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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Reisebericht: Flackernde Lichtblicke</title>
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    <span class="xar-mod-title">Kosovo + Bericht von Winfried Nachtwei</span>

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            Reisebericht: Flackernde Lichtblicke         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 7. August 2011 16:24:13 +02:00 (123389 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Ãœber seinen Besuch in Mazar-e Sharif und Kunduz berichtet W. Nachtwei in seinem 13. Afghanistan-REisebericht: &quot;Erste, aber flackernde Lichtblicke seit Jahren&quot;, mit Aktualisierung zur Sicherheitslage im Sommer 2011.</p></div>
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<p><strong>Erste, aber flackernde Lichtblicke seit Jahren -Kurzbesuch in Mazar-e Sharif und Kunduz </strong></p>
<p>Winfried Nachtwei, MdB a.D. (Juli 2011)<strong></strong></p>
<p><em>Auf Einladung des Parlamentarischen StaatssekretÃ¤rs im BMVg und langjÃ¤hrigen MdB-Kollegen Thomas Kossendey hatte ich am 20./21. April 2011 die Gelegenheit zu einem Kurzbesuch in Mazar-e Sharif und Kunduz. Mit zur Delegation gehÃ¶ren die Abgeordneten Anita SchÃ¤fer aus ZweibrÃ¼cken und Nadine SchÃ¶n aus Lebach (Wahlkreise der Saarlandbrigade) sowie Aga Zia Farsin, aus Afghanistan stammender, besonders engagierter Berufsschullehrer aus dem Landkreis Ammerland, dem Wahlkreis von T. Kossendey.</em></p>
<p><em>GesprÃ¤chspartner sind Lehrerinnen und Leiter der Ali Chapan High School in Mazar, Generalmajor Kneip (Kommandeur Regional Command North), der Base Commander von Camp Marmal/Mazar, Vertreter des Senior Civilian Representative (SCR) im RC North, militÃ¤rische und zivile Leitung des PRT Kunduz, Kommandeur, Offiziere, Kompaniefeldwebel und Soldaten der Task Force Kunduz (Saarlandbrigade), Kommandierender General 209Corps ANA General Zalmai Weza, dt. Offiziere und Feldwebel des Operational Mentor and Liaison Team (OMLT) der 2. Brigade 209Corps ANA und dt. Mentor des Corps-Kommandeur. Das GesprÃ¤ch mit MilitÃ¤rpfarrern und Psychologen schaffe ich nicht. Zufallsbegegnungen mit niederlÃ¤ndischen Offizieren und dt. Polizisten.</em></p>
<p><em>Unter den GesprÃ¤chspartnern sind einige Bekannte: General Kneip, dem wir 2006 als erstem Regionalkommandeur RC North zweimal begegneten. Unvergessen sind mir seine damaligen eindringlichen Warnungen und Mahnungen angesichts der massiven VerschÃ¤rfung der Sicherheitslage auch im Norden (parallel zu den mit der ISAF-SÃ¼derweiterung dort ausbrechenden schweren KÃ¤mpfen). Mein dringender Bericht â€žAfghanistan auf der Kippe?&quot; vom Juli 2006 blieb damals Â auf Seiten der Regierung und GroÃŸen Koalition ungehÃ¶rt. FallschirmjÃ¤ger der Saarlandbrigade, mit denen wir 2008 noch â€ždrauÃŸen&quot; unterwegs waren - als uns â€žRaketenhÃ¼gel&quot; gezeigt wurden, als ein PRT-Kommandeur den Obleuten des Verteidigungsausschusses gegenÃ¼ber konstatierte, ISAF/Bundeswehr habe in Kunduz die Initiative verloren. Vertreter des AA, die ich im August 2010 traf und die jetzt Ã¼ber acht Monate mehr an Erfahrung verfÃ¼gen. Angesichts der KÃ¼rze des Besuches sind die geschilderten Einblicke zwangslÃ¤ufig selektiv und sicherheitslastig. Es ist mein 13. AFG-Reisebericht.</em></p>
<p>In Termez beim Empfangskomitee ist auch OTL Hein aus Telgte wieder dabei. Dem munteren Luftwaffenoffizier begegnete ich tatsÃ¤chlich bei jedem seiner inzwischen fÃ¼nf EinsÃ¤tze hier seit 2006. Ãœber Termez gehen zu Normalzeiten ca. 1.000 Passagiere pro Woche, beim Kontingentwechsel ca. 3.000.</p>
<p><strong>MAZAR-E SHARIF</strong></p>
<p>In <strong>Mazar Besuch der Ali Chapan High School</strong> an der HauptstraÃŸe vor dem Stadtzentrum. GroÃŸer Empfang durch SchÃ¼lerinnen und Lehrerinnen, die ein winkendes Spalier zum ZentralgebÃ¤ude bilden. Junge MÃ¤dchen in bunten Trachten singen mit voller Kraft.</p>
<p>Zzt. besuchen 2.300 SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler von 6-16 Jahren in drei Schichten die Schule. Im Mai 2010 wurde ein neues GebÃ¤ude mit KlassenrÃ¤umen fÃ¼r Ã¼ber 1.300 SchÃ¼lerinnen und SchÃ¼ler in Anwesenheit von Gouverneur Atta und General Leidenberger eingeweiht. Die Schule wird u.a. von â€žLachen Helfen&quot;, der Initiative von deutschen Soldaten und Polizisten fÃ¼r Kinder in Kriegs- und Krisengebieten, sowie Aga Zia Farsin unterstÃ¼tzt. In 2010 stellte Lachen Helfen Ã¼ber 40.000 Euro fÃ¼r einen Erweiterungsbau zur VerfÃ¼gung. Eine Steinplakette erinnert unter der deutschen und afghanischenÂ  Fahne an die ersten UnterstÃ¼tzer: â€žBMZ, Lachen Helfen, 15. DEU Einsktgt ISAF Sep 07-May 08&quot;. NatÃ¼rlich gibt's hier mit Zia Farsin, Lehrerinnen und mir als Vorstandsmitglied von Lachen Helfen ein Erinnerungsfoto. Im hinteren Bereich muss noch in Zelten unterrichtet werden. Es ist erst April. Aber in den geschlossenen Zelten sind schon 30Â° C.</p>
<p>Ich empfinde den Besuch als zwiespÃ¤ltig. Es sind Begegnungen voller Lebendigkeit, Herzlichkeit, Hoffnung. Hier scheint Hilfe anzukommen, Selbsthilfe zu fÃ¶rdern. Hier ist Sinn von internationaler UnterstÃ¼tzung erlebbar.</p>
<p>Zugleich ist das Risiko erheblich, sich - und anderen - mit solchen herzerwÃ¤rmenden Besuchen etwas vorzumachen. Denn so wichtig und gut solche Investitionen in Bildung sind: Sie sind keine Rechtfertigung/Sinnstifter fÃ¼r den MilitÃ¤reinsatz und kein Gradmesser seiner Wirksamkeit.</p>
<p><strong>Camp Marmal</strong></p>
<p>Auf dem Flugplatz Mazar enormes Wachstum an Flugbewegungen: In 2010 ca. 46.000, + 217% ggb. 2009. Die Passagierzahlen stiegen von 70.482 in 2008 Ã¼ber 112.850 in 2009 auf 177.073 in 2010. Bisher wird die Flugsicherung ausschlieÃŸlich durch ISAF bzw. im Auftrag von ISAF organisiert. GemÃ¤ÃŸ <em>Civil Aviation Master Plan</em> vom November 2009 soll schrittweise die Ãœbergabe an die noch zu schaffende afghanische Flugsicherungsorganisation erfolgen.</p>
<p>Das Camp Marmal erstreckt sich inzwischen Ã¼ber eine FlÃ¤che von 3 x 5,5 km! Die durch Patrouillen gesicherte â€žBlue Box&quot; umfasst 600 qkm.</p>
<p>Die Zahl der hier stationierten internationalen Truppen stieg von 6.500 auf 9.200. 2.000 lokale ArbeitskrÃ¤fte sind hier beschÃ¤ftigt.</p>
<p>Inzwischen gibt es zunehmend UAV`s (<em>Unmanned Aerial Vehicles</em>) vor Ort, darunter drei â€žHeron 1&quot; der Bundeswehr. GegenwÃ¤rtig ist noch kein Ã¼berlappender Einsatz mÃ¶glich. Bisher gab es zwei TotalschÃ¤den: Am Ende des Erstfluges rollte eine Heron gegen das Fahrwerk einer Transall. Eine zweite Heron stÃ¼rzte wegen Motorausfall in der WÃ¼ste ab. Beide sind inzwischen ersetzt.</p>
<p>(<em>Max. FlughÃ¶he 9.000 m, Flugzeit &gt; 20 Stunden; seit 27.5. voll einsatzbereit, inzwischen auch Ã¼berlappender Einsatz fast im gesamten Operationsgebiet des RC North</em>)</p>
<p>Angesichts der knallheiÃŸen Sommermonate kann man sich kaum vorstellen, dass hier vor zwei Monaten eine Ãœberschwemmung zur echten Bedrohung wurde: An der dem Marmalgebirge zuwandten SÃ¼dmauer staute sich das Wasser auf ein Meter HÃ¶he und drÃ¼ckte ein Tor ein. Die HÃ¤lfte der Rollbahn stand unter Wasser, das Tanklager wurde in Mitleidenschaft gezogen.</p>
<p>Eine erfreuliche Ãœberschwemmung erlebte Mazar wieder aus Anlass des Nawruz-Festes: Hunderttausende (einige sprechen von einer Million) feierten in Mazar das Neujahrsfest.</p>
<p>Das Regional Command North begann 2006 mit einem einzigen Brigadegeneral. Heute sind es sechs Generale mit sieben Sternen. Der Kommandeur Generalmajor Kneip (GE), sein Stellvertreter ein US-Brigadegeneral, Chef des Stabes (COS) ein Schwede, Deputy (stv.) COS Support Volker Thomas, Dep COS Security Dirk Backen, Base Commander Peter-Georg StÃ¼tz. Nach einer SchwÃ¤cheperiode ist auch der dt. Generalsanteil in Kabul wieder gewachsen: Dep COS Stability GM Rosmanith, Dep COS Air GM Joachim Wundrak, ISAF-Sprecher BG Josef Blotz, Director Civil-Military-Synchronisation BG JÃ¼rgen Weigt.</p>
<p>Einen geradezu explosiven Aufwuchs erlebte seit dem vorigen Jahr die zivile Komponente im RC North, der Senior Civilian Representative (SCR): Er umfasst inzwischen zehn Entsandte des AA. Zwei sind zustÃ¤ndig fÃ¼r Government + Development, zwei fÃ¼r Stability, zwei fÃ¼r Verwaltung. Der SCR K.H. trÃ¤gt einen Doppelhut: Er ist zugleich Leiter der AuÃŸenstelle Mazar der Dt. Botschaft. Bis Sommer 2010 bestand allerdings die zivile Komponente des RC North aus einem (!) Diplomaten. War er abwesend, gab es keinen Stellvertreter!</p>
<p>Ein Arbeitshindernis sondergleichen ist, dass die PRT`s der anderen Nationen nur auf ihren nationalen Strang an ihre HauptstÃ¤dte berichten und eine regelmÃ¤ÃŸige Information des SCR verweigern. Die USA habe fÃ¼r sich in der Region Nord eine zweite SCR-Struktur installiert.</p>
<p>Erheblich angewachsen ist das Personal der deutschen Entwicklungszusammenarbeit von 1.333, davon 236 Entsandten im MÃ¤rz 2010 auf 1.898, davon 323 Entsandte im Juni 2011!</p>
<p>Der Sturm auf die UNAMA-Niederlassung in Mazar am 1. April (sieben getÃ¶tete UNAMA-MitarbeiterInnen) habe gerade bei der EZ-Gemeinde voll reingehauen. Aber UNAMA komme wieder, wolle sich besser aufstellen.</p>
<p>Vor kurzem sei beim Krankenhaus Balkh Richtfest gefeiert worden.</p>
<p>Die ErÃ¶ffnung der Bahnlinie Heiraton (Usbekistan) nach Mazar lasse noch auf sich warten. Es gebe noch keinen Betreibervertrag.</p>
<p><strong>Polizeiaufbauhilfe bilateral durch das German Police Project Team (GPPT)</strong>:</p>
<p>Neben der Infrastruktur- und Ausstattungshilfe liegt der Schwerpunkt bei Beratung, Mentoring und Training: als Mentoren fÃ¼r hÃ¶here Beamte von ANP und Innenministerium, Train-the-Trainer, Pre- and In-Service Training, Focused District Development FDD. Drei SÃ¤ulen:</p>
<p>(a)Â Â Â  Ausbildung neuer Rekruten in den durch das GPPT gefÃ¼hrten vier AusbildungsstÃ¤tten (5.000 jÃ¤hrlich zugesagt, in 2010 ca. 5.600), seit Februar 2011 auch in Kabul;</p>
<p>(b)Â Â  FDD FortfÃ¼hrung in den Distrikten Kash und Khaldar (Gesamtdauer 11 Monate, davon 8 Wochen Training im Police Training Center und 24 Wochen Mentoring und Nachbetreuung)</p>
<p>(c)Â Â Â  Aufbau eines ANP-Trainerpools (zugesagt Ausbildung von 500 Trainern bis Ende 2012)</p>
<p>TrainingskapazitÃ¤ten: in Mazar 400 (Ausbau auf 800), Kunduz 120 (auf 530), Feyzabad 80 (auf 200) plus 60 im Polizeihauptquatier, Kabul 100.Â  (Stand Mai 2011) In Mazar stehen eineinhalb InfanteriezÃ¼ge (&gt; 30 Mann) fÃ¼r die Begleitung der Polizeiteams zur VerfÃ¼gung.</p>
<p>Ein Informationssaustausch besteht zwischen ISAF und dem GPPT. Deutsche Polizisten sind in Mazar und Feyzabad am FDD beteiligt, in Kunduz nur an der sechswÃ¶chigen Basisausbildung. Die Auswahl der Distrikte fÃ¼r das FDD geschehe lt. ISAF durch das GPPT unter enger FÃ¼hrung des BMI. Eine Absprache mit ISAF finde hierzu nicht statt. UnverstÃ¤ndlich sei, warum manche Distrikte fÃ¼r FDD ausgewÃ¤hlt worden seien. Insgesamt klaffe eine Schere zwischen den KrÃ¤ften fÃ¼r Ausbildung und denen fÃ¼r das nachfolgende Mentoring.</p>
<p><em>(Vgl. meine Stellungnahme zum SachverstÃ¤ndigengesprÃ¤ch des Innenausschusses des Landtages NRW â€žAbzug deutscher (NRW-)Polizisten aus Afghanistan&quot; Antrag der Fraktion DIE LINKE, 9. Juni 2011, <a href="index.php/articles/1049">www.nachtwei.de/index.php/articles/1049</a>) </em></p>
<p>(<em>ZurÃ¼ck in Deutschland Â hÃ¶re ich, dass Deutschland ganz aus dem FDD aussteigen will und nur noch in den Police Training Centers arbeiten will.</em></p>
<p><em>Ein erfahrener Insider gibt zu bedenken, dass bei den 8-Wochen-Kursen viel Zeit mit Ãœbersetzung drauf gehe. PrimÃ¤rzweck der Ausbildung sei, Zahlen zu produzieren. Die EUPOL-Mission sei stark mit sich selbst beschÃ¤ftigt, werde eng aus BrÃ¼ssel gefÃ¼hrt und durch ein extensives Berichtswesen beeintrÃ¤chtigt. Es gebe eine Tendenz, sich selbst und die Afghanen zu loben, damit man raus kÃ¶nne</em>.)</p>
<p><strong>OsterÃ¼berraschung</strong></p>
<p>Meiner langjÃ¤hrigen Tradition folgend habe ich wieder etliche Kilo Spezial-Weingummi aus dem MÃ¼nsteraner â€žBÃ¤rentreff&quot; mitgebracht. Ein EmpfÃ¤nger soll Oberstabsfelwebel K. aus dem MÃ¼nsterland sein. Er gehÃ¶rt mit seinen MÃ¤nnern zur Task Force MES und ist Ã¼ber Wochen im OP North in Baghlan eingesetzt. Dahin kommen wir natÃ¼rlich nicht. Nach wenigen Stunden bekomme ich aber schon Bescheid, dass die bunte Ware Ostersamstag beim EmpfÃ¤nger eintreffen wird.</p>
<p><strong>KUNDUZ</strong></p>
<p>Vorm Abflug nach Kunduz stoÃŸe ich vor der Abfertigungshalle in Mazar auf niederlÃ¤ndische Offiziere, darunter welche aus MÃ¼nster. Sie sind Wegbereiter der niederlÃ¤ndischen Polizeiausbildungsmission, die mit Ã¼ber 500 Polizisten und Soldaten demnÃ¤chst ihre Arbeit vor allem in Kunduz aufnehmen soll. Zum Schutz der eigenen KrÃ¤fte gehÃ¶ren auch vier F-16-Kampfflugzeuge zum Kontingent. (<em>Am 28.7. in Berlin Unterzeichnung eines Memorandum of Understanding zwischen dem niederlÃ¤ndischen Generalmajor Tom Middendorp und Brigadegeneral Warnecke vom EinsatzfÃ¼hrungsstab</em>.)</p>
<p>Aus dem Transall-Cockpit kann ich unsere Flugroute verfolgen: Nach Osten Ã¼ber die Ebene, nach 10 Minuten die Oase von Kholm. Nach 18 Minuten wieder Felder, ÃœberlandstraÃŸe Ost-West, dann stÃ¤dtische Siedlung an kurvenreichem Fluss ... Kunduz. Steiler Sinkflug in Linkskurve, kurzer Blick auf die inzwischen fÃ¼nf MilitÃ¤r- und Polizei-Camps auf dem Plateau, Landung. Direkt neben dem Abfertigungsfeld ragte jahrelang das Seitenleitwerk eines Flugzeugwracks aus dem Boden - als Mahnung und Warnung. Jetzt ist es abgerÃ¤umt.</p>
<p>Im Sicherheitshohlweg der Toranlage des PRT kommt uns ein von Schutzgittern umgebenes UngetÃ¼m, ein US-MinenrÃ¤umfahrzeug (Route Clearance Package) entgegen. Seit Jahren ist die erste Station aller Besucher das stille Gedenken im Ehrenhain vor der Mauer mit den Plaketten fÃ¼r die im Raum Kunduz gefallenen Soldaten: Mischa Meier, Sergej Motz und viele mehr.</p>
<p><strong>PRT Kunduz</strong></p>
<p>Das PRT Kunduz hat seit 2010 einen erheblichen Funktionswandel erlebt. Der Kommandeur fÃ¼hrt keine grÃ¶ÃŸere Truppe mehr. Ãœber UnterstÃ¼tzungskrÃ¤fte und Stab hinaus steht ihm nur noch eine Schutzkompanie mit drei ZÃ¼gen zur VerfÃ¼gung: einer fÃ¼r Taloqan, einer als Quick Reaction Force als Nahbereichsschutz, einer fÃ¼r CIMIC.</p>
<p>Als â€žbattle space owner&quot; ist der PRT-Kommandeur aber fÃ¼r die UnterstÃ¼tzung aller anderen Bundeswehreinheiten in seiner Region zustÃ¤ndig.</p>
<p>Sehr hilfreich fÃ¼r den Nahbereichsschutz ist die verbesserte technische AufklÃ¤rung: Die Kameras des PRT blicken Ã¼ber etliche km. Am Himmel steht seit wenigen Tagen eine Art Zeppelin, wie wir ihn im vorigen Jahr schon Ã¼ber Kabul sahen: â€žPersistent Threat Detection System&quot;. Vom PRT aus hoch gelassen auf maximal 1.000 m kÃ¶nnen die Kameras (auch Infrarot) bei bester Sicht Personen auf 20 km sehen und Kfz auf 30 km.</p>
<p>Die short/long time patrols der Vergangenheit gibt es jetzt nur noch vom PRT Feyzabad aus.</p>
<p>Insgesamt gibt es im Norden sechs PRT`s. Das tÃ¼rkische PRT in Sheberghan/Jowjan werde zivil gefÃ¼hrt und funktioniere nach Aussage von MilitÃ¤rs recht gut. Schweden wolle unbedingt bis Mitte 2012 auf zivile Leitung umstellen. Die USA bauen in Mazar ein Generalkonsulat auf, das das grÃ¶ÃŸte in ganz Asien werden soll (wie schon die US-Botschaft in Kabul). Seit drei Wochen gebe es aus Kabul ein Papier zur Evaluierung der PRT.</p>
<p>Von AA-Seite gibt man zu bedenken, dass die zivile Seite ihre Aufgaben nur dank der militÃ¤rischen Ressourcen erfÃ¼llen kÃ¶nne. Das fange schon bei Besuchen an. Insofern habe man persÃ¶nlich keine Eile mit der zivilen Leitung. Vielleicht kÃ¶nne es in Richtung Deutsches Haus gehen. Allerdings mÃ¼sse mit dem Aufbau der entsprechenden PersonalkapazitÃ¤ten jetzt begonnen werden.</p>
<p>Zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit beginnt im PRT mit der einstÃ¼ndigen Morgenlage, an der neben der militÃ¤rischen FÃ¼hrung immer AA, BMZ und USAID teilnehmen. Aus militÃ¤rischer Sicht laufe die Zusammenarbeit im PRT hervorragend. Gestern seien Vertreter von â€žÃ„rzte ohne Grenzen&quot; dagewesen, um sich Ã¼ber bestimmte Fragen auszutauschen.</p>
<p>(<em>Im Juni hÃ¶re ich aus einem Ministerium, dass auf Seiten des AA noch keine AktivitÃ¤ten zur StÃ¤rkung der zivilen Komponente im Transitionsprozess erkennbar seien. Die von der Bundesregierung mitbeschlossene COIN-Strategie von ISAF werde auf Seiten des BMZ und der EZ skeptisch gesehen bzw. abgelehnt.</em></p>
<p><em>Ein Ã¼berfÃ¤lliger Fortschritt ist das zwischen BMVg und BMZ vereinbarte Ausbildungsmodul â€žZivile und militÃ¤rische Interaktion im Rahmen der Friedenskonsolidierung&quot;, das im November erstmalig an der FÃ¼hrungsakademie der Bundeswehr in Kooperation mit der GIZ stattfinden soll. Zielgruppen sind zivile und militÃ¤rische Fach- und FÃ¼hrungskrÃ¤fte der vier Ministerien, ergÃ¤nzt um VertreterInnen von NGO`s, Medien, Wirtschaft. Dass inzwischen das BMI aus diesem Pilotprojekt ausstieg, ist nicht nachvollziehbar. Es ist ein Signal gegen die Professionalisierung des Zusammenwirkens im Rahmen des umfassenden Ansatzes.)</em></p>
<p><strong>Sicherheitslage im Norden insgesamt</strong></p>
<p>(<em>In der 16. KW ab 18.4. landesweit 411 SicherheitsvorfÃ¤lle (2010 364), davon im Norden 11 (22) - Ost 191, SÃ¼d 106, SÃ¼dwest 89</em>.)</p>
<p>Vieles habe sich Ã¼ber die Jahre nicht verÃ¤ndert: Strukturen, Powerproker ...GeÃ¤ndert haben sich Dimensionen, KomplexitÃ¤t und Tempo. Die eigenen FÃ¤higkeiten hÃ¤tten sich vervielfacht.</p>
<p>Die zwei deutschen Task Forces (in Berlin Ausbildungs- und Schutzbataillone genannt) machen einen deutlichen Unterschied. Norwegen und Schweden wollen ihre KrÃ¤fte deutlich aktiver einsetzen. TÃ¼rkei und Polen agieren demgegenÃ¼ber sehr zurÃ¼ckhaltend. Die 170. Brigade der US-Army aus Baumholder mache Polizeiausbildung und gehe auch mit raus. Inzwischen sei man deutlich weg vom frÃ¼heren 1-Stunden-Radius. Inzwischen gebe es etliche StÃ¼tzpunkte in der FlÃ¤che.</p>
<p>SpezialkrÃ¤fteeinsÃ¤tze erfolgen mit Billigung des RC North. Civilian Casualties seien ein zentrales Thema. Jeder Hubschraubereinsatz werde gefilmt. Jeder mit Waffeneinsatz sei zwei Stunden spÃ¤ter beim COM ISAF.</p>
<p>SpezialeinsÃ¤tze laufen alle im Partnering. Kein Einsatz, bei dem nicht Afghanen dabei seien. Grundlage seien afghanische Haftbefehle oder die mit den HauptstÃ¤dten abgestimmte Zielliste. Bei Operationen von SpezialkrÃ¤ften wÃ¼rden Zielpersonen mÃ¶glichst gefangen genommen, gebe es Schusswaffeneinsatz nur, wenn nÃ¶tig. AuÃŸer Gefecht gesetzt werden zwei- bis dreistellige Zahlen von AufstÃ¤ndischen. In einem Monat waren es 80. SpezialkrÃ¤fte seien nicht die Mordkolonne, als die sie oft dargestellt wÃ¼rden.</p>
<p>(<em>In den 90 Tagen vom 17.2.-18.5. wurden nach US-Quellen landesweit 1.478 Spezialoperationen durchgefÃ¼hrt. Dabei wurden 499 AufstÃ¤ndischen-FÃ¼hrer getÃ¶tet bzw. gefangen genommen, 2.395 AufstÃ¤ndische gefangen genommen und 549 getÃ¶tet. Lt. COM ISAF Campaign Overview Juni 2010 wurden in den zurÃ¼ckliegenden 90 Tagen im Raum Kunduz, Takhar und Baghlan bei 22 Operationen und 14 â€žPersons of Interest&quot; 69 Gegner getÃ¶tet und 51 gefangen genommen. </em><em>Anthony Cordesman: AFG: Can Meaningful Transition Succeed? July 21 2011, www.csis.org</em>)</p>
<p>BestÃ¤tigt wird die Meldung im Longwarjournal vom 7.4., wonach ISAF in mehren Nordprovinzen Ausbildungslager der Taliban und der IMU identifiziert habe. Ein solches Lager in Sar-i Pul existiere nun nicht mehr.</p>
<p>Die AufklÃ¤rung habe ergeben, dass die Stimmung bei den AufstÃ¤ndischen sehr unten sei. Aber die hÃ¶heren, alle in Pakistan sitzenden FÃ¼hrer wÃ¼rden Druck machen.</p>
<p>Beunruhigend sei, wie schnell es Ersatz gebe, binnen Stunden und Tagen.</p>
<p>Insgesamt wÃ¼rden die AufstÃ¤ndischen behindert, aber nicht reduziert und in ihren Operationen verhindert.</p>
<p>(Nicht thematisiert wird die stark von GerÃ¼chten bestimmte psychologische Lage auf Seiten der afghanischen BevÃ¶lkerung. Unklar ist fÃ¼r mich, wieweit ISAF und andere internationale Akteure die psychologische Lage Ã¼berhaupt wahrnehmen (kÃ¶nnen) und diese in ihrer Kommunikation angemessen berÃ¼cksichtigen.)</p>
<p><strong>Sicherheitslage in Kunduz</strong>: Die Ausgangslage sei jetzt besser als 2010. Dass liege an der offensiveren Vorgehensweise, aber auch am Aufwuchs der afghanischen SicherheitskrÃ¤fte (ANSF). Aber je mehr den AufstÃ¤ndischen an Raum genommen werde, desto mehr Selbstmordattentate gebe es. Dabei sei ISAF nicht der Hauptangriffspunkt. Auf afghanischer Seite wachse die NervositÃ¤t. Afghanische VerantwortungstrÃ¤ger seien angespannt.</p>
<p>Seit Januar gab es 18 sicherheitsrelevante VorfÃ¤lle Ã¼berwiegend mit IED`s.</p>
<p>- Am 10.2. am Eingang der Distriktverwaltung CDR der Distriktgouverneur und sechs weitere Personen durch 16-jÃ¤hrigen SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet.</p>
<p>- Am 18.2, dem Tag, an dem im OP North in Baghlan drei deutsche Soldaten durch einen ANA-Soldaten erschossen und sechs verwundet werden, wird ein SchÃ¼tzenpanzer Marder der TF Kunduz nordwestlich des PRT erstmalig in Brand geschossen: zwei Treffer in der Panzerwanne mit Durchschlag in den Innenraum. Beteiligte Panzergrenadiere berichten mir, dass hier wohl stÃ¤rkere Munition zum Einsatz gekommen sei. Man habe GlÃ¼ck im UnglÃ¼ck gehabt. Aber die AufstÃ¤ndischen hÃ¤tten gezeigt, dass sie auch einen Marder vernichten kÃ¶nnen.</p>
<p>- Am 21.2. in der Distriktverwaltung Imam Shahib nÃ¶rdlich Kunduz ca. 30 Zivilpersonen durch SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet.</p>
<p>- Am 10.3. auf dem Markt von Kunduz Provinzpolizeichef mit drei LeibwÃ¤chtern durch SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet.</p>
<p>- Am 18. MÃ¤rz wird ein RCP von mindestens 70 kg Sprengstoff getroffen. Der Krater hat einen Durchmesser von vier Metern.</p>
<p><strong>Task Force Kunduz</strong></p>
<p>Sie wird im Wesentlichen von der Saarlandbrigade mit 650 Soldaten gestellt. Die 2. und 3. Kompanie waren auch 2008 hier im Einsatz.</p>
<p>Ihr Auftrag: (a) Die bisher erzielten Erfolge im Distrikt Chahar Darreh (CDR) durch die Operation â€žAghas-e Bahar&quot; halten und ausbauen, eigenen Einfluss Richtung Ali Abad erweitern; (b) UnterstÃ¼tzung der Polizeiausbildung in Feyzabad mit einer Infanteriegruppe; (c) Partnering mit ANSF. Das Operationsgebiet erstreckt sich Ã¼ber 35 km Nord-SÃ¼d und 27 km Ost-West im Raum westlich von PRT und Stadt Kunduz.</p>
<p>Im Juli 2010 war hier eine AufstÃ¤ndischenhochburg, war die eigene Bewegungsfreiheit eingeschrÃ¤nkt, agierten ISAF/Bundeswehr und ANSF aus der Defensive, wÃ¤hrend die AufstÃ¤ndischen expandierten. Im sÃ¼dlichen CDR bis 100 Mann, im nÃ¶rdlichen CDR ca. 120, nÃ¶rdlich davon ca. 200, insgesamt mehr als 500.</p>
<p>Ã„nderungen bis Februar 2011: Die frÃ¼heren <em>no-go-areas</em> sind nicht mehr, vollstÃ¤ndige Bewegungsfreiheit, Agieren in der Offensive, keine AufstÃ¤ndische in den frÃ¼heren Hochburgen und an den Versorgungsrouten. Ab Februar Beginn der Reinfiltration. Im MÃ¤rz SelbstmordattentÃ¤ter gezielt gegen VIP`s und Objekte der Regierung und ANSF, in CDR wieder erste IED`s gegen ISAF. In den ersten Aprilwochen hÃ¤lt dieser Trend an.</p>
<p>Man warte auf die FrÃ¼hjahrsoffensive. Zzt. â€žmachen wir die&quot;.</p>
<p>Feldwebel, die 2008 hier waren, sagen einhellig: Im Vergleich zu 2008 habe sich die Lage um 180Â° gedreht, â€ždas Spiel gewendet&quot;.</p>
<p>Auch in den ehemaligen Hochburgen der AufstÃ¤ndischen sei die Reaktion der BevÃ¶lkerung positiv. Ihre Botschaft: â€žWir arbeiten mit euch zusammen, wenn ihr unsere Sicherheit garantiert. Wenn aber nachts die MÃ¤nner mit den Kalaschnikows kommen ...!?&quot;</p>
<p>(<em>Der ANSO QUARTERLY DATA REPORT Q. 1 2011 bestÃ¤tigt diese erstmaligen Lichtblicke seit etlichen Jahren: Die Angriffe der bewaffneten Opposition gingen im 1. Quartal 2011 ggb. dem 1. Quartal 2010 in Kunduz von 79 auf 46 (-42%), in Baghlan von 35 auf 16 (-54%), in Takhar um 74% auf 5, in Sar-e Pul um 10% auf 19 zurÃ¼ck. Dem standen allerdings Zunahmen in bisher ruhigen Provinzen gegenÃ¼ber: Jawzjian um 175% auf 33, in Badakhshan um 175% auf 11, in Balkh um 121% auf 31, in Fayab um 45% auf 55, in Samangan von 0 auf 2. The Afghanistan NGO Safety Office, www.afgnso.org</em>)</p>
<p>Man ist sich bewusst, dass diese positive Entwicklung eine Momentaufnahme und noch kein Grund zur Beruhigung ist. Die Stunden der Wahrheit kÃ¤men im Sommer.</p>
<p>Das Partnering mit der ANA (1. Kandak) geht Ã¼ber das belgische OMLT. Dieses kann unabhÃ¤ngig operieren und wird ausdrÃ¼cklich gelobt. Probleme macht das SelbstverstÃ¤ndnis der ANA, die sich nur fÃ¼r die Clear-Phase, nicht aber die Hold-Phase fÃ¼r zustÃ¤ndig sieht. Dagegen laufe das Partnering mit der ANP tÃ¤glich. Ihr Chef sei schon seit Jahren CDR. Die ANP habe in CDR ein gutes Ansehen.</p>
<p>Gliederung der TF: im Kern zwei Infanterie-Kompanien mit je einem Zug Panzergrenadiere (je vier Marder). Der 1. Kompanie sind drei Panzerhaubitzen 2000 zugeordnet (zwei im OP North Baghlan). Mit ihren werde fast der ganze Operationsraum abgedeckt. Beim (scharfen)Â  WirkungsschieÃŸen sei die Haubitze das dritte Mittel nach Luftwaffe und Hubschraubern. Seit Januar kein einziger scharfer Schuss. (Zum Vergleich: in Faryab im Nordwesten drei bis vier Mal pro Woche scharfer MÃ¶rsereinsatz)</p>
<p>Dislozierung: Vier StÃ¼tzpunkte auÃŸerhalb des PRT - das ANP Headquarter in CDR, HÃ¶he 432 (GrÃ¤ben und Heskos, â€žwie 1. Weltkrieg&quot;), J 92 (Zugang zur Westplatte, nur zeitweilig besetzt), Combat Outpost (COP) Quatliam (seit Januar). Die Soldaten sind jeweils zehn Tage und lÃ¤nger drauÃŸen, von 30 Tagen vielleicht acht im PRT. Der gewÃ¼nschte Besuch von Minister Niebel im COP hÃ¤tte 20 Mann zusÃ¤tzlich erfordert und wurde deshalb abgelehnt.</p>
<p>Der gegenwÃ¤rtige Einsatz bindet alle KrÃ¤fte fast durchgÃ¤ngig. Die Soldaten sind durch das hohe Operationstempo stark belastet - bei einer Stehzeit von inzwischen einem halben Jahr.</p>
<p>Kompaniechefs und SpieÃŸe der Saarlandbrigade: Â´Wenn wir nichts machen, rutscht alles wieder weg. Eigentlich habe man zu wenig KrÃ¤fte fÃ¼r den Raum. Beide Task Forces seien voll gebunden. Man habe keine Reserve. Notwendig sei eine dritte TF als bewegliches Element.</p>
<p>In der am 13.4. von der ARD ausgestrahlten Dokumentation â€žPapi ist im Krieg&quot; war auffÃ¤llig, dass Soldaten ihren AngehÃ¶rigen lieber nicht erzÃ¤hlen, was sie tun. Das gelte auch hier: DarÃ¼ber rede man lieber nicht, das schaffe nur Unruhe.</p>
<p>COIN-Phasen: Nach dem CLEAR das HOLD: Um RÃ¼ckhalt in der BevÃ¶lkerung zu stÃ¤rken und ein Wiedererstarken der AufstÃ¤ndischen zu verhindern, seien jetzt in CDR schnelle Aufbauprojekte vordringlich. FÃ¼r diese brauche man gar nicht so viel Geld. Im Rahmen der Strukturen des National Solidarity Program vor allem Brunnen, Schottern von StraÃŸen, Wasserspeicher. Das brauche zwei Monate Vorlauf und sei schnell abgeschlossen. HierfÃ¼r stehen AA-Gelder zur VerfÃ¼gung. Die EZ-DurchfÃ¼hrungsorganisationen brauchen wegen ihrer anderen Planungszyklen lÃ¤nger.</p>
<p><strong>Operational Mentor and Liaison Team (OMLT) </strong></p>
<p>(Der Kommandeur der 2. ANA-Brigade wurde inzwischen abgelÃ¶st. Beim Besuch im letzten August hatte ich den gut Deutsch sprechenden Ex-Kommandeur der Logistikschule in Kabul und Absolventen der FÃ¼hrungsakademie als HoffnungstrÃ¤ger kennen gelernt.)</p>
<p>Im Juni 2006 wurde in Kunduz das erste deutsche OMLT in Dienst gestellt.</p>
<p>Auftrag der OMLT ist</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Ausbildung/Beratung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  Verbindung/FÃ¼hrung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  PlanungsunterstÃ¼tzung</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  FÃ¼hrungsunterstÃ¼tzung</p>
<p>auf Korps-, Brigade-, Bataillons- und Kompanieebene. Alle sechs Wochen erfolgt eine Bewertung der ANA-FÃ¤higkeiten.</p>
<p>Einsatzziel der OMLT ist, die EigenstÃ¤ndigkeit und Effizienz der ANA auf dem Weg zur UnabhÃ¤ngigkeit von ISAF zu erhÃ¶hen. Die OMLT seien ein wesentliches Element der Exitstrategie. In sie mÃ¼sse viel mehr investiert werden.</p>
<p>Zzt. stellt die Bundeswehr 163 von den 308 Beratern in sieben OMLT bei der 2. Brigade. (Belgien 90, Ungarn 43, USA 12) Die 2. Brigade umfasst ca. 3.000 Soldaten in sechs Kandaks (Bataillonen), davon vier Infanterie-Kandaks. Bis Mitte 2011 soll ein fÃ¼nftes Inf-Kandak dazu kommen. Die 2. Brigade ist fÃ¼r den ganzen Nordosten mit den Provinzen Kunduz, Baghlan, Takhar und Badakhshan mit jeweils einem Infanterie-Kandak zustÃ¤ndig.</p>
<p>Erst seit kurzem begleiten die dt. OMLT ihre ANA-Einheiten auch im Einsatz. Das sei eine entscheidende Voraussetzung fÃ¼r Lernbereitschaft.</p>
<p>Der ANA-Ausbildungszyklus geht Ã¼ber neun Monate, wird aber im Norden kaum einhalten. In der Vergangenheit ging es nach der Grundausbildung direkt in Operationen. Bisher standen Ausbildung und Operationen im VerhÃ¤ltnis 20:80.</p>
<p>Zur Operationsbegleitung stellt jedes dt. OMLT je zwei Kompanie-Teams fÃ¼r zwei Kompanien. (Ein Kompanie-Team besteht aus einer Fahrzeugbesatzung (v.a. Dingo), ein Doppelteam aus drei Fahrzeugen.) Mit anderen Worten: Nur die zwei jeweils wichtigsten Kompanien eines Kandak kÃ¶nnen begleitet werden. Die Mentoren mÃ¼ssen sich selbst schÃ¼tzen kÃ¶nnen, fahren z.T. auch auf den ANA-Fahrzeugen )(Pick-Ups) mit.</p>
<p>Um den Auftrag voll wahrnehmen zu kÃ¶nnen, wÃ¤re eine Verdoppelung der OMLT-KrÃ¤fte notwendig. FÃ¼r die Bundeswehr hieÃŸe das eine Aufstockung von ca. 160 Mann. Erst damit sei man durchhaltefÃ¤hig.</p>
<p>Beispiel: Begleitung der Operation Nawroz in Baghlan-i Jadid im Februar:</p>
<p>Der Auftrag war <em>combat clearance operations</em>, um neue AuÃŸenposten zu errichten.</p>
<p>In der gemeinsamen Planung entstand der Combined Operation Plan, den alle Beteiliogten unterschrieben. Bei zwei Shuren wurde er in Pol-e Khomri den einheimischen AutoritÃ¤ten vorgestellt, zuletzt am 16. Februar. Botschaft an die AufstÃ¤ndischen sei gewesen: Entweder Aufgabe oder Kampf. Keine dritte MÃ¶glichkeit. Bei der zweiten Shura berichteten Ã„lteste, dass AufstÃ¤ndische nicht aufgeben wollten. Die Ã„ltesten drÃ¤ngten darauf, ja Zivilopfer zu vermeiden. Die Operation sollte am 19. Februar beginnen. Am 18. ereignete sich der Anschlag im OP North, dem drei dt. Soldaten zum Opfer fielen.</p>
<p>Die Operation wurde dennoch durchgefÃ¼hrt. Im Ergebnis wurde Raum genommen. Einige AufstÃ¤ndische seien getÃ¶tet worden, ein Teil verschwand, andere wichen aus.</p>
<p>Die Wirksamkeit der OMLTs wird nicht nur durch den KrÃ¤ftemangel beeintrÃ¤chtigt: Die deutschen OMLT seien zusammengewÃ¼rfelt aus 15 Dienststellen. Die einsatzvorbereitende Ausbildung der OMLT-Soldaten durch die NATO sei nach Teilnehmeraussagen mangelhaft: In Hohenfels sei es eine Katastrophe gewesen. Keine Zielgruppenanalyse, der US-Ausbilder war nie in einem OMLT. Ausgebildet werde Ã¼berwiegend die militÃ¤rische Seite. Die tiefgehende Andersartigkeit der afghanischen Soldaten finde kaum Beachtung. Schon die Unterschiede zu den US-Soldaten seien erheblich.</p>
<p>Hinderlich sei auch der dt. Vorschriften-BÃ¼rokratismus: zum Beispiel das grundsÃ¤tzliche Verbot, gemeinsam mit den Afghanen zu essen. Man dÃ¼rfe es nur mit Ausnahmegenehmigung - und werde dauernd eingeladen.</p>
<p>Einzelne OMLT-Soldaten Ã¤uÃŸern sich sehr kritisch zu den ANA-Soldaten: Es gebe viel Faulheit, Missgunst und Neid, ethnische WidersprÃ¼che. Auch Vorgesetzte wÃ¼rden nicht fÃ¼r Disziplin sorgen, Posten seien kÃ¤uflich, Korruption verbreitet. Man wirft die Frage auf, ob beim Aufbau der ANSF nicht Ã¤hnliche Illusionen herrschen wÃ¼rden wie frÃ¼her beim Statebuilding.</p>
<p>Auf jeden Fall brauche man eine erhebliche Frustrationstoleranz . Zentral seien <em>respect &amp; honour</em>. Die US Green Berets seien genau auf eine solche dichte Ausbildung eingestellt.</p>
<p>ANA-Assessment, aktueller Status der 2. Brigade:</p>
<p>Von den sieben Stufen erreicht bisher keine Einheit die oberste (<em>independent</em>). Das 2. (Inf) Kandak erreichte die 2. Stufe (<em>effective with advisors</em>), ebenso die Kandaks Logistik/SanitÃ¤t (CSS) und Garrison Support Unit (GSU), das 3. (Inf)Kandak erreichte gerade diese Stufe. Die 3. Stufe (<em>effective with assistance</em>) erreichen das Brigade Headquarter, das 1. und 6. (Inf)Kandak. (Die nÃ¤chsten Stufen sind <em>dependent on CF for success, established, not assessed</em>.)</p>
<p>(<em>Im April waren von insgesamt 158 ANA-Kandaks 56 Stufe 2 und 55 Stufe 3. Im Juli gab es zehn deutsche OMLT. Als erste ANA-Einheit in AFG erhielt Anfang Juli das GSU-Kandak die hÃ¶chste Stufe â€žindependent&quot; zuerkannt</em>.)</p>
<p><strong>Reintegrationsprogramm</strong></p>
<p>Berichtet wird von einem in einem Kader der AufstÃ¤ndischen in einem Unruhedistrikt im westlichen Badakhshan, der sich beim Gouverneur gemeldet habe.</p>
<p>(<em>dpa-Reportage am 9.3.2011 von Can Merey â€žÃœberlÃ¤ufer in Kunduz - Taliban wechseln die Seiten&quot;. Allein in der Provinz Kunduz sollen nach SchÃ¤tzungen zwischen 300 und 400 Taliban-KÃ¤mpfer Ã¼bergelaufen sein. Lt. ISAF seien bis Anfang Mai 1.200 Ex-KÃ¤mpfer registriert, davon mehr als die HÃ¤lfte im Norden. In den meisten Provinzen seien inzwischen FriedensrÃ¤te im Rahmen des â€žAfghan Peace and Reintegration Program&quot; eingerichtet worden.)</em></p>
<p><strong>PRT Kunduz am Morgen</strong></p>
<p>Bei Kurzbesuchen brauche ich kaum Schlaf. Vor 6.00 Uhr spaziere ich durch das morgenstille Feldlager. Blanke Luft, blanker blauer Himmel. In einer Ecke des Camps fÃ¤llt der Blick auf ein extra abgeschirmtes Lager mit auffÃ¤llig groÃŸen SattelitenschÃ¼sseln. Das riecht nach SpezialkrÃ¤ften. Auf dem nahen Flugfeld stehen fÃ¼nf Hubschrauber, davon drei MedEvac. Daneben sechs Marder. Das sind auf einen Blick die gegenÃ¼ber 2008 vervielfachten militÃ¤rischen FÃ¤higkeiten.</p>
<p>Weit zieht sich die Mauer mit Plattformen in AbstÃ¤nden. Blick auf`s Vorfeld: Hinter der Abbruchkante der Platte liegt die Landschaft im Morgendunst. Jede Minute zieht auf der Mauerpiste ein Jogger vorbei. Blick zurÃ¼ck auf das inzwischen riesige Feldlager mit seinen Antennen und Fahnen. Ein eigener Planet. Ich denke zurÃ¼ck an das kleine, primitive PRT Anfang 2004 inmitten der Stadt, umgeben von einer landesÃ¼blichen Lehmmauer, wo der gute Kontakt zu den Nachbarn als bester Schutz galt.</p>
<p>Alles liegt in tiefstem Morgenfrieden.</p>
<p>Zufallsbegegnung mit jungen Panzergrenadieren aus Augustdorf bei ihrem FrÃ¼hstÃ¼ck, Kaffee mit Fladenbrot. Vor ihrem UnterkunftsgebÃ¤ude hÃ¤ngen an einer Ziegelmauer sieben Kreuze mit den Namen von sieben Gefallenen. DarÃ¼ber â€žIn ewiger Treue&quot;. Robust sprechen sie mich an, diesen Ãœberraschungsbesucher aus der fernen und verdÃ¤chtigen Politik. Ob die Politiker denn Ã¼berhaupt wÃ¼ssten, was hier laufe? Ob ich wÃ¼sste, was am 18. Februar passiert sei. Zwei von ihnen waren bei dem Angriff auf den Marder dabei. Vermutet wird, dass da eine besondere Munition gegen den Marder zum Einsatz gekommen sei.</p>
<p>Der Morgenfrieden wird zu einem schÃ¶nen Moment, einer dÃ¼nnen Haut, die einige Kilometer weiter jederzeit zerplatzen kann - fÃ¼r die Jung`s vielleicht in ein paar Stunden.</p>
<p>Am Abend zuvor gab es einige Hubschrauberbewegungen. Irgendwo sollen AufstÃ¤ndische hochgenommen worden sein. (Vielleicht war es die von ISAF gemeldete Gefangennahme eines Top-Kommandeurs der Islamic Movement of Uzbekistan/IMU mitsamt zwei KÃ¤mpfern durch ein Special-Operations-Team von Koalitionstruppen und ANSF in Khanabad/Kunduz)</p>
<p>Die Tage danach drauÃŸen im Einsatz schildert ein stellv. ZugfÃ¼hrer der TF Kunduz, ein Hauptfeldwebel der FallschirmjÃ¤ger aus ZweibrÃ¼cken, in seinem â€žEinsatztagebuch&quot;, dessen 5. Folge in â€žLoyal&quot; 6/11 erscheint.</p>
<p><strong>Zusammenfassung und Nachtrag drei Monate spÃ¤ter</strong></p>
<p>Beim Besuch in Nord-AFG im August 2010 waren erste Wirkungen des gesteigerten KrÃ¤fteansatzes und der offensiveren Operationsweise erkennbar. In Nord-Baghlan konnte die dt. QRF, Ã¼bergegangen in die Task Force Mazar, mit ANSF und US-KrÃ¤ften AufstÃ¤ndische zurÃ¼ckdrÃ¤ngen. Diese Linie setzte sich im November und Dezember 2010 fort, als AufstÃ¤ndische aus ihren Hochburgen in Chahar Darreh und Imam Sahib/<span style="text-decoration: underline;">Kunduz</span> verdrÃ¤ngt wurden. In <em>no-go-areas</em> von 2009/2010 konnten seit Jahreswende Initiative und Bewegungsfreiheit zurÃ¼ck gewonnen werden. In den ersten Monaten des Jahres geschahen keine komplexen Angriffe auf ISAF mehr. Dass das Mobilfunknetz in der Provinz Kunduz seit Anfang Januar wieder rund um die Uhr aktiv ist, nachdem die Taliban im FrÃ¼hjahr 2010 seine Abschaltung wÃ¤hrend der Dunkelheit erzwungen hatten, war ein wichtiger Indikator.</p>
<p>Diese seit Jahren erstmaligen Lichtblicke wurden bekrÃ¤ftigt bei unserem Kurzbesuch im April und bestÃ¤tigt durch den ersten Quartalsbericht 2011 von ANSO. (s.o.)</p>
<p>Lt. UNAMA nahm die ZugÃ¤nglichkeit von Distrikten fÃ¼r Ã¶ffentliche Bedienstete landesweit im Mai 2011 erstmalig seit MÃ¤rz 2009 wieder etwas zu. (<em>PPU Blue Sky Paper 014</em>) Im Nordosten galten knapp 40 der Distrikte als 100% zugÃ¤nglich, 26 zu 80-99%, weniger als 5 unter 50%.</p>
<p>Zugleich verstÃ¤rkte sich aber der Taktikwechsel der AufstÃ¤ndischen hin zu IED- und SelbstmordanschlÃ¤gen insbesondere gegen afghanische AutoritÃ¤ten.</p>
<p><strong>Inzwischen sind mehr als drei Monate vergangen, ist der Sommer als â€žStunde der Wahrheit&quot; da: Was bleibt von den Teilerfolgen vom Jahresanfang?</strong> Wieweit schlagen sich die taktischen Wenden zum Besseren auch auf der strategischen Ebene nieder?</p>
<p>In der 28. KW (ab 11.7.2011) ereigneten sich landesweit 657 SicherheitsvorfÃ¤lle (2010 780), davon 13 im Norden (23), 251 im Osten (144). In der 27. KW (ab 4.7.) 653 (767), N 12 (37), O 263 (217).</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Besondere SicherheitsvorfÃ¤lle im dt. Hauptverantwortungsbereich:</span></p>
<p>- Nacht zum 18.5. in Takhar bei Einsatz von ANSF und ISAF zwei MÃ¤nner und zwei Frauen getÃ¶tet. GegensÃ¤tzliche Bewertungen: Lt. ISAF seien es AufstÃ¤ndische gewesen, aus lokaler Sicht Zivilpersonen. Am 18.5. in Taloqan nach Trauerfeier fÃ¼r die GetÃ¶teten Demonstration von bis zu 3.000 Personen. BrandsÃ¤tze und Handgranaten auch gegen das Provincial Advisory Team, das sich mit Schusswaffeneinsatz verteidigt. Insgesamt 12 Tote und ca. 80 Verletzte. Mitarbeiter von UN-Organisationen und GIZ werden abgezogen.</p>
<p>- 25.5. 14 km nordwestlich vom PRT Kunduz in CDR Hauptmann Markus Matthes durch IED gegen Fuchs getÃ¶tet.</p>
<p>- 28.5. im Dienstsitz des Gouverneur von Takhar in Taloqan nach hochrangigem regionalem Sicherheitstreffen IED-Anschlag: sieben Tote, darunter der Polizeichef der Nordregion General Daud Daud, der Polizeichef der Provinz, Major Thomas Tholi aus dem Stab von General Kneip und sein PersonenschÃ¼tzer, Hauptfeldwebel Tobias Lagenstein. Unter den Verwundeten Provinzgouverneur Abdul Dschabar Taqwa, Generalmajor Markus Kneip, eine deutsche Sprachmittlerin, vier Bundeswehrsoldaten und mehrere Afghanen. Der Gouverneur gilt als sehr bÃ¼rgernah. General Daud begegnete ich erstmalig im Januar 2004 in Kunduz, Major Tholi im Sommer 2006 in Mazar.</p>
<p>- 2.6. in Baghlan OStGefr Alexej Kobelew in SchÃ¼tzenpanzer Marder durch IED getÃ¶tet, fÃ¼nf dt. Soldaten verwundet. Die &gt; 250 kg Sprengstoff haben den Marder 1A5 (modernste Version) auseinandergerissen.</p>
<p>- 10.6. in Kunduz bei Trauerfeier fÃ¼r General Daud vier Polizisten durch SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet.</p>
<p>- 24.6. in Khanaba/Kunduz fÃ¼nf Zivilpersonen und ein Polizist durch SelbstmordattentÃ¤ter getÃ¶tet.</p>
<p>Im <span style="text-decoration: underline;">Zwischenbericht Juli 2011 zum Fortschrittsbericht Afghanistan der Bundesregierung</span> zur Unterrichtung des Deutschen Bundestages heiÃŸt es:</p>
<p>â€ž<em>Diese AnschlÃ¤ge sind keineswegs Ausdruck der StÃ¤rke, sondern eine Reaktion auf den unvermindert hohen militÃ¤rischen Druck, dem die Insurgenz durch ISAF und ANSF ausgesetzt ist. So betrachtet ist die angekÃ¼ndigte â€žFrÃ¼hjahrsoffensive&quot; der Taliban bisher ein Fehlschlag, da letztendlich keiner der durch die Regierung gewonnenen Distrikte zurÃ¼ckerobert werden konnten</em>.&quot; Auch wenn richtigerweise auf den temporÃ¤ren und lokalen Charakter der verbesserten Sicherheitslage hingewiesen wird, ist die Wendung â€žkeineswegs Ausdruck von StÃ¤rke&quot; eher eine Selbstberuhigungsformel, wie sie in letzten Jahren vor allem im ISAF Headquarter immer wieder zu hÃ¶ren war.</p>
<p>Die AufstÃ¤ndischen sind nur in der direkten Konfrontation, vor allem bei LuftunterstÃ¼tzung, krass unterlegen. Diese partielle taktische Unterlegenheit scheinen sie aber durch ihren Â Taktikwechsel - Verlagerung auf â€žweiche&quot; afghanische und spektakulÃ¤re â€žHochwert&quot;ziele, rÃ¤umliches Ausweichen - mindestens kompensieren zu kÃ¶nnen.</p>
<p>Der strategisch relevante MaÃŸstab ist die Sicherheit des Umfeldes fÃ¼r BevÃ¶lkerung und staatliche Vertreter. Und hier scheinen die einzelnen Lichtblicke der ersten Monate des Jahres nicht mehr durch:</p>
<p>Der ANSO-Bericht fÃ¼r das 2. Quartal <span style="text-decoration: underline;">2011</span>:</p>
<p><em>Landesweit nahmen die Angriffe der bewaffneten Opposition im 2. Quartal im Vergleich zum Vorjahrszeitraum um 42% auf 7.178 zu. GegenÃ¼ber dem 2. Quartal 2009, dem Beginn der groÃŸen US-VerstÃ¤rkung, ist das ein Anstieg um 119%! Die Zahl der Ziviltoten sei im selben Zeitraum um 106% gestiegen auf Ã¼ber 1.800 im ersten Halbjahr 2011. </em><em>ANSO Director Nic Lee konstatiert: â€žBy all measures, Afghanistan is a more violent country today than it was in 2009.&quot;</em></p>
<p>Der â€ž<span style="text-decoration: underline;">Afghanistan</span><span style="text-decoration: underline;"> Midyear Report on Protection of Civilians in Armed Conflict&quot; von UNAMA</span> vom 17. Juli kommt wohl zu einer niedrigeren, aber immer noch extremen Zahl von Ziviltoten im ersten Halbjahr 2011: <em>1.462 Menschen, zu 80% verursacht von den AufstÃ¤ndischen (+28%), zu 14% von den Pro-RegierungskrÃ¤ften (-9%).</em></p>
<p><em>49% der Ziviltoten wurden durch IED`s und SelbstmordattentÃ¤ter bewirkt, 21% durch BodenkÃ¤mpfe, 13% durch Targeted Killings der AufstÃ¤ndischen, 5% bei LuftschlÃ¤gen der Alliierten (hiervon 56% durch Apache-Hubschrauber).</em></p>
<p><em>Die ggb. 2010 ungefÃ¤hr gleich bleibende Zahl an SelbstmordattentÃ¤tern bewirkte 52% mehr Opfer. Zunehmend werden Kinder als SelbstmordattentÃ¤ter rekrutiert. Am 1.5. fielen in Paktika einem 12-JÃ¤hrigen drei Menschen zum Opfer, 12 wurden verletzt. Fast zwei Drittel der IED`s funktionieren mit Druckplatten - und wirken de facto wie Antipersonenminen. UNAMA erinnert daran, dass die TalibanÂ  1998 den Einsatz von Antipersonenminen als â€žunislamisch und unmenschlich&quot; bezeichnet und gebannt hÃ¤tten.</em></p>
<p><em>Das Targeted Killing der AufstÃ¤ndische zielt auf Provinz- und Distriktgouverneure, Mitglieder von ProvinzrÃ¤ten und FriedensrÃ¤ten, Polizeichefs, StammesÃ¤lteste und ausstiegswillige KÃ¤mpfer.</em></p>
<p><em>Neu ist, dass inzwischen auch KrankenhÃ¤user angegriffen wurden: Am 21. Mai ein MilitÃ¤rhospital in Kabul mit sechs getÃ¶teten Medizinstudenten und 23 Verletzten, am25. JuniÂ  ein Zivilhospital in Azra/Logar, wo ein SelbstmordattentÃ¤ter 20 Menschen tÃ¶tete, darunter 13 zum Impfen anstehende Kinder, und 43 verletzte.</em></p>
<p><em>Insgesamt hÃ¤tten die Taliban ihre vielen ErklÃ¤rungen zur Reduzierung von Zivilopfern nicht in die Tat umgesetzt.</em></p>
<p>AuffÃ¤llig ist, wie wenig diese systematischen Verletzungen des humanitÃ¤ren VÃ¶lkerrechts und entgrenzte Gewalt seitens der AufstÃ¤ndischen in der hiesigen Ã–ffentlichkeit und gerade auch unter Einsatzgegnern zur Kenntnis genommen wird.</p>
<p>Im Juli Ã¼bergab ISAF in Mazar, Herat, Lashkar Gah (Helmand), Metherlam (Laghman), Bamyan und Panshir die Sicherheitsverantwortung an die afghanischen BehÃ¶rden. ANSO verweist auf die weniger durch die Sicherheitslage gerechtfertigten, sondern vor allem politisch motivierte Ãœbergaben von Lashkar Gah und Metherlam: Hier haben sich die Angriffe der AufstÃ¤ndischen seit 2009 verdoppelt.</p>
<p>Trotz des enormen Einsatzes der letzten Jahre und der vielen eigenen Opfer sind ISAF und ANSF insgesamt der ErfÃ¼llung ihres Kernauftrages â€žSchutz der BevÃ¶lkerung&quot; nicht nÃ¤her gekommen, im Gegenteil.</p>
<p>Vor diesem Hintergrund wachsen Zweifel, wie und ob eine verantwortbare, schrittweise Ãœbergabe der Sicherheitsverantwortung geschafft werden kann.</p>
<p>Umso drÃ¤ngender ist die Suche nach politischen Arrangements und LÃ¶sungen.</p>
<p><strong>Weitere Berichte und Stellungnahmen:</strong></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan - von der Stabilisierung zur AufstandsbekÃ¤mpfung, in:Â  Jahresschrift des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr/SOWI (erscheint im Herbst)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  11. September bis 22. Dezember 2001 - Von New York nach Afghanistan aus Berliner Sicht, PersÃ¶nliche Aufzeichnungen von W.N., August 2011</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  GENAUER HINSEHEN: (1) SicherheitsvorfÃ¤lle AFG-Nord Aug. 2010 - Anfang Mai 2011; (2) SicherheitsvorfÃ¤lle AFG landesweit, derselbe Zeitraum</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Reisebericht: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung - Dt. Afghanistan-Engagement vor dem zehnten Einsatzjahr, Bericht von meiner 15. AFG-Reise im August 2010</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Better News statt Bad News aus Afghanistan, Folge VIII erscheint in KÃ¼rze</p>
<p>(alles unter <a href="../../../../../">www.nachtwei.de</a>)</p>
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