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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: RÃ¼ckzug aus der Verantwortung? Der Ã¼berfÃ¤llige Vollbericht meiner 17. Afghanistanreise</title>
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    <span class="xar-mod-title">Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            RÃ¼ckzug aus der Verantwortung? Der Ã¼berfÃ¤llige Vollbericht meiner 17. Afghanistanreise         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 28. Dezember 2012 19:12:03 +02:00 (79915 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Meine letzte Afghanistanreise liegt schon eine Weile zurÃ¼ck. Nach dem Kurzbericht &quot;Es gibt Chancen&quot; hier endliche der umfassende Bericht (mit Aktualisierungen) zu Sicherheitslage, Ãœbergabe (Transition) + Redeployment, Aufbau + Entwicklung, Polizeiausbildung (RPTC, GPPT), Rule of Law, aktuellen Schlussfolgerungen. Kritiken oder ErgÃ¤nzungen bitte an winfried@nachtwei.de</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> Normal   0   21         false   false   false                             MicrosoftInternetExplorer4 </xml><![endif]--></p>
<p align="center">Bericht von der 17. Afghanistanreise</p>
<p align="center"><strong>RÃ¼ckzug aus derVerantwortung? </strong>(Vollbericht)</p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (12/2012)</p>
<p><em>Nach dem Kurz-Reisebericht vom Mai kommt erst jetzt der <strong>Vollbericht</strong>. Das bitte ich zu entschuldigen. Aber immerhin gingen die Reiseerkenntnisse u.a. in 22 AfghanistanvortrÃ¤ge ein, die ich zwischenzeitlich hielt. Trotz mancher VerÃ¤nderung vor Ort macht der Vollbericht immer noch Sinn. AuÃŸerdem habe ich nach 13 Reiseberichten eine Chronistenpflicht. Mehrfach sind Aktualisierungen eingefÃ¼gt.</em></p>
<p><em>Anfang Mai 2012 hatte ich nach einem Jahr Unterbrechung endlich wieder die MÃ¶glichkeit eines Afghanistanbesuches. Vor Monaten hatte ich Minister de MaiziÃ¨re daraufhin angeschrieben. Er hatte bezÃ¼glich logistischer UnterstÃ¼tzung grÃ¼nes Licht gegeben. Dankenswerterweise nahmen mich die rheinland-pfÃ¤lzischen GrÃ¼nen-MdB Dr. Tobias Lindner (Haushaltsausschuss) und Tabea RÃ¶ÃŸner (Ausschuss fÃ¼r Kultur und Medien) in ihre erste Delegationsreise nach Afghanistan auf. Vierter im Bunde war Steffen Buchsteiner, wissenschaftlicher Mitarbeiter von Tobias. â€žAllein&quot; blieb ich noch zwei weitere Tage vor Ort. Ich danke herzlich meinen Gastgebern und UnterstÃ¼tzern.</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">In Kunduz</span></em><em> standen auf dem Programm Unterrichtungen/GesprÃ¤che im PRT Kunduz: Kommandeur, Vertreter von BMZ und German Police Project Team (GPPT); Task Force Kunduz; Vertrauensleute zu Betreuungseinrichtungen; individuelle GesprÃ¤che mit Diplomaten, Polizisten, Soldaten.</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">In Mazar-e Sharif</span></em><em> ISAF RC North, Stab; Einsatzgeschwader Mazar; Mitarbeiter des Senior Civilian Representative; Public Affairs Officer; Fernmelde-Kompanie; US-Zeppelin PTDS; Wasseraufbereitung; 209. ANA-Korps und deutsche MilitÃ¤rberater (Operational Mentor + Liaison Team OMLT); GPPT und Police Training Center; Teacher Training College; GIZ-Alphabetisierungsprojekt; Abend mit 20 deutschen EZ-MitarbeiterInnen.</em></p>
<p><em>Da keine politischen GesprÃ¤che auf dem Programm stehen, kommen auch zentrale politische Themen wie Verhandlungsprozess (â€žReconciliation&quot;), innenpolitische Lage, regionale KonfliktlÃ¶sung (Pakistan, Istanbulprozess), Zukunft von UNAMA kaum zur Sprache. Bei frÃ¼heren Reisen erbrachten politische GesprÃ¤che in der Regel am wenigsten Hoffnung und am meisten Skepsis.</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>AnnÃ¤herung</strong></p>
<p>Der Start des Bundeswehr-Airbus in KÃ¶ln-Bonn verzÃ¶gert sich um 23 Stunden. Umweg und Zwischenlandung inmitten der Steppe in Astana, der Hauptstadt von Kasachstan, wo ein Musikkorps der Bundeswehr aussteigt. Das neue FlughafengebÃ¤ude ist von der unterschiedslosen InternationalitÃ¤t solcher Stationen. Das Land am Boden zeigt sich nur in den Souvenirshops. Los geht es aber mit den ersten Zufalls(wieder)begegnungen: ein Presseoffizier, dem ich zuletzt in der FuÃŸgÃ¤ngerzone von MÃ¼nster begegnete; zwei Frauen, die fÃ¼r einen Spielfilm in Afghanistan recherchieren; ein ehemaliger Interkultureller Einsatzberater aus Kunduz; ein hÃ¶herer Offizier, der auch an Sitzungen des Beirats Zivile KrisenprÃ¤vention des AA teilgenommen hatte.</p>
<p>In Kunduz wie in Mazar fÃ¼hren die ersten Wege zu den Ehrenhainen: Mauern, in die Plaketten mit den Namen der hier gefallenen deutschen und verbÃ¼ndeten Soldaten eingelassen sind. Viele Namen sind mir bekannt, mit den jeweiligen AnschlÃ¤gen und Gefechten, mit den Trauerfeiern fÃ¼r sie in ZweibrÃ¼cken, Seedorf, Regen, Hannover, Detmold Was bisher ein stilles Gedenken war, wird in Mazar zu einer kleinen Andacht mit zwei MilitÃ¤rgeistlichen. Wenige Tage zuvor fand eine Hinterbliebenenreise statt. Zwei junge Witwen von im April 2010 gefallenen Soldaten, begleitet von Birgitt Heidinger, Beauftragte des BMVg fÃ¼r Familie und Dienst/Hinterbliebene, besuchten die Orte, wo ihre MÃ¤nner zuletzt eingesetzt waren. An dem Black-Hawk-Hubschrauber, der vor zwei Jahren den schwerst-verwundeten Hauptfeldwebel Nils Bruns ins PRT geflogen hatte, trafen sie zufÃ¤llig auch den US-Piloten von damals.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">KUNDUZ</span></strong></p>
<p><strong>PRT Kunduz</strong><strong>: </strong>Insgesamt sind auf dem PRT-GelÃ¤nde 2.040 Personen stationiert, davon ca. 1.400 Deutsche. Diese setzen sich zusammen aus ca. 500 Soldaten des PRT, 120 Soldaten im Rahmen der OMLT, Ã¼ber 600 der Task Force Kunduz, zusÃ¤tzlich Task Force 47 (SpezialkrÃ¤fte). Das AuswÃ¤rtige Amt ist mit acht MitarbeiterInnen vertreten, das German Police Project Team umfasst 24 Beamte. Die EZ-MitarbeiterInnen leben und arbeiten richtigerweise auÃŸerhalb des PRT. Im PRT ist â€žnur&quot; die BMZ-Vertreterin, die dank ihres afghanischen Hintergrundes und ihrer langen PrÃ¤senz vor Ort ganz besonders orts- und menschenkundig ist. Das niederlÃ¤ndische Kontingent umfasst 320 Personen.</p>
<p>UrsprÃ¼nglich sollte in diesen Monaten das PRT Kunduz in zivile Leitung Ã¼bergehen - wie zuvor in Feyzabad. Aber es habe WiderstÃ¤nde vom BMVg gegeben. Nun solle die LeitungsÃ¼bergabe Ende des Jahres erfolgen.</p>
<p>Bilateral heiÃŸt es von ziviler Seite, dass die Ressortzusammenarbeit ganz in Ordnung sei. Allerdings gehe man als Zivilist in der Masse der MilitÃ¤rs etwas unter. Die â€žgleiche AugenhÃ¶he&quot; sei fÃ¼r MilitÃ¤rs auch etwas schwierig. Es gebe gelegentlich eine Neigung zur Vereinnahmung.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: Am 15. November ging das PRT Kunduz in die zivile Leitung eines AA-Diplomaten Ã¼ber. Bisher bestand der Anspruch einer militÃ¤risch-zivilen Doppelspitze. Der militÃ¤rische Anteil heiÃŸt jetzt UnterstÃ¼tzungsverband Kunduz. Ich erinnere mich, dass MilitÃ¤rs vor Ort schon vor zwei Jahren auf eine zivile Leitung drÃ¤ngten. Sie wollten, dass der Primat der Politik nicht nur in Berlin betont, sondern auch vor Ort wahrgenommen wÃ¼rde. Nach allen Erfahrungen mit militÃ¤risch-zivil-polizeilicher Zusammenarbeit in den letzten neun Jahren ist die zivile Leitung eines PRT eine ganz besondere Herausforderung. Es ist Neuland.</em></p>
<p>Â </p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">MilitÃ¤rische Lage</span></strong></p>
<p>Im ersten Quartal gab es in der Provinz 140 SicherheitsvorfÃ¤lle, in ganz 2011 waren es 828. Sorgen bereiten die Distrikte Archi, Aliabad und das nÃ¶rdliche Chahar Darreh. Hauptangriffsmittel der AufstÃ¤ndischen sind Sprengfallen (IED). Hauptziele sind Polizeichefs und Ã¤hnliche AutoritÃ¤ten. Bei einem Angriff auf den Kommandeur der Polizeispezialeinheit kÃ¼rzlich in Kunduz Ã¼berlebte er wohl. Seine Tochter wurde aber schwer verwundet.</p>
<p>Insgesamt fÃ¼hlen sich die Menschen sicherer, habe sich die Bewegungsfreiheit verbessert. Allerdings: Bei Vergleichen kommt es auf das Vergleichsjahr an: GegenÃ¼ber 2010 ist die Verbesserung auffÃ¤llig - aber das war auch das schlimmste Jahr. Besser als 2008 sei die Lage noch nicht. Das Afghanistan NGO Security Office (ANSO) komme auch zu einer skeptischeren Bewertung der Sicherheitsentwicklung. (vgl. meine aktuelle Ãœbersicht SicherheitsvorfÃ¤lle in Afghanistan Nord und landesweit 2012, bis 22. Mai, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php/aricles/1142">www.nachtwei.de/index.php/aricles/1142</a> )</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: Der 3. Quartalsbericht 2012 von ANSO vom Oktober meldet fÃ¼r die Provinz Kunduz einen RÃ¼ckgang der AufstÃ¤ndischenattacken um 27% auf 132 ggb. 180 im Vorjahrszeitraum.</em></p>
<p>Im Fokus der militÃ¤rischen OperationsfÃ¼hrung steht weiterhin der strategisch bedeutsame Nord-SÃ¼d-Korridor. Die TF Kunduz steht im SÃ¼dwesten der Provinz, ein US-Bataillon in Imam Shahib im Norden (es schrumpft demnÃ¤chst). Die NiederlÃ¤nder unterstÃ¼tzen die Polizeiausbildung in Kunduz, Khanabad und spÃ¤ter Archi. Der PRT-Kommandeur als Raumverantwortlicher ist fÃ¼r die Koordination der KrÃ¤fte verantwortlich. Er selbst verfÃ¼gt nur noch Ã¼ber begrenzte eigene militÃ¤rische KrÃ¤fte. Die drei CIMC-Teams bestehen aus je einem Offizier, einem Unteroffizier. Im Keyleaderboard flieÃŸen verschiedene Elemente der zivilen Lage zusammen.</p>
<p>Der Kommandeur ist fast tÃ¤glich drauÃŸen. Alle ca. sechs Wochen geht es in die Distrikte, Essen und GesprÃ¤che mit ca. 30 Personen, lokalen AutoritÃ¤ten, am Samstag z.B. nach Imam Shahib, wo die US-KrÃ¤fte abziehen und die NiederlÃ¤nder hinkommen.</p>
<p>In Taloqan/Takhar wurde das Provincial Advisory Team (PAT) aufgelÃ¶st, am 29. Februar auch die AuÃŸenstelle Taloqan der deutschen Botschaft geschlossen. Jetzt sei nur noch ein AA`ler dort und EZ. Noch bestehe persÃ¶nlicher Kontakt zum Gouverneur. Aber das werde irgendwann auslaufen. Damit wird auch das Lagebild zu dieser zwischen Kunduz und Badakhshan gelegenen Provinz immer grÃ¶ber und oberflÃ¤chlicher. Zu bedenken sei aber, dass das kleine PAT vorher eher ein Anlaufpunkt war und nicht sonderlich zur Sicherheit der Provinz beigetragen hÃ¤tte. Die Afghanen wÃ¼rden hier ihre Angelegenheiten im Wesentlichen selbst klÃ¤ren.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Task Force Kunduz</strong>: â€ž<em>Es kommt auf jeden an!&quot;</em></p>
<p>Die TF besteht aus zwei Infanteriekompanien, einer Pionier-, einer AufklÃ¤rungs- und einer Kompanie fÃ¼r verschiedene TeilfÃ¤higkeiten. Die TF verfÃ¼gt Ã¼ber keine Reserven. 80% der Task Force stammt aus der Panzergrenadierbrigade 41 â€žVorpommern&quot;, 51% aus dem PzGrenBtl 411. Seit April 2011 wurde die Truppe zusammengefÃ¼hrt.</p>
<p>Auftrag ist die UnterstÃ¼tzung der afg. OperationsfÃ¼hrung und der Ausbildung der SicherheitskrÃ¤fte durch Niederlande u.a. Hauptbedrohungen sind IED`s.</p>
<p>Einsatzraum ist vor allem das nÃ¶rdliche Chahar Darreh (die ANA im SÃ¼den des Distrikts) und Aliabad (LOC Pluto). Die Verbindungsstrecken (Lines of Communication, LOC) sind die Lebensadern. Die LOC Kamins, Hauptverbindungsstrecke durch Chahar Darreh, ist einer breiter Feldweg. Manche LOC ist gut bewacht. Anderswo kann es 6 Stunden fÃ¼r einen Kilometer brauchen.</p>
<p>Partner sind ANP, ANA und dt. Berater der 2. Brigade, belg. Berater des 1. ANA-Kandak (Bataillon), die Distriktgouverneure von Chahar Darreh und Aliabad, das PRT Kunduz, die Task Force 47, die mit afg. SpezialkrÃ¤ften zusammenwirkt.</p>
<p>Das Partnering lÃ¤uft genau besehen nicht â€žSchulter an Schulter&quot;, sondern einander ergÃ¤nzend auf Ebene der Kompanien und ZÃ¼ge.</p>
<p>Das eigene Auftreten stehe unter der Devise â€ž<em>stark-freundlich-respektvoll-rÃ¼cksichtsvoll</em>&quot;:</p>
<p>Ein von vorneherein starkes und militÃ¤risch-abschreckendes Auftreten vermeide, zum Gelegenheitsziel zu werden. Freundlichkeit gegenÃ¼ber der BevÃ¶lkerung, Respekt in der Zusammenarbeit mit afg. KrÃ¤ften. Es komme darauf an, Vertrauen zu erwerben. HÃ¼ten mÃ¼sse man sich, Afghanen zu beleidigen. BloÃŸ nicht Ã¼ber Afghanen lachen, mit ihnen lachen selbstverstÃ¤ndlich. Unterwegs werde viel gewunken. Die Leute sÃ¤hen von weitem durch die Panzerscheibe, ob Soldaten mit dem Kopf nicken, winken. (<em>Das erinnert an die Anfangsjahre des AFG-Einsatzes. Seit Jahren schien es mit der Winkerei vorbei zu sein. Ich hoffe, dass die Beobachtungen stimmen - und nicht eine schÃ¶ne Geschichte fÃ¼r die Besucher aus Deutschland sind</em>.)</p>
<p>In den bisherigen vier Monaten des Einsatzes sei nichts passiert, habe man GlÃ¼ck gehabt. Die Panzerhaubitze musste keinen Schuss abgeben, nicht mal Nebelgranaten. <em>(Am 25. Mai kommt es gegen 8.45 Uhr 11 km entfernt vom PRT Kunduz zu einem Sprengtoffanschlag gegen eine dt. Patrouille, nur Sachschaden, kein Personenschaden.)</em></p>
<p>Die Task Forces (Ausbildungs- und Schutzbataillone) sollen gemÃ¤ÃŸ dem <em>Security-Force-Assistance</em>-Konzept ab Juli 2012 umgegliedert und mit den bisherigen OMLT zusammengefÃ¼hrt werden. Nach Wegfall einer Infanterie-Kompanie besteht die kÃ¼nftige â€žPartnering + Advisory Task Force&quot;/PATF aus einer kampfstarken Partnering-Kompanie (zugleich Quick Reaction Unit), einer AufklÃ¤rungs-Kp, einer verminderten Pionier-Kp, einer Stabs- und Versorgungs-Kp sowie mit SchutzkrÃ¤ften verstÃ¤rkte Advisory-Teams auf Kandak(Bataillons)-Ebene.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span>: <em>Nach Abschluss der Umstrukturierung erfolgte die Umbenennung der PATF Mazar und Kunduz am 14. Und 16. Juli.</em></p>
<p>KÃ¼nftig habe die TF keinen eigenen Gefechtsstand mehr, werde nur noch EinzelfÃ¤higkeiten wie Artillerie, AufklÃ¤rung, PioniergerÃ¤t stellen.</p>
<p>Im Gefechtsstand der TF mit Hilfe des Ã¼ber uns stehenden US-Beobachtungs-Zeppelins (<em>Permanent Threat Detection System PTDS</em>) Blick auf die Umgebung des PRT. Die zwei Kameras (auch Infrarot) gewÃ¤hrleisten aus Ã¼ber 1500 FuÃŸ HÃ¶he ein generelles Screening im Umkreis von ca. 20 km. AufstÃ¤ndische wissen, dass ihre Bewegungen von oben gesehen werden, und verzichten dann lieber auf Raketenattacken und IED-Verlegungen.</p>
<p>(<em>Die USA setzten die Helium-gefÃ¼llten Ballons erstmalig 2004 im Irak ein, ab 2007 auch in AFG. Heute sollen es mehr als 100 unterschiedlicher GrÃ¶ÃŸen (117, 70 FuÃŸ) in ganz AFG sein, Ã¼ber Kandahar allein acht. Sie sind billiger als Drohnen und halten einÂ  gewisses MaÃŸ an EinschÃ¼ssen aus. In einer Reportage berichtete die New York Times am 12. Mai 2012 Ã¼ber Reaktionen auf die â€žspy ballons&quot;: sie seien â€žgame changer&quot; fÃ¼r die militÃ¤rische AufklÃ¤rung, bei Afghanen aber umstritten als â€žoppression&quot;, â€žshameless&quot;, unmoralischer Einblick in die PrivatsphÃ¤re. Im Sommer kÃ¶nne man nicht mehr auf dem Hausdach schlafen.</em>)</p>
<p>GerÃ¤teschau der <em>Intermediate Reaction Force Alpha</em> (IRF) zum Einsatz in der ganzen Provinz. Die IRF besteht aus zwei ZÃ¼gen mit je vier Marder. Diese Mini-QRF sei â€žÃ¼berall willkommen&quot;. Auch die US-StreitkrÃ¤fte hÃ¤tten nichts Vergleichbares. Zuletzt war die IRF 24 und 21 Tage drauÃŸen. Die einsatzvorbereitende Ausbildung fÃ¼r die IRF-Soldaten lief seit Januar 2011, also Ã¼ber ein Jahr. An 25 Wochenenden waren die Soldaten nicht zuhause. 60% des Zuges waren schon mal in Afghanistan, manche viermal. Die Ausstattung eines TruppfÃ¼hrers: Weste 15 kg, Waffe 3,5 kg, FunkgerÃ¤t 12 kg (mit Antenne 25 km Reichweite, top!). Das hat man bei bestimmten Operationen 23 Stunden an. Auf meine Frage, wie lange man so ein Gewicht tragen kÃ¶nne, die Antwort: Wie es nÃ¶tig sei. Aktiver HÃ¶rschutz kostet 900 EUR: Er lÃ¤sst FunksprÃ¼che durch und hÃ¤lt nur Schockwellen ab. Ein Teil der FunkgerÃ¤te sei aus der Steinzeit, keine Vereinheitlichung! In DÃ¶rfern reichen die GerÃ¤te manchmal keine 300 m weit.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Aufbau + Entwicklung</span></strong></p>
<p>FÃ¼r die deutsche EZ arbeiten in der Provinz 25 internationale und mehr als 250 lokale KrÃ¤fte.</p>
<p>(Landesweit sind es 325 internationale und 1.500 lokale, insgesamt Ã¼ber 1.800.)</p>
<p>2010 gab es in der Provinz einige No-go-Areas. Heute sei die komplette Provinz fÃ¼r Projektarbeit wieder zugÃ¤nglich - natÃ¼rlich mit Hilfe des Risk Management Offices. Jeder Besuch sei machbar.</p>
<p>Zzt. laufen in der Provinz 65 dt. EZ-Projekte, 12 sind in Planung. 22 der laufenden Projekte wurden durch den paritÃ¤tisch besetzten Provincial Development Funds (PDF) beschlossen.</p>
<p>In der Provinzverwaltung gebe es einiges an Frustration. Notwendig wÃ¤ren Mentoringprojekte fÃ¼r /(kleine) Departements. Zu schaffen mache der dominierende Klientelismus: An allererster Stelle stehe die eigene Familie, dann der Clan, das Dorf, weit weg ist schon die Provinz - und ganz weit weg sei Afghanistan. Das gehe mit viel Missgunst einher.</p>
<p>FÃ¶rderung von VerwaltungsfÃ¤higkeit und Staatlichkeit: Da kÃ¶nne man nur sehr begrenzt was schaffen. Es sei eine Illusion, in einer Gesellschaft von informellen und persÃ¶nlichen Beziehungen schnell VerwaltungsfÃ¤higkeit etablieren zu kÃ¶nnen. Hier mÃ¼sse man erkennen, was man nicht Ã¤ndern kÃ¶nne.</p>
<p>Aber es gebe Anzeichen eines Generationenwechsels: Endzwanziger, v.a. Juristen rÃ¼cken in verantwortliche Positionen. Z.B. der BÃ¼rgermeister von Kunduz, die Distriktgouverneure von Imam Shahib und Chahar Darreh.</p>
<p>Seit 2010 liege der Schwerpunkt auf FÃ¶rderung guter RegierungsfÃ¼hrung. Die Finanzierung erfolgt Ã¼ber zwei deutsche Regionalfonds fÃ¼r Infrastruktur und KapazitÃ¤tenentwicklung. Das <em>National Solidarity Program</em> wird zu 100% von der afghanischen Seite getragen. (Das NSP entstand 2003 und untersteht dem Ministerium fÃ¼r lÃ¤ndlichen Wiederaufbau und Entwicklung. In fast 30.000 lÃ¤ndlichen Gemeinden gibt es gewÃ¤hlte <em>Community Development Councils</em>; Berichte und aktuelle Daten unter <a href="http://www.ndpafghanistan.org/">www.ndpafghanistan.org</a> )</p>
<p><strong>Polizeiaufbau</strong></p>
<p>Das Police Training Center Kunduz umfasst 500 AusbildungsplÃ¤tze und soll Mitte 2013 voll Ã¼bergeben werden. Ausgebildet wird nach Curricula des afg. Innenministeriums.</p>
<p>Im Polizei-Compound von GPPT und EUPOL erleben wir eine Abschieds- und Einstiegsfeier fÃ¼r zwei leitende Polizisten. Ein Bundespolizist begrÃ¼ÃŸt mich mit â€žWillkommen im Paradies!&quot; Es ist etwas ironisch, aber vor allem ernst gemeint. Denn die Stimmung am Abend und einige EinzelgesprÃ¤che offenbaren einen sehr guten Zusammenhalt. Eine Beamtin war vorher in Feyzabad gewesen. Das gefiel ihr so sehr, dass sie sich fÃ¼r Kunduz meldete. Reizvoll hier seien die anderen Erfahrungen, die EigenstÃ¤ndigkeit und der Zusammenhalt. Ein alter Hase war in Bosnien, Kosovo, Georgien. Etliche erfahrene IPM-Polizisten kennen wir gemeinsam., z.B. aus NRW Stefan Feller und Tom Litges.</p>
<p>Polizeiausbilder, die erst kÃ¼rzer hier sind, berichten von den mageren Voraussetzungen der Polizeirekruten. Aber sie wÃ¼rden sich anstrengen, Fortschritte seien sichtbar. Ein persÃ¶nlicher Gewinn sei der Kontakt mit einer ganz anderen Welt, die Relativierung der VerhÃ¤ltnisse in Deutschland. Als Polizist aus der Frankfurter Bahnhofsgegend verstehe man jetzt die HintergrÃ¼nde von Afghanen und anderen Migranten besser.</p>
<p><strong>Rundgang am frÃ¼hen Morgen</strong></p>
<p>Wie bei frÃ¼heren Besuchen nutze ich die frÃ¼hen Morgenstunden ab 5.30 Uhr fÃ¼r einen Rundgang durchs Feldlager. Zu dieser Zeit sieht alles aus wie heller Frieden. Die BegrÃ¼nung des PRT-GelÃ¤ndes kommt voran. BÃ¤ume haben inzwischen mittlere HÃ¶he erreicht und Ã¼berragen die UnterkunftsgebÃ¤ude. Zwischen den GebÃ¤uden groÃŸe Rosenbeete, am Flugfeld rote Flecken von dicht wachsendem Klatschmohn. Der Innenhof unseres UnterkunftsgebÃ¤udes â€žAugsburg&quot; ist wieder eine regelrechte Oase. Auf einem GebÃ¤ude des Polizei-Compounds dient die Dachterrasse zum Sonnenbaden und als Aussichtsplattform.</p>
<p>Am Flugfeld ein kleiner â€žprivater&quot; Ehrenhain mit sieben Kreuzen fÃ¼r HFw Nils Bruns, 35 Jahre (gefallen 2.4.2010), StGefr Robert Hartert, 25 Jahre (2.4.2010), HGefr Martin Augustyniak, 28 Jahre (2.4.2010), HGefr Sergej Motz, 21 Jahre (29.4.2009), HFw Mischa Meier, 29 Jahre (27.8.2008), StGefr Roman Schmidt, 22 Jahre (20.10.2008), SrUffz Patrick Behlke, 25 Jahre (20.10.2008). Daneben ein SchildkrÃ¶tengehege:</p>
<p align="center"><em>â€žIm Gedenken an unsere gefallenen Kameraden der 2./InfTF KDZ ist dieses </em></p>
<p align="center"><em>SchildkrÃ¶tengehege entstanden. Die Soldaten der 2./InfTF KDZ verpflichten sich,</em></p>
<p align="center"><em>diesen Ehrenhain und die dazu gehÃ¶rigen SchildkrÃ¶ten zu pflegen. In mÃ¼hevoller Kleinarbeit Ã¼ber mehrere Kontingente wurde der Ehrenhain am 06.12.2011 fertiggestellt.</em></p>
<p align="center"><em>SchildkrÃ¶ten symbolisieren in diesem Land â€žewiges Leben&quot;. </em></p>
<p align="center"><em>Damit unsere gefallenen Kameraden in unseren Gedanken immer weiter leben, </em></p>
<p align="center"><em>halten wir fÃ¼r jeden Kameraden eine SchildkrÃ¶te.</em></p>
<p align="center"><em>Schenkel, OStFw u. KpFw, 2./PzGrenLehrBtl 92 06.12.2011&quot;</em></p>
<p>Im Nordosten ist eine ErweiterungsflÃ¤che fÃ¼r Munition u.Ã¤. im Bau. Andere BaumaÃŸnahmen sind gestoppt. Wahrscheinlich hat das PRT jetzt seine HÃ¶chstbelegung erreicht. Auf dem Plateau gibt es inzwischen sechs Feldlager von SicherheitskrÃ¤ften. Das Police Training Center schlieÃŸt direkt an das PRT an.</p>
<p>Â </p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">MAZAR-E SHARIF</span></strong></p>
<p>Das ISAF Regional Command North ist das RC mit den meisten (17) beteiligten Nationen: DEU 4.800, USA 3.400 (zusÃ¤tzlich 1.200 unter nationaler FÃ¼hrung; 2.000 als Ausbilder fÃ¼r Afghan National Security Forces/ANSF!), SWE 495, NL 448, NOR 391, UNG 269, HRV 245, FIN 193, insgesamt 12.500. Auf AFG-Seite sind es 13.700 ANA-Soldaten, 14.000 AFG Uniformed Police, 4.000 Border Police, 1.400 ANCOP (Bereitschaftspolizei). Das â€žCombined Team North&quot; umfasst insgesamt 45.600 SicherheitskrÃ¤fte. Die Relation SicherheitskrÃ¤fte / Einwohner liegt im Norden bei 1/200, im Westen bei 1/115, im SÃ¼den bei 1/33, im SÃ¼dwesten (Helmand) 1/19!</p>
<p>Im Norden sind strategische Partner DEU und USA. Eine zweite Gruppe von VerbÃ¼ndeten haben Schwerpunkte gebildet: TÃ¼rkei in Jowzjan (militÃ¤risch kaum aktiv, ansonsten â€žbeeindruckend&quot;), Skandinavier im Nordwesten, Niederlande in Kunduz und Ungarn in Baghlan. Alle anderen acht UnterstÃ¼tzernationen sind zu 100% auf die GroÃŸen angewiesen.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Sicherheitslage</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p>Aus Kabuler Sicht ist im Norden nichts los! In 2011 gingen die von ISAF registrierten SicherheitsvorfÃ¤lle um 33% zurÃ¼ck. Januar bis April 2012 lagen sie erneut unter dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Bei der Hauptbedrohung IED stieg die Zahl der gefundenen und gerÃ¤umten IED. Es gab vermehrt Hinweise aus der BevÃ¶lkerung. WÃ¤hrend die Zahl der uniformierten Opfer zurÃ¼ckging, stieg die Zahl der Zivilopfer. ISAF sei fÃ¼r AufstÃ¤ndische mehr ein â€ž<em>target of opportunity</em>&quot;. ISAF habe sich fÃ¼r die AufstÃ¤ndischen erledigt.</p>
<p>Ein mÃ¶glicher kÃ¼nftiger Brennpunkt sei die Provinz Faryab nach Westen. Hier gebe es viel Unruhepotenzial, hier entwickle sich ein Schwerpunkt.</p>
<p>Eine beunruhigende Tendenz ist die wachsende Zahl von Angriffen afghanischer UniformtrÃ¤ger (Soldaten, Polizisten) auf ISAF-AngehÃ¶rige (InnentÃ¤ter, â€ž<em>green-on-blue-attacks</em>&quot;). Zur Vorbeugung sind nun ISAF-Soldaten mit geladenen Waffen (<em>Guardian Angels</em>) an Stellen mit hohem Personenaufkommen postiert.</p>
<p>Die ANSF hÃ¤tten ihre LeistungsfÃ¤higkeit bei mehreren GroÃŸereignissen bewiesen: Im Februar reagierten sie eigenstÃ¤ndig, schnell und eindÃ¤mmend bei den gewaltsamen Demonstrationen nach der Koranverbrennung durch US-KrÃ¤fte. Die FÃ¼hrungen von ANP und ANA gaben einen klaren Nicht-SchieÃŸbefehl (ausgenommen Notwehr) heraus. Beim Neujahrsfest (Nawroz) waren die Planungen auf 500.000 Besucher ausgerichtet. Wegen des sehr schlechten Wetters kamen aber weniger zusammen. Einen Bericht dazu gibt es nicht. (<em>Wieder ein Beispiel von guten Nachrichten, die nicht verbreitet werden</em>.)</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: Der ANSO-Bericht fÃ¼r das 3. Quartal 2012 meldet: RÃ¼ckgang aller bewaffneter Operationen ggb. dem Vorjahrszeitraum um 28%, der Regierungsgegner um 32%, der internationalen StreitkrÃ¤fte um 57%. Nur die Operationen der ANSF nahmen um 0,7% zu. In den Nordprovinzen RÃ¼ckgang in Takhar um 52% auf 13 regierungsfeindliche Attacken, in Balkh (Mazar) um 38% auf 84, Anstieg in Faryab um 3% auf 246, in Badakhshan um 10% auf 54, in Baghlan um 69% auf 110. Zum Vergleich die Entwicklung in den gewalttrÃ¤chtigsten Provinzen: Helmand -73% auf 600, in Kandahar -25% auf 806, in Kunar -1% auf 1008. </em></p>
<p><a href="http://www.nachtwei.de/index.php/artickes/1174"><em>www.nachtwei.de/index.php/artickes/1174</em></a><em> </em></p>
<p><em>Insider-Attacken gab es in 2010 5, in 2011 15, in 2012 bis 24. Dezember ca. 43. 16% der ISAF-Verluste in diesem Jahr gehen auf ihr Konto. Am 18. Februar fielen einem solchen Angriff im OP North in Baghlan drei Bundeswehrsoldaten zum Opfer, sieben weitere wurden verwundet. Seitdem blieb der Norden von solchen Angriffen weitestgehend verschont. Hinzu kommen â€žgreen-on-green-attacks&quot; innerhalb der ANSF, denen lt. AP bis 30. September in 2012 53 afg. Polizisten und Soldaten zum Opfer fielen. Der jÃ¼ngste Fall am 23./24.12. in der Nordprovinz Jowzjan, wo ein ALP-Kommandeur in einem Checkpoint fÃ¼nf seiner Polizisten erschoss.</em></p>
<p><em>Ein zentraler Indikator fÃ¼r das im ISAF-Auftrag angezielte â€žsichere Umfeld&quot; ist die Zahl der Zivilop<a name="_GoBack">fer im Kontext des bewaffneten Konflikts: Nachdem die Opferzahl lt. UNAMA im ersten Halbjahr 2012 </a>erstmalig seit Jahren um 15% ggb. dem Vorjahreszeitraum zurÃ¼ckging, stieg sie im 3. Quartal 2012 um 28% auf 967 GetÃ¶tete und 1.590 Verwundete. 80% der Opfer seien durch AufstÃ¤ndische verursacht worden, 56% allein durch SprengkÃ¶rper.</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Transition (Ãœbergabe der Sicherheitsverantwortung)</span></strong></p>
<p>In einer Stability Matrix sind die komplexen ZusammenhÃ¤nge zwischen militÃ¤rischen und zivilen Akteuren zusammengefasst. Die Hauptlast gehe jetzt auf zivile Einrichtungen und afg. KrÃ¤fte Ã¼ber. Der ausgeklÃ¼gelten Planung der militÃ¤rischen Seite scheint keine solche auf der zivilen Seite gegenÃ¼berzustehen. (Die Frage ist aber auch, ob so was von ziviler Seite aus Ã¼berhaupt leistbar ist. Einzelne zivile GesprÃ¤chspartner bewerten diese Planung in ihrer Detailliertheit und KomplexitÃ¤t als weit von der Wirklichkeit entfernt.)</p>
<p>Die Ãœbergabereife der Distrikte wird in mehreren Schritten bewertet: zuerst militÃ¤rische Sicht, dann politische Bewertung, schlieÃŸlich Entscheidung durch den PrÃ¤sidenten. Jedes Vierteljahr erfolgt eine Neubewertung. Die Tranche 2 umfasst groÃŸe Teile der Nordregion (Balkh, Takhar) und lÃ¤uft vom Januar 2012 bis Januar 2014, die Tranche 3 vom Juli 2012 bis Juli 2014, die Tranche 4 vom Januar 2013 bis Dezember 2014. Unter vier Augen heiÃŸt es von zivilen Insidern, die Transitions-Tranchen seien politisch begrÃ¼ndet. Viele andere Interessen gingen da ein. Es sei kein objektiver, an der tatsÃ¤chlichen Entwicklung orientierter Bewertungsprozess.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Redeployment (RÃ¼ckverlegung), erste Ãœberlegungen</span></strong></p>
<p>Es ist ein so gigantisches wie komplexes Unterfangen, behaftet mit erheblichen Risiken und Kosten. Da die Nachschubroute Ã¼ber Pakistan seit 26. November 2011 weiter geschlossen ist (hierÃ¼ber lief 85% der Treibstoffversorgung und 60% der Fracht fÃ¼r ISAF), wÃ¼rde die Masse der ISAF-AusrÃ¼stung der groÃŸen Regionalkommandos SÃ¼dwest, SÃ¼d und Ost Ã¼ber die Nordroute gehen.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: Die pakistanischen GrenzÃ¼bergÃ¤nge wurden Anfang Juli 2012 fÃ¼r den ISAF-Nachschub geÃ¶ffnet, dann mal wieder geschlossen, im August wieder geÃ¶ffnet.</em></p>
<p>Auf die Bundesrepublik als Lead-Nation im Norden und Hauptverantwortliche fÃ¼r die Logistik-Drehscheibe Camp Marmal/Mazar kÃ¤men damit besondere Herausforderungen zu. Wie das bewÃ¤ltigen und gleichzeitig noch den UN-Auftrag (FÃ¶rderung eines sicheren Umfeldes) erfÃ¼llen, ist das groÃŸe RÃ¤tsel!</p>
<p>12-15 Monate brauche die RÃ¼ckverlegung des Materials; 12 Monate, wenn das LiegenschaftsgerÃ¤t hier bliebe; 16 Monate, wenn alles rÃ¼ckgefÃ¼hrt wÃ¼rde. Beispiel der Niederlande: RÃ¼ckgefÃ¼hrt werden mussten 2010 aus Uruzgan im SÃ¼den 2000 Soldaten, 1.500 Container und 500 Fahrzeuge. Hiermit waren 600 Logistikpersonal beschÃ¤ftigt. Die Bundeswehr hat viermal so viele Container und Fahrzeuge im Land (6.000/ 2.000), die NATO ca. 70.000 Fahrzeuge und 125.000 Container. Der dt. Bedarf an Logistikpersonal wird die NL-GrÃ¶ÃŸenordnung Ã¼berschreiten. Knackpunkt: Woher diese KrÃ¤fte angesichts sinkender Obergrenze? Aus den operativen KrÃ¤ften fÃ¼r den eigentlichen Auftrag? Oder Beschluss eines Extra-Mandats? Die genauere Planung wird erschwert durch die bisher offene, von der Politik zu beantwortende Frage nach dem internationalen und deutschen UnterstÃ¼tzungsengagement nach 2014: Wie lautet der genauere Auftrag auf den Feldern Aufbau und Entwicklung, FÃ¶rderung von RegierungsfÃ¤higkeit und ANSF-UnterstÃ¼tzung (Berater, UnterstÃ¼tzung in MangelfÃ¤higkeiten wie LuftaufklÃ¤rung, Lufttransport, LuftnahunterstÃ¼tzung)? Was ist nÃ¶tig zu wirksamer AuftragserfÃ¼llung und Notfallabsicherung eigener militÃ¤rischer, aber auch polizeilicher und ziviler KrÃ¤fte? Welche FÃ¤higkeiten und KrÃ¤fte benÃ¶tigen die verschiedenen Ressorts? Daraus lieÃŸe sich dann der Materialbedarf ableiten und entscheiden, was bleibt und was zurÃ¼ckgeht.</p>
<p><strong>RÃ¼ckzug aus der FlÃ¤che</strong></p>
<p>USA, NOR, SWE, DEU reduzieren ihre KrÃ¤fte, ziehen sie aus dem Osten und Westen ab und konzentrieren sie im Zentrum der Nordregion. Diese Konzentration geht einher mit einem enormen Ausbau des US-Teils von Camp Marmal, das ungefÃ¤hr verdoppelt wird. Von der Aussichtsplattform aus gesehen reicht das nach Westen erweiterte Camp fast bis zum Horizont. Zu hÃ¶ren ist auch, dass die USA ein â€žmandatsÃ¼bergreifendes&quot;, von einem Zweisterne-General gefÃ¼hrtes Kommando nur fÃ¼r Spezialoperationen aufbauen.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em>: <em>Anfang Juni wandelte NOR sein bisheriges PRT Maimanah in der Provinz Faryab (Nordwest) um in die â€žTransition Support Group Faryab&quot;. Am 19. August beendet die TSG-F ihren Auftrag und baute Maimanah ab.</em></p>
<p><em>Im August Ã¼bergaben die USA ihre Basen Ghormach und Qaisar westlich Maimanah an die ANSF und zogen damit aus dem Westen ab.</em></p>
<p><em>Am 16. Oktober Ã¼bergab DEU die Liegenschaft des frÃ¼heren PRT Feyzabad an die afg. Bereitschaftspolizei ANCOP. Damit sind in den Nordostprovinzen Badakhshan und Takhar keine ISAF-KrÃ¤fte mehr dauerhaft stationiert. In zwei Drittel der Nordregion tragen die ANSF jetzt die Sicherheitsverantwortung.</em></p>
<p><em>Ungarn wollte das von ihm gefÃ¼hrte PRT Pul-e Khumri/Baghlan am strategisch wichtigen Kunduz-Baghlan-Korridor eher verlassen, behÃ¤lt aber nun die PRT-FÃ¼hrung mit dt. UnterstÃ¼tzung bis MÃ¤rz 2013. Im Laufe 2013 soll der BundeswehrstÃ¼tzpunkt Kunduz geschlossen werden, vorher OP North in Baghlan.</em></p>
<p><em>FÃ¼r nach 2014 soll die Obama-Administration eine TruppenstÃ¤rke von 6.-9.000 planen, nachdem hÃ¶here Kommandeure fÃ¼r eine GrÃ¶ÃŸenordnung von 15.000 votiert hatten. Die meisten sollen in der NÃ¤he der Hauptstadt stationiert sein. (Los Angeles Times 11.12.2012)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Einsatzgeschwader Mazar</span></strong></p>
<p>Bedrohungslage fÃ¼r Luftfahrzeuge: In 2011 mehr als 1000 FÃ¤lle von Kleinwaffenbeschuss (SAFIRE), in der Masse nicht gelenkt, der Einsatz von MANPADS wurden nicht nachgewiesen.</p>
<p>2007 gab es auf dem Flughafen Mazar 12.680 Flugbewegungen, 2011 86.000. 300-350 Flugbewegungen pro Tag, 7% zivil, 93% militÃ¤risch. Im April allein Ã¼ber 10.000. Auf dem militÃ¤rischen Teil des Flughafens herrscht inzwischen Platznot.</p>
<p>In das militÃ¤rische Intra-Theatre-Airlift-System bringt DEU 325 Flugstunden ein, d.h. 52% des gesamten ISAF-Lufttransport (FRA 11,3%, USA 10,4%). FÃ¼r die sieben C-160 Transall sind limitierende Faktoren HÃ¶he, Hitze (in Kabul max. 32%) und die fehlende Nachtsichtausstattung. HierfÃ¼r ist die Beschaffung eingeleitet.</p>
<p>Die sechs hier stationierten CH-53 -GS (davon einer ausgestattet fÃ¼r Medizinische Evakuierung(MedEvac) sind speziell fÃ¼r AFG ausgerÃ¼stet. Die Bundeswehr verfÃ¼gt Ã¼ber insgesamt 20 GS. Nach 200 Flugstunden mÃ¼ssen sie zur Ãœberholung nach DEU. Im Jahr sind acht solcher Transfers notwendig.</p>
<p>Ãœbung MedEvac, die alle drei Wochen stattfindet: Mit dabei ist auch niederlÃ¤ndisches Personal. In Transall und CH-53 jeweils fliegende Intensivstationen. Die Blackhawks der US sind kleiner und leichter, ohne Arzt an Bord. Die Devise ist: Schnell raus mit den Verwundeten. In 15 Minuten ist die Maschine nach Alarm oben (CH-53 in 30 Min.). FÃ¼r Hin- und RÃ¼ckflug sind jeweils maximal 22,5 Min. angesetzt.</p>
<p><strong>Unbemanntes AufklÃ¤rungssystem (UAS) Heron</strong> <strong>1</strong>: Beginnend MÃ¤rz 2010 wurden das aus Israel geleaste AUS mit drei Drohnen in Mazar stationiert. Das System dient der EchtzeitaufklÃ¤rung vor allem zum Schutz eigener KrÃ¤fte. Weitere Aufgaben sind Vorbereitung von Operationen, Lagebeurteilung, Beobachtung der AktivitÃ¤ten von gegnerischen KrÃ¤ften, Ziel- und WirkungsaufklÃ¤rung, humanitÃ¤tre Hilfe + Schadenserfassung bei Katastrophen. Es kann technisch Ã¼ber 30 Stunden in der Luft sein, laut Vorschrift maximal 27, real ca. 23 Stunden. AblÃ¶sungen in der Luft ermÃ¶glichen lÃ¤ngere Beobachtungszeiten. Bei einer FlughÃ¶he von 3000 m (maximal 7600) ist Heron vom Boden aus nicht zu sehen und nicht zu hÃ¶ren. Heron beobachtet immer im Winkel. So sind Objekte und Bewegungen besser erkennbar. Pro Tag werden von den insgesamt drei Heron der Bundeswehr zwei bis fÃ¼nf Missionen geflogen. Die insgesamt sechs Bediener- und Auswertecrews in der Auswertestation im Camp Marmal wechseln alle vier Stunden. Die US-StreitkrÃ¤fte planen ihre FlugeinsÃ¤tze 72 Stunden vorher, die liegen dann fest. Heron 1 als <em>National Asset</em> kann viel kurzfristiger beauftragt werden, ist sehr flexibel. Auf dem Bildschirm sehe ich einen Kreisverkehr, Kfz, RÃ¤der, Personen. Letztere sind aber nicht identifizierbar. Wetter und Winde sind Haupteinsatzhindernisse.</p>
<p>BedarfstrÃ¤ger kÃ¶nnen direkt Ã¼ber Laptop mitsehen, Ã¼ber Roversystem sogar auch eine Patrouille. Ausgebildete Luftbildauswerter analysieren die Aufnahmen. Die PowerpointprÃ¤sentation mit Daten kann in zwei, drei Minuten fertig sein.</p>
<p>GegenÃ¼ber von Heron 1 stehen in der Halle einige US-Predator-Kampfdrohnen.</p>
<p><em>Die neueren technischen AufklÃ¤rungsmittel PTDS und Heron-1 sind beeindruckend. Wo fast lÃ¼ckenlos Bewegungen von Personen und Fahrzeugen beobachtet werden kÃ¶nnen, kÃ¶nnte man meinen, man wÃ¼sste jetzt so richtig Bescheid. Von der komplexen afg. Gesellschaft, von den stÃ¤ndigen Auseinandersetzungen und VerÃ¤nderungen in ihr, von der â€žnichtkinetischen&quot; Wirkung eigener MaÃŸnahmen weiÃŸ man dadurch natÃ¼rlich keinen Deut mehr. Wie steht es um diese Art von AufklÃ¤rungsfÃ¤higkeit, um Interkulturelle Kompetenz und Einsatzberater? Wie steht es um die Bereitschaft von Kommandeuren und Zivilexperten, deren Erkenntnisse ernst zu nehmen - zumal solche Erkenntnisse oft verkomplizierend sind?</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Senior Civilian Representative (SCR) und Entwicklungszusammenarbeit</span></strong></p>
<p>Im September 2009 umfasste der VorlÃ¤ufer des SCR, der Political Adviser des dt. Kommandeur des RC North, einen AA-Beamten des HÃ¶heren Dienstes. Er war zugleich Vertreter der Dt. Botschaft im Norden. Wenn er im Urlaub war, war die Funktion vakant. Im August 2010 umfasste die neu eingerichtete Funktion des Senior Civilian Representative drei AA-Beamte. Inzwischen ist der Stab auf elf Mitarbeiter angewachsen, darunter vier Internationale (FIN, KROA, NL, SWE). Angesichts der FÃ¼lle, der Bedeutung und des Zeitbedarfs der politischen Aufgaben, der Vielzahl an - oft wechselnden - Akteuren ist die politische SÃ¤ule personell immer noch unterausgestattet.</p>
<p><em>Dass dieses strategische FÃ¤higkeitsdefizit Ã¼ber die Jahre in der deutschen Ã–ffentlichkeit nicht kritisiert (man vergleiche die Medienresonanz bei AusrÃ¼stungsmÃ¤ngeln der Bundeswehr) und von Koalitionsmehrheiten im Bundestag hingenommen wurde, zeigt, wie unterentwickelt und einseitig das VerstÃ¤ndnis von Krisenengagements lange Zeit war.</em></p>
<p>Der StabilitÃ¤tspakt AFG des AuswÃ¤rtigen Amtes umfasst mehrere GroÃŸprojekte: Das Balkh-Hospital, der Neubau des Zivilflughafens Mazar, die Verwaltungswissenschaftliche FakultÃ¤t an der Balkh-UniversitÃ¤t.</p>
<p>Im Kontext der dt. EZ arbeiten in Mazar 60 internationale und 320 lokale MitarbeiterInnen.</p>
<p>Inhaltliche Schwerpunkte der dt. EZ sind: Wasser (v.a. Trinkwasserversorgung), Energie (Wasserkraftwerke, StromÃ¼bertragung), Wirtschaft (Aufbau von Wirtschaftsinstitutionen, FÃ¶rderung Mikrofinanzwesen und kleine/mittlere Unternehmen, Infrastruktur), Grund- und berufliche Bildung, gute RegierungsfÃ¼hrung und Rechtsstaatlichkeit.</p>
<p>Unzureichende und schlechte Verwaltung sei der grÃ¶ÃŸte Mangel. Hieran zu arbeiten, sei besonders wichtig.</p>
<p>Viel investiert werde in Bildung, Berufsbildung, Energie - aber das wie die StÃ¤rkung lokaler Strukturen insgesamt wirke erst langfristig. Hier sei man mit einer Vielfalt von Konfliktursachen konfrontiert, wobei Armut nicht die Hauptursache sei. EntwicklungsmaÃŸnahmen beeinflussen eine Konfliktdynamik, wirken aber nur sehr langfristig. EZ kÃ¶nne Sicherheit nicht kaufen und mangelnden Reformwillen nicht ersetzen. EZ kÃ¶nne aber Reformprozesse unterstÃ¼tzen. Das Land kÃ¶nne nur langsam besser werden - aber schnell schlechter!</p>
<p>Enabler sind Ã¼ber lÃ¤ngere Zeit auch fÃ¼r die zivile Seite notwendig. Dabei solle man sich aber auf wenige Punkte konzentrieren.</p>
<p><em>(Erinnert sei hier an den World Development Report 2011 â€žConflict, Security and Development&quot; der Weltbank Ã¼ber internationale Erfahrungen mit der Transformation von Institutionen im 20. Jahrhundert: Bei den schnellsten zwanzig LÃ¤ndern dauerte es mit der Entwicklung von VerwaltungsfÃ¤higkeit im Durchschnitt 20 Jahre, mit der Kontrolle von Korruption 27 Jahre, mit Rule of Law 41 Jahre.)</em></p>
<p>Insgesamt sei Balkh aber eine Modellregion. Im Zentrum entwickle sich die Nordregion am besten, an der Peripherie werde es schwieriger. FÃ¼r den Ãœbergang 2014 sei es von elementarer Bedeutung, wieweit die â€žEliten&quot; bis dahin einen Ausgleich finden.</p>
<p>Die Festlegungen der Ãœbergabe-Tranchen seien in erster Linie â€žpolitische Entscheidungen&quot;.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Expandierende Polizeiausbildung</span></strong></p>
<p>Im Sommer 2008 erlebte ich beim Besuch von AuÃŸenminister Steinmeier die Grundsteinlegung zum Police Training Center direkt ostwÃ¤rts neben Camp Marmal bei Mazar-e Sharif. Einige Wochen spÃ¤ter standen schon die ersten GebÃ¤ude im Rohbau. Damals, sechs (!) Jahre nach ihrem Start, bekam die deutsche Polizeiaufbauhilfe endlich einen quantitativen Schub. Vier Jahre spÃ¤ter ist das Ausbildungszentrum enorm expandiert und beherbergt auf 500 x 1000 m das Regional Police Training Center North (RPTC) mit der Nebenstelle der Kabuler National Police Academy.Â  Einen halben Tag verbringe ich bei den gastfreundlichen Beamten des German Police Project Teams (GPPT). Im Rahmen des GPPT arbeiten hier allein knapp 90 deutsche Polizeibeamte, darunter sechs Polizistinnen, inzwischen vor allem als Mentoren und Berater. (61 im RPTC, 15 Administration) An der Polizeiakademie arbeiten 27 dt. Polizeiberater. Von den Polizisten in Mazar kommen 37 von der Bundespolizei, 13 aus NRW, je 6 aus Bayern und Niedersachsen, je 5 aus Berlin und Hessen, 4 aus Rheinland-Pfalz, 3 aus ThÃ¼ringen, je 2 aus Baden-WÃ¼rttemberg, Sachsen und BKA, je 1 aus Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, niemand aus Brandenburg (grundsÃ¤tzlich), aus Bremen, Hamburg, Saarland, Sachsen-Anhalt. Sie werden unterstÃ¼tzt von 47 lokalen Ãœbersetzern.</p>
<p>Die TrainingskapazitÃ¤ten wachsen auf: in Mazar von 400 in 2011 auf 1.400 (davon 600 Akademie) im Juni 2012, in Kunduz von 120 auf 530. Landesweit wird die polizeiliche Breitenausbildung von bisher 37 Police Training Centers in den RPTC West, South, East, North (mit AuÃŸenstellen in Kunduz, 540 PlÃ¤tze, und Badakhshan, 80 PlÃ¤tze), dem National PTC Wardak und einem PTC in Helmand konzentriert. Zusammen mit der Polizeiakademie (2.250 PlÃ¤tze) stehen dann 16.000 AusbildungsplÃ¤tze zur VerfÃ¼gung. Zu bedenken ist, dass einfache Polizisten und Unteroffiziere auf fÃ¼nf Jahre verpflichtet sind, Offiziere auf zehn Jahre.</p>
<p>Auf einem Ãœbungsplatz beobachte ich PolizeischÃ¼ler beim Ãœben einer Fahrzeugkontrolle. In der achtwÃ¶chigen Grundausbildung ist 70% Praxis. Bei ca. 70% der Ausbildung geht es um ÃœberlebensfÃ¤higkeit. Um der InnentÃ¤tergefahr vorzubeugen, haben die PolizeischÃ¼ler nur Holzgewehre.</p>
<p>In einer Uffz-Klasse halte ich eine kurze Ansprache. Die hier brav sitzenden jungen Polizisten sind zugleich begeisterte FuÃŸ- und Volleyballspieler. Die deutschen Polizisten wÃ¼rden ihnen gegenÃ¼ber gnadenlos verlieren.</p>
<p>Wir besuchen auch eine KindertagesstÃ¤tte mit ca. 20 Kindern der im RPTC beschÃ¤ftigten Frauen. Die Einrichtung haben die deutschen PolizistInnen gesponsert. Eine ulkige Szene ergibt sich, als vor der Kamera zwei lachende Polizistenpakete neben einem Jungen in die Knie gehen - drei strahlende Glatzen. DrauÃŸen sind die PolizeischÃ¼ler unterwegs zum Mittagessen. Am laufenden Band freundliche BegrÃ¼ÃŸungen zwischen den afghanischen und deutschen Kollegen.</p>
<p>Hauptzielgruppe des GPPT ist die Afghan Uniform Police (AUP), die allgemeine Polizei. FÃ¼r die paramilitÃ¤rische Bereitschaftspolizei ANCOP sind Trainer der European Gendamerie Force zustÃ¤ndig, ausdrÃ¼cklich nicht die dt. Polizisten. Seit April 2011 hat sich das Aufgabenprofil der deutschen Polizeiberater deutlich verschoben: Weg vom direkten Training hin zum Mentoring der afg. Ausbilder, von Polizisten in Stabs- und Verwaltungsfunktionen, zur Verbesserung der AusbildungsqualitÃ¤t und UnterstÃ¼tzung der ProfessionalitÃ¤t. Entscheidend sei, dass die Trainer eigenstÃ¤ndig wÃ¼rden, sich Gedanken machen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung:</span></em><em>PTC an das afg. Innenministerium. Seit September ist kein deutscher Polizist mehr vor Ort. Insgesamt wurden 2012 in den von DEU errichteten PTC und Schulen mehr als 10.000 Polizisten ausgebildet, darunter Ã¼ber 750 Polizeitrainer. Lt. â€žFortschrittsbericht AFG&quot; der Bundesregierung vom November 2012 ist DEU damit der grÃ¶ÃŸte Akteur im Bereich der Trainerausbildung. (</em><a href="http://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/632316/publicationFile/174653/121128_Fortschrittsbericht_2012.pdf"><em>www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/632316/publicationFile/174653/121128_Fortschrittsbericht_2012.pdf</em></a></p>
<p>Seit 2009 beteiligte sich DEU an dem von den USA initiierten umfassenden Programm zur gezielten Ausbildung und Begleitung ganzer Distrikt-Polizeien (<em>Focused District Development/FDD</em>). Seit 24. Oktober 2011 sind dt. Polizisten nicht mehr an FDD beteiligt. Eigentlich sei es ein gutes Programm gewesen. Es brauchte aber viel Personal, insbesondere die von Soldaten begleiteten Ausfahrten in die Distrikte (je vier Polizisten und FeldjÃ¤ger, zwei Sprachmittler + Schutzkomponente). Der Sinn von FDD wurde auch dadurch infrage gestellt, dass Polizeichefs und Polizisten immer wieder schnell versetzt wurden und so ein kontinuierliches Mentoring untergraben wurde.</p>
<p>Als Handicap der dt. Polizeihilfe bleibt: Wo die Begleitung nach den relativ sehr kurzen Trainingskursen entfÃ¤llt, wo es keine Beratung am Arbeitsplatz gibt, ist die â€žRÃ¼ckfallquote&quot; hoch und die Chance auf nachhaltige Wirkung viel geringer. Was bleibt von der Ausbildungsinvestition in den PTC`s?</p>
<p>(<em>Im Mai 2012 betrug der Personalschwund der ANP -1.400, d.h. ca. 1% der GesamtstÃ¤rke</em>.)</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em>: <em>Offen bleibt, wie die militÃ¤rischen Police Advisor Teams der US-StreitkrÃ¤fte wirken, die noch das Mentoring in der FlÃ¤che praktizieren. Offen bleiben die Parallelstrukturen auÃŸerhalb der ANP: Village Stability Operations + Afghan Local Police (ALP), Critical Infrastructure Protection Program (CIPP), â€žungesetzliche Milizen&quot;. Der Halbjahresbericht des Pentagon â€žon Progress Toward Security and Stability in AFG&quot; vom Dez. 2012 bringt eine Ãœbersicht zur ALP in 137 Distrikten landesweit. Demnach umfasste die ALP in den Distrikten Kunduz Stadt 225, Chara Darah 280, Imam Shahib 295, Dashte Archi 230, in zwei Distrikten von Takhar insgesamt 600, in Pul-e Khumri/Baghlan 321 etc. (</em><a href="http://www.defence.gov/news/1230_Report_final.pdf"><em>www.defence.gov/news/1230_Report_final.pdf</em></a><em> )Das CIPP lief offiziell am 30.9.2012 aus. Ein Teil wurde von der ALP Ã¼bernommen. Das hartnÃ¤ckigste und andauerndste Problem sind die ungesetzlichen Milizen. Lt. Vorsitzendem des High Peace Council sollen diese Milizen allein in der Provinz Kunduz ca. 4.500 Mann umfassen. Im September gab es mehrere blutige ZwischenfÃ¤lle mit ihnen - und in Kunduz Proteste fÃ¼r ihre Entwaffnung. </em><em>(vgl. Bei Afghanistan Analysts Network Gran Heward: Legal, illegal: Militia recruitment and (failed) disarmament in Kunduz, 10.11.2012, </em><a href="http://www.aan-afghanistan.con/print.asp?id=3108"><em>www.aan-afghanistan.con/print.asp?id=3108</em></a><em> )</em></p>
<p><strong>Bewerberlage</strong> bei GPPT: Sie sei ausgezeichnet. 90% der Kurzzeittrainer hÃ¤tten verlÃ¤ngert. Seit 1. Januar 2012 geht das aber nicht mehr. Einige Absolventen der AFG-Kurse an der Bundespolizeiakademie seien jetzt in der Warteschleife. Ich frage nach dem persÃ¶nlichen Gewinn des Einsatzes: Die Aufgaben seien hier viel breiter als in der Heimat. Man mache hier mehr Erfahrungen als in vier Jahren zu Hause. Es bringe mehr Selbstverwirklichung im Beruf. FÃ¼r polizeiliche FÃ¤higkeiten im engeren Sinne sei er Einsatz kein besonderer Gewinn. Da sei ein FBI-Besuch ergiebiger. Die KarrierevertrÃ¤glichkeit sei unterschiedlich. Wer bei der Bundespolizei im hÃ¶heren Dienst was werden wolle, mÃ¼sse ein Jahr im Ausland gewesen sein. In den LÃ¤ndern und Dienststellen gebe es eher die Ã¼blichen VorwÃ¼rfe (â€žDu machst Geld und Urlaub, wir mÃ¼ssen deine Arbeit machen&quot;).</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">ANA-UnterstÃ¼tzung</span></strong></p>
<p>Mit dem Hubschrauber-Shuttle geht's mit Weste und Helm vom Camp Marmal in acht Minuten zum Camp Mike Spann westlich von Mazar. (Mike Spann war der erste alliierte Soldat, der im Rahmen der Operation Enduing Freedom am 25.11.2001 in Afghanistan fiel.) Rechter Hand das Flugfeld mit 23 (!) US-Hubschraubern. Die seit 2010 insgesamt ca. 70 Hubschrauber fÃ¼r AufklÃ¤rung, Kampf und Transport sind die Vorrausetzung dafÃ¼r, dass die ISAF-Einheiten seit 2010 einen viel weiteren Operationsradius haben. Allein 15 stehen fÃ¼r <em>Foward Air MedEvac</em> zur VerfÃ¼gung. GesprÃ¤ch mit dem Kommandierenden General des 209. ANA-Korps, General Weza, zustÃ¤ndig fÃ¼r die ganze Nordregion: Mentoren gebe es zu wenige; im Brennpunkt Ghormach im Westen sei bisher nur ein Kandak stationiert. Dort brauche er vor allem schwere Waffen. Das sei in Kabul zu entscheiden. Als Gastgeschenk Ã¼berreicht er mir einen Chapan (von PrÃ¤sident Karzai bevorzugter grÃ¼ner Umhang).</p>
<p>Im Sommer 2008 war ich im Kontext des Steinmeier-Besuches erstmalig hier. Damals umfasste die ANA 16.000 Soldaten, heute sind es Ã¼ber 170.000.</p>
<p>In GesprÃ¤chen mit deutschen Mentoren bekomme ich Einblicke in die Arbeit der deutschen OMLT und ihre Erfahrungen mit den FÃ¤higkeiten und Begrenzungen der afghanischen Armee. Beim Korps sind um die 50 dt. Mentoren in fast allen Stabsabteilungen. Vergleichbare Teams gibt es bei der 3. Brigade und bei der 2. Brigade in Kunduz. Wenn die Norweger im Oktober Maimanah verlassen, gebe es bei der dortigen 1. Brigade keine internationalen Mentoren mehr. Das werde sich auf die OperationsfÃ¼hrung auswirken. BezÃ¼glich Lagebild sei man dann auf technische AufklÃ¤rung und die Afghanen angewiesen. (Dasselbe gilt fÃ¼r den Osten). Falsch sei, hier alles durch die deutsche Brille zu sehen. Es fange damit an, dass viele nicht Lesen und Schreiben kÃ¶nnen. Die Basisausbildung sei zentral. Auf Korps- und Brigadeebene sei die PlanungsfÃ¤higkeit brauchbar, auch die Zusammenarbeit mit ANP und ISAF. Insofern kÃ¶nne <em>Afghan Lead</em> umgesetzt werden. (Wenn ich diese Aussagen mit denen vor vier Jahren vergleiche, scheinen Welten dazwischen zu liegen.)</p>
<p>Allerdings sehe die ANA die Hold-Phase bei der Counterinsurgency nicht als ihre, sondern der ANP Aufgabe an. Die Begeisterung der ANP fÃ¼r Hold sei begrenzt.</p>
<p>Die Internationale Gemeinschaft habe eine Kultur der AbhÃ¤ngigkeit geschaffen. Die USA stellten Material en masse vor die TÃ¼r, z.T. von Ã¼berhÃ¶htem Niveau, das eigenstÃ¤ndig nicht betrieben und erhalten werden kann. Wenn ein Ford Ranger defekt sei, gebe es einen neuen. Am Aufbau der Logistik werde krÃ¤ftig gearbeitet. Das seien dicke Bretter. (Die Bundeswehr unterstÃ¼tzt seit 2008 die Logistikschule in Kabul, die seit 2011 EinsatzunterstÃ¼tzungsschule heiÃŸt. 79 dt. Mentoren sind fÃ¼r die Schule eingeplant, an der bis zu 3.000 Soldaten und Polizisten ausgebildet werden kÃ¶nnen.)</p>
<p>Die MentalitÃ¤t insgesamt sei wenig initiativ, Ã¼berwiegend reaktiv. Notwendig sei ein ressortÃ¼bergreifendes Ausbildungskonzept Ã¼ber 2014 hinaus.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Bildung, Bildung, Bildung</span></strong></p>
<p>Als VIP-Besucher bewegt man sich fast nur innerhalb der militÃ¤rischen Feldlager. FÃ¼r den Besuch einzelner, von Deutschland unterstÃ¼tzter Aufbauprojekte komme ich raus aus der ISAF-Kleinstadt, nÃ¤her ran an das alltÃ¤gliche Afghanistan. Von auÃŸen erscheint Camp Marmal schnell als Raumschiff, als fremder Planet. Mazar boomt weiter. Im abenteuerlichen StraÃŸenverkehr gibt's alle paar Minuten ÃœberholmanÃ¶ver bei Gegenverkehr. Hier erlebe ich so viele brenzlige Situationen wie in Deutschland kaum in einem Jahr. Ich vermute, dies sind die gefÃ¤hrlichsten Momente meines Afghanistanaufenthaltes. Der afghanische Fahrer fÃ¤hrt aber so forsch-gekonnt, dass ich mich gut geborgen fÃ¼hle. In der ganzen Zeit begegnet uns kein einziges ISAF-Fahrzeug.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Alphabetisierung und â€žnachholende Grundbildung&quot; fÃ¼r Polizisten</span></strong> der ANP: Besuch der</p>
<p>GIZ-PIU (Police Implementation Unit), in der drei afghanische und zwei deutsche MitarbeiterInnen das seit 2009 laufende Programm organisieren. Ca. 70% der afghanischen Polizisten sind Analphabeten. Das Programm fÃ¼r alle 114 lÃ¤ndlichen Distrikte und fast alle stÃ¤dtischen Polizeistationen des ganzen Nordens beinhaltet Kurse von 6-8 Wochen und 6 Monaten. Der 6-Monatskurs schlieÃŸt Basisausbildung in Polizeiaufgaben und -recht, Menschenrechte, Gender, hÃ¤usliche Gewalt, Rule of Law, Gesundheitspflege ein. Ãœber 300 einheimische ehemalige Polizisten und MilitÃ¤rs sowie Zivile arbeiten als LehrkrÃ¤fte. FÃ¼r den Unterricht wurden 95 voll ausgestattete Container-KlassenrÃ¤ume und acht Zelte fÃ¼r unzugÃ¤ngliche Gebiete bereit gestellt. Stolz Ã¼berreicht man mir das erste, von Innenministerium und GIZ herausgegebene Handbuch fÃ¼r Polizeirecht sowie eine LehrbroschÃ¼re fÃ¼r PolizeischÃ¼ler in einfacher Sprache. Seit 2009 haben knapp 13.000 Polizisten in Nord-AFG die 6-Monatskurse durchlaufen. An den Kurzzeitkursen nahmen 6.250 teil.</p>
<p>Dieses Projekt erscheint mir besonders sinnvoll: Es fÃ¶rdert BasisfÃ¤higkeiten bei einer fÃ¼r die Zukunft des Landes besonders wichtigen Personengruppe; die DurchfÃ¼hrung ist geprÃ¤gt von <em>Afghan Ownership</em>. Insgesamt scheinen hier die Voraussetzungen fÃ¼r eine nachhaltige Wirkung am ehesten gegeben zu sein.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: Der Spiegel vom 22.12.2012 (Nr. 52) berichtet, ein Besuch im Polizeitrainingszentrum in Mazar verstÃ¤rke Zweifel am Sinn der dt. Polizeihilfe. Er nimmt das Urteil eines GdP-Vorstandsmitglieds in die Ãœberschrift â€žWeder sinnvoll noch nachhaltig.&quot; Wer wollte die genannten Zweifel bestreiten. AuffÃ¤llig ist aber die oberflÃ¤chliche Einseitigkeit des Spiegel-Reporters: Kein Wort, dass die dt. Ausbildung von einfachen Polizisten nicht vor zehn Jahren, sondern 2008 begann. Kein Wort zum o.g. Alphabetisierungsprogramm.</em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">FÃ¶rderung von Rechtsstaatlichkeit/Rule of Law</span></strong><span style="text-decoration: underline;"> </span></p>
<p>Die GIZ unterstÃ¼tzt den Aufbau von Rechtsberatungsstellen (Rechtshilfe fÃ¼r Arme), der Rechtsanwaltskammer, die Vernetzung junger JuristInnen, die RechtsaufklÃ¤rung (u.a. Ã¼ber Radios), die gemeinsame KonfliktlÃ¶sung zwischen BevÃ¶lkerung und BehÃ¶rden. Beim Treffen der dt. Entwicklungsexperten erfahre ich NÃ¤heres zu den â€žHuquq&quot;, BÃ¼ros zur zivilen Streitschlichtung. Zivile Streitschlichter gibt es schon seit Jahrhunderten. Als Teil des informellen Sektors sind sie aber in der Verfassung nicht anerkannt. Sie sind angesiedelt auf der Distriktebene und zustÃ¤ndig vor allem fÃ¼r StreitfÃ¤lle um Land, Lohn, Familienfragen. In den Aufgaben besteht eine gewisse Ãœberlappung mit den Shuren, mit denen auch zusammengearbeitet wird. Die Korruption sei das vorherrschende Problem. Sie sei nie so verbreitet gewesen wie jetzt. Die Ã¤ltere Generation kenne noch was anderes. JÃ¼ngere seien daran gewÃ¶hnt. Zugleich sei ein Wechsel der Generationen spÃ¼rbar. JÃ¼ngere hÃ¤tten einen ganz anderen Zugang zu Informationen, seien international orientiert. Manche Studierende kÃ¶nnten besser sein als ihre Professoren.</p>
<p>Wo es an Rechtsbildung fehle, vor allem in entlegenen Gebieten, da werde besonders auf das traditionelle Recht zurÃ¼ckgegriffen. Es gebe eine Sehnsucht zu wissen, was wirklich Recht sei. RechtsaufklÃ¤rung und -bildung sei zentral. Die geschehe nur durch Einheimische. Da gebe es keinen â€žRechtsimport&quot;. Trainer seien ausschlieÃŸlich afghanische Juristen. Unter denen gebe es wirklich gute Leute. Diese erstellen die Materialien. Die Internationalen lesen gegen, sorgen fÃ¼r Druck und Verteilung. Im Auftrag der GIZ arbeiten insgesamt ca. 60 Personen im Bereich RoL, davon zzt. fÃ¼nf Internationale.</p>
<p>Â </p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Das <strong>Teacher Training College</strong></span> in Mazar besuche ich jetzt zum vierten Mal seit 2008. Die mit deutschen Mitteln errichtete Einrichtung wird inzwischen von 4000 Studierenden besucht. Hier erlebe ich wie bei den vorherigen Besuchen bei meinen jÃ¼ngeren Kollegen eine enorme Motivation fÃ¼r ihren Beruf. Vor einer Klasse mit ca. 30 jungen Frauen und MÃ¤nnern bekrÃ¤ftige ich, dass das Abzugsjahr 2014 nicht falsch verstanden werden darf. Es gilt fÃ¼r die Masse der internationalen Truppen. Die Aufbauhilfe soll und muss bleiben!</p>
<p>Â </p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">StÃ¤rkung der Verwaltungsausbildung</span></strong> in AFG</p>
<p>Die GIZ unterstÃ¼tzt vor Ort mit vier internationalen Mitarbeitern den Aufbau von FakultÃ¤ten fÃ¼r Verwaltungswissenschaften und die EinfÃ¼hrung verwaltungswissenschaftlicher Bachelor-StudiengÃ¤nge an den UniversitÃ¤ten Balkh in Mazar-e Sharif, Kabul, Herat, Kandahar und Nangarhar in Jalalabad. Zielgruppe sind kÃ¼nftige FÃ¼hrungskrÃ¤fte in der Verwaltung. Das Curriculum wurde vom Hochschulministerium bestÃ¤tigt. Im April und im August fanden erste Coaching fÃ¼r Uni-Dozenten statt, im September eine erste Sommerakademie in der TÃ¼rkei. Auf deutscher fachlicher Seite lÃ¤uft die UnterstÃ¼tzung Ã¼ber ein Konsortium von Uni Potsdam, Erfurt (Public Policy), TU Berlin und Max-Planck-Institut fÃ¼r auslÃ¤ndisches Ã¶ffentliches Recht und VÃ¶lkerrecht in Heidelberg. In Mazar haben sich inzwischen 200 Studierende eingeschrieben, in Herat 400, in Kabul 100, in Jalalabad 50; Kandahar startet 2013.</p>
<p>Die systematische Korruption kÃ¶nne man von auÃŸen kaum bekÃ¤mpfen. Bei diesem Projekt setze man darauf, dass sich bei den jungen Leuten ein Geist von staatlicher Dienstleistung entwickle. Dabei gebe man das VerhÃ¤ltnis von Modernisierung und Tradition nicht vor. â€žDer Aufbau des Studienganges soll etwas EigenstÃ¤ndiges sein. Wir lassen die Afghanen selber machen, geben jedoch fachliche und organisatorische UnterstÃ¼tzung.&quot; Geduld sei angebracht. SpÃ¼rbare Wirkungen gebe es erst in 10, 15 Jahren, wenn die Hochschulabsolventen in den Ã¶ffentlichen Dienst Ã¼bernommen sind, FÃ¼hrungsfunktionen eingenommen haben und den Reformprozess flÃ¤chendeckend selbstÃ¤ndig weiterfÃ¼hren. Die Studierenden seien sehr lernwillig, die Aufnahme der internationalen Partner vollkommen freundlich.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Gute Nachricht - wer hÃ¶rt sie?</span></strong></p>
<p>Im Vorbeifahren sehe ich noch im Zentrum das groÃŸe GebÃ¤ude des Regional Hospital Mazar-e Sharif, springe raus und fotografiere. Das Hospital ist so eine Art Camp Marmal fÃ¼r das Gesundheitssystem der ganzen Nordregion mit seinen sechs Millionen Einwohnern. Es verfÃ¼gt Ã¼ber 500 Betten, 21 Intensivbetten und sieben OperationssÃ¤le. Das nÃ¤chste Krankenhaus dieser Art ist in Kabul 430 km entfernt jenseits des Hindukusch. Das u.a. mit 13 Mio. Euro des AA nach einem Brand 2006 wieder aufgebaute und erweiterte Hospital wird am 12. Mai feierlich erÃ¶ffnet. Schweden finanzierte einen Lehr- und Ausbildungstrakt. Weitere 3 Mio. Euro gehen in MaÃŸnahmen des Capacity Building (Training fÃ¼r das Hospitalpersonal und Management). Ich bin gespannt ob diese, fÃ¼r die afghanische BevÃ¶lkerung wichtige und hoffnungsvolle Nachricht in deutschen Medien auftaucht - oder mehr oder weniger Ã¼bergangen wird. Es wÃ¤re ja keine bad news.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Aktualisierung</span></em><em>: An der feierlichen ErÃ¶ffnung am 12. Mai nahmen die Gesundheitsministerin Suraya Dalil, Provinzgouverneur Attah Mohammad Noor und der dt. Botschafter RÃ¼diger KÃ¶nig teil. Die afg. Medien berichteten umfassend. Die deutschen mit keinem Bild und keiner Zeile. Den Bericht auf meiner Homepage Ã¼berschrieb ich deshalb mit â€žAlles gut gelaufen, kein Anschlag - keine Nachricht?! Balkh Hospital in Mazar feierlich erÃ¶ffnet.&quot; (</em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/1138"><em>www.nachtwei.de/index.php/articles/1138</em></a><em>)</em></p>
<p>Â </p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Muntere Mischung</span></strong></p>
<p>Am letzten Abend habe ich das GlÃ¼ck, bei einem Abschiedsabend fÃ¼r einen RoL-Experten dabei zu sein. Mehr als zwanzig EZ-MitarbeiterInnen sind gekommen. Weitere Einblicke und EindrÃ¼cke ergeben sich, zum Beispiel:</p>
<p>- Einer mit zwanzigjÃ¤hriger AFG-Erfahrung konstatiert irreversible gesellschaftliche VerÃ¤nderungen, kulturell, in der Kommunikation, wo sich Welten verbinden/verwischen, wo nicht mehr ein so strikter Stadt-Land-Gegensatz bestehe. Trotzdem: Entstehung von Staaten brauche Zeit.</p>
<p>- Eine Friedensfachkraft mit Balkanerfahrung nennt als groÃŸes VersÃ¤umnis der EZ, dass die religiÃ¶se Dimension weitestgehend auÃŸen vor gelassen werde. 95% der Mullahs erhielten ihre Ausbildung in Pakistan. Es gebe sehr wohl MÃ¶glichkeiten, mit Mullahs zusammenzuarbeiten.</p>
<p>- Insgesamt ist Konsens, dass die AFG-Wahrnehmung zu Hause in Deutschland pauschal und einseitig negativ sei. Zugleich gibt es aber auch Kritik an einer allgemeinen Verantwortungslosigkeit auf allen Seiten der Internationalen, bei MilitÃ¤rs wie Zivilen: oft gebe es wenig Ahnung vom Land, dafÃ¼r aber ein groÃŸes Interesse, Erfolge zu melden, selbst gut dazustehen. Die allergrÃ¶ÃŸten GegensÃ¤tze seien bestimmte US-Ausbilder und ihre afghanischen Rekruten, beides SÃ¶ldner.</p>
<p>Es ist eine abendliche Gesellschaft, die vÃ¶llig aus dem Rahmen des kriegerischen deutschen Afghanistanbildes fÃ¤llt: Ã¼berwiegend jÃ¼ngere, engagierte Frauen und MÃ¤nner, munter und kundig, eine kommunikative und lachende Runde.</p>
<p>Dass Hunderte solcher Fachleute aus Deutschland zusammen mit 1.500 Einheimischen in Afghanistan fÃ¼r Aufbau und Entwicklung im Auftrag des BMZ arbeiten - wer weiÃŸ das in der Bundesrepublik Ã¼berhaupt?</p>
<p>Auf dem Weg zu der Abschiedsfeier kommen wir an einem VergnÃ¼gungspark mit Karussells vorbei. Begeisterte MÃ¤dchenstimmen sind noch bei beginnender Dunkelheit nicht zu Ã¼berhÃ¶ren.</p>
<p>Â </p>
<p><strong>Schlussbemerkungen</strong></p>
<p>(1) Der <strong>RÃ¼ckzug der internationalen ISAF-Truppen</strong> aus der FlÃ¤che in Afghanistan und die schrittweise RÃ¼ckverlegung in die EntsendelÃ¤nder sind keine PropagandaschimÃ¤re, sondern real und weitestgehend irreversibel: z.B. in der Nordregion nach Ãœbergabe der PRT`s und StÃ¼tzpunkte an die ANSF keine stÃ¤ndige PrÃ¤senz mehr im Osten und Westen der Region, starker RÃ¼ckgang der ISAF-Operationen und afg. FÃ¼hrungsrolle bei allen Operationen im Norden. 2014 laufen alle vÃ¶lkerrechtlichen und vertraglichen Voraussetzungen fÃ¼r internationale StreitkrÃ¤fte in Afghanistan aus. FÃ¼r Art und Umfang einer Nachfolgemission ist von ausschlaggebender Bedeutung, welche Position vor dem Hintergrund der PrÃ¤sidentschaftswahlen im April 2014 und der Parlamentswahlen 2015 beide Staatsorgane dazu einnehmen. (Der Oberste Friedensrat forderte inzwischen, internationale Truppen kÃ¼nftig der Sharia zu unterwerfen.)</p>
<p>(2) Die <strong>Nordregion, insbesondere die Provinz Balkh um Mazar</strong>, ist (neben Herat) die Region mit den meisten Chancen in Afghanistan. In dieser Chancenregion spielt Deutschland nach wie vor neben den USA eine fÃ¼hrende Rolle. Die meisten anderen VerbÃ¼ndeten im Norden hÃ¤ngen bis 2014 an der deutschen FÃ¼hrungsrolle. Angesichts der UnzuverlÃ¤ssigkeit der Transportrouten Ã¼ber Pakistan ist die Nordverbindung Ã¼ber den Baghlan-Kunduz-Korridor und Mazar von besonderer strategischer Bedeutung fÃ¼r die RÃ¼ckverlegung. Sie ist zugleich ein NadelÃ¶hr.</p>
<p>(3) Aus alledem ergibt sich eine <strong>herausragende Mitverantwortung</strong> der Bundesrepublik im Prozess der Ãœbergabe, der RÃ¼ckverlegung - und parallel der verlÃ¤sslichen UnterstÃ¼tzung bis 2014 und danach.</p>
<p>(4) DafÃ¼r, dass die Aufbauhilfe fÃ¼r die ANSF erst 2006 (ANA) und 2008 (ANP) einen echten Schub bekam, sind die <strong>Fortschritte bemerkenswert</strong>. (Die stÃ¤rkere UnterstÃ¼tzung des Verwaltungsaufbaus ist noch jÃ¼ngeren Datums!) Bemerkenswert ist vor allem, dass ANA und ANP lt. BevÃ¶lkerungsumfrage der <em>Asia Foundation</em> von allen Ã¶ffentlichen Institutionen in der BevÃ¶lkerung das hÃ¶chste Vertrauen genieÃŸen. So lange aber der Primat der afg. Politik von schlechter RegierungsfÃ¼hrung geprÃ¤gt wird, sind diese Fortschritte auf Sand gebaut und sehr zwiespÃ¤ltig.</p>
<p>(5) Der <strong>RÃ¼ckgang an SicherheitsvorfÃ¤llen</strong> und bewaffneten Operationen von AufstÃ¤ndischen und internationalen StreitkrÃ¤ften bedeutet noch keine wirkliche Stabilisierung. Vielleicht ist es eher eine Atempause. <strong>Erhebliche Risikofaktoren</strong> sind: das uneingeschrÃ¤nkte Hinterland der AufstÃ¤ndischen in Pakistan; das Chaospotenzial vor allem der illegalen Milizen; die weiterhin blÃ¼hende DrogenÃ¶konomie (von der Staatengemeinschaft und auch der Bundesregierung faktisch seit Jahren ausgeblendet), der nicht in die GÃ¤nge kommende politische Verhandlungsprozess.</p>
<p>(6) <strong>Risikofaktoren auf Seiten der Internationalen Gemeinschaft</strong> sind: Primat innenpolitischer Interessen, woraus SchÃ¶nfÃ¤rberei oder Schwarzmalerei resultiert und eine nÃ¼chtern-realistische Wahrnehmung blockiert wird; der demonstrative Abschied von frÃ¼heren Aufbauillusionen - und das Umkippen in Abzugsillusionen heute; die unausgesprochene, aber faktische Haltung â€žbloÃŸ weg vom Hindukusch!&quot; - ohne RÃ¼cksicht auf Verluste fÃ¼r die afghanischen Menschen, die regionale und internationale Sicherheit. Was tun zur Entwaffnung der Milizen, gegen das Anschwellen von AufstÃ¤ndischenaktivitÃ¤ten in Ghormach, inzwischen sogar Bamyan, was zur Absicherung der Nordroute, wenn die Ungarn sich zurÃ¼ckziehen?</p>
<p>Umso wichtiger sind die FÃ¶rderung einer VerhandlungslÃ¶sung zwischen den afghanischen Konfliktparteien und der Istanbul-Prozess als Anstrengung regionaler KonflikteindÃ¤mmung.</p>
<p>(7) <strong>Teilfortschritte halten</strong>: Entgegen dem in der deutschen Ã–ffentlichkeit verbreiteten dÃ¼steren Pauschalbild von Afghanistan und trotz aller groÃŸen Fehler der internationalen Afghanistanpolitik gibt es Teilfortschritte. (Vgl. auch das auffÃ¤llig differenzierte und keineswegs dÃ¼stere Meinungsbild, wie es die inzwischen achte BevÃ¶lkerungsumfrage der Asia Foundation vom Nov. 2012 widerspiegelt. <a href="http://www.asiafoundation.org/country/afghanistan/2012-poll.php">www.asiafoundation.org/country/afghanistan/2012-poll.php</a> ) Die bisherigen Teilfortschritte wÃ¼rden nach 2014 schnell zerbrÃ¶seln, wenn es danach nicht noch weiterhin eine verlÃ¤ssliche internationale UnterstÃ¼tzung gibt. Das hat zuletzt die Vorsitzende der Afghanischen una</div>


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