Neue Krise bei Rot-Grün? Bundeskanzler kritisiert Haltung der
Grünen-Chefin Beer gegenüber der deutschen Beteiligung an den
"Awacs"-Flügen |

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Winfried Nachtwei
(Verteidigungspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90
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Moderatorin: Diese Entscheidung
des Kanzlers: Ein Schlag ins Gesicht der neuen Parteivorsitzenden
Angelika Beer? |
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Nachtwei: Nein, das ist es nicht, weil im
Grunde nur unterschiedliche Akzentuierungen sind. Es bleibt doch
eindeutiger Konsens, dass die Bundesregierung, unterstützt voll von
der rot-grünen Koalition, sich an einer etwaigen
Militär-Intervention im Irak nicht beteiligen wird - nicht mit
Soldaten, nicht mit Gerät und nicht Geld. Und das sollte man auf
keinen Fall klein reden. Und dass darüber hinaus allerdings
selbstverständliche Bündnisverpflichtungen gelten -
Bündnisverpflichtungen, die aber eben auch immer im Rahmen
selbstverständlich des Völkerrechts sind. |
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Moderatorin: Aber Angelika Beer hat das ja
offenbar anders gesehen. Die hat gesagt, die Bündnisverpflichtungen
kämen dann nicht zum Tragen, wenn die Amerikaner ohne UN-Mandat
einen Präventivschlag ausführen würden. |
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Nachtwei: Ja, aber der Kanzler hat sich
eindeutig bezogen auf den Schutz des Bündnis-Raumes. Und das ist ja
also unabhängig von einer Militär-Intervention und muss unabhängig
bewertet werden. Und dass AWACS dann zur Luftraumüberwachung des
Bündnisgebietes fliegen - auch mit der Beteiligung deutscher
Soldaten -, das ist ja völlig normal. Das findet als Routine laufend
statt und wäre auch in einem schlimmeren Fall dann notwendig. |
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Moderatorin: Nun sind sich die GRÜNEN ja
aber offenbar untereinander nicht ganz so grün, denn Joschka Fischer
hat ja nun eine andere Meinung vertreten als Angelika Beer. |
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Nachtwei: Nun, Joschka Fischer hat darauf
hingewiesen, dass wir die Diskussion über das "Was wäre, wenn?" doch
reduzieren sollten und uns mehr wohl kümmern sollten so um die
Diskussion, was jetzt geschieht, was in den nächsten Wochen
geschieht. Und das ist also in der Tat so: Wenn man nur darüber
redet "Was wäre wenn im schlimmsten Falle?", scheint man sich fast
schon mit einer Militär-Intervention, mit einem Krieg im Irak
abgefunden zu haben. Das wollen wir aber ganz und gar nicht. |
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Moderatorin: Haben die GRÜNEN doch aber
gemacht auf dem Parteitag. |
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Nachtwei: Nein, nein! Sondern wir wollen
die Chance, die für eine friedliche Entwaffnung des Iraks besteht,
die für eine friedliche Lösung dieses Konflikts besteht - und seien
es nur 20 Prozent Chance -, aber diese müssen wir unterstützen mit
aller Kraft. Das heißt auch dass wir die Untersuchung der
Inspekteure sehr sorgfältig begleiten, dass wir darauf gucken, dass
von keiner Seite - und welcher Seite auch immer - behindert
wird. |
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Moderatorin: Das heißt also die aktuellen
Meinungsunterschiede zwischen Joschka Fischer, dem Kanzler und auf
der anderen Seite Angelika Beer wird keinen Koalitionskrach
auslösen. |
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Nachtwei: Nein, da ist Einiges, finde ich,
sehr aufgebauscht. Und wenn wir uns jetzt mehr wirklich um die
Prioritäten kümmern, dann wird das noch eindeutiger sein. |
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Moderatorin: Dieser Einsatz von
AWACS-Flugzeugen über der Türkei, die der Kanzler angesprochen hat,
das ist ja eine indirekte Unterstützung der Amerikaner. Kommt die
Regierung hier nicht in Konflikt mit ihrem Versprechen, sich an
einem Krieg nicht zu beteiligen? |
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Nachtwei: Nein, ich meine nicht, dass das
eine indirekte Unterstützung ist. Wenn diese AWACS-Systeme eindeutig
als Frühwarnsysteme eingesetzt werden, dann läuft das wirklich und
begründet so unter "Bündnisverpflichtung, Schutz des Bündnisraumes".
Wenn allerdings AWACS eingesetzt würden als Feuerleitsysteme - diese
Funktion können sie nämlich auch haben -, dann wäre damit in der Tat
eine Verwicklung in einen etwaigen Irak-Krieg gegeben. Und das
dürfte in der Tat nicht sein. Da ist aber eine klare Trennungslinie.
Das hat der Kanzler aber auch indirekt so festgestellt. |
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Moderatorin: Aber Angelika Beer wollte ja
nicht einmal den Einsatz zur Verteidigung des Bündnisses zulassen,
wenn es kein UN-Mandat gibt. |
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Nachtwei: Nein, so habe ich das nicht
verstanden, sondern da ist, wie es scheint, ineinandergeraten
Bündnisverpflichtung und direkte Beteiligung. Und das gehört aber
eben auseinander. Und ich habe vorher gesagt - ich betone es noch
mal -, dass Bündnisverpflichtungen selbstverständlich auch immer im
Rahmen des Völkerrechts gelten.
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