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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Dual Use Tornados nach Afghanistan -  Wo bleibt die zivile FrÃ¼hjahrsoffensive?</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Sudan</span>

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            Dual Use Tornados nach Afghanistan -  Wo bleibt die zivile FrÃ¼hjahrsoffensive?         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 27. Februar 2007 17:35:17 +02:00 (129340 Aufrufe)            </div>
            <div>    Winfried Nachtwei lehnt den Einsatz von Tornados im sÃ¼dlichen Afghanistan ab und legt in folgendem Positionspapier seine GrÃ¼nde dar:</div>
            <div>    <h2>Dual Use Tornados nach Afghanistan - Wo bleibt die zivile FrÃ¼hjahrsoffensive?  </h2><p>27. Februar 2007</p><p>GrÃ¼ne Fraktion und Partei haben wiederholt seit Ende 2001 festgestellt, dass zur BekÃ¤mpfung terroristischer und illegitimer Gewalt in Afghanistan der Einsatz militÃ¤rischer Gewalt legitim und notwendig sein kann. Dementsprechend haben wir immer die nach Kapitel VII VN-Charta mandatierte ISAF-Schutz-truppe sowie bis Ende 2006 die Beteiligung an OEF mitgetragen.</p><p>Die Gewaltbereitschaft und -fÃ¤higkeit der als â€žNeo-Taliban&quot; heterogenen Gruppen von AufstÃ¤ndischen (auch â€žOppositionelle Militante KrÃ¤fte&quot;)  vor allem in Ost- und SÃ¼d-Afghanistan hat extrem zugenommen. Ohne ihre EindÃ¤mmung und BekÃ¤mpfung durch ISAF droht ganz Afghanistan zu kippen. Eine neuerliche Machtergreifung der Taliban und ihrer VerbÃ¼ndeten wÃ¤re eine Katastrophe und wÃ¼rde alle  bisherigen Fortschritte im Land hinwegfegen. Sie wÃ¼rde auch ermÃ¶glichen, dass Afghanistan wieder zu einem sicheren Hafen fÃ¼r internationale GewalttÃ¤ter und Terroristen wÃ¼rde. Eine solche Taliban-Machtergreifung in Afghanistan hÃ¤tte zudem gefÃ¤hrliche RÃ¼ckwirkungen auf die StabilitÃ¤t der gesamten Region und die Atommacht Pakistan.</p><p>Es geht also nicht um das OB, sondern den Stellenwert und das WIE von MilitÃ¤r- und KampfeinsÃ¤tzen, die durch die RECCE-TORNADOs unterstÃ¼tzt wÃ¼rden. </p><p>Soll die Bundesrepublik die militÃ¤rische AufstandsbekÃ¤mpfung im SÃ¼den - grundsÃ¤tzlich und in der statt findenden Form - aktiv unterstÃ¼tzen und kann sie darauf wirksam Einfluss nehmen?</p><p>Werden die PrioritÃ¤ten fÃ¼r das beste friedenspolitische Ergebnis  richtig gesetzt? Der Einsatz von sechs TORNADO-Flugzeugen erfordert Ã¼ber das Jahr gerechnet ca. 70 Mio. Euro. Dies entspricht fast dem deutschen Jahresbudget von 80 Mio. Euro bilateraler Aufbauhilfe und ungefÃ¤hr dem, was Deutschland in den vergangenen Jahren in den Polizeiaufbau investiert hat. </p><p>Die GrÃ¼nen wollen ihre Oppositionsrolle verantwortlich wahrnehmen. Auch ohne Regierungsbeteiligung sehen sich die GrÃ¼nen selbstverstÃ¤ndlich in Mitverantwortung fÃ¼r einen erfolgreichen Stabilisierungs- und Aufbauprozess in Afghanistan. </p><p>Das Abstimmungsverhalten der GrÃ¼nen hat nÃ¼chtern betrachtet keinen Einfluss auf das Zustandekommen des TORNADO-Einsatzes. Der ist in den Reihen der GroÃŸen Koalition beschlossene Sache. Das Abstimmungsverhalten hat eine nicht unerhebliche Bedeutung fÃ¼r die Akzeptanz dieses Einsatzes und des Afghanistan-Einsatzes insgesamt in Gesellschaft und auch Bundeswehr (hier gilt seit Jahren das Votum der GrÃ¼nen als besonders Ã¼berlegt!). Es hat am meisten Bedeutung im Hinblick auf die weitere Orientierung deutscher Afghanistan-Politik und den realen Stellenwert der zivilen Anstrengungen dabei. Hier kÃ¶nnen wir uns nicht damit zufrieden geben, dass das ausgesprochen konstruktive Verhalten der GrÃ¼nen bei den letzten Auslandseinsatzentscheidungen damit beantwortet wurde, dass unsere AntrÃ¤ge zur weiteren Afghanistan-Politik abgelehnt wurden und zentrale Forderungen unbeachtet blieben. </p><p>Zustimmung heiÃŸt nicht, dass man jeder Einzelentwicklung oder -strategie zustimmt. Nicht zu zustimmen heiÃŸt nicht, zurÃ¼cklehnen oder raushalten -  im Gegenteil. </p><p><strong>Unser Konsens</strong> ist: Das internationale Afghanistan-Engagement braucht im kritischen Jahr 2007 zufÃ¶rderst eine <strong>politische und zivile â€žFrÃ¼hjahrsoffensive</strong>&quot;! Ohne diese sind alle militÃ¤rischen Anstrengungen aussichtslos. Das in Afghanistan immer noch besonders angesehene Deutschland ist hier in besonderer Verantwortung und hat hier besondere MÃ¶glichkeiten. Deutschland sollte da mehr einsteigen und investieren, wo auf afghanischer Seite besonderer Bedarf besteht und wo wir Erfahrungen und FÃ¤higkeiten haben, die auch Ã¼ber den Verantwortungsbereich im Norden hinaus fÃ¼r die Gesamtentwicklung etwas bringen kÃ¶nnten. Neben einer VerstÃ¤rkung der Alternativen Entwicklung, der beschleunigten und vervielfachten Polizeihilfe (Mentoren!) sind weitere MÃ¶glichkeiten eines verantwortbaren Ausbaus des Engagements in den sÃ¼dÃ¶stlichen Provinzen zu prÃ¼fen. FÃ¶rderung der afghanischen FÃ¤higkeiten und KapazitÃ¤ten ist das   A + O.</p><p><strong>Worum es bei der TORNADO-Entsendung geht</strong></p><p>In der deutschen Ã–ffentlichkeit beherrscht seit Wochen die TORNADO-Frage die Diskussionen um die Afghanistan-Politik. Aus der Perspektive der Stabilisierung Afghanistans sind andere Fragen in diesem kritischen Jahr aber von viel grÃ¶ÃŸerer Dringlichkeit: Was ist angesichts der angekÃ¼ndigten militÃ¤rischen FrÃ¼hjahrsoffensiven und der mehrdimensionalen FragilitÃ¤t des afghanischen Aufbauprozesses die aussichtsreichste Stabilisierungs-, Anti-Taliban- und Anti-Terror-Strategie? Wie kann der RÃ¼ckstand der Aufbauanstrengungen aufgeholt werden? Wie kann wirksam gegen die Drogenwirtschaft vorgegangen werden, ohne dabei gerade die Ã¤rmsten Bauern ins Elend zu stÃ¼rzen und eine weitere Destabilisierung zu fÃ¶rdern?</p><p>Ausschlaggebend muss die Frage sein, ob die TORNADO-Entsendung im Rahmen der aktuellen Strategie und Lage vor Ort vordringlich und verantwortbar ist. Dies gilt angesichts einer Situation, wo nach EinschÃ¤tzung vieler die Entwicklung in Afghanistan auf der Kippe steht und alles dafÃ¼r getan werden muss, die negative Eskalation zu stoppen und die Kurve zu mehr Stabilisierung und Aufbau, zu einer insgesamt erfolgreichen ISAF-Mission der Internationalen Gemeinschaft zu schaffen. Es geht dabei generell um die politische SchlÃ¼sselfrage, wie die UnterstÃ¼tzung der afghanischen BevÃ¶lkerung bei einem Aufbau- und State-Building-Prozess, der mit einem verschÃ¤rften asymmetrischen Konflikt einhergeht, aufrechterhalten bzw. (zurÃ¼ck-)gewonnen werden kann. Dabei sind bÃ¼ndnispolitische und innenpolitische ErwÃ¤gungen relevant. Sie sollten aber nicht ausschlaggebend sein. Eine solche Einsatzentscheidung ist eine konkrete politische und keine Bekenntnisfrage. (vgl. meine â€žKriterien fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr im Rahmen des Friedensauftrages des Grundgesetzes&quot;, www.nachtwei.de)  </p><p>Die RECCE-TORNADOs sollen dem Kommandeur ISAF (COMISAF) zur luftgestÃ¼tzten AufklÃ¤rung im gesamten ISAF-Operationsgebiet, also in ganz Afghanistan zur VerfÃ¼gung stehen. (Bei einer frÃ¼heren Anfrage ging es angeblich nur um die Nordregion. Sie wurde abgelehnt, weil Kosten-Nutzen  in keinem vertretbaren VerhÃ¤ltnis standen.) AufklÃ¤rungsflugzeuge sind Teil eines breiteren AufklÃ¤rungsverbundes zur Erstellung eines mÃ¶glichst prÃ¤zisen Lagebildes, zu dem neben anderen technischen (Drohnen, Satelliten, AbhÃ¶ranlagen) auch â€žmenschliche AufklÃ¤rungskapazitÃ¤ten&quot; (Nachrichtendienste, Soldaten, Diplomaten, Zivilisten, Landeskundige etc.) beitragen. AufklÃ¤rung vor Ort ist vor allem im Rahmen von Stabilisierungsoperationen und der Identifikation von sozialen Netzwerken bzw. friedensfÃ¶rderlichen oder friedensstÃ¶renden KrÃ¤ften erforderlich. </p><p>Die RECCE-TORNADOs sind fÃ¼r einen groÃŸen, schwierigen Raum mit relativ wenig  eigenem Personal am Boden  ein besonders flexibles, weitreichendes AufklÃ¤rungsmittel mit besonderen FÃ¤higkeiten (sehr genau optisch, thermische Abbildung durch Infrarotkamera). Da das AufklÃ¤rungsmaterial frÃ¼hestens ca. 60 Minuten nach der Aufnahme zur VerfÃ¼gung steht, eignen sich die RECCE-TORNADOs vor allem zur AufklÃ¤rung bestimmter Koordinaten, einer definierten Route und eines definierten Gebietes. Dabei scheint der TORNADO eher zur AufklÃ¤rung stationÃ¤rer Objekte (Lager, GebÃ¤ude, Stellungen, Verstecke), grÃ¶ÃŸerer Bewegungen (Fahrzeuge, grÃ¶ÃŸere Personengruppen) und VerÃ¤nderungen geeignet zu sein. Hierdurch kann ein Teil von Ãœberraschungseffekten reduziert werden.</p><p>Die RECCE-TORNADOs kÃ¶nnten die ISAF-Operationen in ihrer ganzen Breite unterstÃ¼tzen und haben insofern einen Doppelnutzen (dual use): die Stabilisierungsoperationen vor allem in Nord, West und Zentral, die Stabilisierungs- und z.T. hochintensiven Kampfoperationen in SÃ¼d und Ost (AufstandsbekÃ¤mpfung/Counterinsurgeny). Es geht also weder nur um Schutz noch nur um Kampf, sondern sowohl um Stabilisierungs-, wie um KampfunterstÃ¼tzung. DarÃ¼berhinaus kÃ¶nnen die Maschinen zur Ãœberwachung der gebirgigen afghanisch-pakistanischen Grenze sowie zur Erkundung von Schlafmohnfeldern eingesetzt werden. Der Kabinettsbeschluss gibt allerdings hierÃ¼ber keine Auskunft. Stattdessen heiÃŸt es nebulÃ¶s, die deutschen Tornados leisteten einen â€žwesentlichen Beitrag zur Feststellung der Gesamtlage in Afghanistan zum Nutzen von ISAF&quot;.  An die Operation Enduring Freedom sollen lt. Operationsplan ISAF und Kabinettsbeschluss AufklÃ¤rungsergebnisse nur restriktiv weitergegeben werden. In der Praxis scheint das aber schwer vorstellbar, wo doch unter dem â€žDoppelhut&quot; des stellvertretenden Kommandeurs (COMISAF Security) â€žSicherheitsoperationen&quot; von ISAF und OEF-Operationen zusammenlaufen.</p><p>Die RECCE-TORNADOs sind nur mit einer Bordkanone zum Selbstschutz sowie passiven Schutzeinrichtungen gegen Beschuss ausgestattet. Technisch kÃ¶nnen sie schnell auf volle Luft-Boden-KampffÃ¤higkeit umgerÃ¼stet werden. Laut  Kabinettsbeschluss sollen die RECCE-TORNADOs aber nicht fÃ¼r â€žLuftnahunterstÃ¼tzung&quot; (Close Air Support) eingesetzt werden. Allerdings ist schwer vorstellbar, dass im Falle eines Hilferufs ISAF-, OEF- oder afghanischen SicherheitskrÃ¤ften militÃ¤rische Nothilfe oder RÃ¼ckendeckung - inklusive des Einsatzes von Bordkanonen - verweigert werden wÃ¼rde. </p><p><strong>Was gegen die TORNADO-Entsendung gesagt wird</strong></p><p>In Umfragen lehnen so hohe Mehrheiten der BevÃ¶lkerung wie lange nicht bei einer Einsatzentscheidung die TORNADO-Entsendung ab. Das ist angesichts einer Bundesregierung, die sich nur dÃ¼rftig und Ã¼berwiegend beschÃ¶nigend dazu Ã¤uÃŸert, kein Wunder. Es ist kaum zu erwarten, dass die Bundesregierung bis zur Bundestagsentscheidung am 8. MÃ¤rz viel daran Ã¤ndert. Seit Monaten versucht sie den Ball flach zu halten, eine offene und ehrliche Debatte um die Afghanistan-Politik zu vermeiden und die eigenen Fraktionsreihen mÃ¶glichst geschlossen zu halten. Dies gelingt nur deshalb, weil vielen der Beteiligten vermittelt wird, dass bei der Wahl zwischen Pest (Stigmatisierung als besserwisserischer DrÃ¼ckeberger im relativ ruhigen Norden) und Cholera (Einsatz von deutschen Bodentruppen in umkÃ¤mpften Gebieten im SÃ¼den oder Osten) die Bereitstellung von TORNADOs das kleinere und fÃ¼r beherrschbar gehaltene Ãœbel ist. Dabei geraten die Gesamtstrategie, die Art des militÃ¤rischen Vorgehens, die Gefahr des schleichenden Missionsausweitung  (â€žMission Creep&quot;) von ISAF/OEF oder andere Handlungsalternativen vÃ¶llig aus dem Blickfeld. Wenn aber Ã¼ber Fragen und Bedenken einer groÃŸen BevÃ¶lkerungsmehrheit nicht debattiert, sondern stillschweigend hinweggegangen wird, dann wird das den gegenwÃ¤rtigen AkzeptanzrÃ¼ckgang von AuslandseinsÃ¤tzen generell weiter befÃ¶rdern. </p><p>Erste Aufrufe aus der Friedensbewegung, eine Resolution der LAG Frieden und Internationales der Berliner GrÃ¼nen sowie eine von linken BasisgrÃ¼nen verbreitete Resolution (â€žGrÃ¼ne Stimmen gegen den schleichenden Einstieg in den Krieg&quot;) richten sich gegen die TORNADO-Entsendung: Die in den Aufrufen zum Ausdruck kommende Sorge um eine zunehmende Verwicklung der Bundeswehr in Kriegshandlungen in Afghanistan ist sehr berechtigt, ihr DrÃ¤ngen auf verstÃ¤rkte Aufbauanstrengungen ist richtig. WÃ¤hrend sich die Berliner Resolution fÃ¼r die Fortsetzung des bisher bewÃ¤hrten deutschen Kurses mit ISAF und zivilem Engagement einsetzt, erhebt die inzwischen von der GrÃ¼nen Landesversammlung Sachsen beschlossene Resolution (â€ž..gegen den schleichenden Einstieg.. &quot;) allerdings Einzelforderungen, die die deutsche ISAF-Beteiligung schwÃ¤chen, ja unmÃ¶glich machen. (Ablehnung des â€žEinsatzes der deutschen Luftwaffe in Afghanistan&quot; - also auch der Transportflieger; Abzug der KSK-Soldaten, die seit Jahren nur noch zum ISAF-Schutz eingesetzt wurden) Meine BefÃ¼rchtung ist: Wer angesichts der TORNADO-Entscheidung den Abzug ausgerechnet derjenigen ISAF-KrÃ¤fte fordert, die in der afghanischen BevÃ¶lkerung mit am besten angesehen sind, lÃ¤sst die vielen Afghaninnen und Afghanen im Stich, die mehr Aufbau, Frieden und Menschenrechte haben wollen - zugunsten der fundamentalistisch-gewalttÃ¤tigen und terroristischen KrÃ¤fte. </p><p><strong>Was fÃ¼r die TORNADO-Entsendung spricht</strong></p><p>Die multinationale UnterstÃ¼tzung und Absicherung des Aufbaus Afghanistans ist ein â€žGemeinschaftsunternehmen&quot;, das ohne gemeinsame Strategie, KohÃ¤renz, Lasten- und Risikoteilung nicht zu bewÃ¤ltigen ist. Die Entwicklung in den verschiedenen Landesteilen folgt zwar regionalen und lokalen Besonderheiten, lÃ¤sst sich aber nicht vollstÃ¤ndig voneinander trennen.</p><p>Der Erfolg der Stabilsierungsaufgabe von ISAF ist gerade auch unter den geographischen Bedingungen und Risiken Afghanistans und angesichts eines â€žlight footprint&quot;-Ansatzes auch auf bestmÃ¶gliche AufklÃ¤rung und Informationsgewinnung angewiesen. COMISAF verfÃ¼gte bisher Ã¼ber keine â€žeigene&quot; luftgestÃ¼tzte AufklÃ¤rung, sondern war von dem abhÃ¤ngig, was GB, USA und NL nach ErfÃ¼llung ihres nationalen Bedarfs zur VerfÃ¼gung stellten.<strong> </strong>Der Wunsch nach der Bereitstellung zusÃ¤tzlicher AufklÃ¤rungskapazitÃ¤ten ist deshalb durchaus plausibel. Deutschland verfÃ¼gt mit den RECCE-TORNADOs Ã¼ber AufklÃ¤rungsfÃ¤higkeiten wie wenige andere. Im Gegensatz zu anderen FluggerÃ¤ten sind die TORNADOs nur begrenzt zur DirektÃ¼bertragung der AufklÃ¤rungsergebnisse oder zur BekÃ¤mpfung von Bodenzielen in der Lage.</p><p>Die unbemannten PREDATOR-Drohnen der USA, die gleichzeitig zur BekÃ¤mpfung von Zielen eingesetzt werden kÃ¶nnen, gelten im Vergleich zu den RECCE-TORNADOs als leistungsfÃ¤higer. Als mobiles â€žeye in the sky&quot; kÃ¶nnen sie eigene Konvois oder Truppenbewegungen aus der Luft bewachen oder feindliche KrÃ¤fte gezielt bekÃ¤mpfen. GB hat zwei Exemplare bestellt, die bis Ende des Jahres fÃ¼r den Einsatz in Afghanistan zur VerfÃ¼gung stehen sollen. </p><p>Bei einem multinationalen BÃ¼ndniseinsatz kommt es auf Geben und Nehmen der jeweiligen FÃ¤higkeiten an. Das gilt vermehrt im Hinblick auf die nÃ¤chsten Monate, in denen mit besonders schweren Attacken der heterogenen â€žOppositionellen Militanten KrÃ¤fte&quot; zu rechnen ist. Eine ersatzlose Verweigerung der TORNADOs hÃ¤tte angesichts des andauernden DrÃ¤ngens von VerbÃ¼ndeten auf ausgewogene Risikoverteilung und nach so langer Bedenkzeit erhebliche Irritationen im BÃ¼ndnis zur Folge. Die monatelange HÃ¤ngepartie, das Herumlavieren um eine Einbeziehung des Bundestages und die AnkÃ¼ndigungen in BrÃ¼ssel haben dazu gefÃ¼hrt, dass ein NEIN des Deutschen Bundestages einem Misstrauensvotum gegen die Regierung  gleich kÃ¤me. Insofern sprechen in den Regierungsfraktionen nicht nur militÃ¤rische und bÃ¼ndnispolitische ErwÃ¤gungen fÃ¼r den TORNADO-Einsatz. Es gibt auch kaum Zweifel, dass die groÃŸe Koalition nicht aus eigener Kraft in der Lage ist, die TORNADOs in die Luft zu bekommen.</p><p>FÃ¼r die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen mÃ¼ssen bei der AbwÃ¤gungsentscheidung neben BÃ¼ndniserwartungen auch die Erwartungen von Partnern in Afghanistan berÃ¼cksichtigt werden. Dass sich mit dem afghanischen AuÃŸenminister Spanta und dem UN-Sonderbeauftragten fÃ¼r Afghanistan, Tom KÃ¶nigs, zwei GrÃ¼ne fÃ¼r einen TORNADO-Einsatz aussprechen, hat auch mit ihrer Funktion zu tun. Bei einer Nichtzustimmung der GrÃ¼nen besteht das Risiko - wie schon bei unserem Abstimmungsverhalten zur Fortsetzung von OEF -, dass dies innenpolitisch als Absage an ISAF und eine militÃ¤rische Stabilisierung insgesamt oder als Exit-Signal fehlgedeutet werden kÃ¶nnte. (Dies hat sich allerdings bei OEF nicht bewahrheitet. In den Medien und insbesondere in der Bundeswehr wurde unser Nein als konstruktiver â€žWarnruf&quot; - so in der FR - verstanden und in deutlichem Unterschied zum Fundamental-Nein der Linksfraktion.)</p><p><strong>Was gegen eine Zustimmung zur TORNADO-Entsendung spricht </strong></p><p>Zentrales Motiv fÃ¼r die TORNADO-Entsendung auf Seiten der Bundesregierung ist offenkundig das BemÃ¼hen, dem massiven DrÃ¤ngen einiger VerbÃ¼ndeter nach einem SÃ¼d-Einsatz der Bundeswehr den Wind aus den Segeln zu nehmen. Abgesehen davon, dass diese Erwartung eine Illusion ist - ein neuer Einsatz kann nicht nur grundsÃ¤tzlich und bÃ¼ndnistaktisch, sondern muss vor allem auch konkret und im Gesamtkontext der Afghanistan-Politik bewertet werden. Als Abgeordnete kÃ¶nnen wir die Bundeswehr nicht nur deshalb in einen riskanten Einsatz schicken, weil die Bundesregierung einen Brief aus BrÃ¼ssel erhalten hat und wir uns dieser Anfrage vermeintlich nicht entziehen kÃ¶nnen. Zuweilen wird auch in Regierungskreisen behauptet, die Luftwaffe habe selbst dafÃ¼r gesorgt hat, dass Berlin eine Anforderung aus BrÃ¼ssel erhielt.</p><p>Die Bundesregierung betont die schÃ¼tzende Rolle der AufklÃ¤rungsflugzeuge. Ex-Verteidigungs-minister Struck erklÃ¤rt, der TORNADO-Einsatz â€ždient dem Schutz der NATO-Kameraden. Das darf man nicht verweigern.&quot; Unbestreitbar wÃ¤ren die RECCE-TORNADOs nÃ¼tzlich fÃ¼r die Stabilisierungsoperationen von ISAF. Wer aber den TORNADO-Einsatz auf Kameraden- und Nothilfe reduziert, verharmlost ihre Rolle auch bei der KampfunterstÃ¼tzung - und Ã¶ffnet zugleich die TÃ¼r fÃ¼r deutsche Bodentruppen im SÃ¼den. Zudem kann auch prÃ¤zisere AufklÃ¤rung durch Tornados das hohe Risiko ziviler Opfer nicht entscheidend reduzieren, wo Kombattanten und ZivilbevÃ¶lkerung Ã¤uÃŸerlich  angesichts landesÃ¼blicher Kleidung und Bewaffnung kaum zu unterscheiden sind. Militante KrÃ¤fte agieren zum Teil aus der Mitte der BevÃ¶lkerung bzw. verfÃ¼gen Ã¼ber deren RÃ¼ckhalt gerade aufgrund der Art der KriegfÃ¼hrung von Teilen der internationalen StreitkrÃ¤fte.</p><p>Zur <strong>ISAF-Praxis und -OperationsfÃ¼hrung im SÃ¼den</strong> liegen seitens der Bundesregierung fast keine verlÃ¤sslichen Angaben vor. Es Ã¼berwiegen beschÃ¶nigende Unterrichtungen. Untersuchungen und Berichte von vor Ort ergeben ein sehr ernÃ¼chterndes bis beunruhigendes Bild. In ihren jeweiligen ZustÃ¤ndigkeitsbereichen (Provinz, Region) setzen â€žFÃ¼hrungsnationen&quot;  eigene Schwerpunkte. Aus der jÃ¼ngsten Studie von Senlis Council (â€žCountering the Insurgency in Afghanistan: Losing Friends and Making Enemies&quot;, Feb. 2007, mit umfassenden Feldstudien), aus dem Interim Report des kanadischen Standing Senate Committee on National Security and Defence (â€žCanadian Troops in Afghanistan: Taking a Hard Look at a Hard Mission&quot;, Feb. 2007), aus der jÃ¼ngsten SWP-Studie von Citha MaaÃŸ (â€žAfghanistan: Staatsaufbau ohne Staat&quot;, Feb. 2007), aus RÃ¼ckmeldungen von Afghanistan-KennerInnen auf mein Beratungspapier und etlichen Berichten in der internationaler Presse ergibt sich in Umrissen folgendes Bild (vgl. meine Dokumentation â€žAntworten zum BeratungspapierÂ´TORNADOs nach Afghanistan?`&quot; vom 22. Februar 2007):</p><p>In den SÃ¼d-Provinzen Helmand (GB) und Kandahar (CAN) - traditionellen Hochburgen der Taliban - verfolgten die angelsÃ¤chsischen StreitkrÃ¤fte vorrangig eine Strategie, die AufstÃ¤ndischen zu bekÃ¤mpfen. Dabei wurden nicht nur die eigenen Soldaten einem erhÃ¶hten Risiko ausgesetzt, sondern auch die ZivilbevÃ¶lkerung massiv in Mitleidenschaft gezogen und Nothilfe wie Aufbau vernachlÃ¤ssigt. Wo nach der Theorie der AufstandsbekÃ¤mpfung â€žHearts and Minds&quot; der Einheimischen gewonnen werden sollten, geschah in Wirklichkeit das Gegenteil: FÃ¼r viele Menschen ging das VorrÃ¼cken von ISAF und Zentralregierung mit KÃ¤mpfen, Bombardierungen, Flucht und mehr Unsicherheit einher. Gleichzeitig brachten die sprunghaft zugenommenen Selbstmordattentate und Angriffe vor allem Opfer auf Seiten der afghanischen ZivilbevÃ¶lkerung. Eine solche Vorgehensweise fÃ¼hrt nach aller Erfahrung der afghanischen (Kriegs-)Geschichte und von Counterinsurgency-Operationen zur wachsenden Entfremdung und auf Dauer ins Desaster. Bei seinem jÃ¼ngsten Besuch in Kabul hat NATO-GeneralsekretÃ¤r de Hoop Scheffer sich ausdrÃ¼cklich auf die letztjÃ¤hrigen Operationen bezogen und erklÃ¤rt: â€žNATO will do it again.&quot; </p><p>Die niederlÃ¤ndischen StreitkrÃ¤fte sollen hingegen Verbesserungen fÃ¼r die BevÃ¶lkerung und ihre Sicherheit zum Dreh- und Angelpunkt ihrer Strategie in Uruzgan, der dritten Krisenprovinz im SÃ¼den, gemacht haben. Dazu gehÃ¶rte auch eine Dialog-Strategie gegenÃ¼ber Teilen der Taliban. In BedrohungsfÃ¤llen gingen die NL StreitkrÃ¤fte nichtsdestoweniger militÃ¤risch massiv gegen die Taliban vor. </p><p>Die bisherige <strong>DrogenbekÃ¤mpfung</strong> war - abgesehen von einzelnen positiveren Provinzen -  insgesamt erfolglos. FelderzerstÃ¶rungen (Eradication) trafen in einem Umfeld fehlender Alternativen oder nicht eingehaltener Zusagen vor allem die Ã¤rmsten Bauern. Auch dies fÃ¶rderte neben Korruption sowie fehlenden Sicherheits- und Rechtsinstitutionen die Entfremdung gegenÃ¼ber der Regierung und Staatengemeinschaft - und den Zulauf zu den Taliban. FÃ¼r dieses Jahr ist eine massive Ausweitung der Eradication angekÃ¼ndigt. Die afghanische Regierung konnte bisher noch dem massiven US-Druck fÃ¼r einen Herbizid-Einsatz widerstehen.  Der zukÃ¼nftige US-Botschafter in Afghanistan, William B. Wood, kommt direkt aus Kolumbien und wird eine kompromisslose Linie in der Eradication-Politik weiterverfolgen. </p><p>Eine wirkliche ÃœberprÃ¼fung, gar <strong>Korrektur der Afghanistan-Strategie</strong> der Internationalen Gemeinschaft, insbesondere der MilitÃ¤rstrategie(n) und der DrogenbekÃ¤mpfung am Boden, ist bisher nicht erkennbar. Dieses fordern lÃ¤ngst nicht nur die GrÃ¼nen. Besonders deutlich wurde der Korrekturbedarf bei der Ausweitung der ISAF-Mission auf den SÃ¼den und Osten und damit in den Bereich der Operation Enduring Freedom, deren OperationsfÃ¼hrung und Parallelexistenz nach allen unseren Informationen mehr zur Eskalation von Hass und Gewalt als zur EindÃ¤mmung von Terrorismus beitrug. Als dies von den GrÃ¼nen gegen die weitere deutsche Beteiligung an OEF in Afghanistan vorgebracht wurde, verweigerte die Bundesregierung jede konkrete Stellungnahme.</p><p>Auf den verschiedenen politischen NATO-Spitzentreffen seit November blieb die angekÃ¼ndigte Strategiediskussion offenbar noch sehr im Allgemeinen: dass Sicherheit und Entwicklung sich gegenseitig bedingen, dass es einen ganzheitlichen Ansatz vernetzter Sicherheit brauche, dass es darum gehe, KÃ¶pfe und Herzen der Menschen zu gewinnen ist alles richtig. Aber Hinweise auf eine konkrete ÃœberprÃ¼fung und Korrektur der Strategie (bzw. der realiter verschiedenen Strategien) gab es bisher nicht. Die â€žZusammenarbeit&quot; von NATO und EU in Afghanistan soll weiterhin mangelhaft sein.   </p><p>Bisher sehe ich keine Anhaltspunkte dafÃ¼r, dass die USA in Afghanistan eine grundsÃ¤tzlich klÃ¼gere und aussichtsreichere MilitÃ¤rstrategie verfolgen als im Irak. Unter den im SÃ¼den eingesetzten ISAF-Soldaten sind viele mit â€žrobuster&quot; Irak- und OEF-Erfahrung.<strong>  </strong>Der neue US-Verteidigungsminister Gates hob bei der MÃ¼nchener Sicherheitskonferenz die bisherigen â€žSiege&quot; gegen die Taliban hervor und beschwor den Erfolg der NATO-FrÃ¼hjahrsoffensive - als wÃ¼rde das Gewinnen von Gefechten reichen, wo es in erster Linie um das Gewinnen der BevÃ¶lkerung geht. Auch da, wo die USA - wie z.B. im Polizeibereich oder beim Aufbau der afghanischen Armee - massiv in den Aufbau afghanischer KapazitÃ¤ten investieren, geschieht dies in einer Art und Weise, die von vielen als nicht nachhaltig und z.T. kontraproduktiv beurteilt wird. </p><p>Der neueste - angeblich abgewehrte -  VorstoÃŸ des Sicherheitsberaters von PrÃ¤sident Bush, Stephen Hadley, zielte darauf ab, dem (US-)Kommandeur ISAF die Truppen aller ISAF-Staaten uneingeschrÃ¤nkt zur VerfÃ¼gung zu stellen und jede territoriale Verantwortlichkeiten (z.B. Deutschland im Norden) abzuschaffen. Das wÃ¼rde nicht nur ein bewÃ¤hrtes Organisationsprinzip von multinationalen StabilisierungseinsÃ¤tzen aushebeln. Angesichts der US-beherrschten NATO-Kommandoposten wÃ¼rde das eine Unterordnung unter die â€žamerikanische Kampfstrategie&quot; bedeuten, â€ždie in einigen europÃ¤ischen HauptstÃ¤dten fÃ¼r einen Irrweg gehalten wird.&quot; (SZ 22.2.07)   </p><p>AuÃŸenminister Spanta erinnerte bei seinem Berlin-Besuch daran, dass die Staatengemeinschaft in  Afghanistan weniger als ein Zehntel von dem investierte, was sie in Relation zu FlÃ¤che und BevÃ¶lkerung fÃ¼r das Kosovo aufwandte: Wenn der Aufbau im bisherigen Tempo fortgesetzt werde, habe man in fÃ¼nf Jahren erst 10 % der ZerstÃ¶rungen von 26 Jahren Krieg wiederaufgebaut. Afghanische Polizisten und Soldaten erhalten 50-60 US-$ im Monat, Taliban-SÃ¶ldner 200-600 $. Die breit - insbesondere von SpitzenmilitÃ¤rs der NATO und AuÃŸenminister Spanta - erhobene Forderung nach einer <strong>Forcierung des zivilen Aufbaus</strong> fand bisher nur ein unzureichendes Echo: Die USA haben ihren Ressourceneinsatz krÃ¤ftig um 10,6 Mrd. US-$ erhÃ¶ht, davon zu mehr als 80% fÃ¼r den Armee- und Polizeiaufbau. Dabei wird deren Art der Ausbildung im Schnellverfahren Ã¤hnlich wie im Irak kritisiert, da die Polizisten kaum den schwierigen Anforderungen genÃ¼gen und eher paramilitÃ¤rischen Einheiten gleichen, die anfÃ¤llig fÃ¼r Korruption und fehlende Rechtsstaatlichkeit sind, aber wenig zur Stabilisierung beitragen kÃ¶nnen. Norwegen will seine zivile Hilfe um 50% auf 80 Mio. $ erhÃ¶hen. Die EU-Kommission hat demgegenÃ¼ber ihre Afghanistan-Aufwendungen von 600 Mio. Euro bis 2010 im Vergleich zu den Vorjahren gesenkt. Deutschland bleibt bei seinen ca. 80 Mio. Euro/Jahr bilateral; plus 20 Mio. Euro multilateral fÃ¼r den zivilen Aufbau in Afghanistan. Bei der beschlossenen Polizeimission der EU ist lÃ¤ngst nicht ausgemacht, ob diese auch mit einer deutlichen VerstÃ¤rkung der KapazitÃ¤ten einhergeht. Notwendig wÃ¤re ihre Vervielfachung - auch des deutschen Beitrags. Das ist nicht in Sicht. Deutschen PRT-Kommandeuren stehen weiterhin nur 15.000 Euro pro Jahr (!) â€žHandgeld&quot; fÃ¼r quick-impact-Projekte zur VerfÃ¼gung. Die Bundesregierung handelt weiter nach der Devise â€žWir tun unser Bestes im Rahmen unserer begrenzten MÃ¶glichkeiten. Aber an diese Grenzen rÃ¼hren wir nicht.&quot; Es ist ist immer wieder beschÃ¤mend und frustrierend zu erleben, wie mÃ¼hsam einzelne Polizisten und zivile Experten oder bescheidene Summen fÃ¼r zivile Projekte erbettelt werden mÃ¼ssen. Die Leichtigkeit, mit der in kÃ¼rzester Zeit 35 Mio. Euro, 500 Soldaten samt Infrastruktur und hochwertiger AusrÃ¼stung fÃ¼r einen Einsatz in ein weit entferntes Einsatzland bereitgestellt werden kÃ¶nnen, zeigt, wie weit wir von einer Infrastruktur fÃ¼r ein effektives ziviles Krisenmanagement entfernt sind.<strong> </strong> Angesichts eines Zeitfensters, das viele Afghanistan-Beobachter bei sechs bis zwÃ¶lf Monaten sehen, ist eine solche Halbherzigkeit nicht hinnehmbar. Nicht kleckern, sondern klotzen ist jetzt im zivilen Bereich angesagt.  </p><p>Wo MilitÃ¤r- und Antidrogenstrategien nicht korrigiert werden, sondern z.T. eher in die falsche Richtung driften, wo die internationale Afghanistan-Politik die bisherige Unausgewogenheit zwischen militÃ¤rischem und zivilen Engagement nicht zugunsten des letzteren Ã¼berwindet, da lÃ¤uft der Einsatz der RECCE-TORNADOs neben dem positiven Teilnutzen fÃ¼r die Stabilisierungsoperationen auf die UnterstÃ¼tzung einer falschen Strategie hinaus, da verstÃ¤rkt dieser die militÃ¤risch-zivile Unausgewogenheit des deutschen Engagements. </p><p>Als bÃ¼ndnispolitisches Signal ist der TORNADO-Einsatz so verstÃ¤ndlich wie symbolisch und kurzsichtig: Das DrÃ¤ngen von USA, GB und anderen auf eine volle Beteiligung DEU`s, FR`s etc. im SÃ¼den lÃ¤sst sich damit nicht beschwichtigen. Der TORNADO-Einsatz wird der deutschen Seite mehr Einblicke, aber vermutlich nicht viel mehr an Einfluss bringen. Damit Ã¼bernehmen wir eine unmittelbare Mithaftung ohne maÃŸgebliche Mitwirkung.</p><p>WÃ¤hrend die Bundesregierung einerseits einer offenen Diskussion Ã¼ber die Vorgehensweise von ISAF und OEF im SÃ¼den ausweicht, kommen vermehrt Signale aus der GroÃŸen Koalition, die Parlamentsbeteiligung bei AuslandseinsÃ¤tzen zu lockern. Bereits bei der Frage, ob das Parlament einer TORNADO-Entsendung zustimmen muss, wurde hartnÃ¤ckig versucht, das Parlament zu umgehen. Die permanenten Sticheleien gegenÃ¼ber dem Parlamentsbeteiligungsgesetz, die Androhung, das Parlament kÃ¼nftig nur noch Ã¼ber das Land und die Dauer eines Einsatzes abstimmen zu lassen und die dÃ¼rftige Informationspolitik wecken Zweifel, wieweit der Bundesregierung Ã¼berhaupt an einer Zustimmung aus den Reihen der Opposition gelegen ist. Unterrichtungen kurz vor Toresschluss kÃ¶nnen diese Zweifel nicht ausrÃ¤umen.  </p><p><strong>Konditionierte Empfehlung</strong></p><p>Vor dem Hintergrund der Gesamtverantwortung fÃ¼r Afghanistan und einer solidarischen Lastenteilung kÃ¶nnten die TORNADO-AufklÃ¤rer im Rahmen einer aussichtsreichen, tatsÃ¤chlich gewalteindÃ¤mmenden MilitÃ¤rstrategie und einer ausgewogenen Afghanistan-Politik insgesamt Sinn machen. </p><p>Es hat keinen Sinn, dass die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen in einem Begleitantrag lediglich erneut - aber folgenlos -beklagen, was von der Regierung getan werden mÃ¼sste. Die Bundesregierung ist in der Bringpflicht: </p><p><strong>Solange</strong> die Bundesregierung nicht glaubhaft gemacht hat, dass ISAF den Aufstand im SÃ¼den mit einer aussichtsreichen statt mit einer kontraproduktiven Strategie einzudÃ¤mmen versucht, </p><p><strong>solange</strong> die Bundesregierung sich nicht erkennbar stark macht fÃ¼r eine konstruktive statt destabilisierende Art der DrogenbekÃ¤mpfung (Vorrang einer breit gefÃ¶rderten alternativen Entwicklung, Verzicht auf FelderzerstÃ¶rung bei den Ã¤rmsten Bauern),</p><p><strong>solange</strong> die Bundesregierung nicht erkennbar ihre zivilen Aufbauanstrengungen substanziell forciert (z.B. Vervielfachung des Deutschen Polizeianteils) und den Etatansatz dafÃ¼r deutlich aufstockt,</p><p><strong>kann ich eine Zustimmung zu dem TORNADO-Einsatz nicht empfehlen</strong>. </p><p>Seit 2002 habe ich immer wieder vor Ort erlebt, wie notwendig, klug und wirksam der ISAF-Ansatz ist, wie er von Deutschland und etlichen anderen VerbÃ¼ndeten praktiziert wird.  Bei Soldaten im Einsatz und in Deutschland erfahre ich inzwischen wachsenden Unwillen Ã¼ber die zurÃ¼ckbleibenden zivilen Anstrengungen und FÃ¤higkeiten - und umgekehrt bei Zivilexperten ihre unzureichende Ausstattung. Seit Juli 2006 mache ich auf die verschÃ¤rfte Situation in Afghanistan aufmerksam und forderte zusammen mit der Fraktion in mehreren EntschlieÃŸungsantrÃ¤gen (zu ISAF, zu OEF) eine ÃœberprÃ¼fung der Afghanistan-Strategien  a m  B o d e n  und ihre Korrektur da, wo nÃ¶tig. Die dringenden Appelle bekamen unter Fachleuten viel Zuspruch, blieben in der realen Afghanistan-Politik aber weitgehend ohne Wirkung. Vor diesem Hintergrund ist eine Nichtzustimmung zum TORNADO-Einsatz in keiner Weise gegen das bisherige deutsche ISAF-Engagement gerichtet und ganz und gar kein Exit-Signal - im Gegenteil. Eine Nichtzustimmung ist  viel mehr ein <strong>Warrnruf</strong>, das internationale Engagement und ISAF insgesamt nicht vor die Wand zu fahren und das schmale <strong>Zeitfenster fÃ¼r VerÃ¤nderung und Koordination der MilitÃ¤rstrategie sowie der zivilen Anstrengungen jetzt zu nutzen</strong>. DAS muss unsere Botschaft sein. </p></div>


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