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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Sicherheit neu denken&quot; verkÃ¼ndet: &quot;Die IneffektivitÃ¤t militÃ¤rischer StabilisierungseinsÃ¤tze ist wissenschaftlich erwiesen und evident&quot; - Wirklich? Anregungen zu GENAUEREM HINSEHEN statt Ferndiagnose mit links</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            &quot;Sicherheit neu denken&quot; verkÃ¼ndet: &quot;Die IneffektivitÃ¤t militÃ¤rischer StabilisierungseinsÃ¤tze ist wissenschaftlich erwiesen und evident&quot; - Wirklich? Anregungen zu GENAUEREM HINSEHEN statt Ferndiagnose mit links         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 30. Oktober 2020 19:32:03 +02:00 (120391 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die &quot;Kampagne &quot;Sicherheit neu denken. Von der milit&auml;rischen zur zivilen Sicherheitspolitik&quot; aus der Evangelischen Landeskirche in Baden verk&uuml;ndet apodiktisch, die Ineffektivit&auml;t milit&auml;rischer Stabilisierungseins&auml;tze sei &quot;wissenschaftlich erwiesen und evident&quot;. Reichen als Beleg Zitate von neun anerkannten Autoren/Studien auf vier Seiten? Habe ich mir mit meinen Aberdutzenden Berichten aus realen Stabilisierungseins&auml;tzen seit 1996 und Stellungnahmen zu ihren Wirkungen &uuml;berfl&uuml;ssig viel M&uuml;he gegeben? (Vgl. die vorherigen Beitr&auml;ge auf dieser Seite)&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Sicherheit neu denken&ldquo; verk&uuml;ndet:</strong></p>
<p align="center"><strong>&bdquo;Die Ineffektivit&auml;t milit&auml;rischer Stabilisierungseins&auml;tze ist</strong></p>
<p align="center"><strong>wissenschaftlich erwiesen und evident&ldquo; &ndash; Wirklich?</strong></p>
<p align="center">Anregungen zum GENAUER HINSEHEN von Winfried Nachtwei, ehem. MdB</p>
<p align="center">(Mitglied im Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention)</p>
<p><em>Im September 2020 ver&ouml;ffentlichte die Initiative &bdquo;Sicherheit neu denken&ldquo; (SnD) den Text &bdquo;Den Mythos der Wirksamkeit der Gewalt &uuml;berwinden: Die Ineffektivit&auml;t milit&auml;rischer Stabilisierungseins&auml;tze ist wissenschaftlich erwiesen und evident&ldquo;. </em><a href="https://www.sicherheitneudenken.de/html/media/dl.html?v=203444"><em>https://www.sicherheitneudenken.de/html/media/dl.html?v=203444</em></a></p>
<p><em>Auf viereinhalb Seiten werden neun Aussagen etablierter Autoren und wissenschaftlicher Studien aufgelistet, die die These von der generellen &nbsp;Ineffektivit&auml;t milit&auml;rischer Stabilisierungseins&auml;tze belegen sollen. Die Beweisf&uuml;hrung ist ausgesprochen oberfl&auml;chlich und verk&uuml;rzend. Sie hat mit seri&ouml;ser Milit&auml;rkritik wenig zu tun&nbsp; und bedarf einer Kommentierung.</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Hintergrund</span></em><em> ist die Studie &bdquo;Sicherheit neu denken: Von der milit&auml;rischen zur zivilen Sicherheitspolitik &ndash; Ein Szenario bis zum Jahr 2040&ldquo; Diese wurde 2013 von der Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden (EKIBA) in Auftrag gegeben, von einer Arbeitsgruppe aus Vertreter*innen bundesweiter Friedensorganisationen verfasst und im April 2018 der &Ouml;ffentlichkeit vorgestellt. Das Szenario will zeigen, wie Deutschland analog dem Ausstieg aus der Atom- und Kohleenergie bis zum Jahr 2040 die &bdquo;milit&auml;rgest&uuml;tzte Sicherheitspolitik&ldquo; &uuml;berwinden und zu einer nachhaltig-wirksamen Sicherheitspolitik gelangen k&ouml;nne. Die Autoren erheben den Anspruch, f&uuml;r das in EU, NATO, VN und OSZE eingebundene Deutschland in der Mitte Europas eine prinzipiell-pazifistische u n d realisierbare, sicherheitspolitische Vision zu pr&auml;sentieren, die von den Niederlanden, &Ouml;sterreich und Schweden mitgetragen werden und von VN wie NATO gebilligt werden k&ouml;nnte.</em></p>
<p><em>Das Szenario ist erschienen in der Langfassung, </em><a href="https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=192848"><em>https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=192848</em></a><em>&nbsp;(166 S.) und in der Kurzfassung, </em><a href="https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=197848"><em>https://www.ekiba.de/html/media/dl.html?i=197848</em></a><em> (36 S.).</em></p>
<p><em>Eine Stellungnahme zum Gesamtszenario erscheint in K&uuml;rze.</em></p>
<p><strong>1. Fehlende Evaluierung</strong>: Die Eingangsfeststellung, dass Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr &bdquo;in keiner Weise so &ouml;ffentlich und transparent evaluiert (werden) wie die Auslandseins&auml;tze des Zivilen Friedensdienstes&ldquo;, trifft im Hinblick auf Wirkungsanalysen von Gesamteins&auml;tzen zu,&nbsp; nicht im Hinblick auf taktische und operative Einsatz- und Wirksamkeitsauswertungen bei Ausr&uuml;stung, Ausbildung, Verfahren (z.B. IED-Abwehr). Allerdings sind auch Evaluierungen von relativ &uuml;berschaubaren ZFD-Projekten und &ndash;Programmen einerseits und multinational gef&uuml;hrten und agierenden Milit&auml;reins&auml;tzen andererseits sehr verschieden in ihren methodischen und politischen Herausforderungen.</p>
<p>Das Fehlen einer Evaluation der Auftragserf&uuml;llung insgesamt ist nicht nur ein Defizit auf Seiten der Bundeswehr, sondern ein ressort&uuml;bergreifender, strategischer Mangel deutscher Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik. Deutsche Beteiligungen an multinationalen Krisen- und Stabilisierungsengagements sind nie nur milit&auml;risch, sondern immer multidimensional mit diplomatischen, &nbsp;entwicklungspolitischen, milit&auml;rischen und polizeilichen Komponenten. Und zu deren Gesamtwirksamkeit und -wirkungen gibt es seit 25 Jahren nur politische Bewertungen, nie systematische und unabh&auml;ngige Evaluierungen. Eine Ausnahme ist die deutsche &nbsp;Entwicklungszusammenarbeit, die nicht nur Projekt- und Programmevaluationen, sondern auch strategische Reviews und Evaluationen zustande brachte. In besonderer Erinnerung ist mir die sozialwissenschaftliche Studie &bdquo;Internationale Akteure in Afghani-stan&ldquo;, die im Auftrag des BMZ 2007 unter der Projektleitung von Prof. Christoph Z&uuml;rcher in den afghanischen NO-Provinzen Kunduz und Takhar durchgef&uuml;hrt wurde.&nbsp; (s. Anhang) &nbsp;</p>
<p>Kaum eine Bundestagsfraktion hat so fr&uuml;h und best&auml;ndig &uuml;ber Projekt- und Programm-evaluationen hinausgehende Wirkungsanalysen gefordert (seit 1999 zum Kosovo, seit 2006 zu Afghanistan) wie die Fraktion, die sich besonders schwer mit den Eins&auml;tzen tat und heftig um sie stritt. Keine Fraktion hat zumindest zur Wirkungsbeobachtung so viel selbst beigetragen.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> Insbesondere das Ausw&auml;rtige Amt, das federf&uuml;hrend auch bei Bundeswehr- und Polizeieins&auml;tzen ist, sperrte sich lange gegen eine Evaluation. Koalitionsmehrheiten im Bundestag lie&szlig;en das geschehen. Erst das Wei&szlig;buch von 2016 und die Leitlinien 2017 k&uuml;ndigten einen evaluationsfreundlichen Kurs an.</p>
<p><strong>2. Durcheinander beim Untersuchungsgegenstand</strong>: Neun mehr oder weniger kommentierte Aussagen von anerkannten Autoren sollen die apodiktische These &bdquo;Ineffektivit&auml;t&ldquo; belegen.</p>
<p>Die Beweisf&uuml;hrung wird von vorneherein dadurch beeintr&auml;chtigt, dass die Aussagen sehr verschiedene Einsatzarten betreffen: Beim ersten Autor ist die Rede von westlichen Stabilisierungsbem&uuml;hungen in der Sahel-Region, Afghanistan und Vietnam (?). Beim n&auml;chsten Autor ist allgemein die Rede von &bdquo;milit&auml;rischer Gewalt&ldquo;, beim vierten von &bdquo;Krieg&ldquo;, beim f&uuml;nften von &bdquo;Interventionen&ldquo;, beim sechsten von &bdquo;milit&auml;rischen Interventionen zum Schutz der Menschenrechte (humanit&auml;re Interventionen)&ldquo;, beim siebten vom US-Einsatz in Afghanistan, beim achten von &bdquo;robusten Milit&auml;rinterventionen&ldquo;</p>
<p>Unerkl&auml;rlicher Weise keine Rede ist von VN-gef&uuml;hrten Friedensmissionen, die laut Mandat des VN-Sicherheitsrates Kriegsgewalt verhindern, Konfliktl&auml;nder stabilisieren und Friedensentwicklung erm&ouml;glichen sollen. V&ouml;llig unber&uuml;cksichtigt bleiben die &ndash; bemerkens-wert selbstkritischen &ndash; Bilanzberichte zu VN-Missionen.</p>
<p>Aus strikt pazifistischer Fernsicht m&ouml;gen alle Milit&auml;reins&auml;tze gleich sein &ndash; Uniformen, milit&auml;rische Waffen, Vorbereitung auf&nbsp; Waffen- und Kriegseinsatz. Unter Einsatzerfahrenen gibt es das gefl&uuml;gelte Wort &bdquo;jeder Einsatz ist anders&ldquo;. &nbsp;In der Realit&auml;t unterscheiden sich Milit&auml;reins&auml;tze gravierend &ndash; je nach Auftrag, v&ouml;lkerrechtlicher Legalit&auml;t, Orientierung auf kollektiven Sicherheit oder Partikularinteressen, Kr&auml;fteansatz,&nbsp; Grad des (vermiedenen bis exzessiven) Gewalteinsatzes, Beachtung des humanit&auml;ren V&ouml;lkerrechts, Einsatzregeln. Gerade Deutsche sollten zwischen der Wehrmacht eines Angriffs- und Vernichtungskrieges und alliierten Truppen, die Europa befreiten, sowie Eins&auml;tzen im Auftrag, unter F&uuml;hrung der Vereinten Nationen, die Friedensabkommen absichern und erneuten Krieg verhindern sollen, unterscheiden k&ouml;nnen.</p>
<p>Das Zentrum f&uuml;r Internationale Friedenseins&auml;tze (ZIF) in Berlin versteht unter Friedenseinsatz</p>
<p>eine Mission, die (a) eine internationale Organisation (b) mit Einverst&auml;ndnis des jeweiligen Einsatzlandes entsendet, (c) &nbsp;um Krisen zu entsch&auml;rfen, Gewaltkonflikte zu beenden und Frieden langfristig abzusichern. Eine solche Mission kann vor, w&auml;hrend und nach der &bdquo;hei&szlig;en Phase&ldquo; eines Konfliktes t&auml;tig werden. &nbsp;(vgl. Peace Operations, <a href="https://www.zif-berlin.org/">https://www.zif-berlin.org/</a> )</p>
<p>Warum lassen stark friedensethisch und friedensbewegt motivierte Autoren eine solche Abgrenzung multinationaler Friedens- und Gewaltverhinderungsmissionen von kriegerischen Interventionen f&uuml;r partikulare Machtinteressen und die Erfahrungssch&auml;tze des ZIF v&ouml;llig au&szlig;er Acht?</p>
<p><strong>3. Die Beweisf&uuml;hrung</strong> von SnD ist irref&uuml;hrend, weil die meisten der&nbsp; neun Aussagen verk&uuml;rzt aus ihren Zusammenh&auml;ngern gel&ouml;st werden und verf&auml;lschende Interpretationen nahelegen.</p>
<p><strong>3.1 &nbsp;In &bdquo;Stabilisierung im Treibsand?&ldquo;</strong> benennt Dan Krause<a title="" href="#_ftn2"><span style="text-decoration: underline;"><span style="text-decoration: underline;">[2]</span></span></a> v&ouml;llig richtig zentrale politische Fehler vor allem beim Afghanistaneinsatz. Er betont die Dringlichkeit von Pr&auml;vention und Mediation. Dem Einsatz von Milit&auml;r als &auml;u&szlig;erstem Mittel, VN-Friedensmissionen, Ert&uuml;chtigungs- und Trainingsmissionen erteilt er jedoch keineswegs eine Absage, sondern formuliert richtige Anforderungen. Mit keinem Wort erkl&auml;rt er aber Stabilisierungseins&auml;tze generell f&uuml;r ineffektiv und verfehlt.</p>
<p><strong>3.2 &nbsp;In &bdquo;Sind Milit&auml;reins&auml;tze erfolgreich?</strong> Zur Evaluation von Milit&auml;reins&auml;tzen&ldquo; erl&auml;utert Peter Rudolf<a title="" href="#_ftn3">[3]</a> von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) die erheblichen Schwierigkeiten, Milit&auml;reins&auml;tze zu evaluieren und votiert f&uuml;r eine differenzierte Bewertung. Er &nbsp;kritisiert eine historisch oft zu beobachtende &uuml;berzogene Zuversicht in die Erfolgsaussichten milit&auml;rischer Gewalt und formuliert eine triftig begr&uuml;ndete Skepsis gegen&uuml;ber der Effektivit&auml;t milit&auml;rischer Eins&auml;tze. Daraus leitet er ab, dass das Kriterium der begr&uuml;ndeten Erfolgsaussicht bei politischen Einsatzentscheidungen viel sorgf&auml;ltiger beachtet werden m&uuml;sse. Zugleich konstatiert er, dass Peacekeeping funktioniere, wenn auch nicht immer und nur zu einem gewissen Grad, und gewaltmindern und gewaltverhindernd wirken k&ouml;nne. Auch Peter Rudolf st&uuml;tzt die Behauptung von der generellen Ineffektivit&auml;t von Stabilisierungseins&auml;tzen nicht.</p>
<p><strong>3.3 &nbsp;Die &bdquo;Meta-Review of Evaluations of Development Assistance</strong> to Afghanistan, 2008-2018&ldquo; von Prof. Christoph Z&uuml;rcher (BMZ 2020)<a title="" href="#_ftn4">[4]</a> ist ein enormer Fortschritt in selbstkritischem Lernen: Sie fasst die Erfahrungen von Gebern zusammen und informiert, was wirkte und was nicht. Vor allem fiel auf, dass die Internationale Gemeinschaft wiederholt ihre eigenen und die afghanischen F&auml;higkeiten &uuml;bersch&auml;tzte, schnellen sozialen Wandel auf den Weg zu bringen. Am ehesten liefen bescheidene, lokal eingebettete Projekte mit schnellen, fassbaren Wirkungen. Kaum liefen komplexe Projekte, die auf Capacity Building und Verhaltens&auml;nderung zielten. (Genauer zu Governance, Afghan Reconstruction Trust Fund, subnationale Verwaltung, Stabilisierungsprojekte, Bildung, Gesundheit, Gender, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Infrastruktur, Capacity Building) Zivile Stabilisierungsprogramme f&uuml;hrten in unsicheren Regionen nicht wie erhofft zu mehr Stabilit&auml;t.</p>
<p>Im Sicherheitskontext erwies sich der Mangel an Basissicherheit als weit verbreitetes Problem. Die Implementierung und das Monitoring von Entwicklungsprojekten wurde massiv erschwert, wenn die Projekte nicht erreichbar waren oder Mitarbeiter mit dem Risiko arbeiteten, von Aufst&auml;ndischen angegriffen zu werden. K&uuml;nftig sei anzuerkennen, dass Afghanistan ein in 40-j&auml;hrigen Krieg verwickeltes Land sei und kein Post-Conflict-Land.</p>
<p>Zusammengefasst kommt Z&uuml;rcher zu dem paradoxen Ergebnis, dass viele Hilfsprogramme im Licht der Meta-Review nur marginal erfolgreich zu sein scheinen, dass die Gesamtsituation in Afghanistan heute aber bemerkenswert anders&nbsp; - und besser - sei als in den fr&uuml;hen Tagen von 2002.</p>
<p>Der multinationale Afghanistaneinsatz, begonnen als Stabilisierungseinsatz und m&uuml;ndend in Aufstandsbek&auml;mpfung, schlie&szlig;lich eine Beratungsmission, erreichte nicht das Auftragsziel eines sicheren Umfeldes. Die Meta-Review macht zu der Frage, ob sich in Afghanistan die &bdquo;Ineffektivit&auml;t von Stabilisierungseins&auml;tzen&ldquo; gezeigt habe, nur kritische Aussagen zu zivilen Stabilisierungsprogrammen in unsicheren Regionen. Zum milit&auml;rischen Stabilisierungseinsatz und den Gr&uuml;nden seines Nichterfolges wird keine Aussage gemacht. Insofern liefert die Meta-Review auch keinen Beleg f&uuml;r die generelle Ineffektivit&auml;tsthese von SnD.</p>
<p>&nbsp;<strong>3.4 &nbsp;Oberst Prof. Matthias Rogg von der F&uuml;hrungsakademie</strong> der Bundeswehr wird mit der zutreffenden Feststellung zitiert, &bdquo;Kriege seien stets von Wunschdenken und Machtphantasien geleitet und das Potential von milit&auml;rischen Interventionen werde chronisch &uuml;bersch&auml;tzt. Sowohl kulturanthropologisch als auch milit&auml;rhistorisch finden sich zahlreiche Beispiele, die diese Thesen belegen.&ldquo; Daraus l&auml;sst sich eine realistische Skepsis gegen&uuml;ber milit&auml;rischen Interventionen ableiten. Soweit ich Oberst Rogg, den langj&auml;hrigen Direktor des Milit&auml;rhistorischen Museums der Bundeswehr, &nbsp;kenne, leitet er aus dieser Skepsis aber keineswegs ein Pauschurteil zu Stabilisierungseins&auml;tzen ab.</p>
<p><strong>3.5 Die SIPRI-Feststellung</strong>, dass Gewaltkonflikte durch Interventionen h&auml;ufig mehr Opfer fordern, l&auml;nger dauern und schwieriger durch Verhandlungsl&ouml;sung beizulegen sind, ist unbestreitbar. Das trifft vor allem f&uuml;r kriegerische Regime-Change-Interventionen zu. SIPRI ver&ouml;ffentlicht zugleich regelm&auml;&szlig;ig zu Multilateral Peace Operations, so die Karte von 2020 mit 61 aktiven Friedensmissionen<a title="" href="#_ftn5">[5]</a> von VN, EU, OSZE, AU, NATO, ECOWAS, G5 Sahel, OAS u.a., darunter sowohl politische wie Stabilisierungsmissionen. Das schwedische Friedensforschungsinstitut als Kronzeugen f&uuml;r die generelle Ineffektivit&auml;t von Stabilisierungseins&auml;tzen anzuf&uuml;hren, ist abwegig.</p>
<p><strong>3.6 &nbsp;Die Friedensforscher Matthias Dembinski und Thorsten Gromes</strong> vom PRSI/HSFK in Frankfurt/M.&nbsp; haben seit 2013 mehrere Studien zur Evaluation &bdquo;humanit&auml;rer milit&auml;rischer Interventionen&ldquo; ver&ouml;ffentlicht. Wo das Wissen um die Wirkungen und Erfolgsbedingungen solcher Interventionen gering sei, wollten sie zu einer &bdquo;ergebnisoffenen, wirkungsorientierten Evaluation&ldquo; beitragen. Im &bdquo;Datensatz der humanit&auml;ren milit&auml;rischen Interventionen nach dem Zweiten Weltkrieg&ldquo; (2017)<a title="" href="#_ftn6">[6]</a>.fassten sie zusammen:</p>
<p>&bdquo;Humanit&auml;re milit&auml;rische Interventionen fanden &uuml;berwiegend mit Zustimmung der Vereinten Nationen oder der Regierung des Ziellands statt. Mehr als die H&auml;lfte der Eins&auml;tze richtete sich nicht vorrangig gegen eine Konfliktpartei. Bei der absoluten und relativen Zahl der entsendeten Truppen zeigten sich ebenso gro&szlig;e Unterschiede zwischen den Interventionen wie beim Blick auf deren T&auml;tigkeitsprofile. Im &uuml;berwiegenden Teil der F&auml;lle dauerte die von Gewalt gepr&auml;gte Notlage auch ein Jahr nach Beginn der humanit&auml;ren milit&auml;rischen Intervention an. Hingegen gab es mehr F&auml;lle, in denen das Ausma&szlig; t&ouml;dlicher Gewalt w&auml;hrend der Intervention stark zur&uuml;ckging, als solche, in denen es anstieg oder sich kaum &auml;nderte. In den auswertbaren F&auml;llen kam es mehrheitlich nach Ende der humanit&auml;ren milit&auml;rischen Intervention zu keinen weiteren von Gewalt gepr&auml;gten Notlagen. Dass der Einsatz in Nachbarl&auml;ndern Gewaltkonflikte ausl&ouml;ste oder versch&auml;rfte, beobachteten wir nur in Ausnahmef&auml;llen, zumindest im Zeitraum bis zu zwei Jahre nach Ende der humanit&auml;ren milit&auml;rischen Intervention.&ldquo; (S. 35)</p>
<p>Im Anhang (S. 37) werden zehn Befunde zu milit&auml;rischen Interventionen aufgef&uuml;hrt. In der Mehrzahl kommen sie zu dem Ergebnis, dass Interventionen unter bestimmten Bedingungen Massent&ouml;tungen unwahrscheinlicher machten und Leben retteten.</p>
<p>SnG greift aus der Datenf&uuml;lle der Studien nur das Zitat heraus (andauernde gewaltsame Notlage in mehr als der H&auml;lfte der F&auml;lle nach einem Jahr), das der eigenen Ineffektivit&auml;tsthese am n&auml;chsten zu kommen scheint. (Unbeachtet bleibt dabei, dass die Schwelle der von Gewalt gepr&auml;gten Notlage recht niedrig bei mindestens 25 Menschen liegt, die in einem Jahr durch bewaffnete Konflikte, nicht-staatliche Konflikte oder einseitige Gewalt gegen Zivilisten ums Leben kommen.)</p>
<p><strong>3.7&nbsp; US-Regierungsevaluation zum Milit&auml;reinsatz in Afghanistan</strong> (2019)<a title="" href="#_ftn7">[7]</a></p>
<p>Die in dem urspr&uuml;nglich geheim gehaltenen SIGAR-Report offenbarte Ahnungslosigkeit der politischen und milit&auml;rischen F&uuml;hrung der USA gegen&uuml;ber Afghanistan und die damit einhergehende L&uuml;genpolitik ist erschreckend, aber nicht &uuml;berraschend. Sie wurde auch von General Stanley McChrystal<a title="" href="#_ftn8">[8]</a> (2009-10 ISAF-Kommandeur, 2003-2008 Kommandeur des US Joint Special Operations Command (F&uuml;hrung) in der Arte-Doku &bdquo;Afghanistan: Das verwundete Land&ldquo; angesprochen: &bdquo;Wir waren besorgt, Al Qaida nicht aufsp&uuml;ren und vernichten zu k&ouml;nnen. Es gab nur sehr wenig Verst&auml;ndnis oder Anerkennung f&uuml;r das, was der Sowjetkrieg oder der B&uuml;rgerkrieg mit dem Land gemacht hatte. Wie kam es zu diesen Warlords? Wir verstanden nur wenig von dieser merkw&uuml;rdig korrupten Gesellschaft. Alles, was wir versuchten zu ver&auml;ndern, ging anders aus, als wir erwarteten.&ldquo;</p>
<p>(<em>Nach Beginn des ISAF-Einsatzes von 51 L&auml;ndern</em>): &bdquo;Ich hatte das Gef&uuml;hl, dass Amerikaner Westler allgemein willkommen waren. Einige waren sogar sehr enthusiastisch. Der Westen wusste nicht, was er genau tun sollte, wieviel in Afghanistan investiert werden und wie stark er sich einmischen sollte. Ein absolutes Durcheinander. Das war mein erster Eindruck.</p>
<p>Es war, als w&auml;re man als College-Student in einer Star-Wars-, einer Mafia-Bar. Wir haben nichts verstanden.&ldquo;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Das Engagement der Niederlande in Afghanistan</span> zum Beispiel verlief da sehr anders &ndash; und das in der konflikttr&auml;chtigen S&uuml;dprovinz Uruzgan. (siehe Anhang)</p>
<p><strong>3.8 &nbsp;Den Mythos &bdquo;Robuste Milit&auml;rinterventionen k&ouml;nnen dabei helfen</strong>, Konflikte im Globalen S&uuml;den zu l&ouml;sen&ldquo; kritisiert Hans-Georg Ehrhart (IFSH)<a title="" href="#_ftn9">[9]</a> pointiert und schl&uuml;ssig. Sein Beitrag in der Reihe &bdquo;Mythenpapiere&ldquo; der Studiengruppe Europ&auml;ische Sicherheit und Frieden&nbsp; ist ausgesprochen anregend und hilfreich. Er verwirft solche robusten Interventionen, bei denen massiv milit&auml;rische Gewalt eingesetzt wird. Er betont aber auch: Die Internationale Gemeinschaft &bdquo;kann und soll notfalls auch milit&auml;risch intervenieren, wenn die v&ouml;lkerrechtlichen politischen und ethischen Voraussetzungen erf&uuml;llt sind. Traditionelles Peacekeeping sollte dabei angesichts der Pathologien gegen&uuml;ber der robusten Friedenserzwingung den Vorrang haben. Viel wichtiger w&auml;re es aber, den friedlichen Wandel von Gesellschaften&nbsp; zu unterst&uuml;tzen. Die entsprechenden Friedensstrategien sind alle bekannt. (&hellip;)&ldquo; Ehrhart markiert &bdquo;robuste&ldquo; Milit&auml;reins&auml;tze (mit umfassendem Gewalteinsatz) als ineffektiv, ja kontraproduktiv, nicht jedoch Stabilisierungseins&auml;tze generell.</p>
<p><strong>3.9 &nbsp;Die Vorstellung der Studie &bdquo;Warum ziviler Widerstand funktioniert</strong>&ldquo; ist aufschlussreich und gewinnbringend. Sie bekr&auml;ftigt auch meine Erfahrung, dass gewaltfreie Widerst&auml;nde und zivile Konfliktbearbeitung viel erfolgreicher sind und viel mehr Potential besitzen, als gemeinhin wahrgenommen wird. Deshalb unterst&uuml;tze ich auch seit den fr&uuml;hen 1990er Jahren den Aufbau entsprechender F&auml;higkeiten und sehe hier trotz allerfortschritte erheblichen Nachholbedarf. Leider zeigen aber die historische Erfahrung wie der Blick in aktuelle Konfliktgebiete,&nbsp; dass Gewaltfreiheit bei bestimmten Bedrohungs- und Konfliktlagen an ihre Grenzen st&ouml;&szlig;t.<a title="" href="#_ftn10">[10]</a></p>
<p><strong>4. &bdquo;Den Mythos der Wirksamkeit von Gewalt &uuml;berwinden&ldquo;. Wo und bei wem?</strong></p>
<p>F&uuml;r viele Gewaltakteure weltweit &ndash; organisierte Kriminalit&auml;t, terroristische Gruppierungen, Milizen, extremistische Gewaltt&auml;ter, autorit&auml;re Machthaber etc. &ndash; ist Gewaltanwendung ausgesprochen wirksam und in ihrem Sinne oft erfolgreich. F&uuml;r gl&auml;ubige Selbstmordattent&auml;ter ist das Zersprengen von Menschen ein &bdquo;Erfolgsrezept&ldquo; sondergleichen. Aber um diese Gewaltwelten geht es bei &bdquo;Sicherheit neu denken&ldquo; kaum.</p>
<p>Der &bdquo;Mythos von der Wirksamkeit von Gewalt&ldquo; wird von SnD auch nicht sonderlich in betr&auml;chtlichen Teilen der US-amerikanischen Politik und Gesellschaft und anderen L&auml;ndern verortet. Dieser Gewaltglaube, die &Uuml;berzeugung, mit Gewalt &bdquo;das B&ouml;se&ldquo; und damit Bedrohungen beseitigen zu k&ouml;nnen, wird vor allem als &bdquo;Grundbestandteil der milit&auml;rischen Sicherheitspolitik&ldquo; hierzulande gesehen (S. 7). Milit&auml;rische Eins&auml;tze w&uuml;rden &bdquo;oftmals eine schnelle L&ouml;sung und eine kurze Einsatzdauer&ldquo; versprechen.</p>
<p>Es w&auml;re hilfreich, wenn die sonst so zitierfreudigen Autoren von SnD dies mit Aussagen aus dem deutschen sicherheitspolitischen Diskurs belegen w&uuml;rden. Bei 70 Mandatsberatungen zu Auslandseins&auml;tzen ab 1994, bei zahllosen Begegnungen mit Bundeswehrangeh&ouml;rigen und bei f&uuml;nf ressortgemeinsamen Planspielen CERASIA des F&uuml;hrungsnachwuchses der Bundeswehr seit 2017 ist mir solche Gewaltgl&auml;ubigkeit praktisch nie begegnet. Es dominierte &nbsp;Zur&uuml;ckhaltung gegen&uuml;ber Auslandseins&auml;tzen und erst recht gegen&uuml;ber Kampfeins&auml;tzen. Gerade einsatzerfahrenen Offizieren waren die begrenzten Wirkungsm&ouml;glichkeiten von Milit&auml;r in solchen innerstaatlichen Konflikten sehr bewusst: Betont wurde immer wieder, dass Milit&auml;reins&auml;tze keinen Frieden schaffen k&ouml;nnen, sondern im besten Fall gr&ouml;&szlig;ere Kriegsgewalt verhindern und damit Voraussetzungen schaffen und Zeit &bdquo;kaufen&ldquo; k&ouml;nnen f&uuml;r politische L&ouml;sungen. Auff&auml;llig oft mahnten gerade Offiziere in Eins&auml;tzen zu einer St&auml;rkung der zivilen und polizeilichen Kapazit&auml;ten. Immer wieder zitiert wurde die Feststellung von General Egon Ramms (2007-2010 h&ouml;chster deutscher NATO-General), dass der Erfolg eines Einsatzes zu 70% an der zivilen Komponente h&auml;nge.</p>
<p>Insofern ist der Vorwurf an bundesdeutsche Sicherheitspolitik, sie h&auml;nge einem Mythos der Wirksamkeit von Gewalt an, eine Unterstellung und f&uuml;r alle, die in ihrem Rahmen den Friedensauftrag des Grundgesetzes ernst nehmen, eine schwerwiegende Beleidigung.</p>
<p><strong>5. Gegenfragen</strong></p>
<p>Von 1995 bis 2012 waren &uuml;ber 63.000 deutsche Soldaten und Soldatinnen im Rahmen von IFOR, SFOR und Althea in Bosnien &amp; Herzegowina eingesetzt, bei KFOR im Kosovo von 1999 bis heute &uuml;ber 130.000.</p>
<p>Als parlamentarischer Mitauftraggeber der deutschen Bosnien- und Kosovo-Eins&auml;tze bis 2009 interessiert mich sehr, wie SnD das Urteil begr&uuml;ndet, die VN-mandatierten und ausgesprochen gewaltarmen Stabilisierungseins&auml;tze in Bosnien und Kosovo seien ineffektiv und von Gewaltgl&auml;ubigkeit getragen (gewesen). Wichtig w&auml;re dabei auch zu erfahren, wie die Haltung der &ouml;rtlichen Bev&ouml;lkerung zu diesen Eins&auml;tzen beurteilt wird.</p>
<p><strong>6. Chance einer breiteren friedens- und sicherheitspolitischen Debatte:</strong> Bei aller Kritik an dem Thesenpapier kann es dazu dienen, Streit, Auseinandersetzung, tiefere Befassung mit diesem gewichtigen, teuren und strittigen Feld der Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik zu f&ouml;rdern - hoffentlich als ein Ansto&szlig;, Communitygrenzen &uuml;berschreitend Frieden und Sicherheit neu bzw. weiter zu denken. Bedarf gibt&rsquo;s dazu auf allen Seiten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">ANHANG</span></p>
<p>(1) &nbsp;<strong>Pressekonferenz am 06.02.2008 zur Vorstellung der sozialwissenschaftlichen Studie &bdquo;Internationale Akteure in Afghanistan</strong>&ldquo; durch Projektleiter Prof. Christoph Z&uuml;rcher, Jan Koehler, der die Umfrage 5 Monate vor Ort begleitete, Prof. Thomas Risse und Dr. Lars Brozus vom Sonderforschungsbereich 700 &bdquo;Governance in R&auml;umen begrenzter Staatlichkeit&ldquo; an der FU Berlin. <span style="text-decoration: underline;">Wie beurteilt die Bev&ouml;lkerung im afghanischen Nordosten (Provinzen Kunduz, Takhar) das Engagement der internationalen Helfer und Truppen, wie ist deren Wirkung?</span> Hierf&uuml;r wurden im Februar/M&auml;rz 2007 2034 Haushalte in 77 Gemeinden von &bdquo;Coordination of Afghan Relief&ldquo; (CoAR) zu Ver&auml;nderungen in den letzten zwei Jahren befragt. Die Studie wurde in Kooperation mit dem Referat Evaluierung des BMZ durchgef&uuml;hrt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Die wesentlichen Ergebnisse:</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">- Sicherheit</span>: Eine &uuml;berw&auml;ltigende&nbsp; Mehrheit war der Meinung, dass sich die Sicherheitslage in den letzten zwei Jahren verbessert habe: 76% sehr, 23% etwas. Jeweils ca. 80% schrieben das den fremden Truppen und der Regierung zu, 50% den internationalen Entwicklungsakteuren. Lokalen Kommandeuren wurde nur zu 6% ein positiver Einfluss zugesprochen, 78% meinten weder noch. 80% der Befragten f&uuml;hlen sich nicht bedroht. Von den 20%, die sich bedroht f&uuml;hlen, 17% durch kriminelle Truppen, 10% durch Taliban, 5% durch ausl&auml;ndische Truppen. (Letztere eher durch H&ouml;rensagen als durch eigene Erfahrung) Bei vertiefenden Gespr&auml;chen lobten auch Ex-Taliban den &bdquo;Landfrieden&ldquo;, dass Willk&uuml;r von Gewaltakteuren unterdr&uuml;ckt werde: &acute;So lange die Deutschen da seien, werde wenigstens nicht noch die andere H&auml;lfte des Dorfes niedergebrannt`. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Zusammengefasst</span>: Die afghanische Bev&ouml;lkerung im Nordosten sieht das Engagement der internationalen Helfer und Truppen in ihrem Land erheblich positiver als dies bisher in Deutschland wahrgenommen wird. W&auml;hrend die ausl&auml;ndischen Akteure wegen ihrer Leistung eine hohe Legitimit&auml;t haben, wird der afghanische Staat nur marginal wahrgenommen. Das zeigt wiederum, wie sehr das &bdquo;Statebuilding&ldquo; noch am Anfang ist und welche zentrale Rolle den lokalen Strukturen zukommt.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Bewertung</span>: Die Frage nach der Wirksamkeit des internationalen Engagements wurde bisher &uuml;berwiegend mit Input-Bilanzen und Statistiken &bdquo;beantwortet&ldquo;. Mit dieser Studie wird erstmalig ein solider Beitrag zur Wirksamkeitsanalyse geleistet: Was hat das internationale Engagement in Nordost-AFG gebracht, wie ist es bei den Menschen angekommen und vor allem wahrgenommen worden? Die Ergebnisse widerlegen eine verbreitete Wahrnehmung hierzulande, die &uuml;ber die &bdquo;bad news&ldquo; der Anschl&auml;ge nur vermeintliche Sinnlosigkeit und Verschlechterung sieht. Die Studie muss all denjenigen kr&auml;ftig zu denken geben, die pauschal von ISAF-Besatzern reden und einem Sofortabzug das Wort reden. Das w&auml;re gegen den Willen und das Interesse einer Bev&ouml;lkerung, die Schlimmstes durchgemacht und in den letzten Jahren etwas Hoffnung erfahren hat.&ldquo;<a title="" href="#_ftn11">[11]</a></p>
<p><strong>(2) Der niederl&auml;ndische Afghanistaneinsatz </strong></p>
<p>&bdquo;Die Niederlande trugen 2006 bis 2010 die Hauptverantwortung in der s&uuml;dafghanischen Unruheprovinz Uruzgan. Im Chora Valley wurden im Juni 2007 ca. 120 niederl&auml;ndische und afghanische Soldaten von mindestens 800 Aufst&auml;ndischen attackiert. Die niederl&auml;ndische milit&auml;rische F&uuml;hrung, unter ihr ein Kompaniechef mit Srebrenica-Erfahrung, stand in einem extremen Dilemma zwischen &Uuml;berlebenskampf und R&uuml;cksicht auf die Zivilbev&ouml;lkerung. Heute gilt der Einsatz der Niederl&auml;nder als der relativ erfolgreichste aller ISAF-Kontingente &ndash; nah an der Bev&ouml;lkerung, sehr kundig bez&uuml;glich der &ouml;rtlichen Machtkonstellationen, koh&auml;rentes Aufbau- und Entwicklungsprogramm, milit&auml;risch nicht aggressiv, bei Angriffen aber konsequent in der Reaktion.</p>
<p>Das Engagement der niederl&auml;ndischen Diplomaten, Soldaten, Entwicklungszusammenarbeit und Polizisten wurde so genau evaluiert wie es bei keinem anderen nationalen Kontingent in Afghanistan der Fall war. Durchgef&uuml;hrt wurde die Evaluierung vom &bdquo;The (Tribal) Liaison Office&ldquo; in Kabul, dem 2003 von Swisspeace gegr&uuml;ndeten und von der Heinrich-B&ouml;ll-Stiftung und dem AA unterst&uuml;tzen,&nbsp; unabh&auml;ngigen afghanischen Kompetenzzentrum zur St&auml;rkung lokaler Governance, Sicherheit und Stabilit&auml;t. Ausgehend von einer Baselinie-Studie von 2006 untersuchte das TLO das Erreichte auf den Feldern sozio&ouml;konomische Entwicklung und Aufbau, Governance und Rule of Law, Sicherheit und Insurgency, internationale milit&auml;rische Akteure und niederl&auml;ndischer Abzug. Im September 2011 ver&ouml;ffentlichte die niederl&auml;ndische Regierung eine 132 Seiten umfassende &bdquo;<em>Final evaluation: Netherlands contribution to ISAF</em>, 2006-2010&ldquo;. Eine solche Evaluierung durch das Au&szlig;en- und das Verteidigungsministerium ist laut &Uuml;berpr&uuml;fungsprotokoll zu Entscheidungen &uuml;ber milit&auml;rische Auslandseins&auml;tze von 2009 nach Einsatzende vorgeschrieben. Im April 2012 erschien eine TLO-Folgestudie &uuml;ber 18 Monate australisches Engagement in Uruzgan.&ldquo;<a title="" href="#_ftn12">[12]</a></p>
<p><strong>(3) Ausgew&auml;hlte Beitr&auml;ge zur Evaluation von Stabilisierungseins&auml;tzen</strong></p>
<p>- &bdquo;Auslandseins&auml;tze: Lehren und Kriterien&ldquo; von W. Nachtwei, 12. Februar 2007,&nbsp;</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=99&amp;aid=471">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=99&amp;aid=471</a></p>
<p>- Abschlussbericht der Friedens- und sicherheitspolitischen Kommission von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen (Bilanz von Auslandseins&auml;tzen, Gr&uuml;ne Prinzipien f&uuml;r internationale Krisenengage-ments + Auslandseins&auml;tze), 09/2008,&nbsp; <a href="https://gruene-frieden.de/userspace/BV/bag_frieden/Dokumente/Archiv/247629.frisikoabschlussbericht.pdf">https://gruene-frieden.de/userspace/BV/bag_frieden/Dokumente/Archiv/247629.frisikoabschlussbericht.pdf</a></p>
<p>- &bdquo;Evaluation deutscher Auslandseins&auml;tze&ldquo; von W. Nachtwei, September 2012, ver&ouml;ffentlicht auf der Homepage der Evangelischen Akademie zu Berlin:</p>
<p><a href="https://www.eaberlin.de/nachlese/chronologisch-nach-jahren/2012/wie-weit-sollen-deutsche-soldaten-gehen-politischer-wille-sicherheitspolitische-strategie-und-friedensethische-normen/winfried-nachtwei-deutsche-auslandseinsaetze-2012.pdf">https://www.eaberlin.de/nachlese/chronologisch-nach-jahren/2012/wie-weit-sollen-deutsche-soldaten-gehen-politischer-wille-sicherheitspolitische-strategie-und-friedensethische-normen/winfried-nachtwei-deutsche-auslandseinsaetze-2012.pdf</a></p>
<p><strong>- </strong>Bilanzierung und Evaluation deutscher Auslandseins&auml;tze, in: Verantwortung zu sch&uuml;tzen. Interventionspolitik seit 1990 &ndash; eine friedensethische Bilanz. Analysen und Empfehlungen vorgelegt von der AG Gerechter Friede der Dt. Kommission Justitia et Pax, hrsg. von Thomas Hoppe, Berlin Juni 2014</p>
<p>- Jenseits der &uuml;blichen Selbstbest&auml;tigung &ndash; 20 Jahre deutsche Beteiligung an Interventionen verweisen auf eine einzige Lehre, Internationale Politik und Gesellschaft (IPG) 08.09.2014, <a href="https://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/interventionen/artikel/jenseits-der-ueblichen-selbstbestaetigung-574/">https://www.ipg-journal.de/schwerpunkt-des-monats/interventionen/artikel/jenseits-der-ueblichen-selbstbestaetigung-574/</a></p>
<p>- &bdquo;Interventionen f&uuml;r den Frieden&ldquo; (<em>selbstverst&auml;ndlich mit Fragezeichen zu verstehen</em>), in der Neuauflage des &bdquo;Handbuch Frieden&ldquo;, hrsg. von Hans J. Gie&szlig;mann/Bernhard Rinke,</p>
<p>Wiesbaden 2019, S. 99-109</p>
<p>- Bilanzierung &amp; Evaluierung des deutschen Afghanistaneinsatzes:&nbsp; Seit 2006 immer wieder gefordert &ndash; und bis heute verweigert, Materialien zu einer verweigerten Verantwortung, 29.12.2019, 23 S.</p>
<p><strong>- </strong>Lehren aus deutschen Krisenengagements gibt es reichlich &ndash; aber auch Lernfortschritte? In SIRIUS &ndash; Zeitschrift f&uuml;r Strategische Analysen, Heft 4, Dez. 2019, S. 362-377, <a href="https://www.facebook.com/zeitschrift.sirius/posts/3587141544629379?__tn__=K-R">https://www.facebook.com/zeitschrift.sirius/posts/3587141544629379?__tn__=K-R</a></p>
<p><strong>- </strong>Die Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr &ndash; Bilanz, Erfahrungen, Schlussfolgerungenaus der Sicht eines parlamentarischen Mitauftraggebers Vortrag bei der Clausewitz-Gesellschaft in Mannheim 23.02.2019, aktualisiert, in: &nbsp;<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1663">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1663</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> &bdquo;Pr&uuml;fkriterien f&uuml;r Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr entwickeln - Unterrichtung und Evaluation verbessern&ldquo;, Antrag der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen vom 23. Oktober 2007 (Drs. 16/16770)&nbsp; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=13&amp;catid=3-11-74-90-120-131&amp;aid=605">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=13&amp;catid=3-11-74-90-120-131&amp;aid=605</a> &nbsp;; Wirkungen und Wirkungsbeobachtungen von multidimensionalen Krisenein-s&auml;tzen, Liste von Beitr&auml;gen und Berichten seit 1992 von W. Nachtwei, Oktober 2020</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> In: Zeitschrift f&uuml;r Innere F&uuml;hrung 03/2020, <a href="https://www.hsu-hh.de/staackib/wp-content/uploads/sites/757/2020/07/Dan-Krause-Stabilisierung-im-Treibsand.pdf">https://www.hsu-hh.de/staackib/wp-content/uploads/sites/757/2020/07/Dan-Krause-Stabilisierung-im-Treibsand.pdf</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> In: Auf dem Weg zu einer Kirche der Gerechtigkeit und des Friedens &ndash; Ein friedenstheologi-sches Lesebuch, Leipzig 2019, <a href="https://www.sicherheitneudenken.de/html/media/dl.html?v=186694">https://www.sicherheitneudenken.de/html/media/dl.html?v=186694</a></p>
</div>
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<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> <a href="https://www.ez-afghanistan.de/sites/default/files/Summary%20Paper%20Meta-Review%20of%20Evaluations%20Afghanistan%20March%202020_0.pdf">https://www.ez-afghanistan.de/sites/default/files/Summary%20Paper%20Meta-Review%20of%20Evaluations%20Afghanistan%20March%202020_0.pdf</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> <a href="https://www.sipri.org/news/2020/sipri-releases-new-map-multilateral-peace-operations">https://www.sipri.org/news/2020/sipri-releases-new-map-multilateral-peace-operations</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref6">[6]</a>&nbsp; <a href="https://bundesstiftung-friedensforschung.de/wp-content/uploads/2017/09/Forschungsbericht-44.pdf">https://bundesstiftung-friedensforschung.de/wp-content/uploads/2017/09/Forschungsbericht-44.pdf</a></p>
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<div>
<p><a title="" href="#_ftnref7">[7]</a> Craig Whitlock, At War with the Truth, Washington Post 09.12.2019,</p>
<p>https://www.washingtonpost.com/graphics/2019/investigations/afghanistan-papers/afghanistan-war-confidential-documents/ ; Tagesschau 10.12.2019, <a href="https://www.tagesschau.de/ausland/usa-afghanistan-krieg-101.html">https://www.tagesschau.de/ausland/usa-afghanistan-krieg-101.html</a></p>
<p>Special Inspector General for Afghanistan Reconstruction (SIGAR), STABILIZATION: Lessons from the U.S. Experience in Afghanistan, Mai 2018, <a href="https://www.sigar.mil/pdf/lessonslearned/SIGAR-18-48-LL.pdf">https://www.sigar.mil/pdf/lessonslearned/SIGAR-18-48-LL.pdf</a> &nbsp;</p>
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<div>
<p><a title="" href="#_ftnref8">[8]</a> Stanley McChrystal in: ARTE-Doku &bdquo;Afghanistan: Das verwundete Land&ldquo;, Folge IV&nbsp;</p>
<p>&nbsp;<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1631">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1631</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref9">[9]</a>&nbsp; Hans-Georg Ehrhart, Mythos &bdquo;Robuste Milit&auml;rinterventionen k&ouml;nnen dabei helfen, Konflikte im Globalen S&uuml;den zu l&ouml;sen, 2019, <a href="https://vdw-ev.de/ueber-uns/studiengruppen/europ-sicherheit-frieden/">https://vdw-ev.de/ueber-uns/studiengruppen/europ-sicherheit-frieden/</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref10">[10]</a> W. Nachtwei zu Internationalen Polizeimissionen als &auml;u&szlig;erstem Mittel zum Schutz vor Massen- und Kriegsgewalt, 2020, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1662">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1662</a> &nbsp;</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref11">[11]</a> W. Nachtwei, Pers&ouml;nkiche Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik Nr. 35, Februar 2008, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=110&amp;aid=647">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=110&amp;aid=647</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref12">[12]</a>&nbsp; Winfried Nachtwei, Auszug aus &bdquo;Bilanzierung und Evaluation deutscher Auslandseins&auml;tze&ldquo;, Januar 2014, S. 265 ff.,&nbsp; <a href="https://d-nb.info/1048632563/04">https://d-nb.info/1048632563/04</a></p>
<p>The Dutch Engagement in Uruzgan - 2006 to 2010 &ndash; A TLO socio-political assessment, Kabul August 2010; <a href="http://www.tloafghanistan.com/index.php/provincial-district-area-assessments">www.tloafghanistan.com/index.php/provincial-district-area-assessments</a></p>
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