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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: PersÃ¶nliche Aufzeichnungen aus den ersten Kriegswochen - RÃ¼ckblende V Kosovokrieg vor 20 Jahren, April 1999: Aus richtigen GrÃ¼nden das Falsche getan?  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Afrika + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            PersÃ¶nliche Aufzeichnungen aus den ersten Kriegswochen - RÃ¼ckblende V Kosovokrieg vor 20 Jahren, April 1999: Aus richtigen GrÃ¼nden das Falsche getan?           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 7. April 2019 17:15:55 +01:00 (46482 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die Verhandlungen waren gescheitert, ab 24. M&auml;rz Luftangriffe der NATO gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Vorher interessierten die Gewaltexzesse und Vertreibungen im Kosovo hierzulande wenig, jetzt flammte Antikriegsprotest auf, gegen die junge rot-gr&uuml;ne Bundesregierung und vor allem bei den Gr&uuml;nen. Ich mittendrin. Hier Aufzeichnungen aus Bundestag, Fraktion und Basisveranstaltungen. Mit dem Bruch vom 1. Mai.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>R&uuml;ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (V)</strong></p>
<p align="center"><strong>Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus den ersten Kriegswochen </strong>(April/Mai 1999)<strong>. &bdquo;Aus richtigen Gr&uuml;nden das Falsche getan?&ldquo; Der Bruch vom 1. Mai</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB 1994-2009 (05.04.2019)</p>
<p><em>(<strong>Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus Kosovo-Konflikt/-Krieg/-Einsatz</strong>: Einordnende Anmerkungen dazu am Schluss von R&uuml;ckblende V.</em></p>
<p><em>R&uuml;ckblende I:Mai bis 16. Okt. 1998, Bundestagsbeschluss zu &ldquo;Luftoperationen&rdquo;, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553</em></a></p>
<p><em>R&uuml;ckblende III Nov. 1998 bis Feb. 1999, Als noch Hoffnung auf eine friedliche L&ouml;sung bestand, &rdquo;Rambouillet-Truppe&rdquo;, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579</em></a></p>
<p><em>R&uuml;ckblende IV Die drei Wochen vor Kriegsbeginn,Stellungnahme zu den NATO-Luftangriffen vom 26. M&auml;rz 1999</em><em>, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1581"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1581</em></a></p>
<p><em>R&uuml;ckblende II: Bericht vom ersten Kosovo-/KFOR-Besuch Okt. 1999, &Uuml;bergabe Camp Prizren Okt. 2018, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551</em></a></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus Fraktion und Bundestag April 1999 (Kladde IX)</span></strong></p>
<p><em>(Am 27.03. fliegen meine Frau und ich in unseren Neujahr wegen des Todes meiner Mutter verschobenen Urlaub nach La Gomera. Nach zehn Tagen m&uuml;ssen wir vorzeitig zur&uuml;ck. </em></p>
<p><em>Zum Verlauf und Scheitern von Rambouillet vgl. G. Hoffmann, <strong>Wie Deutschland in den Krieg geriet</strong>, ZEIT 12.05.1999, </em><a href="https://www.zeit.de/1999/20/199920.krieg_.xml/komplettansicht"><em>https://www.zeit.de/1999/20/199920.krieg_.xml/komplettansicht</em></a><em> )</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">08.04. a.o. Sitzung des Fraktions-AK IV zu KOS</span></em><em>: <span style="text-decoration: underline;">Unterrichtung durch AA-Staatssekret&auml;r Wolfgang Isch</span>inger</em></p>
<p>Zzt. wieder dramatische Fl&uuml;chtlingssituation im Kosovo selbst, 250.000 intern Vertriebene, katastrophale Bedingungen, keine Nahrungsmittel, keine &auml;rztliche Versorgung, keine Aussicht auf Hilfe. In Albanien 200.000 Fl&uuml;chtlinge, davon &uuml;ber 100.000 in der NO-Region. Mazedonien: Massives politisches Problem wegen der demografischen Balance. 130.000 Fl&uuml;chtlinge. Die Versorgungslage in N-Mazedonien sei nicht mehr so dramatisch wie vor einigen Tagen. NATO/Bw h&auml;tten sich ganz darauf eingestellt. Bei den deutschen Botschaften in Skopje und Tirana bestehe ein Koordinierungsb&uuml;ros f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe.</p>
<p>Die Fl&uuml;chtlingszahlern seien alles Sch&auml;tzungen. Lt. UNHCR rund 400.000 ins Ausland vertrieben; insgesamt 700.000 auf der Flucht, ein Drittel der Bev&ouml;lkerung.</p>
<p>Au&szlig;enminister-Rat der EU: vor allem zur Koordinierung der Fl&uuml;chtlingsbetreuung; Arbeit an einem Konzept f&uuml;r die Nachkriegszeit. Minister Fischer weise verst&auml;rkt auf einen Balkan-Stabilit&auml;tspakt hin.&nbsp; Der Entwurf werde heute erstmalig von den Au&szlig;enministern diskutiert. Er beinhalte politische, &ouml;konomische, finanzielle und sicherheitspolitische Aspekte. Deutschland bem&uuml;he sich am intensivsten, Russland ins diplomatische Boot zur&uuml;ckzuholen. Die russische Ablehnung gegen&uuml;ber der Milit&auml;raktion bleibe. Einigkeit sei m&ouml;glich im Hinblick auf die Nachkriegszeit.</p>
<p>Schicksal des Rambouillet-Abkommens: (&hellip;) Der Text enthalte etliche Teile, die Basis f&uuml;r eine L&ouml;sung sein k&ouml;nnten. (&hellip;)</p>
<p>&bdquo;Plan Hufeisen&ldquo;: Eine von langer Hand vorbereitete Planung, Kosovo in Hufeisenform von Nord nach S&uuml;d zu &bdquo;reinigen&ldquo;. Angebliche Terrorismusbek&auml;mpfung sei das beste Mittel zur Vertreibung der Bev&ouml;lkerung. Der Plan stehe kurz vor der Vollendung! Jetzige sog. Friedensoffensiven seien da kein Wunder! Allein in den letzten sechs Tagen seien 60 D&ouml;rfer niedergebrannt worden. (&hellip;)</p>
<p>Luftkrieg: Im B&uuml;ndnis werde die M&ouml;glichkeit einer Kampfpause diskutiert. Dagegen gebe es Einw&auml;nde aus milit&auml;rischen Gr&uuml;nden. Deutschland trete daf&uuml;r ein, die Luftangriffe wirklich auf milit&auml;rische Ziele zu begrenzen. Die NATO-Milit&auml;rplanung ziele auf zero losses (auf eigener Seite). Mit enormen Kr&auml;ften w&uuml;rden wenige Ziele angegriffen.</p>
<p>Menschen w&uuml;rden als Schutzschilder f&uuml;r die serbische Artillerie missbraucht. (<em>Bilder dazu</em>) seien in der &Ouml;ffentlichkeit oft nicht verwertbar, weil die Authentizit&auml;t nicht immer nachweisbar sei.</p>
<p>Es herrsche blanker Vertreibungsterror und Angst. Und wenn man es gewusst h&auml;tte, h&auml;tte man dann vorsorglich Lager aufbauen sollen?</p>
<p>Zu (<em>Pr&auml;sident</em>) Rugova gebe es Hinweise, dass er seelisch gebrochen wurde.</p>
<p>Serbische Teilungsstrategie? Eine solche sei aus den Milit&auml;roperationen nicht ableitbar. (&hellip;)</p>
<p>Zivile Opfer der NATO-Luftschl&auml;ge: Wie mit alle Kraft eigene Verluste vermieden w&uuml;rden, so auch &bdquo;Kollateralsch&auml;den&ldquo;. Angesichts der Zahl der Angriffe seien sie sehr gering. Es gebe kaum eigene M&ouml;glichkeiten, serbische Verluste unabh&auml;ngig zu &uuml;berpr&uuml;fen.</p>
<p>Russland wolle das VN-Waffenembargo weiter respektieren &ndash; gegen den Willen der Duma.</p>
<p>Es gebe ein starkes russisches Interesse, dass die Kosovo-Vorg&auml;nge in Russland keine Nachahmer f&auml;nden. Auch gebe es &Auml;ngste vor einer NATO-Umzingelung. Deshalb sei die deutsche Position sehr wichtig, dass es nicht um NATO-Ausweitung, -Hegemonie gehe. Keine Ver&auml;nderung des Gesamtgef&uuml;ges zu Lasten Russlands!!</p>
<p>- Christian St. zum Milit&auml;ranhang Rambouillet, zu serbischen Fl&uuml;chtlingen, zu Informationsquellen in Serbien (er habe E-Mails und Faxe, wonach die Philosophische Fakult&auml;t und eine Br&uuml;cke mit Verkehr getroffen worden sei, &uuml;ber 1.000 Ziviltote)</p>
<p>- Staatssekret&auml;r. I. zum Rambouillet-Anhang: Der Vertragstext des politischen Teils sei der serbischen Seite am 1. Tag vom russischen Vertreter (Majorski) vorgelegt worden. Der milit&auml;rische Teil des Vorschlags wurde der serbischen Seite nach Ende der ersten Woche vorgelegt. Die serbische Seite gab erst drei Tage vor Ende Kommentare. Keinerlei Kommentare gab es zum Implementierungsteil, der mit Billigung der russischen Seite vorgelegt, aber nicht zur Kenntnis genommen wurde. Beim politischen Teil habe es sehr wohl eine aktive Beteiligung der serbischen Seite gegeben, auch bei Kompromissformulierungen. Zur Abschlusserkl&auml;rung: Der politische Teil sei im Prinzip in Ordnung, nicht der Implementierungsteil. Selbstverst&auml;ndliches Ziel der Initiatoren war, m&ouml;glichst viel reinzupacken. Wie sonst Nachschub durch Albanien? Man h&auml;tte dar&uuml;ber reden k&ouml;nnen, der Text war Verhandlungsvorschlag, keine Kapitulationserkl&auml;rung. Aber die serbische Seite weigerte sich, dar&uuml;ber &uuml;berhaupt zu reden.</p>
<p>Er halte vom Vorwurf &ndash; auch des MdB (Hermann) Scheer &ndash; gar nichts. (Bei Dayton wurden drei Viertel der NATO-Forderungen durchgebracht.) Die Serben h&auml;tten <span style="text-decoration: underline;">keinerlei</span> Vorschlag zur Implementierung gemacht!!</p>
<p>Es gehe auch um den Schutz des serbischen Bev&ouml;lkerungsanteils im Kosovo.</p>
<p>Stellungnahme der f&uuml;nf Au&szlig;enminister zu Milosevic`s Waffenstillstandsangebot&ldquo;: Nicht mehr wie bei Rambouillet, wo eine Pr&auml;senz serbischer Kr&auml;fte zugestanden wurde. Inzwischen sei ein Verbleib nicht mehr vorstellbar, ein vollst&auml;ndiger Abzug sei notwendig. Dann w&auml;ren die Voraussetzungen f&uuml;r eine internationale Truppe anders, mehr polizeiliche Ordnungstruppe, weniger Abschreckungstruppe.</p>
<p>Falsche Erwartungen? Ja. In Bonn war man gegen die Vorstellung in manchen anderen Hauptst&auml;dten, wonach Milosevic nur darauf warte, nach einigen cruise missiles einzulenken. Aber dennoch gab es die Erwartung, dass die Milit&auml;rschl&auml;ge relativ schnell und massiv wirken w&uuml;rden. Wetter, Verstecken der Luftverteidigung verz&ouml;gerten das. (&hellip;)</p>
<p>Bodentruppen: Die Bundesregierung sehe keine Veranlassung, sich an der Bodentruppendiskussion zu beteiligen. Niemand habe es bisher im NATO-Rat eingebracht.</p>
<p>Ziele in Montenegro: Dort gebe es Teile der integrierten Luftverteidigung, auch Nachschublinien. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">AK IV intern:</span></p>
<p>Die Hotline laufe weiter, werde sehr unterschiedlich frequentiert. Anrufer seien &uuml;berwiegend interessiert, die eigene Meinung zu sagen. Legitimation und Material&uuml;bersendungen seien kaum erw&uuml;nscht. Anrufe gebe es von allen Spektren, vor allem von Nahestehenden, die jetzt entt&auml;uscht seien. Auch Leute mit verwandtschaftlichen&nbsp; Beziehungen (<em>in die Region</em>). Inzwischen zunehmend auch Unterst&uuml;tzeranrufe. Das Maximum waren &uuml;ber 350 Anrufe am Tag. Anrufer vor allem M&auml;nner 30 bis 50 Jahre, weniger Frauen.</p>
<p>Bei anderen Parteien gebe es keine Hotline; beim AA 30 dran.</p>
<p>- Heiko/Mitarbeiter: Gro&szlig;e Verunsicherung, wer noch was vertreten k&ouml;nne.</p>
<p>&nbsp;Angelika B.: Die NATO m&uuml;sse politisch in die Initiative kommen. Nur mit schroffer Ablehnung auf Milosevic`s &bdquo;Angebote&ldquo; zu reagieren, sei unglaubw&uuml;rdig, sie m&uuml;ssten anders gekontert werden.</p>
<p>Eine Umwidmung des Mandats der Tetovo-Truppe komme nicht in Frage. Sie sei nicht f&uuml;r einen Bodenkampfeinsatz ausgebildet und nur unter der Voraussetzung Friedenserhaltung dorthin gekommen. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">08.04. Informelles Beratungstreffen beim Bundesvorstand mit Fraktion, Landesvorst&auml;nden:</span></p>
<p>- Vorsitzende Antje R.: Notorisch frage die Presse. Spalten sich die Gr&uuml;nen? Die Frage stelle sich zzt. nicht. Bisher gebe es eine gute Art der Konfliktaustragung. Die Spaltung gehe durch die meisten von uns mitten hindurch. Zu beachten sei, den jeweils anderen nicht die moralische Ernsthaftigkeit abzusprechen.</p>
<p>Die Frage sei, ob der eingeschlagene Weg noch vertretbar sei. Ausstieg aus der Kriegsspirale?</p>
<p>- AA-Staatsminister Ludger V.: Eine Versachlichung er Debatte sei unbedingt notwendig. Sonst gebe es &uuml;ble Folgen f&uuml;r den Zusammenhalt der Partei.</p>
<p>Die (politischen) Vers&auml;umnisse der letzten zehn Jahre: 1991 gab es den ersten Antrag der Bundestagsgruppe B&uuml;ndnis 90. Kosovo sei f&uuml;r Gr&uuml;ne immer Thema gewesen. Die Bundesregierung, der gesamte Westen gingen darauf nie hinreichend ein. Es gab kein Lernen aus Bosnien, dass man rechtzeitig hinsehen muss. Unsere Kritik der letzten zehn Jahre half uns kein bisschen, als wir in die Regierung kamen. (Die Eskalation seit Anfang 1998, versch&auml;rfte &Uuml;bergriffe) Wir mussten mit dem gegebenen Konfliktrahmen vorlieb nehmen.</p>
<p>Der Washingtonbesuch: Das maximale Gespr&auml;chsergebnis wurde erreicht &ndash; Tolerierung des Luftschlages. Dann der Bundestagsbeschluss vom 16. Oktober. (&hellip;)</p>
<p>Zunahme serbischer &Uuml;bergriffe, von OSZE registriert.</p>
<p>Racak-Massaker: Es wurde im AA eingesch&auml;tzt als erster Schritt zum V&ouml;lkermord (ausdr&uuml;cklich nach V&ouml;lkerrecht als T&ouml;ten&nbsp; zur Zerst&ouml;rung kultureller Identit&auml;t) Weitere Racak`s seien in Sicht.</p>
<p>Es gab zwei Optionen: a) Sofortiges Zuschlagen (USA); b) Verhandlungsprozess (deutsche Initiative, ja gr&uuml;ne Idee). Dies wurde nicht nach au&szlig;en gesagt, die Federf&uuml;hrung lag bei dem britischen und franz&ouml;sischen Au&szlig;enminister. Rambouillet sei ein St&uuml;ck realer gr&uuml;ner Friedenspolitik gewesen.</p>
<p>Das Scheitern von Rambouillet sei einzig und allein von Milosevic zu verantworten. Milosevic k&ouml;nne den politischen Teil tendenziell akzeptieren, wenn der milit&auml;rische Teil fallen gelassen werde.</p>
<p>Die Vertreibung war keine Folge der NATO-Eins&auml;tze. Wer sowas sage, mache sich zum Werkzeug Milosevic`s. (<em>Vertreibungs</em>)Pl&auml;ne wurden nur beschleunigt. Sonst h&auml;tte es langsamer nach Racak I ein Racak II, III &hellip; gegeben.</p>
<p>Die NATO-Angriffe wurden unausweichlich.</p>
<p>Er habe von seiner Kritik an der v&ouml;lkerrechtlichen Problematik vom letzten Oktober nichts zur&uuml;ckzunehmen. Allerdings sei nicht zu &uuml;bersehen, dass es eine Blindstelle des V&ouml;lkerrechts bei innerstaatlicher Verfolgung gebe. Das fehlende UN-Mandat war ein Manko. Aber warum? China drohte Veto an wegen &bdquo;innerer Angelegenheit&ldquo; (wg. Tibet)</p>
<p>Was wollen die USA/NATO? In den USA sei die Zustimmung des Kongresses nur dann zu gewinnen, wenn nationale Interessen deutlich seien, wenn die NATO das Kommando habe und Kapitel VII (der UN-Charta) gelte. &bdquo;Stellt euch vor, wir m&uuml;ssten allein mit dem Balkankonflikt ohne die Amis fertig werden!?&ldquo;</p>
<p>Die Hauptkriegsziele wurden nicht erreicht. Jetzt w&uuml;rden st&auml;ndig neue nachgeschoben.</p>
<p>Unser Dilemma: Wir handeln in eine Logik, die nicht unsere ist. Da rauszukommen, gehe nicht durch W&uuml;nsche und Resolutionen, sondern durch ein politisches Waffenstillstandskonzept.</p>
<p>An solchen Leuten wie Milosevic breche sich der gute Wille zu Verhandlungen. Da gebe es keine Missverst&auml;ndnisse per Mediation zu kl&auml;ren oder Interessen auszugleichen.</p>
<p>Das NATO-Argument sei vorgeschoben. Milosevic habe jede Friedenstruppe abgelehnt, auch eine der UN!!</p>
<p>ACTORD (<em>Activation Order</em>)wurde recht sp&auml;t ausgel&ouml;st, weil noch jede diplomatische L&ouml;sung ausgelotet werden sollte!! Dann kamen Terminanforderungen: (&hellip;) vor NATO-Gipfel; m&ouml;glichst vor Ostern zu Ende (!)</p>
<p>- Angelika B.: Bei der Fl&uuml;chtlingslage sei Airdrop (<em>Luftabwurf von Hilfsg&uuml;tern</em>) nicht drin.</p>
<p>Wer jetzt einseitige Waffeneinstellung von der NATO fordere, w&uuml;rde die schnelle Vollendung des V&ouml;lkermords in Kauf nehmen. (&hellip;) Voraussetzung f&uuml;r einen Waffenstillstand der NATO sei eine glaubw&uuml;rdige Einstellung der &bdquo;S&auml;uberungen&ldquo;.</p>
<p>- J&uuml;rgen T.: Welche Fehler waren vermeidbar, welche nicht?</p>
<p>Wir konnten angesichts der Bosniengeschichte nicht unt&auml;tig zusehen. Das Ergebnis sei &auml;u&szlig;erst unbefriedigend.</p>
<p>Raus aus der Eskalationsdynamik! Idiotisch sei, einfach weiter zu eskalieren.</p>
<p>So lange die Soldateska w&uuml;te, sei ein einfacher Abbruch nicht m&ouml;glich. Konditionierter Waffenstillstand!</p>
<p>- Ralf F.: Es ist Luftkrieg. Kein Grund, den Scherbenhaufen zu &uuml;berdecken!</p>
<p>Eine strategische Fehleinsch&auml;tzung war, Milosevic zu untersch&auml;tzen. Trotzdem gab es keinen anderen Weg. Es gebe keinen Frieden, ohne dass die Kriegsf&auml;higkeit des serbischen Regimes gebrochen werde.</p>
<p>- Winni N.: Wie fertig werden mit realem Konflikt, wo Wahl unter lauter schwersten &Uuml;beln?</p>
<p>F&uuml;r Gr&uuml;ne ein programmatischer GAU: Teile unseres friedenspolitischen Programms schlugen&nbsp; voll auf Beton auf, andere wurden massiv best&auml;tigt!!</p>
<p>Zwischenbilanz und Illusion eines schnellen Luftkrieges.</p>
<p>Bodeneinsatz: keine moralische Frage, sondern eine der Wirksamkeit, Risiken, Kosten.</p>
<p>- Ludger V.: Der OSZE-Anzug wurde notwendig wegen Vergeiselungsgefahr. Nicht in Wettstreit mit PDS treten in Verbalradikalismus und Linkspopulismus!!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Aus den L&auml;nder:</span></p>
<p>- Th&uuml;ringen: allgemeine Ratlosigkeit, hoher Bedarf nach Info-Kampagne.</p>
<p>Baden-W&uuml;rttemberg: 12 Aus- und 12 Eintritte wg. Kosovo.</p>
<p>- Bayern: Schweigende Mehrheit noch hinter der Bundesregierung. Aber nach jedem ausgeschlagenen Verhandlungsangebot wachsende Zweifel. Angst, wie noch raus aus der NATO-Logik? Von 2/3 zu 1/3 zu 1 zu 1 pro Bundesregierung.</p>
<p>- Berlin: Zwei Gremiendiskussionen fair und leidenschaftlich. Beim Ostermarsch kr&auml;ftige Sprechch&ouml;re &bdquo;Nie mehr Gr&uuml;n&ldquo; und &bdquo;Fischer, wir kriegen dich&ldquo;. 22 Austritte.</p>
<p>- Hamburg. Relativ gespalten; gro&szlig;er Zuspruch f&uuml;r Uli-Cremer-Aufruf.</p>
<p>- NRW: R&uuml;ckmeldungen von 25 Kreisverb&auml;nden (KV): 20 mal Beschl&uuml;sse, 19 f&uuml;r sofortiges Ende der Bombardierungen; Meinungsbildung vielleicht 1 zu 1. Etliche angek&uuml;ndigte Austritte; Farbanschl&auml;ge, Beschimpfungen. 99% gegen Bundesregierung. BDK erst am 13 Mai sei viel zu sp&auml;t. So nah an der Zerrei&szlig;probe wie noch nie!</p>
<p>- Rheinland-Pfalz: Starke friedensbewegte Tendenzen, differenzierte Diskussion bisher.</p>
<p>- Sachsen: Massive PDS-Kampagne; offensiv dagegen vorgehen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.04. Interview mit WDR III: &bdquo;Gr&uuml;ne vor der Zerrei&szlig;probe?&ldquo;</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">10.04. Kurzfristige Gespr&auml;chsrunde zum KOS-Krieg mit Gr&uuml;nen-Mitgliedern in M&uuml;nster</span></p>
<p>mit Input von mir: Viele aktuelle Stellungnahmen ohne den Hintergrund des letzten halben Jahres &ndash; als h&auml;tte es keine gr&uuml;ne Politik zum KOS gegeben. Eine lange verdr&auml;ngte Debatte (pazifistisch-antimilitaristische Haltung vs. Regierungsbeteiligung) breche jetzt voll raus; programmatischer GAU! Je nach Art der Auseinandersetzung bestehe hohe, ja existenzielle Gefahr f&uuml;r die Partei. Anerkennung von Dilemmata oder Gesinnungschlacht. Meine Gef&uuml;hlslage: &Auml;u&szlig;erst widerspr&uuml;chlich/beschissen, zerrissen: Mit richtigen Gr&uuml;nden das Falsche getan? (<em>Manuskript + Aufzeichnungen vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.04. KOS-Veranstaltung des KV Aachen </span><em>(Manuskript vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Erkl&auml;rung &bdquo;Zur&uuml;ck zur Politik&ldquo; der gr&uuml;nen MdB Christian Sterzing, Winfried Hermann, Winni Nachtwei, Claudia Roth, Hans-Josef Fell, Klaus M&uuml;ller (4 Seiten), </span><a href="http://www.hagalil.com/archiv/99/04/nachtwei.htm">http://www.hagalil.com/archiv/99/04/nachtwei.htm</a></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">14.04. Verteidigungsausschuss</span></p>
<p>- Minister Scharping: Es gebe Anzeichen, dass Teil der integrierten jugoslawischen Luftverteidigung stark besch&auml;digt und ausgeschaltet sei. Der andere Teil kam gar nicht zum Einsatz. Bei der F&uuml;hrungsf&auml;higkeit des Nachschubs zeigen sich Wirkungen. Die UCK sei weitgehend zerschlagen. Serbische Kr&auml;fte treffen Verteidigungsvorbereitungen (Verminungen). Die humanit&auml;re Situation sei &auml;u&szlig;erst schwierig.</p>
<p>&bdquo;Operationsplan Hufeisen (Potkova)&ldquo;: Im Dezember/Januar Vorbereitungen zur systematischen Vertreibung, Massenmord ggb. kos.-alb. Bev&ouml;lkerung. Im Januar Man&ouml;ver mit scharfer Munition. Der Operationsplan werde schrittweise verwirklicht. Bei KVM-Abzug schon 500.000 Fl&uuml;chtlinge. Humanit&auml;re Katastrophe <span style="text-decoration: underline;">nicht</span> durch NATO! (&hellip;) Teile der Armee h&auml;tten sich dezidiert gegen KOS-Einsatz ausgesprochen. (&hellip;) F&uuml;lle von Belegen f&uuml;r Massenverbrechen und Vergewaltigungen liegen beim Kriegsverbrechertribunal in Den Haag: Bev&ouml;lkerung wurde auf Platz getrieben, Vernichtung aller Identit&auml;tszeichen, Erpressung von Geld, z.T. Eintreten von T&uuml;ren, &bdquo;in f&uuml;nf Minuten raus, sonst Erschie&szlig;ung!&ldquo;</p>
<p>Lt. UNHCR vom 13.04. 315.000 Fl&uuml;chtlinge nach Albanien, 116.000 nach Mazedonien, 65.000 Montenegro, 27.000 Bosnien &amp; Herz.&nbsp; Seit 30. M&auml;rz insgesamt 90 Hilfsfl&uuml;ge. Grauenhafte Lebensbedingungen, unmittelbar von Verhungern und Verdursten bedroht! Intensive NATO-&Uuml;berlegungen zur Hilfe:</p>
<p>Airdrop unver&auml;ndert hoch riskant.</p>
<p>Ges. humanit&auml;rer Korridor? Setzt Billigung der BR Jugoslawien voraus, dann immer noch sehr riskant. Skeptisch, ob das gelingt. Es k&ouml;nnte durch beschleunigte Vertreibung unterlaufen werden. (<em>Humanit&auml;res</em>) NATO-Engagement, weil UNHCR erkl&auml;rte, nicht die Mittel dazu zu haben.</p>
<p>Zwei Linien der Bundesregierung:</p>
<p>(a)&nbsp;&nbsp;&nbsp; V&ouml;llige Festigkeit im B&uuml;ndnis, notfalls Intensivierung (der Luftangriffe)</p>
<p>(b)&nbsp;&nbsp; Verst&auml;rkte politische Bem&uuml;hungen.</p>
<p>Waffenstillstandsbedingungen: Stopp der Vertreibungen, vollst&auml;ndiger R&uuml;ckzug, garantierte R&uuml;ckkehr der Fl&uuml;chtlinge und Zugang f&uuml;r Hilfsorganisationen, internationale Milit&auml;rpr&auml;senz, Bereitschaft zu politischer Vereinbarung auf der Basis von Rambouillet. Diese Punkte von dt. Au&szlig;enminister eingebracht und von EU, NATO, UN-Generalsekret&auml;r &uuml;bernommen.</p>
<p>Der UN-Generalsekret&auml;r habe am 09. April eine &auml;u&szlig;erst beachtliche Rede gehalten zum Zielkonflikt zwischen UN-Charta/Souver&auml;nit&auml;t der Staaten und &Auml;chtung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. UN kein Refugium f&uuml;r Verbrecher.</p>
<p>Die milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen w&uuml;rden fortgef&uuml;hrt, bis die Bedingungen nachpr&uuml;fbar erf&uuml;llt seien. Die Erfolgschancen der politischen Bem&uuml;hungen seien abh&auml;ngig von der Festigkeit im milit&auml;rischen Bereich.</p>
<p>- AA-Staatssekret&auml;r I.: &Uuml;ber die f&uuml;nf Punkte bestehe &Uuml;bereinstimmung &uuml;ber den UN-Generalsekret&auml;r auch mit dem UN-Sicherheitsrat. Substanzielle Meinungsunterschiede zeigten bez&uuml;glich der Mandatierung und Durchsetzung einer Friedenstruppe. Russland sei zu Forderung weit &uuml;ber Rambouillet hinaus bereit. Die russische Seite wolle die Sache vom Ende her aufz&auml;umen (welche Formel werde Milosevic akzeptieren?). Zugleich wisse man, wie schwach der eigene Einfluss in Belgrad inzwischen sei. (&hellip;)</p>
<p>- Br//Obmann Union fragt nach der Mandatsgrundlage f&uuml;r Bundeswehr in Mazedonien. Damals sei es an den Rambouillet-Vertrag gekoppelt gewesen. Der sei obsolet.</p>
<p>Alles sei daf&uuml;r zu tun, dass wir nicht in unkontrollierbare Verpflichtungen hineinschliddern.</p>
<p>- Z./SPD-Obmann: Die Kritik an der NATO-Informationspolitik sei richtig. Gegen Spekulationen &uuml;ber Eventualit&auml;ten.</p>
<p>- A.B./gr&uuml;ne Obfrau: H&auml;tte nicht gedacht, dass es ein Diktator so weit treibe &ndash; auch gegen sein Volk. Was seien die Risiken f&uuml;r Nachbarregionen? Welche Einwirkungsm&ouml;glichkeiten gebe es auf die Rep. Srpska und Mazedonien? Hinweise auf Provokationsstrategie? Anzeichen f&uuml;r russischen SFOR-R&uuml;ckzug?</p>
<p>- L./PDS: Drei Wochen nach Beginn der Luftangriffe sei das Nachdenken &uuml;ber einen Friedensplan erfreulich. Was seien die Ergebnisse der Tornado-Eins&auml;tze? Erkenntnisse &uuml;ber zivile Sch&auml;den und Einsch&auml;tzungen?</p>
<p>- Minister Scharping: Die jugosl. Armee versuche, v.a. Angeh&ouml;rige der bulg. und ungar. Minderheiten einzuziehen. Hier gebe es einen besonders gro&szlig;en Entzug.</p>
<p>F&uuml;r die NATO sei die Stabilit&auml;t der Anrainer von essentieller Bedeutung.</p>
<p>Zum Annex B von Rambouillet: Der sei mit dem von Dayton identisch. Vgl. die Rules of Engagement von UN-Peacekeeping-Truppen. Hier sei der Geburtsort solcher Regelungen.</p>
<p>&bdquo;Rambouillet-L&uuml;ge&ldquo;: Quatsch!</p>
<p>Die Gefahr bestehe, dass Milosevic`s Waffenstillstand auf einen Friedhof f&uuml;hre. 900.000 (<em>mehr als die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung</em>) sei vertrieben. Die Wirkung dann sei, dass das</p>
<p>B&uuml;ndnis zerst&ouml;rt werde, Milosevic die Beute behalte, dass irgendwo sonst Flammen hoch gehen.</p>
<p>Die dt. ECR-Tornados greifen nur die Luftverteidigung an. Bisher wurden ca. 90-100 HARM verschossen. Fehlsch&uuml;sse w&uuml;rden bedauert. Viele geplante Angriffe seien abgebrochen worden, weil man zu hohe zivile Sch&auml;den bef&uuml;rchtete (in zehn Tagen 50%!!).</p>
<p>Keine Anzeichen f&uuml;r russischen Abzug aus SFOR.</p>
<p>Ein Stabilit&auml;tspakt Balkan sei eine Idee von Au&szlig;enminister Fischer.</p>
<p>Von politischen End(<em>state</em>)-Szenarien f&uuml;r Kosovo rate er ab. Offen halten! (Unabh&auml;ngiger KOS: nicht lebensf&auml;hig, Teilung?)</p>
<p>Friedensplan in Deutschland geboren!! (&hellip;)</p>
<p>- AA-Staatssekret&auml;r I.: &Uuml;bergangsverwaltung statt Protektorat (z.B. wie Ostslawonien, was gut funktioniere). Nicht an der v&ouml;lkerrechtlichen Zugeh&ouml;rigkeit zur BR Jugoslawien r&uuml;hren!</p>
<p>Im AA sei man was stolz auf den Stabilit&auml;tspakt SO-Europa unter OSZE-Dach. Das erfuhr vor wenigen Tagen guten Zuspruch bei EU-Au&szlig;enministern, beim NATO-Rat. Hier N&auml;gel mit K&ouml;pfen machen! Die Umsetzung setzt Ruhe im Kosovo voraus.</p>
<p>Annex B: Nicht anderes als Chim&auml;re und M&auml;rchen. F&uuml;hle mich pers&ouml;nlich an meiner Berufsehre gepackt. Grotesk, dass wir unannehmbaren Vertrag vorgelegt h&auml;tten. Verhandler waren Majorski, Petritsch und Hill!! Absurd, man habe ein Diktat ins Auge gefasst. Platzhalter (so k&ouml;nnte es aussehen), mehr nicht!</p>
<p>- Generalinspekteur zu Tetovo und Piacenza.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">14.04. AK IV</span></p>
<p>- Joschka: Er wolle die Debatte um die &bdquo;Rambouillet-L&uuml;ge&ldquo; f&uuml;hren und das klarstellen. Es sei eine v&ouml;llig virtuelle Debatte. Die Verhandler zuckten angesichts der Vorw&uuml;rfe mit den Schultern. Was solle das? (&hellip;) Das Abkommen&nbsp; beziehe sich auf den Kosovo mit Randstreifen und Landzugang. Die BRJ weigerte sich, &uuml;ber Implementierung zu reden. &bdquo;Aber mir kommt kein Soldat ins Land, kein Blauhelm, kein NATO-Soldat&ldquo;, so Milosevic zu Fischer. Laut Berichten der OSZE-Beobachter sei es lange vor den NATO-Bomben schlimm genug gewesen. (&hellip;)</p>
<p>SFOR habe Durchfahrtsrecht durch die BRJ.</p>
<p>- Polit. Direktor AA Pleuger: Was in Rambouillet verhandelt wurde, sei nicht neu gewesen. R. scheiterte schlichtweg an der Weigerung der serbischen Seite, &uuml;ber die Kap. II, V, VII (Sicherheit, Polizei) zu reden!!! Selbstverst&auml;ndlich waren Verhandler zu Kompromissen bereit. Im politischen Teil gab es Zugest&auml;ndnisse. Beim Prozess auf Seiten der Kontaktgruppe habe es schon Abschw&auml;chungen beim Annex B gegeben.</p>
<p>Fischer: Milosevic wollte &bdquo;keine fremden Soldaten im Land!&ldquo;</p>
<p>- Dt. Sonderbotschafter f&uuml;r KOS Christian Pauls: &Uuml;ber Annex B fiel kein einziges Wort. Zu Kap. VII in 14 Tagen kein Kommentar.</p>
<p>Zum Stabilit&auml;tspakt mit drei K&ouml;rben:</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Sicherheit/Minderheitenrechte, Garantien durch internationale Staatengemeinschaft</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; - &ouml;konomischer Korb, Hinf&uuml;hrung an das Europa der Integration</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; - Implementierung demokratischer Institutionen</p>
<p>Das nur &uuml;ber Jahrzehnte l&ouml;sbar!! (Das alles) sei breit akzeptiert, vor allem bei betroffenen Staaten. Man sei mit Hochdruck dran. Alles, was zur Schw&auml;chung beitrage, w&uuml;rde die Perspektive versch&uuml;tten. Nachgeben gegen&uuml;ber Milosevic w&auml;re der worst-case!!!</p>
<p>- Joschka: Besondere Krisenhaftigkeit um Karfreitag, als &uuml;ber Fl&uuml;chtlingsmassen vor allem Mazedonien gef&auml;hrlich destabilisiert wurde. Milit&auml;rs/Bundeswehr halfen entscheidend bei der Kanalisierung. UNHCR hatte ausdr&uuml;cklich drum gebeten. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">14.04. Fraktionssitzung nur zu Kosovo</span></p>
<p>- Gr&uuml;ner Bundesgesch&auml;ftsf&uuml;hrer Reinhard B.: Innerparteiliche Lage un&uuml;bersichtlich. Einflussfaktoren: &bdquo;mehr Bomben/mehr Fl&uuml;chtlinge&ldquo;. Einstimmiger Buvo-Beschluss: grunds&auml;tzliche Unterst&uuml;tzung der Bundesregierung.</p>
<p>- Winne H.: Schwerste Veranstaltungen in politischer Laufbahn! Stimmung unterschiedlich, aber immer viel kritischer als hier!! Selbstkritische Bilanz! Waffenstillstand nicht an zu viele Bedingungen kn&uuml;pfen!</p>
<p>- Hans-Christian St.: Es sehe nicht, dass hier Menschenrechte oder Friedenspolitik die Frage. (<em>Alternative</em>) seien. Auch wenn wir Menschenrechtsverletzungen nicht hinnehmen wollen, war Krieg trotzdem ein schwerer Fehler. Richtig sei, dass &uuml;berhaupt was in Gang komme, jede Gelegenheit nutzen! Sonst Logik des Krieges! Man m&uuml;sse zur Kenntnis nehmen, dass Ziele nicht erreicht wurden. Der Friedensplan sei zu unterst&uuml;tzen, der Au&szlig;enminister sei offensichtlich initiativ! Sein Bem&uuml;hen, den Krieg m&ouml;glichst lange zu verhindern, sei anzuerkennen.</p>
<p>Zu Rambouillet: Die S&auml;tze des Anhangs seien falsch, die Zweifel nicht ausger&auml;umt. Art. 8 bedeute weitgehende Aufgabe der Souver&auml;nit&auml;t.</p>
<p>- Joschka: &bdquo;Milit&auml;rische Logik&ldquo;? Es gebe auch noch eine Logik des Milosevic!!</p>
<p>Wir sind am Ende eines Prozesses von zehn Jahren!!! Eine diplomatische Initiative ist keine Kapitulationsaufforderung. Er halte von Bodentruppen nichts! Er sage den B&uuml;ndnispartnern, das sei im Parlament nicht durchsetzbar. Dann eher die Verteidiger instandsetzen.</p>
<p>- Winni N.: Zur Stellungnahme der Bundesregierung: zutreffende Rechtfertigung, die ern&uuml;chternde Zwischenbilanz fehle (<em>falsche Erwartungen, Fehlkalkulation!! &Uuml;berraschende &Uuml;berraschung!</em>)</p>
<p>Worst-case k&uuml;nftig? Wenn alles scheitert, dann Bodentruppen? Dazu klar Position beziehen!</p>
<p>Zur Forderung nach einseitiger Einstellung der NATO-Angriffe: Es bestehe Unklarheit &uuml;ber den Charakter dieses Krieges: (a) Serb. Krieg gegen Zivilisten; (b) NATO gegen Vertreibungskr&auml;fte. Einseitige Einstellung hie&szlig;e &bdquo;freie Bahn&ldquo; (<em>f&uuml;r die Vertreiber</em>). Erleichterung eines Waffenstillstandes durch Begrenzung auf Kosovo?</p>
<p>Zu Antikriegsprotest und innergr&uuml;ner Debatte: Wachsende Sprengkraft (Teile des Antikriegsprotestes undiskutabel &ndash; deutlich gegenhalten!); gute Gr&uuml;nde; nur durchzustehen, wenn &hellip; andernfalls!!! (Beifall bei Bodentruppen, bei Teilen des Antikriegsprotestes, am Schluss)</p>
<p>Helmut L.: Er habe bei Besuchen in Belgrad &ouml;fter gesehen, dass der Nachschub f&uuml;r UNPROFOR/SFOR &uuml;ber Jugoslawien kam.</p>
<p>&nbsp;Kerstin M.: Sie bezweifle sehr, dass milit&auml;rische Deeskalation ggb. Milosevic irgendwas bewirke. Welches Signal sei das an die Fl&uuml;chtlinge?</p>
<p>Ludger V.: Voll und ganz hinter die AA-Initiative stellen!! Waffenstillstand m&uuml;sse zeitgleich mit dem serb. Abzug realisiert werden. Einseitige Vorleistungen w&uuml;rden die Einheitlichkeit des Westens wieder schwerer machen. Bitte auf andere Lieblingsideen verzichten!</p>
<p>Beschluss</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">15.04 Plenarsitzung Bundestag, Regierungserkl&auml;rung von Bundeskanzler Schr&ouml;der</span></p>
<p>(<em>mein</em> <em>Geburtstag</em>)</p>
<p>- Schr&ouml;der: (&hellip;) (keinerlei Aufheizung; &Auml;u&szlig;erungen zu Rechtfertigung, Milosevic werden nicht beklatscht, daf&uuml;r aber solche zu Russland)</p>
<p>- Gerhardt/FDP, Rezzo Schlauch, Gregor Gysi, Joschka Fischer: (&hellip;)</p>
<p>- Rudolf Scharping: (&hellip;) Sehen Sie hin: (Methoden <em>der Vertreibungen</em>, Einzelszenen, Fotos &ndash; <em>meine Anmerkung</em>: &auml;u&szlig;erst konkret, plastisch, tiefst bewegend, max. Intensit&auml;t!! Tr&auml;nen!)</p>
<p>- Gernot Erler/SPD: (&hellip;)</p>
<p>- Annelie Buntenbach/Gr&uuml;ne: Sofortige Einstellung der Luftangriffe und R&uuml;ckkehr an den Verhandlungstisch! (&hellip;)</p>
<p><em>(Interviews mir ARD, ZDF, Vera Gaserow/Frankfurter Rundschau: Ihr Artikel &bdquo;Aus richtigen Gr&uuml;nen das Falsche getan? Nicht nur der Abgeordnete Winni Nachtwei f&uuml;rchtet, dass den rot-gr&uuml;nen Ministern Scheuklappen wachsen&ldquo; erscheint in der FR am 16.04., hier am Schluss S. 11 ff.)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">15.04. &bdquo;Krieg im Kosovo&ldquo; beim Gr&uuml;nen Kreisverband Osnabr&uuml;ck </span>(<em>Manuskript + Aufzeichnungen vorhanden. In Erinnerung ist mir das Klima bei vielen Diskussionsveranstaltungen, wo ich die verbreitete Entt&auml;uschung sehr nachvollziehen konnte und meist gegen die gro&szlig;e Mehrheit argumentierte. Bei etlichen TeilnehmerInnen &ndash; prim&auml;r Nichtparteimitgliedern &ndash; erlebte ich nur tiefste Verachtung und v&ouml;llige Dialogverweigerung. Da durchweg nichts an realit&auml;tst&uuml;chtigen Alternativvorschl&auml;gen gebracht wurde, wirkten diese &bdquo;Bodenk&auml;mpfe&ldquo; auf mich kaum verunsichernd, sondern vor allem aufw&uuml;hlend. Einmal so sehr, dass es mich zu Hause zum Heulen brachte. Mir blieb aber bewusst, dass ich angesichts unserer Art von Mitverantwortung keinen Grund zu Selbstmitleid hatte.</em>)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">16.04. Mitgliederversammlung KV M&uuml;nster</span></p>
<p><em>(Vorschlag f&uuml;r eine Resolution der MV zum Kosovo-Krieg von Winni Nachtwei)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">17.04. a.o. Sitzung der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Frieden von B`90/Die Gr&uuml;nen:</span></p>
<p>- Andreas Buro: Der Friedensbewegung gehe es wie den Gr&uuml;nen &ndash; innerlich zerrissen. Vertreibungen, Zivilopfer, politische Perspektiven seien infrage gestellt. Gegen&uuml;ber der neuen Regierung bestand die Hoffnung, dass Zivile Konfliktbearbeitung erheblich ausgeweitet w&uuml;rde. Schwerer R&uuml;ckschlag f&uuml;r diese Perspektiven. (&hellip;) Vorwurf an die NATO-/Bonner Politik, sehr falsch eingesch&auml;tzt zu haben. Wer so einsteige, habe grob fahrl&auml;ssig gehandelt. &bdquo;Humanit&auml;re Intervention&ldquo;? Das sei nicht glaubw&uuml;rdig.</p>
<p>- Ludger V., Barbara M., Dieter Br., Martina F., Roland Vogt, BAG`ler aus Trier,</p>
<p>- Kalle: Gr&uuml;ne haben Gewissenspr&uuml;fung zur KDV nicht bestanden. Angriffskrieg gegen Jugoslawien &ndash; dann m&uuml;sse man auch die Koalition verlassen und das Mandat zur&uuml;ckgeben. Die Bezugnahme auf Auschwitz sei unertr&auml;glich, demagogisch (Beifall)</p>
<p>- Ludger V., Andreas B.,</p>
<p>- Uli Cremer: Gut, dass hier die Debatte stattfinde, wo Gr&uuml;ne bei Kundgebungen oft ausgebuht werden, von serbischen Nationalisten, von Autonomen &ndash; dabei auch ein richtiger Kern. Gr&uuml;ne h&auml;tten in historischer Situation versagt. (&hellip;) Deutscher Ausstieg w&auml;re gutes Zeichen. Eine UN-Truppe d&uuml;rfe nicht nach Kapitel VII mandatiert sein. Kapitel VI mit neutralen Truppen. NATO-L&auml;nder h&auml;tten da als kriegf&uuml;hrende Partei nichts zu suchen. (&hellip;)</p>
<p>- Ellen D./Oberhausen: Angst vor Machtverlust korrumpiere. Raus aus der NATO geh&ouml;re auf die Tagesordnung. (&hellip;)</p>
<p>- Dietmar P.: Notwendigerweise wurde so gehandelt. Wo sind die Rechte der Opfer?</p>
<p>- Albert St.: Einseitiger Ausstieg aus der Logik? Das sei alte gr&uuml;ne Position, aus pazifistischer Grund&uuml;berzeugung klar. Einseitige Schritte richten sich an die serbische Basis, an Russland. Gegen moralischen Overkill.</p>
<p>-BDK-Vorbereitungen (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">20.04. AK IV der Fraktion:</span></p>
<p>- Humanit&auml;re Hilfe Albanien</p>
<p>- KOS: Auff&auml;llige NATO-Fixierung mit mehr oder weniger latentem Antiamerikanismus; eine Folge nicht gef&uuml;hrter Diskussionen nach dem Golfkrieg.</p>
<p>Beobachtungen aus der Debatte: programmatische Regression; keinerlei Verst&auml;ndnis f&uuml;r internationale Politik/Fluchtbed&uuml;rfnisse; Gr&uuml;ne Handschrift zzt. in der Au&szlig;enpolitik nicht erkennbar.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">20.04. Fraktionssitzung</span></p>
<p>- Hans Koschnik: Drei gro&szlig;e Tendenzen: (a) Die Gewaltorgie gehe zweifellos von Belgrad aus. , weit vor den NATO-Angriffen. Fr&uuml;her Ignoranz ggb. der serb. B&uuml;rgerrechtsbewegung, die nur mit guten Worten begleitet wurde. Dasselbe zu Rugova.</p>
<p>(b) Die UCK habe die albanische Bev&ouml;lkerung als Geisel genommen. 399.000 Kosovoalbaner in Deutschland. In Bosnien wurden insgesamt 2 Mio. Menschen vertrieben. Einsch&auml;tzung des NATO-Rates, dass im Kosovo die Wiederholung des 1995er Weges drohte. Keiner k&ouml;nne Milosevic richtig einsch&auml;tzen. Zur Gruppenpsychologie: Jeder trage nur die eigene Opfergeschichte weiter. Ausblendung/Leugnung von T&auml;ter(<em>geschichten</em>).</p>
<p>Die Schutzschildtaktik sei schon in Bosnien &auml;hnlich gewesen, wo Schutzgr&auml;ben von Kriegsgefangenen ausgehoben wurden. (c) Was tun mit den Menschen? Rausholen? Humanit&auml;r w&auml;re das richtig, aber &hellip; Mazedonien brodelt. Slawen f&uuml;rchten um ihre Mehrheitsposition. Montenegro: Ca. 48% Belgrad-Anh&auml;nger, 52% nicht. Es gebe Hinweise auf schlimmste Entwicklungen. Wie weiter? Ich wei&szlig; es nicht. (&hellip;)</p>
<p>Regelm&auml;&szlig;ig wurde Geld erst dann gegeben, wenn Konflikte da waren.</p>
<p>Mit einem zerst&ouml;rten Serbien gebe es keinen Frieden.</p>
<p>- Joschka: Russland fange an, mit den USA verst&auml;rkt &uuml;ber die Zusammensetzung eine internationale Friedenstruppe zu diskutieren. Vertreibungen halten an. Versorgung solle &uuml;ber Neutrale erreicht werden. Belgrad signalisiere gro&szlig;e Starrheit. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">20.04. &bdquo;Was bleibt von gr&uuml;ner Friedenspolitik zwischen Pazifismus, V&ouml;lkerrecht, Menschenrechtsverletzungen und Regierungsverantwortung?&ldquo; KV Solingen </span><em>(Manuskript + Aufzeichnungen vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">21.04. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Ex-Jugoslawien/Kosovo</span></p>
<p>- Minister Scharping: (&hellip;) Die Selbstbindung der NATO-Eins&auml;tze sei in einer Demokratie notwendig: Die Vermeidung eigener und ziviler Opfer sei eine unvermeidbare Einschr&auml;nkung. In der Strategie gebe es keine &Auml;nderung, sie werde auch von keinem Mitglied angestrebt. Allerdings stelle sich vermehrt die Frage, wieweit mit Milosevic noch eine L&ouml;sung m&ouml;glich sei.</p>
<p>AMF/Land (<em>Allied Mobile Force der NATO</em>) nach Albanien, strikt humanit&auml;rer Einsatz, 18 dt. Soldaten im HQ dabei. Alles andere sei zzt. nicht entscheidungsreif. Vermutungen, dass damit schleichende Vorbereitung von Bodentruppen, zeigen v&ouml;llige Ahnungslosigkeit.</p>
<p>- Generalinspekteur von Kirchbach (ab April 1999): Von 8.500 Soldaten 6.000 ausschlie&szlig;lich mit humanit&auml;rer Hilfe, F&uuml;hrung und Logistik befasst, 2.000 mit Sicherung. Vier Task Forces mit Transport, Sanit&auml;t, Pionier, Wasseraufbereitung, Sicherungskompanie; ein Bataillon Transporthubschrauber.</p>
<p>Die serbische Verteidigung sei tief gestaffelt, vom Gel&auml;nde beg&uuml;nstigt. Koordinierte Operationen des jugosl. Milit&auml;rs im Kosovo mit 18.000 Mann und 220 Panzern, 12.000 Sicherheitskr&auml;ften (Hauptvertreiber) und Paramilit&auml;rs (600).</p>
<p>Bei Allied Force sieben Zielkategorien: Integrierte Luftverteidigung, Luftverteidigung, ortsfeste F&uuml;hrung, F&uuml;hrung, Logistik/Nachschub, Betriebsstoffe, R&uuml;stungsproduktion.</p>
<p>Wirkungen: Gr&ouml;&szlig;te Zerst&ouml;rungen bei ortsfester F&uuml;hrung, ach Betriebsstoffen (gro&szlig;e Teil der Raffineriekapazit&auml;ten). Luftwaffe noch zu begrenzten Operationen f&auml;hig. Luftverteidigung noch relevant. Erhebliche Rekrutierungsprobleme mit Wehrpflichtigen und Reservisten, vie Einheiten bei 50% der Sollst&auml;rke. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">22.04. Plenarsitzung Bundestag zu 50 Jahren NATO</span></p>
<p>- Bundeskanzler Schr&ouml;der: Drei Bedingungen zur Einstellung der Luftangriffe: Einstellung Kampfhandlungen, R&uuml;ckzug serb. Kr&auml;fte, Zusage intern. Streitkr&auml;fte f&uuml;r sichere R&uuml;ckkehr.</p>
<p>- Minister Fischer: Im Kosovo gehe es auch darum, in welchem Europa der Zukunft wir leben wollen. Heute gehe es nicht um hegemoniale Anspr&uuml;che im KOS. Alle L&auml;nder wollen in die EU, NATO. Europa der Integration. Milosevic vertrete das Gegenmodell. (&hellip;)</p>
<p>- Mit Joschka bilateral zu &Ouml;llieferungen/Seeblockade: Das wurde in der NATO beraten, scheiterte am Widerspruch Italiens. Au&szlig;erdem bestehe hohes Risiko, weil dabei ja auch Gewalt gegen Dritte, Neutrale, Russland.</p>
<p>Gro&szlig;e Gefahr, dass es in den USA eine Wende zum gro&szlig;en Hammer gebe.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.04. KV Coesfeld zum KOS</span>: Gute Grundstimmung, die allermeisten aber gegen die Position der Bundesregierung und f&uuml;r sofortige Einstellung der Luftangriffe. Pro-Stimmen praktisch keine. <em>(Manuskript vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.04. Euregio Gr&uuml;ne Almelo</span> zur Europawahl: Beim Thema KOS hei&szlig;e Auseinandersetzung vor allem wg. zwei starrer, aggressiver niederl&auml;ndischer Altpazifisten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.04. DFG-VK-Tagung &bdquo;Wende zur Entmilitarisierung</span>&ldquo; in Kassel: (&hellip;) Trotz alledem bei Bekannten immer noch Grundfreundlichkeit (&bdquo;m&ouml;chte nicht in euer Haut stecken&ldquo;, &bdquo;halt die Ohren steif&ldquo;). KOS-Diskussion: Heidi L./PDS mit ihrer Billig-Opposition und Falsch-Vorw&uuml;rfen: sehr &auml;rgerlich, dito. Bundessprecher Ansgar S., dem ich Gro&szlig;m&auml;uligkeit vorwerfe. Anerkennung bei vielen f&uuml;r meine Offenheit und dass ich mich stelle.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.04. KV Kleve/Geldern</span> mit Prof. Haberl (OSZE-Beobachter in Bosnien: gute, kontroverse KOS-Debatte. <em>(Manuskript vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">27.04. KV Minden-L&uuml;bbecke</span> zu KOS: (&hellip;) In Diskussion etliche hart-ideologisch und aggressiv&nbsp;&nbsp; Ich attackiere z.T. hart zur&uuml;ck und trage zu gewisser Eskalation bei.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">28.04. KV Unna</span> zu KOS: Trotz Nachmittag gut besucht, sehr angenehmes Klima, auch wenn Beitr&auml;ge &uuml;berwiegend kritisch. (&hellip;) <em>(Manuskript vorhanden)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">30.04. KV Wuppertal</span>: KOS <em>(Manuskript vorhanden)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Politische &bdquo;Bodenk&auml;mpfe&ldquo; in M&uuml;nster</span></strong></p>
<p><strong>11.04. Meine Stellungnahme zur Kundgebung &bdquo;gegen den NATO-Krieg um Kosovo&ldquo;</strong> am letzten Samstag in M&uuml;nster:</p>
<p>&bdquo;Ernsthafte und gute Argumente sprechen gegen die NATO-Luftangriffe gegen die Bundesrepublik Jugoslawien. Das ist mir als Friedensbewegtem und langj&auml;hrigem Kritiker von Vorstellungen milit&auml;rischer &bdquo;Friedenserzwingung&ldquo; sehr wohl bewusst. Deshalb enthielt ich mich bei dem entsprechenden Bundestagsbeschluss im Oktober der Stimme, sah aber im M&auml;rz die Luftangriffe angesichts eines drohenden zweiten Bosnien und der serbischen Blockadehaltung gegen&uuml;ber einer politischen L&ouml;sung als alternativlos an. Der bleibende Zwiespalt vertiefte sich nach dem bisherigen Kriegsverlauf.</p>
<p>Von daher erwartete ich von der Kundgebung gegen den Kosovo-Krieg auf dem Prinzipalmarkt am letzten Samstag Argumente und Druck f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung. Doch ich erlebte eine blo&szlig;e Anti-NATO-Veranstaltung, die an Einseitigkeit und Selbstgerechtigkeit kaum zu &uuml;berbieten war.</p>
<p>Die Redner markierten die NATO als alleinigen Kriegstreiber. De verbrecherische Nationalismus des Milosevic-Regimes und seine m&ouml;rderische VErtreibungspo9litik wurden praktisch nicht erw&auml;hnt. Stattdessen bezeichnete Prof. Erich K&uuml;chenhoff die UCK als &bdquo;terroristische separatistische Gruppe&ldquo; und verstieg sich zu der Behauptung, der &bdquo;Separatismus&ldquo; habe das Leid auf dem Balkan verursacht.</p>
<p>Wie selten sonst auf einer &bdquo;linken&ldquo; Protestkundgebung pr&auml;gten Legalit&auml;tsargumente die Reden. &Uuml;bergangen wurden dabei aber die bestehenden L&uuml;cken des V&ouml;lkerrechts angesichts innerstaatlicher ethnischer &bdquo;S&auml;uberungen&ldquo; und die reale Blockade des UN-Sicherheitsrats. Wo sonst eher &bdquo;Hoch die Internationale Solidarit&auml;t&ldquo; gilt, stand nun die Unantastbarkeit der staatlichen Souver&auml;nit&auml;t im Vordergrund.</p>
<p>Die vorgetragene &bdquo;Rechtstreue&ldquo; ging einher mit einem auff&auml;lligen Schweigen gegen&uuml;ber dem Schicksal der im Kosovo terrorisierten und vertriebenen Albaner. Damit stellten sich die Kundgebungsteilnehmer au&szlig;erhalb der Tradition der Friedensbewegung, die sich immer auch als Solidarit&auml;tsbewegung f&uuml;r bedrohte und verfolgte Menschen und V&ouml;lker verstand.</p>
<p>Es ist v&ouml;llig legitim, Bef&uuml;rworter er NATO-Luftangriffe hart zu kritisieren. Wenn Kundgebungsteilnehmer mich als &bdquo;Kriegstreiber&ldquo; und &bdquo;Verr&auml;ter&ldquo; beschimpfen, wenn Theo Knezger als ;Mitinitiator des Antikriegsb&uuml;ndnisses von der B&uuml;hne aus diejenigen, die den NATO-Luftangriffen zugestimmt haben &ndash; also auch alle M&uuml;nster aber Bundestagsabgeordneten &ndash; ausdr&uuml;cklich als &bdquo;Kriegsverbrecher&ldquo; bezeichnet, dann signalisiert das eine Selbstgerechtigkeit sondergleichen. Solche Feinderkl&auml;rungen zerst&ouml;ren jede politische Auseinandersetzung und leisten einer Marginalisierung des Antikriegsprotestes Vorschub. Ich bin &uuml;berzeugt, dass l&auml;ngst nicht alle Kundgebungsteilnehmer dieses Freund-Feind-Denken mittragen.</p>
<p>Damit mehr politischer Druck gegen die milit&auml;rische Eskalation und f&uuml;r eine friedliche L&ouml;sung entsteht, brauchen wir aber eine Debatte, die ehrlich die Dilemmata der verschiedenen Positionen anerkennt. Nur so werden Auswege aus er verfahrenen und &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlichen Situation gefunden werden k&ouml;nnen.&ldquo;</p>
<p><strong>1. Mai-Kundgebung vor dem Historischen Rathaus (mit Friedenssaal) der Stadt M&uuml;nster: </strong>Auf Einladung des Kreisvorstandes soll ich f&uuml;nf Minuten zum KOS-Krieg sprechen. <em><span style="text-decoration: underline;">Das Redemanuskript:</span></em></p>
<p>&bdquo;(1) Jetzt ist Krieg!</p>
<p>Jetzt ist wieder Krieg vor unserer Haust&uuml;r, erstmalig mit bundesdeutscher Beteiligung, unter Rot-Gr&uuml;n.</p>
<p>Jetzt ist Krieg im Kosovo: Serbisches Milit&auml;r, Sonderpolizei und M&ouml;rderbanden f&uuml;hren einen totalen Krieg gegen die UCK und die kosovoalbanische Zivilbev&ouml;lkerung.</p>
<p>Jetzt ist Krieg in Jugoslawien: Die NATO greift mit Raketen und Bomben nicht nur das jugosl. Milit&auml;r und seinen Nachschub an, sondern immer mehr auch die zivile Infrastruktur und das politische Machtsystem.</p>
<p>(2) Einig &ndash; uneinig</p>
<p>Wir sind uns einig, dass der Vertreibungskrieg gegen die Kosovoalbaner sofort aufh&ouml;ren muss, dass die Vertriebenen sicher zur&uuml;ckkehren k&ouml;nnen!</p>
<p>Unter Kolleginnen und Kollegen, in Familien, Parteien, ja auch unter Friedensbewegten sind wir uns uneinig gegen&uuml;ber dem Krieg der NATO.</p>
<p>Die einen/Samstagsdemonstranten verurteilen die NATO-Angriffe als v&ouml;lkerrechtswidrig, durch nichts zu rechtfertigen, also zerst&ouml;rerisch in jeder Hinsicht und fordern die sofortige und bedingungslose Einstellung der Luftangriffe.</p>
<p>Die anderen, darunter alle M&uuml;nsteraner MdB, trogen die Luftangriffe mit, weil im letzten halben Jahr aller anderen Versuche gescheitert waren, den serbischen Diktator&nbsp; von seinen m&ouml;rderischen Vertreibungen abzubringen. Weil kein zweites Bosnien geschehen durfte.</p>
<p>Viele aber sind schlichtweg ratlos, bei vielen wachsen die Zweifel nach f&uuml;nf Wochen Luftkrieg, die immer noch kein Ende der Vertreibungen gebracht haben, sondern immer mehr Zerst&ouml;rungen, auch f&uuml;r die serbische Zivilbev&ouml;lkerung.</p>
<p>(3) Wie weiter?</p>
<p>Der Krieg im Kosovo und in Jugoslawien eskaliert immer mehr. Immer offener Rede ist die Rede von der Entsendung von Bodentruppen. Diese vermeintliche &bdquo;Konsequenz&ldquo; ist kein Ausweg, sondern ein absolut gef&auml;hrlicher Irrweg. Dem muss sich die Bundesregierung in der NATO klar widersetzen.</p>
<p>Umso notwendiger ist die Suche nach diplomatischen Auswegen, wobei Russland und der UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan hervorragende Rollen spielen. Die deutsche Bundesregierung gilt als Drehscheibe f&uuml;r diese Friedensbem&uuml;hungen.</p>
<p>Hilfreich k&ouml;nnte dabei die Einschr&auml;nkung bzw. Unterbrechung der NATO-Luftangriffe sein als Zeichen der Verst&auml;ndigungsbereitschaft gegen&uuml;ber der serbischen Bev&ouml;lkerung und gegen&uuml;ber Russland. (Wer einseitigen und bedingungslosen Stopp fordert, muss sich &uuml;ber die Konsequenzen klar sein)</p>
<p>(4) Wie Krieg und Vertreibung stoppen? Wie R&uuml;ckkehr der Vertriebenen erm&ouml;glichen?</p>
<p>Das sind jetzt die politischen Schl&uuml;sselfragen, hierf&uuml;r tr&auml;gt die Bundesregierung entscheidende Mitverantwortung.</p>
<p>Aus dieser Mitverantwortung k&ouml;nnen wir uns nicht davonstehlen.</p>
<p>Danke f&uuml;r Widerspruch!</p>
<p>Danke f&uuml;r`s Zuh&ouml;ren!&ldquo;</p>
<p><em>(Weiter Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen, Kladde IX., S. 145:)</em> Schon mein Name provoziert ein Pfeif- und Buh-Konzert, das dann w&auml;hrend der ganzen Rede anh&auml;lt, durchsetzt von &bdquo;Heuchler&ldquo;-, &bdquo;Kriegsverbrecher&ldquo;-, &bdquo;M&ouml;rder&ldquo;-Rufen. Massenweise Hass, Transparente verstellen die Sicht, Versuche, mir das Mikro zu entrei&szlig;en. Nachher viel Anerkennung.</p>
<p>In der Konfrontation bin ich in Kampfstimmung und ziemlich unempfindlich. Am Nachmittag bricht die Kapsel auf, habe ich das Lachen verloren &ndash; als gebe es eine Zeit vor und nach dem 1. Mai.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) FR-Artikel &bdquo;Aus richtigen Gr&uuml;nden das Falsche getan?</span></strong>Nicht nur der Abgeordnete Winni Nachtwei f&uuml;rchtet, dass den rot-gr&uuml;nen Ministern Scheuklappen wachsen&ldquo; von Vera Gaserow, FR 16.04.1999, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=104&amp;aid=828">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=104&amp;aid=828</a></p>
<p>&bdquo;Eigentlich kann er es nicht erkl&auml;ren. Es war doch gar keine Atmosph&auml;re f&uuml;r Tr&auml;nen. N&uuml;chtern, zwar auch mit moralischem Stoff unterf&uuml;ttert, aber fast routiniert hat der Bundestag am Donnerstag &uuml;ber den Krieg debattiert, der in Kosovo seit nunmehr drei Wochen herrscht. Und dann sind ihm w&auml;hrend der vierst&uuml;ndigen Debatte doch die Tr&auml;nen in die Augen gestiegen. &bdquo;Seelisches Kondenswasser&quot; nennt der Gr&uuml;ne Winni Nachtwei das, was er da &bdquo;ausgeschwitzt&quot; hat. Als Abgeordneter sitzt der 53j&auml;hrige Studienrat aus M&uuml;nster bei der Kosovo-Debatte in einer der hinteren Reihen und macht sich Notizen. Festhalten von Gedankensplittern als Selbstvergewisserung. Denn Nachtwei, Leutnant der Reserve und seit den 80er Jahren Mitglied mehrerer Friedensinitiativen, hadert seit drei Wochen mit einem Problem &mdash; mit dem Problem, dass er recht behalten k&ouml;nnte.</p>
<p>Nachtwei geh&ouml;rt zu denen in seiner Partei, die eine &bdquo;Friedenserzwingung mit milit&auml;rischen Mitteln&quot; immer abgelehnt haben. Und dann hat er doch f&uuml;r den Nato-Einsatz gegen Jugoslawien die Hand gehoben &mdash; weil er keine Alternative sah und bis heute nicht sieht. Als der Bundestag Ende M&auml;rz, einen Tag nach dem Beginn der Nato-Angriffe, erstmals dar&uuml;ber debattierte, hat sein aufgew&uuml;hlter gr&uuml;ner Fraktionskollege Hans-Christian Str&ouml;bele &bdquo;von einem Angriffskrieg&quot; gesprochen, der wieder von deutschem Boden ausginge. Nachtwei hat ihm f&uuml;r diese Bemerkung ein &bdquo;Pfui&quot; dazwischengerufen.</p>
<p>Aber das war vor drei Wochen. Da hie&szlig; der Krieg im Bundestag noch &bdquo;operativer Einsatz&quot;, und fast alle Redner glaubten damals, dass der Einsatz in einigen Stunden, sp&auml;testens aber in einigen Tagen vor&uuml;ber sei. Auch der Abgeordnete Nachtwei hatte das gehofft &mdash; ganz gegen all seine friedensbewegten Gewissheiten. Nun scheinen sich viele der alten Gewissheiten zu best&auml;tigen, und das schafft ein merkw&uuml;rdiges Gef&uuml;hl &mdash; das Gegenteil von Genugtuung jedenfalls. Nach drei Wochen Krieg treibt Nachtwei die Frage um, &bdquo;ob wir mit richtigen Gr&uuml;nden nicht doch das Falsche tun&quot;. Von der Bundestagsdebatte am Donnerstag hatte er darauf nicht unbedingt eine Antwort erwartet. Aber wenigstens eine &bdquo;selbstkritische, n&uuml;chterne Bilanz&quot; hatte er von &bdquo;seinem&quot; rot-gr&uuml;nen Kanzler und dessen Ministern erhofft. Zumindest Zweifel, ob mit den gew&auml;hlten milit&auml;rischen Mitteln das angestrebte Ziel noch erreicht werden kann, h&auml;tte er gern geh&ouml;rt. Nach vierst&uuml;ndiger Debatte bilanziert Nachtwei: &bdquo;Das war so fern von allen real bestehenden Unsicherheiten.&quot;</p>
<p>Fast unterk&uuml;hlt verlas Gerhard Schr&ouml;der seine Regierungserkl&auml;rung. Immerhin: Als der Kanzler den deutschen Soldaten dankt, hat auch der gr&uuml;ne Skeptiker Nachtwei geklatscht. Und als Schr&ouml;der warnt, wer die Nato-Angriffe verantwortlich mache f&uuml;r ethnische Vertreibung, der begehe &bdquo;einen schrecklichen Irrtum oder bewusste Verleumdung&quot;, kann Nachtwei auch das unterschreiben.</p>
<p>Aber dann senkt sich von der rot-gr&uuml;nen Regierungsbank auch schon diese dichte argumentative Wand gegen alle Bedenken. Fischer, im Schlagabtausch mit Gregor Gysi brillant wie in besten Oppositionszeiten, Rudolf Scharping mit moralischem Overkill in der Stimme, Rezzo Schlauch, der gr&uuml;ne Fraktionschef, mit einer respektvollen Verbeugung vor</p>
<p>den Zweiflern in den eigenen Reihen &mdash; aber Unionschef Wolfgang Sch&auml;uble ist es schlie&szlig;lich, der sich aus der sicheren Oppositionsrolle heraus so selbstverst&auml;ndliche Worte zu sagen traut wie: &bdquo;Es werden im Volk auch bange Fragen laut, vor allem die &Auml;lteren sind tief beunruhigt.&quot; Und: &bdquo;Die Akzeptanz der Milit&auml;rschl&auml;ge setzt voraus, dass wir die Erreichbarkeit unserer Ziele auch plausibel vermitteln k&ouml;nnen.&quot;</p>
<p>Zweifel an der Erreichbarkeit der Ziele zu &auml;u&szlig;ern &mdash; und damit nicht zuletzt W&auml;hlerstimmen und Neumitglieder zu sammeln &mdash;, das bleibt an diesem Tag allein der PDS &uuml;berlassen. Und der Regierungskoalition scheint es nicht unlieb, eine angreifbare Projektionsfl&auml;che weit linksau&szlig;en gefunden zu haben. Denn Gregor Gysi, tags zuvor vom H&auml;ndedruck mit Milosevic zur&uuml;ck, erlaubt leichtes Spiel. Wer suggeriert, die Bomben der Nato h&auml;tten erst die Fl&uuml;chtlingswelle ausgel&ouml;st, sorgt selbst f&uuml;r die eigene Diskreditierung. Das macht es der Regierung einfach, das moralische und politische &bdquo;Ob&quot; eines milit&auml;rischen Eingreifens in den Vordergrund der Debatte zu stellen und nicht die Sinnhaftigkeit und Effizienz des &bdquo;Wie&quot;.</p>
<p>Das &bdquo;Ob&quot; des Eingreifens ist f&uuml;r Zweifler wie Winni Nachtwei l&auml;ngst eine Frage von vor drei Wochen. An seiner Entscheidung, dass es keine Alternative zum Milit&auml;rschlag gibt, hat sich seitdem nichts ge&auml;ndert. Aber Nachtwei fragt sich, &bdquo;ob bei allem Vertrauen&quot;, das er in die Regierung setzt, &bdquo;nicht auch rot-gr&uuml;nen Ministern Scheuklappen wachsen&quot;. Vor allem gegen&uuml;ber dem moralischen Gestus ist er misstrauisch geworden. Mehr N&uuml;chternheit und klares Bilanzieren w&auml;ren ihm lieber.</p>
<p>Da hat er, der Friedensbewegte, in den unz&auml;hligen Fachgespr&auml;chen der vergangenen Wochen von manch hohem Milit&auml;r mehr Kritisches geh&ouml;rt als von den Politikerkollegen.</p>
<p>Als die Bundestagsdebatte zu Ende geht, haben sich die anfangs gut besetzten Stuhlreihen l&auml;ngst gelichtet. Der Abgeordnete Nachtwei hat vor allem den einen Eindruck aus der Debatte mitgenommen: Dass sie wenig mit den Fragen zu tun hatte, die ihm demn&auml;chst wieder auf Diskussionsveranstaltungen der gr&uuml;nen Basis oder der Friedensinitiativen bevorstehen. Erst letzte Woche hat er sich vor hundert Zuh&ouml;rern als &bdquo;Nato-Kriegstreiber&quot; beschimpfen lassen m&uuml;ssen. Auf &bdquo;verheerende Argumentationsmuster&quot; st&ouml;&szlig;t Nachtwei bei diesen Anti-Kriegsprotesten, &bdquo;die haben nichts mit der guten Tradition der alten Friedensbewegung zu tun, da herrscht eine unglaubliche Verehrung f&uuml;r die Souver&auml;nit&auml;t von Nationalstaaten&quot;. Wenn er selbst gestern im Bundestag am Rednerpult gestanden h&auml;tte, dann h&auml;tte er wohl das in den Vordergrund geschoben.</p>
<p>In den n&auml;chsten Wochen, bis zum Sonderparteitag der Gr&uuml;nen Mitte Mai, wird Nachtwei noch auf vielen Antikriegsveranstaltungen versuchen, die Kluft zwischen gr&uuml;ner Parteibasis und Funktionstr&auml;gern zu kitten. &bdquo;Die rasanten politischen Ver&auml;nderungen, die wir hier in Bonn durchmachen, sind f&uuml;r die Basis kaum nachzuvollziehen&quot;, sagt er, &bdquo;aber wir m&uuml;ssen versuchen, das Unfassbare verst&auml;ndlich zu machen.&quot; Leicht wird das nicht. Nachtwei kommentiert es selbstironisch in der Terminologie dieser Tage: &bdquo;Daf&uuml;r braucht es jetzt den vollen Einsatz gr&uuml;ner Bodentruppen.&quot;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">ANMERKUNGEN</span></strong></p>
<p><em>Wie Deutschland in den Kosovokrieg geriet, erlebte ich als Abgeordneter der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen (seit 1994) aus M&uuml;nster, als Mitglied des Verteidigungsausschusses und als Aktivist der Friedensbewegung (seit 1980) ziemlich hautnah mit. Noch dichter dran mit mehr Einblicken hinter die Kulissen waren die Obleute des Ausschusses, bei uns die Kollegin Angelika Beer, und teilweise die Fraktionsvorsitzenden.</em></p>
<p><em>Um in dem politischen Tagesgew&uuml;hle nicht den &Uuml;berblick zu verlieren und die vielen F&auml;den zu halten, notierte ich von Anfang an intensiv mit &ndash; haupts&auml;chlich in DIN-A-4-Kladden (heute Nr. 45). Mit den Aufzeichnungen vor allem in den Bundestagsaussch&uuml;ssen, in Fraktion und AK IV (und auf Reisen) wollte ich den &Uuml;berblick &uuml;ber Ereignisse, Informationen, Positionen behalten und meine F&auml;higkeit zu gezielten Diskussionsbeitr&auml;gen und Fragen verbessern. Bei wichtigen und strittigen Themen kamen die Aufzeichnungen nahe an eine paraphrasierende Mitschrift, waren ansonsten aber keineswegs vollst&auml;ndig. Sie sind eine schriftliche Quelle, dabei unvermeidbar selektiv und subjektiv. Zusammen mit meinen reichen Best&auml;nden an Papieren erm&ouml;glichen die Aufzeichnungen Einblicke in politische Prozesse und regelrechte K&auml;mpfe, die in meinem Ged&auml;chtnis oft nur noch in groben Konturen pr&auml;sent sind.</em></p>
<p><em>In Form meiner Reiseberichte betreibe ich schon seit 1988 eine Ver&ouml;ffentlichung meiner pers&ouml;nlichen Aufzeichnungen &ndash; angefangen mit der Spurensuche in Minsk und Riga (Ghetto, Deportationen) und einer vierj&auml;hrigen NS-Prozessbeobachtung.</em></p>
<p><em>(Mit der Ver&ouml;ffentlichung von pers&ouml;nlichen Aufzeichnungen zu hei&szlig;en politischen Phasen begann ich im August 2011 mit &bdquo;11. September bis 22. Dezember 2001 &ndash; Von New York nach Afghanistan aus Berliner Sicht&ldquo;</em><em>(</em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=11-87&amp;aid=1074"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=11-87&amp;aid=1074</em></a><em>). 2013 folgten Aufzeichnungen 30 Jahre nach der Hoch-Zeit der Friedensbewegung der 1980er Jahre, 2016 Aufzeichnungen von der Bosnien-Reise von Fraktions- und Parteispitze im Okt. 1996 und ihren Schl&uuml;sselerfahrungen usw</em><em>.)</em></p>
<p><em>Jedes Mal war auff&auml;llig, wie &bdquo;vergessen&ldquo; bzw.&nbsp; verdr&auml;ngt wichtige, oft auch schmerzhafte Phasen unserer gemeinsamen Gegenwartsgeschichte sind. </em></p>
<p><em>Das gilt ganz besonders f&uuml;r die deutsche Beteiligung am Kosovokrieg 1999, beschlossen in der Startphase der ersten rot-gr&uuml;nen Koalition auf Bundesebene, mitgetragen von der Mehrheit einer Gr&uuml;nen Partei, f&uuml;r die solches noch im Bundestagswahlkampf 1998 v&ouml;llig undenkbar gewesen war. Ein Bundesparteitag billigte 2008 wohl einm&uuml;tig den Abschlussbericht der Friedens- und Sicherheitspolitischen Kommission, der auch eine selbstkritische Bilanzierung der Kosovo-Kriegsbeteiligung beinhaltete. Nichtsdestoweniger blieb der Kosovokrieg f&uuml;r viele, gerade &Auml;ltere im gr&uuml;n-linken-friedensbewegten Spektrum eine nicht verheilte Wunde. Und f&uuml;r die vielen j&uuml;ngeren Gr&uuml;nen ist es ein Streitthema aus gr&uuml;ner Fr&uuml;hgeschichte unter dem Teppich der &auml;lteren Generationen.</em></p>
<p><em>W&auml;hrend bei Gr&uuml;n`s Kosovo f&uuml;r ein belastetes, schmerzhaftes Kapitel der eigenen Vergangenheit steht und lieber verdr&auml;ngt wird, ist bei Olivgr&uuml;n eine andere Art des &bdquo;Vergessens&ldquo; auff&auml;llig. Im Juni wird die deutsche Beteiligung am internationalen KFOR-Einsatz 20 Jahre alt. Der milit&auml;rische UN-Auftrag, Absicherung der Friedensregelung und Verhinderung erneuter Kriegsgewalt im Kosovo, wurde erfolgreich erf&uuml;llt &ndash; und das ausgesprochen gewaltarm. Trotzdem gilt der KFOR-Einsatz von mehr als 100.000 deutschen Soldatinnen und Soldaten als &bdquo;vergessener Einsatz&ldquo;, in der allgemeinen &Ouml;ffentlichkeit, aber auch unter j&uuml;ngeren Bundeswehrangeh&ouml;rigen.</em></p>
<p><em>Es besteht also wahrlich aller Grund, das gesellschaftliche Kurzzeitged&auml;chtnis aufzufrischen:</em></p>
<ul>
<li><em>Das Licht einer internationalen Gemeinschaftsleistung f&uuml;r Kriegsverh&uuml;tung und Friedenssicherung auf dem Westbalkan sollte man nicht unter dem Scheffel halten!</em></li>
<li><em>Gerade f&uuml;r PolitikerInnen, die in einer Bundesregierung mitwirken wollen, kann die Erinnerung an eine Phase, wo internationale Verantwortung extrem gefordert war &nbsp;und Wunschdenken auf dem Betonboden der Realit&auml;ten aufschlug, besonders lehrreich sein. </em></li>
</ul>
<p><em>Dazu will ich mit der <strong>Reihe &bdquo;R&uuml;ckblende 20 Jahre Kosovo-Konflikt/-Krieg/-Einsatz&ldquo;</strong> und mit einem bebilderten <strong>Vortrag zu 20 Jahren KFOR</strong> beitragen. ( </em><a href="mailto:winfried@nachtwei.de"><em>winfried@nachtwei.de</em></a><em> )</em></p>
<p><em>Liste meiner <strong>Berichte + Stellungnahmen zu den Balkan-Kriegen und -Eins&auml;tzen </strong>(v.a. Kosovo)<strong> 1995-2019</strong></em></p>
<p><strong><em><span style="text-decoration: underline;">Empfehlenswerte Neuerscheinung</span></em></strong><em>: Hans-Peter Kriemann, Der Kosovokrieg 1999, RECLAM, mit zahlreichen Farbabbildungen und Karten, erscheint Ende Mai 2019, </em><a href="https://www.reclam.shop/detail/978-3-15-011212-0/Kriemann__Hans_Peter/Der_Kosovokrieg_1999"><em>https://www.reclam.shop/detail/978-3-15-011212-0/Kriemann__Hans_Peter/Der_Kosovokrieg_1999</em></a><em>&nbsp; </em></p></div>


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