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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Buch zur Sicherheitspolitik â€“ Zu viele Leerstellen und Defizite</title>
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    <span class="xar-mod-title">Irak + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

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        <h1>
            Buch zur Sicherheitspolitik â€“ Zu viele Leerstellen und Defizite         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 26. Oktober 2006 17:16:09 +02:00 (76975 Aufrufe)            </div>
            <div>    Folgenden Beitrag zum WeiÃŸbuch hat Winfried Nachtwei fÃ¼r die Website der GrÃ¼nen auf Bundesebene verfasst:</div>
            <div>    Buch zur Sicherheitspolitik - Zu viele Leerstellen und Defizite <p>Ein WeiÃŸbuch zur deutschen Sicherheitspolitik und zur Zukunft der Bundeswehr ist Ã¼berfÃ¤llig. Deshalb ist die Vorlage zu begrÃ¼ÃŸen. Das WeiÃŸbuch wurde am 25. Oktober im Kabinett verabschiedet. Das letzte stammt aus dem Jahr 1994 und somit aus der Zeit vor den meisten AuslandseinsÃ¤tzen der Bundeswehr. </p><p>Mit dem neuen WeiÃŸbuch will die Bundesregierung die Richtung fÃ¼r die deutsche Sicherheitspolitik in den kommenden Jahren vorgeben. Auf viele Fragen und Probleme, mit denen wir es heute zu tun haben, liefert das WeiÃŸbuch aber keine befriedigenden Antworten. Wann, wo und warum will die Bundesregierung mit jeweils welchen Mitteln den heutigen komplexen Bedrohungen entgegentreten? Was ist genau die Rolle der Bundeswehr z.B. beim Kampf gegen Internationalen Terrorismus? Wie kann der Ãœbergang von der Stabilisierung zum Peacebuilding gelingen? Was sind die Erfahrungen aus mehr als zehn Jahren deutschen Krisenengagements und AuslandseinsÃ¤tzen der Bundeswehr und welche Konsequenzen sind daraus fÃ¼r die friedens- und sicherheitspolitischen FÃ¤higkeiten Deutschlands zu ziehen? </p><p>Sicherheitspolitik muss heute umfassender angelegt sein. Das sieht auch das WeiÃŸbuch so. Etwa wenn von der Notwendigkeit â€žvernetzter Sicherheit&quot; und â€žressortÃ¼bergreifenden Netzwerkstrukturen&quot; gesprochen wird. Bei dem Bekenntnis zu einer umfassenden Sicherheitspolitik bleibt das WeiÃŸbuch dann aber stehen. Fehlanzeige bei der konkreten Umsetzung. Internationale EinsÃ¤tze der Bundeswehr sind immer komplexe zivile, polizeiliche und militÃ¤rische Missionen. Daraus hÃ¤tte das WeiÃŸbuch deutliche Konsequenzen ziehen mÃ¼ssen. Die Bundesregierung hÃ¤tte sagen mÃ¼ssen, wie denn die eklatanten Defizite im zivilen und polizeilichen Bereich abgebaut werden sollen. Sonst ist die Endlosigkeit von MilitÃ¤reinsÃ¤tzen vorprogrammiert. Was dem WeiÃŸbuch fehlt, ist eine Ã¼bergreifende Konzeption von diplomatischen, politischen, polizeilichen, zivilen und militÃ¤rischen Instrumenten und FÃ¤higkeiten. </p><p>Ein nicht weniger weit reichendes Manko: Zu Recht betont das WeiÃŸbuch, dass â€žden neuartigen Risiken weder allein noch vorrangig mit militÃ¤rischen Mitteln begegnet werden kann&quot;. MilitÃ¤reinsÃ¤tze schaffen keinen Frieden, sondern ermÃ¶glichen und unterstÃ¼tzen im besten Fall Friedensprozesse. Es fehlt aber eine Auswertung und kritische Bilanz deutschen Krisenengagements und AuslandseinsÃ¤tzen der Bundeswehr. Vergebens sucht man nach den Konsequenzen aus den Erfahrungen der letzten 15 Jahre. Ã–ffentlichkeit und Bundeswehr haben ein Recht darauf zu erfahren, welchen Beitrag die StreitkrÃ¤fte im Rahmen einer umfassenden Friedens- und Sicherheitspolitik leisten kÃ¶nnen, dÃ¼rfen und sollen und welchen eben nicht. Das WeiÃŸbuch nennt zwar komplexe Probleme wie internationaler Terrorismus, Weiterverbreitung von Massenvernichtungswaffen oder das Scheitern von Staaten als Herausforderung fÃ¼r Sicherheitspolitik. Es lÃ¤sst aber offen, mit welchen Mitteln die Bundesregierung diesen Herausforderungen begegnen will und wozu die Bundeswehr bedeutend, wenig oder auch gar nicht beitragen kann. Im WeiÃŸbuch heiÃŸt es lediglich, die Bundeswehr solle mit ihrem gesamten FÃ¤higkeitsspektrum hierzu einen wesentlichen Beitrag leisten. Die Aufgaben der Bundeswehr bleiben vage und nebulÃ¶s. Einer Verengung auf das MilitÃ¤rische wird damit Vorschub geleistet. </p><p>Auch auf die Frage, wie die Struktur- und AusrÃ¼stungsdefizite der Bundeswehr abgebaut werden kÃ¶nnen, erhalten wir keine Antwort. Stattdessen wird die sicherheitspolitisch lÃ¤ngst Ã¼berholte Wehrpflicht zementiert. Leichtfertig wird die Chance fÃ¼r den konsequenten Ãœbergang der Bundeswehr von einer Wehrpflicht- zu einer Freiwilligenarmee vergeben. Ein freiwilliger und flexibler militÃ¤rischer Kurzdienst wÃ¤re die verantwortliche Alternative. Die Bundesregierung will auÃŸerdem an der politisch unverantwortlichen nuklearen Teilhabe festhalten. Deutschland solle laut WeiÃŸbuch â€žeinen seiner Rolle im BÃ¼ndnis entsprechenden Beitrag&quot; leisten. Die nukleare Teilhabe hat in erster Linie politisch- symbolische, aber keine operative Bedeutung mehr. Der vollstÃ¤ndige Abzug aller taktischen Atomwaffen aus Deutschland und Europa ist lÃ¤ngst Ã¼berfÃ¤llig. Ein deutlicher Kurswechsel ist die FÃ¶rderung deutscher RÃ¼stungsexporte weltweit. Der in den RÃ¼stungsexportrichtlinien verankerte Grundsatz, dass Exporte von Kriegswaffen in Staaten auÃŸerhalb der NATO und EU grundsÃ¤tzlich verboten sind, soll aufgehoben werden. Die Bundesregierung will eine sicherheitspolitisch weitsichtige restriktive RÃ¼stungsexportpolitik zugunsten kurzsichtiger RÃ¼stungsexportinteressen aufgegeben. Das ist vÃ¶llig unakzeptabel. <br />Es ist richtig, dass sich das WeiÃŸbuch zum Friedensauftrag des Grundgesetzes und zum Multilateralismus bekennt. Demzufolge dÃ¼rfen nationale Interessen nicht im Alleingang, sondern nur gemeinsam in einem System kollektiver Sicherheit und auf der Grundlage des VÃ¶lkerrechts durchgesetzt werden. Als die zentralen sicherheitspolitischen Partner Deutschlands werden EU und NATO benannt. Laut WeiÃŸbuch komme dabei einer â€žvernetzten OperationsfÃ¼hrung&quot;, das heiÃŸt einem â€žeinheitlich geplanten und durchgefÃ¼hrten Zusammenwirken mit anderen Instrumenten von Staaten, BÃ¼ndnissen und Organisationen&quot; eine wichtige Funktion zu. Der Hinweis darauf, dass dem Ziel einer vernetzten OperationsfÃ¼hrung durch unterschiedliche Orientierungen und Prinzipien durchaus Grenzen gesetzt sind, sucht man im WeiÃŸbuch vergebens. Die Einhaltung der Menschenrechte und des humanitÃ¤ren VÃ¶lkerrechts muss ohne Ausnahme gewÃ¤hrleistet sein. Insofern ist der â€žMilitary Commissions Act&quot;, den der US-Kongress kÃ¼rzlich gezeichnet hat, ein RÃ¼ckschritt im Anti-Terror-Kampf, denn er stellt menschen- und vÃ¶lkerrechtliche Vergehen von US-Truppen weitestgehend straflos. Wenn die Bundesregierung es mit ihrem SelbstverstÃ¤ndnis ernst meint, dann muss sie die PrioritÃ¤ten und Handlungsmaxime ihrer Sicherheitspolitik klar am VN-System als Handlungsrahmen orientieren und auf politische wie strukturelle Reformen innerhalb der NATO drÃ¤ngen. Dies ist schon allein aus GrÃ¼nden der KohÃ¤renz und Sichtbarkeit deutscher AuÃŸen- und Sicherheitspolitik notwendig. </p><p>Viel zu lange ist das WeiÃŸbuch unter Verschluss gehalten worden. Die lÃ¤ngst Ã¼berfÃ¤llige und breite Debatte in Politik und Gesellschaft zur deutschen Friedens- und Sicherheitspolitik wurde damit beeintrÃ¤chtigt. Diskussionen brauchen Ergebnisoffenheit und keine regierungsamtlich geschaffenen Fakten. Das WeiÃŸbuch muss jetzt Anlass und Katalysator einer solchen Debatte werden. Eine Politik internationaler Verantwortung braucht Akzeptanz in der BevÃ¶lkerung.<br /></p></div>


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