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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Vor 30 Jahren: Hoch-Zeit der Friedensbewegung, Korps-Blockade in MÃ¼nster, ManÃ¶ver am Rande des Atomkriegs</title>
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    <span class="xar-mod-title">Blog Rhein-Zeitung + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link</span>

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        <h1>
            Vor 30 Jahren: Hoch-Zeit der Friedensbewegung, Korps-Blockade in MÃ¼nster, ManÃ¶ver am Rande des Atomkriegs         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 15. Oktober 2013 11:30:48 +02:00 (141921 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Exakt vor 30 Jahren erlebte die damalige Friedensbewegung ihre Hoch-Zeit, ich war als Aktivist der GAL-Friedens-AG dabei. Wir warnten vor der atomaren AufrÃ¼stung und kritisierten das System der atomaren Abschreckung. Dass wir in Wirklichkeit im Jahr 1983 so dicht am Abgrund eines Atomkrieges standen, erfuhren wir erst spÃ¤ter. Manche haben es bis heute nicht wahrgenommen. Hier einige Berichte und Artikel von mir zur gewaltfreien Blockade des I. Korps in MÃ¼nster am 17./18. Oktober 1983.</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> </xml><![endif]--></p>
<p align="center"><strong>Herbst 1983: Hoch-Zeit der Friedensbewegung im Protest gegen die â€žNachrÃ¼stung&quot;, in unserem Spektrum auch </strong></p>
<p align="center"><strong>gegen die atomare Abschreckung in Ost und West</strong></p>
<p align="center">FlugblÃ¤tter und Artikel von Winni Nachtwei (GAL-Friedens-AG)</p>
<p>Â </p>
<p><strong><em>Vorbemerkung</em></strong><em>: Vor jetzt 30 Jahren erreichte die damalige Friedensbewegung in Westdeutschland mit einer Aktionswoche vom 15.-22.10.1983 ihren HÃ¶hepunkt. Nachdem im Bonner Hofgarten am 10.Oktober 1981 mehr als 300.000 Menschen demonstriert hatten, waren es am 22. Oktober 1983 500.000 - zusammen mit den Demonstrationen in Hamburg, Berlin und der Menschenkette Stuttgart-Ulm 1,3 Millionen. Allein aus MÃ¼nster fuhren vier SonderzÃ¼ge nach Bonn.</em></p>
<p><em>Am 17. Und 18. Oktober 1983 beteiligten sich 600 Demonstranten und Ã¼ber 60 Gruppen und Organisationen an einer gewaltfreien Blockade des I. Korps in MÃ¼nster. Die Bezugsgruppen â€žFreakadellen&quot;, Pax Christi I + II, â€žBauchschmerzen&quot;, WestfÃ¤lischer Frieden&quot;, â€žEierkuchen&quot;, Evang. Theologen, â€žGrÃ¼ne FrÃ¶sche&quot;, â€žStaatstreu + lebenslang&quot; (meine BG), Kreuzviertel, Gruppe 23, â€žSport, Spiel, Spannung&quot; u.a. hatten vorher dafÃ¼r trainiert. Bei der vÃ¶llig gewaltfrei verlaufenden Blockade stellte die Polizei bei 167 Demonstranten die Personalien fest. An einer anschlieÃŸenden Menschenkette zu einem US-StÃ¼tzpunkt in MÃ¼nster-Handorf beteiligten sich Ã¼ber 6000 Menschen. An der wÃ¶chentlich tagenden Friedens-AG der GAL in MÃ¼nster nahmen zu der Zeit 30 bis 40 Personen teil. Unsere AG war nur eine von vielen Friedensgruppen in der Stadt.</em></p>
<p><em>Seit einigen Jahren hÃ¶re ich immer wieder - nicht selten von ehemaligen Mit-Demonstranten - EinschÃ¤tzungen zur damaligen Situation,</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>als sei die Friedensbewegung damals eine Art â€žJugendsÃ¼nde&quot; und die atomare Abschreckung + westliche â€žNachrÃ¼stung&quot; letztendlich erfolgreich gewesen;</em></p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â  <em>als seien das damals, wo es noch um Landes- und BÃ¼ndnisverteidigung ging, die â€žguten alten&quot;, Ã¼bersichtlichen Zeiten gewesen, verglichen mit der heutigen sicherheits- und friedenspolitischen UnÃ¼bersichtlichkeit, angesichts heutiger EinsatzrealitÃ¤ten</em></p>
<p><em>Vergessen wird dabei, wie krass damals der Verteidigungsgedanke (â€ždas Verteidigenswerte erhalten&quot;) auf den Kopf gestellt wurde. Was letztendlich glÃ¼cklich mit Hilfe der unglaublich- friedlichen Revolutionen im Osten endete, war vorher mehrfach knapp an der totalen Katastrophe, an der Selbstvernichtung vorbeigeschrammt. Wohl am knappsten im Jahr 1983, wie sich spÃ¤ter, ab 1989, herausstellte:</em></p>
<p><em>1983 nahmen die Spannungen zwischen den SupermÃ¤chten zu, verstÃ¤rkt durch mehrere Ereignisse: die AnkÃ¼ndigung des Raketenabwehrprogramms SDI durch US-PrÃ¤sident Reagan, der Abschuss eines koreanischen Passagierflugzeuges mit 269 Menschen an Bord am 1.9. durch sowjetische AbfangjÃ¤ger. Am 26. September um 0.15 Uhr meldete das sowjetische FrÃ¼hwarnsystem - fÃ¤lschlich - den Abschuss erst einer, dann einer zweiten, dritten, vierten, fÃ¼nften US-Interkontinentalrakete. Der diensthabende Leiter der sowjetischen SatellitenÃ¼berwachung, Oberstleutnant Stanislaw Petrow, wertete die 17 Minuten andauernden Alarmmeldungen als Fehlalarm - und verhinderte damit einen Atomkrieg.(FAZ 19.2.2013, </em><a href="http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/offizier-petrow-im-gespraech-der-rote-knopf-hat-nie-funktioniert-12084911.html"><em>www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/offizier-petrow-im-gespraech-der-rote-knopf-hat-nie-funktioniert-12084911.html</em></a></p>
<p><em>Am 2. November 1983 begann die zehntÃ¤gige NATO-KommandostabsÃ¼bung â€žAble Archer&quot;, bei der ein Atomkrieg simuliert wurde. Verschiedene Besonderheiten der Ãœbung nÃ¤hrten auf Seiten des Warschauer Pakts den Verdacht, dass unter dem Deckmantel einer Ãœbung ein tatsÃ¤chlicher Nuklearschlag vorbereitet wurde. Die StreitkrÃ¤fte des WP wurden alarmiert. Dazu die ZDF History Doku: â€ž1983 - Die Welt am Abgrund&quot;, vom 30.4.2012 (</em><a href="http://www.youtube.com/watch?v=Vc2S1SkPzCE"><em>www.youtube.com/watch?v=Vc2S1SkPzCE</em></a><em> ; vgl. auch â€žPlanspiel Atomkrieg&quot; zweiteilige Dokumentation von Thomas Fischer und Gabriele Trost (SWR), </em><a href="http://www.daserste.de/planspiel/"><em>www.daserste.de/planspiel/</em></a><em> </em></p>
<p><em>In der damaligen Friedensbewegung begann mit dem Verfassen etlicher extra-groÃŸer FlugblÃ¤tter zu Demos und Friedenswochen meine rege politische Schreiberei. Themen waren auch der Frauen-Friedensmarsch und Breshnew-Besuch (1981), das Kriegsrecht in Polen, der NATO-Gipfel in Bonn (1983), Spekulationen zur Polizeistrategie bei der Korps-Blockade, System der atomaren Abschreckung im Ost und West, â€ždie Raketen kommen - wie weiter mit der Friedensbewegung?&quot;. Erfahrungen mit der DKP in der MÃ¼nsteraner Friedensbewegung.</em></p>
<p><em>(Vgl. auch â€žDie GrÃ¼nen und die Friedensbewegung&quot; von Christoph Becker-Schaun, 11.2.2013, </em><a href="http://www.boell.de/de/demokratie/archiv-gruene-geschichte-friedensbewegung-1983-16647.html"><em>www.boell.de/de/demokratie/archiv-gruene-geschichte-friedensbewegung-1983-16647.html</em></a><em> ) </em></p>
<p>Â </p>
<p align="center"><strong>1982: Anti-Â»NachrÃ¼stungsÂ«bewegung</strong></p>
<p align="center">Â </p>
<p>Am Freitag Start des Ostermarsches Â»MÃ¼nsterlandÂ» mit ca. 2.000 Leuten. Hatte vorher noch schnell ein Flugblatt erstellt, das wir in 4.000 Exemplaren wÃ¤hrend der vier Tage verteilten. Schon bei der ersten Kaserne ein schÃ¶ner Zwischenfall: Reiche einem Soldaten durch`s Tor FlugblÃ¤tter. Er packt meinen Arm und sagt, er wÃ¼rde am liebsten selbst mitziehen, und wÃ¼nscht uns alles Gute. Anders dagegen der Posten an der britischen Kaserne an der Roxeler StraÃŸe: Â»Go, go!Â« und weicht zurÃ¼ck. Toll dann der Zug durch die Baumberge, durch schneidenden Wind und Schneeregen, endlos der Lindwurm. In DÃ¼lmen haut`s mich um: Ãœberall PlakatstÃ¤nder mit SprÃ¼chen wie Â»kein Bock auf Ostblock; Moskau grÃ¼ÃŸt die Demonstranten; lieber rot als tot, sagt der Hummer, bevor er in den Kochtopf kamÂ«. Bei strahlender Sonne Ã¼ber die Felder vorbei an der St. Barbara-Kaserne. In den BÃ¼schen sieht man die Armbinden von Wachtposten, Offiziere hinter Feldstechern, dann am Â»SondermunitionslagerÂ« Visbeck vorbei - schweigend. Als spÃ¤ter wieder Schneeregen runterprasselt, bricht alles in Indianergeheul aus, hinten spielt einer Weihnachtslieder. Im Zug viele GesprÃ¤che, viel VergnÃ¼gen. Dazu Flugblattverteilen - die allermeisten nehmen interessiert - und Winken zu den Fenstern und entgegenkommenden Pkw`s. FÃ¼r das Zusammenwachsen der Ã¶rtlichen Friedensbewegung, fÃ¼r die UnterstÃ¼tzung der kleinen Initiativen auf dem Land, an Sympathien fÃ¼r die Friedensbewegung Ã¼berhaupt hat der Marsch sehr viel gebracht. Erstaunlich auch diese Mischung aus Chaos und Selbstdisziplin, die sich vor allem in Sachen Abfall zeigt. Die 1000 waren sauberer als eine einzige Schulklasse!</p>
<p><em>(aus: Im Schatten von Lamberti: â€žSolidarisieren, mitmarschieren!&quot; EindrÃ¼cke aus der MÃ¼nsteraner Demonstrationsgeschichte seit 1967 aus der Feder eines Zeitzeugen, im Stadtbuch MÃ¼nster 1993</em>)</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Atomarer Heimatschutz -</strong></p>
<p><strong>MÃ¼nsters Beitrag zur Sicherung von Frieden und Freiheit</strong></p>
<p>(<em>Titelgeschichte MÃ¼nsteraner Stadtblatt 10/1982 von W. Nachtwei</em>)</p>
<p>Mit den OstermÃ¤rschen 1982 zog die Friedensbewegung erstmalig im groÃŸen Stil vor Atomwaffenlager und Raketenstellungen. Anschaulich bewusst wurde damit, wie voll Â gestopft die Bundesrepublik mit diesen Werkzeugen der VÃ¶lkervernichtung ist.</p>
<p>Der MÃ¼nsteraner Marsch ging an einem Depot fÃ¼r Atomgranaten bei DÃ¼lmen vorbei. Doch kaum einem Teilnehmer wird klar gewesen sein, dass man in MÃ¼nster nur wenige Meter von einem GebÃ¤ude entfernt losgelaufen war, das zentrale Kommandostellen fÃ¼r den â€žnuklearen Feuerkampf&quot; in Nordwestdeutschland beherbergt.</p>
<p>Grund genug, anlÃ¤sslich der Friedenswochen dieses ahnungslose Nebeneinander zu durchbrechen und die Rolle des MilitÃ¤rs in MÃ¼nster in ersten AnsÃ¤tzen darzustellen.</p>
<p><strong>Eine reiche Tradition</strong> (...)</p>
<p><strong>AnfÃ¤nge der Weimarer Republik</strong> (...)</p>
<p><strong>Zweiter Weltkrieg</strong> (...)</p>
<p><strong>Garnison MÃ¼nster</strong> (...)</p>
<p><strong>MÃ¼nster - ein Magnet</strong></p>
<p>Sehen wir uns nun am Beispiel MÃ¼nster genauer an, was es mit der Bundeswehr-Behauptung auf sich hat, sie produziere Sicherheit.</p>
<p>Hinter dem Wachstum der Friedensbewegung steht die vÃ¶llig vernÃ¼nftige Angst, dass die Abschreckung immer mehr abbrÃ¶ckelt, dass ein Atomkrieg in Europa ganz und gar nicht mehr unwahrscheinlich ist. Welche Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das hiesige MilitÃ¤r?</p>
<p>Mit dem I. Korps, dem LuftwaffenunterstÃ¼tzungskommando Nord und dem Lufttransportkommando beherbergt MÃ¼nster hÃ¶chste FÃ¼hrungsstÃ¤be der Bundeswehr, Teile des militÃ¤rischen â€žZentralnervensystems&quot;: Ohne die Flugsicherung, ohne Munitions- und Spritnachschub oder Instandsetzung wÃ¤ren bedeutende Teile der Bundeswehr vÃ¶llig aktionsunfÃ¤hig. Dieser Apparat ist Ã¤uÃŸerst verletzlich. MilitÃ¤risch nur logisch ist deshalb, dass diese Knotenpunkte gegnerische Angriffe der ersten Stunde nur so auf sich ziehen. Die unauffÃ¤lligen GebÃ¤ude der KommandobehÃ¶rden sind erstrangige Magneten. Was das fÃ¼r MÃ¼nster bedeuten kÃ¶nnte, haben wir versucht in dem Schaubild darzustellen.</p>
<p>Â </p>
<p>(<em>Schaubild:</em> <strong>Atomwaffenmagnet MÃ¼nster</strong> Annahme: Explosion einer Atombombe (1 Megatonne) 2000 m Ã¼ber dem Hindenburgplatz</p>
<p>Vom Nullpunkt aus ...</p>
<p>Bis 1,5 km: Feuerball, Menschen und GebÃ¤ude verdampfen. In dieser Zone liegt die ganze Innenstadt bis zum Hauptbahnhof, liegen die Uni-Kliniken, das brit. MilitÃ¤rhospital, 32 der insgesamt 48 ausgebauten SchutzrÃ¤ume â€žneuer Bauart&quot;, darunter die bei weitem grÃ¶ÃŸten: Aegidiimarkt mit 3.000 und Klinken-ZentralgebÃ¤ude mit 1.785 PlÃ¤tzen. Aus Einzelfeuern entstehen FeuerstÃ¼rme, die SchutzrÃ¤ume in Krematorien verwandeln.</p>
<p>Bis 3 km: Druckwelle bis zu 750 km/h zerstÃ¶rt fast alle GebÃ¤ude, keine Ãœberlebenschancen. Diese Zone reicht bis zum Kanal, Allwetterzoo und Gievenbeck, in ihr liegen weitere 12 SchutzrÃ¤ume.</p>
<p>Bis 6 km: Die HÃ¤lfte der Menschen stirbt sofort. Die Zone reicht bis Hiltrup, Roxel, Nienberge.</p>
<p>Bis 10 km: 5% der Menschen sterben sofort, 30% der BÃ¤ume werden entwurzelt. Die Zone reicht bis Wolbeck und BÃ¶sensell. FÃ¼r die Ãœberlebenden, fÃ¼r die Verbrannten und Strahlenkranken gÃ¤be es keine Hilfe, sie ist nicht organisierbar. Nach der Studie des US-KongressbÃ¼ros fÃ¼r technologische Studien von 1979, Spiegel 17/82, auf MÃ¼nster Ã¼bertragen.)</p>
<p><strong>Atomarer Heimatschutz</strong></p>
<p>Zweitens geht aber vom I. Korps auch eine â€žaktive&quot; Gefahr aus - unabhÃ¤ngig vom subjektiven Friedenswillen sicher der meisten Soldaten. Seine 12 Panzerartillerie-Bataillone verfÃ¼gen Ã¼ber mehr als 200 Panzerhaubitzen M 109 G (203 mm), die Atomgranaten zwischen 0,1 und 5 Kilotonnen Sprengkraft bis 17 km nah verschieÃŸen kÃ¶nnen. Je eines solcher Bataillone mit 18 GeschÃ¼tzen liegt - mit Atomwaffenlagern anbei - in Handorf und DÃ¼lmen. DarÃ¼ber hinaus verfÃ¼gt das Korps Ã¼ber 6 Raketenartillerie-Bataillone, die zum Teil mit der Lance-Rakete ausgerÃ¼stet sind. Diese ist ausschlieÃŸlich mit AtomsprengkÃ¶pfen zwischen 5 und 10 Kilotonnen bestÃ¼ckt (Hiroshima-Bombe 13,5 KT), sie reicht 110 km weit. In dem offiziellen Band â€ž25 Jahre I. Korps&quot; heiÃŸt es lapidar Ã¼ber die Hauptaufgabe des KorpsartilleriefÃ¼hrers, â€žden Kommandierenden General bei allen Fragen des konventionellen und nuklearen Feuerkampfes zu beraten und in Schwerpunkten den Feuerkampf der gesamten Artillerie des Korps zu koordinieren.&quot; Ihm steht hierfÃ¼r (...) â€žals Schwerpunktwaffe das RakArtBtl 150 (Wesel) zur VerfÃ¼gung, das, ausgerÃ¼stet mit der Lenkrakete Lance, Ziele in der Tiefe des Gefechtsfeldes bekÃ¤mpfen kann.&quot; (OsnabrÃ¼ck 1982, S. 73)</p>
<p>Wie diese Waffen auf dem Boden der Bundesrepublik eingesetzt wÃ¼rden, ist dem Taktik-Lehrbuch â€žConvential-Nuclear Operations&quot; einer Generalstabsschule der US-Army in Fort Leavenworth/Kandas zu entnehmen: Vor allem gegen feindliche PanzerverbÃ¤nde wÃ¼rden diese Atomwaffen eingesetzt, aber nicht einzeln, sondern in sog. â€žPaketen&quot; von mehr als hundert GefechtskÃ¶pfen als â€žatomares Sperrfeuer&quot;. Dabei ist die Schwelle zum Atomkrieg offenbar sehr niedrig. Taktisches KalkÃ¼l gibt den Ausschlag fÃ¼r den Einsatz der â€žAtomartillerie&quot;. Da angesichts dieses Einsatzzwecks eine Freigabe der Atomwaffen durch den US-PrÃ¤sidenten viel zu lange dauern wird, vermutet z.B. der Generalmajor a.D. LÃ¶ser, dass Entscheidungen fÃ¼r den Einsatz solcher Waffen wesentlich auf Ebene der Korps fallen wÃ¼rden. Im Klartext: Einige Herren vom Hindenburgplatz haben vermutlich den Finger am atomaen Abzug, fÃ¼r den â€žEinstieg&quot; in den Atomkrieg kÃ¶nnten sie eines Tages mitverantwortlich sein!!</p>
<p>Atomwaffen von der GrÃ¶ÃŸe der Hiroshima-Bombe, gedacht fÃ¼r den Einsatz im eigenen Land gar - offensichtlich sind das keine einen Gegner abschreckenden Waffen. Sie sind Ausdruck der NATO-Strategie der flexiblen Reaktion, die - schon lange vor Reagan - von der Begrenzbarkeit eines Atomkrieges ausgeht. Sie verkehrt den Soldateneid in den Auftrag, notfalls â€ždas Recht und die Freiheit des deutschen Volkes total zu vernichten&quot;. Ãœberdies verstÃ¶ÃŸt diese â€žVerteidigungsstrategie&quot; gegen das humanitÃ¤re KriegsvÃ¶lkerrecht.</p>
<p>Atomverweigerung</p>
<p>1957 wurden in der Bundesrepublik die ersten taktischen Atomwaffen stationiert. Dazu sagte der damalige Bundeskanzler Adenauer:</p>
<p>â€žDie taktischen Atomwaffen sind im Grunde nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Artillerie&quot; und â€ždas sind ja besonders normale Waffen in der normalen Bewaffnung.&quot;</p>
<p>In der NATO-StabsÃ¼bung â€žSchwarzer LÃ¶we&quot; - beteiligt war auch das I. Korps - protestierte ein beteiligter Offizier schriftlich dagegen, dass ein General mehrere bereits eingekesselte sowjetische Divisionen durch einen Atomschlag vernichtete, nur weil er nicht einige Atomwaffen auf Lager hatte! Damals fÃ¼hrte auch ein Generalleutnant RÃ¶ttiger den Begriff des Atomverweigerers&quot; ein, des Soldaten, der nicht bereit ist, â€žden Einsatz von Massenvernichtungswaffen mit seinem Namen zu decken oder auch nur mitzudecken.&quot;</p>
<p>(...) Seit den 50er Jahren sind die in Ost und West aufgehÃ¤uften Vernichtungsarsenale ins Unvorstellbare gewachsen, ist die Bundesrepublik zum Land mit der grÃ¶ÃŸten Atomwaffendichte der Welt geworden.</p>
<p>Die â€žAtomverweigerung&quot; steht auf der Tagesordnung. (...)</p>
<p>Â </p>
<p><em>Flugblatt zur I.Korps-Blockade am 17./18. Oktober 1983 (verteilt mit kleinen extra dafÃ¼r gebackenen Broten) </em></p>
<p><strong>RÃ¼stung tÃ¶tet tÃ¤glich</strong></p>
<p><strong>FÃ¼r eine Pershing-II-Rakete (StÃ¼ckpreis DM 30 Millionen) kÃ¶nnten 1 Million Menschen in der Dritten Welt 1 Jahr lang mit Reis versorgt werden. </strong>(<em>Zeichnung einer Waage, wo der von Waffen Ã¼berquellende Waffenkorb mit seinem Gewicht den Brotkorb fÃ¼r die sich reckende Menschengestalt unerreichbar macht.</em>)</p>
<p><strong>Ein StÃ¼ck Brot</strong></p>
<p>mÃ¶chten wir Ihnen heute aus Anlass des Tages des Antimilitarismus und der internationalen SolidaritÃ¤t Ã¼berreichen.</p>
<p>Warum?</p>
<p>Seit alters her ist Brot Sinnbild der Fruchtbarkeit und des Lebens. Die Ã¤lteren Generationen haben noch gelernt, dass man Brot nicht wegwirft. â€žUnser tÃ¤gliches Brot gib uns heute ...&quot;</p>
<p>40.000 Kinder sterben jeden Tag, weil sie kein tÃ¤gliches Brot bekommen. Werden auf der Welt zu wenig Nahrungsmittel produziert?</p>
<p>TÃ¤glich wird 1 kg Getreide pro Kopf der WeltbevÃ¶lkerung produziert!</p>
<p>Aber es wird den Millionenheeren der Hungernden vorenthalten:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Durch eine Weltwirtschaft, die einzig und allein auf die BedÃ¼rfnisse und verschwenderischen Essgewohnheiten der Industrienationen ausgerichtet ist. Z.B.: Ein GroÃŸteil von Nahrungsmitteln der Armen dient als Futtermittel fÃ¼r das Vieh der Reichen. Mehr als die HÃ¤lfte der Weltgetreideproduktion wird an Tiere verfÃ¼ttert, um in â€žveredelter&quot; Form als Fleisch, Milch, KÃ¤se konsumiert zu werden. Bedarf an tierischem EiweiÃŸ pro Jahr: 9,0 Kg, Fleischkonsum oro Kopf/Jahr in der BRD 1980: 91,0 kg, Fleischkonsum pro Kopf/Jahr in der 3. Welt: 3,5 kg. (...)</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Durch eine Politik, der Waffen wichtiger sind als Brot: Mittel zum Leben werden den Menschen in der 3. Welt vorenthalten, umso reichlicher erhalten sie dafÃ¼r Waffen: Wo herrschende Minderheiten sich nur mit Waffengewalt an der Macht halten kÃ¶nnen, versuchen auslÃ¤ndische MÃ¤chte, an 1. Stelle die UdSSR und die USA - mit Waffenlieferungen Einfluss zu nehmen. Eines der Ã¤rmsten LÃ¤nder der Welt wie z.B. der Tschad, wo Wasser und Strom Mangelware sind, wird z.Zt. mit modernsten Waffen regelrecht Ã¼berschwemmt. - Waffenlieferungen sind Ã–l ins Feuer der 3. Welt -</p>
<p>Ex-US-PrÃ¤sident Eisenhower: â€žJede Kanone, die hergestellt wird, jedes Kriegsschiff, das vom Stapel lÃ¤uft, jede Rakete, die abgeschossen wird, bedeutet (...) ein Bestehlen derer, die hungrig sind, nicht gespeist werden.&quot;</p>
<p>Â </p>
<p>An einem Tag werden weltweit 3 Mrd. DM fÃ¼r RÃ¼stung ausgegeben! Schon ei9ne geringe Senkung und Umlenkung der MilitÃ¤rausgaben kÃ¶nnten GroÃŸes ermÃ¶glichen:</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit 1% der weltweiten MilitÃ¤rausgaben wÃ¤re eine einwandfreie Wasserversorgung in allen LÃ¤ndern zu erreichen</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit 0,5% ein Programm zur Ausrottung der Malaria</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  Mit 2-3% der jÃ¤hrlichen WeltrÃ¼stungsausgaben wÃ¤re allen unterernÃ¤hrten Menschen das biologische Existenzminimum gewÃ¤hrleistet</p>
<p>-Â Â Â Â Â Â Â Â Â  - fÃ¼r den Preis eines Panzers kann man 100 Traktoren fÃ¼r die Landwirtschaft kaufen - etc. etc.</p>
<p>RÃ¼stung tÃ¶tet Menschen! RÃ¼stung verhindert soziale Entwicklung und wirtschaftliche Entfaltung! RÃ¼stung vernichtet ArbeitsplÃ¤tze! RÃ¼stung erhÃ¶ht die Kriegsgefahr! RÃ¼stung gefÃ¤hrdet die Zukunft unserer Kinder!</p>
<p><strong>Brot statt Waffen fÃ¼r die Welt!</strong></p>
<p>Ãœberreicht von</p>
<p>Bezugsgruppen, die z. Zt. Bei der gewaltfreien Blockade des I. Korps mitmachen, um dadurch mit allem Nachdruck gegen die geplante Stationierung neuer US-Raketen in Europa zu protestieren.</p>
<p><strong>Wo jede Seite die andere zig Mal vernichten kann,</strong></p>
<p><strong>wo Tag fÃ¼r Tag Zig-Tausende verhungern,</strong></p>
<p><strong>wo es pro Kopf mehr Sprengstoff als Nahrungsmittel gibt,</strong></p>
<p><strong>gibt es keinerlei Rechtfertigung mehr fÃ¼r weitere AufrÃ¼stungspolitik, weder im Westen noch im Osten!</strong></p>
<p><strong>Nicht gegen die Soldaten, sondern gegen eine angebliche Sicherheitspolitik, die durch immer mehr Waffen immer weniger Sicherheit schafft, richtet sich die Blockade.</strong></p>
<p>Â </p>
<p><strong>1983: Widerstand durch Niedersetzen</strong></p>
<p>Die AktivitÃ¤ten der Friedensbewegung gegen die Stationierung von Pershing II und cruise missiles erreichten in der Aktionswoche im Oktober ihren HÃ¶hepunkt: Stadtteilaktionen, Ã¶ffentliche Verweigerung, 5-vor-12-Aktionen in Schulen und Betrieben, Menschenteppiche (Â»die-inÂ«), Gottesdienste.</p>
<p>HÃ¶hepunkte in MÃ¼nster sind die Blockade des I. Korps am 17./18. Oktober (nur von Teilen der Friedensbewegung getragen) und die anschlieÃŸende Menschenkette zum Â»US-Group HeadquarterÂ« in Handorf (zustÃ¤ndig fÃ¼r das Atomwaffenlager Schirlheide). Die Bezugsgruppen (BG) mit Namen wie Freakadellen, WestfÃ¤lischer Frieden, Tigerenten, Sport-Spiel-Spannung, Pax Christi I+II u.a. bereiteten sich sorgfÃ¤ltig mit Trainings auf die gewaltfreie Aktion vor. Etwas hÃ¤rtere Bewegungsteile (Hausbesetzer, Startbahn West, Anti-AKW) fÃ¼hlen sich mehr zur GroÃŸblockade in Nordenham hingezogen.</p>
<p>Â»Sechsmal treffen sich zwischen 80 und 100 Vertreter von Bezugsgruppen und teilnehmenden Organisationen. Diskussionen und Entscheidungsfindung laufen schwerfÃ¤llig und wenig ermutigend. Der Polizei werden unsere Absichten und Motive brieflich in verbindlicher Form mitgeteilt. Ein VorabgesprÃ¤ch soll nicht stattfinden. Der Auftakt am Montag um 6.30 Uhr ruhig und organisiert. Funktionen wie Polizeisprecher (pro Tor) und Melder werden eingeteilt. Jede Torgruppe (I.V) soll nach Lage selbstÃ¤ndig im Rahmen des Konsens Ã¼ber mÃ¶gliche Alternativen entscheiden.</p>
<p>Um 7.15 sind alle BG`en zur ersten halbstÃ¼ndigen Blockade an ihre Tore gestrÃ¶mt. Die Anlage der technischen Sperren zeigt schon das taktische Konzept der Polizei: Vermeidung von Konfrontation und Eskalation, also keine Verhinderung der Blockade von vorneherein, sondern punktuell RÃ¤umung immer dann, wenn Â»nÃ¶tigÂ«. Die meisten werden nur beiseite gesetzt, einzelne werden zur Personalienfeststellung rausgegriffen. Die teilweise hemmungslose Zahl an RÃ¤umungen (sogar wegen eines Zigarettenlieferanten), die hohe Zahl der vorlÃ¤ufigen Festnahmen macht aber deutlich, dass die Blockierer zugleich eingeschÃ¼chtert werden sollen. Heimliche Hoffnungen, AnhÃ¤nger der Friedensbewegung wÃ¼rden nun en masse zum I. Korps strÃ¶men, Spontanblockierer wÃ¼rden die Schichten krÃ¤ftig verstÃ¤rken und die Tore Â»unrÃ¤umbarÂ« machen, werden enttÃ¤uscht. Die Gesamtzahl von ca. 600 Ã¤ndert sich kaum. Am Dienstag ist die Blockade eingespielt, einzelne BG`en werden flexibel und wechseln mal das Tor - endlich mal ein wenig Unberechenbarkeit.</p>
<p>Das I. Korps reagiert offiziell recht plump: vorab mit einem strahlenden Gefreiten auf Plakat und Zeitungsbeilage, wÃ¤hrend der Aktion ganz offensiv mit Transparent und schwarz-rot-gold-umrahmten Handzetteln (Â»Distanzieren Sie sich, liebe MitbÃ¼rger, von den StÃ¶rernÂ«), verteilt von Soldaten in Uniform. Mit keinem Wort wird auf die Argumente der Friedensbewegung eingegangen. Allerdings stellen sich sogar GenerÃ¤le der Diskussion mit den Â»StÃ¶rernÂ«.</p>
<p>FÃ¼r viele Beteiligte enttÃ¤uschend war, wie wenig doch behindert werden konnte, wie leichtes Spiel die Polizei mit den Blockierern hatte. Wir waren voll berechenbar, dabei aber auch politisch so stark, dass fÃ¼r die Polizei unmÃ¶glich war, die Blockade von vornherein zu verhindern. Trotzdem: Die Blockade war ein politisches Zeichen, wie ernst es uns ist und dass wir nicht mehr alles wortreich, aber tatenlos hinnehmen, was die RÃ¼stungsfanatiker uns vorsetzen. Das wurde deutlich. Unsere Aussagen und unser Verhalten waren glaubwÃ¼rdig und wurden ernst genommen. Auch bei den Gegnern der Friedensbewegung hat sie Eindruck gemacht.Â«</p>
<p>1983 bewegte sich am meisten auf MÃ¼nsters StraÃŸen: 194 Versammlungen und Demos, an der Menschenkette nach Handorf beteiligten sich ca. 6.000 Menschen. Bei insgesamt 474 Ã¶ffentlichen Veranstaltungen zwischen 1982 und 1984 kam es bei 14 zu Anzeigen: Bis 1985 liefen allein 106 Verfahren gegen Blockierer des I. Korps und 37 weitere gegen Teilnehmer einer Busblockade.</p>
<p><em>(aus: Im Schatten von Lamberti: â€žSolidarisieren, mitmarschieren!&quot; EindrÃ¼cke aus der MÃ¼nsteraner Demonstrationsgeschichte seit 1967 aus der Feder eines Zeitzeugen, im Stadtbuch MÃ¼nster 1993</em>)</p>
<p>Â </p>
<p><em>Internes Papier</em></p>
<p><strong>Blockade I. Korps - Bilanz</strong></p>
<p><strong>Vorbereitung</strong></p>
<p>Der Vorschlag, im Rahmen der Herbstaktionen das I. Korps zu blockieren, kam im Juni auf. Von Teilen der MÃ¼nsteraner Friedensbewegung kamen erhebliche Vorbehalte: Bezugsgruppen und Sprecherrat, also die basisdemokratische Organisation, sei unsinnig, Risiken wÃ¼rden Ã¼bertrieben dargestellt; wenn ein paar tausend das I. Korps einige Stunden belagern wÃ¼rden, kÃ¶nne die Polizei gar nichts machen. (so aus demÂ  KOFAZ-Spektrum)Â  Die SPD, deren UB-Vorsitzende und MdB W.M.Catenhusen in Mutlangen mitblockierte, (die aber auch den Kommandierenden General des I. Korps unter ihren Genossen hat), wendet gegen die Blockade des I. Korps ein, das kÃ¶nne als Angriff auf die Bundeswehr Ã¼berhaupt ausgelegt werden.</p>
<p>Knappe acht Wochen vor dem 17. Oktober kommt der Sprecherrat in die GÃ¤nge. Sechsmal treffen sich die zwischen 80 und 100 Vertreter von Bezugsgruppen (BG) und mitmachenden Organisationen. Anfang September wird nach zÃ¤hem Ringen (I. Korps oder US-Headquarter in Handorf) der Kompromiss gefunden: zweitÃ¤gige Blockade am I. Korps, am 1. Tag in Intervallen, am 2. Tag nachmittags einmÃ¼ndend in eine Menschenkette zwischen I. Korps und Handorf. Am 17. und 18. soll also das SchÃ¤rfste und GrÃ¶ÃŸte laufen, was die MÃ¼nsteraner Friedensbewegung je auf die Beine gestellt hat. Die SPD unterstÃ¼tzt nur die Menschenkette, die Blockade wird aber auch nicht verurteilt.</p>
<p>(...)</p>
<p>Wegen der spÃ¤teren â€žBeschlusslage&quot; kommt die Ã–ffentlichkeitsarbeit erst ziemlich spÃ¤t in Gang: 10 000 Aufrufe gehen an die BGen, zeitweilig gibt's keinen Nachschub: von den 1000 gedruckten Plakaten wird nur ein Bruchteil geklebt; ein positiv verlaufenes PressegesprÃ¤ch bei â€žKaufen + sparen&quot; bleibt folgenlos, weil die Verlagsleitung den Artikel stoppt (in der gleichen Ausgabe hat das I. Korps eine Beilage); die Pressekonferenz mit Lokalredakteuren von MZ und WN bringt in den beiden Freitagsausgaben grÃ¶ÃŸere und einigermaÃŸen informative Artikel. Presseinformationen gehen auch an den WDR, taz u.a. HÃ¤tte eine BG nicht von sich aus am Fr-morgen am I. Korps Aufruf und â€žMaulwurf&quot; verteilt, wÃ¤re gegenÃ¼ber den Hauptbetroffenen der Aktion gar nichts gelaufen. Hierbei fallen zwei Soldaten auf, die wenige Tage zuvor noch als â€žStudent&quot; und â€žHeizungsmonteur&quot; sehr interessiert an einer Informationsveranstaltung zur Blockade teilgenommen hatten. Ein im Korps arbeitender Hauptmann berichtet, dort breite sich eine â€žBunkermentalitÃ¤t&quot; aus: Alles rÃ¼cke im Angesicht der â€žBedrohung&quot; zusammen. Andere Informationen bestÃ¤tigen das. Er fordert uns auf, mal das GesprÃ¤ch mit dem Kommandierenden General zu suchen.</p>
<p>Der Polizei, die Ã¼ber unsere Publikationen und eigene ZutrÃ¤ger schon einigermaÃŸen Bescheid weiÃŸ, werden unsere Absichten und Motive brieflich in verbindlicher Form mitgeteilt. Ein VorabgesprÃ¤ch soll nicht stattfinden - abgesehen von dem Meinungsaustausch zwischen Vertretern der Gewerkschaft der Polizei und drei Leuten der Friedensbewegung einige Wochen vorher.</p>
<p>Entgegen allen â€žRegeln&quot; des Sprecherratsmodells wird der Sprecherrat zu einem Entscheidungsgremium. Verglichen mit den ganz anderen zeitlichen MÃ¶glichkeiten â€žvorbildlicher&quot; Blockaden war das aber vielleicht auch nicht ganz zu vermeiden.</p>
<p>Doppeldiskussionen in Blockadeplenum und Sprecherrat schlucken unnÃ¶tig Energien, die gleichzeitige Vorbereitung einiger Gruppen auf Nordenham/Bremerhaven entzieht der MÃ¼nsteraner Blockade einige KrÃ¤fte.</p>
<p>Am Vorabend der Blockade ist die Frage der zentralen Koordination noch unklar.</p>
<p><strong>DurchfÃ¼hrung</strong></p>
<p>Der Auftakt am Montag um 6.30 Uhr am Asta-HÃ¤uschen lÃ¤uft ruhig und organisiert. Funktionen wie Polizeisprecher (pro Tor) und Melder werden eingeteilt; Jede Torgruppe (I-V) soll nach Lage selbstÃ¤ndig im Rahmen des Konsens Ã¼ber mÃ¶gliche Alternativen entscheiden. Dass ein Megaphon da - und inzwischen vermisst ist - , ist vom Sprecherrat gar nicht geplant. Um 7.15 Uhr sind alle BGen an ihre Tore zur ersten halbstÃ¼ndigen Blockade gestrÃ¶mt.</p>
<p>Die Polizei hat den Vorplatz des I. Korps so mit Sperrgittern abgeriegelt, dass sie selbst genÃ¼gend Bewegungsraum hat, dass Distanz zwischen Demonstranten und Objekt ist, dass aber auch noch genÃ¼gend Platz zum Blockieren bleibt, ohne dass dabei der flieÃŸende Verkehr behindert wÃ¼rde. Die Anlage der technischen Sperren zeigt schonÂ  das taktische Konzept der Polizei: Vermeidung von Konfrontation und Eskalation, also keine Verhinderung der Blockade von vorneherein oder BrutalauflÃ¶sung, sondern punktuell RÃ¤umung immer dann, wenn â€žnÃ¶tig&quot;. Dementsprechend die AusrÃ¼stung der Polizei (keine Wasserwerfer, keine Helme) und ihr Vorgehen: Die meisten werden nur beiseite gesetzt, einzelne werden rausgegriffen zur Personalienfeststellung. Die teilweise hemmungslose Zahl der RÃ¤umungen, sogar wegen eines Zigarettenlieferanten, die hohe Zahl der vorlÃ¤ufigen Festnahmen macht aber auch deutlich, dass die Blockierer zugleich eingeschÃ¼chtert werden sollen. Insgesamt bewegt sich die Polizeitaktik voll im Rahmen unserer Erwartungen (vgl. Maulwurf vom September). Die von der Humanistischen Union unterstÃ¼tzten 16 neutralen Beobachter erhalten keinen Anlass zur Klage. Auch die Polizei bleibt gewaltfrei - obwohl sie unserer Aufforderung, sich ohne Waffen zu versammeln, nicht nachgekommen ist.</p>
<p>(...)</p>
<p>Das Blockieren in Intervallen bringt nicht das Erwartete, die Polizei geht auf das â€žAngebot&quot; nicht ein, manchmal rÃ¤umt sie noch eine Minute vor Ablauf der halben Blockadestunde. VorschlÃ¤ge schon am Nachmittag mit der Vollblockade zu beginnen, kommen nicht durch.</p>
<p>Am Montag gibt es praktisch keinen geregelten Informationsaustausch, keine zentrale Koordination; die Ã–ffentlichkeitsarbeit, die Betreuung der Presse, Flugblattverteilung, brechen zeitweilig zusammen. Auf die Gegenpropaganda des I. Korps wird nicht reagiert. Auf dem abendlichen Sprecherrat wird einiges zur Verbesserung beschlossen, u.a. eine zentrale Sammelstelle. Ob sich BGen bei RÃ¤umung sich wieder hinsetzen, um so die RÃ¤umung zu erschweren, soll den BGen Ã¼berlassen bleiben.</p>
<p>Am Dienstag ist die Blockade â€žeingespielt&quot;, einzelne BGen werden flexibel und wechseln mal das Tor - endlich mal ein wenig Unberechenbarkeit! Dass am Ende Blockadeure mit Bundeswehrbesen den Vorplatz sÃ¤ubern, macht einen starken Eindruck. Dass aber die ganze Blockade so sang - und klanglos am Dienstagnachmittag zu Ende geht, schafft Frust; zudem ist es fahrlÃ¤ssig, weil sich in der Zeit zuvor auf beiden Seiten wohl einiges an Aggressionen angesammelt hat. Da konnte sich die Polizei dann auch schnell ein anderes, bekannteres Verhalten leisten.</p>
<p>Das I. Korps reagiert offiziell recht plump: vorab mit einem strahlenden Gefreiten auf Plakat und Zeitungsbeilage, wÃ¤hrend der Aktion ganz offensiv mit Transparent und schwarz-rot-gold- umrandeten Handzetteln (â€žDistanzieren Sie sich, liebe MitbÃ¼rger, von den StÃ¶rern&quot;), verteilt von Soldaten in Uniform. Die Propagandalinie: Aktion richtet sich gegen den Verteidigungsauftrag, gegen die FreizÃ¼gigkeit der Soldaten. Mit keinem Wort wird auf die Argumente der Friedensbewegung eingegangen. Allerdings stellen sich sogar die Generale des I. Korps der Diskussion mit den StÃ¶rern.</p>
<p>UnterstÃ¼tzt werden die Blockierten durch Flugblattverteiler des Reservistenverbandes, politisch darÃ¼ber hinaus durch die CDU (Truppenbesuche von Jahn, Patenschaften mit Truppenteilen) und den â€žArbeitskreis fÃ¼r Frieden und Freiheit&quot;, dem angeblichen Sprachrohr der â€žschweigenden Mehrheit&quot;. Dieser Arbeitskreis rekrutiert sich aus der Bundeswehr/Reservisten/CDU-Szene, Abteilung Ã¤lterer JahrgÃ¤nge, und scheint mehr eine Mediengeburt zu sein: zu seiner ersten Ã¶ffentlichen Veranstaltung erschienen ganze 30 Herrschaften! Zu den erwarteten Gegendemonstrationen oder gar zu Provokationen z.B. durch die Konservative Aktion u.Ã¤., kommt es nicht.</p>
<p>Die Reaktionen der Ã–ffentlichkeit sind zufriedenstellend: Recht gute Berichterstattung in beiden Zeitungen, auf Diffamierungen wird ganz verzichtet - man vergleiche die WN frÃ¼her zu den Friedenswochen!-, die Kommentierung ist positiv, zumindest aber mit dem Tenor â€žRespekt&quot;. Offenbar hat die entschlossene, disziplinierte und gelassene DurchfÃ¼hrung der Blockade Eindruck gemacht. Beide BlÃ¤tter quellen aber fast Ã¼ber von Leserbriefen; hier haben die NatoÂ´s voll mobilisiert, kommt von den Ungehorsamen selbst kaum was. Trotz mieser Betreuung ist der Bericht im III: Fernsehprogramm am Montag einigermaÃŸen in Ordnung; Radio Fledermaus sendet allabendlich vom Zentrum des Geschehens. Ãœberregional wird die Korps-Blockade relativ wenig bekannt.</p>
<p>PassantenÃ¤uÃŸerungen reichen von faschistischen SprÃ¼chen bis zu Ermutigungen, Spenden gerade seitens alter Leute. Nach der StraÃŸenumfrage des Stadtblatt (55 Befragte) zu urteilen, wurde die Aktionsform solange meist akzeptiert, wie sie friedlich blieb. Dass es sich hierbei aber um eine Aktion des zivilen Ungehorsams handelte mit einem gewissen Risiko fÃ¼r die Beteiligten, das kam offenbar kaum Ã¼ber.</p>
<p><strong>Nachspiele</strong></p>
<p>Im Mittelpunkt der Nachbereitung stehen Fragen wie Selbstanzeigen, Prozessvorbereitung, Rechtshilfefond. Beschlossen werden anstelle von Selbstanzeigen, deren Nutzen nicht deutlich wird, Zeitungsanzeigen, in denen einige Hundert erklÃ¤ren, sie hÃ¤tten bei der Blockade mitgemacht. (...)</p>
<p>Eine nachbereitende Ã–ffentlichkeitsarbeit unterbleibt. Mit 4.199,77 DM Einnahmen aus der 10 DM-Umlage/pro Teilnehmer und Ausgaben von 2.059,02 DM. Der Ãœberschuss geht auf das Rechtshilfekonto.</p>
<p>Am 29. Oktober tagt der inzwischen stark geschrumpfte Sprecherrat zum vorlÃ¤ufig letzten Mal. Er soll reaktiviert werden, wenn Anzeigen eintrudeln.</p>
<p><strong>Gesamtbilanz</strong></p>
<p>Die Blockade sollte ein allererster Schritt vom â€žWiderspruch zum Widerstehen&quot; sein, etwas Sand im Getriebe der MilitÃ¤rmaschinerie bringen, um dadurch politischen Druck auf die militÃ¤risch und politisch Verantwortlichen auszuÃ¼ben. Ãœber die spektakulÃ¤re Aktion sollte zugleich auf die Rolle des I. Korps im Rahmen der herrschenden Unsicherheitspolitik hingewiesen werden.</p>
<p>FÃ¼r viele Beteiligte enttÃ¤uschend war, wie wenig dann doch behindert werden konnte, wie leichtes Spiel die Polizei mit den Blockierern hatte. Wir waren voll berechenbar, dabei aber auch politisch so stark, dass es fÃ¼r die Polizei unmÃ¶glich war, die Blockade von vorneherein zu verhindern. Sie wusste, dass sie dann mindestens zwei unruhige und strapaziÃ¶se Tage bekommen hÃ¤tte. Aber der geringe Grad tatsÃ¤chlicher Behinderung Ã¤ndert nichts daran, dass die andere Seite sich eindeutig in ihrer Bewegungsfreiheit behindert fÃ¼hlte, dass sie die Aktion nicht mehr als unverbindlichen, appellativen Protest, sondern als EinschrÃ¤nkung ihrer Befugnisse ansah. Deutlich wurde aber, wie meilenweit eine solche milde Blockadeform davon entfernt ist, echt Druck zu machen auch unmittelbar Sand ins Getriebe zu bringen, nicht nur symbolisch und politisch.</p>
<p>Ob die Blockade bei der Bundeswehr zu einer Solidarisierung von Soldaten und Offizieren mit ihrer Art von Verteidigungsauftrag gefÃ¼hrt hat, ob Wehrpflichtige nun massiv sauer auf die Friedensbewegung sind, ist schwer abzuschÃ¤tzen. Sicher hat ihnen das Verhalten der Blockadeure, die keinen Uniformierten anmachten, gezeigt, dass die Blockade nicht persÃ¶nlich gegen die Soldaten gerichtet war. DarÃ¼ber hinaus haben wir aber fast alle Chancen verspielt, dem Solidarisierungseffekt auf der anderen Seite entgegenzuwirken.</p>
<p>Trotz aller MÃ¤ngel in Organisation und Ã–ffentlichkeitsarbeit: Die Blockade war ein politisches Zeichen, wie ernst es uns ist und dass wir nicht mehr alles wortreich, aber tatenlos hinnehmen, was uns die RÃ¼stungsfanatiker vorsetzen. Das wurde deutlich. Unsere inhaltlichen Aussagen und unser Verhalten waren glaubwÃ¼rdig und wurden ernst genommen. Auch bei den Gegnern der Friedensbewegung hat sie Eindruck gemacht.</p>
<p>Auch wenn die Blockade personell nicht vom ganzen Spektrum der Friedensbewegung gleichermaÃŸen getragen wurde, so war die Aktion doch voll in die Aktionswoche integriert, die Verbindung Blockade-Menschenkette machte das augenfÃ¤llig. Vorbehalte, ja Misstrauen gegenÃ¼ber solcher Art Aktionen zivilen Ungehorsams und einigen ihrer TrÃ¤ger wurde erheblich abgebaut. Noch die Osterblockade in DÃ¼lmen-Visbeck wurde nur von sogenannten â€žunabhÃ¤ngigen&quot; Teilen der Friedensbewegung, ohne, ja gegen die â€žtraditionelle&quot; StrÃ¶mung durchgefÃ¼hrt; in ihrem Vorfeld hatte es reichlich BÃ¼ndnis-Hick-Hack gegeben. DemgegenÃ¼ber hat die MÃ¼nsteraner Friedensbewegung jetzt einen regelrechten Sprung gemacht: Verbreiterung und Intensivierung von Protest und Widerstand gehÃ¶ren nicht nur zusammen, sie passen auch zusammen. Der 17. und 18. Oktober haben das bewiesen.</p>
<p>FÃ¼r die Blockadeure selbst war die Aktion nicht zuletzt wichtig als Lernprozess: in der gemeinsamen Bearbeitung individueller Ã„ngste, im Versuch, eine politische Aktion selbstbestimmt vorzubereiten und durchzufÃ¼hren; in der Erfahrung, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben und langen Atem brauchen, um den RÃ¼stungsbetreibern tatsÃ¤chlich und wirksam in den Arm fallen zu kÃ¶nnen.</p>
<p>Trotz aller MÃ¤ngel im Einzelnen war die Blockade I. Korps ein gelungener Einstieg, der Mut macht - hoffentlich!</p>
<p>01.12.1983 Winni</p>
<p>Â </p>
<p>Â </p>
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<p>Â </p>
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