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Menschenrechte + Bericht von Winfried Nachtwei
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Afghanistan im Absturz: Taliban erobern in neun Tagen 22 von 34 Provinzhauptstädten, darunter alle im Norden, Westen + Süden, sowie fünf der sieben Corps-Headquarters der Armee (lfd. aktualisiert zur Sicherheitslage, Stand 9.-14.8.)

Veröffentlicht von: Nachtwei am 9. August 2021 10:48:25 +01:00 (7099 Aufrufe)

Nach dem bedingungslosen Abzugsbeschluss des US-Präsidenten hatten viele den Vormarsch der Taliban befürchtet, in dieser Schnelligkeit aber nicht erwartet. Kriegsgewalt eskaliert, Angst grassiert. Vor 17 Jahren besuchte ich Kunduz erstmalig, vor 14 Jahren erlebten wir Kunduz noch als Hoffnungsprovinz. Hier Links zu frühen Berichten -und zu Wendepunkten 2009 und 2015. So viel Einsatz und Engagement, so viele Kosten und menschlche Opfer - was zwischenzeitlich mit vielen Fort-Schritten Hoffnung machte, droht jetzt ganz zunichte gemacht zu werden. Auch wenn ich mir als Politiker solche Gefühle eigentlich nicht erlauben will: Ich bin politich wie menschlich verzweifelt.   Mit Interview auf BAYERN 2.  

Afghanistan im Absturz: Taliban erobern in neun Tagen 22 von 34

Provinzhauptstädten, darunter alle im Norden, Westen + Süden, sowie

fünf von sieben Corps-Headquarters der Armee

(laufend aktualisiert zur Sicherheitslage, Stand 9.-14.8.2021)

Vorbemerkung: Die Informationsquellen zur Lage in Afghanistan werden spärlicher, der Propagandaanteil nimmt zu. Die folgende Zusammenstellung kann deshalb nur grobe Einblicke in die Lageentwicklung geben. Ich empfinde sie als extrem alarmierend!

Zur Lage August plus jüngster SIGAR-Report http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1713

Zur Lage Juli http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1709

Zur Lage Juni  http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1704

Zur Lage April http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1691

Zur Lage Feb / März http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1680

Zur Lage Jan / Feb http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1677.

Long War Journal 14.08., Taliban encircling Afghan capital Kabul, prepping final assault through east By Bill Roggio |

The Taliban’s seemingly unstoppable offensive, which has seen the group take control of more than half of Afghanistan’s provinces in only nine days, is circling around the country’s capital and largest city in Kabul. Today the Taliban took control of the provinces of Paktika, Paktia, Maimana and Kunar as well as Mazar-i-Sharif, Afghanistan’s second largest city, and is consolidating its control of the east in preparation for its culminating assault on Kabul.

 (…) Kabul’s population today is estimated at 4.6 million.

Now, Kabul is under direct threat of falling to the Taliban. The Taliban is close to taking most, if not all of eastern Afghanistan and has already secured the route to Kabul by taking control of Ghazni, Logar, Paktia, and Paktika over the past three days. (…)

The Afghan military is in complete disarray, and has been defeated in detail across the country. The Afghan National Army has lost five of its seven corps headquarters – the 203rd in Gardez, the 205th in Herat, 207th in Kandahar, the 2015th in Helmand, and the 217th in Kunduz. Only two army corps remain, and the 209th Corps is under seige in Mazar-i-Sharif. The Army National Army’s 111th Division is also headquartered in Kabul. (…)“

https://www.longwarjournal.org/archives/2021/08/taliban-encircling-afghan-capital-kabul-prepping-final-assault-through-east.php  

Thomas Ruttig in taz 14.08., „Taleban-Vormarsch: 18 von 34 Provinzstädten gefallen“

Liste der von den Provinzen, deren Provinzhauptstädte von den Taliban seit dem 6. August erobert wurde in der Reihenfolge der Eroberungen. https://thruttig.wordpress.com/2021/08/14/taleban-vormarsch-18-von-34-provinzstadten-gefallen/

BERLIN taz| Obwohl am Donnerstag mit Kandahar und Herat die zweit- und drittgrößte Stadt Afghanistans gefallen waren, ist die Eroberung der Provinz Logar am Freitag der bisher wichtigste Sieg für die Taliban. Der Vorstoß bringt sie an die Pforten der Hauptstadt Kabul. Die Aufständischen kontrollieren jetzt 15 der 34 Provinzen des Landes vollständig.

Von großem Gewicht war zudem, dass sich am Freitag einer der wichtigsten Anti-Taliban-Warlords, Ismail Chan im westafghanischen Herat, den Taliban „anschloss“, wie diese behaupteten, oder ergeben musste, was wahrscheinlicher ist. Das US-Militär hatte zuletzt noch überlegt, auch an der Regierung von Präsident Aschraf Ghani vorbei Milizen wie die von Ismail Chan zu bewaffnen.

Doch die Zeit hat diese Idee schnell überholt. Ein weiterer Warlord, Atta Muhammad, der für sich die Führerschaft über die Tadschiken und deren wichtigste Partei Dschamiat-i Islami in Anspruch nimmt, ist seit Tagen abgetaucht. [Ergänzung: Atta tauchte heute nach Redaktionscchluss doch wieder in Kabul auf.]

(…) Zur Schwäche der Regierung trugen in Logar die Inkompetenz hoher Offizieller, die mangelhafte Koordination der bewaffneten Regierungskräfte, Ablenkung durch den Kampf um Kontrolle örtlicher Schmuggelrouten für Drogen und Chromerz sowie Drangsalierung der örtlichen Bevölkerung durch Sicherheitskräfte bei – bei resilienten örtlichen Talibanstrukturen.

Kabul ist umzingelt (…)

Im Norden Kabuls beherrschen die Taliban das Ghorband-Tal, eine wichtige Verbindungsstraße ins zentralafghanische Hasaradschat, wo die schiitische Bevölkerungsgruppe der Hasaras sich wegen mehrerer Talibanmassaker vor 2001 besonders vor deren Rückkehr fürchtet. Im Juli richteten sie laut afghanischer Menschenrechtskommission im Hasara-Distrikt Malestan mindestens 19 gefangene Regierungssoldaten sowie eine unbekannte Zahl unbeteiligter Zivilist:innen hin.

In Teilen Hasaradschats gelang es den Hasaras mit selbst aufgestellten Milizen und kleinen Armee-Kontingenten zuletzt noch, Talibanvorstöße abzuwehren. Ein Hasara-Vertreter schrieb an eine deutsche Organisation, die dort Schulprojekte unterstützt: „Wo sollen wir hin? Auf dem Weg nach Europa werden wir von Schleppern um unser letztes Geld gebracht. Dort angekommen, lassen sie uns vor den Toren verrecken. Besser ist also, zu bleiben und zu Hause zu sterben“.

Evakuierung von Nicht-Afghan:innen  (…)

TOLOnews 14.08., UN-Chef strebt sofortiges Ende der "Taliban-Offensive" an. Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, forderte die Taliban am Freitag auf, ihre Offensive sofort zu beenden, und sagte, die Machtergreifung durch militärische Kräfte sei ein verlorener Vorschlag.

"Ich erinnere alle Parteien an ihre Verpflichtung, Zivilisten zu schützen, und ich fordere die Taliban auf, die Offensive sofort zu beenden und an den Friedenstisch zurückzukehren", sagte Guterres.

"Afghanistan gerät außer Kontrolle", sagte er. "Jeden Tag fordert der Konflikt einen größeren Tribut von Zivilisten, insbesondere von Frauen und Kindern."

Der UN-Chef sagte, dass allein im letzten Monat mehr als 1.000 Menschen durch wahllose Angriffe auf Zivilisten getötet oder verletzt wurden, insbesondere in den Provinzen Helmand, Kandahar und Herat.

"Die Kämpfe zwischen den Taliban und afghanischen Sicherheitskräften in städtischen Umgebungen verursachen enormen Schaden. Ich bin auch zutiefst beunruhigt über die ersten Anzeichen, dass die Taliban in den von ihnen kontrollierten Gebieten schwere Einschränkungen der Menschenrechte verhängen, insbesondere gegen Frauen und Journalisten", sagte Guterres.

Er sagte, es sei besonders erschreckend und herzzerreißend zu sehen, wie Berichte über die hart erkämpften Rechte afghanischer Mädchen und Frauen ihnen weggerissen werden. (…)

Dies geschieht, da die Taliban am Donnerstag und Freitag in weniger als 24 Stunden mindestens acht Provinzhauptstädte erobert haben, darunter die Stadt Herat im Westen Afghanistans und Kandahar im Süden. UN-Chef strebt sofortiges Ende der "Taliban-Offensive" | TOLOnews

Thomas Ruttig in taz 13.08., „Drogen, Gold und flexible Fronten. Afghanistans Norden haben die Taliban jetzt ohne großen Widerstand erobert – obwohl dort weniger Paschtunen leben und es dort früher viele Gegner gab. https://taz.de/Sieg-der-Taliban-in-Nord-Afghanistan/!5788483/

BERLIN taz | Es erstaunt viele Beobachter, dass die gegenwärtige Offensive der Taliban vor allem in Nordafghanistan erfolgreich ist. Sieben von zehn Provinzhauptstädten, die sie seit vorigem Freitag in einer beispiellosen Offensive zum Teil kampflos übernahmen, liegen in dieser Großregion. In der war bis Ende Juni die Bundeswehr für das Nato-Ausbildungsprogramm der afghanischen Streitkräfte verantwortlich. Dann stahl sie sich am 29. Juni nachts davon, ohne die Afghanen zu informieren – in der Furcht, sie könnte noch im letzten Moment von den Taliban angegriffen werden. (…)

Die damals aufkommenden Warlords wurden dominante Akteure der Region. Nach 2001 waren sie die wichtigsten Bündnispartner der US-geführten Anti-Taliban-Intervention. Auch jetzt richteten sich wieder Hoffnungen darauf, dass sie den Talibanvormarsch stoppen würden. Aber bereits die zweite Provinz, die an die Taliban fiel, war Dschusdschan, Hochburg des usbeko-afghanischen Warlords Abdul Raschid Dostum.

Dostums Führer schlossen sich Taliban an

Während Dostum mit Präsident Aschraf Ghani in Kabul sprach, gaben seine Milizen aber auf. Einige Führer schlossen sich gar den Taliban an. Ob aus Überzeugung oder weil ihnen kein anderer Weg blieb, ist unklar. Dostum und Ghani flogen am Dienstag nach Masar-i-Scharif, um die Verteidigung der Großstadt zu organisieren. Dort wird bereits in den Vororten gekämpft, aber Regierungskräfte schlugen einen Taliban-Angriff zunächst zurück.

Während Nordafghanistan unter dem Talibanregime (1996–2001) lange eine Anti-Taliban-Bastion war, auch wenn sie mit Ausnahme weniger Gebiete – darunter Badachschan – letztlich doch an die Taliban fiel, sind sie dort jetzt besonders erfolgreich. Wichtigste Ursache ist ihre erfolgreiche Mobilisierung unter dortigen Nichtpaschtunen.

Vor allem gewannen sie die örtliche islamische Geistlichkeit mit ihrem Narrativ der ausländischen und gegen den Islam gewandten Okkupation. Da die Geistlichkeit gerade in der ländlichen Bevölkerung großen Einfluss hat, folgten ihr ganze Gemeinden. Zudem installierten die Taliban auf Provinz- und Distriktebene Schattengouverneure und Frontkommandanten aus der Lokalbevölkerung, während vor 2001 ortsfremde Paschtunen dominierten.

Zulauf brachte den nordafghanischen Taliban nach 2001 auch die vom Westen tolerierten Racheakte auf die paschtunische Minderheit, der ihre Unterstützung des Talibanregimes angelastet wurde. Die Warlords schlossen die lokalen Paschtunen weitgehend von öffentlichen Ämtern aus. Es gab Plünderungen und Vertreibungen. Gerade die besonders konservative Nordostprovinz Badachschan hatte aber schon vor 2001 Vertreter in der Führung der Taliban, und diese genossen dort bereits punktuellen Einfluss.

Irrglaube, Norden sei gegen Taliban immun

Bereits 2011 schrieben die Afghanistan-Analysten Christoph Reuter und Antonio Giustozzi, dass in den Hauptstädten der Interventionsmächte lange „der Glaube weit verbreitet war, der Norden sei immun gegen Taliban-Infiltration“. Deshalb wählte die Bundesregierung Kundus als Hauptquartier für ihre seit 2003 dort stationierten Truppen, damals noch Teil der Isaf-Schutz- und Wiederaufbaumission.

Ein krasses Fehlurteil, wie sich bald zeigte. Ab 2005, so die beiden Forscher, bauten die Taliban „Zellen in den sogenannten Paschtunen-Enklaven“ auf, ohne dass diese zunächst militärisch aktiv wurden. Das Bild habe sich aber nach punktuellen „Angriffen, Anschlägen mit selbst gebauten Sprengkörpern und selbst großangelegten Attacken“ auf westliche und Regierungskräfte „drastisch gewandelt“.

Auch die Bundeswehr war betroffen. Im Mai 2007 tötete ein Selbstmordattentäter im Basar von Kundus drei Soldaten, die Kühlschränke für ihr Feldlager kaufen wollten.

Doch sind die Fronten auch im Norden Afghanistans nicht eindeutig. Alle Seiten sind von kriminellen Netzwerken durchdrungen, die nach Opportunität entscheiden, auf welche Seite sie sich wie lange stellen und die oft über Frontlinien hinweg kooperieren.

Militärs verkaufen Munition

Das reicht vom Verkauf von Treibstoff und Munition durch Armee- und Polizeikommandeure an die Taliban bis zum Teilen der Einkünfte aus dem Bergbau. Bei der Goldmine im Distrikt Raghistan in Badachschan läuft das zwischen Taliban und lokalen Unternehmerkommandeuren, die formal auf Regierungsseite stehen.

Zudem führen wichtige Drogenrouten durch Badachschan und weitere Nordprovinzen, um deren Kontrolle die Kriegsparteien streiten. Über diese Route gelangen via Zentralasien große Mengen Heroin und Crystal Meth nach Europa, hergestellt aus afghanischem Opium. Auch Nasri Muhammad, der Hauptkommandeur und langjährige Bürgermeister von Badachschans Hauptstadt Faisabad, gehört zu diesen mafiösen Strukturen.

Die Bundeswehr hatte ihn für die Bewachung ihres dortigen Camps angeheuert, sich aber jahrelang geweigert, seine Verbindungen zur Kenntnis zu nehmen. Seitdem trugen alle Bundesregierungen durch das Ignorieren von Realitäten und Schönfärberei dazu bei, dass nicht zeitig umgesteuert wurde. Diese Fehler gipfeln jetzt im erneuten Siegeszug der Taliban.“

Long War Journal 13.08., Nach langer Belagerung wird Lashkar Gah von den Taliban eingenommen VON BILL ROGGIO & ANDREW TOBIN

Lashkar Gah, die Hauptstadt der Provinz Helmand, fiel nach einer langen Herrschaft an die Taliban. Da sich die Provinzen Helmand und Kandahar in den Händen der Taliban befinden, wird der Rest des Südens in kurzer Zeit unter die Kontrolle der Taliban gehen.

Taliban-Sprecher Qari Yousef Ahmadi kündigte den Sturz von Lashkar Gah in einer Erklärung an, in der die Siege der Taliban in den Provinzen Kandahar, Herat, Helmand und Badghis innerhalb von 24 Stunden angepriesen wurden.

"Die wichtigsten Provinzen des Landes, Kandahar, Helmand, Herat und Badghis, wurden vollständig erobert", sagte Ahmadi.

Der Zusammenbruch von Lashkar Gah ist die jüngste in einer Reihe von Niederlagen für die afghanische Regierung. In der vergangenen Woche übernahmen die Taliban die Kontrolle über 12 der 34 afghanischen Provinzen und 14 provinziellen Hauptstädte. Süd- und Westafghanistan sind fest in den Händen der Taliban. Tarin Kot, die Hauptstadt von Uruzgan, und Qalat, die Hauptstadt von Zabul, werden voraussichtlich in Kürze unter die Kontrolle der Taliban gehen.

Al Qaida und ihr regionaler Ableger, Al Qaida auf dem indischen Subkontinent, haben im Laufe der Jahre ein umfangreiches Netzwerk in der Provinz Helmand unterhalten. Al Qaida betreibt derzeit ein Trainingslager Baramcha im Bezirk Disho in der Provinz Helmand [FDDs Long War Journal berichtete 2015 über die Existenz dieser Lager. Das US-amerikanische und afghanische Militär hat in den letzten zehn Jahren zahlreiche Angriffe und Razzien gegen das Al-Qaida-Netzwerk gestartet. Die bedeutendste Operation fand am 23. September 2019 im Bezirk Musa Qala statt. Während einer gemeinsamen US-amerikanischen und afghanischen Operation wurde Asim Umar,der Chef von Al Qaida auf dem indischen Subkontinent, getötet. Neben Umar wurden auch mehrere Al-Qaida- und Taliban-Führer getötet, darunter der Kurier des Al-Qaida-Emirs Ayman al Zawahiri.

Die Schlacht von Lashkar Gah (…) Nach langer Belagerung wird Lashkar Gah von den Taliban | FDD's Long War Journal

TOLOnews 13.08. „Taliban erobern Herat City in West-Afghanistan.

The city of Herat in the west of Afghanistan and the third-largest city in the country fell to the Taliban on Friday after key government institutions were captured by the group.

Sources said that all government officials, including Herat governor, police chief, head of the NDS office in Herat, former mujahedeen leader Mohammad Ismail Khan, the deputy minister of interior for security, and the 207 Zafar Corps commander surrendered to the Taliban after the province fell to the group.

Clashes on the outskirts of Herat city were underway for almost three weeks as the Taliban faced resistance by the security and defense forces who were accompanied by public uprising forces led by Mohammad Ismail Khan.

This comes as Nimroz, Farah, Ghor and Badghis provinces, all located in the west zone, have also fallen to the Taliban in the last one week.

The Taliban so far have captured at least 17 provincial capitals.

Heavy clashes are underway in the center of Logar province, 70 kilometers south of Kabul city.“ https://tolonews.com/afghanistan-174200

TN 13.08., Die meisten Teile von 4 weiteren Städten fallen an die Taliban, während die Kämpfe weiter toben.

Die Taliban behaupteten, in den letzten 12 Stunden die Zentren der Provinzen Herat, Kandahar, Badghis und Helmand erobert zu haben.

Berichten zufolge sind die meisten Teile dieser Städte an die Taliban gefallen, aber Sicherheitskräfte und lokale Beamte sagten, dass sie immer noch in einigen Gebieten in den Städten stationiert sind.

Es gibt Berichte über anhaltende Zusammenstöße zwischen Regierungstruppen und den Taliban in den Zentren der Provinzen Ghor und Zabul.

Lokale Beamte und Behörden in Kabul haben sich bisher nicht dazu geäußert.

TN 13.08., „USA schicken 3.000 Soldaten nach Afghanistan, um mit Evakuierungen zu beginnen. Da sich die Sicherheitslage im Land verschlechtert, planen die Vereinigten Staaten, zusätzliche 3.000 Soldaten nach Afghanistan zu entsenden, um bei der Evakuierung zu helfen, während die Taliban auf Kabul vorrücken.

Pentagon-Sprecher John Kirby sagte, drei Bataillone, ein US-Armee und zwei Marine, würden zum Hamid Karzai International Airport in Kabul fahren, wo militärische Transportflugzeuge warten würden.

Das Verteidigungsministerium bereitet sich darauf vor, möglicherweise die US-Botschaft und US-Bürger in der Hauptstadt Kabul zu evakuieren, da die Biden-Regierung die Möglichkeit in Betracht zieht, dass das Kapital innerhalb von 30 Tagen fallen könnte, sagten Regierungsbeamte und Militärbeamte laut The New York Times.

Die unerwartet schnellen Gewinne der Taliban haben dazu geführt, dass das Verteidigungsministerium seine Pläne beschleunigt hat, Amerikaner aus Afghanistan herauszuholen.

"Diese Kräfte werden eingesetzt, um den geordneten und sicheren Abbau von zivilem Personal auf Ersuchen des Außenministeriums zu unterstützen", sagte Kirby, sowie um die Bearbeitung von Anträgen auf spezielle Einwanderungsvisa für afghanische Übersetzer und Dolmetscher zu beschleunigen.

"Wir erwarten, dass wir uns in den kommenden Wochen auf eine diplomatische Kernpräsenz in Afghanistan zurücklassen werden", sagte Kirby und fügte hinzu, dass die Vereinigten Staaten weiterhin Diplomatie mit der afghanischen Regierung und dem afghanischen Volk betreiben werden.

Beamte sagen, dass eine mögliche Evakuierung den gewaltsamen Einsatz von US-Militärgewalt beinhalten würde, um die Menschen zu schützen, wenn sie zum Hamid Karzai International Airport gebracht werden, wo militärische Transportflugzeuge warten würden.

Kirby sagte, dass diese neuen Truppen über Verteidigungsausrüstung verfügen werden.

"Sie haben einige Verteidigungsfähigkeiten", sagte er. "Sie werden offensichtlich die Fähigkeiten haben, die sie brauchen, um sich zu verteidigen."

Kirby sagte, die Mission sei "eine sehr eng definierte" und temporäre Mission und schätzte, dass es weniger als 1.000 Soldaten geben würde.“ USA schicken 3.000 Soldaten nach Afghanistan, um mit Evakuierungen | TOLOnews

Long War Journal 12.08. „Kandahar City fällt an die Taliban. Kandahar City, die zweitgrößte Stadt des Landes, brach zusammen, nachdem Taliban-Truppen sie mehr als zwei Monate lang belagert hatten. Es ist die dritte große Stadt und die vierte Provinzhauptstadt, die heute an die Taliban fällt. (…)“ Kandahar City fällt an die Taliban | FDD's Long War Journal

TN 12.08., „Ghazni City fällt an die Taliban. By Thomas Joscelyn & Bill Roggio Ghazni City, the capital of a southeastern Afghan province with the same name, is the tenth provincial capital to fall to the Taliban in one week. It is strategically important terrain for the jihadists, as it sits on the road to Kabul.

Ghazni Province, which Osama bin Laden once described as a key safe haven for Al Qaeda, is now effectively under Taliban control. A senior member of al Qaeda’s global management team was killed during a counterterrorism raid in a Taliban-controlled area of Ghazni just last year.

The Taliban launched their final assault on Ghazni City yesterday, quickly capturing the governor’s compound, the police headquarters, the prison, and other key installations.

Ghazni’s governor, Dawood Laghmani, fled the city after cutting a deal with the Taliban. So did the police chief. Laghmani was “escorted” out of Ghazni City and was later arrested by Afghan security forces in Wardak province for “handing over the city to the Taliban,” according to Afghan journalist Bilal Sarwary.

The Taliban now effectively controls Ghazni province, as it has captured all but three districts, which are contested, according to an ongoing assessment of the security situation by FDD’s Long War Journal. Ghazni province, which straddles both the south and east of Afghanistan is the first province in the region to fall to the Taliban.

Ghazni City, which is on the Ring Road, is a key transit point between Kabul and Kandahar City. The Taliban has now severed this main artery between the two major cities and other points south. (…)“

https://www.longwarjournal.org/archives/2021/08/ghazni-city-falls-to-the-taliban.php

BAYERN 2 12.08., 7.30 Uhr: Interview mit mir: Taliban auf dem Vormarsch –

„angekündigtes Desaster“, https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowelt/winfried-nachtwei-afghanistan-experte-taliban-auf-dem-vormarsch-100.html 

TOLOnews 12.08., Taliban Attacks in Herat and Badghis Pushed Back: Officials

Taliban attacks on the capital city of Herat province and Qal-e-Naw, the capital of Badghis, were pushed back by security forces on Wednesday night, local officials said on Thursday.

On Wednesday night the Taliban attacked Herat city from four directions but faced a “huge response” from security and public uprising forces, said Abdul Saboor Qani, the provincial governor.

“At least 30 Taliban were killed and dozens of others were wounded,” Qani said, adding that “one security force member was also killed and four others were wounded.”

“The air force also supported the local troops in fighting against the Taliban,” he said. 

Also on Wednesday night, Afghan forces pushed back Taliban attacks on Qala-e-Naw, the capital of Badghis province, said provincial governor Hasamuddin Shams.

“At least 60 Taliban, including their four commanders, were killed in the clashes and 50 others were wounded,” he said.

TN 11.08., Taliban Take Over Kunduz Airport, Media Restricted in Takhar

Following the withdrawal of Afghan security forces from the centers of Farah, Badakhshan and Baghlan provinces, the Taliban on Wednesday captured Kunduz airport, which is also the center of the 217 Pamir Army Corps.

This is the first time that the Taliban has taken over an army corps. Footage shared on social media shows dozens of security force members in Kunduz surrendering to the Taliban. The Taliban also appropriated a military helicopter in Kunduz, but the helicopter was out of service.

Sources said that after the evacuation of Faizabad, the center of Badakhshan province in the north, security forces attempted to reach Farkhar district in Takhar but they came under Taliban attack and sustained casualties.

Following the fall of 9 provincial centers to the Taliban, the Afghan government has made some changes within the leadership of security forces. (…)

Referring to the latest events in Kunduz, MP Shah Khan Sherzad said: “The airport and army corps fell to the Taliban with all their equipment.”

“There is a state of chaos and anarchy in Badakhshan, the people are very frightened, govertment vehicles were looted and transferred to unknown locations, public assets have been looted. Fayzabad prison was broken into and some inmates were killed,” said Atiqullah Zabih, MP.

Fierce battles were also reported in Farah city. Officials said that the security forces are now deployed at Farah airport.

Footage shared on social media shows Taliban fighters dragging a wounded solder in Farah city while other people loot public property.

Footage shows Taliban commanders appearing among the people in Fayzabad, Pul-e-Khumri and Farah city and announcing that the group will impose Sharia law.

Local journalists in Takhar said that the Taliban has ordered the media to act based on Sharia law.

“If the Baghlan situation is not addressed, then north will be finished, there is need to take action about the north,” said Azim Mohseni, MP.

Reports indicate that security forces evacuated Pul-e-Khumri city on Tuesday night without putting up any resistance.

This week the security forces evacuated the provincial centers of Takhar, Jawzjan, Sar-e-Pul and Samangan. https://tolonews.com/afghanistan-174160

TN 11.08., 1000 Inmates Freed as Taliban Opens Prisons in Captured Cities.

The Taliban has released over 1,000 prisoners from jails after the group's recent takeover of six cities in the past few days, officials from the directorate of the prison administration said on Wednesday.

Officials said that high-profile prisoners who were accused of threats against national security had been transferred from the jails before the Taliban’s takeover.

However, numbers gathered by TOLOnews indicate that up to 1000 prisoners were released just from Kunduz city in Kunduz province and Zaranj in Nimroz, and that 200 of these were Taliban.

“May they (Taliban) live long, they broke open the prison,” said an inmate in Farah.

“Most of them were sentenced on criminal charges--drug smuggling, kidnapping and armed robbery,” said Safiullah Jalalzai, director of the prison administration.

Based on TOLOnews’ numbers, 630 prisoners in Kunduz--among them 13 women and three foreigners--were released from the jail by the Taliban. Of that figure, 180 were Taliban fighters including 15 high-profile Taliban inmates who had been sentenced to death by the Afghan government. 

Most of the inmates had been arrested by the Afghan security forces in the past six years.

200 inmates accused of murder were also released by the Taliban in Kunduz.

Statistics show that 140 security guards were providing security at the prison in Kunduz.

TN 11.08.,“ Calls for Sanctions on Pakistan Dominate Afghan Social Media.

Over the past four days, Afghan social media users have tweeted thousands of posts on Twitter and on other platforms using the hashtag #sanctiononpakistan, intending to draw the international community's attention to accusations of Pakistani support for the Taliban, which Pakistani officials deny. 

A social media expert said the hashtag “sanctiononpakistan” was the top Twitter trend in Afghanistan for the past four days and was the second most popular trend in Pakistan. Social media users from European countries and elsewhere also joined the campaign.

“The people can raise their voices through social media and bring the attention of the international community toward the Afghan people. This indicates that the people are not living in the past decades and they are defending their motherland,” said Negina Yari, a human rights activist.

“These hashtags are shared by the people, not bots,” said Fahim Ahmad Yousuzad, an IT expert, referring to automated social media accounts that can produce the illusion of a groundswell of broad public support for a particular message. 

Social media users expressed their hope that the trend will cause international sanctions to be imposed on Pakistan.

“The wounded members of the Taliban are being treated in Pakistan, their leaders live in Pakistan,” said Khaled, a resident in Kabul. (…)“ https://tolonews.com/afghanistan-174159

TN 10.08., ANDSF wehrt Taliban-Angriff auf Mazar-e-Sharif ab: Gouverneur. Die afghanischen Nationalen Sicherheits- und Verteidigungskräfte (ANDSF) haben eine Taliban-Offensive auf die Stadt Mazar-e-Sharif zurückgedrängt und den Bezirk Nahr-e-Shahi zurückermischt, sagte Balkh-Gouverneur Mohammad Farhad Azimi am Dienstag.

Azimi sagte, dass die ANDSF und die Taliban am Montagabend im Nahr-e-Shahi-Distrikt und im Dehdadi-Distrikt zusammengestoßen seien.

Er sagte, die Taliban hätten sich aus dem Gebiet zurückgezogen, nachdem sie auf starken Widerstand der afghanischen Sicherheitskräfte gestoßen waren.

"Die Taliban haben ihre Aufmerksamkeit auf die Provinz Balkh gerichtet, um die Kontrolle zu übernehmen", sagte Azimi.

"Es ist uns gelungen, dieses Gebiet zurückzuerobern, während wir auf starken Widerstand und mit Hilfe von Luftunterstützung gestoßen sind", sagte Sultan Musavi, der Polizeichef von Nahr-e-Shahi. Nahr-e-Shahidi grenzt an Mazar-e-Sharif, das Zentrum von Balkh.

"Unsere Frontlinie erstreckt sich über 34 Kilometer, was sehr verwundbar ist", sagte Abdul Kabir Sharifi, Gouverneur des Bezirks Nahr-e-Shahi.

"Letzte Nacht wurden wir angegriffen, aber wir haben die Taliban besiegt", sagte Abdul Qadeer, der Kommandeur der öffentlichen Aufstandskräfte. ANDSF wehrt Taliban-Angriff auf Mazar-e-Sharif ab: Gouverneur | TOLOnews

TN 10.08., Over 4,000 Wounded Afghans Treated by ICRC in 10 Days

Since the beginning of August, 4,042 weapon-wounded patients have been treated at 15 health facilities supported by the International Committee of the Red Cross (ICRC), an indication of the intensity of the recent violence, the organization said in a statement on Wednesday.

Hundreds of thousands of civilians are at risk as fighting intensifies in and around Kunduz, Lashkar Gah, Kandahar, and other Afghan cities.

The International Committee of the Red Cross (ICRC) has called on both warring sides to show restraint and protect civilians and vital infrastructure such as hospitals from attacks, especially in urban areas.

“We are seeing homes destroyed, medical staff and patients put at tremendous risk, and hospitals, electricity and water infrastructure damaged,” said Eloi Fillion, ICRC’s head of delegation in Afghanistan. “The use of explosive weaponry in cities is having severe and indiscriminate effects on the civilian population well beyond its target. Many families have no option but to flee in search of a safer place. This must stop.”

Street-to-street clashes in Kunduz, Lashkar Gah and other cities over the last few days have injured hundreds of civilians even as medical services are heavily strained due to damage to health facilities and a lack of staff, the ICRC said in a statement.

The ICRC says that electricity is out across several contested cities and water supply systems are barely operational in some places. “Many families are trying to leave but cannot find transport to escape or simply do not have the financial means,” ICRC said. (…) https://tolonews.com/afghanistan-174128

Long War Journal 09.08., „Fifth northern Afghan capital falls to the Taliban“ By Bill Roggio |

The Taliban took control of another capital in the strategic Afghan north today as Afghan security forces and government officials fled Aybak in Samangan province. Aybak is the fifth northern capital to fall to the Taliban in three days, and and the sixth in four days.

The Taliban is making sweeping gains in the north, where prominent Afghan politicians, officials and power brokers who make up the backbone of the Afghan government and security forces are based. On Aug. 8, the Taliban overran the capitals of Kunduz, Sar-i-Pul, and Takhar (Taloqan). On Aug. 7, the Taliban seized control of Shibirghan, the capital of Jawzjan province. On Aug. 6, Zaranj, the capital of Nimroz province, was the first provincial center to wilt under Taliban control.

The latest, the fall of Aybak, was confirmed by Samangan’s deputy governor, who told AFP on Monday that the Taliban “are in full control” of the city. Afghan security forces and government officials abandoned Aybak “without a fight” as the Taliban advanced on the city, Afghan journalist Bilal Sarwary reported. (…) https://www.longwarjournal.org/archives/2021/08/fifth-northern-afghan-capital-falls-to-the-taliban.php

TN 09.08., „Samangan’s Center Aybak Falls to Taliban.  Latest news

The city of Aybak, the capital of the northern province of Samangan, fell to the Taliban on Monday, MPs confirmed.

With Aybak, the number of cities that fell to the Taliban recently has risen to five. Zarang, capital of Nimruz, Sheberghan, capital of Jawzjan province, Taloqan, capital of Takhar, Sar-e-Pul, capital of Sar-e-Pul province and now Aybak, capital of Samangan, are the cities that are under Taliban control. The residents of Aybak accused the central government of negligence.

MPs from Samangan in Parliament said that the security forces left the city without fighting.

“Unfortunately, Aybak, the city in Samangan, fell to the Taliban today about 2:30pm (local time). The government forces retreated from the city and now the Taliban has entered and captured the police HQ and the National Directorate of Security (NDS) building,” said Abdalelah Mohammadi, an MP from Samangan.

In recent days the Taliban intensified their attacks in the northern parts of the country, especially in Jawzjan, Samangan, Takhar, Balkh, Kunduz and Sar-e-Pul provinces.

Taloqan fell to the Taliban late Sunday after weeks of fighting with security forces and public uprising forces.

Local officials said hundreds of the security forces retreated from Taloqan and moved to Farkhar and Warsaj districts in the province and have retaken the two districts from the Taliban. (…)

In Kunduz city, clashes have been ongoing between the security forces and the Taliban for the past two days.

Despite the loss of the provincial governor's office, police HQ and NDS building, the government forces are still fighting the Taliban close to the 217 Pamir Corps and airport.

“Clashes are ongoing in Kunduz city close to the remaining government buildings,” said Mohammad Yousuf Ayoubi, head of the provincial council of Kunduz.

Officials of the Parliament's defense commission have urged the government to take immediate action against the Taliban’s advance, saying: “If immediate action does not take place, other cities will also fall to the Taliban.”

But the security organizations are assuring the people that the cities will be retaken.

Currently, the Taliban has increased pressure on Faizabad city, capital of the northeastern province of Badakhshan; Maimana, capital of Faryab; Pul-e-Khumri in Baghlan and Mazar-e-Sharif, capital of Balkh province. (…)“ https://tolonews.com/afghanistan-174107

Thomas Ruttig, taz 09.08., „Eroberungskrieg in Afghanistan: Kundus in Händen der Taliban. Eine Stadt nach der anderen nimmt die Terrorgruppe in Afghanistan ein. Sie stößt auf wenig Gegenwehr – und kommt der Hauptstadt Kabul immer näher“

Eroberungskrieg in Afghanistan: Kundus in Händen der Taliban - taz.de

Der Vormarsch der Taliban hält bei steigendem Tempo an. Seit Freitag eroberte die islamistische Terrorgruppe vier der 34 Provinzhauptstädte Afghanistans, darunter am Sonntag den früheren Bundeswehrhauptstadtort Kundus.

Was schwerer wiegt: Überall scheinen ihnen die Regierungstruppen – reguläre Armee und Polizei sowie örtliche Milizen, die eher lokalen Warlords gegenüber loyal sind als der Regierung von Präsident Aschraf Ghani – wenig bis überhaupt keine Gegenwehr entgegengesetzt zu haben.

Afghanistan brennt und wir sind unseres Schicksals nicht sicher“, schrieb ein afghanischer Analyst am Samstag auf Nachfrage an die taz. „Die Kampfintensität liegt jenseits unserer Vorstellung. Die Taliban erweisen sich mit ihren schweren und leichten Waffen als überlegen, sind entschlossener und fürchten keine Verluste. Ihr Niveau an Planung ist unglaublich.“ Er ist fest überzeugt, dass die Taliban von Pakistan unterstützt werden. Das war bereits bei ihrem Siegeszug Mitte der 1990er Jahre ein wichtiger Faktor.

Als erstes fiel am Freitag Sarandsch, die Hauptstadt der Provinz Nimrus im heißen, dünn besiedelten Südwesten des Landes an der Grenze zu Iran. Die Stadt ist klein, aber wirtschaftlich wichtig. Zum einen führt dort eine Grenzbrücke über einen ausgetrockneten Fluss direkt nach Iran. Darüber werden Waren im Jahreswert von über 150 Millionen US-Dollar ausgetauscht. Den besteuern jetzt die Taliban, wie an acht der elf wichtigen Grenzübergänge, die sie inzwischen einnahmen. Zudem gibt es in der Wüste von Nimrus zahlreiche illegale Grenzübergänge, über die Drogen, Treibstoff und Menschen geschmuggelt werden. Die Steuereinnahmen an einem von ihnen, Kang, schätzt der britische Experte David Mansfield auf weitere sieben Millionen Dollar.

Fast alle US-Truppen sind weg

Am Sonnabend fiel Schiberghan, im vor allem von Usbeken besiedelten Norden des Landes. Das ist die Hochburg eines der wichtigsten Warlords in Afghanistan, Abdulraschid Dostum. Ihm werden Kriegsverbrechen vorgeworfen. Präsident Aschraf Ghani, mit dem er sich zerstritten hatte, holte ihn erst vor Kurzem aus der Türkei wieder ins Land zurück und verlieh ihm den Fantasietitel eines Marschalls, um Dostums Milizen in eine Anti-Taliban-Allianz einzubinden. Die Milizen aber gaben nach nur kurzer Gegenwehr gegen die Taliban auf. Ähnlich war es am Samstag in Saripul, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, südlich von Schiberghan. Beide Provinzen sind wegen ihrer Erdgasförderung ebenfalls wirtschaftlich wichtig.

Ebenfalls am Samstag fiel dann Kundus, bereits zum dritten Mal nach 2015 und 2016. Es war damals die erste Provinzstadt überhaupt, die die Taliban seit dem Sturz ihres Regimes 2001 erobern konnten, wenngleich beide Male nur für einige Tage. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch starke US-Truppen im Land, sodass die Taliban sich in den Städten nicht lange halten konnten. Die Truppen sind inzwischen fast vollständig abgezogen. So wie damals zogen sich alle Regierungskräfte auf den außerhalb liegenden Flughafen zurück.

Aber auch wenn die US-Amerikaner in den vergangenen Tagen mehrmals zugunsten der Regierungstruppen mit Luftangriffen in Kämpfe eingriffen, ist es unklar, ob sie die Taliban in Kundus diesmal wieder aufhalten können. Machen die Taliban in diesem Tempo weiter, könnten sie schnell weitere Städte einnehmen und sogar auf Kabul marschieren. Am Samstag wurde auch wieder verstärkt in Kandahar gekämpft, einer der vier größten Städte des Landes und bis 2001 De-facto-Hauptstadt der Taliban. Dort erwarten Sicherheitsexperten in den nächsten Tagen einen Angriff auf den stadtnahen Distrikt Tachtapul, wohin die Taliban schon neue Kämpfer geführt haben sollen.

Der Verlust kleinerer Provinzhauptstädte wie Sarandsch, Saripul und Schiberghan ist für die Regierung politisch zwar ein enormer Prestigeverlust und bringt ihre Kontrolle nun auch über Bevölkerungszentren ins Wanken, ist aber militärisch noch zu verschmerzen. Der Fall von Kundus hingegen wiegt schwerer. Er könnte den Weg nach Kabul öffnen. Bei der letzten Eroberung von Kundus sagten afghanische Beobachter, „nun könnten sie in drei Stunden in Kabul sein. (…)“

Taz 09.08., Demokratie hatte nie eine Chance, Kommentar von Thomas Ruttig

https://taz.de/Vormarsch-der-Taliban-in-Afghanistan/!5788071/

FAZ, 09.08., „Eine Provinzhauptstadt fällt nach der nächsten“ von Christian Meier,

Taliban auf Vormarsch in Afghanistan: Kundus eingenommen (faz.net)

Mit dem Wochenende ist der Kampf zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in eine neue Phase getreten. Über Monate hinweg hatten die Aufständischen ihre Kontrolle über ländliche Regionen ausgeweitet und sich zahlreichen Provinzhauptstädten schrittweise genähert. Ende Juli und Anfang August dann erreichten die Kämpfe erstmals die Zentren mehrerer der größten Städte des Landes. Eine Woche später haben die Taliban nun ein anderes wichtiges Zwischenziel erreicht: Innerhalb von nur drei Tagen haben sie fünf Provinzhauptstädte weitgehend erobert. Darunter ist Kundus, eines der wichtigsten wirtschaftlichen und strategischen Zentren des Nordens.

Auswahl aus meinen insgesamt 18 Kunduz-Berichten (insgesamt rund ein Dutz end Besuche vor Ort, zuletzt Oktober 2019)

- Reisebericht: Delegationsbesuch der „ISAF-Insel“ PRT Kunduz am 31. Januar 2004, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=83&aid=275

- Mai 2007: Unser Besuch in der Hoffnungsprovinz Kunduz, 14 Tage später Selbstmordanschlag auf dem Markt von Kunduz – Wendepunkt des deutschen AFG-Einsatzes, 14. Mai 2017, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1471

- Stellungnahme: Vor den Wahlen in Afghanistan und Deutschland: Die deutsche   Afghanistanpolitik braucht Ehrlichkeit und Konsequenz statt Beschönigung und Halbherzigkeit, Diskussionsbeitrag August 2009, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=39-83&aid=901

- Der Luftschlag von Kunduz am 4. September 2009 – vor 10 Jahren: Beiträge zur Vorgeschichte und genauerem Hinsehen. 03.09.2019, www.nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1602

- Die Eroberung von Kunduz – ein Weckruf!? Aktuelle Anmerkungen und ein Interview mit der Märkischen Oderzeitung + Südwestpresse, 18.10.2015,


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

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