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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Meine Kunduz-Berichte IV: 2010</title>
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    <span class="xar-mod-title">Blog Rhein-Zeitung + Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Afghanistan + Presse-Link</span>

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        <h1>
            Meine Kunduz-Berichte IV: 2010         </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 6. Oktober 2013 19:37:47 +02:00 (70388 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Der 4. Teil der Kunduz-Reiseberichte: Aufbau im Schatten von Guerillakrieg und AufstandsbekÃ¤mpfung ...</p></div>
            <div>    <p><!--[if gte mso 9]><xml> 800x600 </xml><![endif]--></p>
<p align="center"><strong>Aufbau im Schatten von Guerillakrieg</strong></p>
<p align="center"><strong>und AufstandsbekÃ¤mpfung -</strong></p>
<p align="center"><strong>Dt. Afghanistan-Engagement vor dem 10. Einsatzjahr</strong></p>
<p align="center">Reisebericht von Winfried Nachtwei, MdB a.D. (12/2010)</p>
<p align="center">(Vollbericht <a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles/1027">www.nachtwei.de/index.php/articles/1027</a> )</p>
<p><em>Auf Einladung meiner ehemaligen Fraktion begleitete ich eine Delegation der grÃ¼nen Abgeordneten Claudia Roth, Dr. Frithjof Schmidt, Agnieszka Malczak und deren MitarbeiterÂ  Michael Kellner und Dr. Jens Althoff vom 22. bis 27. August 2010 nach Afghanistan. AnschlieÃŸend konnte ich vom 27.8. bis 1.9. als Einzelbesucher vertiefende Einblicke in die Arbeit deutscher Soldaten, Polizisten, Entwicklungsexperten und Diplomaten in Mazar und Kunduz gewinnen. Nach 14 AFG-Reisen als Abgeordneter und Obmann seit 2002 war es jetzt die erste Reise als Ehemaliger.</em></p>
<p><em>SchlÃ¼sselfragen bei dieser Erkundung wenige Wochen vor den Parlamentswahlen waren:</em></p>
<p>-Â Â  <em>Wie geht es (nicht) voran mit dem politischen Prozess (Wahlen, Verhandlungen mit AufstÃ¤ndischen), mit Sicherheit, Governance und Aufbau/Entwicklung und der Vorbereitung des Ãœbergabeprozesses?</em></p>
<p>-Â Â  <em>Wie setzt die Staatengemeinschaft ihr UnterstÃ¼tzungsversprechen um angesichts der Ausbreitung von Aufstand und EinschÃ¼chterung, schlechter RegierungsfÃ¼hrung und Korruption, der Eigeninteressen der BÃ¼rgerkriegsparteien, der EnttÃ¤uschung Ã¼ber die Internationalen, der AbzugsankÃ¼ndigung?</em></p>
<p>-Â Â  <em>Was tun ISAF/Bundeswehr dafÃ¼r, in den letzten Jahren an die AufstÃ¤ndischen verlorene Distrikte wieder zurÃ¼ckzugewinnen und ein einigermaÃŸen sicheres Umfeld wiederherzustellen?</em></p>
<p>-Â Â  <em>Wo gibt es noch Chancen und konstruktive Entwicklungen?</em></p>
<p>-Â Â  <em>Wie gestaltet sich das viel beschworene Zusammenwirken der deutschen Akteure (Ressorts, staatlich-nichtstaatlich), der Internationalen mit den Afghanen, der NATO-UN-EU u.a., in der Region?</em></p>
<p><em>Nichts ist einfach in Afghanistan! Der Bericht soll Material liefernÂ  zum GENAUEREN HINSEHEN, wo pauschale und militÃ¤rfixierte Wahrnehmung vorherrscht und Wunschdenken immer noch nicht Ã¼berwunden ist.</em></p>
<p><em>Der Bericht kommt drei Monate danach reichlich spÃ¤t. Sehr viele andere Verpflichtungen lieÃŸen mir zu wenig Ruhe zum Schreiben. Der Bericht ist deshalb aber nicht Ã¼berholt. Der erste Reiseteil wird auch im Bericht der Abgeordnetendelegation an den BundestagsprÃ¤sidenten beschrieben. Aus ihm konnte ich mit Genehmigung des Verfassers PassagenÂ  zu den politischen GesprÃ¤chen Ã¼bernehmen.</em></p>
<p><strong><em>Reisestationen und GesprÃ¤chspartner:</em></strong></p>
<p><em>(a) </em><em>Delegationsreise:</em></p>
<p><em> (b) Einzelreise</em></p>
<p><em>Kunduz</em></p>
<p>-Â Â  <em>PRT-Kommandeur, Ressortvertreter von AA, BMZ, BMI</em></p>
<p>-Â Â  <em>Stab Ausbildungs- und Schutzbataillon (Task Force) Kunduz, Runde mit Offizieren und Feldwebeldienstgraden</em></p>
<p>-Â Â  <em>Psychosoziales Netzwerk (MilitÃ¤rpsychologe, MilitÃ¤rpfarrer, Chef San-Zentrum, Stabsfeldwebel San-Kompanie und Schutzkompanie)</em></p>
<p>-Â Â  <em>OMLT, Besuch des neuen ANA-Camps</em></p>
<p><em>Im Unterschied zu frÃ¼heren offiziellen Reisen erlebe ich jetzt einen erheblich geringeren Power-Point-Anteil. Somit ist auch das Aufkommen an harten Informationen geringer. DafÃ¼r gibt es aber viel mehr an offenen, bilateralen und nicht-offiziellen GesprÃ¤chen, viel weniger Korsett und â€žgoldenen KÃ¤fig&quot;.</em></p>
<p>(...)</p>
<p><strong>KUNDUZ</strong></p>
<p><strong>Unterwegs</strong>: Am Samstag, 28. August Abflug nach Kunduz. Vorher treffe ich im kleinen Terminal noch eine vierkÃ¶pfige GTZ-Delegation auf dem RÃ¼ckweg nach Kabul. Bei letzten AFG-Tagungen sind wir uns z.T. in Bonn und Bad Boll begegnet.</p>
<p>Der Transall-Pilot lÃ¤dt mich ins Cockpit ein. 10.50 Uhr Start nach Westen. Unten rechts die Masse der US-Hubschrauber. Scharfe Linkskurve. Links die RiesenbauflÃ¤che der US-Erweiterung des Camp Marmal. Leichter Dunst. Um 11.00 Uhr rechts und voraus hohe BergkÃ¤mme. In ruhigem Flug schiebt sich die Transall Ã¼ber das Gebirge. 11.07 Uhr sanfte Rechtskurve. Die Besatzung blickt vermehrt auf Kartenausschnitte mit Markierungen von letzten Abschussstellen. 11.25 Uhr leichte Linkskurve. Alle Besatzungsmitglieder beobachten intensiv den Boden. 11.27 Uhr geht die Transall in den steilen Sinkflug. Unter uns die WÃ¼stensandflÃ¤che des Plateaus, rechts der Abbruchkante die grÃ¼ne Vielfalt einer Kulturlandschaft, durch die sich der Kunduz-FluÃŸ schlÃ¤ngelt. Auf Abstand ein friedliches Bild. 11.33 Uhr Landung.</p>
<p><strong>GesprÃ¤ch mit den Ressortvertretern im PRT </strong></p>
<p>Auch wenn im PRT mit 1.700 Soldaten so viele stationiert sind wie nie zuvor. Ein solches EinstiegsgesprÃ¤ch habe ich in einem PRT noch nicht erlebt. Nicht beim Kommandeur mit Anhang,Â  sondern in einer gleichberechtigt erscheinenden zivil-polizeilich-militÃ¤rischen Runde. Die Strukturverschiebung des PRT wird hier von Anfang an deutlich. (Von den drei Einsatzkompanien ist seit Aufstellung des Ausbildungs- und Schutzbataillons noch eine geblieben.)</p>
<p>Das PRT Kunduz ist zusammen mit seiner AuÃŸenstelle inÂ  Taloqan zustÃ¤ndig fÃ¼r einen Raum von 200 x 220 km mit 1,76 Mio. Einwohnern.</p>
<p><strong>Ein Schwerpunkt des AA</strong> ist die Umfeldstabilisierung in kritischen Gebieten Nord-AFG mit 35 Mio. Euro: Stabilisierungsfonds KfW/Aga Khan Stiftung 10 Mio., Intensivierung Umfeldstabilisierungprojekte der PRT/PAT Ã¼ber zivile Akteure und CIMIC 10 Mio., Rehabilitierung KrankenhÃ¤user in Kunduz und Takhar, mobile Basisgesundheitsteams 15 Mio. Hier gehe es um schnell fÃ¼hlbare Wirkungen. Das mÃ¶ge auf Kosten von Nachhaltigkeit gehen, werde aber in Kauf genommen. Diese EinschrÃ¤nkung gilt nicht fÃ¼r das umfangreiche Programm der Rehabilitierung bzw. Erweiterung von vier ProvinzkrankenhÃ¤usern (Feyza, Mazar Taloqan, Pol-e Khomri), einem Regionalkrankenhaus, vier DistriktkrankenhÃ¤usern im Norden.</p>
<p>Der Stabilisierungsfonds KfW-AKF: Die AKF bedient sich lokal vernetzter NGO`s, Schwerpunkt ist Capacity Building durch Einbindung der lokalen EntwicklungsrÃ¤te (CDC) und der Distriktverwaltungen. Beabsichtigt ist eine schnelle Steuerung der ProjektvorschlÃ¤ge Ã¼ber die verschiedenen Gremien. Projektidentifizierung und teilweise Umsetzung geschieht Ã¼ber CIMIC (Schulen, Brunnen, Kliniken). FÃ¼r grÃ¶ÃŸere Projekte und auÃŸerhalb des CIMIC-Radius ist das GTZ-Bau-Team zustÃ¤ndig.</p>
<p>Weitere Aktionsfelder der PRT sind: Kleinstprojekte mit schneller Umsetzung und hoher Sichtbarkeit (bis 25.000 Euro/MaÃŸnahme); Provincial Development Fund (Projektauswahl durch ein paritÃ¤tisch deutsch-afghanisch besetztes Gremium).</p>
<p>Auf den Feldern Governance/Rechtsstaat/Zivilgesellschaft fÃ¶rdert das AA zzt. den Bau des DistriktmanagergebÃ¤udes Chahar Darreh (zzt. unterbrochen), das ILF-A-BÃ¼ro in Kunduz (vier Strafverteidiger fÃ¼r Arme), den Bau des GerichtsgebÃ¤udes in Taloqan, AusbildungsstÃ¤tte fÃ¼r Ã–ffentlichen Dienst (ACTED, im Juli abgeschlossen), die LandwirtschaftsfakultÃ¤t in Taloqan und die dortige IngenieurfakultÃ¤t.</p>
<p>(FÃ¼r den Polizeiaufbau stehen dem AA insgesamt 35 Mio. Euro zur VerfÃ¼gung, fÃ¼r Verwaltungs- und Justizaufbau 10 Mio., fÃ¼r den internationalen Reintegrationsfonds 10 Mio.)</p>
<p>Vorbereitungen laufen fÃ¼r die Umsetzung des District Delivery Program in Chahar Darreh und Kunduz.</p>
<p><strong>Ein Stabsoffizier (CIMIC)</strong>: â€žWir sind nicht die Entwicklungshelfer in Uniform, sondern BrÃ¼cke zwischen BevÃ¶lkerung und Internationaler Gemeinschaft.&quot; CIMIC sucht Ansprechpartner auf Distriktebene, DorfÃ¤lteste, CDC`s ... Hier mÃ¼ssen die PrioritÃ¤ten festgelegt werden. Zu viele Jahre lief es top down. Die BevÃ¶lkerung interessiert nicht, was in Kunduz, erst recht nicht, was in Kabul passiert.</p>
<p>Manchmal kÃ¤me man um eine Implementierung durch`s MilitÃ¤r nicht herum. Beispiel der Nordwestdistrikt Qareh-e Sol. Nach der Befriedung durch Milizen laufe die Friedensdividende schleppend an. Es fehle an â€žschnellem Geld&quot;. Was tun, wenn ein Distrikt weder durch die Aga Khan Stiftung, noch durch`s PRT angegangen wird?</p>
<p>Schulen sind sehr wichtig. Aber was ist mit Kunduz 2020? Was mit traditionell ausgebildeten Jugendlichen, sie habe keine Perspektiven. Eine Aufbaustrategie sei nicht in Sicht. Ansatzpunkte seien die Lehrerausbildungszentren, die Ausbildung von 60-100 Kfz-Lehrlingen pro Jahr, TrockenfrÃ¼chteverarbeitung. ((ungefÃ¤hr nach Notizen))</p>
<p>Beim vorherigen Einsatz in 2008 sei ein BMZ-Vertreter kaum im PRT gewesen. Jetzt funktioniere der Comprehensive Approach im PRT einwandfrei, in Deutschland hingegen weniger.</p>
<p>Das PRT habe noch eine falsche Struktur. Es brauche einen Leiter, einen zivilen. (Das sagt ein verantwortlicher Offizier.)</p>
<p>Der Kommandeur fragt mich, wie ich heute meine AFG-Entscheidung von 2001 beurteilen wÃ¼rde.</p>
<p><strong>Die Arbeitsbedingungen der EZ</strong> haben sich in Kunduz drastisch verÃ¤ndert. Nach dem Anschlag vom Juli wurden PrivatunterkÃ¼nfte aufgegeben, zogen einige EZ`ler um in`s PRT. Die GTZ in Kunduz sei jetzt schwer gesichert, wie die USAID-Niederlassung eine regelrechte Festung. Das seit Jahren von Internationalen gern besuchte Lokal â€žLapislazuli&quot;Â  wurde vor wenigen Tagen von seinem deutschen Wirt geschlossen. Martin Gebauer vom SPIEGEL sei bei den letzten GÃ¤sten gewesen.</p>
<p>Die PrÃ¤senz der BMZ-Leute im PRT ist jetzt selbstverstÃ¤ndlich. Mit der Umstrukturierung des PRT (Reduzierung seiner militÃ¤rischen Rolle) ergab sich zugleich ein erhÃ¶hter Abstimmungsbedarf. TÃ¤glich geht es raus zu Projektbesichtigungen, zu GesprÃ¤chen etc. In der Provinz Kunduz muss die Masse der Projekte inzwischen Ã¼ber Fernsteuerung laufen. Das erschwert die QualitÃ¤tssicherung.</p>
<p>In Kunduz-Stadt soll sich der Basar in den letzten fÃ¼nf/sechs Jahren (Zeit der ISAF-PrÃ¤senz) schÃ¤tzungsweise verzehnfacht haben hinsichtlich FlÃ¤che und BeschÃ¤ftigte. Neubauten gebe es ohne Ende. Das PRT sei ein enormer Arbeitgeber. 600-800 lokale Bauarbeiter beschÃ¤ftigt das PRT. Die US-Army macht vieles selbst, beschÃ¤ftigt viel weniger Locals.</p>
<p><strong>Task Force Kunduz (â€žAusbildungs- und Schutzbataillon&quot;/ASB)</strong></p>
<p>Dieser neu aufgestellte Verband ist ErgebnisÂ  des verÃ¤nderten militÃ¤rischen Auftrags: Durch mehr dauerhaft in der FlÃ¤che operierende KrÃ¤fte sollen AufstÃ¤ndische aus den Distrikten verdrÃ¤ngt und im Partnering mit den ANSF soll deren Ausbildung und eigenstÃ¤ndige OperationsfÃ¤higkeit gefÃ¶rdert werden. Mit den bisherigen PrÃ¤senzpatrouillen vom Feldlager aus konnten ISAF/Bundeswehr nur eine sehr flÃ¼chtige PrÃ¤senz in der FlÃ¤che gewÃ¤hrleisten. Die funktionierte noch in den ersten Jahren. Mit der verstÃ¤rkt einsickernden Insurgenz war dieser Ansatz heillos Ã¼berfordert. Das Umkippen etlicher Distrikte in Kunduz konnte nicht verhindert werden.</p>
<p>Eine zweite ASB entsteht in Mazar. In den Sternen steht, woher die dritte fÃ¼r den Westteil kommen soll. Die ASB lÃ¶sen die bisherigen Infanteriekompanien der PRT und die QRF ab. Sie sind nun alle dem Kommandeur RC North unterstellt. Diese Umgliederung reduziert die militÃ¤rische Rolle des PRT-Kommandeurs.</p>
<p>Vor Ort ist nur von Task Force die Rede. Der Begriff â€žAusbildungs- und Schutzbataillon&quot; sei wohl im Hinblick auf das heimische Publikum gewÃ¤hlt worden.</p>
<p>Auftrag: Bis zum 31.8. Herstellung der vollen Einsatzbereitschaft; Fortsetzung der Operation N.N. ; Offenhalten der Line of Communication (LOC) Kamins; Halten der beiden HÃ¶hen 431 und 432, desÂ  Polizeihauptquartiers Chahar Darreh mit dem Beobachtungsposten â€žJuliette 92&quot;.</p>
<p>Nachbarn der TF sind ein Bataillon der US 10th Mountain-Division, ANP und ein ANA-Bataillon.</p>
<p>Eigene KrÃ¤fte: Die TF ist Teil des 23. Kontingents und eine Mischung von Umgliederung und Neuaufstellung. Ihre 625 Soldaten (Soll 638) verteilen sich auf zwei Kampfkompanien mit je zwei FallschirmjÃ¤gerzÃ¼gen und einem Panzergrenadierzug mit Marder (umgegliedert und verstÃ¤rkt gegenÃ¼ber den frÃ¼heren zwei Infanteriekompanien), einer Panzerpionierkompanie (Neuaufstellung), einer AufklÃ¤rungskompanie (kein Aufwuchs) und einer beweglichen SanitÃ¤tskompanie (neu).</p>
<p>OperationsfÃ¼hrung der letzten Wochen laut Auftrag: RaumaufklÃ¤rung in Chahar Darreh, insbesondere Freihalten der LOC Kamins. Eine volle Ãœberwachung des Raumes sei nicht mÃ¶glich. Im Polizeihauptquartier Chahar Darreh KompaniefÃ¼hrung mit einem Infanteriezug (viel GesprÃ¤chsaufklÃ¤rung), dort auch 15-25 Mann ANP und meist ein Zug US-Army. Dauerhaft ist nur Bundeswehr vor Ort, die Soldaten jeweils vier bis sieben Tage. Klassisches Leben im Felde Ã¼berwiegend mit EPa. (Marco Seliger ist zur selben Zeit drauÃŸen in Chahar Darreh.)</p>
<p>DurchgÃ¤ngig besetzt sind auch die beiden HÃ¶hen (15-20 Meter Ã¼ber Grund, FlÃ¤che von 50x50 Meter) von einer Kampfgruppe (halber Zug). Diese Art Stellung erinnere an den Ersten Weltkrieg. (Die Ã¤uÃŸerliche Ã„hnlichkeit kann zugleich nicht den Weltenunterschied verdecken.)</p>
<p>Inzwischen auch gemeinsame Operationen mit ANP und US-Army. Aber mit der Nachhaltigkeit der Operationen sei es noch nicht weit her. Nach einigen Stunden sind die Taliban wieder vor Ort. Die Taliban eroberten drei ANP-Checkpoints. Die US-KrÃ¤fte gehen manchmal fÃ¼r 52 Stunden in bestimmte Orte - und verschwinden dann wieder.</p>
<p>Das Gefecht am 4. August ergab sich aus der Situation: AufstÃ¤ndische griffen mit Handfeuerwaffen und RPG an und wichen in eine Ortschaft zurÃ¼ck, um in IED-Fallen zu locken. TF und ANP erlitten keinerlei AusfÃ¤lle und SchÃ¤den. Aber es sei ein Gefecht mit gezogener Handbremse gewesen. Man hÃ¤tte mehr gekonnt. Aber die FÃ¼hrung wollte nicht mehr. Meistens reagiere Bundeswehr nur. Das verhindere Ãœberlegenheit. Oder es werde ausgewichen, um keine Verluste zu riskieren.</p>
<p>Jetzt im Ramadan sind die afghanischen KrÃ¤fte maximal bis mittags einsetzbar.</p>
<p>AusrÃ¼stung und Ausstattung: Der Materialausstattungsstand der Kompanien liegt bei 80 bzw. 90%. Defizite gibt es bei der persÃ¶nlichen Schutzausstattung (z.B. Schutzbrillen). Die Fahrzeugausstattung liege an der Grenze des Vertretbaren. Der Marder kommt bei hÃ¶herem Wasserstand nicht mehr durch den Kunduz-Fluss. Ein ergÃ¤nzendes Radfahrzeug fÃ¼r Panzergrenadiere wÃ¤re angebracht. Betont wird, dass der Dingo 2 (auch Eagle IV) trotz hervorragender Schutzklasse kein Gefechtsfahrzeug, sondern ein Patrouillenfahrzeug sei. Probleme macht weiterhin der Ersatz beschÃ¤digter Fahrzeuge. Notwendig sei eine Umlaufreserve.</p>
<p>Benannt werden etliche Defizite bei FÃ¼hrungsmitteln.</p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Einzelaspekte:</span></p>
<p>-Â  Die TF Kunduz hat ihren Schwerpunkt im Distrikt Chahar Darreh westlich Kunduz. Wer kÃ¼mmert sich um die anderen Distrikte Imam Shahib und Archi im Norden, um Ali Abad, um Khalabad? Das jetzige Patt kÃ¶nne nur mit stÃ¤rkeren â€žNachbarn&quot; (ANSF, US-KrÃ¤fte) Ã¼berwunden werden.</p>
<p>-Â  Partnering: Im NÃ¤chstbereich des Feldlagers Operationen immer zusammen mit der ANP. Die Benachrichtigung erfolgt wegen des Risikos von undichten Stellen allerdings immer recht kurzfristig. Bei ANA steht das Partnering bevor. (Die QRF hat mit Partnering schon seit vier Monaten in Baghlan Erfahrung.)</p>
<p>-Â  KrÃ¤fteansatz und Obergrenze: mitgezÃ¤hlt werden auch alle UniformtrÃ¤ger, die keine Soldaten sind (Einsatzwehrverwaltung); man verfÃ¼ge Ã¼ber keine Reserven; wegen der vielen Spezialisten sei die Obergrenze schnell erreicht</p>
<p>-Â  Â Taliban: ein Hauptmann berichtet von der bei Afghanen verbreiteten Einstellung, wenn ISAF komme, kÃ¤men auch die Taliban. Diese seien sehr schnell mit Hilfeleistungen. Wenn ISAF vielleicht einmal pro Monat vorbeikomme, kÃ¤men Taliban einmal pro Woche. Sie Ã¼bernehmen schnell grundlegende Regierungsfunktionen, sorgen fÃ¼r schnelle Konfliktregelungen, drÃ¤ngen sogar Lehrer, zur Schule zu gehen. Wo ISAF nicht hinkÃ¤me, kÃ¤men auch die zivilen Helfer nicht. In diese LÃ¼cke wÃ¼rden die Taliban rein stoÃŸen. Sie wÃ¼rden somit fast â€ždie Guten&quot;. Sie beraten die Leute sogar bei AntrÃ¤gen an die Verwaltung. Damit verbessern die Taliban zugleich ihr â€žSteueraufkommen&quot;. Andererseits gehe die Taliban mit vermehrter RÃ¼cksichtslosigkeit vor. Die Leute denken nicht â€žan die Rente&quot;, sondern was sie heute in der Hand haben. FÃ¼r die BevÃ¶lkerung entscheidend, dass sie von jemandem beschÃ¼tzt und regiert werden. WÃ¤hrend die Taliban in Chahar Darreh eine Schattenregierung betreiben, gilt die ANPF als korrupt. Polizisten nehmen WegezÃ¶lle. Von der ANA ist so was nicht bekannt.</p>
<p>-Â  Ziele: Es fehle an klaren politischen Zielen. Das stelle die Sinnfrage. Trotz vieler Versprechen habe sich durch den Einsatz nichts geÃ¤ndert. Die WofÃ¼r-Frage komme auch Ã¼ber die AngehÃ¶rigen an die Soldaten ran. Man fahre hier herum. Auch die FÃ¼hrer kÃ¤men irgendwann in ErklÃ¤rungsnot, seien mit ihrem Latein am Ende.</p>
<p>-Â  Motivation: Das FSchJ Btl 313 aus Seedorf/Niedersachsen habe 2008 von seinem Einsatz in 2010 erfahren. Seit 2009 wurde konsequent darauf vorbereitet. Vor allem die unterste Ebene der Kompanie wurde so realistisch wie mÃ¶glich ausgebildet. Die Herkunft aus einem Standort schaffe ein geradezu familiÃ¤res VerhÃ¤ltnis. Die Erfahrungen der Kampfgemeinschaft schweiÃŸen zusÃ¤tzlich zusammen. Wieviele Troups in Contact (TIC, FeindberÃ¼hrungen) es in der Zeit gegeben habe, habe man schon nicht mehr mitgezÃ¤hlt.</p>
<p>-Â  Belastung und Anerkennung: Junge Kerle hÃ¤tten mehrfach im Feuergefecht gestanden, eine enorme Belastung! Sie wollen wenigstens Respekt und Anerkennung. In der RealitÃ¤t erfahren sie aber wenig Anteilnahme. Wenn aber jemand Mist gebaut hat, werde das ausgeschlachtet.</p>
<p>(Ãœber ihre frÃ¼heren EinsÃ¤tze haben â€ždie Seedorfer&quot; das Buch â€žGeneration Einsatz&quot; herausgegeben.<a name="_ftnref1" href="#_ftn1">[1]</a> Im Unterschied zur Mehrheit der sonstigen Erlebnisliteratur, wo einzelne AfghanistanrÃ¼ckkehrer sich ihre Belastungen und ihren Frust von der Seele schreiben, kommt hier die ganze Breite von Einsatzerfahrungen zur Sprache - z.B. die eines sehr wirksamen HundefÃ¼hrers. In Kunduz sitze ich ihm plÃ¶tzlich gegenÃ¼ber. Der gestandene Mann ist jetzt SpieÃŸ einer FallschirmjÃ¤gerkompanie.)</p>
<p><strong>GesprÃ¤ch beim Psychosozialen Netzwerk (PSN)</strong></p>
<p>in der â€žGottesburg&quot;, dem GebÃ¤ude der MilitÃ¤rseelsorge. Mit den rundum getÃ¼rmten Heskos erscheint sie eher als Wagenburg Gottes. Der Raum der Stille soll von 40 auf ca. 80 PlÃ¤tze erweitert werden. Er werde hÃ¤ufig genutzt. Neben dem Sonntagsgottesdienst findet wÃ¶chentlich ein BibelfrÃ¼hstÃ¼ck statt. Je ein katholischer und evangelischer Pfarrer und Pfarrhelfer arbeiten hier. Die BÃ¼cherei umfasst 400 BÃ¤nde.</p>
<p>Zum Netzwerk gehÃ¶ren der MilitÃ¤rpsychologe, der Chef des SanitÃ¤tszentrums, die MilitÃ¤rpfarrer, die sehr einsatzerfahrenen SpieÃŸe von Schutz- und San-Kompanie, Sozialarbeiter. Das Netzwerk trifft sich regelmÃ¤ÃŸig und sei eine sehr fruchtbare Runde.</p>
<p>-Â  Verglichen wird mit frÃ¼heren AfghanistaneinsÃ¤tzen. Die Belastung der Soldaten habe enorm zugenommen. 2002 war die Sicherheitslage unklar; 2006 in Kabul Erfahrungen mit erdrÃ¼ckender BÃ¼rokratie; 2007 fiel kaum ein Schuss, jeder wurde gezÃ¤hlt; seit einem Jahr habe es einen regelrechten Quantensprung gegeben, jetzt immer wieder Feuergefechte.</p>
<p>-Â  Bei der kÃ¤mpfenden Truppe sollten auf keinen Fall vier knapp fÃ¼nf Monate im Einsatz Ã¼berschritten werden. Kompanien des jetzigen ASB kamen Mitte Juni als Inf-Kompanie rein. Sie gehen raus im Januar 2011. Zusammen mit dem â€žEinsatz vor dem Einsatz&quot; mit seinen langen Abwesenheiten von der Familie sprach ein Kommandeur nicht zu Unrecht von einer einjÃ¤hrigen Einsatzdauer.</p>
<p>-Â  Ausfallende Soldaten werden nicht ersetzt, es gebe keine Personalreserve. Personell wie materiell sei der Einsatz vÃ¶llig auf Rand genÃ¤ht.</p>
<p>-Â  Ausstattung: Vor dem Einsatz wurde versprochen â€žim Einsatz ist alles fÃ¼r dich da!&quot; Das hÃ¶rt aber schon beim flexiblen GehÃ¶rschutz (hÃ¤lt nur schockartige Schallwellen ab) auf, der 150 Euro kostet. ScharfschÃ¼tzen geben vierstellige BetrÃ¤ge fÃ¼r ihre zusÃ¤tzliche Ausstattung aus. FÃ¼r Kommunikation mit der Heimat mÃ¼sse man ein Schweinegeld ausgeben. Andere LÃ¤nder hÃ¤tten das besser organisiert. Soldaten seien genÃ¼gsame Mitarbeiter, hÃ¤tten hohes PflichtgefÃ¼hl und VerstÃ¤ndnis fÃ¼r Befehl und Gehorsam. Aber ihre LoyalitÃ¤t werde ausgenutzt. Die KÃ¼ndigungen von Ã„rzten seien ein Symptom. Das sei traurig angesichts dessen, was Soldaten fÃ¼r den Staat leisten und riskieren. Trotz alledem: Die Soldaten machen zu 98% ihren Job.</p>
<p>-Â  Der Battlestress des Gefechts klinge erst mit der Zeit ab. Soldaten kommen oft erst fÃ¼nf, sechs Wochen spÃ¤ter zur Ruhe. Wie gehen Soldaten auf Dauer damit um? Nach den verlustreichen Gefechten vom April seien beteiligte Soldaten â€žum Jahre gealtert&quot;. Die eineinhalb Tage Nachbereitungsseminar seien zu wenig. Die RÃ¼ckgewÃ¶hnung an den alltÃ¤glichen Dienstbetrieb in Deutschland brauche Zeit. Nach RÃ¼ckkehr empfinden viele ein Loch, brechen ein. Das sei nicht nur das Problem von 10-20%. Besonders schwer hÃ¤tten es Mannschaftsdienstgrade, deren erster Einsatz zugleich ihr letzter sei. Es sind junge Veteranen. FÃ¼r die Bundeswehr sind die Ausgeschiedenen Zivilisten. â€žWir mÃ¼ssen die Zeitbombe angehen!&quot;</p>
<p>-Â  Viele AngehÃ¶rige empfinden den Einsatz als belastender als die Soldaten selbst. In einem eher desinteressierten bis ablehnenden gesellschaftlichen Umfeld mÃ¼ssen sie allein mit der stÃ¤ndigen Ungewissheit fertig werden. Es gab FÃ¤lle, wo Soldaten zu Hause Druck und Blockaden erlebten. Deshalb sei eine vermehrte Ã¶ffentliche WertschÃ¤tzung des Einsatzes der Soldaten so wichtig. (Viele Soldaten nennen die USA als Vorbild eines gesellschaftlichen RÃ¼ckhalts fÃ¼r die Soldaten, der angeblich auch einjÃ¤hrige Einsatzzeiten aushalten lasse. Ich halte diese Wahrnehmung fÃ¼r verkÃ¼rzt/fragwÃ¼rdig.)</p>
<p><strong>ANA-Ausbildung: OMLT beim 209. ANA Corps</strong></p>
<p>Die 1. Brigade des 209. Corps (10-12.000 Soldaten insgesamt) ist fÃ¼r die drei Provinzen im Westen zustÃ¤ndig, die 2. Brigade fÃ¼r die vier Provinzen im Osten (Badakhshan, Takhar, Kunduz, Baghlan) und die 3. fÃ¼r den zentralen Norden (u.a. Balkh). Die 2. Brigade liegt mit FÃ¼hrung, 1. (Infanterie) und 5. (UnterstÃ¼tzung)Â  Kandak (Bataillon) in Kunduz, das 2. Kandak in Feyza, das 3. in Pol-e Khumri. Das 4. Kandak (KampfunterstÃ¼tzung, Artillerie) soll 2011 aufgestellt werden.</p>
<p>In Kunduz verlegt die ANA aus ihrem bisherigen Ã¤rmlichen Zeltlager in ein neu errichtetes Camp auf dem Plateau. Auf einer FlÃ¤che von 1.000 x 1.000 Metern sollen hier bis zu 2.000 ANA-Soldaten unterkommen (einschlieÃŸlich 700 ANA Special Forces).Â  Die Kosten betragen 80-120 Mio. US-$. Die Ausstattung der ANA ist inzwischen z.T. bestens. Es hapert vor allem an der Ausbildung.</p>
<p>Auftrag der 170 Operational Mentoring Liaison Teams (OMLT) in ganz AFG ist:</p>
<p>Begleitung von Offizieren und Unteroffizieren, Ausbildung der Ausbilder, Bereitstellung militÃ¤rischer FÃ¤higkeiten fÃ¼r gemeinsame Operationen (angefangen mit Kartenmaterial), Umstellung von FÃ¤higkeiten der administrativen Organisation, Beratung und Wirken als Verbindungselement zwischen ISAF und ANA.</p>
<p>Mentoring heiÃŸt konkret Anleiten bei militÃ¤rischer Planung, UnterstÃ¼tzung beim alltÃ¤glichen Dienstbetrieb, in allen Phasen einer Operation Kernauftrag Mentoring. In Situationen, wo Operationen nicht verantwortbar erscheinen, kann ein OMLT-FÃ¼hrer fÃ¼r die eigenen KrÃ¤fte die â€žrote Karte&quot; ziehen.</p>
<p>Die OMLT werden durch die Aufstellung der ASB keineswegs Ã¼berflÃ¼ssig. Sie werden gemeinsam vom Regionalkommandeur Nord gefÃ¼hrt.</p>
<p>Die Bundeswehr stellt fÃ¼r das 2. Kandak 28 Mentoren, fÃ¼r das 5. 27, insgesamt 139 von 261 internationalen Mentoren.</p>
<p>Die 2. Brigade gilt als am weitesten fortgeschritten. Die Mentoren des Brigadestabs kommen von drei Nationen. Unterhalb der Brigade sind die OMLT`s rein national. Die Teams erfahren jeweils nur nationale Vorbereitungen und kommen zu unterschiedlichen ZeitrÃ¤umen her. Das erschwere die Arbeit. Zu Hause mÃ¼sse die Hochwertigkeit der OMLT-Arbeit betont werden.Â  Hier seien besonders Erfahrene mit Frustrationstoleranz gefragt.</p>
<p>Ausfahrt zum neuen ANA-Camp</p>
<p>Um die OMLT Ã¼berhaupt einsatzfÃ¤hig und flexibel zu halten, sind manche Regeln fÃ¼r die OMLT gelockert.</p>
<p>Westlich vom Flugplatz gehtÂ´s ohne den sonst Ã¼blichen Fahrzeugaufwand Ã¼ber eine breite Schotterpiste 3-4 Kilometer nach SÃ¼den, vorbei am alten ANA-Camp, das jetzt ein riesiger KriegsgerÃ¤teschrottplatz ist. Mit Hilfe von Bundeswehrsoldaten verstÃ¤rken ANA-Soldaten den provisorischen Haupteingang. In letzter Zeit haben Direktangriffe auf Camps zugenommen. SchrÃ¤g vom Haupteingang befindet sich eine Moschee. Innerhalb des groÃŸzÃ¼gigen Lagers liegt das extra gesicherte Camp fÃ¼r Embedded Training Teams. Die Bundeswehr ist hier nicht dabei, sondern weiter auf Distanz im PRT. In Mazar sind die deutschen OMLT-Soldaten hingegen direkt bei der ANA stationiert.</p>
<p>Der Rundgang fÃ¼hrt von einer herzlichen Begegnung zur nÃ¤chsten. Erste Station der Brigadekommandeur (Noch-)Oberst Fazel, der vorzÃ¼glich Deutsch spricht. Vor zwei Monaten kehrte er vom Generalstabslehrgang International an der FÃ¼hrungsakademie in Hamburg zurÃ¼ck. Vorher war er Kommandeur der wesentlich von Deutschland aufgebauten ANA-Logistikschule in Kabul. Wir stellen fest, dass wir uns dort im Sommer 2008 beim Besuch von AuÃŸenminister Steinmeier begegnet sind. Auf seinem Computer holt er schnell ein Foto herbei: Es zeigt General Karimi (damals Chef des Stabes) und mich demonstrativ vor einer prÃ¤chtigen Sonnenblume.</p>
<p>Der OMLT-Chef Ã¼berbringt dem Kommandeur Karten. Beim allmorgendlichen Briefing sind die Mentoren immer dabei. Der Kommandeur und sein Umfeld machen einen gut organisierten, sehr professionellen Eindruck.</p>
<p>Die zweite Station ist das Haupttor. Kurzes GesprÃ¤ch mit dem Chef der ANA-Sicherungskompanie: Er sei auf die deutschen Soldaten sehr stolz, sie wÃ¼rden die ANA in allen Bereichen unterstÃ¼tzen. â€žWir freuen uns, dass die deutschen Kameraden die afghanischen Frauen und Kultur respektieren. Wir vergessen nie, dass die deutschen Soldaten ihre Familien verlassen haben.&quot; Ich verspreche, dass in Deutschland weiterzuerzÃ¤hlen. Das tue ich hiermit.</p>
<p>Die dritte Station ist der San-Bereich mit 13 Betten und einer kleinen, unstrukturiertenÂ  Apotheke, geleitet von Hauptmann Zahir, einem Hazara. FÃ¼r 2.000 Soldaten stehen kÃ¼nftig drei Ã„rzte zur VerfÃ¼gung. Hier werden in erster Linie Schmerzmittel verabreicht. Behandelt werden nur leichte FÃ¤lle. Schwerere FÃ¤lle werden zum PRT oder ins Hospital Kunduz und Mazar weitergeleitet. Mentor ist ein deutscher Oberleutnant. Der Chef Ã¼ber ihn: â€žOhne seine Hilfe wÃ¤ren wir aufgeschmissen. Wir lieben ihn.&quot; Ich kann zu dieser eskalierenden Freundlichkeit nicht schweigen. â€žWenn ich eine Krankheit oder Verletzung hÃ¤tte, wÃ¼rde ich mich von Ihnen mit vollem Vertrauen behandeln lassen!&quot;</p>
<p>Zur selben Zeit besucht Minister zu Guttenberg fÃ¼r eine Stunde das PRT Kunduz und spricht eine halbe Stunde mit Soldaten. BundestagsprÃ¤sident Lammert landet nur fÃ¼r eine Viertelstunde und fliegt weiter nach Kabul.</p>
<p><strong>Zufallsbegegnung</strong> im PRT Kunduz mit Marco Seliger, Chefredakteur von LOYAL, der Zeitschrift des Reservistenverbandes. Er war einige Tage drauÃŸen in Chahar Darreh. Einige DÃ¶rfer in Chahar Darreh seien voll vermint. In einer Gegend befÃ¤nden sich ca. 200 AufstÃ¤ndische, pro Dorf einige Dutzend. Das VerhÃ¤ltnis zwischen lokalen und auswÃ¤rtigen KÃ¤mpfern liege bei 1:1. Jetzt werde nur das Patt gehalten. Man taste sich ab und zu ab. Weitere <strong>Zufallsbegegnung</strong> im Atrium von Camp Marmal: Oberst Frank S. Er hatte als Hauptmann im MÃ¤rz 2005 eine grÃ¼ne Delegation (MdB`s Krista Sager, Marianne Tritz, ich und Andreas KÃ¶rner) zu den kritischen Punkten in Prizren gefÃ¼hrt - ein Jahr nach den MÃ¤rzunruhen. Jetzt ist er Senior Mentor beim 209th ANA Corps. Es sei seine bisher grÃ¶ÃŸte Herausforderung.</p>
<p><strong>GesprÃ¤chsfetzen</strong></p>
<p>Ein Stabsoffizier: Verderblich sei der Einfluss des Wahabismus und saudischer Gelder. In Taloqan wird zzt. eine groÃŸe Moschee gebaut.</p>
<p>- Der Einfluss der Mullahs sei schlimm. Bei einer Versammlung des Gouverneur von Kunduz mit ca. 200 Ã„ltesten und anderen FunktionstrÃ¤gern nach der Friedens-Jirga habe ein Mullah gepredigt: Alle Ãœbel kÃ¤men daher, dass nicht mehr gesteinigt, HÃ¤nde abgehackt werden dÃ¼rften. Es habe keinen Widerspruch gegeben. Auch bei den ca. 30 Frauen gab es nur ein leichtes Zucken. Ansonsten wurde einhellig auf die Regierung, ISAF und vor allem auf die USA geschimpft. Diese haben ein riesiges GlaubwÃ¼rdigkeitsproblem: Keiner glaube ihnen, dass sie helfen wollen. Sehr verbreitet sei die Sicht, dass sie bleiben wollen und andere Ziele verfolgen. Auch kursieren GerÃ¼chte, dass hochrangige TalibanfÃ¼hrer ins ISAF-HQ kÃ¤men, dass Taliban von Hubschraubern abgesetzt wÃ¼rden.</p>
<p>- Ãœbergabe an wen?Â  Ausbildung von SicherheitskrÃ¤ften - fÃ¼r welche Partikularinteressen?</p>
<p>- Der ganze AFG-Einsatz sei der Versuch, ein leckes Boot mit der Konservendose vor dem Kentern zu bewahren.</p>
<p>MilitÃ¤rischer und ziviler PRT-Leiter schÃ¤tzen das Erreichbare recht unterschiedlich ein. Â Ein Stabsoffizier: Man kÃ¶nne nur schaffen, dass von hier keine Bedrohung mehr ausgehe. Alles andere nicht.</p>
<p><strong>Unterwegs</strong></p>
<p>Vor dem RÃ¼ckflug nach Mazar noch zu den StandplÃ¤tzen fÃ¼r schweres GerÃ¤t: die zweite Panzerhaubitze, mehrere der inzwischen sieben Marder. Tarnnetze â€žsenken&quot; die Temperatur im Innenraum beim Tageseinsatz um 10Â° auf noch immer &gt; 60Â°. Ganze fÃ¼nf US-Hubschrauber zur medizinischen Evakuierung. Sie fliegen sogar ins Gefecht. Diese neue FÃ¤higkeit schafft fÃ¼r Bundeswehr im Norden ganz andere OperationsmÃ¶glichkeiten.</p>
<p>Von der Haltestelle â€žLummerland&quot; geht`s im offenen Mungo mit einem anderen rÃ¼ckreisenden Soldaten die kurze Strecke zum Flugplatz. Mit der Transall kommen ca. 20 deutsche Soldaten. Mit ihrer unÃ¼blichen persÃ¶nlichen Ausstattung und besonders drahtigen Gestalten kommen sie mir ziemlich â€žspezial&quot; vor. Ich spreche einen an.</p>
<p>Nach dem Start mit ISAF 62 wird deutlich, was sich inzwischen auf dem Plateau getan hat. Ca. fÃ¼nf neue Lager sind hier fÃ¼r ANA, ANP, US-KrÃ¤fte gebaut worden. Hier sind die aktuellen Anstrengungen plastisch zu sehen.</p>
<p><strong>Neuere Entwicklung in Kunduz</strong></p>
<p>Am 31. Oktober begann im SÃ¼dteil von Chahar Darreh mit der Operation â€žHalmazag&quot; von ISAF und ANSF (ca. 500 Soldaten) die schon lÃ¤nger angekÃ¼ndigte Offensive gegen Taliban in Qatliam und Isa Khel. Nach mehrtÃ¤gigen Gefechten, in denen auch die Panzerhaubitze und US-Kampfflugzeuge zum Einsatz kamen, zogen sich die AufstÃ¤ndischen nach Imam Shahib im Norden und nach Baghlan im SÃ¼den zurÃ¼ck. Die Bundeswehr errichtet einen neuen AuÃŸenposten zwischen den beiden Ortschaften. Eine in den DÃ¶rfern rekrutierte Dorfmiliz soll die Orte kontrollieren. Schnelle AufbaumaÃŸnahmen wurden vereinbart. (FAZ 15.11.2010)</p>
<p>Eine weitere Operation lief zwischen Weihnachten und Neujahr um die Ortschaft Gor Tapa im Nordteil von Chahar Darreh. Der Raum von Gor Tapa war seit Jahren unter Kontrolle von Taliban und auslÃ¤ndischen KÃ¤mpfern der Islamischen Bewegung Usbekistans (IBU).</p>
<p>Auch hier bleiben ISAF und ANSF prÃ¤sent.</p>
<p>Am 15. Januar 2011 wird gemeldet: Die seit FrÃ¼hjahr 2010 von den Taliban erzwungene Abschaltung des Mobilfunknetzes zwischen AbenddÃ¤mmerung und Tagesanbruch sei rÃ¼ckgÃ¤ngig gemacht.</p>
<p>Â </p>
<p align="center"><strong>Erste, aber flackernde Lichtblicke seit Jahren -</strong></p>
<p align="center"><strong>Kurzbesuch in Mazar-e Sharif und Kunduz</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (Juli 2011)</p>
<p align="center">(Vollbericht <a href="http://www.nachtwei.de/index.php/articles1067">www.nachtwei.de/index.php/articles1067</a> )</p>
<p>Â </p>
<hr size="1" />
<p><a name="_ftn1" href="#_ftnref1">[1]</a> Sascha Brinkmann/Joachim Hoppe (Hrg.): Generation Einsatz - FallschirmjÃ¤ger berichten ihre Erfahrungen aus Afghanistan, Berlin 2010, Ã¼ber EinsÃ¤tze von 2002 bis 2007</p>
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