    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Stell Dir vor, es ist Krieg, ISAF geht, es gibt Kriegsopfer in Afghanistan mehr denn je - und kaum jemand sieht noch hin. Zu Resolute-Support im Bundestag und dem Kunduz-Schock</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=39-86&amp;aid=1383</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Irak + Artikel von Winfried Nachtwei fÃ¼r Zeitschriften u.Ã¤.</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=70">Meine Themen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=120">Internationale Politik und Regionen</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=135">Asien</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=39">Irak</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=1">Publikationstyp</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=86">Artikel</a>
<br />
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=39-86">Any of these categories</a>
                    -                        <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=39%2B86">All of these categories</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            Stell Dir vor, es ist Krieg, ISAF geht, es gibt Kriegsopfer in Afghanistan mehr denn je - und kaum jemand sieht noch hin. Zu Resolute-Support im Bundestag und dem Kunduz-Schock         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 22. Dezember 2015 15:06:27 +02:00 (81885 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In Afghanistan ist deutsche Politik so dicht an Fluchtursachen - ihrer Bek&auml;mpfung wie ihrer Bef&ouml;rderung - wie in wenigen anderen Regionen. J&uuml;ngste UN-Berichte zu Kunduz und Afghanistan sind alarmierend. In der Bundestagsdebatte zu &quot;Resolute Support&quot; schlug sich das nur sehr begrenzt wieder. Realit&auml;tsflucht und Verdr&auml;ngung sind l&auml;ngst nicht &uuml;berwunden. Hier mein Kommentar zur Debatte und zu den UN-Berichten. zur SPIEGEL-Reportage + Helmand.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Stell Dir vor, es ist Krieg, ISAF geht,</strong></p>
<p align="center"><strong>es gibt Kriegsopfer in Afghanistan mehr denn je &ndash;</strong></p>
<p align="center"><strong>und kaum jemand hierzulande sieht noch hin</strong></p>
<p align="center">Kommentar zur Bundestagsdebatte &uuml;ber die Fortsetzung und Aufstockung</p>
<p align="center">der &bdquo;Resolute Support Mission&ldquo; in Afghanistan</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, 21.12.2015)</p>
<p><em>(a) Am 17. Dezember beschloss der Bundestag mit 480 Ja und gegen 112 Nein bei zehn Enthaltungen die Fortsetzung und Aufstockung der deutschen Beteiligung an der UN-mandatierten und NATO-gef&uuml;hrten Beratungsmission &bdquo;Resolute Support&ldquo;. Von den Gr&uuml;nen Abgeordneten stimmten 19 f&uuml;r den Einsatz, 31 dagegen, acht enthielten sich.</em></p>
<p><em>Wenige Stunden vor der Debatte hatte ich den Vorsitzenden und fachpolitischen Sprechern meiner ehemaligen Fraktion geschrieben und ihren Entschlie&szlig;ungsantrag deutlich kritisiert: Es sei ein &bdquo;Offenbarungseid&ldquo;, dass angesichts der &auml;u&szlig;erst beunruhigenden Sicherheitslage in AFG argumentativ zu Resolute Support keine Position bezogen werde (und in den Aussch&uuml;ssen eine Ablehnung angek&uuml;ndigt wurde). </em><em>(</em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1382"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1382</em></a><em> )</em></p>
<p><em>(b) Inzwischen stie&szlig; ich auf UN-Berichte zur Eroberung von Kunduz (10.12.) und zur Lage in Afghanistan (12.12.), die ich nachfolgend zusammengefasst und verlinkt habe. Am 19.12.&nbsp; erschien die Kunduz-Reportage von Susanne Koelbl im SPIEGEL.</em></p>
<p><em>Auch wenn die Bundestagsentscheidung zu Resolute Support und die Positionierung der Gr&uuml;nen dazu wenig bis keine Beachtung fand, nehme ich jetzt auch noch zur Debatte im Bundestag Stellung.<a title="" href="#_ftn1"><strong>[1]</strong></a> &Uuml;ber den &auml;u&szlig;erst best&uuml;rzenden &bdquo;Einzelfall&ldquo; hinaus geht es hier um Grundwerte und &ndash;orientierungen in der Au&szlig;en-, Sicherheits- und Friedenspolitik, um Gewalteind&auml;mmung und Schutz der Zivilbev&ouml;lkerung vor illegaler Gewalt, Solidarit&auml;t mit Menschenrechtsaktivisten, um Krisenpr&auml;vention, langen Atem und UN-Treue, um Wirkungsorientierung insgesamt. Zugleich ist mir bewusst, dass das beschleunigte Krisen-Multitasking mit einer strukturellen &Uuml;berforderung von Akteuren in den politischen M&uuml;hlen einhergeht und ich leicht von au&szlig;en kritisieren kann. Aber nachdem ich das milit&auml;risch-zivile-polizeiliche Engagement in Kunduz seit Januar 2004 intensiv begleitet und immer wieder besucht habe &ndash; bis 2007 mit gro&szlig;er Hoffnung, danach mit wachsender Beunruhigung -, kann ich jetzt nicht schweigen.<a title="" href="#_ftn2"><strong>[2]</strong></a></em></p>
<p><strong>(1) R&uuml;ckblende</strong>: Anfang August kommentierte ich den j&uuml;ngsten <strong>UNAMA Report &uuml;ber Zivilopfer</strong> (1. Halbjahr 2015): &bdquo;Auch wenn die Informationen &uuml;ber die reale Lage in Afghanistan immer sp&auml;rlicher werden und das Land zunehmend im Aufmerksamkeits- und Interessenschatten der anderen, n&auml;heren Krisen + Kriege verschwindet &ndash; sieben Monate nach Ende des ISAF-Gro&szlig;einsatzes und Beendigung des internationalen Kampfeinsatzes ist ein Abflauen der K&auml;mpfe nicht in Sicht, im Gegenteil.</p>
<ul>
<li>Die Erwartung von Gegnern des Afghanistaneinsatzes, mit dem Abzug der internationalen Truppen w&uuml;rde auch der Hauptkriegsrund schwinden und der Krieg schrumpfen, best&auml;tigte sich ganz und gar nicht.</li>
<li>Die (selbst)zufriedenen Stellungnahmen etlicher Regierungen zum &Uuml;bergang von ISAF zu Resolute Support Mission wurden eines Schlechteren belehrt: Extremwerte an Zivilopfern und Verlusten der afghanischen Sicherheitskr&auml;fte (ANDSF) zeigen, dass der termingerechte Abzug kein sichereres Umfeld (so war der Kernauftrag) hinterlie&szlig;. Der weitestgehende Wegfall der alliierten Schl&uuml;sself&auml;higkeiten von Aufkl&auml;rung, Luftnahunterst&uuml;tzung erlaubt den Aufst&auml;ndischen zunehmend auch Angriffe in Gro&szlig;formationen. Der politisch einm&uuml;tig gewollte und verantwortete, terminfixierte Abzug gelang mit &auml;u&szlig;erster R&uuml;cksicht auf die eigenen Kr&auml;fte. Er stellt sich zunehmend als ein Abzug ohne R&uuml;cksicht auf Verluste der Afghanen, ihrer Bev&ouml;lkerung und Sicherheitskr&auml;fte, heraus. Ohne Resolute Support &ndash; so meine Annahme &ndash; w&auml;re es wahrscheinlich aber noch blutiger geworden.</li>
<li>F&uuml;r diese Art von opferreichen, bisher weitestgehend ignorierten &bdquo;Begleitsch&auml;den&ldquo; tragen die politischen Auftraggeber die Verantwortung.</li>
<li>Vor einem halben Jahr in meinem Kommentar zum UNAMA-Jahresbericht 2014: &bdquo;<em>Ob mit der Aufbauhilfe f&uuml;r die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte die Voraussetzungen f&uuml;r verbesserte und nachhaltige Sicherheit geschaffen wurden, wird sich erst in Jahren zeigen</em>.&ldquo; Jetzt sehe ich vermehrt die Gefahr, w&auml;chst meine Angst, dass Afghanistan wegrutscht.</li>
<li><strong>Bundesregierung und Bundestag werden sich in den n&auml;chsten Monaten dieser Realit&auml;t stellen m&uuml;ssen</strong> &ndash; auch wenn die Kriegsbr&auml;nde in der europ&auml;ischen Nachbarschaft deutsche und europ&auml;ische Sicherheit direkter und massiver betreffen als das Land am Hindukusch, auch wenn das alles die eigenen Kr&auml;fte &uuml;bersteigt. Aber was vor fast 14 Jahren mit hohem politisch-moralischen Aufwand (und Illusionen) begonnen, dann mit einem nie dagewesenen milit&auml;risch-zivilen Einsatz (und strategischen Fehlern) verfolgt wurde, was neben gigantischen finanziellen Kosten enorme menschliche Opfer forderte, <strong>das darf und kann nicht einfach abgehakt, abgeschoben und vergessen werden</strong>.</li>
</ul>
<p><strong>(2) Bundestagsdebatte:</strong> Wieweit stellen sich jetzt Bundesregierung und Bundestag anl&auml;sslich der Resolute Support Debatte der massiv verschlechterten Realit&auml;t in Afghanistan &ndash; der Gefahr, dass das Land ganz wegrutscht, alle Teilerfolge der letzten 14 Jahre zunichte gemacht werden, dass noch mehr junge Leute die Flucht ergreifen und aller Einsatz umsonst war? (Protokoll der Debatte <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/18/18146.pdf"><em>http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/18/18146.pdf</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>(a)</strong> <strong>Die Fraktion der LINKEN</strong> nimmt die zugespitzte Situation in Afghanistan nur insofern wahr, als sie sich mehr denn je best&auml;tigt f&uuml;hlt in ihrer Ablehnung des Afghanistan-Einsatzes von Anfang an. Dass der ISAF-Einsatz einstimmig immer wieder vom UN-Sicherheitsrat beauftragt wurde und in den ersten vier Jahren eindeutig als Stabilisierungseinsatz mit sehr wenig Gewalteinsatz agierte (die Bundeswehr war in dieser Zeit in einen Schusswechsel verwickelt und sieben Angriffe mit Sprengfallen ausgesetzt) wird ignoriert. Dass der ISAF-R&uuml;ckzug keineswegs mit einem Erl&ouml;schen des Kriegsfeuers einherging, sondern im Gegenteil mit seinem Aufflammen &ndash; kein Wort.</p>
<p>&bdquo;Ich sage Ihnen: Frieden und Demokratie kann man nicht von au&szlig;en erzwingen.&ldquo; Wie wahr! Wahr ist aber auch die jahrzehntelange Erfahrung der Vereinten Nationen, dass von Krieg zerst&ouml;rte Staaten und ihre verwundeten V&ouml;lker nach Waffenstillst&auml;nden und Friedensabkommen auf Hilfe von au&szlig;en angewiesen sind &ndash; deshalb gibt es ja UN-Peacekeeping und &ndash;Peacebuilding. Bei dieser Sicherheits- und Aufbauunterst&uuml;tzung machte die Staaten&ldquo;gemeinschaft&ldquo; elementare und strategische Fehler. Das ist tragisch und muss eine Lehre sein. Es rechtfertigt aber nicht, den UN-legitimierten Unterst&uuml;tzungsansatz pauschal und unterschiedslos zu denunzieren, wie es die LINKE seit 2001 tut.</p>
<p><strong>(b)</strong> Die <strong>RednerInnen der Gro&szlig;en Koalition</strong> stellen sich der bedrohlichen Realit&auml;t &ndash; aber sehr in Grenzen, in hom&ouml;opathischen Dosen. Erkannt wird, dass ein Festhalten am urspr&uuml;nglichen R&uuml;ckzugsplan f&uuml;r Resolute Support (ab Anfang 2016 nur noch Kabul, Ende 2016 Gesamtabzug) die Regierungskr&auml;fte massiv entmutigen, die Aufst&auml;ndischen ermutigen und den Abw&auml;rtstrend rasant beschleunigen w&uuml;rde. Dass eine verantwortliche Ministerin strategische Fehler des B&uuml;ndnisses, also auch eigene, konstatiert und als erste Lektion nennt &bdquo;wir brauchen eine ungeschminkte Lagebeurteilung&ldquo;, ist v&ouml;llig richtig, neu, aber auch &uuml;berf&auml;llig. Ungeschminkte Lagebeurteilungen haben wir seit den Alarmzeichen von 2006 (!) immer wieder gefordert. Ein zentraler Grund f&uuml;r die Misserfolge des Afghanistan-Einsatzes war die strukturelle Unehrlichkeit und Realit&auml;tsleugnung. Florian Hahn benennt richtig mangelnde strategische Geduld und innenpolitisch motivierte Halbherzigkeit in der Vergangenheit und die Notwendigkeit kritischer Evaluierung heute.</p>
<p>Ansonsten aber erscheint die Lage immer noch weichgezeichnet: die Entwicklung in Afghanistan sei &bdquo;kein Grund zur Freude&ldquo;, die &bdquo;gegenw&auml;rtige Instabilit&auml;t&ldquo;, &bdquo;nicht so weit gekommen, wie wir kommen wollten&ldquo; (Niels Annen); &bdquo;symbolische Angriffe&ldquo; der Taliban auf Kunduz, aber auch in Kabul, &bdquo;hochgesteckte Ziele und Erwartungen, die mit dem Afghanistan-Einsatz 2001 verbunden waren, nicht erf&uuml;llt&ldquo;, &bdquo;Situation in Afghanistan nach wie vor nicht so, dass wir auf den Einsatz verzichten k&ouml;nnten&ldquo; (J&uuml;rgen Hardt); die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte seien in der Lage, &bdquo;selbst an vielen Stellen in Afghanistan f&uuml;r Sicherheit zu sorgen&ldquo;, &bdquo;R&uuml;ckschl&auml;ge hinsichtlich der Stabilit&auml;t und Sicherheit im Land&ldquo; (Lars Klingbeil).</p>
<p>Keine Rede ist</p>
<p>- von den Maximalzahlen an Zivilopfern und gefallenen Sicherheitskr&auml;ften (von 1. August bis 31. Oktober 3.693 Zivilopfer, davon 1.138 Tote, ein Anstieg um 26% ggb. dem Vorjahrszeitraum!),</p>
<p>- von dem schrumpfenden &bdquo;sicheren Umfeld&ldquo;, das ISAF laut Auftrag bef&ouml;rdern sollte,</p>
<p>- von der Infragestellung der Aufbau- und Entwicklungsunterst&uuml;tzung, wo die Basissicherheit verloren geht, internationale Zivilexperten kaum noch rauskommen und Ortskr&auml;fte sich in Sicherheit bringen,</p>
<p>- von der vermehrten Pr&auml;senz bewaffneten Gruppen, die sich zum IS bekennen, und K&auml;mpfen mit ihnen,</p>
<p>- von der Gefahr des Wegrutschens Afghanistans,</p>
<p>- von deutscher Mitverantwortung f&uuml;r Fluchtursachen &ndash; ihre Bek&auml;mpfung, aber auch ihrer Bef&ouml;rderung &ndash; in Afghanistan.</p>
<p>Wo die Lage weichgezeichnet wahrgenommen wird, bleiben auch Schl&uuml;sselfragen unerw&auml;hnt:</p>
<p>- Wie wirksam &ndash; oder symbolisch - ist eigentlich die Beratungsmission Resolute Support, bei der Beratung nur auf der Spitzenebene in Mazar-e Sharif ausge&uuml;bt wird? Warum wurde vor der Definition des k&uuml;nftigen Auftrages und der notwendigen F&auml;higkeiten zuerst die Obergrenze von 980 festgelegt?</p>
<p>- Was ist mit der Polizeiaufbauhilfe, die eigentlich von strategischer Bedeutung f&uuml;r nachhaltige innere Sicherheit ist, aber im Norden nur von 12 (!) deutschen Polizeibeamten repr&auml;sentiert wird? (Wie bei der RSM-Debatte am 18. Dezember 2014 wird auch heute die Polizeikomponente mit keinem Wort erw&auml;hnt, nicht einmal bei Dankesworten. Das ist aufschlussreich und besch&auml;mend!)</p>
<p>- Warum gibt es ausgerechnet im Umbruchjahr 2015 keinen &bdquo;Fortschrittsbericht&ldquo; mehr? Nur weil der Name wirklich nicht mehr passen w&uuml;rde? (Das US-Verteidigungsministerium hat immerhin im Dezember einen zweiten Halbjahresbericht &bdquo;<em>Enhancing Security and Stability in Afghanistan</em>&ldquo; vorgelegt. <a href="http://www.defense.gov/Portals/1/Documents/pubs/1225_Report_Dec_2015_-_Final_20151210.pdf">http://www.defense.gov/Portals/1/Documents/pubs/1225_Report_Dec_2015_-_Final_20151210.pdf</a>)</p>
<p><strong>(c)</strong> Die <strong>Fraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen</strong> ist sich uneinig. Jetzt stimmten 31 Abgeordnete gegen RSM (2014 34, 2013 beim letzten ISAF-Mandat 10), 19 daf&uuml;r (2014 9, 2013 35), 8 (17, 14) enthielten sich. Das spricht f&uuml;r die Eigenst&auml;ndigkeit der einzelnen Abgeordneten, erschwert aber eine gemeinsame Politik, Erkennbarkeit und Glaubw&uuml;rdigkeit &ndash; von Regierungsf&auml;higkeit ganz zu schweigen.</p>
<p>Die gr&uuml;ne Sprecherin bekennt sich zu einer besonderen Verantwortung Deutschlands f&uuml;r die Menschen in Afghanistan, die wir &bdquo;nicht alleine lassen d&uuml;rfen&ldquo;. Sie zeichnet ein differenziertes Bild der Lage in Afghanistan, benennt positive Entwicklungen wie auch die grausamen Attentate und Attacken der Aufst&auml;ndischen ohne R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung. (Diese Lagedarstellung ist realit&auml;tsnah und unterscheidet sich diametral von dem eindimensionalen Afghanistan-Bild der LINKEN und von H.-C.S.)</p>
<p>Deutlich wird festgestellt, dass der NATO-Beschluss zur Beendigung von ISAF richtig gewesen sei. Aus Sicht der ISAF-L&auml;nder will ich nicht infrage stellen. Allerdings dr&auml;ngt sich die Frage auf, ob die Art des ISAF-Abzuges (terminfixiert, lageunabh&auml;ngig, R&uuml;cksicht nur auf die eigenen Kr&auml;fte, null auf die Afghanen) richtig war. Meines Erachtens waren die stark steigenden zivilen und ANDSF-Opferzahlen&nbsp; a u c h&nbsp; ein &bdquo;Begleitschaden&ldquo; der Art des ISAF-Abzuges. Die Mitverantwortung f&uuml;r diese menschlichen &bdquo;Begleitsch&auml;den&ldquo; ist formal mit der &bdquo;&Uuml;bergabe der Verantwortung&ldquo; an die afghanische Seite weitergereicht, nicht aber moralisch.</p>
<p>Gegen&uuml;ber der Verl&auml;ngerung und Aufstockung von RS &auml;u&szlig;ert die gr&uuml;ne Sprecherin Bedenken, die nach aller Erfahrung begr&uuml;ndet und triftig sind: Die Vertagung des Abzugs bis wann? Die Unklarheit von Zielen und Erfolgskriterien (seit 2000 fordert der Brahimi-Report die Klarheit, Glaubw&uuml;rdigkeit und Erf&uuml;llbarkeit von Mandaten!); die Gefahr eines Rutschbahneffekts; die fragliche Auswirkung einer etwas l&auml;ngeren und intensiveren Ausbildung von Sicherheitskr&auml;ften auf die Sicherheitslage. Sehr zu Recht beschreibt die Rednerin die langj&auml;hrige schlechte Regierungsf&uuml;hrung in Afghanistan als einen wichtigen Grund f&uuml;r die d&uuml;stere Lage heute.</p>
<p>&bdquo;Wie kann unter solchen Bedingungen Ihr milit&auml;risches Engagement zum Erfolg f&uuml;hren?&ldquo; Die Frage dr&auml;ngt sich in der Tat auf. Darauf kann es nur Antworten mit Unsicherheiten und Zweifeln eben.</p>
<p><strong>Trotzdem bleibt eine Schl&uuml;sselfrage</strong>:</p>
<p>Was tun, wenn sich die ANDSF nicht zureichend allein aus eigener Kraft behaupten k&ouml;nnen, wenn bisherige minimale Sicherheit und Bewegungsfreiheit erodieren, wenn notwendige Sicherheitsvoraussetzungen f&uuml;r Entwicklungszusammenarbeit und zivilgesellschaftliche Akteure schwinden?</p>
<p>Das ist eine Frage der unmittelbaren Gro&szlig;gefahrenabwehr, der Verh&uuml;tung noch schlimmerer Konflikteskalation (bis hin zum Fl&auml;chenbrand eines B&uuml;rgerkrieges) &ndash; und nicht eine Frage der Konfliktl&ouml;sung insgesamt oder gar eines &bdquo;absoluten Friedens&ldquo; in Afghanistan.</p>
<p>Diese Akutfrage, die auch eine der Krisenpr&auml;vention in laufender Konfliktdynamik ist, wird sehr anschaulich, wenn man die u.g. j&uuml;ngsten UN-Berichte liest: zur Taliban-Besetzung von Kunduz (12. Dezember), den Quartalsbericht des UN-Generalsekret&auml;rs an Generalversammlung und Sicherheitsrat (10. Dezember).</p>
<p>Dieser Akutfrage weicht die Mehrheit der gr&uuml;nen Fraktion aus. Wo willk&uuml;rlich get&ouml;tet und geraubt wird, wo gezielt Menschenrechtsaktivisten, Frauenrechtlerinnen, Journalisten verfolgt werden, wo UNAMA- MitarbeiterInnen abgezogen werden m&uuml;ssen, da sind Forderungen, verst&auml;rkt auf Verhandlungsl&ouml;sungen zu dr&auml;ngen, weiterhin verl&auml;sslich den zivilen Wiederaufbau, Zivilgesellschaft und Frauenrechtsgruppen zu unterst&uuml;tzen (vgl. Entschlie&szlig;ungsantrag <a href="http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/070/1807084.pdf"><em>http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/070/1807084.pdf</em></a>), bei aller Richtigkeit voll am Thema vorbei.</p>
<p>Eine Fraktion, die richtige Forderungen zum zivilen Aufbau nicht zu Lippenbekenntnissen verkommen lassen will und f&uuml;r die sich Opposition nicht im Bedenkentragen ersch&ouml;pft, muss schon Stellung nehmen zur Sicherheitssektorreform und ob die ANDSF beraten oder sich selbst (und US-Kr&auml;ften) &uuml;berlassen werden sollen.</p>
<p>Meiner ziemlich festen &Uuml;berzeugung nach w&uuml;rden die ANDSF nur am internationalen Finanztropf, aber ohne internationale Beratung garantiert sehr schnell zerbr&ouml;seln, w&auml;re Afghanistan beschleunigt auf der Rutschbahn Richtung B&uuml;rgerkrieg.</p>
<p><strong>Schlie&szlig;lich die UN-Treue</strong>: Als Mitglied des Vorstandes der Dt. Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen seit 14 Jahren bin ich stolz auf den Ruf der Gr&uuml;nen als die kompetentesten und verl&auml;sslichsten Freunde der UN im Bundestag und in der Parteienlandschaft.</p>
<p>Wenn sich UN-Sicherheitsrat und Generalsekret&auml;r so eindeutig f&uuml;r Resolute Support aussprechen, dann gibt es selbstverst&auml;ndlich keine Zustimmungspflicht. Aber es gibt eine hohe Rechtfertigungspflicht gegen&uuml;ber einem solchen UN-Votum.</p>
<p><strong>(3) UN-Untersuchungsbericht zur Taliban-Besetzung von Kunduz am </strong></p>
<p><strong>28. September (12.12.2015)</strong></p>
<p><a href="https://unama.unmissions.org/sites/default/files/special_report_on_kunduz_province_12_december_2015.pdf">https://unama.unmissions.org/sites/default/files/special_report_on_kunduz_province_12_december_2015.pdf</a></p>
<p>W&auml;hrend der Taliban-Offensiven in der Provinz Kunduz vom 24. April bis 13. Mai und 20. bis 30. Juni hatten die Aufst&auml;ndischen zunehmend Kontrolle &uuml;ber weite Teile der Provinz gewonnen. Zum Zeitpunkt des Angriffs kontrollierten sie das Verwaltungszentrum des Dasht-e Archi Distrikts, gro&szlig;e Teile der Distrikte Chahar Darah, Qala-e Zal und Imam Shahib, zeitweise auch das Distriktzentrum von Chahar Darah.</p>
<p>Der gut geplante <strong>Angriff der Taliban auf Kunduz City</strong> traf auf wenig Widerstand. Die afghanischen Sicherheitskr&auml;fte wurden Richtung Flughafen getrieben. Sofort befreiten die Taliban &uuml;ber 600 m&auml;nnliche H&auml;ftlinge aus dem Gef&auml;ngnis, einige wurden mit Waffen ausgestattet, um mit gegen die Sicherheitskr&auml;fte (ANDSF) zu k&auml;mpfen. In den Folgetagen gingen ANDSF, unterst&uuml;tzt von US-Soldaten, zum Gegenangriff &uuml;ber. Die heftigen K&auml;mpfe dauerten bis zum 13. Oktober, als die Taliban ihren offiziellen R&uuml;ckzug aus Kunduz bekanntgaben. Am 3. Oktober kam es trotz eindringlicher Vorwarnungen durch &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; (MSF) zu einem US-Luftangriff auf ihr Krankenhaus, wobei 30 Menschen get&ouml;tet (darunter 13 MSF-Mitarbeiter und zehn Patienten) und 37 verletzt wurden. Das Hospital war mit seiner Trauma-Behandlung einzigartig in der ganzen Nordostregion. (<em>vgl auch Friederike B&ouml;ge &bdquo;Eine folgenreiche Verwechslung&ldquo;, FAZ 26.11.2015 </em><a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/angriff-auf-das-krankenhaus-in-kundus-war-eine-folgenreiche-verwechslung-13934333.html">http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/asien/angriff-auf-das-krankenhaus-in-kundus-war-eine-folgenreiche-verwechslung-13934333.html</a> )</p>
<p><strong>Zivilopfer</strong>: Insgesamt sind lt. UNAMA in den mehr als zwei Wochen der Besetzung von Kunduz und den umliegenden Distrikten 280 Zivilpersonen get&ouml;tet (davon 43 Frauen und 23 Kinder) und 559 verwundet worden. Der gr&ouml;&szlig;te Teil der Menschen kam bei den K&auml;mpfen zu Schaden. Die Gesamtzahl der Zivilopfer entspricht zehn Prozent aller Zivilopfer des ganzen Jahres 2014, dem Jahr mit den meisten Opfern, die seit 2009 von UNAMA dokumentiert wurden.</p>
<p>Taliban verlegten unterschiedslos wirkende Druckplatten-IED`s an Zufahrtsstra&szlig;en nach Kunduz und in zivilen Geb&auml;uden vor ihrem R&uuml;ckzug.</p>
<p><strong>Zusammenbruch der Ordnung</strong>: Die Abwesenheit von staatlichen Organen, der Zusammenbruch von minimaler Recht und Ordnung f&uuml;hrte in diesen zwei Wochen zu einer Schutzlosigkeit in Bezug auf die meisten fundamentalen Menschenrechte. Das Chaos erm&ouml;glichte ein Umfeld, in dem willk&uuml;rliche T&ouml;tungen und andere Formen der Gewalt gegen Zivilisten und zivile Objekte, Kriminalit&auml;t und Zerst&ouml;rung von Eigentum um sich griffen.</p>
<p>Es gab etliche Berichte von gezielten T&ouml;tungen w&auml;hrend des Angriffs und der folgenden Besetzung. Berichtet wurde von Zivilisten, die durch unbekannte Scharfsch&uuml;tzen beim Besorgen von Lebensmitteln und Wasser get&ouml;tet worden waren.</p>
<p>Mehrfach wurden F&auml;lle berichtet, wo Taliban Zivilpersonen t&ouml;teten (z.B. den Ehemann einer nicht anwesenden NGO-Mitarbeiterin), wo es zu Exekutionen im Rahmen einer Paralleljustiz kam. Die Beschuldigung: Arbeit f&uuml;r die Regierung oder die ANSF.</p>
<p><strong>Entf&uuml;hrungen</strong>: Zahlreich berichtet wurde von der Entf&uuml;hrung ziviler M&auml;nner. Zwischen Kunduz und Takhar wurden Fahrzeuge und Lkw`s angehalten, junge M&auml;nner und Jungen ausgew&auml;hlt und entf&uuml;hrt. In den meisten F&auml;llen ist ihr Verbleib bis heute unbekannt.</p>
<p><strong>Razzien, v.a. nach Menschenrechts- und FrauenaktivistInnen</strong>: UNAMA best&auml;tigt, dass in den ersten Tagen der Besatzung Taliban-K&auml;mpfer systematisch Haus f&uuml;r Haus mit vorbereiteten Listen (Namen, Adressen, Organisation) nach zivilgesellschaftlichen und Frauenrechts-Aktivisten, &ouml;ffentlich aktiven Frauen, nach Menschenrechtsverteidigern und Mitarbeitern von NGO`s und anderen internationalen Organisationen, einschlie&szlig;lich UNAMA, Journalisten, Anw&auml;lten, Richtern und Staatsanw&auml;lten durchsuchten. Da viele Taliban sich in Kunduz City nicht auskannten, konnten einige Frauenaktivistinnen entkommen. Als die gezielte Suche von weiblichen Menschenrechtsverteidigern im Land bekannt wurde, flohen andere Aktivistinnen aus Baghlan, Takhar, Badakhshan und Faryab &ndash; vielfach nach Kabul.</p>
<p>Die Organisiertheit und Koordination der Suche nach aktiven Frauen wirft Fragen auf. Etliche Interviewte &auml;u&szlig;erten die Bef&uuml;rchtung, dass Gruppen der bewaffneten Opposition Regierungsinstitutionen infiltriert h&auml;tten, die detaillierte Informationen &uuml;ber die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen haben. Die meisten wollen nicht mehr nach Kunduz zur&uuml;ckkehren.</p>
<p><strong>Eingesperrte und Fl&uuml;chtlinge</strong>: W&auml;hrend der Taliban- Besetzung mussten ca. 150.000 Einwohner trotz heftiger K&auml;mpfe in Teilen der Stadt in ihren Wohnungen ausharren. Eingeschr&auml;nkt war ihr Zugang zu Lebensmitteln, sauberem Wasser und Strom. &Uuml;ber 15.000 Familien flohen in andere Landesteile, die meisten in der Nordregion (8.300 Familien nach Taloqan, 1.200 nach Mazar-e Sharif, 1.550 nach Baghlan, 800 nach Badakhshan). Inzwischen sollen bis zu 8.000 Familien zur&uuml;ckgekehrt sein. W&auml;hrend der K&auml;mpfe wurden alle 497 Schulen geschlossen, mehr als 350.000 Kinder konnten nicht ihre Schulen besuchen. 20 Schulen wurden besch&auml;digt, vier Schulen wurden von Taliban wie ANDSF f&uuml;r milit&auml;rische Zwecke missbraucht.</p>
<p><strong>Pl&uuml;nderungen</strong>: Zu Beginn der Besetzung hatten die Taliban verk&uuml;ndet, Zivilisten, auch Regierungsangestellten w&uuml;rde nichts geschehen. Die Wirklichkeit sah anders aus. Taliban-K&auml;mpfer und/oder Gelegenheits-Kriminelle pl&uuml;nderten das UNAMA Kunduz Office wie auch die B&uuml;ros der Afghanischen Unabh&auml;ngigen Menschenrechtskommission, mehrerer lokaler und internationaler NGO`s, Medien, des Departments f&uuml;r Frauenangelegenheiten und andere Verwaltungsb&uuml;ros. In einigen F&auml;llen stahlen Taliban aus den B&uuml;ros vertrauliche Dokumente, Ausstattung, auch Fahrzeuge von NGO`s, UNAMA und humanit&auml;ren Organisationen.</p>
<p>Von Taliban wie von Mitgliedern der ANDSF wurden K&ouml;rper von Toten gest&uuml;mmelt und gesch&auml;ndet.</p>
<p><strong>Medien-Niederlassungen und Journalisten</strong>: Gepl&uuml;ndert und zerst&ouml;rt wurden die B&uuml;ros mehrerer Medien-Niederlassungen. In einigen F&auml;llen suchten Taliban die Wohnh&auml;user von Journalisten auf, um ihren Aufenthaltsort zu ermitteln. Laut <em>Afghan Journalists Safety Committee</em> flohen w&auml;hrend der K&auml;mpfe mehr als 100 Journalisten aus der Provinz Kunduz. Besorgt waren etliche um das Wohlergehen ihrer Kontakte und Quellen, deren Details in den B&uuml;ros in die H&auml;nde der Taliban gefallen waren.</p>
<p>Am 12. Oktober gab es einen ausdr&uuml;cklichen Versuch, Journalisten zu bedrohen und einzusch&uuml;chtern. Die Milit&auml;r-Kommission der Taliban verurteilte in einem Statement die Berichterstattung der zwei TV-Kan&auml;le Tolo TV und 1TV und erkl&auml;rte deren Niederlassungen zu &bdquo;milit&auml;rischen Zielen&ldquo; und die Mitarbeiter zu &bdquo;Feindpersonal&ldquo;. Die beiden Kan&auml;le hatten vor her von Beschuldigungen berichtet, wonach Taliban in Kunduz geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen und M&auml;dchen ausge&uuml;bt h&auml;tten. Am 16. Oktober rief auf der Taliban Website ein Artikel direkt zu Angriffen auf Medien-Niederlassungen und Journalisten auf, die &bdquo;f&uuml;r den Westen arbeiten und von ihm bezahlt werden&ldquo;. Solche Niederlassungen m&uuml;ssten milit&auml;rische Ziele sein und eliminiert werden.</p>
<p>Auch nach dem Abzug der Taliban dauerten Drohungen gegen Journalisten in Kunduz an.</p>
<p>Rekrutierung und Einsatz von Kindern: UNAMA erhielt glaubw&uuml;rdige Berichte von einer hohen Zahl an Kindersoldaten beim Angriff auf Kunduz. In medizinischen Einrichtungen in Kunduz seien &bdquo;mindestens 200&ldquo; verletzte Kindersoldaten behandelt worden, die meisten von ihnen Jungen zwischen 10 und 17 Jahren. Viele sollen durch Druck auf die Familien dazu gezwungen worden sein, Waffen aufzunehmen.</p>
<p>(<em>vgl. auch &bdquo;The Report on the Investigation of Human Rights and Humanitarian Rights Situation in Kunduz Province Armed Conflict&ldquo;, Afghan Independent Human Rights Commission, </em><a href="http://www.aihrc.org.af/media/files/Kondoz_English.pdf"><em>http://www.aihrc.org.af/media/files/Kondoz_English.pdf</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>(4) Reportage &ldquo;Gigantischer Beutezug&rdquo; von Susanne Koelbl im SPIEGEL </strong>52/19.12.2015 &uuml;ber die kurzzeitige Eroberung von Kunduz durch die Taliban, die Hintergr&uuml;nde und die Folgen bis heute (Video: S. Koelbl &uuml;ber ihre AFG-Reise <a href="http://spiegel.de/sp522015kunduz">http://spiegel.de/sp522015kunduz</a> ):</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Ausgerechnet Kunduz. Ausgerechnet die Stadt, die Deutschland zum Zentrum seiner Aufbaubem&uuml;hungen gemacht hatte, fiel in die H&auml;nde der Taliban. Zwar nur f&uuml;r 15 Tage, danach eroberten die Regierungstruppen sie zur&uuml;ck. Aber Kunduz ist jetzt ein anderer Ort. Die Frauen gehen wieder voll verschleiert, auf den Stra&szlig;en stehen Pick-ups mit Maschinengewehren. Hotels nehmen keine Fremden mehr auf, niemand will mit Ausl&auml;ndern gesehen werden. Wenn die Taliban davon erfahren, kann das t&ouml;dlich sein. Die Basare sind zwar wieder ge&ouml;ffnet, der Brotpreis sank auf normales Niveau, doch das Gef&uuml;hl von Sicherheit ist weg. Und fast alle von Deutschland m&uuml;hsam mitaufgebauten Institutionen sind zerst&ouml;rt. (&hellip;) Am 28. September ahnte Hassina Sarwadi, 34, Direktorin des Frauenhauses von Kunduz, nicht, dass sich gleich alles aufl&ouml;sen w&uuml;rde, woran sie geglaubt hatte: Polizei, Gerichte, Provinzregierung, ja der ganze Staat. (&hellip;) Soldaten, Geheimdienstler, Polizisten waren l&auml;ngst geflohen. Sie hatten Kunduz den Extremisten &uuml;berlassen, kampflos.&ldquo;</p>
<p>Wie das passieren konnte?</p>
<p>Laut einer vom Pr&auml;sidenten berufenen Untersuchungskommission herrsche &bdquo;zwischen den Koalitionspartnern, dem Pr&auml;sidenten und dem Regierungsvorsitzenden Abdullah eine &acute;so starke Atmosph&auml;re von Misstrauen und Unklarheit`, dass sich diese auf allen Ebenen des Staates fortsetze: vom Sicherheitsapparat in Kabul bis hinunter zum &ouml;rtlichen Kommandeur in Kunduz. Niemand h&ouml;re mehr auf irgendwen.&ldquo; In Kunduz existierte &bdquo;am Tag des Angriffs &acute;keine Kommandostruktur`, was zu einem kollektiven Versagen aller Sicherheitskr&auml;fte f&uuml;hrte. Jeder rettete nur noch sich selbst.&ldquo;</p>
<p>Koelbl schildert die organisierte Nichtzusammenarbeit in Kunduz zwischen Gouverneur und seinem Stellvertreter, zwischen Polizei- und Armeechef &ndash; und dass Geheimdiensterkenntnisse &uuml;ber die geplante Offensive der Taliban vorlagen. Aber es wurden keine Konsequenzen gezogen.</p>
<p>&bdquo;Als die Taliban in der Stadt waren, besorgte eine eigene Truppe das Niederbrennen der Institutionen. Sie gingen systematisch vor, von West nach Ost. Die Extremisten schonten lediglich, was sie als n&uuml;tzlich betrachteten, das von Deutschen errichtete Krankenhaus etwa. Das Lehrer-Trainingszentrum am Flughafen dagegen z&uuml;ndeten sie an, das B&uuml;ro der Gesellschaft f&uuml;r Internationale Zusammenarbeit (GIZ) pl&uuml;nderten sie.</p>
<p>Sie brannten drei Polizeistationen nieder, das alte und neue Hauptquartier der Armee, das Gerichtsgeb&auml;ude. Schreibtische, Computersysteme, Regale, St&uuml;hle und Ger&auml;te wurden abtransportiert. Es war nicht nur ein milit&auml;rischer Sieg, sondern auch ein gigantischer Beutezug. Ein gro&szlig;er Teil der Ausstattung der Provinzverwaltung und der dortigen Sicherheitskr&auml;fte wechselte auf die Seite des Feindes, darunter Hunderte Polizei-, Armee- und Regierungsautos, 2 Panzer, 37 Humvees, Nachtsichtger&auml;te und etwa 1000 Waffen.</p>
<p>Das Versammlungshaus des Provinzrats, (..) ist jetzt eine Ruine mit verru&szlig;ten Fensterh&ouml;hlen, der Komplex der Gemeindeverwaltung ausger&auml;uchert. Von den Wasserwerken und dem Amt f&uuml;r Dorfentwicklung stehen nur noch die verkohlten Mauern.</p>
<p>Selbst ins Studentinnenwohnheim brachen die Taliban ein. Sie stahlen die Laptops der M&auml;dchen, K&uuml;hlschr&auml;nke, Radioger&auml;te, ihren Goldschmuck, Teppiche. An diesem Tag waren die Studentinnen zum Opferfest bei ihren Familien. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong>(5) Bericht des UN-Generalsekret&auml;r &bdquo;The situation in Afghanistan and its implications for international peace and security&ldquo; an UN-Generalversammlung und Sicherheitsrat vom 10. Dezember 2015</strong></p>
<p><a href="http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=S/2015/942">http://www.un.org/en/ga/search/view_doc.asp?symbol=S/2015/942</a></p>
<p>Vom 1. August bis 31. Oktober 2015 erfasste UNAMA <strong>6.601 Sicherheitsvorf&auml;lle</strong>, eine Steigerung um 19% gegen&uuml;ber dem Vorjahrszeitraum. Die Mehrheit (62%) geschah im S&uuml;den, S&uuml;dosten und Osten. W&auml;hrend hier die Sicherheitsvorf&auml;lle in den letzten Jahren konstant blieben, gab es eine auff&auml;llige Intensivierung der Unsicherheit im Norden und Nordosten.</p>
<p>Von August bis Oktober dokumentierte UNAMA 3.693 <strong>Zivilopfer</strong> (1.138 Tote, 2.555 Verwundete), ein Anstieg um 26% gegen&uuml;ber dem Vorjahrszeitraum. 54% der Zivilopfer wurden durch regierungsfeindliche Kr&auml;fte verantwortet, 17% durch Pro-Regierungskr&auml;fte (12% ANDSF, 1% Milizen, 4% internationale Streitkr&auml;fte), 27% durch Kreuzfeuer zwischen Aufst&auml;ndischen und ANDSF. In den drei Monaten wurden 159 Kinder bei Sicherheitsvorf&auml;llen get&ouml;tet und 505 verletzt, ein R&uuml;ckgang um 10% ggb. dem Vorjahrszeitraum.</p>
<p>Im Berichtszeitraum Aug.-Okt. gelang den Taliban &uuml;ber Kunduz hinaus die <strong>Einnahme von 16 Distriktzentren</strong>, vorrangig im Norden (Badakhshan, Baghlan, Faryab, Kunduz, Sari Pul, Takhar), aber auch im Westen (Farah) und S&uuml;den (Helmand. Kandahar). Die ANDSF konnten bis Ende Oktober Kunduz City und 13 Distriktzentren zur&uuml;ckgewinnen. Versuche der Taliban, die Provinzhauptst&auml;dte von Ghazni, Farah und Faryab einzunehmen, konnten mit internationaler milit&auml;rischer Unterst&uuml;tzung abgewehrt werden. Die Kontrolle &uuml;ber sch&auml;tzungsweise 25% aller Distrikte des Landes bleibt umk&auml;mpft. Die Entwicklung verdeutlichte kritische Defizite in den F&auml;higkeiten der ANDSF &ndash; so in Logistik, Planung, Nachrichtenwesen und Luftunterst&uuml;tzung sowie in der Zusammenarbeit von Sicherheitsinstitutionen und zivilen Autorit&auml;ten.</p>
<p>Besorgnis erregte die <strong>Pr&auml;senz von dem IS verbundenen Gruppen</strong>, insbesondere in der Provinz Nangarhar. Unbest&auml;tigte Berichte meldeten Zusammenst&ouml;&szlig;e zwischen IS-Anh&auml;ngern und Taliban in der Provinz und signifikant zunehmende Clear-Operationen der ANDSF gegen IS-Anh&auml;nger.</p>
<p>UN war von 43 Sicherheitsvorf&auml;llen betroffen. Zwischen 30. September und 9. Oktober wurden UN-MitarbeiterInnen vorsichtshalber aus Baghlan, Badakhshan und Faryab abgezogen.</p>
<p><em>&ldquo;(&hellip;) temporary capture of a provincial capital, Kunduz City. This event, combined with the </em></p>
<p><em>existence of an economic environment that is a source of continued difficulty, fuelled an increasing contestation of the political space, as debates among the political elites and the public became more vocal. The sum of these challenges finds Afghanistan at a point where uncertainty about the future is pushing an increasing number of Afghans to emigrate and the need for sustained international assistance remains acute.</em></p>
<p><em>This was the first year in which Afghanistan found itself without the same level or form of international military support provided in the past decade. The Afghan security forces have largely withstood the mounting pressures, however, and shown the ability to retake those areas temporarily under the control of the insurgency. If the costs have been heavy, ranging from attrition to casualties, so have the demands, which at times have been answered with international support. Additionally, reports of intra-insurgent violence point to an increasingly volatile and complex security situation. I welcome recent announcements by Member States affirming their commitment to assisting the Afghan security forces in their efforts to bring security and stability to the country.(&hellip;)&rdquo;</em></p>
<p>Die <strong>Bem&uuml;hungen, einen Friedensprozess</strong> in Gang zu setzen, stecken in einer Sackgasse. Obwohl die Taliban in &ouml;ffentlichen Stellungnahmen die Bedeutung einer politischen L&ouml;sung anerkennen, zeigen sie keine Bereitschaft, direkte Gespr&auml;che mit der afghanischen Regierung aufzunehmen.</p>
<p>Erstmalig wurde ein lokales Waffenstillstandsabkommen mit Billigung der Regierung abgeschlossen &ndash; am 7. September in Dand-e Ghori im Pul-i Khumri-Distrikt/Baghlan zwischen Stammes&auml;ltesten, dem Provinzgouverneur von Baghlan und dem Minister f&uuml;r Stammes- und Grenzangelegenheiten.</p>
<p>Am 12. Oktober nahmen ca. 500 Vertreter von &bdquo;government religious councils&ldquo;, unabh&auml;ngige Geistliche und Religionsgelehrte an der &bdquo;Ulema National Conference in Support on Peacebuilding in Afghanistan&ldquo; teil. &nbsp;Die Konferenz wurde vom High Peace Council erm&ouml;glicht und von UNAMA unterst&uuml;tzt. Die Teilnehmer beschlossen eine Resolution, die die Bem&uuml;hungen der Regierung unterst&uuml;tzt, alle Seiten des Konflikts zusammenzubringen, um Frieden zu erreichen.</p>
<p><strong>(6) Resolution 2210 (2015) des UN-Sicherheitsrats vom 16. M&auml;rz 2015 zur Fortsetzung der politischen UN-Mission in Afghanistan UNAMA</strong></p>
<p><a href="http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_15/sr2210.pdf">http://www.un.org/Depts/german/sr/sr_15/sr2210.pdf</a></p>
<p>&bdquo;(&hellip;) <span style="text-decoration: underline;">unterstreichend</span>, wie wichtig einsatzf&auml;hige, professionelle, inklusive und tragf&auml;hige afghanische nationale Sicherheitskr&auml;fte sind, um den Sicherheitsbedarf Afghanistans zu decken und so dauerhaften Frieden und anhaltende Sicherheit und Stabilit&auml;t herbeizuf&uuml;hren, betonend, dass sich die internationale Gemeinschaft langfristig, &uuml;ber 2014 hinaus und bis in die Transformationsdekade (2015-2024) hinein, verpflichtet hat, die Weiterentwicklung, einschlie&szlig;lich der Ausbildung, und die Professionalisierung der afghanischen nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskr&auml;fte sowie die Rekrutierung und Bindung von Frauen in den afghanischen nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskr&auml;ften zu unterst&uuml;tzen, in Anerkennung des Beitrags der Partner Afghanistans zu Frieden und Sicherheit in dem Land, unter Hinweis auf den Abschluss der Mission der Internationalen Sicherheitsbeistandstruppe Ende 2014, unter Begr&uuml;&szlig;ung des zwischen der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO) und Afghanistan geschlossenen Abkommens, das zur Einrichtung der Mission ohne Kampfauftrag &bdquo;Resolute Support&ldquo; (Entschlossene Unterst&uuml;tzung) am 1. Januar 2015 f&uuml;hrte, die auf Einladung der Islamischen Republik Afghanistan die afghanischen nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskr&auml;fte ausbilden, beraten und unterst&uuml;tzen soll, in Anbetracht der Verantwortung der Regierung Afghanistans f&uuml;r die Aufrechterhaltung ausreichender und einsatzf&auml;higer afghanischer nationaler Verteidigungs- und Sicherheitskr&auml;fte sowie in Anbetracht des Beitrags der NATO und der beitragenden Partner zum finanziellen Unterhalt der afghanischen nationalen Verteidigungs- und Sicherheitskr&auml;fte und der langfristig angelegten Dauerhaften Partnerschaft zwischen der NATO und Afghanistan, mit dem klaren Ziel, dass die Regierung Afghanistans sp&auml;testens 2024 die volle finanzielle Verantwortung f&uuml;r ihre eigenen Sicherheitskr&auml;fte &uuml;bernimmt, und in diesem Zusammenhang unter Hinweis auf die Resolution 2189 (2014),</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23. fordert</span> die afghanische Regierung auf, mit Unterst&uuml;tzung der internationalen Gemeinschaft auch weiterhin gegen die Bedrohung der Sicherheit und Stabilit&auml;t Afghanistans vorzugehen, die von den Taliban, Al-Qaida und anderen gewaltt&auml;tigen und extremistischen Gruppen, illegalen bewaffneten Gruppen, Kriminellen und denjenigen, die an der Herstellung unerlaubter Drogen oder dem Verkehr oder Handel damit beteiligt sind, ausgeht;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24. erkl&auml;rt</span> erneut, wie wichtig es ist, die Funktionsf&auml;higkeit, die Professionalit&auml;t und die Rechenschaftspflicht des afghanischen Sicherheitssektors innerhalb eines umfassenden Rahmens durch geeignete &Uuml;berpr&uuml;fungsverfahren und Ma&szlig;nahmen in den Bereichen Ausbildung, einschlie&szlig;lich &uuml;ber Kinderrechte, Mentoring, Ausr&uuml;stung und Erm&auml;chtigung, f&uuml;r Frauen wie auch f&uuml;r M&auml;nner, zu steigern, um raschere Fortschritte in Richtung auf das Ziel eigenst&auml;ndiger, ethnisch ausgewogener und Frauen einschlie&szlig;ender afghanischer Sicherheitskr&auml;fte zu erzielen, die f&uuml;r Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit im gesamten Land sorgen, betont, wie wichtig ein langfristiges Engagement der internationalen Gemeinschaft ist, um sicherzustellen, dass die afghanischen nationalen Sicherheitskr&auml;fte einsatzf&auml;hig, professionell und tragf&auml;hig sind, und nimmt in dieser Hinsicht Kenntnis von der Einrichtung der Mission ohne Kampfauftrag &bdquo;Resolute Support&ldquo;, die diese Sicherheitskr&auml;fte auf der Grundlage der bilateralen Abkommen zwischen der NATO und Afghanistan und auf Einladung Afghanistans ausbilden, beraten und unterst&uuml;tzen wird;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">25. begr&uuml;&szlig;t</span> in diesem Zusammenhang die anhaltenden Fortschritte beim Aufbau der Afghanischen Nationalarmee und die Verbesserung ihrer F&auml;higkeiten zur Einsatzplanung und -durchf&uuml;hrung und ermutigt zu anhaltenden Ausbildungsanstrengungen, unter anderem durch den Beitrag von Ausbildern, Ressourcen und Beratungsteams im Rahmen der NATO-Mission &bdquo;Resolute Support&ldquo;, Beratung bei der Entwicklung eines dauerhaft angelegten Prozesses f&uuml;r die Verteidigungsplanung sowie Hilfe bei den Initiativen zur Reform des Verteidigungssektors;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26. nimmt Kenntnis</span> von den laufenden Anstrengungen der afghanischen Beh&ouml;rden zum Ausbau der F&auml;higkeiten der Afghanischen Nationalpolizei, fordert weitere auf dieses Ziel gerichtete Anstrengungen, betont in diesem Zusammenhang die Wichtigkeit internationaler Hilfe in Form von finanzieller Unterst&uuml;tzung und der Bereitstellung von Ausbildern und Mentoren, einschlie&szlig;lich des Beitrags der NATO-Mission &bdquo;Resolute Support&ldquo;, entsprechend der durch die Regierung Afghanistans erfolgten Zustimmung und Annahme, des Beitrags der Europ&auml;ischen Gendarmerie-Truppe zu dieser Mission und des Beitrags der Polizeimission der Europ&auml;ischen Union (EUPOL Afghanistan) sowie des Deutschen Polizei-Projekt-Teams, stellt fest, wie wichtig eine f&auml;hige Polizei in ausreichender St&auml;rke f&uuml;r die langfristige Sicherheit Afghanistans ist, begr&uuml;&szlig;t die Zehnjahresvision f&uuml;r das Innenministerium und die Afghanische Nationalpolizei, einschlie&szlig;lich der Verpflichtung, eine wirksame Strategie zur Koordinierung einer verst&auml;rkten Rekrutierung, Bindung, Ausbildung und Kapazit&auml;tsentwicklung von Frauen in der Afghanischen Nationalpolizei sowie zur F&ouml;rderung der Umsetzung ihrer Strategie zur Integration einer Gleichstellungsperspektive zu entwickeln, und begr&uuml;&szlig;t die fortgesetzte Unterst&uuml;tzung der UNAMA f&uuml;r Polizistinnen-Vereinigungen; (&hellip;)&ldquo;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>(7) Afghanistan jenseits des deutschen Tellerrands: zum Beispiel Helmand</strong></p>
<p><strong>Spiegel online 21.12.2015 </strong>&bdquo;Die s&uuml;dafghanische Provinz Helmand steht offenbar kurz vor dem Fall an die radikalislamischen <a title="Taliban" href="http://www.spiegel.de/thema/taliban/">Taliban</a>. Mohammed Dschan Rasuljar wandte sich am Sonntag per Facebook an Pr&auml;sident Aschraf Ghani. &quot;Ich kann nicht l&auml;nger schweigen&quot;, schrieb der hohe Provinzbeamte. &quot;Helmand steht kurz vor dem Fall. 90 M&auml;nner sind bei K&auml;mpfen mit den Taliban in den vergangenen zwei Tagen get&ouml;tet worden.&quot;</p>
<p>Rasuljars Warnung wirft ein Schlaglicht auf die dramatische Sicherheitslage in Teilen Afghanistans ein Jahr nach dem Ende des internationalen Kampfeinsatzes. Und sie erinnert an die Eroberung der n&ouml;rdlichen Stadt Kundus im September - die von den Taliban &uuml;berrannt worden war. Die Regierungskr&auml;fte konnten die Stadt damals allerdings nach wenigen Tagen wieder unter ihre Kontrolle bringen.</p>
<p>In seinem Facebook-Eintrag forderte der Vizeprovinzgouverneur sofortige Verst&auml;rkung aus der Hauptstadt Kabul. Ihm sei es nicht gelungen, den Pr&auml;sidenten &uuml;ber andere Kan&auml;le zu erreichen, beklagte Rasuljar. Er warf Ghani vor, die bedrohliche Lage in Helmand herunterzuspielen. &Ouml;rtliche Beh&ouml;rdenvertreter best&auml;tigten seine Angaben, wonach die Taliban auf dem Vormarsch seien.</p>
<p>Helmand ist eine der gr&ouml;&szlig;ten Provinzen des Landes. In die K&auml;mpfe dort sollen laut Medienberichten auch amerikanische und britische Spezialkr&auml;fte involviert sein. Experten zufolge konzentrieren sich die Taliban auf die Eroberung der Provinz, um den Drogenhandel zu kontrollieren. Helmand ist das Zentrum der Opiumproduktion. (&hellip;)</p>
<p><strong>TOLOnews und CNN 21.12.2015: </strong>Der Distrikt Sangin sei &uuml;berwiegend in den H&auml;nden der Aufst&auml;ndischen, so auch mehrere Regierungsgeb&auml;ude. Regierungskr&auml;fte seien auf den Compound des Polizeichefs und den St&uuml;tzpunkt eines ANA-Bataillons zur&uuml;ckgedr&auml;ngt. Laut Polizeichef habe es schwere Verluste gegeben und sei die Munition fast aufgebraucht. Am Tag zuvor sei der Distrikt Greshk an die Aufst&auml;ndischen gefallen.</p>
<p><a href="http://www.tolonews.com/en/afghanistan/22918-taliban-seize-control-of-parts-of-sangin-local-officials">http://www.tolonews.com/en/afghanistan/22918-taliban-seize-control-of-parts-of-sangin-local-officials</a></p>
<p><strong>Longwar-Journal 21.12.2015</strong>: Von 13 Distrikten seien f&uuml;nf unter Taliban-Kontrolle (Nowzad, Musa Qala, Baghran, Dishu, Sangin), f&uuml;nf hart umk&auml;mpft. (Landesweit seien 40 Distrikte, 10% aller Distrikte, unter Taliban-Kontrolle und 39 umk&auml;mpft). Im letzten Monat ergaben sich 65 Soldaten und mehrere ihrer Offiziere den Taliban, nachdem ihr Au&szlig;enposten &uuml;ber Wochen belagert worden war und keine Verst&auml;rkung und Nachschub erhalten hatte. Allein in und um Sangin seien seit 2006 mehr als hundert britische Soldaten gefallen. <a href="http://www.longwarjournal.org/archives/2015/12/taliban-controls-or-contests-nearly-all-of-southern-afghan-province.php">http://www.longwarjournal.org/archives/2015/12/taliban-controls-or-contests-nearly-all-of-southern-afghan-province.php</a></p>
<p>In der <strong>New York Times vom 22.12.2014</strong> berichtete Rod Nordland &uuml;ber die dreit&auml;gigen K&auml;mpfe Ende November im fr&uuml;heren Camp Bastion. Den britischen Hauptst&uuml;tzpunkt in Helmand hatten die letzten britischen und US-Truppen einen Monat zuvor verlassen. In den jetzigen Camp Shorab Maidan befindet sich das Hauptquartier des 215th ANA-Corps. Den Aufst&auml;ndischen war es gelungen, das Camp zu infiltrieren. Zwischen Juni und November fielen &uuml;ber 1.300 afghanische Soldaten und Polizisten in einer Provinz, die doppelt so gro&szlig; wie Brandenburg ist und aus fruchtbaren Flusst&auml;lern und W&uuml;ste besteht! Die h&auml;rtesten K&auml;mpfe liefen in Sangin (67.000 Einwohner, 508 km<sup>2), </sup>wo die Aufst&auml;ndischen innerhalb einer Meile um das Distriktzentrum standen. Polizisten berichteten, dass hier nur noch die asphaltierte Stra&szlig;e unter Kontrolle der Regierungskr&auml;fte gewesen sei. Ein j&uuml;ngster Bericht von &bdquo;Coffey International Development&ldquo; komme zu dem Ergebnis, dass sich seit dem Abzug der internationalen Kr&auml;fte Korruption, Sicherheit und &ouml;ffentliche Dienstleistungen verschlechtert h&auml;tten. 2010/11 standen in Helmand mehr als 40.000 ausl&auml;ndische Soldaten.</p>
<p>(<a href="http://www.nytimes.com/2014/12/23/world/taliban-push-into-afghan-districts-that-us-had-secured.html"><em>http://www.nytimes.com/2014/12/23/world/taliban-push-into-afghan-districts-that-us-had-secured.html</em></a> )</p>
<p><strong>Neuerscheinung im April 2014 &bdquo;An Intimate War &ndash; An Oral History oft he Helmand conflict</strong> 1978- 2012&ldquo; von Mike Martin, Hauptmann der Reserve der britischen Streitkr&auml;fte. Der Paschtu-Kundige war zwei Jahre als Offizier in Helmand, entwickelte die britische Human Terrain und Cultural Capability und war Berater einiger Kommandeure der Task Force Helmand. Auf Basis von 150 Interviews vor Ort kam er zu dem Ergebnis, dass die britische Armee die Konflikte in Helmand schlichtweg nicht verstanden h&auml;tte. Insbesondere die Wahl von Helmand als zentrales britisches Einsatzgebiet kritisiert er. Hier h&auml;tten britische Soldaten im 19. Jahrhundert Kriegsverbrechen begangen. Als die britischen Streitkr&auml;fte im Mai 2006 nach Helmand kamen, h&auml;tte man nur den Auftrag gehabt, die Regierung zu unterst&uuml;tzen und Taliban zu bek&auml;mpfen. Wer aber genauer &bdquo;die Regierung&ldquo; und &bdquo;die Taliban&ldquo; gewesen seien, habe man nicht gewusst. Ohne Vorstellung von Aufbau und mit massiven Luftangriffen habe man die Menschen gegen sich aufgebracht. (Beispiel das verw&uuml;stete Now Zad 2007). Ein Mangel an Sprachkenntnissen h&auml;tte es erm&ouml;glicht, dass die britischen Streitkr&auml;fte in Helmand immer wieder von einzelnen Fraktionen und Machthabern f&uuml;r ihre Interessen vereinnahmt worden seien. Das britische Verteidigungsministerium versuchte das Erscheinen des Buches und seine Pr&auml;sentation im traditionsreichen &bdquo;United Royal Services Institute&ldquo; zu verhindern. Unter Verteidigungsminister Philip Hammond, der gerade zum Au&szlig;enminister ernannt wurde, soll das britische Verteidigungsministerium eine extensive Pressezensur praktiziert haben. Im Afghanistaneinsatz kamen 448 britische Soldaten ums Leben, die meisten von ihnen in Helmand. (FAZ 10. April 2014)</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Zur Afghanistan-Bilanz und Beratungsmission &bdquo;Resolute Support&ldquo; &ndash; meine &bdquo;Pers&ouml;nliche Erkl&auml;rung zur Abstimmung&ldquo;, 30.12.2014, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1333">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1333</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Zu Hoffnungszeichen sogar aus Kunduz vgl. Meldungen am 13.12.2015 unter <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1381">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1381</a></p>
</div>
</div></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
