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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: AuslandseinsÃ¤tze: Lehren und Kriterien</title>
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    <span class="xar-mod-title">Libanon + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            AuslandseinsÃ¤tze: Lehren und Kriterien         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 12. Februar 2007 16:27:00 +02:00 (138551 Aufrufe)            </div>
            <div>    Die ErnÃ¼chterung Ã¼ber die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr wÃ¤chst.<br />Winfried Nachtwei versucht eine Zwischenbilanz der bisherigen KriseneinsÃ¤tze, formuliert zentrale Konsequenzen und Kriterien fÃ¼r kÃ¼nftige EinsÃ¤tze und stellt sie zur Diskussion:</div>
            <div>      <h1>Thesen und Kriterien zu AuslandseinsÃ¤tzen der Bundeswehr</h1><p align="center">Winfried Nachtwei, MdB, sicherheits- und abrÃ¼stungspolitischer Sprecher von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen (Februar 2007)</p><p>(1) <strong>Wahrnehmung</strong> der dt. AuslandseinsÃ¤tze: zwischen hoher Anerkennung, wohlwollendem Desinteresse und Pauschal- bis Zerrbild (â€žMilitÃ¤r-  = KriegseinsÃ¤tze&quot;). Auch in der Politik ist das VerstÃ¤ndnis begrenzt, was mit solchen EinsÃ¤tzen leistbar ist, was nicht und was notwendige Voraussetzungen sind.</p><p>Seit 2003 wÃ¤chst die <strong>ErnÃ¼chterung</strong> im Hinblick auf Dauer, Wirksamkeit und Perspektiven von AuslandseinsÃ¤tzen und angesichts des Anspruchs der Verteidigungspolitischen Richtlinien, Bundeswehr mÃ¼sse zu jeder Zeit an jedem Ort mit jeder IntensitÃ¤t einsetzbar sein. AnlÃ¤sse: Artemis/Kongo 2003, Irakkrieg, MÃ¤rzunruhen KOS 2004, Drogenboom und Zuspitzung in AFG, Kongo-Einsatz, Libanon. Inzwischen besteht der Eindruck einer regelrechten Inflation von AuslandseinsÃ¤tzen und wachsender Ãœberforderung: in der Ã–ffentlichkeit; in der Politik, die inzwischen mehrere GroÃŸkrisen gleichzeitig (LIB, AFG, KONGO, KOS latent, Iran) im komplizierten multilateralen Verbund bewÃ¤ltigen muss; unter Soldaten, wo sich angesichts ausbleibender Fortschritte in Krisenregionen Einsatzfrust ausbreitet.  Das geht einher mit sinkender gesellschaftlicher Zustimmung zu Politik internationaler Verantwortung generell. Der bisherige vermeintliche sicherheitspolitische Konsens brÃ¶ckelt immer schneller.</p><p>(2) <strong>Art und Umfang</strong> der heutigen AuslandseinsÃ¤tze sind erheblich anders, als vor zehn Jahren erwartet bzw. befÃ¼rchtet: geographische Ausweitung + Dauer; breites Spektrum an Beteiligungen (von - seit 1960 Ã¼ber 140 - humanitÃ¤ren und HilfseinsÃ¤tzen, unbewaffneten MilitÃ¤rbeobachtern, Stabspersonal, TransportkapazitÃ¤ten Ã¼ber Marineschiffe bis zu umfassenden Kontingenten) und AuftrÃ¤gen (zu 99% Stabilisierung, also KriegseindÃ¤mmung und -verhÃ¼tung, diametral zur Wehrmacht); Kosovo 1999 und Afghanistan/Operation Enduring Freedom (OEF/KSK) waren die einzigen ausdrÃ¼cklichen KampfauftrÃ¤ge. Bis auf KOS/1999 waren alle EinsÃ¤tze VN-mandatiert. Nach KOS bewies Deutschland immer besondere VN-Treue. Die EinsÃ¤tze waren immer multinational und multidimensional. Die Beteiligung an VN-gefÃ¼hrten Friedensmissionen war bisher marginal (39. Stelle im August 2006), nahm mit UNIFIL deutlich zu (18. Stelle Ende 2006). Trotz einer erheblich gewachsenen Rolle von MilitÃ¤r in der operativen deutschen AuÃŸenpolitik kam es nicht zu der befÃ¼rchteten Militarisierung (im Sinne von â€žMilitÃ¤r als KonfliktlÃ¶ser&quot; und Vorrang des MilitÃ¤rischen). UnÃ¼bersehbar ist aber eine MilitÃ¤rlastigkeit und -fixiertheit von Wahrnehmung und Ã¶ffentlichem Diskurs.</p><p>(3) <strong>Wesentliche Erfahrungen</strong></p><p>- MilitÃ¤rische AuslandseinsÃ¤tze sind eine - allerdings besonders auffÃ¤llige, teure, riskante und ggfs. tÃ¼ckische - Komponente von internationalen Krisenengagements mit ihren weiteren diplomatischen, humanitÃ¤ren, polizeilichen, entwicklungspolitischen Anteilen.</p><p>- BW-Einsatzentscheidungen wurden im Bundestag - bis auf die jÃ¼ngste zu Enduring Freedom - immer sorgfÃ¤ltig diskutiert, waren aber meistens eher ad-hoc-Entscheidungen und wurden z.T. mit moralischem overkill durchgesetzt. In jÃ¼ngster Zeit spielen innenpolitische ErwÃ¤gungen eine zunehmende Rolle. Ein strategischer Rahmen war bisher weniger erkennbar. Das fÃ¶rderte den Eindruck, dt. Politik sei oft eher Getriebene als Agierende.</p><p>- <u>Zeitdimension</u>: In der Regel dauern EinsÃ¤tze viel lÃ¤nger als ursprÃ¼nglich erwartet. Das Ã¼berraschte nur die Politik und Ã–ffentlichkeit, nicht die VN-Fachwelt. Je spÃ¤ter internationale KrisenbewÃ¤ltigung erfolgt, desto schwieriger und langwieriger wird sie (Negativbeispiele Ruanda, Bosnien + Kosovo, Positivbeispiel Mazedonien 2001). AuÃŸer bei RettungseinsÃ¤tzen ist ein â€žschell rein, schnell raus&quot; eine Illusion. Zugleich besteht ein erheblicher Zeit- und Handlungsdruck, kann sich multinationale KrisenbewÃ¤ltigung nicht so viel Zeit nehmen wie Innenpolitik. Die ersten Monate und Jahre eines Stabilisierungsprozesses sowie bestimmte Zeitfenster kÃ¶nnen ausschlaggebend fÃ¼r Erfolg oder Misserfolg eines Einsatzes sein. AFG ist das akute Beispiel, wie erst Jahre z.T. vertan wurden (zÃ¶gerliche ISAF-Ausweitung), wie jetzt die nÃ¤chsten Monate die vielleicht letzte MÃ¶glichkeit bieten, den Negativtrend zu drehen.</p><p>- <u>Wirksamkeit</u>: (a) GrundsÃ¤tzlich: Die Begriffe FriedenseinsÃ¤tze, Friedensstiftung etc. wecken falsche, weil Ã¼berhÃ¶hte Erwartungen. MilitÃ¤rische AuslandseinsÃ¤tze kÃ¶nnen grundsÃ¤tzlich keinen Frieden schaffen, sondern im besten Fall Friedensprozesse ermÃ¶glichen und unterstÃ¼tzen. FriedenseinsÃ¤tze kÃ¶nnen â€žZeit kaufen&quot; fÃ¼r politische LÃ¶sungen. Deshalb ist Vorsicht geboten vor Ã¼berhÃ¶hten und damit Ã¼berfordernden Erwartungen!</p><p>(b) StabilisierungseinsÃ¤tze sind erfolgreich und kÃ¶nnen unverzichtbar sein bei der EindÃ¤mmung grÃ¶ÃŸerer Gewaltkonflikte, bei Demilitarisierung und SicherheitsfÃ¶rderung. Insofern schÃ¼tzen und retten sie viele Menschenleben - ein unsichtbarer Erfolg. Die BW ist dabei besonders erfolgreich und angesehen. Dasselbe gilt - weitgehend auÃŸerhalb der Ã¶ffentlichen Wahrnehmung - fÃ¼r die polizeilichen AuslandseinsÃ¤tzen, die mit geringen Investitionen nachhaltige Sicherheit fÃ¶rdern.</p><p>Beispiele fÃ¼r erfolgreiche und abgeschlossene EinsÃ¤tze sind: MAZ ab 2001, Nordost-Kongo Artemis 2003, Kongo Eufor 2006, Aceh (zivile ESVP-Mission) 2006.</p><p>(c) Zwangs- und KriegseinsÃ¤tze: Hier sind der BW bisher eigene Erfahrungen weitgehend erspart geblieben. Der KOS-Luftkrieg war bez. BegrÃ¼ndung und Wirkung strittig, wurde Ã¶ffentlich nicht ausgewertet und erfuhr nachtrÃ¤glich eine deutliche Delegitimierung. OEF/AFG ist wg. Geheimhaltung und Nichtunterrichtung Ã¼ber die Gesamtoperation nur aus nichtoffiziellen Quellen beurteilbar. Art und Weise des Auftretens und der OperationsfÃ¼hrung von OEF drÃ¤ngen zu dem Urteil, dass OEF mehr zur Hass- und Gewaltspirale als zu einer wirksamen EindÃ¤mmung von Terrorismus beitrÃ¤gt und dadurch ISAF inzwischen mehr schadet als nutzt. Irakkrieg und â€žGlobal War against Terrorism&quot; stehen exemplarisch fÃ¼r eine nie da gewesene militÃ¤rische â€žEffizienz&quot; + Ãœberlegenheit, die - wenn sie mit der Ideologie militÃ¤rischer KonfliktlÃ¶sung und politischer Hybris einhergeht - zum regelrechten Brandstifter bzw. -beschleuniger wird. Vor diesem Hintergrund wÃ¤re es angebracht, Fehlverhalten und kontraproduktive Politik auf Seiten, in den Reihen der â€žStaatengemeinschaft&quot;, des Westens als eigenstÃ¤ndige Gruppe von Risiken und GefÃ¤hrdungen wahrzunehmen.</p><p>- <u>Konzeptionelle/strategische InkohÃ¤renz</u>/WidersprÃ¼che zwischen wesentlichen Truppenstellern und wesentlichen  Akteuren, Kommunikations- und Kooperationsdefizite. â€žMusterbeispiel&quot; NATO-EU in AFG.</p><p>- <u>Kluft zwischen militÃ¤rischer Friedenssicherung und politischer KonfliktlÃ¶sung</u>/Peace-building: Sie besteht strukturell wegen unterschiedlicher Funktionsweise, Wirkmacht (Verzicht auf â€žgroÃŸe Gewalt&quot; kann erzwungen werden, politische KonfliktlÃ¶sung nicht), wegen unterschiedlicher VerfÃ¼gbarkeiten, Zahl und Kooperationsbereitschaft von Akteuren. Die militÃ¤risch-zivile Kluft wird vertieft durch unterschiedliche Personal- und Ressourcenausstattung, separate Planungs- und Entscheidungsprozesse und das mangelnde VerstÃ¤ndnis fÃ¼r notwendige FÃ¤higkeiten + KapazitÃ¤ten auf der politisch-zivilen Seite. Das erschwert und verzÃ¶gert den Ãœbergang von StabilisierungseinsÃ¤tzen in selbsttragende Stabilisierungsprozesse. (Knackpunkt local ownership)</p><p>- <u>Politische Risiken</u>: Instrumentalisierung von AuslandseinsÃ¤tzen fÃ¼r andere politische Zwecke (z.B. Kompensation fÃ¼r die Nichtbeteiligung am Irakkrieg, Symbolik). Risiko des Politikersatzes, wenn AuslandseinsÃ¤tze nicht in energische politische Stabilisierung/KonfliktlÃ¶sung eingebettet sind und die diplomatisch-polizeilich-zivilen FÃ¤higkeiten hinter den militÃ¤rischen zurÃ¼ckbleiben: Dann sind Einsatzausweitungen, EndloseinsÃ¤tze bzw. ein Umkippen in eine Besatzerrolle vorprogrammiert. (Rutschbahnrisiko)</p><p>- Internationale Peacekeeping- und <u>Nation-Building-Erfahrungen</u> finden zu wenig Beachtung. ÃœberhÃ¶hte Erwartungen und Machbarkeitsillusionen fÃ¼hren zwangslÃ¤ufig zu EnttÃ¤uschungen + Interessensverlust.</p><p>- Enorm erweitertes <u>Anforderungsspektrum</u> gerade fÃ¼r Soldaten (auch einfacherer Dienstgrade): Offenheit, Freundlichkeit, interkulturelle Kompetenz, â€ždiplomatische&quot;, polizeiliche FÃ¤higkeiten bis stÃ¤ndige Wachheit, militÃ¤rische KampffÃ¤higkeit, also ggfs. TÃ¶tungsbereitschaft - und das binnen Minuten, in denen sich eine Lage Ã¤ndern kann. SensibilitÃ¤t fÃ¼r das eigene Auftreten in einem fremden Kulturkreis wird mindestens so wichtig wie der sachgemÃ¤ÃŸe Umgang mit der eigenen Waffe.</p><p>- <u>Aktion ist Kommunikation</u>: Enormer Stellenwert der Ã¶ffentlichen Wahrnehmung und Kommunikation (lokal bis global) fÃ¼r den Erfolg oder Misserfolg von AuslandseinsÃ¤tzen, die immer mehr â€žunter den Menschen&quot; stattfinden. Das WIE eines Einsatzes wird immer wichtiger. Die mediale Globalisierung verkompliziert und beschleunigt die Dynamik von Risiken und Bedrohungen. Eine â€ždreckige MÃ¼cke&quot; kann eine Elefantenherde in Gang setzen, die um den ganzen Globus trampelt. Die GlaubwÃ¼rdigkeit und LegitimitÃ¤t â€žam Boden&quot; (bei der BevÃ¶lkerung einer Krisenregion) ist die Achillesferse jedes Stabilisierungseinsatzes.</p><p>- Technische + personelle <u>Begrenzungen von EinsatzfÃ¤higkeit</u>: â€žNadelÃ¶hrfÃ¤higkeiten&quot; (zzt. Transport, SanitÃ¤tswesen, FÃ¼hrungsfÃ¤higkeiten) , ausreichende Heimatstehzeiten fÃ¼r Soldaten, die weder SÃ¶ldner noch MÃ¶nche sind und sein sollen.</p><p>(4) <strong>Wahrscheinlicher Bedarf an AuslandseinsÃ¤tzen</strong></p><p>- Mit wachsendem Angebot an interventionsfÃ¤higen KrÃ¤ften steigt auch die â€žNachfrage&quot; und Ã¼ber die Integration in NATO-Response Force und EU-Battle-Groups der Beteiligungsdruck.</p><p>- Zentralrisiken aus zerfallenen und fragilen, versagenden Staaten und Post-Conflict-Situationen, â€žcomplex emergencies&quot; regionaler FlÃ¤chenbrÃ¤nde (z.B. West- und Zentralafrika), die zu Brut- und ExportstÃ¤tten fÃ¼r Menschen-, Waffen-, Drogenhandel, fÃ¼r Organisierte KriminalitÃ¤t, von Gewaltexport und Terrorismus, FlÃ¼chtlingsstrÃ¶me werden.</p><p>- PrimÃ¤raufgabe Stabilisierung, extern gestÃ¼tztes Nation + State Building, Sicherheitssektorreform (vgl. Bedarfsentwicklung auf VN-Ebene, Initial Long-Term Vision for European Defence Capability and Capacity Needs, 3. Oktober 2006)</p><p>- VN-gefÃ¼hrte EinsÃ¤tze brauchen eine stÃ¤rkere Beteiligung durch EU-, NATO-Staaten gerade im UnterstÃ¼tzungsbereich. Steigender Bedarf an KleinsteinsÃ¤tzen und schnellen â€žÃœberbrÃ¼ckungseinsÃ¤tzen&quot;. Eine notwendige Voraussetzung dafÃ¼r ist die StÃ¤rkung des VN-Department for Peacekeeping Operations in New York, das mit relativ wenigem Personal (ca. 650) zzt. weltweit 18 Friedensoperationen mit 93.600 Personen, davon 77.000 Uniformierten (7.900 Polizisten, 2.700 MilitÃ¤rbeobachter) und 16.000 Zivilisten aus 110 LÃ¤ndern fÃ¼hrt und zur Stabilisierung eines Raumes von mehr als 200 Mio. Einwohnern beitrÃ¤gt.</p><p>- Vergleichsweise geringerer Bedarf bei TerrorbekÃ¤mpfung (eher indirekt als direkt), Distanzierung vom Irrweg des â€žKrieges gegen den Terror&quot;.</p><p>- Zunehmender Bedarf an qualifizierten Ausbildungshilfen und Beratern (Sicherheitssektorreform)</p><p>- Zunahme und VerschÃ¤rfung von Naturkatastrophen: vermehrter Bedarf an schneller militÃ¤rischer Katastrophenhilfe (Lufttransport etc.)</p><p>- Kriegerische ZwangseinsÃ¤tze sind auch im Rahmen des VN-Systems nicht auszuschlieÃŸen, sind  aber nach aller Erfahrung Ã¤uÃŸerst tÃ¼ckisches und problematisches Mittel und als â€žgroÃŸes Ãœbel&quot; durch rechtzeitige KrisenprÃ¤vention wenn eben mÃ¶glich zu vermeiden. In demokratischen â€žpostheroischen&quot; Gesellschaften ist eine primÃ¤re PrÃ¤misse, eigene Opfer zu vermeiden. Das fÃ¶rdert bei â€žErzwingungseinsÃ¤tzen&quot; eine Distanz- und LuftkriegfÃ¼hrung, die in asymmetrischen Konflikten wenig durchsetzungsfÃ¤hig ist, aber durch  sichtbare zivile Opfer dabei schnell die eigene LegitimitÃ¤t und politische DurchhaltefÃ¤higkeit untergrÃ¤bt.</p><p>(5) <strong>Offene Fragen, KlÃ¤rungsbedarf +</strong> <strong>Konsequenzen</strong>:</p><p>- Eine systematische, unabhÃ¤ngige + Ã¶ffentliche <u>Zwischenbilanzierung der AuslandseinsÃ¤tze</u> im Rahmen multilateraler KrisenbewÃ¤ltigung wird immer notwendiger - trotz aller Schwierigkeit, bei multinationalen und multidimensionalen EinsÃ¤tzen nationale EinzelbeitrÃ¤ge zu bewerten. Das WeiÃŸbuch der Bundesregierung vermied eine solche Zwischenbilanz. Die GrÃ¼nen werden sie mit ihrer â€žFriedens- und sicherheitspolitischen Kommission&quot; versuchen.</p><p>- GefÃ¤hrlichkeit und Verfehltheit eines entgrenzten <u>Verteidigungsbegriffs</u> (... am Hindukusch, im Innern, zum Schutz der Rohstoff- und Energieversorgung), der zu einer Chaotisierung des VÃ¶lkerrechts fÃ¼hrt.</p><p>- <u>Friedensethische</u> und vÃ¶lkerrechtliche KlÃ¤rung: Dass â€žKrieg eine GeiÃŸel der Menschheit&quot; (VN-Charta) ist und deshalb als Institution Ã¼berwunden werden muss, ist der oberste kategorische Imperativ. Dieser spiegelt sich im ausdrÃ¼cklichen Friedensauftrag des Grundgesetzes wider: Erster Satz der PrÃ¤ambel: â€ž(...) als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen&quot;; Art. 24: â€ž(...) zur Wahrung des Friedens einem System gegenseitiger kollektiver Sicherheit einordnen&quot;; Art. 26 Verbot der FriedensstÃ¶rung und des Angriffskrieges. MilitÃ¤reinsÃ¤tze sind also ausschlieÃŸlich zulÃ¤ssig zur Gewalt- und KriegsverhÃ¼tung/-eindÃ¤mmung und internationalen Rechtsdurchsetzung im Dienste kollektiver Sicherheit im Rahmen des UN-Systems (Grundgesetz-PrÃ¤zisierung?), Absage an die Tradition â€žKrieg als Mittel der Politik&quot; und an Interventionen fÃ¼r partikulare Machtinteressen.</p><p>- Eine deutsche <u>Sicherheitsstrategie</u> ist Ã¼berfÃ¤llig, darin die KlÃ¤rung deutscher im Kontext kollektiver europÃ¤ischer und globaler Sicherheitsinteressen. VerstÃ¤ndigung Ã¼ber eine Risiko- und Bedrohungsanalyse (bisher unterschiedliche Akzentuierungen auf nationaler, EU und VN-Ebene), die durch eine Chancenanalyse ergÃ¤nzt werden muss; denn GewaltverhÃ¼tung und FriedensfÃ¶rderung bedingen einander. Was das WeiÃŸbuch offen lieÃŸ, muss endlich beantwortet werden: GegenÃ¼ber welchen Risiken und Bedrohungen kÃ¶nnen militÃ¤rische Mittel bzw. politische, polizeiliche etc. Mittel viel, etwas, gar nichts ausrichten? Dass Terrorismus â€žnicht nur&quot;, aber auch â€žnicht ohne&quot; MilitÃ¤r bekÃ¤mpft werden kann, trifft zu, ist aber inzwischen eine Leerformel.</p><p>- Wirksame und angemessene Antworten auf asymmetrische Bedrohungen; die Illusionen des â€žKrieges gegen den Terror&quot; und des â€žKrieges gegen die Drogen&quot;, deren Bilanz immer verheerender wird.</p><p>- Fundamentaler Unterschied zwischen Friedenssicherung und kriegerischer â€žFriedenserzwingung&quot;</p><p>- <u>Tabufrage</u>: fundamentale Dissense unter VerbÃ¼ndeten, v.a. mit den USA unter der Bush-Administration bez. Einstellung zu Krieg, Terror- und DrogenbekÃ¤mpfung, (Kriegs-)VÃ¶lkerrecht (Military Commissions Act), Nation Building. Solche Dissense behindern effektiven Multilateralismus, KohÃ¤renz und InteroperabilitÃ¤t von StreitkrÃ¤ften. Was tun, wenn â€žSicherheitspolitik&quot; Ã¤uÃŸerst wirksam Unsicherheit produziert und die letzte Supermacht seit Jahren viel mehr als globale Unordnungs- denn als Ordnungsmacht agiert?</p><p>- Entwicklung realitÃ¤tsnÃ¤herer <u>Peacebuilding-Konzepte</u> zu Rechtsstaatlichkeit, Good Governance, Demobilisierung etc.; langer Atem  u n d  konstruktive Ungeduld (Zeitbedarf und Zeitdruck), Erwartungsmanagement;</p><p>- <u>FÃ¤higkeitsgemeinsamer und ressortÃ¼bergreifender Ansatz auf nationaler, EU-/NATO- und VN-Ebene:</u> EinsÃ¤tze und Engagements der KrisenverhÃ¼tung, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung mÃ¼ssen von Anfang an ressortgemeinsam und unter Einbeziehung nichtstaatlicher Akteure angegangen und geplant werden. Der bisherige strukturelle Startvorteil der militÃ¤rischen SÃ¤ule (schnelle VerfÃ¼gbarkeit) muss auf diplomatischer, ziviler, polizeilicher Seite zÃ¼gig ausgeglichen werden. Die bisherigen Diskrepanzen in Planung und FÃ¤higkeiten sind nur durch eine Transformation der auÃŸen- und sicherheitspolitischen Strukturen zu Ã¼berwinden. Nach aller Erfahrung mit traditionellem Ressortdenken und einzelnen guten ressortÃ¼bergreifenden AnsÃ¤tzen (BAKS, ZIF, VN-Ausbildungszentrum BW, Aktionsplan und Ressortkreis) braucht es dafÃ¼r eine groÃŸe Initiative von Bundestag und Kanzleramt zugleich. Das alles muss einhergehen mit der Einrichtung eines Ressourcenpools, mit der Aufstellung ziviler und polizeilicher Headline Goals (vgl. Zivile Planziele 2008 der EU), mit der finanziellen und personellen StÃ¤rkung vor allem des Einzelplan 05/AuswÃ¤rtiges Amt und des Aktionsplans Zivile KrisenprÃ¤vention (vgl. Erster Umsetzungsbericht zum Aktionsplan) sowie mehr Steuerungskompetenz fÃ¼r den Ressortkreis.</p><p>- Definition von <u>Exit-Kriterien</u> fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze (innere StabilitÃ¤t, Stand des innerstaatlichen Gewaltmonopols).</p><p>- KohÃ¤renz und KontinuitÃ¤t multinationaler KrisenbewÃ¤ltigung: Kurze Stehzeiten und stÃ¤ndige personelle Fluktuationen fÃ¶rdern organisierte Vergesslichkeit und erschweren institutionalisiertes Lernen sowie Beziehungsaufbau, gar Vertrauensbildung zu lokalen Akteuren in einem gesellschaftlichen Umfeld, wo es ganz besonders auf persÃ¶nliche Beziehungen ankommt. Gerade in FÃ¼hrungs- und Verbindungsfunktionen sind lÃ¤ngere Stehzeiten unabdingbar.</p><p>- Psychologische Verarbeitung von Einsatzerfahrungen, BewÃ¤ltigung diametraler Erfahrungswelten (Kriseneinsatz - individualisierte zivile â€žSpaÃŸgesellschaft&quot;, Werteschwund hierzulande - traditionelle Werte im Einsatzland) und verschiedener MilitÃ¤rkulturen im multinationalen Einsatz: Auswirkungen auf die Innere FÃ¼hrung und die gesellschaftliche Integration der StreitkrÃ¤fte.</p><p>- FragilitÃ¤t der Einsatz- und DurchhaltefÃ¤higkeit von Politik und Gesellschaft, wo schon das Fehlverhalten Einzelner bei entsprechender Skandalisierung Jahre an Ã–ffentlichkeitsarbeit wegspÃ¼len kann.</p><p>Der zivilisatorische Fortschritt geringer Kriegsbereitschaft in Gesellschaft, Politik und auch MilitÃ¤r hierzulande ist heute konfrontiert mit traditionellen Gesellschaften und (Sub-)Kulturen, wo ganz andere Leidens- und DurchhaltefÃ¤higkeiten - bis zu extremer Opferbereitschaft - ganz andere KriegsfÃ¤higkeiten ermÃ¶glichen.</p><p>- <u>Umfassende sicherheitspolitische Debatte</u> und VerstÃ¤ndigung (Identifizierung der Hindernissen als erste Voraussetzung: z.B. die Insidersprache, der Konsensdruck, das Interesse der Exekutive an Handlungsfreiheit, die verbreitete VerdrÃ¤ngung von Risiken und Bedrohungen), WeiÃŸbuch und 1. Umsetzungsbericht der Bundesregierung zum Aktionsplan KrisenprÃ¤vention waren entscheidende AnlÃ¤sse, die wenig bis gar nicht genutzt wurden.</p><p>- Strategische Ã–ffentlichkeits- und Bildungsarbeit fÃ¼r AuÃŸen-, Sicherheits- und Friedenspolitik und ihre Wiederbelebung in der schulischen Bildung. (vgl. die Jahresberichte der Jugendoffiziere, die in den Schulen viel auÃŸenpolitische Unkenntnis und Desinteresse erleben)</p><p>(6) <strong>Parlamentsbeteiligung</strong></p><p>- Vorteile und Nebenfolgen: Die Parlamentsbeteiligung hat sich sehr bewÃ¤hrt zur Herstellung eines breiten Konsenses gegenÃ¼ber einem auÃŸen- und sicherheitspolitischen Instrument, das in Deutschland nicht selbstverstÃ¤ndlich ist. Parlamentarische Kontrolle trÃ¤gt auch zur Effizienzsteigerung bei. Der Parlamentsvorbehalt nur fÃ¼r militÃ¤rische AuslandseinsÃ¤tze und die daraus resultierende HÃ¤ufung von Einsatzdebatten im Bundestag schÃ¼ren aber zugleich den  falschen Eindruck, als bestÃ¼nde deutsche AuÃŸenpolitik fast nur noch aus MilitÃ¤reinsÃ¤tzen.</p><p>- Friedensmissionen und die SchlÃ¼sselthemen Nation Building, Sicherheitssektorreform, zivil-militÃ¤ri-sche Zusammenarbeit, DrogenbekÃ¤mpfung werden im Parlament viel zu ressortborniert behandelt. Themenbezogene gemeinsame Sitzungen sind Ã¼berfÃ¤llig. Die Einrichtung eines ressortÃ¼bergreifenden â€žSicherheitsausschusses&quot;, wie z.B. vom BundesprÃ¤sidenten vorgeschlagen, sollte nÃ¤her geprÃ¼ft werden.</p><p>- Eine Reduzierung der Parlamentsbeteiligung bei Schnellen Eingreiftruppen (NATO Response Force, EU Battle Groups) ist sachlich nicht notwendig (SchnellsteinsÃ¤tze nur notwendig und verantwortbar bei Rettung und Geiselbefreiung, ansonsten als â€žEinsatz aus der HÃ¼fte&quot; unverantwortbar) und wÃ¼rde die Parlamentsbeteiligung gerade bei den potenziell hÃ¤rtesten und riskantesten EinsÃ¤tzen aushebeln.</p><p>- Die parlamentarische Kontrolle von SpezialeinsÃ¤tzen, die besonderer Geheimhaltung unterliegen, muss institutionalisiert und um direkte Kontrollrechte erweitert werden. Die bisher unter den Ministern Struck und Jung praktizierte geheime Unterrichtung der Obleute des Verteidigungsausschusses ist auf den Goodwill der Minister angewiesen und setzt einen Vertrauensvorschuss ihnen gegenÃ¼ber voraus. Abzulehnen ist aber ein â€žAusschuss fÃ¼r besondere AuslandseinsÃ¤tze&quot;, wie er von der FDP in einem Gesetzentwurf zu einem â€žAuslandseinsÃ¤tzemitwirkungsgesetz&quot; im November 2003 vorgeschlagen wurde: Dieser sollte bei geheimhaltungsbedÃ¼rftigen EinsÃ¤tzen an Stelle des Bundestages beschlieÃŸen</p><p>kÃ¶nnen. Das aber wÃ¼rde - die Erfahrungen anderer LÃ¤nder zeigen das - die TÃ¼r zur Teilnahme an Geheimkriegen erÃ¶ffnen und den Parlamentsvorbehalt an einem entscheidenden Punkt aushebeln.</p><p>- Ãœber die regelmÃ¤ÃŸigen vertraulichen Unterrichtungen der Fachgremien hinaus ist eine kontinuierliche Ã¶ffentliche Einsatz-Unterrichtung durch die Bundesregierung notwendig, z.B. ein Afghanistan-Report.  (vgl. die Quartalsberichte â€žMeasuring Stability and Security in Iraq&quot; der US-Administration an den Kongress gemÃ¤ÃŸ Department of Defense Appropriations Act 2006, Sec. 9010) sowie eine unabhÃ¤ngige Evaluierung von EinsÃ¤tzen. Der sog. â€žEvaluierungsbericht&quot; der Bundesregierung zur dt. Beteiligung an der Operation Enduring Freedom vom Januar 2007 verharrt auf der Ebene von MaÃŸnahmen-Bericht und ist weit von einer seriÃ¶sen Evaluierung entfernt.</p><p>(7) Die â€ž<strong>anderen&quot; AuslandseinsÃ¤tze</strong></p><p>- Von der Ã–ffentlichkeit nicht und von der Politik kaum beachtet werden die immer wichtigeren polizeilichen AuslandseinsÃ¤tze (strategische SchlÃ¼sselrolle fÃ¼r selbsttragende Stabilisierung), die Beteiligung von Zivilexperten an Friedensmissionen, die FriedensfachkrÃ¤fte bei gesellschaftlichen Friedensprozessen. Ritualisierter Dank im Bundestag reicht nicht!</p><p>- Die anderen Komponenten der FriedenseinsÃ¤tze mÃ¼ssen in die regelmÃ¤ÃŸige Unterrichtung einbezogen werden. Zu beginnen wÃ¤re mit Quartalsberichten zu polizeilichen AuslandseinsÃ¤tzen.</p><p>- Notwendig sind personelle VerstÃ¤rkungen vor allem bei Polizei (neuer Stellenpool), Zivilpersonal (ziv. Entsendegesetz fÃ¼r bessere VerfÃ¼gbarkeit) und FriedensfachkrÃ¤ften (vom gegenwÃ¤rtigen Pilotprojekt der 130 FachkrÃ¤fte in 39 LÃ¤ndern zur â€žkritischen Masse&quot; von 500).</p><p>- Vorangebracht werden muss eine zivil(-polizeilich-diplomatisch)-militÃ¤rische Zusammenarbeit auf gleicher AugenhÃ¶he. (vgl. Nr. 5) Das setzt einen zivil-(...)militÃ¤rischen Diskurs voraus, den es bisher nur in AnsÃ¤tzen gibt.</p><h2>Kriterien fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr im Rahmen des Friedensauftrages des Grundgesetzes</h2><p><em><u>Vorbemerkung</u></em><em>: Die Kriterien sind gedacht als Orientierungshilfen, nicht als â€žEinsatz-Fahrplan&quot; oder Checkliste zum Abhaken.</em></p><p><em>Im Rahmen des Friedensauftrages des Grundgesetzes und der VN-Charta kann das Spektrum mÃ¶glicher AuslandseinsÃ¤tze reichen von humanitÃ¤ren + HilfseinsÃ¤tzen Ã¼ber unbewaffneter Berater- und Beobachtermissionen, UnterstÃ¼tzung von RÃ¼stungskontrolle + AbrÃ¼stung, logistischer UnterstÃ¼tzung bis zu verschiedenen Graden von EinsÃ¤tzen bewaffneter StreitkrÃ¤fte, die dem Parlamentsvorbehalt unterliegen. Dieser kÃ¶nnen wiederum reichen vom Einsatz einzelner Spezialisten und Stabspersonal Ã¼ber KontingenteinsÃ¤tze von Heeres-, Luftwaffen- und MarinekrÃ¤ften zur Friedenssicherung, also Kriegsverhinderung - Ã¼ber 99 % aller EinsÃ¤tze bisher - bis zur â€žFriedenserzwingung&quot;, also EinsÃ¤tzen kriegerischer Gewalt.</em></p><p><em>Angesichts der kaum berechenbaren Herausforderungen fÃ¼r kollektive Sicherheit sind Prognosen  - hier ja, dort nie - kaum noch mÃ¶glich.</em></p><p><em>Die SchlÃ¼sselfragen lauten zusammengefasst: Ist ein Einsatz im Sinne kollektiver Sicherheit dringlich, sinnvoll, legal, leistbar + verantwortbar, oder weder noch?</em></p><p>1. <u>Ziel der Gewalt-/KriegseindÃ¤mmung und -verhÃ¼tung</u>/FriedensunterstÃ¼tzung im Rahmen kollektiver Sicherheit, Durchsetzung internationalen Rechts gegen illegitime Gewalt, Abwehr von VÃ¶lkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit (responsibility to protect), wo die Staatengemeinschaft zur Nothilfe verpflichtet ist. <u>Nicht</u>: Krieg als Mittel der Politik, Interventionen zur Durchsetzung partikularer Machtinteressen, Abwehr von FlÃ¼chtlingen. (Werteorientierung)</p><p>2. <u>Stellenwert/Dringlichkeit eines Friedenseinsatzes allgemein</u> fÃ¼r internationale, europÃ¤ische und deutsche Sicherheit + Frieden; trotz aller Globalisierung von (Un-)Sicherheit und Interdependenzen von Krisenregionen gibt es Weltregionen, die fÃ¼r die Sicherheit Deutschlands/Europas von primÃ¤rem (Balkan, Nahost), sekundÃ¤rem und nachgeordnetem Interesse sind, woraus sich eine abgestufte (Mit-)Verantwortung ergeben kann. (Interessen + Verantwortung)</p><p>3. <u>LegalitÃ¤t</u>: Strikte Bindung an VÃ¶lkerrecht und Menschenrechte, VN-Mandat bzw. vÃ¶lkerrechtlich korrekte UnterstÃ¼tzungsbitte einer Regierung; bei Friedenssicherung Zustimmung der Konfliktparteien. <u>Nicht</u>: entgrenzter Verteidigungsbegriff, â€žRecht des StÃ¤rkeren&quot; + im Widerspruch zur VN-Charta.</p><p>4. <u>StÃ¤rkung von effektivem Multilateralismus </u>auf VN-, EU- und NATO-Ebene (VN-VerlÃ¤sslichkeit): wichtig, aber - auÃŸer bei KleinsteinsÃ¤tzen - nicht primÃ¤r. <u>Nicht</u>: unilaterale AlleingÃ¤nge, BÃ¼ndnisautomatismen, VernachlÃ¤ssigung von VN-gefÃ¼hrten Missionen. (Ende Dezember 2006 stellten von den insgesamt ca. 70.000 VN-Soldaten,  -Polizisten und Beobachtern Pakistan, Bangladesh, Indien je fast 10.000, Jordanien 3.800, Ghana 2.700, China 1.660/12. Stelle, Benin 1.280/16., Brasilien 1.250/ 17., DEU 1.143/18.)</p><p>5. <u>Stellenwert eines deutschen Beitrags</u> - und welcher spezifischen FÃ¤higkeiten - (Unverzichtbarkeit/Dringlichkeit/Ersetzbarkeit) fÃ¼r einen multinationalen Friedenseinsatz, fÃ¼r die KonfliktlÃ¶sung insgesamt (Teil der ProblemlÃ¶sung oder Teil des Problems?). Mit Arbeitsteilung im BÃ¼ndnis, integrierten schnellen EinsatzverbÃ¤nden (NATO-Response Force, EU-Battle-Groups) und angesichts der (FÃ¼hrungs-)Verantwortung Deutschlands in EU und VN steigt der Einsatzdruck. <u>Trotzdem</u>: Kein Automatismus, auch kein aufgeschobener (z.B. mit einem â€žwir werden uns nicht entziehen kÃ¶nnen&quot;).</p><p>6. <u>Ãœbereinstimmung von offiziellen Zielen und tatsÃ¤chlichen </u>Interessen, verdeckte Agenden. <u>Nicht</u>: Prestigeinteressen von Bundesregierung, EU, TeilstreitkrÃ¤ften; machtpolitischer Interventionismus.</p><p>7. <u>AusschÃ¶pfung der vorrangigen nichtmilitÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung:</u> MÃ¶gliche Alternativen zum MilitÃ¤reinsatz (ggfs. polizeilich, differenzierte Sanktionen). <u>Nicht</u>: Vorrang militÃ¤rischer â€žLÃ¶sungen&quot;, die eine Illusion sind.</p><p>8. <u>Einbettung in politische Deeskalations- und KonfliktlÃ¶sungsstrategie und -bemÃ¼hungen</u>, andernfalls drohen teure + riskante EndloseinsÃ¤tze: fundierte Konflikt- und Risiko- und Chancenanalyse, politisches Konzept/ Wegmarken, KohÃ¤renz verschiedener Ressortpolitiken durch ressortgemeinsame Planung von Anfang an, energisches politisches Engagement, langer Atem. <u>Nicht</u>: MilitÃ¤rfixiertheit oder -lastigkeit, politische VernachlÃ¤ssigung und Krisenhopping, Ressortborniertheiten.</p><p>9<u>. Klarer Auftrag + reale Erfolgsausichten</u> in einer konkreten, in der Regel asymmetrischen Konfliktkonstellation (realitÃ¤tsnahe Zielsetzung, klare FÃ¼hrungsstruktur, angemessene/ausreichend robuste Einsatzregeln/rules of engagement und AusrÃ¼stung). <u>Nicht</u>: diffuser Auftrag, Politikersatz, unklare FÃ¼hrung, schwaches Mandat, â€žmission creep&quot; (schleichende Ausweitung von EinsÃ¤tzen).</p><p>10. <u>Ausgewogene FÃ¤higkeiten</u>: (a) der multinationalen militÃ¤rischen BeitrÃ¤ge (internationales burden sharing) und (b) der nichtmilitÃ¤rischen diplomatischen, polizeilichen + zivilen BeitrÃ¤ge angesichts komplexer multidimensionaler Missionen. Bei StabilisierungseinsÃ¤tzen strategische SchlÃ¼sselrolle vor allem einer schnellen Polizeikomponente und einer energischen  UnterstÃ¼tzung der Sicherheitssektorreform (Demilitarisierung, Demobilisierung und Reintegration; Reform von StreitkrÃ¤ften, Polizei, Justiz, Zoll). <u>Nicht</u>: bloÃŸ eindimensionaler MilitÃ¤reinsatz.</p><p>11. <u>Exit-Kriterien</u> z.B. selbsttragende Sicherheitsstrukturen (angesichts der Vielzahl von Akteuren und UnwÃ¤gbarkeiten ist eine explizite Exit-Strategie eher eine Fiktion), AblÃ¶sbarkeit durch internationale Polizei, Mentoren und Monitore; Evakuierungsvorsorge fÃ¼r den Abbruch + RÃ¼ckzug eines Einsatzes.  <u>Nicht</u>: â€žMal sehn&quot;.</p><p>12. <u>Leistbarkeit</u> spezifischer FÃ¤higkeitsbeitrÃ¤ge bez. (spezialisiertem) Personal und AusrÃ¼stung auch Ã¼ber lÃ¤ngere Zeitspannen; hier sind vor allem â€žNadelÃ¶hrfÃ¤higkeiten&quot; und Rotationsbedarf zu berÃ¼cksichtigen; Kosten. <u>Nicht</u>: Omnipotenzerwartungen bzw. -versprechungen von Politikern, Generalen, Ã–ffentlichkeit.</p><p>13. <u>verantwortbare politische + persÃ¶nliche Risiken </u>und Belastungen fÃ¼r die Soldaten und ihre AngehÃ¶rigen. BerÃ¼cksichtigung von mÃ¶glichen Eskalationsszenarien auch auf der Zeitschiene. <u>Nicht</u>: zu hohe Einsatzdichte, beschÃ¶nigende oder dramatisierende Risikowahrnehmung; parallele Entwicklung von Besoldung + Versorgung.</p><p>14. <u>Politische Akzeptanz</u>: Ãœberzeugungskraft + DurchhaltefÃ¤higkeit der politischen FÃ¼hrung; die Parlamentsarmee Bundeswehr braucht fÃ¼r ihre EinsÃ¤tze breite Zustimmung im Parlament und eine kontinuierliche und sorgfÃ¤ltige Begleitung und Kontrolle durch Parlament und Ã–ffentlichkeit. <u>Nicht</u>: bloÃŸe Mehrheiten aus Koalitionsdisziplin, auf Dauer geheime AuslandseinsÃ¤tze, bloÃŸe TÃ¤tigkeitsberichte statt Evaluierungen.</p><p>15. <u>Alternativen + Konsequenzen</u> einer Nichtbeteiligung bzw. des Nichtzustandekommens eines Friedenseinsatzes insgesamt.</p><p>16. Friedens-, abrÃ¼stungs- und sicherheitspolitisch <u>fragwÃ¼rdige Nebenwirkungen</u>?</p><h2>Berichte und Stellungnahmen des Autors zu AuslandseinsÃ¤tzen</h2><p>(vgl. <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a>)</p><p>- AuslandseinsÃ¤tze in der politischen Krise. Beitrag fÃ¼r â€žInfoDienst Heer&quot; Januar 2007</p><p>- Beratungspapier â€žTornados nach Afghanistan?&quot;, 23.1.2007</p><p>- Afghanistan-Besuch im Oktober 2006: Zwischen Anschlagsgefahren und Aufbaufortschritten (mit Exkurs zum Streit Ã¼ber den ISAF-Einsatz in SÃ¼d-AFG), 24.11.2006</p><p>- Nach fÃ¼nf Jahren Beteiligung an Enduring Freedom: Nicht mehr dringlich und nicht mehr verantwortbar, 7.11.2006</p><p>- HeiÃŸ in jeder Hinsicht: Besuch der Bundeswehrkontingente in Djibouti, Gabun und Kongo, 4.10.2006</p><p>- Beitrag zur UNO-Friedenssicherung im Libanon: Warum ausgerechnet / nicht auch mit Bundeswehr? Anmerkungen zu Kritiken aus der Friedensbewegung, 24.9.2006</p><p>- Der geplante VN-Libanon-Einsatz der Bundeswehr: gemessen an Kriterien fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze im Rahmen des Friedensauftrages des Grundgesetzes, 18.9.2006</p><p>- Ohne Friedenstruppe kein Kriegsende - mit Friedenstruppe noch lÃ¤ngst kein Frieden: Zur Entscheidung Ã¼ber eine deutsche Beteiligung an der VN-Libanon-Truppe, 25./30.8.2006</p><p>- Brief an die Minister Steinmeier, Jung, Wieczorek-Zeul und SchÃ¤uble zur akuten Situation in Afghanistan gemeinsam mit JÃ¼rgen Trittin, 5.9.2006</p><p>- Besuch in Nord-Afghanistan: Hoch kritische Monate, Reisebericht 24. Juli 2006</p><p>- Dringende Fragen: Afghanistan auf der Kippe? Juli 2006</p><p>- Die Bundeswehr der Zukunft: Immer weiter oder nÃ¤her, schneller + hÃ¤rter? Mai 2006</p><p>- Erkundung in Kongo-Kinshasa: Erfahrungen, Schlussfolgerungen, April 2006</p><p>- EU-Mission fÃ¼r Kongo-Kinshasa: Dringende Wahlabsicherung oder verantwortungslose EU-Show? MÃ¤rz 2006</p><p>- Informationen zur 2. VerlÃ¤ngerung des UNMIS-Mandats (SÃ¼d-Sudan), 4.4.2006)</p><p>- Bei der <u>Darfur-Debatte</u> im Bundestag: Neuauflage des Streits um internationale Schutzverpflichtung</p><p>und humanitÃ¤r begrÃ¼ndete Intervention, 20.12.2005</p><p align="left">- Zur MandatsverlÃ¤ngerung der deutschen Beteiligung an Operation <u>Enduring Freedom</u>: Umfassende TerrorismusbekÃ¤mpfung statt â€žKrieg gegen den Terror?</p><p>- Information zur 4. <u>ISAF</u>-VerlÃ¤ngerung: Friede in Sicht? Oder immer mehr Soldaten in ein Fass ohne Boden?</p><p>- Beobachtungen beim Besuch der ISAF-PRTs in Feyzabad und Kunduz am 26.9.2004</p><p>- Delegationsbesuch der â€žISAF-Insel&quot; PRT Kunduz am 31. Januar 2004</p><p>- Kabul im August 2003 -Afghanistanpolitik am Scheideweg, August 2003</p><p>- PersÃ¶nliche ErklÃ¤rung von Winfried Nachtwei zur Abstimmung Ã¼ber den Einsatz von BundeswehrkrÃ¤ften im Kampf gegen den internationalen Terrorismus in Verbindung mit der Vertrauensfrage am 16.11.2001 im Bundestag</p><p>- <u>Kosovo</u> ein Jahr nach den MÃ¤rz-Unruhen: viel Stagnation und wichtige Fortschritte, MÃ¤rz 2005</p><p>- Polizeimissionen auf dem Balkan -Gewaltexplosion im Kosovo. Besuch bei EUPM und UNMIK Police 15.-17. MÃ¤rz 2004</p><p>- Studienfahrt Friedensarbeit auf dem Balkan - Zivile Konfliktbearbeitung in Kosovo - Mazedonien,</p><p>26. Oktober bis 2. November 2003</p><p>- Notwendige Entwaffnungshilfe oder militÃ¤risches Abenteuer? Anforderungen an einen mÃ¶glichen Bundeswehreinsatzes in Mazedonien, 21.8.2001</p><p>- Kosovo-Krieg vor zwei Jahren: Begann alles mit einer LÃ¼ge? Zum Streit um die Informationspolitik der Bundesregierung</p><p>- Konfrontation mit der Kriegswirklichkeit: Bosnien-Reise der VorstÃ¤nde von Bundestagsfraktion und Partei von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen im Oktober 1996</p><p align="left">- 10 Jahre <u>AuslandseinsÃ¤tze der Polizei</u> NRW: â€žDiamanten der deutschen AuÃŸenpolitik&quot; Feier im Bildungszentrum BrÃ¼hl des Instituts fÃ¼r Aus- und Fortbildung der Polizei NRW (IAF) am 19. Juni 2004</p><p>- â€ž<u>Parlamentsbeteiligungsgesetz</u>&quot;: StÃ¤rkung oder Aufweichung des Parlamentsvorbehalts bei AuslandseinsÃ¤tzen? Dezember 2004</p><p>- Vor Ort: Frieden und Sicherheit nah besehen, Erfahrungs- und Reiseberichte von 1982-2006 aus Friedensbewegung, Baltikum, Balkan, Kyritz-Ruppiner Heide, Afghanistan, Ukraine, Russland, Namibia, BroschÃ¼re April 2006</p></div>


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