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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Die deutsche Afghanistan-Politik braucht Ehrlichkeit und Konsequenz statt BeschÃ¶nigungen und Halbherzigkeit</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Sudan</span>

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            Die deutsche Afghanistan-Politik braucht Ehrlichkeit und Konsequenz statt BeschÃ¶nigungen und Halbherzigkeit         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 18. August 2009 02:20:21 +02:00 (168785 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Winfried Nachtwei kritisiert in seiner Stellungnahme die Afghanistanpolitik der Bundesregierung wie folgt:</p></div>
            <div>    <p align="center">Vor den Wahlen in Afghanistan und Deutschland:</p>
<p align="center"><strong>Die deutsche Afghanistan-Politik braucht Ehrlichkeit und Konsequenz statt BeschÃ¶nigungen und Halbherzigkeit</strong></p>
<p align="center">Winni Nachtwei, MdB (August 2009)</p>
<p><strong>Wenige Tage vor den Wahlen in Afghanistan haben Feuergefechte und SprengstoffanschlÃ¤ge, die Opfer unter der ZivilbevÃ¶lkerung, Polizisten, Soldaten und AufstÃ¤ndischen ein AusmaÃŸ wie nie seit dem Sturz der Taliban Ende 2001 erreicht. Ãœber 90% der SicherheitsvorfÃ¤lle geschehen im SÃ¼den und Osten. Fast ein Drittel des Landes ist lt. UNAMA von AufstÃ¤ndischenaktivitÃ¤ten betroffen. Im Norden ist inzwischen die Provinz Kunduz ein Brennpunkt, wo es fast tÃ¤glich zu ÃœberfÃ¤llen und Schusswechseln kommt.</strong></p>
<p><strong>Was tut die Bundesregierung in einer Situation, wo die Gewalt in Afghanistan eskaliert, das Land auf der Kippe ist, wo sich auch hierzulande eine Stimmung der Aussichtslosigkeit verbreitet und die Mehrheit der deutschen BevÃ¶lkerung einen Abzug befÃ¼rwortet? Sie duckt sich weg.</strong></p>
<p><strong>Die Wahlen fÃ¼r das PrÃ¤sidentenamt und die 34 ProvinzrÃ¤te</strong> am 20. August sind seit 30 Jahren die ersten unter afghanischer FÃ¼hrung. Schon Ende letzten Jahres hatte die Konferenz der afghanischen Geistlichen eine ErklÃ¤rung zu den Wahlen aus islamischer Perspektive beschlossen. Darin riefen sie alle politischen Parteien und Gruppen, EntitÃ¤ten, gesellschaftliche Organisationen und Geistliche im ganzen Land dazu auf, den Registrierungs- und Wahlprozess zu unterstÃ¼tzen. AusdrÃ¼cklich forderten sie auch die Frauen zur Teilnahme auf - und die MÃ¤nner, sie nicht dabei zu behindern, sondern zu ermutigen.</p>
<p>Die Wahlen sind ein GroÃŸe Kraftanstrengung, Konflikte nicht mit der Waffe, sondern demokratischer, mit mehr Dialog und Mehrheitsentscheidungen auszutragen. Sie sind Test und BewÃ¤hrungsprobe sondergleichen in einem langwierigen und von der groÃŸen BevÃ¶lkerungsmehrheit gewÃ¼nschten Demokratisierungsprozess: fÃ¼r die ca. 17 Mio. registrierten Wahlberechtigten und ihren Willen, auf die Machtverteilung im Land Einfluss zu nehmen; fÃ¼r die 41 PrÃ¤sidentschaftskandidaten, darunter zwei Frauen, und die Ã¼ber 3.000 BewerberInnen (10% Frauen, 8% in 2005) um die 420 Sitze in den ProvinzrÃ¤ten; fÃ¼r die UnabhÃ¤ngige Wahlkommission und die 140.000 Wahlhelfer in 7.000 Wahlzentren; fÃ¼r die afghanischen SicherheitskrÃ¤fte und UNAMA und ISAF als UnterstÃ¼tzer.</p>
<p>Die DurchfÃ¼hrung der Wahlen wird bedroht und eingeschrÃ¤nkt durch eine EinschÃ¼chterungskampagne und AnschlÃ¤ge der Taliban. (In einzelnen Distrikten sollen aber auch zur Wahl WaffenstillstÃ¤nde mit den Taliban geschlossen worden sein.) Der demokratische Verlauf der Wahlen wird beeintrÃ¤chtigt und in Frage gestellt durch Korruption, zu befÃ¼rchtende WahlfÃ¤lschungen und schon geschehene Deals und Manipulationen.</p>
<p>Verlauf und Ergebnis der Wahlen sind ausschlaggebend fÃ¼r die kÃ¼nftige LegitimitÃ¤t und GlaubwÃ¼rdigkeit der Zentralregierung und ProvinzrÃ¤te. Ein fÃ¼r afghanische VerhÃ¤ltnisse ruhiger und glaubwÃ¼rdiger Verlauf kÃ¶nnte konfliktmindernd wirken. Eine offenkundig erschwindelte PrÃ¤sidentschaft kÃ¶nnte hingegen eine Eskalation der Gewalt fÃ¶rdern und dem internationalen Engagement und Truppeneinsatz die Legitimationsgrundlage entziehen.</p>
<p>(Das Endergebnis soll bis zum 17. September verkÃ¼ndet sein. Zwei Wochen danach wÃ¼rden ggfs. die Stichwahlen zum PrÃ¤sidenten stattfinden.)</p>
<p><strong>Die neue US-Regierung</strong> beurteilt die Lage in Afghanistan ungeschminkt als hochkritisch, die nÃ¤chsten 12-18 Monate als entscheidend. Um die AbwÃ¤rtsspirale umzukehren, haben die USA zentrale Schritte eines Strategiewechsels eingeleitet, ihre diplomatischen, militÃ¤rischen und zivilen Anstrengungen massiv verstÃ¤rkt: regionale KonfliktlÃ¶sung, differenzierte Sicht der regierungsfeindlichen KrÃ¤fte und Suche nach VerhandlungslÃ¶sungen, forcierte Aufbauanstrengungen, das zweischneidige Schwert eines massiven Truppenaufwuchses. Einiges deutet darauf hin, dass die USA ernst machen mit dem Anspruch ihrer neueren MilitÃ¤rdoktrin, wonach der Schutz und die Zustimmung der BevÃ¶lkerung und nicht die GegnerbekÃ¤mpfung der Dreh- und Angelpunkt sein soll. (vgl. die in diesem Sinne sehr eindeutige Tactical Directive des neuen ISAF-Kommandeurs McChrystal vom 6.7.2009) Wieweit das am Boden umgesetzt wird oder doch nur in mehr Gewalt, Krieg und Opfern mÃ¼ndet, lÃ¤sst sich bisher noch nicht verlÃ¤sslich beurteilen.</p>
<p><strong>Was tut die Bundesregierung?</strong></p>
<p>Auch wenn Fernsehbilder von Marder-SchÃ¼tzenpanzern und anschwellendes Kriegsgerede es in den letzten Wochen suggerierten - ISAF und Bundeswehr sind im Norden nicht umgeschwenkt zuÂ  einer aggressiven GegnerbekÃ¤mpfung, sind in Reaktion auf militÃ¤risch organisierte Angriffe nicht in die Eskalationsfalle getappt. (vgl. meine Ãœbersicht) WÃ¼rde die Bundesregierung tatsÃ¤chlich einen Kurs der Kriegs-Eskalation fahren, dann mÃ¼ssten und wÃ¼rden wir ihr in Berlin im Bundestag in die Parade fahren.</p>
<p>Die â€žGroÃŸoffensive&quot; im Distrikt Chahar Darrah war im Wesentlichen eine groÃŸe Durchsuchungsaktion der afghanischen Armee, unterstÃ¼tzt in der zweiten Reihe von ISAF. Dabei kam es zu einzelnen Gefechten. Dass die afghanischen BehÃ¶rden versuchen, gerade im Umfeld der Wahlen die Kontrolle Ã¼ber einenÂ  Distrikt zurÃ¼ckzugewinnen, in dem sich 200 bis 300 AufstÃ¤ndische festgesetzt und die BevÃ¶lkerung wie die Polizei eingeschÃ¼chtert hatten, halte ich fÃ¼r nachvollziehbar. Man denke an die krasse jÃ¼ngste Vergangenheit des Swat-Tals in Nordwestpakistan, wo die Regierung ein solches Festsetzen gegen den Protest der pakistanischen Zivilgesellschaft geduldet hatte.</p>
<p>Deutsche Diplomaten, Soldaten, Entwicklungsexperten und Polizeiberater vor Ort tun insgesamt ihre Arbeit unter hohen Belastungen und z.T. hÃ¶chsten Risiken mit groÃŸem Einsatz, Mut und Besonnenheit. DafÃ¼r haben sie Aufmerksamkeit und persÃ¶nliche UnterstÃ¼tzung verdient, unabhÃ¤ngig davon, wie man sonst zum Afghanistaneinsatz steht. Ich weiÃŸ auch um die groÃŸen Anstrengungen der MitarbeiterInnen in den zustÃ¤ndigen Referaten der Ministerien und der DurchfÃ¼hrungsorganisationen.</p>
<p><strong>Massive politische Fehler verantworten aber die Spitzen der Bundesregierung:</strong></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die Bundesregierung <span style="text-decoration: underline;">informiert die Ã–ffentlichkeit Ã¤uÃŸerst bruchstÃ¼ckhaft</span> und beschÃ¶nigend Ã¼ber die Lage in Afghanistan: Wenn Minister Jung bei seiner Bilanzpressekonferenz am 22. Juli allen Ernstes behauptete, in Afghanistan seien 10% der Distrikte instabil, 360 stabil, dann ist das eine IrrefÃ¼hrung der Ã–ffentlichkeit. Wenn er leugnet, dass Bundeswehrsoldaten im Raum Kunduz mit einem Guerillakrieg konfrontiert sind und auf taktischer Ebene im Krieg stehen, dann hat er inzwischen auch bei den eigenen Soldaten jede GlaubwÃ¼rdigkeit verloren. Die verdruckste und beschwichtigende â€žInformations&quot;politik der Bundesregierung leistet indirekt Afghanistan-Zerrbildern Vorschub, wo unterschiedslos alles nur noch Krieg, Korruption und Niedergang ist und reale Fortschritte und Chancen ignoriert werden. (<em>Da die Bundesregierung eine kontinuierliche und systematische Unterrichtung der Ã–ffentlichkeit Ã¼ber die Sicherheitslage in Afghanistan verweigert, produziere ich seit zwei Jahren laufend aktualisierte â€žMaterialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistans + Pakistans&quot;</em>.)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die Bundesregierung bleibt im Unterschied zur neuen US-Regierung <span style="text-decoration: underline;">jede Antwort auf die SchlÃ¼sselfragen schuldig</span>, wie dieÂ  AbwÃ¤rtsspirale gestoppt und gewendet werden kann und wie es Ã¼berhaupt zu dieser Negativentwicklung kommen konnte. Eine unabhÃ¤ngige selbstkritische Zwischenbilanz und Fehleranalyse, wie von uns seit Jahren gefordert und von Kanada, USA, Niederlanden u.a. lÃ¤ngst praktiziert, hat die Bundesregierung bis heute nicht vorgelegt.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Exemplarisch ist ihre Politik auf dem <span style="text-decoration: underline;">strategisch SchlÃ¼sselsektor Polizeiaufbau</span>: Bei aller qualitativ guter Arbeit der entsandte Beamten wurde diese Aufgabe von Anfang an gnadenlos unterschÃ¤tzt und unterfinanziert. Auch wenn seit 2008 die Polizeiausbildung an der Basis einen Schub bekam, liegen die Anstrengungen noch weit hinter en Erfordernissen zurÃ¼ck.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Im deutschen Hauptverantwortungsbereich im Norden gibt es viele gute und erfolgreiche Aufbau- und Entwicklungsprojekte. Der Provincial Development Funds (PDF) hat mit seinem afghanisch-deutschen Ansatz Vorbildcharakter. Ãœber Sektorziele hinaus fehlen aber mit der afghanischen Seite vereinbarte <span style="text-decoration: underline;">Ã¼berprÃ¼fbare Zwischenziele </span>fÃ¼r die Gesamtentwicklung der Region, um in absehbarer Zeit greifbare Aufbauerfolge erzielen zu kÃ¶nnen. (vgl. als Positivbeispiel die Quartalsberichte der kanadischen Regierung) Trotz der Steigerung der deutschen Aufbaugelder in den letzten Jahren ist das MissverhÃ¤ltnis zu den MilitÃ¤rausgaben lÃ¤ngst nicht Ã¼berwunden. Die MÃ¼hen mit den wenigen PDF-Millionen sind da exemplarisch. Nachjustieren reicht nicht!</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Hinsichtlich einer <span style="text-decoration: underline;">Abzugsperspektive</span> begnÃ¼gt sich die Bundesregierung mit dem so richtigen wie unverbindlichen Allgemeinplatz, dass Bundeswehr/ISAF abziehen kÃ¶nnten, wenn die Afghanen selbst ihre Sicherheit gewÃ¤hrleisten kÃ¶nnen. Aber es macht einen himmelweiten Unterschied, ob der Zeithorizont dabei 2-4 Jahre, 10 Jahre oder gar Jahrzehnte ist. Wer das offen lÃ¤sst, ist auf der Rutschbahn in einen Endloseinsatz, den sowohl die afghanische wie die deutsche, amerikanische, britische BevÃ¶lkerung nicht mitmachen werden und wo das Desaster vorprogrammiert ist. Notwendig ist eine militÃ¤rische Abzugsperspektive (bei ISAF selbst ist die Rede von 2012/13), die auf Ã¼berprÃ¼fbaren, ehrgeizigen und realistischen Zwischenzielen aufbaut und mit einer Mobilisierung der notwendigen Â personellen und finanziellen Ressourcen, mit konsequenter FÃ¶rderung von Staatlichkeit auf allen Ebenen einhergeht.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die groÃŸen und <span style="text-decoration: underline;">vielleicht letzten Chancen</span>, die sich mit der verÃ¤nderten US-Politik zu Afghanistan, Pakistan und Iran ergeben, werden von der Bundesregierung - und vielen anderen NATO- und EU-LÃ¤ndern - nur unzureichend wahrgenommen. Die Berufung eines Sonderbeauftragten des AuswÃ¤rtigen Amtes fÃ¼r Afghanistan + Pakistan war Ã¼berfÃ¤llig, reicht aber ganz und gar nicht aus. Um bestmÃ¶gliches Zusammenwirken und KohÃ¤renz zu erreichen, sind ressortgemeinsame Strukturen in der Bundesregierung (AFG Task Force) unabdingbar.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Die <span style="text-decoration: underline;">Ãœberzeugungskraft der Bundesregierung</span> in Sachen Afghanistan pendelt zwischen schwach bis kontraproduktiv: Auch wenn Afghanistan die bisher grÃ¶ÃŸte Herausforderung fÃ¼r bundesdeutsche AuÃŸen-, Sicherheits- und Friedenspolitik ist, Ã¤uÃŸert sich die Kanzlerin so wenig wie mÃ¶glich dazu, der AuÃŸenminister nur bisweilen. Â Â Â Â Â Afghanistan ist erkennbarÂ  n i c h tÂ  Chefsache! Der Verteidigungsminister, seines Zeichens Meister der WorthÃ¼lsen, ist faktisch der Regierungssprecher zu Afghanistan: Statt das deutsche Afghanistan-Engagement in den Kontext internationaler kollektiver UNO-Sicherheit zu stellen, verkÃ¼rzt er es notorisch auf eine Frage der nationalen Sicherheit und leistet damit der verbreiteten deutschen Nabelschau auf Afghanistan - und damit einer unterschwelligen Renationalisierung von Sicherheitspolitik - Vorschub. Er preist den Ansatz â€žvernetzter Sicherheit&quot; (comprehensive approach) regelrecht als Allheilmittel und ignoriert die massiven Umsetzungsdefizite und -probleme. Der Verdacht drÃ¤ngt sich auf, dass die jetzige Bundesregierung zum deutschen Afghanistaneinsatz nur ein wahltaktisches, aber kein ehrliches sicherheits- und friedenspolitisches VerhÃ¤ltnis hat.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Wo der Bundesregierung die Zustimmung der BevÃ¶lkerung fÃ¼r den Afghanistaneinsatz immer mehr wegrutscht, versucht Minister Jung sich umso mehr mit <span style="text-decoration: underline;">Symbolpolitik zu profilieren</span> und vor allem konservativere Teile der Gesellschaft fÃ¼r sich zu gewinnen: dauerhaft Ã–ffentliche GelÃ¶bnisse vor dem Reichstag, Tapferkeitsauszeichnungen, Ehrenmal fÃ¼r im Dienst umgekommene Soldaten. Solche Symbolhandlungen sind nicht einfach besondere Anerkennungen fÃ¼r besondere Leistungen. Im Kontext des sicherheitspolitischen Versagens der Bundesregierung dienen sie als Placebos fÃ¼r Soldaten, die verunsichert sind wie kaum jemals zuvor. Zugleich fÃ¼hren diese demonstrativen Hervorhebungen des MilitÃ¤rischen dazu, dass alle anderen Akteure einer umfassenden Sicherheits- und Friedenspolitik, die sowie kaum Beachtung finden, noch mehr in den Schatten gestellt werden.</p>
<p>Eine solche <strong>Afghanistanpolitik der BeschÃ¶nigungen und Selbstzufriedenheit, Halbherzigkeit und des Durchlavierens</strong>, des â€žWeder ganz noch gar nicht&quot; ist ein FÃ¼hrungsversagen, grob fahrlÃ¤ssig, brandgefÃ¤hrlich und politisch feige: Es ist unverantwortlich gegenÃ¼ber dem Auftrag der Vereinten Nationen der Internationalen Gemeinschaft und den Partnern; gegenÃ¼ber der Ã¼bergroÃŸen Mehrheit von afghanischen Frauen und MÃ¤nnern, die endlich Frieden wollen und eine Zukunft fÃ¼r ihre Kinder; gegenÃ¼ber den vielen Afghanen, die immer noch besonders auf Deutschland setzen, gegenÃ¼ber den Tausenden Soldaten und Hunderten Aufbauhelfern, Polizisten und Diplomaten aus Deutschland, die in Afghanistan Bewundernswertes leisten.</p>
<p><strong>Die deutsche Afghanistanpolitik braucht eine Wende zu Ehrlichkeit, Konsequenz und Perspektive:</strong><strong> </strong>(a) Was schon lange notwendig war, muss sofort nach der Bundestagswahl an erster Stelle stehen - eine unabhÃ¤ngige <strong>strategische ÃœberprÃ¼fung</strong> der deutschen Afghanistan-Pakistan-Politik und die Einsetzung einer ressortgemeinsamen Afghanistan-Pakistan-Einheit zur Planung, Leitung und Auswertung unter einem Afghanistan-(Pakistan-)Beauftragten der Bundesregierung mit politischem Gewicht und Gesicht. Der Austausch und die Kooperation mit zivilgesellschaftlichen Akteuren der Afghanistanhilfe und der Regional-Wissenschaft sind zu institutionalisieren. Die offizielle â€žZivil-MilitÃ¤rische Zusammenarbeit&quot; muss auf den PrÃ¼fstand, insbesondere im Hinblick auf die UnabhÃ¤ngigkeit von Hilfsorganisationen.</p>
<p>(b) In der internationalen â€žUnterstÃ¼tzergruppe Afghanistan Pakistan&quot;, in NATO, ISAF und EU muss sich die Bundesregierung glaubwÃ¼rdig fÃ¼r die Umsetzung des allseits proklamierten <strong>Strategiewandels</strong> am Boden einsetzen, wo Respekt vor den Menschen, die FÃ¶rderung von menschlicher Sicherheit und verlÃ¤sslicher StaatlichkeitÂ  der Dreh- und Angelpunkt des internationalen Engagements sein sollen. Damit unvereinbar sind die Antiterror-Operationen von OEF und die â€žblack operations&quot; der CIA, die auÃŸerhalb des UnterstÃ¼tzungsansatzes von ISAF stehen.</p>
<p>(c) Mit der afghanischen Seite und anderen Partnern sind fÃ¼r alle wesentlichen Aufbaufelder Ã¼berprÃ¼fbare <strong>Zwischenziele</strong> zu vereinbaren mit der Absicht, zÃ¼gig und in der Breite zu greifbaren Aufbauerfolgen zu kommen. HierfÃ¼r mÃ¼ssen die notwendigen finanziellen und personellen <strong>Ressourcen</strong> zur VerfÃ¼gung gestellt werden. VerstÃ¤rkt werden mÃ¼ssen insbesondere die Ausbildungs- und Beratungshilfen fÃ¼r die afghanische Armee, Polizei und Justiz. Nicht Kleckern, sondern - intelligentes - Klotzen ist angesagt, wenn die Zeit davon lÃ¤uft.</p>
<p>(d) <strong>Korruption und DrogenÃ¶konomie</strong> sind ErzÃ¼bel der afghanischen Gesellschaft. Auch wenn der Norden zzt. nur 0,6% zur landesweiten Opiumproduktion beitrÃ¤gt, kann die Bundesrepublik hier nicht weiter die Verantwortung auf andere abschieben, mÃ¼ssen vor allem die Chancen des momentanen MohnrÃ¼ckgangs genutzt werden. Die Bundesrepublik muss systematisch und nachdrÃ¼cklich zur EindÃ¤mmung der DrogenÃ¶konomie beitragen.</p>
<p>(e) Wo vermehrt Anstrengungen zu <strong>WaffenstillstÃ¤nden</strong>, politischen VerhandlungslÃ¶sungen und zur Einbindung von militanten Oppositionellen laufen mÃ¼ssen, sind die entsprechenden KapazitÃ¤ten zu schaffen.</p>
<p>(f) Wie in den USA und Kanada hat die Bundesregierung das Parlament und die Ã–ffentlichkeit mindestens in einem Halbjahresturnus an Hand von <strong>Benchmarks</strong> und Fortschrittsindikatoren Ã¼ber die Sicherheits- und Aufbaulage zu unterrichten.</p>
<p>(g) Auf dieser Grundlage einer wirkungs- und erfolgsorientierten Politik hat die Bundesregierung in Abstimmung mit der afghanischen Seite und den Partnern eine mittelfristige (militÃ¤rische) <strong>Abzugsperspektive</strong> fÃ¼r den Zeitraum von wenigen Jahren zu entwickeln. Sie ist die verantwortliche Alternative zu einem Sofortabzug mit seinen vorhersehbar destabilisierenden (Pakistan!) und kriegstreiberischen Konsequenzen.</p>
<p>(h) Im Dezember hat der neue Bundestag erneut Ã¼ber den deutschen ISAF-Einsatz zu entscheiden. Auch nach der mehrheitlichen Nichtzustimmung der Fraktion zu dem <strong>ISAF-Mandat</strong> 2008 und der mehrheitlichen Zustimmung zu der AWACS-Beteiligung am 2. Juli sind Vorfestlegungen verfrÃ¼ht. Die Entscheidung der Fraktion wird vor dem Hintergrund der Lage im Herbst, dem Stand des Strategiewandels, der Politik der neuen Bundesregierung und der Diskussion der Partei fallen. Seit lÃ¤ngerem fordern wir GrÃ¼nen, dass kÃ¼nftig Mandate auch die zentralen zivilen und polizeilichen BeitrÃ¤ge festlegen mÃ¼ssen.</p>
<p><strong>SolidaritÃ¤t fÃ¼r menschliche Sicherheit</strong>: Unser GrÃ¼ner Anspruch ist, SolidaritÃ¤t mit den Menschen, mit ihrem Kampf um Menschenrechte und menschliche Sicherheit zu Ã¼ben. Dabei ist unsere politische Grundpflicht, vor allem der Politik der eigenen Regierung und des Westens auf die Finger zu schauen und zu klopfen - ohne dabei die Angriffe von Taliban und anderer zu beschweigen und damit ungewollt zu relativieren. Wer zu Recht Zivilopfer durch Luftangriffe brandmarkt, darf zu dem exzessiven Terror gegen Zivilpersonen, Polizisten und Schulen nicht schweigen.</p>
<p>Wir GrÃ¼ne kÃ¶nnen ohne SelbstÃ¼berschÃ¤tzung beanspruchen, das deutsche und internationale Afghanistan-Engagement Ã¼ber die Jahre so konstruktiv-kritisch begleitet und so offen diskutiert zu haben wie keine andere Partei: Das zeigen die vielfÃ¤ltigen Initiativen der Fraktion, dass zeigen mehrere GrÃ¼ne Parteitage, zuletzt GÃ¶ttingen.</p>
<p>Verbessern kÃ¶nnen wir uns aber noch bei der UnterstÃ¼tzung der afghanischen Zivilgesellschaft und FriedenskrÃ¤fte. Hier hat wohl die Heinrich BÃ¶ll Stiftung in Kabul seit Jahren Hervorragendes geleistet. Und im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes entsandte FriedensfachkrÃ¤fte wirken bei spannenden Projekten des lokalen Peacebuilding mit. Insgesamt aber finden diese zivilgesellschaftlichen Anstrengungen auch in unseren Reihen noch viel zu wenig Beachtung - neben dem PrimÃ¤rinteresse an Krieg, MilitÃ¤r und Bundeswehreinsatz.</p>
<p>Es gibt viele MÃ¶glichkeiten, sichtbare und praktische SolidaritÃ¤t mit afghanischen Menschen und FriedenskrÃ¤ften zu Ã¼ben:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Ã¼ber <span style="text-decoration: underline;">NGO`s und private Hilfsprojekte</span>, die es fast in jeder Region gibt z.B. Freundeskreis Afghanistan, Kinderhilfe Afghanistan (ErÃ¶s), Krankenhausprojekt von Karla Schefter/Dortmund, Medica Mondiale, Medico International, Welthungerhilfe, Caritas, Projekt Skateistan, GrÃ¼nhelme (Neudeck) und viele andere.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  AnlÃ¤sslich des von der UNO 2001 ausgerufenen <span style="text-decoration: underline;">Internationalen Friedenstages</span> am 21. September BrÃ¼cken der SolidaritÃ¤t zu Gruppen der afghanischen Zivilgesellschaft (zusammengeschlossen im Afghan Civil Society Forum und Afghan Civil Society Network of Peace); der Tag wird seit Jahren an vielen Orten Afghanistans von tausenden Menschen begangen; der Aufruf zu einem 24-stÃ¼ndigen weltweiten Waffenstillstand wurde 2008 sogar in Afghanistan weitgehend beachtet! Im Vorjahr schickten Claudia Roth und ich ein SolidaritÃ¤tsschreiben nach Kabul, das dort auf groÃŸe Sympathie stieÃŸ. Es wÃ¤re gut, wenn es dieses Jahr mehr solche Zeichen gÃ¤be.</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Kontakte und UnterstÃ¼tzung der â€ž<span style="text-decoration: underline;">National Peace Jirga</span>&quot;, die zusammen mit der deutschen â€žKooperation fÃ¼r den Frieden&quot; eine ErklÃ¤rung fÃ¼r die Initiierung von WaffenstillstÃ¤nden in verschiedenen Provinzen, darunter Kunduz, herausgegeben hat.</p>
<p><strong><em>Weitere Informationen:</em></strong></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Zur Wahl:</span></em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Afghanistan Independent Human Rights Commission/UNAMA: Joint Monitoring of Political Rights, Presidental and Provincial Council Elections, First Report 25 April - 12 June 2009; Second Report 16 June - 1 August, August 2009 (<a href="http://www.aihrc.org.af/">www.aihrc.org.af</a>)</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Martine van Bijlert: How to Win an Afghan Election, Afghanistan Anlyst Network Thematic Report 2/2009 (30 S.)</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Ulrich Ladurner: </em><em>Wo auch Geister wÃ¤hlen, ZEIT 13.8.2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Britta Petersen: Schuld sind die anderen, Rheinischer Merkur 13.8.2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Christoph Reuter: Wahlen in Absurdistan, STERN 34/2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Thomas Ruttig: Der Sack und der Esel, taz 13.8.2009; PrÃ¤sident Karzai vor zweiter Amtszeit? Sicherheitsprobleme und Legitimationsdefizite bei den PrÃ¤sidentschaftswahlen in Afghanistan, swp-aktuell August 2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Ulrike Winkelmann: Entscheidung am Hindukusch, taz 15.8.2009</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Zur Sicherheitslage und Aufbau:</span></em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Winfried Nachtwei: Materialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistans (+ Pakistans), Kurzfassung, August 2009 (Vollfassung 70 S.); Sicherheitslage Region Nord</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Ders.: Krieg in Afghanistan - Bundeswehr im Krieg: FÃ¼hrt die Bundeswehr Krieg? August 2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Ders.: Better News statt Bad News aus Afghanistan, Juni 2009</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>Ders.: (Klein-)Krieg bei Kunduz - Weizenrekordernte nebenan, Reisebericht Juni 2009</em></p>
<p>Â </p></div>


           <br />
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