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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanistan-Einsatz - Von der Stabilisierung zur AufstandsbekÃ¤mpfung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Sudan</span>

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        <h1>
            Afghanistan-Einsatz - Von der Stabilisierung zur AufstandsbekÃ¤mpfung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 2. Februar 2011 09:06:05 +02:00 (206925 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Im gerade erschienenen Jahrbuch 20 des Zentrums fÃ¼r Niederlande-Studien in MÃ¼nster zieht W. Nachtwei eine Zwischenbilanz des Afghanistaneinsatzes der Bundeswehr: Von der Stabilisierung zur AufstandsbekÃ¤mpfung. Im Folgenden eine leicht gekÃ¼rzte Version des Beitrags, der vollstÃ¤ndige Text ist <a href="downloads/beitraege/Nachtwei-Buchbeitrag-NL-11-10.pdf">hier</a> als PDF-Datei herunterladbar.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Der Afghanistaneinsatz der Bundeswehr - Von der Stabilisierung zur AufstandsbekÃ¤mpfung<a name="_ftnref1" href="index.php/articles/news/1033#_ftn1"><strong>[1]</strong></a></strong></p>
<p align="center"><em>Winfried Nachtwei</em></p>
<p>Am 1. August 2010 begannen die Niederlande als erstes NATO-Mitglied mit ihrem militÃ¤rischen RÃ¼ckzug aus Afghanistan. Im MÃ¤rz hatte eine <em>Shura</em> in der SÃ¼dprovinz Uruzgan an das niederlÃ¤ndische Parlament appelliert, die niederlÃ¤ndischen TruppenÂ  nicht vorzeitig aus Afghanistan abzuziehen. Noch im August 2010 kam das <em>Liaison Office</em> in Kabul in seiner Evaluierung von vier Jahren niederlÃ¤ndischem Einsatz in Uruzgan zu einer differenziert positiven Bewertung. <a name="_ftnref2" href="index.php/articles/news/1033#_ftn2">[2]</a></p>
<p>Am 26. Februar 2010 beschloss der Deutsche Bundestag zum zehnten Mal die Fortsetzung der deutschen Beteiligung an der <em>International Security Assistance Force (ISAF)</em> in Afghanistan. 429 Abgeordnete stimmten dafÃ¼r, 111 dagegen, 46 enthielten sich. Auch wenn die erste ISAF-Entscheidung am 22. Dezember 2001 noch mit 538 zu 35 Stimmen bei acht Enthaltungen gefÃ¤llt wurde, so scheint auch im neunten Einsatzjahr die parlamentarische Zustimmung zum ISAF-Einsatz solide zu sein. Doch der Eindruck tÃ¤uscht. Die ansehnliche Stimmenmehrheit beruht zum abnehmenden Teil auf Ãœberzeugung. Wo politische Zweifel, ja Depression zunehmen, wird die Mehrheit in erheblichem MaÃŸe durch Koalitionsdisziplin, bÃ¼ndnispolitische ZwÃ¤nge und abschreckende Alternativen gewÃ¤hrleistet.</p>
<p>In Deutschland und in den Mitgliedsstaaten von ISAF ist die Afghanistan-MÃ¼digkeit, der Drang zum â€žRaus&quot; unÃ¼bersehbar. Angesichts der Hiobsbotschaften ist das nicht verwunderlich: Das <em>Afghanistan NGO Security Office (ANSO)</em> meldete fÃ¼r das dritte Quartal 2010 9.831 Angriffe der bewaffneten Opposition, 59% mehr als im Vorjahrszeitraum. Die <em>WikiLeaks</em>-EnthÃ¼llungen haben das deprimierende Bild der Entwicklung in Afghanistan verstÃ¤rkt. Der ISAF-Einsatz der Bundeswehr wurde von der deutschen BevÃ¶lkerung in den ersten Jahren mehrheitlich befÃ¼rwortet. Inzwischen befindet er sich in einer hochkritischen Lage. In Teilen ihres Einsatzgebietes sind die deutschen Soldaten mit einem Guerilla- und Terrorkrieg konfrontiert und weiter denn je von ihrem Stabilisierungsziel entfernt. Seit FrÃ¼hjahr 2009 stehen sie zeitweilig tÃ¤glich in KampfeinsÃ¤tzen. Erstmalig sind Bundeswehrsoldaten im Jahr 2009 im Kampf gefallen. Erstmalig tÃ¶teten Bundeswehrsoldaten etliche Dutzend Gegner im Kampf. Die Gewalteskalation erreichte am 4. September 2009 ihren vorlÃ¤ufigen HÃ¶hepunkt, als ein vom deutschen Kommandeur in Kunduz angeordneten Luftangriff 91 Todesopfer und 11 Schwerverletzte forderte, darunter viele Zivilpersonen.<a name="_ftnref3" href="index.php/articles/news/1033#_ftn3">[3]</a> Der Luftschlag von Kunduz beschleunigte den Akzeptanzverfall des Afghanistaneinsatzes. In der deutschen BevÃ¶lkerung ist die Ablehnung des Einsatzes so breit wie nie zuvor. Die politische und militÃ¤rische FÃ¼hrung haben bei den Soldaten in den letzten Jahren erheblich an Vertrauen verloren. Der Verteidigungsausschuss des Bundestages ermittelt seit vielen Monaten zum Luftangriff von Kunduz und dem politischen Umgang damit. Die deutsche Debatte um Afghanistan ist zersplittert und in der verbreiteten Ratlosigkeit dominiert von Teilaspekten wie militÃ¤rische AusrÃ¼stung oder den moralischen Grenzen von TÃ¶ten im asymmetrischen Krieg. Eine strategische Debatte und ein fundierter Wirksamkeitsdiskus finden demgegenÃ¼ber kaum statt.</p>
<p>FÃ¼r die NATO-gefÃ¼hrte ISAF und insbesondere die USA gelten 2010/2011 als die Jahre, in denen die jahrelange AbwÃ¤rtsdynamik der Sicherheitslage umgekehrt werden soll und die Voraussetzungen fÃ¼r einen schrittweisen Abzug von ISAF-KrÃ¤ften ab 2011 geschaffen werden sollen.</p>
<p><em>Erzwungener Einstieg</em></p>
<p>Deutsches Engagement in und fÃ¼r Afghanistan begann nicht erst nach dem 11. September 2001. Gerade auf afghanischer Seite sind die Erinnerungen an deutsch-afghanische Zusammenarbeit im 20. Jahrhundert, an deutsche Entwicklungshilfe in den 1960er und 1970er Jahren noch sehr wach und gut. Die Deutsche Welthungerhilfe zum Beispiel nahm 1980 ihre Arbeit in Afghanistan auf.</p>
<p>In das Gesichtsfeld einer breiteren Ã–ffentlichkeit in Deutschland trat Afghanistan mit den TerroranschlÃ¤gen vom 11. September 2001.Â  Nach der anfÃ¤nglichen breiten und ehrlichen SolidaritÃ¤t mit den angegriffenen USA war die politische Entscheidung zu einem Bundeswehreinsatz in Afghanistan hoch strittig. Am 16. November 2001 beschloss der Bundestag die deutsche Beteiligung an der US-gefÃ¼hrten Antiterror-Operation <em>Enduring Freedom</em> (OEF), darunter den Einsatz von bis zu 100 Spezialsoldaten in Afghanistan. Ausschlaggebend war dabei das Motiv der BÃ¼ndnissolidaritÃ¤t gegenÃ¼ber den USA. Ohne den Druck der von Bundeskanzler SchrÃ¶der gleichzeitig gestellten Vertrauensfrage hÃ¤tte die rotgrÃ¼ne Koalition wohl keine Mehrheit fÃ¼r diesen Einsatz zustande gebracht. Was dabei als â€žuneingeschrÃ¤nkte SolidaritÃ¤t&quot; beschworen wurde, war de facto recht begrenzt.</p>
<p>Der geheime OEF-Afghanistaneinsatz des Kommando SpezialkrÃ¤fte (KSK) lief im Herbst 2005 aus und wurde im Jahr 2008 offiziell beendet. Die Ermittlungen des Verteidigungsausschusses als Untersuchungsausschuss im Jahr 2008 ergaben, dass der KSK-Einsatz weit hinter seinem Antiterror-Auftrag wie auch damaligen BefÃ¼rchtungen zurÃ¼ckblieb: Bei ihren EinsÃ¤tzen verhafteten, tÃ¶teten und verletzten die KSK-Soldaten keinen Menschen. Hauptprobleme dieses Einsatzes waren, dass es fÃ¼r die deutsche Beteiligung schon bald keinen sicherheitspolitischen Bedarf mehr gab und sie nur noch aus symbolpolitischen GrÃ¼nden gegenÃ¼ber den USA aufrecht erhalten wurde. Der OEF-EinsatzÂ  war einer echten parlamentarischen Kontrolle praktisch entzogen. Bis zuletzt verweigerte die Bundesregierung jede Wirksamkeitsbewertung des OEF-Einsatzes in Afghanistan.<a name="_ftnref4" href="index.php/articles/news/1033#_ftn4">[4]</a> Die zu Recht gelobte deutsche Parlamentsbeteiligung bei AuslandseinsÃ¤tzen erlebte im Fall OEF ihren - selbst verschuldeten - Tiefpunkt. Jahrelang wurde verdrÃ¤ngt, dass die RealitÃ¤t von OEF als Teil des <em>War on Terror</em> dem Ansatz von ISAF zuwiderlief und Hass und Gewalt mehr schÃ¼rte als eindÃ¤mmte. â€žFeigheit unter Freunden&quot; verhinderte, diesen strategischen Dissens auszutragen.</p>
<p><em>Auftrag ohne Bodenhaftung</em></p>
<p>Viel weniger strittig in Parlament und Ã–ffentlichkeit war die Entscheidung zur Bundeswehrbeteiligung an ISAF ein Monat spÃ¤ter nach der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg. Die politische und rechtliche Basis des ISAF-Einsatzes der Bundeswehr sind die Resolutionen des UNO-Sicherheitsrates und die MandatsbeschlÃ¼sse des Deutschen Bundestages.</p>
<p>Der Startauftrag von 2001 lautete, die â€žvorlÃ¤ufigen Staatsorgane Afghanistans bei der Aufrechterhaltung der Sicherheit in Kabul und seiner Umgebung so zu unterstÃ¼tzen, dass sowohl die vorlÃ¤ufige afghanische Regierung als auch das Personal der VereinenÂ  Nationen in einem sicheren Umfeld arbeiten kÃ¶nnen.&quot;<a name="_ftnref5" href="index.php/articles/news/1033#_ftn5">[5]</a> Autorisiert wurden die deutschen ISAF-KrÃ¤fte zu â€žallen erforderlichen MaÃŸnahmen einschlieÃŸlich der Anwendung militÃ¤rischer Gewalt, um den Auftrag gemÃ¤ÃŸ Resolution 1386 (2001) durchzusetzen. Das Recht zur individuellen und kollektiven Selbstverteidigung bleibt davon unberÃ¼hrt. Den im Rahmen dieser Operation eingesetzten KrÃ¤ften wird auch die Befugnis zur Wahrnehmung des Rechts auf bewaffnete Nothilfe zugunsten jedermann erteilt.&quot; Mit dem vierten Mandat vom 24. Oktober 2003 wurde der Auftrag um den Schutz fÃ¼r anderes internationales, dem Wiederaufbau und humanitÃ¤ren Aufgaben nachgehendes Zivilpersonal, die UnterstÃ¼tzung der Sicherheitssektorreform sowie der Demilitarisierung, Demobilisierung und Reintegration ehemaliger Kombattanten, BeitrÃ¤ge zur zivil-militÃ¤rischen Zusammenarbeit und Mitwirkung bei der Wahlabsicherung ergÃ¤nzt. Erst das jÃ¼ngste Mandat von 2010 nennt auch den Schutz der BevÃ¶lkerung als besondere Aufgabe der Bundeswehr.</p>
<p>Die KontinuitÃ¤t des allgemeinen Auftrags ging einher mit einer schrittweisen quantitativen und qualitativen Ausweitung: 2003 Ãœbernahme der ISAF-Leitfunktion in Kabul zusammen mit den Niederlanden durch den Stab des 1. Deutsch-NiederlÃ¤ndischen Corps aus MÃ¼nster; Ende 2003 Ãœbernahme des <em>Provincial Reconstruction Team</em> (PRT) Kunduz mit den Nordostprovinzen Kunduz, Takhar und Badakhshan als Verantwortungsbereich; ab Mitte 2006 FÃ¼hrungsrolle fÃ¼r die ISAF-Region Nord mit ihren neun Provinzen; 2007 Entsendung von sechs AufklÃ¤rungs-Tornados und 2008 Ãœbernahme der <em>Quick Reaction Force</em> fÃ¼r die Region Nord von den Norwegern; Aufwuchs der maximalen TruppenstÃ¤rke von anfangs 1.200 auf 2.500 im Jahr 2003, 3.500 in 2007, 4.500 in 2008 auf 5.350 in 2010.<a name="_ftnref6" href="index.php/articles/news/1033#_ftn6">[6]</a></p>
<p>Trotz erheblichen Drucks von Seiten einiger VerbÃ¼ndeter kam es nicht zu einer generellen Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in andere ISAF-Regionen, insbesondere in den SÃ¼den. Â Die niederlÃ¤ndische Nachfrage nach UnterstÃ¼tzung ihrer Polizeiaufbauhilfe in Uruzgan auch durch deutsche Polizisten wurde seitens der Bundesregierung abgelehnt. Das deutsche Entwicklungsministerium erlaubte der GTZ International Services erst mit erheblicher VerzÃ¶gerung, einen GroÃŸauftrag der niederlÃ¤ndischen Regierung fÃ¼r das Provinzentwicklungsprogramm Uruzgan anzunehmen. FÃ¼r den landesweiten Einsatz stellt die Bundeswehr aber LufttransportkapazitÃ¤ten, die AufklÃ¤rungs-Tornados sowie in begrenztem Umfang spezifisches Fachpersonal zur VerfÃ¼gung. Davon unabhÃ¤ngig ist die Bundeswehr an der FÃ¼hrung des ISAF Hauptquartiers in Kabul beteiligt, allerdings mit abnehmender Tendenz.</p>
<p>Die deutschen Afghanistanmandate leiden unter mehreren fundamentalen Defiziten:</p>
<ol type="1">
<li>Die AuftrÃ¤ge wurden immer sehr allgemein, losgelÃ¶st      von der konkreten Lageentwicklung und unter Verzicht auf Ã¼berprÃ¼fbare      Teilziele formuliert. Die VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage in den letzten      Jahren und der partielle Ãœbergang eines Stabilisierungs- zu einem Kampfeinsatz      spiegeln sich nicht im Mandat. Der unverÃ¤nderte Auftrag â€žAufrechterhaltung      der Sicherheit&quot; verschweigt die RealitÃ¤t der NATO-AufstandsbekÃ¤mpfung, wie      sie in internen Papieren des deutschen Kontingents seit Sommer 2009 sehr      wohl benannt ist. Somit fehlt es an Auftragsklarheit.</li>
<li>Die â€žMandatsanpassungen&quot; waren in der Regel kurzfristige      Kompromisse zwischen operativem Bedarf und BÃ¼ndnisforderungen einerseits      und innenpolitischen RÃ¼cksichtnahmen andererseits. Weil nie fÃ¼r eine      umfassende ÃœberprÃ¼fung und Neuausrichtung des Afghanistaneinsatzes Â innegehalten wurde, wurden daraus faule      Kompromisse fÃ¼r beide Seiten: BefÃ¶rdert wurde hierzulande der Eindruck      eines Einsatzes auf der Rutschbahn und damit - historisch Ã¼beraus      begrÃ¼ndetes - Misstrauen. Auf Seiten der EinsatzkrÃ¤fte in Afghanistan      wuchs hingegen die Wahrnehmung, mangels entsprechender KapazitÃ¤ten und FÃ¤higkeiten      LageverschÃ¤rfungen nicht wirksam begegnen zu kÃ¶nnen. </li>
<li>SchlieÃŸlich beschrÃ¤nken sich die Mandate auf die      militÃ¤rischen Aufgaben, FÃ¤higkeiten und KapazitÃ¤ten und lassen die      diplomatischen, entwicklungspolitischen und polizeilichen Aufgaben auÃŸer      Acht. Das aber begÃ¼nstigt nach aller Erfahrung der letzten Jahre eine      militÃ¤rfixierte Wahrnehmung des Afghanistanengagements und damit eine strukturelle      VernachlÃ¤ssigung der zivilen Anstrengungen. Das konterkariert die viel beschworene      Grundeinsicht, wonach die FÃ¶rderung von <em>Governance</em> und Entwicklung der Dreh- und Angelpunkt des      internationalen Afghanistanengagements sein soll. </li>
</ol>
<p><em>LÃ¼ckenhafte Einsatzkontrolle -Â  Nebel des Einsatzes</em></p>
<p>Nach der Mandatierung durch den Bundestag untersteht ein Bundeswehrkontingent wie in jedem Auslandseinsatz einer nationalen und einer multinationalen Befehlskette.</p>
<p>Der nationale FÃ¼hrungsstrang reicht von der strategischen Ebene von Minister und Generalinspekteur mit dem EinsatzfÃ¼hrungsstab Ã¼ber das EinsatzfÃ¼hrungskommando in Potsdam bis zur taktischen Ebene des Einsatzkontingents. Der nationale Strang ist zustÃ¤ndig fÃ¼r die Bereitstellung von Personal und AusrÃ¼stung, die Einsatzauswertung, die truppendienstliche FÃ¼hrung und Ã¼berwacht die Einhaltung des Mandats. Ãœber den nationalen Strang nimmt die deutsche militÃ¤rische FÃ¼hrung auch Einblick in die Operationsplanung der deutschen ISAF-KrÃ¤fte und gegebenenfalls auch Einfluss. Auf diesem FÃ¼hrungsstrang war immer wieder ein Konfliktthema die von etlichen Einsatzsoldaten erhobene Forderung nach schwereren Waffen und grÃ¶ÃŸerer Handlungsfreiheit.</p>
<p>Der multinationale FÃ¼hrungsstrang geht vom <em>Allied Joint Force Command</em> der NATO im niederlÃ¤ndischen Brunssum<a name="_ftnref7" href="index.php/articles/news/1033#_ftn7">[7]</a> Ã¼ber das ISAF Hauptquartier in Kabul und das <em>Regional Command North</em> bis zu den PRT auf Provinzebene und beinhaltet die operative FÃ¼hrung im Einsatz. Die Operationen werden geplant und durchgefÃ¼hrt im Rahmen des ISAF-Operationsplans, dessen geheimer Anhang die Einsatzregeln (<em>rules of engagement</em>) beinhaltet. Diese regeln unter anderem den nach dem VerhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸigkeitsgrundsatz abgestuften Einsatz von militÃ¤rischer Gewalt und die FreigabeautoritÃ¤t fÃ¼r schwere Waffen. Andauerndes Konfliktthema auf diesem FÃ¼hrungsstrang waren immer wieder die nationalen Vorbehalte (<em>caveats</em>) Â einzelner Truppensteller fÃ¼r ihre KrÃ¤fte. Was fÃ¼r die Entsendestaaten ein grundsÃ¤tzlich legitimes BemÃ¼hen um eine Einhegung des eigenen Einsatzbeitrages ist, schrÃ¤nkt andererseits die Handlungsfreiheit eines ISAF-Kommandeurs erheblich ein. Auf deutscher Seite sind die BeschrÃ¤nkung des Einsatzraumes und die Nichtbeteiligung an der direkten DrogenbekÃ¤mpfung de facto solche <em>caveats</em>.</p>
<p>Der Bundestag entscheidet nicht nur konstitutiv Ã¼ber einen Einsatz. Er begleitet und kontrolliert auch die laufenden EinsÃ¤tze der â€žParlamentsarmee&quot; Bundeswehr. Eine wichtige, aber nicht ausreichende Grundlage dafÃ¼r sind die Unterrichtungen der Bundesregierung: die vertraulichen schriftlichen Wochenberichte (â€žUnterrichtungen des Parlaments&quot;) fÃ¼r die zustÃ¤ndigen FachausschÃ¼sse zu besonderen Vorkommnissen in den Einsatzgebieten; die mÃ¼ndlichen Unterrichtungen und Beratungen in den AusschÃ¼ssen, im Verteidigungsausschuss durchschnittlich ein bis zwei Stunden pro Sitzung; periodische Geheimunterrichtungen der Obleute von AuswÃ¤rtigem und Verteidigungsausschuss durch die Spitze des Verteidigungsministeriums Ã¼ber geheime Aspekte des Einsatzes, insbesondere den Einsatz von SpezialkrÃ¤ften; Antworten der Bundesregierung auf Anfragen aus den Fraktionen. Diese offiziellen Informationen sind nÃ¼tzlich, aber lÃ¤ngst nicht ausreichend.</p>
<p>Neben der Information Ã¼ber aktuelle Ereignisse fehlt es an systematischen Lagebildern der Sicherheitsentwicklung, die Trends, Schwerpunkte und Ursachen hÃ¤tten deutlich werden lassen. Mit dem Kriterium â€žsicherheitsrelevante VorfÃ¤lle&quot; wie Feuerwechsel/Gefechte, SprengstoffanschlÃ¤ge und indirekten Beschuss wird in erster Linie die Sicherheitslage der eigenen KrÃ¤fte dargestellt, nicht aber das â€žsichere Umfeld&quot;, das zu fÃ¶rdern der Kernauftrag von ISAF ist. Somit unterbleibt eine WirksamkeitsÃ¼berprÃ¼fung der eigenen AuftragserfÃ¼llung. Dieser grundlegende Mangel ist auch mit der offeneren Informationspolitik unter Minister zu Guttenberg noch nicht Ã¼berwunden.</p>
<p>Umso wichtiger sind fÃ¼r zustÃ¤ndige Parlamentarier Besuche bei den Einsatzkontingenten. Trotz aller Wahrnehmungsgrenzen kurzer und betreuter Besuche besteht hierbei noch die grÃ¶ÃŸte Chance, an ein ungeschminktes Bild der Lageentwicklung zu kommen. Schon 2006 erfuhren Besucher von beunruhigenden Trends auch im Norden. Auch wenn in der MilitÃ¤rhierarchie das SchÃ¶nschreiben von Berichten ein verbreitetes PhÃ¤nomen sein soll, so erreichten kritische Botschaften lange Zeit wohl die militÃ¤rische FÃ¼hrung, nicht aber das Parlament oder gar die Ã–ffentlichkeit. Ãœber die GeheimeinsÃ¤tze des KSK bei ISAF wurden die Obleute von AuswÃ¤rtigem und Verteidigungsausschuss wohl regelmÃ¤ÃŸig grob unterrichtet. Von einer parlamentarischen Kontrolle war das aber weit entfernt. Solche Art von Berichtswesen erleichterte eine Abkoppelung der Politik vom Einsatzbedarf vor Ort und fÃ¶rderte eine Sicherheitspolitik eher nach innenpolitischen Interessen.</p>
<p><em>Norderweiterung mit Provincial Reconstruction Teams</em></p>
<p>Der ISAF-Einsatz beschrÃ¤nkte sich zunÃ¤chst mit relativ schwachen KrÃ¤ften auf die Hauptstadt Kabul. Im Dezember 2002 umfasste ISAF knapp 5.000 Soldatinnen und Soldaten aus 21 LÃ¤ndern, davon 1.050 aus Deutschland. Bis August 2010 wuchs ISAF auf fast 120.000 Soldaten aus 47 Nationen auf, davon allein 78.500 aus den USA. Im ersten ISAF-Jahr war die Bundeswehr als grÃ¶ÃŸtes Truppenkontingent zustÃ¤ndig fÃ¼r das Zentrum von Kabul.<a name="_ftnref8" href="index.php/articles/news/1033#_ftn8">[8]</a> Der Ansatz des <em>light footprint</em> war angesichts der katastrophalen Erfahrungen mit GroÃŸinterventionen in Afghanistan plausibel, ging aber zugleich mit dem Wunschdenken einher, Ã¼ber die Ausstrahlung eines blÃ¼henden Kabul dem ganzen Land auf die Beine helfen zu kÃ¶nnen. Ãœberdies verlagerten die auf kriegerische TerrorbekÃ¤mpfung fixierten USA und andere VerbÃ¼ndete ihr Engagement schon im Laufe 2002 weg von Afghanistan Richtung Irak. Das schwÃ¤chte das internationale Engagement gerade in den Startjahren, wo nach aller internationalen <em>Peacebuildung</em>-Erfahrung die Chancen noch am grÃ¶ÃŸten sind.</p>
<p>Vor dem Hintergrund zunehmender Angriffe auf AngehÃ¶rige von Hilfs- und UNO-Organisationen riefen im Juni 2003 79 internationale Nichtregierungsorganisationen ISAF und NATO dazu auf, ihre PrÃ¤senz auf das ganze Land auszuweiten. Deutschland gehÃ¶rte zu den ersten LÃ¤ndern, die ab Ende 2003 auÃŸerhalb Kabuls Verantwortung Ã¼bernahmen. Erst zweieinhalb Jahre spÃ¤ter erreichte die ISAF-Erweiterung den SÃ¼den und Osten - und eskalierte vor allem in Helmand und Kandahar sofort zu einem opferreichen Kampfeinsatz.</p>
<p>Als die Bundeswehr im Januar 2004 das PRT Kunduz Ã¼bernahm und 2006 die FÃ¼hrungsverantwortung fÃ¼r die ganze ISAF-Region Nord, war der Norden keineswegs so risikoarm, wie er lange Zeit in den Medien dargestellt wurde. Die neun Provinzen erstrecken sich Ã¼ber 1.200 mal 400 Kilometer, sind teilweise extrem gebirgig und wegen des schlechten Wegenetzes Ã¤uÃŸerst schwer zugÃ¤nglich. Bei meinem ersten Besuchen in Kunduz im Januar 2004 wies der PRT-Kommandeur auf das Fehlen staatlicher Strukturen, erhebliche Destabilisierungsfaktoren und ein latentes Eskalationspotenzial lokaler Konflikte hin. In den Nordwestprovinzen Faryab, Jowzjan und Balkh hatten noch 2003 Ã¼ber Monate bewaffnete KÃ¤mpfe zwischen Truppen der regionalen Machthaber Abdul Raschid Dostum und Atta Mohammad Noor getobt. Teile der Provinzen Kunduz und Baghlan waren frÃ¼her <em>Taliban</em>-Hochburgen. Bis heute spielen in der Region Parallelstrukturen ehemaliger Kommandeure der Nordallianz eine zentrale Rolle, gehen Hauptrouten des Drogenschmuggels durch Kunduz.</p>
<p>Um in diesem schwierigen Umfeld die eigenen schwachen KrÃ¤fte bestmÃ¶glich zur Wirkung zu bringen, wurde das von den USA im Rahmen von OEF entwickelte PRT-Konzept Ã¼bernommen und weiter entwickelt. Das deutsch-gefÃ¼hrte PRT wurde statt OEF ISAF unterstellt (â€žISAF-Insel&quot;). Heute unterstehen alle PRT`s mit jeweils kleinen multinationalen Anteilen ISAF, praktizieren aber je nach FÃ¼hrungsnation unterschiedliche Modelle. Unter dem Dach des deutschen PRT sollten vier Ressorts der Bundesregierung zusammenwirken: die Bundeswehr fÃ¼r ein sicheres und stabiles Umfeld, das AuswÃ¤rtige Amt fÃ¼r politische UnterstÃ¼tzung und humanitÃ¤re Hilfe, das Entwicklungsministerium fÃ¼r Wiederaufbau und Entwicklung, das Innenministerium fÃ¼r Polizeiaufbau und -ausbildung. Diese bisher nicht gekannte Form der zivil-militÃ¤rischen Zusammenarbeit war vor allem in den AnfÃ¤ngen sowohl bei MilitÃ¤rs wie bei den Vertretern der Entwicklungszusammenarbeit sehr umstritten. Aus Sicht der Bundesregierung gelten die PRT`s seit Jahren als Musterbeispiele des Ansatzes der vernetzten Sicherheit (<em>Comprehensive Approach)</em>.</p>
<p>Die Wirklichkeit sah trotz oft pragmatisch-guter Zusammenarbeit vor Ort erheblich anders aus. Schon die PersonalkapazitÃ¤ten waren hÃ¶chst unterschiedlich. Neben der starken militÃ¤rischen SÃ¤ule bestand die jeweilige Vertretung des AuswÃ¤rtigen Amtes beim Regionalkommandeur Nord bzw. den PRT`S aus einem bis maximal drei Beamten. Auch engagierteste Beamte konnten unter solchen Bedingungen nur ansatzweise zur SchlÃ¼sselaufgabe FÃ¶rderung von Staatlichkeit beitragen, von der Umsetzung des Primats der Politik ganz zu schweigen.</p>
<p>Die Entwicklungsarbeit war personell Ã¼ber die DurchfÃ¼hrungsorganisationen wie Gesellschaft fÃ¼r Technische Zusammenarbeit (GTZ), Deutscher Entwicklungsdienst (DED) und Kreditanstalt fÃ¼r Wiederaufbau (KfW) mit ihren entsandten und einheimischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erheblich besser aufgestellt. Ihre rÃ¤umliche Distanz zum PRT ergab sich aus dem Ansatz der Entwicklungszusammenarbeit, fÃ¼r die NÃ¤he zur BevÃ¶lkerung essentiell ist. Das gilt noch mehr fÃ¼r humanitÃ¤re Hilfsorganisationen, deren WirkungsmÃ¶glichkeiten und Sicherheit gerade auf ihrer NeutralitÃ¤t und ihrer Aufnahme durch die BevÃ¶lkerung beruhen.</p>
<p>Die Kommunikation und Kooperation zwischen den Ressorts ist stark personenabhÃ¤ngig.</p>
<p>Ein zentraler Konfliktpunkt war immer wieder das VerhÃ¤ltnis von kurzfristigen CIMIC-MaÃŸnahmen<a name="_ftnref9" href="index.php/articles/news/1033#_ftn9">[9]</a> im Rahmen der <em>Force Protection</em> (Schutz der eigenen KrÃ¤fte) zu nachhaltigen EntwicklungsmaÃŸnahmen. Andere Kooperationsprobleme ergeben sich aus den sehr unterschiedlichen EinsatzzeitrÃ¤umen, Organisationskulturen und MentalitÃ¤ten.</p>
<p>Seit Polizisten im Rahmen des <em>German Police Project Teams</em> (GPPT) in grÃ¶ÃŸerer Zahl in den <em>Police Training Centers</em> arbeiten und von FeldjÃ¤gern der Bundeswehr unterstÃ¼tzt werden, wird die Zusammenarbeit von beiden Seiten durchgÃ¤ngig gelobt.</p>
<p>Seit Jahren steht ein Grundkonflikt zwischen den MilitÃ¤rs und den Zivilen im Raum: Die militÃ¤rische Seite kritisierte seit Jahren die personelle SchwÃ¤che vor allem des Innenministeriums und AuswÃ¤rtigen Amtes und unzureichende Aufbauanstrengungen, wodurch EnttÃ¤uschungen und Perspektivlosigkeit zugenommen hÃ¤tten, KÃ¶pfe und Herzen verloren gegangen wÃ¤ren - und AufstÃ¤ndische hÃ¤tten FuÃŸ fassen kÃ¶nnen. Umgekehrt kam von ziviler Seite immer wieder der Vorwurf, ISAF und Bundeswehr hÃ¤tten sich zu sehr auf den Selbstschutz fixiert, den Kontakt zur BevÃ¶lkerung und deren Schutz aus den Augen verloren und damit ihre Kernaufgabe, Sicherheit zu fÃ¶rdern, vernachlÃ¤ssigt. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen lehnen das PRT-Konzept ab, weil damit zivile und militÃ¤rische Aufgaben verwischt, die UnabhÃ¤ngigkeit der Nichtregierungsorganisationen infrage gestellt und ihre Sicherheit gefÃ¤hrdet werde.<a name="_ftnref10" href="index.php/articles/news/1033#_ftn10">[10]</a> Eine unabhÃ¤ngige Evaluierung der deutschen PRT`s wurde schon vor Jahren angeregt, aber fand auf politischer Ebene kein GehÃ¶r.<a name="_ftnref11" href="index.php/articles/news/1033#_ftn11">[11]</a></p>
<p><em>Vom Stabilisierungseinsatz zur AufstandsbekÃ¤mpfung</em></p>
<p>Mit dem <em>Regional Command North</em> Ã¼bernahm die Bundeswehr die FÃ¼hrungsverantwortung und damit auch die zentrale Nachschubbasis in Mazar-i Sharif fÃ¼r 16 ISAF-Nationen. Bezogen auf die GrÃ¶ÃŸe von Raum und BevÃ¶lkerung waren die PRT`s ausgesprochen schwach und militÃ¤risch keineswegs durchsetzungsfÃ¤hig. Im Oktober 2006 umfasste das PRT Kunduz 470 Soldatinnen und Soldaten, davon 90 Infanteristen fÃ¼r den AuÃŸeneinsatz in einem Raum von der GrÃ¶ÃŸe Hessens.</p>
<p>Die anfÃ¤ngliche StÃ¤rke der militÃ¤risch schwachen PRT`s lag in einer klugen Mischung von bewaffneter PrÃ¤senz durch Patrouillen mit GesprÃ¤chsaufklÃ¤rung, Netzwerkbildung, <em>Key-Leader-Engagement</em> und Konfliktmanagement. Betont wurde die zentrale Rolle von Offenheit, Respekt und Vertrauensbildung im Umgang mit der BevÃ¶lkerung, abgelehnt wurden Vorstellungen von militÃ¤rischer â€žKonfliktlÃ¶sung&quot;. Beim Vorgehen gegen oppositionelle bewaffnete KrÃ¤fte galt der <em>second-row-approach</em>: UnterstÃ¼tzung der afghanischen SicherheitskrÃ¤fte, nicht Handeln an ihrer Stelle. Ein zentrales Instrument zur Sympathiegewinnung waren CIMIC-MaÃŸnahmen, die ErrichtungÂ  von Schulen und <em>quick impact projects</em>. Weit Ã¼ber ihre Bedeutung im Einsatz prÃ¤gten CIMIC-AktivitÃ¤ten die Selbstdarstellung der Bundeswehr in Deutschland und trugen nicht unwesentlich zu einem von Anfang an falschen Bild von Entwicklungshelfern mit Gewehr bei.</p>
<p>Die PRT`s sollten vor allem als â€žPuffermacht&quot; in einem Umfeld mit vielen lokalen Machthabern, reichlich Konfliktstoff und WaffentrÃ¤gern wirken. Sie sollten â€žZeit kaufen&quot; fÃ¼r den Aufbau von Staatlichkeit und selbsttragender Sicherheit, fÃ¼r wirtschaftliche und soziale Entwicklung. Im Gegensatz zu einem in Deutschland verbreiteten Bild des Bundeswehreinsatzes war ein direkter militÃ¤rischer Schutz fÃ¼r zivile Helfern weder sinnvoll, noch nÃ¶tig und mÃ¶glich.</p>
<p>BeeintrÃ¤chtigt wurde der bevÃ¶lkerungsorientierte Ansatz von ISAF durch die DiskontinuitÃ¤t von schnellen Kontingentwechseln alle vier Monate, durch den im Vergleich zur FlÃ¤che zu geringen KrÃ¤fteansatz, durch einen bis heute andauernden Mangel an Sprachmittlern und Interkulturellen Einsatzberatern. Wo deren Stellen vakant sind, agieren Kommandeure in einem interkulturellen Nebel und wÃ¤chst das Risiko eines kurzsichtigen Umgangs mit lokalen Machthabern. Landeskundige Experten bewerten die interkulturelle Einsatzvorbereitung der Soldaten als unzureichend.<a name="_ftnref12" href="index.php/articles/news/1033#_ftn12">[12]</a> Konterkariert wurde der bevÃ¶lkerungsorientierte Ansatz durch ein rÃ¼cksichtsloses und ehrverletzendes Vorgehen, wofÃ¼r Ã¼ber Jahre die <em>Operation Enduring</em> <em>Freedom</em> und US-Truppen vor allem im Osten und SÃ¼den standen.<a name="_ftnref13" href="index.php/articles/news/1033#_ftn13">[13]</a></p>
<p>Von Anfang an war eine Teilaufgabe des Bundeswehreinsatzes die Ausbildung afghanischer SicherheitskrÃ¤fte, vor allem der <em>Afghan National Army</em> (ANA). Am 14. Juni 2006 wurde dafÃ¼r im PRT Kunduz das erste <em>Operational Mentoring and Liaison Team</em> (OMLT) indienstgestellt. Anfang 2010 stellte die Bundeswehr acht OMLT`s mit jeweils mindestens 20 Ausbildern und Mentoren. In Kabul werden die Logistikschule der ANA und in Mazar-i Sharif die Pionierschule der ANA unter deutscher FÃ¼hrung aufgebaut. Seit April 2007 unterstÃ¼tzen Bundeswehr-FeldjÃ¤ger die Polizeiausbildung.</p>
<p>Ab Sommer 2006 warnten Bundeswehroffiziere vor sich verschlechternden Rahmenbedingungen: Mit der RÃ¼ckkehr tausender paschtunischer FlÃ¼chtlinge aus Pakistan nach Kunduz nahmen Konflikte um Landbesitz und Wasserrechte enorm zu. Zugleich sickerten zunehmend Militante in die Provinz ein, insbesondere Geistliche aus pakistanischen Koran-Schulen, die mit Geld und Worten Menschen fÃ¼r die Taliban warben.<a name="_ftnref14" href="index.php/articles/news/1033#_ftn14">[14]</a> Aus den paschtunischen Siedlungsgebieten im SÃ¼den Afghanistans hÃ¶rte man von schweren KÃ¤mpfen mit den dort einrÃ¼ckenden britischen und kanadischen Truppen. Nach einer Serie von AnschlÃ¤gen auf ISAF-Patrouillen ordnete Verteidigungsminister Jung im Sommer 2006 an, dass Bundeswehr nur noch in geschÃ¼tzten Fahrzeugen das Feldlager verlassen durfte. Das bedeutete, dass mit den schwereren Fahrzeugen ein Teil des Einsatzgebietes nicht mehr erreicht werden konnte und der Kontakt zur BevÃ¶lkerung erschwert wurde. Ã–rtliche Bundeswehrkommandeure drÃ¤ngten vergeblich darauf, je nach Lage selbst Ã¼ber das einzusetzende Schutzniveau entscheiden zu kÃ¶nnen.</p>
<p>Eine gravierende Wende brachte der Mai 2007. Nach verheerenden Selbstmordattentaten auf eine PolizeiausbildungsstÃ¤tte (10 Tote, Ã¼ber 40 Verwundete), den Gouverneurssitz und das Polizeihauptquartier in Kunduz Â im April fielen am 19. Mai auf dem Markt von Kunduz drei Bundeswehrsoldaten und sieben afghanische Zivilpersonen einem SelbstmordattentÃ¤ter zum Opfer. Auch wenn es daraufhin zu starken SolidaritÃ¤tsbekundungen gegenÃ¼ber den Deutschen kam<a name="_ftnref15" href="index.php/articles/news/1033#_ftn15">[15]</a>, stellte das PRT Ã¼ber Wochen die PatrouillentÃ¤tigkeit weitgehend ein und beschrÃ¤nkte sich auf den Nahbereichsschutz des Feldlagers. Angesichts von etlichen im Raum Kunduz vermuteten potenziellen AttentÃ¤tern und der ZÃ¶gerlichkeit der afghanischen AmtstrÃ¤ger war diese Einigelung nachvollziehbar. Zugleich wuchs damit die Distanz zwischen ISAF und BevÃ¶lkerung, ging die bis dahin schon spÃ¤rliche und flÃ¼chtige PatrouillenprÃ¤senz in der FlÃ¤che verloren. Der mehr bevÃ¶lkerungsorientierte, â€žoffene&quot; Ansatz war dort an seine Grenzen gestoÃŸen, wo sich grÃ¶ÃŸere Gruppen von Militanten vor allem in paschtunischen Siedlungsgebieten einsickern, sich festsetzen und Einfluss gewinnen konnten.</p>
<p>Eine nÃ¤chste Stufe der KonfliktverschÃ¤rfung markierte die Operation â€žHarekate Yolo II&quot;, die ab Oktober 2007 von ISAF und afghanischen SicherheitskrÃ¤ften im Nordwest-Distrikt</p>
<p>Ghormach durchgefÃ¼hrt wurde. Hier unterstÃ¼tzten Bundeswehrsoldaten erstmalig in Afghanistan einen umfassenden Kampfeinsatz, der vom <em>ISAF Regional Command North</em> gefÃ¼hrt wurde.</p>
<p>2008 verschlechterte sich die Lage in der Provinz Kunduz kontinuierlich parallel zurÂ  wachsenden strategischen Bedeutung der NATO-Nachschubroute vom Norden durch Kunduz. WÃ¤hrend die Provinzen Kunduz und Baghlan fÃ¼r die <em>Taliban</em> und VerbÃ¼ndete zum Angriffsschwerpunkt im Norden wurden, verlegte die Zentralregierung ein ANA-Bataillon und ein Drittel der Polizisten aus der Provinz in den umkÃ¤mpften SÃ¼den und entblÃ¶ÃŸte damit einige Distrikte. Die BundeswehrkrÃ¤fte in Kunduz wurden mit RÃ¼cksicht auf das politische Tabu â€žObergrenze&quot; nicht so verstÃ¤rkt, wie es PRT- und Regionalkommandeure immer wieder gefordert hatten. Zwei Tage im August 2008 waren ein Menetekel, als erst ein PatrouillenfÃ¼hrer durch ein IED getÃ¶tet wurde und am Folgetag ein Bundeswehrsoldat irrtÃ¼mlich an einem Checkpoint eine Frau und zwei Kinder erschoss. Im Herbst 2008 konstatierte der PRT-Kommandeur gegenÃ¼ber den Obleuten des deutschen Verteidigungsausschusses, ISAF habe in Kunduz die Initiative verloren.</p>
<p>Ende April 2009 wurde die Lage in den meisten Distrikten der Provinz Kunduz eindeutig â€žkriegsÃ¤hnlich&quot;, herrschte offener Guerillakrieg. Die AufstÃ¤ndischen verÃ¼bten neben <em>hit-and-run</em>-Attacken vermehrt komplexe Angriffe, die auf die Vernichtung ganzer Einheiten zielten: Seitdem standen die afghanischen SicherheitskrÃ¤fte und Bundeswehrsoldaten immer wieder in Gefechten, die teilweise Ã¼ber mehrere Stunden gingen und wo dieÂ  AufstÃ¤ndischen bisher unbekannte militÃ¤rische FÃ¤higkeiten zeigte. Erstmalig fiel dabei ein Bundeswehrsoldat im Kampf, erstmalig tÃ¶teten Bundeswehrsoldaten etliche Dutzend Gegner im Kampf, erstmalig kam es dabei zu LuftnahunterstÃ¼tzung mit Bombeneinsatz und Waffeneinsatz des SchÃ¼tzenpanzer Marder. Zentrale Einsatzregel blieb aber weiterhin die Vermeidung ziviler Opfer. Dieses Gebot wurde mit dem Luftangriff vom 4. September gebrochen. Es greift aber zu kurz, hierfÃ¼r allein den Befehlsgeber verantwortlich zu machen. In erheblicher Mitverantwortung fÃ¼r diese Gewalteskalation steht vor allem die politische FÃ¼hrung in Berlin, die gegenÃ¼ber der Ausweitung der Aufstandsbewegung und der Intensivierung der KÃ¤mpfe im Raum Kunduz die Augen verschloss und die eigenen Soldaten in eine zunehmend aussichtslose Situation geraten lieÃŸ.<a name="_ftnref16" href="index.php/articles/news/1033#_ftn16">[16]</a></p>
<p>Bei mehreren grÃ¶ÃŸeren â€ž<em>Clear</em>&quot;-Operationen konnten wohl AufstÃ¤ndische kurzfristig aus bestimmten Gebieten verdrÃ¤ngt werden. RegelmÃ¤ÃŸig misslang es aber, diese Gebiete zu kontrollieren, weil es an ausreichenden und verlÃ¤sslichen SicherheitskrÃ¤ften und Verankerung in der BevÃ¶lkerung fehlte. Ein Vorschlag des Regionalkommandeurs General Vollmer im September 2009, hierfÃ¼r zusÃ¤tzliche 2.500 afghanische Polizisten in der ruhigeren Winterphase auszubilden und dann fÃ¼r zwei Jahre von Seiten der Bundesrepublik zu besolden, wurde in Berlin beiseite gewischt.</p>
<p>Von den sieben Distrikten der Provinz Kunduz galten im Herbst 2009 fÃ¼nf als unter <em>Taliban</em>-Kontrolle. Unter ihren KÃ¤mpfern befinden sich zunehmend auch Nicht-Paschtunen, darunter etliche <em>foreign fighters</em>, die wegen hÃ¶herer militÃ¤rischer FÃ¤higkeiten auch als Berater fungieren sollen. In ihrer Hochburg im Distrikt Chahar Darreh etablierten die <em>Taliban</em> eine parallele Verwaltung mit Justiz.</p>
<p>Seit November 2009 fÃ¼hren in der Provinz Kunduz US-SpezialkrÃ¤fte, afghanische SicherheitskrÃ¤fte und wiederbelebte Milizen zunehmend Operationen gegen die AufstÃ¤ndischen ohne Beteiligung der Bundeswehr durch. Insbesondere die US-KrÃ¤fte gehen dabei offensiv gegen die mittlere FÃ¼hrungsebene der AufstÃ¤ndischen und mutmaÃŸliche HintermÃ¤nner von AnschlÃ¤gen vor. ISAF meldet laufend sowohl Gefangennahmen wie auch gezielte TÃ¶tungen durch LuftschlÃ¤ge.</p>
<p>Im ersten Halbjahr 2010 verÃ¤nderten sich die Rahmenbedingungen in der Region Nord massiv. Die USA brachten 5.500 US-Soldaten mit mehr als 50 Hubschraubern in die Region, darunter mehr als 2.000 vor allem fÃ¼r die Polizeiausbildung. Massiv ausgebaut wird die Infrastruktur fÃ¼r die afghanischen SicherheitskrÃ¤fte. Die Bundeswehr stellt kÃ¼nftig zwei Ausbildungs- und Schutzbataillone mit 1.400 Soldaten fÃ¼r Ausbildung und gemeinsamen Einsatz auf. Sie unterstehen direkt dem Regionalkommandeur. Nord. Afghanische SicherheitskrÃ¤fte und ISAF sollen gemÃ¤ÃŸ der NATO-<em>Counterinsurgency</em>-Strategie (<em>COIN</em>) des <em>shape, clear, hold, build</em> breit in der FlÃ¤che stationiert werden, um Gebiete zurÃ¼ck gewinnen, halten, die BevÃ¶lkerung schÃ¼tzen und die Vorrausetzungen fÃ¼r AufbaumaÃŸnahmen schaffen zu kÃ¶nnen. Dementsprechend operieren inzwischen auch KrÃ¤fte der Bundeswehr in der FlÃ¤che von AuÃŸenposten aus. Im Nordteil der Provinz Baghlan fÃ¼hrten Einheiten der deutschen <em>Quick Reaction Force</em> zusammen mit afghanischen und US-KrÃ¤ften seit dem FrÃ¼hjahr Clear- und Hold-Operationen durch. Die Bundesregierung vermied aber bisher eine klare Positionierung zur COIN-Strategie bzw. versuchte den - fÃ¤lschlichen - Eindruck zu erwecken, als seien COIN und <em>Comprehensive Approach</em> deckungsgleich. Offensive KampfeinsÃ¤tze haben aber auch bei der neuen, den Schutz der BevÃ¶lkerung priorisierenden Â US-Strategie einen hohen Stellenwert. Insofern ist es wahrscheinlich, dass Bundeswehr im Raum Kunduz und Baghlan kÃ¼nftig noch mehr im Kampfeinsatz stehen wird. Mit der fortschreitenden â€žAmerikanisierung&quot; von ISAF seit 2006 und eigener Initiativlosigkeit verlor die Bundesrepublik in der Gesamtoperation an Gewicht und Einfluss. In Berlin deutet wenig darauf hin, wie und ob die Bundesregierung Ã¼berhaupt Initiative zurÃ¼ckgewinnen will.</p>
<p><em>Wirkungen und Folgen des Einsatzes</em></p>
<p>Die Bundeswehr verfÃ¼gt zwar Ã¼ber viele StrÃ¤nge der Einsatzauswertung. Eine systematische Wirksamkeitsanalyse der Auftragsumsetzung fand weder bei der Bundeswehr noch beim AuswÃ¤rtigen Amt statt. Landeskundige Beobachter kommen zu dem Schluss, dass die Bundeswehr mit ihrer vertrauensbildenden Einsatztaktik nicht nur die groÃŸen Fehler des <em>War on Terror</em> vermied, sondern bis 2006/2007 im Sinne des Auftrags auch erfolgreich war. Das bestÃ¤tigt auch eine sozialwissenschaftliche Untersuchung von Forschern der FU Berlin zu den Provinzen Kunduz und Takhar. 80% der Ã¼ber 2.000 Befragten war im ersten Halbjahr 2007 der Meinung, dass die internationalen Truppen zur Verbesserung der Sicherheitslage in den letzten beiden Jahren beigetragen hÃ¤tten. Bei der Folgebefragung im MÃ¤rz 2009 sank die Positivbewertung der internationalen Truppen auf 60,6%, zugleich stieg der Anteil derjenigen, die sich durch verschiedene bewaffnete Gruppen bedroht fÃ¼hlten, von 3,6% auf 46,5%.<a name="_ftnref17" href="index.php/articles/news/1033#_ftn17">[17]</a></p>
<p>Seit dem â€žBruch&quot; von 2007 ist die Bilanz zunehmend gespalten. In der anfÃ¤nglich besonders schwierigen Provinz Badakhshan machte der Stabilisierungsprozess Fortschritte. Im Westen der Provinz wird allerdings in jÃ¼ngster Zeit eine zunehmende PrÃ¤senz von AufstÃ¤ndischen beobachtet. Die Kernprovinz Balkh gilt trotz zunehmender SicherheitsvorfÃ¤lle weiterhin als die Provinz mit der grÃ¶ÃŸten Entwicklungsdynamik. Im Unterschied dazu hat die frÃ¼here Hoffnungsprovinz Kunduz einen regelrechten Absturz erlebt. Das ehemals relativ sichere Umfeld ging verloren. Â Entwicklungszusammenarbeit musste sich auf Kunduz Stadt zurÃ¼ckziehen. Das â€žDeutsche Haus&quot; in Kunduz wurde aus SicherheitsgrÃ¼nden vorlÃ¤ufig geschlossen. Der Auftrag, ein sicheres Umfeld und Schutz der BevÃ¶lkerung zu fÃ¶rdern, kann hier zurzeit trotz erheblicher Anstrengungen nicht mehr wirksam umgesetzt werden.</p>
<p>Wo wie in Extremdistrikten von Kunduz und Baghlan die physische Sicherheit akut bedroht wird, wo Kooperation mit Regierung und Internationalen als Kollaboration gilt und mit Hinrichtung geahndet wurde, da verpuffen alle Anreize, da gehen die Menschen auf Distanz. Die TÃ¶tung und Enthauptung von sechs Polizisten am 20. Juli 2010 in Baghlan steht exemplarisch fÃ¼r den EinschÃ¼chterungsterror. Hier kÃ¶nnen die Akteure desÂ  <em>Comprehensive Approach</em> nicht mehr gleichzeitig, sondern nur nacheinander agieren. Was in anderen Konfliktphasen ein WechselverhÃ¤ltnis ist, geht hier nur nacheinander: erst Wiederherstellung eines MindestmaÃŸ an physischer Sicherheit durch politische, militÃ¤rische und polizeiliche MaÃŸnahmen, dann Aufbau.</p>
<p>Nach den Kriterien des humanitÃ¤ren VÃ¶lkerrechts handelt es sich in Afghanistan um einen nichtinternationalen bewaffneten Konflikt, auch wenn internationale StreitkrÃ¤fte dabei eine maÃŸgebliche - und internationale KÃ¤mpfer auf Seiten der AufstÃ¤ndischen eine wachsende Rolle spielen. Die â€žkriegsÃ¤hnliche Situation&quot;, der Guerillakrieg auf der taktischen Ebene eines Teils der Distrikte macht den strategischen SicherheitsunterstÃ¼tzungsauftrag von ISAF und Bundeswehr nicht hinfÃ¤llig. Er umfasst aber das ganze Spektrum von Stabilisierung Ã¼ber AusbildungsunterstÃ¼tzung bis zum Kampfeinsatz und AufstandsbekÃ¤mpfung. Die Differenzierung zwischen den Distrikten sowie der taktischen und strategischen Ebene fÃ¤llt in der politischen Diskussion offenbar sehr schwer, ist aber von elementarer Bedeutung. Wo pauschal der Kriegszustand erklÃ¤rt wird, bedeutet das Radikalisierung und Enthemmung der militÃ¤rischen OperationsfÃ¼hrung, Bruch mit dem <em>Comprehensive Approach</em> und der <em>Counterinsurgency-Strategie</em>, RÃ¼ckzug von Entwicklungshelfern und Polizeiausbildern. Dem Afghanistaneinsatz wÃ¼rde das die letzte LegitimitÃ¤t und Perspektive nehmen.</p>
<p>Die Folgen des Afghanistaneinsatzes fÃ¼r die Bundeswehr sind einschneidend. Erstmalig in der Geschichte der Bundeswehr und der jÃ¼ngeren Geschichte ihrer AuslandseinsÃ¤tze steht sie in anhaltenden KampfeinsÃ¤tzen, in denen Bundeswehrsoldaten getÃ¶tet, physisch und seelisch verwundet werden und ihrerseits tÃ¶ten und verwunden. Auch wenn immer wieder von erheblichen AusrÃ¼stungsmÃ¤ngeln, vor allem in der einsatzvorbereitenden Ausbildung, berichtet wird. Der insgesamt gute Ausbildungsstand der Soldaten und die gute sanitÃ¤tsdienstliche Versorgung, aber auch eine eher reaktive Operationsweise trugen dazu bei, dass die Bundeswehr viel hÃ¶here Opferzahlen erspart blieben. Noch ist nicht absehbar, welche lÃ¤ngerfristigen Folgen der andauernde Kampfeinsatz fÃ¼r die Soldaten und ihr soziales Umfeld, fÃ¼r die Bundeswehr und deutsche Sicherheitspolitik hat. Die Innere FÃ¼hrung mit dem Leitbild des StaatsbÃ¼rgers in Uniform ist einer Belastungsprobe sondergleichen ausgesetzt. Erkennbar ist aber, dass sich immer mehr BundeswehrangehÃ¶rige innerlich von der Bundeswehr verabschieden. HauptgrÃ¼nde waren vor allem Einsatzerschwernisse durch BÃ¼rokratie und UnflexibilitÃ¤t, Ignoranz gegenÃ¼ber den Erfahrungen der Praxis und mangelnde Offenheit fÃ¼r Kritik sowie AufgabenÃ¼berlastung. Manche Insider sprachen von einem sich anbahnenden kollektiven <em>Burn-out</em>. Vor diesem Hintergrund bekommt die von Minister zu Guttenberg in Gang gesetzte erneute Bundeswehrreform eine besondere Dringlichkeit.</p>
<p><em>Zwischen EinsatzrealitÃ¤t, Politik und Gesellschaft</em></p>
<p>Der Bundeswehreinsatz steckt heute in einem mehrfachen Dilemma zwischen AuftragserfÃ¼llung und Erwartungen von VerbÃ¼ndeten einerseits sowie Selbstschutz, begrenzten eigenen FÃ¤higkeiten und Auflagen einer primÃ¤r innenpolitisch orientierten deutschen Politik andererseits, zwischen stÃ¤ndiger Lebensgefahr in den Kriegsdistrikten und Desinteresse in der Heimat.</p>
<p>Erst neuerdings beinhaltet der Auftrag ausdrÃ¼cklich auch den Schutz der BevÃ¶lkerung. Ãœber Jahre beschrÃ¤nkte er sich auf ein sicheres Umfeld fÃ¼r Regierung und Hilfspersonal und RÃ¼cksichtnahme auf die BevÃ¶lkerung. Mit dem Anwachsen der AufstÃ¤ndischenaktivitÃ¤ten erlebte das PRT Kunduz einen enormen Aufwuchs an Soldaten und geschÃ¼tzten Fahrzeugen. Im Rahmen des UnterstÃ¼tzungsansatzes Ã¼berlieÃŸ ISAF/Bundeswehr den afghanischen SicherheitskrÃ¤ften die Initiative beim Vorgehen gegen identifizierte AufstÃ¤ndische und mutmaÃŸliche AttentÃ¤ter. Zugleich empfanden die Soldaten im Einsatz erhebliche Rechtsunklarheit bei der Anwendung militÃ¤rischer Gewalt gegenÃ¼ber einem Gegner, der einen Guerilla- und Terrorkrieg fÃ¼hrt.</p>
<p>SchlieÃŸlich bekamen die Soldaten die VersÃ¤umnisse bei der FÃ¶rderung selbsttragender Sicherheit zu spÃ¼ren. Ãœber Jahre leistete die Bundesrepublik qualitativ gute, aber quantitativ vÃ¶llig unzureichende BeitrÃ¤ge zum Polizeiaufbau. Die Entwicklungszusammenarbeit wirkte der wachsenden EnttÃ¤uschung und Perspektivlosigkeit junger MÃ¤nner in Afghanistan nur unzureichend entgegen.</p>
<p>Unter Soldatinnen und Soldaten im Afghanistaneinsatz ist die Stimmung verbreitet, von Politik und Gesellschaft allein gelassen zu sein. FÃ¼r BundeswehrangehÃ¶rige, die StaatsbÃ¼rger in Uniform wollen, die aus Ãœberzeugung handeln und hÃ¶chste Risiken Ã¼bernehmen sollen, ist das ein unertrÃ¤glicher Zustand.</p>
<p>Hierzu kam es, weil vor allem die politische FÃ¼hrung weder die notwendige strategische Klarheit noch die Kraft zu einem offenen und ehrlichen Umgang mit diesem Einsatz aufbrachte. Das Wort von Minister Struck von der â€žVerteidigung Deutschlands am Hindukusch&quot; war eingÃ¤ngig, aber irrefÃ¼hrend. Es bereitete den Weg fÃ¼r eine zunehmend national beschrÃ¤nkte Sicht auf einen Konflikt, bei dem es eben nicht um die Existenz oder eine spezifische Bedrohung der Bundesrepublik, sondern um internationale, kollektive Sicherheitsinteressen ging: die nachhaltige Beseitigung der dortigen Terror-Infrastruktur - und den Aufbau eines zutiefst kriegszerstÃ¶rten Landes. Aus dem PrimÃ¤rinteresse an Selbstrechtfertigung propagierte man die hehren Absichten, betonte die (Teil-)Fortschritte und verdrÃ¤ngte die Negativentwicklungen vor Ort. Durch Verweigerung von Transparenz und einer unabhÃ¤ngigen Bilanzierung des Einsatzes geriet man in eine Spirale von SelbsttÃ¤uschung, RealitÃ¤tsverlust und TÃ¤uschung.</p>
<p>Die Bundesregierung duckte sich weg. Die Bundeskanzlerin blieb deutlich auf Distanz und hielt ihre erste RegierungserklÃ¤rung zu Afghanistan erst am Ende ihrer ersten Amtsperiode nach dem Luftangriff von Kunduz. DasÂ  AuswÃ¤rtige Amt, fÃ¼r den Bundeswehreinsatz immerhin federfÃ¼hrend, Ã¼berlieÃŸ die Ã¶ffentliche Kommunikation zum Afghanistaneinsatz Ã¼berwiegend dem Verteidigungsressort und begÃ¼nstigte damit die militÃ¤rfixierte Afghanistandebatte. Das Verteidigungsministerium schlieÃŸlich hatte Ã¼ber vier Jahre mit Franz-Josef Jung ein Kommunikationsproblem an der Spitze und betrieb eine Presse- und Ã–ffentlichkeitsarbeit, die den Einsatzpraktikern einen Maulkorb verpasste.</p>
<p>Der Bundestag trÃ¤gt Mitverantwortung fÃ¼r dieses politische FÃ¼hrungsversagen. In Bundestagsdebatten dominierte der Rechtfertigungsdiskurs und kamen die Fragen der Umsetzung und Wirksamkeit zu wenig zur Sprache. Ãœber Detailfragen des Einsatzes und die Versuchung zum parlamentarischen FeldherrnhÃ¼gel gerieten die eigentlichen Aufgaben des Auftraggebers Parlament aus dem Blick: Die Definition klarer und realistischer Ziele, die Bereitstellung der dafÃ¼r notwendigen FÃ¤higkeiten und Ressourcen. Die Koalitionsmehrheit lehnte AntrÃ¤ge aus der Opposition zu einer Wirksamkeitsbewertung des Einsatzes ab. Seit dem Wechsel in die Opposition tritt auch die SPD fÃ¼r eine solche Evaluierung ein. Der Verteidigungsausschuss war von November 2006 bis September 2008 stark durch seine Arbeit als Untersuchungsausschuss zu den MisshandlungsvorwÃ¼rfen von Murnat Kurnaz gegen KSK-Soldaten und zum KSK-Einsatz im Jahr 2002 absorbiert. Darunter litt die parlamentarische Kontrolle des laufenden Einsatzes gerade zur Zeit der massiven LageverschÃ¤rfung.</p>
<p>So entstanden gespaltene Wahrnehmungswelten: der von oben schÃ¶n geredete Stabilisierungseinsatz, das von der Dominanz der Anschlagsberichterstattung erzeugte Bild eines ganzen Afghanistan im Krieg, die unterschiedlichen Erfahrungen der Deutschen vor Ort zwischen Guerillakriegsalltag in Kunduz und pulsierendem Wachstum in Mazar-i Sharf. So zerbrach Vertrauen: in der BevÃ¶lkerung gegenÃ¼ber der Politik, unter Soldaten gegenÃ¼ber der eigenen FÃ¼hrung.</p>
<p><em>Anforderungen an eine verantwortliche Abzugsperspektive</em></p>
<p>Nach den vielen vertanen Chancen und strategischen Fehlern der Vergangenheit besteht die Gefahr eines Scheiterns des internationalen Afghanistaneinsatzes in den nÃ¤chsten ein bis zwei Jahren. Das hÃ¤tte desastrÃ¶se Konsequenzen fÃ¼r die Menschen in Afghanistan, insbesondere die demokratischen KrÃ¤fte, fÃ¼r die regionale Sicherheit und die wankende Atommacht Pakistan, fÃ¼r eine Politik kollektiver Sicherheit und multilateraler KonfliktlÃ¶sung im Rahmen des UN-Systems. Es wÃ¤re ein weltpolitischer Totalschaden.</p>
<p>Mit dem Strategiewandel und der Kraftanstrengung auf Seiten der USA sind andererseits die Voraussetzungen fÃ¼r ein kohÃ¤rentes internationales Engagement besser denn je. Zugleich ist es fraglich, ob diese Anstrengungen nicht zu spÃ¤t kommen. Wie kÃ¶nnen nach so vielen Jahren der EnttÃ¤uschung und des Vertrauensverlustes KÃ¶pfe und Herzen gewonnen und die wuchernde Aufstandsbewegung wirksam eingedÃ¤mmt werden,</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  wenn die afghanische Regierung durch Korruption und schlechte RegierungsfÃ¼hrung KÃ¶pfe und Herzen abstÃ¶ÃŸt, wenn internationale Akteure mit berÃ¼chtigten Warlords paktieren, wenn Infiltration und EinschÃ¼chterungsterror durch AufstÃ¤ndische so weit fortgeschritten sind;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  wenn ISAF ihr Schutzversprechen fÃ¼r die BevÃ¶lkerung trotz grÃ¶ÃŸerer RÃ¼cksichtnahme und eigener Risikobereitschaft immer weniger erfÃ¼llen kann;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  wenn offensive GegnerbekÃ¤mpfung auch immer SÃ¶hne, BrÃ¼der, VÃ¤ter trifft und immer noch - wenn auch abnehmend - unbeteiligte Zivilpersonen; wenn getÃ¶tete oder gefangene einheimische FÃ¼hrer der AufstÃ¤ndischen durch jÃ¼ngere, radikalere, brutalere aus Pakistan ersetzt werden;</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  wenn Internationale in zunehmender Distanz zur BevÃ¶lkerung agieren und ihren baldigen Abzug ankÃ¼ndigen, wÃ¤hrend KrÃ¤fte aus dem BÃ¼rgerkrieg zunehmend um gÃ¼nstige Positionen fÃ¼r die Zeit danach rivalisieren und AufstÃ¤ndische inmitten der BevÃ¶lkerung agieren und nur warten brauchen?</p>
<p>Die UN-mandatierte UnterstÃ¼tzung des Staatsaufbaus in Afghanistan ist ein in der Geschichte des internationalen <em>Peacebuilding</em> einmaliges Projekt, hinsichtlich der Dimension und KomplexitÃ¤t der Aufgabe und der Zahl beteiligter Akteure. Das Afghanistanengagement ist die bisher grÃ¶ÃŸte Herausforderung auch fÃ¼r bundesdeutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik, insbesondere wenn sie sich als Friedenspolitik versteht. Die Bundesregierung behandelte den Afghanistaneinsatz demgegenÃ¼ber vor allem als heiÃŸes Eisen.</p>
<p>Wo die Alternative eines Sofortabzuges desastrÃ¶s wÃ¤re, kommt es umso mehr darauf an, noch vorhandene Chancen zu identifizieren und bestmÃ¶glich zu nutzen.</p>
<p>Deutsche Afghanistanpolitik muss sich zuallererst ehrlich machen und die Strukturen von SelbsttÃ¤uschung und TÃ¤uschung Ã¼berwinden, die ihren bisherigen HÃ¶hepunkt in der Kunduz-AffÃ¤re gefunden haben. Unverzichtbar dafÃ¼r sind eine selbstkritische Bilanzierung des Einsatzes, ein integriertes und der Ã–ffentlichkeit zugÃ¤ngliches Lagebild zu Sicherheit und Aufbau. Ausgehend von einer fundierten Bedrohungs-, Risiko- und - vor allem auch - Chancenanalyse sind Auftrags- und Zielklarheit unabdingbar. Die allgemeinen, hehren Ziele mÃ¼ssen inÂ Â Â  Ã¼berprÃ¼fbare Zwischenziele Ã¼bersetzt werden. Ohne in Machbarkeitsillusionen zu verfallen oder sich im Multilateralismus zu verstecken:</p>
<p>Was will die Bundesrepublik in ihrem Hauptverantwortungsgebiet bis wann erreichen? Was ist ihre <em>road map</em>? ÃœberfÃ¤llig ist eine laufende Wirksamkeitsevaluierung durch eine unabhÃ¤ngige Institution. Notwendig ist, die wissenschaftliche Expertise zu Afghanistan offensiv einzubeziehen und die inzwischen in Deutschland durch abertausende Afghanistan-RÃ¼ckkehrer und Exilafghanen breite Erfahrungskompetenz zu mobilisieren. Ohne diese Schritte gibt es weder eine realistische, aussichtsreiche Afghanistanstrategie noch irgendeine Chance, verlorenes Vertrauen zurÃ¼ckzugewinnen.</p>
<p>UnumgÃ¤nglich war, eine Frist fÃ¼r den militÃ¤rischen Abzugsbeginn ab 2011 zu setzen. Damit dieser verantwortbar ist und nicht mit einem Exodus der weiter notwendigen internationaler AufbauunterstÃ¼tzung einhergeht, bedarf es einer groÃŸen konzertierten Kraftanstrengung - vor allem beim Aufbau der afghanischen SicherheitskrÃ¤fte, der FÃ¶rderung besserer RegierungsfÃ¼hrung sowie bei Aufbau und Entwicklung, insbesondere der Landwirtschaft.</p>
<p>Damit die eigenen Akteure bestmÃ¶glich an einem Strang in dieselbe Richtung ziehen, braucht die Bundesregierung eine ressortgemeinsame Struktur fÃ¼r Planung, FÃ¼hrung und Auswertung mit eigener Entscheidungskompetenz und Haushaltsmitteln. Der ressortÃ¼bergreifende Ansatz muss sich auch mehr als bisher auf Seiten des Bundestages widerspiegeln.</p>
<p>Der Primat der Politik und der FÃ¶rderung von <em>Governance</em> und guter RegierungsfÃ¼hrung in Afghanistan brauchen Muskeln. Das AuswÃ¤rtige Amt braucht eine handlungsfÃ¤hige Vertretung fÃ¼r den Norden und muss Mentoren fÃ¼r die Provinz- und Distriktebene stellen kÃ¶nnen. Wo die militÃ¤rische Funktion der PRT`s geschrumpft ist, brauchen sie dringend eine zivile Leitung. Ohne einen solchen politisch-zivilen Aufwuchs wird die Bundesrepublik in ihrem bisherigen Hauptverantwortungsgebiet neben dem militÃ¤risch-zivilen Aufmarsch der USA marginalisiert werden.</p>
<p>Die richtige Fokussierung auf die zÃ¼gige StÃ¤rkung afghanischer Sicherheitsstrukturen wird ein Kampf gegen WindmÃ¼hlenflÃ¼gel oder ein gigantischer Rohrkrepierer, wenn er nicht mit intensiven BemÃ¼hungen um politische KonflikteindÃ¤mmung und -lÃ¶sung einhergeht: auf lokaler, nationaler und vor allem regionaler Ebene. Hier kommt Russland, China, Pakistan, Iran, Indien eine SchlÃ¼sselrolle zu. Etliche Regionalexperten sehen in einer prozesshaft angelegten Afghanistan-Konferenz den entscheidenden Hebel. Das lenkt den Blick zugleich auf das Mega-Problem des wankenden Staates Pakistan. Eine Jahrhundertflut zerstÃ¶rte im August groÃŸe Teile Pakistans. Ãœber das HumanitÃ¤re hinaus hÃ¤tte sie begriffen werden mÃ¼ssen als eine Bedrohung der internationalen Sicherheit<a name="_ftnref18" href="index.php/articles/news/1033#_ftn18">[18]</a>, die eine Gegenmobilisierung wie nach dem 11. September gebraucht hÃ¤tte - nur jetzt im konstruktiven Sinne. Dies geschah nicht.</p>
<p>Nach allen historischen Erfahrungen ist bei GroÃŸkonflikten und Kriegen die Gefahr der SelbsttÃ¤uschung auch bei fÃ¤higsten Akteuren immens. Was nicht sein soll und nicht sein darf, kann trotzdem geschehen, muss also vorgedacht werden: der <em>worst case</em> des internationalen Scheiterns, eines eiligen Abzugs durch Niederlage, wodurch auch immer. Was wÃ¤ren dann die Optionen, um einen RÃ¼ckfall in die Metzeleien der frÃ¼heren 1990er Jahre, gar ein Ãœbergreifen auf Pakistan zu verhindern?</p>
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<p><a name="_ftn1" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref1">[1]</a> Der vorliegende Beitrag ist eine Erweiterung und Aktualisierung Â (Stand Oktober 2010) des Beitrags: Der ISAF-Einsatz der Bundeswehr - Anmerkungen zu einer Ã¼berfÃ¤lligen Bilanzierung, in: Friedensgutachten 2010, hrg. von den fÃ¼nf deutschen Friedensforschungsinstituten, Berlin 2010. Als Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages von 1994-2009 war der Autor acht Jahre an den Mandatsentscheidungen und der politischen Einsatzkontrolle zu Afghanistan beteiligt. Dieser Aufsatz ist somit auch ein Beitrag zu einer parlamentarischen, kritischen SelbstÃ¼berprÃ¼fung. Er stÃ¼tzt sich wesentlich auf Informationen und Einblicke, die sich im Rahmen der AusschusstÃ¤tigkeit und bei 15 Besuchen in Afghanistan ergaben. Reiseberichte zu Afghanistan unter http:///www.nachtwei.de</p>
<p><a name="_ftn2" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref2">[2]</a> The Dutch Engagement in Uruzgan: 2006-2010. A TLO socio-political assessment, August 2010, <a href="http://www.tlo-afghanistan.org/">www.tlo-afghanistan.org</a>.</p>
<p><a name="_ftn3" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref3">[3]</a> Diese Opferzahlen nannte die Bundesregierung zum Abschluss der Verhandlungen zur EntschÃ¤digung von Hinterbliebenen in Kunduz am 5. August 2010. Sie Ã¼bernahm damit die Opferzahlen,Â  die die STERN-Reporter Christoph Reuter und Marcel Mettelsiefen zwischen Dezember 2009 und MÃ¤rz 2010 in Kunduz ermittelt hatten. Die Zahl der Zivilopfer sei schon deshalb nicht seriÃ¶s zu benennen, weil nicht verlÃ¤sslich zwischen AufstÃ¤ndischen und Zivilpersonen unterschieden werden kÃ¶nne. Vgl. Marcel Mettelsiefen, Christoph Reuter: Kunduz, 4. September 2009. Eine Spurensuche, Katalog zur Ausstellung, Berlin 2010</p>
<p><a name="_ftn4" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref4">[4]</a> Deutscher Bundestag: Beschlussempfehlung und Bericht des Verteidigungsausschusses als 1. Untersuchungsausschuss, Bundestagsdrucksache 16/10650, Berlin 15. Oktober 2008</p>
<p><a name="_ftn5" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref5">[5]</a> Antrag der Bundesregierung: Beteiligung bewaffneter deutscher StreitkrÃ¤fte an dem Einsatz einer internationalen SicherheitsunterstÃ¼tzungstruppe in Afghanistan, Bundestagsdrucksache 14/7930 vom 21. Dezember 2001</p>
<p><a name="_ftn6" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref6">[6]</a> Vom Juli 2009 bis Februar 2010 war ein Kontingent des Stabes des Deutsch-NiederlÃ¤ndischen Corps zum zweiten Mal im ISAF Headquarter eingesetzt.</p>
<p><a name="_ftn7" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref7">[7]</a> Bis Ende September 2010 unter dem deutschen General Egon Ramms, seitdem unter General Wolf Langheld.</p>
<p><a name="_ftn8" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref8">[8]</a> Ein anschauliches Bild der ISAF-RealitÃ¤t von 2003 vermittelt der damalige ISAF-Kommandeur, der Kommandierende General des 1. Deutsch-NiederlÃ¤ndischen Corps, der deutsche Generalleutnant Norbert van Heyst: Mein Kabul-Protokoll, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 17. August 2003.</p>
<p><a name="_ftn9" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref9">[9]</a> Wo StreitkrÃ¤fte inmitten der BevÃ¶lkerung operieren und auf die Zusammenarbeit mit zivilen Akteuren angewiesen sind, ist <em>Civil Military Cooperation</em> Teil des militÃ¤rischen Auftrages. Einzelaufgaben sind die Erstellung eines zivilen Lagebildes und Beratung des Kommandeurs. CIMIC-MaÃŸnahmen sollen eine positive Stimmung zugunsten der StreitkrÃ¤fte fÃ¶rdern und damit die AuftragserfÃ¼llung erleichtern.</p>
<p><a name="_ftn10" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref10">[10]</a> Verband Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen (VENRO): Was will Deutschland am Hindukusch? VENRO-Positionspapier 7/2009, Bonn 2009</p>
<p><a name="_ftn11" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref11">[11]</a> Vgl. Markus Gauster: <em>Provincial Reconstruction Teams</em> - ein innovatives Instrument des internationalen Krisenmanagements auf dem PrÃ¼fstand, Wien 2006</p>
<p><a name="_ftn12" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref12">[12]</a> AusdrÃ¼cklich auszunehmen von dieser Bewertung ist der sehr informative und vielseitige, vom MilitÃ¤rgeschichtlichen Forschungsamt herausgegebene Wegweiser zur Geschichte: Afghanistan, Paderborn 2006, inzwischen in 3. und erweiterter Auflage erschienen.</p>
<p><a name="_ftn13" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref13">[13]</a> Vgl. die Erfahrungen des ehemaligen Bundeswehrarztes Dr. Reinhard ErÃ¶s in Ostafghanistan: Unter Taliban, Warlords und Drogenbaronen, Hamburg 2008.</p>
<p><a name="_ftn14" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref14">[14]</a> Genaue Darstellung von Verlauf und Systematik des Infiltrationsprozesses und der Ausbreitung der Aufstandsbewegung bei Antonio Giustozzi/Christoph Reuter: The Northerm Front - The Afghan insurgency spreading beyond the Pashtuns, Afghanistan Analysts Network, Juni 2010. <a href="http://www.aan-afghanistan.com/">http://www.aan-afghanistan.com</a></p>
<p><a name="_ftn15" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref15">[15]</a> Beschluss der Rechtsgelehrten, Ã„ltestenvertreter, Lehrerschaft, SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler, Jugendorganisationen und Handwerksgenossenschaft der Provinz Kunduz nach den Selbstmordattentaten in der Stadt Kunduz:</p>
<p>â€žWir sehen diese Tat als eine unislamische und verfluchte Tat an. (...) Wir verurteilen ganz besonders das Selbstmordattentat vom 19.5.2007, wobei drei Soldaten unserer befreundeten Nationen aus Deutschland ums Leben kamen, die in der Provinz Kunduz fÃ¼r Sicherheit, StabilitÃ¤t und Wiederaufbau sorgten. (...) Die Anwesenheit des deutschen PRTs in der Provinz Kunduz ist so notwendig wie das Wasser zum Leben. Die leidgeplagten Einwohner der Provinz Kunduz brauchen weiterhin die UnterstÃ¼tzung des PRTs.&quot; Ãœbersetzung durch Leiter des Sprachendienstes PRT Kunduz vom 25. Mai 2006.</p>
<p><a name="_ftn16" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref16">[16]</a> Diese Situation schildern Ã¤uÃŸerst eindringlich Anita Blasberg und Stefan Willeke in: Das Kunduz-Syndrom, ZEIT-Dossier vom 4. MÃ¤rz 2010. Zur Gesamtentwicklung in Kunduz vgl. Marco Seliger: Kunduz - was lÃ¤uft falsch? In: LOYAL 1/2010, S. 18 ff.</p>
<p><a name="_ftn17" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref17">[17]</a> Jan BÃ¶hnke/Jan Koehler/Christoph ZÃ¼rcher: Assessing the Impact of Development Cooperation in North East Afghanistan 2005-2009: Final Report, Bundesministerium fÃ¼r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung Bonn 2010</p>
<p><a name="_ftn18" href="index.php/articles/news/1033#_ftnref18">[18]</a> â€žJedes Ereignis und jeder Prozess, der zum Tod vieler Menschen oder zur Verringerung von Lebenschancen fÃ¼hrt und der die Staaten als das tragende Element des internationalen Systems untergrÃ¤bt, ist eine Bedrohung von internationaler Sicherheit.&quot; â€žEine sicherere Welt: Unsere gemeinsame Verantwortung&quot;, Bericht der Hochrangigen Gruppe fÃ¼r Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel an UN-GeneralsekretÃ¤r Kofi Annan, Generalversammlung A/59/565, New York 2004</p></div>


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