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26.11.2003
Haushaltsberatungen
Berichterstattung:
Abgeordnete Dietrich Austermann
Bartholomäus Kalb
Dr. Elke Leonhard
Alexander Bonde
Jürgen Koppelin
Es liegt ein Änderungsantrag der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch
und Petra Pau vor.
Nach einer interfraktionellen Vereinbarung sind für die Aussprache
anderthalb Stunden vorgesehen. – Widerspruch höre ich nicht. Dann ist so
beschlossen.
Ich eröffne die Aussprache. Das Wort hat zunächst der Abgeordnete
Dietrich Austermann.
Dietrich Austermann(CDU/CSU):
Frau
Präsidentin! Meine Damen und Herren! Die wichtigste Aufgabe des Staates ist
es, seine Bürger zu schützen. Dafür ist ein finanzieller Rahmen, der verlässlich
ist, Voraussetzung. Wir alle haben die Worte im Ohr: Es wurde davon
gesprochen, dass der Plafond des Verteidigungsetats in einer Größenordnung
von 24,4 Milliarden Euro gewährleistet sei. Inzwischen stellen wir fest,
dass auch die nachfolgende Versprechung, dieser Etat werde bis zum Jahr 2007
weiter erhöht, heute offensichtlich nichts mehr gilt. Denn die Fakten
zeigen uns, dass schon der Etatansatz um 130 Millionen Euro niedriger war
als der Betrag, der versprochen worden ist. Um weitere 180 Millionen Euro
wurde darüber hinaus gekürzt. Schließlich wurde eine globale
Minderausgabe von einer viertel Milliarde Euro über den Verteidigungsetat
gestülpt. Wenn man das Ganze zusammenrechnet, stellt man fest, dass im Etat
etwa 560 bzw. 570 Millionen Euro fehlen. Das hat natürlich eine
Bedeutung für das, was die Bundeswehr macht und was sie tun kann.
Der Generalinspekteur hat deshalb nicht ganz zu Unrecht festgestellt,
dass das, was im nächsten Personalabbauprogramm vorgesehen ist, dadurch
praktisch schon erledigt ist. Denn die Mittel, die er in diesem Zusammenhang
für die Modernisierung der
Bundeswehr einsparen wollte, sind schon jetzt aufgebraucht. Die Vorgabe
lautete, die Zahl der Soldaten um 30 000 und die der zivilen Mitarbeiter um 35 000 innerhalb weniger Jahre abzubauen. Die durch diese Kürzung bezweckte
Einsparung sollte mehr Spielraum für die Modernisierung der Truppe ermöglichen.
Dieser ist jetzt weg.
Herr Minister, wir erwarten deshalb heute eine klare Aussage darüber,
ob es bei der Zielzahl von 250 000 Soldaten bleibt oder ob eine weitere Kürzung
um 10 000 vorgesehen ist. Die Entscheidung über die Aufteilung der
Kopfzahlen auf die Teilstreitkräfte ist zunächst einmal verschoben worden.
Der nächste Termin, an dem man sich darüber unterhält, wird im Dezember
sein. Ich glaube, die Soldaten, die zivilen Mitarbeiter, aber auch die
Familien der Soldaten und die Standortgemeinden erwarten von Ihnen dazu eine
klare Aussage.
(Beifall bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Dabei sollte man sich vor Augen führen, dass die 20 Standortschließungen
aus der Rühe-Zeit noch nicht verarbeitet worden sind. Weitere 40 gab es in
der Scharping-Zeit; die Älteren werden sich noch an ihn erinnern.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU und der FDP)
Weitere
100 bis 130 schlagen Sie im nächsten Jahr vor. Das heißt, wir erwarten in
nächster Zeit einen regelrechten Standortkahlschlag, der durch die Pläne
des Bundesverteidigungsministers, von einer Armee, die vorrangig Aufgaben
der Landes- und der Bündnisverteidigung übernimmt, wegzukommen und sich
einer Interven-tionsarmee zuzuwenden,
gefördert wird.
Herr Bundesverteidigungsminister, ich fordere, dass wir hier im
Bundestag über das Thema, wie die Bundeswehr der Zukunft aussehen soll, in
einer großen Debatte diskutieren. Denn es kann nicht angehen, dass, wenn
die grundsätzliche Struktur der Armee verändert wird, allein
Verwaltungsentscheidungen getroffen werden. Das geht weit über die
organisatorische Zuständigkeit eines Ministers in seinem Hause hinaus.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn man zu neuen Strukturen kommen will, dann muss man der Truppe auch
die Mittel zur Verfügung stellen, die einen optimalen Schutz der Soldaten
in internationalen Einsätzen gewährleisten. Ich nutze gerne diese
Gelegenheit, den Soldaten für ihre Tätigkeit an vielen Stellen der Welt,
aber auch im Inland herzlich zu danken. Mit dem, was sie leisten, erweisen
sie ihrem Vaterland einen wichtigen Dienst.
Herr
Minister, darf ich Sie darauf hinweisen, dass Sie nicht in Privatgespräche
mit dem Redner eintreten dürfen?
Dietrich Austermann
Ich
habe überhaupt nichts dagegen, dass man sich auf dieser Ebene so unterhält.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der CDU/CSU – Zuruf von der
CDU/CSU: Das ist von der Regierungsbank verboten!)
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer:
Aber
damit untergraben Sie Parlamentsrechte. Es geht darum, dass die Regierung
nicht von der Regierungsbank aus Redner kritisieren darf.
Dietrich Austermann
Das
ist besonders empörend, wenn diese Zeit von meiner Redezeit abgezogen wird.
(Heiterkeit bei Abgeordneten der SPD)
Ich wollte
nur sagen, dass Herr Werner ganz offensichtlich auf Defizite in der
bisherigen Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium und der GEBB hingewiesen
hat. Das beschreibt er sehr deutlich. Offensichtlich wird auch dadurch Geld
„verbrannt“, indem man versucht, anspruchsvolle Aufgaben zu lösen, die
man nicht besser lösen kann.
Der Gedanke der Public-Private-Partnership, also beispielsweise der
Zusammenarbeit von Wirtschaft und Bundeswehr, ist durchaus sinnvoll. Aber
man darf das nicht so dilettantisch angehen wie der Verwalter des größten
Weinkellers in Deutschland, Herr Horsmann bei der GEBB. Wir müssen vielmehr
deutlich machen, dass die Wirtschaft bei den Aufgaben hinzugezogen werden
muss, die sie besser erledigen kann.
Einige Beispiele: Wer sich mit dem Flottenmanagement beschäftigt hat,
musste feststellen, dass Sie aus der ursprünglich olivgrünen Truppe eine
bunte Bundeswehr gemacht haben. Die Autos zum Beispiel kommen aus dem Inland
und dem Ausland, jedes sieht anders aus. Hinsichtlich der Frage, ob die
Truppe die Fahrzeuge bekommt, die sie angefordert hat, müssen Sie sich nur
einmal bei den Fuhrparkzentren in Bonn oder in Köln-Wahn erkundigen. Dort
wird man Ihnen die entsprechende Antwort geben.
Beim Bekleidungszentrum funktioniert das genauso wenig. Es soll etwas
Geld eingenommen haben, was damit zusammenhängt, dass man die alten
Kleiderlager geräumt und die Kleider verkauft hat.
Was ist aus dem Liegenschaftsmanagement oder dem so großartigen Projekt
„Herkules“ geworden? Sämtliche Bereiche der Technologie-, Informations-
und Kommunikationstechnologie der Bundeswehr sollten der Privatwirtschaft übertragen
werden. 70 kritische Fragen, die der Rechnungshof leider stellen musste,
sind bis heute nicht erschöpfend beantwortet.
Wenn man nun von dem Vorhaben Abstand nehmen will, soll das
Bieterkonsortium angeblich Regressforderungen in Höhe von 500 Millionen
Euro stellen, ohne dass es irgendetwas erbracht hat. Es wurde nur viel Geld
ausgegeben. Es werden neue Gesellschaften gegründet, bei denen viele
ehemalige Mitarbeiter der Verwaltung einen hoch dotierten Posten finden. Das
scheint mir ein wichtiger Punkt zu sein.
Zum Thema Public-Private-Partnership nenne ich als weiteres Beispiel das
GÜZ, das Gefechtsübungszentrum, das in der Altmark eingerichtet worden
ist. Die Idee dazu stammt noch aus unserer Regierungszeit. Dort wird
hervorragende Arbeit geleistet, um Soldaten auf internationale Einsätze
vorzubereiten. Es gab allerdings auch hier Probleme mit der Ausschreibung.
Ein Unternehmen hat zu hoch gepokert, eines hat sich wohl übernommen. Wir
haben gedacht, der Auftrag könnte an ein neues Unternehmen vergeben werden.
Aber sind Sie wirklich sicher, dass am 7. Januar 2004 die weitere Ausbildung
für Soldaten gewährleistet werden kann, die zum Einsatz nach Kunduz
geschickt werden? – Nein, das können Sie nicht.
In allen Bereichen, in denen eine Zusammenarbeit von Bundeswehr und
Wirtschaft angestrebt wurde, funktioniert es nicht. Ich brauche nur das
Thema Privatisierung der Flugbereitschaft zu erwähnen. Ich gehe davon aus,
dass die Vorschriften schon alleine deshalb nicht geändert werden, weil
insbesondere die Minister von den Grünen das dringende Bedürfnis haben, möglichst
schnell in alle Teile der Welt zu kommen, was der Steuerzahler dann bezahlt.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP –
Lothar Mark [SPD]: Das ist jetzt primitiv!)
1999 haben Sie mit großem Brimborium die öffentlich-private
Partnerschaft angekündigt. Der Bundeskanzler kam selbst, auch waren
hochrangige Vertreter der Industrie anwesend. Alle haben angekündigt, jetzt
beginne die gemeinsame Zukunft. Daraus ist wenig geworden. Es wurde nur Geld
verschwendet. Herr Struck, Sie haben in so manchem Bereich tüchtig
angefangen, aufzuräumen. Schreiten Sie auch hier ein. Das hat sich nicht
bewährt.
Ich komme zu meiner abschließenden Bewertung: Defizite in den Bereichen
Führungsfähigkeit, Nachrichtengewinnung und Aufklärung, Mobilität,
Wirksamkeit im Einsatz, Unterstützung, Durchhaltefähigkeit, Überlebensfähigkeit
sowie Transport und Schutz bleiben bestehen. Diese Defizite sind zu
beseitigen. Das muss unsere gemeinsame Aufgabe sein.
Da diese Defizite aber nicht beseitigt worden sind und viele falsche Ansätze
verfolgt wurden, wird es Sie nicht wundern, dass wir die Ausgestaltung der
finanziellen Basis der Bundeswehr, so wie sie im Moment besteht, nicht
mittragen können. Deshalb werden wir diesem Verteidigungsetat nicht
zustimmen.
(Beifall bei der CDU/CSU – Gernot Erler [SPD]: Das ist aber
nicht überraschend! – Lothar Mark [SPD]: Ich bin sehr erstaunt!)
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer:
Das
Wort hat jetzt die Abgeordnete Elke Leonhard.
Dr. Elke Leonhard (SPD):
Frau
Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich von dieser
Stelle des Hohen Hauses zunächst unseren Dank an unsere Soldaten
aussprechen. Die Arbeit der Bundeswehr genießt nicht nur im Parlament und
in der Bevölkerung hohes Ansehen; der Einsatz für Menschen findet, wie wir
immer wieder hören, auch internationale Würdigung.
(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP
sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ob im
Kosovo, in Bosnien, Mazedonien oder Afghanistan, unsere Soldaten sind gegenwärtig
die besten Botschafter.
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Sie erfüllen ihre Aufträge mit einem hohen Maß an Professionalität
und Effizienz und der für den Einsatz unerlässlichen Disziplin und
Sensibilität. Dafür nochmals unseren aufrichtigen Dank! Ob wir, wie das an
dieser Stelle oft getan wurde, weiterhin über die Sinnhaftigkeit der
Auslandseinsätze philosophieren sollten, ist eine andere Frage.
Wer vor Ort war, wird die Realität nicht mehr ausklammern können, er
wird sie immer vor Augen haben. Lassen Sie mich stellvertretend für alle
genannten Länder Afghanistan ansprechen. Terror, Krieg und Besatzung haben
tiefe Spuren im Bewusstsein der Afghanen hinterlassen. Vertrauen und Glaubwürdigkeit
sind daher wichtige Komponenten des Normalisierungsprozesses.
Deutschland hat mit dem ISAF-Mandat
Verantwortung für die Einhaltung des Petersberger Abkommens übernommen.
Wenn wir wirklich die Einsetzung einer durch Verfassung und freie Wahlen
legitimierten demokratischen Regierung im Jahre 2004 erreichen wollen,
dann muss der Auftrag noch weiter in die Provinzen hinaus ausgeweitet
werden. Die Bundesrepublik hat sich dieser Herausforderung mit Kunduz
bereits gestellt. Im Gegensatz zu den US-Teams mit ihrer starken militärischen
Außenrepräsentanz liegt unser Schwerpunkt im Aufbau der Infrastruktur mit
zivilen Helfern. Der von humanitären Hilfsorganisationen oft geforderte
Verzicht auf militärischen Schutz wäre allerdings illusorisch und, so füge
ich hinzu, außerdem gefährlich. Das beweisen die Ereignisse in Kabul.
Ich war im Frühjahr mehrere Tage dort und möchte an dieser Stelle
betonen: Die Wiederaufnahme des zivilen Luftverkehrs – es waren zwar nur
wenige Tage, aber es geht weiter –, die medizinische Hilfe deutscher Feld-
und Stabsärzte für die afghanische Bevölkerung – wer die langen
Schlangen sieht, die täglich vor den medizinischen Einrichtungen stehen,
der kann nicht genug Achtung vor den dortigen medizinischen Leistungen haben
–, der Beginn unternehmerischer Aktivitäten – auch dies ist eine Realität
– und nicht zuletzt der Wiederaufbau von Schulen – die Kollegin Griefahn
hat bereits über die Amani-Schule und andere Projekte berichtet – wären
ohne die Arbeit der Bundeswehr undenkbar.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Verehrte
Kolleginnen und Kollegen, diese Erfolge dürfen wir auf keinen Fall
kleinreden.
Mein nächster und damit zweiter Dank gilt der Bundesregierung.
(Günther Friedrich Nolting [FDP]: Jetzt geht es zu weit!)
Die
Bundesregierung hat ihre Verantwortung international wahrgenommen.
Deutschland ist ein verlässlicher Partner. NATO, EU und Vereinte Nationen
sind Bestimmungsgrößen deutscher Sicherheitspolitik. Deutschlands Beitrag
zum gesamten Aufgabenspektrum dieser Organisationen ist notwendig. Das
sicherheitspolitische Gewicht Deutschlands wird auch an den Beiträgen der
Streitkräfte gemessen. Unsere Streitkräfte sind modern, lernfähig und auf
allen Ebenen fähig zur Zusammenarbeit.
Die Bundeswehr ist im Umbruch. Der Bundesminister hat mit seinen
Entscheidungen vom 21. Mai und vom 1. Oktober dieses Jahres
Schritte hin zur Weiterentwicklung
der Bundeswehr angeordnet. Die Vorgaben erfordern eine bundeswehrweite
Konzentration auf die vor dem Hintergrund der neuen Aufgaben unbedingt
notwendigen Fähigkeiten und absehbare strukturelle Eingriffe mit Folgen für
das Fähigkeitsprofil.
An dieser Stelle möchte ich den Inspekteuren Feldt, Gudera und Back
sowie auch vielen anderen aus dem Sanitätsbereich für intensive Gespräche
und die Zusammenarbeit danken. Die Entscheidungen des Ministers bilden
zusammen mit den Ergebnissen der Kommission und den bereits im Prozess
befindlichen Reformschritten ein Kontinuum auf dem Weg, Auftrag, Aufgaben
und Ressourcen wieder in Einklang zu bringen.
Die Berichterstatter des Verteidigungshaushaltes begleiten diesen
Prozess mit Verantwortung und keineswegs nur – das sage ich für alle –
mit dem Rotstift. Ich bedanke mich an dieser Stelle für die Zusammenarbeit.
Es ist uns immerhin, wenn auch nur marginal, gelungen, einige Akzente zu
setzen, die vorher im Regierungsentwurf so nicht erkennbar waren.
Uns allen ist die Bedeutung der Bundeswehr für unser Land und die
internationale Community bewusst. Aber auch das ist Realität: Der
Verteidigungshaushalt ist eingebunden in den Entwurf des Bundeshaushalts 2004,
der geprägt ist von den anhaltenden konjunkturellen Verwerfungen mit ihren
unmittelbaren Auswirkungen auf den Haushalt. Ich erspare mir nähere
Einzelheiten; denn das Phänomen ist schon mehrere Tage in Streitgesprächen
diskutiert worden.
In der Sitzung des Haushaltsausschusses am 13. November 2003, der
so genannten Bereinigungssitzung, haben die Mitglieder der
Regierungskoalition mit substanziellen Beschlussempfehlungen auf Vorschlag
der Berichterstatter für die heutige abschließende Lesung im Deutschen
Bundestag in dem vorgelegten Regierungsentwurf deutliche politische
Schwerpunkte gesetzt. Ob bei Eurofighter oder Herkules, ob im Bereich von
Forschung und Entwicklung oder Personal – wir haben Korrekturen
vorgenommen, die einerseits den Prozess nicht behindern oder gar, was auch hätte
vorkommen können, verlangsamen, aber andererseits die Kontrolle ganz und
gar in unseren Händen belassen.
Die Gesamtausgaben des Verteidigungshaushal-tes 2004 betragen 24,2 Milliarden Euro.
Damit verbleibt es bei der mit dem Bundesfinanzminister in den
Ressortvereinbarungen abgesprochenen Verstetigung
des Verteidigungshaushaltes unter Berücksichtigung der ab 2002
bereitgestellten Zusatzmittel des Antiterrorpaktes.
Von den Rahmenbedingungen des Bundeshaushalts ist auch der
Verteidigungshaushalt betroffen. Die Bundeswehr leistet auch 2004 wieder
Beiträge zur notwendigen Konsolidierung des Bundeshaushalts: 94 Millionen Euro
durch Reduzierung der im Einzel-plan 14 verbleibenden Einnahmen aus der
Veräußerung von Wehrmaterial; 151,5 Millionen Euro, die als
globale Minderausgabe im Einzelplan 14 zur Haushaltskonsolidierung im
Haushaltsvollzug 2004 erwirtschaftet werden müssen, also als
Fortschreibung der Einsparzusage von 2003; und 248,2 Millionen Euro
als Anteil des Einzelplanes 14 an der globalen Minderausgabe im Einzelplan
60 zur Finanzierung der Rentenversicherung, die ebenfalls im
Haushaltsvollzug 2004 im Einzelplan 14 erwirtschaftet werden müssen.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, damit sinkt – das hat der Kollege
Austermann mit anderen Worten gesagt –
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Besser!)
das verfügbare
Volumen des Einzelplanes 14 auf rund 23,8 Milliarden Euro.
Aber das Haus hat es mit intelligenten Strategien geschafft, dass es zu
keinen substan-ziellen Einschnitten kam.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN – Lachen bei der CDU/CSU)
– Da würde
ich gar nicht lachen. Hätten Sie beispielsweise dem Steuervergünstigungsabbaugesetz
im Frühjahr zugestimmt, dann hätte es einer GMA in dieser Größenordnung
nicht bedurft. Hier muss ich einmal unvornehm werden.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Daraus sind auch die einsatzbedingten Zusatzaufgaben aufgrund des
erweiterten ISAF-Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan im Jahr 2004
zu finanzieren.
Für den Einzelplan 14 konnte dennoch im Ergebnis ein Haushalt
erreicht werden, der in einem für den Gesamthaushalt schwierigen Umfeld die
weitere Umsetzung der Bundeswehrreform ermöglicht. Die Bundeswehr befindet
sich im Prozess der Modernisierung
der Ausrüstung. Sie steigert die Attraktivität des Dienstes in den
Streitkräften und finanziert die erheblich ausgeweiteten internationalen
Einsätze der Bundeswehr.
Innerhalb des Verteidigungshaushaltes sind als wesentliche Eckpunkte berücksichtigt:
eine angemessene finanzielle Vorsorge in Höhe von 1 092 Millionen Euro
für die Fortführung der laufenden internationalen Einsätze; ein Aufwuchs
bei den Zeit- und Berufssoldaten einschließlich der beschlossenen
Attraktivitätsmaßnahmen; der sozialverträgliche Abbau von Zivilpersonal,
der dazu beiträgt, dass die Personalausgaben mittelfristig bei rund 51 Prozent
der Verteidigungsausgaben eingefroren werden können; ausreichende Mittel für
den Ausbildungs- und Übungsbetrieb der Streitkräfte – wir haben vom GÜZ
gesprochen; ich hoffe, dass wir im Dezember eine wirklich gute Vorlage
bekommen, sonst wird es in diesem Bereich noch einmal Änderungen geben müssen
–; die Finanzierung der laufenden Entwicklungs- und Beschaffungsvorhaben,
insbesondere der Großvorhaben Eurofighter 2000, NH 90 und UH Tiger,
sowie notwendige Verpflichtungsermächtigungen für neue Vorhaben.
Die eingangs angesprochenen, durch den Ausschuss gesetzten Schwerpunkte
finden sich in folgenden Bereichen: Der Ansatz für die Beschaffung des Eurofighters
2000 wurde um 50 Millionen Euro erhöht, und zwar verbunden mit der
Möglichkeit, den Ansatz im Haushaltsvollzug um weitere 200 Millionen
Euro zu verstärken. Damit wird der termingerechte Programmverlauf unterstützt
und der Programmverlauf der Folgejahre finanziell entlastet.
Mit den hier ausgebrachten qualifizierten Sperren macht der
Haushaltsausschuss deutlich, dass die parlamentarische Wachsamkeit
hinsichtlich der Kostenentwicklung nicht nachlässt. Durch eine spürbare
Ansatzverstärkung in Höhe von 19 Millionen Euro zur Verbesserung der
Finanzierung des Forschungs- und Technologiekonzeptes des Bundesministeriums
der Verteidigung wird die Zukunftsfähigkeit – ich betone: die Zukunftsfähigkeit!
– der Ausrüstung der Streitkräfte, insbesondere mit Blick auf die Schließung
erkannter Fähigkeitslücken für die künftig im Vordergrund stehenden Einsätze
im Rahmen der internationalen Konfliktverhütung und Krisenbewältigung, stärker
finanziell abgesichert.
Durch eine qualifizierte Sperre der Ausgaben für externe Beratung im
Bereich der Informationstechnologie wollen wir sicherstellen, dass das
Ministerium verstärkt auf die eigene Kompetenz zurückgreift, um vor allem
– das scheint mir ganz wesentlich – die Führung bei dem
Milliardenprojekt Herkules zu behalten.
Zu den weiteren Ausgabenbereichen des Verteidigungshaushaltes ist zu
bemerken: Die Betriebsausgaben sind, wenn auch nur marginal, rückläufig
und die Personalausgaben werden unter der vorgegebenen Obergrenze
festgehalten.
Im Personalhaushalt ist es
gelungen, im Rahmen der parlamentarischen Beratungen weitere Verbesserungen
zugunsten der Soldaten der unteren Dienstgradgruppen wie auch der Beamten
des mittleren Dienstes zu erreichen. Sie ermöglichen bei Umsetzung der
Beschlussempfehlung ab In-Kraft-Treten des Haushaltes bei den Soldaten die
Beförderungen von 690 Mannschaftsdienstgraden und weit über 6 600
Unteroffizieren.
(Beifall bei der SPD)
Bei den Beamten des mittleren Dienstes der Bundeswehrverwaltung wurden
die im Regierungsentwurf enthaltenen 205 Beförderungsmöglichkeiten um
weitere 75 aufgestockt, wodurch unzumutbare Beförderungswartezeiten auf ein
sozial verträgliches Maß zurückgeführt werden können. Hierfür danke
ich insbesondere meinen Kolleginnen und Kollegen von der Koalition.
Lassen Sie mich abschließend sagen: Der Haushalt 2004 leitet über zu
den Zielen der von Bundesminister Struck erlassenen
„Verteidigungspolitischen Richtlinien“. Auftrag, Fähigkeiten, Ausrüstung
und die der Bundeswehr zur Verfügung stehenden Mittel sind in ein
ausgewogenes Verhältnis mit der Bundeswehrplanung zu bringen. Aufgaben und
Fähigkeiten der Bundeswehr werden mit dem Ziel überprüft, die Planung von
Betrieb und Investitionen einer realistischen Finanzentwicklung anzupassen.
Mit den heutigen, an teilweise überholten Aufgaben ausgerichteten
Strukturen und dem – dringend modernisierungsbedürftigen – Zustand von
Material und Ausrüstung – hier ist keiner blind, das sehen wir alle – können
die Anforderungen der Einsätze auf Dauer nicht erfüllt werden. Das habe
ich in einem sehr umfangreichen Bericht dargestellt. Ziel ist es, die
Finanzierungsspielräume zu erhöhen.
Lassen Sie mich abschließend an das Hohe Haus appellieren, endlich
wieder gemeinsam die anstehenden Probleme anzupacken und die Soldaten nicht
durch taktische Manöver zu irritieren. Ich sagte schon zu Beginn: Unsere
Soldaten sind die besten Botschafter und sie verdienen, dass wir alles, aber
auch alles tun, um unserer Fürsorgepflicht gerecht zu werden.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer:
Das
Wort hat jetzt die Abgeordnete Helga Daub.
Helga Daub (FDP):
Frau
Präsidentin! Verehrte Kollegen und Kolleginnen! Die Debatten und
Entscheidungen der letzten Wochen haben wieder einmal gezeigt, wie komplex
das Einsatzspektrum der Bundeswehr ist. Kunduz, Enduring Freedom, Kosovo
usw. sind Beispiele für die Belastung unserer Soldaten, ob im
Auslandseinsatz oder hier in Deutschland. Der Bundeswehr gebührt unser
Respekt und unser Dank, den ich hiermit für die FDP-Fraktion aussprechen möchte.
(Beifall bei der FDP sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Herr Minister, Sie haben in der ersten Beratung des Haushalts im
September selbst Ihre missliche Lage beschrieben. Auch Sie hätten gerne
mehr Geld, aber die Finanzsituation sei nun einmal so, wie sie ist. Schön
und gut – oder nicht schön und gut. Also müssen wir mit den wenigen
Mitteln so effektiv wie möglich umgehen.
Seit 1999 stehen Auftrag und Mittel der Bundeswehr nicht mehr im
Einklang.
(Günther Friedrich Nolting [FDP]: Wohl wahr!)
Im
internationalen Vergleich schneiden wir schlecht ab. Während andere Staaten
bis zu 2,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für ihren
Verteidigungshaushalt bereitstellen, erreicht der deutsche Etat gerade
einmal 1,3 Prozent. Insofern habe ich manchmal den Eindruck, dass die
verschiedenen Seiten dieses Hauses über unterschiedliche Haushalte
sprechen.
– Danke,
Herr Nolting. – Im Mai haben Sie, Herr Minister, in Ihren
„Verteidigungspolitischen Richtlinien“ selbst darauf hingewiesen, dass
die strukturelle Neuausrichtung und die materielle Modernisierung aufgrund
der Finanzmittel noch nicht im Einklang sind. Daraus resultiert Ihr Plan,
innerhalb des Verteidigungshaushalts Umschichtungen zugunsten der investiven Aufgaben vorzunehmen.
Wie ernüchternd die Wirklichkeit doch ist! Diese Wirklichkeit ist
alleine von der zunehmend konfus handelnden rot-grünen Bundesregierung zu
verantworten und zwingt Sie, noch weiter in Ihrem Haushalt zu strecken und
zu streichen, um wenigstens die allernötigsten Investitionen tätigen zu können.
Laut einem Versprechen des Kanzlers und des Finanzministers waren Sie
aber, im Gegensatz zu anderen Ressortchefs dieser Regierung, in der
vergleichsweise komfortablen Lage, Einsparungen wenigstens in Ihrem Haushalt
verwenden zu können. Ich sage bewusst „waren“, denn jetzt gibt es wegen
der erneuten, gravierenden Verschlechterung der Haushaltslage für alle
Ressorts Globalkürzungen. Das heißt, der Verteidigungshaushalt sinkt nicht
nur real wie in den vergangenen Jahren, er sinkt jetzt auch nominal, und
zwar insgesamt, mit dieser Globalkürzung, um stolze 500 Millionen
Euro.
Mir kommt das Ganze vor wie die Geschichte vom Hasen und Igel. Bei allen
Einsparungsanstrengungen, die Sie, Herr Minister, unternehmen, ist von
anderer Seite schon längst jemand da, der das Geld verfrühstückt hat. So
können wir nicht mehr erkennen – ganz im Gegensatz zu Ihren Plänen –,
dass im Haushalt zugunsten von Investitionen umgeschichtet wurde.
Ich finde es wirklich bedauerlich, dass Sie Vorschläge machen, die
unsere Unterstützung finden würden, diese dann aber nicht umsetzen können.
(Dr.Elke Leonhard [SPD]: Welche Investitionen wären
das?)
Der
Minister wollte eine Investitionsquote von 27 Prozent. Das steht so in
den „Verteidigungspolitischen Richtlinien“, aber es ist nichts umgesetzt
worden. Im Gegenteil, im Etat sinken diese Investitionen um weitere 2,3 Prozent.
Ich möchte eine Frage in den Raum stellen. Mit dem richtigen Argument
der knappen Finanzmittel haben Sie die ursprünglich übersteigerte
Beschaffungszahl der A400M
reduziert. Die 73 Transportflugzeuge waren ganz offensichtlich eine
Maximalforderung, sozusagen die 120-Prozent-Lösung für einen Streitkräfteumfang
von 290 000 Mann. Sind dann aber nicht jetzt auch die 60 A400M
eine 120-Prozent-Lösung für einen Streitkräfteumfang von demnächst 250 000 Soldaten?
Reicht nicht eine 100-Prozent-Lösung aus, zumal bei schlechter Kassenlage?
Wie verzweifelt unterfinanziert der Verteidigungshaushalt ist, mag das
Beispiel des Seeaufklärers Bréguet
Atlantique darstellen. Diese völlig veraltete Maschine muss mehr am
Boden gewartet werden, als dass sie in die Luft aufsteigen kann. Nun gibt es
doch tatsächlich ein Schnäppchenangebot aus den Niederlanden. Die wollen
sich nämlich aus der maritimen Aufklärung zurückziehen und ihre
Orion-Maschinen verkaufen. Sechs Maschinen könnten wir gut gebrauchen. Sie
kosten 300 Millionen Euro, die Mittel dafür sind aber im Haushalt
nicht bereitgestellt. Deutschland kann sich dieses Schnäppchen offenbar
nicht leisten.
Auf der einen Seite sparen wir, auf der anderen Seite machen wir
Geschenke. Der Verkauf von Leopard-II-Panzern inklusive Wartungsvertrag –
für einen Appel und ein Ei – und der MiG-29 an Polen hat politischen Wert
und ist von großer Symbolkraft für die Zusammenarbeit mit den zukünftigen
NATO-Partnern. Nur: Großzügigkeit muss man sich auch leisten können. Für
uns trifft das offenbar nicht mehr zu.
(Alexander Bonde [BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN]: Nicht genutzte
Panzer muss man sich auch leisten können!)
Kommen wir zur wehrtechnischen
Industrie. Die Beschaffungspolitik der Regierung für
die Bundeswehr lässt nicht gerade Hoffnung aufkeimen. Wenn es so
weitergeht, wird es bald immer weniger wehrtechnische Industrie in
Deutschland geben. Wir müssen zusehen: bei der Abwanderung unseres
Know-hows und bei wirtschaftlich begründeten Verkäufen an ausländische
Investoren. Die einzige Antwort der Regierung darauf ist: „Ach, da machen
wir ein Gesetz!“ Als Schlagzeile klingt das auch gut. Aber die Sachlage
ist nicht ganz so einfach. In einer globalisierten Welt löst
Protektionismus das Problem nicht. Wenn Sie die wehrtechnische Industrie am
Standort Deutschland halten wollen, dann müssen Sie ihr auch Aufträge
erteilen.
(Beifall bei der FDP)
Ich komme zurück zur Bundeswehr. Unsere Soldatinnen und Soldaten
verdienen eine gute Ausbildung
und eine gute Ausrüstung.
(Jürgen Koppelin [FDP]: Und eine gute Regierung!)
– Das
kommt erschwerend hinzu. – Das ist aber immer weniger gewährleistet.
Es ist der immer noch hohen Motivation der Soldaten und Soldatinnen zu
verdanken, dass die Bundeswehr ihre Aufträge erfüllt. Aber wie soll sich
das in den nächsten Jahren aufrechterhalten lassen? Schon beim Einsatz in
Kunduz sollte auf Mittel aus anderen Ressorts zurückgegriffen werden. Wir können
doch nicht für die Zukunft über Verteidigungseinsätze auf Pump
diskutieren, weil der Verteidigungsetat neue Einsätze nicht mehr schultern
kann.
Die Finanzsituation unseres Landes ist angespannt. Das sehen wir ein.
Aber umso dringlicher ist es, Herr Minister, dass Sie sich an die Strukturen
wagen und mutiger an die Umgestaltung der Bundeswehr herangehen. Sie bewegen
sich schon in die richtige Richtung, aber noch viel zu langsam und in punkto
Wehrpflicht mut-, saft- und kraftlos. Damit werden Sie scheitern.
Ich scheue mich fast, die Aussagen des Verteidigungsministers zu
wiederholen, der seiner Angst Ausdruck verlieh, ohne Wehrpflicht würden deutsche Soldaten zu Söldnern. Herr Minister,
das ist nicht nur für die Berufs- und Zeitsoldaten beleidigend.
(Beifall bei der FDP)
Ihre Worte
vor der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg beschwören bei vielen
das Bild von Berufsarmeen herauf, denen Soldaten mit angeblich niedrigen
Intelligenzquotienten angehören, die im Grunde genommen nichts anderes als
drogensüchtige Killermaschinen sind.
(Bartholomäus Kalb [CDU/CSU]: Da müssen Sie einmal schauen,
wie die Niederlande und die USA mittlerweile rekrutieren!)
Genau
diese Worte habe ich kürzlich in einem Gespräch mit einem Journalisten gehört,
Herr Arnold. Diesem Eindruck muss entgegengewirkt werden.
(Beifall bei der FDP)
Zurück zur Wehrpflicht: Sie halten an ihr fest, obwohl der
Grundwehrdienst in den vergangenen Jahren immer weiter verkürzt wurde. Die
Ausbildung wird in immer weniger Monate gepresst und dadurch wird sie sicher
nicht besser. Sie, Herr Dr. Struck, schlagen allen Ernstes auch noch
vor, Wehrpflichtige freiwillig in Auslandseinsätze zu entsenden. So stelle
ich mir verantwortungsvolles Handeln der Bundeswehr wahrlich nicht vor.
(Beifall bei der FDP)
Es wird immer wieder behauptet, dass eine Berufsarmee zu teuer sei. Das
kann ich so nicht stehen lassen. Man muss doch einmal über das Heute
hinausblicken und verantwortlich berechnen, wie sich die Kosten für
Ausbildung, Ausrüstung, Unterbringung etc. entwickeln würden. Das muss mit
Weitblick und Sorgfalt geschehen, weil wir – das unterstelle ich jedem in
diesem Hause – eine gut ausgerüstete Bundeswehr wollen, die sich den
neuen Aufgaben gewachsen zeigt.
Ich danke Ihnen.
(Beifall bei der FDP)
Vizepräsidentin Dr. Antje Vollmer:
Das
Wort hat jetzt der Abgeordnete Alexander Bonde.
Alexander Bonde
Frau
Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bundeswehr leistet einen
wichtigen Beitrag zur verantwortlichen und vorausschauenden internationalen
Sicherheitspolitik dieser Regierung. Unser Handeln erfolgt mit Augenmaß,
gemeinsam mit unseren europäischen Partnern und eingebunden in
internationale Bündnisse, deren Bedeutung in Zukunft noch weiter zunehmen
wird.
Das Einsatzspektrum im Ausland – so vielfältig es in der Gesamtheit
sein mag – dient einem Zweck: der Krisenprävention und -nachsorge sowie
der Stabilisierung von regionalen Konfliktherden. Unsere diplomatischen, außenpolitischen
und entwicklungspolitischen Anstrengungen werden so sinnvoll ergänzt. Zudem
freut es mich – ich tauche einmal in die kleinen Details des Einzelplans
ein –, dass auch der Verteidigungseinzelplan im Jahre 2004 einen
bescheidenen Beitrag zur
Friedensforschung leisten wird. Damit macht er deutlich, wie intensiv
die Verzahnung und wie groß die Bedeutung gerade der zivilen Konfliktprävention
sind.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten
der SPD)
Die Transformation der Bundeswehr ist auf dem Weg. Mit dem vorgelegten
Haushalt sind die Streitkräfte bei aller Knappheit der Mittel in der Lage,
auf dem bisher beschrittenen Weg von der nationalen Verteidigungsarmee hin
zur einsatzfähigen Armee fortzuschreiten. Im Jahre 2004 werden 24,212 Milliarden Euro
zur Verfügung stehen; ich gebe zu, dass dies geringfügig weniger als in
diesem Jahr ist. Sicherlich hätte der Verteidigungsminister gern einen größeren
Plafond erhalten. Angesichts der dringenden Konsolidierungsnotwendigkeiten
und der wirtschaftlichen Situation ist aber – hier ist die Bundeswehr in
guter Gesellschaft – nicht mehr Geld vorhanden. Natürlich muss sich auch
das Verteidigungsministerium im Rahmen der globalen Minderausgabe am Schließen
der aus der Rentenversicherung stammenden Haushaltslücke beteiligen.
Minister Struck gebührt auch an dieser Stelle Lob. Bei ihm gab es –
im Gegensatz zur Opposition – zu keiner Zeit die Tendenz, die Augen vor
der Realität zu verschließen und kurz vor Weihnachten mit glänzenden
Augen eine Wunschliste vorzulegen, auch wenn ein solcher Versuch aufgrund
der zeitlichen Nähe der Bundeswehrreformplanung nahe gelegen hätte.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)
Ziel aller Beteiligten muss es auch über diesen Haushalt hinaus sein,
die Betriebskosten der Bundeswehr zu senken, um Spielräume für Investitionen zu eröffnen. Dass der Weg dahin
steinig ist, merken wir; aber die Weichen sind gestellt. Da der Plafond für
die nächsten Jahre feststeht, die Investitionen aber steigen sollen, müssen
die Betriebs- und Personalkosten sinken. Erkennbar ist, dass wir die
Reformschraube an dieser Stelle noch ein Stückchen weiter drehen müssen.
(Vorsitz: Dr. h. c. Susanne Kastner)
Bei der Verplanung der gesteigerten Investitionsmittel war die
Bundeswehr bekanntermaßen immer recht fleißig. Bis 2008 stehen die Kosten
für anlaufende Beschaffungsvorhaben in einem sehr ambitionierten Verhältnis
zum bisherigen Etat. Daher war uns Haushältern klar, dass es höchste Zeit
war, die Bestellungen dem Etat anzupassen. Vor allem das fliegende Gerät
schlägt in den nächsten Jahren eine große Bresche in die
Beschaffungstitel. Umso wichtiger ist es, deren Kostenentwicklung genau im
Auge zu behalten und von prestigeträchtigen Großprojekten, die es in
Zukunft nicht mehr geben kann, Abschied zu nehmen. Stattdessen werden die
unspektakulären, aber dringend notwendigen Projekte des Heeres an Bedeutung
gewinnen.
Herr Kollege Austermann, Sie haben den Eurofighter angesprochen. Auch an dieser Stelle hinterließen Sie
uns ein Erbe, das wir leider nicht ausschlagen konnten. In der Tat, der
Eurofighter benötigt in diesem Jahr möglicherweise bis zu 250 Millionen Euro
mehr. Dem tragen wir Rechnung, indem wir 50 Millionen Euro im
Baransatz und 200 Millionen Euro an Verstärkungsmitteln
eingeplant haben, um die rechtlichen Verpflichtungen, die die heutige
Opposition zu ihrer Regierungszeit eingegangen ist, einlösen zu können.
Sie wissen, dass wir diese Mittel gesperrt haben. Wir werden sie nur dann
auszahlen, wenn man uns im Haushaltsausschuss nachweist, dass die Auszahlung
durch das Erreichen der Meilensteine wirklich notwendig ist. Der Eurofighter
krankte in der Vergangenheit nämlich nicht an zu viel, sondern eher an zu
wenig parlamentarischer Kontrolle.
Verehrte Kolleginnen und Kollegen, die Pläne von Bundesminister Struck
für die Zukunft der Bundeswehr weisen in die richtige Richtung:
Verkleinerung der Bundeswehr, Reduzierung der Truppenstärke, vor allem der
Zahl der Wehrpflichtigen, und eine betriebswirtschaftliche Analyse der
vorhandenen Truppenstandorte.
Das ist Voraussetzung für eine wirtschaftlichere Nutzung der vorhandenen
Ressourcen. Vor allen Dingen bei den Standorten lässt sich auch weiterhin
noch viel Geld einsparen.
(Zuruf von der CDU/CSU: Hört! Hört!)
Bisherige
Stationierungskonzepte waren oft von Parteipolitik, Kommunalpolitik und
Wirtschaftspolitik geprägt. So mancher Wahlkreisproporz hat Samthandschuhe
beim Anpacken der Problematik erfordert.
Vor diesem Hintergrund ziehe ich folgende Bilanz: Angesichts der neuen
sicherheitspolitischen Anforderungen muss über die Frage der Präsenz der
Truppe in der Fläche neu diskutiert werden. Sie, Herr Minister, haben die
Unterstützung meiner Fraktion, wenn es um die Restrukturierung bzw. die
Reduzierung der Gesamtzahl der Standorte
geht.
Die vorgeschlagene Reform im Personalbereich ist mutig und geht in die
richtige Richtung. Es wird Sie, Herr Minister, allerdings nicht verwundern,
dass meine Fraktion aus vielerlei Gründen davon ausgeht, dass am Ende der
Reform eine Freiwilligenarmee mit einer Stärke von maximal 200 000 bis
220 000 Soldaten stehen wird und dass der jetzige Reformansatz mit dem
Ziel der Reduzierung des Umfangs der
Streitkräfte auf 250 000 Soldaten und 30 000 bis 50 000
Wehrpflichtige nur ein Schritt in die Richtung ist, die wir uns wünschen
und die auch Sie sich sicherlich wünschen.
(Abg. Günther Friedrich Nolting [FDP] meldet sich zu einer
Zwischenfrage)
–
Angesichts dessen, was ich gerade gesagt habe, können Sie sich Ihre
Zwischenfrage sparen.
Zum Schluss möchte ich den Soldatinnen und Soldaten für ihre Arbeit
danken. Wir wissen, dass wir ihnen mit der Bundeswehrreform viel zumuten,
und zwar auch im persönlichen Bereich. Wir können ihnen diese Reform nicht
ersparen. Denn für die Bundeswehrreform gilt das Gleiche wie für eine
Igelhochzeit: schmerzhaft, aber dringend notwendig.
Vielen Dank.
(Heiterkeit und Beifall beim BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN und bei
der SPD)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächster
Redner ist der Kollege Christian Schmidt, CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall im ganzen Hause)
Christian Schmidt
Frau
Präsidentin! Meine lieben Kolleginnen und Kollegen! Es sei mir erlaubt,
dass ich mich zu Beginn meiner Rede beim ganzen Hause und insbesondere bei
den vielen Kolleginnen und Kollegen bedanke, die mich in den letzten Monaten
begleitet haben. Es ist gut, zu merken, dass wir nicht nur streiten – das
ist in einer Haushaltsdebatte sicherlich notwendig –, sondern auch
menschliche Wärme geben können. Diese habe ich gespürt. Herzlichen Dank
dafür!
(Beifall im ganzen Hause)
Nicht
nur wegen der letzten schrecklichen Terrorakte in der Türkei ist es an der
Zeit, dass wir uns mehr als bisher mit den Gefahren für unser Land und die
Menschen sowie den Herausforderungen und den notwendigen Antworten darauf in
öffentlicher Debatte auseinander setzen. Schade, dass die Runde derjenigen,
die über den Einzelplan 14 beraten, relativ klein ist. Alle, auch
diejenigen draußen im Lande, sollten wissen, dass es angesichts der
Bedrohung notwendig ist, dass wir uns versichern, dass wir die Aufgaben, die
wir als Verantwortliche in diesem Staat haben – sei es als
Regierungsmitglied oder als Parlamentarier –, im Sinne unserer Bürger
wirklich wahrnehmen. Unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger dürfen das
erwarten. Viele sind verunsichert, fühlen sich allein gelassen und wissen
nicht, wohin das alles führt und ob das, was geschieht, richtig ist.
Im Hinblick auf die Rolle der Streitkräfte
kann man bei Graf Baudissin Folgendes nachlesen:
Armeen taugen nur etwas, wenn sie die Struktur der Nation
widerspiegeln und wenn sie vom gleichen Geist beseelt sind, der diese Nation
trägt.
Leider ist bei vielen in unserem Land in Vergessenheit geraten, dass
Stabilität und Frieden sowie Verlässlichkeit
der außen- und sicherheitspolitischen Entscheidungen, also der außen- und
sicherheitspolitischen Strukturen unserer Nation, einen langen Atem
erfordern. Nur demjenigen, auf den man sich in schwieriger Zeit verlassen
kann, wird geholfen. Nur wer in der Lage ist, zu helfen, wird ernst
genommen. Deswegen berührt die Bundeswehrreform – das ist bereits
mehrfach apostrophiert worden – unsere Interessen tiefer, als das möglicherweise
im Finanzministerium gesehen wird.
Notwendig ist eine Reform, bei der die Bundeswehr als Instrument der
Krisenintervention und der Krisenprävention außerhalb unseres Landes und
des Bevölkerungsschutzes vor asymmetrischen Bedrohungen innerhalb unseres
Landes verstanden wird. Gesamtverteidigungskonzept
hat Minister Struck dies in seinen „Verteidigungspolitischen
Richtlinien genannt. Es bleibt abzuwarten, ob es auch zu einer
entsprechenden Umsetzung kommen wird.
Notwendig ist eine Bundeswehr, die aufgrund ihrer Stärke und Ausrüstung
in der Lage ist, sich an größeren Aktionen und längerfristigen
Engagements zu beteiligen, ohne dass sie dabei die Heimatverteidigung – in
einem modernen Sinne – vernachlässigt. Ich glaube nicht, dass dies mit
230 000 bis 240 000 Soldaten erreicht werden kann. Ich nenne diese
Zahlen, weil ich im Geiste schon einmal berechnet habe, wie viele von den
250 000 Soldaten nach dieser oder jener Streckung eigentlich übrig
bleiben. Herr Bonde, ich rede gar nicht erst von der Zahl von 200 000 Soldaten,
mit der Sie uns hier schockiert haben. Es mag bezweifelt werden, ob diese
Zahl erreichbar ist. Wir sollten darüber streiten, und zwar in einer
qualifizierten Debatte. Ich halte es für ausgeschlossen, dass eine moderne
Heimatverteidigung ohne Wehrpflichtige und Reservisten organisiert
werden kann.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der SPD)
Ich lade dazu ein, dieses Thema wirklich zu diskutieren. Dafür mag die
Haushaltsdebatte allein nicht ausreichen; aber es ist unsere Pflicht und
Aufgabe, diese Fragen in den nächsten Monaten und Jahren zu beantworten,
bevor es für Lösungen zu spät ist und wir gefragt werden: Was habt ihr
denn getan? Hättet ihr nicht etwas tun müssen?
(Beifall bei der CDU/CSU sowie des Abg. Günther Friedrich
Nolting [FDP])
Ein
Weißbuch der Bundesregierung ist übrigens schon deswegen dringend
notwendig, damit die gesamte Bundesregierung gezwungen wird, eine nachprüfbare
Position zu den Problemen der äußeren
Sicherheit zu beziehen. Es steht mir nicht an, zu sagen: Möglicherweise
würde das ab und an auch die Situation des Bundesverteidigungsministers
erleichtern und dafür sorgen, dass er in gewissen Fragen mit seiner
Position nicht alleine steht. Nicht allein die Bundeswehr macht Außenpolitik;
sie ist ein Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik. Deswegen kann
nicht allein der Verteidigungsminister Position beziehen, sondern es bedarf
auch anderer, die am gleichen Strang ziehen.
Die Regierung muss dem Volk sagen, dass eine Armee letztendlich in der
Lage sein muss, Gewalt anzuwenden. Dafür braucht sie – nicht nur – eine
entsprechende Ausrüstung.
Sie muss ihm auch sagen, dass eine neue Notwendigkeit zur Verteidigung
gerade im Hinblick auf den internationalen Terrorismus besteht und dass man
diesem Anspruch nur mit großen Anstrengungen gerecht werden kann.
Das Parlament muss an der Beantwortung der konzeptionellen Fragen
beteiligt werden. Dies ist meiner Meinung nach sogar wichtiger als die
Abstimmung über die Frage – sie steht am Ende einer Entwicklung –, ob
sich die Bundeswehr an einem Einsatz – die Vorgaben dafür kann das
Parlament eigentlich nicht mehr beeinflussen – beteiligen soll.
Gegenwärtig können wir nur am Ende des Entscheidungsprozesses über
Art und Umfang von Auslandseinsätzen
der Bundeswehr abstimmen. Wir haben uns bisher immer entschieden, diese Einsätze
mitzutragen. Wir konnten bisher aber nicht darüber entscheiden, in welche
Richtung sich die Aufgaben und Strukturen sowie der Umfang von Personal und
Material der Streitkräfte zukünftig weiterentwickeln sollen.
Es wäre auf der einen Seite wünschenswert, wenn wir über diese Fragen
im Parlament diskutierten. Auf der anderen Seite wäre es wünschenswert,
dass wir uns hinsichtlich der Entscheidungen über konkrete Einsätze auf
ein neues Parlamentsbeteiligungsgesetz
verständigen. Erste Gespräche fanden bereits statt und weitere werden in
dieser Woche stattfinden. Ich begrüße das. Es handelt sich hierbei um eine
Aufgabe, die sich das Parlament selbst stellen muss und auch lösen sollte.
Dabei sollten unsere Rechte als Parlamentarier in Bezug auf den Einsatz
bewaffneter Streitkräfte und die – so formuliert es das
Bundesverfassungsgericht – ungeschmälerte außenpolitische Handlungsfähigkeit
der Bundesregierung neu austariert werden. Ich sage das als ein
Parlamentarier, der in dieser Funktion auch für den gesamtstaatlichen
Bereich Mitverantwortung trägt. Aufgrund dieser Mitverantwortung müssen
die Beratungen über eine mögliche Beteiligung
an internationalen Streitkräften möglichst zu einem solchen Zeitpunkt
stattfinden, zu dem wir noch wirklich Einfluss nehmen können. Mir ist es
fast lieber, dass wir mit entscheiden können, wie die Soldaten, die sich an
einem Einsatz beteiligen, ausgestattet werden und welche Unterstützung und
Möglichkeiten sie – beispielsweise im Bereich Kommunikation – erhalten,
als dass wir am Schluss nur die Hand heben. Das ist die Aufgabe für die nächste
Zeit.
Mir liegt am Herzen, dass wir uns über die Frage der Gesamtverteidigung
verständigen. Ich möchte unterstreichen, dass ich diesbezüglich manches
Interessante gelesen habe. Frau Kollegin Daub, ich unterstütze das, was Sie
dazu gesagt haben. Wir müssen den Stellenwert der Bundeswehr und der
Sicherheitspolitik gemeinsam verbessern, und zwar nicht weil wir
Militaristen sind – ganz und gar nicht –, sondern weil wir wissen,
dass es für die Verteidigung und für den Schutz unserer Bevölkerung und
unserer Bündnispartner vor Gefahren notwendig ist, Entscheidungen zu
treffen, die wehtun und viel kosten, deren langfristige Wirkung aber wichtig
ist.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP sowie bei Abgeordneten
der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächster
Redner ist der Kollege Rainer Arnold, SPD-Fraktion.
Rainer Arnold (SPD):
Frau
Präsidentin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Wir reden in dieser Woche
nicht nur über den Haushalt, sondern wir reden auch über die
Modernisierung unseres Landes in einem ganzheitlichen Sinne: von der Sozial-
über die Steuerpolitik bis hin zur Transformation der Bundeswehr.
Die Reform der Streitkräfte
ist schon sehr weit gediehen, weil an der Spitze des
Verteidigungsministeriums richtig und entschlossen entschieden wird und –
ich sage das sehr deutlich – weil es der Union bei diesem Reformvorhaben
nicht gelingt, über den Bundesrat Sand ins Getriebe zu streuen. Aus diesen
zwei Gründen kommen wir in diesem Bereich in der Tat voran.
Auch zu diesem Bereich haben Sie keine eigene Meinung. Sie wissen nur,
was Sie nicht wollen. Wenn ich mir Ihre Papiere anschaue, dann stelle ich
fest, dass die CSU am liebsten an einer Streitmacht mit 330 000 Soldaten
festhalten würde, während die CDU sagt, dass es auch ein bisschen weniger
sein darf. Sie äußern sich nicht dazu, wie die neuen Aufgaben im neuen
Spektrum gewichtet werden müssen. Herr Austermann hat es noch einmal bestätigt,
indem er die Frage der Standorte in den Mittelpunkt gestellt hat und nicht
die Frage, was die Bundeswehr in Zukunft zur Gewährleistung der Sicherheit
des Landes tatsächlich können muss.
Am wahrscheinlichsten sind heute und auch in Zukunft Einsätze der
Bundeswehr zur Krisenbewältigung und
Konfliktverhütung. Herr Austermann, es geht bei dieser
Transformation überhaupt nicht darum, eine Interventionsarmee zu schaffen;
es geht darum, ein wichtiges Segment bei den Streitkräften zu haben, das
auch für robuste Einsätze geeignet ist. Das wichtige Profil, dass die
Streitkräfte auch im friedensbewahrenden und stabilisierenden Bereich tätig
sein können, wird diese Koalition nicht aufgeben. Das wird parallel dazu
gestärkt.
Das werden wir nur können – das sage ich ganz deutlich, auch zu
Ihnen, Herr Bonde –, wenn wir mit den Streitkräften auch im Hinblick auf
die Personenzahl verantwortlich umgehen.
(Beifall bei der SPD)
Es geht
eben nicht mit 200 000 Soldaten. Wenn wir die Aufgaben im Innern
einbeziehen, sind schon eher 250 000 Soldaten notwendig, wie auch
der Minister entschieden hat.
Wir müssen bei der Bundeswehr deutlich umsteuern. Klar ist dabei auch:
In den letzten vier Jahren, seit Beginn der Reform hat sich eine Menge verändert.
Es gibt Dinge, die wir damals nicht gekannt haben: die asymmetrische
Bedrohung, eine lange Durchhaltefähigkeit bei der Krisenbewältigung. All
das haben wir uns vor vier Jahren noch nicht so vorgestellt. Der europäische
Integrationsprozess bei den Streitkräften und konzeptionelle Überlegungen
der NATO müssen neu bewertet werden. Die „Verteidigungspolitischen
Richtlinien“ vom Mai dieses Jahres sind für die Planungsarbeit die
richtige Vorgabe. Sie werden in Zukunft die Fähigkeit und die Struktur der
Bundeswehr tatsächlich bestimmen.
Selbstverständlich – das ist ganz klar – kann nicht alles in diesem
Haushalt abgebildet werden. Der Haushalt hat aber eine Brückenfunktion zur
Transformation. Der Haushalt ermöglicht einen seriös finanzierten Einstieg
in die Umsetzung konzeptioneller Ziele und dient der Vorbereitung weiterer
Reformschritte. Er setzt auch klare Prioritäten. Natürlich ist dabei das
finanziell Machbare das Maß der Dinge.
Klar ist auch: Auf solide Ausbildung
und auf Schutz im Einsatz legen
wir Wert. Es fehlt dort an nichts. Das ist für die Soldatinnen und Soldaten
sicherlich das Allerwichtigste.
Wir legen auch Wert darauf, den Soldatenberuf durch ein ganzes Bündel
von Maßnahmen attraktiv zu halten. Hierdurch wurde im personellen Bereich,
aber auch in anderen Bereichen eine ganze Menge erreicht. Ich möchte
unserer Haushälterin, Frau Dr. Leonhard, ausdrücklich für ihren
Einsatz für die Streitkräfte, für die Menschen bei der Bundeswehr recht
herzlich danken.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Herr
Kollege, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Austermann?
Rainer Arnold (SPD):
Gern.
Dietrich Austermann
Herr
Kollege, Sie haben darauf hingewiesen, dass die Bundeswehr für
internationale Einsätze ausgerüstet ist und dass es da an nichts fehlt.
Wie vereinbart sich das mit der Aussage der Staatsministerin im Auswärtigen
Amt, Kerstin Müller, in einem Schreiben von vor wenigen Tagen an den
Kollegen Frankenhauser – es geht um den Kunduz-Einsatz –, die lautet:
„Darüber hinaus wirbt die Bundesregierung, gemeinsam mit den USA, bei
Partnerländern für die Bereitstellung benötigter militärischer Ausrüstung.“?
Rainer Arnold (SPD):
Ich
kenne dieses Schreiben nicht. Deshalb können Sie mich damit auch nicht
konfrontieren. Ich weiß aber eines – Sie wissen es auch –: Alles, was
die Soldaten und die militärische Führung für Kabul und für den Balkan
an Mitteln für Geräte von uns erwartet haben, haben Sie und wir im
Haushaltsausschuss gemeinsam genehmigt.
(Beifall bei der SPD)
Ich
verlasse mich auf die Kompetenz des Generalinspekteurs und seiner Generäle,
wenn es darum geht, zu formulieren, was sie brauchen.
Ich habe überhaupt keinen Anlass, hier anderen Leuten zu vertrauen. Ich
vertraue der militärischen Führung. Das, was sie für notwendig gehalten
hat, hat sie auch erhalten: Fahrzeuge, solide Bauten und – das ist uns
ganz wichtig – eine gute Vorsorge im Sanitätsbereich und vieles andere
mehr. Es wurde in den letzten Jahren gerade in die technischen Fähigkeiten
investiert, die für die Einsätze notwendig sind.
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Herr Kollege, darf ich das
vielleicht erweitern? Darf ich eine zweite Frage anschließen?)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Schön,
dass Sie fragen, Herr Kollege Austermann. Herr Kollege Arnold, lassen Sie
eine weitere Zwischenfrage des Kollegen Austermann zu?
Rainer Arnold (SPD):
Ja,
gerne.
Dietrich Austermann
In
dem besagten Schreiben ist auch die Bemerkung enthalten, dass davon
ausgegangen wird, dass die für den ISAF-Einsatz noch bestehenden Ausrüstungslücken
– da-runter auch Hubschrauber – befriedigend geschlossen werden. Das heißt,
auch hier besteht insofern ein ungelöstes Problem, als offensichtlich der
Generalinspekteur doch nicht, wie Sie ja gesagt haben, alles erhalten hat,
was er möchte. Liegt das möglicherweise daran, um mit einer Frage zu
enden, dass das Geld im Verteidigungsetat nicht ausreicht, um die nötigen Lücken
bei den Gerätschaften, die für Schutz und Versorgung notwendig sind, zu füllen?
(Lothar Mark [SPD]: Was haben Sie denn in den zurückliegenden
16 Jahren mit den Milliardenmitteln gemacht?)
Rainer Arnold (SPD):
Offensichtlich
ist Ihnen entgangen, Herr Austermann, obwohl Sie Haushälter sind,
(Lothar Mark [SPD]: Die waren nur physisch anwesend!)
dass
gerade bei den großen und schweren Transporthubschraubern
in den nächsten Monaten die Triebwerke komplett erneuert werden; es geht um
48 neue Aggregate. Der Hubschrauber wird dann wieder auf einem Stand sein,
bei dem er gut in großer Höhe fliegen kann. Offensichtlich ist Ihnen
entgangen, dass sich der Hubschrauber „Tiger“ im Zulauf befindet und ein
leichterer Transporthubschrauber in den nächsten Jahren als Zulauf geplant
ist. Gerade an diesen Beispielen sehen Sie, dass wir die bestehenden Lücken
ziemlich zielstrebig, aber natürlich unter Setzung der notwendigen Prioritäten
schließen werden.
(Bernd Siebert [CDU/CSU]: Sie haben eben gesagt, es fehlt an
nichts!)
Eines ist aber auch klar: Den ganzen Investitionsstau können wir nicht mit dem Haushalt eines Jahres
beseitigen. Im Übrigen wissen Sie so gut wie ich: Unsere Industrie wäre,
selbst wenn wir das Geld hätten, gar nicht in der Lage, innerhalb von
wenigen Monaten die notwendigen Fluggeräte zu liefern. Auch dafür bedarf
es einfach Zeit.
Ihre Krokodilstränen in dem Bereich – ich greife einmal das Beispiel Eurofighter
auf – haben mich wirklich geärgert.
(Bartholomäus Kalb [CDU/CSU]: Erzählen Sie einmal, was die
im Kongo gemacht haben!)
Sie haben
uns mit dem Eurofighter ein Fluggerät auf den Hof gestellt, das überhaupt
nicht ausreichend ausgestattet ist, weil Sie alles getan haben, um die
Kosten schönzurechnen. Wir müssen jetzt mühsam die notwendige Technik
nachrüsten und für die notwendige Bewaffnung sorgen – das haben wir
getan.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN – Lothar Mark [SPD]: Das und auch, was wir für einen
Schrott übernommen haben, muss man jeden Tag wiederholen! – Dietrich
Austermann [CDU/CSU]: Warum braucht man denn in Kunduz den Eurofighter?)
Sie, meine Damen und Herren von der Opposition, machen einen ganz
entscheidenden Fehler: Sie glauben immer, mehr Geld wäre allein ein
Indikator für mehr Sicherheit in unserer Gesellschaft.
(Dr. Karl A. Lamers [Heidelberg] [CDU/ CSU]: Nicht nur!
Aber auch!)
Wir müssen
wirklich noch einmal darüber nachdenken, ob die Wahrung der Sicherheit
allein über den Verteidigungsetat definiert werden kann. Angesichts der
heutigen gesellschaftlichen Probleme halte ich diesen Ansatz für falsch.
(Lothar Mark [SPD]: Jawohl!)
Es ist doch ganz klar: Sicherheit
und Stabilität hängen in Deutschland, in Europa und auch in den Teilen
der Welt, in denen wir Verantwortung tragen, in ganz hohem Maße davon ab,
ob es gelingt, sozial ausgeglichene Verhältnisse zu schaffen und für
wirtschaftliche Kraft zu sorgen. Wer glaubt, er könne unter dem Strich
etwas Gutes erreichen, wenn er Investitionen in soziale Sicherungssysteme
und solche für das Militär gegeneinander ausspielt, der irrt sich. Er wird
im Übrigen auch keine Verbesserung der Situation der Soldaten erreichen.
Die Soldaten wissen sehr wohl, wo sie in unserem Gemeinwesen stehen und dass
selbstverständlich auch der Verteidigungsetat seinen Beitrag zur
Konsolidierung der Staatsfinanzen zu leisten hat.
(Beifall bei Abgeordneten der SPD und des BÜNDNISSES 90/DIE
GRÜNEN – Dr. Karl A. Lamers [Heidelberg] [CDU/CSU]: Ein bisschen
Geld kann auch nicht schaden!)
Es ist wirklich sehr billig und sehr einfach, immer mehr Geld zu
fordern. Wir gehen den Weg der Reduzierung der Betriebskosten und des
sozialverträglichen Personalabbaus über eine lange Zeitschiene, also nicht
mit der Rasenmähermethode. Dies wird neue Spielräume für Investitionen eröffnen.
Eine wichtige Säule bei der Schaffung dieser Spielräume, Herr Austermann,
ist es in der Tat, die Verzahnung der Fähigkeiten der Wirtschaft mit denen
der Soldaten zu verbessern. Ich gebe ja zu, dass wir uns das leichter
vorgestellt haben. Das liegt auch an den Gesetzen. Vielleicht sollten wir,
statt darüber zu jammern, miteinander darüber nachdenken, wie die Gesetze
vom Parlament verändert werden können, wenn sie mehr hemmen als helfen;
denn diese sind ja nicht vom Himmel gefallen.
Es hat aber auch etwas mit Köpfen zu tun, nämlich mit den Frauen und Männern
auch in der Wehrverwaltung, die glauben, sie müssten Barrieren aufbauen, um
ihren Gemüsegarten und ihre Interessen möglichst zu wahren.
Jetzt kommt das eigentlich Problematische, Herr Austermann. Mein
Eindruck ist – ich habe die Entwicklung der GEBB in den letzten Jahren
sehr genau verfolgt –, dass Sie und Teile Ihrer Fraktion mit dem Beharren
im Ministerium in der Frage „Wie blockieren wir diesen Fortschritt?“ über
Bande spielen. Sie sind Partner dieser Blockierer. Das ist nicht in Ordnung.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN – Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Wir sind doch gar nicht an
der Regierung! Was soll denn das? Wer regiert denn hier?)
Wir wollen diesen Prozess weiterführen, weil die Streitkräfte ihn
brauchen. Wir tun dies nicht nur, um Geld einzusparen; es hat auch etwas mit
der Qualität der Arbeit zu tun.
Als ich eben hierher gelaufen bin, stand ein großes Auto des
Flottenmanagements vor der Tür. Sie haben uns Fahrzeuge überlassen, deren
LKWs ein Durchschnittsalter von 16 Jahren hatten. Der Wagen der
Soldaten, der heute vor der Reichstagstüre steht, ist nagelneu. Diese Kooperation mit der Wirtschaft in diesem Bereich ist ein
Erfolgsmodell.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN)
Ich denke, wir sollten im Bereich der Streitkräfte eines, was Sie hier
die ganze Woche bei den anderen Haushaltstiteln praktiziert haben, nicht
tun, nämlich dieses Land und seine Fähigkeiten strukturell in Gänze
schlechtreden. Wir werden den Weg der Modernisierung
der Bundeswehr weitergehen. Wir wissen: Die Truppe ist gut ausgebildet.
Sie ist gut motiviert. Was gibt es für einen besseren Beweis als die
Anerkennung unserer Partnerländer? Wo immer deutsche Soldaten im Einsatz
sind, hören wir: Sie leisten hervorragende Arbeit. Deshalb kann es nicht
sein, dass die Bundeswehr so schlecht dran ist, wie die Opposition uns hier
einzureden versucht. Nein, sie ist gut dran und sie wird noch besser werden,
wenn wir die Reform entschlossen weitertreiben.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächster
Redner ist der Kollege Bernd Siebert, CDU/ CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Bernd Siebert (CDU/CSU):
Frau
Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Arnold, Sie sind
mir im Verteidigungsausschuss bisher eigentlich als ein sachlicher und
kompetenter Kollege aufgefallen.
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Was? Was? – Lothar
Mark [SPD]: Das hat er eben wieder bewiesen!)
Aber was
Sie heute hier vorgetragen haben, ist nichts anderes als der Versuch, etwas
schönzureden.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Wenn Sie
darstellen, dass es unseren Soldaten bei ihren internationalen Einsätzen im
Moment im Grunde genommen an nichts fehle, dann ist das in der Tat nichts
anderes als schönreden; ich komme in meiner Rede darauf zurück.
In Ihrer Haushaltsrede vom 10. September 2003 sprachen Sie, Herr
Minister Struck, von einem Etat-Ansatz von 24,4 Milliarden Euro.
Ihre Worte waren:
Dass das praktisch weniger bedeutet als im Vorjahr, muss mir
niemand erzählen. Das hängt mit der Erhöhung der Besoldung und dem
Anstieg der Preise zusammen.
Dies
bezeichnen Sie als den Beitrag des
Bundesverteidigungsministeriums zur Konsolidierung des Gesamthaushaltes. Sie
wiesen stolz auf eine Verstetigung
hin. Auch heute sprachen Sie wieder von 24,4 Milliarden Euro im
Jahre 2003, 24,4 Milliarden Euro sollten es 2004 sein,
ebenfalls 24,4 Milliarden Euro im Jahre 2005.
Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube! Ihr persönliches
Ansehen, Herr Struck, ist zwar im Gegensatz zu dem Ihres Vorgängers
Scharping deutlich höher – sowohl hier im Bundestag als auch in der
Truppe –; das hängt sicherlich mit Ihrer Art, persönlichen Umgang zu
pflegen, zusammen.
Aber die zählbaren Ergebnisse sind noch magerer: Heute wollen Sie einen
Einzelplan 14 beschließen lassen, in dem nur noch 23,8 Milliarden Euro
vorgesehen sind. Über eine halbe Milliarde Euro weniger – ist das Ihre
Interpretation von Verstetigung? Diese Reduzierung bedeutet jedenfalls zusätzliche
drastische Einschnitte für die Bundeswehr. Mit diesem – jetzt auch
nominal – sinkenden Etat wird die Unterfinanzierung der Bundeswehr weiter verschärft. Zur Auftragserfüllung,
zur Wahrnehmung unserer internationalen Verpflichtungen im Rahmen der NATO
und der EU-Eingreiftruppe sowie zur Modernisierung und Rationalisierung der
Bundeswehr ist aber eine substanzielle Steigerung des Verteidigungsetats
dringend notwendig.
Nichts kann die von Rot-Grün erzeugte desolate Finanzlage im Einzelplan 14
besser beschreiben als die Worte eines führenden Generals:
Die erhofften Einsparungen der erst kürzlich beschlossenen
Reduzierung auf 250 000 Mann sind inzwischen einer globalen
Minderausgabe zum Opfer gefallen.
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wird die Reduzierung auf 200 000
bis 220 000 Soldaten, die der Kollege Bonde eben vorgetragen hat, genau
diese Lücke wieder auffüllen? Wird das die Frage sein, mit der wir uns in
den nächsten Monaten auseinander zu setzen haben? Wir werden es sehen.
In dieser misslichen Ausgangslage haben Sie sich zu einem radikalen Umbau
unserer Streitkräfte entschlossen, Herr Minister: weg von der
Landesverteidigung hin zu einer flexiblen Bundeswehr, die weltweit
einsetzbar sein soll. Allerdings stellt Rot-Grün immer weniger Mittel zur
Verfügung, einerseits für die Reformen, andererseits für die zusätzlichen
Einsätze, und erzeugt damit einen enormen Druck auf die Streitkräfte, ja
auf jeden einzelnen Soldaten. Gleichzeitig bauen Sie Personal ab, stellen
nur noch begrenzte Mittel für die Materialbeschaffung und für Forschung
und Entwicklung zur Verfügung und nehmen die Mittel für Materialerhaltung
und Betriebskosten zurück. Und trotzdem erhöhen Sie kontinuierlich die
Aufgaben, insbesondere durch die zahlreichen Einsätze im Ausland.
In der Hauptsache ist es dem besonderen Engagement unserer Soldatinnen
und Soldaten zu verdanken, dass sie den Aufgaben, die sie im Rahmen internationaler
Friedenssicherung zunehmend übernehmen müssen, gerecht werden können.
Dafür gebührt allen besonderer Dank. Unsere Soldatinnen und Soldaten haben
durch ihr persönliches Verhalten im Einsatzland auch das Ansehen der
Deutschen insgesamt erhöht. Auch dafür gilt ihnen unserer besonderer Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Es ist und bleibt aber die Pflicht von uns allen, insbesondere der
Bundesregierung, für eine optimale Ausstattung
der Truppe im Einsatz Sorge zu tragen. Ich will nicht verhehlen, dass
diese Bundesregierung dieser Pflicht nicht ausreichend nachkommt. Kaum haben
Sie sich zur Reform der Reform entschlossen, kommt Ihr Finanzminister und
nimmt Ihnen den gewonnenen finanziellen Spielraum wieder ab. Sie müssen
Einsparungen durchführen, die für die Truppe kaum noch verkraftbar sind,
und die finanzielle Luft, die Sie atmen, lässt Sie zum Asthmatiker werden.
Es wird gestreckt, es wird geschoben, es wird gestrichen.
Wie hat mir vor kurzem einer Ihrer Generäle gesagt? „Das nennt man
eine Armee kaputtsparen.“ Recht hat er, denn Ihre Politik stellt die
Bundeswehr infrage, stellt die Wehrpflicht infrage und stellt die persönliche
Leistungsfähigkeit eines jeden einzelnen Soldaten der Streitkräfte
infrage.
(Beifall bei der CDU/CSU – Gernot Erler [SPD]: Da
kann man doch nicht klatschen!)
Viele Waffensysteme, Panzer, Flugzeuge und Schiffe der Bundeswehr sind
mehr als 20 Jahre alt.
(Lothar Mark [SPD]: Warum wohl? – Gegenruf des Abg.
Dietrich Austermann [CDU/ CSU]: Weil keine neuen gekauft worden sind!)
So sind
beim Heer beispielsweise mehr als zwei Drittel der gepanzerten Fahrzeuge älter
als 30 Jahre.
(Lothar Mark [SPD]: Das kann aber nicht alles aus den letzten
fünf Jahren stammen!)
– Vieles
hätten Sie in den letzten fünf Jahren anpacken können. Wir haben in den
letzten Jahren viele Anträge gestellt, die Sie alle pauschal abgelehnt
haben.
Nicht nur für dieses Material
ist Ersatz zu beschaffen. Der Mannschaftstransporter BOXER, der Hubschrauber
TIGER, U-Boote, der Hubschrauber NH-90, der Schützenpanzer Puma, der A400M,
aber auch Material wie zum Beispiel Funkgeräte, Führungs- und
Einsatzsysteme, Computertechnik und vieles mehr müssen neu beschafft
werden.
Die verteidigungsinvestiven Ausgaben belaufen sich auf 24,6 Prozent
des Gesamtetats. Für den Kern, nämlich die militärischen Beschaffungen,
stehen inzwischen weniger als 4 Milliarden Euro zur Verfügung.
Diese knapp 4 Milliarden Euro sind jedoch durch bereits abgeschlossene
Verträge weitgehend gebunden, sodass kein Raum mehr bleibt, um neue
Projekte anzustoßen.
(Lothar Mark [SPD]: Nachrüstung beim Eurofighter!)
Als
Beispiel sei hier der eben schon diskutierte Transporthubschrauber CH-53 zu
nennen, der in der Tat nachgerüstet werden muss. Aber warum ist er denn
jetzt in der Nachrüstung? Weil Sie nichts getan haben und erst nach dem
Absturz des Hubschraubers in Kabul auf unsere Anträge und Forderungen
entsprechend reagiert haben.
Kommen wir auf einen Bereich zu sprechen, der mir ganz besonders am
Herzen liegt. Das ist der Schutz der
Soldaten. Der Überlebensfähigkeit und dem Schutz unserer Soldaten im
Einsatz muss die höchste Bedeutung zukommen. Da gibt es keine Kompromisse.
Der bestmögliche Schutz ist das, was wir für unsere Soldaten im Einsatz
tun können und tun müssen. An dieser Stelle zu sparen ist
unverantwortlich.
Deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass jeder Soldat über eine
bestmögliche persönliche Ausstattung verfügt, die ihn weitestgehend vor
den auftretenden Gefahren schützen kann. Dabei müssen wir aber auch immer
bedenken, dass es einen hundertprozentigen Schutz natürlich nicht geben
kann. Deshalb sind für den persönlichen Schutz der Soldaten die Projekte
„Soldat im Einsatz“ und „Infanterist der Zukunft“ zu beschleunigen,
wo immer es nur geht.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Die
Finanzierung einzelner Systeme fällt zwar unter den einsatzbedingten
Sofortbedarf; aber in wesentlichen Teilen steht die Verwirklichung der
Projekte leider erst gegen Ende dieses Jahrzehnts an.
Die im Einsatz gemachten Erfahrungen zeigen, wie wichtig es ist, den
Soldaten für den Transport von Menschen und Gütern geschützte Fahrzeuge bereitzustellen. Auch hier möchte ich auf den
Terroranschlag auf den Bus, der von Kabul zum Flugplatz fuhr, hinweisen. Von
besonderer Bedeutung sind dabei der Schutz vor Minen, ein Rundumschutz gegen
Splitter und ein Schutz gegen den Beschuss mit Handwaffen. Der neue Schützenpanzer
Puma und das gepanzerte Transportkraftfahrzeug GTK Boxer würden diese
Schutzanforderungen erfüllen. Aber, Herr Arnold, wie das halt so ist: Es
dauert noch Jahre – das haben Sie selbst vorhin formuliert –, bis dies
Realität geworden ist.
Herr Minister, uns ist allen klar, dass wir uns in einer allgemein sehr
schwierigen, ja krisenhaften Finanzlage befinden, die diese Regierung
verursacht hat.
(Lothar Mark [SPD]: Was sagen Sie zu den Schulden, die in 16
Jahren Kohl angehäuft wurden?)
Uns ist
auch klar, dass der Verteidigungsetat seinen Beitrag zur Konsolidierung der
Staatsfinanzen beisteuern muss. Allerdings müssen die Kürzungen
verantwortbar sein und es muss wieder eine Perspektive für den
Verteidigungsetat geben. Mit dem von Ihnen, Herr Minister, zu vertretenden
Haushaltsentwurf ist die Bundeswehr nicht zukunftsfähig.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU und der FDP)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Nächster
Redner ist der Kollege Winfried Nachtwei, Bündnis 90/Die Grünen.
Winfried Nachtwei(BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):
Frau
Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! In diesem Jahr gibt die
Bundesrepublik Deutschland für Auslandseinsätze
der Bundeswehr 1,4 Milliarden Euro aus. Das sind teure, aber dringend
notwendige Investitionen in direkte Gewaltverhütung. Sie nutzen unmittelbar
auch europäischer und deutscher Sicherheit.
Zugleich können wir aber immer wieder feststellen, dass im Zusammenhang
mit den Auslandseinsätzen bestimmte Bedenken, die weit verbreitet sind, geäußert
werden. Erstens. Es wird gesehen, dass es relativ wenig Mühe macht, einen
Auslandseinsatz zu beschließen. Aber sie alle scheinen endlos zu dauern.
Zweitens. Es gibt die Behauptung – sie wurde auch von dem Kollegen Siebert
aufgenommen –, der Bundeswehr würden immer mehr Einsätze und immer mehr
Aufgaben aufgebürdet.
(Bernd Siebert [CDU/CSU]: Richtig!)
Wie
sieht die Realität aus? Ich will jetzt nur auf die so genannten älteren
Einsatzgebiete schauen. In Mazedonien hat die Bundeswehr im Rahmen der NATO
vor etwas mehr als zwei Jahren einen Einsatz begonnen, der damals ziemlich
umstritten war. Dieser Einsatz wird im Dezember aufhören und in eine
Polizeimission überführt werden. 1996 gab es in Bosnien-Herzegowina 60 000
NATO-Soldaten. In diesem Jahr sind es nur noch 12 000 Soldaten und im nächsten
Jahr soll die Zahl der Soldaten auf 7 000 gesenkt werden. Vor einem
Jahr standen im Kosovo noch 29 000 KFOR-Soldaten, darunter waren
ungefähr 6 000 Soldaten der Bundeswehr. In diesen Monaten sind es
noch 17 500 Soldaten, darunter 3 600 Soldaten der
Bundeswehr. Es gibt also eine enorme Reduzierung der Zahl der Soldaten bei
Auslandseinsätzen.
Aber gerade angesichts der Situation im Kosovo muss deutlich werden,
dass hier im kommenden Jahr eine weitere Reduzierung wahrscheinlich nicht zu
verantworten ist, weil sich die politische Grundstimmung in dieser Region
deutlich zuspitzt.
Zusammengefasst zu diesen kurzen Angaben: Je rechtzeitiger eine
stabilisierende Politik und Stabilisierungsoperationen eingeleitet werden,
desto kürzer kann ein solcher Einsatz sein. Die Stabilisierungseinsätze
der Bundeswehr sind im internationalen Vergleich besonders verlässlich und
besonders wirksam. Nach der Schwarzmalerei aus den Reihen der Opposition
kann ich schließlich nur betonen: Für diese Auslandseinsätze stehen
zweifelsfrei genügend Mittel zur Verfügung. Das war immer so und das
bleibt so.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNIS-
SES 90/DIE GRÜNEN und der SPD)
Im vorliegenden Haushalt ist die Relation zwischen Betriebsausgaben und
Investitionen weiterhin unbefriedigend. Im Unterschied zu früheren Jahren
werden allerdings nun große Schritte gemacht, um die Aufgaben, die
Strukturen, die Ausrüstung und die Mittel der Bundeswehr in ein
ausgewogenes Verhältnis zu bringen. Mit seiner Weisung
vom 1. Oktober dieses Jahres hat Minister Struck die überfällige
Transformation der Bundeswehr angestoßen: die Differenzierung nach
Eingreif- und Stabilisierungskräften, die nach den Erfahrungen mit
Auslandseinsätzen sehr sinnvoll zu sein scheint, die uneingeschränkte Überprüfung
der Beschaffungsvorhaben und die Ausrichtung des Stationierungskonzepts
allein an militärischen und betriebswirtschaftlichen Kriterien. Ausdrücklich
richtig ist die Stärkung der Freiwilligkeit im neuen Reservistenkonzept.
Die kommende Auswahlwehrpflicht verstehen wir eindeutig als Vorstufe zu
einer Freiwilligenarmee, mit der Personal und Ressourcen viel effizienter
eingesetzt werden könnten, als dies heute der Fall ist.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sowie bei Abgeordneten
der SPD)
Gegen diese Reformschritte artikulieren sich in den Teilstreitkräften
und auch an den Standorten Partikularinteressen; das ist verständlich und
legitim. Aber solche Partikularinteressen dürfen die notwendige
Transformation der Bundeswehr nicht blockieren. Dass dies nicht passiert,
dafür tragen wir alle, die wir in einem erheblichen Maße auch
Wahlkreisabgeordnete sind, ein großes Stück an Mitverantwortung.
Danke schön.
(Beifall beim BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und bei der SPD)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Das
Wort hat der Kollege Hans Raidel, CDU/CSU-Fraktion.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Hans Raidel
Frau
Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Am 10. September hatten
wir hier den Haushaltsetat in erster Lesung zu beraten. Wir haben ihn damals
abgelehnt, weil er verfassungswidrig war. Heute beraten wir wieder einen
Etat. Wir lehnen ihn wieder ab, weil er wieder keine ausreichende
Finanzierungsgrundlage für die Bundeswehr enthält. Im Gegenteil: Der Etat
wird von Eichel geplündert und auf 23,8 Milliarden Euro abgesenkt.
(Dr. Karl A. Lamers [Heidelberg] [CDU/ CSU]: Unglaublich!)
Trotz
aller Beteuerungen und Versprechungen: Der Bundeskanzler und der
Finanzminister haben wieder nicht Wort gehalten und Sie, Herr Minister
Struck, ausgetrickst; so empfinde zumindest ich das.
Angesichts der Sicherheitslage und den damit verbundenen
Herausforderungen und Belastungen der Bundeswehr ist dieser Etat
eigentlich eine reine Provokation. Er ist ein rein betriebswirtschaftlicher
Abwicklungsplan ohne Perspektiven für die Zukunft. Angestrebte
Rationalisierungsgewinne treten erst gar nicht ein oder werden durch
Tarifsteigerungen und Besoldungserhöhungen aufgezehrt. Die beabsichtigte
Erhöhung der Investitionsquote findet nicht statt. Steigende Kosten für
Auslandseinsätze beweisen dies augenfällig.
Angesichts der Herausforderungen im Hinblick auf unsere Sicherheit und
angesichts unserer Verpflichtungen in der EU, in der NATO, in der WEU, in
der OSZE und in der UNO ist dieser Etat ein Dokument der Unzulänglichkeit.
Die wichtigsten Beweise dafür sind die mittelfristige Finanzplanung und die Ausrüstungsplanung. Für
dringende Beschaffungsvorhaben, insbesondere beim Heer, bei der Marine, für
die Aufklärung, die Luftverteidigung sowie für IT-Fähigkeit, ist
keinerlei ausreichende Finanzvorsorge getroffen. Die Ausrüstungsplanung glänzt
mehr durch leere Stellen als durch schwarze Zahlen für dringend benötigte
Modernisierungsprojekte.
Die Realität ist traurig. Sonst könnte man ja sarkastisch formulieren:
Der Mut zur Lücke prägt die Zukunft der Bundeswehr. Strecken, Schieben und
Streichen bleiben das Hauptthema. Die mittelfristige Finanzplanung ist
eigentlich ein jämmerliches Zeugnis für Stillstand und Rückschritt. Ich
meine, wer bei der Sicherheit spart, begibt sich auf einen gefährlichen
Holzweg.
(Dr. Karl A. Lamers [Heidelberg] [CDU/ CSU]: So ist es!)
Quo vadis, Bundeswehr? Der Verteidigungsminister will aus der Not eine
Tugend machen. Er zieht die Notbremse. Die Reform der Reform wird als
Befreiungsschlag angekündigt. Ohne die notwendige Sicherheitsanalyse, ohne
Beachtung der deutschen internationalen Verpflichtungen und ohne Vorlage
einer zukünftigen Konzeption der Bundeswehr durch den Generalinspekteur
wird der Streitkräfteumfang willkürlich auf 250 000 festgesetzt. Er folgt
damit ausschließlich dem Finanzdiktat des Finanzministers. Billigend wird
dabei die Gefährdung der Wehrpflicht in Kauf genommen; denn die
Abschmelzung des Personals erfolgt fast ausschließlich zulasten der
Wehrdienstplätze.
Die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten müsste eher auf 200 000
aufwachsen, um die Nachhaltigkeit und Durchhaltefähigkeit der Bundeswehr
nicht zu gefährden. Die dringend notwendige weitere Verbesserung der
Attraktivität als Voraussetzung für eine gute Personalgewinnung droht auf
der Strecke zu bleiben. Mit diesem Vorgehen provozieren Sie, Herr Minister,
neue Spekulationen über Standortschließungen.
Über 100 Standorte stehen auf der Kippe. Das Wort vom Kahlschlag macht die
Runde. Die Bundeswehr verschwindet weiter aus der Fläche und wird bürgerferner.
Innerhalb von fünf Jahren hätte Rot-Grün damit ein Drittel aller
Standorte aufgelöst. Eines ist offensichtlich: Bei dieser Behandlung leidet
der Patient Bundeswehr an galoppierender Schwindsucht. Wirtschaftlichkeit
muss dort ihre Grenze haben, wo, entsprechend der Gesamtschau, der Auftrag
gefährdet ist oder nicht mehr in der nötigen Qualität erfüllt werden
kann.
Das Dilemma setzt sich bei der wehrtechnischen
Industrie fort. Fehlende Forschungs-, Entwicklungs- und
Beschaffungsmittel beschleunigen den Ausverkauf dieser für unser Land und
seine Innovationsfähigkeit so wichtigen Hightechbranche. Wer die Branche
nicht durch Aufträge werthaltig und fit macht, darf sich über den
Niedergang nicht wundern. Der enge Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und
Sicherheitspolitik ist doch offenkundig. Wer nicht bereit ist, einen
angemessenen Beitrag zur Sicherheit Europas und damit zur eigenen Sicherheit
zu leisten, steigt in die zweite Liga ab.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Frankreich
und Großbritannien machen uns vor, wie man oben bleibt.
Meine Damen und Herren, der Struktur- und Aufgabenwandel der Bundeswehr
muss in ein außen- und sicherheitspolitisches Gesamtkonzept eingebunden sein. Auslandseinsätze setzen Begründungen,
Konzepte und Ressourcen voraus. Da die Grenzen zwischen innerer und äußerer
Sicherheit ihre Konturen verlieren, brauchen wir ein System integrierter
Sicherheit, in dem sich die Kräfte für innere und äußere Sicherheit
wirksam ergänzen.
Damit die Bundeswehr dazu fähig ist, brauchen wir eine
Neustrukturierung der Bundeswehr, ein langfristig tragfähiges Finanzkonzept
und eine Finanzbasis, die den Aufbau einer modernen einsatz- und bündnisfähigen
Armee erlaubt. Ohne hinreichende Finanzausstattung werden Absichtserklärungen
zur Sicherheits- und Verteidigungspolitik, zum Aufbau einer europäischen
Verteidigung und zur Stärkung der NATO immer nur Worthülsen bleiben. Die
Reform unserer Streitkräfte darf nicht nach Sparvorgaben des
Bundesfinanzministers, sondern sie muss nach sicherheitspolitischen
Notwendigkeiten gestaltet werden.
(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der FDP)
Nach
meiner Auffassung sollten für eine moderne Bundeswehr ein Aufgaben- und
Organisationsgesetz sowie ein Besoldungsgesetz geschaffen werden. Das
jetzige Entsendegesetz kann meiner Meinung nach nur ein erster Schritt sein.
Kurzfristig wäre vielleicht auch ein Programmgesetz hilfreich.
Die Schaffung von Sicherheit nach innen und außen müssen wir als
gesamtgesellschaftliche Aufgabe ansehen. Nur so kann Akzeptanz in der Bevölkerung
sichergestellt werden. Diese gewaltige Aufgabe erfordert eine Strategie für
die Verteidigung insgesamt. Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik braucht
mehr denn je Visionen, denen dann Taten folgen müssen. Wir können uns es
nicht leisten, wie es derzeit geschieht, eine Auszeit zu nehmen. Deswegen
lautet meine Bitte, Herr Minister – das bieten wir Ihnen von CDU/CSU
an –, gemeinsam ein wirklich tragfähiges Sicherheitskonzept zu erarbeiten. Voraussetzung dafür muss aber
sein, dass diese Regierung bereit ist, die Ressourcen, sprich: das Geld, zur
Verfügung zu stellen.
(Beifall bei der CDU/CSU)
Trotz aller Gegensätze in den Ansichten möchte ich an dieser Stelle
Dank sagen: Ich danke unserer Bundeswehr und unseren Soldaten. Ich erkenne
aber auch das Bemühen des Hauses an, obwohl es in vielen Bereichen absolute
Unzulänglichkeiten aufweist.
Damit Sie sehen, wie ernst ich das meine, habe ich für Sie, Herr
Minister, ein Kochbuch aus meiner schwäbischen Heimat mitgebracht, das den
Titel trägt: „Guet ond Gsond“. Ich hoffe, dass Sie auch für die
Bundeswehr die richtigen Rezepte finden werden.
Herzlichen Dank.
(Beifall bei der CDU/CSU – Abg. Hans Raidel [CDU/CSU] überreicht
Bundesminister Dr. Peter Struck das Kochbuch)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Das
Wort hat der Herr Bundesminister der Verteidigung, Dr. Peter Struck.
Dr. Peter Struck,
Bundesminister der
Verteidigung:
Frau
Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Erlauben Sie mir, dass
ich zunächst ein Wort an den Kollegen Christian Schmidt richte. Ich freue
mich sehr, dass Sie nach dieser schwierigen Zeit wieder unter uns sind. Der
Beitrag, den Sie geleistet haben und der eher nicht in eine traditionelle
Haushaltsdebatte passte, in der es scharf gegeneinander geht, war für mich
eine Hilfe. Sie haben angeregt, dass wir einmal grundsätzlich über die
Aufgaben der Bundeswehr und über die Sicherheitspolitik unseres Landes, und
zwar eingebettet in die Sicherheitspolitiken der anderen europäischen Länder,
diskutieren sollten. Diese Anregungen greife ich gerne auf. Auch Dietrich
Austermann hat das angesprochen.
In dieser Zeit wird viel über die Auslandseinsätze
der Bundeswehr diskutiert und vielfach festgestellt, dass sie dadurch stark
gefordert ist. Angesichts dessen müssten wir intern und in diesem Parlament
auch einmal sehr intensiv über den Sinn der Auslandseinsätze nachdenken
und darüber, unter welchen Bedingungen wir noch weitere Auslandseinsätze
annehmen können oder ab wann das nicht mehr geht. Ganz intensiv müssen wir
auch da-rüber sprechen, wie die Bundeswehr in zwei Jahren, in fünf Jahren
oder in zehn Jahren aussehen soll.
Die Vorhaben, die ich auf den Weg gebracht habe, beziehen sich auf das
Jahr 2010. Schließlich wäre es viel zu kurzfristig, nur mit Blick auf
das nächste Haushaltsjahr zu planen. Dass man im Jahr 2010 mit 250 000
Soldaten auskommen wird, ist meine feste Überzeugung. Diesen Vorschlag
habe ich übernommen. Ich wehre mich gegen die Unterstellung, die von Herrn
Kollegen Austermann und anderen Rednern in dieser Debatte zu hören war,
diese Zahl stimme nicht, sie werde noch niedriger sein. Unser Ziel ist eine
Bundeswehr mit einem Umfang von 250 000 Soldaten. Dieses Ziel
werden wir bis zum Jahr 2010 verwirklichen.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN)
Wir werden diese Bundeswehr natürlich entsprechend den neuen Aufgaben
ausstatten. Die Opposition hat heute aufgezählt, was alles fehlt, und hat
uns vorgeworfen, dass viel zu wenig Geld eingeplant sei; vielleicht hätte
ich das auch getan, wenn ich Oppositionspolitiker wäre. Aber egal wie oft
Sie das wiederholen, mehr Geld gibt es trotzdem nicht. Das wissen Sie ganz
genau. Vor diesem Hintergrund passen aber zwei Forderungen nicht zusammen.
Dann passt es nicht zusammen, uns zu sagen, wir müssten im Einzelplan 14,
im Einzelplan 5 oder anderswo mehr etatisieren, während Sie gleichzeitig
zusätzlich 6 Milliarden Euro im nächsten Haushaltsjahr einsparen
wollen. Das passt nun ganz und gar nicht.
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Herr
Minister, gestatten Sie eine Zwischenfrage des Kollegen Nolting?
Dr. Peter Struck, Bundesminister der
Verteidigung:
Nein,
ich bin gerade im Fluss. Sie sind später dran, Herr Nolting. – In unserem
Haushalt zusätzlich 6 Milliarden Euro zu sparen würde natürlich
an die Substanz gehen.
Ich will Ihnen etwas sagen – Hans Raidel hat es auch angesprochen –:
In der ersten Lesung des Haushalts in diesem Haus habe ich davon gesprochen,
dass unser Haushalt durch die
Preissteigerungsrate sowie durch die Entwicklung der Löhne und Gehälter
faktisch reduziert ist. Zu diesem Zeitpunkt war über eine globale
Minderausgabe noch nicht entschieden. Ich will Ihnen nicht verschweigen: Ich
stehe in der Solidarität und Loyalität des Kabinetts. Wenn es erforderlich
ist, dass in jedem Haushalt ein Beitrag erbracht wird, um die
Rentenversicherungsbeiträge stabil zu halten, dann will und werde ich mich
nicht ausschließen – so bitter das für unseren Haushalt auch ist.
Ich will zu einigen Anmerkungen der Opposition etwas sagen, wobei ich
der Meinung bin, dass Sie mich eigentlich ordentlich behandelt haben. Ich
bin von Ihnen sogar – völlig zu Recht – gelobt worden.
(Lachen bei der CDU/CSU)
Ich will
jetzt aber doch noch einige kritische Anmerkungen aufgreifen.
Dietrich Austermann hat davon gesprochen, wir befänden uns in der Zange
der Beschaffungsmaßnahmen. Das
will ich nicht bestreiten. Ich darf aber mit aller Freundlichkeit darauf
hinweisen, dass wir Beschaffungsmaßnahmen übernommen haben, die Sie uns
eingebrockt haben. Sie haben einen Eurofighter auf den Weg gebracht, der ein
reines Segelflugzeug ohne Bewaffnung und dergleichen mehr gewesen wäre.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Ich muss
jetzt für die Bewaffnung sorgen. Sie wissen das ja.
Daneben geht es um den Schutz
der Soldatinnen und Soldaten im Ausland. Ich versichere Ihnen: Wir tun alles
Menschenmögliche, um die persönliche Sicherheit der Soldatinnen und
Soldaten im Ausland zu gewährleisten. Zu Recht hat der Kollege Siebert aber
auf eines hingewiesen: Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz,
(Kurt J. Rossmanith [CDU/CSU]: Das weiß doch jeder!)
da können
Sie noch so dicke Panzerfahrzeuge und noch so dick gepanzerte Hubschrauber
oder was auch immer nehmen. Ich mache mi,r immer Sorgen, wenn es solche
Situationen wie zurzeit in Afghanistan gibt, wo man ganz gewiss nicht von
Stabilität, sondern immer nur von relativer Stabilität sprechen kann.
Seien Sie sich aber sicher: Das, was nach unserem menschlichen Ermessen
erforderlich ist, wird den Soldatinnen und Soldaten zur Verfügung gestellt.
Hier gibt es überhaupt keine Abstriche.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Herr Austermann hat das Betreiben des Gefechtsübungszentrums angesprochen. Ich weise darauf hin, dass der
Haushaltsausschuss das Bundesministerium der Verteidigung verpflichtet hat,
diese Leistung auszuschreiben; das ist erfolgt. Es gab eine Ausschreibung
und es hat nicht dasjenige Unternehmen gewonnen, das das Gefechtsübungszentrum
bisher betrieben hat. Wir haben dem preiswerteren und wirtschaftlich günstigeren
Unternehmen das Angebot erteilt. Was soll ich denn anderes tun? Da ich 14 Millionen Euro
sparen kann, erwarten Sie von mir doch zu Recht, dass ich dies tue. Nur weil
der alte Anbieter überall bei Ihnen antichambriert hat – das weiß ich
doch –, kann ich ihn doch nicht nehmen.
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Ich habe mich nicht für den
alten eingesetzt!)
– So,
wie Sie die Briefe kennen, die ich erhalte, weiß auch ich ganz genau, wer
bei wem war und wer bei Ihnen sitzt. Glauben Sie mir, ich weiß das.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN – Günther
Friedrich Nolting [FDP]: Jetzt sollte Zeit für meine Zwischenfrage sein!)
Sie
sollten jetzt nicht schlecht über das schwierige Projekt Herkules
reden, das auf einem guten Weg ist. In diesen Tagen finden die letzten
Besprechungen statt. Ich möchte der Kollegin Leonhard und auch Alexander
Bonde Recht geben: Es ist richtig – ich würde das auch nicht anders
machen –, dass sich der Haushaltsausschuss die Einflussnahme auf die
Entwicklung dieses Projektes über das Instrument der Sperre vorbehält. Es
ist ein großes Projekt, das viele Milliarden Euro kostet, und es ist
ein gutes Projekt. Wir müssen modernisieren; denn wir wollen mit unseren
Partnernationen kompatibel werden. Es ist, dessen können Sie sicher sein,
auf einem guten Wege.
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Herr
Minister, ist die Zeit für die Zwischenfrage des Kollegen Nolting jetzt
reif?
(Heiterkeit)
Dr. Peter Struck, Bundesminister der
Verteidigung:
Ich
habe ihn ganz vergessen. Ja, bitte.
Günther Friedrich Nolting (FDP):
Herr
Minister, können Sie uns sagen, woher Sie wissen, wer wann mit wem wo
spricht?
Dr. Peter Struck,Bundesminister der
Verteidigung:
War
das die Frage?
(Günther Friedrich Nolting [FDP]: Das war die Frage!)
Ich kann
Ihnen das mitteilen, weil diejenigen, die bei Ihnen antichambrieren, auch
bei uns antichambrieren und sagen, wo sie schon gewesen sind. So einfach ist
das.
(Heiterkeit)
Zusatzfrage?
Günther Friedrich Nolting (FDP):
Ich
komme jetzt auf die Frage zurück, die ich eingangs stellen wollte. Herr
Minister, Sie sprechen von 250 000 Soldaten und Soldatinnen. Ihr
Koalitionspartner hat heute erklärt, Sie träten für 200 000 bis 220 000 Soldaten
ein. Wie können Sie diese beiden Aussagen in Einklang bringen?
Dr. Peter Struck, Bundesminister der
Verteidigung:
Sie
geben mir die Gelegenheit, auf dieses Thema noch einmal einzugehen. Ich wäre
aber sowieso darauf zu sprechen gekommen. Das dauert jetzt ein bisschen länger,
Sie müssen nicht warten, Herr Nolting.
(Günther Friedrich Nolting [FDP]: Das war aber nicht
abgesprochen!)
Ich halte es nach wie vor für falsch – das will ich noch einmal
betonen –, zu sagen: Eine Berufsarmee von 200 000 Soldatinnen
und Soldaten gewährleistet unsere Sicherheit und lässt uns unsere
Auslandsverpflichtungen erfüllen. Das wird nicht möglich sein.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten der CDU/CSU)
Ich halte
es auch aus anderen Gründen für richtig, an der Wehrpflicht festzuhalten. Ich weiß, dass andere eine andere
Auffassung haben. Das muss dann geklärt werden. Auf dem Parteitag meiner
Partei in der letzten Woche ist darüber debattiert worden. Wir werden im nächsten
Jahr dazu eine Konferenz veranstalten. Dann wird die SPD dazu ihre Meinung
im Jahre 2005 zu bilden haben. Das entspricht auch der
Koalitionsvereinbarung, dass wir darüber entscheiden müssen. Meine persönliche
Meinung ist klar. Ich bin dankbar, dass es auch in der CDU/ CSU Stimmen für
die Beibehaltung der Wehrpflicht gibt.
Sie aber hatten nach der Größenordnung gefragt. Mit 200 000 Soldatinnen
und Soldaten können nicht die Aufgaben erfüllt werden, die erfüllt werden
müssen. Wenn sich ein bestimmtes Kontingent im Ausland befindet, dann muss
sich das Nachfolgekontingent in der Reserve bereithalten. Dann muss das
Kontingent, das gerade im Ausland gewesen war, in Aus- und Fortbildungen
geschickt werden. Das passt nicht zusammen. Aber das können wir in aller
Ruhe diskutieren. Ich habe keine Angst vor der Debatte, Sie sicher auch
nicht. Dann wird man darüber entscheiden können.
Ich möchte die Zahl von 250 000 im Zusammenhang mit dem Stichwort
„Standortkahlschlag“ aufgreifen. Was verlangen Sie eigentlich von mir?
Damit meine ich auch Sie, Frau Daub. Sie verlangen von mir, dass ich Aufträge
an die wehrtechnische Industrie
vergebe, damit sie nicht kaputtgeht. Das tue ich auch. Aber ich gebe der
wehrtechnischen Industrie keine Aufträge für Material, das ich nicht
brauche. Das mache ich nicht.
(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES
90/DIE GRÜNEN)
Dann hätte
ich Sie oder den Bundesrechnungshof mit der Frage auf dem Hals: Wofür hat
der Minister das in Auftrag gegeben?
Was verlangen Sie noch von mir? Sie verlangen von mir, dass ich Standorte
aufrechterhalte. Wenn die Zahl von 285 000 geplanten Soldaten auf 250 000 Soldaten
reduziert wird, wenn wir die Zahl von 85 000 bis 90 000 Zivilbeschäftigten
auf nur noch 75 000 senken, dann sagt einem der gesunde
Menschenverstand, dass man nicht mehr so viele Standorte wie vorher braucht.
(Lothar Mark [SPD]: Man muss ihn haben!)
– Man
muss ihn haben, da gebe ich Ihnen Recht. Vielen Dank, Herr Mark, für den
Zwischenruf.
(Heiterkeit bei der SPD)
Wenn Sie wollen, dass ich keine Standorte mehr auflöse,
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Nein, das war nicht der
Punkt!)
dann müssen
Sie mir das Geld geben, um die unsinnigen Standorte aufrechtzuerhalten. Da
aber keine Regierung, weder die von uns geführte noch eine irgendwann von
Ihnen geführte Regierung, unsinnige Standorte aufrechterhalten würde, muss
man anders vorgehen. Man muss wissen – das tun wir –, dass die Beschäftigten
im zivilen Bereich der Bundeswehr – Rainer Arnold hat darauf hingewiesen
– unter die Regelungen des Tarifvertrages fallen. Sie werden keine
betriebsbedingten Kündigungen erleben. Das ist für die Zivilbeschäftigten
in der Bundeswehr wichtig.
(Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN)
Den Rückbau der Anzahl der Soldatinnen und Soldaten bis zum Jahr 2010
auf 250 000
(Dr. Karl A. Lamers [Heidelberg] [CDU/ CSU]: Das wollen
wir nicht!)
erreichen
wir. Der Generalinspekteur wird mir die neue Konzeption der Bundeswehr
vorlegen. Dazu gehört auch die Material- und Ausrüstungsplanung. Jedes
Beschaffungsprojekt – das habe ich immer wieder gesagt, ich wiederhole es
–, das noch nicht rechtlich oder faktisch gebunden ist, steht auf der Prüfliste.
Manche werden sich wundern, was auf einmal nicht mehr realisiert werden
kann. Wir müssen mit den Gegebenheiten zurecht kommen. Sie können aber
davon ausgehen, dass die zukünftigen Aufgaben der Bundeswehr von 250 000 Soldatinnen
und Soldaten hervorragend erledigt werden. Dessen bin ich mir ganz sicher.
Zum Schluss meiner Rede bedanke ich mich bei den Berichterstattern, weil
ich weiß, dass der Einzelplan 14 ein schwieriger Haushalt ist. Ich bedanke
mich bei allen, die daran mitgewirkt haben: Elke Leonhard, Dietrich
Austermann, Alex Bonde, Jürgen Koppelin.
(Jürgen Koppelin [FDP]: Herr Austermann hat doch nicht
mitgewirkt!)
– Herr
Koppelin, Sie haben Recht. Ich greife das auf: Herr Austermann hat nicht
mitgewirkt, das stimmt. Er ist aber Hauptberichterstatter.
Ich bedanke mich bei den Mitgliedern des Verteidigungsausschusses für
die sehr gute, kollegiale Zusammenarbeit. Unabhängig von politischen
Differenzen, die in manchen Fragen bestehen, kann man feststellen, dass die
Arbeit der Bundeswehr von den Fraktionen im Parlament breit getragen wird.
Ich nehme an, dass die Arbeit der Bundesregierung – mit einigen leichten
Einschränkungen – auch breit getragen wird. Dafür bedanke ich mich
herzlich.
(Anhaltender Beifall bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Vizepräsidentin Dr. h. c. Susanne Kastner:
Ich
schließe die Aussprache.
Wir kommen zur Abstimmung über den Einzelplan 14 – Bundesministerium
der Verteidigung – in der Ausschussfassung. Hierzu liegt ein Änderungsantrag
der Abgeordneten Dr. Gesine Lötzsch und Petra Pau vor, über den wir
zuerst abstimmen.
(Dietrich Austermann [CDU/CSU]: Die sind gar nicht da!)
Wer stimmt
für den Änderungsantrag auf Drucksache 15/2073? – Wer stimmt dagegen?
– Enthaltungen? – Der Änderungsantrag ist mit den Stimmen des ganzen
Hauses abgelehnt.
Wir kommen jetzt zur Abstimmung über den Einzelplan 14 in der
Ausschussfassung. Wer stimmt dafür? – Wer stimmt dagegen? –
Enthaltungen? – Der Einzelplan 14 ist mit den Stimmen der Koalition gegen
die Stimmen der CDU/CSU und der FDP angenommen.