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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: RÃ¼ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (IV): PersÃ¶nl. Aufzeichnungen aus den drei Wochen vor Kriegsbeginn, Stellungnahme zu den NATO-Luftangriffen vom 26.03.1999</title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            RÃ¼ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (IV): PersÃ¶nl. Aufzeichnungen aus den drei Wochen vor Kriegsbeginn, Stellungnahme zu den NATO-Luftangriffen vom 26.03.1999         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 28. März 2019 15:48:47 +02:00 (49936 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Einblicke hinter die Kulissen von Bundestag + Gr&uuml;ner Fraktion: Aufzeichnungen eines Abgeordneten in ungeahntem politischen H&auml;rtetest und Widerspr&uuml;chen.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>R&uuml;ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (IV):</strong></p>
<p align="center"><strong>Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus den drei Wochen vor Kriegsbeginn,</strong></p>
<p align="center"><strong>Stellungnahme zu den NATO-Luftangriffen vom 26. M&auml;rz 1999</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB 1994-2009 (27.03.2019)</p>
<p><em>(R&uuml;ckblende I: Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen Mai bis 16. Okt. 1998/Bundestagsbeschluss zu &ldquo;Luftoperationen&rdquo;, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553</a> ; R&uuml;ckblende III: Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen Nov. 1998 bis Feb. 1999/&rdquo;Rambouillet-Truppe&rdquo;, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1579</a> ; R&uuml;ckblende II: Bericht vom ersten Kosovo-/KFOR-Besuch Okt. 1999)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1)&nbsp; Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus Fraktion und Bundestag M&auml;rz 1999</span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">01.03.1999 Bericht der gr&uuml;nen Obfrau A.B. zu Mazedonien</span></p>
<p>Mazedonien sei als Aufmarschgebiet &uuml;berfordert. Wenn es zu einem Kampfeinsatz komme, f&uuml;rchte man um die territoriale Integrit&auml;t. Man k&ouml;nne keine Fl&uuml;chtlinge mehr aufnehmen.</p>
<p>Tetovo: Die Kaserne laufe &uuml;ber. Kaum &Uuml;bungsm&ouml;glichkeiten. Wir seien in einer Rolle, die wir nicht wollten. Angesichts der enormen Drohkulissem&uuml;sse man sich vor einem Automatismus h&uuml;ten!!! Die Gefahr bestehe, dass vor Ort was anderes laufe &ndash; und nicht mehr kontrollierbar sei.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">03.03. Verteidigungsausschuss (<em>Haushaltsberatungen zu Einzelplan 14), </em>TOP Kosovo:</span></p>
<p>- Minister Scharping: Positive Signale von der UCK, auf serbischer Seite unver&auml;ndert. Ein erhebliches Risiko bestehe bis 15. M&auml;rz. Unver&auml;ndert Provokationen, UCK in Scharm&uuml;tzeln. Serbische Verb&auml;nde (unterhalb der Obergrenze) f&uuml;hren Man&ouml;ver mit scharfer Munition durch.</p>
<p>Seit 25.02. wurden 20 Behinderungen der OSZE-Mission festgestellt.</p>
<p>Die Materialverlegung f&uuml;hre zu unbestreitbaren Problemen vor Ort. (&hellip;) Sehr starke Beanspruchung der Soldaten, in Tetovo zzt. 450 stationiert. Der Kontingentwechsel stehe bevor.</p>
<p>Unmittelbar vor dem 15.03. und danach sei eine &auml;u&szlig;erst kritische Situation.</p>
<p>Die Bundeswehr betreibe als einzige Streitkraft eine so lange einsatzbezogene Ausbildung. Nur wenige andere auch mit gepanzerten Kr&auml;ften.</p>
<p>Die Implementierung (<em>der Rambouillet-Absicherungstruppe</em>) und ihre Unterbringung werde erhebliche Probleme machen. In Mazedonien gebe es nur einen Truppen&uuml;bungplatz f&uuml;r die Extraction Force. (&hellip;) Falls kein Abkommen zustande komme: Die bereitgestellte Truppe stehe nur f&uuml;r zwei F&auml;lle und nichts anderes zur Verf&uuml;gung. Auf Beteiligte an Luftoperationen kommen erhebliche Belastungen und hohes Risiko zu.</p>
<p>- B./CDU-Obmann: Deutsche Entschlossenheit verdeutlichen! In Mazedonien seien die organisatorischen M&ouml;glichkeiten v&ouml;llig ersch&ouml;pft. (&hellip;) Unsicherheit bestehe, wie es politisch weitergehe. Eine mentale Einstimmung war nicht gegeben. Tiefe Verunsicherung vor Ort. Eindringliche Berichte von vor Ort: Wie werden sie von der politischen F&uuml;hrung verarbeitet? Material und Personal zum Teil voneinander getrennt; kaum &Uuml;bungsm&ouml;glichkeiten; unabsehbare Risiken. Es sei m&ouml;glch, dass alles im Chaos ende. Sowas habe er bisher noch nirgendwo angetroffen.</p>
<p>Den milit&auml;risch Verantwortlchen sei er dankbar f&uuml;r die offenen &Auml;u&szlig;erungen. Sie seien &uuml;berfordert.</p>
<p>Sei eine verz&ouml;gerte Nachf&uuml;hrung nicht sinnvoller? Wie stehe es um Verminung?</p>
<p>Der letzte Bericht des Ministers sage nichts zu den Schwierigkeiten vor Ort.</p>
<p>- Verteidigungsausschuss-Vors. W. warnt vor &Uuml;berdramatisierung. Der Nationale Befehlshaber (<em>im Einsatzland</em>) &auml;u&szlig;erte sich ausdr&uuml;cklich pers&ouml;nlich. &nbsp;Dass der zust&auml;ndige General nicht dabei war, wurde als Desavouierung empfunden. So konnte der von B. geschilderte Eindruck entstehen.</p>
<p>- Z./SPD-Obmann: Bitte Ausbildung und &ldquo;In-&Uuml;bung-Halten&rdquo; unterscheiden! An welchen Vorgesetzten kann sich der Nationale Befehlshaber wenden?</p>
<p>- A./Obfrau Gr&uuml;ne: Zur Lage in Mazedonien (siehe Bericht 01.03.)</p>
<p>- N./FDP-Obmann: Der Bericht von der Reise (nach Mazedonien) war v&ouml;llig korrekt. Er sei den Soldaten f&uuml;r ihre Offenheit dankbar. (Beifall) Er erwarte, dass wir nicht eine Maulkorbdebatte bekommen. Er bef&uuml;rchte, dass ein Automatismus zu einem Bodeneinsatz f&uuml;hren k&ouml;nne. (Kopfsch&uuml;tteln bei General K.)</p>
<p>- O./SPD: Nat&uuml;rlich seien es Momentaufnahmen gewesen. (&hellip;) Vorgesetzte waren offen, aber nicht &uuml;berdramatisierend und jammernd. Die vorhandenen Unterk&uuml;nfte waren voll in Ordnung. Es k&ouml;nne schnell in Friedenserzwingung abrutschen. Sind sie daf&uuml;r ausgebildet?</p>
<p>Engpa&szlig; Sanit&auml;tsdienst: Wenn es ernst werde, sei das der Motivationsfaktor Nr. 1.</p>
<p>Zu Drohnen: 40% des Gebietes d&uuml;rfen wir nicht aufkl&auml;ren; nur dort, wo serbische Zustimmung.</p>
<p>- K./CDU: Kein Zweifel an der Richtigkeit des Beschlusses (des Bundestages vom 25.02.) Viele Soldaten wussten nicht so genau um ihre Rolle! Er habe keinen Soldaten jammern geh&ouml;rt. Kritische Anmerkungen solle man deshalb Ernst nehmen. Der Nationale Befehlshaber sagte alles in Anwesenheit der politischen F&uuml;hrung.</p>
<p>Im alten Mazedonien gab es 25.000 Soldaten, inzwischen noch 15.000. Dazu kamen jetzt 30.000 NATO-Soldaten.</p>
<p>- Heeresinspekteur W.: Die milit&auml;rische F&uuml;hrung hat f&uuml;r Extraction (friedlich/unfriedlich) Kapazit&auml;ten breitgestellt.</p>
<p>Der normale Ausildungs- und &Uuml;bungsbetrieb ist mit dem Aufmarschgebiet nicht vergleichbar. Solche Rahmenbedingungen hatten wir noch nicht. Der Aufmarsch laufe pr&auml;zise nach Plan. Alle Probleme dabei seien l&ouml;sbar. (leichte Teile bis 12.03.) Ungekl&auml;rt sei noch die Unterbringung der schweren Teile, die am 28.03. in Saloniki.</p>
<p>Trennung von Material und Personal: Eine Distanz von 40 km sei unvermeidbar.</p>
<p>F&uuml;r Kampfinsatz geschult? Die Truppen kommen aus der h&ouml;chsten Ausbildungsstufe&nbsp; daf&uuml;r (Hohenfels). Nun erfolge eine Umschulung auf den Einsatz. Keine andere Armee mache eine solche einsatzorientierte Ausbildung. (USA: Man&ouml;vr von Flugzeugtr&auml;ger aus)</p>
<p>Die mentale Vorbereitung sei so, wie man es im Frieden machn k&ouml;nne. Alle Dienstgrade haben Seminare am Zentrum Innere F&uuml;hrung durchlaufen. Hervorragend ausgebildete Truppe!!!</p>
<p>Die politische Gesch&auml;ftsgrundlage sei klar: keine Friedenserzwingung. Wir m&uuml;ssen die Grenze scharf ziehen! Das sei voll zu bew&auml;ltigen!</p>
<p>- Minister Scharping: An Information des Auschusses und der &Ouml;ffentlichkeit weiter interessiert!! Kein Wille zur Sch&ouml;nf&auml;rberei! Er erwarte aber auch Sorgfalt bei der Vermittlung von Eindr&uuml;cken in der &Ouml;ffentlichkeit.</p>
<p>Grenzsicherung Mazedonien: Norwegische Initiative, ob das nicht &uuml;ber die OSZE geregelt warden k&ouml;nne. Wir wollen nicht in Grenzkonflikt hineingezogen werden.</p>
<p>Bei Luftschl&auml;gen bestehe das Risiko von serbischen Gegenattacken gegen Mazedonien und SFOR in der Republika Srpska.</p>
<p>Die Debatte um Kampfeinsatz gehe an der klaren Beschlusslage des Bundestages und dem Willens der Bundesregierung vorbei.</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">11.03.a.o. Fraktionssitzung wg. Lafontaine-R&uuml;cktritt; Staatsangeh&ouml;rigkeitsrecht</span></em></p>
<p><em>16.03. AK IV: R&uuml;stngsexporte T&uuml;rkeii (Voranfrage zu 200 Fuchs ohne Bewaffnung, sp&auml;ter 1.800; AA, BMZ dagegen, BMVg, BMWi und BKaAmt daf&uuml;r)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">16.03. Fraktionssitzung</span></p>
<p>- Jo Fi zu Kosovo: Die jugoslawische Seite sei kaum kompromi&szlig;bereit, spreche nicht &uuml;ber milit&auml;rische Implementierung. KOS-Albaner unterschreiben heute. K&auml;mpfe nehmen zu. Bericht der Berliner Zeitung &uuml;ber &ldquo;fingiertes Racak-Massaker&rdquo; k&ouml;nne nicht best&auml;tigt warden. Keine diesbez&uuml;glichen Berichte.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">17.03. Verteidigungsausschuss, erster TOP Ex-Jugoslawien/Kosovo <em>(anderer TOP Schlussberatung und Abstimmung zum Einzelplan 14):</em></span></p>
<p>- N.N./Bundesregierung; (&hellip;) immer wieder Auseinandersetzungen. Belgrad sei nicht zu gro&szlig;er Offensive gegen UCK in der Lage.</p>
<p>Verhandlungen werden Ende derWoche suspendiert.</p>
<p>- B./CDU: Er habe den Eindruck, dass Deutschland sehr schnell sei bei der Verst&auml;rkung der Extraction Force.</p>
<p>- PDS kritisiert die Weigerung der Regierungsfraktionen, auch einen worst case zu diskutieren.</p>
<p>- Generalinspekteur B.: NATO-Truppe vor Ort 10.850 (Obergrenze inzwischen auf 12.000 angehoben) aus 14 Nationen: GB 4.300, DEU 3.000, FR 2.200, IT 1.000, NL 150, CAN 50. Zzt. Alle Verlegungen gestoppt. (&hellip;) Tetovo k&ouml;nnte von albanischen Kriegshandlungen betroffen sein. Deshalb Auflockerungsr&auml;ume. F&uuml;r SFOR keine besondere Bedrohung. (&hellip;)</p>
<p>- AA-Politischer Direktor Sch. warnt ausdr&uuml;cklich, jetzt von Scheitern zu sprechen. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Konferenz suspendiert werden muss. Heute und Donnerstag intensivste Verhandlungen&nbsp; Jede erdenkliche M&ouml;glichkeit werde ausgelotet. Er erwarte kein Scheitern!!</p>
<p>Hervorragende Arbet der KVM!</p>
<p>Im Kosovo mangelnder Friedenswille auf beiden Seiten: UCK-Provokationen, unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;iges Zur&uuml;ckschlagen (mit Artillerie). Gro&szlig;e Eskalationsgefahr! Eine humanit&auml;re Katastrophe k&ouml;nnte unmittelbar bevorstehen.</p>
<p>- Ro./CSU: Erstaunlich, wozu Diplomatie/Sprache der Diplomaten f&auml;hig sein.</p>
<p>- W.N./Gr&uuml;ne: Bei der Diplomatie komme es darauf an, <span style="text-decoration: underline;">jede</span> M&ouml;glchkeit auszuloten &hellip;, ohne sich dabei zum Spielball/Narren zu machen.</p>
<p>Zur Lage im Kosovo nach Rambouillet: Ohne die politische Hauptverantwortung zu verschieben: die KOS-Albaner seien bei den Verhandlungen eher die Kooperativen; vor Ort aber gehe die Masse der Waffenstillstandsbr&uuml;che von der UCK aus. Die serbischen milit&auml;rischen Vorbereitungen zielen auf Sperren gegen die Extractin Force.</p>
<p>Die KVM spiele eine zentrale Rolle bei lokalen Waffenstillst&auml;nden.</p>
<p>Zur &ldquo;neuen&rdquo; Kategorie &ldquo;humanit&auml;re Katastrophe&rdquo;: Beliebig? Racak? In letzten zehn Wochen 60.000 auf der Flucht!</p>
<p>- Ra./CSU: Er sei immer wieder &uuml;ber die Gr&uuml;nen verwundert &ndash; vom Saulus zum Paulus. (&hellip;)</p>
<p>- B./CDU: Vorsicht vor leichtfertigen &Auml;u&szlig;erungen zu Ausbildungsstand und Ausstattung.</p>
<p>- Parl. Staatssekret&auml;r K.: Keine Hinweise auf serbische Vorbereitungen, Extraction Force zu verhindern.</p>
<p>-&nbsp; GI: Zu Luftschl&auml;gen und jugoslawischen Abwehrm&ouml;glichkeiten: Diese seien bekannt, bewegliche w&uuml;rden aufgekl&auml;rt.</p>
<p>Zur Zielplanung der NATO: Erste Angriffe gingen gegen Luftabwehr mit Marschflugk&ouml;rpern; dann erst ECR-Tornados. Bei NATO fast 400 Flugsysteme, denen Jugoslawien so gut wie nichts entgegen zu setzen h&auml;tte. Keine Potenziale/Hinweise f&uuml;r Angriffe auf die NATO. (&hellip;)</p>
<p>Sperren an einzelnen Br&uuml;cken.</p>
<p>Die Extraction Force gehe von der Option luftbeweglicher Kr&auml;fte mit Pionierkr&auml;ften aus.</p>
<p>- Heeresinsp. W. zu Leopard II A5: Im diesbez&uuml;glichen Spiegel-Artikel stimme nichts!</p>
<p>In der Truppe gebe es 150, die zu 100% versorgt seien. Die Richtsch&uuml;tzen h&auml;tten alle die Ausbildung am A5, &Uuml;bungen im Bataillonsrahmen. System und Mann seien das beste, was wir haben. Die Leo`s sind gesch&uuml;tzt gegen Frontalbeschuss durch die besten Fahrzeuge der anderen Seite.</p>
<p>Luftbeweglichkeit mit Bell-UH- und CH-53-Hubschraubrn.</p>
<p>- AA-Polit.Direktor Sch.: Die BR Jugoslawien habe sich vertraglich zum Schutz der KVM verpflichtet. Die KOS-Albaner w&uuml;rden deutlich wegen Provokationen gewarnt.</p>
<p><em>(Anmerkung: Nicht schriftlich festgehalten, aber in Erinnerung ist mir ein kurzes Gespr&auml;ch mit einem hohen Luftwaffengeneral am Rande wahrscheinlich dieses Verteidigungsausschusses. Ich fragte ihn, was sei, wenn die Drohung mit Luftangriffen bei Milosevic jetzt nicht wirke wie im letzten Herbst. Es sei doch historische Erfahrung, dass allein mit Luftstreitkr&auml;ften der politische Wille eines Gegners kaum zu beeinflussen sei. Die Antwort: Das wisse man dann auch nicht. Als ich in der Ausschusssitzung fragte, was sei, wenn Milosevic nicht angesichts der Drohung bzw. nach ersten Luftschl&auml;gen einlenke, hie&szlig; es aus den Reihen des Koalitionspartners &ldquo;keine Spekulationen!&rdquo; Damit gab ich mich zufrieden. Nachtr&auml;glich wurde mir klar, dass dies ein gro&szlig;er Fehler war. Seitdem dr&auml;nge &nbsp;ich in solchen Beratungssituationen darauf hin, verschiedene Optionen ohne vorschnelle Denkverbote m&ouml;glichst bis zum Ende zu durchdenken.)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.03. AKIV, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p>- &nbsp;AA-Staatssekret&auml;r Isch.: Rapide Verschlechertung der Lage. 15.-16.000 serbische Soldaten im Kosovo, auch Spezialpolizei. Mehr als Verdreifachung <em>(?nicht genau lesbar</em>). Beide Seiten halten sich nicht mehr an den Waffenstillstand. Das Papier gilt nicht mehr.</p>
<p>Die humanit&auml;re Siuation sei wieder vergleichbar mit letztem Herbst. Seit 6. Feb. 80.000 Fl&uuml;chtlinge/Vertriebene, seit letztem Wochenende 20.000. 240./250.000 Binnenfl&uuml;chtlinge, seit Ausbruch der Findseligkeiten vor einem Jahr 440.000, ein F&uuml;nftel der Bev&ouml;lkerung:</p>
<p>Die OSZE-Mission sei gegenw&auml;rtig noch prinzipiell r&uuml;ckkehrf&auml;hig! Wir m&uuml;ssen so tun, als gebe es noch eine Chance. Abzug der Extraction Force w&auml;re ein falsches Signal.</p>
<p>Zzt. Gespr&auml;che, dabei auch Petric, Majorski, Hill, Fazit heute Abend oder morgen fr&uuml;h. Serbische Versuche des Zeitgewinns.</p>
<p>Auf Bitte von Minister Fischer jetzt Holbrooke-Mission.</p>
<p>Politische Steuerung des Prozesses der Krisenbew&auml;ltigung durch den NATO-Rat weiter notwendig. R&uuml;ckkoppelung bei jeder weiteren Eslkalationsstufe. (wesentlich von Deutscland eingebracht, keine Abgabe ans Milit&auml;r)</p>
<p>Zu Luftschl&auml;gen: Keine Nadelstiche, sondern massives milit&auml;risches Handeln. Im Kern US-Aktion. USA stellen die meisten Flugzeuge. Ab Phase II h&auml;tte Milosevic keine milt&auml;rische Kontrolle mehr &uuml;ber den Kosovo. &nbsp;Durch Luftschl&auml;ge ehebliche politische Ver&auml;nderungen. Unkontrollierbare politische Folgen im Kosovo.</p>
<p>Zzt. werde NW-Kosovo von UCK &ldquo;ges&auml;ubert&rdquo;. Unklar, ob das zentral orchestriert werde oder &ldquo;von unten&rdquo; geschehe. Aktive Vertreibung durch maskierte Kr&auml;fte/Hinrichtungen.</p>
<p>Gegenw&auml;rtig bestehe die Gefahr, dass der prek&auml;re Zusammenhang der KOS-albanischen Seite verloren gehe. Schon jetzt bestehe ein massiver Radikalisierungsdruck. Gem&auml;&szlig;igtere KOS-Albaner &ldquo;halten es nur noch wenige Tage aus&rdquo;.</p>
<p>In Belgrad seien weitere Solidarisierungseffekte zu erwarten.</p>
<p>Die meisten Hilfsorganisationen gehen jetzt raus.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.03. Unterrichtung des Verteidigungsausschusses im F&uuml;hrungszentrum/BMVg (Hardth&ouml;he) in Anwesenheit der gesamten politischen + milit&auml;rischen F&uuml;hrung:</span></p>
<p>Seit einer Woche begrenzt milit&auml;rische Aktion in Reaktion auf UCK-Anschl&auml;ge; zzt. keine umfassende Offensive gegen UCK m&ouml;glich (dazu w&auml;re mehr Infanterie n&ouml;tig). F&uuml;r Gesamtr&auml;umung w&auml;ren Wochen n&ouml;tig. FROG 7 70 km Reichweite (sowjetische ungelenkte Kurzstreckenrakete), Okan 50 km. Serbisch Armee in Auflockerungsr&auml;umn.</p>
<p>Rekrutierunsprobleme bei Wehrpflichtigen und Reservisten, kleinere Demos (Kriegsm&uuml;digkeit), Ausstattungsm&auml;ngel. Montenegro verweigere Rekruten.</p>
<p>Bundeswehr in Mazedonien: Risiken am ehesten durch weitreichende Systeme oder Anschl&auml;ge.</p>
<p>KVM-Abzug: Samstag 5-11.20 Uhr, nur Handgep&auml;ck dabei, nicht pers&ouml;nliche Ausr&uuml;stung. Mission gilt als &ldquo;unterbrochen&rdquo;.&nbsp; Mandat gilt weiter f&uuml;r ein Jahr. Auch Luftoperationen haben Vertrag als Ziel!</p>
<p>In Mazedonien jetzt 4.100 GB, 3.000 DEU, insges. 11.000. K&uuml;nftig zwei Drohnenfl&uuml;ge/Tag, bisher f&uuml;nf/Woche. Sie warden der serbischen Seite angezeigt. Zzt. Verlegung in Phase IV (mechanisierte Kr&auml;fte). Sperrzonen warden eingehalten. Gegenw&auml;rtig keine weitere Personalzuf&uuml;hrung, aber 96-Stunden-Bereitschaft.</p>
<p>Jugoslawische Kr&auml;fte haben Obergrenzen von Oktober 1998 um bis zu 50% &uuml;berschritten.</p>
<p><em>(Heutige Erg&auml;nzung: Bei dieser Spitzenrunde in h&ouml;chst angespannter Lage ging mir das Ph&auml;nomen &ldquo;groupthink&rdquo; durch den Kopf, beobachtet z.B. in der Beraterrunde von US-Pr&auml;sident Kennedy: Die Runde der intellektuellen Eggheads war nicht vor bedeutetenden Fehlentscheidungen gefeit. Es wirkte ein gruppendynamischer Konformit&auml;tsdruck, groupthing. Ich fragte mich, ob wir auch einem solchen Gruppendenken unterlagen.)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.03. Verteidigungsausschuss TOP 1 Kosovo:</span></p>
<p><em>(Beginn der NATO-Luftangriffe, Operation &ldquo;Allied Force&rdquo;, gegen die Bundesrepublik Jugoslawien &ldquo;zur Abwendung einer humanit&auml;ren Katastrophe&rdquo; am 24. M&auml;rz ab 19.41 Uhr)</em></p>
<p>- Minister Scharping: Milosevic wurden die Folgen sehr deutlich gemacht. (&hellip;) Diplomatische Kan&auml;le weiter offen. Luftoperationen k&ouml;nnen jederzeit eingestellt warden, wenn glaubw&uuml;rdige Zeichen des Wandels erfolgen. Forderung: Unterzeichnung, Einhaltung der Vereinbarung vom Okt. 1998 (Obergrenzen und Einstellung der exzessiven Gewalt); zzt. &ldquo;abschnittsweise S&auml;uberung&rdquo;)</p>
<p>Ziel: Spirale der Gewalt unterbrechen, ihm die Mittel nehmen.</p>
<p>Phasenweise Ausweitung und Konsultationen.</p>
<p>Gr&ouml;&szlig;tm&ouml;gliche Information ggb. Ausschuss und &Ouml;ffentlichkeit. Besondere Verantwortung auch ggb. Familien und Soldaten. Was sich auch in &ouml;ffentlichen &Auml;u&szlig;erungen niederschlagen sollte.</p>
<p>- Stellungnahmen der Obleute CDU, SPD, FDP <em>(keine Aufzeichnungen</em>), Gr&uuml;ne (zur Gel&ouml;bnisdebatte)</p>
<p>- L./PDS: Das V&ouml;lkerrecht werde nicht ausreichend gew&uuml;rdigt. Dar&uuml;ber k&ouml;nne nicht weggeredet warden. Verweis auf fr&uuml;here politische Fehler!! Auch bei der T&uuml;rkei w&auml;re (<em>nach der Kosovo-Logik</em>) ein Eingreifen notwendig.</p>
<p>- Minister Scharping: &ldquo;Kriegseinsatz&rdquo; suggeriere NATO als Angreifer.</p>
<p>Zur UCK: Harter Kern aus 5.-6.000 K&auml;mpfern, dazu bis 20.000 weitere K&auml;mpfer mit leichten Infanteriewaffen. Geringe F&auml;higkeit bei Panzer- und Luftabwehr.</p>
<p>- AA-Staatssekret&auml;r I.: Insgesamt 443.000 Fl&uuml;chtlinge; seit Beginn Rambouillet 80.000 Fl&uuml;chtlinge und Vertriebene. EU-Kommission verst&auml;rkt Fl&uuml;chtlingshilfe., 40 Mio. DM der EU.</p>
<p>- K./CDU: Stellen Sie sich vor, hier s&auml;&szlig;en M&uuml;tter von Soldaten oder auch KOS-Geschundene. Habe mir Gel&ouml;bnisdebatten des letzten Jahres angesehen &ndash; morgen eine Gel&ouml;bnisdebatte w&auml;re skuriel und gerade f&uuml;r unmittelbar Beteiligte nicht nachvollziehbar. Deshalb sei es besser, die Debatte um eine Woche zu verschieben. F&uuml;r Konsens.</p>
<p>- W.N,/Gr&uuml;ne: Grunds&auml;tzliche Anmerkungen: (a) Kriege seien Zeiten der L&uuml;ge: Gr&ouml;&szlig;tm&ouml;glich Information und &Ouml;ffentlichkeit sei die unerl&auml;&szlig;liche Vorausetzung f&uuml;r Konsens. (b) Kriege sien Zeiten eines enormen Konsensdrucks, wo abweichende Meinungen schnell ausgegrenzt werden: Offene Diskussion sei weiter unerl&auml;sslich, zuglauch auch Sorgfalt, keine Opposition um der Opposition willen.&nbsp; (c) Die Spirale der Gewalt unterbrechen: Jetzt eine teuflische Situation, Riiko, dass die Spirale der Gewalt vorangetrieben wird. Nur: Weiter wie bisher w&uuml;rde mit absoluter Sicherheit in extreme humanit&auml;re Katastrophe m&uuml;nden. (jetzt keine Hilfsorganisationen mehr dort) In letzten Monaten wurde alles versucht, wahrhaftig ultima ratio!! Alternativlos.</p>
<p>(d) Mandatsfrage (<em>keine Mandatierung durch den VN-Sichrheitsrat</em>): &auml;u&szlig;erst problematisch! Aber das d&uuml;rfe man auch nicht verabsolutieren.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">25.03. Bundestag, Gesch&auml;ftsordnungsdebatte zum PDS-Antrag zu einer Debatte &uuml;ber die NATO-Luftangriffe:</span></p>
<p>- H.-C. Str&ouml;bele: Seit 1945 geht wieder Krieg von deutschem Boden aus. Ich sch&auml;me mich f&uuml;r mein Land und meine Fraktion. (Pfui)</p>
<p>- Minister Sch. zu Zielen</p>
<p>- Sch&auml;uble: Volle Unterst&uuml;tzung f&uuml;r Scharping, kein Dissens.</p>
<p>- Gysi: Mit keinem Wort erw&auml;hnt werde die rechtliche Grundlag des Krieges, der gestern begonnen habe.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">25.03. a.o. Fraktionssitzung:</span></p>
<p>- Ali scharf gegen Str&ouml;bi`s Wort von &ldquo;seit 45 zum ersten Mal wieder Krieg von deutschm Boden aus&rdquo;.</p>
<p>- Claudia distanziert sich von Str&ouml;bi`s Worten, kritisiert zugleich &ldquo;P&ouml;beleien&rdquo; gegen&uuml;ber &ldquo;Abweichlern&rdquo;.</p>
<p>- Ludger: Die V&ouml;lkerrechtsproblematik sei unbestritten. Aber formale und materielle Ebne seien zu unterscheiden. RUS wie CHI drohten aus nationalistischen Gr&uuml;nden mit Veto.</p>
<p>Zur Genese des Verhandlungsprozesses und gegen ein Sofort-Bombardieren. (&hellip;)</p>
<p>Milosevic habe it Rot-Gr&uuml;n gr&uuml;ne Karte gezogen und darauf gesetzt, dass Pazifisten die NATO-Strategie blockieren w&uuml;rden &ndash; freie Bahn f&uuml;r eigene Politik. Wenn mich ein Massenm&ouml;rder instruentalisieren will, dann h&ouml;rt meine Friedfertigkeit auf! (Kurzchakterisierung der serb. Diplomatie)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.03. Bundestagsdebatte zum Berliner EU-Gipfel und zur Kosovo-Regierungserkl&auml;rung</span> (<em>keine Aufzeichnungen)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) 26. M&auml;rz 1999 Stellungnahme von Winfried Nachtwei, </span></strong><span style="text-decoration: underline;">MdB, Mitglied des Verteidigungsauschusses: </span><strong><span style="text-decoration: underline;">NATO-Luftangriffe: Antiserbische Aggression </span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">oder einzige Rettungschance f&uuml;r den Kosovo?</span></strong></p>
<p>Die NATO fliegt seit dem 24. M&auml;rz Luftangriffe auf Ziele der jugoslawischen Armee im Kosovo und anderen Teilen der Bundesrepublik Jugoslawien. Die Bundeswehr ist daran mit insgesamt 14 Tornado-Kampfflugzeugen beteiligt. Erstmalig nach 1945 nehmen deutsche Soldaten wieder an einem ausdr&uuml;cklichen Kampfeinsatz teil. Erstmalig in der deutschen Geschichte wurden Soldaten von einem demokratisch gew&auml;hlten Parlament und einer demokratischen Regierung in einen Krieg geschickt.</p>
<p>Grundlage daf&uuml;r ist der Bundestagsbeschlu&szlig; vom 16. Oktober 1998, in dem die deutsche Beteiligung an &quot;begrenzten und in Phasen durchzuf&uuml;hrenden Luftoperationen der NATO zur Abwendung einer humanit&auml;ren Katastrophe im Kosovo&quot; auch mit einer Mehrheit der b&uuml;ndnisgr&uuml;nen Fraktion gebilligt wurde.</p>
<p>Die von der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung mitgetragenen Luftangriffe gegen das serbische Milit&auml;r sind eine Z&auml;sur in der europ&auml;ischen und deutschen Nachkriegsgeschichte, sie sind eine Z&auml;sur in der Politik der Gr&uuml;nen.</p>
<p>Geht nun wieder Krieg von deutschem Boden aus? Hat die &uuml;bergro&szlig;e Mehrheit der b&uuml;ndnisgr&uuml;nen Bundestagsfraktion, die die Politik der Bundesregierung mittr&auml;gt, den friedenspolitischen Grundkonsens der Partei verraten? Was ist jetzt zum Kosovo friedenspolitisch n&ouml;tig und m&ouml;glich?</p>
<p>Wir tragen die Politik der Bundesregierung mit, weil wir nur die Wahl haben zwischen einem <strong>gro&szlig;en &Uuml;bel</strong>, den v&ouml;lkerrechtlich &auml;u&szlig;erst problematischen Luftangriffen gegen einen souver&auml;nen Staat, und einem <strong>unertr&auml;glichen &Uuml;bel</strong>, dem Geschehenlassen eines zweiten Bosnien im Kosovo! Aus diesem Dilemma gibt es kein Entrinnen.</p>
<p><strong>Wenn gebombt und geschossen wird, hat bisherige Politik versagt.</strong></p>
<p>Brandstifter und urs&auml;chlicher Kriegstreiber im Kosovo ist das serbische Regime unter Pr&auml;sident Milosevic. Gegen die Aufhebung des Autonomiestatus vor zehn Jahren und die wachsende serbische Repression durch die jugoslawische Zentralregierung setzte die kosovo-albanische Bev&ouml;lkerungsmehrheit jahrelang ihren mutigen gewaltfreien Widerstand. Sie fand die Unterst&uuml;tzung internationaler Friedensgruppen und einzelner Parteien und Parlamentarier, darunter der Gr&uuml;nen im Bundestag. Die internationale Staatengemeinschaft einschlie&szlig;lich der alten Bundesregierung ignorierte hingegen den Konflikt und leistete damit einer Verzweiflung Vorschub, aus der der bewaffnete Kampf der UCK und Bestrebungen eines kosovo-albanischen Separatismus erwuchsen. Erst als der Konflikt brannte, wurde die westliche Staatengemeinschaft aktiv. Dabei setzte sie neben der OSZE vor allem auf die NATO. Die Blockade des UN-Sicherheitsrates durch Ru&szlig;land und China leisteten dem Vorschub.</p>
<p>Als der Bundestag im Oktober w&auml;hrend der laufenden Koalitionsverhandlungen &uuml;ber die deutsche Beteiligung an Luftschl&auml;gen der NATO beriet, war das Dilemma schon unausweichlich: zwischen akut drohender humanit&auml;rer Katastrophe einerseits, der NATO als zur Zeit einziger durchsetzungsf&auml;higen Organisation, dem fehlenden UN-Mandat und den sehr ungewissen Auswirkungen von Luftschl&auml;gen andererseits.</p>
<p>Deren blosse Androhung brachte damals Milosevic zum Einlenken. Die humanit&auml;re Katastrophe konnte vorl&auml;ufig abgewandt werden, eine OSZE-Beobachtermission wurde stationiert. Im Unterschied zu den fr&uuml;heren Jahren bem&uuml;hte sich die internationale Gemeinschaft seitdem &auml;u&szlig;erst intensiv um eine politisch tragf&auml;hige &Uuml;bergangsl&ouml;sung und Perspektive f&uuml;r den Kosovo. Der deutsche Au&szlig;enminister spielte bei dem multilateralen Verhandlungsproze&szlig;, der Aussetzung der von den USA sofort gew&uuml;nschten Luftschl&auml;ge und der Einbeziehung Ru&szlig;lands eine zentrale Rolle. Ein politisches Konzept f&uuml;r den Kosovo wurde erarbeitet. Die Kosovo-Albaner konnten zum Verzicht auf ihre Unabh&auml;ngigkeitsforderung und zur Vertragsunterzeichnung gebracht werden. Die Bem&uuml;hungen scheiterten aber schlie&szlig;lich an der v&ouml;llig kompromi&szlig;losen Haltung von Milosevic.</p>
<p><strong>Seit Wochen eskalieren die K&auml;mpfe im Kosovo</strong>. die weit &uuml;berlegenen serbischen Kr&auml;fte nehmen UCK-Angriffe zum Anla&szlig; f&uuml;r &quot;gebietsweise S&auml;uberungen&quot;. Seit Anfang Februar wurden &uuml;ber 80.000 Menschen zu Fl&uuml;chtlingen und Vertriebenen. Das Fl&uuml;chtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) sch&auml;tzt die Zahl der Binnenfl&uuml;chtlinge im Kosovo auf mehr als 250.000. Die allermeisten Hilfsorganisationen sind inzwischen abgezogen. Die Menschen sind sich selbst &uuml;berlassen.</p>
<p>Angesichts dieser verfahrenen Situation sind die Luftschl&auml;ge das letzte und einzige Mittel, die Spirale der Gewalt, die serbische Milit&auml;rmaschinerie stoppen und die sich rasant zuspitzende humanit&auml;re Katastrophe verhindern zu k&ouml;nnen. Uns ist zugleich bewu&szlig;t, da&szlig; diese Wirkungen keineswegs sicher sind, da&szlig; es erhebliche Eskalationsrisiken gibt. Uns ist bewu&szlig;t, da&szlig; Milit&auml;raktionen gegen einen souver&auml;nen Staat ohne ein UN-Mandat ein Schlag gegen die Allgemeing&uuml;ltigkeit des V&ouml;lkerrechts sind.</p>
<p>Nicht mit Gewalt einzugreifen, hie&szlig;e jedoch, der Gewalteskalation freien Lauf und ein zweites Bosnien geschehen zu lassen! Es w&uuml;rde zugleich die Glaubw&uuml;rdigkeit der internationalen Gemeinschaft zerst&ouml;ren und Gewaltherrschern Auftrieb geben. Auch das w&auml;re ein Schlag gegen das V&ouml;lkerrecht.</p>
<p>Luftschl&auml;ge sind Gewaltakte, mit denen nicht nur Waffen zerst&ouml;rt, sondern auch Menschen get&ouml;tet und verwundet werden. Es gibt keine &quot;sauberen&quot; Waffen. Allerdings ist es abwegig, ja demagogisch, diese Milit&auml;raktionen eines B&uuml;ndnisses demokratischer Staaten in eine Reihe mit dem Angriff der Nazi-Wehrmacht auf Jugoslawien zu stellen.</p>
<p>Der Krieg ging nicht von Deutschland und den NATO-Staaten, sondern von der Politik Milosevic's aus. Bei den NATO-Milit&auml;raktionen geht es nicht um territoriale Eroberungen und auch nicht um &Ouml;l. Es geht darum, die Waffen zum Schweigen zu bringen und die Voraussetzungen f&uuml;r eine politische L&ouml;sung zu schaffen. Deshalb ihre Beschr&auml;nkung, deshalb ihr phasenweiser Einsatz und die st&auml;ndigen politischen Konsultationen, deshalb das Offenhalten der diplomatischen Kan&auml;le. Die Luftangriffe werden sofort eingestellt, wenn Milosevic ein glaubw&uuml;rdiges Zeichen des Wandels gibt und dem vorliegenden Kosovo-Abkommen zustimmt.</p>
<p>Die B&uuml;ndnisgr&uuml;nen sind mit ihrer Regierungsbeteiligung in einer v&ouml;llig anderen Entscheidungs-situation als in der Opposition: Nun haben wir uns im Hier und Jetzt unter den gegebenen Bedingungen und angesichts realer Alternativen und absehbarer Konsequenzen zu entscheiden. Der Verweis allein auf Vers&auml;umnisse der Vergangenheit und das W&uuml;nschbare reichen nicht mehr aus.</p>
<p>Wir mu&szlig;ten erfahren, da&szlig; sich die serbische Diplomatie seit Regierungsantritt von Rot-Gr&uuml;n intensiv bem&uuml;hte, durch Appell an den Pazifismus der Gr&uuml;nen den Konsens in der Bundesregierung und zwischen den westlichen Staaten zu spalten und uns f&uuml;r die eigenen machtpolitischen und menschenverachtenden Ziele zu instrumentalisieren.</p>
<p>Wir sind in der Mitverantwortung, so oder so.</p>
<p>&nbsp;<strong>Nach sorgf&auml;ltiger Pr&uuml;fung sind wir der Aufassung: Das jetzige Vorgehen der NATO-Staaten und der Bundesregierung ist in politischer und menschlicher Hinsicht alternativlos. </strong></p>
<p>Die jetzige Situation im Kosovo bekr&auml;ftigt uns in der Auffassung, den Aufbau der Krisenpr&auml;vention und zivilen Konfliktbearbeitung beschleunigt voranzutreiben und Initiativen zur Weiterentwicklung des V&ouml;lkerrechts und zur St&auml;rkung von UN und OSZE zu ergreifen. Hierzu wurden in den letzten Monaten erste wichtige Schritte getan.</p></div>


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