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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vor der ISAF-Mandatsentscheidung - JÃ¼ngste EindrÃ¼cke aus Kabul, Mazar-e Sharif und Kunduz</title>
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    <span class="xar-mod-title">NATO + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
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                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
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        <h1>
            Vor der ISAF-Mandatsentscheidung - JÃ¼ngste EindrÃ¼cke aus Kabul, Mazar-e Sharif und Kunduz         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 5. Oktober 2008 04:07:51 +02:00 (198568 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Folgenden Bericht verfasste Winfried Nachtwei Ã¼ber die Reise der Obleute des Verteidigungsausschuss, die vom 29.9.-2.10.2008 stattfand:</p></div>
            <div>    <p>Â </p>
<p align="center"><strong>Vor der ISAF-Mandatsentscheidung</strong></p>
<p align="center"><strong>JÃ¼ngste EindrÃ¼cke aus Kabul, Mazar-e Sharif und Kunduz</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB (5.10.2008)</p>
<p><strong><em>Ziel </em></strong><em>der Obleutereise des Verteidigungsausschuss vom 29.9.-2.10.2008 war, im unmittelbaren Vorfeld der Mandatsentscheidung die militÃ¤rische und politische Lage zu erkunden, insbesondere </em></p>
<ul>
<li><em>im Norden nach den schweren VorfÃ¤llen in August und September sowie die bisherigen Einsatzerfahrungen der Quick Reaction Force</em></li>
<li><em>die Entwicklung in Gesamt-AFG vor Beginn der WÃ¤hlerregistrierung fÃ¼r die PrÃ¤sidentschaftswahlen im nÃ¤chsten Jahr </em></li>
<li><em>die Entwicklung + BekÃ¤mpfung der Drogenwirtschaft </em></li>
<li><em>mandatsspezifische Fragen wie die Obergrenze und die EinsatzmÃ¶glichkeiten von AWACS.</em></li>
</ul>
<p><em>Im Unterschied zu meinen AFG-Reisen im Juli + August (vgl. Bericht  â€žViele Lichtblicke bei wachsender DÃ¼sternis&quot;) standen jetzt militÃ¤rische Fragen im Vordergrund. </em></p>
<p><em>Wegen des islamischen Feiertages Eid-al-Fitr zum Ende des Ramadan hatten wir nur internationale + deutsche GesprÃ¤chspartnerInnen:</em></p>
<p><strong><em>Kabul:</em></strong></p>
<ul type="square">
<li><em>der neue dt. Botschafter Werner Lauk      (bisher Leiter der Wirtschaftsabteilung in der dt. Botschaft in Peking,      vorher einige Jahre in Saudi-Arabien), </em></li>
<li><em>Special Representitive of Secretary General (SRSG) Kai Eide, </em></li>
<li><em>Christina Gynna Oguz, LÃ¤nderreprÃ¤sentantin des UN Office on Drugs and      Crime/UNODC,</em></li>
<li><em>Offiziere des Stabes ISAF-Headquarter      mit Generalmajor DomrÃ¶se, </em></li>
<li><em>hohe dt. Polizisten bei EUPOL, German      Police Project Team/GPPT und </em></li>
<li><em>der Verbindungsbeamte zur CSTCA-A, </em></li>
<li><em>die Leiter von GTZ + KfW      Entwicklungsbank in AFG. </em></li>
<li><em>ZufÃ¤llig ergab sich noch die      Gelegenheit zu einer Diskussion mit Dr. Theo Sommer/ZEIT, der eine Woche      lang das Land besuchte.</em></li>
</ul>
<p><strong><em>Mazar:</em></strong></p>
<ul type="square">
<li><em>Kommandeur des RC North, Brigadegeneral      Weigt und der Kommandeur der dt. Quick Reaction Force.</em></li>
</ul>
<p><strong><em>Kunduz</em></strong><em>:</em></p>
<ul type="square">
<li><em>der neue PRT-Kommandeur, </em></li>
<li><em>der zivile Leiter und Offiziere des      Stabes, </em></li>
<li><em>Soldaten der FallschirmjÃ¤gerzÃ¼ge und      Schutzkompanie, </em></li>
<li><em>Teilnahme an einer Patrouille</em></li>
</ul>
<p><em>. </em></p>
<p><em>Mit uns fahren Christoph Grabenheinrich, SaarlÃ¤ndischer Rundfunk/ARD, Paul Elmar JÃ¶ris, WDR, Dr. Peter Stuckhard, Neue WestfÃ¤lische. </em></p>
<p>Nachdem sich ein Sandsturm rechtzeitig gelegt hat, kÃ¶nnen wir doch noch planmÃ¤ÃŸig in Termez landen und am nÃ¤chsten Morgen mit der Transall nach Mazar und Kabul weiterfliegen.</p>
<p>Zwei Tage vorher war Camp Marmal erstmalig in zwei Jahren mit Raketen + MÃ¶rsergranaten  beschossen worden. Eine ging im Camp auf einer KiesflÃ¤che nieder. Keine SchÃ¤den. Ich bin gespannt, wie sich die Situation im Norden seit dem 27./28. August entwickelt hat, als erst Hauptfeldwebel Mischa M. mit einem Sprengsatz umgebracht und tags drauf eine Frau und zwei Kinder von einem dt. Soldaten irrtÃ¼mlich erschossen wurden. Ich freue mich auf die vielen Wiederbegegnungen mit unseren guten Leuten vor Ort, angefangen bei unserem treuen Close Protection Team.</p>
<p><strong>1. Lichtblicke</strong></p>
<p>Am 21. September, dem Internationalen Friedenstag der UN, nahmen nicht nur Zehntausende an Veranstaltungen in vielen Provinzen statt. Der UN-Aufruf zu einem 24-stÃ¼ndigen Waffenstillstand wurde von PrÃ¤sident Karzai, ISAF und Taliban aufgenommen und Ã¼berwiegend eingehalten. Die internationalen Medien nahmen davon keine Notiz.</p>
<p>Der Anstieg der Provinzen ohne Mohnanbau von 13 auf 18 in diesem Jahr ist nicht nur, aber auch der konsequenten Politik einzelner Gouverneure zu verdanken. Ãœberdeutlich ist der Zusammenhang zwischen KonfliktintensitÃ¤t/Sicherheitslage und Opiumproduktion.</p>
<p>Am 28. August Ã¼bernahm die Regierung die Sicherheitsverantwortung in Kabul.</p>
<p>Die Regierungen AFG`s + PAK`s gehen inzwischen konstruktiv miteinander um - statt demagogisch wie in der Vergangenheit. Der Aufstand wird als gemeinsames Problem erkannt. Der grenzÃ¼berschreitende Jirga-Prozess wird in diesen Tagen wieder aufgenommen.</p>
<p><strong>2. Politische Lage </strong></p>
<p>Seit der Pariser AFG-Konferenz im Juni habe sich die Lage weiter verschlechtert, habe der Pessimismus in der AFG Politik und der Internationalen Gemeinschaft zugenommen. Die bedrohliche Sicherheitsentwicklung habe auch die Agenda der UNAMA dominiert. Bis zum FrÃ¼hjahr/Sommer mÃ¼sse eine andere Stimmung geschaffen werden.</p>
<p>Der VersÃ¶hnungsprozess gegenÃ¼ber den AufstÃ¤ndischen gehÃ¶re an die erste Stelle. Das setze aber eine starke Regierung und Internationale Gemeinschaft voraus. Der fast 100%-ige Erfolg vom 21. September zeige den Einfluss zentraler AutoritÃ¤ten auf Seiten der Taliban. Das kÃ¶nnten Ansprechpartner sein.</p>
<p>Der Institutionenaufbau sei stark bei der Armee (ANA), schwach bei Polizei (ANP), Justiz und Provinz-/Distriktebene. Z.B. gibt es in der Provinz Zabul zwei (!) Richter. Der Distriktgouverneur von Ghazni verfÃ¼gt Ã¼ber ein Jahresbudget von 400 $.</p>
<p>Die Internationale Gemeinschaft gebe sehr viel von ihren Hilfsgeldern auÃŸerhalb des Landes aus. Die verschiedenen GeberlÃ¤nder investieren zwischen 17 bis 80% ihrer Mittel in â€žihren&quot; Provinzen. So lasse sich die Afghan National Development Strategy nicht umsetzen! (UNAMA)</p>
<p><strong>3. Sicherheitslage</strong></p>
<p><strong>3.1 Allgemein </strong></p>
<p>Am 28.8. Ã¼bernahmen die AFG SicherheitskrÃ¤fte offiziell die Sicherheitsverantwortung fÃ¼r Kabul. Landesweit gelte fÃ¼r ISAF der Grundsatz des Partnering: keine Operation alleine. â€žWir wollen vom Fahrersitz auf den Beifahrersitz, auf den RÃ¼cksitz und schlieÃŸlich raus&quot;. (ISAF)</p>
<p>FÃ¼r die Ausbildung und Beratung der ANA (Planziel 134.000 bis 2012) sind 59 OMLT`s notwendig. Zzt. sind aber nur 37 aktiv.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Operationen</span>: Am 29.9. fÃ¼hrte ISAF landesweit Ã¼ber 50 Operationen durch, 31 sog. Framework Operationen und 22 â€žClear&quot; Operationen, bei denen man auf Waffeneinsatz eingestellt ist. Nachdem regierungsfeindliche KrÃ¤fte frÃ¼her eher in entlegeneren Gebieten agierten, treffen sich jetzt alle AktivitÃ¤ten an der Ringroad.</p>
<p>Mit einer militÃ¤rischen GroÃŸoperation wurde die 3. Turbine von Kandahar Ã¼ber 180 km zum Kajaki Damm in Nord-Helmand transportiert, gedeckt von einer Luftarmada. Ab FrÃ¼hjahr soll Kajaki Strom fÃ¼r zusÃ¤tzlich 1,6 Mio. Haushalte liefern. Zu erwarten ist aber, dass regierungsfeindliche KrÃ¤fte die Stromleitungen attackieren und anzapfen werden.</p>
<p>In der Opium-Hochburg Helmand kÃ¶nnen auch 10.000 britische Soldaten nur punktuell â€žhalten&quot;, werde die Dringlichkeit politischer LÃ¶sungen besonders deutlich - aber auch ihre Schwierigkeit. Denn zentrale afghanische Akteure sind entweder schwach oder stark + korrupt.</p>
<p>Bis zum 27.9. gab es 6.363 <span style="text-decoration: underline;">SicherheitsvorfÃ¤lle</span> landesweit (+34% ggb. dem Vorjahrszeitraum). Der Anstieg wird vor allem dem Zustrom vieler nicht-afghanischer KÃ¤mpfer aus den Sanktuarien in PAK zugeschrieben. 79% der SicherheitsvorfÃ¤lle (kinetic events) geschehen in 15% der Distrikte. TÃ¤glich ereignen sich durchschnittlich 30 solcher VorfÃ¤lle. Am 29.9., 7.00 Uhr, bis 30.9., 7.00, gab es 52 VorfÃ¤lle, davon 35 im SÃ¼den.</p>
<p>Die Attacken der heterogenen Insurgenten-Gruppen richten sich vermehrt gegen die Verkehrsinfrastruktur und â€žweiche&quot; Ziele, gegen die Polizei (bisher in 2008 Ã¼ber 900 Tote), gegen Distriktzentren, Polizeichefs + Gouverneure. Wer wolle da noch BÃ¼rgermeister werden?</p>
<p>Ein Beispiel der 9. August, als an der Ringroad im SÃ¼dwesten auf 20 km acht BrÃ¼cken angesprengt wurden.</p>
<p>Hauptgefahr sind <span style="text-decoration: underline;">SprengstoffanschlÃ¤ge</span> (Sprengfallen am Boden, mobil mit Fahrzeugen/SelbstmordattentÃ¤tern - IED`s), die 57% der internationalen Verluste verursachen. Die Anschlagsmethoden werden stÃ¤ndig â€žverbessert&quot;. Wo bisher jede 2. IED entdeckt wurde, werden diese inzwischen vermehrt mit KÃ¤mpfern gedeckt, die RÃ¤umer unter Feuer nehmen.</p>
<p>In der Woche 13.-20.9. gab es bei ISAF 2 Tote, 8 Schwerst- und 4 mittelschwer Verwundete, bei OEF 5/3/1, bei ANA 4/6/1, ANP 17/0/5.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zivilopfer</span>: Der Shindand-Zwischenfall im SÃ¼den der Provinz Herat ist weiter zwischen ISAF und UNAMA/Regierung strittig. UNAMA spricht von 90 Ziviltoten bei der OEF-Operation, ISAF von 30. Lt. ISAF habe es mit einer ANA-gefÃ¼hrten Operation begonnen, wo erst OEF, dann Luftwaffe zur UnterstÃ¼tzung gekommen seien. COMISAF habe zum Umgang mit der ZivilbevÃ¶lkerung am 2.9. eine neue Taktische Direktive herausgegeben, die eher sprachliche als inhaltliche VerÃ¤nderungen gebracht habe.</p>
<p>Seit September sei im Stab ISAF eine Zelle mit Zivilisten eingerichtet worden, die die Zivilopfer insgesamt erfassen sollen. Die ISAF-Daten wÃ¼rden regelmÃ¤ÃŸÃ­g mit UNAMA ausgetauscht. Eine VerÃ¶ffentlichung scheut man, weil man keinen â€žbody count&quot; wolle.</p>
<p>(Nach den bisherigen Daten seien in 2008 AFG SicherheitskrÃ¤fte fÃ¼r ein Mehrfaches und Insurgenten fÃ¼r ein Vielfaches der Zahl an Zivilopfern verantwortlich, die von  internationalen Truppen verantwortet wurden.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">LuftnahunterstÃ¼tzung</span> (close air support/CAS) werde immer vom Boden angefordert und gefÃ¼hrt durch den Joint Tactical Air Controller/JTAC in der Terminal Control Area (unmittelbarer Einsatzraum). Der JTAC gibt Zielkoordinaten an den Bomber durch, der in Echtzeit sein Zielbild zur Gegenkontrolle zurÃ¼ck an den Boden sendet.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">AWACS der NATO</span> wÃ¼rden gebraucht zur besseren Luftraumkontrolle und Flugsicherheit, die bisher nur durch Bodenradar punktuell (z.B. ein OEF-Radar in Kabul) und US-AWACS zeitlich begrenzt unterstÃ¼tzt werde. AWACS kÃ¶nnen zum â€žtactical battle management&quot; der Luftverteidigung gegen andere Luftziele beitragen, nicht aber direkt zu Luftangriffen gegen Bodenziele. Die AWACS lotsen Flugzeuge durch den Luftraum, also auch Kampfflugzeuge in ihre EinsatzrÃ¤ume. Dort â€žÃ¼bernehmen&quot; dann die Forward Air ControllerJTAC am Boden.</p>
<p>Ob die NATO-AWACS auch Richtung PAK oder Iran eingesetzt werden kÃ¶nnten? Technisch ja. Nur wÃ¼rden sich die USA bei ihren Operationen z.B. nach PAK auf ihre eigenen Systeme stÃ¼tzen - und zu allerletzt auf BÃ¼ndnissysteme, wo Offiziere Ã¼ber die Einhaltung der Mandate wachen.</p>
<p>Offiziell heiÃŸt es bei ISAF, <span style="text-decoration: underline;">OEF + ISAF</span> seien zwei Seiten derselben Medaille, wÃ¼rden sich ergÃ¤nzen. OEF â€žnehme die IED-Netzwerker raus&quot;. Bei OEF, der geographisch unbegrenzten Operation, reiche ein allgemeiner Verdacht, ISAF brauche einen konkreten Tatverdacht.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die FÃ¼hrungsstruktur der US-StreitkrÃ¤fte</span> in AFG (zzt. 20.000 bei ISAF + 10.000 bei OEF) wird bis zum 10. Oktober grundlegend geÃ¤ndert. Dem Kommandeur ISAF General McKiernan werden als US-Kommandeur der US-StreitkrÃ¤fte in AFG die bisherigen OEF-Anteile Combined Security Transition Command AFG (CSTC-A fÃ¼r Ausbildung) und Combined Joint Special Operation Task Force AFG (CJSOTF-A) als nationale Truppen unterstellt. UnabhÃ¤ngig davon agiert weiter die US Task Force Counter Terrorism, von der ISAF und sogar auch die hiesigen Amerikaner nichts erfahren.</p>
<p>In den nÃ¤chsten zwei Jahren sollen weitere 20.000 US-Soldaten nach SÃ¼d-AFG kommen, die nicht zuletzt den Abzug der NiederlÃ¤nder und Kanadier kompensieren sollen. Das kann perspektivisch dazu fÃ¼hren, dass im SÃ¼den und Osten nur noch US(GB)-ISAF-OEF wÃ¤re, im Norden multinationale ISAF.</p>
<p><strong>3.2 Region North</strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die Quick Reaction Force</span> mit ihren 205 Soldaten fÃ¼hrte bisher Patrouillen im Rahmen von Standardoperationen, Absicherungsoperationen, AufklÃ¤rungsoperationen gegen Opposition Militant Forces (OMF) zusammen mit der ANA durch. Die anderen Teilaufgaben (Einsatz gegen gewaltbereite Menschenmengen, Evakuierungen, UnterstÃ¼tzung bei Zugriffen und Durchsuchungen, Entsatz eigener KrÃ¤fte) waren bisher nicht gefragt.</p>
<p>Alle drei ZÃ¼ge wurden bisher schon beschossen. Der MÃ¶rserzug wurde an einem Tag zweimal â€žangesprengt&quot;. PersonenschÃ¤den gab es nicht. Am letzten Samstag geriet eine Patrouille in einen Hinterhalt. Der infanteristische Beschuss wird dann unmittelbar beantwortet, um den Gegner niederzuhalten und sich von ihm zu lÃ¶sen. Ein solches â€žBegegnungsgefecht&quot; kann eine halbe Minute dauern. Abschreckend wirkte der Einsatz von MÃ¶rser-Leucht-munition, die einen Radius von 500 m taghell ausleuchtet. Sprengmunition wurde bisher nicht eingesetzt. Sie kann nur durch den Regionalkommandeur freigeben werden. â€žTaliban-Jagd&quot; sei nicht die Aufgabe der QRF.</p>
<p>Das Fazit des Kommandeurs: â€žAlle AuftrÃ¤ge wurden bisher erfÃ¼llt. Wir brauchen uns hinter den Norwegern nicht zu verstecken. Jeder Soldat muss kÃ¤mpfen kÃ¶nnen.&quot;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Region North:</span> Die SicherheitsvorfÃ¤lle in der Gesamtregion sind quantitativ unverÃ¤ndert, â€žqualitativ&quot; gesteigert. Vermehrt werden Zivilopfer in Kauf genommen. Es gibt vier â€žheiÃŸe&quot; Gebiete, eines davon der Raum um Kunduz. Die Infiltrationswege sind dieselben wie in den 90er Jahren: Im Nordwesten von Badghis aus und vom SÃ¼den Ã¼ber Kunduz. Die Infiltration beginnt mit GesprÃ¤chen, AnknÃ¼pfen an Unzufriedenheiten, Geschenken, Rekrutierung junger MÃ¤nner - Graswurzelarbeit. Die 18.-19.000 AFG und internationalen SicherheitskrÃ¤fte kÃ¶nnen flÃ¤chendeckend Sicherheit im Norden mit seinen ca. 15.000 Orten und eine FlÃ¤che der halben Bundesrepublik nicht gewÃ¤hrleisten. Das Land sauge Divisionen auf. Schwerpunktbildung ist da unumgÃ¤nglich.</p>
<p>Hier laufe ein â€žKleiner Krieg&quot; (Clausewitz). Agiere Bundeswehr/ISAF zu reaktiv, zu wenig aktiv? Bei Soldaten, die aus den EinsatzkrÃ¤ften kommen und fÃ¼r high intensity KampfeinsÃ¤tze ausgebildet sind, sei ein BedÃ¼rfnis zum ZurÃ¼ckschlagen verstÃ¤ndlich. Aber das sei hier eben nicht sinnvoll. Oder man mache es wie die US-KrÃ¤fte. Dann habe man schnell eine andere Lage. Hier stehe die BevÃ¶lkerung noch Ã¼berwiegend auf â€žunserer Seite&quot;.</p>
<p>Die Armut wÃ¤chst, die BevÃ¶lkerung wÃ¤chst. Mehr als 50% der BevÃ¶lkerung sind jÃ¼nger als 14 Jahre. Bestimmte Machthaber warten nur darauf, dass die Regierung versagt, um selbst an die Macht zu kommen. â€žWir haben nicht unbegrenzt Zeit. Die Zeit lÃ¤uft uns weg.&quot;</p>
<p>Umso wichtiger sei, nicht nur auf die trouble spots zu sehen, sondern LeuchttÃ¼rme zu fÃ¶rdern. In der Provinz Balkh sei am ehesten ein â€žtransfer of security&quot; mÃ¶glich.</p>
<p><strong>3.3 Kunduz</strong></p>
<p>Erstmalig ist in Kunduz ein Kommandeur im Einsatz vorzeitig abgelÃ¶st worden. Kurzfristig Ã¼bernommen hat die Aufgabe Oberst Rainer Buske, stv. Kommandeur der Panzerbrigade 21 aus Augustdorf, der schon Kommandeur des vorigen Kontingents in Kunduz gewesen war, sich gut vor Ort auskennt und eine offene Sprache spricht.</p>
<p>Zzt. umfasst das PRT gut 600 SoldatInnen, davon 200 Soldaten der Schutzkompanie und 120 Soldaten in drei FallschirmjÃ¤ger-ZÃ¼gen. Rausgegangen wird nur noch mit gepanzerten Fahrzeugen ab Wolf SSA aufwÃ¤rts.</p>
<p>Kunduz ist seit einem Jahr das bei weitem gefÃ¤hrdetste PRT im ganzen Norden. Die ZÃ¤sur war der Selbstmordanschlag vom 19. Mai 2008, dem drei Bundeswehrsoldaten auf dem Markt von Kunduz zum Opfer fielen. Bis dahin konnten sich FuÃŸpatrouillen relativ frei bewegen, GesprÃ¤che fÃ¼hren. Sie begegneten einer sehr positiven Erwartungshaltung.</p>
<p>Seit September 2007 gab es 80 RaketenabschÃ¼sse (BM-1, 8 km max. Reichweite, ungelenkt) im Nahbereich des PRT, davon 56 seit 1. Januar und 31 seit 1. Juli. 6 Raketen landeten auf dem PRT-GelÃ¤nde, ohne grÃ¶ÃŸeren Schaden anzurichten. Am Vorabend flogen die letzten beiden Raketen.</p>
<p>Die grÃ¶ÃŸte Gefahr geht von Sprengfallen und SelbstmordattentÃ¤tern zu FuÃŸ, auf MotorrÃ¤dern oder Autos aus. SprengstoffanschlÃ¤ge drohen vor allem tagsÃ¼ber, nachts sind Hinterhalte die Hauptbedrohung. Am 23.9. versuchte ein SelbstmordattentÃ¤ter mit seinem Toyota Corolla auf der HauptstraÃŸe nach Kunduz (â€žPluto&quot;) in einer Bundeswehrkolonne das schwÃ¤chste Fahrzeug zu treffen. Die Explosion bildete eine Feuerwand, die Ã¼ber SachschÃ¤den an den gepanzerten Fahrzeugen hinaus aber keine PersonenschÃ¤den verursachte. Wenige Minuten vorher hatte ein junger Mann per Handy die Vorbeifahrt des Konvois weitergemeldet.</p>
<p><em>(Am 24.9. tauchten auf <a href="http://www.blogfa.com/">www.blogfa.com</a> 4 Fotos von dem Anschlag - von einer Bundeswehrseite - zusammen mit 2 Fotos von der Demo â€žTruppen raus aus Afghanistan&quot; am 20.9. in Berlin auf. Hierzu schrieben  â€žHeimatliebende&quot;: â€žLetzter Selbstmordanschlag gegen Besatzungstruppen in Kunduz. Nachdem die groÃŸe Demonstration in Berlin forderte, dass die Bundeswehr zurÃ¼ck in die Heimat kommt, ist der letzte Selbstmordanschlag geschehen.&quot; Daneben ein Bild des alten Mujahedin-FÃ¼hrers Hekmatyar, dessen KÃ¤mpfern ein erheblicher Teil der TerroranschlÃ¤ge in AFG zugeschrieben wird.)</em></p>
<p>Insgesamt vier Insurgentengruppen sind in Distrikten um Kunduz lokalisiert. Sie verfolgen eine EinschÃ¼chterungsstrategie: mit â€žnightletters&quot; (Drohbriefe), demonstrativen bewaffneten Auftritten bei Tage, ErschieÃŸungen von bisher zwei Lehrern, zwei Polizisten und einem Landarbeiter. Weitere Gewaltakteure sind Drogen- und Waffenschmuggler, die sich in ihren GeschÃ¤ften gestÃ¶rt fÃ¼hlen, sowie ehemalige Mujahedin-Kommandeure, die enttÃ¤uscht sind und sich zunehmend radikalisieren. Mit der erheblichen Armut gebe es auch eine gewisse KÃ¤uflichkeit, AnschlÃ¤ge als Nebenerwerb sozusagen.</p>
<p>Mehr als 90% der BevÃ¶lkerung seien den Deutschen gegenÃ¼ber nicht feindlich gesonnen. Autonome Kleinstgruppierungen agieren nach der klassischen Guerillataktik. Es gibt keine klaren Strukturen, sondern stÃ¤ndig wechselnde Koalitionen + Konflikte.</p>
<p>Im Rahmen des neuen ANP-Stellenplans (Tashkiel) wurde das Polizeipersonal um 40% (!) reduziert. In manchen Distrikten gibt es nur 25 bis 60 - zudem kaum ausgebildete - Polizisten. Es deutet sich eine Landflucht an, wo Polizisten aus Angst nach Kunduz ziehen. Die Forderung des Polizeichefs nach 400 zusÃ¤tzlichen Polizisten wurde abgelehnt.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund musste der Gouverneur kÃ¼rzlich bei einem Sicherheitsmeeting mit allen relevanten MachttrÃ¤gern der Provinz, darunter auch Ex-Mujahedin-Kommandeure mit Kriegsverbrecher-Vergangenheit, zugestehen, dass er die Sicherheit auÃŸerhalb der Stadt nicht mehr gewÃ¤hrleisten kÃ¶nne. Es erging die Verpflichtung an alle, ihrerseits fÃ¼r Sicherheit in ihrem Gebiet zu sorgen.</p>
<p>Von April bis Juni hÃ¤tte ISAF in der Provinz Kunduz noch die Initiative gehabt. Die habe jetzt der Gegner, dem gegenÃ¼ber man nur reagieren kÃ¶nne. Mit dem jetzigen KrÃ¤fteansatz kÃ¶nne die Initiative nicht zurÃ¼ck gewonnen werden.</p>
<p>(Eindeutig scheint der Zusammenhang zu sein zwischen KrÃ¤fteumfang und AngriffshÃ¤ufigkeit. Als zusÃ¤tzlich in der ersten JahreshÃ¤lfte eine ganze FallschirmjÃ¤ger-Kompanie (ca. 200 Mann) vor Ort war, gingen die Attacken zurÃ¼ck. Sie nahmen zu, als nur noch zwei ZÃ¼ge vor Ort waren. Diese Reduzierung war nicht durch eine Entspannung vor Ort begrÃ¼ndet, sondern offenbar einzig + allein durch die Ministerentscheidung, ja nicht vor der Herbstentscheidung zu ISAF an der Obergrenze zu rÃ¼hren. Inzwischen ist ein zusÃ¤tzlicher FallschirmjÃ¤ger-Zug in Kunduz.)</p>
<p>Die Operationen des PRT sind darauf ausgerichtet, dass Vertrauen der BevÃ¶lkerung + Hilfsorganisationen zurÃ¼ckzugewinnen.</p>
<p>Bei der Patrouille in den offenen â€žMungos&quot; Ã¼ber die â€žPlatte&quot; Ã¶stlich und sÃ¼dlich des PRT ist die schnelle Totaleinstaubung eine neue Erfahrung. Als das FÃ¼hrungsjahrzeug nicht mehr die Auffahrt durch einen Hohlweg raus aus einem Wadi schafft, durchfahren wir ungeplant ein kleines Dorf. Vor den Lehmmauern sind die Dorfbewohner zusammengelaufen, sicher die HÃ¤lfte Kinder, viele freundliche Blicke, einiges Winken, fast â€žwie frÃ¼her&quot;.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Innere Lage</span>: Bei intensiven RundgesprÃ¤chen mit Offizieren verschiedener Dienstgrade, darunter Verantwortliche der Schutzkompanie und der FallschirmjÃ¤ger, wird eindringlich und einhellig nach besonderer Anerkennung ihres Einsatzes gefragt und die Sinnfrage gestellt.</p>
<p>Gesellschaftliche Anerkennung fÃ¼r den AFG-Einsatz sei nicht spÃ¼rbar. Nach RÃ¼ckkehr aus AFG habe sich niemand fÃ¼r seine AFG-Erfahrungen interessiert, so ein Offizier.</p>
<p>Warum gebe es angesichts der stÃ¤ndigen EinsÃ¤tze unter Gefahr fÃ¼r Leib und Leben keine Tapferkeitsauszeichnung fÃ¼r solche, die sich dabei besonders bewÃ¤hren, einen Kameraden retten? Warum werde bei Tod im Einsatz verharmlosend von â€žverunglÃ¼ckt&quot; etc. und nicht von â€žgefallen&quot; gesprochen?</p>
<p>Es fehle an Klarheit, â€žwarum wir hier sind. Unsere Auftraggeber mÃ¼ssen das plausibel machen.&quot; â€žWir nehmen nicht wahr, was wir schaffen. Wir sehen nicht, dass unsere EinsÃ¤tze nachhaltig sind.&quot; â€žWir haben ganz, ganz selten Erfolgserlebnisse.&quot; Einen Insurgenten habe man noch nie erwischt. Die Soldaten fÃ¼hlten sich von den Mandatsgebern allein gelassen. Niemand kÃ¶nne den Soldaten Ã¼berzeugend den Sinn des Einsatzes erklÃ¤ren. Gefragt wird auch nach einer Abzugsperspektive.</p>
<p>Als wir nach einigen Stunden auseinander gehen, hat es einiges an VerstÃ¤ndigung und KlÃ¤rung zwischen uns PolitikerInnen und den Soldaten gegeben. Es bleibt aber die alarmierende Erkenntnis, wie groÃŸ offenbar inzwischen die Kluft zwischen den Soldaten + Offizieren vor Ort und der politischen + militÃ¤rischen FÃ¼hrung ist. Diese scheint â€žGehorsam aus Einsicht&quot;, wie es die Innere FÃ¼hrung gebietet, ausgesprochen schwer zu machen. Man ist auf dem Weg, den Kampf um die KÃ¶pfe und Herzen in den eigenen Reihen zu verlieren.</p>
<p><em>(Anmerkung: Uns sitzen junge wache Offiziere und Feldwebel gegenÃ¼ber, die ausdrÃ¼cklich fÃ¼r â€žihre Jungs&quot; sprechen, die z.T. 80-100 Patrouillen hinter sich haben, dabei stÃ¤ndig von AnschlÃ¤gen + Angriffen bedroht sind und einen Kameraden verloren haben. Wer stÃ¤ndig solche Risiken auf sich nimmt, ist nicht mit der Benennung der sicherheitspolitischen Ziele des Einsatzes (Terrorismus-EindÃ¤mmung, Stabilisierung, internationale Mitverantwortung) zufrieden. Die sind so richtig wie abstrakt - und oft nur noch WorthÃ¼lsen. Der Sinn des Einsatzes muss auch konkret erfahrbar sein: In Erfolgen bei der EindÃ¤mmung der Gewalt, in Aufbaufortschritten vor Ort und der IntensitÃ¤t von Aufbauanstrengungen, in den Perspektiven und der Absehbarkeit des Einsatzes. Stattdessen kommt man an die GewalttÃ¤ter nicht ran. Und wenn mutmaÃŸliche AttentÃ¤ter oder Drahtzieher doch mal gefasst werden, sind Verurteilungen die Ausnahme und baldige Freilassungen die Regel - weil nachrichtendienstliche Erkenntnisse nicht gerichtsverwertbar sind, wegen Korruption + Vetternwirtschaft. Da kann sich dann ein Sisyphos-GefÃ¼hl breit machen. Hinzu kommt, dass es viel zu wenig zivil-militÃ¤rischen Austausch zu geben scheint. Was ich bei AFG-Reisen an hoffnungsvollen Projekten + MacherInnen erlebe - Umspannwerk, Trinkwassersystem, Lehrertrainingszentren, Gesundheitsstationen, Mikrokredite, lokales Peacebuilding etc. -, bekommen die aller meisten Soldaten nie zu sehen. ÃœberfÃ¤llig ist eine Perspektive von VerantwortungsÃ¼bergabe + Abzug mit realitÃ¤tstÃ¼chtigen wie ehrlichen Zielmarken vor allem im Sicherheitssektor. Da ist ein Blick zu den Kanadiern und NiederlÃ¤ndern hilfreich, die in 2011 bzw. 2010 ihre FÃ¼hrungsrollen in Kandahar bzw. Uruzgan abgegeben wollen, jetzt aber intensiv dafÃ¼r powern, dass sie das dann guten Gewissens tun kÃ¶nnen.)</em></p>
<p>Beim <span style="text-decoration: underline;">Provincial Advisory Team (PAT</span>) Taloqan ist die 2. Ausbaustufe blockiert, weil sie an die Besetzung der - seit 6 Monaten immer noch unbesetzten - BMZ-Stelle gebunden ist. Hier sei das Mindeste, das Junktim aufzuheben.</p>
<p><strong>3.4 Bundeswehr im Krieg? </strong></p>
<p>Die Soldaten vor Ort empfinden den Begriffsstreit in Deutschland als vÃ¶llig abgehoben.</p>
<p>Wo Patrouillensoldaten stÃ¤ndig mit Angriffen rechnen mÃ¼ssen, wo mir ein junger Oberfeldwebel berichtet, mit bisher drei SprengstoffanschlÃ¤gen genug davon zu haben, da fÃ¼hlt sich keiner mehr in einem Friedenseinsatz. Das sei Kampfeinsatz.</p>
<p>Im Raum Kunduz sei man inzwischen mit einer GuerillakriegfÃ¼hrung konfrontiert.</p>
<p>Die Vorstellung aber, ISAF fÃ¼hre hier Krieg, sei absurd, so ein Kommandeur. Das sei weder das Ziel (das bleibe weiterhin Absicherung des Aufbaus), noch habe man dafÃ¼r die Mittel mit ca. 600 Mann â€žbrutto&quot; in der Provinz Kunduz, die so groÃŸ sei wie Rheinland-Pfalz und Saarland zusammen. (vgl. meine Stellungnahme â€žKrieg in AFG - Bundeswehr im Krieg&quot;, <a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>)</p>
<p><strong>4. DrogenbekÃ¤mpfung</strong></p>
<p>Seit dem letzten Jahr nimmt die geteilte Entwicklung beim Mohnanbau deutlich zu: Konzentration in Konflikt- und Grenzprovinzen des SÃ¼dens (98% in 7 Provinzen, mehr als 50% allein in Helmand), RÃ¼ckgang in den stabileren Provinzen des Nordens und Zentrums. Die Zahl der mohnfreien Provinzen stieg von 6 in 2006 Ã¼ber 13 in 2007 auf 18 von 34 in 2008. Die Provinz Balkh (Mazar) ist im 2. Jahr mohnfrei. In Badakhshan mit seiner langen Opiumtradition, lange Zeit an 2. Stelle&lt; beim Mohnanbau, wurden zuletzt nur noch 200 ha angebaut. In Nangarhar (Ã¶stlich Kabul) ging die MohnanbauflÃ¤che von 19.000 ha auf null ha! In den 18 poppy-freien Provinzen gab es keine Erradication (Erntevernichtung). Eine erhebliche Rolle spielten gute Gouverneure. BegÃ¼nstigend wirkt die Preisentwicklung fÃ¼r Weizen und Safran (Herat)</p>
<p>Sehr beunruhigend sind die Perspektiven fÃ¼r das kommende Jahr. Wo wegen der DÃ¼rre 100% des Regenlandes ausfÃ¤llt und ein GroÃŸteil der bewÃ¤sserten FlÃ¤chen, da wird der Zwang zum Opiumanbau wieder zunehmen. Hinzu kommt der Vorteil des Opiums, das kreditfÃ¤hig ist und wo der Markt zum Bauern kommt - im Unterschied zu anderen Agrarprodukten, die nur schwer ihre MÃ¤rkte finden.</p>
<p>ISAF kÃ¶nnte eine aktivere Rolle bei der DrogenbekÃ¤mpfung spielen, - nicht bei der Erradication, aber bei der Interdiction (Transport + Verarbeitung).</p>
<p>Die Staatengemeinschaft sei sich einig hinsichtlich der verschiedenen Elemente der DrogenbekÃ¤mpfung - nur nicht hinsichtlich ihrer Gewichtung.</p>
<p>Von strategischer Bedeutung sei die regionale Zusammenarbeit, gerade auch mit dem Iran, Ã¼ber den das meiste Heroin geschmuggelt wird.</p>
<p>KÃ¶nnte der Aufkauf von Opium Sinn machen? Voraussetzung einer Aufkaufstrategie wÃ¤re Kontrolle. Ermutigt wÃ¼rde somit der Mohnanbau ausgerechnet in den mohnfreien Provinzen.</p>
<p>Schlussfolgerung: Das Fenster der Gelegenheit nutzen! Das geschehe noch viel zu wenig!</p>
<p>(Der aufschlussreiche Opium Survey AFG 2008 ist auf der UNODC-Homepage zu finden.)</p>
<p><strong>5. HumanitÃ¤re Lage + Aufbau</strong></p>
<p><strong>5.1</strong> Nach dem verheerenden Winter und der anhaltenden DÃ¼rre rÃ¼ckt die ErnÃ¤hrungskrise nÃ¤her. FÃ¼r die Nothilfe sind ausdrÃ¼cklich UNAMA und World Food Program zustÃ¤ndig, die eine ISAF-UnterstÃ¼tzung bei der Verteilung von HilfsgÃ¼tern nicht wÃ¼nschen. Ein Grundproblem ist, dass keiner den Ãœberblick Ã¼ber bedÃ¼rftige DÃ¶rfer habe. Bei ISAF betont man, nur auf Anforderung zu unterstÃ¼tzen. Nicht abgestimmte Hilfe kÃ¶nne mehr schaden als nutzen.</p>
<p><strong>5.2</strong> Angesichts der SchwÃ¤che der AFG Partner stehe man vor der Aufgabe, Fundament und Dach gleichzeitig errichten zu mÃ¼ssen.</p>
<p>Die letzten Monate haben auch im Raum Kunduz gezeigt, wie verwundbar der Aufbau ist. Bis vor zwei Jahren hatten zivile Helfer ein GefÃ¼hl von Unantastbarkeit. Nach der Ermordung von zwei Mitarbeitern der Dt. Welthungerhilfe in 2007 ging diese auf Distanz zum PRT in die Nachbarprovinz Takhar. Die Angriffe auf ein Fahrzeug der Polizei (Juli) und KfW (August) verunsicherte die EZ-Gemeinde sehr, auch wenn es keine PersonenschÃ¤den gab. Ãœberlegungen kamen auf, die Aufbauarbeiten auszusetzen. Die Anordnung einer zweiwÃ¶chigen Ausgangssperre aus Berlin war wohl eine Ãœberreaktion.</p>
<p>WÃ¼rde/mÃ¼sste der Aufbau eingestellt werden, wÃ¤re das  d i e  strategische Niederlage. Denn ohne Aufbau macht alles andere keinen Sinn.</p>
<p><em>(Von daher ist auch die Art und Weise, wie in Deutschland von der Lage in AFG gesprochen wird, von eminenter Bedeutung fÃ¼r die DurchhaltefÃ¤higkeit der Aufbauanstrengungen. Wo pauschal von â€žBundeswehr im Krieg&quot; geredet und jede Aufbauleistung ignoriert wird, ist Verunsicherung, Demotivierung und Abschreckung von zivilen - freiwilligen - Helfern und ihres sozialen Umfeldes die Folge.)</em></p>
<p><strong>5.3</strong> In den vier Schwerpunkten des BMZ sorgen die KfW vor allem fÃ¼r Infrastruktur, die GTZ fÃ¼r Beratung und der DED fÃ¼r Basisarbeit. Die Arbeit ist partnerorientiert und zielt auf Nachhaltigkeit. Das braucht Zeit. Dabei stehe man in einem SpannungsverhÃ¤ltnis zwischen den katastrophalen Ausgangsbedingungen einerseits und den kurzfristig hohen Erwartungen andererseits. Dabei wirken die schwachen KapazitÃ¤ten von Ministerien Ã¤uÃŸerst verlangsamend. So verfÃ¼ge das Energieministerium unter Ismail Khan Ã¼ber 2-3 richtige Fachleute - und dann nur noch Ã¼ber einige 100 Leute niedrigster Qualifikation.</p>
<p>Im Energiebereich wurde das Umspannwerk in Mazar (150 MW) fÃ¼r Strom aus Uzbekistan fertig gestellt. Es soll Anfang 2009 ans Netz gehen. Rehabilitiert werden mehrere Wasserkraftwerke in der NÃ¤he Kabuls. Sie sollen in 2009 bis zu ein Drittel des Kabuler Strombedarfs decken. In Planung sind vier kleine Wasserkraftwerke z.B. in Wardak, bei Kunduz. Hierbei gibt es immer wieder VerzÃ¶gerungen durch unklare EigentumsverhÃ¤ltnisse und Uneinigkeiten auf AFG Seite.</p>
<p>Highlights sind die Trinkwasserprojekte in Herat - von Minister Steinmeier Ã¼bergeben - und Kunduz. In Kabul mit seinen Ã¼ber 3 Mio. Einwohnern ist man noch nicht so weit.</p>
<p>Das Krankenhaus in Mazar sei von groÃŸer Bedeutung fÃ¼r den ganzen Norden. Ein solches Krankenhaus gebe es in Pakistan nicht!</p>
<p>AusbildungsstÃ¤tten fÃ¼r Grundschullehrer existierten vor drei Jahren nirgendwo, jetzt gibt es in jeder Nord-Provinz mindestens eine. Das sei aber immer noch viel zu wenig. Weiterer Schwerpunkt ist die Berufsausbildung (Kfz-Mechaniker, Bauarbeiter, Technikum in Kabul fÃ¼r rd. 1000 SchÃ¼lerInnen, Technikum in Khowst und Kandahar).</p>
<p>WirtschaftsfÃ¶rderung betreibe man vor allem auf der Makroebene in Kabul: StÃ¤rkung von Handelskammern, GrÃ¼ndung einer Investmentagentur (fast 3.000 registrierte Investitionen mit einem Gesamtvolumen von 500 Mio. US-$) und einer ExportfÃ¶rderagentur. WiedererÃ¶ffnet wurde in Kabul der Frauen vorbehaltene Frauenmarkt.</p>
<p>Die auch mit BMZ-Mitteln aufgebaute â€žFirst Micro Finance Bank&quot; (FMFB) zahlte seit September 2007 an ihren 13 Standorten 43.000 Mikrokredite.</p>
<p>In Kunduz wurde eine Tomaten- und Reisverarbeitungsfabrik gegrÃ¼ndet.</p>
<p>Das Rule of Law Projekt der GTZ sei das erfolgreichste in AFG. (vgl. das Handbuch)</p>
<p>(China will in das â€žkleinste&quot; Kupfervorkommen AFG`s 3 Mrd. $ investieren. Angesichts der enormen chinesischen Investitionen in PAK mÃ¼sse China eigentlich ein enormes Interesse an einer Stabilisierung der Region und der EindÃ¤mmung von Terrorismus haben. Bisher halte sich China aber noch sehr zurÃ¼ck.)</p>
<p><strong>5.4 Polizeiaufbau</strong>: Bei EUPOL sind 180 von 230 Stellen besetzt. Erhebliche Probleme macht die qualifizierte Personalrekrutierung. Auf die 3. Ausschreibung fÃ¼r 40 verschiedene Positionen kamen fÃ¼r 10 Positionen keine Bewerbungen, fÃ¼r 10 weitere ein bis zwei, fÃ¼r 20 Positionen jeweils mehrere BewerberInnen. Einen Mehrbedarf gebe es im Senior Management. Die USA haben allein in den Ministerien mehr als 50 Berater im Rang eines Oberst.</p>
<p>Die USA entsenden keine aktiven Polizisten. PensionÃ¤re oder Beurlaubte, die nach RÃ¼ckkehr wieder als Police Officer anfangen mÃ¼ssen, kommen Ã¼ber die privaten Sicherheitsfirmen MIT und Dyncorps ins Land.</p>
<p>Insgesamt gebe es eine gewisse AnnÃ¤herung zwischen europÃ¤ischen und amerikanischen Polizeivorstellungen. Die EuropÃ¤er hÃ¤tten realisiert, dass die Polizei, die tÃ¤glich 3-4 Mann verliert, ÃœberlebensfÃ¤higkeit brauche. Die USA, die auf den Osten und SÃ¼den fokussiert sind, seien offen fÃ¼r zivilpolizeiliche Elemente in anderem Umfeld.</p>
<p><strong>5.5. â€žAufbau gescheitert&quot;?</strong> Das behaupteten die Aufrufe zur Demo â€žDem Frieden eine Chance - Truppen raus aus Afghanistan&quot; am 20. September in Berlin + Stuttgart und der UnterstÃ¼tzungsaufruf der â€žGrÃ¼nen Friedensinitiative&quot;. Die dafÃ¼r genannten â€žBelege&quot; verzerren die Wirklichkeit:  â€žAlphabetisierungsrate seit dem Einmarsch gesunken&quot;? Fakt ist, dass mehr als 6 Mio. Kinder (50% der schulpflichtigen) zur Schule gehen, davon ein Drittel MÃ¤dchen. Das ist eine mehr als VerfÃ¼nffachung ggb. 2001. Der tatsÃ¤chliche RÃ¼ckgang der Adult literacy von 28,7% in 2003 auf 23,5% in 2005 hat auch mit dem erheblichen RÃ¼ckstrom an FlÃ¼chtlingen zu tun. &quot;TÃ¤glich sterben in AFG 600 Kinder unter 5 Jahren&quot;? Die absolute Zahl ist schlimm, sagt aber nichts Ã¼ber Fort- oder RÃ¼ckschritt. Fakt ist, dass inzwischen 85% der BevÃ¶lkerung Zugang zu Basisgesundheitsdiensten haben, dass von 2003 bis 2005 die Zahl der Babies auf 1.000 Lebendgeburten, die in ihrem ersten Lebensjahr starben, von 165 auf 135 zurÃ¼ckging. Insgesamt ging die Kindersterblichkeit lt. UNAMA um 25% zurÃ¼ck  â€žDurchschnittliche Lebenserwartung ging zurÃ¼ck&quot;? Von 2003 bis 2005 ging tatsÃ¤chlich die Lebenserwartung von 44,5 auf 43,1 Jahre zurÃ¼ck. Der darauf angesprochene UNAMA Chef Eide bekrÃ¤ftigte aber den Anstieg der Lebenserwartung von 2001 bis heute insgesamt.</p>
<p>Das Fernurteil â€žAufbau gescheitert&quot; missachtet die Aufbauleistung vieler tausend Einheimischer + internationaler HelferInnen.</p>
<p>Zugleich ist offenkundig, dass Aufbau + Entwicklung angesichts der katastrophalen Ausgangsbedingungen zu langsam und zuwenig in der FlÃ¤che stattfinden und dass sie durch die verschlechterte Sicherheitslage (Zunahme der No-Go-Areas, Angriffe auf Hilfsorganisationen) gefÃ¤hrdet und zurÃ¼ckgeworfen werden.</p>
<p><strong>6. Zeitbedarf und Zeitdruck</strong></p>
<p>Diplomaten + Entwicklungsexperten betonen angesichts der Ausgangslage des Landes, der schwachen KapazitÃ¤ten und der Nachhaltigkeitsforderung den langfristigen Charakter des internationalen Engagements und die Notwendigkeit von Geduld und langem Atem</p>
<p>Die MilitÃ¤rs wie die UN-Vertreter betonen den Zeitdruck angesichts des Fensters der Gelegenheit beim RÃ¼ckgang der MohnanbauflÃ¤che, angesichts der sich verschlimmernden Sicherheits- und Stimmungslage und der PrÃ¤sidentschaftswahlen im nÃ¤chsten Jahr.</p>
<p>Beides stimmt: Langer Atem ist notwendig im Hinblick auf die AFG-Seite, ihre Akteure und ihren Wandel. Beschleunigung ist notwendig auf Seiten der Staatengemeinschaft - bei der strategischen Konsensfindung, bei der UnterstÃ¼tzung regionaler Sicherheitskooperation und KonfliktlÃ¶sung zusammen mit PAK, Iran u.a., bei der besseren Koordinierung und Intensivierung der Aufbauanstrengungen.</p>
<p>SchlieÃŸlich ist auch der Zeitbedarf in den verschiedenen SchlÃ¼sselbereichen unterschiedlich:</p>
<p>Weil ein internationales militÃ¤risches Engagement der jetzigen IntensitÃ¤t weder von den Afghanen, noch von den Entsendegesellschaften 10 und mehr Jahre durchgehalten werden kann, ist der Zeitdruck im Sicherheitssektor besonders hoch. DemgegenÃ¼ber braucht z.B. der Aufbau einer funktionierenden Verwaltung lÃ¤nger.</p>
<p>An den unterschiedlichen Zeitbedarfen haben sich auch die Eckpunkte und Zieldaten einer Abzugsperspektive zu orientieren.</p>
<p><strong>Nachbemerkungen:</strong></p>
<p>In Mazar Ã¼berreicht mir der Regionalkommandeur ISAF Nord eine von ihm unterzeichnete Erinnerungsurkunde. Vor dem Hintergrund einer Hindukusch-Steilwand steht geschrieben: â€žMember of DEU Parliament Winfried Nachtwei served 12 Missions since 2002 - 2008 in Afghanistan. Well done! Mission accomplished. Mazar-e Sharif 1.10.2008&quot;</p>
<p>Mein Reisebericht â€žViele Lichtblicke bei wachsender DÃ¼sternis&quot; (<a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>) ist bei den meisten GesprÃ¤chspartnern bekannt und hat ein sehr zustimmendes  Echo gefunden.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Andere empfehlenswerte Reiseberichte von FraktionskollegInnen: </span></p>
<p>Omid Nouripour Ã¼ber seine Reise nach AFG vom 2.-5.9.2008 (<a href="http://www.nouripour.de/">www.nouripour.de</a>)</p>
<p>Kerstin MÃ¼ller/Winni Nachtwei Ã¼ber ihre AFG-Reise 10.-16.8.2008</p>
<p>AuÃŸerdem meine jÃ¼ngsten Stellungnahmen unter <a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>:</p>
<p>-       Krieg in Afghanistan - Bundeswehr im Krieg?</p>
<p>-       Kurswechsel statt Sofortabzug</p>
<p>-       Better News stat Bad News aus Afghanistan, I + II</p></div>


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