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Afghanistan + Bericht von Winfried Nachtwei
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"Afghanistan: Das verwundete Land" - Eine beeindruckend-aufklärende Dokuserie von NDR/Aljazeera Doc. Channel auf ARTE mit bedeutenden Zeitzeugen aller Lager

Veröffentlicht von: Nachtwei am 16. April 2020 15:17:39 +02:00 (5289 Aufrufe)

Die Dokuserie zu (1) Königreich, (2) Sowjetarmee, (3) Mudjahedin und Taliban, (4) NATO-Truppen von viermal 53 Minuten lief auf Arte und ist bis Anfang Juli zugänglich. In ihr kommen wichtige + spannende Zeitzeugen aus allen Lagern zu Wort. Hier der Link zu den vieer Folgen, der Arte-Ankündigungstext, die Liste der Zeitzeugen und ihre zentralen Aussagen. Wo das kriegs- und terrorzerrüttete Land wie die internationale AFG-Politik vor einer Wegscheide stehen, bietet die Dokuserie reichlich Stoff zum politischen Lernen. Aus Großfehlern der Vergangenheit zu lernen - das wäre doch mal was!  

„Afghanistan: Das verwundete Land“ – Eine erschütternd-aufklärende Dokuserie  von NDR/Aljazeera Documentary Channel auf ARTE

(hier mit zentralen Aussagen wichtiger Zeitzeugen aller Lager)

Winfried Nachtwei (April 2020)

In den sechziger Jahren war Afghanistan das wohl aufgeschlossenste islamische Land der Region, Traumland für viele junge Leute, vor allem Hippies aus dem Westen. Entwicklungshilfe gab es aus Ost und West (umfangreich und hoffnungsvoll auch aus der Bundesrepublik). Mit einem Staatsstreich 1973 und der kommunistischen „April-Revolution“ 1978 begannen Jahrzehnte von Instabilität, Massengewalt, Krieg, Terror und Interventionen, die auch im 42. Jahr anhalten. Neue Machthaber – der erste Präsident der Republik Afghanistan, Kommunisten & Sowjets, Mudschaheddin, Taliban, schließlich auch von UN, USA & Verbündeten unterstützte, gewählte Regierungen – weckten Hoffnungen und enttäuschten sie katastrophal, letztere nach ersten hoffnungsvollen Jahren, als die UN-Staatengemeinschaft Aufbauunterstützer und auf keinen Fall Besatzer sein wollte.

Die am 07.04.2020 von ARTE an einem Abend ausgestrahlte Dokuserie „Afghanistan: Das verwundete Land“ (verfügbar bis 05.07.2020 auf  https://www.arte.tv/de/videos/RC-019261/afghanistan/ ) schildert mit meist ungesehenen Archivbildern und herausragenden Zeitzeugen aller Lager eindringlich und differenziert die Konfliktgeschichte Afghanistans. Sehr deutlich werden die komplexen internen und externen Ursachen und Treiber des jahrzehntelangen Gewaltkonflikts, die Stärken der „schwachen“ Aufständischen und die Schwächen der Regierungen und „starken“ Interventionsmächte. Auf internationaler Ebene liegt der Fokus auf den für den Konfliktverlauf maßgeblichen Mächten Sowjetunion, USA, Pakistan, USA/NATO.  Deutlich werden Unterschiede und Parallelen zwischen der unilateralen, völkerrechtswidrigen Sowjetintervention und  der uni-/ multilateralen, US-dominierten Intervention  des „Westens“ ab 2001/02. Konstruktivere Ansätze der UN und einzelner ISAF-Länder, gar die seit den 1920er Jahren besonders produktiven deutsch-afghanischen Beziehungen, wie auch Entwicklungsfortschritte von unten kommen leider nicht zur Sprache.[1] Aber diese Anstrengungen konnten sich gegenüber der Gewalteskalation nicht durchsetzen. Und ihre Darstellung hätte einen doppelt so langen vierten Teil erfordert.

Die Dokuserie widerspricht dem hierzulande verbreitete Narrativ, wo beim Afghanistan-Kon-flikt nur von „18 Jahren NATO-Krieg“ gesprochen wird und die 23 Jahre Interventions- und Bürgerkrieg vorher wie auch die Aufbruchsphase 2002 bis 2006 ausgeblendet werden.

Mein spontaner Gedanke beim Ansehen der Dokuserie war: Hätten wir Ende 2001 in Bundestag und rot-grüner Bundesregierung bei den Beratungen zum Afghanistaneinsatz diese beeindruckende Dokumentation zur Verfügung gehabt, dann hätte das wohl nach dem Sturz des Taliban-Regimes nicht den Willen zur Aufbauunterstützung geschmälert. Es hätte aber Wunschdenken dämpfen und nüchternen Realismus fördern können – im Hinblick auf die inner-afghanischen Gewaltpotenziale wie auf die zynische und kontraproduktive Machtpolitik des großen Verbündeten USA, dem man jetzt „uneingeschränkte Solidarität“ (Bundeskanzler G. Schröder) beweisen wollte.

Die Dokuserie kann gerade jetzt eine große Lernhilfe sein:

- Wo Afghanistan vor einer Wegscheide steht zwischen kompliziertem Verständigungs- und Friedensprozess mit internationaler Unterstützung einerseits und einem keineswegs unwahrscheinlichen Absturz in einen zweiten Bürgerkrieg andererseits;

- wo eine verantwortliche Kursbestimmung der künftigen internationalen und deutschen Afghanistanpolitik lebensnotwendig angewiesen ist auf ein gründlich-selbstkritisches Lernen aus 18 Jahren internationalem Afghanistan-Engagement.

ZUR DOKUSERIE

Vier Folgen je 53 Minuten; Buch und Regie: Mayte Carrasco, Marcel Mettelsiefen;

Produzentin Christin Schutta, Produktion von LOOKSfilm in Kooperation mit NDR, Aljazeera Documentary Channel,  u.a.  2019

Filmbesprechungen

--„Erzählung voller Tragik“ von René Martens, taz 07.04.2020,  https://taz.de/Dokumentarserie-zu-Afghanistan/!5674557 /

- „Keine Hoffnungsträger in Sicht – Arte zeigt, wie Afghanistan vom Hippie-Paradies zu einem zerstörten Land wurde“, von Niklas Zimmermann, FAZ 07.04.2020, https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-dokumentation-afghanistan-das-verwundete-land-bei-arte-16714678.html

Der ARTE-Text  zur Dokuserie (anschließend die interviewten Zeitzeugen und ihre wichtigen Aussagen)

„Die Konflikte in und um Afghanistan haben unsere Welt immens beeinflusst. Afghanische Frauen und Männer, aber auch Menschen aus dem Westen berichten über ihre persönlichen Erfahrungen. Sie sprechen aus sehr unterschiedlichen Perspektiven und nehmen das Publikum mit auf eine Reise vom Paradies in die Hölle. Mit vielen noch nie gesehenen Archivaufnahmen.

(1) Das Königreich

Die Dokuserie zeigt meist ungesehene Archivbilder. Vor der Kamera berichten vor allem afghanische Frauen und Männer, aber auch Menschen aus dem Westen über ihre persönlichen Erfahrungen. Afghanistan in den 60er Jahren. Als die Monarchie endet und die kommunistische Partei die Macht übernimmt, rufen die Mullahs den Jihad aus ...

In den 1960er Jahren herrscht Frieden in Afghanistan. Sein König, Mohammed Sahir Schah, fördert die Demokratie und die Rechte der Frauen. In Kabul werden Modenschauen und Schönheitswettbewerbe abgehalten. Die ersten Touristen kommen. Ähnlich wie in Paris oder Frankfurt haben auch die Studierenden der Universität Kabul revolutionäre Träume. Einige wünschen sich den Sozialismus, andere sprechen von einer islamischen Revolution. Ihr Konflikt breitet sich in der Gesellschaft aus und treibt die Nation an den Rand eines Bürgerkriegs. Die Monarchie geht unter, die kommunistische Partei ergreift die Macht und will Afghanistan radikal verändern. Tausende Afghanen protestieren. Außergewöhnliches Filmmaterial aus den 1960er und 1970er Jahren zeigt ein schönes, verloren gegangenes Afghanistan. Erzählt wird, wie utopische Träume in einen nicht enden wollenden Krieg münden. Unter den Protagonisten: „Miss Afghanistan 1972“, der Bruder der letzten afghanischen Königin, Gulbuddin Hekmatjar, Gründer der ersten islamistischen Partei, und Sima Samar, erste Frauenministerin, deren Mann Opfer der brutalen Unterdrückung durch das kommunistische Regime wurde.

(2) Die Sowjetarmee

In den 80er Jahren wird Afghanistan zum Schauplatz des Kalten Krieges, zum Schlachtfeld von Sozialismus und Islam. Als die Sowjetarmee anrückt, um die Ordnung wiederherzustellen, steckt sie in der Falle: Zehn Jahre Kampf treiben eine Million Menschen in den Tod, Afghanistan liegt in Trümmern.

In den zerklüfteten Bergen folgen viele Afghanen dem Aufruf zum Dschihad. Der afghanische Widerstand zieht auch viele junge Männer aus dem Ausland an. Unter ihnen: Osama bin Laden. Der Film gibt außergewöhnliche Einblicke in die Welt der Guerilla und der sowjetischen Soldaten. Ihr Konflikt dauert zehn Jahre und treibt eine Million Menschen in den Tod. Am Ende liegt die Nation in Trümmern. Die Niederlage der sowjetischen Truppen trägt zum Zusammenbruch der Sowjetunion bei, aber auch zur Geburt des islamischen Fundamentalismus. Ein Widerstandskämpfer berichtet, wie man die Aufmerksamkeit der westlichen Medien und Unterstützung aus dem Ausland gewann. Ein ehemaliger CIA-Agenten erzählt, wie die Mudjahedin in vom US-Geheimdienst unterstützt wurden – entschlossen, den Sowjets „ihr Vietnam“ zu geben. Unter den Protagonisten: ein sowjetischer Kriegskorrespondent, der Führer der größten Mudjahedin-Fraktion und eine Ärztin im Einsatz für „Ärzte ohne Grenzen“.

(3) Mudjahedin und Taliban

Als die sowjetischen Panzer 1989 Afghanistan verlassen, verschwindet das Land aus den Nachrichten, obwohl noch kein Frieden herrscht. Die Mudjahedin haben die mächtige Sowjetunion besiegt, aber ihnen fehlt die gemeinsame Vision für ihr Land. Rivalisierende Verbände kämpfen jetzt gegeneinander. Ihr Kampf stürzt die Nation ins Chaos und legt Kabul in Schutt und Asche. Schließlich verspricht eine neue Bewegung Ordnung und Frieden: die Taliban.

Ihr Sieg 1996 verwandelt das Land in eine Brutstätte für den radikalen Islam, in einen Trainingsplatz für Al-Kaida und in ein Gefängnis für Frauen. Die Protagonisten dieser Episode sind zwei Frauen: Schukria Baraksai verlor während des Bürgerkriegs ihre neugeborenen Kinder und wurde Lehrerin in einer geheimen Mädchenschule; Nadia Ghulam überlebte einen Bombenangriff, doch gegenüber den Taliban musste sie sich als Junge ausgeben, um zu überleben.

Ihre Erinnerungen zeugen von der Absurdität dieses Krieges und der rücksichtslosen Grausamkeit der Kriegsherren. Außerdem kommen Mitglieder verschiedener Mudjahedin-Fraktionen, der ehemalige Finanzminister der Taliban-Regierung und ein damaliger Fernsehkorrespondent aus Kabul zu Wort.

(4) Die NATO-Truppen

Die letzte Episode der Serie beginnt am 11. September 2001. Als Folge des Terroranschlages auf New York müssen sich die Afghanen nun einem neuen Krieg stellen, denn die US-Armee rückt ein, um die Taliban zu stürzen und den Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden zu stellen. Trotz allem begrüßen Millionen von Afghanen die ausländischen Truppen voller Hoffnung: Frauen ziehen die Burka aus, es finden freie Wahlen statt, Flüchtlinge kehren zurück und Milliarden von Dollar fließen in den Wiederaufbau. Doch Afghanistan gelingt es nicht, dem endlosen Kreislauf der Gewalt zu entkommen. Ehemalige Kriegsherren ziehen ins Parlament ein, diesmal mit dem Segen der Vereinigten Staaten. Andere, wie die Taliban-Führer, werden ausgeschlossen, was den Anlass für einen erneuten Aufstand bietet. Die Korruption grassiert. Die NATO-Truppen wiederholen viele der Fehler der Sowjets. Afghanistan bleibt in Gewalt gefangen, wird zum Platz unzähliger Selbstmordattentate. Zu den Protagonisten dieser Episode gehören ein früheres Mitglied der Taliban-Regierung, der US-General Stanley McChrystal und drei Frauen, die für die Hoffnung Afghanistans stehen, den Fluch der Gewalt endlich zu brechen.“

INTERVIEWPARTNER

- Hashmat Ghani, Stammesführer, Politiker, gehörte der Elite in Kabul an

- Masood Khalili, afghanischer Widerstand gegen die Sowjetinvasion, Freund und Berater des Mudjahedin-Kommandeurs Ahmad Shah Massoud, beim Bombenanschlag auf Massoud am 9. September 2001 schwer verwundet, Diplomat, Linguist, Schriftsteller

-- Zohra Yousouf, Miss Afghanistan 1972, Journalistin, Medienberaterin der afghanischen First Lady

- Shakria Barakzai, 2003 beteiligt an der Erarbeitung der Verfassung, seit 2004 Mitglied des afghanischen Parlaments, islamische Feministin; 2014 überlebte sie ein Selbstmordattentat mit neun Toten und über 30 Verwundeten

- Gulbuddin Hekmatyar, aufgewachsen in Imam Shahib/Provinz Kunduz, Begründer und langjähriger Führer der ersten und größten islamistischen Partei Afghanistans (Hesb-i Islami), bewaffneter Widerstand seit 1975, erst gegen das Regime von Mohammed Doaud Khan in Kabul, dann gegen die Sowjets, im Bürgerkrieg „Schlächter von Kabul“, Premierminister 1993-94, nach 2002 nach Taliban zweitstärkste Aufständischengruppe, 2016 Friedensab-kommen mit der Regierung Ghani und Amnestie, https://www.zeit.de/politik/ausland/2017-05/gulbuddin-hekmatjar-afghanistan-frieden-aufruf-kabul

 - Homayoun Assefi, Bruder der letzten afghanischen Königin

- Farif Mazdak, 1974-1992 Vorstandsmitglied der afghanischen KP in Kabul, seit 1995 Exil in Deutschland

- Sima Samar, Ärztin, Frauenrechtlerin,  2001-02 Ministerin für Frauenangelegenheiten, ab 2002 Vorsitzende der Afghanischen Unabhängigen Menschenrechtskommission ( Interview nach zwei Jahren Begleitung durch ARD-Korrespondenten, 26.12.2015, https://www.tagesschau.de/ausland/afghanistan/afghanisches-tagebuch-sima-samar-101.html )

- Zbigniew Brzezinski, Nationaler Sicherheitsberater der USA

- Mikhail Kozhukov, 19?5-1989 Korrespondent der sowjetischen „Komsomolskaja Prawda“ in Kabul

- Milton Bearden, 1964-98 CIA-Offizier, u.a. CIA Station Chief in Pakistan, Nigeria, Sudan, Deutschland, in Pakistan 1986-89 CIA-Field-Officer in Afghanistan, zentrale Rolle bei Training und Finanzierung der Mudjahedin

- Ruslan Aushew, Ex-Major der Sowjetarmee

- Edward Giradet, Journalist, einer der ersten, die aus dem Afghanistankrieg berichteten

- Juliette Four   , Leiterin der „Ärzte ohne Grenzen“ Mission in Afghanistan

- Wladimir Kolesnik, ehemaliger sowjetischer Militärpilot

- Amin Karim, Mitglied des afghanischen Widerstandes

- Abdallah Anas, algerischer Foreign Fighter gegen die Sowjetinvasion

- Nadia Ghulam, 1985 in Kabul geboren; als Siebenjährige im Bürgerkrieg von einer Bombe so verbrannt, dass sie von Ärzten aufgegeben wurde; ihre Mutter heilte sie mit Asche; später  verkleidete sie sich als Junge

- Heela Nadjibullah, Tochter des letzten kommunistischen Präsidenten Afghanistans

- Taysir Alony, syrischer Journalist, TV-Korrespondent von Al-Jazira in Kabul 1999-2001, interviewte Osama bin Laden zu Beginn der US-Intervention vor seinem Untertauchen

- Stanley McChrystal, US-General, zwischen 2002 und 2010 in Afghanistan, 2009-10 ISAF-Komandeur, 2003-2008 Kommandeur des US Joint Special Operations Command (Führung von Spezialoperationen in Irak + Afghanistan)

- Agha Jan Motasim, 1996-2001 Finanzminister der Taliban-Regierung

- Nilofar Ibrahimi, studierte nach dem Ende des Taliban-Regimes Medizin, Ärztin, seit 2010 Mitglied des afghanischen Parlaments

- Ramazan Bashardost, 2004-05 afghanischer Planungsminister

- Emily Miller, Hauptmann US-Army bis 2013

WICHTIGE AUSSAGEN DER ZEITZEUGEN

In der 1. Folge „Das Königreich“

S. Barakzai: „Kabul war (in den 1960er Jahren eine moderne Stadt, Restaurants, Jazzmusik. Vermutlich war es besser als in Europa.“

H. Ghani: „Die meisten Menschen werden nicht glauben, dass Afghanistan damals Branntwein und Wein produzierte. (…) Das Hotel Interconti  hatte den besten Nachtclub. Für ein islamisches Land waren wir wohl das aufgeschlossenste Land der Region.“

 „40 Familien beherrschten das Land. Die meisten von ihnen verhielten sich leider wie britische Aristokraten. Sie waren großartig für die Städte. Aber die Menschen in den Dörfern haben sie vor den Kopf gestoßen.“

Z. Yousouf: „Die herrschende Klasse Afghanistans machte sich keine Gedanken über ihre Wirkungen. Leider haben wir aufgrund der Klassenunterschiede die Realitäten nicht erkannt.“

S. Samar (Ende 1960er Jahre weltweite Studentenrebellion): Frauenbewegung gab es überall, auch in Afghanistan kamen diese Ideen auf. Ich musste heiraten, um studieren zu können. Ich glaube, dass wir schon Feministinnen waren, ohne das Wort Feministin zu kennen. Mein Mann hat an der Universität unterrichtet. Von Anfang an sagte ich ihm, dass ich keine gehorsame Ehefrau  sein kann. Ich kann eine gute Freundin sein. Und wir müssen beide 50% der Rechte haben. Wir hatten also beide wirklich 50%. Und wir waren innerhalb der Familie berühmt dafür.  Wenn Angehörige uns sahen, haben sie gefragt, wie geht es den anderen 50%.“

F. Mazdak (Die afghanischen Kommunisten predigen Gleichheit zwischen Männern und Frauen, viele kommen aus bescheidenen Verhältnissen und wollen soziale Gerechtigkeit. Sie träumen von einer Revolution, wie in Russland oder auf Kuba.): „In dieser Zeit waren wir hauptsächlich Tagträumer. Wir hatten diese utopische Vorstellung von unserem Land. Wir waren eher idealistisch als realistisch. (…) Für uns war es das wichtigste, unser Land zu verändern. Die junge Generation wollte sogar eine Änderung in der Religion.“

G. Hekmatyar: „Bei den Veranstaltungen hörte ich erstmals eine Rede, die die Existenz Gottes leugnete. Ich erkannte, dass die Kommunisten gekommen waren, uns unseren Glauben zu nehmen. (…) Ich habe beschlossen, dass wir diese Leute bekämpfen müssen.“

S. Barakzai: „Die islamistischen Revolutionäre beschuldigten die Kommunisten. Diese wiederum beschuldigten die anderen. Dieses Beschuldigungsspiel zwischen Linken und Rechten fand von Anfang an statt. Beide waren extrem unreif, unreif, ein Land, ein Volk zu führen, unreif den großen Wert der nationalen Einheit des Volkes zu bewahren.“

S. Samar (nach der April-Revolution 1978): „Es war die brutalste Zeit in der Geschichte des Landes, Tausende Menschen aus allen Gesellschaftsschichten wurden mitgenommen und verschwanden.“

G. Hekmatyar: „In den allerersten Tagen, in denen sie an der Macht waren, begannen sie zu töten. , begannen mit Massenverhaftungen und Misshandlungen gegen jeden, von dem sie sich bedroht fühlten. Jeder, der einen Gebetsteppich trug, jeder mit einem Bart (…) einer nach dem anderen wurde ermordet.“

M. Khalili.: „Bei den Kommunisten war der beste Muslim derjenige, der getötet war. Es gab Tausende, die in Afghanistan ihr Leben verloren. (…) Es war einfach, jemanden umzubringen mit der Rechtfertigung, dass es ein Muslim war. Meine Familie, die Familie meiner Frau verlor 16 Mitglieder einschließlich ihres Vaters in einer Nacht, erschossen von den Kommunisten.“

S. Barakzai: „Ich erinnere mich, als ich gerade in der 4. Klasse, fast neun Jahre alt war, dass es da eine Propaganda gab, dass sie dich in der Schule verhaften, wenn du betest.

S. Samar: Mein Mann war ein normaler Lehrer in der naturwissenschaftlichen Fakultät. Sie kamen zu unserem Haus und nahmen meinen Mann --- Sie kamen herein. Es war eine Gruppe von Leuten, die von Schülern angeführt wurde. Und er ist nie zurückgekommen. Ich habe nie wieder von ihm gehört.“

(Nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen) „Es gab viele Proteste. Ich nahm mit meiner Schwester teil. Viele Leute riefen „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“).

G. Hekmatyar: Als die Sowjetunion in Afghanistan einmarschierte, waren wir gründlich vorbereitet. Viele Mudjahedin waren bewaffnet und ein großer Teil des Landes unter unserer Kontrolle.“

In der 2. Folge „Die Sowjetarmee“

(Das Land steht am Rand eines Bürgerkrieges. Breite Bevölkerungsproteste gegen den brutalen gesellschaftlichen Umbau unter den Kommunisten. „Afghanistan muss ein sozialistischer Staat bleiben.)

 R. Aushew: „Wir, das Militär, wollten alle nach Afghanistan. Geschickt werden. Wir dachten, dass wir dem afghanischen Volk helfen müssen. So haben wir es doch wahrgenommen, dass wir den armen Bauern helfen sollten, das Land aufzubauen. Ich erinnere mich, dass ich am 21. Januar 1980 auf dem Flugplatz Baghram landete, als wäre ich in einer Welt aus Tausendundeiner Nacht gelandet. Ich dachte, das Land würde uns, die Sowjets, mit Freude aufnehmen. Aber es war das Gegenteil. Ich sah es schon an ihren Augen, wie sie uns anschauten.

S. Samar: „Die Sowjets kamen, um dieses Regime zu unterstützen. Wie konnte man einen Einmarsch gutheißen, der das brutale Regime unterstützt? Ich habe an einer medizinischen Fakultät studiert und gehörte zum Widerstand. Wir verteilten Flugblätter. Wir schrieben in der Nacht an die Wand „Tod den Russen“, „Raus aus unserem Land“ usw.“

M. Khalili: „Wir sind starke Muslime, aber wir sind nicht islamistisch und nicht fanatisch.

Aber wenn immer es eine Invasion gab, haben wir uns im Namen des Dschihad mobilisiert

Dschihad bedeutet „Kampf für die Freiheit“. Ich dachte, die Russen hätten keinen Glauben, seien gottlos. Ich wollte nicht unter Kommunisten sein, ichwollte bei meinem Volk sein. Also schloss ich mich dem Krieg an.“

(Die Islamisten verwandeln den Widerstand in einen Heiligen Krieg, den Dschihad.)

M. Khalili: „Wenn man für seinen Traum einsteht, gewinnt man. Denn dann hat man Hoffnung. Wenn man Hoffnung hat, lebt man. Wenn man keine Hoffnung hat, stirbt man in jeder einzelnen Minute.

M. Bearden: „Wir waren schockiert über die sowjetische Invasion. Denn einige in der CIA dachten, dass dies selbst aus sowjetischer Sicht keine gute Idee sei. Und dennoch marschierten sie ein.“

Z. Brzezinski (einen Tag nach der Invasion Empfehlung an den Präsidenten): „Wir haben jetzt eine historische Chance, :der Sowjetunion ihr Vietnam zu geben.“ (In Pakistan hielt er eine historische Rede an die Mudjahedin.)

M. Bearden: Von hier an sind wir die CIA, in Aktion getreten, und haben nicht mehr losgelassen. Und also fingen wir an, 10, 15, 20 Millionen Dollar, um ein paar Waffen zu kaufen. Und es wurden immer mehr und mehr. Weitere 20 Millionen, weitere 100 Millionen. Es waren immer noch Peanuts. Das ist nicht viel Geld. Aber wir fingen a, etwas zu verändern.“

M. Khalili: „Wenn man 100 Panzer zerstört und nicht darüber in den Medien berichtet wird, ist nichts passiert. Ich eilte also nach Pakistan und versuchte alle Journalisten zu finden. Manchmal übertrieb ich, um sie anzulocken. ´Wir haben 25 Panzer zerstört´`  Dabei war`s nur einer. Wir haben 100 Soldaten getötet, dabei waren es vielleicht nur zwei.“

(Zugleich riesige sowjetische Investitionen, um die Entwicklung des Landes voranzutreiben.

Frauen haben annähernd die gleichen Rechte wie Männer)

S. Samar: „Die Regierung förderte Frauen auf ihre Weise. Sie ermutigte sie, auf die Bühne zu kommen, um zu singen. Sie sprach von der Freiheit der Frauen. Die Mudjahedin hatten hingegen den Frauen leider nichts zu bieten, außer sie zu verprügeln. Die sollten den Niqab tragen, nicht arbeiten. Als die Regierung sagte „Bildung für Frauen“, war ihre Antwort „keine Bildung für Frauen“. „Freiheit für Frauen“ - „keine Freiheit für Frauen“. Beide Seiten benutzten Frauen als politisches Werkzeug.

M. Kozhukov.: Die Soldaten waren meist Jungen aus russischen und ukrainischen Dörfern, die noch nie Berge gesehen hatten. Sie hatten noch nie was anderes gesehen als eine kleine Stadt, in der sie zur Schule gegangen waren. Für sie war es natürlich eine völlig andere Welt. Und im Vergleich zu den erwachsenen Mudjaheddin, die in den Bergen zuhause waren, natürlich unterlegen. Man konnte sie nicht miteinander vergleichen.

M. Bearden.: „Um den Afghanen zu helfen, wurden sie in Fundamentalisten und Moderate unterteilt. (…) Sie alle waren ziemlich fundamentalistisch bei dem, was sie gegen die sowjetische Invasion unternehmen wollten. Massoud war der Liebling der Franzosen und Briten. Hekmatyar hingegen wurde im Westen nicht verstanden. Man sah in ihm eine Bestie. Aber ist wahrscheinlich einer der brilliantesten – im negativen Sinne – aller Mudjaheddin-Führer. Ich konnte einige seiner sehr engen Mitstreiter bezahlen. Er nahm die Hilfe bereitwillig an. Er wollte aber nicht, dass wir uns einmischen.“

F. Mazdak (Nach sechs Jahren sowjetische Armee in einer Sackgasse): Man weiß nicht, wer der Feind ist und wo er sich versteckt. Wenn der Feind ohne richtige Uniform gegen einen kämpft, dann kämpft man am Ende gegen jeden, der vor einem steht. Das macht den Feind stärker. Er bekommt die Unterstützung derer, die du verletzt hast.

W. Kolesnik: Ich habe zwei Jahre gedient und kann immer noch nicht unterscheiden, wer die Zivilisten und wer die Feinde sind. Vor einem halben Jahr gerieten einige von uns in einen feindlichen Hinterhalt. Nur vier Kameraden überlebten. Stellen Sie sich vor, Köpfe wurden abgetrennt, Gliedmaßen abgehackt. Sie wurden mit Schraubenziehern und Messern durchbohrt, Augen ausgestochen. Das erste, das du fühlst, wenn dein Freund stirbt: Rache! Du willst mit deinem Maschinengewehr ballern!

Korrespondent:  „Es ist nicht so, dass der Krieg einen gurten Menschenschlecht macht. Aber er kann den guten Menschen noch besser und den schlechten Menschen noch schlechter machen.“

A  Karim: „Wenn man getötet wird, wird man ein Märtyrer. Kommt in den Himmel. Also gewinnt man. Im Kampf zu töten, bedeutet Ruhm. Es gibt also keine Niederlage und du hast keine Angst.

S. Samar: „Wieviel Kraft hat man als Mensch? Wie belastbar man sein kann? Wieviel Kraft kann man aufbringen, um das alles zu überstehen? Und ich denke, wir müssten doch platzen, zerbersten von all dem Schmerz.

(Wachsender religiöser Fanatismus in Peshawar/Pakistan)

M. Bearden: „Viele von ihnen werden als Fanatiker bezeichnet. Doch in jedem Menschen steckt tief in seinem Innern ein Fanatiker. Wenn man 120.000 Soldaten schickt, eine Million Menschen tötet, eineinhalb Millionen verwundet und fünf Millionen ins Exil treibt, dann wird man vielleicht ein wenig fanatisch.“

S. Samar: „Sie wählten die konservativste Gruppe von Menschen aus, trainierten sie und machten sie zu Monstern. Nur um die UdSSR zu loszuwerden.“

R. Aushew: (1986 ahnte die Regierung in Moskau, dass es unmöglich sein wird, gegen eine Guerilla zu gewinnen, die von der Bevölkerung unterstützt und vom Westen sowie der arabischen Welt bewaffnet wird.)  „Es ist unmöglich, einen Krieg gegen das Volk zu gewinnen. Erst Recht nicht in einem Partisanenkrieg. Das ist keine Mission für eine Armee.“

M. Bearden (KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow will Rückzug. Für US-Präsident Reagan ist die UdSSR das „Reich des Bösen“): „Bis zu diesem Punkt bestand die US-Politik darin, die Sowjetunion auszubluten, bis zum letzten Afghanen zu kämpfen. Jetzt wollte man ihnen alles geben, was sie brauchten, um zu gewinnen.“ Der CIA-Chef fragte mich: „Ich gebe Ihnen dieses Jahr eine Milliarde Dollar. Ist das genug? Ich sagte: „lassen Sie es mich versuchen“. So begann die CIA, die Sache wirklich in Angriff  zu nehmen nach dem Motto „Zur Hölle mit der Geduld! Lasst uns rausgehen und Russen erschießen.“ (Jetzt wurden die schultergestützten Stinger-Flugabwehrraketen geliefert – und die Luftherrschaft der Sowjets gebrochen)

M. Bearden: Was kostete der CIA-Einsatz von Dezember 1079 bis Februar 1989? Fünf bis sechs Milliarden Dollar. Das sind heute ein Monat unserer Bemühungen in Afghanistan, ohne Aussicht auf Erfolg, nur ein Monat.

(Der Krieg hinterlässt rauf sowjetischer Seite 15.000 Tote und eine Million afghanische Opfer. 1988 einigen sich Reagan und Gorbatschow auf den Abzug der sowjetischen Truppen. Die Waffenlieferungen gehen weiter. Und das Genfer Abkommen sieht keine Friedensstrategie für Afghanistan vor.

G. Hekmatyar: Bei den Verhandlungen über den Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan waren die Mudjahedin zwischen waren die M  nicht anwesend. Warum? Wir sind wieder einmal zu einem Spielball zwischen Washington und Moskau geworden.

M. Kozhukow: „Wenn die Amerikaner sich zum Ziel gesetzt hatten, eine Art Vietnam für die Russen zu schaffen, dann  haben sie das erreicht. Aber das hat ein Nachspiel:

Die Sowjetunion ist zusammengebrochen. Aber jetzt haben wir ISIS. ISIS ist aus Al Qaida hervorgegangen. Al Qaida ist aus den Taliban hervorgegangen. Und die Taliban sind aus den Mudjahedin hervorgegangen, groß gemacht von der CIA, von den Vereinigten Staaten.

Unsere Schuld ist immens. Aber sie ist vergleichbar mit der Schuld der Vereinigten Staaten.“

In der 3. Folge „Mudjahedin – Taliban“

M. Khalili (beim Abzug der sowjetischen Truppen): Bei ihrem Abzug fiel mir auf, sie waren glücklich. Auch die Soldaten wollten nicht in Afghanistan bleiben und das Land verlassen, um nicht mehr töten zu müssen oder getötet zu werden. Bald darauf waren wir aber wieder gefangen, von einem scheußlichen Krieg heimgesucht.

N. Ghulam: Ich wurde während der sowjetischen Besatzung geboren. Zu dieser Zeit war in Kabul alles normal. Die Menschen dort lebten in Frieden und es gab nicht so viele Probleme. (…) Der Krieg war für mich nicht sehr präsent. Auch wenn das Land darunter litt, dachte ich, er würde mich nie erreichen. Er findet in den Dörfern statt, auf dem Land. Aber an mein Haus oder den Arbeitsplatz meines Vaters würde er nie herankommen.

S. Barakzai: Alsdie letzten sowjetischen Soldaten die Grenze überquerten, fühlten wir uns so frei. Unser Land gehörte wieder uns. Ich war 19 Jahre alt und Studentin. Wir dachten, das ein Kapitel abgeschlossen ist und ein neues beginnen kann. Ein gutes, das der Bevölkerung Afghanistans gehören wird. Wir werdenunser Leben wieder genießen. So wie vor der Besatzung.

H. Najibullah: „Nachdem  mein Vater Präsident geworden war, wollte er Versöhnung.

Dieser Begriff war neu für mich. Er nahm seine politzische Ideologie nie mit nach Hause, um uns zu indoktrinieren. Ich fragte ihn, was soll das bedeuten, worum geht es bei Versöhnung? Er hatte die Vision, das Land in den Frieden zu führen, und einen Ausweg aus dem Konflikt zwischen Dschihad  und Kommunismus zu finden. Er sagte, es gibt Unterschiede zwischen traditionellen und progressiven Ansätzen. Wie kann man Frauen mit ins Boot holen? Wie kann man Kommandanten und Soldaten integrieren? Setzen Sie sich mit mir zusammen und wir werden Lösungen finden.“

S. Barakzai: „Sie griffen sich während des Bürgerkrieges mit Raklenen an. Sie kamenm erst von Hekmatyar, dann von Massoud. Beide Seiten kämpften.

N. Ghulam: „Sie haben uns benutzt, um sich gegenseitig zu bekriegen, wie zwei Feiglinge, Statt sich gegenüber zu treten, haben sie sich Kinder und Frauen geschnappt und sich in den Häusern der Menschen versteckt.  In meinem Land gibt es viele Wüsten und Berge, sie hätten dahin gehen können, um sich gegenseitig umzubringen. Aber nein, die Zivilbevölkerung musste leiden.

Ich wartete im Zimmer auf meine Mutter und sah mir Comicas an. Und plötzlich fiel eine Bombe genau in meinen Raum. Diese Bombe verbrannte meinen Körper. Sie Ärzte, die bnoch dort waren, versorgten nur diejenigen, die eine Chance hatten zu überleben. Mich wollten sie aufgeben. Sie dachten, ich würde es nicht schaffen. Die Mama lief von Haus zu Haus, sammelte alte Kleider und Baumwolle und verbrannte sie. Mit der Asche kam sie ins Krankenhaus und streute sie auf jede einzelne meiner Wunden, um die Blutungen zu stoppen. So heilte meine Mutter meinen Körper.“

M. Khalili: „Der Kommandant fragte mich: Wo sind unsere Freunde, die uns im Krieg gegen die Sowjets geholfen haben? Die NATO, Amerika, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien. Wo sind sie?` Ich weiß es nicht.“

A. S. Massoud: „Mein Gefühl ist, dass die UNO und die Westmächte an Afghanistan nur interessiert waren, solange wir gegen die UdSSR und den Kommunismus, den gemeinsamen Feind kämpften. Danach haben sie das Interesse verloren. Sie haben uns im Stich gelassen“

M. Bearden: „Afghanistan war weit weg, nicht präsent. Und dann fingen sie wieder an zu kämpfen. Einige im Außenministerium fanden, dass man ihnen nicht mehr helfen könne. Also zogen wir uns zurück. Ich traf George Bush im Oval Office.  Jemand sagte: ´Sie erinnern sich, was in Afghanistan war? Bush sagte: ´Íst das in Afghanistan etwa immer noch im Gange?`

Ich sagte: ´O ja, natürlich ist das noch im Gange`.“

N. Ghulam: „Wir lebten in Tunneln unter unsren Häusern, in winzigen Unterschlüpfen.  Monatelang. Ohne Wasser und Lebensmittel. Wann immer sie kamen, taten sie, was ihnen gefiel.  Sie nahmen Frauen und kleine Mädchen einfach mit. Sie töteten  sie vor ihren Familien. Sie taten, was immer sie wollten. Niemand fragte Warum?“

S. Barakzai: Das werde ich ihnen nie verzeihen. Weil sie unseren Traum zerstört haben, nicht nur unser Land, die Hoffnung, die wir hatten. Die Liebe, die wir für sie empfanden, das Mitgefühl, das Verständnis. Sie waren Helden, auf die wir gewartet hatten und die wir unbedingt kennenlernen wollten-. Sie sollten kommen und uns vom Schmerz befreien. Aber dann? Es war ein Trauma.“

N. Ghulam: „Wenn man im Krieg ist, kann man zu einem wilden Tier werden. Um sein eigenes Leben zu retten, frisst man den anderen auf. Es stimmt, was man sagt: Der Mensch ist des Menschen Wolf. Der Krieg verändert alles.“

A.J. Motasim (Entstanden sind die Taliban in Kandarhar. Dort beschlossen muslimische Geistliche, alles zu tun, um ihre Ordnung wiederherzustellen.) „Wir saßen zusammen und haben uns beraten. Unser Ziel war es, eine starke Regierung zu bilden, die dem Volk dient. Die einfachen Menschen in Afghanistan haben uns angesprochen und gesagt, dass wir gute Mudjahedin sind. Alles wird zerstört, gestohlen, Menschen werden getötet.

Dann haben wir, die Taliban, einen Aufstand organisiert und eine Bewegung gegen alle Mudjahedin-Gruppen gegründet.

T. Alony: „Innerhalb von zwei Jahren schafften es die Taliban, einen Großteil des Landes zu erobern. Denn sie sind Kleriker, Religionsstudenten, niemand wollte gegen Geistliche kämpfen.“

S. Barakzai: „Die Menschen litten sehr stark unter dem Bürgerkrieg. Es ist erstaunlich, dass die Taliban damals von den Menschen willkommen geheißen wurden.

Die Taten widersprachen völlig ihren Versprechungen. Sie sagten, dass sie Gerechtigkeit bringen werden. Aber sie töteten den ehemaligen Präsidenten ohne Gerechtigkeit, ohne Gericht.“

N. Ghulam: „Als die Taliban kam, endete der Bürgerkrieg und sie brachten uns Frieden. Aber sie nahmen uns die Freiheit. Frauen durften ihre Häuser nicht verlassen, mussten sich bedecken, nicht arbeiten, nicht studieren. Und niemand durfte ihr Haus betreten.“

S.Barakzai: „Als die Taliban mich auf der Straße geschlagen haben und mich fragten, warum ich ohne männliches Familienmitglied auf der Straße sei, ohne meinen Nachbarn. Ich war nicht streitlustig, aber ich musste ihnen etwas entgegnen. Ich sagte, ich habe versucht, jemand auf dem Gebrauchtwarenmarkt zu finden,  aber ohne Erfolg. Darauf schlugen sie mich noch mehr. Mitten auf der Straße, mindestens 200 Augenzeugen, ohne Grund. Diese Bestrafung war ein Weckruf. Aufwachen! Und ich bin aufgewacht. Ich begann im Untergrund zu unterrichten. Den Mädchen erklärte ich: Seht mal Mädchen, so seid ihr nicht wirklich. Als ich in eurem Alter war, war ich eine gute Basketballerin, eine gute Volleyballerin, hörte Musik, und ich konnte gut schreiben. Sie sahen mich auf eine sehr seltsame Weise an. ´Wie ist das möglich? Haben Sie einen Rock getragen? Haben Sie nie den Kopf bedeckt?` Ich: ´Das war normal`.“

N. Ghulam: „Mein Bruder war tot,  mein Vater krank, meine Schwestern waren klein, meine Mutter hatte nie in ihrem Leben gearbeitet. Ich dachte: Gut, wenn nur Männer arbeiten durften, werde ich mich eben wie ein Mann kleiden und meine Familien ernähren. Ich lebte in Angst, aber ich lebte. Ich lernte alle Regeln der Taliban kennen und wusste, was sie wollten. So lebte ich während des Taliban-Regimes. Einige Taliban waren gute Menschen, die auch Frieden wollten. Es gab abe auch Psychopathen, die einfach nur töten wollten, um ein Leben zu beenden. Da liegt daran, dass sie Waisen waren, Waisen des Bürgerkriegs. Sie haben ihre Eltern sterben sehen, ihre Liebsten. Es geschah vor ihren Augen. Sie sind im Glauben aufgewachsen, das Leben ist vorbei.

T. Alony: „Eines Tages kündigte man eine Hinrichtung im Fußballstadion an. Es gelang mir, eine kleine Kamera einzuschmuggeln. Es war verboten. 30.000 Menschen sagen zu. Es war schockierend für mich. Als es vorbei war, fragte ich einen Taliban, warum sie so sehr auf der Todesstrafe bestehen. Wenn sie doch fast überall auf der Welt abgeschafft wird? Er antwortete, es steht im Koran geschrieben ´Auge um Auge, Zahn um Zahn` Und außerdem ist es Teil der afghanischen Kultur. Der Afghane braucht Rache.“ (…)

(Wenige Monate, bevor die Taliban in Kabul einmarschierten, verwies der Sudan Osama bin Laden des Landes wegen Terrorverdacht.) „Die Taliban empfingen Osama bin Laden als Gast. Er erhielt den Status eines politischen Flüchtlings ohne weitere Rechte. Bin Laden ignorierte das und begann, Männer aus der ganzen arabischen Welt zu rekrutieren und zu schulen. Damit brachte er die Taliban gegen sich auf. Aber sie taten nichts dagegen, da sie das, was er in der Vergangenheit für Afghanistan getan hatte, respektierten.“

M. Khalili: (Europareise von Ahmad S. Massoud im April 2001) In Frankreich überbrachte A. Massoud Amerika die Botschaft, dass Osama bin Laden und Al Qaida eine Bedrohung für sie alle sein werden.

Ahmad Shah Massoud: „Meine Botschaft an Präsident Bush lautet wie folgt: Wenn er nict am Frieden in Afghanistan interessiert ist, wenn er dem afghanischen Volk nicht hilft, den Frieden zu erreichen, dann haben die Amerikaner und der Rest der Welt ein Problem. (4.April)

T. Alony: „Seit März gab es das Gerücht, dass Bin Laden einen Anschlag vorbereitet, der viele amerikanische Opfer fordern würde.“  (Massoud kehrt mit leeren Händen zrück)

M. Khalili schildert den Ablauf des Bombenanschlags auf Ahmad S. Massoud am 9. September, bei dem Massoud starb und Khalili schwer verwundet wurde. „Und zwei Tage später New York.“

 In der 4. Folge „Die NATO-Truppen

S. Samar (nach dem 11. September 2001): „Wenn man auf die Menschen schaut, die im Flugzeug Selbstmord begingen und mehr als 3.000 Menschen in New York töteten: Keiner von ihnen war Afghane, keiner. Aber sie alle waren in Afghanistan. Und warum ist das passiert? Weil Afghanistan vergessen wurde. Es gibt keine Garantie, dass es nicht nochmal passiert. Es kann wieder geschehen.“

A.J. Motasim: „Ich spürte eine große Gefahr. Wir dachten, unsere Regierung würde nicht länger bestehen, dass die USA uns aus Rache angreifen würden. Unsere Empfehlung lautete: Lass das Osama Bin Laden und die Amerikaner unter sich klären. Er sollte unser Land verlassen und nicht länger hier bleiben.“

M. Bearden (Im September 2001 Telefonat mit dem Taliban-Außenminister und seinem Dolmetscher): „Die Schlachtrufe, in Afghanistan einzufallen.. Dieser: ´Osama bin Laden steht nicht länger unter unserem Schutz. Wir schützen ihn nicht mehr. Schnappen Sie ihn einfach.` Ich habe im Weißen Haus angerufen. Dort sagte man, das sei ein guter Anfang. Ich dachte, ihr wollt da einfach einmarschieren und wisst nicht mal, wo Bin Laden ist!“

S. Barakzai: „Der Klang der B-52-Bomber war ein Alptraum. Unter den Taliban waren wenigstens die großen Städte sicher.“

T. Alony berichtet von seinem Interview mit Bin Laden vor seiner Flucht aus Afghanistan, umgeben von Bombenlärm.

Mc Chrystal (ab Mai 2002 im ersten HQ in Kabul): „Anfangs erwarteten wir lange, schmerzhafte Kämpfe, wie sie die Sowjetunion durchgemacht hatte. Nach nur wenigen Luftangriffen begannen die Taliban zusammenzubrechen.“

T. Alony: „Einige waren entschlossen, nach Pakistan oder woanders hinzugehen. Aber die meisten mischten sich unter das Volk. Niemand kann einen Taliban von einem Zivilisten unterscheiden, sie sehen gleich aus. Sie tragen die gleiche Kleidung.“

Mc Chrystal: „Wir waren besorgt, Al Qaida nicht aufspüren und vernichten zu können. Es gab nur sehr wenig Verständnis oder Anerkennung für das, was der Sowjetkrieg oder der Bürgerkrieg mit dem Land gemacht hatte. Wie kam es zu diesen Warlords? Wir verstanden nur wenig von dieser merkwürdig korrupten Gesellschaft. Alles, was wir versuchten zu verändern, ging anders aus, als wir erwarteten.“

S. Barakzai: „Es war eine so wunderbare Zeit. Auf einmal gab es Luft zum Atmen. Das war ein anderes Afghanistan. Wir haben erkannt, dass die Amerikaner nict gekommen sind, um uns zu töten. Sondern waren hinter den Taliban her.

N. Ibrahimi: „Ich fühlte mich wie wiedergeboren, als ich meine Burka ablegte. So fühlten sich auch tausende andere Frauen.  Weil wir nicht länger ausgepeitscht wurden. Weil es Hoffnung gab, wieder arbeiten zu dürfen. Weil wir wieder zur Schule, zur Arbeit, ins Krankenhaus gehen durften.“

S. Barakzai: „Die ganze Bevölkerung war in Bewegung. Und es gab eine Flut von Flüchtlingen, die aus der Diaspora zurückkehrten.

S. Samar: Am 5. Dezember rief mich mein Sohn an, dass ich Ministerin für Frauenangelegenheiten sei und Vizepräsidentin von Herrn Karzai.“

M. Bearden: „Nachdem wir 2001 einmarschiert waren, haben wir wieder die gleichen Leute eingesetzt.“

S. Barakzai: „Als die Mudjahedin-Führer ins Parlament kamen, war ich Abgeordnete. (…) Für keine Mutter ist es leicht, unter einem Dach mit diesen Menschen zu arbeiten. Sie haben mein Land zerstört. Durch sie verlor ich meine Kinder. Aber Rache hätte mich nur schwächer gemacht. Mich zu erinnern, ist besser als das. Deshalb begann ich mit ihnen zu arbeiten.,

Mc Chrystal (nach Beginn des ISAF-Einsatzes von 51 Ländern): „Ich hatte das Gefühl, dass Amerikaner Westler allgemein willkommen waren. Einige waren sogar sehr enthusiastisch. Der Westen wusste nicht, was er genau tun sollte, wieviel in Afghanistan investiert werden und wie stark er sich einmischen sollte. Ein absolutes Durcheinander. Das war mein erster Eindruck.

Es war, als wäre man als College-Student in einer Star-Wars-, einer Mafia-Bar. Wir haben nichts verstanden.

N. Ibrahimi: „Der Westen half uns, brachte uns Demokratie, den Frauen das Recht auf Freiheit und kümmerte sich um das Parlament. Ich habe studiert und bin Ärztin geworden. Nach den Taliban war das meine glücklichste Zeit. Die einzige Kritik die ich habe, betrifft die Wirtschaft. Sie gaben Geld aus, ohne irgendeinen Plan zu haben.“

(Zeit des Wiederaufbaus, der Selbstbereicherung der einen, der Verarmung der Masse, vor allem auf dem Land)

R. Bashardost: „Das Gehalt eines Regierungsbeamten beträgt weniger als 100 Dollar. Ich frage mich, wie sich damit jemand leisten kann, eine Villa zu bauen, die Hunderttausende von Dollar kostet.“

Ein Mann vom Land: „Sie saugen einem das Blut aus. Sogar die Regierung nimmt Bestechungsgelder. Die Taliban haben Frauen geschlagen und es gab Einschränkungen, asber zumindest gab es keine Bestechung.“

A.J. Motasim: „Die Armen wurden ärmer, die anderen steinreich. Ich kenne Leute aus Kandahar, die nicht einmal ein Auto, einen Laden, ein Haus hatten. Und jetzt haben sie Millionen von Dollar. Wir waren gegen die Regierung, wir waren gegen die USA. Je mehr korrupte Menschen an die Macht kamen, desto mehr profitierten wir davon. In jedem Bezirk, in jeder Provinz, in der sie schlechte Menschen einsetzten, flohen die Menschen und kamen zu uns. (…) Erst 2005 hatten wir genug Kraft, in einen großen Dschihad gegen die Amerikaner zu ziehen.“

Mc Chrystal: „In den Jahren 2005 und 2006 haben meine Streitkräfte einige brutale Kämpfe geführt. Viele Menschen, viele Tote.  Du versuchst allen zu erklären, dass es ziemlich ernst wird. Die Taliban sind in der Lage, im Kampf echte Stärke zu entwickeln. Dann begannen sie, Gebiete wie Helmand und Kandahar zu erobern. Und eine Schattenwirtschaft aufzubauen. Sie erhoben Wegzölle. Und plötzlich haben sie in der Region die Macht in den Händen.

Einzelne Taliban, (a) „Die Leute kommen aus ganz Afghanistan und aus anderen afghanischen Ländern zu uns. Sie kommen aus Tschetschenien, Usbekistan, Kasachstan, Tadschikistan. Mudjahedin aus dem Ausland kommen, aber wir dürfen nicht über sie sprechen. (b) (an einem Wrack der Sowjetarmee) „Wir haben Russland in 25 Teile zerschlagen. Und so Gott will, werden wir Amerika in 54 Teile schlagen. Wer ist stärker? Russland oder Amerika? Russland war stärker und sie wurden besiegt. Russland war gut vorbereitet und sehr mächtig, als sie sich mit den Muslimen einließen. Sie wurden in Stücke gerissen.“

E. Miller: „Ich komme aus einer sehr kleinen Stadt in Indiana und war noch nie im Ausland gewesen. Ich wusste nicht viel über die Welt. Zu dieser Zeit habe ich geglaubt, dass wir was bewirken können, dass wir versuchten den Terrorismus im Ausland zu bekämpfen.

Wie komplex die Welt ist und wie naiv ich war, erkannte ich, als ich in Afghanistan ankam. Eines nachts gingen wir gegen 2.30 Uhr zu einem Haus, wir weckten alle auf. Ich versuchte mit der ältesten Frau zu reden. Ich fragte sie, was hier vor sich geht. Sie fragte, warum wir hier sind. Ich sagte, weil es hier ziemlich üble Menschen gibt und wir müssen das klären. Sie sagte: Warum glauben Sie, dass Sie anders sind als die Taliban? Sie kommen um 2.00 Uhr morgens zu mir nach Hause, bedrohen mich und die tun dasselbe. Welche Seite soll ich wählen? Wenn ich mit den Taliban zusammenarbeite, sind Sie hinter mir her. Wenn ich mit Ihnen zusammenarbeite, sind die Taliban hinter mir her. Mir wurde zum ersten Mal klar, dass die meisten Afghanen einfach zwischen uns gefangen waren.“

A.J. Motasim: „Die Fehler der Amerikaner nutzten uns. Sie schikanierten die Leute, wir rekrutierten sie.“

E. Miller: „Wir begannen, unsere Taktik auf die Aufstandsbekämpfung umzustellen. Du weißt nicht, wer der Bösewicht ist. Er muss keine Uniform tragen. Man kann Gut und Böse nicht auseinanderhalten. Als sie uns beschossen, zogen wir uns in unsere Stützpunkte zurück. Wir hatten also keine Möglichkeit, eine sinnvolle Beziehung aufzubauen. Für die meisten von uns war es einfacher, die Afghanen zu hassen als sie zu verstehen. Wir blieben wieder unter uns.“

S. Barakzai: „Die Soldaten hatten Angst. Sie hielten immer Abstand.“

Mc Chrystal: „Um den Krieg in Afghanistan zu gewinnen, mussten wir die Unterstützung des afghanischen Volkes bekommen. Nicht seine Liebe, seine Unterstützung. Dafür sollte man sie nicht töten. Es sollte in ihrem Interesse sein, sich auf unsere Seite zu stellen. Wenn aber der Feind genug Gewalt erzeugt und dich selbst in einen gewalttätigen Modus versetzt, dann orderst du mehr gepanzerte Fahrzeuge, schwere Artillerie. Du wirst selbst eine Quelle der Gewalt, die unbeabsichtigt genau die Menschen tötet, mit denen du zusammenarbeiten wolltest.“

E. Miller: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir in Afghanistan hätten beginnen sollen. Und je länger wir dort waren, desto schlimmer wurde es, auch für die Afghanen Wir haben versucht, unsere Weltsicht durchzusetzen. So funktioniert das aber nicht. Ich hoffe, wir haben das erkannt. Ich bin mir nicht sicher.“

M. Bearden: „Die Menschen sollte inzwischen verstanden haben, dass es keine gute Idee ist, in Afghanistan einzumarschieren. Es hat schon in den letzten 2.400 Jahren nicht funktioniert. Wenn man Geschichte betrachtet, sollte das völlig klar sein: Lassen Sie sich nicht auf einen Aufstand ein, wenn Sie nicht auf Seiten der Aufständischen stehen.“

N. Ibrahim: „Die USA wollen Afghanistan loswerden. Es ist für die USA nicht wichtig, ob ich zur Arbeit gehe oder nicht. Die politischen Ziele ihres Landes haben Priorität. Aber was wird aus uns? (…)

Krieg bleibt nicht ohne Folgen. 80% der Bevölkerung leiden unter Depressionen. Sie kommen langsam. Wenn Sie jetzt um 6.00 Uhr morgens auf die Straßen  von Kabul gehen,, sehen Sie Kinder, die Plastiksachen oder Stifte verkaufen oder Schuhe polieren. Wir haben Tausende von hungrigen Kindern auf der Straße. Wie viele unserer Jugendlichen sind auf Booten auf Flüssen und Meeren versunken. Wie viele von ihnen sind in andere Länder ausgewandert. Wie viele von ihnen wurden unterwegs getötet. Hätte auch ich mein Land zurücklassen sollen? (…)

Ich habe an drei Verhandlungen mit den Taliban teilgenommen. Die Frauen in Afghanistan sind nicht mehr die gleichen wie vor 20 Jahren, die geschlagen werden und zu Hause bleiben.

Sie wissen, dass sie uns nicht wieder zum Schweigen bringen können. Dieses Land braucht sie. Wir müssen Widerstand leisten und unsere Stimme erheben.“

S. Barakzai: „Wir können das Probleme durch Gespräche und Verhandlungen lösen. Indem wir uns gegenseitig tolerieren und respektieren. Wir können uneinig sein, Aber wir müssen uns nicht gegenseitig umbringen. Der Krieg hat mich eine Menge gelehrt: Ich habe gelernt aufzustehen. Egal, wie oft wir auch hinfallen, wie oft wir zerbrechen. Wir stehen wieder auf. Das ist der Grund, warum Afghanistan so schön ist.“

„Ein Scheitern allerAfghanistan steht vor einem Bürgerkrieg nicht nur wegen der Taliban und der USA“ von dem Afghanistan-erfahrenen SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter im jüngsten SPIEGEL (11.04.2020):

„(…) Anstatt sich auf eine handlungsfähige Regierung zu verständigen, lähmen die beiden Kontrahenten Ashraf Ghani und Abdullah Abdullah seit Monaten die Exekutive, beide haben sich zum Präsidenten vereinigen lassen. Ihre Anhänger stehen davor, das Land in einen Bürgerkrieg zu reißen. , für den sie gar keine Taliban benötigen.

Es waren die USA, die 2001 die alten Warlords an die Macht brachten, in der Annahme, die Feinde ihrer Feinde seien das passende Personal für ein demokratisches Afghanistan. Doch zu unfähig, zu korrupt sind die Regierungen der vergangenen 18 Jahre gewesen, um einen Staat zu formen, abhängig von Geld und Waffen des Westens. Der sie nun fallen lässt. „Es ist ein Scheitern aller Beteiligten“, sagt der Co-Direktor des Afghanistan Analysts Network, Thomas Ruttig, „der Amerikaner, der Verbündeten sowie der afghanischen Eliten. Von denen aber wird niemand die Rechnung bezahlen, wenn der Staat kollabiert. Zahlen wird das Volk.“  

„Aus der Waffenschmiede der Taliban- Nach dem Friedensschluss in Doha mit den Amerikanern bereiten die Taliban die Machtergreifung in Kabul vor“, Reportage von Ulrich Schmidt, Neue Zürcher Zeitung 10.04.2010

https://www.nzz.ch/international/pakistan-in-der-waffenschmiede-der-taliban-ld.1548895?utm_source=pocket-newtab



[1] Vgl. W. Nachtwei, Freundschaft verpflichtet – 100 Jahre deutsch-afghanische Beziehungen – Gespaltene Erinnerungen,  Dezember 2015, http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&catid=36-71-86&aid=1380 ; Ders., Die Bundeswehr in Afghanistan – ISAF und Resolute Support, (2017) Januar 2000,  http://nachtwei.de/index.php?module=articles&func=display&aid=1625


Publikationsliste
Vortragsangebot zu Riga-Deportationen, Ghetto Riga + Dt. Riga-Komitee

Ende 1941/Anfang 1942 rollten Deportationszüge aus Deutschland und Österreich nach Riga.

1989 stieß ich auf die Spuren der verschleppten jüdischen Frauen, Männer und Kinder.

Mit meinem bebilderten Vortrag "Nachbarn von nebenan - verschollen in Riga" stehe ich gern für Erinnerungsveranstaltungen und Schulen zur Verfügung. (Anlage)

Vorstellung der "Toolbox Krisenmanagement"

Von der zivilen Krisenprävention bis zum Peacebuilding: Die 53-seitige Broschüre stellt kompakt und klar auf jeweils einer Themenseite Prinzipien, Akteure und Instrumente des Krisenmanagements vor. Bei einem Kolloquium im Bundestag in Berlin wurde die Schrift einem Fachpublikum vorgestellt. Erstellt von AutorInnen des Zentrums Internationale Friedenseinsätze ZIF und der Stiftung Wissenschaft und Politik SWP ist die "Toolbox" ein wichtiger Beitrag zur friedens- und sicherheitspolitischen Grundbildung auf einem Politikfeld, wo die Analphabetenrate in der Gesellschaft, aber auch in Medien und Politik sehr hoch ist. ... www.zif-berlin.de

zif
Auf dem Foto überreicht W. Nachtwei den AutorInnen seine 2008 erschienene Broschüre zur Zivilen Krisenprävention und Friedensförderung.

Mehr zur Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure bei der zivilen Konfliktbearbeitung u.a.:

Tagebuch
    • Meine persönlichen Jahresrückblicke + Kurzmeldungen zur Friedens- und Sicherheitspolitik (Nr. 1-50 im Tagebuchformat)

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