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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Engagement in vielen Facetten&quot; - Vorstellung meines freiwilligen gesellschaftlichen Engagements in einem Seminar der Uni MÃ¼nster Ã¼ber Soziales Unternehmertum</title>
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    <span class="xar-mod-title">Demokratie + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            &quot;Engagement in vielen Facetten&quot; - Vorstellung meines freiwilligen gesellschaftlichen Engagements in einem Seminar der Uni MÃ¼nster Ã¼ber Soziales Unternehmertum         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 12. August 2018 12:40:06 +02:00 (48619 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Ein pers&ouml;nlicher Kommentar zur Dienstpflicht-Debatte: Wie freiwilliges b&uuml;rgerschaftliches Engagement Spa&szlig; + Sinn machen und anfeuern <strong>kann</strong>.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Engagement in vielen Facetten&ldquo; &ndash; Vorstellung meines freiwilligen gesellschaftlichen Engagements in einem Seminar der Uni M&uuml;nster</strong></p>
<p>Erschienen in: Berthold Tillmann, Annette Zimmer, Investitionen in Gemeinschaft und Gesellschaft &ndash; Soziales Unternehmertum in M&uuml;nster, Dokumentation eines Seminars, 2011</p>
<p align="center">(Fotos unter <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a>)</p>
<p><strong>&bdquo;Man kann es nicht wieder r&uuml;ckg&auml;ngig machen, aber man kann wenigstens die dicke Decke des Vergessens wieder wegziehen&ldquo;</strong></p>
<p>&bdquo;Mein famili&auml;rer Hintergrund war f&uuml;r die Entwicklung meines Engagements sehr wichtig. Mein Elternhaus in D&uuml;sseldorf war engagiert katholisch. Mein Vater hat die Landeszentrale f&uuml;r politische Bildung aufgebaut. Dadurch habe ich von vornherein ein politisches Grundinteresse bzw. ein Interesse am Gemeinwesen entwickelt. Das hat sich bei mir dahingehend konkretisiert, dass ich w&auml;hrend der Schulzeit als Messdiener und dann in einer Jugendgruppe als Gruppenf&uuml;hrer aktiv wurde.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die zweite Stufe meines freiwilligen Engagements war ganz anderer Art. Ich bin 1965 freiwillig zum Bund gegangen. Kriegsdienstverweigerung kam f&uuml;r mich gar nicht in Frage. Statt der 18 Monate hab ich mich freiwillig f&uuml;r 24 Monate verpflichtet. Zum einen fand ich es notwendig, etwas f&uuml;r die Verteidigung der Freiheit zu tun, zum zweiten war absehbar, dass ich hinterher einen Schreibtischberuf machen w&uuml;rde, also wollte ich wenigstens dort ma mit anderen Leuten zusammen kommen.</p>
<p>Und tats&auml;chlich habe ich dort f&uuml;r die sp&auml;tere Arbeit so manches N&uuml;tzliche gelernt.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Als ich 1967 angefangen habe, Geografie, Politikwissenschaft und Geschichte in M&uuml;nster zu studieren, erreichte ich die dritte Stufe des Engagements. Damals war das noch eine richtige Ordinarien-Uni. Ich hatte den Eindruck, es g&auml;be bei der Bundeswehr mehr Rechte f&uuml;r die Soldaten als an der Universit&auml;t f&uuml;r die Studierenden. Das war zun&auml;chst eine gro&szlig;e Entt&auml;uschung.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ich war damals ein demokratischer Idealist und das br&ouml;ckelte auf einmal. Vor dem Studium w&auml;re ich bereit gewesen, freiwillig nach Vietnam zu gehen. Ich meinte, das sei notwendig zur Verteidigung der Freiheit. W&auml;hrend des Studiums habe ich durch verschiedene Anl&auml;sse, auch durch die Presse, gemerkt, dass es gar nicht darum ging. Das war einfach nur ein f&uuml;rchterlicher, f&uuml;rchterlicher Krieg. Und w&auml;hrend &nbsp;meines dreisemestrigen&nbsp; Studiums in M&uuml;nchen habe ich mich in einer Seminararbeit zu Lateinamerika intensiv mit der Geschichte Lateinamerikas auseinander gesetzt. Da ist f&uuml;r mich die bisherige F&uuml;hrungsmacht der feinen Welt, die USA,, zusammengebrochen, weil sich mir Geschichte des US-amerikanischen Imperialismus in Lateinamerika erschloss.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Danach gab es immer wieder neue Impulse, angefangen in der Fachschaft Geografie in M&uuml;nster. Das war dann wirklich wieder freiwilliges Engagement. Thema in der Fachschaft war die Reform des Studiums. Daneben war aber auch der Spa&szlig;faktor wichtig. Eine ausschlie&szlig;liche, sture Reform des Studienbetriebs w&auml;re gar nicht vorstellbar gewesen, die Arbeit musste auch richtig Spa&szlig; machen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Erfahrungen w&auml;hrend des Studiums haben mich politisiert. Vietnamspielte eine Rolle, aber auch andere Erlebnisse: 1968 beispielsweise war Kurt Georg Kiesinger als damaliger Kanzler zum Kramermahl in M&uuml;nster. Drau&szlig;en gab es eine Demonstration. Ich sah keinen Anlass f&uuml;r die Demonstranten, habe sie mir aber angeschaut. Am n&auml;chsten Tag wurde berichtet, wie Kiesinger &uuml;ber die Demonstration hergezogen h&auml;tte. Ich habe daraufhin einen Leserbrief geschrieben, der nicht abgedruckt wurde. Das war wieder eine Entt&auml;uschung. Ich war damals noch sehr CDU-nah, demokratischer Idealist und eher konservativ. Es gab aber mehr und mehr Protesterlebnisse, die das Engagement inhaltlich immer weiter nach links verschoben haben.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Aus der Fachschaft Geschichte in M&uuml;nchen entwickelte sich die &bdquo;Rote Zelle Geschichte&ldquo;. In der Fachschaft Geschichte trafen sich jede Woche ca. 200 Leute. Und ich habe nach einem halben Jahr das erste Mal den Mund aufgemacht. Heute ist das f&uuml;r mich unvorstellbar. Wer w&uuml;rde&nbsp; heute irgendwo hingehen und ein halbes Jahr nichts sagen k&ouml;nnen? V&ouml;llig &bdquo;bescheuert&ldquo;. So duselig war ich jedenfalls damals, aber ich bin dabei geblieben.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Schlie&szlig;lich habe ich in M&uuml;nster angefangen, in anti-imperialistischen Komitees zu arbeiten, die Solidarit&auml;t mit nationalen Befreiungsbewegungen in Namibia, S&uuml;dafrika, Simbabwe, Pal&auml;stina und Lateinamerika propagierten. Man leistete dort Informationsarbeit, organisierte Solidarit&auml;t, sammelte Geld und holte Referenten aus den Regionen. Mitte der 70er Jahre war auch die Hoch-Zeit der dogmatischen K-Gruppen, die mit ihrem &bdquo;klaren&ldquo; Weltbild und ihrer Entschlossenheit f&uuml;r etliche Engagierte &ndash; zeitweilig &ndash; anziehend wirkten, auch f&uuml;r mich.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die n&auml;chste Etappe verlief bei mir parallel zur Entstehung der neuen sozialen Bewegungen in der Bundesrepublik ab Ende der 70er Jahre in der Anti-AKW-Bewegung. Als Teil einer kleinen Organisation engagierte ich mich vor allem im Rahmen&nbsp; von Demonstrationen. Auf der einen Seite war das Motiv der Kampf gegen Atomkraft. Aber auch die sehr gruppenbildende und solidarisierende Erfahrung war wichtig: 30.000 Demonstrierende und darum herum Polizeimassen noch und n&ouml;cher. Das st&auml;ndige Wechselspiel zwischen &auml;u&szlig;erem Druck und innerer Solidarisierung kennzeichnete das freiwillige Engagement im Rahmen der neuen sozialen Bewegung.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ganz anders war dagegen die Gewerkschaftsarbeit als junger Lehrer in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Mit einem ordentlichen Sitzungsturnus, mit ordentlicher Organisation, mit Vorsitzenden, mit Wahlen, mit Artikelschreiben und allem, was zu einer ordentlichen Vorstandsarbeit dazu geh&ouml;rt.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Anfang der 1980er Jahre fand ich eine neue Form individuellen Engagements. Rupert Neudeck hatte damals mit der Hilfsaktion &bdquo;Cap Anamur&ldquo; begonnen, woraus das Not&auml;rzte-Komitee entstand. Meine Frau ist damals zusammen mit anderen &Auml;rzten von der Uni-Klinik nach Thailand/Kambodscha, dann nach Somalia und Uganda gegangen und hat in Fl&uuml;chtlingslagern gearbeitet. In Deutschland wurde dar&uuml;ber kaum berichtet, in der Presse gab es nur ab und zu eine Meldung von Granaten-&Uuml;berf&auml;llen. Da wurde ich unruhig. Dann aber sind Briefe von ihr gekommen, durch die ich viel erfahren habe. So konnte ich die &nbsp;Geschehnisse einordnen. Es ist wichtig, etwas einordnen zu k&ouml;nnen und die schlimmen Meldungen nicht als ganze Wahrheit zu akzeptieren.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bei einem Einsatz in Somalia kam ich auch selbst mit. Meine gesamten Schulferien, sechs Wochen, verbrachte ich in Somalia. Meine Frau und ich hatten einen einzigen freien Tag zusammen. Aber ich kann mich nicht an keinen &bdquo;Urlaub&ldquo; erinnern, der f&uuml;r mich mental so erholsam gewesen w&auml;re, obwohl ich die ganze Zeit gearbeitet habe. Aber das war so sinnvoll, eine &auml;u&szlig;erst befriedigende Arbeit. Zugleich aber hat man Ber&uuml;hrungen mit der H&ouml;lle auf Erden und Einblicke in die Brutalit&auml;t des &bdquo;kleinen Kriegs&ldquo;, z.B. als ein Junge eingeliefert</p>
<p>wurde, der sechs Tage vorher auf eine Mine getreten war. Die Eltern hatten ihn sechs Tage lang zum Krankenhaus gebracht, der Junge br&uuml;llte nicht, er jammerte nicht. Aus den Lumpen wurde das Gefetzte heraus gewickelt, das habe ich jetzt noch vor Augen, ich kann es fast noch riechen. In dieser Situation habe ich ein Gesp&uuml;r f&uuml;r die Trag&ouml;dien des Krieges entwickelt, die unauff&auml;llig im Hintergrund bleiben. Denn was bedeutet im Krieg schon eine einzelne Minenverwundung?</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Auch aus diesen Erfahrungen heraus folgte in den 1980er Jahren ein inhaltlicher Paradigmenwechsel. Mir wurde bewusst, was atomare Abschreckung bedeutete. Ich war selbst Offizier bei einem Atomwaffenverband gewesen, 15 Jahre sp&auml;ter ist mir aufgegangen, was das f&uuml;r ein Wahnsinn ist. Die Verteidigung des eigenen Landes, gegebenenfalls mit Atomwaffen! Wobei alles, was zu verteidigen ist, kaputt gegangen w&auml;re! Das war die Zeit der Friedensbewegung, die damals in allen St&auml;dten in der Bundesrepublik sehr stark wurde. Es gab hier in M&uuml;nster unz&auml;hlige Friedensgruppen, und allein zu unserer sind jede Woche 20</p>
<p>bis 40 Leute gekommen. Wir besch&auml;ftigten uns inhaltlich intensiv mit der Friedensbewegung und der atomaren Aufr&uuml;stung&nbsp; und diskutierten unter anderem mit Jugendoffizieren dar&uuml;ber. Ich habe mich z.B. an Sitzblockaden beteiligt, was einen Prozess und r&uuml;ckwirkend einen Freispruch nach sich zog. Das war die intensivste Zeit der sozialen Bewegungen. Zugleich habe ich mich ehrenamtlich bei den Gr&uuml;nen engagiert. 1983 und1987 war ich der erste Bundestagskandidat der Gr&uuml;nen in M&uuml;nster. 1994 schaffte ich es im dritten Anlauf in den Bundestag, in dem ich 15 Jahre t&auml;tig war.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das letzte Engagementfeld war ab 1988 das Projekt &bdquo;Spurensuche&ldquo; &ndash; Eine Spurensuche ausgehend von den vielen Kriegerdenkm&auml;lern, die es rund um die Promenade in M&uuml;nster gibt. Ich habe Dokumentationen &uuml;ber Spuren der Kriege gegen Russland und &uuml;ber den Vernichtungskrieg der Sowjetunion im M&uuml;nsterland zusammen gestellt. Au&szlig;erdem habe ich zu den verschiedenen Zwangsarbeiterlagern hier in der Umgebung recherchiert. Dann wurde durch verschiedene Ereignisse 1988 bekannt, dass hier ein ehemaliger lettischer Hauptmann Unterschlupf gefunden hatte. Ihm wurde vorgeworfen, an der Erschie&szlig;ung von Zivilisten in Ostlettland im Krieg beteiligt gewesen zu sein. 1989 reiste ich deshalb mit meiner Frau nach Riga. Dort begann meine Spurensuche zu den Judendeportationen aus M&uuml;nster, Westfalen, Rheinland und anderen Regionen in das &bdquo;Reichsjudenghetto Riga&ldquo;. Ich war offensichtlich aus Westdeutschland der Erste, der diese Spuren in Riga ausfindig gemacht hatte. Der Zustand der Massengr&auml;ber, &uuml;ber die Jogger liefen und auf denen eine Familie picknickte, verlorene und vergessene Orte &ndash; das fand ich schlimm. Man kann es nicht wieder r&uuml;ckg&auml;ngig machen, aber man kann wenigstens die dicke Decke des Vergessens wie-</p>
<p>der weg ziehen. Daraus ist diese &bdquo;Spurensuche&ldquo; entstanden. Ich hab inzwischen zu diesem Thema &uuml;ber hundert Vortr&auml;ge gehalten und viele Artikel ver&ouml;ffentlicht.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; 1991 stie&szlig;en wir auf dem&uuml;tigende Erfahrung der ehemaligen Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge in Lettland. &Uuml;ber eine Panorama-Sendung wurde bekannt, dass ehemalige Angeh&ouml;rige der lettischen Waffen-SS eine Kriegsversehrten-Rente bekamen, Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge aber nicht. Das war eine makabre Erfahrung: Zusammen mit der Journalistin Marianna Butensch&ouml;n initiierte ich einen Aufruf f&uuml;r eine w&uuml;rdige Entsch&auml;digung der ehemaligen Ghetto- und KZ-H&auml;ftlinge im Baltikum. Den Aufruf unterst&uuml;tzen dann Oberb&uuml;rgermeister und viele Fraktionen aus den Herkunftsorten der Riga-Deportationen von 1941/42. Der damalige M&uuml;nsteraner Oberb&uuml;rgermeister, J&ouml;rg Twenh&ouml;ven war der erste deut-</p>
<p>sche Offizielle, der in Riga war und sich vor Ort kundig gemacht hat.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Im Bundestag f&uuml;hrten wir die Initiative mit Vertretern aller Fraktionen weiter: Einem FDP-Kollegen, einem SPD-Kollegen, mit einem CDU-Kollegen, der damals zur sogenannten Stahlhelm-Fraktion<sup>1 <a title="" href="#_ftn1">[1]</a></sup>geh&ouml;rte. H&auml;tten wir sonst miteinander zu tun gehabt, h&auml;tten wir uns wahrscheinlich wenig zu sagen gehabt. Hier aber schon, denn er kannte ebenso wie ich die menschliche Situation vor Ort</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ein anderes Ergebnis meiner Recherchen war, dass ich auf den Geschichtsort Villa ten Hompel am M&uuml;nsteraner Kaiser-Wilhelm-Ring gesto&szlig;en bin. Ich war wohl der Erste, der die Adresse des Sitz des Befehlshabers der Ordnungspolizei im Wehrkreis VI in der Kriegszeit gefunden hat. Ich habe dar&uuml;ber geforscht, was wiederum von Anderen aufgenommen wurde. Und so habe ich, wie auch in anderen Bereichen, die Erfahrung gemacht, dass das Engagement von Einzelnen von Anderen geh&ouml;rt wird, die sich einklinken. Dieser Schneeball-Effekt war eine ermutigende Erfahrung.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Bis 1994 war die Hauptphase meines freiwilligen Engagements. Ab 1994 sind im Bundestag verschiedene Bereiche, die ich vorher freiwillig bearbeitet hatte, zu beruflichen Feldern geworden. Bei genauem Hinsehen ist da immer noch etwas von dem freiwilligen Engagement &uuml;brig geblieben. Zum einen weil ich dar&uuml;ber hinaus so manche Sache beackert habe, die man zus&auml;tzliches Engagement nennen k&ouml;nnte. Au&szlig;erdem konnte ich einen Formwandel von freiwilligem Engagement beobachten: Als Berufspolitiker hat man viele M&ouml;glichkeiten, freiwilliges Engagement Anderer zu unterst&uuml;tzen, beispielsweise als Schirmherr oder einfach durch Mitgliedschaft, Spenden oder Beitr&auml;ge. Dadurch erf&uuml;llt man</p>
<p>eine Lobby-Funktion. Da flie&szlig;t kein Geld, sondern man teilt die Inhalte und steht mit Beratung und Kontakten zur Verf&uuml;gung. So kann man Verbindungen schaffen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zu den Motiven meines Engagements l&auml;sst sich zusammenfassend sagen, dass es ein ganzes B&uuml;ndel war: Manche waren durchg&auml;ngig, andere wechselten mit der Zeit. Ich habe festgestellt, dass bestimmte Ereignisse&nbsp; einen Schub gebracht haben. Ganz fr&uuml;h, 1961, hat mich der Mauerbau ersch&uuml;ttert. Ich bin einmal den ganzen Tag in Berlin an der Mauer entlang gelaufen. Oder die Ermordung von Kennedy 1963. Ich war tagelang benommen, weil Hoffnungen zerst&ouml;rt wurden. 1996 habe ich am Hang von Sarajevo gestanden. Erst hier wurde mir richtig bewusst, was wir 1992 bis 1995 wohl aus den Medien erfuhren, aber nicht an uns ran lassen wollten &ndash; die Belagerung der Stadt, die Beschie&szlig;ung ihrer Zivilbev&ouml;lkerung. Eine negative Schl&uuml;sselerfahrung war die &auml;u&szlig;erst hei&szlig;e Auseinandersetzung um den Kosovo-Einsatz, als Beziehungen zu etlichen politischen Freunden und Mitstreitern zerbrachen. Die Motive f&uuml;r Engagement sind aber auch sozialer und gesellschaftlicher Natur: Man hat gemeinsam Spa&szlig; und findet Anerkennung.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Als besonders schwierig habe ich kaum etwas empfunden. Aber es gibt Grundanforderungen: Man braucht einen langen Atem und eine gewisse Frustrationstoleranz. Das Problematische ist, dass freiwilliges Engagement Zeit frisst. Neben Beruf und Engagement bleibt f&uuml;r Privates, Familie und Beziehungen kaum Zeit.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Besonders erfreulich sind die vielen tollen Leute, die man durch Engagement kennen lernt. Das ist wirklich grandios. Ich war ja sehr viel in Krisenregionen, deren Verh&auml;ltnisse immer wieder zum Verzweifeln sind. Aber was man da f&uuml;r Leute kennen lernt, die sich engagieren! Kaputter Staat, aber vitale Zivilgesellschaft. Das ist unheimlich bereichernd und Mut machend und motivierend.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Erfreulich sind auch Gemeinschaftserlebnisse verschiedenster Art. Man bekommt viel Anerkennung und &bdquo;Soziallohn&ldquo;. Und die erfreuliche Immer-Wieder-Erfahrung ist der Schneeballeffekt, den ich vorhin schon angesprochen habe. Initiativen von Einzelnen gehen dank des Engagements Anderer weiter. Es ist Unsinn, dass man meint, man m&uuml;sste selbst alles schaffen oder alle Verantwortung tragen. Der Funke, wenn der &uuml;berspringt, ist von gro&szlig;er Bedeutung, dann gibt es tolle M&ouml;glichkeiten.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Jetzt komme ich zu den pers&ouml;nlichen Zielen und W&uuml;nschen meines Engagements. Die Losl&ouml;sung vom Hochbetrieb &bdquo;Bundestag&ldquo; hat gut geklappt. Ich habe 247 Reden im Bundestag gehalten, viele hundert Stunden dort verbracht. Diese Dosis h&auml;lt vor, ich sp&uuml;re keinen &bdquo;Entzug&ldquo;. Manche Pr&auml;senz im Bundestag hat mich von eigentlich wichtigeren Arbeiten abgehalten, muss ich ehrlicherweise sagen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ich hatte in der Vergangenheit nie Karriereziele. Manch andere wissen schon, wo sie in f&uuml;nf Jahren sein wollen. Das hatte ich fr&uuml;her nicht, das habe ich jetzt eigentlich auch nicht, und ich bin auch ganz gut mit dem Schreckgef&uuml;hl klar gekommen, das ich hatte, als meine freiwillige Entscheidung gefallen war, aus dem Bundestag auszuscheiden und ich mir sagte: &bdquo;Was du bisher erlebt hast,&nbsp; machen konntet, das kommt nicht wieder&ldquo;.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Meine Tipps f&uuml;r Sie sind: Wenn man sich &uuml;berlegt, sich freiwillig oder ehren-</p>
<p>amtlich zu engagieren, ist zum einen entscheidend, dass das Engagement den eigenen Interessen und F&auml;higkeiten entspricht. Aber zum anderen muss es auch mit den Leuten klappen, die Chemie muss stimmen. Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig,</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Es ist sinnvoll, auf ein ausgewogenes Verh&auml;ltnis zwischen einer inhaltlichen Motivation, also dem Engagement f&uuml;r ein Anliegen, und der sozialen Motivation, dem Wunsch nach Anerkennung, zu achten. Wenn es nur das Letztere ist, wird das Inhaltliche austauschbar. Umgekehrt, wenn es nur das Inhaltliche ist, werden die Menschen verbissen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Ich&nbsp; habe Jahrzehnte Oppositionsarbeit geleistet, erst au&szlig;erparlamentarisch, dann parlamentarisch. Bei Etlichen, die lange Zeit Opposition machen, kann man feststellen, dass sie nur auf Kritik orientiert sind und ausschlie&szlig;lich die Schattenseiten sehen. Diese Zusammenh&auml;nge sind deprimierend und aussichtslos, Solche Leute meinen, sie w&auml;ren weiterhin engagiert, aber sie ziehen sich st&auml;ndig runter. Damit motiviert man aber niemanden zum Engagement, weshalb die J&uuml;ngeren fortbleiben. Mein Ansatz ist, umso mehr auf Chancen zu achten in Bezug auf Personen, Prozesse und Akteure. Man sollte verschiedene M&ouml;glichkeiten nutzen. Wenn man bei den Chancen ansetzt, dann kann man etwas erreichen. Die Grundhaltung, etwas voran bringen zu wollen, ist ganz wichtig.</p>
<p>Zusammengefasst kann man sagen, dass so ein engagiertes Leben ganz sch&ouml;n spannend ist und Spa&szlig; macht!</p>
<p><strong>Larissa Aldehoff (Studentin)</strong> kommentiert Winfried Nachtweis Einsatz f&uuml;r die Gesellschaft:</p>
<p>&bdquo;Es ist beeindruckend, wie vielf&auml;ltig sich Winni Nachtwei f&uuml;r eine bessere Gesellschaft engagiert. Dabei ist die enorme Bereitschaft zu handeln, etwas bewegen zu wollen und der Spagat zwischen den verschiedenen Organisationsformen freiwilligen Engagements besonders interessant. Winni Nachtweis Leben zeigt au&szlig;erdem, dass es letztendlich nicht darauf ankommt, ob man auf der Stra&szlig;e demonstriert oder im deutschen Bundestag Entscheidungen f&auml;llt, Es kommt darauf an, dass man sich einbringt und f&uuml;r eine Sache k&auml;mpft.&ldquo;</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Mit &bdquo;Stahlhelm-Fraktion&ldquo; ist der nationalkonservative Fl&uuml;gel der CDU gemeint.</p>
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