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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Kabul im August 2003 â€“ Afghanistanpolitik am Scheideweg</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Presse-Link</span>

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        <h1>
            Kabul im August 2003 â€“ Afghanistanpolitik am Scheideweg         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 29. August 2003 10:55:26 +02:00 (72020 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Vom 8.-11. August besuchte ich Kabul. Zweck der Reise im Umfeld der ISAF-KommandoÃ¼bergabe vom Deutsch-NiederlÃ¤ndischen Korps an die NATO war, Ã¼ber die Siebenstunden-Stippvisite einer Ministerdelegation hinaus der Akutfrage nachzugehen, wieweit ein erweitertes internationales zivil-polizeilich-militÃ¤risches Engagement in AFG notwendig und verantwortbar ist. Massiv gefordert worden war das zeitgleich vom VN-Under-Sectretary-General Guehenno in seinem Bericht in der Offenen Sitzung des VN-SR am 16./17. Juni sowie dem 'Call for Security' von 85 internationalen NGO`s am 17. Juni.</p></div>
            <div>    <p>Auf dem Programm standen u.a. Gespr&auml;che mit dem bisherigen ISAF-Kommandeur Generalleutnant van Heyst aus M&uuml;nster sowie seinem Nachfolger Generalleutnant Gliemeroth, dem dt. St&auml;ndigen Vertreter Dr. Lotz, dem Leiter Sonderstab AFG im AA, der Referentin der Botschaft f&uuml;r Zivilgesellschaft und Frauen, Claudia Sch&uuml;tt, bei Medica Mondiale, mit drei Expertinnen der gtz, mit US-General Eikenberry, Innenminister Jalali und Staatspr&auml;siden Karzai,&nbsp; Briefing beim Kommandeur des deutschen Kontingents, Oberst Retzer, F&uuml;hrung durch das Feldlager &bdquo;Camp Warehouse&quot;, Teilnahme an einer Patrouille im 5. Polizeidistrikt und Gespr&auml;ch mit Soldaten des Einsatzverbandes, Besuch des Projektb&uuml;ros Polizei mit Besichtigung der Polizeiakademie, des k&uuml;nftigen &bdquo;LKA&quot; und des Rauschgifthauses.</p><h3>Schlussfolgerungen</h3><p>(1) Angesichts aktueller Forderungen nach <strong>Konzept und Perspektive </strong>f&uuml;r die internationale AFG-Politik ist daran zu erinnern, dass mit dem Petersberg-Abkommen/Bonn-Prozess seit Dezember 2001 und erg&auml;nzt durch die Folgekonferenz vom Dez. 2002 zumindest ein konzeptionelles Ger&uuml;st vorliegt. N&auml;chste Schritte im sukzessiven Staatsaufbau sind nach Bildung der &Uuml;bergangsregierung die verfassungsgebende Loya Jirga im Oktober sowie die Wahlen im Juni 2004. Die Internationale Gemeinschaft (I.G.) soll &bdquo;die neuen afg Beh&ouml;rden bei Ausbildung und Aufbau afg Sicherheits- und Streitkr&auml;fte unterst&uuml;tzen&quot;. Da das einige Zeit ben&ouml;tige, m&ouml;ge der VN-Sicherheitsrat eine Truppe mit Mandat entsenden, die dazu &bdquo;beitragen solle, die Sicherheit in Kabul und den umgebenden Gebieten zu gew&auml;hrleisten. Diese Truppe k&ouml;nnte gegebenenfalls nach und nach auch in anderen St&auml;dten und anderen Gebieten eingesetzt werden.&quot; (Petersberg-Abkommen) Die I.G. verfolgt hier im Unterschied zum Kosovo einen &bdquo;light-footprint&quot;-Ansatz. In Petersberg II wurden weitere Abmachungen getroffen zur Reform des Sicherheitssektors (Aufbau von Armee, Polizei, Justiz, Entwaffnung, Drogenbek&auml;mpfung).</p><p>(2) Zwanzig Monate nach der ersten Petersberg-Konferenz ist die <strong>Zwischenbilanz</strong> ambivalent. Auf den Stra&szlig;en Kabuls und vor den Kulissen exzessiver Zerst&ouml;rungen ist zu sp&uuml;ren, was es bedeutet, dass der langj&auml;hrige Krieg gestoppt und die Taliban-Diktatur gest&uuml;rzt wurde. In einem Viertel reiht sich Baustelle an Baustelle. Vielerorts werden Massen an Bauholz verkauft. Nach Ende der D&uuml;rre erzielte AFG die beste Getreideernte seit Jahrzehnten. Zugleich sind die Probleme gigantisch. Die politische Macht ist zersplittert und oft in der Hand korrupter und gro&szlig;krimineller M&auml;nner. Der Drogenanbau boomt, die Entwaffnung (Demilitarisierung, Demobilisierung, Reinintegration/DDR) ist trotz aller Beschl&uuml;sse noch immer nicht angelaufen. W&auml;hrend die Sicherheitslage in Kabul einigerma&szlig;en im Griff, aber fragil ist, kann davon vor allem in &ouml;stlichen und s&uuml;dlichen Provinzen keine Rede sein. Die Sicherheitslage in den Provinzen ist sehr uneinheitlich. Ein Drittel des Landes ist f&uuml;r die VN nicht erreichbar. Der Gesamttrend wird sehr unterschiedlich beurteilt (&bdquo;gleich bleibend&quot; bis &bdquo;deutlich verschlechtert&quot;). Die Negativeinsch&auml;tzungen &uuml;berwiegen. (VN-USG-Bericht und NGO-Aufruf vom 17. Juni, Halbjahresbericht BMVg) </p><p>Das erhoffte Maximalziel, Kabul werde ausstrahlen und eine landesweite positive Dynamik in Gang setzen, hat sich so nicht best&auml;tigt. Deshalb den Bonn-Prozess f&uuml;r gescheitert zu erkl&auml;ren, verkennt die extrem schwierigen Ausgangsbedingungen und ist Ausdruck einer v&ouml;llig &uuml;berzogenen westlichen Erwartungshaltung und Kurzatmigkeit.</p><p>(3) Die verfassungsgebende Loya Jirga im Oktober und vor allem die <strong>Wahlen im Juni 2004</strong> sind Schl&uuml;sselereignisse f&uuml;r die weitere Entwicklung AFG`s. Bei blo&szlig;er Fortsetzung des status quo ist das Scheitern der Wahlen wie auch die Zuspitzung der Sicherheitslage mit R&uuml;ckwirkungen auf Kabul vorprogrammiert. Die internationale Gemeinschaft steht jetzt an einem strategischen Scheideweg ihrer AFG-Politik. Statt AFG im Schatten des Irak latent zu vernachl&auml;ssigen, muss sie ihre Stabilisierungsunterst&uuml;tzung ausweiten, verst&auml;rken und beschleunigen. Es gilt &bdquo;nicht kleckern, sondern klotzen!&quot; </p><p>(4) <strong>Sicherheit und Wiederaufbau</strong> bedingen sich gegenseitig. Kein Aufbau ohne einigerma&szlig;en Sicherheit. Keine Sicherheit ohne sichtbare Aufbauleistungen. </p><p>Bei der <strong>Reform des Sicherheitssektors</strong> sind Polizeiaufbau und Entwaffnung kurzfristig von gr&ouml;&szlig;ter Bedeutung. Armee- und Justizaufbau sowie Drogenbek&auml;mpfung brauchen mehr Zeit. </p><p>F&uuml;r Entwaffnung und Polizeiaufbau muss die I.G. Druck machen und deutlich mehr Ressourcen und Personal zur Verf&uuml;gung stellen. F&uuml;r DEU als Lead-Nation im <strong>Polizeiaufbau</strong> hei&szlig;t das: Schnelle und deutliche Aufstockung der dt. Beratergruppe (bisher 17 BeamtInnen), damit auch in den Provinzen die Ausbildung voran gebracht werden kann. Politische Widerst&auml;nde (manche Bundesl&auml;nder sperren sich gegen AFG-Eins&auml;tze ihrer Beamten!) m&uuml;ssen &uuml;berwunden und Anreize f&uuml;r gen&uuml;gend freiwillige Meldungen geschaffen werden. Im Polizeisektor kann mit relativ geringen Investitionen ein hoher Sicherheitsgewinn erzielt werden. </p><p>Zugleich braucht eine <strong>Drogenbek&auml;mpfung</strong>, die wirksam sein soll, eine Strategie. Wo Bauern in existentieller Abh&auml;ngigkeit vom Opiumanbau sind, wo die gr&ouml;&szlig;ten Drogenh&auml;ndler zugleich politische, milit&auml;rische und polizeiliche Machthaber sind, da bleibt Drogenbek&auml;mpfung sonst ein &auml;u&szlig;erst gef&auml;hrlicher Kampf gegen Windm&uuml;hlenfl&uuml;gel.</p><p>(5) Die Provinzen brauchen gro&szlig;e und sichtbare <strong>Aufbauprojekte</strong>, vor allem in der Verkehrsinfrastruktur und im Gesundheitswesen. Stra&szlig;en und Krankenh&auml;user sind das erste.</p><p>(6) Um landesweit Stabilit&auml;t zu f&ouml;rdern, die Autorit&auml;t der Zentralregierung zu st&auml;rken und den Wiederaufbau voranzubringen, w&auml;re eine <strong>Ausweitung von ISAF</strong> a la Kabul der beste Weg (&bdquo;ISAF-Inseln&quot;). Das wird seit langem von Brahimi, Karzai, seit dem 17. Juni auch von 85 internationalen NGO`s gefordert. Nach Sch&auml;tzungen des ISAF-Kommandeurs w&auml;ren daf&uuml;r mindestens 10.000 zus&auml;tzliche Soldaten notwendig. Die I.G. ist dazu in keiner Weise bereit. Schon die Abl&ouml;sung von ISAF III durch ISAF IV machte gr&ouml;&szlig;te Probleme. Irak wirkt als Konkurrenz. Die ISAF-Ausweitung kann mit guten Gr&uuml;nden gefordert werden. Kurzfristig ist sie aber keine realistische Option.</p><p>(7) &bdquo;Zweitbeste&quot; bzw. &bdquo;schlechteste, aber machbare&quot; L&ouml;sung sind die von den USA seit Herbst 2002 entwickelten <strong>Provincial Reconstruction Teams (PRT</strong>). Der VN-Sicherheitsrat hat am 17. Juni den Aufbau von PRT`s ausdr&uuml;cklich begr&uuml;&szlig;t. Geplant sind PRT f&uuml;r acht Hauptorte in den Provinzen parallel zu den dortigen UNAMA-Niederlassungen und dort jeweils f&uuml;r die umgebenden ca. f&uuml;nf Provinzen zust&auml;ndig. Installiert wurden bisher vier ( US in Gardez, Kunduz und Bamian, GB in Mazar-i-Sharif). Ihre Dreifach-Aufgabe (Stabilit&auml;t, St&auml;rkung Zentralregierung, Wiederaufbau) und Zusammensetzung ist je nach Provinz unterschiedlich gewichtet. Die Gesamtst&auml;rken liegen bisher zwischen 70 und 140 Mitarbeitern, die milit&auml;rische Komponente umfasst 60-100 Soldaten, davon ein gro&szlig;er CIMIC-Anteil. </p><p>Die PRT bringen internationale Pr&auml;senz in die Provinzen, wirken als robuste internationale Beobachter, stehen in st&auml;ndigem Kontakt mit den wesentlichen Akteuren, f&ouml;rdern Wiederaufbau und k&ouml;nnen Druck auf lokale F&uuml;hrer aus&uuml;ben. Wie ISAF haben sie aber kein eigenes Erzwingungsmandat. An die PRT k&ouml;nnen Elemente der Sicherheitssektorreform, vor allem Polizeiaufbau, angegliedert werden. PRT bilden Stabilisierungsinseln, in deren Windschatten humanit&auml;re und NGO`s unter Wahrung ihrer Unabh&auml;ngigkeit arbeiten k&ouml;nnen. Das PRT-Konzept ist flexibel und kann von der jeweils verantwortlichen Nation offen gestaltet werden.</p><p>Wenn die PRT schon eine Minimall&ouml;sung sind, dann m&uuml;ssen sie zumindest ernsthaft und mit vollem Einsatz betrieben werden. DEU muss ein wirklich handlungsf&auml;higes PRT aufbauen. Die &Uuml;bernahme eines PRT blo&szlig; als Alibihandlung w&auml;re unverantwortlich.</p><p>Der dt. Rolle in AFG angemessen ist die &Uuml;bernahme eines zivil-milit&auml;rischen PRT in einer mittelschweren Region (z.B. Kundus) und der Aufbau eines rein zivilen Zentrums (erweitertes Generalkonsulat) in Herat. An beidem k&ouml;nnten sich andere europ&auml;ische Partner beteiligen. Nachdem das DEU Kontingent mit Abgabe der Lead-Rolle um 800 Soldaten reduziert wurde, besteht zumindest quantitativ Spielraum f&uuml;r die Bereitstellung von einigen hundert Soldaten.</p><p>Wegen der Auftrags&auml;hnlichkeit, besseren Akzeptanz und multinationalen F&uuml;hrung/Koordina-tion sollten die PRT auf Basis eines erweiterten ISAF-Mandates und nicht um Rahmen von Enduring Freedom arbeiten. Die Evakuierungskapazit&auml;t w&uuml;rde aber wie bei ISAF von E.F. gestellt. </p><p>Die Signale hierf&uuml;r in New York, Washington und Bagram sind positiv. </p><p>PRT m&uuml;ssen sorgf&auml;ltig vorbereitet und aufgebaut werden. Der bevorstehende Wahlprozess gebietet aber Z&uuml;gigkeit dabei. Deshalb d&uuml;rfen Entscheidungen nicht erst im Winter und nach einer Konferenz gef&auml;llt werden. Damit w&uuml;rde &auml;u&szlig;erst knappe Zeit verspielt.</p><p>(8) Zum Jahresende ist eine <strong>Petersberg-III-Konferenz</strong> notwendig. Nach zwei Jahren ist eine Zwischenbilanz der bisherigen Fortschritte und Defizite, eine Weiterentwicklung des Stabilisierungskonzeptes und eine Neumobilisierung der I.G. &uuml;berf&auml;llig. (Die Zusagen der Staaten reichen in der Regel bis 2004/5.)</p><p>(9) Die <strong>Bundesrepublik Deutschland</strong> steht f&uuml;r AFG in besonderer Verantwortung: Sie gab wesentliche Anst&ouml;&szlig;e zum Bonn-Prozess, hat eine f&uuml;hrende und besonders verl&auml;ssliche Rolle bei ISAF und Polizeiaufbau und leistet vorbildliche Beitr&auml;ge zum Minenr&auml;umen, humanit&auml;rer Hilfe, F&ouml;rderung des Bildungswesens und der Zivilgesellschaft. Das &uuml;beraus hohe Ansehen der Deutschen in AFG geht mit besonders hohen Erwartungen gegen&uuml;ber der Bundesrepublik einher. Diese besondere Verantwortung l&auml;sst sich nur mit einer Konzentration - und Verst&auml;rkung - der begrenzten politischen, milit&auml;rischen, polizeilichen und zivilen Kr&auml;fte erreichen. Ein umfassendes Irak-Engagement w&uuml;rde dem zuwider laufen.</p><p>Die Erfahrung gerade der diplomatischen, zivilen und polizeilichen Kapazit&auml;tsgrenzen der Bundesrepublik unterstreicht die Bedeutung des &bdquo;Aktionsplans Krisenpr&auml;vention&quot;, der zzt. erarbeitet wird und mit dem die nichtmilit&auml;rischen F&auml;higkeiten systematisch gest&auml;rkt werden sollen.</p><p>(10) <strong>R&uuml;ckzug</strong> ist immer eine mitzudenkende Option. In der jetzigen Situation w&auml;re ein R&uuml;ckzug der Gipfel an Verantwortungslosigkeit und verheerend. Der Ausstieg DEU`s als dem verl&auml;sslichsten Partner AFG`s h&auml;tte eine Kettenreaktion bei anderen L&auml;ndern zur Folge und w&uuml;rde die Stabilisierungsbem&uuml;hungen der I.G. de facto abbrechen. Die gro&szlig;e Mehrheit der kriegsm&uuml;den Afghanen w&uuml;rde den Taliban, Al Qaida, Hekmatyar und anderen Warlords &uuml;berlassen. AFG k&ouml;nnte wieder zum Ausbildungs- und Exportland des internationalen Terrorismus werden. Ein R&uuml;ckzug w&uuml;rde die Bundesrepublik in eine Reihe mit den schlimmsten VN-Gegnern in der Bush-Regierung stellen und w&auml;re der Bruch mit allen Prinzipien einer Au&szlig;enpolitik der Kriegsverh&uuml;tung und globalen Mitverantwortung.</p><h3><strong>Erfahrungsbericht: Kabul im August 2003</strong></h3><h4>Bei ISAF</h4><p>ISAF ist im Unterschied zur Protektorats-Streitkraft KFOR ausdr&uuml;cklich nur eine Assistance-Force, wo die Hauptverantwortung f&uuml;r Sicherheit, Entwaffnung etc. bei den afghanischen Stellen (Regierung, Polizei) liegt - unabh&auml;ngig von ihrer Schw&auml;che, Widerspr&uuml;chlichkeit, partiellen Korruptheit. (&bdquo;second row approach&quot;)</p><p>An ISAF III mit insgesamt 5.369 Soldaten waren 29 Nationen beteiligt, davon DEU mit 2.290, NL 572, FR 503, IT 270, T&Uuml;R 112 ... Die Kabul Multinational Brigade (KMNB) stand bisher unter DEU Kommando und bestand aus zwei dt., einer frz. Battlegroup/Einsatzver-band. Die dt.BG bestand aus acht Z&uuml;gen. Ein Zug ist jeweils einem Polizeidistrikt zugeordnet. Zusammen mit afg Polizisten werden pro Tag 80-100 Patrouillen durchgef&uuml;hrt, die H&auml;lfte davon nachts. Der dt. CIMIC-Anteil umfasst ca. 100 Soldaten. </p><p>Die allgemeinen Rules of Engagement sind durch nationale Vorbehalte weiter eingegrenzt, z.B. Einsatz der t&uuml;rk. Kompanie ausschlie&szlig;lich im 1. Polizeidistrikt, Kommandeur-Vorbehalt bei Einsatz von mehr als Handfeuerwaffen, kein CS-Gas (D).</p><p>Das Kommando &uuml;ber die KMNB ist am 11. Juli auf CAN &uuml;bergegangen. Das dt. Kontingent sank um 800 auf knapp 1.500, davon 668 in der KMNB, 100 (bisher 200) im ISAF-Head-quarter, 220 (440) Kabul International Airport.</p><p>Die Force Regeneration (Rekrutierung der Abl&ouml;sekr&auml;fte) machte erhebliche Probleme: NL wie TSCH ziehen ganz aus AFG zugunsten Irak ab, auch GB hat deshalb Abl&ouml;seprobleme. DEU h&auml;lt &uuml;ber urspr&uuml;nglichen Termin hinaus Kr&auml;fte f&uuml;r den Betrieb von KIA.</p><p><strong>Feldlager Camp Warehouse</strong> an der Ausfallstra&szlig;e nach Jalalabad. In den fr&uuml;hen Morgenstunden ist der Himmel noch strahlend blau, die Luft klar und frisch, ringsum die Berge des Hindukusch. Nach Westen steht aber schon die graue Staubglocke &uuml;ber Kabul. &Uuml;ber die Schotterwege laufen Jogger - und kehren staubbedeckte offene Jeeps von der Nachtpatrouille zur&uuml;ck. Schon meine drei Tage und N&auml;chte im Camp lassen mich die strapazi&ouml;sen Lebens- und Arbeitsbedingungen nachempfinden: die Hitze, der Staub, die Enge, die fehlenden R&uuml;ckzugsm&ouml;glichkeiten, die Dauerbelastung einer Siebentagewoche, wo nur sonntags sp&auml;ter aufgestanden werden kann. </p><p>Das Camp war urspr&uuml;nglich f&uuml;r 1.200 Soldaten geplant, war dann mit 2.600, schlie&szlig;lich 1.600 belegt. Folge war ein st&auml;ndiges Improvisieren, An- und Umbauen. Der improvisierte Feldlageraufbau f&uuml;hrt zu erschwerten Arbeits- und Lebensbedingungen und letztendlich h&ouml;heren Kosten. &Uuml;ber die Schotterstra&szlig;en und -wege k&ouml;nnen sich die allt&auml;glichen Staubwinde und -st&uuml;rme besonders leicht ausbreiten. Hochwertiges technisches Ger&auml;t z.B. im Feldlazarett ist nur begrenzt gegen den Staub abschirmbar. Dass es anders geht, zeigen jetzt gerade die kanad. Streitkr&auml;fte: Die faktische Lead-Nation von ISAF IV legt binnen einiger Wochen planm&auml;&szlig;ig ein Lager aus &bdquo;einem Guss&quot; an, in dem dann das Kontingent untergebracht wird. CAN hat eine Stehzeit von einem Jahr angek&uuml;ndigt. DEU geht bisher nicht so vor, weil Mittel nur f&uuml;r die Laufzeit des Mandates zugewiesen werden und keine Mittel f&uuml;r l&auml;ngerfristige Vorhaben zur Verf&uuml;gung stehen.</p><p>Die ersten Kontinente waren alle in Zelten untergebracht. Inzwischen stehen zw&ouml;lf &bdquo;Feldh&auml;user&quot; zur Verf&uuml;gung. Die Soldaten sind voll des Lobes &uuml;ber die Fertigh&auml;user f&uuml;r 96 Soldaten und die zugeh&ouml;rigen Funktionsr&auml;ume. Auf einer Stube liegen vier Mannschaftsdienstgrade. Die Hitze wird m&ouml;glichst mit Totalverdunkelung und Klimaanlagen rausgehalten.</p><p><strong>Dt. Feldlazarett</strong> mit Notaufnahme, Ambulanz, OP, dem einzigen Computertomographen in Kabul, Bettenstation, Intensivbetten, Telemedizin, Labor, Veterin&auml;rmedizinern etc. St&auml;ndig fallen Notf&auml;lle an, von Verkehrsunf&auml;llen bis zu Minen- und Anschlagsopfern. Betreut werden hier mit politischer Absicht afghanische Prominente, aber auch Normalb&uuml;rger. Binnen weniger Minuten ist das multinationale Personal einsatzbereit. Ausgezeichnet lief diese Zusammenarbeit, als am 7. Juni 24 zum Teil schwerst Verletzte versorgt werden mussten. </p><p>Das Feldlazarett verschafft der Bundeswehr, den Deutschen in Kabul h&ouml;chsten politischen Gewinn.</p><p><strong>Patrouille mit dem Alpha-Zug</strong> der GE BG West (Dt. Einsatzverband West), die aus einer t&uuml;rkischen und einer dt. Kompanie besteht. Die dt Kp umfasst 94 Soldaten, von denen 80 Einsatzsoldaten sind. Die Soldaten stammen alle aus dem PzGrenBtl 152 (7. PzDiv.) in Schwarzenborn/Hessen unter Oberstleutnant Remus und sind seit dem 23. Juni in Kabul. Der Alpha-Zug ist dem 5. Polizeidistrikt zugeordnet, dessen Polizeichef vor drei Wochen ermordet wurde.</p><p>Auftrag: Pr&auml;senz zeigen, Informationsgewinnung, sechst&auml;gige Kurzausbildung f&uuml;r Polizisten.</p><p>Grunds&auml;tze: Assistance-Rolle, t&auml;glich (wenn m&ouml;glich mit afg Polizisten) und ca. 50% nachts, offen, bestimmt und h&ouml;flich/&quot;wave and smile&quot; (Frauen tabu), keine Versprechen und keine Geschenke, stets mit Sprachmittlern </p><p>In der Art der Patrouillen gibt es Unterschiede zwischen den Nationen. CAN patrouilliert mit Helm, die dt. Soldaten tragen Tropenhut, legen Wert auf Fu&szlig;patrouillen und Gespr&auml;chskontakte. Probleme macht aber manchmal die &bdquo;2. Reihe&quot;, wenn man sich z.B. bei einem zu kontrollierenden verdunkelten Pick up sicher ist, dass er Waffen oder Drogen transportiert, die begleitenden afg Polizisten aber mit Verweis auf den &bdquo;vertrauensw&uuml;rdigen&quot; Besitzer durchwinken.</p><p>Befehlsausgabe in der Operationszentrale. Die Threat Warnings Liste umfasst 14 Anschlagswarnungen seit dem 4. Juni. Die Ernsthaftigkeit der Warnungen ist schwer zu beurteilen - manchmal sollen sie auch vom afg Geheimdienstquellen lanciert sein.</p><p>Die Patrouille umfasst zehn Soldaten mit zwei offenen Wolf-Jeeps und zwei gesch&uuml;tzen Dingos und wird von einem Leutnant gef&uuml;hrt. Der Dingo fasst f&uuml;nf Soldaten, sch&uuml;tz t gegen Schusswaffen und Minen und erlaubt gegenseitigen Sichtkontakt. Vor dem Beifahrersitz befindet sich der gro&szlig;e Monitor des taktischen F&uuml;hrungssystems FAUST, das den jeweiligen aktuellen Kartenausschnitt des Einsatzraumes und den eigenen Standort zeigt. Auf der fast einst&uuml;ndigen Fahrt zum 5. Polizeidistrikt im Westen wird erst auf der Jalalabad-Route immer die Anschlagsstelle vom 7.Juni passiert. Dann geht es durch ein Viertel, das bis zu hundert Prozent zerst&ouml;rt ist und wo Mauerreste wie Zahnst&uuml;mpfe aus dem Tr&uuml;mmermeer hervorragen. Der Verkehr ist dicht, chaotisch, unberechenbar. Der gr&ouml;&szlig;te Teil sind gelbe Taxen. Die Fahrzeuge aller Arten sind meist &uuml;berladen. </p><p>Anlaufpunkt ist die Polizeiwache des Distrikts, wo ca. hundert afghanische Polizisten auf 70.000 Einwohner kommen. Nach dem Mord von vor drei Wochen steht hier rund um die Uhr ein Dingo mit zwei dt. Soldaten. Das B&uuml;ro des neuen Polizeichefs ist voller Plastikblumen. </p><p>Bei der folgenden Fu&szlig;patrouille bilden zwei afg Polizisten Hand in Hand die Spitze. Die folgenden dt. Soldaten sichern rundum und verhalten sich zugleich offen f&uuml;r Kontakte. Auf ihr aktives L&auml;cheln, Gr&uuml;&szlig;en und Winken antworten J&uuml;ngere durchweg freundlich bis herzlich, &Auml;ltere freundlich bis verhalten. Ab &bdquo;Romeo-Kreisel&quot; geht es durch quirlige Menschenmassen. </p><p>Auf dieser Patrouille erlebe ich leibhaftig die St&auml;rke von ISAF: Mit 80 Soldaten auf eine Million Einwohner im Verantwortungsbereich der BG West w&auml;re sie als feindlich empfundene Besatzungstruppe v&ouml;llig chancenlos. ISAF kann nur frei agieren und wirken, weil sie eine hoch angesehene Unterst&uuml;tzungs- und Stabilisierungstruppe ist. Nach Umfragen begr&uuml;&szlig;en 98% der Kabuler Bev&ouml;lkerung die ISAF-Pr&auml;senz. </p><p>Das gilt in besonderer Weise f&uuml;r das dt. Kontingent. Noch nie habe eine Patrouille gemeldet, dass sie in Gefahr geraten sei - so ein hoher Offizier. Mit Zulieferung der neuen, der US-Uniform &auml;hnelnden Tropenuniform f&uuml;hrte die Bundeswehr eine Kampagne zur besseren Unterscheidung von dt. und US-Uniform durch.</p><h4>Operative Information</h4><p>Hier ist der schon auf dem Balkan bew&auml;hrte OTL Gr&ouml;nhagen die besonders kreative Kraft. Neben Plakaten, Flugbl&auml;ttern und ISAF-News (Zeitung mit der gr&ouml;&szlig;ten Auflage in Kabul) ist Hauptmedium der Sender &bdquo;Sada-e-Asadi/Stimme der Freiheit&quot;, der 24 Stunden im Gro&szlig;raum Kabul sendet. Neben st&uuml;ndlichen Nachrichten, regelm&auml;&szlig;igen Gru&szlig;- und H&ouml;rersendungen wird afg und europ&auml;ische Musik ausgestrahlt. Nach BBC soll das Radio der zweitbeliebteste Sender sein. Er lie&szlig; den Absatz von Radios deutlich ansteigen und von Kassetten zur&uuml;ckgehen. Die H&ouml;rerbindung ist enorm: Von 20.000 verteilten Karten kamen 16.000 zur&uuml;ck. Beim Sender arbeiten etliche AfghanInnen. Er wird massiv vom AA unterst&uuml;tzt und soll demn&auml;chst privatisiert werden.</p><p>Beim Einsatz von gepanzerten Fahrzeugen und Hubschraubern wird die Erinnerung an die sowjetischen Streitkr&auml;fte mitbedacht. Anl&auml;sslich verst&auml;rkter Hubschrauberfl&uuml;ge wurde eine Informationskampagne durchgef&uuml;hrt. Panzer werden auch wegen dieser noch wachen Assoziationen ausdr&uuml;cklich nicht eingesetzt.</p><p>Zum Schulbeginn am 22. M&auml;rz f&uuml;hrte OpInfo eine Kampagne f&uuml;r den Schulbesuch von M&auml;dchen durch. W&auml;hrend der Irak-Krise startete man eine Anti-Gewalt-Kampagne, bei der die wei&szlig;e Friedensschleife mit gr&uuml;nem ISAF-Sticker sowie Drachen mit afghanischen, ISAF- und Friedensfarben und -symbolen verbreitet wurden. Kinder bekamen f&uuml;r Spielzeugwaffen Schulhefte und Bleistift.</p><p>Am Tag des Kommandowechsels sehe ich an den Stra&szlig;ensperren zwei besondere dt. Dingos: Die Soldaten haben ihnen &bdquo;Einstein&quot; und &bdquo;Pythagoras&quot; auf den Stahl gepinselt.</p><h4>Sicherheit</h4><p>Die Ausstattung mit (teil-)gepanzerten und gesch&uuml;tzten Fahrzeugen und der Fahrzeug-Mix auf der Stra&szlig;e wird allgemein als ausreichend gewertet. Allerdings habe man f&uuml;r den Schlimmstfall einer Evakuierung unter feindlichen Bedingungen nichts in der Hinterhand, z.B. Marder. Hier ist man v&ouml;llig auf die US-Streitkr&auml;fte angewiesen.</p><p>Dass auch Transport-F&uuml;chse keinen absoluten Schutz gegen Terroranschl&auml;ge bieten, zeigen mehrere Situationen am Hochsicherheitstag des Kommandowechsels: Die Fuchs-Kolonne muss immer wieder Taxen, Lkw`s und auch mal einen Tanklastzug &uuml;berholen.</p><p>Allgemein versuchen Milit&auml;rfahrzeuge und Internationale Anschlagsrisiken durch offensive und schnelle Fahrweise (eingebaute Vorfahrt) zu reduzieren. Das f&uuml;hrte inzwischen zu einer Zunahme von Unf&auml;llen.</p><p>Gegen&uuml;ber den PRT-&Uuml;berlegungen &auml;u&szlig;ert kein Soldat Ablehnung. Nach dem Grundsatz &bdquo;ganz oder gar nicht&quot; wird eine gewisse Ausweitung eher als Konsequenz aus der ISAF-Pr&auml;senz gewertet.</p><p>Ein besonderes Sicherheitsrisiko sind die lokalen Arbeitskr&auml;fte. Im Camp Warehouse arbeiten ca. 120 lokale Sprachmittler und 150 Arbeiter. Ihre &Uuml;berpr&uuml;fung erfolgt durch einzelne MAD-Mitarbeiter. Der MAD als Organisation darf lt. MAD-Gesetz bisher nur im Inland arbeiten. </p><p>Zur Sicherheitslage ergeben sich unterschiedliche Darstellungen und Wahrnehmungen. </p><p>In Kabul hat sich lt. General van Heyst die Lage in den letzten Monaten verbessert. Durch vorgeschobene &Uuml;berwachungen im Osten und S&uuml;den habe man die bis Ende M&auml;rz monatlichen Raketenbesch&uuml;sse gestoppt.&nbsp; Inzwischen werden vermehrt Anschlagsversuche mit z.T. ferngesteuerten Sprengvorrichtungen registriert. Ein Schwachpunkt ist die Durchl&auml;ssigkeit der Grenze zu Pakistan, wo die Stammesgebiete als R&uuml;ckzugs- und Ausbildungsraum f&uuml;r gegnerische Gruppen dienen. Diese bek&auml;men weiterhin Unterst&uuml;tzung aus dem pakistanischen Geheimdienst.</p><p>Die Bundeswehr achtet - weil als Milit&auml;r auch mehr im &bdquo;Visier&quot; - viel st&auml;rker auf Sicherheit als internationale Zivilisten oder Polizisten. W&auml;hrend ich bei der Bundeswehr drau&szlig;en immer Schutzweste tragen muss und bei der Patrouille von Milit&auml;rpolizisten mit Schnellfeuergewehren abgeschirmt werde, gibt es bei Fahrten mit Botschaft und Polizei keinen Extra-Schutz. Verst&auml;ndlicherweise extrem sind die Sicherheitsvorkehrungen vor und w&auml;hrend der Kommando&uuml;bergabe, wo die Umgebung der Armani-Schule tats&auml;chlich zur Festung ausgebaut ist, wo die Delegation nur mit Fuchs-Transportpanzern zwischen Flughafen, Schule und Warehouse pendelt. Ein solcher Hochsicherheitstag kann zusammen mit einem Sicherheits-Briefing &uuml;ber die Anschl&auml;ge der letzten Monate bei Kurzzeitbesuchern den Eindruck erwecken, als sei Kabul = Bagdad und im latenten Kriegszustand.</p><p>Zur unterschiedlichen Sicherheitswahrnehmung geh&ouml;rt, dass dt. Expertinnen ohne milit&auml;rischen Schutz sogar au&szlig;erhalb Kabuls arbeiten, dass ein dt. VN-Mitarbeiter mit langj&auml;hriger AFG-Erfahrung die Sicherheitslage gelassener und weniger dramatisch bewertet.&nbsp; </p><p><strong>US-Position</strong>: Im Unterschied zu vor einigen Monaten, wo &uuml;ber einen baldigen Abzug der USA gemunkelt wurde, hat AFG inzwischen f&uuml;r die US-Regierung wieder hohe Priorit&auml;t. Gerade im Hinblick auf die Pr&auml;sidentschaftswahlen will man auch in AFG den Erfolg. Und daf&uuml;r wird gepowert. Eine Mrd. US-$ (nach j&uuml;ngsten Meldungen 1,8 Mrd.) wurden f&uuml;r AFG zur Verf&uuml;gung gestellt, davon angeblich 250 Mio. f&uuml;r den Polizeiaufbau. Tausend Ausbilder sollen beim Aufbau der afg. Armee ANA helfen. Der Befehlshaber der US-Enduring-Freedom-Streitkr&auml;fte (Combined Joint Task Force 180) siedelt vom HQ Bagram nach Kabul in die US-Botschaft &uuml;ber und wird dadurch in die politischen Strukturen integriert. </p><p>Gerne s&auml;he man eine st&auml;rkere dt. Beteiligung am ANA-Aufbau und der Restrukturierung des Verteidigungsministeriums.</p><p>Bei den PRT habe man in der Vergangenheit Fehler gemacht. PRT-Aufgabe sei internationale Pr&auml;senz, Kontakt und Druck gegen&uuml;ber lokalen F&uuml;hrern, Koordinierung der verschieden Aktivit&auml;ten. Dabei sei der schnelle Polizeiaufbau wichtiger f&uuml;r die Innere Sicherheit als der der Armee. Am PRT-Ort Gardez seien inzwischen ein sehr inkompetenter Gouverneur und korrupte Milit&auml;r- und Polizeikommandeure durch seri&ouml;se Personen abgel&ouml;st worden. (Anm.: Um solche Herren nicht den Feinden der Zentralregierung und I.G. zuzutreiben, muss ihnen aber meist ein anderer Posten geboten werden.) DEU sei weitgehend frei hinsichtlich PRT-Ort, Struktur etc.. Sowohl ein rein ziviles PRT (&bdquo;Deutsches Haus&quot;) in Herat w&uuml;rde begr&uuml;&szlig;t wie auch ein gemischtes PRT in Kunduz oder Jalalabad. Charikar werde als zu wenig f&uuml;r DEU angesehen.</p><h4>ISAF-/PRT-Perspektiven</h4><p>Wer auf absehbare Zeit ISAF abziehen will, muss alles f&uuml;r den Sicherheitssektor tun.</p><p>Bei den Wahlen im n&auml;chsten Juni brauchen 25.000 Wahlhelfer Schutz. Einigerma&szlig;en fairer Wahlverlauf ist nur mit Sicherheit auch in den Provinzen gew&auml;hrleistet. &bdquo;Wer den Bonn-Prozess fortf&uuml;hren will, muss Wahlen durchf&uuml;hren und akzeptable Sicherheit schaffen.&quot;</p><p>Daf&uuml;r gibt es drei Optionen:</p><ul><li>a) Ausweitung von ISAF auf zw&ouml;lf, dreizehn gr&ouml;&szlig;ere St&auml;dte - wie im Annex 1 des Bonn-Abkommens in Aussicht genommen: Wenn in jede Stadt ein verst&auml;rktes Bataillon (500-600 Soldaten) k&auml;me, liefe das auf grob gerechnet 10.000 zus&auml;tzliche Soldaten als Minimum hinaus. (Zur Erinnerung: Die UdSSR hatte 120.000 Soldaten in AFG plus afg Armee. KFOR umfasste anfangs 60.000, SFOR 40.000 Soldaten.) Solches fordert der NGO-Aufruf, der &uuml;brigens das beste Zeugnis f&uuml;r ISAF sei. </li><li>b) Durch afg Sicherheitsorgane, was aber auch bei st&auml;rkerem internationalen Engagement zwei, drei Jahre brauche</li><li>c) Provincial Reconstruction Teams als vielleicht schlechteste, aber machbare L&ouml;sung. Die bisherigen PRT umfassen 60-100 Soldaten. Bei der ersten DEU Fact Finding Mission habe es keine R&uuml;cksprache mit der BW in Kabul gegeben. Kein Wunder, dass sie &bdquo;aufgeschlagen&quot; sei. Die Option Charikar sei l&auml;cherlich. Soldaten schicke man ja gerade dorthin, wo es gef&auml;hrlicher sei. Herat k&ouml;nne auch ganz zivil realisiert werden. </li></ul><p><strong>Anmerkung: Die NATO errechnete f&uuml;r drei Varianten einer ISAF-Ausweitung einen Kr&auml;ftemehrbedarf von 5.000, 30.000 und 60.000 Soldaten</strong></p><p>Die bisherigen US-PRT`s sind in der Startphase mehr milit&auml;risch, in der zweiten Phase mehr zivil-politisch orientiert. Das PRT Gardez ist wie ein Fort angelegt und hat 120 Soldaten, f&uuml;nf Zivilisten. Das PRT Bamian liegt im Hochland, ist kleiner, hat eine st&auml;rker zivile Komponente und wird von Neuseeland &uuml;bernommen. Das PRT Kunduz ist das kleinste mit 40 Soldaten&nbsp; (&uuml;berwiegend Support) und Vertretern von State Departement und US-Aid. </p><p>Es war nie geplant, dass NGO`s in PRT arbeiten sollten. NGO`s sollen viel mehr im Schatten der PRT arbeiten k&ouml;nnen. </p><p>Zwei der drei Kernaufgaben (Stabilisierung und Unterst&uuml;tzung der Zentralregierung) stehen dort massiv im Konflikt, wo Provinzstabilit&auml;t aus den Gewehrl&auml;ufen von Warlords kommt.</p><p>Erste Voraussetzung f&uuml;r PRT ist die grunds&auml;tzliche Zustimmung lokaler Machthaber. Bei der Standortwahl und Ausstattung der PRT sind Versorgungs- und Rettungsketten zu ber&uuml;cksichtigen. F&uuml;r die Breitenakzeptanz ist die klare Unterscheidbarkeit von Enduring Freedom und die Anbindung an ISAF von zentraler Bedeutung.</p><h3>Mit zivilen Akteuren</h3><p>&nbsp;</p><p><strong>Botschaft</strong>: Zum Verfassungsprozess laufen erste Konsultationen in den Provinzen. Insgesamt soll der Diskussionsprozess wegen zentrifugaler Risiken m&ouml;glichst kurz gehalten werden. Strittig sind noch die Rollen von Pr&auml;sident und Ministerpr&auml;sident, die Parit&auml;t der Volksgruppen, das f&ouml;derale Element und die Rolle des Islam. Zugleich beginnt in den n&auml;chsten Monaten die W&auml;hlerregistrierung durch UNAMA, die bei Null anfangen muss. Bei den Paschtunen herrscht Verweigerungshaltung gegen die Registrierung von Frauen. Der Wahlmodus ist noch nicht gekl&auml;rt. Eine kulturell angepasste Informationskampagne hat sich gut angelassen. </p><p>Schwerpunkte der Botschaft sind: Unterst&uuml;tzung des Bonn-Prozesses, Lead-Rolle im Sicherheitsbereich, Unterst&uuml;tzung des Wiederaufbaus. Hierzu kommen vom AA und BMZ je 30 Mio. &euro;, mit EU- usw. Anteilen insgesamt 80 Mio. &euro;. Von Dezember 2001 bis Dez. 2002 wandte DEU insgesamt eine knappe Mrd. &euro; f&uuml;r AFG auf. </p><p>Auf die Frage, ob das Geld reiche, wird zwischen Bedarf und Absorptionsf&auml;higkeit unterschieden. Mit dt. Geld k&ouml;nne man Anst&ouml;&szlig;e geben. Mehr Mittel brauche man f&uuml;r die Polizei. Und f&uuml;r die richtig gro&szlig;en Projekte wie Stra&szlig;enbau habe DEU kein Geld. Die EU schaffte es bisher nicht, die hierf&uuml;r bewilligten Gelder auch umzusetzen. Auf dem Land gibt es keine Telefonverbindungen und nur schlechteste Stra&szlig;enverbindungen. Die Menschen m&uuml;ssen sehen und sp&uuml;ren, dass sich was tut. Insofern sei es schon richtig, dass die USA jetzt im Hinblick auf die Wahlen klotzen. Das darf dann nur nicht abbrechen.</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Gesellschaft f&uuml;r Technische Zusammenarbeit/gtz</strong>: Dr. Monika Klinger und Dr. Citta Maa&szlig; (swp) arbeiten an dem gtz-Projekt &bdquo;F&ouml;rderung von Rechtsstaatlichkeit&quot;. Frau Klinger arbeitet vor allem auf dem Polizei- und Justizsektor (F&ouml;rderung des Frauenanteils in der Polizei, &Uuml;berarbeitung aller poliz. Gesetze, Training von Staatsanw&auml;lten, Polizisten, Vollzugspersonal, Disziplinarkommission im Innenministerium). Frau Maa&szlig; unterst&uuml;tzt die &Ouml;ffentlichkeitsarbeit zur Vorbereitung der Wahlen durch train-the-trainer-workshops zur Gewaltenteilung, durch Aufbau eines Netzwerkes in den Provinzen. Die Lehr- und Lernmethoden sind der Erfahrungswelt und den Denkstrukturen der Menschen auf dem Lande angepasst. Bei den bisher acht workshops zeigten die TeilnehmerInnen eine enorme Lernbereitschaft und Motivation. Frau Maa&szlig; erstellt f&uuml;r UNAMA ein Lexikon f&uuml;r die Wahlen.</p><p>Barbara Clasen arbeitet seit eineinhalb Jahren in AFG, seit 1. Juli in einem Frauenf&ouml;rderprojekt in Kandahar. Schwerpunkte sind hier Bildung, Ausbildung Save House f&uuml;r Sch&uuml;lerinnen und Studentinnen), Gesundheit (Basisgesundheitsaufkl&auml;rung, Grundhygiene), einkommensschaffende Ma&szlig;nahmen und Medien. Die Erfahrung zeige, dass auch in der ber&uuml;chtigten Kandahar-Region einiges m&ouml;glich sei.</p><p>Ganze Regionen - z.B. Jalalabad ostw&auml;rts - seien ganz ohne medizinische Versorgung, auch wegen fehlender Verkehrsinfrastruktur. </p><p>In der Regel gehen NGO`s nicht mehr in negativ abgestempelte Provinzen. Dabei gibt es gen&uuml;gend engagierte AfghanInnen. Aber die brauchen Flankierung und Unterst&uuml;tzung &uuml;ber Geld hinaus. </p><p>Vom PRT Gardez wird berichtet, dort seien Special Forces, Milit&auml;r und Zivilkr&auml;fte nicht unterscheidbar gewesen. Bei einem dt. PRT solle die polizeilich/zivile Komponente auf jeden Fall eine st&auml;rkere Rolle spielen.</p><p>&nbsp;</p><p><strong>Medica Mondiale</strong> arbeitet seit Februar 2002 in Kabul. Schwerpunkte sind capacity building, Traumaarbeit, gyn&auml;kologische Klinik mit afg &Auml;rztinnen aus D (f&uuml;r ein, drei und mehr Monate), weibliche Gefangene (ihr &bdquo;Delikt&quot;: Sex vor der Ehe, Verweigerung gegen&uuml;ber dem versprochenen Mann, Verlassen des Ehemannes), zwei Frauenh&auml;user, F&uuml;hrerscheinunterricht mit enormem Andrang.</p><p><strong>Staatspr&auml;sident Karzai: </strong>Das Gespr&auml;ch in seinem Dienstzimmer ergibt sich kurzfristig und dauert 40 Minuten. Zun&auml;chst erinnert er freundlich an die kleinen Gr&uuml;nen mit ihren neuen&nbsp; Ideen in den 80er Jahren und betont ihre heutige Bedeutung. </p><p>Die VN h&auml;tten uns mehr Zeit f&uuml;r Verfassung und Wahlen geben sollen. Jetzt ist der Verfassungsentwurf fertig. ER soll in den n&auml;chsten zwei Wochen ver&ouml;ffentlicht werden. In den n&auml;chsten vier Monaten sollen die Auffassungen der Menschen aufgenommen werden. Die Verfassungs-Loya Jirga werde wohl eher im Dezember als im Oktober stattfinden. </p><p>Die unabh&auml;ngige Wahlkommission muss die Sicherheit und Freiheit der Wahlen garantieren. F&uuml;r die Wahlen im Juni m&uuml;ssen schnell gen&uuml;gend afg. Polizisten trainiert werden, m&uuml;ssen Entwaffnung und Demobilisierung vorankommen. Wo notwendig, sollten internationale Streitkr&auml;fte eingesetzt werden. Ihr Einsatz m&uuml;sse ausgeweitet und verst&auml;rkt werden. Nicht ISAF, sondern gest&auml;rkte afg. Kr&auml;fte sollen Waffen einsammeln. Das ist ein sehr popul&auml;rer Prozess.</p><h3>Bei der Polizei</h3><p>&nbsp;</p><p><strong>Innenminister Jalali</strong> (er hat den seltenen Ruf von Integrit&auml;t; er gilt als hoch gef&auml;hrdet): In der Polizeiakademie haben seit 2002 1.500 Polizeisch&uuml;ler die Dreijahresausbildung f&uuml;r Polizeioffiziere begonnen. Diese soll nun verk&uuml;rzt werden. Der ANA-Aufbau sei relativ teuer und brauche Zeit. Die Polizei hingegen k&ouml;nne schneller und billiger aufgebaut werden. Sechs Ausbildungszentren seien in Hauptorten parallel zu UNAMA-Niederlassungen und PRT`s geplant. </p><p>F&uuml;r 6.000 Wahllokale m&uuml;sse Sicherheit gew&auml;hrleistet werden. In einem Wettrennen mit der Zeit m&uuml;ssten 60.-80.000 Streifenpolizisten und zehn Einheiten Bereitschaftspolizei aufgestellt werden. Die Polizisten bekommen Vierjahresvertr&auml;ge mit Verl&auml;ngerungsoption. Mit 60 $/ Monat seien aber Freiwillige nicht zu gewinnen - erst recht keine loyalen. </p><p>Mit der deutschen Polizeiausbildung habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. </p><p>&nbsp;</p><p><strong>Projektb&uuml;ro Polizei Kabul</strong>, nahe beim ISAF-HQ: Das PBPK besteht aus 17 BeamtInnen von BKA, BGS und L&auml;nderpolizeien mit dem Leitenden Kriminaldirektor Peter Zumhoff (BKA) an der Spitze. Je ein bis zwei Beamte sind zust&auml;ndig f&uuml;r Aus- und Fortbildung, IT/Logistik, Werkstatt, Rauschgift, Terrorismus, Kriminaltechnik. Auftrag des PBPK ist, in Wahrnehmung der dt. Lead-Rolle Beratung und Koordinierung beim Aufbau der afg. Polizei - bei der Struktur des Innenministeriums, der Ausbildung, der Rauschgiftbek&auml;mpfung, der Ausstattung. Das B&uuml;ro koordiniert die finanziellen und personellen Unterst&uuml;tzungsleistungen von insgesamt 13 Staaten.</p><p>Vorschl&auml;ge zur IM-Struktur wurden akzeptiert, noch nicht zu Prozessen (z.B. personelle Umbesetzungen, wo Polizeichefs zugleich gro&szlig;e Drogenh&auml;ndler sind).</p><p>Ausbildung: Die zerst&ouml;rte Polizeiakademie wurde mit Hilfe des THW und 300 &ouml;rtlicher Kr&auml;fte wiederaufgebaut. (s.u.). Ein Ausbildungskonzept und Curricula wurden erarbeitet, Lehrg&auml;nge durchgef&uuml;hrt und ein Kurs-Katalog f&uuml;r internationale Partner erstellt. Von insgesamt 36 Ausbildungs- und Fortbildungsma&szlig;nahmen organisiert DEU 26, z.B. Train-the-Trainer Lehrg&auml;nge F&uuml;hrungslehre, Menschenrechte, Polizei im Rechtsstaat, Seminar mit 30 der 32 Provinzkommandeure, Frauenseminar f&uuml;r 40 Polizistinnen, Verwaltungshandeln - Menschenrechte zusammen mit der gtz in Herat etc. (Seit April haben die USA und Grundausbildung und Ausstattung des einfachen Polizeidienstes &uuml;bernommen.)</p><p>Ausstattung: DEU stellte 190 Polizeifahrzeuge, 150 Motorr&auml;der, Uniformen (z.B. f&uuml;r die Grenzpolizei am Flughafen) und Computer zur Verf&uuml;gung. Hamburg lieferte allerdings 40 Paletten mit unbrauchbar gemachten Uniformen!</p><p>(Wieder-)Aufbau von bisher elf Polizeistationen mit Hilfe von CIMIC (60.-85.000 &euro;/Station), des Rauschgifthauses, Umbau des Innenministeriums und des Zentralen Kriminalamtes (&bdquo;LKA&quot;). Geplant sind das Hauptquartier der Grenzpolizei und ein Geb&auml;ude Terrorismusbek&auml;mpfung.</p><p>Schwerpunkte 2003/4 sind: Wiederaufbau weiterer Dienstgeb&auml;ude in Kabul und auch in den Provinzen, Aufbau von Einheiten f&uuml;r LKA, Kriminaltechnische Untersuchung, Rauschgift- und Terrorismusbek&auml;mpfung, Aufbau der Grenzpolizei (12.000 bis 2005) und der Fernstra&szlig;enpolizei (2.500 Polizisten innerhalb von drei Jahren gegen illegale &bdquo;Z&ouml;llner&quot;).</p><p>Hauptproblemfelder sind Sicherheit f&uuml;r die Verfassungs-Loya Jirga, die W&auml;hlerregistrierung ab Herbst (600 Registrierungsteams mit je zwei Fahrzeugen m&uuml;ssen gesch&uuml;tzt werden) und die Wahl sp&auml;testens im September 2004.</p><p>Bisher ist das Polizeimandat auf Kabul beschr&auml;nkt. Jetzt m&uuml;sse es auf die Provinzen ausgeweitet werden! Ein zentralistischer Polizeiaufbau allein in Kabul sei aussichtslos. Man warte auf ein politisches Signal.</p><p><u>Zu den PRT</u>: In dt. PRT solle auch ein dt. Polizei-Ausbildungsteam sein. Ein Regionalteam f&uuml;r low level training brauche acht Beamte. Hier seien auch solche des mittleren Dienstes einsetzbar. In anderen PRT sollten ein bis zwei Beamte als Ausbilder t&auml;tig sein. </p><p>Der Leiter der Polizeiakademie Kabul w&uuml;nscht dar&uuml;ber hinaus vier bis f&uuml;nf Polizeiausbilder f&uuml;r Kernf&auml;cher. </p><p>Das alles w&uuml;rde einen erheblichen personellen und materiellen Mehraufwand zur Folge haben. (Innenminister wie US-Seite tragen den Wunsch nach einer Ausweitung und Verst&auml;rkung des dt. Polizeiengagements sehr deutlich vor. Das AA will hierf&uuml;r weitere zwei Mio. &euro; bereitstellen. Von den 30 Mio. &euro; des AFG-AA-Etats werden 10-12 Mio. f&uuml;r den Polizeiaufbau verwandt.)</p><p><u>Freiwilligengewinnung</u>: Ein ausgeweitetes Engagement erfordert zugleich bessere Anreize f&uuml;r die freiwilligen Polizisten. Bisher seien die Anreize bei Balkaneins&auml;tzen (Relation Risiken/Entfernung zu Leistungen) h&ouml;her als bei AFG, wo die gesetzlichen H&ouml;chsts&auml;tze gezahlt werden. So manche gesetzliche Regelung ist unflexibel und behindert die Motivation von Freiwilligen mehr als dass sie bef&ouml;rdert wird. Hinzu kommt die Haltung mancher Bundesl&auml;nder: Einige verweigern ganz die Freistellung von Beamten f&uuml;r AFG. Andere erlauben keine Verl&auml;ngerung &uuml;ber ein Jahr hinaus, weil sie dann die Geh&auml;lter zahlen m&uuml;ssten. </p><p>&nbsp;</p><p><u>Besichtigungen</u>: Beim k&uuml;nftigen &bdquo;<u>Zentralen Kriminalamt</u>&quot; auf dem Gel&auml;nde des Innenministeriums ist noch die Ausgangslage zu besichtigen: eine alte Fingerabdruckdatei, die von &uuml;ber 70-J&auml;hrigen betrieben wird; ein &bdquo;Labor&quot; mit wenigen Beh&auml;ltern und ohne technisches Ger&auml;t; stinkende Zellen. Neu ist die Interpol-Niederlassung. Die Trakte der <u>Polizeiakademie</u> sind ein Paradebeispiel f&uuml;r Wiederaufbaufortschritte in Kabul. Einige Tr&uuml;mmerreste bleiben mit Absicht stehen. In einem Raum trainieren Polizeisch&uuml;ler mittleren Alters Selbstverteidigungstechniken. Zurzeit wird noch ein G&auml;stehaus f&uuml;r internationale Ausbilder errichtet.</p><p>&nbsp;</p><p><u>Rauschgiftbek&auml;mpfung und Rauschgifthaus</u>: Hier hat GB die internationale Lead-Rolle. Die Drogenbek&auml;mpfung ist getrennt von der sonstigen Polizei in diesem von DEU errichteten und ausgestatten Geb&auml;ude organisiert. Unter dem deutschsprachigen Herrn Satari arbeiten f&uuml;nf Einheiten. Die Ermittlungseinheit umfasst 18, die Zugriffseinheit 30 Mitarbeiter. Bisher wurden Polizisten f&uuml;r f&uuml;nf Provinzen ausgebildet. Eine t&auml;gliche Kommunikation mit den Provinzen gibt es nicht. In sieben Schl&uuml;sselprovinzen (darunter Kunduz und Herat) wird die Masse des Opiums angebaut. Felder gibt es aber inzwischen in allen Provinzen. </p><p>Meist sind sie klein, umgeben von Weizen, zum Teil bewacht und vermint. Die Bauern stecken oft in der Schuldenfalle: Mit 1.000 $ wurde viele in den Mohnanbau gelockt. Mit ihren Ernteerl&ouml;sen zahlen sie in endlosen Raten ihre Schulden ab. In manchen Landesteilen sind die Parzellen so klein, dass mit dem Anbau von Weizen kein &Uuml;berleben ist - zumal Weizen sieben Bew&auml;sserungen braucht, Mohn aber nur zwei. Insofern ist der Mohnanbau f&uuml;r viele Bauern eine nackte Existenzfrage. Verwickelt in den Opiumanbau und -handel sind viele Machthaber und h&ouml;chste Beamte, z.B. in Kunduz. Gerade wurden bei einem Milit&auml;rkommandeur 31 kg Opium beschlagnahmt - zu besichtigen im Asservatenkeller. Die Drogenerl&ouml;se flie&szlig;en vor allem in die Waffenbeschaffung, ganz und gar nicht in die F&ouml;rderung von Infrastruktur. Solange die lokalen Machthaber nicht entwaffnet werden, sind Zugriffe nicht m&ouml;glich. </p><p>In 2002 wurden ca. 3.400 to Opium in AFG produziert, 2003 k&ouml;nnen es 5.000 to werden, woraus sich 500 to Heroin erstellen lassen.</p><p>Die Nationale Drogenkontrollstrategie ist sehr ehrgeizig, in zehn Jahren sollen alle Opiumfelder vernichtet sein. UNDCP, die Drogenbek&auml;mpfungsorganisation der VN, bereist zzt. die Provinzen, um dort Drogenb&uuml;ros aufzubauen, die mit dem Rauschgifthaus in Kabul vernetzt werden sollen. UNDCP-Einheiten sollen die Zugriffe durchf&uuml;hren. Ihre Aufstellung stagniere.</p><p>In AFG hat es niemals funktionierende Drogenbek&auml;mpfung gegeben. Das Opiumanbauverbot der Taliban konnte nur durch milit&auml;rische Gewalt durchgesetzt werden. Zurzeit gibt es keine effektive Drogenbek&auml;mpfung. Sie wird mit Ausweitung und Verfestigung von Anbau und Handel immer schwieriger. Wenn die I.G. nicht massiv hilft, droht AFG zu einem &bdquo;Staat&quot; zu werden, wo nur noch Drogenh&auml;ndler das Sagen haben. </p><p>&nbsp;</p><p><u>Reichweite des Polizeiaufbaus</u>: Die afg Kollegen und Polizeisch&uuml;ler sind sehr offen, lernbereit und gutwillig. Doch wie sollen sie das Gelernte, die rechtsstaatlichen Normen umsetzen? </p><p>Sie erhalten einen Sold von 40-50 $. 100 $ sind aber notwendig f&uuml;r ein einfaches Leben, 200 $ f&uuml;r das standesgem&auml;&szlig;e Leben eines Polizeioffiziers. Der LOTFA-Fonds f&uuml;r die Auszahlung von Polizeigeh&auml;ltern (Einzahlungen von D&Auml;N, IRL, FIN, GB, CAN, SCHWEIZ und DEU) ist notorisch unterfinanziert.</p><p>Schwerbewaffnete Truppen vieler Provinzf&uuml;rsten verhindern jede effektive Polizeiarbeit. Entwaffnung tut not - von der ist aber nichts zu sehen. Der polizeiliche Ansatz greife zu kurz, wo Gouverneure, Milit&auml;rkommandeure und Polizeichefs die gr&ouml;&szlig;ten Drogenh&auml;ndler sind, wo gegen sie zu ermitteln Todesgefahr f&uuml;r die Ermittler bedeute. Bestimmte Machthaber m&uuml;ssten raus, loyale Gouverneure und Kommandeure m&uuml;ssten eine Chance haben und sich durchsetzen k&ouml;nnen - nur wie? Die USA h&auml;tten dazu die Power, DEU nicht.</p><p>Notwendig sei ein strategischer Ansatz und ein langfristiges Gesamtkonzept, wo Polizeiaufbau von unten und politischer Ansatz von oben Hand in Hand gehen.</p><p>&nbsp;</p><p><u>Anmerkung</u>: Immer deutlicher wird die strategische Schl&uuml;sselrolle des Polizeiaufbaus und die hervorragende Wahrnehmung der dt. Lead-Rolle durch die erstaunlich wenigen Beamten vor Ort. Das wird auch international so gesehen. Im Gegensatz dazu steht die relativ geringe Beachtung, die die dt. Polizeihilfe in Politik - insbesondere Parlament - und &Ouml;ffentlichkeit in Deutschland findet. Bei Ministerbesuchen mit Medientross - so meine Erfahrung in AFG und Balkan - bleiben die PolizistInnen meistens im Hintergrund. Das ist nicht nur undankbar gegen&uuml;ber den verdienten Beamten, sondern auch politisch kontraproduktiv. Es behindert die F&ouml;rderung des immer wichtigeren Instrumentes polizeilicher Auslandseins&auml;tze. Dass diese nicht nur &uuml;bergangsweise, sondern dauerhaft zum Aufgabenspektrum der Polizeien des Bundes und der L&auml;nder geh&ouml;ren, ist bisher zu wenig realisiert worden. F&uuml;r die neue Aufgabe Auslandseinsatz muss eine Stellenreserve geschaffen werden.</p><p>&nbsp;</p><h3>&bdquo;M&uuml;nster-Gievenbeck 4.240 km&quot;</h3><p>(Wegweiser bei der German Heli Unit am Kabul International Airport)</p><p>Der ISAF-III-Stab unter Generalleutnant van Heyst und Generalmajor Bertholee (NL) als Stellvertreter kam vom Deutsch-Niederl&auml;ndischen Korps in M&uuml;nster. </p><p>Vor dem Headquarter ISAF entsteht ein Foto mit den ISAF-Kommandeuren und dem Stra&szlig;enschild &bdquo;Hindenburgplatz&quot; im Hintergrund. Das Foto verweist nicht nur auf die Heimatadresse des Korps, sondern auch auf seine ganz andere Vorgeschichte. Im Dienstgeb&auml;ude des GE-NL Korps war vor und w&auml;hrend des 2. Weltkrieges der Stab des Wehrkreises VI untergebracht. Aus ihm wurden 14 Divisionen in den Krieg gegen die europ&auml;ischen Nachbarn entsandt, gegen Polen, die Niederlande, Frankreich, Jugoslawien und vor allem die Sowjetunion. </p><p>Dass im GE-NL Korps seit Jahren fr&uuml;here Kriegsgegner bestens zusammenarbeiten, dass sie jetzt gemeinsam ein halbes Jahr f&uuml;r Sicherheit und Gewalteind&auml;mmung in Kabul verantwortlich waren und im wahrsten Sinne Friedensunterst&uuml;tzung geleistet haben, ist ein historischer Meilenstein. Das &bdquo;Kabul-Tagebuch&quot; von General van Heyst macht anschaulich, wie Milit&auml;r im Auftrag der Vereinten Nationen der Durchsetzung von Recht und Sicherheit mit Klugheit und Entschiedenheit wirksam dienen kann.</p><p>Gerade weil ich um die aktive und meist verdr&auml;ngte Kriegsgeschichte der &bdquo;Stadt des Westf&auml;lischen Friedens&quot; wei&szlig;, bin ich froh, als M&uuml;nsteraner Abgeordneter die &Uuml;bergabe des ISAF-Kommandos und den internationalen Dank an die &bdquo;M&uuml;nsteraner&quot; miterleben zu k&ouml;nnen.</p><h6>Weitere Materialien</h6><ul><li>- ACBAR (Agency Coordinating Body for Afghan Relief): Provincial Reconstruction Teams and the security situation in Afghanistan, Kabul 24.7.2003</li><li>- Call for Security, Aufruf von 85 NGO`s vom 17. Juni 2003</li><li>- General Norbert van Heyst: Mein Kabul-Tagebuch, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 17.8.2003</li><li>- Christa Nickels: Bericht &uuml;ber die AFG-Reise des Menschenrechtsausschusses, 2003 </li></ul>VN-USG Geuehenno vor dem VN-SR am 16./17. Juni 2003 und Statement des Pr&auml;sidenten des VN-SR vom 17.6.2003</div>
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Hin weis:&#160;
                <em>    Winfried Nachtwei, MdB, ist&nbsp;au&szlig;en- und sicherheitspolitischer Koordinator der Fraktion B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen.</em></p>


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