Bei Jugendlichen, die in den Ferien was Besonderes leisten: Workcamp in Riga und Sommerakademie in Salem

Von: Nachtwei amDi, 07 August 2012 23:59:20 +02:00

Mit Jugendlichen in RigaBei Dreharbeiten in Riga für die Dokumentation "Verschollen in Riga" interviewte ich mehrere Jugendliche eines Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Im Salem International College am Bodensee referierte ich bei der 7. Sommerakademie "Talent im Land - Stipendien für begabte Zuwanderer". Hier der Bericht von hoffnungsvollen Begegnungen.



Bei Jugendlichen, die in den Ferien was Besonderes leisten: Workcamp in Riga und Sommerakademie in Salem

In der lettischen Hauptstadt Riga traf ich auf deutsche und lettische Jugendliche, die dort in einem 14-tägigen Workcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge/Landes-verband Bremen Gräber von Naziopfern und Soldaten pflegten. Der Bremer Landesverband führt in Lettland Workcamps seit inzwischen 20 Jahren durch. Dass die Bundeswehr dies durch Stellung von Bus und Fahrer sowie Sonderurlaub für einen Teamer unterstützt, ist anerkennenswert. (www.volksbund.de/bremen/bremen-jugendarbeit.html )

Anlass meines inzwischen ca. 15. Rigabesuches seit 1989 waren die Dreharbeiten für die Dokumentation „Verschollen in Riga - Die Deportationen ins ´Reichsjudenghetto`", Buch und Regie Jürgen Hobrecht, Produktion Polis Film. Unterstützt wird das Projekt u.a. von etlichen Städten des Deutschen Riga-Komitees, dem Volksbund und insbesondere dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe. 1991 hatte ich Jürgen bei einem ersten Dokumentarfilm über die Deportation der westfälischen Juden nach Riga unterstützt. Damals begleiteten wir Frau O. und Herrn A., die 1941 von Osnabrück aus nach Riga verschleppt worden waren und nach 50 Jahren erstmalig an die düsteren Orte ihrer Jugend zurückkehrten - zum Beispiel die damalige Bielefelder Straße zwischen Leipziger und Kölner Straße.

Mit dem einheimischen Kameramann Sascha und dem Tonmann Artur, zwei sehr professionellen, einsatzfreudigen und fröhlichen jungen Männern, begleiteten wir nun zwanzig Jugendliche zu den verschiedenen Orten des Naziterrors in Riga: Rangierbahnhof Skirotava, ehemaliges Ghetto, Gedenkstätten Rumbula und Salaspils. Im Wald von Bikernieki erinnern 55 Massengräber und eine eindringliche, vom Volksbund 2001 errichtete Gedenkstätte an die weit über 30.000 hier ermordeten Menschen, darunter Tausende aus Deutschland. Hier interviewte ich acht der Jugendlichen, die sehr offen, lebhaft und überzeugend über ihre Beweggründe und Eindrücke sprachen. Ausführliche Interviews führte der Filmautor auch mit Dr. Alexander Bergmann, 87 Jahre, langjähriger Vorsitzender des Vereins der ehemaligen jüdischen Ghetto- und KZ-Häftlinge Lettlands, und Margers Vestermanis, 87 Jahre, Begründer und langjähriger Direktor des Museums „Juden in Lettland", zu dessen frühen Unterstützern ich gehöre. (www.jewishmuseum.lv) Hier begegnete ich auch Mitchell Lieber aus Chicago, der vor mehr als zehn Jahren die Seite www.rumbula.org aufgebaut hat und nun an dem Filmprojekt „Rumbula`s Echo" über die Ermordung der Rigaer Juden arbeitet. (www.rumbulasecho.org )

Im Salem International College in Überlingen/Bodensee war ich direkt anschließend Referent bei der 7. Sommerakademie „Talent im Land Baden-Württemberg und Bayern"/Schülerstipendien für begabte Zuwanderer. Die über 80 Jugendlichen aus über 20 Ländern beschäftigen sich mit „Gerechtigkeit - Alles was Recht ist? Auftrag, Anspruch, Wirklichkeit" aus den Perspektiven der Wirtschaft, Politik, Medien, Jura, Medizin, Umwelttechnologien. Die Stipendiaten werden von erfahrenen Dozenten auf dem Niveau der ersten Universitätssemester angeleitet. In „meiner" Projektgruppe „Politik" befassten sich Jugendliche aus Afghanistan, Irak, Iran, Israel, Kroatien, Kasachstan, Russland, Sri Lanka und Türkei mit der internationalen Schutzverantwortung (R2P), den konkreten Fällen Libyen und Syrien, mit Interventionen und Krisenbewältigung sowie dem Atomwaffensperrvertrag und Iran. Moderiert von Julika Bake und Dr. Andreas Bock von der Uni Augsburg (Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung) erlebte ich hier ein buntes, diskussionsfreudiges und hoch intelligentes Völkergemisch mit bestem Deutsch, viel Initiative, Kreativität und vor allem Lachen. Träger des Stipendienprogramms sind die Robert Bosch Stiftung, die Baden-Württemberg-Stiftung, die Stiftung Bildungspakt Bayern und das Bayerische Kultusministerium. In den beiden Ländern werden jeweils über 150 Stipendiaten gefördert. www.bosch-stiftung.de/talentimland