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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vergessener Kosovo-Einsatz? BloÃŸ nicht! 20 Jahre KFOR: erfolgreiche multinationale KriegsverhÃ¼tung und Friedenssicherung in Europa - mein Vortrag beim EinsatzfÃ¼hrungskommando </title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            Vergessener Kosovo-Einsatz? BloÃŸ nicht! 20 Jahre KFOR: erfolgreiche multinationale KriegsverhÃ¼tung und Friedenssicherung in Europa - mein Vortrag beim EinsatzfÃ¼hrungskommando          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 2. Juni 2019 14:22:42 +02:00 (41750 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>In diesen Tagen vor 20 Jahren endete der Doppelkrieg im Kosovo: der NATO-Luftkrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien und der serbische Vertreibungskrieg am Boden. Und am 12. Juni 2999 begann der UN-mandatierte KFOR-Einsatz mit Soldaten aus 40 Nationen, darunter auch Russland, zur Absicherung der Friedensregelungen, der Fl&uuml;chtlingsr&uuml;ckkehr und zur Verhinderung erneuter Kriegsgewalt. Zeit zu einer Bilanzierung, zu lernen, Zeit zur Anerkennung f&uuml;r diejenigen in Uniform und Zivil, die die Gewaltseuche im Kosovo stoppten. Mein Vortrag dazu vor demHintergrund u.a. von 12 Kosovobesuchen.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Vergessener Kosovo-Einsatz? Blo&szlig; nicht!</strong></p>
<p align="center"><strong>Zu den Leistungen der Bundeswehr im KFOR-Verbund</strong></p>
<p align="center"><strong>(Kosovo-R&uuml;ckblende VII)</strong></p>
<p align="center">Vortrag von Winfried Nachtwei, MdB a.D.,</p>
<p align="center">am 20.02.2019 im Einsatzf&uuml;hrungskommando/Potsdam</p>
<p><em>Gehalten beim ersten Traditionsabend zum Thema &bdquo;Kosovo eine Erfolgsgeschichte?&ldquo; in der Veranstaltungsreihe TRADITIONEN DER ARMEE IM EINSATZ des Einsatzf&uuml;hrungskommandos der Bundeswehr in Schwielowsee b. Potsdam. An jedem Abend tragen zwei Referenten als Tandem vor: Ein Soldat mit Einsatzerfahrung und ein Historiker, Politikwissenschaftler, Politiker oder Journalist. Heute ist erster Vortragender Oberst Hans-J&uuml;rgen Freiherr von Keyserlingk, Kommandeur Lehrgruppe B, Offizierschule des Heeres in Dresden; KFOR-Eins&auml;tze 2004, 2014, 2015/16.</em></p>
<p><em>(Die Themen der einzelnen Folien meines Vortrages sind <strong>fett</strong> gedruckt.)</em></p>
<p><strong>&bdquo;Fuchsbr&uuml;cke&ldquo; Prizren und Titel</strong>: Im Schatten der Eins&auml;tze in Afghanistan, in Mali gilt der Kosovoeinsatz der Bundeswehr seit Jahren als &bdquo;vergessener Einsatz&ldquo;. Angesichts der im KFOR-Verbund erbrachten Leistungen ist das v&ouml;llig verfehlt.</p>
<p>Die Perspektive meines Vortrags heute ist die eines politischen Mitauftraggebers und Mitverantwortlichen, der bis 2011 fast jedes Jahr das Einsatzgebiet Kosovo besuchte, insgesamt 12 Mal. Ich st&uuml;tze mich auf pers&ouml;nliche Aufzeichnungen, meine immer ver&ouml;ffentlichten Reiseberichte und Kladden. Da mein Fokus auf dem Bundeswehreinsatz im KFOR-Verbund liegt, kann ich auf die anderen wichtigen internationalen Akteure wie Diplomatie, UNMIK/UN, UNHCR, OSZE, EU, NGO`s nur unterproportional eingehen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;UNSER&ldquo; HINTERGRUND</span></p>
<p><strong>Gr&uuml;ne Spitzendelegation am Hang &uuml;ber Sarajevo Okt. 1996: </strong>Als ich 1994 Mitglied des Verteidigungsausschusses wurde, stand ich den neuen Out-of-Area-Eins&auml;tzen skeptisch bis ablehnend gegen&uuml;ber. Im Oktober 1996 besuchten wir mit einer Gr&uuml;nen-Spitzendelegation Bosnien, gerade weil wir uns mm Hinblick auf Auslandseins&auml;tze herzlich uneinig waren. Zur Delegation geh&ouml;rten Gerd Poppe, fr&uuml;herer DDR-B&uuml;rgerrechtler, au&szlig;enpolitischer Sprecher der Bundestagsgruppe B&uuml;ndnis 90, der sich intensiv f&uuml;r eine politische L&ouml;sung des Kosovokonflikts einsetzte und Auslandseins&auml;tzen gegen&uuml;ber offen war; Joschka Fischer, sp&auml;terer Au&szlig;enminister, seit Srebrenica Bef&uuml;rworter von Milit&auml;reins&auml;tzen gegen Massengewalt; andere wie Parteichef J&uuml;rgen Trittin, die Milit&auml;reins&auml;tze ablehnten.</p>
<p>Jetzt standen wir an dem Ort, von dem au&szlig;en serbische Scharfsch&uuml;tzen &uuml;ber drei Jahre in das belagerte Sarajevo geschossen hatten. &Uuml;ber 10.000 Tote. &Uuml;ber die Medien hatten wir davon gewusst. Aber nacht&auml;glich am Tatort zu stehen, war etwas ganz anderes. Unabweisbar wurde die f&uuml;r uns unangenehme Einsicht: Zum Schutz vor Massengewalt kann milit&auml;rische Gewalt, legitim, notwendig und verantwortbar sein.</p>
<p><strong>Begegnung mit dem katholischen Bischof von Banja Luka</strong>: Der Bischof nahm uns zur Brust: &bdquo;Was habt Ihr Europ&auml;er in Europa zugelassen!&ldquo; Seine Eindringlichkeit trieb auch den Hartgesottenen unter uns Tr&auml;nen in die Augen. Da formierte sich ein politischer Wille: &bdquo;Ein zweites Bosnien darf im Einflussbereich europ&auml;ischer Politik nie wieder zugelassen werden!&ldquo; Die begleitende Journalistin Christiane Schl&ouml;tzer-Scotland von der SZ nannte das unser &bdquo;Gel&ouml;bnis von Banja Luka&ldquo;</p>
<p><strong>Begegnung mit deutschen IFOR-Soldaten unter General Friedrich Riechmann</strong>: Fremde Welten trafen da aufeinander, als die gr&uuml;nen Politiker das deutsche IFOR-Kontingent besuchten. F&uuml;r die Kriegsdienstverweigerer unter uns war es eine positive Entt&auml;uschung, hier deutschen Soldaten zu begegnen, die den UN-Auftrag Gewalt- und Kriegsverhinderung ernst nahmen &ndash; und sich deshalb keineswegs als Soldaten zweiter Klasse f&uuml;hlten.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&bdquo;LUFTOPERATIONEN ZUR ABWENDUNG EINER HUMANIT&Auml;REN KATASTROPHE&ldquo;: ALLIED FORCE </span></p>
<p>&bdquo;<strong>Wasserwerk&ldquo;, provisorischer Sitz des Bundestages 1998</strong>: Zwei Jahre sp&auml;ter die Stunde der Wahrheit. Drei Wochen nach der Bundestagswahl, die erstmalig eine rot-gr&uuml;ne Mehrheit gebracht hatte, und zehn Tage vor der Konstituierung des neuen Bundestages billigte das Parlament die Teilnahme der Bundeswehr an Luftoperationen der NATO zur Abwendung einer humanit&auml;ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt.</p>
<p><strong>UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan</strong>: Hintergrund war die Zuspitzung des Gewaltkonflikts im Kosovo. Anfang Oktober 1998 hatte UN-Generalsekret&auml;r Kofi Annan vor einer humanit&auml;ren Katastrophe gewarnt. Bei mehr als 230.000 Binnenvertriebenen drohten viele Tausende f&uuml;r humanit&auml;re Hilfe nicht mehr erreichbar zu sein. Der UN-Sicherheitsrat hatte am 23.09.1998 in seiner Resolution 1199 seine &bdquo;ernste Sorge &uuml;ber die j&uuml;ngsten heftigen K&auml;mpfe im Kosovo und insbesondere &uuml;ber die exzessive und wahllose Gewaltanwendung seitens der serbischen Sicherheitskr&auml;fte und der jugoslawischen Armee, die zu zahlreichen Opfern unter der Zivilbev&ouml;lkerung gef&uuml;hrt haben&ldquo;, ausgedr&uuml;ckt und festgestellt, &bdquo;dass die Verschlechterung der Situation im Kosovo eine Bedrohung des Friedens und der Sicherheit in der Region darstellt&ldquo;.</p>
<p>Jetzt standen wir vor dem Lackmus-Test, angesichts der ca. 1.000 Gewaltopfer im Kosovo des Jahres 1998 und der versch&auml;rften humanit&auml;ren Situation ein erneutes europ&auml;isches Versagen wie beim Bosnienkrieg mit seinen 200.000 Toten zu vermeiden.</p>
<p><strong>NATO-Operation &bdquo;Allied Force&ldquo;: Two Lines of&nbsp; Operations</strong>: Nachdem Pr&auml;sident Milosevic im Herbst gegen&uuml;ber der NATO-Drohung zun&auml;chst eingelenkt hatte, nachdem die bisher gr&ouml;&szlig;te OSZE-Mission &bdquo;Kosovo Verification Mission&ldquo; (KVM, geplant 2.000 Personen) stationiert worden war, signalisierten Berichte von Massakern eine erneute Gewalteskalation. Als die Verhandlungen von Rambouillet nicht den Durchbruch brachten, begann die NATO am 24. M&auml;rz Luftangriffe zun&auml;chst gegen milit&auml;rische Ziele der Bundesrepublik Jugoslawien.</p>
<p>Die gro&szlig;e Masse der Luftangriffe wurde von der US-Air-Force geflogen (61%). Die Bundeswehr beteiligte sich mit 14 Tornados (v.a. ECR zur Unterdr&uuml;ckung der jugoslawischen Flugabwehr) und stellte 3% der Kampfeins&auml;tze.</p>
<p><strong>Innenministerium in Belgrad nach einem Cruise-Missile-Treffer:</strong> Die junge Regierung aus SPD und Gr&uuml;nen stand in einem Dilemma: Der Auftrag, eine humanit&auml;re Katastrophe abzuwenden, war menschenrechts- und sicherheitspolitisch notwendig und legitim. Der Einsatz milit&auml;rischer Gewalt war aber nicht durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrats gebilligt, war also durch das V&ouml;lkerrecht nicht gedeckt. Ich nannte damals die NATO-Luftangriffe ein &bdquo;gro&szlig;es &Uuml;bel zur Verhinderung eines unertr&auml;glichen &Uuml;bels&ldquo;. Unbestreitbar war aber: Erstmalig beteiligte sich das demokratische Deutschland an einem Kriegseinsatz.</p>
<p><strong>Schaubild der Vertriebenenzahlen Richtung Albanien, Mazedonien, Montenegro</strong>: Das erste Ziel von Allied Force, eine humanit&auml;re Katastrophe abzuwenden, wurde zun&auml;chst nicht erreicht, im Gegenteil. Die von serbischer Seite geplanten und vorbereiteten Vertreibungen von Kosovoalbanern wurden direkt nach Scheitern der Rambouillet-Verhandlungen am 20. M&auml;rz forciert. Mehr als die H&auml;lfte der rund zwei Millionen Einwohner wurden vertrieben, allein nach Albanien 450.000. Mit der Doppelstrategie von milit&auml;rischem Druck und Diplomatie unter Einbeziehung Russlands gelang es der Staatengemeinschaft (NATO, EU, G8, &bdquo;Quint&ldquo;, &bdquo;Troika&ldquo;, UN) die serbische F&uuml;hrung zum Einlenken zu bringen, die Massenvertreibungen zu stoppen und r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, eine Totalvertreibung zu verhindern. Die entscheidende diplomatische Initiative zu einer politischen L&ouml;sung ging vom deutschen Au&szlig;enminister aus (&bdquo;Fischer-Plan&ldquo;).</p>
<p><strong>Vertriebenenlager in Mazedonien</strong>: Die Anrainerstaaten konnten den &nbsp;Massenansturm von Vertriebenen nicht allein bew&auml;ltigen. Mit enormer Kraftanstrengung unterst&uuml;tzen internationale Hilfsorganisation und KFOR-Soldaten den Aufbau und Betrieb von allein acht gro&szlig;en Lagern in Mazedonien. Bundeswehrsoldaten leisteten Gro&szlig;es in Neprosteno, Stenkovac und Cegrane. In Cegrane mit seinen 42.000 Vertriebenen arbeiten bis zu 690 deutsche Soldaten in drei Schichten. F&uuml;r alle Beteiligten war das eine bleibende Erfahrung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">ABSICHERUNG DER KOSOVO-FRIEDENSREGELUNG, START VON KFOR</span></p>
<p><strong>Karte Kosovo mit KFOR-HQ`s</strong>: Ab 12. Juni 1999 r&uuml;ckte KFOR-Kr&auml;fte im Kosovo ein, 5.000 in den ersten 48 Stunden. Knapp 14 Tage sp&auml;ter waren 30.000 der geplanten 50.000 KFOR-Soldaten aus 40 Nationen vor Ort. Deutscher Nationaler Befehlshaber im Einsatzland war Brigadegeneral Helmut Harff. Ein deutsches Vorauskommando erreichte am 13. Juni, einem Sonntag, um 1.00 Uhr morgens Prizren. Die beiden deutschen KFOR-Marschgruppen fuhren aus Mazedonien &uuml;ber Duljepass und Stimlje und aus Albanien &uuml;ber Kukes nach Prizren, das sie um 13.00 Uhr erreichten. So wurde der Eindruck erweckt, als k&auml;me KFOR aus allen Richtungen. Unterwegs erlebten die Soldaten&nbsp; v&ouml;llig zerst&ouml;rte, verlassene D&ouml;rfer. Sp&auml;ter stie&szlig;en sie auch auf die Spuren von Greueltaten und Massengr&auml;ber.</p>
<p><strong>Deutscher Leopard-Panzer beim Einmarsch in Prizren</strong>: Mit 8.000 Soldaten aus neun Nationen, davon mehr als 3.000 Bundeswehr<a title="" href="#_ftn1">[1]</a>, r&uuml;ckte die von Brigadegeneral Fritz von Korff gef&uuml;hrte Multinationale Brigade S&uuml;d (MNB S) im Raum Prizren ein, &uuml;berrascht vom Jubel der kosovoalbanischen Bev&ouml;lkerung. Teil der Brigade war ein niederl&auml;ndisches Artillerie-Bataillon, das von Oberstleutnant Ton van Loon gef&uuml;hrt wurde und &uuml;ber die schwersten Waffen bei KFOR verf&uuml;gte.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a> Die serbische Armee und andere bewaffnete Kr&auml;fte zogen vertragsgem&auml;&szlig; ab, begleitet vom Exodus serbischer Fachkr&auml;fte. W&auml;hrend blitzartig massenweise&nbsp; vertriebene Kosovoalbaner zur&uuml;ckstr&ouml;mten (bis zu 27.000 pro Tag im S&uuml;den), flohen viele Kosovoserben, begannen neue Vertreibungen in umgekehrte Richtung.</p>
<p>Laut Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrats hatte KFOR den Auftrag, die vereinbarte Friedensregelung abzusichern und ein sicheres Umfeld f&uuml;r die Fl&uuml;chtlingsr&uuml;ckkehr zu gew&auml;hrleisten. Die aktuelle Lage erforderte eine enorme Auftragserweiterung: &Uuml;bernahme zentraler &ouml;ffentlicher Dienste von der Wasserversorgung bis zu Gef&auml;ngnissen; Schutz bedrohter serbischer Bev&ouml;lkerung und Liegenschaften.</p>
<p>Mit Entschlossenheit, Flexibilit&auml;t und breiter fachlicher Kompetenz (laut General von Korff ein Vorteil der damaligen Wehrpflichtarmee mit ihren vielf&auml;ltigen beruflichen Voraussetzungen) gingen die KFOR-Soldaten an die Umsetzung ihres pl&ouml;tzlich breiten zivil-milit&auml;rischen Auftrags. Susanne Koelbl vom SPIEGEL beobachtet eine &bdquo;elektrisierende Spannung&ldquo; und &bdquo;gl&uuml;henden Eifer der Soldaten, die in diesem Chaos virtuos improvisierten und einen beeindruckenden Balanceakt zwischen Sensibilit&auml;t und St&auml;rke demonstrierten&ldquo;. (36/1999, S. 190)</p>
<p><strong>Briefing bei COMKFOR General Klaus Reinhardt 11. Oktober 1999</strong>: Die Obleute des deutschen Verteidigungsausschusses (ich in Vertretung meiner Kollegin Angelika Beer) besuchen den deutschen General im KFOR-HQ (&bdquo;Film-City&ldquo;) oberhalb Pristina an seinem vierten Einsatztag. Seit dem Waffenstillstand habe es einen deutlichen R&uuml;ckgang an Gewaltdelikten gegeben. Gro&szlig;e Anstrengungen unternehme man zum Schutz der serbischen Minderheit. Es gelte, unparteiisch Sicherheit und Bewegungsfreiheit f&uuml;r&nbsp; a l l e&nbsp; zu gew&auml;hrleisten, dabei auch Kl&ouml;ster und Menschen am Arbeitsplatz zu sch&uuml;tzen. Man wolle, wo ein multiethnisches Miteinander zzt. unm&ouml;glich sei, ein Nebeneinander der Volksgruppen erm&ouml;glichen, auch z.B. in der Uni.</p>
<p>General Reinhardt ist der erste deutsche Kommandeur eines multinationalen Gro&szlig;einsatzes der NATO (erstmals seit 1813/15 sollen jetzt britische Verb&auml;nde einem deutschen General unterstellt sein). Wenige Jahre nach Einstieg der Bundeswehr in das neue Auftragsfeld der Krisenbew&auml;ltigung ist das ein Zeichen daf&uuml;r, wie schnell die Bundeswehr gelernt und sich hohen Respekt verschafft hat. General Reinhardt erlebe ich &bdquo;unpr&auml;tenti&ouml;s, souver&auml;n, locker, freundlich, sprechzettelfrei, immer die politische Zielvorstellung und historischen Erfahrungen im Blick und die Perspektive der anderen Seite &ndash; in jeder Hinsicht &uuml;ber den Tellerrand hinaus. Sehr klar, fest, ruhig, gewinnend.&ldquo; (aus meinen Reisenotizen<a title="" href="#_ftn3">[3]</a>)</p>
<p><strong>Beim russischen Fallschirmj&auml;gerbataillon der TF Malisevo</strong>: Die deutschen Kommandeure berichten von ihren guten Erfahrungen mit dem russischen Kontingent. Es sei sehr professionell, engagiert, hilfsbereit, sehr um Neutralit&auml;t bem&uuml;ht. Die Zusammenarbeit mit seinen Kommandeuren sei ausgesprochen gut, auch in brisanten Situationen (z.B. im Raum Orahovac bei einer Blockade von Kosovo-Albern gegen die als Serbenfreunde geltenden russischen Soldaten; der Konflikt wurde mit Geduld und ohne Gewalt gel&ouml;st). Die begleitende Parlamentarische Staatssekret&auml;rin Brigitte Schulte &bdquo;fragt einen russischen Major, was er von Innerer F&uuml;hrung bei der Bundeswehr halte, ob sie ein Beispiel f&uuml;r die russische Armee sein k&ouml;nne. Das verliert der bis dahin mit Abschreckungsmimik vortragende Offizier zum ersten Mal die Fasson und sch&uuml;ttelt nur noch kr&auml;ftigst den Kopf &ndash; alles lacht.&ldquo; (Reisenotizen)</p>
<p><strong>Interview mit General Reinhardt in &bdquo;Die Woche&ldquo; zu den zivilen und milit&auml;rischen Kapazit&auml;ten</strong>: Ein bestm&ouml;gliches Zusammenwirken der verschiedenen internationalen Akteure, von KFOR, UNMIK, UNHCR, OSZE, EU, Hilfsorganisationen, ist unabdingbar f&uuml;r Wirksamkeit und Erfolg von Krisen- und Friedenseins&auml;tzen. &bdquo;Es gibt hier derzeit kein Rechtssystem. Das aufzubauen ist ein unglaublich z&auml;her Prozess. Missionschef Bernhard Kouchner kann nicht einfach aus einem Topf Rechtsexperten holen. Die Nationen m&uuml;ssen auf seine Bitten reagieren &ndash; und glauben Sie ja nicht, dass das schnell geschieht. Wenn die internationale Gemeinschaft weder die Polizisten noch das Geld zu ihrer Bezahlung liefert, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn das hier nicht schnell weitergeht. (&hellip;) Das gesamte Kosovo-Budget lag f&uuml;r 1999 bei 125 Mio.. Mark. Das ist ein Viertel dessen, was die NATO an einem Tag an Geld verbombt hat. Es ist abenteuerlich dumm, dass wir damals die Finanzen aufbrachten, doch jetzt, wo es um den Wiederaufbau geht, fehlen sie. Die internationale Gemeinschaft hat erstmals in der Geschichte die Verpflichtung &uuml;bernommen, ein Land vor&uuml;bergehend zu regieren &ndash; da gen&uuml;gt es nicht, ein paar Beamte hinzuschicken und ihnen zu sagen: Macht mal!&ldquo; (22.01.2000)</p>
<p>(Bei Besuchen in Einsatzgebieten, insbesondere in Afghanistan, machte ich immer wieder die Erfahrung, dass in erster Linie Offiziere die mageren zivilen Kapazit&auml;ten bem&auml;ngelten und ihre Verst&auml;rkung forderten.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">POLITISCHE &bdquo;BODENK&Auml;MPFE&ldquo; IN DER HEIMAT</span></p>
<p><strong>Ausschlussantrag gegen 39 MdB, ARD-Doku &bdquo;Es begann mit einer L&uuml;ge</strong>&ldquo;: W&auml;hrend Allied Force und KFOR-Einmarsch bei der jahrelang unterdr&uuml;ckten kosovo-albanischen Bev&ouml;lkerungsmehrheit gro&szlig;e Zustimmung fand, war der Kosovoeinsatz in Deutschland, hei&szlig; umstritten, insbesondere im rot-gr&uuml;nen Spektrum. Scharf attackiert wurden die NATO-Luftangriffe als &bdquo;V&ouml;lkerrechtsbruch&ldquo; und &bdquo;Angriffskrieg&ldquo;, die Beteiligung daran als &bdquo;Verrat&ldquo;. Unbestreitbar verstie&szlig; die Unterst&uuml;tzung der NATO-Luftangriffe durch die gr&uuml;ne F&uuml;hrung massiv gegen zentrale friedenspolitische Programmprinzipien. Bei 33 Basisveranstaltungen im ersten Halbjahr 1999 &ndash; und dem Sonderparteitag in Bielefeld &ndash; erlebte ich regelrechte politische &bdquo;Bodenk&auml;mpfe&ldquo;: &uuml;berwiegend Ablehnung, oft Hass, nur vereinzelte Nachdenklichkeit angesichts des Dilemmas zwischen Menschen(rechts)schutz einerseits und Gewaltfreiheit andererseits. &bdquo;H&ouml;hepunkte&ldquo; dieser Bodenk&auml;mpfe waren ein &ndash; letztendlich erfolgloser - Ausschlussantrag des gr&uuml;nen Ortsvereins Herten gegen 39 MdB und im Februar 2001 aus der WDR-Monitor-Redaktion die Dokumentation &bdquo;Es begann mit einer L&uuml;ge&ldquo;. Auff&auml;llig bei den Attacken auf die deutsche und westliche&nbsp; Kosovopolitik war, dass regelm&auml;&szlig;ig die Konflikt-Vorgeschichte vor allem des Jahres 1998 ausgeblendet, dass die serbischen Vertreibungsverbrechen meist relativiert&nbsp; wurden, und dass null alternative L&ouml;sungsvorschl&auml;ge f&uuml;r die aktuelle Situation gebracht wurden. Eine Offensivverteidigung demgegen&uuml;ber war m&ouml;glich, stellenweise auch erfolgreich, wurde aber zu wenig praktiziert.<a title="" href="#_ftn4">[4]</a> Eine Folge davon war eine &ndash; so mein Eindruck &ndash; erhebliche nacht&auml;gliche Delegitimierung des Kosovoeinsatzes und einer deutschen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik, die Friedenspolitik sein will.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">ERSTE KONSEQUENZEN AUS DEM KOSOVO-KRIEG</span></p>
<p><strong>Schlussfolgerungen aus den bisherigen Kosovo-Erfahrungen</strong>: Die Bundesregierung sperrte sich gegen die &ndash; u.a. von mir erhobene - Forderung nach einer unabh&auml;ngigen Bilanzierung des Kosovokrieges. Das hie&szlig; aber nicht, dass nicht gelernt worden w&auml;re. Wichtige politische Schlussfolgerungen aus den Kosovo-Erfahrungen waren:</p>
<p>- Der auf grenz&uuml;berschreitende Kooperation angelegte Stabilit&auml;tspakt;</p>
<p>- der Aufbau neuer ziviler F&auml;higkeiten der Krisenpr&auml;vention, Stabilisierung und Friedenskonsolidierung wie das Zentrum Internationale Friedenseins&auml;tze (ZIF) in Berlin und der Zivile Friedensdienst;</p>
<p>- das erfolgreiche internationale Krisenmanagement in den Konfliktf&auml;llen Presevotal (2000) und Mazedonien (2001). In Mazedonien gelang es, einen h&ouml;chstwahrscheinlichen B&uuml;rgerkrieg mit grenz&uuml;berschreitenden Wirkungen zu verhindern. Der Nachteil: ein unsichtbarer und deshalb weitgehend unbekannter Erfolg.</p>
<p><strong>Briefing durch Brigadegeneral Robert Bergmann, MNB SW Oktober 2003</strong>: Auf der Studienreise &bdquo;Friedensarbeit auf dem Balkan&ldquo; besuchten wir Orte des Kosovokrieges, darunter Racak, deutsche UNMIK-Polizisten und auch das 7. Deutsche KFOR-Kontingent mit Brigadegeneral Robert Bergmann. Anschaulich und &uuml;berzeugend schilderte er die vielf&auml;ltigen Aufgaben seiner Brigade: Von Patrouillen, Objektschutz, Eskorten, Demilitarisierung bis zu CIMIC zum Zweck der Force Protection, humanit&auml;ren Hilfe und Hilfe zur Selbsthilfe. Positiv &uuml;berraschend f&uuml;r die &uuml;berwiegend friedensbewegten Reiseteilnehmer war, dass sich KFOR auch f&uuml;r Vers&ouml;hnung unter den Volksgruppen engagierte (Dialog- und Vertrauensf&ouml;rderung) und dass deutsche KFOR-Soldaten im Rahmen von &bdquo;Lachen helfen&ldquo; privat Hilfsprojekte unterst&uuml;tzen.</p>
<p>Zugleich stellte General Bergmann klar, wie fragil und unberechenbar die Sicherheitslage war. Pl&ouml;tzlich k&ouml;nne die Gewalt hochkochen!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">M&Auml;RZUNRUHEN</span></p>
<p><strong>17. M&auml;rz 2004 Raum Lipjan mit KPS- und dt. UNMIK-Polizisten</strong> <strong>-</strong> <strong>Gewaltexplosion</strong> Zusammen mit Silke Stokar, MdB, innenpolitische Sprecherin meiner Fraktion, besuchten wir am 14. bis 17. M&auml;rz 2004 deutsche Polizisten erst in Sarajevo, dann im Kosovo. Die von Stefan Feller aus Deutschland geleitete UNMIK-Police umfasste 3.460 Beamte aus 48 Nationen, davon 280 deutsche, und hatte exekutive Funktion. Bei unserem Eintreffen &auml;u&szlig;ert sich Feller stark beunruhigt. Am selben Tag gab es landesweit 27 Kundgebungen, es fielen KFOR-feindliche Parolen. UNMIK forderte KFOR auf, ihre Pr&auml;senz landesweit voll hochzufahren. Abends in einer Gespr&auml;chsrunde mit deutschen Polizisten trifft die Meldung ein, in Nordkosovo h&auml;tten Serben einen Hund auf albanische Kinder gehetzt, diese seien in den Fluss Ibar gesprungen, erst eines sei gefunden worden. Der Leiter der UNMIK-Police Prizren: &bdquo;Jetzt geht`s los!&ldquo; Am n&auml;chsten Vormittag sind wir im Verantwortungsbereich der Polizeistation Lipjan unterwegs. Im Polizeifunk h&auml;ufen sich die Meldungen von Demonstrationen, Blockaden landesweit, Gewalt, ersten Toten. (Reisebericht 2004<a title="" href="#_ftn5">[5]</a></p>
<p><strong>Das zerst&ouml;rte Erzengelkloster bei Prizren</strong>: Wir k&ouml;nnen noch gerade ausfliegen. Deutsche Polizisten berichteten mir in den Folgetagen, was in den n&auml;chsten Stunden geschah:</p>
<p>In Prizren attackierten Demonstranten erst die Polizei Station los, dann das UNMIK-HQ. UNMIK Police und KPS verteidigten die Geb&auml;ude unter gr&ouml;&szlig;ter Anstrengung. Zum Schutz gegen die Steinhagel hatte nur die erste Reihe der Polizisten Helm und Schild. &Uuml;ber eine Demo-Vollausr&uuml;stung verf&uuml;gen nur die UNMIK Special Police Units, die aber nicht kam. Auch KFOR kam mit gro&szlig;er Versp&auml;tung. Die Reaktionszeit war zu lang. Von Seiten der Polizei wurde nicht geschossen. Die Ausschreitungen gingen am Donnerstag weiter.</p>
<p>Die Masse der Demonstranten reichte von Kindern und Jugendlichen bis Mitte zwanzig, darunter einzelne &Auml;ltere. Sie waren hoch organisiert, geradezu generalstabsm&auml;&szlig;ig geplant. Die Demonstranten hatten Steine, Molotow-Cocktails und Waffen dabei, stellenweise auch Handgranaten. Sie zielten darauf, die Sicherheitskr&auml;fte zu verzetteln und zu binden. 36 H&auml;user und alle zehn orthodoxen Sakralbauten (Kirchen, Kl&ouml;ster, Priesterseminar) wurden angegriffen und in Brand gesetzt. Zum Beispiel das Erzengelkloster, wo von einem Hauptfeldwebel gef&uuml;hrte wenige Bundeswehrsoldaten noch gerade sechs serbische M&ouml;nche vor einer marodierenden Menge evakuieren k&ouml;nnen. Eine beispielhafte Einzeltat.</p>
<p>Die M&auml;rzunruhen mit ihren rund 50.000 Demonstranten waren hochorganisiert. Es gab 19 Tote 800-900 Verletzte, um 4.500 Vertriebene. Im Verteidigungsausschuss erlebte ich seitens der Regierung, wie der zeitweilige Kontrollverlust und das Wiederaufflammen von &bdquo;ethnischer S&auml;uberungen&ldquo; zun&auml;chst besch&ouml;nigt wurden. Ein gefrorener Konflikt war, beg&uuml;nstigt durch verbreitete Balkan-M&uuml;digkeit in europ&auml;ischen Hauptst&auml;dten, explodiert.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">SCHNELLES LERNEN + FORTSCHRITTE</span></p>
<p><strong>Zerst&ouml;rte Muttergotteskirche in Prizren, serbisch-orthodoxer Bischofssitz</strong> und wiederaufgebaut wenige Jahre sp&auml;ter (mit kleinem KPS-Wachh&auml;uschen): Bei Folgebesuchen 2005/06/07 wurde deutlich wie z&uuml;gig und umfassend Bundeswehr und KFOR aus den M&auml;rzunruhen gelernt hatte.<a title="" href="#_ftn6">[6]</a></p>
<p><strong>KFOR in voller Demo-Ausstattung und Demo-&Uuml;bung in Novake</strong>: Einrichtung gemeinsamer Tactical Operational Centers, mehr verf&uuml;gbare Einsatzkr&auml;fte, h&ouml;here Luftbeweglichkeit, Crowd- + Riot-Control-F&auml;higkeit, &bdquo;red boxes&ldquo; + Verz&ouml;gerungsr&auml;ume, Einsatzraum ganzer Kosovo, Befreiung von nationalen Vorbehalten (caviats), gemeinsame Patrouillen von KFOR mit serbischen, albanischen, mazedonischen, montenegrinischen Kr&auml;ften, &nbsp;Kommunikations-und Dialogstrategie (&bdquo;walk + talk&ldquo;), Informationsarbeit. (vgl. das Bilanz-Interview mit COMKFOR General Roland Kather im Deutschlandfunk 12.08.2007<a title="" href="#_ftn7">[7]</a>)</p>
<p>Nach den M&auml;rzunruhen wurde bef&uuml;rchtet, dass alle Aufbauarbeit total zur&uuml;ckgeworfen sei. Zwei Jahre danach brauchten UNMIK-Polizisten die KPS nur noch als Mentoren begleiten. Der Aufbau der KPS gilt bis heute als eine der wenigen Erfolgsgeschichten des Statebuilding im Kosovo.</p>
<p><strong>CIMIC-Center</strong>: Mitten in den Ortschaften befinden sich von KFOR betriebene CIMIC- Centers und H&auml;user, in denen Liaison Monitoring Teams arbeiten und leben. Ihre jeweils acht Soldaten sollen &bdquo;den Puls der Bev&ouml;lkerung f&uuml;hlen.&ldquo;</p>
<p><strong>Schaubild &bdquo;Security Situation in Kosovo&ldquo; 2009/10</strong>: Massiv zur&uuml;ckgegangen sind seit 2000 &nbsp;schweren Gewaltdelikte und interethnische Gewalt (Ausnahme 2004). Ein Nahschutz f&uuml;r die serbische Minderheit ist nicht mehr n&ouml;tig. Ein hei&szlig;es Pflaster bleibt Mitrovica.Da zeigte sich besonders im Februar/M&auml;rz 2008 im Umfeld der einseitigen Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung am 17. Februar, und im September 2010.</p>
<p>Ausgeblendet ist bei diesem Schaubild zur Sicherheitslage der Stand und Einfluss der Organisierten Kriminalit&auml;t. Die Justiz gilt als schwach, die Organisierte Kriminalit&auml;t als stark. (Kosovo ist eine der wichtigsten Transitrouten f&uuml;r Heroin aus Afghanistan nach Westeuropa.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">FRIEDENS- UND SICHERHEITSPOLITISCHE BILANZ (bezogen auf KFOR)</span></p>
<p><strong>Gedenkfriedhof von Racak/Brennender Bischofssitz in Prizren/Buchtitel &bdquo;Der letzte Krieg in Europa?&ldquo; von G&uuml;nter Joetze: </strong>20 Jahre nach Beginn des multinationalen Kosovoeinsatzes ist eine Bilanz angesagt.</p>
<ul>
<li>Der milit&auml;rische Kernauftrag &ndash; Absicherung des Friedensabkommens, F&ouml;rderung eines sicheren Umfelds, Verhinderung erneuter Massen- und Kriegsgewalt - wurde erf&uuml;llt, die in den 1990er Jahren auf dem Balkan grassierende Kriegsseuche gestoppt. Nicht zu vergessen ist, dass&nbsp; damals eine realistische Furcht vor einem kriegerischen Fl&auml;chenbrand bestand.</li>
<li>Dass keine nachhaltige Stabilit&auml;t entstand, dass weiterhin viel Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Korruption und Organisierte Kriminalit&auml;t herrschen, ist unbestreitbar, lag aber au&szlig;erhalb der Wirkungsm&ouml;glichkeiten von KFOR.</li>
<li>Die Bundeswehr war an dieser Gro&szlig;leistung kollektiver Kriegsverhinderung mit weit mehr als 100.000 Soldaten in 50 Kontingenten verl&auml;sslich, f&uuml;hrend und vorbildlich beteiligt.</li>
<li>27 Bundeswehrsoldaten verloren w&auml;hrend des Einsatzes im Kosovo ihr Leben, niemand durch feindliche Einwirkung. Trotz des erheblichen Konflikt- und Gewaltpotenzials vor Ort kam es nur in wenigen F&auml;llen zu Schusswaffeneinsatz und Feuerwechseln.</li>
</ul>
<p><strong>Artikel &bdquo;Feldlager Prizren im Kosovo &uuml;bergeben</strong>&ldquo;: Am 4. Oktober 2018 &uuml;bergab der Parlamentarische Staatssekret&auml;r im BMVg, Thomas Silberhorn, Camp Prizren, den Hauptst&uuml;tzpunkt des deutschen KFOR-Einsatzes seit 1999, an den kosovarischen Staat. Zu Ende ging damit nach 19 Jahren der Kosovo-Gro&szlig;einsatz der Bundeswehr. (Es bleiben ca. 80 Soldaten im HQ in Pristina) Die kosovarische Seite war h&ouml;chstrangig vertreten, die Dankbarkeit besonders herzlich. In Deutschland wurde dieses Ereignis - mit Ausnahme eines gr&ouml;&szlig;eren Artikels in der FAZ und eines Berichts auf der BMVg-Seite &ndash; praktisch nicht zur Kenntnis genommen.</p>
<p>Daraufhin wandte ich mich mit einem Brief an den Generalinspekteur der Bundeswehr, General Eberhard Zorn:</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Die abertausenden deutschen KFOR-Soldaten haben &ndash; zusammen mit Kameraden vieler anderer Nationen &ndash; im Kosovo R&uuml;ckf&auml;lle in den Krieg verhindert, Stabilit&auml;t gef&ouml;rdert. Sie taten das mit hohem Einsatz und viel Klugheit. Sie haben damit Menschenleben gerettet und menschliches Leid verhindert. Sie haben sich um die Menschen im Kosovo, um Frieden und Sicherheit in Europa in hohem Ma&szlig;e verdient gemacht. Die KFOR-Veteranen k&ouml;nnen stolz auf ihren Einsatz sein.</p>
<p>Sie verdienen Aufmerksamkeit, hohe Anerkennung und herzlichen Dank von Seiten der politischen Auftraggeber, aber auch der Gesellschaft insgesamt. Ihre Leistungen sind beispielhaft und ein Eckstein der bundeswehreigenen Tradition. (&hellip;)&ldquo;</p>
<p><strong>&bdquo;Der M&uuml;hen Lohn&ldquo; mit Fotos von Medal Parades im Kosovo, Doppelseite von MAZ &amp; MORE Feldzeitung Nr. 418</strong> (23.05.2007) &bdquo;Verhinderte kriegerische und ethnische Gewalt (erfolgreiche&nbsp; Sicherheitspolitik) produziert mit ihren &bdquo;Nicht-Ereignissen&ldquo; selten spektakul&auml;re Bilder und hat damit von vorne herein geringeren bis keinen Nachrichtenwert. Wegen der sicherheitspolitischen Bedeutung der KFOR-Z&auml;sur, der erbrachten Leistung abertausender Bundeswehrangeh&ouml;riger und der sp&auml;rlichen Einsatzkenntnis in der Bev&ouml;lkerung w&auml;re es umso wichtiger, der gro&szlig;en Gemeinschaftsleistung bei KFOR mehr Nachrichtengewicht zu verleihen. Damit der schon seit Jahren ziemlich vergessene KFOR-Einsatz nicht vollends in Vergessenheit ger&auml;t.</p>
<p>Mein Eindruck war, dass bei der Prizren-&Uuml;bergabe die Chance der &ouml;ffentlichen Aufmerksamkeit und Anerkennung in Deutschland nicht genutzt wurde. Alle drei involvierten Ressorts verzichteten auf eine angemessene &Ouml;ffentlichkeitsarbeit hierzulande. Dies erinnerte mich an die Art und Weise, wie die deutsche Beteiligung am bis dahin l&auml;ngsten, gr&ouml;&szlig;ten &ndash; und erfolgreichen! - Einsatz, dem in Bosnien, 2012 zu Ende gebracht wurde &ndash; v&ouml;llig sang- und klanglos, als w&auml;re er nicht der Rede wert.&ldquo;</p>
<p><strong>Ab Juni 2019 besteht die hervorragende M&ouml;glichkeit</strong>, in geb&uuml;hrender und &ouml;ffentlichkeitswirksamer Weise an die Gro&szlig;leistung von 20 Jahren KFOR-Einsatz, von &uuml;ber 100.000 Frauen und M&auml;nnern der Bundeswehr zu erinnern:</p>
<ul>
<li>Beim Tag der Bundeswehr, der&nbsp; am 15. Juni an 14 Standorten begangen wird und &bdquo;Eins&auml;tze&ldquo; als einen Schwerpunkt hat, sollte der Kosovoeinsatz besonders thematisiert werden.</li>
<li>Dasselbe gilt f&uuml;r den ressortgemeinsamen &bdquo;Tag des Peacekeepers&ldquo;, zu dem um den 29. Mai (&bdquo;International Day of UN Peacekeepers&ldquo;) seit 2013 die Minister des &Auml;u&szlig;eren, der Verteidigung und des Inneren einladen. An diesem Tag zeigt der vernetzte Ansatz Gesicht. In diesem Jahr findet die Feierstunde am 06. Juni statt.</li>
<li>Nach der Prizren-&Uuml;bergabe wurde&nbsp; mehrfach das Bed&uuml;rfnis nach einem Zusammentreffen der deutschen KFOR-Kommandeure&nbsp; zu h&ouml;ren.</li>
<li>M&ouml;glichweise bestehen besondere kameradschaftliche Beziehungen und Traditionen einzelner deutscher KFOR-Verb&auml;nde, vielleicht sogar Kontingente. Treffen auf solchen Ebenen k&ouml;nnten ein berechtigtes Leistungsbewusstsein und Zusammenhalt f&ouml;rdern. (<em>Inzwischen wurde bekannt, dass am 27./28. Juli eine Ehemaligen-Veranstaltung des Mechanisierten Bataillon des 1. Deutschen KFOR-Kontingents beim damaligen Leitverband, dem Panzergrenadierbataillon 112 in Regen, Teil der Panzerbrigade 12 in Amberg, stattfindet. Das Bataillon hatte insgesamt sieben Kosovoeins&auml;tze</em>.)</li>
<li>Unbedingt notwendig w&auml;re dar&uuml;ber hinaus f&uuml;r die Au&szlig;enkommunikation eine zentrale Veranstaltung. Das umso mehr, als in der breiten &Ouml;ffentlichkeit die Kenntnisse zu Eins&auml;tzen sehr gering sind und Einsatzr&uuml;ckkehrer nur eine sehr geringe Anerkennung ihrer Einsatzleistungen empfinden. Wo es um nicht weniger als strapazi&ouml;ses Engagement im Kontext&nbsp; erfolgreicher Kriegsverhinderung und Friedenssicherung geht, da w&auml;re die Teilnahme des Bundespr&auml;sidenten ausgesprochen angemessen.</li>
</ul>
<p><span style="text-decoration: underline;">20 Jahre KFOR:&nbsp; Die Angeh&ouml;rigen der deutschen KFOR-Kontingente verdienen und brauchen Aufmerksamkeit, Anerkennung, Dank von Politik und Gesellschaft insgesamt!</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">NACHBEMERKUNG au&szlig;erhalb des Vortrags</span></p>
<p>Nicht vergessen werden d&uuml;rfen bei alledem die Leistungen `der vielen deutschen Polizisten und Zivilexperten im Rahmen von UNMIK, OSZE, EU und NGO s, die in der Regel in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit noch weniger Beachtung und sp&uuml;rbare Anerkennung finden als Bundeswehrangeh&ouml;rige. Hier sind die anderen Ressorts gefordert.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">HINWEISE </span></p>
<p>Neuerscheinung im Mai 2019: Hans-Peter Kriemann, Der Kosovokrieg 1999, mit zahlreichen Bildern und Karten, RECLAM, Reihe &bdquo;Kriege der Moderne&ldquo;</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">&nbsp;Liste Berichte + Stellungnahmen</span> von Winfried Nachtwei zu den Balkan-Kriegen und &ndash;Eins&auml;tzen (insbesondere Kosovo) 1995-2019 (zzt. 45 Beitr&auml;ge)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">ANHANG</span></p>
<p><strong>Auszug aus der Zusammenfassung zum Reisebericht Kosovo Februar 2011:</strong></p>
<p>- Das Ende des 12-j&auml;hrigen KFOR-Einsatzes kommt in Sicht. Der Auftrag, nach dem Krieg im Kosovo 1998/1999 f&uuml;r ein sicheres Umfeld zu sorgen, wurde trotz erheblicher, kriegerischer Eskalationsrisiken (Presevotal im Jahr 2000, Nordmazedonien 2001, Unabh&auml;ngigkeitserkl&auml;rung 2008) und des massiven R&uuml;ckschlages vom M&auml;rz 2004 zunehmend erreicht. Die Br&uuml;cke zu nachhaltiger Sicherheit wird zumindest von Seiten der Sicherheitsstrukturen immer fester.</p>
<p>Die Frauen und M&auml;nner, die Soldaten und Offiziere der inzwischen 28 Kontingente k&ouml;nnen stolz auf den insgesamt erfolgreichen KFOR-Einsatz sein.</p>
<p>- Der serbisch dominierte Norden und Mitrovica bleiben eine Risikozone. Die massenhafte Perspektivlosigkeit f&uuml;r junge Menschen in der j&uuml;ngsten Gesellschaft Europas ist ein enormer sozialer Sprengstoff. Die bis in hohe Regierungsebenen reichende Organisierte Kriminalit&auml;t behindert bessere Regierungsf&uuml;hrung und verhindert Vertrauen in die politische F&uuml;hrung.</p>
<p>- Dass der KFOR-Erfolg in der deutschen &Ouml;ffentlichkeit praktisch nicht mehr wahrgenommen wird, ist angesichts des medialen bad-news-are-good-news-Mechanismus nicht verwunderlich. Umso d&uuml;mmer ist allerdings, wenn der KFOR-Einsatz als &bdquo;Einsatz zweiter Klasse&ldquo; gilt, wenn es sogar in Bundeswehrkreisen hei&szlig;t, es&nbsp; gehe &bdquo;nur zu KFOR&ldquo;. Als w&uuml;rde sich der &bdquo;Wert&ldquo; eines Einsatzes einzig an seiner Intensit&auml;t, an Belastungen und Opfern festmachen, und nicht vor allem auch an seiner Wirksamkeit beim Auftrag Kriegseind&auml;mmung und &ndash;verh&uuml;tung.</p>
<p>(<a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=34&amp;aid=1036">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=34&amp;aid=1036</a> )</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Leitverb&auml;nde des 1. Dt. Kontingents u.a. f&uuml;r Stab Einsatzbrigade Panzerbrigade 12, Amberg, f&uuml;r Mechanisiertes Bataillon (4 PzKp) PzGrenBtl 112, Regen, und PzBtl 214, Augustorf, f&uuml;r J&auml;gerbataillon Gebirgsj&auml;gerbataillon 571 Schneeberg</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Das Bataillon verf&uuml;gte &uuml;ber M-109-Panzerhaubitzen und &uuml;bernahm zus&auml;tzlich Verantwortung im Raum Orahovac. Van Loon hatte 1995 im Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps in M&uuml;nster die Operationsabteilung geleitet; 2010 bis 2013 war er Kommandierender General des Korps.</p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Kladde X, Ausz&uuml;ge <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> W. Nachtwei, Begann alles mit einer L&uuml;ge? Zum Streit um die Informationspolitik der Bundesregierung, 12.03.2001,&nbsp; <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=277">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=277</a> ; ders., Antwort auf den Offenen Brief von Prof. Dr. Dr. Dieter S. Lutz und PD Dr. Reinhard Mutz an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages zum 2. Jahrestag des Beginns der NATO-Luftangriffe, 01.05.2001,&nbsp; <a href="http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/fr-debatte-nachtwei.html">http://www.ag-friedensforschung.de/themen/NATO-Krieg/fr-debatte-nachtwei.html</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> Polizeimissionen auf dem Balkan &ndash; Gewaltexplosion im Kosovo, M&auml;rz 2004, S. 5 ff., <a href="downloads/civpol_eu_un_04_2004.pdf">http://nachtwei.de/downloads/civpol_eu_un_04_2004.pdf</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref6">[6]</a> Reisebericht Kosovo ein Jahr nach den M&auml;rzunruhen, M&auml;rz 2005, <a href="downloads/bericht/kosovo_bericht_200503.pdf">http://nachtwei.de/downloads/bericht/kosovo_bericht_200503.pdf</a></p>
</div>
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref7">[7]</a> <a href="https://www.deutschlandfunk.de/die-menschen-warten-auf-diese-entscheidung.868.de.html?dram:article_id=124448">https://www.deutschlandfunk.de/die-menschen-warten-auf-diese-entscheidung.868.de.html?dram:article_id=124448</a> )</p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div></div>


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