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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Kurs halten unter schweren Bedingungen: Bilanz und Perspektiven grÃ¼ner Sicherheits- und Friedenspolitik</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Presse-Link</span>

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            Kurs halten unter schweren Bedingungen: Bilanz und Perspektiven grÃ¼ner Sicherheits- und Friedenspolitik         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 19. Juni 2002 08:52:35 +02:00 (92062 Aufrufe)            </div>
            <div>    In der Ausgabe 2-2002 der S+F, Fachzeitschrift fÃ¼r Friedensforschung und Sicherheitspolitik, herausgegeben vom Institut fÃ¼r Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der UniversitÃ¤t Hamburg, erschien folgender Beitrag von Winfried Nachtwei:</div>
            <div>    <h2 align="center">Kurs halten unter schweren Bedingungen:<br />Bilanz und Perspektiven grÃ¼ner Sicherheits- und Friedenspolitik</h2><p>Winfried Nachtwei, MdB</p><p>â€žDeutsche AuÃŸenpolitik ist Friedenspolitik&quot; behaupteten SPD und BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen im Oktober 1998 in ihrer Koalitionsvereinbarung voller friedenspolitischer Selbstgewissheit. Sie versprachen, â€žsich mit aller Kraft um die Entwicklung und Anwendung von wirksamen Strategien und Instrumenten der KrisenprÃ¤vention und der friedlichen Konfliktregelung zu bemÃ¼hen&quot; und dafÃ¼r eine Infrastruktur aufzubauen.</p><p>Vier Jahre spÃ¤ter kann man festhalten, dass sich Deutschland unter Rot-GrÃ¼n in der Tat zu einem international anerkannten und vielfach treibenden Friedensakteur entwickelt hat. Wenn es darum ging, HandlungsspielrÃ¤ume friedensfÃ¶rderlich zu nutzen, hat der grÃ¼ne Faktor sicher eine weit Ã¼ber die 6,7% hinausragende Rolle gespielt. Doch wÃ¤hrend im Ausland die Leistungen der deutschen AuÃŸen- und Friedenspolitik positiv gewÃ¼rdigt werden, scheiden sich daran in Deutschland die Geister. Unter Rot-GrÃ¼n beteiligte sich das demokratische Deutschland erstmalig an zwei KriegseinsÃ¤tzen. Die AuslandseinsÃ¤tze der Bundeswehr wuchsen in Dimensionen, wie sie 1998 kaum jemand fÃ¼r mÃ¶glich gehalten hÃ¤tte.</p><p>Kein Wunder, dass gerade bei Friedensbewegten, bei Teilen der Friedensforschung und der rot-grÃ¼nen AnhÃ¤ngerschaft die EnttÃ¤uschung tief sitzt und die Urteile hart sind. Rot-GrÃ¼n habe die Kultur der militÃ¤rischen ZurÃ¼ckhaltung aufgegeben und das MilitÃ¤r zum normalen Instrument deutscher AuÃŸenpolitik gemacht, ja Rot-GrÃ¼n treibe vor allem Kriegspolitik im machtpolitischen Interesse.</p><p>Vor allem den GrÃ¼nen hÃ¤ngt dabei der Vorwurf an, ihre pazifistischen Prinzipien verraten zu haben.</p><p>Auf der anderen Seite wirft die bÃ¼rgerliche Opposition Rot-GrÃ¼n vor, die Bundeswehr kaputt zu sparen und damit die internationale Position der Bundesrepublik, ja ihre Sicherheit zu gefÃ¤hrden.</p><p>Jenseits dieser Pole lautstarker Kritik findet rot-grÃ¼ne AuÃŸen- und Sicherheitspolitik zugleich breite Zustimmung Ã¼ber Parteigrenzen hinweg. Ihr wird zugute gehalten, in verantwortlicher Weise und als verlÃ¤sslicher Partner zur internationalen Sicherheit beizutragen. Die Spitzen-PopularitÃ¤tswerte fÃ¼r Joschka Fischer sind dafÃ¼r ein Indikator. </p><p>Die folgenden AusfÃ¼hrungen sind unvollstÃ¤ndig. Sie konzentrieren sich auf die Fallbeispiele Balkan und Terrorismus/Afghanistan sowie den Aufbau sicherheits- und friedenspolitischer FÃ¤higkeiten (KrisenprÃ¤vention und Bundeswehrreform).</p><h5>BÃ¼hnenwechsel</h5><p>Beide Koalitionsparteien waren unzureichend auf die auÃŸen- und sicherheitspolitische Regierungsverantwortung vorbereitet. Vor allem in der MilitÃ¤rfrage bestand keine Klarheit und Einigkeit in und zwischen den beiden Parteien. Die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen hatten im Kontext der Balkankriege und in einem schmerzhaften Erfahrungs- und Lernprozess wohl schrittweise ihre Haltung zu Gewaltfreiheit und MilitÃ¤r geÃ¤ndert, so dass die Bundestagsfraktion erstmalig am 19. Juni 1998 einem Auslandseinsatz der Bundeswehr (SFOR) zustimmte. In ihrem Wahlprogramm hatten sie aber noch wenig RÃ¼cksicht auf die RealitÃ¤ten von Regierungsverantwortung genommen. </p><p>Damit waren ab Koalitionsbeginn abrupte politische Schwenks einerseits und tiefe EnttÃ¤uschungen andererseits regelrecht vorprogrammiert. </p><p>Schon die Koalitionsvereinbarung verlangte Bekenntnisse zur NATO, zur Werte- und Interessengemeinschaft mit den USA und zur Bundeswehr, die der Einstellung vieler GrÃ¼ner zuwiderliefen. Sehr schnell bekamen die RegierungsgrÃ¼nen zu spÃ¼ren, dass der Wechsel von der Opposition in die Regierung nicht ein Rollen-, sondern ein kompletter BÃ¼hnenwechsel war: </p><p>Der â€žSpielplan&quot; ist zu erheblichen Teilen fremdbestimmt;</p><p>deutsche AuÃŸenpolitik agiert immer im multilateralen Kontext, nie im Alleingang;</p><p>die internationalen Erwartungen (und BefÃ¼rchtungen) gegenÃ¼ber der deutschen Rolle und Verantwortung sind ganz andere als vor zehn Jahren;</p><p>Regierende kÃ¶nnen sich nicht mehr mit der Kritik begangener Fehler und der Forderung des WÃ¼nschenswerten begnÃ¼gen, sondern sind im Hier und Jetzt unter gegebenen Bedingungen und angesichts realer Handlungsalternativen gefordert - in Verantwortung fÃ¼r die Konsequenzen des eigenen Tuns oder Unterlassens. Vor allem bei internationalen Krisen waren Entscheidungssituationen unausweichlich, standen keine langen BÃ¤nke und Kommissionen zur VerfÃ¼gung. </p><p>Diese unterschiedlichen Handlungsbedingungen von Regierung, Opposition und sozialen Bewegungen wurden von Rot-GrÃ¼n zu wenig verstÃ¤ndlich gemacht und von Kritikern - vor allem Friedensbewegten - kaum wahrgenommen. Dementsprechend oft reden RegierungsgrÃ¼ne und Friedensbewegte mit falschen Erwartungen aneinander vorbei.</p><h5>Grundorientierungen</h5><p>Krieg ist und bleibt eine GeiÃŸel der Menschheit. KriegsverhÃ¼tung, die Ãœberwindung der Institution des Krieges und FriedensfÃ¶rderung bleiben Kern grÃ¼ner AuÃŸen- und Sicherheitspolitik. </p><p>Angesichts der Dominanz innerstaatlicher Kriege, des Anwachsens privater Gewalt in schwachen und zerfallenden Staaten und des Leidens der ZivilbevÃ¶lkerung dabei stellt sich die Frage, was die Internationale Gemeinschaft gegen diese realen bzw. akut drohenden Kriege und Massenvertreibungen bis zum VÃ¶lkermord, gegen Gewaltakteure tun kann und muss. Sarajevo, Srebrenica, Ruanda und der andauernde Krieg im Kongo sind Extrembeispiele fÃ¼r die HandlungsschwÃ¤che der Staatengemeinschaft gegenÃ¼ber der Herausforderung, akute Kriegsgewalt einzudÃ¤mmen und zu beenden.</p><p>Gewaltfreiheit ist ein Grundwert der GrÃ¼nen. Er muss in Regierungsverantwortung aber anders buchstabiert werden. Wer fÃ¼r den Schutz der eigenen BevÃ¶lkerung und fÃ¼r das staatliche Gewaltmonopol verantwortlich ist, kann nicht gleichzeitig prinzipielle Gewaltfreiheit praktizieren. In Regierungsverantwortung muss es darum gehen, durch GewaltverhÃ¼tung und GewalteindÃ¤mmung mehr Gewaltfreiheit zu schaffen und dabei die Mittel des rechtsstaatlichen Gewaltmonopols nur begrenzt und verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig einzusetzen.</p><p>MilitÃ¤rkritik bleibt berechtigt und notwendig. Krieg und MilitÃ¤r lÃ¶sen keine Konflikte. Einsatz von militÃ¤rischer Gewalt bleibt ein Ãœbel und tÃ¼ckisches Mittel. AufrÃ¼stung fÃ¶rdert AufrÃ¼stung und frisst Ressourcen, die  einer menschlichen Entwicklung fehlen. MilitÃ¤r wurde und wird meistens im Kontext von Machtinteressen eingesetzt. Zugleich vollzog sich in den letzten Jahrzehnten ein teilweiser Funktionswandel von MilitÃ¤r: Im Rahmen des VN-Systems und kollektiver Sicherheitssysteme entwickelte sich eine ganze Spannweite von MilitÃ¤reinsÃ¤tzen und -aktivitÃ¤ten- von der Katastrophenhilfe Ã¼ber die Mitwirkung bei RÃ¼stungskontrolle und AbrÃ¼stung sowie Dialog und Kooperation bis zu EinsÃ¤tzen zur Friedenssicherung und ZwangsmaÃŸnahmen gegenÃ¼ber Bedrohungen der internationalen Sicherheit und des Weltfriedens. Solche multinationalen und begrenzten MilitÃ¤reinsÃ¤tze haben einen zunehmend polizeilichen und gewalteindÃ¤mmenden Charakter. Sie unterscheiden sich grundlegend von den Schlachten des Zweiten Weltkrieges oder imperialistischen EroberungsfeldzÃ¼gen. </p><p>Die Haltung der GrÃ¼nen zu Krieg, Gewaltfreiheit und MilitÃ¤r differenzierte sich in Reaktion auf die aktuellen politischen Konflikte und fand seinen Niederschlag im Grundsatzprogramm von 2002. </p><h5>Herausforderung Balkan</h5><p>Als Rot-GrÃ¼n â€žan die Macht&quot; kam, war die Konflikteskalation im Kosovo schon weit fortgeschritten. Ausschlaggebendes Motiv der Koalition war, im Kosovo ein â€žzweites Bosnien&quot; zu verhindern. Deutsches DrÃ¤ngen auf eine VerhandlungslÃ¶sung blieb letztlich erfolglos. In dem Dilemma von Wertekonflikt und vÃ¶lkerrechtlicher RegelungslÃ¼cke trug Rot-GrÃ¼n die Luftangriffe auf die Bundesrepublik Jugoslawien mit. Es war dann AuÃŸenminister Fischer, der wÃ¤hrend der NATO-Luftangriffe einen Friedensplan entwickelte, bei dem Russland und die Vereinten Nationen wieder â€žins Spiel&quot; kamen und der zur Beendigung des Krieges knapp vor einer umfassenden Eskalation beitrug.</p><p>Bis heute ist der Tabubruch der ersten bundesdeutschen Kriegsbeteiligung umstritten.  </p><p>Eine Ã¶ffentliche selbstkritische Aufarbeitung des Kosovo-Krieges, seiner Wirkungen, Kosten und Opfer wurde wohl von einzelnen Koalitionspolitikern gefordert und betrieben, von der eigenen Regierung aber weitgehend gemieden.</p><p>Nichtsdestoweniger wurden entscheidende Konsequenzen aus dem gezogen, was fÃ¼r uns kein PrÃ¤zedenzfall sondern abschreckendes Beispiel war.</p><p>Die EuropÃ¤ische Sicherheits- und Verteidigungspolitik bekam einen starken Schub - anfÃ¤nglich mit einer kurzsichtigen militÃ¤rischen Schlagseite, dann aber auch durch neue Mechanismen nichtmilitÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung. </p><p>Was die GrÃ¼nen vor Jahren im Bundestag erfolglos gefordert hatten, wurde jetzt umgesetzt. </p><p>Die Bundesrepublik wurde zum Vorreiter des Balkan-StabilitÃ¤tspaktes, mit dem die Staatengemeinschaft erstmalig fÃ¼r eine ganze Krisenregion ein umfassendes und kooperatives Stabilisierungsprogramm auflegte. Endlich wurde die demokratische Opposition in Serbien massiv unterstÃ¼tzt. Diese â€žzivile Intervention&quot; trug zur friedlichen Oktoberrevolution in Belgrad bei.</p><p>In Montenegro, SÃ¼dostserbien, Mazedonien drohten erneute Gewalteskalationen mit verheerenden Auswirkungen. Die Bundesrepublik war maÃŸgeblich an den BemÃ¼hungen der Staatengemeinschaft beteiligt, diese Kriegsgefahren unter Kontrolle zu halten. </p><p>In konzertierter Aktion zwischen EU, KFOR/NATO und neuer serbischer FÃ¼hrung gelang das im Presevotal. Die Ã–ffentlichkeit nahm diesen Erfolg kaum zur Kenntnis. </p><p>Als in Mazedonien albanisch-stÃ¤mmige Extremisten die Gefahr eines BÃ¼rgerkrieges heraufbeschworen, griff die Staatengemeinschaft unter FederfÃ¼hrung der EU so frÃ¼h, kohÃ¤rent und konsequent ein wie bei keiner Balkankrise zuvor. Mit massiven positiven Angeboten und Druck wurden die Konfliktparteien zu einer politischen KonfliktlÃ¶sung gedrÃ¤ngt. Die - anfangs umstrittene - NATO-Truppe unterstÃ¼tzte die politische Deeskalation durch Entwaffnungshilfe und den Schutz internationaler Beobachter. Der Frieden ist in Mazedonien noch lÃ¤ngst nicht gewonnen, der Konflikt bleibt noch gewalttrÃ¤chtig. Aber ohne die politische Intervention der Staatengemeinschaft wÃ¤re Mazedonien schon seit einem Jahr im BÃ¼rgerkrieg explodiert, wÃ¤re der ganze Balkan ins Rutschen gekommen. Das ist ein enormer, wenn auch unsichtbarer Erfolg europÃ¤ischer Sicherheits- und Friedenspolitik. </p><h5>Herausforderung internationaler Terrorismus</h5><p>Mit den Terrorangriffen vom 11. September war Rot-GrÃ¼n erstmalig akut mit der staatlichen Grundverantwortung fÃ¼r den Schutz der eigenen BevÃ¶lkerung, den Schutz der internationalen Sicherheit und den Schutz der offenen Gesellschaft konfrontiert. </p><p>Die bisher eher verdrÃ¤ngte Gefahr eines massenmÃ¶rderischen Terrorismus war nun unÃ¼bersehbar. BefÃ¼rchtet werden musste eine Fortsetzung, ja Steigerung der Terrorbedrohung - vor allem im Hinblick auf den drohenden Zugriff hochorganisierter und opferbereiter Terrornetzwerke auf Massenvernichtungswaffen.</p><p>FÃ¼r Rot-GrÃ¼n gehÃ¶rten von Anfang an direkte TÃ¤terverfolgung, Gefahrenabwehr und lÃ¤ngerfristige UrsachenbekÃ¤mpfung untrennbar zusammen. Erforderlich war das ganze Spektrum an diplomatischen, polizeilichen, geheimdienstlichen, finanz-, entwicklungs- und kulturpolitischen etc. MaÃŸnahmen. Klar war, dass das Problem des transnationalen Terrorismus nicht militÃ¤risch gelÃ¶st, aber auch nicht ohne MilitÃ¤r eingedÃ¤mmt werden kann.</p><p>Zu offenkundig war die SchlÃ¼sselrolle Afghanistans als Ausbildungs- und RÃ¼ckzugsgebiet des transnationalen Terrorismus und die Verquickung von Taliban-Regime und Al Qaida. In dieses hochmilitarisierte Umfeld polizeiliche SpezialkrÃ¤fte zu schicken, wÃ¤re vÃ¶llig aussichts- und verantwortungslos gewesen. </p><p>Der Bundeskanzler setzte das Wort von der â€žuneingeschrÃ¤nkten SolidaritÃ¤t&quot;. Das klang wie â€žbedingungslose SolidaritÃ¤t&quot; und stieÃŸ zu Recht auf Ablehnung. Das groÃŸe Wort verdeckte die andere RealitÃ¤t. Die Bundesrepublik beteiligte sich an der BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus von Anfang an mit selbstbewusster SolidaritÃ¤t: primÃ¤r politisch, unbedingt multilateral, begrenzt auch militÃ¤risch. </p><p>Die Masse der militÃ¤rischen BeitrÃ¤ge sind UnterstÃ¼tzungsleistungen (Transport, ABC-Schutz, SeeraumÃ¼berwachung). Bis zu hundert Spezialsoldaten sind an der direkten BekÃ¤mpfung von Al Qaida beteiligt. Der Bundestag hat dazu eindeutig klargestellt, dass die militÃ¤rische BekÃ¤mpfung dieses Terrornetzwerkes und seiner UnterstÃ¼tzer an die Regeln des (Kriegs-)VÃ¶l-kerrechts gebunden ist. </p><p>Seit September 2001 ist Deutschland fÃ¼hrend an der an der Stabilisierung Afghanistans nach 23 Jahren Kriegschaos beteiligt. Nicht von ungefÃ¤hr fanden zentrale Afghanistan-Konferenz (Petersberg, HumanitÃ¤re Hilfe, FÃ¶rderung der Zivilgesellschaft, Polizeiaufbau) in Deutschland statt. Die Bundeswehr stellt ca. 20% der internationalen Schutztruppe ISAF in Kabul und hat seit MÃ¤rz 2002 die operative FÃ¼hrung der multinationalen Brigade. In Kabul und Umgebung bewirkte ISAF bisher ein relativ sicheres Umfeld fÃ¼r Hilfe, Wiederaufbau, Regierung und Ã¶ffentliches Leben.</p><p>Ende 2001 drohte in Afghanistan eine riesige humanitÃ¤re Katastrophe. Diese konnte die Internationale Gemeinschaft in konzertierter Aktion abwenden. Der Umfang der FlÃ¼chtlingsrÃ¼ckkehr Ã¼bertrifft alle Erwartungen. </p><p>Die Schwerpunkte des deutschen Engagements liegen in der HumanitÃ¤ren Hilfe, im MinenrÃ¤umen, in der Basisgesundheitsversorgung, im Schul- und Bildungswesen, in der FrauenfÃ¶rderung, der FÃ¶rderung von Zivilgesellschaft und Rechtsstaatlichkeit. Die Gesellschaft fÃ¼r Technische Zusammenarbeit organisierte die Logistik der GroÃŸen Ratsversammlung. </p><p>Angesichts der vielen tausend Bewaffneten, der grassierenden FraktionskÃ¤mpfe und KriminalitÃ¤t und der UnmÃ¶glichkeit einer flÃ¤chendeckenden ISAF-Stationierung ist der Aufbau afghanischer Sicherheitsstrukturen von strategischer Bedeutung fÃ¼r die Befriedung des Landes. Die Bundesrepublik hat die FÃ¼hrungsverantwortung beim Aufbau der afghanischen Polizei Ã¼bernommen. </p><p>Die BefÃ¼rchtung vom November 2001, die Bundesrepublik beteilige sich an einem â€žKrieg gegen Afghanistan&quot; und gerate in ein afghanisch-amerikanisches Kriegsabenteuer, hat sich nicht bewahrheitet. Deutschland unterstÃ¼tzt vor allem KriegseindÃ¤mmung und nation building in Afghanistan.</p><p>Ausschlaggebend fÃ¼r das deutsche Engagement auf dem Balkan, in Afghanistan und am Horn von Afrika sind nicht machtpolitische oder gar imperialistische Interessen, wie es PDS oder Teile der Friedensbewegung unterstellen. MaÃŸgeblich ist vielmehr das deutsche Sicherheitsinteresse an multilateraler KrisenprÃ¤vention, KriegsverhÃ¼tung und Stabilisierung auf dem Balkan und an einer wirksamen BekÃ¤mpfung des transnationalen Terrorismus, seiner RÃ¼ckzugsrÃ¤ume und NÃ¤hrbÃ¶den.</p><p>Dabei reduziert sich das deutsche Engagement keineswegs auf reaktive MilitÃ¤reinsÃ¤tze, wie es in einer militÃ¤rfixierten Ã–ffentlichkeit, aber auch bei genauso militÃ¤rfixierten linken Kritikern den Anschein hat. Es ist vorrangig politisch und auf umfassende und vorbeugende Sicherheit orientiert. Die FÃ¶rderung von Zivilgesellschaft und legitimer Staatlichkeit gegenÃ¼ber privater Gewalt hat einen immer hÃ¶heren Stellenwert. Bei Friedensmissionen haben die zivilen Komponenten ein immer stÃ¤rkeres Gewicht. </p><p>Zugleich wÃ¤chst die Kluft zwischen dem deutschen und europÃ¤ischen Ansatz der primÃ¤r politischen TerrorismusbekÃ¤mpfung und dem der USA. Die Bush-Regierung instrumentalisiert den Kampf gegen den Terror zusehends fÃ¼r innenpolitische und Hegemonialinteressen. Sie betreibt ihn in erster Linie militÃ¤risch, unilateral und mit einem Kooperationsmuster, wo sich willige â€žJuniorpartner&quot; wie Speichen um die â€žRadnabe&quot; USA gruppieren. Ihr â€žKrieg gegen den Terror&quot; Ã¼berschreitet bisherige Grenzen und droht, zu einem globalen Dauerkrieg zu werden.</p><h5>Strukturelle KrisenprÃ¤vention</h5><p>KrisenprÃ¤vention hat eine langfristig-strukturelle und eine kurzfristigere operative Dimension. Aktuelle Berichte der Bundesregierung Ã¼ber ihre Menschenrechtspolitik (Juni 2002, BT-Drs.14/9323), zum Stand der BemÃ¼hungen um AbrÃ¼stung ...(April 2002, BT-Drs.14/8941), zur AuswÃ¤rtigen Kulturpolitik (Juli 2002, BT-Drs.14/9760), zur Entwicklungspolitik (2001, BT-Drs.14/6496) und vor allem der erstmalige Bericht zur Zusammenarbeit der Bundesrepublik Deutschland mit den Vereinten Nationen (Juni 2002, BT-Drs.14/9466) geben dazu einen umfassenden und detaillierten Ãœberblick. </p><p>Im Sinne der langfristigen KrisenprÃ¤vention engagiert sich Rot-GrÃ¼n besonders fÃ¼r </p><ul><li>- die europÃ¤ische Integration und Erweiterung als das zentrale Friedensprojekt auf dem frÃ¼heren â€žKontinent der Kriege&quot;, </li><li>- den Aufbau des Internationalen Strafgerichtshofes (Verabschiedung des deutschen VÃ¶lkerstrafgesetzbuches) als zentrale SÃ¤ule einer globalen Rechtsordnung und die umfangreiche UnterstÃ¼tzung der Internationalen StrafgerichtshÃ¶fe fÃ¼r Ex-Jugoslawien und Ruanda;</li><li>- die StÃ¤rkung der Menschenrechte (Aufwertung des Unterausschusses Menschenrechte und HumanitÃ¤re Hilfe zum Vollausschuss des Bundestages, GrÃ¼ndung eines Menschenrechtsinstitutes, Anerkennung nichtstaatlicher und geschlechtsspezifischer Verfolgung im neuen Zuwanderungsgesetz),</li><li>- die StÃ¤rkung der Vereinten Nationen und der OSZE (Reform der VN-Missionen, stand-by-Abkommen, Initiative zur Effektivierung des Sanktionsinstrumentariums, Ausbau Bonns als VN-Stadt);</li><li>- den internationalen Klima- und Ressourcenschutzes (z.B. Internationale Wasserkonferenz in Bonn). Wo der Zugang zum Ã–l und anderen Ressourcen eine hÃ¤ufige Konflikt- und Kriegsursache ist, da ist die unter Rot-GrÃ¼n begonnene Energiewende hin zu den erneuerbaren Energien strategische Friedenspolitik par excellence!</li><li>- Die Aufwertung der Entwicklungspolitik, die erstmals als politische Querschnittaufgabe verankert wurde (Kompetenzerweiterung des BMZ, Mitgliedschaft im Bundessicherheitsrat, entwicklungspolitische RegelprÃ¼fung von Gesetzesvorhaben) und den systematischen Ausbau umweltrelevanter Programme; vermehrte Orientierung auf Friedensentwicklung (FÃ¶rderung von Friedensursachen). Angesichts der notwendigen Haushaltskonsolidierung konnte erst 2002 wieder ein Anstieg des Entwicklungshaushaltes erreicht werden. Manche nicht entwicklungsvertrÃ¤glichen Hermes-BÃ¼rgschaften und RÃ¼stungsexportentscheidungen wurden allerdings mit â€žhÃ¶chstem Segen&quot; gegen den Widerstand der GrÃ¼nen durchgesetzt. </li></ul><p><strong>RÃ¼stungskontrolle und AbrÃ¼stung</strong> befinden sich in der Krise. Die Bewahrung und Weiterentwicklung multilateraler RÃ¼stungskontrolle wurde angesichts der Deregulierungspolitik der USA besonders schwierig. Die Gesamtbilanz ist nicht zufrieden stellend.</p><p>Nichtsdestoweniger gab es Einzelerfolge:</p><p>Anfang 2002 trat endlich der Vertrag Ã¼ber den Offenen Himmel in Kraft, der von Vancouver bis Wladiwostok Vertrauensbildung in beispiellosem Umfang ermÃ¶glicht. Damit die Bundesrepublik weiterhin vorbildlich zur Umsetzung und Weiterentwicklung des â€žOffenen Himmels&quot; im Rahmen der KrisenprÃ¤vention beitragen kann, soll eine europÃ¤ischen Beobachtungsplattform beschafft werden. Vorreiter ist die Bundesrepublik auch bei der Vernichtung von Chemiekampfstoffen in Russland im Rahmen der AbrÃ¼stungszusammenarbeit: Die erste, mit deutscher Hilfe errichtete C-Vernichtungsanlage nimmt in diesem Jahr ihren Betrieb auf. Auf deutsche Initiative beschloss die EU eine â€žGemeinsame Aktion zur BekÃ¤mpfung der destabilisierenden AnhÃ¤ufung und Verbreitung von Kleinwaffen&quot;. Deutschland und die EU-Partner brachten auf der VN-Kleinwaffenkonferenz den Entwurf eines Aktionsplanes ein. Das AA und das BMZ unterstÃ¼tzen weltweit verschiedene Demilitarisierungs- und Demobilisierungsprojekte. Im Rahmen des StabilitÃ¤tspaktes wurden in Albanien insgesamt 100.000 Kleinwaffen zerstÃ¶rt. Das Verteidigungsministerium hat angekÃ¼ndigt, in den kommenden Jahren 400.000 ausgemusterte G-3-Gewehre der Bundeswehr zu zerstÃ¶ren. Der Bundestag beschloss einen Koalitionsantrag zur â€žWeiterentwicklung der humanitÃ¤ren RÃ¼stungskontrolle bei Landminen&quot;, der wichtige grÃ¼ne Positionen zu nationalen Vorleistungen beinhaltet. Der ebenfalls von SPD und GrÃ¼nen initiierte Bundestagsbeschluss zur kooperativen RÃ¼stungskontroll- und AbrÃ¼stungspolitik (BT-Drs.14/9241) verdeutlicht die Alternative zum gegenwÃ¤rtigen destruktiven US-Kurs.</p><p>Die EindÃ¤mmung des <strong>RÃ¼stungsexports</strong> in Krisenregionen oder Staaten, die die Menschenrechte missachten, ist unerlÃ¤sslich fÃ¼r eine glaubwÃ¼rdige und wirksame KrisenprÃ¤vention. Hier konnten die BÃ¼ndnisgrÃ¼nen mit der Ãœberarbeitung der Exportrichtlinien einen wichtigen Teilerfolg erringen, der in der Regierungspraxis aber immer wieder neu erstritten werden muss. Mit den Richtlinien wird die Exportpolitik der Bundesrepublik transparenter und damit kontrollierbarer. Die GrÃ¼nen stehen im stÃ¤ndigen Konflikt mit massiven Interessen, die versuchen die bisherigen Restriktionen zu unterlaufen und zu lockern.</p><h5>Infrastruktur zivile Konfliktbearbeitung</h5><p>Zur StÃ¤rkung der kurzfristigen operativen KrisenprÃ¤vention versprach der rot-grÃ¼ne Koalitionsvertrag den Aufbau einer Infrastruktur KrisenprÃ¤vention und zivile Konfliktbearbeitung</p><p>Das AuswÃ¤rtige Amt und das Ministerium fÃ¼r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung begannen sofort damit. Die deutsche Beteiligung am Kosovo-Krieg machte das Vorhaben nicht zur Makulatur, sondern bekrÃ¤ftigt viel mehr seine Dringlichkeit.</p><p>Der Bundessicherheitsrat beschloss im April 2000 ein â€žGesamtkonzept KrisenprÃ¤vention und Konfliktbeilegung&quot; und betonte dabei vor allem den multidimensionalen, kooperativen Ansatz.</p><p>In der Entwicklungszusammenarbeit wurde die Dimension der KrisenprÃ¤vention in mehrfacher Hinsicht gestÃ¤rkt. Sie wurde einbezogen in LÃ¤nderkonzepte und Schwerpunktstrategien. Zur Konfliktsensibilisierung finden Qualifizierungskurse fÃ¼r Mitarbeiter verschiedener Bereiche statt.</p><p>Das BMZ fÃ¶rdert den Aufbau des <strong>Zivilen Friedensdienstes</strong> in der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit durch Mitfanzierung der Ausbildung Zivile Konfliktbearbeitung und UnterstÃ¼tzung von inzwischen 38 Projekten in 32 LÃ¤ndern. Der ZFD soll Friedenspotenziale mit lokalen Partnern stÃ¤rken, bei Konflikten zwischen AngehÃ¶rigen von Interessengruppen, Ethnien und Religionsgruppen vermitteln, zu VersÃ¶hnung und Wiederaufbau beitragen.</p><p>Bis Anfang 2002 wurden 31 Mio. â‚¬ fÃ¼r die mehrjÃ¤hrigen EinsÃ¤tze von 121 FriedensfachkrÃ¤ften zur VerfÃ¼gung gestellt. Inzwischen ist die zweijÃ¤hrige Aufbauphase abgeschlossen. Die Evaluierung ergab eine sehr positive Gesamtbewertung.</p><p>Die Gesellschaft fÃ¼r Technische Zusammenarbeit/GTZ richtete ein Sektorberatungsvorhaben KrisenprÃ¤vention und Konfliktbearbeitung ein. Hier wird u.a. die rechtsstaatliche Reform des Sicherheitssektors unterstÃ¼tzt.</p><p>Seit Sommer 1999 fÃ¼hrt das AA Kurse durch, in denen zivile Experten auf ihre Arbeit in internationalen Friedensmissionen von VN und OSZE vorbereitet werden. Inzwischen wurden die Kurse international geÃ¶ffnet. Der Pool fÃ¼r <strong>ziviles Friedenspersonal</strong> umfasst bisher mehr als 700 Personen und wÃ¤chst kontinuierlich. Um die Rekrutierung und Qualifizierung des Friedenspersonals zu verbessern, ihre Einsatzbegleitung und Nachbetreuung sowie die Evaluation von FriedenseinsÃ¤tzen zu gewÃ¤hrleisten, wurde am 24. Juni 2002 das â€žZentrum fÃ¼r Internationale FriedenseinsÃ¤tze&quot;/ZIF mit ca. 20 MitarbeiterInnen in Berlin erÃ¶ffnet. Mit dem ZIF ist die Bundesrepublik auf gutem Wege, weltweit neue Akzente zu setzen.</p><p><strong>NichtmilitÃ¤rische PolizeikrÃ¤fte</strong> (CIVPOL) spielen bei internationalen Friedensmissionen in beratender, beobachtender und auch exekutiver Funktion eine immer bedeutendere Rolle. Die Bundesrepublik leistet dazu mit zurzeit ca. 550 BeamtInnen von BGS und LÃ¤nderpolizeien auf dem Balkan sowie in Afghanistan (s.o.) einen quantitativ und qualitativ vorbildlichen Beitrag. Angesichts des EU-Beschlusses, bis 2003 5.000 Polizisten fÃ¼r Friedensmissionen zur VerfÃ¼gung stellen zu kÃ¶nnen, bereiten Bund und LÃ¤nder sich auf die Bereitstellung und Qualifizierung des deutschen 20%-Anteils vor.</p><p>Die Bundesrepublik ist an fÃ¼nf von 14 VN-Missionen personell vor allem mit Polizisten und Zivilexperten beteiligt. Bei den VN-mandatierten Missionen in Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien und Kabul gehÃ¶rt sie zu den grÃ¶ÃŸten Truppenstellern. </p><p>Seit 2000 fÃ¶rdert das AA mit einem - auf GrÃ¼ne Initiative - auf 14,5 Mio. â‚¬ erhÃ¶hten Etatansatz umfassend MaÃŸnahmen der KrisenprÃ¤vention und des Peacebuilding der VN, von Regionalorganisationen und erstmals auch von <strong>Nichtregierungsorganisationen</strong>. Die Projekte reichen von Menschenrechtsschutz in Kolumbien Ã¼ber Integrationsprozesse mit der russischen Minderheit im Baltikum und der FÃ¶rderung von interethnischen Dialogprozessen bis zu Entwaffnungs-, Demobilisierungs- und Reintegrationsprogrammen.</p><p>Im April 2001 wurde unter FederfÃ¼hrung des Bundesforschungsministeriums die Deutsche Stiftung fÃ¼r Friedensforschung (DSF) mit Sitz in OsnabrÃ¼ck gegrÃ¼ndet und damit die BundesfÃ¶rderung einer unabhÃ¤ngigen <strong>Friedens- und Konfliktforschung</strong> wieder aufgenommen. Ihr Grundkapital betrÃ¤gt 25 Mio. â‚¬. Sie finanziert Forschungsprojekte, einen geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengang, einen Postgraduierten Studiengang â€žFriedensforschung und Sicherheitspolitik&quot; sowie Promotionsstipendien.</p><p>Die nationalen MaÃŸnahmen wÃ¼rden wirkungslos versickern, wenn sie nicht einhergingen mit BemÃ¼hungen auf <strong>multilateraler Ebene</strong>, die FÃ¤higkeiten der Gewalt- und KrisenprÃ¤vention zu stÃ¤rken. Zusammen mit den skandinavischen LÃ¤ndern gehÃ¶rt hier die Bundesrepublik zu den treibenden KrÃ¤ften. </p><p>Auf internationaler Ebene ist Krisen- und GewaltprÃ¤vention inzwischen zu einem Top-Thema avanciert und steht nun auch vorne auf der Agenda von EU, G-8 und NATO.</p><p>Die OSZE beschloss im Juni 2000 das REACT-Programm (Rapid Expert Assistance and Cooperation Teams) zur kurzfristigen Mobilisierung von zivilen Fachleuten fÃ¼r OSZE-Missionen.</p><p>Am deutlichsten sind die Fortschritte im Rahmen der Weiterentwicklung der <strong>EuropÃ¤ischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik</strong>, auch wenn das Hauptaugenmerk von Politik und Ã–ffentlichkeit auf der geplanten Eingreiftruppe liegt. Der EU-Gipfel von Helsinki beschloss im Dezember 1999, einen Mechanismus nichtmilitÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung aufzubauen. Erste Planziele wurden beschlossen fÃ¼r internationale nichtmilitÃ¤rische PolizeieinsÃ¤tze. (s.o.) Weitere in 2003 zu erreichende Planziele sind inzwischen aufgestellt fÃ¼r die Bereitstellung von Fachpersonal zur StÃ¤rkung von Rechtsstaatlichkeit (200), der Zivilverwaltung (Pool) und des Katastrophenschutzes (2.000). Der EU-Gipfel von GÃ¶teborg beschloss ein sÃ¤ulenÃ¼bergreifendes EU-Programm â€žzur Verhinderung gewaltsamer Konflikte&quot;, in dem der KrisenfrÃ¼herkennung und gemeinsamen Ãœbungen von KriseneinsÃ¤tzen besondere Bedeutung beigemessen wird. Die Instrumente nichtmilitÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung werden eher einsatzbereit sein als die militÃ¤rischen KrÃ¤fte der EU.</p><h5>Aktionsplan KrisenprÃ¤vention</h5><p>Die Jahre seit 1999 markieren einen Durchbruch beim Aufbau von FÃ¤higkeiten nichtmilitÃ¤rischer Gewalt- und KrisenprÃ¤vention auf nationaler und internationaler Ebene. Hier kamen die GrÃ¼nen erheblich voran bei der Umsetzung und Operationalisierung des Grundwertes Gewaltfreiheit. Diese â€žProgrammtreue&quot; war keineswegs eine Alibiveranstaltung, sondern hat eigenes Gewicht und eigene Dynamik. Die bisher eingeleiteten MaÃŸnahmen sind ein guter Start und haben die FÃ¤higkeit der Bundesrepublik, zur internationalen KrisenbewÃ¤ltigung beizutragen, deutlich verbessert. Um aber den RÃ¼ckstand gegenÃ¼ber den FÃ¤higkeiten militÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung aufzuholen und eine wirksame KrisenprÃ¤vention aufzubauen, sind erhebliche weitere Anstrengungen unabdingbar. Dazu gehÃ¶ren u.a.:</p><ul><li>- Aufbau angemessener und integrierter Analyse- und FrÃ¼hwarnungskapazitÃ¤ten auf staatlicher und nichtstaatlicher Ebene. Das setzt eine bessere Personalausstattung des AuswÃ¤rtigen Amtes wie eine Aufstockung der FÃ¶rdermittel fÃ¼r Friedensforschung voraus</li><li>- FÃ¶rderung der Bereitschaft und FÃ¤higkeiten zur Teilnahme an internationalen FriedenseinsÃ¤tzen und Friedensarbeit durch Studien- und AusbildungsgÃ¤nge, AttraktivitÃ¤tssteigerungen, Einsatzbegleitung und Wiedereingliederungshilfen</li><li>- FÃ¶rderung der schnellen VerfÃ¼gbarkeit von Friedenspersonal durch Freistellungsregelungen mit Ã¶ffentlichen und privaten Arbeitgebern</li><li>- StÃ¤rkung von Kooperation und Integration bei allen KrÃ¤ften, die zur Friedenssicherung und GewaltprÃ¤vention beitragen sollen</li><li>- Um den zugesagten deutschen Beitrag von bis zu 1.000 Beamten zu internationalen Polizeimissionen erfÃ¼llen und Ã¼ber lÃ¤ngere ZeitrÃ¤ume durchhalten zu kÃ¶nnen (Rotationsfaktor 3, also bis zu 3.000 Beamte), ist eine Personalaufstockung bei Bund und LÃ¤ndern unumgÃ¤nglich. Das muss einher gehen mit einer Weiterentwicklung ihrer Ausbildung.</li><li>- Damit der Zivile Friedensdienst Ã¼ber die Graswurzelebene hinaus stÃ¤rker regional wirksam werden kann, sollte in den nÃ¤chsten vier Jahren das Potenzial an FriedensfachkrÃ¤ften vervielfacht werden. Das muss einhergehen mit einer schrittweisen Steigerung der ProjektfÃ¶rderung. (GrÃ¶ÃŸenordnung 50 Mio. â‚¬)</li><li>- KrisenprÃ¤vention und zivile Konfliktbearbeitung sind medial besonders schwer vermittelbar. Umso notwendiger ist, sie mit professionellen Methoden bekannt und verstÃ¤ndlich zu machen und so zu einer â€žAlphabetisierung&quot; in ziviler Konfliktbearbeitung beizutragen.</li><li>- In einem â€žAktionsplan KrisenprÃ¤vention&quot; sind die entsprechenden Aufgabenfelder und die dafÃ¼r notwendigen FÃ¤higkeiten (mit Planzielen) festzulegen. Die Friedensinvestitionen mÃ¼ssen stetig anwachsen.</li></ul><h5>Bundeswehrreform: Demokratiedefizit ...</h5><p>Auf dem Feld der MilitÃ¤rpolitik klafften grÃ¼ne - und friedensbewegte - WÃ¼nsche und Wirklichkeit besonders weit auseinander. Forderungen nach AuflÃ¶sung der KrisenreaktionskrÃ¤fte etc. waren von vorneherein fÃ¼r die SPD nicht verhandelbar. Die relative RadikalitÃ¤t des grÃ¼nen Programms von 1998 schwÃ¤chte die Verhandlungsposition der GrÃ¼nen statt sie zu stÃ¤rken. </p><p>Die verbliebene Friedensbewegung brachte kein zusÃ¤tzliches politisches Gewicht auf die Waagschale, weil ihre AbrÃ¼stungsforderungen noch weiter von dem auf Bundesebene Diskutablen entfernt waren und konstruktive VorschlÃ¤ge weitgehend fehlten.</p><p>Die bundesdeutsche Sicherheitspolitik leidet seit Jahren unter einem Demokratiedefizit. Eine umfassende gesellschaftliche Debatte und VerstÃ¤ndigung Ã¼ber Rolle, LeistungsfÃ¤higkeit und Grenzen von MilitÃ¤r in der deutschen AuÃŸen- und Sicherheitspolitik nach Ende des Ost-West-Konflikts wurde gemieden, unter RÃ¼he wie unter Scharping. Die Chance, in  der entscheidenden Umbruchphase der Bundeswehr die Menschen angesichts neuer Herausforderungen â€žmitzunehmen&quot;, wurde vertan.</p><p>Der grÃ¼ndliche Bericht der WeizsÃ¤cker-Kommission zur Bundeswehrreform wurde schnell ausmanÃ¶vriert. Schon drei Wochen spÃ¤ter setzte Minister Scharping die von ihm vorgelegten â€žEckpfeiler&quot; zur Reform der Bundeswehr im Bundeskabinett durch. Ihre Intention, die Bundeswehr besser auf KrisenbewÃ¤ltigung auszurichten und zu modernisieren, war schon angesichts des mit KFOR erheblich ausgeweiteten Balkaneinsatzes richtig. Die Eckpfeiler blieben aber deutlich hinter den Empfehlungen der Kommission zurÃ¼ck, sie waren angesichts der verÃ¤nderten sicherheitspolitischen Lage und der begrenzten Haushaltsmittel nicht konsequent genug. Wider massivste ErhÃ¶hungsforderungen konnte der Konsolidierungskurs im Wesentlichen auch beim MilitÃ¤rhaushalt gehalten werden. Der Ressortminister setzte die Bundeswehrreform ohne koalitionsinterne Konsensbildung faktisch per Dekret in Kraft. Der Alleingang hielt an bis zu seiner Entlassung.</p><p>Die GrÃ¼nen betonten demgegenÃ¼ber ihre eigenstÃ¤ndige Position mit in einem Konzept zur Bundeswehreform, das zumindest gute Resonanz bei Friedensforschern wie bei aufgeschlossenen MilitÃ¤rs fand.</p><p>Die Angebote des â€žFriedenswortes&quot; der katholischen BischÃ¶fe und der EKD-Denkschrift zu einer grundlegenden friedensethischen VerstÃ¤ndigung wurden von Politik und Ã–ffentlichkeit nicht aufgenommen.</p><p>Statt dessen entwickelt sich deutsche Sicherheitspolitik durch exekutives Handeln und Fall-zu-Fall-Entscheidungen, nach dem 11. September mit einem regelrechten Quantensprung. </p><p>Insbesondere die GrÃ¼nen setzten sich dabei fÃ¼r die militÃ¤rische BeschrÃ¤nkung und Ausgewogenheit des deutschen Beitrags ein. Die Bundestagsentscheidungen zum Mazedonien- und Anti-Terror-Einsatz der Bundeswehr wurden zu einer Ã¤uÃŸersten Belastung der gesamten Koalition. Statt die verbreiteten Ã„ngste vor einem â€žrot-grÃ¼nen Vietnam&quot; in Afghanistan Ã¼berzeugend zu entkrÃ¤ften, setze sich der Kanzler mit Hilfe des sachfremden Machtworts der Vertrauensfrage durch.</p><h5>... Strategiemangel</h5><p>Soweit die Bundeswehrreform in der Ã–ffentlichkeit und im Bundestag Thema war, dominierten die SekundÃ¤rfragen des WIE: Modernisierung, Haushaltsfragen, Wehrform. Die PrimÃ¤rfragen des WOFÃœR und WOGEGEN wurden regelmÃ¤ÃŸig vernachlÃ¤ssigt.</p><p>Die Planungsdokumente der Bundeswehrreform begnÃ¼gten sich damit, die auf NATO- und EU-Ebene zwischen den Regierungen vereinbarten AuftrÃ¤ge, Aufgaben und FÃ¤higkeiten als Vorgaben zu benennen. Ihre Ableitung aus einer differenzierten Risiko- und Bedrohungsanalyse liegt bisher nicht vor. Das â€žWeiÃŸbuch&quot; des Bundesministers der Verteidigung, das dies leisten mÃ¼sste und seit langem angekÃ¼ndigt ist, ist immer noch nicht erschienen.</p><p>Eine <strong>umfassende und existentielle Bedrohung</strong> des Territoriums der Bundesrepublik bzw. des BÃ¼ndnisgebiets durch eine raumgreifende Aggression, das Risiko des â€žgroÃŸen Verteidigungsfalls&quot; ist auf mittlere Frist nicht nur unwahrscheinlich, sondern auszuschlieÃŸen. Die Bundeswehr als Massenarmee zur Abwehr von gepanzerten Angriffen auf das Bundesgebiet gehÃ¶rt der Vergangenheit an.</p><p><strong>Andere militÃ¤rische Risiken und potentielle Bedrohungen</strong> hingegen sind mit unterschiedlicher Eintrittswahrscheinlichkeit real: Auswirkungen und Ausweitungen von Regionalkonflikten, Terrorismus mit konventionellen und ABC-Massenvernichtungsmitteln, mittelfristig auch Raketenangriffe, cyberwar-Attacken, Globalisierung privater Gewalt. Die Krisenherde von Mazedonien, des ganzen Nahen und Mittleren Ostens, die ordnungslosen RÃ¤ume zerfallener Staaten beinhalten Risiken, die massiv die Sicherheit der Bundesrepublik und des BÃ¼ndnisses betreffen und die internationale Sicherheit und den Weltfrieden gefÃ¤hrden kÃ¶nnen. Seit dem 11. September ist auch das Undenkbare mÃ¶glich geworden.</p><p>Die KomplexitÃ¤t der Sicherheitspolitik ist zu einer eigenstÃ¤ndigen Herausforderung geworden: Konfliktursachen kÃ¶nnen sich weitrÃ¤umiger entwickeln; groÃŸe VerÃ¤nderungen geschehen in kurzen ZeitrÃ¤umen; Risiken werden vielfÃ¤ltiger; die steigende Zahl an Mitwirkenden verkomplizieren die internationalen Beziehungen.</p><h5>Anforderungen und Auftrag</h5><p>Um diese Risiken abzuhalten, einzudÃ¤mmen und abzuwehren, ist eine Politik erforderlich, die auf umfassende, vorbeugende und gemeinsame Sicherheit und gerechten Frieden zielt. Dabei geht es neben der Gefahrenabwehr und UrsachenbekÃ¤mpfung vor allem auch darum, strategische Verwundbarkeiten der modernen Gesellschaft zu reduzieren, angefangen bei einer an Ã–l und Atom hÃ¤ngenden Energieversorgung.</p><p>GrundsÃ¤tzliche Zweifel bleiben, ob eine hochindustrialisierte Gesellschaft wie die der Bundesrepublik Ã¼berhaupt militÃ¤risch verteidigt - d.h. bewahrt - werden kÃ¶nnte. Allerdings hat das Grundgesetz den Bund zur Aufstellung von StreitkrÃ¤ften zur <strong>Verteidigung</strong> verpflichtet.</p><p>Angesichts der NATO-Osterweiterung ist fÃ¼r die Bundesrepublik die Landesverteidigung vÃ¶llig in der BÃ¼ndnisverteidigung aufgegangen. Da auf mittlere Frist kein â€žgroÃŸer&quot; Verteidigungsbedarf besteht, kÃ¶nnen die dafÃ¼r vorgehaltenen KrÃ¤fte und Aufwuchspotenziale erheblich reduziert werden. </p><p>Seit dem 11. September hat das herkÃ¶mmliche VerstÃ¤ndnis von Verteidigung eine enorme Entgrenzung erfahren. Der VN-Sicherheitsrat gab mit den einschlÃ¤gigen Resolutionen, die das Recht auf individuelle und kollektive Selbstverteidigung bekrÃ¤ftigten, eine Art von Einstiegslegitimation fÃ¼r die militÃ¤rische BekÃ¤mpfung des Terrorismus. Immer deutlicher stellt sich aber die Frage, wo die Grenzen dieses Selbstverteidigungsrechtes sind. Wenn die US-Regierung inzwischen das Recht fÃ¼r sich in Anspruch nimmt, gegebenenfalls mit PrÃ¤emptionsangriffen zu jeder Zeit und an jedem Ort gegen terroristische Bedrohungen vorzugehen, dann wird damit das allgemeine Gewaltverbot der VN-Charta unterhÃ¶hlt und seine Beachtung in das Belieben der StÃ¤rksten gestellt.</p><p>DemgegenÃ¼ber muss klar sein: MilitÃ¤rische BekÃ¤mpfung des internationalen Terrorismus muss Teil globaler Ordnungspolitik und Aufgabe von Systemen kollektiver Sicherheit sein. Nur hierÃ¼ber erfÃ¤hrt sie vÃ¶lkerrechtliche LegalitÃ¤t und Begrenzung. </p><p>Kernauftrag der Bundeswehr ist, zur <strong>multilateralen KriegsverhÃ¼tung und -eindÃ¤mmung</strong> im Dienste gemeinsamer Sicherheit im Rahmen des UN-Systems beizutragen. Diese ist nur aussichtsreich als multinationale und multidimensionale Politik im Verbund verschiedener staatlicher und gesellschaftlicher Akteure. Isolierte militÃ¤rische KrisenbewÃ¤ltigung ist von vornherein zum Scheitern verurteilt.</p><p>Ein besonderes Gewicht hat die Absicherung und UnterstÃ¼tzung von Friedensprozessen und die StÃ¤rkung rechtsstaatlicher Gewaltmonopole gegenÃ¼ber privatisierter Gewalt. (nation building) </p><p>Auch wenn ErzwingungseinsÃ¤tze mit kriegerischer Gewalt â€žÃ¤uÃŸerst problematisch&quot; und ein â€žtÃ¼ckisches Mittel&quot; (Grundsatzprogramm) sind, so gebieten es doch die Vorgaben der VN-Charta und NATO, solche KapazitÃ¤ten zur BÃ¼ndnisverteidigung und fÃ¼r EinsÃ¤tze zur Sicherung bzw. Wiederherstellung des Weltfriedens vorzuhalten.</p><p>Durch Dialog und Kooperation sowie Beteiligung an RÃ¼stungskontrolle und AbrÃ¼stung leistet die Bundeswehr hoch effektive und zugleich sehr kostengÃ¼nstige BeitrÃ¤ge zur Vertrauensbildung und gemeinsamer Sicherheit.</p><p>Manche Ã„uÃŸerungen aus den rot-grÃ¼nen Spitzen erwecken den Eindruck, als seien MilitÃ¤reinsÃ¤tze fÃ¼r die deutsche AuÃŸen- und Sicherheitspolitik nun ein â€žnormales&quot; Instrument wie viele andere. Dem ist nicht so! MilitÃ¤reinsÃ¤tze sind ein besonders kostspieliges und riskantes Mittel. Deshalb gibt es den Parlamentsvorbehalt, deshalb werden Entsendeentscheidungen mit besonders hohem Verantwortungsbewusstsein gefÃ¤llt.</p><p>Angesichts der Globalisierung von Unsicherheit, der europÃ¤ische Integration und des Unilateralismus der Hypermacht USA ist das Festhalten an nationalen Armeen in Europa ein teurer Anachronismus. Die schrittweise militÃ¤rische Integration muss mit der Demokratisierung der EU einhergehen. </p><h5>FÃ¤higkeiten und Strukturen</h5><p>Um ihren Auftrag verantwortlich im multinationalen Kontext durchfÃ¼hren zu kÃ¶nnen, braucht die Bundeswehr prÃ¤sente und professionelle, flexible und hochmobile, insgesamt â€žleichtere&quot; KrÃ¤fte mit hoher â€žDurchhaltefÃ¤higkeit&quot; (Personalreserven, Logistik) und â€žÃœberlebensfÃ¤higkeit&quot; (Selbstschutz). Sie setzen effektive AufklÃ¤rungs-, FÃ¼hrungs- und VerlegefÃ¤higkeiten auf groÃŸe Distanz voraus.</p><p>Die Vielfalt an Einsatzformen erfordert Soldaten mit breiten FÃ¤higkeiten, insbesondere auch zur zivil-militÃ¤rischen Zusammenarbeit. Das setzt eine qualitativ gute Nachwuchsgewinnung und sozialvertrÃ¤gliche Gestaltung von AuslandseinsÃ¤tzen voraus. Wo wie zzt. 10.000 Soldaten im Auslandseinsatz sind, stehen Innere FÃ¼hrung und die Integration der StreitkrÃ¤fte in die Gesellschaft vor erheblich verÃ¤nderten Anforderungen.</p><p>Die Bundeswehr braucht nicht AlleskÃ¶nner zu sein. Zunehmend mehr FÃ¤higkeiten sollten gemeinsam mit europÃ¤ischen Partnern betrieben werden. Neben dem Lufttransport und der strategischen AufklÃ¤rung stÃ¼nde die Aufstellung einer integrierten Brigade fÃ¼r UN-EinsÃ¤tze auf der Tagesordnung.</p><p>Zugleich sollten zivile Aufgaben in Krisenregionen auch so weit und so schnell wie mÃ¶glich von - in der Regel billigeren - zivilen KrÃ¤ften Ã¼bernommen werden.</p><p>Wo es entscheidend auf sich ergÃ¤nzende militÃ¤rische, polizeiliche und zivile FÃ¤higkeiten ankommt, mÃ¼ssen endlich auch die KrÃ¤fteplanungen aufeinander abgestimmt werden. Ein Hinterherhinken der nichtmilitÃ¤rischen FÃ¤higkeiten verlÃ¤ngert nur die militÃ¤rische Einsatzdauer.  </p><p>Die Wehrpflicht ist sicherheitspolitisch nicht mehr legitimierbar und blockiert eine finanzierbare Bundeswehrreform.</p><p>Angesichts des Konsolidierungsgebots und des besonderen Nachholbedarfs des AuÃŸen- und Entwicklungsressorts ist die Begrenzung und Verstetigung des MilitÃ¤rhaushaltes unabdingbar. </p><p>Eine GesamtstÃ¤rke in der GrÃ¶ÃŸenordnung von 200.000 Zeit- und Berufssoldatinnen und -soldaten reicht aus, um die im Rahmen von NATO und EU vereinbarten BeitrÃ¤ge sowie UN-UnterstÃ¼tzung leisten zu kÃ¶nnen.</p><h5>Einhegungen </h5><p>In einer Art sicherheits- und friedenspolitischer Selbstzufriedenheit, wird oftmals verdrÃ¤ngt, dass die Modernisierung der Bundeswehr ein zweischneidiges Schwert ist.</p><p>Der Umbau ist erforderlich, um die auf Jahre notwendigen SFOR-, KFOR-, und ISAF-EinsÃ¤tze durchzuhalten. Er passt FÃ¤higkeiten zur BÃ¼ndnisverteidigung an heutige und kÃ¼nftige Bedingungen an.</p><p>Die Modernisierung schafft zugleich InterventionsfÃ¤higkeiten, die Ã¼ber kurz oder lang auch missbraucht werden kÃ¶nnen. Heute fÃ¼hlen sich noch alle Bundestagsfraktionen, die Bundesregierung und die militÃ¤rische FÃ¼hrung einer militÃ¤rischen ZurÃ¼ckhaltung verpflichtet.</p><p>Aber was ist in zwei, fÃ¼nf Jahren - wenn z.B. die ganze Division Spezielle Operationen und das ganze KSK einsatzfÃ¤hig sind, wenn das gewachsene militÃ¤rische Angebot die Nachfrage erhÃ¶hen kann? </p><p>Deshalb kommt es heute entscheidend darauf an, diese zweischneidigen FÃ¤higkeiten politisch einzuhegen und an klare Kriterien zu binden. Hierzu machte ich vor Jahren VorschlÃ¤ge, die inzwischen weitgehend in die grÃ¼ne Programmatik eingingen:</p><ul><li>- Bindung an die allgemeingÃ¼ltigen Werte des VÃ¶lkerrechts und der Menschenrechte</li><li>- Wahrnehmung kollektiver Sicherheitsinteressen, nicht von partikularen Interessen</li><li>- Vorrang und AusschÃ¶pfung nichtmilitÃ¤rischer KrisenbewÃ¤ltigung</li><li>- Bindung an ein Mandat der VN bzw. einer ihrer Regionalorganisationen</li><li>- Auftragsklarheit und -begrenzung, keine Blankoschecks </li><li>- Ziel und Grenzen des Einsatzes bedÃ¼rfen der Zustimmung des Bundestages </li><li>- PrioritÃ¤t des euroatlantischen Raumes</li><li>- Einbindung in ein aussichtsreiches politisches Konzept</li><li>- Ausreichende personelle und materielle FÃ¤higkeiten</li><li>- Verantwortbare Risiken und Kosten.</li></ul><p>Diese Kriterien ziehen eine klare Trennungslinie zu einem - in Vergangenheit und Gegenwart reichlich praktizierten - machtpolitischen Interventionismus einerseits und einem potentiell schrankenlosen â€žhumanitÃ¤ren Interventionismus&quot; sowie einem â€žewigen&quot; Anti-Terror-Krieg andererseits.</p><p>Der <strong>Parlamentsvorbehalt</strong> ist nicht nur verfassungsrechtlich vorgeschrieben, sondern auch politisch Ã¼beraus sinnvoll. Er gewÃ¤hrleistete bisher eine besonders intensive parlamentarische Beratung und trug zu breiter Konsensbildung bei. Der Parlamentsvorbehalt ist ein Eckstein der militÃ¤rpolitischen ZurÃ¼ckhaltung der Bundesrepublik.</p><p>Die GrÃ¼nen fordern in ihren Programmen, AuslandseinsÃ¤tze an eine Zweidrittelmehrheit des Bundestages zu binden. Dies ist vor allem bei solchen EinsÃ¤tzen sinnvoll, die besonders riskant und umfangreich sind. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre habe ich Zweifel, ob damit allein der gebotenen militÃ¤rischen ZurÃ¼ckhaltung geholfen wÃ¤re.</p><p>Unzweifelhaft ist aber eine Konkretisierung des Parlamentsvorbehalts im Hinblick auf SpezialkrÃ¤ften Ã¼berfÃ¤llig. Diese agieren im Kontext verdeckter und â€žunkonventioneller&quot; EinsÃ¤tze und damit schnell in einer vÃ¶lkerrechtlichen â€žGrauzone&quot;. Der ministerielle Umgang mit den besonderen Geheimhaltungserfordernissen hat bisher eine parlamentarische Kontrolle durch den Verteidigungsausschuss unmÃ¶glich gemacht. Die unverzichtbare parlamentarische Kontrolle muss durch ein der Geheimdienstkontrolle vergleichbares Gremium gewÃ¤hrleistet werden.</p><h5>StÃ¼rmische Aussichten</h5><p>Rot-GrÃ¼n war seit 1998 mit Herausforderungen konfrontiert, die wir uns vorher auch in schlimmen TrÃ¤umen nicht gedacht hÃ¤tten. Es gibt keinerlei Veranlassung zu der Annahme, die auÃŸen- und sicherheitspolitischen Entwicklungen wÃ¼rden sich beruhigen. Im Gegenteil.</p><p>Zu den andauernden Risiken aus ungelÃ¶sten Regionalkonflikten, Verbreitung von Massenvernichtungswaffen, transnationalem Terrorismus etc. kommt eine Art von US-Politik, die immer mehr zur SchwÃ¤chung statt zur StÃ¤rkung der internationalen Sicherheit beitrÃ¤gt und die viel beschworene westliche Wertegemeinschaft zu zerstÃ¶ren droht. Ihre neue Offensivstrategie bedeutet eine Art Privatisierung von Gewalt und Sicherheit â€žvon oben&quot;. Ihr militanter Kampf gegen den Internationalen Strafgerichtshof lÃ¤uft dem BemÃ¼hen der EuropÃ¤er um eine Globalisierung des Rechts diametral entgegen. Der beabsichtigte Angriff auf den Irak droht die ganze explosive Region zu entzÃ¼nden. </p><p>Zugleich wachsen europaweit mit rechtspopulistischen Bewegungen zentrifugale, die europÃ¤ische Integration gefÃ¤hrdende KrÃ¤fte.</p><p>Angesichts dieser gefÃ¤hrlichen Herausforderungen braucht es ein einiges, handlungsfÃ¤higes und selbstbewusstes Europa, ein partnerschaftliches Gegengewicht zu den USA notwendiger denn je. Friedenspolitik braucht zugleich eine Friedensbewegung, die dialog- und bÃ¼ndnisfÃ¤hig ist und in Gesellschaft und Politik GehÃ¶r findet.</p><p>Die Bundesrepublik unter Rot-GrÃ¼n ist mit AuÃŸenminister Fischer Garant und treibende Kraft einer Politik des Multilateralismus, der europÃ¤ischen Integration, der KrisenprÃ¤vention, der umfassenden und gemeinsamen Sicherheit und als solche unter den Partnern wie in den Vereinten Nationen hoch angesehen. Um damit weiter voran zu kommen, brauchen wir mehr Kraft und Friedensinvestitionen.</p><p>Bisher spricht nichts dafÃ¼r, dass eine Regierung Stoiber/Westerwelle(MÃ¶llemann) diesen Kurs so halten kÃ¶nnte und wÃ¼rde. In ruhigen Zeiten mag das nicht auffallen. In stÃ¼rmischen Zeiten ist das hoch gefÃ¤hrlich.</p><p><u>Zur Person:</u></p><p>MdB BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen, MÃ¼nster, seit 1994 Mitglied des Verteidigungsausschusses und des Unterausschusses AbrÃ¼stung, RÃ¼stungskontrolle und Nichtverbreitung;  </p><p>Weitere VerÃ¶ffentlichungen zum Thema unter: <a href="/">http://www.nachtwei.de/</a> </p></div>


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