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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Massakerangriff auf afghanische Soldaten in Mazar-e Sharif beim Freitagsgebet: Hierzulande keine Anteilnahme, kein Interesse mehr?</title>
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    <span class="xar-mod-title">Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Massakerangriff auf afghanische Soldaten in Mazar-e Sharif beim Freitagsgebet: Hierzulande keine Anteilnahme, kein Interesse mehr?         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 1. Mai 2017 20:57:24 +02:00 (86531 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Mazar-e Sharif ist die zentrale Provinzhauptstadt im afghanischen Norden, der so gro&szlig; ist wie die halbe Bundesrepublik und wo die Provinz Balkh zu den vergleichsweise weniger kriegsgeplagten Provinzen geh&ouml;rt. Im November 2016 wurde das Deutsche Generalkonsulat in Mazar von den Taliban angriffen und unbrauchbar gemacht. Am 21. April ver&uuml;bten Taliban in Camp Shaheen, dem gr&ouml;&szlig;ten afg. Armeest&uuml;tzpunkt des Nordens, ein Massaker an &uuml;berwiegend unbewaffneten Soldaten. Obwohl Deutschland jahrelang in der Region F&uuml;hrungsverantwortung bei der &quot;Sicherheitsunterst&uuml;tzung&quot; trug, scheint der Schock von Mazar hierzulande kaum zu interessieren. Die &uuml;bliche mediale Blitzaufmerksamkeit - das war`s. &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Massakerangriff auf afghanische Soldaten in Mazar-e Sharif </strong></p>
<p align="center"><strong>beim Freitagsgebet: hierzulande keine Anteilnahme, kein Interesse mehr?</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (01.05.2017)</p>
<p>Am Freitag, 21. April, griffen zehn Taliban-K&auml;mpfer in Armeeuniform Soldaten der afghanischen Armee (ANA) zur Gebets- und Essenszeit im Camp Shaheen, dem Hauptquartier des 209. ANA-Corps, bei Mazar-e Sharif in Nordafghanistan an. Die Regierung meldete erst acht, dann elf Tote, am Samstag sprach sie von mehr als 100 Toten und Verwundeten. Mitglieder des Provinzrates der Provinz Balkh sprachen von mindestens 140 Toten und noch mehr Verwundeten. TOLOnews berichtete am 25.04., nach glaubw&uuml;rdigen Quellen in Kabul und anderen Provinzen seien mindestens 256 Soldaten get&ouml;tet worden.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> Das BMVg berichtete in seiner &bdquo;<em>Aktuellen Lage in den Einsatzgebieten</em>&ldquo; 17/2017 (Redaktionsschluss 26.04.) von 16 Angreifern, 144 Gefallenen der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte und 65 Verwundeten.</p>
<p>Auf jeden Fall handelt es sich um den opferreichsten Angriff der Taliban auf einen milit&auml;rischen St&uuml;tzpunkt in Afghanistan seit 2002 &ndash; und das in der als vergleichsweise ruhiger geltenden Provinz Balkh.</p>
<p>Deutschland war Lead-Nation von ISAF in der Nordregion und ist es weiter bei der Beratungsmission Resolute Support (TAAC-N). Die Bundeswehrkontingente unterst&uuml;tzen das 209. ANA-Corps (ca. 30.000 Soldaten) seit rund zehn Jahren, zzt. mit bis zu 80 Beratern (120 Internationale insgesamt) beim Corps-Stab, dem Regional Military Training Centre in Camp Shaheen und dem HQ der 707. Polizeizone in Mazar. Am Freitag waren keine ausl&auml;ndischen Berater vor Ort.</p>
<p><strong>Verlauf:</strong> Die vermeintlichen ANA-Soldaten passierten in zwei Milit&auml;rfahrzeugen mit einem geschminkten Verwundeten und einer &bdquo;Gefechtslegende&ldquo; unkontrolliert das erste Eingangstor von Camp Shaheen. Einen zweiten Kontrollposten durchstie&szlig;en sie mit Waffengewalt und st&uuml;rmten Richtung Moschee und Kantine. Sie &uuml;berraschten die Soldaten am Ende des Freitagsgebets, die meisten unbewaffnet, darunter viele Rekruten. Laut FAZ (24.04.17) sollen sich mindestens zwei der Taliban unter den fliehenden Soldaten in die Luft gesprengt haben. Spezialkr&auml;fte des ANA Special Operations Command (ANASOC) konnten den letzten der Attent&auml;ter nach fast f&uuml;nf Stunden &uuml;berw&auml;ltigen. Der Verdacht besteht, dass einige der Angreifer Insider waren. <a href="http://www.tolonews.com/afghanistan/least-80-dead-army-base-attack">http://www.tolonews.com/afghanistan/least-80-dead-army-base-attack</a> , <a href="http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-mindestens-140-tote-soldaten-bei-taliban-angriff-a-1144367.html">http://www.spiegel.de/politik/ausland/afghanistan-mindestens-140-tote-soldaten-bei-taliban-angriff-a-1144367.html</a> ,</p>
<p>Auf der Talibanseite &bdquo;<em>Voice of Jihad &ndash; Islamic Emirate of AFGHANISTAN</em>&ldquo; hie&szlig; es am 22.04., zehn namentlich genannte Mujahideen, von denen vier hier &uuml;ber l&auml;ngere Zeit Soldaten im Camp gewesen seien, h&auml;tten das Hauptquartier attackiert, mehr als 500 Soldaten, Offiziere und Kommandeure seien get&ouml;tet und verwundet worden. Vorher sei in einem gro&szlig;en Speisesaal eine gro&szlig;e Menge Sprengstoff deponiert worden. Begr&uuml;ndet wurde der Angriff mit der vorherigen T&ouml;tung der Taliban-(Schatten-)Gouverneure von Kunduz und Baghlan durch gegnerische Kr&auml;fte.</p>
<p><strong>Kontext</strong>: Das Sardar Daud Milit&auml;rhospital nahe der US-Botschaft in Kabul ist mit 400 Betten das gr&ouml;&szlig;te und bestausgestattete afghanische Krankenhaus. Am 8. M&auml;rz 2017 explodierte ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug am Haupttor. F&uuml;nf als &Auml;rzte verkleidete Bewaffnete st&uuml;rmten das zweite und dritte Stockwerk und schossen auf Patienten, &Auml;rzte und Krankenhauspersonal. Mindestens 50 Menschen wurden get&ouml;tet (38 ANDSF-Angeh&ouml;rige und 12 Zivilisten), &uuml;ber 90 verwundet (davon 61 ANDS-Angeh&ouml;rige). Es dauerte sechs Stunden, bis Sicherheitskr&auml;fte wieder die Kontrolle &uuml;ber das Krankenhaus zur&uuml;ckgewonnen hatten. Daesh/IS &uuml;bernahm die Verantwortung f&uuml;r das Blutbad. Der Tatverlauf legt nahe, dass es Insiderunterst&uuml;tzung gab.</p>
<p>Javid Ahmad kommt in seiner Anfang April 2017 erschienen Analyse zu &bdquo;Insider-Attacken&ldquo; in Afghanistan zu der Feststellung, dass Insider-Attacken ab 2011 zur bevorzugten Kriegstaktik der Taliban wurden. Von 2007 bis Ende 2016 gab es insgesamt 271 Green-on-Green-Attacken (ANDSF-Uniformierte gegen ANDSF-Angeh&ouml;rige) mit 557 Toten und 255 Verwundeten, mit einer sprunghaften Zunahme in 2015 (69 Angriffe mit 175 Toten) und 2016 (56 Angriffe mit 151 Toten). Neben ihrer &bdquo;kinetischen&ldquo; Wirkung haben Insider-Attacken vor allem eine enorme psychische, Vertrauen und Zusammenhalt zersetzende Wirkung. (</p>
<p><a href="https://mwi.usma.edu/wp-content/uploads/2017/04/Dress-Like-Allies-Kill-Like-Enemies.pdf">https://mwi.usma.edu/wp-content/uploads/2017/04/Dress-Like-Allies-Kill-Like-Enemies.pdf</a> )</p>
<p><strong>Reaktionen</strong>: Am 24. April traten der afghanische Verteidigungsminister und der Stabschef der ANA von ihren &Auml;mtern zur&uuml;ck. Der Kommandeur des 209. Corps wurde ausgewechselt. &bdquo;<em>Das Vertrauen der Bev&ouml;lkerung in die Regierung und die Streitkr&auml;fte ist ersch&uuml;ttert. Wie solle die Armee das Land sch&uuml;tzen, wenn sie nicht einmal sich selbst sch&uuml;tzen k&ouml;nne, fragten viele B&uuml;rger, aber auch Parlamentarier in Interviews mit lokalen Medien. Selbst viele Soldaten wurden mit &Auml;u&szlig;erungen zitiert, die tiefes Misstrauen gegen&uuml;ber ihren Vorgesetzten ausdr&uuml;ckten</em>.&ldquo; (FAZ 24.04.2017) Das Kalk&uuml;l der Taliban sei aufgegangen.</p>
<p><strong>Pers&ouml;nlich</strong>: Camp Shaheen ist mir nicht fremd. Erstmalig traf ich dort deutsche Mentoren und ANA-Angeh&ouml;rige 2008, zuletzt 2012.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Der Hubschrauberflug zwischen Camp Marmal und Camp Shaheen dauert nur wenige Minuten.</p>
<p>Am 23. April wandte ich mich per E-Mail an den deutschen Kommandeur von Resolute Support in der Nordregion und dr&uuml;ckte ihm stellvertretend f&uuml;r die ANA-Verb&uuml;ndeten und die RS-Soldaten mein Mitgef&uuml;hl und meine Trauer aus. Den Beratern w&uuml;nschte ich alle Kraft, die ANA-Angeh&ouml;rigen in dieser schockierenden Situation bestm&ouml;glich unterst&uuml;tzen zu k&ouml;nnen. Ich erlaubte mir die Anmerkung, dass der Gro&szlig;anschlag f&uuml;r deutsche (und internationale) Politik und &Ouml;ffentlichkeit eine wiederholte Mahnung sei, &bdquo;<em>die Realit&auml;ten in Afghanistan &ndash; die bedrohlichen Entwicklungen, aber auch vorhandene Hoffnungsinseln &ndash; wieder ernster zu nehmen, nicht zu verdr&auml;ngen (oder das nur den entsandten Frauen und M&auml;nnern zu &uuml;berlassen). Dass Deutschland und andere Verb&uuml;ndete in Afghanistan so dicht an Fluchtursachen und ihrer Bek&auml;mpfung sind wie bei kaum einem anderen Land, ist hierzulande viel zu wenig bewusst</em>.&ldquo;</p>
<p>Gegen&uuml;ber der milit&auml;rischen F&uuml;hrung der Bundeswehr regte ich schriftlich an, in Berlin f&uuml;r die gefallenen afghanischen Verb&uuml;ndeten eine Trauerfeier durchzuf&uuml;hren. Vom Auftrag und der Einsatzpraxis her ist die Bundeswehr mit der ANA so lange und eng verbunden wie mit kaum einer anderen Nicht-NATO-Armee. Andere Verantwortungstr&auml;ger informierte ich &uuml;ber die Anregung. Einzig der Wehrbeauftragte reagierte bisher (positiv) darauf.</p>
<p><strong>&bdquo;Verl&auml;ssliche Partnerschaft&ldquo;, &bdquo;Entschlossene Unterst&uuml;tzung&ldquo; (Resolute Support), &bdquo;Afghanistan nicht im Stich lassen&ldquo;</strong> (so immer wieder im Bundestag)?</p>
<p>Tausende Frauen und M&auml;nner stehen und arbeiten in diesem Sinne hierzulande und in Afghanistan, in staatlichem Auftrag und NGO-Auftrag. Afghanistan ist weiterhin das Schwerpunktland deutscher Entwicklungszusammenarbeit (mit auch heute noch erfolgreichen Projekten, unter erschwerten Bedingungen), mit der gr&ouml;&szlig;ten deutschen Polizeiaufbauhilfe und dem zweitgr&ouml;&szlig;ten Bundeswehreinsatz, mit privaten Hilfsprojekten.</p>
<p>&bdquo;<em>Verl&auml;ssliche Partnerschaft&ldquo;, &bdquo;Entschlossene Unterst&uuml;tzung&ldquo;, &bdquo;Afghanistan nicht im Stich lassen</em>&ldquo; &ndash; f&uuml;r breite Teile der Politik und &Ouml;ffentlichkeit scheint das kein Thema mehr zu sein.</p>
<p>Umso wichtiger wird die</p>
<p><strong>31. Villigster Afghanistan-Tagung</strong> am 24.-26. November 2017 in der Evangelischen Akademie Villigst/Ruhr.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> 65 Gefallene aus Badakhshan, 50 aus Nangarhar, 40 aus Baghlan, 33 aus Takhar, 24 aus Uruzgan, 18 aus Helmand, 13 aus Kunduz, f&uuml;nf aus Samangan, drei aus Kabul, zwei aus Parwan; <a href="http://www.tolonews.com/afghanistan/govt-%E2%80%98covering-%E2%80%99-actual-death-toll-army-base-attack">http://www.tolonews.com/afghanistan/govt-%E2%80%98covering-%E2%80%99-actual-death-toll-army-base-attack</a>&nbsp;&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Reisebericht &bdquo;R&uuml;ckzug aus der Verantwortung?&ldquo; 5/2012,&nbsp; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1183</a></p>
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