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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Mani Stenner, der &quot;Friedensbeweger&quot;, ist tot. Trauerfeier in Bonn </title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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        <h1>
            Mani Stenner, der &quot;Friedensbeweger&quot;, ist tot. Trauerfeier in Bonn          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 27. Juli 2014 22:46:19 +02:00 (46151 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die sozialen Bewegungen in Deutschland haben einen ihrer wichtigsten K&ouml;pfe und aktivsten Mitstreiter verloren. Ich lernte ihn in der Friedensbewegung der 80er und 90er Jahre politisch + menschlich hoch sch&auml;tzen. Das blieb so, auch wenn seit der rotgr&uuml;nen Koalition unsere Dissense und Distanzen wuchsen. Er wird sehr, sehr fehlen.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Manfred &bdquo;Mani&ldquo; Stenner *4.4.1954 &ndash; &dagger;17.7.2014</strong></p>
<p align="center"><strong>Ein Leben f&uuml;r Frieden, Abr&uuml;stung und Gerechtigkeit</strong></p>
<p>Mehr als 300 Menschen kamen am 26. Juli 2014 in der Trinitatis-Gemeinde in Bonn zu einer Trauerfeier f&uuml;r Mani Stenner zusammen, die meisten langj&auml;hrige MitstreiterInnen aus der Friedensbewegung und anderen sozialen Bewegungen. Seinen Sarg umh&uuml;llte eine Pace-Regenbogenfahne. Rechts und links Bilder mit ihm: am Megafon unter Demonstranten, mit Wollm&uuml;tze in Irland, seitlich vor einem Anti-Eurofighter-Plakat &bdquo;Vieles w&auml;re sinnvoller&ldquo;. Daneben kleine Lichterb&auml;ume mit Teelichtern, davor Blumen, Sonnenblumen.</p>
<p>Die RednerInnen berichteten plastisch von ihren Begegnungen und Erfahrungen mit einem ungew&ouml;hnlich dialogf&auml;higen, prinzipienklaren, praktisch orientierten, lebensfrohen Menschen &ndash; einem Friedensbeweger und Verhandler ganz seltener Art. &Uuml;ber ihn und zu ihm sprachen u.a. der fast 86-j&auml;hrige Prof. Andreas Buro, Werner R&auml;tz von Attac, der Linken-Ratsherr J&uuml;rgen Repschl&auml;ger, Christine Schweitzer als Redaktionskollegin des &bdquo;Friedensforums&ldquo;, der&nbsp; ehemalige hoher Polizeibeamte Udo Behrendes &uuml;ber einen &bdquo;Verfassungssch&uuml;tzer im urspr&uuml;nglichen Wortsinn&ldquo;. Dass und wie das zusammenpasste, sagte viel &uuml;ber Mani Stenner`s Wirkungskraft.</p>
<p>Zuletzt traf ich ihn im Oktober 2012 bei einer Podiumsdiskussion der Gr&uuml;nen Bonn zur &bdquo;Responsibility to Protect&ldquo;. Sein friedenspolitisches Misstrauen gegen&uuml;ber der R2P und den Gr&uuml;nen war massiv. Unver&auml;ndert offen, interessiert, herzlich begegnete er mir pers&ouml;nlich. Wir h&auml;tten mal in Ruhe intensiv und ehrlich &uuml;ber Friedenspolitik und Friedensbewegung sprechen und streiten k&ouml;nnen. Die Chance habe ich nicht mehr wahrgenommen. (Winni Nachtwei, 28.7.2014)</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Hier Stellungnahmen von langj&auml;hrigen MitstreiterInnen:</span></p>
<p>(1)&nbsp;&nbsp; Pressemitteilung der Kooperation f&uuml;r den Frieden</p>
<p>(2)&nbsp;&nbsp; KollegInnen und Mitglieder der Redaktion des Friedensforums</p>
<p>(3)&nbsp;&nbsp; Link zum Nachruf von Roland Appel, &bdquo;Der Friedensbeweger&ldquo;</p>
<p>(4)&nbsp;&nbsp; Andreas Buro im Flyer zur Trauerfeier</p>
<p>(5)&nbsp;&nbsp; Udo Behrendes, Ltd. Polizeidirektor a.D., Mitbegr&uuml;nder &bdquo;Bonner Forum B&uuml;rgerInnen und Polizei e.V.&ldquo;</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(1) Pressemitteilung der Kooperation f&uuml;r den Frieden</span></strong></p>
<p>&bdquo;Die sozialen Bewegungen in Deutschland haben einen ihrer wichtigsten K&ouml;pfe und aktivsten Mitstreiter verloren. Die alte Bundeshauptstadt Bonn verlor zugleich einen ihrer engagiertesten B&uuml;rger.</p>
<p>Mani Stenner, seit 25 Jahren Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer und guter Geist des Netzwerks Friedenskooperative, ist tot. Ein pl&ouml;tzlicher Herzinfarkt riss den 60-J&auml;hrigen am vergangenen Donnerstag (17.7.2014) &uuml;berraschend aus der Arbeit und dem Leben.</p>
<p>Mani Stenner engagierte sich seit den fr&uuml;hen 1980er Jahren in der Friedensbewegung und wurde in der zweiten H&auml;lfte des Jahrzehnts zu einem ihrer f&uuml;hrenden organisatorischen und politischen K&ouml;pfe. Mit der Gesch&auml;ftsf&uuml;hrung des Netzwerks Friedenskooperative &uuml;bernahm er die Leitung eines der wichtigsten Dachverb&auml;nde der Friedensbewegung. Von der Verantwortung bundesweiter Gro&szlig;demonstrationen und Kampagnen bis zur deutschlandweiten Vernetzung der lokalen Initiativen und der Zusammenarbeit mit anderen sozialen Bewegungen reichte sein Aufgabenbereich.</p>
<p>In seiner Heimatstadt Bonn engagierte sich Stenner dar&uuml;ber hinaus auf lokaler Ebene. Mit dem &bdquo;Bonner Forum f&uuml;r B&uuml;rgerInnen und Polizei&ldquo; initiierte er einen bundesweit einmaligen Dialog mit Polizeibeamten der alten Bundesdeshauptstadt, arbeitete in &ouml;rtlichen Nord-S&uuml;d-Projekten mit und engagierte sich gegen das Wiedererstarken rechtsextremen Gedankenguts.</p>
<p>Stenner besa&szlig; die seltene F&auml;higkeit, unterschiedliche politische Str&ouml;mungen zusammenzuf&uuml;hren, mit politischen Gegnern Dialoge zu f&uuml;hren und seine Vorstellungen von einer friedlicheren und gerechteren Welt auch gegen&uuml;ber den M&auml;chtigen in der Gesellschaft zu vertreten.</p>
<p>Getragen wurde seine Arbeit von dem Ziel, den Menschenrechten mehr Geltung zu verschaffen, die Anwendung manifester und struktureller Gewalt zu minimieren und eine gerechtere menschliche Gesellschaft zu erm&ouml;glichen. Milit&auml;rische Mittel waren f&uuml;r ihn nie alternativlos.&ldquo; <em>(Kooperative f&uuml;r den Frieden</em><em>, R&ouml;merstr. 88, 53111 Bonn, <a href="http://www.koop-frieden.de">www.koop-frieden.de</a> )</em></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(2) Seine KollegInnen und Mitglieder der Redaktion des Friedensforums</span></strong></p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Ein gro&szlig;es Herz, aufgeschlossen f&uuml;r tiefe Freundschaft, mutig und<br /> selbstlos risikobereit. Sein Kopf, angef&uuml;llt mit Ideen und stets offen<br /> f&uuml;r Neues. Seine F&uuml;&szlig;e, fest und standhaft auf dem Boden der Realit&auml;t,<br /> seine gro&szlig;e politische Erfahrung im Hintergrund. Seine Bereitschaft zu<br /> arbeiten, um das Unm&ouml;gliche doch m&ouml;glich zu machen und sein<br /> gro&szlig;artiger Humor. Das ist jener Mani, an den wir uns noch lange gerne<br /> erinnern werden.</p>
<p>Es wird dauern, bis wir begreifen werden, welch gro&szlig;e L&uuml;cke<br /> Mani Stenner hinterl&auml;sst. In Bonn, in der ganzen Bundesrepublik. Sein<br /> Engagement in lokalen Initiativen und bei der Vernetzung bundesweiter<br /> Kampagnen f&uuml;r eine bessere Welt ist sein Verm&auml;chtnis. Uns ist es<br /> Ansporn, seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.</p>
<p>Wir trauern um den Freund, den Kollegen, den unerm&uuml;dlich aktiven<br /> Mani Stenner. Unsere Gedanken sind bei seiner Frau und aktiven<br /> Mitstreiterin Luise, die ihn mit unendlich viel Kraft und Leidenschaft<br /> unterst&uuml;tzt und begleitet hat.&ldquo;</p>
<p>(<em>Eine Sonderausgabe des Friedensforums zu Mani Stenner ist geplant</em>.)</p>
<pre><strong>&nbsp;</strong></pre>
<pre><strong><span style="text-decoration: underline;">(3) &bdquo;Der Friedensbeweger &ndash; Ein Nachruf auf Manfred Stenner&ldquo; von Roland Appel, </span></strong></pre>
<pre><a href="http://www.tutt-news.de/2014/07/24/der-friedensbeweger-ein-nachruf-auf-manfred-stenner/">www.tutt-news.de/2014/07/24/der-friedensbeweger-ein-nachruf-auf-manfred-stenner/</a> </pre>
<pre><strong><span style="text-decoration: underline;">(4) Andreas Buro, 18. Juli 2014</span></strong></pre>
<p><strong>&bdquo;Mani,</strong></p>
<p>wie kannst Du nur einfach so abhauen!</p>
<p>Setz&rsquo; Dich wenigsten</p>
<p>zu einer Tasse Kaffee</p>
<p>Sp&auml;tsommer Morgen,</p>
<p>es wird ein hei&szlig;er Tag</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mit Dir konnten wir reden</p>
<p>&uuml;ber unsere Hoffnungen,</p>
<p>was wir alles tun k&ouml;nnten.</p>
<p>Waren wir nicht oft</p>
<p>wie der Berliner Junge?</p>
<p>Fragt mit einem Sechser in der Tasche,</p>
<p>he, wat kost Berlin?</p>
<p>Wenn die Phantasien zu hoch schlugen,</p>
<p>hast Du uns</p>
<p>mit leiser Stimme</p>
<p>in die Wirklichkeit</p>
<p>zur&uuml;ck geholt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Dein verschmitztes L&auml;cheln</p>
<p>so aus den Augenwinkeln</p>
<p>brauchten wir</p>
<p>in erhitztem Gespr&auml;ch,</p>
<p>um uns zu besinnen.....</p>
<p>und dann und wann</p>
<p>eine Karte aus Irland</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Mani, Du hast gerne</p>
<p>gekocht, geraucht</p>
<p>und trockenen Wein getrunken.</p>
<p>Hat das gegen die Wut im Bauch geholfen?</p>
<p>War das kleine Haus in Irland</p>
<p>Dein R&uuml;ckzugsort</p>
<p>vom Chaos der offiziellen Politik?</p>
<p>Du und Luise vor der H&uuml;tte;</p>
<p>Abendsonne und der Duft von gebratenem Fisch.</p>
<p>Ein sch&ouml;nes Bild!</p>
<p>Lie&szlig; sich so</p>
<p>die Wut vergessen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Hast Du manchmal Angst gehabt</p>
<p>vor den hohe Tieren?</p>
<p>Pr&auml;sidenten, Gener&auml;len und Ministern?</p>
<p>Hast Du es Luise gesagt</p>
<p>und mit ihr</p>
<p>Dich mutig gelacht?</p>
<p>Nein, Du hast Dich nicht bange machen lassen.</p>
<p>Hast Du Dir manchmal die M&auml;chtigen</p>
<p>in Unterhosen vorgestellt?</p>
<p>Nur bei den Raketen</p>
<p>ging das nicht.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du fehlst uns</p>
<p>als gro&szlig;artiger politischer Organisator.</p>
<p>Doch mach Dir keine Sorgen.</p>
<p>Wir schaffen es schon.</p>
<p>Wenn wir nicht mehr weiter wissen,</p>
<p>fragen wir einfach,</p>
<p>was w&uuml;rde Mani sagen?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Du hast uns verlassen</p>
<p>Fast wie in dem Song</p>
<p>&bdquo;Eine letzte Zigarette und ein letztes Glas im stehen&ldquo;.</p>
<p>Warum sollten wir fragen,</p>
<p>wohin Du gehst?</p>
<p>Irgendwie bleibst Du doch in unserer Runde.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Freilich w&auml;re es sch&ouml;n,</p>
<p>Du w&uuml;rdest ab und zu</p>
<p>uns &uuml;ber die Schulter sehen.</p>
<p>Wir w&uuml;rden innehalten,</p>
<p>Zuwendung sp&uuml;ren,</p>
<p>an Dich denken.</p>
<p>Welch ein Gl&uuml;ck</p>
<p>so viele Jahre</p>
<p>gemeinsamer Arbeit</p>
<p>und mit Dir befreundet zu sein.</p>
<p>Danke, Mani!&ldquo;</p>
<p>A. B. 18.7.2014</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">(5) Udo Behrendes, Ltd. Polizeidirektor a.D., auf der Trauerfeier</span></strong></p>
<p>&bdquo; (&hellip;) Es war Anfang 1989 auf der Rigal&acute;schen Wiese in Bad Godesberg. Die rechtsgerichtete DVU hatte eine Kundgebung angemeldet &ndash; Mani Stenner koordinierte gemeinsam mit Kristian Golla die an der Absperrung eingetroffenen Gegendemonstranten. Ich war der polizeiliche Einsatzleiter. Zur Begr&uuml;&szlig;ung reichte ich ihm die Hand &ndash; doch seine Hand blieb unten und widmete sich lieber dem sorgf&auml;ltigen Drehen einer Zigarette. Er legte dabei seinen Kopf etwas schief, sah mich ernst, klar, offen und durchdringend an und erl&auml;uterte mir seine Erwartungen an die Polizei. Anschlie&szlig;end h&ouml;rte er aber auch aufmerksam und kritisch nachfragend zu, als ich ihm die rechtlichen Optionen der Polizei beim Umgang mit einer angemeldeten und seiner nicht-angemeldeten Gegendemo erl&auml;uterte.</p>
<p>Nach dieser ersten Begegnung trafen wir uns in den n&auml;chsten Monaten und Jahren immer wieder &ndash; auf der Hofgartenwiese, dem Markt, M&uuml;nster- oder Friedensplatz, vor Ministerien und Botschaften sowie an &ndash; manchmal aber auch in - der damaligen Bannmeile.</p>
<p>Wir machten wechselseitig gute Erfahrungen miteinander &ndash; alle h&auml;ufig in anstrengenden Diskussionen ausgehandelten Vereinbarungen wurden von beiden Seiten immer verl&auml;sslich umgesetzt &ndash; keiner versprach dem Anderen etwas, was er nicht halten konnte. Auf der Basis von Empathie, Respekt und Diskussion auf Augenh&ouml;he, entstand dabei Schritt f&uuml;r Schritt das Wichtigste: gegenseitiges Vertrauen. Unser einfacher gemeinsamer Nenner, der dann 25 Jahre G&uuml;ltigkeit hatte, war: Wir wollen, dass bei Demonstrationen keine Menschen zu Schaden kommen &ndash; weder Menschen mit Transparenten, noch Menschen in Uniformen.</p>
<p>Mani Stenners guter Kontakt zur Polizei bestand nicht nur zu mir und anderen Handelnden vor Ort, sondern namentlich auch zum damaligen Polizeipr&auml;sidenten Michael Kniesel, der mit seinem liberalen Demonstrationsverst&auml;ndnis ein wesentlicher Garant f&uuml;r ein weitgehend entspanntes Verh&auml;ltnis in der damaligen Bundeshauptstadt war.</p>
<p>Zun&auml;chst war f&uuml;r Mani Stenner diese Kontaktpflege rein funktional kalkuliert. Sie war f&uuml;r ihn ein professionelles Mittel zum Zweck, n&auml;mlich m&ouml;glichst gute Rahmenbedingungen f&uuml;r die vielen gro&szlig;en und die noch viel h&auml;ufigeren kleinen, kreativen Demonstrationen in der damaligen Bundeshauptstadt zu erreichen.</p>
<p>Allm&auml;hlich vertiefte sich dann aber bei ihm auch ein dar&uuml;ber hinausgehendes Interesse an der Polizei, die ja wie keine andere Institution das Gewaltmonopol des Staates auf der Stra&szlig;e und im Alltag sichtbar und erfahrbar macht. Er nahm gemeinsam mit anderen Repr&auml;sentanten der Friedens- und B&uuml;rgerrechtsbewegung unser Angebot an, im Polizeidienst zu hospitieren und begleitete eine Streife bei n&auml;chtlichen Eins&auml;tzen in der Bonner Innenstadt.</p>
<p>Nach den B&uuml;rger-Hospitationen und einer &ouml;ffentlichen Diskussionsveranstaltung dar&uuml;ber folgten im kleinen Kreis Sondierungsrunden mit der Fragestellung, wie man den Dialog zwischen Menschen aus den &bdquo;Bewegungen&ldquo; und daran interessierten Polizistinnen und Polizisten verstetigen und in eine festere Struktur &uuml;berf&uuml;hren k&ouml;nne.</p>
<p>F&uuml;r diesen Ann&auml;herungsprozess gab es weder Auftrag noch R&uuml;ckendeckung der Polizeiorganisation (Michael Kniesel war inzwischen als Staatsrat nach Bremen abgewandert und sein Nachfolger konnte wenig mit diesem Dialogansatz anfangen). Aber auch Mani Stenner stand in seinem Umfeld unter erheblichen Erkl&auml;rungsdruck.</p>
<p>Dennoch kam es dann vor nunmehr fast 20 Jahren zur Gr&uuml;ndung des Bonner Forums B&uuml;rgerInnen und Polizei e. V. &ndash; eines &bdquo;eingetragenen Vereins zum Streiten&ldquo; wie Mani Stenner das Dialogexperiment immer bezeichnete. Er wurde Sprecher der &bdquo;B&uuml;rgerseite&ldquo;, ich sein Pendant auf der &bdquo;Polizeiseite&ldquo;.</p>
<p>In einer akribisch ausgehandelten Satzung wurden Regeln zum fairen Umgang miteinander und f&uuml;r die Prozesse zur Abgabe gemeinsamer &ouml;ffentlicher Stellungnahmen aufgestellt.</p>
<p>Das Verh&auml;ltnis von Polizei und Kurden nach dem PKK-Verbot, die Rolle der Polizei bei den ersten Castor-Transporten, der Umgang mit rechtsextremen Veranstaltungen und &Uuml;berlegungen zur Einrichtung von Polizeibeauftragten waren einige Themen der damaligen &ouml;ffentlichen Veranstaltungen und der gemeinsamen Thesenpapiere des Bonner Forums.</p>
<p>Nachdem in den ersten sehr aktiven Jahren des Bonner Forums die wesentlichen lokalen und generellen &bdquo;Polizeithemen&ldquo; intensiv bearbeitet worden waren, Bonn den Status als Bundeshauptstadt und damit auch als exponierten Demonstrationsort verlor und die meisten Polizisten des Bonner Forums nach K&ouml;ln und anderswo abgewandert waren, fanden zwar keine regelm&auml;&szlig;igen Treffen mehr statt &ndash; dennoch verfolgte Mani Stenner die Grundidee der Vereinssatzung, konstruktive Dialogprozesse zwischen Menschen der &bdquo;Bewegungen&ldquo; und der Polizei zu initiieren und weiterzuentwickeln konsequent weiter. Er fungierte als Referent und Diskussionspartner bei polizeilichen Fortbildungsveranstaltungen und initiierte Einladungen f&uuml;r mich zu Veranstaltungen von B&uuml;rgerrechtsgruppen. Wir sa&szlig;en oft gemeinsam auf Podien und verfassten gemeinsame Buchbeitr&auml;ge.</p>
<p>F&uuml;r Demos in Bonn fand Mani Stenner immer konstruktive Ansprechpartner im Polizeipr&auml;sidium. Im Vorfeld bundesweiter Demonstrationen, bei denen er zum Veranstalter- oder Beraterkreis geh&ouml;rte, kn&uuml;pfte er regelm&auml;&szlig;ig &uuml;ber mich Gespr&auml;chskontakte zu den verantwortlichen Einsatzleitern vor Ort. Ob aus K&ouml;ln, D&uuml;sseldorf, Frankfurt, Wiesbaden, Mainz oder Rostock &ndash; von allen Einsatzleitern, zu denen ich Kontakte hergestellt hatte, erhielt ich nur positive, teils erstaunte R&uuml;ckmeldungen zu der von ihm praktizierten Dialog- und Demonstrationskultur. Exemplarisch f&uuml;r die nachhaltigen Eindr&uuml;cke, die Mani Stenner auch au&szlig;erhalb Bonns hinterlassen hat, zwei auszugsweise Zitate von seinen polizeilichen Ansprechpartnern, als sie von seinem Tod erfahren hatten:</p>
<p>&bdquo;Ich kenne nur wenige, die so geradlinig, konsequent und &uuml;berzeugend f&uuml;r ihre freiheitsliebende, die Menschen achtende und immer auch die W&uuml;rde der anderen Seite ernst nehmende Haltung eingetreten sind. War oft nicht leicht mit ihm zu debattieren (weil er echt schlau war &hellip; und manchmal auch dickk&ouml;pfig).&ldquo; &ndash; so der stellvertretende D&uuml;sseldorfer Polizeipr&auml;sident Georg Schulz.</p>
<p>Und der heutige Rostocker Polizeipr&auml;sident Thomas Laum, der 2007 zur Einsatzleitung anl&auml;sslich des G-8-Gipfels in Heiligendamm geh&ouml;rte, schreibt: &bdquo;Ich habe Herrn Stenner als grundehrlichen und prinzipientreuen Menschen kennen gelernt, der als Pazifist f&uuml;r sein Anliegen, Frieden und Gerechtigkeit, in h&ouml;chstem Ma&szlig;e motiviert und engagiert war. Seine kommunikativen F&auml;higkeiten, gerade auch in Bezug auf Menschen, die anders tickten als er selber (wozu ich mich wohl z&auml;hlen muss), habe ich bewundert. Es tut mir sehr leid, dass er schon so fr&uuml;h gehen musste. Es g&auml;be noch so viel f&uuml;r ihn zu tun.&ldquo;</p>
<p>Mein Verh&auml;ltnis zu Mani Stenner ist &uuml;ber die 25 Jahre, in denen wir uns kannten, pers&ouml;nlich immer enger geworden. (&hellip;) Trotz aller wechselseitigen Sympathie achtete er jedoch immer darauf, dass zwischen uns eine fein austarierte Balance von N&auml;he und Distanz erhalten blieb. Ein &auml;u&szlig;eres Merkmal war das Festhalten am &bdquo;Sie&ldquo; zwischen uns &ndash; obwohl er manch anderen meiner Kollegen und seit vielen Jahren auch meine Frau duzte &ndash;und ich die seine. Ich nehme es als Zeichen einer eben ganz besonderen Beziehung zu diesem ganz besonderen Menschen. Bei aller Sympathie hat er mir, allen anderen aber auch sich selbst wohl immer wieder vor Augen f&uuml;hren wollen: Der Repr&auml;sentant des Staates und der Repr&auml;sentant der Friedens- und B&uuml;rgerrechtsbewegung sitzen nicht im selben Boot, auch wenn sie manche Strecke mit gleichem Ruderschlag nebeneinander fahren und an manchem Platz gemeinsam anlegen.</p>
<p>Zu dem was Mani Stenner f&uuml;r mich aber auch f&uuml;r meine Familie bedeutete, hier noch auszugsweise ein paar Gedanken, die meine Tochter Lena, die inzwischen im Allg&auml;u lebt, nach der Nachricht von Mani Stenners Tod aufgeschrieben hat:</p>
<p>&bdquo;Ich habe ihn von klein auf bewundert f&uuml;r das, was er gemacht hat. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Besuch in seinem B&uuml;ro, an die vielen Regale und B&uuml;cher und Stapel. Alles atmete so eine &Uuml;berzeugung, dass es gut ist, die Dinge zu tun. So eine stille, ruhige &Uuml;berzeugung. Kein Gebr&uuml;ll, kein Pr&auml;sentieren nach au&szlig;en &hellip; Der Mani war kein Selbstdarsteller aber hat so viel dargestellt (..)</p>
<p>Der Mani ist f&uuml;r mich einer, der mit den H&auml;nden in den Taschen da steht und beobachtet, der einem &uuml;ber die Menge hinweg zu grinst, &uuml;bers ganze Gesicht, der einen so fest und lang dr&uuml;ckt, dass es f&uuml;r ein Leben reicht, der einem dicke K&uuml;sse auf die Wange dr&uuml;ckt, so dass man seinen Dreitagebart sp&uuml;rt. &hellip; Und der Mani ist einer, der einen so durchdringend anschaut, als w&uuml;rd er bis zur Seele schauen k&ouml;nnen (..)</p>
<p>Wenn Papa fr&uuml;her von Auseinandersetzungen mit Mani erz&auml;hlt hat, war ich immer auf Manis Seite. Ich hab die beiden (zusammen mit Mama) immer ausgelacht, dass sie sich gesiezt haben und war stolz, dass ich das nicht tun musste (..)</p>
<p>Als Papa im letzten Oktober seinen beruflichen Abschied feierte, da war f&uuml;r mich Mani der wichtigste Gast. Mir wurde da klar, wieviel Mani dazu beigetragen hat, wie Udo seinen beruflichen Weg gegangen ist. Und mir wurde da klar, wie sehr Udo den Mani mag (..)&ldquo;</p>
<p><strong>Mani Stenner war unabh&auml;ngig und solidarisch, frei und voller Verantwortung, kreativ und akribisch, n&uuml;chtern und emphatisch, kritisch und liebevoll, bescheiden und anspruchsvoll, er war ein Pflichterf&uuml;ller und ein Genie&szlig;er.</strong></p>
<p><strong>Mani Stenner hat die Lehren aus der deutschen Geschichte gezogen und sein Lebenswerk darin gefunden gegen Krieg, Gewalt, Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch unbestechlich Position zu beziehen. Er hat auf pers&ouml;nliche Karriere und auf materielle Absicherung &ndash; zum Beispiel als Bundes- oder Landtagsabgeordneter - verzichtet und hat weiter (meist unterhalb des gesetzlichen Mindestlohnes) im Hinterhofb&uuml;ro der R&ouml;merstr. 88 gearbeitet.</strong></p>
<p><strong>Mani Stenner ist beharrlich, idealistisch und realistisch zugleich, f&uuml;r Frieden, Menschen- und B&uuml;rgerrechte eingetreten. Er hat Freiheit und Verantwortung gelebt und eingefordert &ndash; er hat damit unser Grundgesetz verteidigt und ist &Auml;nderungen von Grundrechten vehement entgegen getreten &ndash; Mani Stenner war somit im urspr&uuml;nglichen Wortsinne ein Verfassungssch&uuml;tzer.</strong></p>
<p>Er hatte das gro&szlig;e Gl&uuml;ck, in den letzten 23 Jahren eine Partnerin an seiner Seite zu haben, die ihn aktiv auf seinem Weg unterst&uuml;tzte, die ihn solidarisch aber auch konstruktiv-kritisch begleitete, ihm den R&uuml;cken freihielt und ihn auffing. Die mit ihm lachte und weinte, mit der er gemeinsam seine G&auml;ste aufwendig bekochte, mit der er ein kaum schlagbares Doppel beim Boule bildete und mit der er so gern nach Irland fuhr. Luise ist die Frau, mit der Mani Stenner alt werden wollte.</p>
<p>Luise, Du wirst nun ohne ihn weiterleben (m&uuml;ssen). Ich w&uuml;nsche Dir, dass Du Eure guten 23 Jahre und das Bewusstsein, dass Du gro&szlig;en Anteil an seiner Lebensleistung hast, als einen Schatz, als Trost aber auch als Quelle f&uuml;r Dein weiteres Leben mitnehmen wirst.</p>
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