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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Zum Stutthof-Prozess II: Zu &quot;Lebens&quot;bedingungen + direkter Vernichtung, Transporten aus Riga, Erinnerungen von Stutthof-Ãœberlebenden, Juristische Ahndung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Zum Stutthof-Prozess II: Zu &quot;Lebens&quot;bedingungen + direkter Vernichtung, Transporten aus Riga, Erinnerungen von Stutthof-Ãœberlebenden, Juristische Ahndung         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 19. November 2018 20:02:36 +02:00 (42955 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>&Uuml;ber rund 50 Jahre war das KZ Stutthof hierzulande weitestgehend unbekannt, erst Recht das Schicksal der Stutthof-H&auml;ftlinge, unter ihnen viele, Ende 1941 nach Riga deportierte j&uuml;dische Menschen aus Westfalen, Rheinland, Berlin etc. Hier Einblicke in die extreme Lagerrealit&auml;t - und eine &Uuml;bersicht &uuml;ber die sp&auml;rliche Strafverfolgung der dortigen Menschenschinderei und Menschenvernichtung. Von 3000 SS-Leuten dort kamen f&uuml;nf vor ein bundesdeutzsches Gericht! Der Prozess jetzt eine Chance der Erinnerung nach Jahrzehnten des Wegsehens + Verdr&auml;ngens.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Zum Stutthof-Prozess (II)</strong></p>
<p align="center"><strong><span style="text-decoration: underline;">Materialien zu Lebensbedingungen + direkter Vernichtung, Transporten von Riga, Erinnerungen von Stutthof-&Uuml;berlebenden, Strafverfahren</span></strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (19.11.2018)</p>
<p align="center">Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Lebensbedingunge der H&auml;ftlinge und unmittelbare Vernichtung</span></strong></p>
<p><em>(aus: Janina Grabowska, K.L. Stutthof: Ein historischer Abri&szlig;, in: Hermann Kuhn (Hg.), Stutthof &ndash; Ein Konzentrationslager vor den Toren von Danzig, Edition Temmen, Bremen 1995, S. 8-94; erg&auml;nzend aus: Andrej Angrick/Peter Klein, Die &bdquo;Endl&ouml;sung&ldquo; in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941-1944, Darmstadt 2006, S. 430 ff.)</em></p>
<p>&bdquo;<strong>Die Lebensbedingungen</strong> der Konzentrationslager waren insgesamt darauf ausgerichtet, die Frauen und M&auml;nner auf dem schnellsten Wege zum psychischen Zusammenbruch, zur Ersch&ouml;pfung ihrer k&ouml;rperlichen Kr&auml;fte und in der Konsequenz zu ihrer Vernichtung zu bringen. Stutthof geh&ouml;rte zu den Lagern, in denen sehr schwere Lebensbedingungen herrschten.&ldquo; (S. 38)</p>
<p>&bdquo;Das Alltagsessen sah so aus: Zum Fr&uuml;hst&uuml;ck &frac12; Liter Malzkaffee ohne Zucker und eine Scheibe Lagerbrot (ungef&auml;hr 100 g) aus dem schlechtesten Mehl, mit Resten von Sp&auml;nen, Kleie und verschiedenen Abf&auml;llen; dazu etwas Margarine, Schmelzk&auml;se oder R&uuml;benmarmelade, ab und zu eine Scheibe Pferdewurst. Zum Mittagessen gab es einen Liter w&auml;sserige Suppe ohne Fett, die aus faulendem, erfrorenem Gem&uuml;se gekocht war, meistens waren es R&uuml;ben. Kohlr&uuml;ben oder Kartoffeln, die nicht richtig vom Sand gereinigt waren. Das Abendbrot war dem Fr&uuml;hst&uuml;ck &auml;hnlich. Der N&auml;hrwert lag zwischen 600 und 19000 Kalorien pro Tag.&ldquo; (S. 41)</p>
<p>(<strong><em>Arbeit</em></strong>) Bei dieser Verpflegung mussten die H&auml;ftlinge harte Arbeiten ausf&uuml;hren. Der Kalorienverbrauch f&uuml;r einen k&ouml;rperlich arbeitenden Menschen betr&auml;gt 4500 Kalorien pro Tag. Die H&auml;ftlinge erhielten etwa 20% dieser Menge, wobei sie 11-12&nbsp; Stunden arbeiteten. , also wurde die mangelnde Energiezufuhr aus der Substanz des K&ouml;rpers ersetzt. Auf diese Weise musste der Mensch in zwei bis drei Monaten vor Ersch&ouml;pfung umkommen. Die H&auml;ftlinge, im Zustand restloser Ersch&ouml;pfung, wurden &bdquo;Muselm&auml;nner&ldquo; oder &bdquo;Krippel&ldquo; genannt. Der ehemalige H&auml;ftling B. Tuszkowski&nbsp; berichtet: &bdquo;Starke, gesunde Menschen wurden in kurzer Zeit zu Krippeln.&nbsp; (&hellip;) Die Krippeln waren wandelnde Leichen, und doch wurden sie noch zur Arbeit gezwungen. (&hellip;) Die Krippeln sahen schrecklich aus: Schmutzig und vom Hunger und den Schl&auml;gen angeschwollen. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>Au&szlig;er Hunger, Schmutz, K&auml;lte dem Ungeziefer und der Unm&ouml;glichkeit, sich einmal auszuruhen, lastete auf den H&auml;ftlingen die dauernde Angst um da weitere Schicksal, die Furcht vor Schl&auml;gen und Misshandlungen. (&hellip;)&ldquo; (S. 42)</p>
<p>(<strong><em>Enormer Anstieg der H&auml;ftlingszahl ab Juli 1944</em></strong>) &bdquo;Das noch in der Erweiterung befindliche &nbsp;Lager war absolut nicht darauf vorbereitet, die gro&szlig;en Mengen von H&auml;ftlingen aufzunehmen, die in der zweiten H&auml;lfte des Jahres 1944 in Stutthof eingeliefert wurden. Die ankommenden Judentransporte wurden in unfertigen Barracken untergebracht, die ohne Fu&szlig;boden und manchmal auch ohne D&auml;cher waren. (&hellip;) Die ankommenden Menschen waren k&ouml;rperlich sehr ersch&ouml;pft, weil sie schon vorher in Lagern und Ghettos eingesperrt gewesen waren und dann einen weiten Weg hatten zur&uuml;cklegen m&uuml;ssen. (&hellip;) In den Transporten, die im Juli aus Kaunas ankamen, befanden sich M&uuml;tter mit kleinen Kindern.&ldquo; (S. 45) Die M&auml;nner wurden von ihren Frauen, die M&uuml;tter von ihren Kindern getrennt.</p>
<p>(<strong><em>Weibliche H&auml;ftlinge</em></strong>) &bdquo;Bald begann man die J&uuml;dinnen in Arbeitskommandos einzugliedern und in die Au&szlig;enlager zu versetzen. Sie arbeiteten in Fabriken, an der Bahn, beim Bau von Kriegsbefestigungen und Flugpl&auml;tzen, bei deutschen Bauern. Sie wurden zu schweren Arbeiten gezwungen, die ihre Kr&auml;fte &uuml;berstiegen, was bei unzureichender Verpflegung und schlechten Lebensbedingungen schnell zu k&ouml;rperlicher Ersch&ouml;pfung und Krankheiten f&uuml;hrte. Die Arbeitsunf&auml;higen wurden entweder auf er Stelle ermordet (durch Injektionen oder Erschie&szlig;ung) oder zur&uuml;ck nach Stutthof geschickt, wo sie auch er Tod erwartete. Balis Sruoga hat das Aussehen der ins Lager zur&uuml;ckkehrenden Frauen beschrieben: &bdquo;Zur Arbeit weggegangen waren sie noch ziemlich gesund (&hellip;); und als Gespenster kehrten sie zur&uuml;ck. Die krummen und verkrampften Frauen zogen in gr&ouml;&szlig;ter M&uuml;he, mit blau&auml;drigen geschwollenen Beinen voran. Sie waren so ausgehungert und Elend, dass man bei ihrem Vorbeiziehen ein Klappern h&ouml;rte, als wenn man einen Sack voller Knochen &uuml;ber das Kopfsteinpflaster ziehen w&uuml;rde.&ldquo; Die Gespensterfrauen wurden ins j&uuml;dische Krankenrevier eingeliefert, in den Block 30, der &acute;Stinksaal` oder &acute;Ausrottungssaal` genannt wurde. (&hellip;) &acute;Der Block bestand aus einem gro&szlig;en Raum und einer kleineren Stube mit Pritschen. Auf den Pritschen lagen Frauen, die noch auf eigenen Beinen stehen konnten und nicht ben&auml;ssten. Die anderen sa&szlig;en oder lagen auf der Erde im gro&szlig;en Raum. Sie verfaulten dort buchst&auml;blich auf ihren eigenen Exkrementen. Wenn das Essen in die Baracke gebracht wurde, haben die Stuben&auml;ltesten jede einzelne mit den F&uuml;&szlig;en getreten, um zu pr&uuml;fen, ob sie sich noch r&uuml;hrte. Es war n&auml;mlich schwierig, die Leichen von den Lebenden zu unterscheiden. ` Der k&ouml;rperliche Zustand der j&uuml;dischen Frauen wird eindrucksvoll von Aldo Coradello beschrieben: &bdquo;Im Oktober 1944 wurde heimlich eine an Typhus verstorbene, junge, 34-j&auml;hrige J&uuml;din, eine gro&szlig;e, normal entwickelte Mutter von zwei Kindern, gewogen. Sie wog 19 kg.&ldquo;</p>
<p>(<strong><em>Fluchtversuche</em></strong>) Viele H&auml;ftlinge, die die Lebensbedingungen im Lager nicht mehr ertragen konnten, versuchten zu fliehen. Leider ist es fast nie gelungen. Das Lager Stutthof lag au&szlig;erordentlich ung&uuml;nstig. Auch wenn es einigen gelang, durch die Lagerdr&auml;hte zu kommen und mit viel Gl&uuml;ck an der Au&szlig;enposten-Kette vorbei, mussten sie mit vielen gut bewachten Gew&auml;sserhindernissen rechnen.&nbsp; Und sich im Klaren dar&uuml;ber sein, dass sie von der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung keine Hilfe erwarten konnten, eher eine feindliche Einstellung.&ldquo; (S. 46)</p>
<p>(<strong><em>Gesundheitszustand)</em></strong> &bdquo;Verbreitet war die ansteckende Ruht, die in kurzer Zeit zur Entw&auml;sserung und dadurch zur Schw&auml;chung des K&ouml;rpers f&uuml;hrte. Nicht ausgeheilt hat sie unter Lagerbedingungen oft zum Tode gef&uuml;hrt. Im Winter bei hohem Frost kam es h&auml;ufig zu Erfrierungen, Erk&auml;ltungen, Angina, Lungenentz&uuml;ndung, Nierenentz&uuml;ndungen, Gelenkentz&uuml;ndungen u.&auml;. Auch Tuberkulose war verbreitet. Infolge von Unterern&auml;hrung und Vitaminmangel war das Immunsystem der H&auml;ftlinge gegen Infektionen und Ansteckungen sehr geschw&auml;cht. Sie litten an Vereiterungen, Geschw&uuml;ren, Skorbut und vor allem Phlegmonen, einer sehr verbreiteten Vereiterung, haupts&auml;chlich an den Beinen. Die h&auml;ufigen Schl&auml;ge f&uuml;hrten zu nur langsam heilenden Wunden, oft mit Gang&auml;nde und allgemeiner Infektion.</p>
<p>Charakteristisch war die Hungerkrankheit als letzte Stufe der permanenten Unterern&auml;hrung. Ihre Anzeichen waren allgemeiner Kr&auml;fteverlust, Apathie, psychische St&ouml;rungen und Ged&auml;chtnisverlust. Am gef&auml;hrlichsten waren der Typhus und andere besonders ansteckende Krankheiten, denn wegen der schrecklichen Lagerbedingungen entwickelten sie sich sofort zu Epidemien, die die H&auml;ftlinge dezimierten. Besonders gef&auml;hrliche Typhusepidemien brachen Mitte 1942, im Fr&uuml;hjahr 1943, im November 1944 und M&auml;rz 1945 in Stutthof aus. Alles, was die SS tat, um sie einzud&auml;mmen, war unzul&auml;nglich und erfolglos. Es beschr&auml;nkte sich darauf, die H&auml;ftlinge zu isolieren und sich selbst vor Ansteckungen zu sichern.&ldquo; (S. 58)</p>
<p>(<strong><em>Sterblichkeit</em></strong>) &bdquo;Als Folge der schrecklichen Lebensbedingungen im Lager und besonders im Krankenrevier war die Sterblichkeit gro&szlig;. Allein anhand fragmentarisch erhaltener Dokumente kann festgestellt werden, dass z.B. im Jahre 1942 t&auml;glich 4 bis 5 H&auml;ftlinge im Krankenrevier und 1 bis 2 im Lager ums Leben kamen. F&uuml;r Ende 1943 betragen diese Zahlen 10-12 Todesf&auml;lle im Krankenbau und 5 bis 6 im Lager. Dagegen stieg die Sterblichkeit&nbsp; Ende 1944 gewaltig an; im Monat November starben 1.459 Menschen, im Dezember fast 3.000 und bis zum 20. Januar 1945 weitere 4.000 und mehr; die meisten davon durch Arbeit 7und Hunger entkr&auml;ftete J&uuml;dinnen.&ldquo; (S. 60)</p>
<p><strong>Unmittelbare Vernichtung</strong></p>
<p>&bdquo;In den Konzentrationslagern, Stutthof eingeschlossen, wurde die Nazi-Idee der Vernichtung ihrer politischen Gegner und der sogenannten &bdquo;unerw&uuml;nschten Elemente&ldquo; durchgef&uuml;hrt. Das geschah nicht nur durch unmenschliche Lebensbedingungen und schwere Arbeit, also auf mittelbarem Wege, sondern auch durch direkte, gewaltsame Vernichtung. Durch erhaltene Dokumente und Aussagen ehemaliger H&auml;ftlinge ist bekannt, dass es mehrere Arten des Mordens gab. Zu den oft angewandten geh&ouml;rten die Erschie&szlig;ung, das H&auml;ngen, Genickschuss, Phenol-Injektionen (ins Herz oder in die Adern), Erschie&szlig;ung w&auml;hrend der Flucht, Vergasung in Gaskammern mit Zyklon B. Es kam auch vor, dass H&auml;ftlinge durch Hunde totgebissen wurden oder an Verwundungen verblutet sind, dass sie erw&uuml;rgt oder ertr&auml;nkt wurden. Hier k&ouml;nnen auch die Selbstmorde hinzugerechnet werden, wie der Tod als unmittelbare Folge von Schl&auml;gen und Misshandlungen. Jeder H&auml;ftling war von Anfang an st&auml;ndigen Schl&auml;gen ausgesetzt. Diese Strafen f&uuml;hrten die SS-Leute selbst oder die ihnen unterstehenden Funktionsh&auml;ftlinge aus. In krassen F&auml;llen sind H&auml;ftlinge, nachdem sie mit &bdquo;Bullenpesern&ldquo;, Kn&uuml;ppeln und Peitschen geschlagen oder it schweren Stiefeln getreten worden waren, in ein bis zwei Tagen gestorben. Dann wurde die Todesursache in den Lagerdokumenten gef&auml;lscht, indem z.B. &bdquo;Herzschw&auml;che, Herzschlag&ldquo; in die Akten eingetragen wurde. (&hellip;)</p>
<p><strong>Die ersten Gruppenexekutionen</strong> auf Grund eines polizeilichen Standgerichtes wurden am 11. Januar und 22. M&auml;rz 1940 vollstreckt. Es wurden damals zuerst 22 und sp&auml;ter 67 aktive Mitglieder der polnischen Organisationen aus der Freien Stadt Danzig erschossen. Das geschah im Wald in der N&auml;he des Lagers (&hellip;). In den Jahren 1942-1944 h&auml;uften sich die Einlieferungen von H&auml;ftlingen mit Todesurteilen von Sondergerichten&nbsp; und Standgerichten. , meist wegen politischer T&auml;tigkeit der Verurteilten. In der Korrespondenz zwischen der Gestapo und er Lagerverwaltung wurde die Todesstrafe zur T&auml;uschung als &bdquo;Sonderbehandlung&ldquo; bezeichnet. Nach der Vollstreckung des Todesurteils schrieb man in die Lagerakten den Buchstaben &bdquo;E&ldquo; und gab die Art der Exekution an (&hellip;). (S. 61)</p>
<p>Unter den vielen Opfern befanden sich polnische und sowjetische Partisanen, sowjetische Kundschafter und Fallschirmspringer.&ldquo; (S. 62)</p>
<p><strong>Im Krankenhaus</strong> wurden systematisch H&auml;ftlinge get&ouml;tet. Opfer dieser Morde waren schwerkranke und v&ouml;llig entkr&auml;ftete Menschen, die nicht mehr zur Arbeit geeignet waren und deren Genesung zu viel M&uuml;he kosten w&uuml;rde. Der Mordbefehl, unter dem Decknamen &bdquo;T4&ldquo;, was Euthanasie bedeutete, wurde schon 1940 gegeben. F&uuml;r seine Anwendung war der Leiter des Krankenreviers, Otto Haupt verantwortlich. (&hellip;) Die ausgesonderten Kranken wurden durch Phenol oder Sublimat get&ouml;tet, in die Adern oder ins Herz gespritzt. (&hellip;) Durch Injektionen &ndash; von den H&auml;ftlingen &bdquo;Einpieken&ldquo; genannt &ndash; hat man auch Physisch oder psychisch Behinderte gemordet, sowohl Personen, die schon in solchem Zustand ins Lager kamen, wie auch solche, die erst im Lager krank wurden. (..) Eine andere Art der Ermordung von Kranken war das Ertr&auml;nken, indem man die Opfer solange in der Badewanne unter Wasser hielt, bis es kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Das geschah meistens mit H&auml;ftlingen, deren Behandlung m&uuml;hselig war (z.B. Durchfall oder Ruhr). (&hellip;) Eine besondere Art des T&ouml;tens war das &bdquo;Bad&ldquo; (oder die &bdquo;Brause&ldquo;), unter anderem gegen Tbc-Kranke. Sie wurden nackt &ndash; auch bei Frost &ndash; vors Bad gestellt, manchmal f&uuml;r mehrere Stunden. Dann wurden sie abwechselnd mit kaltem und hei&szlig;em Wasser &bdquo;gebadet&ldquo;, um dann wieder nackt weiter zu stehen. Diese Methode hat die Reigen der Kranken dezimiert.&ldquo; (S. 63)</p>
<p>&bdquo;Im zweiten Halbjahr kamen &uuml;ber 47.000 j&uuml;dische M&auml;nner, Frauen und Kinder nach Stutthof.</p>
<p><strong>Erste Selektionen</strong> geschahen direkt nach Ankunft. Am 26. Juli ging ein Transport mit 1423 Personen nach Auschwitz, a 10. September ein zweiter mit 603 Personen. Die &uuml;brigen j&uuml;dischen H&auml;ftlinge, vornehmlich Frauen, wurden zu schweren Arbeiten gezwungen, im Hauptlager wie in den Au&szlig;enlagern. Nachdem ihre Arbeitskraft ausgebeutet war, wurden sie zu Opfern von Selektion und Massenmorden. Diese Aktionendauerten von Juli bis September 1944 an. Die Selektionen fanden auf dem Gel&auml;nde des Judenlagers statt, w&auml;hrend der stundenlangen Appelle. Der F&uuml;hrer dieses Lagerteils, Ewald Foth, w&auml;hlte zusammen mit Knott, Haupt,&nbsp; und Dr. Heidl die zum Tode Bestimmten aus. (&hellip;) Der Selektion unterlagen haupts&auml;chlich kranke und entkr&auml;ftete Frauen. Manchmal hat E. Foth den Zustand der Beine als Hinweis auf den Gesundheitszustand genommen, dann hat er Wettrennen befohlen. Die schw&auml;cheren Frauen, die nicht schnell genug laufen konnten, gingen in den Tod. Er w&auml;hlte auch schwangere Frauen und solche, die kurz zuvor eine Geburt &uuml;berstanden hatten, aus, weil er sie als arbeitsunf&auml;hig ansah. R&uuml;cksichtslos wurden alle neugeborenen Kinder der j&uuml;dischen Frauen zum Tode verurteilt.</p>
<p>Die T&ouml;tung der ausgesonderten Frauen geschah durch &bdquo;Spritzen&ldquo;, Genickschuss oder Vergasung. Der ehemalige H&auml;ftling Leon Duszynski sagte im Prozess gegen die Verbrecher aus: &bdquo;Die Liquidierung der j&uuml;dischen Frauen hat in einem der R&auml;ume des Krematoriums stattgefunden. Dort waren nur zwei SS-M&auml;nner anwesend. Am Tisch sa&szlig; der mit einem wei&szlig;en Arztkittel verkleidete Rapportf&uuml;hrer Chemnitz, und am Fenster stand Foth (&hellip;). Am Ende des Lagers, in einer Entfernung von etwa 100 Metern, sa&szlig; eine gr&ouml;&szlig;ere Gruppe von Frauen. Sie sahen alt und elend aus. Ein unter ihnen stehender SS-Mann machte ein biederes Gesicht und verhielt sich wie ein anst&auml;ndiger Mensch, er tr&ouml;stete sie. Er versicherte ihnen, dass sie zu leichter Arbeit geschickt w&uuml;rden. Nach einer Weile w&uuml;rden sie vor eine &Auml;rztekommission gestellt, aber das sollte nur eine Formalit&auml;t sein. Als er das Signal erhalten hatte, dass alles bereit sei, f&uuml;hrte er sie der Reihe nach vor und ermunterte sie dabei,, sie m&ouml;chten zeigen, dass sie kr&auml;ftig seien. Den letzten Abschnitt des Weges bew&auml;ltigten die Frauen selbst&auml;ndig. Wenn eine von ihnen den Raum erreicht hatte, fragte Chemnitz sie nach ihrem Namen und hakte sie auf der Liste ab. Dann f&uuml;hrte er sie zur Messlatte, um ihre Gr&ouml;&szlig;e zu messen. Als die Opfer mit dem R&uuml;cken zum Fenster standen, trat Foth an sie heran und gab einen Genickschuss ab. In diesem Augenblick &ouml;ffnete sich die T&uuml;r, die ins Krematorium f&uuml;hrte, und vier H&auml;ftlinge sprangen schnell hinzu und schafften den K&ouml;rper hinaus.&ldquo; (S. 64/5)</p>
<p>(<strong><em>Vergasungen</em></strong>) Bei einer Besprechung des Lager Kommandanten Hoppe mit dem Chef der Amtsgruppe D des Wirtschaftsverwaltungshauptamtes in Oranienburg, SS-Gruppenf&uuml;hrer Richard Gl&uuml;cks im August 1944 wurde beschlossen, H&auml;ftlinge in der Kleiderentlausungsanlage in Stutthof mit Zyklon B zu vergasen. Die Vorbereitungen dazu waren im September abgeschlossen. Dr. Heidl, Schutzhaftlagerf&uuml;hrer Meier, Rapportf&uuml;hrer Chemnitz &ndash; zust&auml;ndig f&uuml;r das M&auml;nnerlager &ndash; und E. Foth &ndash; zust&auml;ndig f&uuml;r das Frauenlager &ndash; selektierten die arbeitsunf&auml;higen Juden aus. Klara Bender, eine &Uuml;berlebende:</p>
<p>&bdquo;In Stutthof wurde selektiert, mehrmals in der Woche. Wir H&auml;ftlinge mussten antreten. Dann kamen mehrere Angeh&ouml;rige der SS, m&auml;nnliche und weibliche. Es wurden immer die kranken und schwachen H&auml;ftlinge ausgesondert, die dann ins Krematorium kamen. (&hellip;) Wir, die nicht ausgesondert waren, hatten mal weder Gl&uuml;ck gehabt. Was hei&szlig;t schon krank und schwach. Ich hatte dort in Stutthof noch 35 Kilo aufzubieten. Mit diesen 35 Kilo habe ich noch &uuml;berlebt. Versuchen Sie sich vorzustellen, wie die aussehen, die ausgesondert wurden.&ldquo; (Angrick S. 437)&nbsp; Vor dem Vergasungsraum: &bdquo;H&auml;ftlinge warfen sich vor ihren Peinigern zu Boden, flehten um ihr Leben und sagten, dass sie auf jeden Fall arbeiten k&ouml;nnten. Andere vermochten nur noch zu schreien oder weinen, w&auml;hrend weitre stumm apathisch vor dem Ort des Grauens dalagen. Einige fanden in der Religion Halt und sangen Lieder, mit denen sie kurz vor dem Betreten der Mordst&auml;tte ihren Glauben, der ihnen hoffentlich Trost zu spenden vermochte, manifestierten. In kleineren Gruppen von 25 bis 35 Personen, unter denen sich auch H&auml;ftlinge befanden, die Kaiserwald (KZ in Riga) &uuml;berlebt hatten, trieben Angeh&ouml;rige des Lagerpersonals die ausselektierten Menschen zur Gaskammer. (&hellip;) Einige wehrten sich, den Vergasungsraum zu betreten und mussten von den SS-W&auml;chtern hineingedr&auml;ngt werden. (&hellip;) Anschlie&szlig;end kletterte ein SS-Angeh&ouml;riger auf das Dach&nbsp; und setzte sich eine Gasmaske mit Sonderfolter gegen Blaus&auml;ure auf. Auf dem Dach wurden dann Zyklon-B-Dosen (&hellip;) mit einem B&uuml;chsen&ouml;ffner ge&ouml;ffnet und deren Inhalt durch einen Schacht gesch&uuml;ttet. (&hellip;) Der auf dem Dach des Krematoriums stehende T&auml;ter &ndash; so Otto Knott selbst vor Gericht &ndash; h&ouml;rte dann durch den verschlossenen Schacht ein &bdquo;Rumpeln&ldquo;, welches kurze Zeit anhielt.</p>
<p>Wenn nach ca. zwei Stunden die T&uuml;r zur Kammer wieder ge&ouml;ffnet wurde, um diese zu &bdquo;entl&uuml;ften&ldquo; und die Leiche herauszuschaffen, bot sich ein grausamer Anblick. Die Menschen hatten sich in h&ouml;chster Not die Haare ausgerissen und die K&ouml;rper zerkratzt. Einige, die n&auml;her am Schacht gestanden hatten, m&ouml;gen schneller gestorben sein; andere d&uuml;rften dagegen noch den Todeskampf ihrer Leidensgenossen mitverfolgt haben. Bevor sie selbst starben, hatten sich ihre K&ouml;rper verkrampft und h&auml;ufig ineinander verschlungen. Der Anblick der verf&auml;rbten und zerkratzten Leichen war so entsetzlich, dass es, wenn die T&uuml;ren zur Kamer wieder ge&ouml;ffnet wurden, selbst f&uuml;r die T&auml;ter kaum zu ertragen war. Ein H&auml;ftlingskommando zerrte die Leichen &uuml;ber einen Bretterweg &ndash; welcher quasi als &bdquo;Stra&szlig;e&ldquo; fungierte &ndash; von der Gaskammer zum Krematorium, wo diese unter Zuhilfenahme gro&szlig;er zweispitziger Gabeln in de &Ouml;fen gestapelt und dann verbrannt wurden.&ldquo; (Angrick S. 438)</p>
<p>Als sich das Geheimnis um die umgewandelte Entlausungsanlage nicht aufrechterhalten lie&szlig; und deshalb H&auml;ftlinge vermehrt Widerstand gegen das Hintreiben in die Kammer leisteten, verfiel die Lagerleitung auf die Idee, eine weitere Hinrichtungsst&auml;tte in Betrieb zu nehmen. Es handelte sich um einen umgebaute Eisenbahnwaggon, der auf einem Nebengleis der Bahnstrecke Danzig-Steegen stand. Er war abgedichtet und auf dem Dach ein Einsch&uuml;ttrohr f&uuml;r Zyklon B eingesetzt worden. Aus Tarnungsgr&uuml;nden stand neben ihm ein weiterer volkkommen gew&ouml;hnlicher Waggon, manchmal auch eine Lokomotive, damit man glauben sollte, dass diese Kurzbahn wirklich in Betrieb sei. Ein SS-Angeh&ouml;riger in Eisenbahneruniform hielt sich in der N&auml;he der Waggons auf und verf&uuml;gte &uuml;ber eine Signalpfeife der Reichsbahn. So sollte den Opfern suggeriert werden, dass es sich um einen wirkliche n&nbsp; Zug handelte, der sie zur Kartoffelernte nach au&szlig;erhalb bringen werde. Nachdem diese den Todeswagen betreten hatten, wurde dieser verriegelt. Ein SS-Angeh&ouml;riger, ebenfalls in eine Eisenbahneruniform und gesch&uuml;tzt durch eine Gasmaske, trat auf das Dach des Waggons und sch&uuml;ttete den Inhalt der Dosen durch die &Ouml;ffnung.&ldquo; (Angrick S. 439)</p>
<p>&bdquo;Es kam auch vor, dass H&auml;ftlinge bei &bdquo;passender Gelegenheit&ldquo; von besonders abgerichteten Sch&auml;ferhunden zerfleischt wurden. Selbst SS-Angeh&ouml;rige gaben unumwunden zu, dass Hundef&uuml;hrer die Tiere &bdquo;spa&szlig;eshalber&ldquo; auf die H&auml;ftlinge der Au&szlig;enkommandos hetzten, die von der Arbeit ins Au&szlig;enlager zur&uuml;ckkehrten, um &bdquo;die H&auml;ftlinge ein bisschen munter&ldquo; zu machen.&ldquo; (Angrick S. 440)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Transporte von Riga nach Stutthof</span></strong></p>
<p>Im August 1944 begann die Evakuierung der Konzentrationslager und Kasernierungen in Riga und im baltischen Raum nach Westen.</p>
<p>Am 6. August verlie&szlig;en zwei erste Transporte Libau, die Ostsee-Hafenstadt im Westen von Riga. Am 9. August wurden in Stutthof zwei Transporte mit 6.382 und 450 H&auml;ftlingen registriert.</p>
<p>Am 23. August traf ein dritter Transport mit 4.408 H&auml;ftlingen und</p>
<p>am 1. Oktober ein vierter mit 3.155 H&auml;ftlingen in Stutthof ein.</p>
<p>Von den insgesamt 14.395 Personen dieser Transporte &nbsp;waren 1.757 j&uuml;dische Menschen, die &nbsp;in 25 Transporten ab&nbsp; Ende 1941 aus dem &bdquo;Gro&szlig;deutschen Reich&ldquo; in das Ghetto Riga deportiert worden. (<em>Sie sind aufgelistet in den zwei B&auml;nden des &bdquo;Buches der Erinnerung &ndash; Die ins Baltikum deportierten deutschen, &ouml;sterreichischen und tschechoslowakischen Juden&ldquo;, bearbeitet von Wolfgang Scheffler und Diana Schulle, hrsg. vom Volksbund Deutsche Kriegsgr&auml;berf&uuml;rsorge, dem Deutschen Riga-Komitee u.a., M&uuml;nchen 2003</em>)</p>
<p><strong>Von den 1.031 Deportierten des &bdquo;Bielefelder Transports</strong>&ldquo;(aus M&uuml;nster(land), Osnabr&uuml;ck, Bielefeld) sind laut &bdquo;Buch der Erinnerung&ldquo;</p>
<p>- 33 in Stutthof gestorben (dokumentiert mit Todesdatum): u.a. Marianne Beer/Rheine, Fanny Blumenthal/M&uuml;nster, Irma Buchholz/Bielefeld, Charlotte Pins/D&uuml;lmen, Else und Hermann Scheuer/M&uuml;nster, Julius Seelig/Coesfeld, Hannelore und Herta Stein/Borkhorst, Frieda Steinweg/M&uuml;nster, Berta und Grete Wolff/D&uuml;lmen,</p>
<p>- 82 ab Stutthof verschollen (Ankunft in Stutthof als letztes Lebenszeichen),</p>
<p>- 29 von Stutthof weiter transportiert (oft nach Buchenwald) und dort umgekommen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;42 haben Stutthof und ggfs. weitere Leidensstationen &uuml;berlebt.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Erinnerungen von Riga-Stutthof-&Uuml;berlebenden</span></strong></p>
<p>- Jeanette Wolff, geb. 1888 in Bocholt, Dortmunder Transport, 1952-1961 Bundestagsabgeordnete der SPD (<em>Kuhn, Stutthof, S. 133-137</em>). In Stutthof&nbsp; 09.08.1944 bis Januar 1945,&nbsp; H&auml;ftlingsnummer J 51566</p>
<p>- Gerda Gottschalk, geb. 1919 in Leipzig, Leipziger Transport (<em>Kuhn, Stutthof, S. 138-141, aus: Gerda Gottschalk, Der letzte Weg</em>). In Stutthof &nbsp;09.08.1944 bis 10.11.1944, H&auml;ftlingsnummer 60743</p>
<p>- Gertrude Schneider, geb. in Wien, Wiener Transport (<em>Kuhn, Stutthof S. 146-149</em>). In Stutthof + Au&szlig;enlagern 09.08.1944 bis 10.02.1945, H&auml;ftlingsnummer J 61811</p>
<p>- Erna Valk, geb. 1905 in Goch/Niederrhein, D&uuml;sseldorfer Transport (<em>Kuhn, Stutthof &nbsp;S. 149-151</em>). In Stutthof + Au&szlig;enlagern 09.08.1944 bis Januar 1945, H&auml;ftlingsnimmer J 62115</p>
<p>- Josef Katz, geb. 1918 in L&uuml;beck, Hamburger Transport (<em>Kuhn, Stutthof, S. 159-162, aus: Josef Katz, Erinnerungen eines &Uuml;berlebenden, Kiel 1988, S. 198 ff.</em>). In Stutthof&nbsp; 01.10.1944 bis Januar 1945, H&auml;ftlingsnummer J 95976</p>
<p>- Max Kaufmann, geb. 1905 in Riga (<em>Kuhn, Stutthof, S. 163-166</em>). In Stutthof&nbsp; 01.10.1944 bis 03.11.1944, H&auml;ftlingsnummer J 96046</p>
<p>- Irmgard Ohl, geb. Heimbach, geb. 1927 in Laer, Bielefelder Transport/Osnabr&uuml;ck <em>(&bdquo;Vier Jahre hinter Stacheldraht&ldquo;, in: Peter Junk, Martina Sellmeyer, Stationen nach Auschwitz, Bramsche 1988, S. 197 ff.</em>). In Stutthof &nbsp;01.10.1944 , H&auml;ftlingsnummer 94479</p>
<p>- Ewald Aul, geb. 1926, Bielefelder Transport/Osnabr&uuml;ck <em>(&bdquo;Alle nur erdenklichen Grausamkeiten&ldquo;, in: Junk/Sellmeyer, S. 196/7)</em></p>
<p>- Herta Salomon, geb. 1924 in Drensteinfurt, Bielefelder Transport/M&uuml;nster <em>(&bdquo;Mein Lebenslauf&ldquo;, 01.01.1988</em>)</p>
<p>- Ruth F. geb. Heilbronn, aufgewachsen in Lingen, Bielefelder Transport/Osnabr&uuml;ck (<em>Bericht einer &Uuml;berlebenden, Tonbandmitschnitt 16.07.1991</em>)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Strafrechtliche Ahndung </span></strong>(<em>nach Janina Grabowska, K.L. Stutthof &ndash; ein historischer Abri&szlig;, S. 91 ff.)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) in Polen</span></strong></p>
<p>&bdquo;Bald nach der Befreiung begannen die polnischen Beh&ouml;rden die Beweise f&uuml;r die in Stutthof begangenen Verbrechen zusammenzutragen. (&hellip;) Zugleich wurden die Besatzungsm&auml;chte in der amerikanischen, englischen und franz&ouml;sischen Zone Deutschlands aufgefordert, die dort festgenommen Mitglieder der Stutthofer SS-Mannschaft auszuliefern.</p>
<p><strong>Der erste Prozess</strong> fand am 25. April bis zum 1. Juni 1946 vor dem Sonderstrafgericht in Danzig statt. Angeklagt waren: 1 SS-Mann, 6 SS-Aufseherinnen und 7 Funktionsh&auml;ftlinge.</p>
<p>Das Gericht verurteilte den SS-Oberscharf&uuml;hrer Johann Paulus und die SS-Aufseherinnen Wanda Kleff, Gerda Steinhoff, Elisabeth Becker, Eva Paradies sowie Jenny Barkmann zum Tode. Die Funktionsh&auml;ftlinge, die den SS-Leuten bei ihrem Mordhandwerk zur Hand gingen, wurden ebenfalls zum Tode verurteilt: (&hellip;) Diese Urteile wurden am 4. Juli 1946 &ouml;ffentlich in Danzig vollstreckt<em>. (zwei Urteile mit Gef&auml;ngnisstrafen)</em></p>
<p><strong>Ein weiterer gro&szlig;er Prozess</strong> fand vor dem Bezirksgericht in Danzig vom 8. Bis 31. Oktober statt. Angeklagt waren 25 SS-M&auml;nner und ein Funktionsh&auml;ftling. An seinem Ende wurden folgende Personen zum Tode verurteilt: SS-Hauptsturmf&uuml;hrer Theodor Meyer &ndash; Leiter der III. Abteilung im Lager -,SS-Oberscharf&uuml;hrer Ewald Foth&nbsp; - Kommandant des Judenlagers -, SS-Oberscharf&uuml;hrer Albert Paulitz, SS-Unterscharf&uuml;hrer Fritz Peters, SS-Oberscharf&uuml;hrer Hans Rach, SS-Rottenf&uuml;hrer Karl Zurell, SS-Unterscharf&uuml;hrer Kurt Dietrich, SS-Rottenf&uuml;hrer Karl Eggert, SS-Rottenf&uuml;hrer &nbsp;Paul Wellnitz und der Kapo Alfred Nickolaysen. Auch diese Urteile wurden vollstreckt<em>.&nbsp; (andere 14 Angeklagte zu Gef&auml;ngnisstrafen zwischen lebensl&auml;nglich bis 3 Jahren)</em></p>
<p><strong>In zwei weiteren Prozessen</strong> standen vom 5. Bis 10. November und 19. Bis 29. November 1947 39 SS-M&auml;nner und ein Funktionsh&auml;ftling vor demselben Gericht. Die Urteile lauteten einmal lebensl&auml;nglich sowie auf Gef&auml;ngnisstrafen von 7 Monaten bis zu 15 Jahren.</p>
<p>Im Jahr 1949 verurteilte das Gericht in Thorn den Kommandanten des Au&szlig;enlagers bei der Organisation Todt, SS-Hauptsturmf&uuml;hrer Hans Jacobi, zu 3 Jahren Gef&auml;ngnis, und ein Danziger Gericht im Jahr 1953 den SS-Mann Hans Bielawa zu 12 Jahren.&ldquo; (<em>Grabowska S. 92</em>)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) In der Bundesrepublik Deutschland</span></strong></p>
<p>&bdquo;Keiner der <strong>Kommandanten</strong> des Lagers Stutthof stand vor einem polnischen Gericht. Der SS-Hauptsturmf&uuml;hrer Max Pauly, der zuletzt von 1942 an Kommandant des KL Neuengamme gewesen war, wurde zusammen mit anderen Mitgliedern der Besatzung dieses Lagers in Hamburg in der Zeit vom 18. M&auml;rz bis 3. Mai 1946 vor Gericht gestellt. Die Anklage umfasste jedoch nicht die in Stutthof begangenen Verbrechen. Pauly wurde wegen der Verbrechen im Lager Neuengamme zum Tode verurteilt und am 5.Oktober hingerichtet.</p>
<p>Der zweite Kommandant des Lages Stutthof, SS-Sturmbannf&uuml;hrer Paul Werner Hoppe, stand 1955 in Bochum vor Gericht. Zun&auml;chst wurde er zu f&uuml;nf Jahren Gef&auml;ngnis verurteilt, im Revisionsprozess wurde die Strafe auf neun Jahre erh&ouml;ht. 18 Monate vor Ablauf seiner Strafe wurde er entlassen.</p>
<p>Im Jahre 1957 stand der Sanit&auml;ter, SS-Unterscharf&uuml;hrer Otto Knott, der der Ermordung von H&auml;ftlingen in der Gaskammer beschuldigt wurde, vor einem bundesdeutschen Gericht. Das Gericht verurteilte ihn zu 3 Jahren und 3 Monaten Gef&auml;ngnis.</p>
<p>Im Jahre 1964 fand in T&uuml;bingen ein Prozess gegen den Chef des Krankenreviers, SS-Hauptscharf&uuml;hrer Otto Haupt, den Funktion&auml;r der Politischen Abteilung, Bernhardt L&uuml;dtke, sowie abermals gegen den Sanit&auml;ter Otto Knott statt. Die Urteile des Gerichts waren bedeutend milder als die Antr&auml;ge des Staatsanwalts. Otto Haupt wurde zu 12 und Bernhardt L&uuml;dtke zu 8 Jahren Gef&auml;ngnis verurteilt. Otto Knoll wurde in diesem Prozess freigesprochen. Beiden Verurteilten wurde die Untersuchungshaft auf die Strafe angerechnet. In keinem der beiden Prozesse, weder in Bochum noch in T&uuml;bingen, lud das Gericht Zeugen aus Polen.</p>
<p>1955 wurde in Bochum eine Untersuchung gegen den Hauptarzt des Lagers, Dr. Otto Heidl, eingeleitet. Er beging im Gef&auml;ngnis Selbstmord.</p>
<p>&Uuml;ber zehn Mitglieder der SS-Mannschaft von Stutthof sind in anderen Prozessen zur Verantwortung gezogen worden, da sie au&szlig;er in Stutthof auch in anderen Lagern eingesetzt waren.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Zusammenfassend</span></strong></p>
<p><strong>Die Gesamtzahl der H&auml;ftlinge</strong>, die vom 2. September 1939 bis zum 25. Januar 1945 durch das Lager Stutthof gegangen sind, liegt bei &uuml;ber 110.000 bis 120.000. &bdquo;Der Nationalit&auml;t nach waren es: Belgier, Wei&szlig;russen, D&auml;nen, Deutsche, Engl&auml;nder, Esten, Finnen, Holl&auml;nder, Italiener, Juden, Kroaten, Litauer, Letten, Norweger, &Ouml;sterreicher, Polen, Serben, Slowaken, Spanier, Tschechen, Ukrainer, Ungarn und Zigeuner.&ldquo; (27) Zwischen dem 29. Juni und 14. Oktober 1944 trafen in Stutthof allein 26 gro&szlig;e Transporte mit 47.109 j&uuml;dischen H&auml;ftlingen an.</p>
<p>(<strong><em>Mordopfer</em></strong>) In der Zeit vom 2. September 1939 bis zum 9. Mai 1945&nbsp; kamen &uuml;ber 67.000 Stutthof-H&auml;ftlinge im Gro&szlig;raum Stutthof ums Leben, von ihnen etwa 18.000 auf den Evakuierungsm&auml;rschen ab 25. Januar 1945. Von den Deportierten des Bielefelder Transports verloren hier &uuml;ber 110 ihr Leben. Da mehrere j&uuml;dische Transporte und Einzelpersonen direkt nach ihrer Einlieferung ermordet und gar nicht erst registriert wurden, ist anzunehmen, dass die tats&auml;chliche Opferzahl in Stutthof um 10. bis 20.000 h&ouml;her liegt.</p>
<p><strong>Die SS-Mannschaft</strong> in Stutthof umfasste Ende 1942 130 Offiziere, 81 Unteroffiziere und 464 SS-M&auml;nner, insgesamt 558 gegen&uuml;ber 1.855 H&auml;ftlingen. Die h&ouml;chste Personalst&auml;rke wurde im September 1944 mit 1.100 Personen, davon 900 in der Wachmannschaft erreicht. (bei etwa 33.000 H&auml;ftlingen Anfang November 1944 im Hauptlager Stutthof, etwa 24.000 H&auml;ftlingen in den Au&szlig;enlagern)</p>
<p>Insgesamt waren in Stutthof etwa 3.000 SS-Leute. Von ihnen sind mehr als 2.000 namentlich bekannt.</p>
<p>(<strong><em>Gerichtliche Ahndung</em></strong>) Insgesamt stellte man in den Prozessen, die das KZ Stutthof&nbsp; betrafen, 72 SS-M&auml;nner und 6 Aufseherinnen vor Gericht.&ldquo; (<em>Grabowska S. 93</em>)</p>
<p>Von ihnen kamen 2,6% vor Gericht, in der Bundesrepublik f&uuml;nf (0,16%). Letztere wurden zu vier Gef&auml;ngnistrafen verurteilt.</p>
<div>
<p><strong>Mit anderen Worten: Die Menschenqu&auml;lerei und Massenmorde im KZ Stutthof blieben in der Bundesrepublik Deutschland nahezu straflos. Sie wurden zudem &uuml;ber viele Jahrzehnte vergessen und verdr&auml;ngt &ndash; und sind auch heute kaum bekannt.</strong></p>
<p>Vor diesem Hintergrund kommt 73 Jahre danach ein Prozess gegen einen 95-j&auml;hrigen ehemaligen SS-Wachmann viel zu sp&auml;t. Ein solcher Prozess &auml;ndert nichts mehr an der Schande der Straflosigkeit schlimmster Menschheitsverbrechen. &nbsp;Ihn deshalb aber sein zu lassen, w&uuml;rde die Nichtverj&auml;hrung von Mord unterlaufen und die Straflosigkeit endg&uuml;ltig billigen.</p>
<p>Der Prozess ist eine sp&auml;te und einmalige Gelegenheit, wenigstens die Erinnerung an die so lange vergessenen Stutthof-Opfer wiederzubeleben. Er bietet die M&ouml;glichkeit, wenigstens die zweite Absicht der Nazis zu durchkreuzen, &uuml;ber die Ermordung ihrer Opfer hinaus auch die Erinnerung an sie auszul&ouml;schen.</p>
<p>Dazu k&ouml;nnen die Prozessbeteiligten, dazu kann auch der Angeklagte erheblich beitragen.</p>
</div>
<p><span style="text-decoration: underline;">Weitere Informationen</span></p>
<ul>
<li>Anl&auml;sslich des KZ-Stutthof-Prozesses in M&uuml;nster: Bericht vom ersten Besuch in Stutthof 1994, Hintergrundinformationen, Links zu bisherigen Prozessberichten 18.11.2018 (Zum Stutthof-Prozess I) <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1554">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1554</a></li>
</ul>
<p><em>Winfried Nachtwei, Mitglied im Vorstand von &bdquo;Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo;,</em></p>
<p><em>M&uuml;nster, </em><a href="mailto:winfried@nachtwei.de"><em>winfried@nachtwei.de</em></a><em> , </em><a href="http://www.nachtwei.de"><em>www.nachtwei.de</em></a><em> ; 0170-314 8779</em></p></div>


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