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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: RÃ¼ckblende Kosovo-Krieg vor 20 Jahren (III): PersÃ¶nliche Aufzeichnungen Nov. 1998 bis Ende Feb. 1999: Als noch Hoffnung auf eine friedliche LÃ¶sung bestand</title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            RÃ¼ckblende Kosovo-Krieg vor 20 Jahren (III): PersÃ¶nliche Aufzeichnungen Nov. 1998 bis Ende Feb. 1999: Als noch Hoffnung auf eine friedliche LÃ¶sung bestand         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 24. März 2019 20:57:27 +02:00 (47351 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die ersten Monate der rot-gr&uuml;nen Koalition und Bundesregierung Ende 1998/1. Halbjahr 1999 waren &uuml;berschattet von dem eskalierende Gewaltkonflikt, schlie&szlig;lich Krieg im Kosovo. In Regierungsverantwortung gab es kein Entkommen mehr, musste so oder so im internationalen Verbund gehandelt werden - im Konflikt zwischen Menschenrechten und V&ouml;lkerrecht, Schutzverpflichtung und Programmprinzipien, in Verantwortung f&uuml;r eigenes Tun oder Unterlassen.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>R&uuml;ckblende Kosovokrieg vor 20 Jahren (III)</strong></p>
<p align="center"><strong>Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen Nov. 1998 bis Februar 1999,</strong></p>
<p align="center"><strong>Stellungnahme zum Bundestagsbeschluss zur milit&auml;rischen</strong></p>
<p align="center"><strong>Absicherung eines Rambouillet &ndash;Abkommens 25. Feb. 1999</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB 1994-2009 (24.03.2019)</p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkung: </span></em></p>
<p><em>Wie Deutschland in den Kosovokrieg geriet, erlebte ich als Abgeordneter der Bundestagsfraktion von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, als Mitglied des Verteidigungsausschusses und Aktivist der Friedensbewegung seit 1980 ziemlich hautnah mit. (Noch dichter dran waren die Obleute des Ausschusses &ndash; bei uns Angelika Beer &ndash; und teilweise die Fraktionsvorsitzenden.) Um im politischen Tagesgew&uuml;hle nicht die &Uuml;bersicht zu verlieren und die vielen F&auml;den zu halten, notierte ich von Anfang an viel mit, haupts&auml;chlich in DIN-A-4-Kladden (damals Nr. VIII, IX, heute Nr. 45)</em></p>
<p><em>Bei besonders wichtigen Passagen kamen die Aufzeichungen aus dem Ausschuss, der Fraktion und dem Arbeitskreis IV der Fraktion nahe an eine paraphrasierende Mitschrift, waren ansonsten aber keineswegs vollst&auml;ndig. Sie sind eine schriftliche Quelle, dabei unvermeidbar selektiv und subjektiv. Der besseren Lesbarkeit wegen habe ich bei den oft stichpunktartigen Aufzeichnungen den Satzbau vervollst&auml;ndigt. Erl&auml;uterungen erfolgen kursiv in Klammer.</em></p>
<p><em><span style="text-decoration: underline;">Bisher: R&uuml;ckblende I</span></em><em> Kosovokrieg vor 20 Jahren: Bundestagsbeschluss zu &bdquo;Luftoperationen zur Abwendung einer humanit&auml;re Katastrophe&ldquo; am 16.10.1998. Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen,&nbsp; UN-SR-Res. 1199, 16. 10.2018, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1553</em></a><em>&nbsp; R&uuml;ckblende II: Bericht vom ersten KFOR-/Kosovo-Besuch im Oktober 1999, </em><a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551"><em>www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1551</em></a><em> )</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen aus Fraktion und Verteidigungsausschuss November/Dezember 1998 (Kladde VIII) </span></strong></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.10.1998: Konstituierung des am 27.09. gew&auml;hlten Bundestages, 27.10. Wahl des</span> Bundeskanzlers Gerhard Schr&ouml;der, Start der rot-gr&uuml;nen Bundesregierung</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.11.1998, Sitzung der Bundestagsfraktion B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen (Bonn):</span></p>
<p><em>(Die Kosovo Verification Mission (KVM) der OSZE ist mit 2000 Personen die bei weitem gr&ouml;&szlig;te aller bisherigen OSZE-Missionen. Die Bundesregierung will 200 Frauen und M&auml;nner entsenden, davon je 80 aus dem Bereich des Ausw&auml;rtigen Amtes und des Verteidigungsministeriums, 40 aus dem Bereich des Bundesinnenministeriums. KVM soll flankiert werden durch Luftraum&uuml;berwachung und eine Notfalltruppe.)</em></p>
<p>- Au&szlig;enminister Joschka Fischer: Laut US-Botschafter Kornblum sei der Kosovo-Einsatz ein Durchbruch der OSZE. Mit der Resolution 1203/1998 des VN-Sicherheitsrats sei die Mission v&ouml;lkerrechtlich abgedeckt. Notwendig sei die Ausbildung von Peacekeeping-Kr&auml;ften. Daf&uuml;r sei er nachhaltig.</p>
<p>- Probeabstimmung: Antrag zu KVM bei sieben Enthaltungen angenommen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">12.11. Unterrichtung Kosovo durch Verteidigungsminister Scharping </span>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.11. Erste (inhaltliche) Sitzung des Verteidigungsausschusses (mit den Bundesministern&nbsp; Scharping, Fischer, Parl. Staatsekret&auml;r Kolbow) nach der Konstituierung am selben Tag:</span></p>
<p>- Kurze Ausbildung der Verifikateure</p>
<p>- Der Operationsplan sei inzwischen gebilligt. Jetzt nur noch Behandlung der Rules of Engagement.</p>
<p>- Fischer nimmt Bezug auf den Bundestagsbeschluss vom 16. Oktober (deutsche Beteiligung an NATO-Luftoperationen &bdquo;zur Abwendung einer humanit&auml;ren Katastrophe im Kosovo-Konflikt&ldquo;), der nicht umgesetzt werden musste. Es sei ein Konflikt mit sich ausschlie&szlig;enden Zielen auf hochsymbolischem Boden. Skepsis gegen&uuml;ber der UCK.</p>
<p>- Minister Scharping: Es w&auml;re leichtfertig anzunehmen, dass die Sicherheit der Verifikateure allein durch ein Abkommen garantiert sei. Bisher seien 12 russische und 61 ukrainische Verifikateure gemeldet.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">18.11. 3. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p>- Parl. Staatsekret&auml;rin (PStS) Schulte/SPD: Die Zahl der Binnenfl&uuml;chtlinge ging zur&uuml;ck. Im Oktober waren ca. 50.000 im Freien in W&auml;ldern, inzwischen 100 bis 200. Das zeige Wirkung auf die sich abzeichnende humanit&auml;re Katastrophe.</p>
<p>Die Auseinandersetzungen zwischen serbischen Kr&auml;ften und UCK n&auml;hmen zu. Es werde auf beide Seiten eingewirkt. Bei Kosovo-Albanern sehe man einen besonderen Schwerpunkt. Ihnen sei klarzumachen, dass der Druck auf Belgrad kein Freibrief sei.</p>
<p>- AA-Vertreter H.: Entscheidend sei, Belgrad und die Kosovo-Albaner an den Verhandlungstisch zu bringen. Letztere m&uuml;ssten ein Verhandlungsteam werden.</p>
<p>Der Dienstantritt der KVM m&uuml;sse so schnell wie m&ouml;glich erfolgen.</p>
<p>- Ho. zum Stationierungsstand der Extraction Force in Mazedonien: Auf das offizielle Gesuch der NATO gab es positive Signale. Stationierungszustimmung aber erst durch neue Regierung, wahrscheinlich am Wochenende.</p>
<p>- General R.: Zunehmend aggressives Verhalten der UCK. Offensichtlich erhalte sie neue Waffen, Fernmeldemittel, relativ ordentliche Uniformen. Unterst&uuml;tzungsquellen im Wesentlichen in Nordalbanien. Auch die albanischen Streitkr&auml;fte seien in Waffenhandel verwickelt. Man beobachte mit Sorge, dass die UCK die derzeitige Situation nutze, um sich zu st&auml;rken. Nadelstichartige Angriffe, um zu provozieren. Der ganze Balkan sei eine Drehscheibe der Organisierten Kriminalit&auml;t, Verflechtungen zwischen O.K. und offiziellen Autorit&auml;ten (bis in hohe politische Ebenen).</p>
<p>- AA-Vertreter H.: Der Aufbau der KVM laufe langsam. Deutsche Meldungen vor einiger Zeit, erste Beobachter seien vor Ort eingetroffen.</p>
<p>Die OSZE-Kommandostruktur werde von Wien aus von dem US-Botschafter Walker geleitet (Stv. aus Frankreich, Stabschef aus Norwegen), 25 Regionalzentren, Verbindungsb&uuml;ro in Belgrad.</p>
<p>Bei der UCK gebe es eher ein Warlord-System, mehrere F&uuml;hrungsstr&auml;nge, auch Banden.</p>
<p>Einwirkungsm&ouml;glichkeiten gebe es: (a) beim Geldzufluss an UCK und ihr verbundenen Personen, vor allem aus Deutschland. Bayern habe Konsequenzen gezogen. Appell an BMI, dasselbe auf der Innenministerkonferenz zu vereinbaren. (b) An der albanisch-kosovarischen Grenze. Hier gehe es um die St&auml;rkung der Polizeikr&auml;fte. (c) Wenn Wiederaufbauhilfe flie&szlig;e, dann mit Konditionierung.</p>
<p>- Generalmajor Sch.: Die Notfalltruppe k&ouml;nne pl&ouml;tzliche Geiselnahmen nicht verhindern. Sie werde aber aktiv, wenn die KVM-Missionsleitung sie anfordern w&uuml;rde. Nach Entscheidung des NATO-Rats werde sie von SACEUR gef&uuml;hrt. Ihr Auftrag sei, bei bedrohlichen Situationen rasch zu reagieren.</p>
<p>6-Stundenbereitschaft f&uuml;r sofortiges Rausholen; 6- bis 36-Stundenbereitschaft f&uuml;r schnelles Herausziehen; &uuml;ber 96 Stundenbereitschaft bei Lageverschlechterung.</p>
<p>Rules of Engagement: Geringstm&ouml;gliche Gewaltanwendung; Waffengebrauch nur bei Gefahr im Verzug, nur zum Selbstschutz und zum Schutz der Verifikateure; Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit der Mittel.</p>
<p>Kombination von Luft- und Bodenbeweglichkeit; zun&auml;chst ein verst&auml;rktes Bataillon, im Extremfall eine Brigade.</p>
<p>- Heeresinspekteur W.: Deutsche Kr&auml;fte bis 200, zzt. 190 (davon 12-20 im HQ), gepanzerte Radfahrzeuge (u.a. zwei Z&uuml;ge Fuchs mit voller Besatzung, sechs Z&uuml;ge Fuchs mit freiem Transportraum); R&uuml;ckgriff auf SFOR-Verst&auml;rkungskr&auml;fte; zwei Wochen Ausbildung, ab 17.12. einsatzbereit im Einsatzraum.</p>
<p>Frankreich stelle 50% des HQ (ca. 100 Soldaten) und 800 Soldaten; IT bis zu 300; Niederlande ein luftbewegliches Bataillon mit einer Kompanie Transporthubschrauber; GB eine Infanteriekompanie.</p>
<p>- Generalinspekteur B.: Am 12.11. Besprechung zwischen FR, GB, DEU, NL, IT; erste Festlegungen zu Kr&auml;ften: (a) Kr&auml;fte, die Verifikateure &ouml;rtlich begrenzt aus Notlagen befreien k&ouml;nnen; (b) Kr&auml;fte f&uuml;r Spezialoperationen; KSK-Beteiligung noch nicht entschieden; (c) bei Zusammenbruch eine Brigade f&uuml;r starke Gesamtevakuierung.</p>
<p>Frankreich stelle 800 Soldaten, luft- und bodenbeweglich, die ganze Kommunikation und Unterst&uuml;tzung.</p>
<p>- Abstimmung &uuml;ber den Antrag der Bundesregierung zur Extraction Force: bei einer Gegenstimme der PDS angenommen.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">19.11. Bundestagsdebatte und &ndash;beschluss zur Extraction Force</span></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.11. Kosovo-Veranstaltung des AStA der TH Aachen</span>: &bdquo;Wie kann man ohne Milit&auml;r internationale Konflikte schlichten?&ldquo; mit Clemens Ronnefeld (Vers&ouml;hnungsbund) und W. Nachtwei, ca. 20 Teilnehmer</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">02.12. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Ex-Jugoslawien: </span></p>
<p><em>(Lt. interner Unterrichtung 48/1998 SACEUR-Einsch&auml;tzung: Zum Erreichen einer politischen L&ouml;sung gebe es ein Zeitfenster von zwei bis vier Monaten. Andernfalls sei eine Wiederaufnahme der Kampfhandlungen im Fr&uuml;hjahr unausweichlich!! Scharm&uuml;tzel vor allem durch UCK. Lt. 47/1998 UCK-Infiltration aus NO-Albanien. Spendensammlung in Deutschland mit Mindestbeitrag 1.000 DM.) </em></p>
<p>- PStS Kolbow: Der deutsche Anteil an der Extraction Force komme von der 1. Gebirgsdivision. Die OSZE habe Programme zum Minenschutz. Allerdings sei Minenr&auml;umung im Winter nicht m&ouml;glich.</p>
<p>- AA-Vertreter N.: Infiltration laufe aus Nordost-Albanien. Dem albanischen Vizepr&auml;sidenten wurde das bei seinem Besuch in Bonn sehr deutlich gemacht. Es werde beraten, die WEU-Polizeimission in Albanien aufzustocken und ihren Auftrag m&ouml;glicherweise zu ver&auml;ndern.</p>
<p>Zu Spendensammlungen in Deutschland: Juristisch schwierig, da die Spendensammlungen anders firmieren.</p>
<p>Bei KVM soll ein Beobachteraustausch nach sechs Monaten erfolgen. Ausbildung des zweiten Kontingents ab Anfang 1999.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">09.12. Verteidigungsausschuss, TOP Ex-Jugoslawien:</span></p>
<p>Kosovo-Mission bis Ende Januar vollst&auml;ndig.</p>
<p><em>(Hauptthemen MEADS/TLVS, Open Skies/Offener Himmel, Luft-Boden-Schie&szlig;platz Wittstock- letzteres ein Dauerkonfliktthema zwischen Gr&uuml;nen und SPD)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">10.12. Gespr&auml;ch mit AA-Staatsminister V.:</span></p>
<p>Als Staatsminister sei er nicht in Entscheidungsstrukturen eingebunden. Bisher gebe es praktisch keine Absprache mit Joschka Fischer!! Dieser trete immer mit Gefolge auf.</p>
<p>Von einer in der gesamten Spitze abgesprochenen Politik k&ouml;nne keine Rede sein! (&hellip;)</p>
<p>Er sei zust&auml;ndig f&uuml;r Abtg. III, VN, &hellip;, Wirtschaft, Rechtsabteilung, Ausw&auml;rtige Kulturpolitik, de facto auch Europarat und OSZE. Er habe nichts mit Haushaltsplanung zu tun.</p>
<p>Sehr hilfreich und sinnvoll seien Anst&ouml;&szlig;e von au&szlig;en, die das Haus/er dann aufnehmen k&ouml;nnten. (&hellip;)</p>
<p>Konzeptionelle Arbeiten nur durch den Planungsstab.</p>
<p>(keinerlei Anzeichen von guter Kooperation, unsere Qualifikation bestm&ouml;glich zu nutzen. &Auml;hnliches berichtet Albert S. &uuml;ber die Beratungsunfreundlichkeit Jo Fi`s: Er habe seine groben Leitlinien, aber keineswegs eine Strategie. Beim Agieren unter gegenw&auml;rtigen Bedingungen sei er dann genial.)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.12. Gesamtstimmung nach dieser Sitzungswoche:</span></p>
<p>Entmotiviert, gedr&uuml;ckt und d&uuml;ster &ndash; nicht nur tagesaktuell, sondern mit erheblichem Anteil an Grundstimmung. Es macht alles einen erheblich tristeren Eindruck als 1995 ff. in der &bdquo;Leichtigkeit der Opposition&ldquo;. Nachdem ich den Koalitionsvertrag und die KOS-Entscheidung gut vertreten konnte, sehe ich nun immer mehr an politischen und professionellen Defiziten in der Koalition.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">15.12. Treffen in T&uuml;bingen mit Mitarbeiter der Informationsstelle Militarisierung (IMI):</span></p>
<p>(&hellip;) <span style="text-decoration: underline;">und Veranstaltung &bdquo;Friedenspolitische Kapitulation oder Aufbruch?&ldquo;</span> mit Tobias Pfl&uuml;ger + mir, ca. 35 Anwesende</p>
<p>T. argumentiert etwas verbindlicher, erw&auml;hnt die Fortschritte bei konstruktiver Friedenspolitik, die dann aber praktisch nicht behandelt werden. Das wird zur Kenntnis genommen, aber nie weiter vertieft.</p>
<p>Das Hauptinteresse richtet sich auf`s Milit&auml;rische und die Latte all dessen, was nicht erreicht wurde.</p>
<p>Von der gesammelten Entt&auml;uschung, manchmal einhergehend mit Vorw&uuml;rfen (bis zu &nbsp;Machtgeilheit), f&uuml;hle ich mich mit der Zeit was in die Enge gedr&auml;ngt, auch zu Unrecht in der Rolle des Rechtfertigers, so dass ich stellenweise sehr entschieden, aber auch zornig werde. Gedanken gehen mir durch den Kopf: &acute;Was soll ich hier eigentlich noch, ferne Welten inzwischen`.</p>
<p>Ein Bewusstsein der realen Kr&auml;fteverh&auml;ltnisse, von Fragen konkreter Machbarkeit (Aufl&ouml;sung der Krisenreaktionskr&auml;fte/KRK in einem halben Jahr!) scheint es kaum zu eben.</p>
<p>Meine Bosnien-Entgegnungen zum Pauschal-Antimilitarismus von Tobias (&bdquo;alle Milit&auml;reins&auml;tze = Kriegseins&auml;tze&ldquo;), meine Aufforderung, Alternativen zur NATO-Drohung bei Kosovo im letzten Oktober zu nennen, bleiben unbeantwortet/unwidersprochen.</p>
<p>Gut war es, die Auseinandersetzung z f&uuml;hren. Aber der Bruch ist da! Uns verbindet v.a. die Vergangenheit, weniger Gegenwart und Zukunft. Hinzu kommt die Misstrauensatmosph&auml;re, die Depression der Entt&auml;uschten. Hier ist nicht die Basis, bei der wir auf unserem vorgeschobenen Posten irgendwelchen R&uuml;ckhalt finden w&uuml;rden.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Pers&ouml;nliche Aufzeichnungen Januar bis M&auml;rz 1999</span></strong> (Kladde IX)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">19.01.1999 Arbeitskreis IV (Internationales) der Fraktion:</span></p>
<p>AA-Staatsminister V: Krisenpr&auml;vention, Zivile Konfliktbearbeitung (ZKB), Peacekeeping, Peacebuilding gewinnen an Bedeutung, aber das sei noch alles sehr unstrukturiert. (&hellip;)</p>
<p>VN-Abteilung und Planungsstab beauftragten SWP mit einer Studie zu ZKB. ZKB sei gemeinsames Projekt, was f&uuml;r neues Profil rot-gr&uuml;ner Au&szlig;enpolitik sehr wichtig sei. Deshalb n&uuml;chterne Kooperation mit BMZ (fr&uuml;her Feindschaft &uuml;ber Minister), wo ZFD`ler (<em>Ziviler Friedensdienst</em>) mehr aus Ideenwelt christlicher Gruppen (&hellip;), beim AA mehr neue Missionen wie KVM.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">19.01. Fraktionssitzung, erster TOP Kosovo:</span></p>
<p>- Joschka Fischer: Dramatische Zuspitzung nach dem Massaker von Racak (<em>15./16.01.)</em>. Sehr intensive Shuttle-Diplomatie f&uuml;r &Uuml;bergangsl&ouml;sung &ndash; das Scharnier!! Beide Seiten k&auml;men mit Extremforderungen &hellip; Kriegslogik. Der Holbrooke-Vertrag werde im Wesentlichen nicht umgesetzt. Eine humanit&auml;re Katastrophe wurde aber abgewendet. UCK-Angriffe.</p>
<p>Die KVM-Implementierung laufe sehr schleppend aus praktischen Gr&uuml;nden. Wo sie sei, arbeite sie gut. Er teile die Kritik an KVM, die sehr international sei, ganz und gar nicht. (s. R&uuml;he) (&hellip;)</p>
<p>Wer jetzt einen KVM-Abzug fordere, fahre eine Eskalationsstrategie!!</p>
<p>- Kollegin Angelika B.: Jetzt erst 700 von 2000 Verifikateuren vor Ort.</p>
<p>- W.N. zu verantwortlichem Umgang mit OSZE-Mitarbeitern (Auswahl, Vorbereitung, Entsendung, F&uuml;hrung, Betreuung)</p>
<p>- Cem: F&uuml;r Aufrechterhaltung einer glaubw&uuml;rdige milit&auml;rischen Abschreckung.</p>
<p>- Werner Sch.: Jetzt sei eigentlich eine brisantere Situation als bei Bosnien. Jetzt werde Europa direkt vorgef&uuml;hrt, die OSZE d&uuml;rfe nur Massaker protokollieren. Er sehe uns ziemlich ratlos. An der klaren Sprache der Gegengewalt f&uuml;hre kein Weg vorbei.</p>
<p>- Jo Fi: Hinweise zu Unverantwortlichkeiten direkt weitergeben!! Hier sind wir auf konstruktive Hinweise und Kritik angewiesen. Zzt. gebe es keineswegs eine Geiselsituation.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">20.01. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p><em>(Mit PStS Kolbow Aussprache zum im Aufbau befindlichen Feldlager in Mazedonien; dort eingeschr&auml;nkte Unterbringung; zur umstrittenen AVZ (Auslandsverwendungszuschlag)-Einstufung des Kontingents (Stufe II, 80 DM)</em></p>
<p>- Minister Scharping: Die Lage sei au&szlig;erordentlich besorgniserregend, zzt. tage der NATO-Rat, intensive Konferenzt&auml;tigkeit. Viele Bem&uuml;hungen, Eskalation der letzten Wochen wieder einzufangen.</p>
<p>Clark-Naumann-Reise absolut erfolglos <em>(General Wesley Clark, SACEUR/NATO-Oberbefehshaber, General Klaus Naumann, ab 1996 Vorsitzender des NATO-Milit&auml;rausschusses, vorher dt. Generalinspekteur).</em> Keine Forderung sei erf&uuml;llt, kein Zugang zum Massaker-Platz f&uuml;r den Internationalen Gerichtshof. Bei der jugoslawischen F&uuml;hrung herrsche eine Bunkermentalit&auml;t; sie sei nur auf Machterhalt orientiert, menschenverachtend.</p>
<p>Die Ausweisungsfrist f&uuml;r Botschafter Walker sei verl&auml;ngert worden.</p>
<p>Wo OSZE-Beobachter sp&uuml;r- und sichtbar seien, sei die Gewaltbereitschaft gesunken. Ihre Pr&auml;senz sei eher Hilfe zur Gewalteind&auml;mmung &ndash; bei erheblichen Risiken.</p>
<p>Der milit&auml;rische Druck werde erh&ouml;ht, Luftwaffe wieder nach Piazenca verlegt, 6- auf 48-Stunden-Bereitschaft. (8 ECR-Tornados)</p>
<p>Die weitere Entwicklung sei sehr schwer abzusch&auml;tzen.</p>
<p>Bundeskanzler, Au&szlig;en- und Verteidigungsminister haben sich geeinigt, strikt mit der V&ouml;lkergemeinschaft zu agieren. Entsprechend seine Bitte an die politischen Kr&auml;fte in Deutschland, nicht das eine oder andere zu fordern.</p>
<p>Bei einem Milit&auml;reinsatz seien immer die Konsequenzen f&uuml;r die OSZE-Mission allgemein, aber auch f&uuml;r die Sicherheit der Beobachter zu bedenken!</p>
<p>Das Hauptproblem liege in Belgrad. Die Probleme mit der UCK seien nicht zu&nbsp; bestreiten.</p>
<p>- Breuer/CDU: Milit&auml;rs seien offenbar was vorsichtiger als manche im diplomatischen Bereich.</p>
<p>- Angelika B. fragt nach langfristigem Konzept und verweist auf das Problem, dass Luftschl&auml;ge stabilisieren k&ouml;nnten.</p>
<p>- Minister Scharping: Die Sicherheitsratsresolution von letzter Nacht zeige einheitliche Haltung. Im Kosovo ganz andere Situation als vor IFOR in Bosnien &amp; Herzegowina..</p>
<p>- AA-Staatssekret&auml;r Ischinger: Damals versagte die ganze Staatengemeinschaft, nicht &bdquo;die EU&ldquo;. Wir tun eine ganze Menge. Wesentliche Sitzungen jetzt gehen auf deutsche Initiative zur&uuml;ck. Am Dienstag Treffen zum Zugang f&uuml;r den Internationalen Gerichtshof, Ausweisung Walkers, Visumsbeschr&auml;nkung f&uuml;r jugoslawischen Nomenklatura, Sanktionsregime gegen BR Jugoslawien.</p>
<p>Die russische Haltung sei ver&auml;ndert: Jetzt sei man auch f&uuml;r freien Zugang des Haager Tribunals, was monatelang abgelehnt wurde. Unver&auml;ndert sei die russische Totalablehnung eines milit&auml;rischen Vorgehens.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">21.01. Gespr&auml;ch bei Minister Fischer mit MdB Helmut Lippelt (au&szlig;enpolitischer Sprecher der Fraktion) und mir im AA:</span></p>
<p><em>(vorher zu Entsch&auml;digung f&uuml;r NS-Opfer aktuell auch mit Volker Beck, G&uuml;nter Saathof)</em></p>
<p>- Jo Fi: Gegenw&auml;rtig gehe es Richtung Bosnien-Situation. USA tendieren zu unilateralem Vorgehen, wollen sich nicht reinreden lassen. Zugleich gebe es erhebliche Widerspr&uuml;che mit Frankreich, Russland.</p>
<p>Luftschl&auml;ge &ndash; was k&auml;me dann? Beispiel Irak und die bemerkenswert kritische Diskussion im Ausw&auml;rtigen Ausschuss zeigen das! (abf&auml;llig gegen&uuml;ber Interventionisten)</p>
<p>Notwendig sei eine Gesamtregelung f&uuml;r Kosovo und den Balkan!</p>
<p>In der Kontaktgruppe und im VN-Sicherheitsrat m&uuml;sse auf eine h&ouml;chstrangige Verhandlungsinitiative hingewirkt werden, mit Clinton, Blair, Schr&ouml;der, Chirac, Jelzin. Alle m&uuml;ssten reingezogen werden &ndash; und zumindest Deutschland sollte sich dabei aller Empfindlichkeiten/Eitelkeiten enthalten. Autorisierung durch den VN-Sicherheitsrat, zumindest durch den Pr&auml;sidenten. Nur in solchem Kontext, um Verhandlungsunwilligkeit zu brechen, k&ouml;nnten Luftschl&auml;ge notwendig sein.</p>
<p>(Also) Kosovo-Konferenz, wo die Parteien an den Tisch m&uuml;ssen. Bestandteil der Regelung m&uuml;sste eine massive Ordnungsmacht sein. Das k&auml;me teuer, alles andere w&auml;re teurer.</p>
<p>Knackpunt Walker: Wenn ihm was passiert, sei die OSZE-Mission beendet, werde sie rausgeholt. Hier d&uuml;rfe es keine Wackelei geben.</p>
<p>(Ministerb&uuml;ro: Am Eingang zur Etage die Sicherheitsm&auml;nner, dann rechts und links ca. zehn B&uuml;ros, Vorraum Ministerb&uuml;ro, leise Gesch&auml;ftigkeit &ndash; und auch schon was Einsamkeit der Macht)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.01. Friedensversammlung Ruhr in Dortmund:</span></p>
<p>Ansto&szlig; ist der Verriss des Koalitionsvertrages durch die Friedensversammlung Ruhr und meine scharfe Entgegnung.</p>
<p>Ca. 25 Teilnehmer, in der Regel &uuml;ber 40, einige Altgenossen (Otto mit Stalingraderfahrung, bekennender Agitator)</p>
<p>Nach meiner Einf&uuml;hrung sehr intensive Diskussion, insges. 2 &frac34; statt 1 &frac34; Stunden.</p>
<p>- Wieder die weitgehende Milit&auml;rfixiertheit und NATO-/Bundeswehr-Kritik der 80er Jahre. Von der Bosnien-Verunsicherung ist hier nichts zu sp&uuml;ren.</p>
<p>- Wenig Verst&auml;ndnis f&uuml;r die Probleme von Regierungspolitik. Wer die parlamentarische Mehrheit hat, kann einfach alles &ndash; z.B. 50 schlimme Generale entlassen, VPR (Verteidigungspolitische Richtlinien) au&szlig;er Kraft setzen, Bundeswehr infrage stellen (ich: &bdquo;Bundeswehr und NATO geh&ouml;ren zur Staatsraison. Ohne ihre Anerkennung keine Regierungsbeteiligung&ldquo;)</p>
<p>- Grandiose Fehleinsch&auml;tzung der eigenen St&auml;rke und Bedeutung &ndash; in Wirklichkeit ist dies eine gesinnungsstarke, ansonsten eher traurige Nachhut der Friedensbewegung.</p>
<p>- Konstruktive und irgendwie hilfreiche Anst&ouml;&szlig;e sind von hier nicht zu erwarten.</p>
<p>- So mancher Bundeswehrzusammenhang bringt da mehr, scheint fast n&auml;her zu stehen.</p>
<p>- Bedeutung haben solche Kreise nur, weil sich hier wenigstens noch welche f&uuml;r Friedenspolitik interessieren &ndash; und als Signalgeber f&uuml;r Teile der gr&uuml;nen Basis.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">26.01. AK IV, TOP zu Kosovo:</span></p>
<p>- AA-Staatsminister V.: Das Massaker von Racak gehe eindeutig auf serbisches Konto. Zugleich d&uuml;rfe man nicht die Provokationen der UCK &uuml;bersehen. Unvereinbare Politik von Belgrad und UCK. (&hellip;) Keine Seite wolle wohl eine Verhandlungsl&ouml;sung, beide wollen Entscheidung auf dem Schlachtfeld.</p>
<p>Absicht der UCK sei, die NATO als eigene Luftwaffe zu instrumentalisieren.</p>
<p>Er sei au&szlig;erordentlich pessimistisch bez. Konfliktl&ouml;sungsbereitschaft.</p>
<p>Die westlichen Versuche seien nicht ausreichend, auch wenn Beteiligte ihr Bestes taten.&nbsp; (&hellip;) Neue Massaker seien zu erwarten.</p>
<p>Scharf gegen vorschnelle Vorschl&auml;ge.</p>
<p>Problematik von Luftschl&auml;gen (s. Irak)</p>
<p>Auf Fischer`s Initiative Treffen der Au&szlig;enminister der Kontaktgruppe, um Druck zu verst&auml;rken, Dayton-&auml;hnlicher Prozess mit IFOR-&auml;hnlicher Truppe. Zusammen mit langfristigem Angebot einer EU-Assoziation an jugoslawische Nachfolgestaaten.</p>
<p>Wenn das nicht klappe, wisse keiner weiter!</p>
<p>Die OSZE-Mission sei nicht mehr lange zu halten. Dann w&uuml;rde das Gemetzel losgehen.</p>
<p>Weitergehende milit&auml;rische Optionen mit Bodentruppen: Grenzsicherung (75.000), KOS-Besetzung, Landkrieg mit 400.000 gegen Serbien.</p>
<p>Russland sei auch entsetzt &uuml;ber Milosevic. Nach traumatischen Erfahrungen mit Oktober und Irak gro&szlig;es Interesse an Mitarbeit an regionaler Konfliktl&ouml;sung.</p>
<p><em>(26.01. Fraktionssitzung: Haupt-TOP Gesetzentwurf zum Atomausstieg)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">27.01. Verteidigungsausschuss, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p>- Minister Scharping (ohne Sprechzettel, &auml;u&szlig;erst ernste Stimmung): Die Lage sei viel ernster als noch vor Tagen. Keine Verhandlungsbereitschaft, versch&auml;rfte Sicherheitssituation f&uuml;r OSZE.</p>
<p>Ernste Warnung der NATO in &Uuml;bereinstimmung mit der Kontaktgruppe an beide Seiten mit einigen Forderungen, darunter zu Verhandlungsbeginn in einer Woche und Verhandlungsende. (&hellip;)</p>
<p>V&ouml;llig offen sei, wie Konfliktparteien reagieren werden.&nbsp; (&hellip;)</p>
<p>Zur KVM: Missionsaufbau nicht so rasch wie gew&uuml;nscht. Visa-Erteilung z.T. au&szlig;erordentlich abw. Von 80 Bw-Beobachtern 60, von AA und BMI dieselbe Zahl. Probleme nicht auf dt. Seite, sondern bei der BR Jugoslawien.</p>
<p>Die Planungen zur Extraction Force w&uuml;rden beschleunigt bez&uuml;glich sch&auml;rfster Option.</p>
<p>Die Bundesregierung schlie&szlig;e keine der Handlungsoptionen aus.</p>
<p>- Z./SPD: Die Bundesregierung bevorzuge eindeutig eine politische L&ouml;sung.</p>
<p>- P./AA: Der Vorschlag des EU-Beauftragten zur Selbstverwaltung im Kosovo (26 Seiten) sei &nbsp;von der Kontaktgruppe gebilligt worden. Die politische Einbindung (Russlands) v&ouml;llig unproblematisch. (&hellip;) Gemeinsame Presseerkl&auml;rung von US- und russischem Au&szlig;enminister. (&hellip;)</p>
<p>- Angelika B.: Alles ausreizen f&uuml;r nichtmilit&auml;rische L&ouml;sung! (&hellip;)</p>
<p>- Die &nbsp;PDS begr&uuml;&szlig;t ausdr&uuml;cklich politische Verhandlungsebene. Angesichts des Ernstes der Situation verzichte man auf die urspr&uuml;nglich beabsichtige Aktuelle Stunde zu Schr&ouml;der-&Auml;u&szlig;erung zu Bodentruppen. Man wolle Bem&uuml;hungen der Kontaktgruppe nicht unterlaufen.</p>
<p>- Minister Scharping: Der Selbstverwaltungsvorschlag sei sehr detailliert und pr&auml;zise. &Uuml;bergangszeit von ca. drei Jahren.</p>
<p>Die russische Haltung sei sehr anders als vor drei Wochen. Ver&auml;nderte Einsch&auml;tzung des Milosevic-Verhaltens. (&hellip;) &Uuml;bereinstimmung mit Russland sei entscheidend. (&hellip;)</p>
<p>Nordalbanien praktisch au&szlig;erhalb der Zentralgewalt: Clan- bis mafi&ouml;se Strukturen, Kontrolle wegen der Geografie enorm schwer.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">10.02. Kosovo-Unterrichtung durch Politischen Direktor AA, Dr. Pleuger </span></p>
<p><em>(keine weiteren Notizen)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">11.02. Friedenspolitische Ratschlag des Gr&uuml;nen Kreisverbandes M&uuml;nster</span></p>
<p>12 Anwesende, darunter je zwei von FI Nottuln und DFG-VK. (&hellip;) DFG`ler gl&auml;nzen durch Schweigen, au&szlig;er &bdquo;Milit&auml;r ist gleich Milit&auml;r&ldquo;. <em>(Das Treffen ist)</em> Sinnvoll als Kommunikationsprozess, Stimmungsbarometer; wenig ergiebig als Ratschlag der friedenspolitisch Kundigen.</p>
<p>Eine Kl&auml;rung der Milit&auml;rfrage dr&auml;ngt sich immer deutlicher auf. Nachdem wir Bekenntnisse zu NATO und Bw unterschrieben haben: Wie weiter?</p>
<p>Hinnahme/Behandlung als &bdquo;Kr&ouml;ten&ldquo; wegen Rot-Gr&uuml;n insgesamt bei Fortsetzung eines fundamentalistischen &bdquo;Antimilitarismus&ldquo;?</p>
<p>Sowas k&ouml;nnen BI`s, FI`s, Parteimitglieder praktizieren, wir als Fraktion und Partei insgesamt nicht. F&uuml;r uns sind Bw/NATO Arbeitsgrundlagen, auf der wir Reformpolitik zu entwickeln haben. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">12.02. F&ouml;rderkreis Friedens-Uni Osnabr&uuml;ck zu &bdquo;Friedenspolitik von Rot-Gr&uuml;n&ldquo;:</span></p>
<p>Mit dem gr&uuml;nem Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer drei Personen!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">13.02. Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Frieden, Haupt-TOP Infrastruktur Zivile Konfliktbearbeitung: </span></p>
<p><em>(Beim Selbstverst&auml;ndnis der BAG wird deutlich, dass auf unserem Politikfeld die Kluft zwischen Basis und operativer Politik am gr&ouml;&szlig;ten; Risiko des Auseinanderdriftens; &bdquo;erstmalig wird heute der emotionale Riss deutlich, der Bruch mit pazifistischen Ur-Gr&uuml;nen&ldquo;)</em></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">21.02. Jahreshauptversammlung der FI Nottuln</span></p>
<p>Breitester Mitgliederzuwachs, jetzt bei ca. 65! Phantastische Vielfalt von Aktivit&auml;ten!! (&hellip;) Dann bin ich dran mit <em>(dem Referat)</em> &bdquo; &hellip; an der Regierung sein dagegen sehr&ldquo;. (&hellip;)</p>
<p>Im Unterschied zu manchen anderen friedensbewegten Kreisen besteht hier gro&szlig;es Verst&auml;ndnis f&uuml;r Machtverh&auml;ltnisse, die Realisierung so mancher Forderung nicht zulassen. Allerdings sollte deshalb nicht jede &auml;ltere Forderung auch inhaltlich aufgegeben/f&uuml;r falsch erkl&auml;rt werden. (&hellip;) Bringe erstmals das Bild von den verschiedenen B&uuml;hnen (nicht nur Rollen), auf denen wir agieren.</p>
<p>Aber Nottuln bleibt &ndash; bei aller sonstiger Auseinanderentwicklung &ndash; <span style="text-decoration: underline;">die</span> vertrauensvolle Basis!!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">22.02. Fraktionssitzung, TOP 2 Kosovo:</span></p>
<p><em>(Beratungen im Hinblick auf die KFOR-Truppe, die die Umsetzung des der erhofften Verhandlungsergebnisse von Rambouillet absichern soll.)</em></p>
<p>- Minister Fischer: Das Abkommen mit Milosevic vom Herbst 1998 funktionierte nicht, es wurde nicht eingehalten, von Albanern auch ausgenutzt.</p>
<p>Zzt. wieder aufflammende K&auml;mpfe, mit dem Fr&uuml;hjahr k&ouml;nne massive Kampft&auml;tigkeit wegen besserer Bewaffnung&nbsp; und mit hohen Opfern drohen. Das sei nicht hinnehmbar!</p>
<p>Die Kontaktgruppe, EU, OSZE, VN seien wieder handlungsf&auml;hig. (&hellip;)</p>
<p>In Rambouillet wurde faktisch ein politischer Friedensvertrag bis in die Details erarbeitet: Vor&uuml;bergehender Verzicht auf Unabh&auml;ngigkeit, Akzeptanz der BR Jugoslawien, fremde Truppen zuzulassen. Es werde keinen Frieden geben ohne milit&auml;rische Friedenstruppe. Andernfalls bliebe die Implementierung in H&auml;nden der serbischen Sonderpolizei.</p>
<p>Bodentruppen seien gegen den Willen einer der beiden Seiten nicht machbar und in den Folgen auch nicht absehbar!</p>
<p>Es bestehe das Risiko, dass Milosevic ein NATO-Einsatz gar nicht so unrecht w&auml;re.</p>
<p>Drei Optionen: (a) Doppeltes Nein von beiden Seiten; daf&uuml;r m&uuml;sste dann vor allem die Zivilbev&ouml;lkerung zahlen;</p>
<p>(b) KOS-Albaner sagen Ja, Serben Nein zu milit&auml;rischer Implementierung;</p>
<p>(c) beide Seiten sagen Ja, nicht ausgeschlossen.</p>
<p>Der Beschluss (zur Extraction Force) als Vorbereitung zur Implementierung des Abkommens, die sehr schnell laufen muss. (&hellip;)</p>
<p>Es gehe um Durchsetzung von Frieden. Worte reichen nicht!! Friedenspolitische Herausforderung!!</p>
<p>Frieden liege auf dem Tisch, sei durchverhandelt.</p>
<p>Der serbische Vertreter habe jede Stationierung ausl&auml;ndischer Truppen abgelehnt.</p>
<p>Zivile Angebote: Die ganze Region m&uuml;sse ins Europa der Integration kommen. (Gro&szlig;e S&uuml;dbalkankonferenz) SFOR allein bringe es nicht!!</p>
<p>- Marie-Luise Beck: Menschenrechte und V&ouml;lkerrecht im Konflikt.</p>
<p>- Fischer: Die Debatte vom letzten Herbst k&ouml;nne jetzt nicht wieder aufgemacht werden. (Mit Sch&auml;rfe gegen Hans-Christian Str&ouml;bele: &bdquo;Du w&auml;rst auch dagegen, wenn es ein Mandat g&auml;be.&ldquo;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">23.02. a.o. Fraktionssitzung nur zu Kosovo:</span></p>
<p>- AA-Staatssekret&auml;r I.: Briefe der KOS-Albaner und Serben an die Kontaktgruppe mit weiteren Vorstellungen. Ergebnis im Kern: &Uuml;ber das politische Paket bestehe im Wesentlichen &Uuml;bereinstimmung, einige letzte Schr&auml;ubchen fehlen. Bis 15. M&auml;rz R&uuml;cksprache, dann Implementierungskonferenz.</p>
<p>KOS-Albaner stellen Unterschrift in Aussicht, kleine Unklarheiten, Anerkennung der NATO-Pr&auml;senz, nach drei Jahren Referendum.</p>
<p>Serbische Delegation: Ziel der kos. Selbstverwaltung wird bekr&auml;ftigt, aber auch die territoriale Integrit&auml;t. Eine Unabh&auml;ngigkeit des KOS wird ausgeschlossen, Bereitschaft zu direkten Gespr&auml;chen.</p>
<p>Der Antrag (<em>der Bundesregierung zu KFOR</em>) sei jetzt notwendig, auch wenn zzt. weniger zeitliche Dramatik. (&hellip;)</p>
<p>- Minister Scharping: Laut NATO zwischen Abkommen und milit&auml;rischer Implementierung 60 Tage. (&hellip;)</p>
<p>Vorausverlegung: Wesentlich h&ouml;here Risiken als in Bosnien. Materialverlegung brauche dreieinhalb Wochen. V&ouml;llig klar sei, dass kein Soldat nach KOS gehe ohne ein Abkommen.</p>
<p>- Staatssekret&auml;r I.: Konsensf&auml;hig sei nur die vorliegende L&ouml;sung mit der NATO, die auch mit Russland ausgearbeitet sei.</p>
<p>Zzt. sei eine VN-Truppe aussichtslos. Schon die USA w&uuml;rden nicht mitmachen. Es gehe nur so!</p>
<p>Es w&auml;re eine &bdquo;offene Truppe&ldquo;. Bekundungen etlicher anderer Staaten, auch Russlands. Kommandof&uuml;hrung bei der NATO, wie bei SFOR.</p>
<p>Am Mandat der Extraction Force &auml;ndere sich nichts. Extraction Force sei keine Bodentruppe bei Luftschl&auml;gen. Dazu sei kein Land bereit!! (&hellip;) Es handele sich nicht um einen Vorratsbeschluss und eine Generalerm&auml;chtigung.. Es sei eine Bitte um Erlaubnis unter Bedingungen. (&hellip;) Wenn es am 15. M&auml;rz nicht klappe, w&uuml;rde es wegen h&ouml;herer Aufr&uuml;stung erheblich blutiger.</p>
<p>-. Amgelika: Das sei schlechterdings so nicht zu beschlie&szlig;en. Die urspr&uuml;nglich auf 7-8 Wochen geplante Ausbildung sei auf 5 Wochen gek&uuml;rzt worden.</p>
<p>- Annelie: Der Antrag k&ouml;nnte in Eskalation f&uuml;hren, sei hoch problematisch!</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.02. Verteidigungsausschuss nur zu Kosovo:</span></p>
<p>- Minister Scharping: Bisher ernsteste Risiken f&uuml;r die Bundeswehr. Deshalb werde Art der Bewaffnung, Ausr&uuml;stung, Ausbildung darauf orientiert.</p>
<p>- Heerinspekteur W.: Die Bw stelle u.a. ein schweres und ein leichtes Bataillon. Ein mechanisiertes Btl bis 14.03. in Bergen-Hohne, f&uuml;r Konvoi-Schutz, Strassensperren, Trennen; leichte Teile in Oberlausitz. 3.000 Mann Ausbildungstruppe. Mit Bundestagsbeschluss in dieser Woche k&ouml;nnen leichte Teile bis zum 07.03., schwere Teile bis Anfang April im Einsatzraum sein.</p>
<p>Angelika: Kein Sch&ouml;nreden. Es gebe keine Alternative zum jetzigen Beschluss. (&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">24.02. a.o. Fraktionssitzung zu NATO/Kosovo:</span></p>
<p><em>(Protokollerkl&auml;rung von Au&szlig;en- und Verteidigungsminister: Einsatz nur bei Abkommen; Bem&uuml;hen um Beschluss des VN-SR, Extraction Force nur f&uuml;r rein/raus; bei Vertragsunterzeichnung sofort Bundestagsbefassung, die die Implementierung nicht aufhalten d&uuml;rfe.)</em></p>
<p>- AA-Staatsminister V. r&uuml;hmt Joschkas Beitrag zur Kontaktgruppenl&ouml;sung.</p>
<p>- Minister Fischer: Am Samstag war der schlimmste Tag, zum ersten Mal sei &uuml;ber Krieg und Frieden verhandelt worden. Am Di in Rambouillet Angst, dass die Bomber aufsteigen w&uuml;rden. Sie blieben am Boden. Bei R&uuml;he &auml;u&szlig;erster Zynismus, ausschlie&szlig;lich innenpolitisch motiviert. Er sei wohl gegen Bodentruppen, aber f&uuml;r schnelles Bomben!!</p>
<p>Fallbeispiel praktischer Politik, wo in der Kontaktgruppe die Notwendigkeit der Politischen Union deutlich wurde. &ndash; sonst gehen die Spiele des 19. Jahrhunderts weiter, wo Prestige wichtiger war als alles andere. Sonst f&uuml;hre das Pentagon &ndash; und nicht die Friedensbewegung.</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">25.02. Fortsetzung der Sitzung des Verteidigungsausschusses vom 24.02.:</span></p>
<p>- Minister Scharping: (&hellip;)</p>
<p>- Generalinspekteur B.: In letzten Tagen Meldungen von z.T. gr&ouml;&szlig;erem serbischen Aufmarsch. Das sei nicht best&auml;tigt. Keinerlei Hinweise auf serbische Offensive Richtung Kosovo, daf&uuml;r gebe es auch keine Kr&auml;fte.</p>
<p>- Minister Scharping: (&hellip;) Wenn kein Abkommen zustande komme, neue Lage&uuml;berpr&uuml;fung. Option 16.10.(<em>1998</em>) war erfolgreich &ndash; und bleibt weiter aktuell. K&uuml;nftig kein Bestrafungsaspekt, sondern Ziel weiterhin Verhinderung einer humanit&auml;ren Katastrophe und politische L&ouml;sung.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">25.02. 22. Plenarsitzung des Bundestages: Zum Antrag der Bundesregierung &bdquo;<strong>Deutsche </strong></span></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Beteiligung an der milit&auml;rischen Umsetzung eines Rambouillet-Abkommens f&uuml;r den Kosovo sowie an NATO-Operationen im Rahmen derNotfalltruppe (Extraction Force)&ldquo;,</span></strong> Bundestagsdrucksache 14/297, ( <a href="http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/003/1400397.pdf">http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/14/003/1400397.pdf</a> )</p>
<p>- Minister Scharping: Dank an die Verhandler f&uuml;r die m&uuml;hsam geschaffenen Kompromisse. Der Druck auf beide Seiten d&uuml;rfe nicht nachlassen. Belgrad m&uuml;sse sich zu allen Teilen des Internationalen Abkommens bekennen, Die KOS-Albaner m&uuml;ssen es in ihren Kreisen durchsetzen. Ein Waffenstillstand ohne Wenn und Aber! (&hellip;)</p>
<p>Bei Scheitern drohen humanit&auml;re Katastrophe und Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me. Es sei ein Gebot der Partnerschaftsf&auml;higkeit und der internationalen Solidarit&auml;t- Ziel sei eine umfassende Verhandlungsl&ouml;sung. (&hellip;)</p>
<p>Kosovo sei nicht vergleichbar mit Bosnien. Dort am Ende eines Krieges nach vielen Opfern und bei Kriegsm&uuml;digkeit. Von Kriegsm&uuml;digkeit k&ouml;nne im Fall Kosovo keine Rede sein.&nbsp; <em>(jetzt gehe um einen</em> fr&uuml;hzeitigen Eingriff!!!)</p>
<p>Wir brauchen &uuml;ber milit&auml;rische Absicherung hinaus ein koh&auml;rentes politisches Konzept f&uuml;r die ganze Region. Die heutige Entscheidung sei Voraussetzung f&uuml;r das Konzept, nicht das Konzept selbst.</p>
<p>- R./CDU (Ex-Verteidigungsminister): Laut BK Schr&ouml;der zeige der Kosovo-Einsatz einen fundamentalen Wandel der deutschen Au&szlig;enpolitik. Das begann 1992. (&hellip;)</p>
<p>Dankbar sei, dass wir durch Gespr&auml;che zum Konsens gekommen seien. Wenn wir nicht seit 1994 die Krisenreaktionskr&auml;fte aufgebaut h&auml;tten, - gegen den Widerstrand von SPD und vor allem Gr&uuml;nen &ndash; dann w&auml;re der Einsatz heute nicht m&ouml;glich. (&hellip;)</p>
<p>- Minister Fischer: Wir werden dem Konflikt, auch wenn wir wegschauen, nicht entkommen k&ouml;nnen. Die Erfahrung von Bosnien zwinge die Internationale Gemeinschaft zu friedensstiftendem Eingreifen. Bei den Konfliktparteien, vor allem der Belgrader Regierung, wurde Kriegslogik deutlich. Frieden im Kosovo werde es ohne milit&auml;rische Absicherung, ohne zivilen Beitrag nicht geben. Die Kosovaren werden eine milit&auml;rische Absicherung nur durch die NATO, von niemandem sonst, glauben und akzeptieren.</p>
<p>Notwendig ist ein Stabilit&auml;tspakt f&uuml;r den s&uuml;dlichen Balkan. Einfacher und kurzfristiger wird es nicht gehen.</p>
<p><em>(Abstimmung &uuml;ber den Antrag der Bundesregierung: </em><em>Mit 556 Ja-Stimmen, 42 Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen angenommen. Mit 38 Mitgliedern der b&uuml;ndnisgr&uuml;nen Fraktion votierten wir f&uuml;r den Antrag der Bundesregierung, f&uuml;nf KollegInnen stimmten dagegen, eine enthielt sich. Damit war parlamentarisch gr&uuml;nes Licht gegeben f&uuml;r den bisher gr&ouml;&szlig;ten, massivsten und laut Minister Scharping riskantesten Auslandseinsatz der Bundeswehr. Nicht wenige unserer Anh&auml;nger fragten, was uns Abgeordnete der B&uuml;ndnisgr&uuml;nen dazu gebracht hatte, einem solchen Einsatz zuzustimmen: Ehrliche &Uuml;berzeugung und Einsicht in die Notwendigkeit oder nur Koalitionsdisziplin und Streben nach Machterhalt?)</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) Meine Stellungnahme </span></strong><span style="text-decoration: underline;">(v.a. an die eigenen W&auml;hlerinnen und W&auml;hler) <strong>&bdquo;Kosovo-Einsatz der Bundeswehr: Notwendige Friedenstruppe oder Interventionstruppe gegen Serbien?</strong></span><strong>&ldquo; </strong>28.02.1999, mitgetragen von den FraktionskollegInnen Kerstin M&uuml;ller, Volker Beck, Winne Hermann, Hans-Josef Fell, Klaus M&uuml;ller, Christian Sterzing.01.03.</p>
<p><strong>Der Beschluss</strong></p>
<p>4.500 Bundeswehrsoldaten werden Richtung Kosovo entsandt, um</p>
<p>(a)&nbsp;&nbsp;&nbsp; nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens zum Kosovo und mit Zustimmung der Bundesrepublik Jugoslawien als Teil von K(osovo)FOR(ce) die milit&auml;rische Absicherung des Abkommens zu garantieren;</p>
<p>(b)&nbsp;&nbsp; die Notfalltruppe in Mazedonien f&uuml;r den Schlimmstfall einer Totalevakuierung der OSZE-Mission unter unfriedlichen Bedingungen zu verst&auml;rken.</p>
<p>Ausgestattet ist die Truppe u.a. mit 25 Leopard-2-Panzern und Sch&uuml;tzenpanzern.</p>
<p>Laut Protokollnotiz der Au&szlig;en- und Verteidigungsminister zum Beschluss ist eindeutig klargestellt, dass die Truppe als Friedenstruppe nur mit Zustimmung der Konfliktparteien und nach Vertragsunterzeichnung und im Rahmen der Notfalltruppe nur f&uuml;r zeitlich eng begrenzte Evakuierungsoperationen zum Einsatz kommen darf. Eine Auftragsausweitung durch die Hinter&shy;t&uuml;r, n&auml;mlich die Verwendung f&uuml;r eine Bodenintervention im Zusammenhang mit Luftschl&auml;gen, ist ausdr&uuml;cklich ausgeschlossen.</p>
<p>Weil gegenw&auml;rtig das beabsichtigte Abkommen nur in Grundrissen bekannt ist, aber noch nicht vorliegt, hat die Bundesregierung zugesagt, den Bundestag nach Vertragsunterzeichnung umfassend und unverz&uuml;glich zu unterrichten und ihn erneut zu befassen, das hei&szlig;t einen Be&shy;schluss fassen zu lassen.</p>
<p><strong>Stellungnahme</strong></p>
<p>(1)&nbsp;&nbsp; <strong>Was bisher erreicht wurde</strong></p>
<p>Manche Kommentatoren sprechen vorschnell von einem Scheitern der Rambouillet-Ver&shy;handlungen. In der Tat kann niemand garantieren, dass es am 15. M&auml;rz zur Vertragsunter&shy;zeichnung kommt. Entgegen manchem Propagandadonner auf serbischer und kosovo-albani&shy;scher Seite ist ein Vertrag aber in greifbarer N&auml;he.</p>
<p>Die bisherigen, wenn auch vorl&auml;ufigen Verhandlungserfolge sind enorm:</p>
<p>Durchgesetzt wurde ein von der Balkan-Kontaktgruppe (D, GB, FR, IT, RU, USA) getragener multilateraler Verhandlungsprozess. Abgewehrt wurde damit das US-Ansinnen, unilateral mit Hilfe der NATO mit Luftangriffen &bdquo;einzusteigen&ldquo; und dann weiterzusehen. Im Gegensatz zur Lage im Herbst (NATO-Drohung mit Luftangriffen) und im Dezember (Irak) ist Russland nun wieder mit im Boot. Damit haben sich die Chancen f&uuml;r ein UN-Mandat wieder entscheidend verbessert.</p>
<p>Das hei&szlig;t: Zumindest vorl&auml;ufig wurde eine gro&szlig;e Chance zum Frieden in Kosovo er&ouml;ffnet, wurde ein Luftkrieg gegen Serbien verhindert, wurden wichtige Schritte zur&uuml;ck zum Multila&shy;teralismus getan. Hierbei hat der deutsche Au&szlig;enminister Joschka Fischer eine entscheidende Rolle gespielt und damit hervorragend praktische Friedenspolitik betrieben. Dass dies in den Medien kaum zur Geltung kommt, liegt an der diplomatischen Zur&uuml;ckhaltung, die angesichts verbreiteten Prestigegerangels zwischen verschiedenen Staaten angesagt ist.</p>
<p>(2) Es geht um eine <strong>Friedenstruppe f&uuml;r den Kosovo</strong>. Das ist keine Orwell&rsquo;sche Sprachver-</p>
<p>drehung, sondern Tatsache. In Bosnien haben wir erfahren (m&uuml;ssen), dass eine solche frie&shy;densbewahrende Truppe unverzichtbar ist, um Kriegsparteien auseinander zu halten.</p>
<p>Dasselbe gilt f&uuml;r den Kosovo. Ohne KFOR bliebe das Abkommen blo&szlig;es Papier, w&uuml;rde es keinen Aufbau einer tragf&auml;higen zivilen Ordnung geben, ja w&uuml;rde erst gar kein Abkommen zustande kommen. Die Konsequenzen w&auml;ren absehbar: Versch&auml;rfung der K&auml;mpfe mit kata&shy;strophalen humanit&auml;ren Folgen und wahrscheinlich Luftangriffe der NATO.</p>
<p>Aus der bedeutenden Rolle Deutschlands in der Kontaktgruppe resultiert ein entsprechender Beitrag zur Friedenstruppe. Im Unterschied zu Bosnien &uuml;bernimmt Deutschland erstmalig die F&uuml;hrung in einem - von insgesamt f&uuml;nf &ndash; Sektoren im S&uuml;den des Landes. Zusammen mit den anderen Kontingenten (Luft&uuml;berwachung, Evakuierung, Luftwaffe) k&auml;men damit im Raum Kosovo bis zu 6.000 Bundeswehrsoldaten zum Einsatz. In Bosnien sind es zur Zeit 2.800. Der Einsatz kostet &uuml;ber 600 Mio. DM in den n&auml;chsten 12 Monaten und wird mindestens &uuml;ber die ganze Interimsperiode von drei Jahren gehen.</p>
<p>Die Situation im Kosovo gilt als riskanter, weil hier beide Seiten einen Totalanspruch auf das Land erheben, sich die milit&auml;rische Konfliktaustragung noch in einem relativ fr&uuml;hen Stadium befindet und von &bdquo;Kriegsm&uuml;digkeit&ldquo; keine Rede sein kann. Zudem gibt es keine Front und klare Trennungslinien zwischen den Konfliktparteien. Vor allem die UCK ist wegen ihrer wenig hierarchischen Struktur besonders unberechenbar.</p>
<p>(3) <strong>V&ouml;lkerrechtliche Grundlage</strong>: Wenn die Bundesrepublik Jugoslawien dem Abkommen und damit der Stationierung der Friedenstruppe zustimmt, ist ihr Einsatz v&ouml;lkerrechtlich un&shy;problematisch. Nichtsdestoweniger wird mit dem Abkommen der &bdquo;Sicherheitsrat der UN er&shy;sucht, eine Resolution mit dem entsprechenden Mandat f&uuml;r eine multinationale Friedenstruppe zu verabschieden.&ldquo; (Bundestagsbeschluss) Wenn Russland als Mitglied der&nbsp; Kontaktgruppe das Abkommen mittr&auml;gt, d&uuml;rfte ein UN-Mandat kein sonderliches Problem mehr sein. Da&szlig; der UN-Sicherheitsrat am letzten Verhandlungstag in Rambouillet einstimmig im Sinne der Kon&shy;taktgruppe Stellung nahm, stimmt ebenfalls hoffnungsvoll.</p>
<p>(4) Der <strong>Entsendebeschluss musste jetzt gef&auml;llt werden</strong>. Ohne die klare Ank&uuml;ndigung von KFOR w&uuml;rden die Kosovo-Albaner nicht unterschreiben, d.h. ihrer Entwaffnung zustimmen.&nbsp;</p>
<p>Ohne klare und geschlossene KFOR-Ank&uuml;ndigung brauchte die serbische Seite den Willen der Kontaktgruppe zum Vertrag und seiner vollst&auml;ndigen und schnellen Implementierung nicht ernst zu nehmen. Andere Mittel wie politischer und wirtschaftlicher Druck k&ouml;nnen KFOR nicht ersetzen, sondern nur erg&auml;nzen. Ohne den jetzigen Beschluss w&auml;re der deutsche Beitrag im Gegensatz zu dem aller anderen beteiligten Staaten nur angek&uuml;ndigt, aber nicht real einplanbar. Das aber w&uuml;rde die besonders gef&auml;hrliche &Uuml;bergangsphase zwischen Unter&shy;zeichnung und Implementierung verl&auml;ngern.</p>
<p>Wir wissen um die str&auml;flichen Vers&auml;umnisse der sogenannten internationalen Staatengemein&shy;schaft gegen&uuml;ber dem Kosovo-Konflikt in den letzten Jahren. Aber verglichen mit Bosnien sind die milit&auml;rischen Auseinandersetzungen im Kosovo noch l&auml;ngst nicht soweit eskaliert, kann der bewaffnete Konflikt noch in einem relativ fr&uuml;hen Stadium gestoppt werden.</p>
<p>(5) <strong>NATO-F&uuml;hrung</strong> der Friedenstruppe: Wir f&auml;nden eine F&uuml;hrung durch die UN grunds&auml;tz&shy;lich besser und treten deshalb auch f&uuml;r eine St&auml;rkung der UN und OSZE ein. Erste Schritte dazu hat die neue Bundesregierung getan. Vorl&auml;ufig ist aber eine F&uuml;hrung solcher Gro&szlig;operationen durch die UN nicht realisierbar: Sie verf&uuml;gt nicht &uuml;ber entsprechende F&uuml;h&shy;rungs- und Kommandostrukturen und hat vorl&auml;ufig wegen des&nbsp; UNPROFOR-Desasters auf dem Balkan kaum politische Autorit&auml;t.</p>
<p>Insofern gibt es gegenw&auml;rtig zu einer NATO-gef&uuml;hrten Operation keine reale Alternative.</p>
<p>Allerdings soll sie offen sein f&uuml;r Nicht-NATO-Mitglieder wie schon seit Jahren SFOR/IFOR in Bosnien, wo 1.500 russische Soldaten im amerikanischen Sektor agieren.</p>
<p>(6) <strong>Politisches Konzept</strong>: Die vorrangige Debatte um die milit&auml;rischen Implementierung eines Kosovo-Abkommens darf nicht den Eindruck erwecken, als gebe es hier einen Primat des Milit&auml;rischen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Friedenstruppe soll nur die Voraussetzung schaffen, dass die bisher schon recht detailliert verhandelte &Uuml;bergangsordnung schrittweise in den n&auml;chsten drei Jahren aufgebaut werden kann. Hierbei kommt der OSZE eine entschei&shy;dende Rolle zu. Die neue Bundesregierung ist sich sehr bewusst, dass &uuml;ber den Kosovo hinaus ein koh&auml;rentes politisches Konzept f&uuml;r die ganze Region entwickelt werden muss. Dies alles hat das langfristige Engagement vor allem der europ&auml;ischen Staaten zur Voraussetzung.</p>
<p>Eine solche n&uuml;chterne, vorausschauende und politisch-konzeptionelle Haltung war bei der fr&uuml;heren Bundesregierung nie zu sp&uuml;ren.</p>
<p>(vgl. die Bundestagsreden des Au&szlig;en- und des Verteidigungsministers vom 25. Februar)</p>
<p>(7) <strong>Ungewissheiten und Risiken:</strong> Was geschieht, wenn der Vertrag am/nach dem 15. M&auml;rz nicht unterzeichnet wird?</p>
<p>Wenn es zu US-/NATO-Luftangriffen k&auml;me, k&ouml;nnten sich diese nur gegen das serbische Mi&shy;lit&auml;r richten, w&uuml;rden sie somit zur Luftwaffe der UCK. Ob sie in der Lage w&auml;ren, das politi&shy;sche Verhalten der serbischen F&uuml;hrung in Richtung Friedensverhandlungen zu beeinflussen, mu&szlig; nach allen Erfahrungen mit der politischen Wirkung von Luftangriffen (zuletzt Irak) bezweifelt werden. Und was dann?</p>
<p>Parallel zur Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn w&uuml;rde das Verh&auml;ltnis zwischen Russland und NATO massiv beeintr&auml;chtigt.</p>
<p>K&auml;me es zu keinen Luftangriffen, ist die Eskalation des Bodenkrieges angesichts der zwi&shy;schenzeitlichen Aufr&uuml;stung der UCK vorprogrammiert. Die Massenflucht, die humanit&auml;re Katastrophe n&auml;hme ihren Lauf unter den Augen der hochger&uuml;steten Extraction Force jenseits der Grenze in Makedonien und unter den Augen der Weltmedien. Was dann? W&uuml;rde dann die heutigen Positionen aller jetzt an KFOR beteiligten Staaten (&bdquo;kein Erzwingungseinsatz mit Bodentruppen&ldquo;) und die klare Beschlusslage des Bundestages noch halten? W&auml;re das die Rutschbahn in die Bodenintervention, in den Sumpf eines neuen Balkankrieges?</p>
<p>Gerade wegen dieser unsicheren und brandgef&auml;hrlichen Perspektiven ist es so enorm wichtig, dass das Abkommen zustande kommt und die Implementierung schnell beginnen kann.</p>
<p>(8) <strong>Die besondere Verantwortung</strong> <strong>einer Regierungsfraktion</strong>: In der Opposition kann man sich gegebenenfalls damit begn&uuml;gen, Fehler der Vergangenheit oder einzelne Aspekte zu kri&shy;tisieren und das W&uuml;nschenswerte zu fordern. In der Regierung sollte man das auch im Blick haben. Vor allem aber mu&szlig; man sich <strong>hier und jetzt</strong> unter den gegebenen Bedingungen und angesichts der vorliegenden Alternativen verhalten, steht man nun in der Mitverantwortung f&uuml;r Menschenleben und f&uuml;r Krieg und Frieden.</p>
<p>Neben die Frage nach den politischen Grunds&auml;tzen und Zielen unserer Politik tritt nun unaus&shy;weichlich die nach ihren Konsequenzen. Insofern ist auch eine pers&ouml;nliche KDV-Entschei&shy;dung, wo junge M&auml;nner nur f&uuml;r sich selbst Verantwortung &uuml;bernehmen, nicht einfach auf die politische Ebene zu &uuml;bertragen, wo wir Verantwortung f&uuml;r andere tragen.</p>
<p>Nach intensiver Pr&uuml;fung sind wir &uuml;berzeugt: zu KFOR gibt es keine nichtmilit&auml;rischen, sondern nur offen kriegerische Alternativen: Eskalation des Bodenkrieges oder Luftangriffe auf Serbien, Krieg mit Serbien. Auch Gegner des KFOR-Einsatzes konnten uns keine nichtmilit&auml;rischen Alternativen nennen.</p>
<p>Eine Ablehnung eines deutschen KFOR-Beitrages aus ethischen und friedenspolitischen Mo&shy;tiven steht vor dem unausweichlichen Dilemma, diametral entgegengesetzte, n&auml;mlich offen kriegerische Konsequenzen in Kauf zu nehmen.</p>
<p>Die PDS, deren Haltung zu Auslandseins&auml;tzen in erster Linie parteitaktisch und keineswegs grunds&auml;tzlich pazifistisch oder antimilitaristisch motiviert ist, f&uuml;hrte in der Bundestagsdebatte exemplarisch billige Opposition vor: Kritik nur an der v&ouml;lkerrechtlichen Problematik, kein Wort zu den realen politischen Alternativen.</p>
<p>(9) <strong>Perspektiven</strong>: Wenn es zur Vertragsunterzeichnung kommt, wird in den n&auml;chsten Wo&shy;chen wieder mal die NATO im Vordergrund der &ouml;ffentlichen Wahrnehmung stehen. Den oberfl&auml;chlichen Zuschauern wird das den Eindruck vermitteln, als sei Milit&auml;r&nbsp; d e r&nbsp; Kon&shy;fliktl&ouml;ser. Die Milit&auml;rs wissen um ihre massiven, aber begrenzten F&auml;higkeiten.</p>
<p>Und der Bundesregierung best&auml;tigt sich allt&auml;glich in der Realit&auml;t des Kosovo-Konfliktes, was SPD und B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen im Koalitionsvertrag zur Aufgabe erkl&auml;rt haben: Die St&auml;r&shy;kung der Krisenpr&auml;vention, der OSZE, der Instrumente und Methoden des zivilen Peacekee&shy;ping und Peacebuilding. Hierzu wurden inzwischen erste praktische Schritte getan. Doch es bedarf noch erheblicher Anstrengungen, daraus auch eine Politik der effektiven Krisenpr&auml;&shy;vention zu machen. Wenn daf&uuml;r &bdquo;nur&ldquo; die 600 Mio. DM des deutschen KFOR-Beitrages zur Verf&uuml;gung st&uuml;nden, k&auml;me die Krisen<strong>pr&auml;vention</strong> einen Riesenschritt voran. Und dann k&ouml;nnte man sich k&uuml;nftig mehr von diesen sp&auml;ten und damit s&uuml;ndhaft teuren Krisen<strong>reaktions</strong>eins&auml;tzen sparen.</p>
<p>sparen.</p></div>


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