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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Srebrenica - Was damals geschah: AuszÃ¼ge aus dem vergriffenen Tag-fÃ¼r-Tag-Bericht &quot;Die letzten Tage von Srebrenica&quot; des Pulitzer-PreistrÃ¤ges David Rohde (1997); Links zu Dokumenten, Foto- und Filmmaterial von 1995 </title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            Srebrenica - Was damals geschah: AuszÃ¼ge aus dem vergriffenen Tag-fÃ¼r-Tag-Bericht &quot;Die letzten Tage von Srebrenica&quot; des Pulitzer-PreistrÃ¤ges David Rohde (1997); Links zu Dokumenten, Foto- und Filmmaterial von 1995          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 19. Juli 2020 14:20:24 +02:00 (39955 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>David Rohde, sp&auml;ter New York Times, stie&szlig; im August 1995 aurf die Spuren der Massaker von Srebrenica, recherchierte, sprach mit vielen &Uuml;berlebenden, Akteuren und Beteiligten auf verschiedenen Ebenen. Sein umfassender, aufw&uuml;hlender und aufkl&auml;render Bericht zum Fall von Srebrenica ist seit Jahren vergriffen. Der Rohde-Bericht ist ein historisches, politisch-menschliches Dokument sondergleichen. Im Folgenden versuche ich ihn in Ausz&uuml;gen wiederzugeben.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Srebrenica - Was damals geschah:</strong></p>
<p align="center"><strong>Ausz&uuml;ge aus dem Tag-f&uuml;r-Tag-Bericht &bdquo;Die letzten Tage von Srebrenica&ldquo; </strong></p>
<p align="center"><strong>von David Rohde (1997). Links zu Dokumenten, Videos von 1995</strong></p>
<p align="center">Zusammengestellt von W. Nachtwei (18. Juli 2020)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(A) Zeitzeugenberichte, &nbsp;Dokumente,Videos</span></strong></p>
<p><strong>Srebrenica Genocide Memorial Center &amp; Cemetry, </strong><a href="https://www.srebrenicamemorial.org/en">https://www.srebrenicamemorial.org/en</a> ,<strong> 25 years later Srebrenica genocide</strong>, Video 1:02 M., <a href="https://www.youtube.com/watch?v=blsw0o4N01g">https://www.youtube.com/watch?v=blsw0o4N01g</a></p>
<p><strong>Srebrenica Web Genocide Museum</strong>, Virtual Tour, Aljazeera Balkans,</p>
<p><a href="http://www.srebrenica360.com/">http://www.srebrenica360.com/</a></p>
<p><strong>Plattform &bdquo;Devedesete.net&ldquo; (Neunziger)</strong>: &bdquo;Learning history that is not yet history&ldquo;, Unterrichtsmaterialien zu den kriegerischen 1990er Jahren in Ex-Jugoslawien:, erstellt von Historiker*innen und Geschichtslehrer*innen aus Bosnien, <a href="http://www.devedesete.net/">http://www.devedesete.net/</a></p>
<p><strong>&bdquo;Srebrenica Genocide in eight acts&ldquo;</strong> Timeline vor 11.07., 11.-16.07., nach 16.07. mit vielen Dokumenten, Fotos, Videos, <a href="http://srebrenica.sensecentar.org/en/">http://srebrenica.sensecentar.org/en/</a></p>
<p><strong>Die Zeugin &ndash; Christine Schmitz, deutsche Krankenschwester in Srebrenica, </strong>DIE SEITE DREI der S&Uuml;DDEUTSCHEN am 10. Juli 2015. (&bdquo;Die Zeugin&ldquo; von Stefan Klein, <a href="http://www.sueddeutsche.de/politik/srebrenica-die-zeugin-1.2558950?reduced=true">http://www.sueddeutsche.de/politik/srebrenica-die-zeugin-1.2558950?reduced=true</a> )</p>
<p>Im M&auml;rz 1995 war die Mitarbeiterin der &bdquo;&Auml;rzte ohne Grenzen&ldquo; aus Tschetschenien zur&uuml;ckgekehrt. Als Ersatz f&uuml;r eine erkrankte Person traf sie am 24. Juni zusammen mit einem australischen Arzt in Srebrenica ein. Am 6. Juli begann der Angriff der bosnisch-serbischen Armee auf die Enklave. Eine Evakuierung war wegen der Bombardierungen nicht m&ouml;glich. Sie und der Arzt waren die einzigen internationalen und unabh&auml;ngigen Helfer vor Ort. Sie erlebten die niederl&auml;ndischen UN-Soldaten, die jede medizinische Hilfe verweigerten und keinen einzigen Schuss zur Verteidigung der Enklave abgaben; den Abzug von zehn-, vielleicht f&uuml;nfzehntausend&nbsp; Menschen, die versuchten sich durch serbische Linien und vermintes Gel&auml;nde die 80 km nach Tuzla durchzuschlagen; den R&uuml;ckzug einiger Tausend, haupts&auml;chlich Frauen und Kinder, auf ein verlassenes Fabrikgel&auml;nde im Weiler Potocari. Hier begegnete Christine Schmitz General Mladic, den sie aufforderte, die Patienten nicht wegschaffen zu lassen. Er reagierte ungehalten &ndash; aber die Patienten blieben. Dann begannen die Selektionen, Deportationen.</p>
<p>&bdquo;Wenn Christine Schmitz heute an Potocari zur&uuml;ckdenkt, dann findet sie, dass es damals durchaus m&ouml;glich gewesen w&auml;re, den Massenmord zu erkennen, der da in Vorbereitung war. Es fehlte ja nicht an Indizien. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(B) &bdquo;Die letzten Tage von Srebrenica</span></strong> &ndash; Was geschah und wie es m&ouml;glich wurde&ldquo; von David Rohde, Reinbek 1997, 476 Seiten</p>
<p><em>Der amerikanische Journalist war im August 1995 als Berichterstatter f&uuml;r &bdquo;The Cristian Science Monitor&ldquo; in Bosnien unterwegs und h&ouml;rte von Massengr&auml;bern, die US-Aufkl&auml;rungs-flugzeuge in der N&auml;he von Srebrenica ausfindig gemacht hatten. Er stie&szlig; auf erste mutma&szlig;liche Massengr&auml;ber, befragte in Fl&uuml;chtlingslagern &Uuml;berlebende und entdeckte weitere Exekutionsst&auml;tten. F&uuml;r seine Bosnien-Berichterstattung erhielt Rohde 1996 den Pulitzer-Preis. In seinem detaillierten Tag-f&uuml;r-Tag-Bericht schildert er das Geschehen in der Schutzzone und das Verhalten der direkt und indirekt Beteiligten. Im Mittelpunkt stehen die Erlebnisse von sieben Menschen: zwei serbischen Soldaten, zwei niederl&auml;ndischen Soldaten und drei muslimischen &Uuml;berlebenden. Er verkn&uuml;pft die aufw&uuml;hlenden pers&ouml;nlichen Geschichten, die politische und psychosoziale Motivation der direkt Beteiligten sowie das Verhalten der UNO, der NATO, der Europ&auml;er und Amerikaner.</em></p>
<p><em>Das Buch war vom Autor gedacht als &bdquo;vorl&auml;ufiger Bericht &uuml;ber den Fall von Srebrenica&ldquo;. Er schildert detailliiert aus verschiedenen Perspektiven die Gewalteskalation im eingekesselten Srebrenica, in den W&auml;ldern und an den Exekutionsorten. Da das aufw&uuml;hlende &nbsp;Buch vergriffen ist, gebe ich im Folgenden wesentliche Passagen wieder. Der Fokus meiner Zusammenfassung liegt auf den Geschehnissen in der &bdquo;Schutzzone&ldquo; und bei den f&uuml;nf Massaker-Tagen, weniger bei den Kommandoebenen in Tuzla, Sarajevo, Zagreb. Die wichtigen Passagen zum Verhalten der relevanten Regierungen von Washington, New York &uuml;ber Paris und London bis Den Haag (Bonn spielte keine erkennbare Rolle) bleiben au&szlig;en vor.</em></p>
<p><em>Filmmaterial + Fotos zu den verschiedenen Stationen (Chaos in Srebrenica, Flucht nach Potocari, Busevakuierung von Frauen + Kindern, Mladic in Srebrenica und mit NL-Kommandeur, Exekutionsorte + Befehle) auf </em>&nbsp;<a href="http://srebrenica.sensecentar.org/en/"><em>http://srebrenica.sensecentar.org/en/</em></a></p>
<p><strong>Kontext:</strong> Bei Ausbruch des Krieges im April 1992 hatte Bosnien 4,3 Millionen Einwohner mit 44% Muslimen, 31% Serben und 17% Kroaten.</p>
<p>&bdquo;Von den sechs Teilrepubliken Jugoslawiens war Bosnien die mit der meistentwickelten ethnischen Integration. In gro&szlig;en und mittelgro&szlig;en St&auml;dten waren Mischehen zwischen Serben, Kroaten und Muslimen verbreitet.&ldquo; (S. 12)&nbsp; Vor dem Krieg z&auml;hlte das Bergbaust&auml;dtchen &bdquo;Silberstadt&ldquo; im Osten Bosniens unweit der Drina 9.000 Einwohner. Anderthalb Kilometer &ouml;stlich der Stadt liegt eine Heilquelle. Srebrenica erstreckt sich durch ein drei Kilometer langes und 800 Meter breites Tal, umgeben von steilen H&auml;ngen. Die Grenze zu Serbien ist nur 16 km entfernt. 3 km n&ouml;rdlich im Dorf Potocari entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg Fabriken f&uuml;r Autobatterien u.a. &bdquo;Srebrenica genoss einen Lebensstandard, der dem der Vereinigten Staaten und Westeuropas gleichkam.&ldquo; (S. 15)</p>
<p>Kurz nach Ausbruch der K&auml;mpfe 1992 &bdquo;brachten paramilit&auml;rische, nationalistische Verb&auml;nde aus Serbien die Stadt unter ihre Kontrolle mit dem Ziel, die Muslime aus der Stadt zu vertreiben. (&hellip;) Drei Wochen sp&auml;ter eroberten sie unter der F&uuml;hrung von Naser Oric, einem 26-j&auml;hrigen, charismatischen Polizisten, die Stadt zur&uuml;ck.&ldquo; Die Serben hielten die Stadt aber eingekesselt. 1993 gingen &bdquo;bosnische Serben mit der Unterst&uuml;tzung von Truppen, Panzern und Artillerie aus dem benachbarten Serbien zur Gegenoffensive &uuml;ber,&ldquo; UN-Lebensmittelkonvois wurden blockiert, US-Maschinen warfen Lebensmittel mit Fallschirmen ab. &bdquo;Bis Mitte 1993 dr&auml;ngten sich in Srebrenica und dem kleinen Streifen Umland 60.000 muslimische Zivilen.&ldquo; (S. 15)</p>
<p>Der Oberkommandierende der UN-Truppen in Bosnien, der franz&ouml;sische General Philippe Morillon, suchte ohne Absprache mit New York die Enklave auf und versprach dort spontan den Schutz der UN. Als die muslimische Verteidigung zu br&ouml;ckeln begann, &bdquo;verabschiedete der UN-Sicherheitsrat am 16. April die Resolution 819 und erkl&auml;rte Srebrenica und ein 130 Quadratkilometer gro&szlig;es Umland zur ersten UN-Schutzzone der Welt.&ldquo; (S. 16)</p>
<p>Die Forderung von UN-Generalsekret&auml;r Boutros-Ghali nach 34.000 Blauhelmsoldaten zur &Uuml;berwachung der inzwischen sechs Schutzzonen scheiterte an der Weigerung m&ouml;glicher Truppensteller. Angenommen wurde dann eine &bdquo;Schutzzonen-light&ldquo;-Version&nbsp; mit 7.600 Blauhelmsoldaten. Nach Srebrenica wurden 750 leicht bewaffnete UN-Soldaten entsandt, zuerst kanadische, dann niederl&auml;ndische. Ihr Auftrag: Entwaffnung der muslimischen Verteidigungstruppen und &bdquo;Abschreckung&ldquo; gegen bosnisch-serbische Angriffe.</p>
<p><strong>6. Juli</strong></p>
<p><strong>UN-Beobachtungsposten (BP) Foxtrott</strong> im S&uuml;dostzipfel der &bdquo;Schutzzone&ldquo;, sechs NL-Blauhelmsoldaten, die mit ihrem Bataillon seit f&uuml;nf Monaten vor Ort sind: Kurz nach 5.00 Uhr detonieren erste M&ouml;rsergranaten in N&auml;he des BP, der auch den Spitznamen &bdquo;Urlaub&ldquo; hatte, weil dort wenig passierte. (Um 3.15 Uhr wurden auch sechs Raketen &uuml;ber das NL Hauptquartier im Dorf Potocari gefeuert)</p>
<p>Die niederl&auml;ndischen Soldaten der neutralen UN-Friedenstruppe tragen leuchtend blaue UN-Helme, Baretts und Kappen. Der BP Foxtrott ist kilometerweit zu sehen. &bdquo;Muslimische Soldaten hatten diesen und ein halbes Dutzend andere strategisch wichtige Berge murrend den UN-Truppen &uuml;bergeben, als Srebrenica zur Schutzzone wurde.&ldquo; (S. 28)</p>
<p>Die NL Blauhelme waren Fallschirmj&auml;ger, aber nur schwach bewaffnet. Ihre UN-Maxime war, mit ihren Aktivit&auml;ten transparent zu sein &ndash; und sich damit verwundbar zu machen.</p>
<p>Die Muslime weigerten sich, sich voll entwaffnen zu lassen, und unternahmen nachts Vorst&ouml;&szlig;e in serbisches Gebiet. Gelegentlich schossen beide Seiten aus dem Hinterhalt auf die Niederl&auml;nder.</p>
<p>&bdquo;Seit Monaten hatten die bosnischen Serben die UN-Nachschubkonvois blockiert.&ldquo; Seit dem 18. Februar war kein Diesel mehr durchgekommen. Die meisten der 13 BP wurden mit Maultieren und Traktoren versorgt. Seit zwei Monaten gibt es keine frischen Lebensmittel mehr.</p>
<p>Nach der ersten halben Stunde Artilleriefeuer ist klar, dass es nicht auf die BP zielt, sondern auf primitive Sch&uuml;tzengr&auml;ben der Muslime. In ca. anderthalb Kilometer Entfernung drei Panzer, zwei Feldhaubitzen und ein Mehrfachraketenwerfer.</p>
<p>&bdquo;Die Ankunft der UN-Truppen im April 1993 war f&uuml;r die Verteidiger von Srebrenica eine milit&auml;rische Katastrophe. Die Muslime hatten ihre Einheiten offiziell aufgel&ouml;st und die beiden Panzer und die Handvoll Artilleriegesch&uuml;tze, die sie von den Serben erobert hatten, abgeliefert.&ldquo; (S. 31)</p>
<p>Ein alter Weltkrieg-II-Panzer feuert alle halbe Stunde zwei, drei Sch&uuml;sse auf BP Foxtrott, wenn sich Soldaten auf dem Turm zeigen. Der Postenf&uuml;hrer, ein Feldwebel, bittet bei der Kompanie um Luftnahunterst&uuml;tzung oder Erlaubnis zum R&uuml;ckzug.&nbsp; Der Kp-Chef forderte an, ohne Erfolg. (Genehmigen muss das UN-Oberkommando in Sarajevo.)</p>
<p>Erst um 19.00 Uhr verstummt das Feuer. Ca. 200 Granaten landen am Rand des Lagers oder im Stacheldraht, der Posten bekommt sechs Treffer.</p>
<p><strong>7. Juli </strong></p>
<p>Regen und dichter Nebel, kein Artilleriebeschuss.</p>
<p><strong>8. Juli</strong></p>
<p><strong>UN-BP Foxtrott</strong>: Als sich der Morgennebel lichtet, ist wieder die serbische Artilleriestellung zu sehen. Um 11.25 Uhr setzt der Artilleriebeschuss gegen die muslimischen Sch&uuml;tzengr&auml;ben rund um den BP ein, Ab 14.00 Uhr beschie&szlig;t der T-34-Panzer den BP. Die BP-Besatzung bereitet ihren R&uuml;ckzug mit ihrem gepanzerten Mannschaftstransportwagen (MTW) vor, als in 100 m Entfernung ein T-54-Panzer auftaucht &ndash; und sich ca. 20 schwer bewaffnete serbische Soldaten n&auml;hern, darunter einige in Uniformen der ber&uuml;chtigten Arkan-Tiger. &Uuml;berraschenderweise winken die Soldaten, kommen n&auml;her, Handschlag, zun&auml;chst freundliches Gespr&auml;ch. Dann dringen die Soldaten in den BP ein, nehmen Wertgegenst&auml;nde und Waffen an sich, durchsuchen den MTW. Um 15.00 Uhr verlassen die UN-Soldaten entwaffnet den BP.&nbsp; Foxtrott ist aufgegeben.</p>
<p>Im 500 m entfernten Sch&uuml;tzengraben der Muslime entsteht Panik.</p>
<p>Auf der Asphaltstra&szlig;e blockieren ein Bauer mit zwei Frauen und zwei Jugendlichen mit &Auml;sten die Stra&szlig;e. &bdquo;In den vergangenen Monaten hatten muslimische Soldaten die Niederl&auml;nder gewarnt, dass sie alle Blauhelmsoldaten t&ouml;ten w&uuml;rden, die einen der strategisch wichtigen Beobachtungsposten aufgaben. Viele der Niederl&auml;nder hatten schon jetzt mehr Angst vor den Muslimen, die sie besch&uuml;tzen sollten, als vor den Serben, die die Enklave belagerten.&ldquo; (S. 57)</p>
<p>Als der MTW weiterf&auml;hrt, wirft der Bauer eine Handgranate. Der MG-Sch&uuml;tzen wird am Kopf getroffen. Im UN-Lager in Potocari stirbt er.</p>
<p>Um 17.00 Uhr fahren zwei MTW aus dem UN-Lager die Berge hinauf, um zu erkunden, wieweit die Serben in die Enklave vorgedrungen sind. Mit leuchtend blauen UN-Helmen und weit h&ouml;rbarem Scheppern der Ketten sind sie ein leichtes Ziel. Die UN-Soldaten treffen auf muslimische Soldaten, Zwei Handgranaten werden Richtung MTW geworfen, der zur&uuml;ckf&auml;hrt.</p>
<p>Um 18.30 Uhr wird <strong>BP Uniform</strong>, ein Kilometer westlich von Foxtrott, von serbischen Soldaten umstellt. Die Niederl&auml;nder werden in das serbische Bratunac eskortiert.</p>
<p>Am heutigen Samstag, 8. Juli, wurden insgesamt 200 Granateinschl&auml;ge in der Enklave gez&auml;hlt. Seit Beginn des Angriffs am 6. Juli wurden sechs Menschen get&ouml;tet und sechs Niederl&auml;nder als Geiseln genommen. Die S&uuml;dostecke der Enklave ist voll unter serbischer Kontrolle. Von muslimischer Seite gibt es kaum Widerstand.</p>
<p><strong>Niederl&auml;ndisches UN-Hauptquartier in Potocari</strong>: Der NL Bataillonskommandeur Oberstleutnant (OTL) Thomas Karremans kommt zu dem Schluss, dass die Serben nur daran interessiert seien, die S&uuml;dh&auml;lfte der Enklave zu kontrollieren.</p>
<p><strong>Luftnahunterst&uuml;tzung?</strong> Wie am 6. Juli lehnt auch heute (um 13.00 Uhr) der Stabschef der UN-Truppen in Bosnien, der NL General Cees Nicolai, die von UN-Kommandeur Karremans angeforderte Luftnahunterst&uuml;tzung der NATO ab. Auch der Oberkommandierende aller UN-Truppen im ehemaligen Jugoslawien, der franz&ouml;sische General Benard Janvier, sieht in Angriffen auf BP keinen ausreichenden Grund f&uuml;r den Einsatz von NATO-Kampfflugzeugen. BP seien nicht zu verteidigen, sondern zu r&auml;umen. F&uuml;r Janvier und den Sonderbeauftragten des UN-Generalsekret&auml;rs, Yasushi Akashi, steht die Neutralit&auml;t der UN-Truppe an erster Stelle. Im Gegensatz dazu tritt General Rupert Smith, Oberkommandierender der UN-Truppen in Bosnien, daf&uuml;r ein, &bdquo;den Serben mit Gewalt entgegenzutreten. Solange man zulie&szlig;, dass die Serben UN-Nachschubtransporte blockierten, UN-Schutzzonen beschossen und UN-Beobachtungsposten st&uuml;rmten, w&uuml;rde sie das nur ermutigen und ihr Verhalten aggressiver machen.&ldquo; (S. 44)</p>
<p><strong>Dissens der Westm&auml;chte</strong>: &bdquo;Viele offizielle Vertreter Gro&szlig;britanniens und Frankreichs standen den Behauptungen der Muslime skeptisch gegen&uuml;ber, dass die Serben, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg auf der Seite der Alliierten gek&auml;mpft und gewaltige Verluste an Menschenleben erlitten hatten, in gro&szlig;em Ma&szlig;stab Gr&auml;ueltaten begingen. Unter F&uuml;hrung des britischen Au&szlig;enministers Douglas Hurt hielten Briten und Franzosen die Sicht der Amerikaner, die in dem Konflikt einen v&ouml;lkerm&ouml;rderischen Aggressionskrieg der Serben gegen die wehrlosen Muslime Bosniens sahen, f&uuml;r ahistorisch, &uuml;bertrieben und naiv.&ldquo; (S. 45)</p>
<p>&bdquo;Im Mai 1995 erreichte die Auseinandersetzung &uuml;ber Luftwaffeneins&auml;tze ihren H&ouml;hepunkt.&nbsp; (&hellip;) Die UN-Mission hatte einen Tiefpunkt erreicht. Bosnische Serben blockierten 70% der Hilfstransporte und die UN waren nicht imstande, ihre eigenen Friedenstruppen in den (..) Enklaven (&hellip;) zu versorgen. (&hellip;) Die erbitterte Spaltung zwischen Briten, Franzosen und Amerikanern &uuml;ber Luftwaffeneins&auml;tze f&uuml;hrte zum &bdquo;Zwei-Schl&uuml;ssel-System&ldquo; von UNO und NATO bei der Bewilligung von Luftangriffen.&ldquo; (S. 47)</p>
<p>Am 29. Mai gab Janvier die neuen Richtlinien f&uuml;r Lufteins&auml;tze heraus. Jetzt musste der UN-Generalsekret&auml;r selbst bei jedem angeforderten Luftangriff seine Zustimmung geben. Um daf&uuml;r das notwendige stillschweigende Einverst&auml;ndnis des Sicherheitsrates zu bekommen, konnte es Tage dauern.</p>
<p><strong>9. Juli</strong></p>
<p><strong>Massenflucht vom S&uuml;den</strong>: Am Morgen str&ouml;men von S&uuml;den Fl&uuml;chtlinge in die Stadt: &bdquo;Gro&szlig;m&uuml;tter umklammerten mit m&uuml;den Armen Decken, Taschen und Enkelkinder. Gebeugte alte M&auml;nner schoben schwei&szlig;triefend Schubkarren voller Kinder und Lebensmittel. Angsterf&uuml;llte M&uuml;tter f&uuml;hrten Kleinkinder an der Hand. Magere K&uuml;he &ndash; ein kostbarer Besitz in der langsam verhungernden Enklave &ndash; trotteten tr&auml;ge mittenunter ihren besorgten Besitzern einher. (&hellip;) Alle zehn bis f&uuml;nfzehn Minuten pfiffen Granaten und Raketen &uuml;ber ihre K&ouml;pfe hinweg und schlugen mit donnerndem Knall ein. Anfangs trieb jeder Einschlag die Herde Menschen auseinander. Mit der Zeit ignorierten die Leute die Gefahr. Zun&auml;chst zielten die Serben nicht direkt auf Zivilisten.&ldquo; (S. 76)</p>
<p><strong>Milit&auml;rische Lage: </strong>Um 8.30 Uhr beobachten 20 UN-Soldaten demonstrativ sichtbar mit zwei MTW die einzige vom S&uuml;dostzipfel in die Stadt herunterf&uuml;hrende Stra&szlig;e. Die bosnischen Serben halten die Gipfel rund um die Schutzzone, eine ideale Ausgangslage f&uuml;r Artilleristen.</p>
<p>Um 8.45 Uhr die Nachricht dass BP Sierra, der letzte UN-BP der Niederl&auml;nder in der S&uuml;dostecke, von den Serben genommen und gepl&uuml;ndert worden sei. Wieder werden die UN-Soldaten vor die Wahl gestellt, entweder nach Srebrenica oder ins serbisch besetzte Bratunac zu fahren.</p>
<p>(General Janvier empfiehlt in einem Bericht an den Sicherheitsrat, aus den &ouml;stlichen Schutzzonen bis auf wenige Fliegerleitoffiziere aller UN-Truppen abzuziehen. Der Sicherheitsrat lehnt die Empfehlung ab, verweigert aber auch eine Truppenaufstockung.)</p>
<p>Gegen 12.00 Uhr neue Lagebeurteilung durch OTL Karremans, dass kurzfristig nicht mit einer Eroberung der gesamten Enklave zu rechnen sei. Er spricht sich gegen die Anforderung von Luftnahunterst&uuml;tzung aus. weil dies die bosnisch-serbische Armee provozieren w&uuml;rde, Srebrenica, die BP und das Lager mit allen Mitteln anzugreifen. &bdquo;Da die Raketenwerfer mit einer Salve sechs bis 42 Raketen auf einmal losschie&szlig;en k&ouml;nnten, h&auml;tten sie ein Gel&auml;nde von 4.000 Quadratmetern &ndash; die Gr&ouml;&szlig;e des niederl&auml;ndischen Lagers &ndash; in nur 15 Sekunden in Brand setzen k&ouml;nnen. Seit der Angriff am 6. Juli begonnen hatte, folgten jedem niederl&auml;ndischen Fahrzeug, das die UN-Lager in Srebrenica oder Potocari verlie&szlig;, sofort Granaten. Auch H&auml;user au&szlig;erhalb des UN-HQ in Potocari hatten die serbischen Sch&uuml;tzen unter Beschuss genommen. Der Versuch, die Niederl&auml;nder einzusch&uuml;chtern, war offensichtlich, und er wirkte.&ldquo; (S. 101)</p>
<p><strong>R&uuml;ckz&uuml;ge</strong>: Um 13.30 Uhr war erneut ein NL MTW als Sp&auml;htrupp nach SO unterwegs, vor dem pl&ouml;tzlich 15-20 serbische Soldaten auftauchten. Diese entwaffneten die UN-Soldaten und weisen sie an, nach Bratunac zu fahren. Die Serben verf&uuml;gten inzwischen &uuml;ber 20 niederl&auml;ndische Geiseln.</p>
<p>Gegen 15.00 schlagen bei den BP Kilo und Delta, den letzten niederl&auml;ndischen BP im ganzen S&uuml;den, Granaten ein. In der N&auml;he des BP Mike im Norden schlagen ebenfalls mehrere Granaten ein. &bdquo;Die Serben griffen die UN-BP direkt an. Die Bedingungen f&uuml;r eine Luftnahunterst&uuml;tzung&nbsp; waren erf&uuml;llt. Aber OTL Karremans und sein Stellvertreter forderten sie nicht an.&ldquo; &nbsp;Sie erlauben den Soldaten, den BP zu r&auml;umen. Den Vorschlag des niederl&auml;ndischen Stabschefs bei UNPROFOR in Sarajevo, NATO-Flugzeuge show of force &uuml;ber der Enklave zu fliegen, lehnen beide ab, weil das die Serben aufbringen k&ouml;nne.</p>
<p>Um 16.30 Uhr r&auml;umen die UN-Soldaten den Posten Mike. 200 m weiter werden sie von w&uuml;tenden muslimischen Soldaten und Zivilisten bedr&auml;ngt und aufgefordert, in den BP zur&uuml;ckzukehren. Als die UN-Soldaten sich weigern, verlangen die muslimischen Soldaten die &Uuml;bergabe der Waffen und drohen mit Gewehrgranaten. (S. 106)</p>
<p>Zur selben Zeit wird den Besatzungen von BP Delta und Kilo erlaubt, ihren Posten zu r&auml;umen. Damit ziehen sich die Niederl&auml;nder aus der S&uuml;dh&auml;lfte der Enklave&nbsp; zur&uuml;ck, ohne einen einzigen Schuss abgegeben zu haben.</p>
<p>Um 18.00 Uhr sind die Serben f&uuml;nf Kilometer in die Enklave vorgedrungen und stehen knapp einen Kilometzer vor Srebrenica. Erstmalig kommt bei OTL Karremans und dem UN-Kommandeur f&uuml;r den NO-Sektor Bosniens der Gedanke auf, dass die Serben vorhaben k&ouml;nnten, die Schutzzone ganz einzunehmen.</p>
<p><strong>Oberst Harm de Jonge</strong>, Chef des operativen Planungsstabes in Zagreb, entwirft einen &bdquo;Plan, nach dem das niederl&auml;ndische Bataillon einen knappen Kilometer s&uuml;dlich von Srebrenica eine <strong>Auffangstellung </strong>einrichten sollte. Auf den drei Hauptstra&szlig;en in die Stadt sollen niederl&auml;ndische Soldaten mit MTW eingesetzt werden.&ldquo; (S. 109) F&uuml;r den Fall des Angriffs auf die Auffangstellung werde NATO-Luftnahunterst&uuml;tzung angefordert. General Janvier und und UN-Sondergesandter Akashi stimmen zu.</p>
<p>Am Abend ruft General Nicolai OTL Karremans an und bespricht mit ihm die f&uuml;r den Folgetag geplante Auffangstellung. Die Warnung mit NATO-Luftunterst&uuml;tzung wird in Zagreb (Luftnahunterst&uuml;tzung bei Angriff auf die Niederl&auml;nder) und Potocari (massive Luftangriffe auf alle serbischen Truppen in der Enklave) unterschiedlich interpretiert</p>
<p>Bei Sonnenuntergang haben die Serben 30 niederl&auml;ndische Geiseln in ihrer Gewalt und kontrollieren die gesamte S&uuml;dh&auml;lfte der Enklave. Die Frontlinie der Enklave war 30 km lang. &bdquo;Der Hauptangriff kam offenbar aus S&uuml;den und bestand aus vier Panzern und etwa 200 Infanteristen. Mehrere Schl&uuml;sselstellungen auf den Bergen an der Ostgrenze (gehalten von muslimischen Soldaten) nahmen die Serben heute unter schweren Beschuss.&ldquo; (S. 116)</p>
<p><strong>10. Juli</strong></p>
<p><strong>Bosniakischer Gegenangriff</strong>: Um 6.50 startet einen Kilometer n&ouml;rdlich vom ehemaligen BP Foxtrott ein Gegenangriff von 20 bosniakischen Soldaten auf einen serbischen T-54-Panzer und etwa 30 schlafende serbische Soldaten. Einige serbische Soldaten fallen sofort. Die anderen ziehen sich zur&uuml;ck. Rechts und links r&uuml;ckt je ein muslimischer Zug vor. Nach einiger Zeit reagieren die serbischen Kr&auml;fte mit massivem Artilleriebeschuss.</p>
<p>Um 7.00 Uhr sind drei der vier <strong>Auffangstellungen</strong> eingerichtet mit 60 niederl&auml;ndischen Soldaten, sechs MTW`s und vier Fliegerleitoffizieren. Jeder MTW ist mit &auml;u&szlig;erst pr&auml;zisen Dragon-Panzerabwehrraketen ausgestattet, die aber nur eine Reichweite von 450 m haben &ndash; serbische T-54-Panzer hingegen 1.500 m.</p>
<p>&bdquo;Den Morgen &uuml;bernahmen serbische Artillerie und M&ouml;rser die Stadt unter den intensivsten Beschuss seit Beginn des Angriffs. (&hellip;) Dutzende Sprenggranaten sausten in H&auml;user, Stra&szlig;en und Wohnblocks.&ldquo; (S. 124)</p>
<p>Die Niederl&auml;nder melden in der Nacht per Fax 15 serbische Stellungen nach Sarajevo. Es heri&szlig;t, vierzig Flugzeuge w&uuml;rden &uuml;ber der Adria kreisen.</p>
<p><strong>Dritte Anforderung</strong>: &bdquo;Um 8.55 fordert OTL Karremans zum dritten Mal seit Beginn des Angriffs Luftnahunterst&uuml;tzung an. Die Anforderung wird abgelehnt. Sarajevo teilt mit, Da die Niederl&auml;nder nicht zu 100% sicher seien, dass die Auffangstellung von Serben beschossen worden sei, seien die Kriterien f&uuml;r Luftunterst&uuml;tzung nicht erf&uuml;llt.&ldquo; (S. 124) Um 10.30 kreisen vierzig Flugzeuge &uuml;ber der Adria, h&ouml;chstens sechs davon f&uuml;r Luftangriffe, die anderen als Eskorte und zur Unterst&uuml;tzung.</p>
<p>Um 11.00 Uhr im UN-Hauptquartier in Zagreb: Die Vorbehalte vieler westlicher Offiziere in der UN-Mission gegen&uuml;ber den bosnischen Muslimen sind erheblich. Manche glauben, diese w&uuml;rden Granaten auf die eigenen Leute abfeuern, um die Serben zu verteufeln und weltweit Sympathien zu gewinnen. &bdquo;F&uuml;r diese Behauptungen gab es nie einen Beweis, aber bei manchen hochrangigen Offizieren und UN-Vertretern dass das Mistrauen tief, dass bosnische Muslime versuchten, die UN und die NATO in einen Krieg gegen Serbien zu verwickeln.&ldquo; (S. 127)</p>
<p>Kurz nach 11.00 Uhr detonieren Granaten in unmittelbarer N&auml;he der Auffangstellung nach Westen. Etliche Soldaten stehen unter Schock. Ein britischer Fliegerleitoffizier ist verwundet, ein niederl&auml;ndischer steht kurz vor einem Nervenzusammenbruch.</p>
<p>Gegen 16.00 Uhr: Von NATO-Flugzeugen ist immer noch nichts zu sehen.</p>
<p>&bdquo;Als Oberleutnant Egbers die Stadt erreicht, ist er entsetzt &uuml;ber das Chaos. Tausende von Menschen dr&auml;ngen sich auf den Stra&szlig;en. Hunderte Menschen umringen in Panik sein Fahrzeug und schreien auf Englisch: &bdquo;Fuck you!&ldquo; Schwer bewaffnete muslimische M&auml;nner schwenken Gewehrgranaten in der Luft und schreien Egbers zu, er solle nach S&uuml;den zu den Serben fahren. Andere versuchen auf das Fahrzeug aufzuspringen und sein Maschinengewehr zu benutzen.&ldquo; (S. 13)</p>
<p>Um 18.00 Uhr 80 serbische Infanteristen auf dem Hang oberhalb Srebrenica. Ab 18.30 schie&szlig;en niederl&auml;ndische Soldaten mit MG &uuml;ber die K&ouml;pfe der anr&uuml;ckenden serbischen Soldaten, zus&auml;tzlich mit Leuchtgranaten Meldung aus dem UN-HQ in Potocari: Vorbereitung auf einen Luftangriff.</p>
<p>Die Anforderung von Luftnahunterst&uuml;tzung geht um 19.15 Uhr in Sarajevo ein. Der stv. Oberkommandierende unterzeichnet. Um 19.50 Uhr Krisenstab in General Janviers B&uuml;ro in Zagreb. Ausf&uuml;hrliche Beratung. (S. 144-148) Oberst de Jonge: &bdquo;Dass Sie gestern eine energische Erkl&auml;rung gegen&uuml;ber Mladic abgegeben haben und er sie ignoriert, denke ich, dass Sie Luftnahunterst&uuml;tzung anordnen m&uuml;ssen.</p>
<p>&bdquo;Die Anforderung zur Luftnahunterst&uuml;tzung von 19.00 Uhr war mittlerweile anderthalb Stunden alt. OTL Karremans in Srebrenica rief alle Viertelstunde General Nicolai in Sarajevo an, um zu h&ouml;ren, ob sie endlich bewilligt sei. De Jonge, der die Idee mit der Auffangstellung entwickelt hatte, konnte nicht fassen, wie lange es dauerte.&ldquo;<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> (S. 147) R&uuml;ckfrage beim niederl&auml;ndischen Verteidigungsminister, weil jetzt auch das Leben von drei&szlig;ig niederl&auml;ndi-schen Geiseln auf dem Spiel steht. Verteidigungsminister Joris &bdquo;Voorhoeve&nbsp; trifft eine der wenigen mutigen Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Angriff auf Srebrenica. Er entscheidet, dass das Leben der 30 Blauhelmsoldaten gleichrangig zu betrachten ist wie das Leben von 30.000 Muslimen. Die UN-Schutzzone und die Bev&ouml;lkerung sollen verteidigt werden. (&hellip;) keine Einw&auml;nde gegen Luftnahunterst&uuml;tzung.&ldquo;</p>
<p>Weitere R&uuml;cksprachen Janviers mit Akashi. R&uuml;ckzug der Serben vom Berg &uuml;ber der Stadt. Umgekehrt serbisches Ultimatum an die UN. Einzelne Offiziere dr&auml;ngen auf Einsatz. Die Flugzeit nach Srebrenica sei 20 Minuten. General Janvier lehnt Luftnahunterst&uuml;tzung ab. Der serbische General Tolimir hat ihm gerade am Telefon versichert, man habe nicht vor, die Enklave einzunehmen.</p>
<p>Nach Mitternacht teilt OTL Karremans der muslimischen F&uuml;hrung in Srebrenica mit, dass &bdquo;bis morgen um 6.00 Uhr 40-60 Flugzeuge &uuml;ber Srebrenica eintreffen werden. Es wird einen massiven Luftangriff geben.&ldquo; (S. 158)</p>
<p><strong>11. Juli</strong></p>
<p><strong>Warten, Warten</strong>: In der Nacht h&ouml;rt das Artilleriefeuert nicht auf. UN-Milit&auml;rbeobachter z&auml;hlen 182 Detonationen. Die UN-Soldaten vor Ort erwarten ab 6.00 Uhr NATO-Luftangriffe. Am Vorabend war eine aktualisierte Zielliste an das &uuml;bergeordnete Kommando gegangen. 6.00, 7.00 Uhr &uuml;berall Stille. Die S&uuml;dostecke der Enklave ist in einen regelrechten Schie&szlig;stand verwandelt. &bdquo;Auf den drei strategisch wichtigsten Bergen (&hellip;) haben serbische Artillerie und Panzer Stellung genommen.&ldquo; (S. 166) Der Nebel lichtet sich, um 8.00 Uhr immer noch keine NATO-Flugzeuge. Das UN-HQ in Potocari fordert erneut beim HQ f&uuml;r den NO-Sektor in Tuzla Luftangriffe an, zum vierten Mal seit dem 6. Juli. In der SO-Ecke wird wieder gek&auml;mpft.</p>
<p>Um 9.00 Uhr keine Flugzeuge. Bosnisch-serbische Infanterie steht einen halben Kilometer vor Srebrenica. Anruf aus Potocari in Tuzla. Man erf&auml;hrt, dass die Anforderung von 8.00 Uhr abgelehnt wurde, weil die Niederl&auml;nder ein Anforderungsformular f&uuml;r Luftangriffe und nicht f&uuml;r Luftnahunterst&uuml;tzung eingereicht hatten. Um 9.45 geht die aktualisierte Anforderung auf dem richtigen Formular von Tuzla nach Sarajevo, die zweimal korrigiert werden muss. Um 10.45 trifft eine korrekte Anforderung in Sarajevo ein. Da war es bereits zu sp&auml;t.&ldquo; Den Flugzeugen, die seit 6.00 Uhr &uuml;ber der Adria kreisten, geht der Treibstoff aus. In zwei Stunden st&uuml;nden sie wieder zur Verf&uuml;gung.</p>
<p>Als von Bravo 1 wieder ein MTW den Serben zwecks demonstrativer Beobachtung entgegenfahren soll, revoltieren die niederl&auml;ndischen Soldaten. Auch der Fliegerleitoffizier weigert sich.</p>
<p>Serbische Gesch&uuml;tze nehmen wieder die gesamte Enklave unter Beschuss und vor allem auch Stellungen, wo Fliegerleitoffiziere vermutet werden. BP Mike und BP November am Nordrand der Enklave werden um 11.10 Uhr von M&ouml;rsern und schweren MG beschossen.</p>
<p>Als kurz nach 11.00 Uhr die Anforderung zur Luftnahunterst&uuml;tzung in Zagreb eintrifft, z&ouml;gert General Janvier wieder. Die UN-Truppenf&uuml;hrung ist sich immer noch nicht sicher, ob die Serben die ganze Enklave einnehmen wollen. Um 12.05 Uhr unterzeichnet Janvier die Anforderung, vier Stunden nach Eingang. Um 12.06 starten die Flugzeuge in Italien. Sie k&ouml;nnen fr&uuml;hestens um 13.45 &uuml;ber Srebrenica eintreffen.</p>
<p>F&uuml;nf Tage nach der ersten Anforderung wird die inzwischen sechste bewilligt.</p>
<p><strong>Flucht aus der Stadt:</strong> &bdquo;Drau&szlig;en ziehen Gro&szlig;eltern, Soldaten, M&uuml;tter und Kinder in einem un&uuml;bersehbaren Menschenstrom vorbei. 15.000 Menschen sind auf dem Weg zum niederl&auml;ndischen Lager am Nordende der Stadt, um dort Schutz zu suchen. Sch&uuml;sse hallen von den Bergen im S&uuml;den und Osten der Stadt wider. &Uuml;ber den K&ouml;pfen der Fl&uuml;chtenden zischen Granaten.&ldquo; (S. 177)</p>
<p>&bdquo;Der R&uuml;ckzug der Niederl&auml;nder und der Muslime schaukelt sich gegenseitig hoch. Beide Seiten, v&ouml;llig demoralisiert durch das Ausbleiben der NATO-Flugzeuge, halten die Lage f&uuml;r hoffnungslos. Langsam ziehen die Niederl&auml;nder in Schritten von jeweils 200 m Richtung Norden zur&uuml;ck. Nirgends gibt es einen entschlossenen Versuch, die Serben aufzuhalten. Eine Handvoll Muslime feuert auf dem R&uuml;ckzug wie wild auf die vorr&uuml;ckenden Serben. Die Niederl&auml;nder geben, gem&auml;&szlig; Hauptmann Groens Strategie, neutral zu bleiben, keinen Schuss ab.&ldquo; (S. 178)</p>
<p><strong>&Uuml;ber der Adria</strong> gruppieren sich 18 NATO-Flugzeuge zur Formation, darunter sechs niederl&auml;ndische und amerikanische F-16, zwei F-111 mit Systemen zur Bek&auml;mpfung gegnerische Luftabwehr, zwei Tankflugzeuge, eine C-130 als Kommando-, Kontroll- und Fernmeldezentrale, eine AWACS-Maschine und mehrere Eskorten. Die NATO ist eine Stunde hinterm Zeitplan zur&uuml;ck, Eintreffen um 14.30 Uhr.</p>
<p><strong>Srebrenica:</strong> Die gesamte Enklave f&auml;llt offenbar &uuml;ber die NL Basis her, &uuml;be 5.000 Zivilisten. Es &bdquo;wimmelt von verzweifelten Menschen. Mit be&auml;ngstigender Geschwindigkeit breitet sich Panik aus.&ldquo; Die UN-Soldaten dr&auml;ngen die Menschen nach Norden, zum UN-HQ in Potocari.</p>
<p>Mit Lkw`s sollen Verwundete nach Potocari evakuiert werden. &bdquo;Doch sobald die Fahrzeuge ins Freie kamen, st&uuml;rzen sich Zivilisten auf sie. J&uuml;ngere Menschen sto&szlig;en &Auml;ltere von den Lastern. Frauen streiten sich erbittert. Die ersten, die auf dem Lastwagen sind, werden von Dutzenden weiteren zerquetscht, die sich mit Gewalt einen Weg auf die &uuml;berf&uuml;llten Ladefl&auml;chen bahnen. Menschen sitzen auf den D&auml;chern. Klammern sich seitlich fest und h&auml;ngen sogar an der Windschutzscheibe. (&hellip;) Je weiter die Serben vorr&uuml;cken, desto mehr breitet sich in der Schutzzone eine Stimmung aus, in der der nackte &Uuml;berlebenswille herrscht.&ldquo; (S- 180 f.)</p>
<p><strong>Luftnahunterst&uuml;tzung:</strong> Um 14.30 Uhr meldet ein Fliegerleitoffizier das Eintreffen von NATO-Flugzeugen, allerdings nur zwei. Es sind zwei F-16 der K&ouml;niglich-Niederl&auml;ndischen Luftwaffe, eine von einer Pilotin geflogen. Der Fliegerleitoffizier dirigiert die Maschinen zur Stra&szlig;e s&uuml;dlich der Stadt zu einem Panzer. Die F-16 greift im Sturzflug an, wirft eine Bombe. NL Soldaten in der N&auml;he meinen, &bdquo;einen brennenden Panzer zu sehen.&ldquo; Blauhelmsoldaten jubeln. Mehrfach gehen die beiden Flugzeuge im Sturzflug auf Panzer herunter, werfen aber keine Bomben ab. Eine zieht im Tiefflug &uuml;ber das UN-HQ in Potocari weg und wirft eine zweite Bombe auf dem Berg ab. Dann verschwinden die Flugzeuge. Das Artilleriefeuer geht unvermindert weiter.</p>
<p>Die Flugzeuge hatten keine lasergesteuerten, sondern frei fallende Bomben. Die Serben hatten die Niederl&auml;nder gehindert, die entsprechende Laserausstattung mit in die Enklave zu bringen.</p>
<p>Zwei weitere amerikanische F-16 haben Schwierigkeiten, geeignete Ziele auszumachen. In Potocari meldet sich ein serbischer Dolmetscher: &bdquo;Wenn die NATO-Angriffe nicht sofort aufh&ouml;ren, werden alle niederl&auml;ndischen Blauhelmsoldaten in serbischem Gewahrsam get&ouml;tet. Auch das niederl&auml;ndische Lager in Potocari wird unter Beschuss genommen.&ldquo; (S. 188)</p>
<p>Nach Potocari zieht eine gut drei Kilometer lange Kolonne von 13.000 Fl&uuml;chtlingen, Die Serben nehmen sie nicht unter Beschuss.</p>
<p>Um 15.30 Uhr trifft in Zenica der Vorstand der muslimisch-nationalistischen Demokratischen Aktionspartei mit Pr&auml;sident Izetbegovic, Armeechef Delic u.a. zusammen. Von Delic`s Ausf&uuml;hrungen befassen sich nur f&uuml;nf Minuten mit Srebrenica. &bdquo;Dass die Armee den Kommandeur und einen Gro&szlig;teil der milit&auml;rischen F&uuml;hrung aus Srebrenica abgezogen hatte, erw&auml;hnt er mit keinem Wort.&ldquo; (S:. 191)</p>
<p><strong>Einmarsch serbischer Soldaten in Srebrenica</strong>: Gegen 16.15 dringen Soldaten der Bosnisch-Serbischen Armee in das UN-Lager in Srebrenica ein. &bdquo;Die erste UN-Schutzzone der Welt ist gefallen. Ein niederl&auml;ndischer und etwa 50 bis 75 muslimische Soldaten sind bei der Verteidigung der Schutzzone get&ouml;tet worden. Ebenso viele bosnisch-serbische Soldaten sind bei den K&auml;mpfen um diesen wohl &uuml;berraschendsten Sieg des Krieges gefallen&ldquo; (S. 191 f.)</p>
<p>Die niederl&auml;ndische Regierung bittet den zivilen Leiter der UN-Mission, keine weiteren Angriffe zur Luftnahunterst&uuml;tzung zu fliegen.</p>
<p>Um 17.00 Uhr zieht General Ratko Mladic triumphierend in Srebrenica ein: &bdquo;Wir machen dem serbischen Volk diese Stadt zum Geschenk. Nach der Rebellion der Dahijas (<em>Anm.: serbischer Aufstand, den die T&uuml;rken 1804 gewaltsam niederschlugen</em>) ist endlich der Zeitpunkt gekommen, Rache an den T&uuml;rken dieser Region zu nehmen.&ldquo; (S. 193)</p>
<p>In Potocari lassen die Niederl&auml;nder etwa 5.000 Zivilisten auf das Gel&auml;nde des UN-HQ.</p>
<p>Um 20.30 Uhr wird OTL Karremans von den bosnischen Serben zu einer Besprechung nach Bratunac ins Hotel Fontana zitiert, Hier trifft er auf General Mladic, den Befehlshaber der bosnisch-serbischen Armee. Hier kommt es zu der ber&uuml;chtigten Szene, wo Karremans und Mladic einander mit Sektgl&auml;sern gegen&uuml;ber zu stehen scheinen.</p>
<p>Um 22.30 Uhr eine zweite Begegnung mit General Mladic im Hotel Fontana,</p>
<p><strong>Kolonne bosniakischer M&auml;nner</strong>: In Susnjari, im &auml;u&szlig;ersten Nordwesten der Enklave und unweit BP Mike, ber&auml;t die muslimische F&uuml;hrung der Enklave, welche Route die Kolonne &nbsp;nach Tuzla im Norden nehmen sollte. 10.-15.000 M&auml;nner sind auf den Feldern von Susnjari versammelt, nur ein Drittel von ihnen ist bewaffnet. Die Gruppen an der Spitze haben die besten &Uuml;berlebenschancen.</p>
<p>Susnjari ist von einem Minenfeld umgeben. Die R&auml;umung eines Pfades durch das Minenfeld wird wesentlich schwieriger als erwartet. Der Pfad ist gerade so breit, dass ein Mann darauf gehen kann. &bdquo;Der &acute;Todesmarathon`, wie er sp&auml;ter hei&szlig;en sollte, hatte begonnen.&ldquo; (S. 207)</p>
<p><strong>12. Juli</strong></p>
<p>Die 42-j&auml;hrige bosnisch-muslimische Buchhalterin Camila Omanovic aus Srebrenica befindet sich unter 20.000 Fl&uuml;chtlingen auf dem Parkplatz vor dem UN-HQ in Potocari. Sie wird gebeten, als Vertreterin der Fl&uuml;chtlinge an einem Treffen mit General Mladic im Hotel Fontana teilzunehmen. Unterwegs begegnet sie vier bosnisch-serbischen Bekannten bzw. Schulfreunden. Diese reagieren abweisend, zum Teil hasserf&uuml;llt. (S. 211)</p>
<p><strong>Die Kolonne</strong> der M&auml;nner aus dem Nordwesten der Enklave ist acht Kilometer lang, einer marschiert hinter dem anderen. Mehr als 20% der Strecke sind gef&auml;hrlich freies Gel&auml;nde. Viele V&auml;ter gehen neben ihren S&ouml;hnen.&nbsp; &bdquo;Es war ein grausames Gel&auml;nde. Endlose Berge und T&auml;ler zehrten an den Kr&auml;ften der M&auml;nner. Ihre Essensvorr&auml;te reichten f&uuml;r einen Tag, aber vor ihnen lag ein sechst&auml;giger Marsch. (&hellip;) In regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden hallten Artilleriefeuer und Detonationen &uuml;ber die Berge. Gelegentlich pfiffen Gewehrsalven &uuml;ber ihre K&ouml;pfe.&ldquo; (S. 218)</p>
<p><strong>UN-Basis Potocari</strong>: Gegen 13.00 Uhr n&auml;hern sich dem UN-HQ ein serbischer Panzer und ein MTW. 20 bis 30 schwerbewaffnete Serben n&auml;hern sich. Zwei Kanonen, zwei Panzer, drei Mehrfachraketenwerfer und ein Flak-Gesch&uuml;tz haben die Serben in unmittelbarer Sichtweite des NL-Lagers aufgestellt. OTL Karremans an seine Vorgesetzten: &bdquo;Ich bin nicht imstande, (a) diese Menschen zu verteidigen, (b) mein eigenes Bataillon zu verteidigen.&ldquo; Der einzige Ausweg seien Verhandlungen auf h&ouml;chster Ebene.&nbsp; (S. 222)&nbsp; &bdquo;In den Fabrikgeb&auml;uden fangen die Serben an, den Niederl&auml;ndern CD`s, pers&ouml;nliche Dinge und andere Ausr&uuml;stungsgegen-st&auml;nde zu stehlen. (&hellip;) Eifrig bem&uuml;ht, die Serben nicht zu provozieren, hatten niederl&auml;ndische Offiziere beschlossen, alle Niederl&auml;nder zu entwaffnen und die Waffen der Blauhelme in einem der MTW`s zu deponieren.&ldquo; (S. 223) Einzelne Serben bieten den Niederl&auml;ndern Schnaps und Zigaretten an.</p>
<p><strong>Erste Selektionen von M&auml;nnern</strong>: Serben beginnen, M&auml;nner aus der Fl&uuml;chtlingsmenge zusammenzutreiben. Angeblich, um sie zur Befragung wegzubringen.</p>
<p>Gegen 15.00 Uhr kommt ein kleiner Laster, von dem serbische Soldaten den Menschen Brot zuwerfen. Ein Fernsehteam filmt die Szene.</p>
<p><strong>General Mladic:</strong> Um 16.00 Uhr trifft General Mladic ein. &bdquo;Vor laufenden Kameras verteilen seine M&auml;nner S&uuml;&szlig;igkeiten an die Kinder. Mladic spielt den liebevollen Gro&szlig;vater. &acute;Es wird niemandem etwas geschehen. Sie haben nichts zu bef&uuml;rchten. Sie werden alle evakuiert.&ldquo;</p>
<p><strong>&bdquo;Evakuierungen&ldquo;:</strong> Es fahren Busse und Laster vor, wenden und parken in einer langen Reihe. Der niederl&auml;ndische Offizier vom Dienst zu Mladic: &bdquo;Wir werden in keiner Weise kooperieren. Sie d&uuml;rfen die Leute nicht ohne unsere Erlaubnis wegbringen. Was haben Sie vor?&ldquo; Mladic: &bdquo;Wir bringen die Fl&uuml;chtlinge an einen besseren Ort. Uns h&auml;lt nichts auf.&ldquo; (S. 231)</p>
<p>Serbische Soldaten zerren Niederl&auml;nder aus der Blauhelmkette, um Fl&uuml;chtlinge zu den Fahrzeugen zu treiben. 50 schwer bewaffnete serbische Soldaten stehen 30 weitgehend unbewaffneten Blauhelmsoldaten gegen&uuml;ber. Muslime hasten zu den Bussen und Lastern und werden von den Serben beschimpft. &bdquo;Einigen Blauhelmsoldaten werden mit vorgehaltener Waffe ihre Helme und Schutzjacken abgenommen. (&hellip;) Die Serben f&uuml;hren die muslimischen M&auml;nner weg, die kaum oder gar nicht Widerstand leisten. (&hellip;) Die Serben verhaften, verspotten und vertreiben Menschen, die die Niederl&auml;nder besch&uuml;tzen wollen. (&hellip;) Die Dem&uuml;tigung ist komplett.&ldquo; (S. 232)</p>
<p>Alte und behinderte M&auml;nner werden in ein nahe gelegenes Geb&auml;ude getrieben.</p>
<p>Der&nbsp; niederl&auml;ndischer Leutnant van Duijn st&ouml;&szlig;t sich daran, wie die Serben mit den Fl&uuml;chtlingen umgehen und wird selbst initiativ. Als serbische Soldaten muslimische M&auml;nner von ihren Familien trennen und in ein nahes Haus f&uuml;hren, fragt van Duijn nach. Sie w&uuml;rden verh&ouml;rt und &uuml;berpr&uuml;ft, ob es Kriegsverbrecher seien. Mehrfach protestiert van Duijn am Nachmittag, denn er findet, dass die fortgebrachten M&auml;nner zu jung oder zu alt sind. Die M&auml;nner werden freigelassen.</p>
<p>UN-Soldaten begleiten einzelne Fl&uuml;chtlingskonvois, die muslimische Zivilisten tats&auml;chlich nach Zentralbosnien bringen. Bei Durchquerung von bosnisch-serbischem Gebiet &ldquo;verh&ouml;hnen serbische Menschenmengen die Muslime und bewerfen den Bus mit Steinen.&ldquo; (S. 239)</p>
<p>&bdquo;Die Vertreibung der muslimischen Bev&ouml;lkerung der Stadt war offenbar von langer Hand geplant.&ldquo; (S. 240)</p>
<p>In Potocari verhalten sich die serbischen Soldaten auch gegen&uuml;ber den UN-Soldaten immer dreister, Pistolen und Schutzjacken werden ihnen abgenommen.</p>
<p>(Zum Bild der Muslime in der nationalistisch-serbischen Propaganda, S. 241 ff.)</p>
<p><strong>Erschie&szlig;ungen:</strong> Unter den Augen der Niederl&auml;nder versuchen f&uuml;nf muslimische Gefangene zu fliehen. Zwei&nbsp; werden auf der Stelle erschossen, drei ergeben sich. Ein anderer Zwischenfall: Ein mit Pistole bewaffneter serbischer Soldat f&uuml;hrt f&uuml;nf muslimische M&auml;nner in das Fabrikgeb&auml;ude gegen&uuml;ber der UN-Basis. Minuten sp&auml;ter sind f&uuml;nf oder sechs Sch&uuml;sse zu h&ouml;ren, und der serbische Soldat kommt allein heraus. &bdquo;Auch aus den Bergen hinter dem Haus, in das man die alten M&auml;nner gebracht hatte, halten Sch&uuml;sse wieder. Als Leutnant van Duijn und ein UN-Milit&auml;rbeobachter das Geb&auml;ude nachmittags kurz inspizierten, fanden sie nur v&ouml;llig ver&auml;ngstigte Muslime. Sp&auml;ter war aus den W&auml;ldern zwei bis vier qu&auml;lende Stunden lang systematisches Einzelfeuer von Kalaschnikow-Sturmgewehren zu h&ouml;ren.&ldquo; (S. 244)</p>
<p><strong>Eine Kolonne zwischen der Enklave</strong> und Konjevic Polje: Neun Stunden haben die M&auml;nner bis <strong>Kamenica</strong> gebraucht. Dreimal mussten sie einen H&ouml;henunterschied von 600 m bew&auml;ltigen. &bdquo;Pl&ouml;tzlich sausten Granaten &uuml;ber ihre K&ouml;pfe hinweg. Ohne Vorwarnung hallten Sch&uuml;sse wider. Immer wieder lie&szlig;en sie Leichen am Wegrand zur&uuml;ck. Eine serbische M&ouml;rsergranate war um 13.00 Uhr vor ihnen eingeschlagen und hatte f&uuml;nf M&auml;nner get&ouml;tet. (&hellip;) Wie ein Lauffeuer verbreiteten sich in der Kolonne Ger&uuml;chte &uuml;ber Serben, die sich als Muslime verkleidet h&auml;tten.&ldquo; (S. 254)</p>
<p>Gegen 20.30 Uhr: Der Hang explodiert. Schreie gellen. Schrapnelle bersten in der Luft und prasseln auf den ganzen Hang nieder. Aus allen Richtungen schie&szlig;en Automatik-Gewehre. &bdquo;M&auml;nner hetzten den Hang hinunter, hinauf und kreuz und quer. In dem Inferno lassen sie Waffen und Taschen fallen. M&auml;nner fallen hin und bleiben keuchend und st&ouml;hnend liegen. Tr&auml;ger lassen die Verwundeten zu Boden fallen und suchen im n&auml;chsten Geb&uuml;sch oder W&auml;ldchen Deckung. M&auml;nner, die bergab rennen, stolpern und fallen in dem steilen Gel&auml;nde kopf&uuml;ber 50 Meter tief. Die wenigen, die Gewehre haben, wissen nicht, wohin sie schie&szlig;en sollen, weil das Feuer aus so vielen verschiedenen Richtungen kommt.</p>
<p>Das serbische Flugabwehrgesch&uuml;tz und der M&ouml;rser stehen offenbar auf dem Hang unmittelbar gegen&uuml;ber der Wiese, auf der 3.000 bis 5.000 Muslime rasteten. Die Kanoniere haben als Ziel eine knapp einen Kilometer breite Lichtung voller Menschen vor sich. (&hellip;)</p>
<p>Schlie&szlig;lich liegen mindestens 125 Tote und Hunderte Verwundete auf dem Hang zerstreut. Die Verwundeten bleiben sich selbst &uuml;berlassen, verurteilt, langsam an ihren Verletzungen zu sterben. Die Lebenden kauern sich schutzsuchend unter das Geb&uuml;sch oder rennen panisch durch den Wald. Tausende sind von ihren Verwandten, Freunden oder F&uuml;hrern getrennt. Die zehn Kilometer lange Kolonne ist in zwei Teile gerissen.</p>
<p>Srebrenicas F&uuml;hrung, die an der gut bewaffneten Kolonnenspitze geht, entkommt dem Gemetzel. Als der &Uuml;berfall aus dem Hinterhalt losbricht, ist die f&uuml;nf Kilometer weit vorn.&ldquo; (S. 255 f.)</p>
<p><strong>Potocari</strong>: &bdquo;Abgrundtiefe Angst breitet sich in Potocari aus. Sie nagt an den 15.000 Muslimen auf den Parkpl&auml;tzen und in den Fabrikgeb&auml;uden; hysterisch, ausgehungert, jenseits der Ersch&ouml;pfung. Sie l&auml;hmt die Niederl&auml;nder, die vorsichtig die n&auml;here Umgebung der Basis patrouillieren oder sich auf dem Lagergel&auml;nde verstecken. Und sie berauscht die Raubtiere unter den serbischen Soldaten und Polizisten.&ldquo; (S. 257)</p>
<p>&bdquo;M&auml;nner und Jungen verstecken sich unter Decken oder verkleiden sich als Frauen. Junge M&auml;dchen verh&uuml;llen ihre Gesichter.&ldquo; (S. 258)</p>
<p><strong>13. Juli</strong></p>
<p><strong>An der UN-Basis Potocari</strong>: Im Lauf der Nacht beobachtet Camila Omanovic, wie Serben aus der Fl&uuml;chtlingsmenge an der UN-Basis Dutzende von M&auml;nnern abholen, vier von ihnen kennt sie. Keiner wird zur&uuml;ckkehren. Am Morgen und Vormittag werden in der Umgebung der UN-Basis mehrere Leichen gefunden: Ein Bauarbeiter, der am Vortag verh&ouml;rt wurde, hat sich erh&auml;ngt. Ein zweiter Selbstm&ouml;rder wird in einem Geb&auml;ude auf der anderen Stra&szlig;enseite in einem als Toilette benutzten und verdreckten Raum gefunden. In Fabrikgeb&auml;uden rund um die UN-Basis werden weitere Leichen entdeckt: ein erh&auml;ngtes 14-j&auml;hriges M&auml;dchen, das serbische Soldaten in der Nacht vergewaltigt haben, ein Baby, eine alte Frau und zwei alte M&auml;nner. Sp&auml;ter an einem Bach auf der anderen Stra&szlig;enseite neun m&auml;nnliche Leichen: alle mit Schusswunden im R&uuml;cken und in der Herzgegend.</p>
<p>Die Fl&uuml;chtlinge, die mittlerweile 36 Stunden ohne Essen vor dem niederl&auml;ndischen Lager verbracht haben, pl&uuml;ndern die G&auml;rten und K&uuml;chen der naheliegenden H&auml;user.</p>
<p><strong>Kolonne Richtung Nova Kasaba</strong>: &bdquo;&Uuml;berall in den Bergen lie&szlig;en Freunde und Verwandte Verwundete sterbend zur&uuml;ck. Andere irrten orientierungslos umher.&ldquo; (S. 274)</p>
<p>In der Kolonne f&uuml;nf Kilometer voraus an der Landstra&szlig;e zwischen Nova Kasaba und Konjevic Polje: &bdquo;Nur ein neun Meter breiter Asphaltstreifen, ein nahezu ausgetrocknetes Flussbett und dahinter ein 200 Meter breites Feld trennen Tausende von Muslimen von der Freiheit. Die meisten M&auml;nner aus Srebrenica waren vor dem Krieg unz&auml;hlige Male durch diese Landschaft gefahren. Jetzt hatte sich das vertraute Tal und die Stra&szlig;e (&hellip;) in einen Todesstreifen verwandelt. bewacht von einstigen Freunden, die heute Feinde waren.</p>
<p>Die letzten Fl&uuml;chtlingsgruppen huschten gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit hin&uuml;ber. (&hellip;) Serbische MTW`s bezogen entlang der Stra&szlig;e Stellung. Verst&auml;rkt waren jetzt serbische Fu&szlig;streifen im Einsatz. (&hellip;) Serben in gestohlenen niederl&auml;ndischen Uniformen patrouillierten in der Umgebung in ebenfalls gestohlenen gepanzerten MTW`s der UN.</p>
<p>N&ouml;rdlich von Konjevic Polje wurden 17 Gefangene ans Ufer des Flusses Jada gef&uuml;hrt. Ohne Vorwarnung er&ouml;ffneten die Wachen das Feuer. Abseits der Landstra&szlig;e verschwanden pl&ouml;tzlich die Wachen, die vor einer Gruppe von 25-30 Gefangenen hergingen. Von hinten er&ouml;ffneten die &uuml;brigen Wachen das Feuer. (&hellip;)</p>
<p>Dutzende ersch&ouml;pfter, benommener und unbewaffnete Muslime stolperten bei der Hitze von &uuml;ber 32&deg; C aus den W&auml;ldern. Sie trugen Verwundete auf improvisierten Tragen aus Decken und Baumst&auml;mmen. Ihre schwei&szlig;bedeckten Gesichter waren gezeichnet von Resignation und Angst. Es waren gebrochene Menschen.&ldquo; (S. 275)</p>
<p><strong>Lagerhalle in Bratunac </strong>mit &uuml;ber 400 Gefangenen: Die Wachen haben es vor allem auf jene Muslime abgesehen, die in Bratunac gut bekannt waren, und auf j&uuml;ngere und ges&uuml;ndere Gefangene. Diese werden gepr&uuml;gelt, verh&ouml;rt und gefoltert. Einzelnen wird mit einer Axt in den R&uuml;cken geschlagen oder die Kehle aufgeschlitzt. (S. 279)</p>
<p><strong>Fu&szlig;ballplatz in Nova Kasaba</strong>: &bdquo;Tausende muslimische M&auml;nner knien auf dem Platz, die H&auml;nde &uuml;be dem Kopf, ihre Blicke gesenkt. Serbische Soldaten br&uuml;llten etwas. (&hellip;) Hier liegt etwas in der Luft, ein deutlicher Unterschied zu den serbischen Soldaten, die die Enklave eingenommen hatten. Viele geh&ouml;ren anscheinend zu den Drinaw&ouml;lfen. (&hellip;) Viele der M&auml;nner geh&ouml;ren nicht zu den gro&szlig;spurigen muslimischen Soldaten (&hellip;); es sind stolze, eigensinnige Bauern, vor denen sie Respekt haben.&ldquo; (S. 284)</p>
<p><strong>UN-Basis Potocari</strong>: Im Laufe des Nachmittags leeren sich die Fabrikgeb&auml;ude allm&auml;hlich. Im Lager der noch 5.000 Muslime breitet sich Resignation aus.</p>
<p><strong>Gefangene auf einer Wiese</strong> an der Stra&szlig;e von Bratunac nach Konjevic Polje: Unter den 1.000 bis 2.0000 muslimischen Gefangenen sind auch M&auml;nner, die sich nach dem gestrigen Hinterhalt von Kamenica ergeben haben. Nach einer Rede von General Mladic marschieren die Gefangenen in Kolonne nach Kravica, bewacht von Soldaten mit Kalaschnikow`s. Die Gefangenen werden in drei Betonlagerhallen gebracht, die sonst als Scheunen genutzt werden.</p>
<p>Die M&auml;nner, die der T&uuml;r und den Fenstern am n&auml;chsten sitzen, sind vermutlich best&uuml;rzt, als sie sehen, wie die Serben ihre Gewehre heben. Sie stehen vor den Fenstern und T&uuml;ren, er&ouml;ffnen pl&ouml;tzlich das Feuer und werfen Handgranaten in die Halle. Im Innern bricht Chaos aus. M&auml;nner schreien, als ihnen klar wird, dass sie in der Falle sitzen. Andere heulen auf, als Granatsplitter und Kugeln sie treffen. Die wenigen, die &uuml;ber die Leichen springen und ins Freie gelangen, werden niedergem&auml;ht. Mit ohrenbet&auml;ubendem L&auml;rm explodieren Hand- und Gewehrgranaten im Innern der Scheune. Leichen werden v&ouml;llig zerfetzt. (&hellip;) Lebende verstecken sich unter den Toten.&ldquo; (S. 292)</p>
<p><strong>&bdquo;Muslime jagen&ldquo;:</strong> Nach dem Hinterhalt von &bdquo;Kamenica hatten Serben in kleinen Gruppen angefangen, in der Todeszone der Landstra&szlig;en &bdquo;Muslime zu jagen&ldquo;. Schwer bewaffnete Serben durchstreiften die W&auml;lder, legten Minen, versteckten Sprengladungen und schossen aus dem Hinterhalt auf muslimische Soldaten und Zivilisten.&ldquo; (S. 293)</p>
<p><strong>Nova Kasaba</strong>: &bdquo;In der Umgebung patrouillieren Hunderte von Serben, teils mit Hunden, um Muslime aufzusp&uuml;ren. Viele von ihnen geh&ouml;ren zu den Drinaw&ouml;lfen. (&hellip;) Im Laufe des Abends sind vom Fu&szlig;ballplatz und aus den W&auml;ldern im Norden Gewehrsch&uuml;sse zu h&ouml;ren.&nbsp; (&hellip;) Gegen 2.30 Uhr werden vom Fu&szlig;ballplatz einzelne Sch&uuml;sse. nicht von einem Feuergefecht &ndash; geh&ouml;rt. Da geht anderthalb Stunden so.&ldquo;&nbsp; (S. 307)</p>
<p><strong>14.07.</strong></p>
<p><strong>Turnhalle in Grbavci</strong>: Ein Konvoi mit sechs Bussen, darunter einer mit alten und invaliden M&auml;nnern, wartet auf halbem Weg zwischen Bratunac und Zvornik im neuerdings bosnisch-serbischen Gebiet. In Kalesija soll ein Gefangenenaustausch stattfinden. Die Busse fahren durch Zvornik, wo fr&uuml;her zu 59% Muslime lebten und inzwischen alle Moscheen gesprengt worden sind. Statt nach Kalesija fahren die Busse in das Dorf Grbavci. Die 296 Gefangenen kommen in eine heruntergekommene Turnhalle. Weitere Konvois lassen die Zahl der Gefangenen in der Turnhalle auf 1.000 bis 1.500 steigen. &bdquo;Ein Drittel der M&auml;nner sitzt anderen auf dem Scho&szlig;. Man befiehlt den Muslimen, ihre H&uuml;te, Hemden und Jacketts am Eingang auszuziehen. Vor der Turnhalle liegt ein gro&szlig;er Kleiderhaufen, den die Serben nach Wertsachen durchsuchen.&ldquo; &nbsp;Drinnen ist es unertr&auml;glich hei&szlig;. Gefangene werden ohnm&auml;chtig. In Abst&auml;nden werden jeweils 15-20 Gefangene in einen Nebenraum gef&uuml;hrt. Ihnen werden die Augen verbunden. Sie erhalten einen Schluck Wasser und werden durch eine Seitent&uuml;r hinausgeschoben und dann auf die Ladefl&auml;che eines kleinen Lasters gef&uuml;hrt. Nach etwa&nbsp; dreimin&uuml;tiger Fahrt zerren serbische Soldaten die desorientierten Gefangenen aus dem Fahrzeug, Der 25-j&auml;hrige bosnisch-muslimische Soldat Mevludin Oric aus Sarajevo, einer der sieben Hauptzeugen von David Rohde, &uuml;berlebt zuf&auml;llig die Exekution und erinnert sich. (S. 318 ff., S. 330 ff.)</p>
<p>F&uuml;nf Stunden sp&auml;ter werden auch den letzten 20 alten M&auml;nnern die Augen verbunden. Ein kleiner Laster bringt sie in den Wald. &bdquo;Hurem Suljic starrt fassungslos hinaus. Hunderte tote Muslime liegen in Reihen am Boden. Neben den Leichen stehen f&uuml;nf Soldaten. Ein Bulldozer hebt ein Massengrab aus. (&hellip;) Einer aus dem Exekutionskommando weist mit dem Fu&szlig; an die Stelle, wo die 20 Gro&szlig;v&auml;ter und Invaliden sich hinstellen sollen. Es ist eine Stelle am Ende einer Reihe mit Leichen. &bdquo;Umdrehen!&ldquo; br&uuml;llt der Serbe. &bdquo;Nicht umgucken!&ldquo; Als Suljic an seinen Platz neben seinem Schwager und seinen Freund humpelt, sp&uuml;rt er lediglich Resignation. Keine Erinnerungen, keine Abschiedsgef&uuml;hle erf&uuml;llen ihn. Sein Kopf ist leer.&ldquo; (S. 323) Dann die Sch&uuml;sse. (&hellip;) Sujic sp&uuml;rt keinen Schmerz. Die Serben haben das Feuer eingestellt. Ein Mann, der auf seine Beine gefallen ist, ist nur verwundet. (&hellip;) Suljic schl&auml;gt die Augen auf. Rechts von ihm liegen keine Leichen. 50 Meter weiter sieht er f&uuml;nf Soldaten des Exekutionskommandos ihre Gewehre nachladen. In Reihe stapeln sich dort verrenkte Leichen.&ldquo; Der Lastwagen kommt alle 10-15 Minuten wieder, &bdquo;und das Exekutionskommando arbeitet z&uuml;gig. Sobald die Gefangenen vom Lastwagen weggetreten sind, beginnt die Erschie&szlig;ung. Die meisten Verwundeten werden ebenso z&uuml;gig get&ouml;tet. Manche treiben Spott mit den Verwundeten, bevor sie sie erschie&szlig;en. &bdquo;Wenn du dich nicht wohl f&uuml;hlst, kann ich deine Wunde verbinden&ldquo; Jeder, der auf das Dr&auml;ngen des Serben etwas sagt oder st&ouml;hnt, wird sofort erschossen.&ldquo; (Sujic liegt unter Leichen und kann nach Ende der Erschie&szlig;ungen fliehen; S. 325 ff., S. 330 ff.)</p>
<p><strong>UN-Basis Potocari</strong>: &bdquo;Aus Angst davor, dass die Serben die Niederl&auml;nder nicht abziehen lassen k&ouml;nnten, lie&szlig;en sich die UN auf Mladic`s Forderung ein, die Serben f&uuml;r den Treibstoff zu entsch&auml;digen, den sie f&uuml;r die &bdquo;Evakuierung&ldquo; der Muslime aus Srebrenica gebraucht hatten. Sie bekommen den Treibstoff unentgeltlich. Letzten Endes stellen die Vereinten Nationen den Diesel f&uuml;r die Vertreibung von 40.000 Menschen zur Verf&uuml;gung, die sie zu sch&uuml;tzen versprochen hatten.&ldquo; (S. 320)</p>
<p><strong>Schule von Dulic/Roter Damm</strong>: Mehrere Hundert muslimische Gefangene aus Bratunac werden in die bereits &uuml;berf&uuml;llten Klassenzimmer der Schule von Dulic gezw&auml;ngt. Die meisten M&auml;nner wurden beim Hinterhalt von Kamenica und beim Versuch, die Landstra&szlig;e zu &uuml;berqueren, gefangengenommen. Viele von ihnen waren auf dem Fu&szlig;ballplatz von Nova Kasaba gewesen. Gegen 20.00 Uhr werden zwei Dutzend Gefangene in ein kleines Klassenzimmer gef&uuml;hrt, wo sie die Hemden ausziehen m&uuml;ssen, gefesselt und auf einen Kleinlaster geschafft werden. Weitere Gefangene werden auf weitere Laster gebracht. Die Lastwagen halten auf einem Kiesplatz hinter einem gro&szlig;en Erdwall (&bdquo;Roter Damm&ldquo;). &bdquo;Dort wartet ein halbes Dutzend serbischer Soldaten. Sie zwingen die Muslime, sich mit dem Gesicht nach unten auf die Erde zu legen. , und erschie&szlig;en sie. Ununterbrochen kommen Lastwagen. Die Exekutionen dauern sechs Stunden.&ldquo; (S. 324)</p>
<p><strong>16. Juli</strong></p>
<p><strong>Bauernhof in Pilica bei Zvornik</strong>: Der Hof liegt auf einem malerischen Hochplateau. In allen Richtungen sieht man H&uuml;gel mit Kornfeldern und vereinzelt andere Bauernh&ouml;fe mit roten Ziegeld&auml;chern. Ein Arsenal an Waffen und Munition ist vor Ort. Nach 9.30 Uhr trifft der erste Bus ein. Zehn muslimischen M&auml;nnern, vom Jugendlichen bis zum 70-J&auml;hrigen, werden die Augen verbunden und die H&auml;nde auf dem R&uuml;cken gefesselt. Eine achtk&ouml;pfige Gruppe der bosnisch-serbischen Armee mit Feldwebel Drazen Erdemovic soll die Exekution durchf&uuml;hren. Der Feldwebel protestiert, er wolle nicht mitmachen. Der Gruppenf&uuml;hrer: &bdquo;Wenn sie Ihnen leid tun, k&ouml;nnen Sie sich ja dazu stellen.&ldquo; Der 23-j&auml;hrige Feldwebel und seine Gruppe schie&szlig;en. Die n&auml;chsten zehn M&auml;nner, die n&auml;chsten &hellip;</p>
<p>Bevor die letzte Gruppe exekutiert wird steigt der Gruppenf&uuml;hrer in den Bus und reicht dem Fahrer eine Kalaschnikow, Er wollte kein Gerede riskieren. Jeder sollte Mitschuld tragen. (S. 335 f.)</p>
<p>Inzwischen werden den ankommenden Gefangenen nicht mehr die Augen verbunden und die H&auml;nde gefesselt. &bdquo;Bis sie an die Reihe kamen, sa&szlig;en sie im Bus und mussten die Sch&uuml;sse mitanh&ouml;ren. Manche mussten 20 Minuten gegen ihre Angst k&auml;mpfen. Jeder sah dem Tod auf seine Weise entgegen. Manche bettelten, sie zu verschonen (&hellip;). Andere versprachen Geld. Einige wenige brachten den Mut auf, ihre Henker zu verfluchen. Andere fielen auf die Knie und beteten.&ldquo; (S. 337) Gegen 15.30 Uhr treffen zehn serbische Soldaten ein. &bdquo;Mit sadistischem Eifer machen sich die Serben aus Bratunac an die Arbeit. Sie zerren die Muslime aus dem Bus und schlagen mit Eisenstangen auf alle, auch auf solche Opfer, die sie pers&ouml;nlich kennen. Dann zwingen sie die Gefangenen, sich auf den Boden zu knien und in der traditionellen muslimischen Haltung zu beten. Als sie die K&ouml;pfe senkten, er&ouml;ffneten die Serben das Feuer.&ldquo; Erdemovic sch&auml;tzt, dass seine Gruppe an diesem Tag 1.000 bis 1.500 Menschen hingerichtet hat. (S. 339)</p>
<p>Auf der R&uuml;ckfahrt von Erdemovic`s Gruppe &bdquo;fingen die anderen an zu trinken. Stanko Savanovic prahlte, wie viele Muslime er erschossen hatte. Sein 17-j&auml;hriger Bruder, sagte er, war 1993 im Kampf gegen die Muslime gefallen, aber er hatte ihn ger&auml;cht und heute 250 Muslime get&ouml;tet. Erdemovic hatte etwa siebzig Menschen get&ouml;tet. Schweigend sa&szlig; der 23-J&auml;hrige dabei, als die anderen seiner Gruppe anfingen zu singen.&ldquo; /S. 342)</p>
<p><strong>Freilassung der 55 niederl&auml;ndischen Geiseln</strong>: Die bosnischen Serben hatten sie gefangen genommen &ndash; bei Einnahme von BP, bei Umstellung von MTW. Als Geiseln erging es ihnen besser als vorher als Blauhelmsoldat. Bei der R&uuml;ckfahrt waren ihnen etliche Spuren von Massenerschie&szlig;ungen begegnet. Sie berichteten &bdquo;hohen niederl&auml;ndischen Offizieren und UN-Ermittlern, was sie gesehen hatten &ndash; aber auf ihre Zeugenaussagen erfolgte keine &ouml;ffentliche Erkl&auml;rung.&ldquo; (S. 339)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Weitere Informationen</span></strong></p>
<p>- Srebrenica vor 25 Jahren (I): Es war V&ouml;lkermord in Europa &ndash; und die Regierungen und Gesellschaften (wir damals) lie&szlig;en es geschehen. &Uuml;bersichtsartikel, Dossiers, Chronologie,&nbsp; 04./08.07.2020, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1644">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1644</a></p>
<p>- Srebrenica vor 25 Jahren (II): Verweigerte Schutzverantwortung &ndash; Ansto&szlig; zur Schutzverantwortung. Beitr&auml;ge aus dem Bosnien-Streit der Gr&uuml;nen 1995 ff. &ndash; Erfahrungen + Lehren,&nbsp; 04./08.07.2020, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1645">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1645</a></p>
<p>- Medienberichte zum 25. Jahrestag des Srebrenica-Genozid Juli 2020 (IV) + Report des UN-Generalsekret&auml;rs &bdquo;The fall of Srebrenica&ldquo; (1999), <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1648">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1648</a></p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> 13 Jahre sp&auml;ter war <strong>Harm de Jonge als Generalmajor</strong> neun Monate stv. Kommandeur des ISAF Regional Command South in Kandahar, wo ich ihn im August 2008 auf dem Weg nach Uruzgan aufsuchte. 11/2008 bis 07/2010 war de Jonge Kommandierender General des Deutsch-Niederl&auml;ndischen Corps in M&uuml;nster. Der Einsatz eines niederl&auml;ndischen Kontingents in der konfliktreichen S&uuml;d-Provinz Uruzgan ab M&auml;rz 2006 zeigte, wie konsequent die NL Streitkr&auml;fte aus dem multinationalen Versagen &nbsp;von Srebrenica gelernt hatten. Das zeigte sich insbesondere bei den K&auml;mpfen im Chora Valley im Juni 2007, als mehr als 800 Taliban einen kleinen St&uuml;tzpunkt mit 65 niederl&auml;ndischen und 40 afghanischen Soldaten angriffen. Der niederl&auml;ndische Kompaniechef war in Srebrenica gewesen. &nbsp;N&auml;heres <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997</a> &nbsp;</p>
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