WENIG HOFFNUNG AUF EINE RÜSTUNGSKONTROLLPOLITIK FÜR DEN WELTRAUM
Berlin: (hib/VOM) Die Entwicklungen der letzten Jahre und die
Perspektiven für die nähere Zukunft rechtfertigen nach Darstellung des Büros
für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) keine großen
Hoffnungen auf eine zeitgemäße Rüstungskontrollpolitik für den Weltraum.
Dies geht aus dem TAB-Bericht zur militärischen Nutzung des Weltraums und
zu den Möglichkeiten der Rüstungskontrolle im All (15/1371) hervor, den
der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung jetzt
vorgelegt hat.
In den USA werde der Weltraum zunehmend als eine zentrale zivile und militärische
Ressource mit höchster Priorität eingeschätzt, heißt es darin. Seine
militärische Nutzung eröffne zahlreiche, in der Wahrnehmung von Militär
und Politik attraktive Optionen zur Gewinnung und Sicherung der
Informationshoheit, zur Prävention, Abschreckung und Kriegsführung.
Vieles spreche dafür, schreiben die Wissenschaftler des TAB, dass
Mikrosatelliten und Serviceroboter zum Einsatz gegen andere Satelliten ein
erster Schritt sein können, um zu einer umfassenden Kontrolle des Weltraums
zu kommen.
Luftgestützte Laserwaffen gegen Raketen würden kontinuierlich
weiterentwickelt, bodengestützte Laserwaffen seien bereits jetzt verfügbar.
Zahlreiche Staaten sehen nach Angaben des TAB in diesem potenziellen
Aufwuchs militärischer Weltraumsysteme eine Gefahr für die Stabilität des
internationalen Staatensystems.
Durch eine weltweite Spirale von Maßnahmen und Gegenmaßnahmen könne ein
allgemeines Wettrüsten in Gang kommen.
Als Handlungsoptionen beschreiben die Wissenschaftler in ihrer Studie zum
einen einen Gesprächs- oder Verhandlungsprozess ohne die USA und andere
verhandlungsunwillige Staaten. Eine weitreichende Einigung dürfte dabei
zwar leichter fallen,
sie wäre aber auch rüstungskontrollpolitisch von geringerer Bedeutung als
eine Vereinbarung unter Beteiligung aller wichtigen Weltraummächte, lautet
die Einschätzung. Eine zweite Option hätte zum Ziel, den Stillstand zu überwinden,
indem ein Gesprächs- oder Handlungsprozess zu vertrauens- und
sicherheitsbildenden Maßnahmen initiiert würde.
Die USA hätten in dieser Hinsicht Gesprächsbereitschaft signalisiert. Am
schwierigsten schätzen die Gutachter die dritte Option ein. Ziel wäre
hier, unter Beteiligung möglichst vieler Staaten und der USA zu einer
Regulierung von offensiven und aggressiven Weltraumwaffen auf der Ebene
eines Stationierungsverbots zu kommen.
Zwar erscheine zur Zeit eine Chance, die USA in einen solchen Prozess zu
integrieren, äußerst gering, und die Gefahr, mit den Verhandlungen in eine
Sackgasse zu geraten, groß. Der Versuch, auf einem solchen Niveau gemeinsam
mit den USA zu einer Regulierung mit einem substanziellen Verbotstatbestand
zu gelangen, wäre aber "intensiver diplomatischer und
zivilgesellschaftlicher Anstrengungen wert".
Die Ergebnisse eines solchen Verhandlungsprozesses wären rüstungskontrollpolitisch
wertvoller als ein umfassendes Abkommen ohne Beteiligung der USA oder
vertrauens- und sicherheitsbildende Maßnahmen, bei denen die Kernprobleme
der Thematik ausgespart blieben.
Dringendste politische Herausforderung sei es, die derzeitige
Blockadesituation auf diesem Gebiet zu überwinden. Schon kleine
Fortschritte wie die Aushandlung einzelner vertrauensbildender Maßnahmen für
den Weltraum wären "ein lohnenswertes Ziel", heißt es in dem
Bericht.
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