    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: 20 Jahre Deutsch-NiederlÃ¤ndisches Korps in MÃ¼nster: Positive KontinuitÃ¤tsbrÃ¼che, friedenspolitische Chancen</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=81-99&amp;aid=1370</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Vereinte Nationen (UNO) + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=70">Meine Themen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=120">Internationale Politik und Regionen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=99">Vereinte Nationen</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=1">Publikationstyp</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=81">Bericht</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=99-81">Any of these categories</a>
                    -                        <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=99%2B81">All of these categories</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            20 Jahre Deutsch-NiederlÃ¤ndisches Korps in MÃ¼nster: Positive KontinuitÃ¤tsbrÃ¼che, friedenspolitische Chancen         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 30. August 2015 20:43:17 +02:00 (167614 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 27, August wurde im und vorm Historischen Rathaus von M&uuml;nster, der Stadt des Westf&auml;lischen Friedens, das 20-j&auml;hrige Bestehen des 1. Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps begangen, in Anwesenheit des niederl&auml;ndischen K&ouml;nigs Willem-Alexander und der NRW-Ministerpr&auml;sidentin Hannelore Kraft. Einen so tief integrierten multinationalen Milit&auml;rverband gibt es nicht noch einmal in Europa. Seine historische Einmaligkeit wird besonders deutlich beim Blick auf seine Vorg&auml;nger im Stabsgeb&auml;ude am Schlossplatz - vor 75 Jahren, vor 32 Jahren.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>20 Jahre Deutsch-Niederl&auml;ndisches Korps in M&uuml;nster&ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>Positive Kontinuit&auml;tsbr&uuml;che, friedenspolitische Chancen</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, MdB a.D. (August 2015)</p>
<p align="center">Fotos unter <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a></p>
<p>Am 27. August 2015 beging das I. Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps (1 (GE/NL) Corps) in M&uuml;nster sein zwanzigj&auml;hriges Bestehen &ndash; und zehn Jahre Partnerschaft der Stadt M&uuml;nster mit dem Korps. (<a href="http://1gnc.org/">http://1gnc.org/</a> ) Das Jubil&auml;um begann mit einem Festakt im Historischen Rathaus, &nbsp;bei dem der Kommandierende General des Korps, Generalleutnant Volker Halbauer, Oberb&uuml;rgermeister Markus Lewe, Generalinspekteur Volker Wieker, Chief of Defence General Tom Middendorp &ndash; und ein niederl&auml;ndischer Kabarettist sprachen. (Bisher ist nur die Rede des niederl&auml;ndischen General zug&auml;nglich: <a href="https://www.defensie.nl/actueel/nieuws/2015/08/27/20-jaar-1-gnc">https://www.defensie.nl/actueel/nieuws/2015/08/27/20-jaar-1-gnc</a> , <a href="https://www.defensie.nl/english">https://www.defensie.nl/english</a> ;)</p>
<p>Nach Empfang des Ehrengastes Willem-Alexander, K&ouml;nig der Niederlande, im historischen Friedenssaal folgte vor dem Rathaus auf dem Prinzipalmarkt vor ca. 1.000 Zuschauern eine vergleichsweise bescheidene Milit&auml;rparade &ndash; mit 30 Waffentr&auml;gern, ca. 100 unbewaffneten Uniformtr&auml;gern verschiedener Nationalit&auml;ten und dem Luftwaffenmusikkorps M&uuml;nster. Wahrlich keine milit&auml;rische Machtdemonstration. Nach einer kurzen Rede verlieh NRW-Ministerpr&auml;sidentin Hannelore Kraft dem 1. Korps das Fahnenband des Landes NRW. Die Feier fand am Geburtsort der Niederlande statt: Mit dem &bdquo;Vrede von M&uuml;nster&ldquo; zwischen Spanien und den Niederlanden endete ein 80-j&auml;hriger Krieg und erlangten die Niederlande ihre Unabh&auml;ngigkeit.</p>
<p>&Uuml;ber M&uuml;nster hei&szlig;t es, hier w&uuml;rde es entweder regnen oder die Glocken l&auml;uten. Heute geschah beides. Im Innenhof des &ndash; auch historischen - Korps-Geb&auml;udes am Schlossplatz folgte dann das allj&auml;hrliche Korps-Biwak.</p>
<p>Die lokale Medienberichterstattung kreiste &uuml;berwiegend um den sympathischen K&ouml;nig und zelebrierte schulterklopfende Geburtstagsstimmung.</p>
<p>Die CDU betonte im Vorfeld, das Korps sei &bdquo;eine wichtige Einrichtung zur Friedenssicherung und (stehe) in der Tradition M&uuml;nsters als Garnisonsstadt&ldquo;. &nbsp;Die SPD nannte das Korps &bdquo;ein leuchtendes Beispiel f&uuml;r die europ&auml;ische Integration und den Einsatz f&uuml;r Frieden und Freiheit in Europa.&ldquo; Die Gr&uuml;nen erinnerten an die historischen Besonderheiten des Korps und betonten, dass Konflikte politisch gel&ouml;st werden m&uuml;ssten. (<a href="http://www.gr&uuml;ne-m&uuml;nster.de/2015/gruene-zum-geburtstag-des-deutsch-niederlaendischen-korps-konflikte-muessen-politisch-und-nicht-militaerisch-geloest-werden/">http://www.gr&uuml;ne-m&uuml;nster.de/2015/gruene-zum-geburtstag-des-deutsch-niederlaendischen-korps-konflikte-muessen-politisch-und-nicht-militaerisch-geloest-werden/</a> )</p>
<p>Ohne R&uuml;cksicht auf konkrete Tatsachen warf&nbsp; die LINKE dem Korps Verwicklung in die &bdquo;NATO-Kriegspolitik&ldquo; vor. &Uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum habe das Korps &bdquo;den Krieg in Afghanistan, welcher aus rein wirtschaftlichen Interessen gef&uuml;hrt wird und die Probleme vor Ort nicht l&ouml;sen kann, koordiniert.&ldquo; Als &bdquo;sogenannte Speerspitze Ost&ldquo; solle das Korps &bdquo;in einer m&ouml;glichen Eskalation mit Russland fungieren&ldquo;. Milit&auml;rische Zeremonien w&uuml;rden auch immer dazu dienen, &bdquo;die Bev&ouml;lkerung von der angeblichen Notwendigkeit von Krieg und Milit&auml;r zu &uuml;berzeugen.&ldquo;</p>
<p>Die historische Einmaligkeit des Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps wird deutlich vor dem Hintergrund seiner Vorg&auml;nger im Stabsgeb&auml;ude am Schlossplatz (fr&uuml;her Hindenburgplatz).</p>
<p><strong>Angriff gegen die Nachbarn</strong></p>
<p>In dem Ende der 20er Jahre errichteten Geb&auml;ude befand sich im Jahr 1940 das Generalkommando des VI. Armeekorps der Wehrmacht und der Befehlshaber des Wehrkreises VI (Rheinland und Westfalen). Von hier wurden insgesamt 14 Divisionen in den Krieg gegen die europ&auml;ischen Nachbarn geschickt, der Gro&szlig;teil davon in den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Vor 75 Jahren, am 10. Mai 1940 griffen 29 Divisionen der Heeresgruppe B Holland und Belgien an, darunter aus dem Wehrkreis VI die 227. und die 253. Infanterie-Division.</p>
<p><strong>Zum Beispiel die 227. Infanterie-Division</strong> aus Krefeld: Aus dem Raum Gronau Vorsto&szlig; &uuml;ber die holl&auml;ndische Grenze an Enschede vorbei Richtung Deventer. Fort Pannerden, K&auml;mpfe an der Grebbelinie, Gent, Zwolle, Amersfort. Am Grebbeberg nahe Rheinen leisteten die Niederl&auml;nder mehrere Tage unter gro&szlig;en Verlusten erbitterten Widerstand. Hierzu ausf&uuml;hrlich die Webseite &bdquo;<em>de Slag om de Grebbeberg</em>&ldquo;. Dort auch Wehrmachtsberichte und &ndash;befehle, darunter Ausz&uuml;ge aus den Kriegstageb&uuml;chern der 227. ID und des SS-Regiments &ldquo;Der F&uuml;hrer&rdquo; (<a href="http://www.grebbeberg.nl/index.php?page=duitse-militaire-rapporten">http://www.grebbeberg.nl/index.php?page=duitse-militaire-rapporten</a> ) Der damals 7-J&auml;hrige Cor Crums erinnerte sich im M&auml;rz 2011 im Gespr&auml;ch mit Sch&uuml;lern aus Almelo und Ostbevern/M&uuml;nsterland an die K&auml;mpfe am Grebbeberg und das Leben unter der deutschen Besatzung. Initiiert hatten das bi-nationale Projekt Horst Wiechers von &bdquo;Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo; und Stefan Querl vom Geschichtsort Villa ten Hompel in M&uuml;nster.</p>
<p>(<a href="http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/muenster/aktuelles/detailseite/ein-besuch-auf-dem-grebbeberg.html">http://www.ns-gedenkstaetten.de/nrw/muenster/aktuelles/detailseite/ein-besuch-auf-dem-grebbeberg.html</a> )</p>
<p><strong>Zum Beispiel die 16. Panzerdivision</strong>. Das Denkmal der 16. Panzer-Division steht &ndash; von den wenigsten wahrgenommen - am Kalkmarkt jenseits des Parkplatzes hinter &bdquo;Zigarren Lammerding&ldquo;. Ihre Vorl&auml;uferin, 16. Infanterie-Division nahm am &Uuml;berfall auf Luxemburg, Belgien und Frankreich teil. Im Juli wurden ihre r&uuml;ckkehrenden Verb&auml;nde in den Heimatgarnisonen (in M&uuml;nster auf dem Prinzipalmarkt) bei Paraden bejubelt.</p>
<p>Im Juni 1941 geh&ouml;rte die westf&auml;lische 16. Panzerdivision beim Angriff auf die Sowjetunion zu der mit &uuml;ber 3 Millionen Soldaten gr&ouml;&szlig;ten Angriffsstreitmacht der Geschichte. Stationen der Division waren</p>
<p>- der Uman-Kessel im August 1941, wobei 15 sowjetische Divisionen vernichtet und 100.000 sowjetische Soldaten gefangen genommen wurden;</p>
<p>- Nikolajew am Schwarzen Meer, wo einen Tag sp&auml;ter (17.8.) das Sonderkommando 11a von Sicherheitspolizei und SD eintraf. Bis zum 31.8.1942 ermordete das Kommando ca. 5.000 der 20.000 j&uuml;dischen Einwohner von Nikolajew;</p>
<p>- die Kesselschlacht bei Kiew im September 1941, wo 51 russische Divisionen vernichtet wurden und &nbsp;665.000 Sowjetsoldaten in Gefangenschaft gerieten;</p>
<p>- der Charkow-Kessel im Mai 1942: allein 31.500 Gefangene durch die 16. Pz.-Div., eigene Verluste 700 Mann, insgesamt 240.000 Gefangene.</p>
<p>&bdquo;Bis zum Februar 1942 waren von den etwa 3,3 Millionen sowjetische Soldaten, die bis dahin&nbsp; in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren, rund zwei Millionen gestorben &ndash; verhungert, erfroren, von Seuchen hingerafft und erschossen.&ldquo; (<em>Reinhard R&uuml;rup (Hrsg.): Der Krieg gegen die Sowjetunion 1941-1945, Berlin 1991, S. 108</em>)</p>
<p>Die 16. Panzerdivision galt 1942 als &bdquo;Speerspitze der 6. Armee&ldquo;. Sie erreichte als erster Wehrmachtsverband am 23. August 1942 die Wolga n&ouml;rdlich Stalingrad. Schon Mitte November lagen die Leichen von &uuml;ber 4.000 ihrer M&auml;nner auf dem Divisionsfriedhof an der Bahnstrecke Nord-Stalingrad -Frolow. Nur 128 ihrer Soldaten kehrten nach Jahren der Gefangenschaft wieder in die Heimat zur&uuml;ck. <em>(&bdquo;Stalingrad vor 70 Jahren - eine Division aus M&uuml;nster + Westfalen, Speerspitze im Vernichtungskrieg, vernichtet in Stalingrad&ldquo;,</em></p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1187"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1187</em></a> )</p>
<p><strong>Atomarer Heimatschutz</strong></p>
<p>Das I. Korps der Bundeswehr entstand 1956 und wurde mit ca. 105.000 und f&uuml;nf Divisionen zum st&auml;rksten Gro&szlig;verband des Heeres.</p>
<p>1983 demonstrierte die damalige Friedensbewegung auch vor dem Geb&auml;ude des I. Korps der Bundeswehr gegen die geplante Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen in Deutschland (&bdquo;Nachr&uuml;stung&ldquo;) und das atomare Wettr&uuml;sten insgesamt. Dass wir damals mit 600 Demonstranten &uuml;ber zwei Tage symbolisch das Stabsgeb&auml;ude blockierten und daf&uuml;r bewusst Gerichtsverfahren in Kauf nahmen, begr&uuml;ndeten wir mit der Einplanung von Truppenteilen des I. Korps in eine Art &bdquo;atomare Heimatverteidigung&ldquo;.</p>
<p>Aus meinem Artikel &bdquo;<em>Atomarer Heimatschutz &ndash; M&uuml;nsters Beitr&auml;ge zur Sicherung von Frieden und Freiheit</em>&ldquo; im M&uuml;nsteraner Stadtblatt 101982:</p>
<p>&bdquo;<em>Seine 12 Panzerartillerie-Bataillone verf&uuml;gen &uuml;ber mehr als 200 Panzerhaubitzen M 109 G (203 mm), die Atomgranaten zwischen 0,1 und 5 Kilotonnen Sprengkraft bis 17 km nah verschie&szlig;en k&ouml;nnen. Je eins solcher Bataillone mit 18 Gesch&uuml;tzen liegt &ndash; mit Atomwaffenlagern anbei &ndash; in M&uuml;nster-Handorf und D&uuml;lmen. Dar&uuml;ber hinaus verf&uuml;gt das Korps &uuml;ber 6 Raketenartillerie-Bataillone, die zum Teil mit der Lance-Rakete ausger&uuml;stet sind. Diese ist ausschlie&szlig;lich mit Atomsprengk&ouml;pfen zwischen 5 und 10 Kilotonnen best&uuml;ckt (Hiroshima-Bombe 13,5 KT), sie reicht 110 km weit. In dem offiziellen Band &bdquo;25 Jahre I. Korps&ldquo; hei&szlig;t es lapidar &uuml;ber die Hauptaufgabe des Korpsartillerief&uuml;hrers, &bdquo;den Kommandierenden General bei allen Fragen des konventionellen und nuklearen Feuerkampfes zu beraten und in Schwerpunkten den Feuerkampf der gesamten Artillerie des Korps zu koordinieren.&ldquo; Ihm steht hierf&uuml;r (&hellip;) &bdquo;als Schwerpunktwaffe das RakArtBtl 150 (Wesel) zur Verf&uuml;gung, das, ausger&uuml;stet mit der Lenkrakete Lance, Ziele in der Tiefe des Gefechtsfeldes bek&auml;mpfen kann.&ldquo; (Osnabr&uuml;ck 1982, S. 73)</em></p>
<p><em>Wie diese Waffen auf dem Boden der Bundesrepublik eingesetzt w&uuml;rden, ist dem Taktik-Lehrbuch &bdquo;Convential-Nuclear Operations&ldquo; einer Generalstabsschule der US-Army in Fort Leavenworth/Kansas zu entnehmen: Vor allem gegen feindliche Panzerverb&auml;nde w&uuml;rden diese Atomwaffen eingesetzt, aber nicht einzeln, sondern in sog. &bdquo;Paketen&ldquo; von mehr als hundert Gefechtsk&ouml;pfen als &bdquo;atomares Sperrfeuer&ldquo;. Dabei ist die Schwelle zum Atomkrieg offenbar sehr niedrig. Taktisches Kalk&uuml;l gibt den Ausschlag f&uuml;r den Einsatz der &bdquo;Atomartillerie&ldquo;. Da angesichts dieses Einsatzzwecks eine Freigabe der Atomwaffen durch den US-Pr&auml;sidenten viel zu lange dauern wird, vermutet z.B. der Generalmajor a.D. L&ouml;ser, dass Entscheidungen f&uuml;r den Einsatz solcher Waffen wesentlich auf Ebene der Korps fallen w&uuml;rden. Im Klartext: Einige Herren vom Hindenburgplatz haben vermutlich den Finger am atomaren Abzug, f&uuml;r den &bdquo;Einstieg&ldquo; in den Atomkrieg k&ouml;nnten sie eines Tages mitverantwortlich sein!!</em></p>
<p><em>Atomwaffen von der Gr&ouml;&szlig;e der Hiroshima-Bombe, gedacht f&uuml;r den Einsatz im eigenen Land gar &ndash; offensichtlich sind das keine einen Gegner abschreckenden Waffen. Sie sind Ausdruck der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion, die &ndash; schon lange vor Reagan &ndash; von der Begrenzbarkeit eines Atomkrieges ausgeht. Sie verkehrt den Soldateneid in den Auftrag, notfalls &bdquo;das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes total zu vernichten&ldquo;. &Uuml;berdies verst&ouml;&szlig;t diese &bdquo;Verteidigungsstrategie&ldquo; gegen das humanit&auml;re Kriegsv&ouml;lkerrecht.</em></p>
<p><em>Atomverweigerung</em></p>
<p><em>1957 wurden in der Bundesrepublik die ersten taktischen Atomwaffen stationiert. Dazu sagte der damalige Bundeskanzler Adenauer:</em></p>
<p><em>&bdquo;Die taktischen Atomwaffen sind im Grunde nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Artillerie&ldquo; und &bdquo;das sind ja besonders normale Waffen in der normalen Bewaffnung.&ldquo;</em></p>
<p><em>In der NATO-Stabs&uuml;bung &bdquo;Schwarzer L&ouml;we&ldquo; &ndash; beteiligt war auch das I. Korps &ndash; protestierte ein beteiligter Offizier schriftlich dagegen, dass ein General mehrere bereits eingekesselte sowjetische Divisionen durch einen Atomschlag vernichtete, nur weil er einige Atomwaffen auf Lager hatte! Damals f&uuml;hrte auch ein Generalleutnant R&ouml;ttiger den Begriff des Atomverweigerers&ldquo; ein, des Soldaten, der nicht bereit ist, &bdquo;den Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit seinem Namen zu decken oder auch nur mitzudecken.&ldquo; </em></p>
<p><em>(&hellip;) Seit den 50er Jahren sind die in Ost und West aufgeh&auml;uften Vernichtungsarsenale ins Unvorstellbare gewachsen, ist die Bundesrepublik zum Land mit der gr&ouml;&szlig;ten Atomwaffendichte der Welt geworden. Die &bdquo;Atomverweigerung&ldquo; steht auf der Tagesordnung. (&hellip;)&ldquo; (</em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1246"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1246</em></a><em> )</em></p>
<p>Seit einigen Jahren h&ouml;re ich immer wieder - nicht selten von ehemaligen Mit-Demonstranten - Einsch&auml;tzungen zur damaligen Situation,</p>
<p>- als sei die Friedensbewegung damals eine Art &bdquo;Jugends&uuml;nde&quot; und die atomare Abschreckung + westliche &bdquo;Nachr&uuml;stung&quot; letztendlich erfolgreich gewesen;</p>
<p>- als seien das damals, wo es noch um Landes- und B&uuml;ndnisverteidigung ging, die &bdquo;guten alten&quot;, &uuml;bersichtlichen Zeiten gewesen, verglichen mit der heutigen sicherheits- und friedenspolitischen Un&uuml;bersichtlichkeit, angesichts heutiger Einsatzrealit&auml;ten.</p>
<p>Vergessen wird dabei, wie krass damals der Verteidigungsgedanke (&bdquo;das Verteidigungswerte erhalten&quot;) auf den Kopf gestellt wurde. Was letztendlich gl&uuml;cklich mit Hilfe der unglaublich- friedlichen Revolutionen im Osten endete, war vorher mehrfach knapp an der totalen Katastrophe, an der Selbstvernichtung vorbeigeschrammt.</p>
<p>Wohl am knappsten im Jahr 1983, wie sich sp&auml;ter, ab 1989, herausstellte:</p>
<p>1983 nahmen die Spannungen zwischen den Superm&auml;chten zu, verst&auml;rkt durch mehrere Ereignisse: die Ank&uuml;ndigung des Raketenabwehrprogramms SDI durch US-Pr&auml;sident Reagan, der Abschuss eines koreanischen Passagierflugzeuges mit 269 Menschen an Bord am 1.9. durch sowjetische Abfangj&auml;ger. Am 26. September um 0.15 Uhr meldete das sowjetische Fr&uuml;hwarnsystem - f&auml;lschlich - den Abschuss erst einer, dann einer zweiten, dritten, vierten, f&uuml;nften US-Interkontinentalrakete. Der diensthabende Leiter der sowjetischen Satelliten&uuml;berwachung, Oberstleutnant Stanislaw Petrow, wertete die 17 Minuten andauernden Alarmmeldungen als Fehlalarm - und verhinderte damit einen Atomkrieg. (FAZ 19.2.2013, <a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/offizier-petrow-im-gespraech-der-rote-knopf-hat-nie-funktioniert-12084911.html">www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/offizier-petrow-im-gespraech-der-rote-knopf-hat-nie-funktioniert-12084911.html</a> Am 2. November 1983 begann die zehnt&auml;gige NATO-Kommandostabs&uuml;bung &bdquo;Able Archer&quot;, bei der ein Atomkrieg simuliert wurde. Verschiedene Besonderheiten der &Uuml;bung n&auml;hrten auf Seiten des Warschauer Pakts den Verdacht, dass unter dem Deckmantel einer &Uuml;bung ein tats&auml;chlicher Nuklearschlag vorbereitet wurde. Die Streitkr&auml;fte des Warschauer Pakts wurden alarmiert. (Dazu die ZDF History Doku: &bdquo;1983 - Die Welt am Abgrund&quot;, vom 30.4.2012 ,<a href="http://www.youtube.com/watch?v=Vc2S1SkPzCE">www.youtube.com/watch?v=Vc2S1SkPzCE</a> ; vgl. auch &bdquo;Planspiel Atomkrieg&quot; zweiteilige Dokumentation von Thomas Fischer und Gabriele Trost (SWR), <a href="http://www.daserste.de/planspiel/">www.daserste.de/planspiel/</a> )</p>
<p>In den 80er Jahren wurden die Atomwaffen vor unserer Haust&uuml;r von Verwaltung wie Lokalpresse strikt ignoriert. Meine Anfragen im Feuerwehrausschuss der Stadt M&uuml;nster zur Einbeziehung dieser Risikopotenzials in den Katastrophenschutz wurden mit &bdquo;nicht zust&auml;ndig&ldquo; beantwortet.</p>
<p><strong>Bei aller Kritik</strong>: Angesichts der Verabschiedung eines Kommandierenden Generals des I. Korps der Bundeswehr stellte ich ihm gegen&uuml;ber fest, dass er zu Recht besonders stolz darauf sein k&ouml;nne, dass in seiner Zeit der Frieden zwischen den Bl&ouml;cken gehalten habe, dass er in seiner Generalszufriedenheit keineswegs auf das F&uuml;hren von Schlachten und Kriegen angewiesen sei &ndash; ganz im Gegensatz zu den insgesamt 35 Kommandierenden Generalen in M&uuml;nster von 1802 bis 1945.</p>
<p><strong>Integration und UN-Friedenssicherung: &bdquo;Gemeinsam sind wir stark&ldquo;</strong></p>
<p>Die Aufl&ouml;sung des I. deutschen Korps in M&uuml;nster und des 1. Niederl&auml;ndischen Corps in Apeldoorn zugunsten des neuen I. Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps im August 1995 stand im Kontext des enormen Streitkr&auml;fteabbaus nach Ende des Ost-West-Konflikts und war eine Premiere in der europ&auml;ischen Geschichte. Die Initiative ging von der niederl&auml;ndischen Regierung aus.</p>
<p>Die Gr&uuml;ndung des bi-nationalen (dann multinationalen) Korps war ein sicherheitspolitischer Fortschritt sondergleichen: 50 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges bildeten ehemalige Kriegsgegner, das Land der &Uuml;berfallenen und das Land des Aggressors, ein gemeinsames Korps-Hauptquartier, das jetzt aus einem Stab mit einer begrenzten Zahl an Korpstruppen, insgesamt ca. 1.100 Soldaten, besteht. Bei Bedarf sind dem Korps die 1. Panzerdivision in Hannover und die 1. Mechanisierte Division in Schaarsbergen unterstellt. Je nach Auftrag k&ouml;nnen dem Stab als Hauptquartier bis zu 80.000 Soldaten zugeordnet werden.</p>
<p>In einer Pressemitteilung vom August 1995 erkl&auml;rte ich:</p>
<p><em>&bdquo;Mit der Au&szlig;erdienststellung des I. Korps der Bundeswehr geht eine nationale Tradition des Milit&auml;rstandortes M&uuml;nster zu Ende, die bis 1945 verheerend und w&auml;hrend des atomaren Wettr&uuml;stens der 80er Jahre h&ouml;chst umstritten war. Die Fusion der beiden Korps ehemaliger Kriegsgegner ist ein historischer Schritt weg von nationalstaatlich organisierter</em> <em>Sicherheitspolitik.</em></p>
<p><em>Zugleich entsteht mit dem bi-nationalen Korps kein Verband von &acute;Friedensreitern`. Entgegen der Devise des Westf&auml;lischen Friedens &acute;Pax optima rerum`(&acute;Der Frieden ist das Beste`)hei&szlig;t es im Rahmen des erweiterten Bundeswehr- und NATO-Auftrages nun &acute;Krieg ist der Ernstfall`.</em></p>
<p><em>Auch das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps ist Ausdruck einer Sicherheitspolitik, die einseitig vor allem auf milit&auml;rische Mittel setzt und den Aufbau von Institutionen nichtmilit&auml;rischer Konfliktvorsorge und &ndash;bearbeitung str&auml;flich vernachl&auml;ssigt.&ldquo;</em></p>
<p><strong>ISAF-Eins&auml;tze</strong>: Von Februar bis August 2003 hatte der Stab des Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps die F&uuml;hrung der UN-mandatierten ISAF-Schutztruppe ISAF in Kabul. Im August besuchte ich Kabul im Auftrag der gr&uuml;nen Fraktion, um der Akutfrage nachzugehen, wieweit ein erweitertes internationales zivil-polizeilich-milit&auml;risches Engagement in Afghanistan notwendig und verantwortbar war. Massiv gefordert worden war das zeitgleich vom Chef des UN-Department of Peacekeeping Operations Jean-Marie Guehenno in seinem Bericht an den UN-Sicherheitsrat sowie dem &bdquo;Call for Security&ldquo; von 85 internationalen NGO`s am 17. Juni 2003.</p>
<p>Aus meinem <span style="text-decoration: underline;">Reisebericht &bdquo;<em>Kabul im August 2003 - Afghanistanpolitik am Scheideweg</em></span>&ldquo;, August 2003:</p>
<p>&bdquo;<em>M&uuml;nster-Gievenbeck 4.240 km</em>&ldquo; <em>(Wegweiser bei der German Heli Unit am Kabul International Airport)</em></p>
<p><em>Der ISAF-III-Stab unter Generalleutnant van Heyst und Generalmajor Bertholee (NL) als Stellvertreter kam vom Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps in M&uuml;nster und setzte sich aus 49 niederl&auml;ndischen Offizieren, 40 deutschen und 49 weiteren aus 12 Nationen zusammen.</em></p>
<p><em>Vor dem Headquarter ISAF entsteht ein Foto mit den ISAF-Kommandeuren und dem Stra&szlig;enschild &bdquo;Hindenburgplatz&ldquo; im Hintergrund. Das Foto verweist nicht nur auf die Heimatadresse des Korps, sondern auch auf seine ganz andere Vorgeschichte. Im Dienstgeb&auml;ude des GE-NL Korps war vor und w&auml;hrend des 2. Weltkrieges der Stab des Wehrkreises VI untergebracht. Aus ihm wurden 14 Divisionen in den Krieg gegen die europ&auml;ischen Nachbarn entsandt, gegen Polen, die Niederlande, Frankreich, Jugoslawien und vor allem die Sowjetunion.</em></p>
<p><em>Dass im GE-NL Korps seit Jahren fr&uuml;here Kriegsgegner bestens zusammenarbeiten, dass sie jetzt gemeinsam ein halbes Jahr f&uuml;r Sicherheit und Gewalteind&auml;mmung in Kabul verantwortlich waren und im wahrsten Sinne Friedensunterst&uuml;tzung geleistet haben, ist ein historischer Meilenstein, der Hoffnung macht. Das &bdquo;Kabul-Tagebuch&ldquo; von General van Heyst macht anschaulich, wie Milit&auml;r im Auftrag der Vereinten Nationen der Durchsetzung von Recht und Sicherheit mit Klugheit und Entschiedenheit wirksam dienen kann. Kein Wunder, dass Siba Shakib (&bdquo;Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen&ldquo;) bei ISAF ein und ausgeht und auch bei der ersten dt. PRT Fact Finding Mission dabei war.&ldquo;</em></p>
<p><em>Gerade weil ich um die aktive und meist verdr&auml;ngte Kriegsgeschichte der &bdquo;Stadt des Westf&auml;lischen Friedens&ldquo; wei&szlig;, bin ich froh, als M&uuml;nsteraner Abgeordneter die &Uuml;bergabe des ISAF-Kommandos und den internationalen Dank an die &bdquo;M&uuml;nsteraner&ldquo; miterleben zu k&ouml;nnen.</em></p>
<p><em>Das Korps ist eines von sechs (inzwischen neun) High Readiness Headquarters der NATO und die ISAF-F&uuml;hrung sein erster Einsatz. Ihm ist zu w&uuml;nschen, dass so auch seine Aufgaben in Zukunft sein werden.&ldquo;</em></p>
<p>Erneut begegnete ich (niederl&auml;ndischen) Soldaten des Korps im Sommer 2008 in Kandahar und Uruzgan in S&uuml;d-Afghanistan und Soldaten des Korpsstabes im September 2009 in Kabul.</p>
<p>Dreimal war das Korps im Einsatz, zuletzt wieder in Afghanistan 2013, immer im Auftrag der Vereinten Nationen.</p>
<p>Den niederl&auml;ndischen Afghanistaneinsatz erfuhr ich als bev&ouml;lkerungsnah, klug, konsequent und vorbildlich in der Ressortzusammenarbeit. Die Evaluierung von vier Jahren NL-Engagement in der Unruheprovinz Uruzgan durch <em>The</em> <em>Liaison Office</em> in Kabul bescheinigte den Niederlanden im internationalen Vergleich beste Wirksamkeit. (Berichte zu NL in AFG: <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997</a> )</p>
<p>&bdquo;<strong>Keiner schafft`s allein</strong>&ldquo;. Bei den Besuchen im Einsatz, bei der erstmaligen gro&szlig;en zivil-milit&auml;rischen &Uuml;bung <em>Common Effort</em> im September 2011 und vielen anderen Begegnungen erfuhr ich die Grundeinstellung, die im Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps herrscht und von Kommandierenden Generalen wie Ton van Loon (2010-2013) &uuml;berzeugend vertreten wurde:</p>
<p>- Innerstaatliche Gewaltkonflikte lassen sich in der Regel nicht milit&auml;risch l&ouml;sen, m&uuml;ssen politisch angegangen werden. Milit&auml;r kann ein sichereres Umfeld und Zeit zur politischen Konfliktbearbeitung schaffen.</p>
<p>- Krisenbew&auml;ltigung, Stabilisierung, Friedenssicherung funktionieren nur als gemeinsame und koh&auml;rente Anstrengung politischer, ziviler, milit&auml;rischer und polizeilicher Akteure (Comprehensive Approach). Damit erst in einem Krisengebiet anzufangen, ist viel zu sp&auml;t. Das muss vorher ge&uuml;bt werden, partnerschaftlich von Anfang an. (<em>Winrich K&uuml;hne, &bdquo;Common Effort&ldquo; &ndash; Das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps &uuml;bt die zivil-milit&auml;rische Zusammenarbeit, Zentrum Internationale Friedenseins&auml;tze/ZIF Policy Briefing Mai 2012</em><em>,</em><a href="http://www.zifberlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_Policy_Briefing_Winrich_Kuehne_Mai_2012.pdf"><em>http://www.zifberlin.org/fileadmin/uploads/analyse/dokumente/veroeffentlichungen/ZIF_Policy_Briefing_Winrich_Kuehne_Mai_2012.pdf</em></a>)</p>
<p><strong>Multinationale Integration</strong>: &Uuml;ber die Jahre ist die Integration im Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps soweit und erfolgreich fortgeschritten wie bei kaum einem (keinem?) anderen milit&auml;rischen Verband. Beg&uuml;nstigend wirkte sich die N&auml;he der bundesdeutschen und niederl&auml;ndischen Milit&auml;rkulturen aus.</p>
<p>Deutschland und die Niederlande stellen als Rahmennationen (Framework Nations) zwei Drittel des Stabes. Insgesamt sind 12 Nationen beteiligt. Die bi-nationalen Stabsversorgungs- und F&uuml;hrungsunterst&uuml;tzungsbataillone des Korps sind bis zur Zug-Ebene integriert. Im Juni 2014 wurde die niederl&auml;ndische 11. Luftbewegliche Brigade in die deutsche Division Schnelle Kr&auml;fte (DSO) eingegliedert, die 43. Brigade soll in die 1. Panzerdivision integriert werden, die 13. Brigade wahrscheinlich bei den belgischen Streitkr&auml;ften.</p>
<p><strong>Das Motto des Korps</strong> &bdquo;<em>Communitate Valemus &ndash; Gemeinsam sind wir stark!</em>&ldquo; bezieht sich nicht nur auf die Nationen und die Multinationalit&auml;t, sondern auch auf das zivil-milit&auml;risch-polizeiliche Zusammenwirken, die Multidimensionalit&auml;t.</p>
<p><strong>Zur&uuml;ck zum Kalten Krieg?</strong></p>
<p>In den Jahren 2005 und 2008 war der Korpsstab im stand-by als Hauptquartier f&uuml;r die Landstreitkr&auml;fte der NATO Response Force 4 und 10. Bisher kam die NRF nie zum Einsatz. In diesem Jahr stellt das Korps bis zum Jahresende zum dritten Mal die F&uuml;hrung der NRF-Landkomponente (NRF 15) mit der niederl&auml;ndischen Luftlandebrigade und dem deutschen Panzergrenadierbataillon 371. Damit &uuml;bernahm es zugleich die F&uuml;hrungsverantwortung f&uuml;r die besonders schnelle Eingreiftruppe <em>Interim</em> <em>Very High Readiness Joint Task Force&ldquo; (IVJTF)</em>, die auf dem NATO-Gipfel im September 2014 in Wales vereinbart wurde. (Im Rahmen des Readiness Action Plan u.a. Aufstockung der NRF von 13.000 auf 40.000; Aufstellung der NATO-&bdquo;Speerspitze&ldquo; VJTF mit 5.000 Soldaten im stand-by der Schnellsteinsatzbereitschaft von zwei bis sieben Tagen, je 5.000 Soldaten im stand-up der Vorbereitungsphase und stand-down der Nachbereitungsphase mit Einsatzbereitschaft von jeweils 30 Tagen (jede Phase ein Jahr).</p>
<p>Inzwischen f&uuml;hrte das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps erste &Uuml;bungen der VJTF durch, so im Juni &bdquo;Noble Jump&ldquo; auf einem polnischen Truppen&uuml;bungsplatz.</p>
<p>Die schnellen Eingreifverb&auml;nde der NATO sollen den seit dem Krieg in der Ukraine besonders beunruhigten &ouml;stlichen Mitgliedern glaubw&uuml;rdig B&uuml;ndnissolidarit&auml;t beweisen. Diese zu verweigern, w&uuml;rde in (Mittel-)Osteuropa eine Renationalisierung und Privatisierung der Landesverteidigung bef&ouml;rdern &ndash; und/oder eine verst&auml;rkte Hinwendung zu den USA. Verweigerte oder nur symbolische B&uuml;ndnissolidarit&auml;t k&ouml;nnte zugleich die Schwelle f&uuml;r Destabilisierungsoperationen bzw. &ndash;dynamiken senken.</p>
<p>Die VJTF ist als Verst&auml;rkungskraft mit der NATO-Russland-Akte vereinbar und schon wegen ihres Umfangs gegen&uuml;ber Russland nicht angriffsf&auml;hig &ndash; von entsprechenden Absichten ganz zu schweigen. Gegen&uuml;ber einer russischen F&uuml;hrung, die in Kategorien von milit&auml;rischer St&auml;rke und ihrer Version von Kosten-Nutzen denkt, k&ouml;nnen solche Verst&auml;rkungskr&auml;fte abschreckend und kriegsverh&uuml;tend wirken. Sie k&ouml;nnen aber auch Wasser auf die M&uuml;hlen der nicht nur in Russland verbreiteten und gesch&uuml;rten Wahrnehmung sein, vom &bdquo;Westen&ldquo; bedr&auml;ngt und gedem&uuml;tigt zu werden.</p>
<p>Die Beteuerungen der politischen NATO-Spitzen, sich nicht in einen R&uuml;stungswettlauf mit Russland hineinziehen zu lassen und den Dialog f&uuml;hren zu wollen, klingen vern&uuml;nftig, k&ouml;nnten sich aber angesichts des Sichtbarkeitsvorsprungs und der Eigendynamik milit&auml;rischer Ma&szlig;nahmen schnell als frommer Wunsch erweisen.</p>
<p>(<em>vgl. mein Reisebericht &bdquo;Gespaltene, traumatische Erinnerungen, R&uuml;ckkehr der Vergangenheit &ndash; und des Kalten Krieges? Sicherheitspolitische Beobachtungen in Riga, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1363"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1363</em></a> )</p>
<p><strong>Zusammengefasst</strong>: Eine so enge milit&auml;rische Integration ehemaliger Kriegsgegner ist ein Vers&ouml;hnungs- und Vertrauensbeweis sondergleichen &ndash; insbesondere von der niederl&auml;ndischen Seite aus - und ein friedens- und sicherheitspolitischer Wert an sich.</p>
<p>Das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps steht durch seine Praxis glaubw&uuml;rdig f&uuml;r Krisenbew&auml;ltigung und Friedensunterst&uuml;tzung im Rahmen der UN-Charta und im Auftrag von UN und nationalen Parlamenten und nicht f&uuml;r kriegerische Durchsetzung von Partikularinteressen. Noch nie war Milit&auml;r in M&uuml;nster so dicht am Motto des Westf&auml;lischen Friedens &bdquo;Pax optima rerum&ldquo; wie das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps. Insofern steht das Korps mit seinem friedenspolitischen Potenzial f&uuml;r einen Bruch mit der kriegerischen Tradition der Garnisonsstadt M&uuml;nster.</p>
<p>Dabei ist das Deutsch-Niederl&auml;ndische Korps bundes-, ja europaweit ein Vorreiter einer klugen und partnerschaftlichen, zivil-milit&auml;rischen Zusammenarbeit unter dem Primat der Politik.</p>
<p>Meine massive Skepsis von 1995 hat sich nicht best&auml;tigt. Dar&uuml;ber kann ich nur froh sein.</p>
<p>Die Soldatinnen und Soldaten des Korps haben einen selbstverst&auml;ndlichen Anspruch darauf, dass ihre politischen Auftraggeber das Motto des Westf&auml;lischen Frieden nicht nur im Munde f&uuml;hren, sondern vor allem nach besten Kr&auml;ften praktizieren, dass sie nur in Eins&auml;tze entsandt werden, die sicherheits- und friedenspolitisch dringlich, v&ouml;lkerrechtlich legal, erf&uuml;llbar und verantwortbar sind.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Mitglied im Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention beim Ausw&auml;rtigen Amt, im Beirat Innere F&uuml;hrung beim Verteidigungsministerium, im Vorstand der Deutschen&nbsp; Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen/DGVN, von Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo;&nbsp; und &bdquo;Lachen Helfen&ldquo;.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Im Wehrkreis VI aufgestellte Divisionen (mit je ca. 16.500 Soldaten in den ersten Kriegsjahren): 6. Infanterie-Division (ID), 16. ID (mot.)/Panzergrenadier-Division, 16. Panzer-Division, 26. ID, 69. ID, 86. ID, 211. ID, 227. ID, 253. ID, 106. ID, 716. ID, 306. ID, 126. ID, 196. ID, F.M.v. Senger u. Etterlin (Hrg.), Soldaten zwischen Rhein und Weser, Koblenz 1980, S. 64</p>
</div>
</div></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
