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Genauer Hinsehen: Sicherheitslage Afghanistan (Lageberichte + Einzelmeldungen) bis 2019
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3. Waffenruhe in Afghanistan seit 2018 - jetzt zum Opferfest. Entwicklung der Unsicherheitslage seit Anfang Juli, Verzögerung der innerafg. Friedensgespräche, Störfeuer. UNAMA-Zivilopfer-Bericht I/2020

Veröffentlicht von: Nachtwei am 30. Juli 2020 14:15:04 +02:00 (706 Aufrufe)

Bringt die bevorstehende dritte dreitägige Waffenruhe endlich den Durchbruch zum Start der innerafghanischen Friedensgespräche? Hier die Entwicklung dieser Tage ständig aktualisiert. Außerdem der jüngste UNAMA-Halbjahresbericht zu Zivilopfern. Und: Seit dem US-Taliban-Abkommen am 29. Februar sollen 3.560 Sicherheitskräfte getötet worden sein! (Stand 05.08.2020)

3. Waffenstillstand in Afghanistan seit 2018 – jetzt zum Opferfest.

Entwicklung der Sicherheitslage seit Anfang Juli, Verzögerung der

innerafghanischen Friedensgespräche, Störfeuer.

UNAMA-Zivilopfer-Bericht I/2020

Winfried Nachtwei, Stand 05.08.2020

( Fotos www.facebook.com/winfried.nachtwei )

Am Abend des 30. Juli begann das Opferfest Eid al-Adha, der höchste islamische Feiertag. Am 28. Juli riefen die Taliban zu einem dreitägigen Waffenstillstand auf, die Regierung stimmte zu, VN und NATO begrüßten den Schritt. Zuletzt hatte es einen Waffenstillstand ab dem 24. Mai zum  dreitägigen Fest des Fastenbrechens Eid al-Fitr gegeben, das den Fastenmonat Ramadan abschließt. Der Waffenstillstand wurde weitgehend eingehalten, es folgten einige Tage einer inoffiziellen Waffenruhe mit der Wiederaufnahme beidseitiger Gefangenenfreilassungen. Knapp vor Erreichen der vereinbarten Zahlen (Freilassung von 5.000 gefangenen Taliban und von 1.000 gefangenen Sicherheitskräften) kam der Prozess wieder ins Stocken. Der Gewaltkonflikt war wieder äußerst opferreich. Die innerafghanischen Friedensgespräche, die eigentlich kurz nach dem US-Taliban-Abkommen vom 29. Februar beginnen sollten, kamen immer noch nicht zustande. Im Folgenden laufend aktualisierte Meldungen zur „Sicherheits“lage. Diese entnehme ich vor allem TOLOnews, ergänzt um taz / thruttig.wordpress.com/, FAZ, SZ und Berichten von UNAMA und SIGAR.

Zur Entwicklung  der Vormonate seit der Waffenruhe an Eid al-Fitr

24. Mai bis 29. Juli: http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1640

04.08. Neueres zum Gefängnisangriff von Jalalabad: Die Kämpfe endeten am Montag nach 18 (20) Stunden. Es gab laut Behördenangaben 29 bis 39 Tote und 50 Verletzte, darunter acht (zwei) Sicherheitskräfte fünf Häftlinge und zehn Angreifer. Viele der 1.700 Häftlinge konnten fliehen, über 1.000 sollen wieder verhaftet worden sein. Genaueres zur Stärke des seit Ende 2014 in Afghanistan aktiven ISKP (geschwächt, aber keineswegs besiegt) auf der Seite von Thomas Ruttig: https://thruttig.wordpress.com/2020/08/04/is-angriff-auf-gefangnis-in-afghanistan-taz-4-8-20/

03.08. Angriff auf das Staatsgefängnis in Jalalabad, der Hauptstadt der Ostprovinz Nangarhar, am Sonntag, 02.08., ab 18.44 Ortszeit. Beginn mit einer Autobombe am Eingangstor, so dass die Angreifer (keine offizielle Zahl, eine Quelle spricht von mehr als 20) in das Gebäude eindringen konnten. Um 9.30 Uhr am 03.08. dauerten die Kämpfe seit 13 Stunden an und erfassten auch die Umgebung.  Bisher wurden 13 tote Zivilisten und 42 Verwundete gezählt. Von den insgesamt 1.500 Häftlingen konnten angeblich 700 fliehen und wieder gefasst werden. Der „Islamische Staat/Provinz Khorasan“ (ISKP), afghanischer Ableger von Daesh/IS, reklamierte die Tat für sich.

Angesichts der komplexen Angriffe in Logar und Nangarhar mit Dutzenden von Zivilopfern werden in Kabul  Befürchtungen laut bez. eines Wiedererstarkens von ISKP. Analysten sprechen von ausländischen Einflüssen, dass einige Länder andere Gruppen an Stelle der Taliban unterstützen würden. (TN 03.08.)

Laut Innenministerium hätten die Taliban die dreitägige Waffenruhe 38 Mal verletzt, wobei 20 Zivilisten getötet und 40 verletzt worden seien. Aus mehr als 20 Provinzen wurden keinerlei Sicherheitsvorfälle gemeldet.

US-Präsident Trump in einem Interview der Nachrichten-Website Axios, das heute auf HBO gesendet wurde: „Wir sind größtenteils raus aus Afghanistan.“ Auf die Frage, wieviel US-Truppen am Wahltag in Afghanistan seien, antwortete er, wahrscheinlich irgendwo zwischen vier- und fünftausend. (https://tolonews.com/afghanistan/trump-us-troops-probably-down-4000-5000%C2%A0-election-day )

02.08. Der afghanische TV-Sender RTA meldet auf Twitter, die von Präsident Ghani angekündigte Loya Jirga solle am 7. August zusammenkommen und drei bis fünf Tage dauern. Die Taliban hatten zuvor erklärt, dass jede Verzögerung den Krieg verlängern würde.

Die afghanische Regierung kündigte die Freilassung von 317 der 500 Taliban-Gefangenen an, die laut Ghani während des Opferfestes freigelassen werden sollten.

01.08. Der pakistanische Außenminister Shah Mahmood Qureshi begrüßte die Waffenruhe als größeren Durchbruch. Die Entscheidung, die Waffenruhe anzukündigen, sei nicht leicht gewesen. Islamabad habe dabei eine Schlüsselrolle gespielt. Mit der Freilassung von 5.000 Taliban-Häftlingen seien die Bedingungen für die innerafghanischen Gespräche gut.

Laut afghanischem Verteidigungsminister hätten die Taliban in den letzten 24 Stunden in sechs Provinzen den Waffenstillstand verletzt. Aus den Provinzen Farah und Badakhshan berichtet TOLOnews, dass seit Beginn des Waffenstillstandes keine Sicherheitsvorfälle gemeldet wurden.

Frieden: Dämpfer statt Durchbruch – In Afghanistan gibt es zum islamischen Opferfest einen kurzen Waffenstillstand, aber auch Kontroversen über einen Gefangenen- austausch“ von Thomas Ruttig. taz 01.08.2020, https://taz.de/Frieden-in-Afghanistan/!5699731/ , unter „Neue kalte Dusche für Friedenshoffnungen in Afghanistan “ ungekürzt auf  https://thruttig.wordpress.com/2020/08/01/neue-kalte-dusche-fur-friedenshoffnungen-in-afghanistan/

 Die Organisation einer Loya Jirga „könnte Monate dauern und den Beginn von Gesprächen verzögern. Die Regierung hält afghanischen Menschenrechtlern zufolge 10.000 bis 15.000 Taliban fest.“

Bei Überschwemmungen nach Wolkenbrüchen im Distrikt Kooz Kunar in der Provinz Nangarhar kamen 16 Menschen ums Leben, davon 15 Kinder.

Der afghanische Inlandsgeheimdienst NDS meldet, bei einer Operation seiner Spezialkräfte in Nangarhar sei der Geheimdienstchef des afghanischen Daesh-Ablegers, Assadullah Orakzai, getötet worden. 

Juli

31.07. Präsident Ghani ordnete in seiner Ansprache zu Eid die Freilassung von 500 gefangenen Taliban als Antwort auf die Taliban-Ankündigung einer dreitägigen Waffenruhe an. Sie sollen in nächsten vier Tagen freigelassen werden. Damit hätte auch die Regierung „ihre“ 5.000 Freilassungen erreicht. Laut Ghani sind die 500 aber nicht Teil der Liste, die die Taliban der Regierung übergeben hatten. Der Präsident erklärte, er habe nicht das Recht, über die Freilassung der 400 gefangenen Taliban zu entscheiden, die schwerer Straftaten beschuldigt werden. Darüber solle eine Loya Jirga, eine große Ratsversammlung, entscheiden. (Anm.: Am 05.07. – s.u. - war von einer Liste mit597 Namen die Rede  

Bis auf eine Explosion in Herat City, bei der 14 Personen verletzt wurden, gab es bis 18.00 Uhr keine Meldungen von Sicherheitsvorfällen landesweit. Im Tangi Gebiet in der Provinz Maidan Wardak schlossen Taliban sich den Eid-Feiern der lokalen Bevölkerung an.

30.07. Laut Taliban-Sprecher ließen die Taliban am Vortag 82 gefangene Sicherheitskräfte frei. Damit hätten sie insgesamt 1.005 gefangene Soldaten, Polizisten und Regierungs-mitarbeiter freigelassen, fünf mehr als ihre Verpflichtung.

Am Vorabend des Opferfestes wurden in Pul-e Alam, der Hauptstadt der Provinz Logar, durch eine Autobombe 18 Menschen, darunter acht Zivilisten. getötet und 22 verwundet. Keine Gruppe erklärte sich verantwortlich.

Laut Gouverneur haben in der Süd-Provinz Helmand Al Qaida und andere foreign fighters eine starke Präsenz, insbesondere in Distriken entlang der Durand-Linie und an der Grenze zumIran. In Camps würden Talibankämpfer ausgebildet.

Zum „Friedensprozess ganz aktuell Thomas Ruttig „Warum geht es im afghanischen Friedensprozess so langsam voran?“ mit Links zu heutigen Artikeln in SZ und FAZ:  https://thruttig.wordpress.com/2020/07/30/warum-geht-es-im-afghanischen-friedensprozess-so-langsam-voran-sz-und-dpa/

Hoffen zum Opferfest - In dem kriegsgebeutelten Land besteht während des Eid al-Adha Aussicht auf drei Tage Waffenruhe. Für die Menschen dort ist das nicht wenig. Ein Friede mit den Taliban aber scheint weiterhin fern zu sein“ von Tobias Matern, SZ, https://www.sueddeutsche.de/politik/afghanistan-hoffen-zum-opferfest-1.4982646  

„Taliban verkündigen dreitägige Waffenruhe“, FAZ 30.07. (dpa),  

https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/islamisches-opferfest-taliban-verkuenden-dreitaegige-

waffenruhe-16880158.html

„100.000 Kriegsvertriebene in Afghanistan seit Jahresbeginn“, dpa: So die Meldung von OCHA, der VN-Agentur zur Koordinierung der Humanitären Hilfe. Die Hälfte der Menschen seien vor Kämpfen im Norden geflohen. Im Vorjahr gab es 426.000 Binnenvertriebene.

29.07.  Am Morgen wurden in Tarin Kot, Zentralort der Provinz Uruzgan, drei Polizisten durch eine Straßenbombe getötet, einer verwundet (eine Woche zuvor in Khas Uruzgan der Polizeichef, ein lokaler Polizei- und ein Armeekommandeur sowie je zwei weitere Polizisten und Soldaten durch eine Straßenbombe getötet).

Laut AFG Verteidigungsministerium wurden gestern in den Distrikten Dawlat Abad und Almar in der NW-Provinz Faryab 17 Taliban bei Kämpfen getötet und einer verwundet. Bei Vorbereitungen auf Checkpoint-Überfälle seien sie von der afghanischen Luftwaffe attackiert worden.

48. Quartalsbericht des Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction/SIGAR an den US-Kongress (01.04.-30.06.29)

„TALIBAN ATTACKS SURGE• Concurrent Taliban and Afghan government Eid ceasefires in May initially brought hope for a continued reduction in violence. Resolute Support (RS) reported that enemy violence levels stayed well above historic norms for most of this quarter. The Taliban did not attack Coalition forces, but did attack Afghan government forces at several sites in provincial capitals.• Afghan and Western officials called the level of enemy violence this quarter “totally unacceptable,” and called for its reduction.• Data provided by RS shows civilian casualties in Afghanistan increased by nearly 60% this quarter (April 1–June 30, 2020) compared to last quarter (January 1–March 31, 2020), and by 18% compared to the same period last year.“ (https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2020-07-30qr.pdf  )

28.07. Präsident Ghani teilte bei einer Rede beim Senior Officials Meeting in Kabul mit, dass seit dem 29. Februar, dem Tag des USA-Taliban-Abkommens, bis 21. Juli insgesamt 10.341 Sicherheitskräfte Opfer des bewaffneten Konflikts geworden seien: 3.560 wurden getötet, 6.781 wurden verwundet, 457 wurden entführt und gefangen. Im selben Zeitraum gab es 3.073 Zivilopfer, davon 775 Tote, 1.609 Verwundete, 689 Entführte.

https://tolonews.com/afghanistan/ghani-10708-andsf-killed-and-wounded-feb-29

Heute Abend kündigten die Taliban eine dreitägige Waffenruhe über Eid-al Adha (Opferfest, 30.07. abends bis 03.08. abends) an im Hinblick auf die innerafghanischen Verhandlungen, die für die kommenden Wochen erwartet werden. Die Kämpfer wurden aufgerufen, Angriffe auf afghanische Sicherheitskräfte zu vermeiden und von der Regierung kontrollierte Gebiete nicht zu betreten. Präsident Ghani befahl den ANDSF, den Waffenstillstand einzuhalten und Operationen gegen die Taliban zu vermeiden.

Botschaft des obersten Taliban-Führers Hibatullah Akhundzada, https://tolonews.com/afghanistan/taliban-head-seeks-pure-islamic-govt-not-monopoly

27.07.Zivilopferbericht von UNAMA zum 1. Halbjahr 2020:

https://unama.unmissions.org/sites/default/files/unama_poc_midyear_report_2020_-_27_july-.pdf

Zwischen 01. Januar und 30. Juni gab es 3.458 Zivilopfer, davon 1.282 Getötete, ggb. dem Vorjahreszeitraum ein Rückgang um 13% (niedrigster Wert seit 2012),

Es bleibt aber dabei, dass AFG eine der tödlichsten Konflikte weltweit für Zivilisten ist. Tausende werden von Konfliktparteien getötet, verwundet, entführt, vertrieben, bedroht. Kinder werden rekrutiert und sexuell missbraucht. Viele dieser Opfer leiden noch lange unter der Gewalt. Die Covid-19-Pandemie hat drastisch ihre Heilungsmöglichkeiten verringert und die Verwundbarkeit in der Bevölkerung erhöht.

Zurückgegangen sind vor allem die Zivilopfer durch internationale Truppen (= US-Luftangriffe) und durch den afghanischen IS-Ableger. Durch Taliban verantwortete Zivilopfer bleiben weiter auf hohem Niveau. Bei Antipersonenminen gab es einen beunruhigenden Anstieg. Durch ANDSF verantwortete Zivilopfer nahmen um 9% zu, vor allem bei Luftunterstützung und indirektem Feuer.

Die meisten Zivilopfer (35%) gab es bei Bodenkämpfen, 21% durch gezielte Tötungen, 20% durch non-suicide IED`s (und 4% durch suicide IED`s), 9% durch Airstrikes.

Am meisten Zivilopfer gab es in den Provinzen Balkh und Kabul, dann Nangarhar, Faryab und Kunduz. Die über viele Jahre besonders umkämpfte und opferreiche Provinz Helmand gehört nicht mehr zu den „Top 5“. Hier gingen die Zivilopferzahlen vor allem durch Luftangriffe und non-suicide IED`s stark zurück. Die lange Zeit relativ ruhige und stabil erscheinende Provinz Balkh um Mazar-e Sharif herum hat die meisten Zivilopfer durch Bodenkämpfe. 

Eid-Al Fitre Waffenstillstand (24.-26. Mai)

Der Rückgang der Zivilopfer in den drei Tagen um 43% ggb. dem Vorjahreszeitraum zeigte die Fähigkeit de Konfliktparteien, Kämpfe mit positiven Auswirkungen auf die Zivilbevölker7ung zu reduzieren, wenn der politische Wille dafür vorhanden ist.

Regierungsfeindliche Kräfte (AGE)

Sie sind laut UNAMA für 58% der 1.989 Zivilopfer (davon 752 Getötete) verantwortlich. 43% entfallen auf die Taliban, 9% auf Daesh, 6% auf nicht identifizierte AGE.

Die Taliban seien für dieselbe Zahl an Zivilopfern verantwortlich wie im Vorjahr, der Zahl der Getöteten sei aber um 33% gestiegen, vor allem durch gezielte Tötungen, non-suicide IED`s (Druckplatten-IED, die unterschiedslos wirken, +50%!) und summarische Exekutionen.

Gezielte Angriffe forderten 770 Ofer, davon 342 Getötete. 18 richteten sich gegen religiöse Führer, 13 gegen Gesundheitspersonal, 11 gegen Justizpersonal, neun gegen zivilgesellschaftliche Aktivisten, acht gegen HGO-MitarbeiterInnen, drei gegen Journalisten. Bei etlichen gezielten Angriffen in Kabul auf Zivilisten blieben die Verantwortlichen unbekannt: so beim Angriff auf eine Geburtsstation am 12. Mai, auf einen Staatsanwalt am 22. Juni und gegen Mitarbeite der Afghanischen  Unabhängigen Menschenrechtskommission am 27. Juni.

Bei 28 Entführungsfällen gab es 40 Getötete und 28 Verwundete, eine Verfünffachung ggb. dem Vorjahrszeitraum. 

Am 26. Juni wurden in zwei Distrikten der NW-Provinz Faryab zwei männliche Zivilisten vor Hunderten Menschen in geschäftigen Basarvierteln nach Urteilsverkündigung über Laut-sprecher öffentlich erhängt.     

Bei Daesh seien vor allem die IED-Angriffe mit Massenwirkung (ich nenne sie Massaker-angriffe) zurückgegangen.

Pro-Regierungskräfte (PGF)

Laut UNAMA sind sie für 28% (982) aller Zivilopfer verantwortlich, davon 392 Getötete.  23% sollen auf das Konto der ANDSF gehen, 3% auf das von internationalem (US-)Militär. Der letzte diesen zugeordnete Zwischenfall geschah am 17. Februar in der Provinz Herat.

Die meisten Zivilopfer gab es bei Bodenkämpfen, 80% durch indirektes Feuer.

Die Zivilopfer durch Luftschläge gingen um 43% zurück, die Zivilopfer durch die afghani-sche Luftwaffe (AAF) verdreifachten sich dabei. Zur Hälfte der von der AAF verantworteten Zivilopfer kam es in den Provinzen Kunduz und Balkh, dem früheren Kerngebiet des

deutschen AFG-Einsatzes.

Zwischenfälle das Gesundheitswesen betreffend

27 direkte und neun indirekte Angriffe, mehrheitlich durch die Taliban. (vgl. UNAMA-Special Report: Attacks on Healthcare during the Covid-19 Pandemic vom Juni)

Wirkung des bewaffneten Konflikts auf die Opfer und ihre Angehörigen

Erstmalig begann UNAMA in diesem Jahr mit der systematischen Beobachtung dieses Aspektes. :Von den befragten Opfern berichteten

- 58% von langandauernden Behinderungen

- 100% von Beeinträchtigung ihres emotionalen Wohlbefindens

- 92% von finanziellen Verlusten

- 31%, dass sie ihre Wohnung verlassen mussten

- 64%  von negativen Auswirkungen auf ihre Teilnahme am sozialen Leben

- 28%, dass sie Informationen erhielten,, was ihnen oder Angehörigen geschehen war

- 17% von offiziellen Untersuchungen erfahren zu haben

- 47%, dass UNAMA die einzige Einrichtung war, die mit ihnen über ihren Zwischenfall sprach

- 14% von Anerkennung durch eine Konfliktpartei

- 14% von einer finanziellen Entschädigung.

Infografiken zu (a) gezielten Tötungen von Zivilisten, (b) Kindern im bewaffneten Konflikt, (c) Auswirkungen des bewaffneten Konflikts auf die Opfer, (d) Bemühungen der Konfliktparteien um die Opfer , https://unama.unmissions.org/sites/default/files/unama_poc_midyear_2020_infographic_27_july_english.pdf 

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22.07. Laut TOLOnews wurden in den letzten drei Wochen in elf Provinzen bei 220 Angriffen 250 Sicherheitskräfte getötet und über 300 verwundet, vor allem in Nord- und SO-Afghanistan.

21.07.In der West-Provinz Ghor tötete am 16.07. die 15-jährige Schülerin Qamar Gul mit einer AK-47 zwei Taliban und verwundet mehrere. Diese hatten zuvor unter ihren Augen ihre Eltern ermordet. Das Mädchen wurde in den social media gefeiert. https://tolonews.com/afghanistan/teen-girl-kills-2-taliban-ghor-under-police-protection

20.07. In der Provinz Wardak wurden acht Armeeangehörige durch eine Autobombe getötet, neun verwundet.

19.07. Bei einem Angriff auf eine Polizei-Checkpoint in Kunduz City wurden neun Polizisten getötet. Am selben Tag sterben in derselben Provinz im Distrikt Ali Abad vier Sicherheitskräfte bei eine Angriff auf einen Außenposten am Highway. 

16.07. (FAZ) Abdullah Abdullah, Vorsitzender des Hohen Rates für Aussöhnung, beförderte den 66-jährigern Warlord Abdul Raschid Dostum, zum Marschall der Afghanischen Nationalarmee. Zugleich ist er Mitglied im Hohen Staatsrat und im Nationalen Sicherheitsrat. 

14.07. Am Morgen wurden im Distrikt Surobi/Provinz Kabul fünf Zivilpersonen in einem Fahrzeug durch eine Straßenbombe getötet.

Zivilopferbericht der Afghanistan Independent Human Rights Commission (AIHRC): Im 1. Halbjahr kamen im Kontext des bewaffneten Konflikts 1.213 Zivilpersonen um`s Leben, 1.740 wurden verwundet. Während die Gesamtzahl der Zivilopfer gegenüber dem Vorjahrszeitraum um 11% zurückging, stieg die Zahl der getöteten Zivilisten von 979 auf 1.213. Die Zahl der von Talibanseite Getöteten ging um 24% auf 542 zurück, die Zahl der Zivilopfer durch Luftwaffeneinsätze um 44%, bei nights raids um 90%.

Im Durschnitt gab es täglich im ersten Halbjahr 16 Zivilopfer. Die meisten Zivilopfer habe es in der Nordwestregion gegeben, die wenigsten im Westen.

https://tolonews.com/afghanistan/afghan-civilian-casualties-fell-11-still-high

Laut offizieller US-Quelle wollen die US-Streitkräfte fünf Basen in Helmand, Uruzgan, Paktika und Laghman schließen. Gemäß US-Taliban-Abkommen vom 29. Februar sollten innerafghanische Gespräche binnen zehn Tagen beginnen. Da weder der Gefangenenaustausch abgeschlossen ist noch die Gewalt reduziert wurde, haben die Gespräche auch nach 136 Tagen noch nicht begonnen.

06.07. Beginn eines internationalen virtuellen Treffens von 19 Staaten (USA, Russland, Chrina, Pakistan, Indien, Saudi-Arabien, Iran, Qatar u.a.) und internationalen Organisationen zur „Stärkung des regionalen Konsens für Frieden“ mit dem afghanischen Außenminister als Gastgeber.

In der Süd-Provinz Zabul wurden insgesamt zehn Polizisten getötet: Im Distrikt Shunkai durch zwei Explosionen sechs (und zwei verwundet), im Distrikt Shahr-e Sofa bei einem Insider-Angriff vier Polizisten. Ihr Checkpoint wurde von den Taliban genommen.

05./06.07. Bei einer Operation afghanischer Land- und Luftstreitkräfte in der Provinz Baghlan 15 Aufständische getötet, nachdem Taliban den Baghlan-Balkh-Highway (Hauptverbindung von Kabul in den Norden) mit einem Checkpoint im Chashma-e-Shir Gebiet blockiert hatten. Am 06. Juli gingen die Zusammenstöße weiter bis in die Außenbezirke der Provinzhauptstadt Pul-e Khumri. Auf dem Highway stauten sich Hunderte Fahrzeuge auf beiden Seiten.

05.07. Die Regierung enthüllt, dass einer der Hauptgründe für die Verspätung bei den innerafghanischen Verhandlungen der Dissens über eine Liste von 597 Gefangenen sei, deren Freilassung die Taliban fordern und die der Teilnahme an schweren Straftaten beschuldigt werden.  Laut Regierung wurden bisher 4.015 gefangene Taliban freigelassen.

(Am 21.04. meldete TOLOnews, einer von 15 Spitzengefangenen, deren Freilassung die Taliban fordern, sei ein Lailuddin, der als Mitglied eines Netzwerks identifiziert wurde, das verantwortlich sei für größere Angriffe in Kabul: so auf die Dt. Botschaft (31.05.2017, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=36&aid=1475 ), die Amerikanische Universität, das ehemalige Parlamentsmitglied Mir Wali und auf eine Beerdigung.  https://tolonews.com/afghanistan/taliban-seeks-release-suspect-german-embassy-bombing  )

02.07. UN drängt auf größeren Schutz für Zivilpersonen und weniger Gewalt in Erwartung der wohl in diesem Monat beginnenden innerafghanischen Verhandlungen. In jüngster Zeit gab es eine Reihe von gezielten Angriffen auf Angehörige der Zivilgesellschaft. Im ersten Halbjahr 2020 wurden mehr als 800 Zivilpersonen bei gezielten Angriffen auf Zivilisten getötet oder verwundet. 18 gezielte Angriffe richteten sich gegen religiöse Führer (sechs allein im Juni), 13 gegen Gesundheitspersonal, 11 gegen Justizpersonal (davon drei im Juni), sechs gegen zivilgesellschaftliche Aktivisten, fünf gegen NGO`s und drei gegen Journalisten.

Am 22. Juni eröffneten in Kabul Bewaffnete auf einem Motorrad das Feuer auf ein Fahrzeug und töteten alle fünf Insassen, darunter einen Staatsanwalt. Am 27.06. fielen zwei Mitarbeiter der Afghanistan Independent Human Rights Commission einem IED-Anschlag zum Opfer. https://unama.unmissions.org/un-urges-greater-protection-civilians-and-reduced-violence-run-intra-afghan-talks

- ENDLICH: Die lang erwartete Resolution des UN-Sicherheitsrates zur Unterstützung des Aufrufs des UN-Generalsekretärs zu einem weltweiten und sofortigen Waffenstillstand anlässlich der COVID-19-Pandemie, Nr. 2532 (2020)  01.07.2020

https://news.un.org/en/story/2020/07/1067552 (Die Resolution wurde von Frankreich und Tunesien entworfen und 111 Tage nach der Erklärung der WHO zu COVID-19 als globaler Pandemie. Christoph Heusgen, der deutsche Ständige Vertreter bei den VN, konnte den einstimmigen Beschluss am ersten Tag des deutschen Vorsitzes im Sicherheitsrat bekanntgeben.)

 


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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