi/Kandahar ein kanad. Soldat durch IED getötet.  In Zormat/Paktia ein höherer Al Qaida-Führer und einige Kämpfer bei Gefecht getötet. In Mugar/Ghazni 7 Taliban von ANSF getötet. In Farah 5 Zivilpersonen in Minibus durch IED getötet.

Am 23.5. in Andar/Ghazni Distriktpolizeichef bei Zusammenstoß getötet, in in Sarkano/Kunar ein Stammesführer in der Moschee erschossen. In Qarabagh/Ghazni Mädchenschule durch Anschlag zerstört. (In letzten fünf Jahren sollen aus Sicherheitsgründen in 13 der 18 Distrikte Mädchenschule geschlossen worden sein.) Taliban bestreiten die Beteiligung an der Tat.

Am 22.5. ab 8.00 Uhr Angriff auf Kandahar Airfield, den größten Stützpunkt im Süden:  erst indirektes Feuer mit Granaten und Raketen, dann Bodenangriff, abgewehrt. Dies ist der 4. Angriff auf eine ISAF-Basis binnen sechs Tagen. In Maywand/Kandahar ein US-Soldat durch IED getötet. In Deh Rawud/Uruzgan ein niederl. und ein franz. Soldat bei Gefecht getötet.

Am 21.5. in Sangin/Helmand ein brit. Soldat durch IED getötet. In Urgun/Paktia bei Angriff auf Polizei-Außenposten 4 Selbstmordattentäter und ein Polizist getötet.

Am 20.5. in Waza Zadran/Paktia 3 Zivilpersonen durch Rakete getötet.

Am 19.5. nachts komplexeer OMF-Angriff auf die US-Basis Bagram/Parvan mit Raketen, Selbstmordattentätern und Handgranaten; eine US-Zivilperson, 4 Selbstmordattentäter und 8 weitere Militante getötet, 9 US-Soldaten verwundet. In Arghandab/Zabul ein US-Soldat beim Entschärfen eines IED getötet.

Am 18.5. 8.00 Uhr in Kabul Kfz-Selbstmordattentäter gegen ISAF-Konvoi auf belebter Straße in Nähe des Parlaments, 6 Soldaten - darunter ein kanad. Oberst - und 12 Zivilpersonen getötet. In Nad Ali/Helmand ein US-Soldat durch IED getötet. Im selben Distrikt ein US-Soldat bei Gefecht getötet.

Am 17.5. in Kandahar 3 Selbstmordattentäter bei Angriff durch Grenzpolizei getötet. In Balamurghab/Badghis ein US-Soldat durch IED getötet. Im selben Distrikt 2 italien. Soldaten durch IED getötet. In Musa Qala/Helmand ein US-Soldat bei Feuergefecht getötet. In Kunar ein Pro-Regierungs-Geistlicher und zwei Familienangehörige getötet.

(...)

 


[1] Letzte Vollfassung vom 17. Februar 2010, http://www.nachtwei.de/index.php/articles/959

[2] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage von Winfried Nachtwei und Fraktion Bündnis 90/Die Grünen „Zur Menschenrechtslage und zu den zivilen Opfern in Afghanistan", Drs. 16/10804 vom 6.11.2008, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/108/1610804.pdf;  Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke „Entwicklung der Sicherheitslage in Afghanistan", Drs. 17/1729 vom 14.5.2010; Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linken „Opfer des Krieges in Afghanistan", Drs. 17/1813 vom 20.5.2010: Hier werden detailliert Unfälle von Bundeswehrfahrzeugen mit Personenschäden auf afghanischer Seite aufgelistet, ebenso dass 20 Personen bei Force Escalation mit deutschen Kräften seit 2002 verletzt und 5 Personen getötet wurden. Zu bei Kampfhandlungen durch deutsche Soldaten Getöteten und Verletzten heißt es nur: eine empirische Erfassung von verletzten und getöteten gegnerischen Kräften sei in Afghanistan nicht möglich und werde auch nicht geführt. Nach vorliegenden Daten seien „drei Personen bei Kampfhandlungen mit deutschen Kräften seit 2002 verletzt sowie eine Person getötet" worden. (S. 2) Das ist eine Falschinformation wider besseres Wissen!

[3] Eine umfassende Analyse der vielfältigen internen Konflikte in Cooperation for Peace and Unity/CPAU (Hrg.): Conflict analysis: Kunduz city, Kunduz province, Kabul 2009, www.cpau.org.afg; Jan Böhnke/Jan Koehler/Christoph Zürcher: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005-2009 - Final Report, BMZ Bonn 2010. Genau zur Ausbreitung des Aufstandes im Norden, auch über die Paschtunen hinaus, Antono Giustozzi/Christoph Reuter: The Northern Front - The Afghan insurgency spreading beyond the Pashtuns, Afghanistan Analysts Network, Juni 2010. Speziell zur Kunduz-Entwicklung:  Marco Seliger: Kunduz - Was läuft falsch? In: LOYAL 1/2010; Jörg Vollmer: Einsatzerfahrungen als Kommandeur des RC Nord vom 10. Januar bis 3. Oktober 2009, und Hans-Christoph-Grohmann/Thorsten Kasper/Jan Hecht: Der Einsatz der QRF 3 in AFG vom 14.4. bis 18.10.2009, in: Der Panzergrenadier 26/Dez. 2009; Achim Wohgetan: Operation Kundus - Mein zweiter Einsatz in AFG, Berlin 2009; Marcel Mettelsiefen/Christoph Reuter: Kunduz: 4. September 2009 - eine Spurensuche, Berlin 2010.

[4] Darüberhinaus wichtige Quellen: Die ständig fortgeschriebenen Studien von Anthony Cordesman/Center for Strategic & International Studies/CSIS Washington, http://csis.org; Brookings Afghanistan Index, http://brookings.edu/afghanistanindex; Afghanistan Conflict Monitor, Initiative des Human Security Project, http://afghanconflictmonitor.org; Halbjahresberichte der US-Regierung an den Kongress: Report on Progress Toward Security and Stability in Afghanistan, zuletzt April 2010, http://defense.gov/pubs/pd/s/Report_Final_SecDef_04_26_10.pdf.  Speziell zur Sicherheitslage Nord und ihrer Entwicklung vgl, meine bisher 10 AFG-Reiseberichte  sowie „Der ISAF-Einsatz der Bundeswehr - Anmerkungen zu einer überfälligen Bilanzierung", in: Friedensgutachten 2010, Berlin Mai 2010

[5] Anthony Cordesman/Jason Lenieux: IED Metrics for Afghanistan, January 2004-May 2010, CSIS July 2010www.csis.org/files/publication/100722_ied_iraq_afghanistan.pdf

[6] http://www.amnesty.org/en/news-and-updates/report/millions-suffer-human-rights-free-zone-northwest-pakistan-2010-06-10


-> zu Teil 2

Hin weis: 

Bericht als PDF-Datei.


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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