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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Benedict M. MÃ¼lder, taz-MitgrÃ¼nder und Journalist, ist gestorben. &quot;Mein Herz hÃ¼pft vor Freude&quot; - wie ein Leben unter Liebenden auch in schwersten Zeiten lebenswert blieb  </title>
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    <span class="xar-mod-title">Irak + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

    <table class="xar-width-auto">
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            Benedict M. MÃ¼lder, taz-MitgrÃ¼nder und Journalist, ist gestorben. &quot;Mein Herz hÃ¼pft vor Freude&quot; - wie ein Leben unter Liebenden auch in schwersten Zeiten lebenswert blieb           </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 22. Dezember 2020 10:49:03 +02:00 (44253 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Wir begegneten uns erstmalig im m&uuml;nsterl&auml;ndischen Emsdetten in unseren wilden 70er Jahren - und seit den 2000er Jahren iimmer wieder in Berlin. Hier die Nachrufe zweier Journalistenkollegen, Links zur ZDF-Doku &uuml;ber das Leben des ALS-Schwerstkranken und Benedicts Artikeln im Tagespiegel sowie pers&ouml;nliche Notizen von unseren Begegnungen. &nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Benedict Maria M&uuml;lder (65), taz-Mitgr&uuml;nder und Journalist, ist gestorben.</strong></p>
<p align="center"><strong>&bdquo;Mein Herz h&uuml;pft vor Freude&ldquo; &ndash; wie ein Leben unter Liebenden </strong></p>
<p align="center"><strong>auch in schwersten Zeiten lebenswert blieb</strong></p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Der Journalist, Ehemann, Vater, Freund Benedict M. M&uuml;lder, geboren am 4. Juni 1955, starb am 16. Dezember 2020 nach zw&ouml;lf Jahren schwerster Krankheit.</p>
<p><strong>(1) &nbsp;Ein Nachruf</strong> von zwei Journalistenkollegen</p>
<p><strong>(2) Die ZDF-Doku</strong> mit Benedict und Dagmar von August 2020</p>
<p><strong>(3) Vor rund 35 Jahren und seitdem</strong> - Unsere Begegnungen mit Benedict</p>
<p><strong>(1)</strong> In der taz vom 20.12.2020 der</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">NACHRUF</span></strong> von den Journalistenkollegen Michael Sontheimer und Wolfgang Z&uuml;gel</p>
<p><strong>&bdquo;taz-Mitgr&uuml;nder Benedict M. M&uuml;lder gestorben</strong><strong>: </strong><strong>Einer der ersten Gr&uuml;n-Schwarzen </strong></p>
<p><strong>M&uuml;lder schrieb &uuml;ber Berliner Landespolitik, sp&auml;ter &uuml;ber die Krankheit ALS. Zwei Erinnerungen an einen Journalisten aus Leidenschaft.</strong></p>
<p>(<a href="https://taz.de/taz-Mitgruender-Benedict-M-Muelder-gestorben/!5735090/">https://taz.de/taz-Mitgruender-Benedict-M-Muelder-gestorben/!5735090/</a> )</p>
<p>&nbsp;<span style="text-decoration: underline;">Vom Maoisten zum Tweedjacket</span></p>
<p>Benedict Maria M&uuml;lder zog Mitte der 70er nach Westberlin. Geografisch gesehen kam er aus Emsdetten, einer Kleinstadt n&ouml;rdlich von M&uuml;nster, katholisch, konservativ. Politisch gesehen kam Benedict vom Kommunistischen Bund Westdeutschland (KBW). Er war ein Kader der maoistischen Kleinpartei. In der Mauerstadt studierte er an der Freien Universit&auml;t Geschichte und Publizistik.</p>
<p>Benedict schloss sich der Westberliner taz-Initiative an, das waren vor allem Anarchisten, Spontis und Linksliberale. Der Stalinist wurde umerzogen, was ihm entgegenkam, und wurde ein wacher Geist, der gern Dinge hinterfragte. Als im Dezember 1980 eine wilde Hausbesetzerbewegung die Halbstadt auf den Kopf stellte, war er Redakteur <a href="https://taz.de/40-Jahre-taz-Berlin/!t5726396/" target="_blank">der gerade gegr&uuml;ndeten &bdquo;taz Berlin&ldquo;, des Berliner Lokalteils</a>.</p>
<p>Als leidenschaftlicher Journalist wollte er weg vom Schreibtisch. W&auml;hrend seine Kollegen Michael Sontheimer und Benny H&auml;rlin sich in den Besetzerr&auml;ten herumtrieben, auf den Stra&szlig;enschlachten und Punkkonzerten, ging Benedict lieber ins Rathaus Sch&ouml;neberg, den Sitz des Regierenden B&uuml;rgermeisters und des Westberliner Landesparlaments.</p>
<p>Nach einer Weile entging dem Rathaus-Reporter kaum eine Intrige, kaum eine wichtige Personalie in der Westberliner Politik. Wenn der Redaktionsschluss nahte und ein Zweispalter fehlte, hie&szlig; es: &bdquo;Hey, Benedict, hast du nicht noch 60 Zeilen &uuml;ber irgendwelchen Parteikram?&ldquo; Bei einer Endlosserie &uuml;ber die FDP f&uuml;gte ein S&auml;zzer als Untertitel an &bdquo;FDP-Querelen, Folge 39&ldquo;, fortan wurde weitergez&auml;hlt. Das K&uuml;rzel, mit dem er viele seiner Berichte zeichnete, war bmm.</p>
<p>Er wohnte zun&auml;chst in einer dieser Wohngemeinschaften mit taz-Gr&uuml;nder*innen, dann mit seiner damaligen Freundin und taz-Kollegin Sabine Porn in einer Neuk&ouml;llner Fabriketage. Als sie dort eine Party gaben, kamen CDUler vorbei, aber auch Gr&uuml;ne, der Sozi Walter Momper, der sp&auml;tere Regierende B&uuml;rgermeister.</p>
<p>Im Westberlin der 80er ging Benedict habituell und geistig dorthin zur&uuml;ck, wo er hergekommen war, zur Bourgeoisie und zum Katholizismus. Er trug gern Tweedjacketts und mit dem Monogramm seiner Familie gezierte Hemden. Dass sein Vater mit der Kutsche in die Fabrik der Familie chauffiert wurde, ist nicht verifiziert, Benedict erz&auml;hlte es jedenfalls so.</p>
<p>Nachdem er die taz 1986 verlassen hatte, recherchierte und produzierte er Dokumentarfilme und Beitr&auml;ge f&uuml;r TV-Magazine. Er arbeitete f&uuml;r den SFB, &bdquo;Aspekte&ldquo;, Arte und andere, gern &uuml;ber kulturpolitische Themen.</p>
<p>Von heute aus betrachtet war Benedict einer der ersten Gr&uuml;n-Schwarzen, die nun eine reale Machtoption im vereinigten Deutschland darstellen. So gesehen war bmm seiner Zeit deutlich voraus. <em>Michael Sontheimer</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Aufh&ouml;ren, das kam f&uuml;r ihn nicht infrage</span></p>
<p>Man trifft sich immer mehrmals im Leben, hei&szlig;t es so flapsig. Ab 1978 geh&ouml;rten Benedict und ich zu den vielen Gr&uuml;ndern der taz. In der Arbeitsgruppe und dem Ressort &bdquo;Betrieb und Gewerkschaft&ldquo; &ndash; heute &bdquo;Wirtschaft und Umwelt&ldquo; &ndash; entwickelten wir Konzepte, wie man anders &uuml;ber das Arbeitsleben und die Wirtschaft berichten k&ouml;nnte, abseits des Mainstreams von <em>FAZ</em> und <em>Handelsblatt</em>. Wir stellten die Bed&uuml;rfnisse der Besch&auml;ftigten in den Vordergrund.</p>
<p>Mit dem t&auml;glichen Erscheinen der taz im April 1979 entwickelte sich eine Dynamik in der Redaktion, unsere Wege trennten sich und so ging ich bald in die Nachrichtenredaktion und Benedict, gut ein Jahr sp&auml;ter, in den Berlin-Teil. Wir verloren uns aus den Augen, Benedict verlie&szlig; noch vor mir die taz.</p>
<p>Doch dann lud er mich zu seinem 50. Geburtstag auf eine Bootsfahrt auf der Spree ein und neue Verbindungen kn&uuml;pften sich. Schlie&szlig;lich waren wir nicht nur Redakteure, wir waren auch Freunde, fuhren zusammen nach in Italien an den Strand und auch zum Skifahren. Benedict war l&auml;ngst in die Fernsehbranche gewechselt, aber dass wir beide in Friedenau wohnten, lie&szlig; die Bande wieder enger werden.</p>
<p>Als bei ihm 2008 ALS (Amyotrophe Lateralsklerose), eine unheilbare Nervenkrankheit, diagnostiziert wurde, wollte ich mich um ihn k&uuml;mmern. &bdquo;Wir stehen das gemeinsam durch&ldquo;, sagte seine liebevolle Frau Dagmar zu ihm, und die beiden heirateten.</p>
<p>Der Verlauf der Krankheit zeichnete ihn schwer. Anfangs konnte er sich noch mit einem Rollator helfen, dann war Benedict auf den Rollstuhl angewiesen, aber mit der Arbeit aufh&ouml;ren, das kam f&uuml;r ihn nicht infrage. Er produzierte Beitr&auml;ge f&uuml;r das Fernsehmagazin &bdquo;Kontraste&ldquo;. Im Fr&uuml;hjahr 2012 verschlechterte sich sein Zustand so stark, dass er k&uuml;nstlich beatmet werden musste, um weiterleben zu k&ouml;nnen. Mit ihrem eigenen Intensivpflegedienst betreute Dagmar ihren Mann zu Hause.</p>
<p>Aber eines der wichtigen Kommunikationsmittel fehlte, er konnte nicht mehr sprechen. Die k&uuml;nstliche Atemluft ging direkt in die Lunge, nicht mehr durch die Stimmb&auml;nder. Augen, Geh&ouml;r, vor allem sein Kopf funktionierten bestens. Besucher empfing er mit einem freundlichen &bdquo;Hallo, sch&ouml;n, dass du da bist&ldquo; mithilfe seines Sprachcomputers, den er &uuml;ber eine Tastatur mit seinen Augen steuerte.</p>
<p>Benedict war nicht der Mensch, der aufgibt, sondern einer, der sich einmischt und einbringt.</p>
<p>Im April 2015 debattierte der Deutsche Bundestag die Legalisierung der Sterbehilfe. <a href="https://www.tagesspiegel.de/politik/leben-mit-dem-sterben-mein-herz-huepft-vor-freude-wenn-die-haustuer-schlaegt/11595730.html" target="_blank">In einem Aufmacher des <em>Tagesspiegels</em> pl&auml;dierte er vehement dagegen</a>: &bdquo;Die Lebendigkeit des Menschen wird nicht prinzipiell durch eine schwerwiegende Krankheit infrage gestellt. Auf Hilfe, aufeinander angewiesen sein, ist keine Schande. Der eine trage des anderen Last&ldquo;, schrieb der inzwischen gl&auml;ubige Katholik.</p>
<p>Schon bei Besuchen vorher stellten wir eine andere, gemeinsame Vorliebe fest: Beide waren wir Fan von Nina Hoss, Benedict vielleicht auch, weil er ihren Vater, den gr&uuml;nen Bundestagsabgeordneten Willi Hoss, kannte. Wir guckten Filme mit ihr, aber <a href="https://taz.de/Nina-Hoss-erstmals-an-der-Schaubuehne/!5050432/" target="_blank">sie spielte ja in Berlin im Theater</a>. Ob wir dahin gehen k&ouml;nnten, fragte ich Dagmar, ja klar, entgegnete sie. Du besorgst die Tickets f&uuml;r Rollstuhl und Begleitung und ich organisiere den Transport, die Betreuung und die Beatmung. <a href="https://taz.de/Nina-Hoss-als-Hedda-Gabler/!5067267/" target="_blank">Nina Hoss live, in &bdquo;Hedda Gabler&ldquo; im Deutschen Theater</a>, r&uuml;hrte Benedict zu Tr&auml;nen. Es war unglaublich, wie ergriffen er war. So leicht konnten wir ihm eine riesige Freude bereiten.</p>
<p>Bei diesem Besuch war es nicht geblieben. &bdquo;Richard III.&ldquo; in der Schaub&uuml;hne, obwohl fast ein Drei-Stunden-St&uuml;ck, bew&auml;ltigte Benedict mit Bravour. Um ihm Kontakt zu seinen taz-Mitstreitern zu erm&ouml;glichen, trafen wir uns vor der Verleihung des taz-Panterpreises in der Schumannstra&szlig;e, ein Wiedersehen mit vielen alten tazlern.</p>
<p>Seine Krankheit forderte ihren Preis, das Bewegen der Muskeln lie&szlig; nach, Benedict konnte die Augen nur noch m&uuml;hsam &ouml;ffnen, aber er konnte h&ouml;ren. Und weil ich in den Anfangszeiten der taz &ouml;fter mit ihm beim Jazzfest war, wusste ich um sein Interesse am Jazz, ja am Freejazz. Und so pilgerten wir vor gut einem Jahr in den Zig Zag Jazz Club in Friedenau. Selbst die Kameraleute, die uns damals begleiteten, berichteten, so lebendig h&auml;tten sie ihn w&auml;hrend der Dreharbeiten f&uuml;rs ZDF nie erlebt. <a href="https://www.zdf.de/dokumentation/37-grad/37-mein-wille-geschehe-100.html" target="_blank">Ihr Bericht &uuml;ber Benedict lief im Sommer in der Reihe &bdquo;37 Grad&ldquo;</a>.</p>
<p>&bdquo;Mein Herz h&uuml;pft vor Freude, wenn ich meine Frau kommen h&ouml;re&ldquo;, schrieb er damals im <em>Tagesspiegel</em>. Jetzt schl&auml;gt sein Herz nicht mehr. Benedict starb am Abend des 16. Dezember in Berlin. <em>Wolfgang (Zaggi) Z&uuml;gel&ldquo;</em></p>
<p><strong>(2)<span style="text-decoration: underline;">&nbsp; Am 18.08.2020</span> <span style="text-decoration: underline;">ZDF-37-Grad-Doku &quot;Mein Wille geschehe</span></strong> - Wie weit geht die moderne Medizin?&quot; Wie ein langj&auml;hriger Freund und seine Lieben mit seiner ALS-L&auml;hmung umgehen und leben.</p>
<p>Maximilian Damm besuchte den ALS-gel&auml;hmten Ex-Journalisten und sprach mit seiner Frau und seinem Jungen. Im Angesicht schwerster Krankheit traf er auf verl&auml;ssliche Liebe zum Leben und menschliche St&auml;rke.&nbsp;</p>
<p>Links zur ZDF-Doku und anderen Artikeln von und mit Benedict im Tagesspiegel:</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=1651">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=81&amp;aid=1651</a></p>
<p><strong>(3)<span style="text-decoration: underline;">&nbsp; Vor rund 35 Jahren und seitdem</span></strong></p>
<p>In unseren revolution&auml;ren 1970er Jahren begegnete ich Benedict im n&ouml;rdlich von M&uuml;nster gelegenen Emsdetten: Er in der Jugendzentrumsbewegung aktiv, ich als Marxismus-Schulungsleiter aus der Provinzhauptstadt. In den 1990er Jahren begegneten wir uns wieder in Berlin, er als Journalist, ich als Bundestagsabgeordneter. Ab Ende der 2000er Jahre trafen wir uns gelegentlich zusammen mit zwei ebenfalls in Berlin arbeitenden Kollegen aus den 70er Jahren, dem Kinder- und Jugendpsychiater Stefan Buchmann und dem forensischen Psychiater Hans-Ludwig Kr&ouml;ber, zum Essen, Trinken und Reden. Stefan brachte jeweils leckeres, selbst zubereitetes Essen mit. In meinen pers&ouml;nlichen Aufzeichnungen (Kladde 29 bis 47) finde ich:</p>
<p><strong>&bdquo;12.03.2010 Abendessen auf Einladung von Stefan Buchmann mit Halu Kr&ouml;ber im &bdquo;Balthazar&ldquo;, Ku-Damm 160:</strong></p>
<p>(&hellip;) Benedict &uuml;berrascht mich durch fast wei&szlig;es Haar. Im Laufe des Abends stellt sich heraus, dass der nebenstehende Rollator von ihm ist. 2008 wurde bei ihm ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) festgestellt, eine fortschreitende und unheilbare &acute;Nervenkrankheit &hellip; Schon kann er sich nicht mehr freistehend anziehen, kippt dabei nach hinten. Dieselbe Krankheit hatten J&ouml;rg Immendorff (K&uuml;nstler),&nbsp; Stephen Hawking.</p>
<p><em>Seitdem trafen wir uns mehrmals im Jahr bei ihm und seiner Frau Dagmar zu Hause in Sch&ouml;neberg.</em></p>
<p><strong>23.03.2011 Abendessen mit B., H. und S.: </strong>B. inzwischen voll im Rollstuhl; noch 63 kg, grauhaarig, schlaffe Gliedma&szlig;en; Restgreiff&auml;higkeit er H&auml;nde<em>. (Ein Thema ist die im Februar in Libyen ausgebrochene Revolution) </em>B. und H. haben jeweils schlechte Erfahrungen mit Libyern als Typen gemacht. Von daher gro&szlig;es Misstrauen!</p>
<p><strong>27.02.2012</strong>&nbsp; <strong>Besuch bei Benedict</strong>: Er hat inzwischen eine Atemmaske zur Unterst&uuml;tzung. Ab und zu kann er sie abnehmen, um ein paar Schluck Bier oder ein St&uuml;ck Pizza zu nehmen.</p>
<p>Seine Stimme ist ohne die Maske schwer, mit der Maske nur mit gro&szlig;er M&uuml;he zu verstehen.</p>
<p>Trotzdem: Seine Augen sind munter, warm, lachen viel. Phantastisch seine Frau.</p>
<p><strong>11.06.2012</strong>&nbsp; <strong>Besuch bei Benedict:</strong> Nach dem Luftr&ouml;hrenschnitt kommt Benedict jetzt ohne Maske aus. Sprechf&auml;higkeit &uuml;ber Hauchen, Sprechen knapp verst&auml;ndlich. .</p>
<p>Inzwischen sind sechs Pflegekr&auml;fte f&uuml;r ihn rund um die Uhr im Einsatz. Eine Schicht geht &uuml;ber 12 Stunden. Nach knapp zwei Stunden braucht er Pflege (ca. eine halbe Stunde). Danach kann er nicht mehr. Erstmalig erleben wir ihn sehr traurig, fast weinend beim Abschied schon nach zweieinhalb Stunden.</p>
<p><strong>04.09.2012 Besuch bei Benedict</strong>, der heute wieder viel lacht. Mit der k&uuml;nstlichen Beatmung ist er jetzt wieder was besser zu verstehen. Muntere Runde, bewundernswerte D., die einen Sch&uuml;lerladen leitet!</p>
<p><strong>19.08.2013 Besuch bei Benedict</strong>: Sprechen kann er inzwischen gar nicht mehr. (&hellip;) Jetzt kann er es nur noch mit Buchstaben versuchen, die D. und T. z.T. nur noch erraten k&ouml;nnen und dann zusammengestellt werden, z.B. &bdquo;Beckm &hellip;&ldquo;</p>
<p>Zuerst &uuml;bt er mit dem augengesteuerten Computer &hellip; So kann er uns nur Stichpunkte andeuten, &uuml;ber die wir uns dann unterhalten: Zwei Hauptthemen:</p>
<p>- Der Dr.-Hochstapler bei Maischberger</p>
<p>- Beckmann zu G. Mollath: Nach zwei Jahren hatte Halu ihn zu begutachten &nbsp;(&hellip;)</p>
<p>Insgesamt ca. vier Stunden. B. bedankt sich per E-Mail. Unglaublich, wie D. damit umgeht. Inzwischen organisiert sie den Pflegedienst auch selbst. In K&uuml;rze geht&rsquo;s f&uuml;r einige Tage nach Emsdetten zur Familie.</p>
<p><strong>05.11.2013 Besuch bei</strong> <strong>Benedict</strong>:: Dank seines auf Augen-/Blickfixierung reagierenden Computers kann er sich besser verst&auml;ndlich machen. Themen u.a.. Junge Sch&uuml;ler, die am Smartphone h&auml;ngen, &uuml;berzeugende Lehrer &hellip;</p>
<p><strong>13.10.2014</strong>: Seine Signale verengen sich. Lachen noch m&ouml;glich bis Strahlen. Aber der Blickradius wird enger. Ab und zu ein knapper Satz &hellip; per Computer, Stichworte, auch &bdquo;herzlich willkommen&ldquo;.</p>
<p>Sein Artikel zu ALS im Tagesspiegel brachte breites Echo.</p>
<p>Prof. M. von der Charit&eacute;&nbsp; sei auf &bdquo;Autonomie&ldquo; fixiert, dadurch gebe es Lebenswert. Wenn nicht &hellip;! Jedes Mal: &bdquo;So m&uuml;ssen Sie nicht leben.&ldquo; Nachfrage: &bdquo;Abstellen?&ldquo;</p>
<p><strong>12.05.2015 Abend bei Benedict</strong>: ALS mauert ihn immer mehr ein. Keine Initiativen mehr von ihm. Am 6.Juni wird gro&szlig; sein 60.&nbsp; Geburtstag begangen mit mehr als 150 G&auml;sten, darunter auch Schily und Momper.</p>
<p><strong>23.01.2017 Besuch</strong> <strong>18.00 Uhr bei Benedict</strong>:&nbsp; Seine Reaktionsf&auml;higkeit schrumpft immer mehr. Bei der Begr&uuml;&szlig;ung verzerrt er das Gesicht wie im Schmerz. kaum Augenbewegungen. Viel hat er die Augen geschlossen. Bei bestimmten Themen, bei ihm bekannten Namen erscheint ein freundlicher Schimmer auf seinem Gesicht. Er kriegt weiterhin sehr viel mit.</p>
<p>Die von Stefan mitgebrachten T&ouml;ttchen der harmloseren Art schmecken gut. Mein Mitbringsel: Das Havanna-Konzert der Rolling Stones.</p>
<p>Franz&ouml;sisch-Vokabeln mit Tim (Jahrgangsstufe 11)&nbsp;</p>
<p><strong>02.05.2017 Besuch bei Benedict</strong>: (..) &Uuml;berwiegend scheint er zu d&auml;mmern, reagiert aber gelegentlich mit freundlich schimmernder Mimik. Die Augen sind stellenweise hellwach, scheinen sogar mal zu fixieren. Lieber Abschied, wo er etwas strahlt.</p>
<p><strong>08.02.2018 Besuch bei Benedict: </strong>Sein Blck ist starr zr Seite, praktisch keine Reaktion. Aber wenigstens ist er mit einer At Liegestuhl mit am Tisch.</p>
<p><strong>17.05.2018 Besuch bei Benedict</strong>: Kartoffelsuppe und Karl-Marx-Wein von Stefan. B. hat &uuml;berwiegend die Augen geschlossen.&nbsp; Inzwischen ist keinerlei Kommunikation mehr m&ouml;glich. Zugleich bekommt er alles mit. Seine Haut, sein Gesicht sehen gut und &bdquo;gesund&ldquo; aus. D.&nbsp; kenne ihn als gl&auml;ubigen Katholiken.</p>
<p><strong>21.08.2019 Besuch bei Benedict</strong>: Heute ist ein TV-Team abei. Auch Fragen an uns, wie wir dem Krankheitsprozess erlebt haben. Er wurde f&uuml;r uns erkennbar, als Benedict zu einem Treffen in einem Lokal am Ku-Damm erstmalig mit Kr&uuml;cken erschien, vielleicht vor acht Jahren.</p>
<p><strong>19.02.2020</strong> Besuch bei Benedikt verpasst</p>
<p><strong>24.06.2020</strong> <strong>Besuch bei Benedict</strong>: Begegnung mit zwei vitalen jungen Frauen, die B. gerne pflegen.</p>
<p><strong>28.10.2020</strong> Besuch bei Benedict f&auml;llt wg. Corona-Anstieg aus.</p>
<p><strong>09.13.2020</strong> <em>Nachdem vor einer Woche zus&auml;tzliche Komplikationen auftraten und sich Benedicts Zustand noch erheblich verschlechterte, empfinden wir alle unseren heutigen, nur kurzen und stillen Besuch als Abschiedsbesuch</em>. Dagmar: &bdquo;Ein gro&szlig;artiger Mann.&ldquo;</p>
<p>Am 16. Dezember abends stirbt Benedict im Alter von 65 Jahren.</p>
<p><em>M&uuml;nster, 22.12.2020, Winni Nachtwei</em></p></div>


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