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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Afghanistan: Wuchernde Fluchtursachen, einzelne HoffnungstrÃ¤ger - Zur Lagebeurteilung des AA und zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit AFG unter Bedrohung</title>
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    <span class="xar-mod-title">Afrika + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Afghanistan: Wuchernde Fluchtursachen, einzelne HoffnungstrÃ¤ger - Zur Lagebeurteilung des AA und zur deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit AFG unter Bedrohung         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 10. September 2017 12:28:11 +02:00 (101200 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Nach der Ausschaltung der deutschen Botschaft in Kabul durch den Lkw-Anschlag am 31. Mai verfasste das AA eine Lagebeurteilung der Sicherheitslage f&uuml;r Asylverfahren. Hierzu als Erg&auml;nzung meines Vortrags in Lemgo mein kritischer Kommentar und Nachrichten zum prek&auml;ren Stand der deutschen Entwicklungszusammenarbeit.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Afghanistan: Wuchernde Fluchtursachen,</strong></p>
<p align="center"><strong>einzelne Hoffnungstr&auml;ger &ndash; Zur Lagebeurteilung des AA und zur deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan unter Bedrohung</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (10.09.2017)</p>
<p>Der Saal des Cafe Vielfalt in Lemgo war am 4. September proppenvoll bei der&nbsp; Veranstaltung &bdquo;<em>Afghanistan &ndash; Flucht und Hoffnung</em>&ldquo;. Eingeladen hatten die &ouml;rtlichen Gr&uuml;nen.</p>
<p>Moderiert von Ute Koczy, Bundestagskandidatin in Lippe 1, ehemalige Kollegin und &nbsp;entwicklungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, hielt ich zun&auml;chst einen bebilderten Vortrag: Die ersten Jahre des deutschen und internationalen Afghanistaneinsatzes, die R&uuml;ckkehr des Krieges ab 2008, das Schicksal der in der ersten H&auml;lfte 2017 aus Deutschland nach Afghanistan Abgeschobenen, die aktuelle Situation.</p>
<p>Anschlie&szlig;end schilderte Dieter B&ouml;kemeier, Landespfarrer f&uuml;r Flucht und Migration der Lippischen Landeskirche, die zunehmend restriktivere Politik gegen&uuml;ber afghanischen Fl&uuml;chtlingen. Bei den engagierten Ehrenamtlichen wachse das Unverst&auml;ndnis gegen&uuml;ber der offiziellen Fl&uuml;chtlingspolitik, wo die Anerkennungsquote &ndash; offenbar politisch gewollt &ndash; immer mehr sinke. Mit Abschiebungen von afghanischen Fl&uuml;chtlingen wolle man sich nicht abfinden. Vorgestellt wird die &bdquo;Aktion Wachbleiben&ldquo;.</p>
<p>An der folgenden lebhaften Aussprache beteiligten sich auch junge afghanische Fl&uuml;chtlinge wie auch &auml;ltere Lemgoer afghanischer Herkunft. Stark war, wie der junge, noch nicht lange in Deutschland lebende &nbsp;Umaid Sultani unser Deutsch in Dari &uuml;bersetzte.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Hier einige Erg&auml;nzungen zu meinem Vortrag:</span></strong></p>
<p>(1) Zur j&uuml;ngsten Lagebeurteilung des Ausw&auml;rtigen Amtes f&uuml;r Afghanistan nach dem Anschlag am 31. Mai 2017</p>
<p>(2) Zu deutscher Entwicklungszusammenarbeit und Aufbauhilfe</p>
<p>(3) Meine aktualisierte Liste &bdquo;<em>Abschiebungen aus Afghanistan: Wichtigste aktuelle Berichte zur Sicherheitslage dort und zur Situation Abgeschobener</em>&ldquo;, 1. Mai/4. September 2017 ( <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1464">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1464</a> )</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">1. Zur j&uuml;ngsten Lagebeurteilung des Ausw&auml;rtigen Amtes</span></strong>(Stand Juli 2017)</p>
<p><em>(Zum AA-Papier nehme ich Stellung vor dem Hintergrund meiner fast 16-j&auml;hrigen Besch&auml;ftigung mit der Sicherheitslage in Afghanistan. Da seitens der Bundesregierung die Unterrichtungen des Parlaments und der &Ouml;ffentlichkeit zur Sicherheitslage Afghanistans jahrelang unzureichend und selbstbezogen waren, verfasste ich ab Sommer 2007 &bdquo;Materialien zur Sicherheitslage Afghanistans&ldquo;, in denen ich alle mir zug&auml;nglichen Quellen auswertete. Diese Materialien sollen jahrelang in Deutschland singul&auml;r gewesen sein. </em><em>(</em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=993"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=993</em></a><em>&nbsp; ).</em></p>
<p><em>Vgl. die Kommentare von Thomas Ruttig zur AA-Lagebeurteilung </em><strong>&bdquo;</strong><em>Sicheres Herkunftsland Afghanistan: Krasse Fehleinsch&auml;tzung, </em>15. August 2017, <a href="https://thruttig.wordpress.com/2017/08/15/auswartiges-amt-findet-afghanistan-fur-afghanische-zivilisten-ziemlich-sicher-fortsetzung/"><em>https://thruttig.wordpress.com/2017/08/15/auswartiges-amt-findet-afghanistan-fur-afghanische-zivilisten-ziemlich-sicher-fortsetzung/</em></a><em> .</em></p>
<p><strong>1.1</strong> <strong>Berichtslage zu Afghanistan generell</strong>: Afghanistan ist &ndash; unabh&auml;ngig vom ISAF-Abzug 2014 - immer noch ein Schwerpunktland des deutschen und internationalen Krisenengagements und der EZ. Die Unterrichtung von Parlament und &Ouml;ffentlichkeit durch die Bundesregierung war relativ am sorgf&auml;ltigsten und informativsten zwischen Ende 2010 und 2014, als halbj&auml;hrlich &bdquo;Fortschrittsberichte Afghanistan&ldquo; vorgelegt wurden.&nbsp; Seit 2015 gibt es im Wesentlichen nur noch die w&ouml;chentlichen &bdquo;Unterrichtungen des Parlaments&ldquo; zu Ereignissen in den Einsatzgebieten. Sie sind eingestuft als Verschlusssache &ndash; Nur f&uuml;r den Dienstgebrauch&ldquo; (niedrigste Geheimhaltungsstufe).</p>
<p>Die Lagebeurteilung erg&auml;nzt den Bericht des Ausw&auml;rtigen Amtes &bdquo;<em>&uuml;ber die asyl- und abschieberelevante Lage in der Islamischen Republik Afghanistan</em>&ldquo;, Stand September 2016.</p>
<p>Der Lkw-Anschlag am 31. Mai in unmittelbarer N&auml;he der Botschaft schr&auml;nkte ihre Arbeitsf&auml;higkeit massivst ein. Die Lagebeurteilung st&uuml;tzt sich im Wesentlichen auf &nbsp;Berichte von internationalen Organisationen (z.B. UNAMA, EASO).und NGO`s.</p>
<p><strong>1.2</strong> <strong>Die Passagen zur milit&auml;rischen Lage</strong> machen deutlich: Afghanistan ist insgesamt konfrontiert mit einem Gemenge von Terror- und Guerillakrieg sowie Aufstandsbek&auml;mpfung. Die krassen Verlustraten der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte in 2016 (8.146 Gefallene, davon 3.534 Polizisten, 14.278 Verwundete) machen das &uuml;beraus deutlich.</p>
<p>Fragw&uuml;rdig ist die angebliche NATO-Einsch&auml;tzung, wonach in milit&auml;rischer Hinsicht ein Patt bestehe. Nicht zur Sprache kommen kritische Feststellungen aus Berichten der US-Regierung:</p>
<p>- Mit zwanzig in der Region Afghanistan-Pakistan operierenden Aufst&auml;ndischen- und Terrornetzwerken sei das die h&ouml;chste Konzentration extremistischer und terroristischer Gruppen weltweit! (US Department of Defence, <em>Enhancing Security and Stability in Afghanistan</em>, Report to Congress (01.12.2016-31.05.2017), June 2017, S. 22; <a href="https://www.defense.gov/Portals/1/Documents/pubs/June_2017_1225_Report_to_Congress.pdf">https://www.defense.gov/Portals/1/Documents/pubs/June_2017_1225_Report_to_Congress.pdf</a></p>
<p>- General Nicholson, Kommandeur von Resolute Support und USFOR-A, bewertete die Ausnutzung der unregierten R&uuml;ckzugr&auml;ume in Pakistan durch Terroristen und afghanische Aufst&auml;ndische als den gr&ouml;&szlig;ten einzelnen externen Faktor, der den Einsatz der Koalition zum Scheitern bringen k&ouml;nne. (Pentagon-Report , S. 18)</p>
<p>- Das letzte Berichtsquartal (1. M&auml;rz bis 31. Mai 2017) hatte die h&ouml;chste Zahl an Sicherheitsvorf&auml;llen gegen&uuml;ber den Vergleichszeitr&auml;umen der Vorjahre mit 6.252 Vorf&auml;llen, d.h. 69,5 pro Tag. (Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), <em>35. </em><em>Quarterly Report to the US Congress</em>, 30.07.2017, S. 83, <a href="https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2017-07-30qr.pdf">https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2017-07-30qr.pdf</a>&nbsp;</p>
<p>- Laut SIGAR schieden im Jahr 2016 35% der Soldaten und Polizisten aus verschiedenen Gr&uuml;nden aus Armee und Polizei aus.</p>
<p><strong>1.3</strong> <strong>Priorit&auml;re Ziele der Aufst&auml;ndischen</strong> sind laut AA ausl&auml;ndische Truppen und Regierungsvertreter sowie die als ihre Verb&uuml;ndete geltenden afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (ANDSF) und Regierungsvertreter. Deren Bedrohung und die der MitarbeiterInnen von VN und Hilfsorganisationen unterscheide sich regional, nach einzelnen Gruppen und fluktuiere.</p>
<p>Das AA nennt</p>
<p>- 16 Provinzen mit konkreten Hinweisen auf bevorstehende Angriffe (Helmand, Kandahar, Khost, Kunar, Logar, Nangarhar, Paktiya, Uruzgan, Zabul und Teile von Badakhshan, Ghazni, Ghor, Kunduz, Paktika, Sar-e Pul, Wardak),</p>
<p>- 17 Provinzen, wo in naher Zukunft mit Angriffen zu rechnen sei (Kapisa, Kunduz,&nbsp; Laghman, Nuristan, und in Teilen von Badakhshan, Badghis, Daikundi, Farah, Faryab, Ghor, Herat, Kunduz, Nimroz, Paktika, Parwan, Sar-e Pul, Hauptstadt Kabul),</p>
<p>- acht Provinzen, wo es allgemeine Hinweise auf drohende Angriffe gebe (Badghis, Daikundi, Faryab, Ghazni, Herat, Nimroz, Parwan),</p>
<p>- und 12 Provinzen, wo es keine Anzeichen f&uuml;r &ndash; grunds&auml;tzlich m&ouml;gliche &ndash; Angriffe gebe (Baghlan, Balkh, Bamyan, Jowzjan, Panshir, Samangan, Talhar und in Teilen von Daikundi, Farah, Ghazni, Ghor, Wardak).</p>
<p>Dass zur letzten, sicherer erscheinenden&nbsp; Gruppe z.B. die Provinz Baghlan (s&uuml;dlich Kunduz) gez&auml;hlt wird, stimmt mit der realen Sicherheitslage dieser Provinz nicht &uuml;berein und weckt Zweifel an der Seri&ouml;sit&auml;t dieser Zuordnungen. Thomas Ruttig widerspricht auch der &bdquo;Sicherer&ldquo;-Bewertung von Teilen der Provinzen Ghor, Farah, Ghazni und Wardak. (15.08.2017)</p>
<p><strong>1.4 Bedrohungslage f&uuml;r afghanische Zivilisten</strong>: Die aus den Zahlen des UNAMA-Berichts zu Zivilopfern abgeleitete Feststellung, die Bedrohungslage habe sich &bdquo;<em>f&uuml;r afghanische Zivilisten seit Ende der ISAF-Mission nicht wesentlich ver&auml;ndert</em>&ldquo;, ist durch die Wahl des Vergleichsjahres 2015 irref&uuml;hrend und sachlich falsch. Der faktische ISAF-Abzug fand im Laufe des Jahres 2014 statt. In 2014 erh&ouml;hte sich die Zahl der afghanischen Zivilopfer um 22% auf 10.548, davon 3.699 Tote, und blieb seitdem auf diesem Extremniveau. (<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1484">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1484</a> )</p>
<p>Das AA konstatiert: &bdquo;<em>Im Vergleich zu den Sicherheitskr&auml;ften, Vertretern der afghanischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft wird daher die unmittelbare militante Bedrohung f&uuml;r die afghanische Bev&ouml;lkerung &ndash; selbst in den Gebieten unter Taliban-Kontrolle &ndash; als niedrig bewertet. Allerdings zeigen die letzten Jahre, dass die Taliban zivile Opfer immer wieder in Kauf nehmen. Einer erh&ouml;hten Gef&auml;hrdung ist zudem jener Personenkreis ausgesetzt, der &ouml;ffentlich gegen Taliban Position besieht wie zum Beispiel Journalisten oder erkennbar von ihrer islamistischen Ideologie abweicht wie zum Beispiel Konvertiten oder Angeh&ouml;rige sexueller Minderheiten</em>.&ldquo;</p>
<p>Die Behauptung einer vergleichsweise niedrigen militanten Bedrohung der Bev&ouml;lkerung ist selbstbezogen, realit&auml;tsfern und besch&ouml;nigend:</p>
<p>Nicht unterschieden werden</p>
<p>-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Politisch priorit&auml;re Zielgruppen und -personen, f&uuml;r die es abgestuft besondere Schutzma&szlig;nahmen gibt,</p>
<p>-&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Faktische Opfergruppen, die zum gro&szlig;en Teil ungesch&uuml;tzt sind (angefangen bei Polizisten in schwachen Checkpoints) und durch unterschiedslos wirkende IED`s, Selbstmordattent&auml;ter und komplexe Angriffe als &bdquo;Kollateralopfer&ldquo; verwundet oder get&ouml;tet werden.</p>
<p>Hinzu kommt neben der physischen die psychische Wirkung von terroristischen Gewalttaten, viele davon regelrechte Massaker-Angriffe, deren Prim&auml;rzwecke Verbreitung von Ohnmacht, Angst und Schrecken, Zerst&ouml;rung von Vertrauen,&nbsp; Polarisierung, Konfessionalisierung, Destabilisierung sind.</p>
<p>Schlie&szlig;lich leiden Zivilopfer in der Normalbev&ouml;lkerung unter den Bedingungen eines mangelhaften Gesundheits- und Sozialsystems viel mehr an den Folgen ihrer Verletzungen, sind ihre Heilungschancen nach Explosionsverletzungen viel geringer.</p>
<p>Der letzte UNAMA-Bericht &bdquo;Zivilopfer&ldquo; f&uuml;r das erste Halbjahr 2017 fasst zusammen:</p>
<p><strong>Der bewaffnete Konflikt durchdringt inzwischenalle vorstellbaren Alltagssituationen<em>:</em></strong><em> &ldquo;Reflecting the extent to which the armed conflict invaded the lives of Afghans countrywide</em></p>
<p><em>during the first half of the year, violence killed and maimed civilians in nearly every conceivable setting of day to day life. Civilians lost their lives, limbs, sight or suffered harm</em></p>
<p><em>while inside of their own homes, travelling on public roads, attending classes, praying in </em></p>
<p><em>mosques, purchasing food, playing outside, working in offices, laboring in agricultural fields, visiting the bank, and lying in hospital beds.&rdquo; </em><em>(S. 7)</em></p>
<p>Angesichts der komplexen Wirkungen von Gewaltkonflikten und Terroranschl&auml;gen Bedrohungslagen mit der Relation Zivilopfer auf 10.000 Einwohner zu bewerten (z.B. drei auf 10.000 Einwohner in Kabul), ist realit&auml;ts- und menschenfern.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>1.5 Binnenvertriebene</strong>: Das AA zitiert UNHCR, wonach seit Januar 2017 rund 150.000 Menschen ihren afghanischen Wohnort wegen der Gewaltkonflikte verlassen haben. 2016 waren ca. 670.000 Personen vertrieben worden, vor allem aus umk&auml;mpften Provinzen: Kunduz (186.300 Personen), Helmand (84.500).</p>
<p>(Laut Tolonews gab es 2017 bis zum 31. August 224.000 Binnenvertriebene, &uuml;ber 90.000 (40%) in der Nord- und Nordostregion, dem fr&uuml;heren deutschen Verantwortungsgebiet.)</p>
<p>Zusammengefasst: Bei den Binnenvertriebenen in Afghanistan sind Krieg und Gewalt die Fluchttreiber Nr. 1.</p>
<p><strong>1.6 Aufnahmef&auml;higkeit</strong>: Zu den vielen Binnenvertriebenen kommen die zur&uuml;ckkehrenden Fl&uuml;chtlinge und Migranten aus Pakistan und Irak, 2016 waren es &uuml;ber 1 Million. Seit Jahresbeginn kamen 108.000 aus Pakistan und 172.000 aus Iran ins Land. &bdquo;Trotz internationaler Hilfe &uuml;bersteigt der derzeitige Versorgungsbedarf allerdings das vorhandene Ma&szlig; an Unterst&uuml;tzungsma&szlig;nahmen seitens der Regierung.&ldquo; Deutsch-Afghanen in unserem &bdquo;Villigst-Kreis&ldquo; berichten nach Besuchen in Afghanistan von katastrophalen Lebensbedingungen der Fl&uuml;chtlinge. Nach 40 Jahren (!) Krieg sind laut Thomas Ruttig die &bdquo;M&ouml;glichkeiten und oft auch der Wille &ouml;rtlicher Bev&ouml;lkerungen, sich ethnisch Verwandten gegen&uuml;ber solidarisch zu zeigen, v&ouml;llig ausgelaugt.&ldquo;</p>
<p><strong>1.7 Individuelle Bedrohung</strong>: Lt. AA gebe es in Afghanistan keine systematisch staatlich organisierte Gewalt gegen die eigene Bev&ouml;lkerung. Allerdings k&ouml;nne die Regierung h&auml;ufig nicht ihre Schutzpflicht effektiv wahrnehmen.</p>
<p>&bdquo;<em>Die Lebensbedingungen des Einzelnen h&auml;ngen von seiner Stellung im &ouml;rtlich herrschenden Machtgef&uuml;ge und Verh&auml;ltnis zu den beteiligten Gruppierungen ab und werden von der Stabilit&auml;t der &ouml;rtlichen Machtverh&auml;ltnisse beeinflusst. Seine Bedrohung kann nur unter Ber&uuml;cksichtigung regionaler und lokaler Gegebenheiten und &bdquo;unter Einbeziehung s&auml;mtlicher individueller Aspekte des Einzelfalls&ldquo; (UNHCR) wie Ethnie, Stamm, Konfession, Geschlecht, Familienstand, und Herkunft beurteilt werden</em>.&ldquo;</p>
<p><strong>1.8 Zusammengefasst</strong>: Die Lagebeurteilung des AA l&auml;sst die viel beschworenen &bdquo;innerstaatlichen Fluchtalternativen&ldquo; kaum erkennen. Und wo die Lage wie in Bamyan oder Panshir tats&auml;chlich vergleichsweise ruhig ist, sind die Aufnahmekapazit&auml;ten kaum gegeben.</p>
<p>Das AA stellt mit UNHCR fest, dass bewaffnete K&auml;mpfe Hauptursache der Binnenvertreibungen sind. Die Bundeskanzlerin u.a. erweckten in &Auml;u&szlig;erungen der letzten Zeit demgegen&uuml;ber den Eindruck, als seien die afghanischen Fl&uuml;chtlinge nur wirtschaftlich motiviert, als spielten Krieg und Gewalt als Fluchttreiber keine Rolle.</p>
<p>Deutlich wird in der Lagebeurteilung das Ausma&szlig; des flukturierenden und opferreichen Gewaltkonfliktes sowie die Un&uuml;bersichtlichkeit und Unberechenbarkeit der Gewalteskalationen.</p>
<p>Pauschal verharmlost wird die physisch-psychische Bedrohungslage der Zivilbev&ouml;lkerung. Diese Schl&uuml;sselpassage ist eine typische Beurteilung &bdquo;nach Aktenlage&ldquo;, abweichend von Sicherheitsbeurteilungen der UN und der US-Regierung, fehlerhaft in Bezug auf etliche Provinzen und ohne jede Empathie.</p>
<p>Insgesamt ist die Lagebeurteilung f&uuml;r Asylverfahren nicht seri&ouml;s brauchbar.</p>
<p>Sie setzt eine Traditionslinie der regierungsoffiziellen Afghanistan-Lagebeurteilungen fort, wo der Fokus vorwiegend auf die &bdquo;eigene Sicherheit&ldquo; (weniger auf die Sicherheit der afghanischen Bev&ouml;lkerung) gerichtet und die immer wieder von Sch&ouml;nrednerei gepr&auml;gt war.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">2. Aufbau und Entwicklungszusammenarbeit trotz alledem</span></strong></p>
<p>Schlechte Nachrichten dominieren notorisch die Medienberichterstattung und Wahrnehmung, zumal von Konfliktl&auml;ndern. Deren Wirklichkeit ist in der Regel nicht homogen, sondern buntscheckig, ein fluktuierendes Gemenge von Kriegsflecken und mehr oder weniger fragilen Friedensinseln.</p>
<p>Bei meinen inzwischen 19 Afghanistanbesuchen habe ich auch regelm&auml;&szlig;ig Ausschau gehalten nach solchen Friedensinseln, konstruktiven Akteuren und Prozessen Inzwischen ist es immer schwerer, an solche ranzukommen. Aber es gibt sie noch.</p>
<p><strong>2.1 Engeneering College bei Mazar</strong>: Im Februar 2015 besuchte ich den im Bau befindlichen Technical and Vocational (Berufsausbildung) Education and Training (TVET) Campus Takhta Pul bei Mazar-e Sharif.</p>
<p>Das Agicultural Veterinary Institute f&uuml;r 720 Studierende und die Technical Teacher Training Academy (Berufsschullehrerakademie) f&uuml;r 500 Studierende nahmen 2016 ihren Betrieb auf. (An den beiden Landwirtschaftsschulen in Mazar und der Agricultural High School Kunduz lernen insgesamt 2.000 junge Leute.)</p>
<p>Am 7. Mai 2017 wurde nun auch das Engeneering College f&uuml;r 720 Studierende feierlich eingeweiht. Als n&auml;chstes soll eine Turnhalle und ein Kindergarten gebaut werden.</p>
<p>Der TVET-Campus ist Teil eines breiten Berufsausbildungsprogramms der afghanisch-deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Bau und Infrastruktur finanzierte die deutsche Kreditanstalt f&uuml;r Wiederaufbau (KfW Entwicklungsbank). Die Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) ist f&uuml;r Capacity Development verantwortlich.</p>
<p>Das TVET ist ein zentraler Eckstein f&uuml;r Aufbau und Arbeitsbeschaffung in Afghanistan, wo es einen akuten Bedarf an ausgebildeten Arbeitskr&auml;ften gibt.</p>
<p>- PEM CONSULT zur Er&ouml;ffnung des Engeneering College <a href="https://www.pem-consult.de/news/inauguration-of-the-engineering-college-for-720-students-in-balkh-afghanistan.html">https://www.pem-consult.de/news/inauguration-of-the-engineering-college-for-720-students-in-balkh-afghanistan.html</a></p>
<p>- Pressemitteilung German Cooperation with Afghanistan <a href="http://www.germancooperation-afghanistan.de/en/news/new-engineering-college-720-students-balkh">http://www.germancooperation-afghanistan.de/en/news/new-engineering-college-720-students-balkh</a></p>
<p><strong>2.2 Zwei Schulen, ein Teacher Training College und ein Bew&auml;sserungskanal</strong></p>
<p>Mit deutscher Hilfe entstanden in den Provinzen Badakhshan, Balkh, Kunduz, Sar-e Pul und Takhar f&uuml;nf Teacher Training Colleges mit 2012 27 Au&szlig;enstellen und 39 Partnerschulen. 2013 beendeten mehr als 4.000 Frauen und M&auml;nner erfolgreich ihre Lehrerausbildung. 2014 erprobten diese f&uuml;nf TTC`s das neue Curriculum Peace Education, das vom Teacher Education Direktorate mit Unterst&uuml;tzung von GIZ und UNESCO entwickelt worden war. Im Februar 2015 wurde das Curriculum landesweit in allen TTC`s eingef&uuml;hrt. Hierf&uuml;r wurden 45.000 Textb&uuml;cher gedruckt.</p>
<p>In der s&uuml;dlich Kunduz liegenden Provinz Baghlan &ndash; in Deutschland fast nur wegen des Bundeswehreinsatzes im Highway Triangle und um den OP North - wurde am 10. Juli 2017 das sechste mit deutscher Hilfe errichtete Teacher Training College &uuml;bergeben. Hier sollen &uuml;ber 160 k&uuml;nftige Lehrer in zwei Jahren auf ihren Beruf vorbereitet werden.</p>
<p>Am selben Tag &uuml;bergab die Afghanisch-Deutsche Zusammenarbeit zwei neu errichtete Schulen im Distrikt Deah Salah f&uuml;r 580 Jungen und 530 M&auml;dchen sowie einen neuen Bew&auml;sserungskanal, der 5.600 Familien zu Gute kommt. Die Projekte waren von den District Development Assemblies und dem Provincial Department of Education gemeinsam beschlossen worden. Die Finanzierung lief &uuml;ber das deutsche Stabilisierungsprogramm f&uuml;r Nordafghanistan und die KfW, die Umsetzung leistete die Agha Khan Foundation zusammen mit der NGO Mercy Corps und der franz&ouml;sischen Agency for Technical Cooperation und Development (ACTED).</p>
<p><a href="http://www.ez-afghanistan.de/de/news/two-schools-teacher-training-college-and-irrigation-canal-inaugurated-baghlan">http://www.ez-afghanistan.de/de/news/two-schools-teacher-training-college-and-irrigation-canal-inaugurated-baghlan</a></p>
<p><strong>2.3</strong> <strong>Deutsche Zusammenarbeit mit Afghanistan</strong></p>
<p>Detaillierte Informationen zur Deutschen Zusammenarbeit mit Afghanistan auf Ebene der Bundesregierung und ihrer Durchf&uuml;hrungsorganisationen</p>
<p>- in Form von Pressemitteilungen, Geschichten, Fotos + Videos nach</p>
<p>- Schwerpunkten (Gute Regierungsf&uuml;hrung, Energie, Wasser, Humanit&auml;re Hilfe &amp; Stabilisierung, Bildung, Flucht &amp; Migration, Wirtschaftswachstum)</p>
<p>- Provinzen (Badakhshan, Baghlan, Balkh, Kundut, Takhar, Samangan, Kabul, landesweit),</p>
<p>- Zeitr&auml;umen unter <a href="http://www.ez-afghanistan.de/de/news?&amp;&amp;field_ez_news_date_value%5Bvalue%5D%5Byear%5D=2016&amp;&amp;page=1&amp;lang=de">http://www.ez-afghanistan.de/de/news?&amp;&amp;field_ez_news_date_value%5Bvalue%5D%5Byear%5D=2016&amp;&amp;page=1&amp;lang=de</a></p>
<p>Eine Kurz&uuml;bersicht zur Arbeit deutscher Hilfs- und Nichtregierungsorganisationen in Afghanistan in meinem Reisebericht vom November 2016 (<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1441</a> )</p>
<p><strong>Auf einen Blick: Datasheet </strong>(Stand November 2016)</p>
<p>Seit 2009</p>
<p>- &uuml;ber 3,17 Mrd. Euro Gesamtinvestitionen von BMZ und AA (ohne 333 Mio. Euro F&ouml;rdermittel f&uuml;r NGO`s),</p>
<p>- mehr als 500 Vorhaben</p>
<p>- in 305 Distrikten in allen 34 Provinzen</p>
<p>- 98 Umsetzungsorganisationen,</p>
<p>- 60 afghanische Partnerorganisationen,</p>
<p>Im Oktober 2016 arbeiteten etwa 1.900 Frauen und M&auml;nner, darunter fast 160 deutsche und internationale ExpertInnen, f&uuml;r die Durchf&uuml;hrungsorganisationen GIZ und KfW Entwicklungsbank in Afghanistan.</p>
<p>&nbsp;<a href="http://www.ez-afghanistan.de/sites/default/files/Datasheet%20-%20German%20Cooperation%20with%20Afghanistan%20-%20German_0.pdf">http://www.ez-afghanistan.de/sites/default/files/Datasheet%20-%20German%20Cooperation%20with%20Afghanistan%20-%20German_0.pdf</a></p>
<p><strong>2.4 Nach den Angriffen auf das Generalkonsulat in Mazar (November 2016) und die Botschaft (31. Mai 2017)</strong></p>
<p>Die Anschl&auml;ge haben die deutsche Aufbauhilfe und Entwicklungszusammenarbeit ins Mark getroffen. Die deutschen und internationalen MitarbeiterInnen wurden praktisch alle abgezogen. Wieweit die bisherigen Ortskr&auml;fte noch zur Verf&uuml;gung stehen oder sich vielleicht zur&uuml;ckziehen, wei&szlig; ich nicht.</p>
<p>&Uuml;ber &bdquo;Fernsteuerung&ldquo; und mit Hilfe verl&auml;sslicher Ortskr&auml;fte, anderer Umsetzungs- und&nbsp;&nbsp; Partnerorganisationen l&auml;sst sich manches eine Weile &uuml;berbr&uuml;cken. Auf die Dauer kann aber die Afghanisch-Deutsche Zusammenarbeit ohne gewisse Pr&auml;senzen vor Ort und direkte Kommunikation und Einblicke vor Ort nicht funktionieren.</p>
<p>Im j&uuml;ngsten SIGAR-Report vom 31. Juli ist der Umgang mit Risiken in Afghanistan Thema des ersten Kapitels: Etliche US-Diplomaten und -Zivilbesch&auml;ftige s&auml;hen das Afghanistan au&szlig;erhalb der internationalen Zone nur beim Hubschrauberflug zwischen Botschaft und Internationalem Flughafen. Bei seinem letzten Besuch war die allgemeine Klage des Botschaftspersonals, man sei nicht in der Lage rauszugehen, um seinen Job zu machen. Extreme Risikovermeidung schm&auml;lere die Erfolgsaussichten einer Mission. Diplomatie, Aufbau und &Uuml;bersicht seien nicht per Telefon oder Telearbeit von zuhause aus zu leisten &ndash; sie m&uuml;ssten pers&ouml;nlich und im Feld getan werden. Essentiell sei eine kluge Akzeptanz von Risiken: Risiken mildern, aber die Leute ihren Job machen lassen!</p>
<p>( <a href="https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2017-07-30qr.pdf">https://www.sigar.mil/pdf/quarterlyreports/2017-07-30qr.pdf</a> )</p>
<p>Der Zielkonflikt und das Abw&auml;gen zwischen Auftrag und Selbstschutz/Risikoreduzierung ist f&uuml;r Milit&auml;rs ein Berufsthema. Im politischen Umgang mit Eins&auml;tzen wird dieser Zielkonflikt eher verdr&auml;ngt &ndash; oder klammheimlich in dem Sinne &bdquo;gekl&auml;rt&ldquo;, dass z.B. Ausbildungshilfe nur im Camp und ohne Partnering geleistet wird,&nbsp; dass zu bestimmten Zeiten Verluste &bdquo;nicht passieren durften&ldquo;.</p>
<p>&Uuml;ber die sukzessive Versch&auml;rfung der Sicherheitslage in Afghanistan wird dieser Zielkonflikt auch f&uuml;r das polizeiliche und EZ-Engagement in Konfliktl&auml;ndern zu einem Thema, das nicht l&auml;nger tabuisiert werden d&uuml;rfte. Das ist viel leichter gesagt als getan, weil hier die Skandalisierungsm&ouml;glichkeiten und &ndash;interessen erheblich sind. Wenn es aber um wirksame Krisenbew&auml;ltigung, Friedenssicherung und &ndash;f&ouml;rderung geht, kommt man um die Frage des notwendigen und verantwortlichen Umgangs mit Risiken nicht herum.</p></div>


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