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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Delegationsbesuch der â€žISAF-Inselâ€œ PRT Kunduz am 31. Januar 2004</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Afghanistan + Presse-Link</span>

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        <h1>
            Delegationsbesuch der â€žISAF-Inselâ€œ PRT Kunduz am 31. Januar 2004         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 22. Januar 2004 11:36:03 +02:00 (71143 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 31. Januar 2004 besuchte Verteidigungsminister Struck erstmalig das deutsche Einsatzkontingent in Kunduz/Nordafghanistan. Zur Delegation gehÃ¶rten der Vorsitzende und die Obleute des Verteidigungsausschusses sowie der Vorsitzende des Bundeswehrverbandes, Oberst Bernhard Gertz. Die Delegation wurde begleitet von Siba Shakib, der Autorin von &quot;Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen&quot;, und 24 Medienvertretern.</p></div>
            <div>    <p>Am 15. Oktober 2003 hatte das Bundeskabinett die Entsendung eines ressortÃ¼bergreifenden Wiederaufbauteams nach Kunduz sowie die ErÃ¶ffnung einer AuÃŸenstelle der Botschaft in Herat beschlossen. Am 24. Oktober billigte der Bundestag die damit verbundene Entsendung von bis zu 450 Soldaten nach Kunduz. Dieser Entscheidung ging eine lÃ¤ngere und kontroverse Diskussion in Parlament und Ã–ffentlichkeit voraus, die fast ausschlieÃŸlich um den militÃ¤rischen Anteil kreiste. </p><p>Die <u>BefÃ¼rworter</u> sprachen fÃ¼r eine Ausweitung der internationalen StabilisierungsbemÃ¼hungen in die Provinzen und fÃ¼r ein deutsches regionales Wiederaufbauteam (Provincial Reconstruction Team PRT) in Kunduz als Beitrag dazu aus. FÃ¼r Kunduz sprach, dass es dort im Sinne von Stabilisierung und â€žnation building&quot; viel zu tun gibt, sowie der mittlere Schwierigkeitsgrad und die NÃ¤he zum dt. StÃ¼tzpunkt Termez/Usbekistan. (In den high-risk-Regionen mÃ¼ssen demgegenÃ¼ber PRT`s eng mit Kampftruppen zusammen agieren.)</p><p><u>Kritiker</u> des Kunduz-Einsatzes bezweifelten angesichts der relativen Ruhe den Sinn des Einsatzes, befÃ¼rchteten eine BeeintrÃ¤chtigung der NeutralitÃ¤t von humanitÃ¤ren Organisationen vor Ort sowie eine stillschweigende Kumpanei der Bundeswehr mit den dortigen Drogenbossen und Warlords.</p><p>Der Reise voraus gingen im Verteidigungsausschuss ausfÃ¼hrliche Stellungnahmen des AA, des BMZ und des BMI zum zivilen Aufbau in Afghanistan. </p><p>Der <u>Anflug</u> erfolgt am 30. Januar Ã¼ber die usbekische Hauptstadt Taschkent. Wegen schlechter Witterungsbedingungen verzÃ¶gert sich der Transall-Flug am 31. Januar nach Kunduz um fast vier Stunden. Der deutsche MilitÃ¤rattache, OTL Bergander, berichtet Ã¤uÃŸerst lebendig und humorvoll von Land und Leuten. WÃ¤hrend des Fluges ist zunÃ¤chst noch ungewiss, ob in Kunduz ausreichend Sichtflugbedingungen herrschen. SchlieÃŸlich landet die Maschine nach mehreren steilen Kurven auf dem Feldflughafen Kunduz.</p><p>Empfang der Delegation durch den deutschen Botschafter Eberle, die Generale Riechmann (Befehlshaber EinsatzfÃ¼hrunskommando) und Gliemeroth (ISAF-Kommandeur) sowie die Ã¶rtlichen Machthaber General Muhammad Doaud Khan, Gouverneur Latif Ibrahimi, den Polizeichef NO-Provinzen, Ghollam, und andere.</p><p>Nach Anlegen der Schutzwesten setzt sich der Konvoi aus zivilen GelÃ¤ndefahrzeugen in Bewegung. Vor allem in der Umgebung des Flugplatzes erinnern zerstÃ¶rte GebÃ¤ude und Panzer an die Kriegszeit. Alle hundert Meter sÃ¤umen Soldaten des VI. Korps von General Daoud die Strecke, teils mit Gewehr, teils nur in GruÃŸstellung.</p><p>Der Blick Ã¼ber das Kunduz-Tal zeigt viel mehr GrÃ¼n als das grau-braune Kabul. Baumreihen und Felder lassen erahnen, dass hier mal die â€žKornkammer&quot; Afghanistans war. </p><p>Zwischendurch immer wieder die landestypischen fortÃ¤hnlichen GehÃ¶fte, die von fensterlosen AuÃŸenmauern umgeben sind. </p><p>FÃ¼r die zehn km nach Kunduz braucht der Konvoi eine halbe Stunde. Die Schlaglochstrecke der â€žNationalstraÃŸe 2&quot; gilt als vergleichsweise â€žmittelprÃ¤chtig&quot;. Sofort stellt sich die Frage, wie Ã¼ber solche â€žStraÃŸen&quot; eine Evakuierung unter unfriedlichen Bedingungen geschafft werden soll. Ein begleitender Offizier: Evakuieren mÃ¼sse man schon, wenn die Stimmung feindlich werde. Umfassende Angriffe kÃ¶nne man hier nicht durchstehen. Unterwegs fÃ¤delt sich ein Pkw in den Konvoi. Er wird schnell Ã¼berholt und rausgedrÃ¤ngt.</p><p>Am â€žStadttor&quot; von Kunduz ein kleiner provisorischer MilitÃ¤rposten. Linker Hand in einem Hof eine Menge von Panzern. Sie seien seit Oktober nicht bewegt worden. Auch gebe es keine Ausbildung an den Panzern. Kurz danach das â€žDeutsche Haus&quot;, Sitz des BMZ-Koordinators mit BÃ¼ros von DED, GTZ, KfW.</p><p>EinstÃ¶ckige Bauten aus Lehmziegeln bestimmen das Bild der Provinzhauptstadt, der man ihre schÃ¤tzungsweise 120.-140.000 Einwohner nicht ansieht. Ãœberall Antennen. Nur manche offiziellen GebÃ¤ude haben ein zweites Stockwerk. Vom dreitÃ¤gigen Regen zeugt noch die groÃŸflÃ¤chige Schlammsuppe auf den StraÃŸen. Die Pferde vor den kleinen Fuhrwerken sind auffÃ¤llig geschmÃ¼ckt. SchÃ¤tzungsweise 70% der BevÃ¶lkerung leidet an Tuberkulose.</p><p>IrrtÃ¼mlich fÃ¤hrt der Konvoi erst zum Hauptquartier des VI. Korps, dreht um und gelangt dann zum deutschen Camp.</p><h3>Briefing </h3><p>durch den Kommandeur des dt. Einsatzkontingents, Oberst Baur, und den Leiter ziviler Anteil PRT, Dr. Ziegler. Auf Nachfrage des Ministers skizziert der BMZ-Koordinator, Ministerialrat a.D. Sahlmann, die BeitrÃ¤ge der Entwicklungszusammenarbeit (EZ).</p><p>Das PRT Kunduz ist ein Pilotprojekt - als integrierte Einrichtung der Bundesregierung, der vier Ressorts AA, BMVg, BMZ und BMI, sowie als erstes PRT der NATO fÃ¼r die vier Nordost-Provinzen Kunduz, Baghlan, Takhar und Badakhshan. Hier liegt das Kernland der ehemaligen Nordallianz. Auf deutsche Initiative hin untersteht das von den US-StreitkrÃ¤ften Ã¼bernommene PRT Kunduz (damals 40 Personen) dem ISAF-Kommando und fÃ¤llt damit unter das ISAF-Mandat des VN-Sicherheitsrates. Die anderen sieben PRT unterstehen dem Kommando Operation Enduring Freedom/OEF. FÃ¼nf sind US-gefÃ¼hrt (Gardez, Bagram, Herat, Kandahar, Jalalabad), je eins wird von GroÃŸbritannien (Mazar-e-Sharif) und Neuseeland (Bamian) gefÃ¼hrt. Geplant sind sechs weitere in Ghazni, Khwost, Asadabad (Prov. Konar), Qualat (Prov. Zabul), Tarin Kowt (Prov. Uruzgan), Sharan (Provinz Paktika). Lt. General Gliemeroth beabsichtigt die NATO bis Jahresmitte die Ãœbernahme/Aufstellung von vier bis fÃ¼nf PRT`s. </p><p><u>Lage: </u></p><ul><li>- â€žÃ¼berwiegend ruhig, aber nicht stabil&quot;: keine konkreten Bedrohungshinweise, aber erhebliche Destabilisierungsfaktoren, latentes Eskalationspotenzial lokaler Konflikte (in der Provinz Baghlan z.B. ca. 2.000 ehemalige TalibananhÃ¤nger; bewaffnete KrÃ¤fte verfÃ¼gen Ã¼ber schwere Handwaffen und Flugabwehrwaffen)</li><li>- keine staatlichen Strukturen</li><li>- komplizierte, zerbrechliche Sicherheitsstrukturen, feines Netzwerk von LoyalitÃ¤ten</li><li>- (noch) ineffiziente Polizei</li><li>- General Doaud als die SchlÃ¼sselperson </li><li>- Kaum vorhandene Infrastruktur in einer Region, die eine FlÃ¤che von Bayern und Hessen umfasst und bis auf die Provinz Kunduz von Gebirgen bis Ã¼ber 6.000 m HÃ¶he (Badakhshan) geprÃ¤gt ist. Die faktische HÃ¶chstgeschwindigkeit Ã¼ber Land liegt bei 20-30 km/h.</li></ul><p>Die Aufgaben und Akteure des PRT sind in seinem Emblem, einem Balken mit zwei schrÃ¤gen StÃ¼tzpfeilern, zusammengefasst und der um 90Â° nach links gedreht das Kunduz-K ergibt: Den linken Pfeiler â€žSicherheit&quot; stellt die Bundeswehr, den rechten Pfeiler â€žWiederaufbau&quot; das AA, BMI und BMZ, daran angedockt Regierungsorganisationen wie GTZ, DED.</p><p>Um den integrierten Ansatz in die Tat umzusetzen, gibt es in Deutschland eine interministerielle Steuerungsgruppe. Vor Ort ist die Kooperation zwischen den verschiedenen SÃ¤ulen von zentraler Bedeutung.</p><p>Im Rahmen der vom Mandat erlaubten 450 Soldaten steht fÃ¼r Kunduz ein Personalpool bereit, so dass der Personalbedarf lagebezogen gedeckt werden kann. (Pull-Prinzip) Zzt. sind hier 218 Soldaten, davon 48 Offiziere, 129 Unteroffiziere und 40 Mannschaften. Geplant sind 317. Das Camp ist fÃ¼r ca. 200 vorgesehen. Das AA ist zzt. mit drei Beamten vor Ort vertreten, das BMZ und BMI jeweils mit einem Beamten. (Der bloÃŸe Vergleich der PersonalstÃ¤rken ist allerdings irrefÃ¼hrend, weil die Wirkungskreise von Soldaten, Polizisten und Zivilexperten sehr unterschiedlich sind. Wo Polizisten oder Entwicklungshelfer beratende und koordinierende Funktionen wahrnehmen, wirken sie Ã¼ber einheimische Polizeitrainer, Ã¼ber GO`s und NGO`s und lokale Mitarbeiter weit in die Gesellschaft hinein. Zum BMZ-Koordinator sind deshalb hinzu zu zÃ¤hlen die Mitarbeiter von DED, GTZ, KfW - und indirekt 25 deutsche und internationale (N)GO-Mitarbeiter sowie lokale Helfer.)</p><p>Das bisher dt. PRT soll zunehmend multinationalisiert werden: FÃ¼r den militÃ¤rischen Teil gibt es Zusagen von Belgien (10, v.a. Flugplatz), Schweiz (1 Arzt, 2 MilitÃ¤rbeobachter), Frankreich (UnterstÃ¼tzungsflÃ¼ge), Ungarn (UnterstÃ¼tzung und MilitÃ¤rpolizisten), RumÃ¤nien (Logistik und Stab). FÃ¼r den zivilen Teil zugesagt haben die Niederlande eine politische Referentin, DÃ¤nemark 1-2 Berater, Frankreich einen Kulturreferenten fÃ¼r Herat. Schweden, Finnland und Norwegen haben bisher Bereitschaft signalisiert.</p><p><u>Auftrag des BW-Kontingents</u>:</p><ul><li>- StabilitÃ¤t in der Region erhÃ¶hen</li><li>- Sicheres Arbeitsumfeld fÃ¼r das PRT schaffen</li><li>- FÃ¶rderung und UnterstÃ¼tzung des Aufbaus von Sicherheitsstrukturen</li><li>- Beratende UnterstÃ¼tzung des DD&amp;R-Prozesses (Demilitarisierung, Demobilisierung und Reintegration)</li><li>- AusbildungsunterstÃ¼tzung fÃ¼r die afghanische Armee ANA</li></ul><p>Schwerpunkt der BW-Aufgaben ist die Verbindungsarbeit, Networking, um darÃ¼ber die Sicherheitslage genau beobachten und beeinflussen zu kÃ¶nnen. Inzwischen bestehen Kontakte zu mehr als 150 formellen und informellen, politischen und religiÃ¶sen FÃ¼hrern. Die dafÃ¼r notwendigen Fahrten demonstrieren genug an PrÃ¤senz.</p><p>(Aus GesprÃ¤chen am Rand: Eigene PrÃ¤senzpatrouillen wie im anonymen Kabul werden hier nicht gefahren. Sie sind nicht nÃ¶tig, wÃ¤ren angesichts der relativen Ãœberschaubarkeit und Lage unverhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig. GegenÃ¼ber WaffentrÃ¤gern haben klug und entschieden auftretende Soldaten am ehesten die AutoritÃ¤t zur â€žgleichen AugenhÃ¶he&quot;. Der Landessitte entsprechend tragen die Offiziere Bart - â€žWeiÃŸe BÃ¤rte&quot; haben besondere AutoritÃ¤t. Seit Riechmann einmal von eigenen TrÃ¼mmererinnerungen in Deutschland erzÃ¤hlte und sich damit als ca. 60-JÃ¤hriger entpuppte, gilt auch der General mit dem markanten rasierten Kinn als â€žWeiÃŸer Bart&quot;.)</p><p>Auf die Frage, ob zum Selbstschutz nicht Panzerung notwendig sei: Nein, hier stelle man Sicherheit Ã¼ber Verbindungen her. Netzwerk sei der beste Schutz. Auf Abruf stehen geschÃ¼tzte</p><p>Fahrzeuge in Kabul bereit, sie werden nach LageeinschÃ¤tzung hierher verlegt. Ãœber ISAF hat das PRT Zugriff auf alle KrÃ¤fte, auch zur LuftnahunterstÃ¼tzung. FÃ¼r ein zeitgerechtes Einfliegen von Quick Reaction Forces ist Vorsorge getroffen. Hierzu bestehen ÃœbereinkÃ¼nfte mit den US-StreitkrÃ¤ften. </p><p>Zum <u>Drogenanbau</u>: In drei Provinzen wÃ¤chst Reis, Mais, es gibt zwei Ernten/Jahr. Die Leute wollen den Mohnanbau nicht. Sie haben auch erlebt, was Drogen in den Familien anrichten. Je mehr zivile EinkommensmÃ¶glichkeiten wir schaffen, desto mehr kann auf den Mohnanbau verzichtet werden. (s. Anmerkungen)</p><p><u>CIMIC</u>: PrimÃ¤raufgabe der Zivil-MilitÃ¤rischen Zusammenarbeit/Ausland sind entgegen verbreiteter Wahrnehmung nicht Projekte (â€žDachlatten-CIMIC&quot;), sondern die Erfassung der zivilen Lage und die Beratung der militÃ¤rischen FÃ¼hrung im Hinblick auf AkzeptanzfÃ¶rderung bei der ZivilbevÃ¶lkerung, um darÃ¼ber den Selbstschutz zu fÃ¶rdern (force protection). Soweit Zeit und KapazitÃ¤ten vorhanden sind, kÃ¶nnen zu diesem Zweck schnelle UnterstÃ¼tzungsmaÃŸnahmen (quick impact project) und nachhaltige UnterstÃ¼tzungsprojekte durchgefÃ¼hrt werden. In Kunduz sind zwei Liasison Monitoring Teams geplant. Im Unterschied zum Balkan sind CIMIC-Projekte hier auf Situationen begrenzt, wo sie unmittelbar der eigenen Sicherheit dienen, z.B. Winterfestigkeit von Polizeistationen, Verteilung von Abdeckfolien entlang der    Evakuierungsstrecke, im Umfeld der neuen AuÃŸenstelle.</p><p>Eine erste AuÃŸenstelle des PRT Kunduz wurde gestern in Taloghan (Prov. Takhar) erÃ¶ffnet. Weitere sollen in den anderen Provinzen folgen. Nach Badakhshan wÃ¼rde man aber 12-14 Stunden Fahrtzeit brauchen. Mit Hubschraubern wird es schneller gehen.</p><p><u>Auftrag der zivilen SÃ¤ule:</u></p><ul><li>- StÃ¤rkung des Einflusses der Zentralregierung</li><li>- Aufbau und StÃ¤rkung von politisch-administrativen und Rechtsstaatstrukturen </li><li>- StÃ¤rkung von Zivilgesellschaft</li><li>- FÃ¼hrungsverantwortung beim Polizeiaufbau wahrnehmen</li></ul><p>Das <u>entwicklungspolitische Engagement</u> umfasst (nach dem beim Briefing verteilten Papier â€žBMZ-Auftrag in der Region Kunduz&quot;)</p><ul><li>- Verwaltungs- und RechtsstaatsfÃ¶rderung</li><li>- FÃ¶rderung der Beteiligung von Frauen in allen Bereichen des Wiederaufbaus</li><li>- Programme der entwicklungsorientierten Nothilfe</li><li>- Langfristig angelegte Investitionen in die wirtschaftliche und soziale Infrastruktur (zzt. FZ-Projekte arbeitsintensiver StraÃŸenbau und Trinkwasserversorgung in der Stadt Kunduz) </li><li>- Schaffung von ArbeitsplÃ¤tzen</li><li>- FÃ¶rderung privater Investitionen</li><li>- ExistenzgrÃ¼nderprogramme besonders fÃ¼r demobilisierte Soldaten und rÃ¼ckkehrende FlÃ¼chtlinge</li></ul><p>Leitprinzip ist die Einbindung aller MaÃŸnahmen in das â€žNational Development Framework&quot;, das zwischen afghanischer Regierung und internationalen Gebern vereinbart wurde. DurchfÃ¼hrende Organisationen sind DED, GTZ, Kreditanstalt fÃ¼r Wiederaufbau als Regierungsorganisationen und Arbeitsgruppe Entwicklung und FachkrÃ¤fte/AGEF, Deutsche Welthungerhilfe, Katachel als NGO`s und andere internationale Organisationen. </p><p>Arbeitsergebnisse seit November 2003:</p><ul><li>- Fertigstellung von vier Jungen- und MÃ¤dchenschulen, drei Krankenstationen, 203 Brunnen und BewÃ¤sserungsanlagen fÃ¼r 18.000 Menschen, mehreren BrÃ¼ckenanlagen</li><li>- StraÃŸenbauprojekt in Kunduz lÃ¤uft in diesen Tagen an, Vorbereitungsarbeiten fÃ¼r die Wasserversorgung in Kunduz haben begonnen</li><li>- Alphabetisierungs-, Computer- und Englischkurse fÃ¼r Frauen, Verwaltungs- und PolizeikrÃ¤fte</li><li>- 42 ExistenzgrÃ¼nder haben den Vorbereitungskurs erfolgreich abgeschlossen</li><li>- Unternehmerverband in Kunduz befindet sich in GrÃ¼ndung</li><li>- FÃ¶rderung von neun lokalen GO`s und NGO`s in den Bereichen einkommensschaffende MaÃŸnahmen, non-formale Berufsausbildung fÃ¼r Frauen, Printmedien, Kommunikation, Radio und TV im Rahmen ziviler FriedensfÃ¶rderung, Handwerk, Kunstgewerbe</li><li>- Organisationsentwicklung von zwei lokalen Frauen NGO`s</li><li>- Wiederherstellung und Einrichtung von Arbeits- und SchulungsrÃ¤umen bei GO`s und NGO`s</li><li>- Ansatzpunkte der nationalen AussÃ¶hnung im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes</li></ul><h2>Polizeikomponente</h2><p>(Im Briefing nicht berÃ¼cksichtigt. Die folgenden Angaben nach der BMI-Dokumenation â€žPolizeiliche Aufbauhilfe in Afghanistan&quot;, Stand Januar 2004)</p><p>FÃ¼r Kunduz sind fÃ¼nf Beamte vorgesehen. Die Bundesrepublik hat seit Anfang 2002 die internationale FÃ¼hrungsverantwortung beim Aufbau der afghanischen Polizei. Die polizeiliche Aufbauhilfe ist neben dem Armee- und Justizaufbau, der Entwaffnung (DD&amp;R) und DrogenbekÃ¤mpfung Teil der Sicherheitssektorreform (SSR). Schwerpunkte des deutschen ProjektbÃ¼ros Polizei in Kabul mit seinen zzt. 16 Beamten sind Beratung bei der Neustrukturierung von Ministerium und Polizei, Beratung bei der Ausbildung des mittleren und hÃ¶heren Dienstes/Wiederaufbau der Polizeiakademie, Aufbau der Grenzpolizei, UnterstÃ¼tzung der RauschgiftbekÃ¤mpfung, kriminaltechnischer Aufbau und Ausstattungshilfe, internationale Koordination. Deutsche Ausbildungs- und Ausstattungshilfe flankiert den Aufbau der eigenstÃ¤ndigen RauschgiftbekÃ¤mpfungseinheit im Innenministerium (Informationszentrale, aktive Informationsbeschaffung, Aufbau operativer Ermittlungs- und Zugriffseinheiten).</p><p>In Kunduz soll zuerst der Ausbildungs- und Ausstattungsbedarf ermittelt werden. Parallel sollen deutsche Berater mit polizeilicher Basisausbildung beginnen. HierfÃ¼r werden geeignete afghanische KrÃ¤fte und Absolventen der Polizeiakademie in Kabul als Trainer ausgebildet.</p><p>Der AuÃŸenstelle der dt. Botschaft in Herat sollen weitere vier Polizeiberater zugeordnet werden. Ab FrÃ¼hjahr 2004 sollen weitere PRT`s in Gardez, Mazar-i-Sharif, Bamian und anderen Orten durch dt. Polizeibeamte unterstÃ¼tzt werden. Auch hier sollen sie afghanische Trainer fortbilden und AusbildungsmaÃŸnahmen koordinieren.</p><h3>Zivil-militÃ¤rische Zusammenarbeit</h3><p>Laut Briefing sei das VerhÃ¤ltnis zu NGO`s anfangs gespannt gewesen, habe sich aber schnell ausgezeichnet entwickelt. Man habe verstanden, wer welche Aufgaben habe und dass Wiederaufbau effektiver in einem gesicherten Umfeld gehe. NGO-Vertreter vergewisserten sich, im GefÃ¤hrdungsfall im Camp Schutz finden zu kÃ¶nnen. BW betont, dass sie kein Konkurrenzunternehmen zu NGO`s sei. (In der Berliner Zeitung vom 2. Februar erklÃ¤rte eine Vertreterin der Hilfsorganisation Katachel, die Zusammenarbeit mit der BW habe sich â€žabsolut positiv&quot; entwickelt. â€žSie helfen uns, wenn wir sie brauchen, und umgekehrt. Kunduz hat sich seit September gravierend verÃ¤ndert. Es pulsiert, viele Leute haben Arbeit oder kriegen AuftrÃ¤ge. Das ist das Beste, was der Provinz passieren konnte.&quot;)</p><p>Zwischen dem militÃ¤rischen und zivilen Teil des PRT laufen regelmÃ¤ÃŸig GesprÃ¤che, sei die Zusammenarbeit gut. Die ZurÃ¼ckhaltung der Bundeswehr bei CIMIC-Projekten (Kostenobergrenze 2.500 â‚¬) hat wohl das BMZ veranlasst.</p><p>(EinzelgesprÃ¤che am Rande vermitteln ein weniger einheitliches Bild:</p><p>Von BW-/AA-Seite wird das separate â€žDeutsche Haus&quot; der EZ kritisiert: Das fÃ¶rdere den Eindruck â€žgetrennter Politik&quot;. Auf EZ-Seite ist die Rede vom â€ždritten Pfeiler des deutschen gemeinsamen Engagements&quot;, gibt es Kritik an der dominanten Rolle der BW. </p><p>Offen bleibt, welchen Stellenwert hierbei traditionelle Ressortkonkurrenzen, unterschiedliche Organisationskulturen, -gewichte und -interessen sowie Kommunikationsdefizite haben.</p><p>Insgesamt aber ist das Stabilisierungs- und Wiederaufbauprojekt PRT Kunduz so breit und integriert wie kein anderes. Das ist grundsÃ¤tzlich richtig, weil es die bitter nÃ¶tige - und oft fehlende - KohÃ¤renz internationaler Akteure fÃ¶rdert.) </p><h3>Feldlagerrundgang </h3><p>Die ProgrammabkÃ¼rzung erlaubt nur einen flÃ¼chtigen Ãœberblick. Von einem zentralen Wachturm wird das Lager samt Umgebung Ã¼berwacht. Die einstÃ¶ckigen UnterkunftsgebÃ¤ude aus Holz kosteten nur 5.000 US-$ (Container ohne Transport 22.000$!) und brachten BeschÃ¤ftigung. Das GelÃ¤nde ist mit WassergrÃ¤ben und Holzplankenwegen durchzogen. </p><p>Der Zug OpInfo (Operative Information) gibt eine Zeitung mit 20.000 Auflage heraus und betreibt vor allem einen Radiosender, der rund um die Uhr sendet (15.00-21.00 Uhr Lokalprogramm, sonst Rahmenprogramm aus Kabul) und in einem Radius von 65 km gehÃ¶rt werden kann. </p><p>Der Infrastruktur-Stabsoffizier OTL Hacker stellt den Plan fÃ¼r das neue Camp Kunduz vor: </p><p>Am SÃ¼drand von Kunduz (Richtung Flugplatz) auf einem Hochplateau gelegen soll es bis zu 600 Personen von militÃ¤rischem und zivilem PRT-Anteil, multinationalen StreitkrÃ¤ften und Betreiberfirmen aufnehmen kÃ¶nnen. Die Bauweise ist lokal angepasst, so dass lt. Protokoll vom 27. Januar die Liegenschaft bei Aufgabe durch die Bundesrepublik den BÃ¼rgern der Stadt Kunduz zur zivilen Anschlussnutzung Ã¼bergeben werden kann. Das Camp soll binnen sechs Monaten grÃ¶ÃŸtenteils ortsÃ¼blich von lokalen Unternehmen in Kooperation mit der GTZ errichtet werden. Veranschlagt sind hierfÃ¼r 12 Mio. â‚¬. </p><p>(Was erfahrenere VerbÃ¼ndete schon lÃ¤nger praktizieren, tut nun erstmalig auch die BW: Sie errichtet ein Camp aus â€žeinem Guss&quot;. Das bringt mehr Sicherheit, Arbeits- und LebensqualitÃ¤t und ist letztendlich kostengÃ¼nstiger als die bisherige Vorgehensweise, vorhandene Liegenschaften provisorisch aus- und stÃ¤ndig umzubauen. Die Geschichte von Camp Warehouse in Kabul ist dafÃ¼r ein plastisches Beispiel.)</p><p>Am Wachhaus Gruppenbild des Ministers mit den einheimischen Wachsoldaten. Ein Journalist: â€žStruck nach der Bundeswehrreform&quot;.</p><h3>Hauptquartier VI. Korps</h3><p>Am Eingangstor stehen Posten auch auf den Mauern. Empfang des Ministers mit allen militÃ¤rischen Ehren. Eine MilitÃ¤rkapelle spielt begeistert und schrÃ¤g die beiden Nationalhymnen. Beim Abschreiten der Ehrenkompanie folgt der Offizier im Stechschritt. Auf dem Weg zu General Doauds zweistÃ¶ckigem Hauptquartier stehen aufgereiht ca. dreiÃŸig WÃ¼rdentrÃ¤ger aus der ganzen Region, unter ihnen viele â€žWeiÃŸe BÃ¤rte&quot;. Wir schÃ¼tteln ihnen allen die Hand. Die Blicke und HÃ¤ndedrÃ¼cke sind keine bloÃŸe HÃ¶flichkeit, sie transportieren viel Freundlichkeit, ja Herzlichkeit. GegenÃ¼ber den drei Frauen am Schluss der Reihe, den drei Vertreterinnen in der Loya Jirga, mÃ¼ssen wir aber mehr Distanz wahren. </p><p>Teerunde im Dienstzimmer von General Doaud. Shiba Shakib Ã¼bersetzt. Der 36-jÃ¤hrige General gehÃ¶rte zum engsten Kreis des Nordallianz-FÃ¼hrers Massud und gilt heute als erster Machthaber im ganzen Nordosten. Sein VI. Korps soll 6.-8.000 Bewaffnete umfassen. Er fÃ¼hrt das Wort, Gouverneur Latif und Polizeichef Farhad wirken neben ihm wie Statisten. Es heiÃŸt, dass sie alle Ã¼ber MittelsmÃ¤nner den Drogenanbau und -handel im Nordosten kontrollieren - fÃ¼r Gouverneur und Polizeichef soll das in besonderem MaÃŸe gelten. Doauds Kleidung und Aussehen sind gepflegt. In Sprache und Mimik wirkt er wach, freundlich, ansprechbar und keineswegs unsympathisch. Der Begriff â€žwarlord&quot; scheint angesichts einer solchen Person nicht so gut zu passen. Ein fÃ¼hrender Offizier spricht deshalb lieber von â€žEntscheidungstrÃ¤gern&quot;.</p><p>Im lockeren VorgesprÃ¤ch meint Doaud zur WÃ¤hlerregistrierung (per Foto und WÃ¤hlerkarte), hierfÃ¼r brauche man noch ein bis zwei Monate, so dass die Wahlen vielleicht um einige Wochen geschoben werden mÃ¼ssten. Wenn das Wetter aber nicht so schlimm wie jetzt und die Wege offen seien, kÃ¶nnten die Wahlen noch rechtzeitig stattfinden. </p><p>Im Konferenzraum folgt das offizielle <u>DelegationsgesprÃ¤ch</u>.</p><p>Doaud: FÃ¼r die BevÃ¶lkerung sei es eine Ehre, dass Deutschland freundliche Kontakte zu Afghanistan habe. Seit dem Frieden hÃ¤tten Frauen und Kinder den Bonn-Prozess im Kopf. Erfinder seien die Deutschen, der Kanzler.</p><p>Deutschland habe vorgeschlagen, das VN-Mandat zu erweitern; Deutschland habe sich fÃ¼r Kunduz entschieden - er wisse gar nicht, wo er mit Dank beginnen solle. </p><p>Minister: Er habe den Eindruck, dass die Arbeit des PRT von der BevÃ¶lkerung sehr begrÃ¼ÃŸt werde. Im Hinblick auf die anwesenden Mitglieder des Verteidigungsausschusses betont er die wichtige Rolle des Ausschusses bei der Entscheidung fÃ¼r Kunduz. Dabei sei die entscheidende EinschrÃ¤nkung gemacht worden, dass deutsche Soldaten sich nicht am Kampf gegen die Drogen beteiligen sollten. In Deutschland habe die InterviewÃ¤uÃŸerung des General, Deutschland solle mehr gegen den Drogenanbau tun, zu Diskussionen gefÃ¼hrt. Man mache sich groÃŸe Sorgen um den Drogenanbau vor allem in der Provinz Badakhshan. Er hoffe, dass er, Gouverneur Latif und der Polizeichef alles tÃ¤ten, um den Drogenanbau und -handel zu unterbinden.</p><p>Doaud an General Riechmann: â€žKommen Sie, beteiligen Sie sich am Kampf gegen den schweigsamen TÃ¶ter.&quot; Er habe niemanden gesprochen, der den kleinsten Einwand gegen das Kommen der Deutschen gebracht hÃ¤tte. Wir wollen von Ihren Erfahrungen lernen, vom FleiÃŸ der Deutschen, der Disziplin der Soldaten.</p><p>Erstmalig seien hier Waffen eingesammelt worden. Die ZÃ¤hlung von WÃ¤hlern habe begonnen. â€žWir haben unsere Steuern und Abgaben gezahlt, LÃ¶hne sind gekommen.&quot; 150.000 gehen zur Schule, 50.000 davon seien MÃ¤dchen. Frauen wÃ¼rden in BÃ¼ros arbeiten und seien an Entscheidungsprozessen beteiligt. Wahlen seien eine neue Erfahrung. Die Mehrheit der BevÃ¶lkerung werde wohl teilnehmen. Man habe mit drei Hauptproblemen zu tun:</p><ul><li>- Aufbau der Staatsgewalt, weil der Krieg alle Machtstrukturen zerstÃ¶rt habe.</li><li>- Terrorismus: nach Kandahar war Kunduz der zweite Schwerpunkt der Taliban. Sie und Al Quaida wollen Sicherheit und Ordnung hier stÃ¶ren. </li><li>- Drogen: Informationen werden an die Deutschen weitergegeben. Die AnbauflÃ¤chen hÃ¤tten sich in letzten zwei Jahren sehr ausgeweitet. Die Drogen seien ein â€žgroÃŸes Problem, MÃ¶rder der Menschen, wir wollen es bekÃ¤mpfen&quot;. Gerade habe man einen Schmuggler mit 19 kg und einen anderen mit 12 kg Heroin verhaftet. Er habe einen Plan, wie man Produktion und Handel mit Heroin verhindern kÃ¶nne. Er will es fÃ¼r Oberst Baur aufschreiben. Hier in den vier Provinzen kenne er sich aus.</li></ul><p>Er habe sehr gute Beziehung zur Zentralregierung, zu Verteidigungsminister Fahim, auch zu PrÃ¤sident Karzai. (Bei den AusfÃ¼hrungen zur DrogenbekÃ¤mpfung lÃ¤sst Doaud keine Unsicherheit erkennen. Seine â€žKollegen&quot; wirken unverÃ¤ndert verschlossen.) Beim Verlassen des GebÃ¤udes bildet die Ehrenkompanie mit prÃ¤sentiertem Gewehr ein Spalier.</p><p>Im GebÃ¤ude gegenÃ¼ber <u>Begegnung mit den Ã¶rtlichen und regionalen WÃ¼rdentrÃ¤gern</u>. Die drei Frauen nehmen vorne Platz. Ein Mittelalterlicher bedankt sich fÃ¼r die Hilfe, vor allem dass die Verfassung entstehen konnte. Er bittet die deutsche BevÃ¶lkerung, den Aufbau mit gleichem Herzblut zu unterstÃ¼tzen. </p><p>Eine der Frauen mÃ¶chte ihre Probleme wegen der knappen Zeit fÃ¼r Oberst Baur aufschreiben. â€žWir wollen keine Almosen, wir wollen selbst arbeiten, z.B. in der Fabrik, wo Frauen ohne ErnÃ¤hrer arbeiten kÃ¶nnen.&quot; Viele Frauen hÃ¤tten ihre MÃ¤nner im Krieg verloren und leben jetzt in Zelten. </p><p>Der Minister beglÃ¼ckwÃ¼nscht alle Frauen und MÃ¤nner in der Loya Jirga, die auf dem Weg zu einer demokratischen Verfassung geholfen hÃ¤tten. Aus den GesprÃ¤chen mit Karzai, Fahim, Doaud, Latif wisse er, dass das Land sein Schicksal in die eigenen HÃ¤nde nehmen wolle. Deutschland wolle dazu hilfreich seine Hand reichen.</p><p>Mit uns fliegen einige Soldaten des ersten Kontingents zurÃ¼ck, unter ihnen der erste PRT-Kommandeur und â€žWeiÃŸe Bart&quot; Oberst Schiebold, stv. Kommandeur Division Spezielle Operationen/DSO. Ein Lautsprecherwagen von OpInfo strahlt eine Abschiedsmelodie Ã¼bers Flugfeld. Sechs Stunden spÃ¤ter kÃ¶nnte der Empfang fÃ¼r die Heimkehrer auf dem militÃ¤rischen Teil des Flughafens Tegel unauffÃ¤lliger nicht sein. Auf wen keine AngehÃ¶rigen warten, ist vÃ¶llig sich selbst Ã¼berlassen.</p><h3>Anmerkungen zum Drogenanbau</h3><p>Auf der MÃ¼nchener Sicherheitskonferenz behauptete der russische Verteidigungsminister, die Drogenproduktion habe sich seit der Talibanherrschaft verneunfacht. Damit entsteht vor allem der Eindruck des Versagens der Internationalen Gemeinschaft in Afghanistan. Die Wirklichkeit ist komplizierter (lt. UN Office on Drugs and Crime/UNODC, Dezember 2003 ):</p><p>In 2003 wurden 3.600 to Opium produziert, in 2002 3.400 to, in 2001 190 to, in 2000 3.300 to, in 1999 4.600 to, in 1998 2.700 to. Seit 1980 stieg die Produktion von 200 to kontinuierlich an. Heute liefert Afghanistan 75% des weltweiten Rohopiums. 90% des Heroins in GroÃŸbritannien stammen aus Afghanistan. Der Opiumeinnahmen von  rund 2,3 Mrd. US-$ entsprechen der HÃ¤lfte des afghanischen Bruttoinlandsproduktes von 2003.</p><p>Sehr unterschiedlich ist die Situation und Entwicklung in den einzelnen Provinzen. Spitzenreiter ist die Provinz Nangarhar Ã¶stlich von Kabul mit 1.030 to in 2002, 964 to in 2003. An zweiter Stelle die Provinz Hilmand im SÃ¼den mit 1.300/676 to, an dritter Stelle Badakhshan im Nordosten mit 300/508 to. Schlafmohn wÃ¤chst vor allem auf kargen BÃ¶den, so im unzugÃ¤nglichen und gesetzlosen Badakhshan, und bringt teilweise 20-mal mehr Einkommen als Weizen. Die DrogenbekÃ¤mpfungsstrategie ist auf 10-15 Jahre angelegt und richtet sich gegen den Drogenhandel und parallel auf die Entwicklung alternativer Erwerbsquellen.</p><p> </p><h3>Zusammenfassende Bewertung </h3><p><strong>(1)   Die schrittweise ISAF-Erweitung ist die Ã¼berfÃ¤llige Konsequenz aus den Vereinbarungen des Bonn-Prozesses (Wahlen im Sommer), dem in der FlÃ¤che stockenden Aufbau und der verschlechterten Sicherheitslage in Teilen des Landes. Die Erweiterung entspricht dem Aufruf von 89 internationalen NGO`s vom 17. Juni 2003. Schrittweise wird die NATO-gefÃ¼hrte ISAF die Verantwortung fÃ¼r bestimmte Sektoren mit â€žFoward Operatin Bases&quot; Ã¼bernehmen - bis Juni 2004 Sector North, danach in Halbjahresschritten die Sectoren West, South und Central East (Dezember 2005). Die Bereitstellung entsprechender KrÃ¤fte macht den NATO-Mitgliedern ausgesprochen MÃ¼he. </strong></p><p><strong>(2)   Die ersten PRT`s unterstanden alle der Operation Enduring Freedom. Auf Initiative der Bundesregierung wurde mit dem PRT Kunduz erstmalig eine â€žISAF-Insel&quot; geschaffen. Das entscheidende Motiv war nicht innenpolitisch, sondern die sehr unterschiedliche Akzeptanz - und damit politische Wirksamkeit - von ISAF und OEF. Ihrer unterschiedlichen Wirksamkeit wegen wÃ¤re eine Zusammenlegung der beiden     Operationen Ã¼ber die bisherige laufende Abstimmung hinaus Ã¤uÃŸerst kontraproduktiv.</strong></p><p><strong>(3)   Die Bundesrepublik hat mit dem PRT Kunduz und der AuÃŸenstelle Herat besondere Mitverantwortung fÃ¼r die Entwicklung in acht (!) Provinzen auÃŸerhalb Kabuls Ã¼bernommen. Eigenartigerweise richtet sich Ã¶ffentliche - aber auch parlamentarische - Aufmerksamkeit fast nur auf Kunduz und den militÃ¤rischen Teil. Dabei ist die Arbeit der zivilen und polizeilichen Teile nicht weniger wichtig und riskant. Dass dt. Polizisten auch andere PRT`s unterstÃ¼tzen sollen, ist bisher praktisch unbekannt. Die Ungleichgewichte in der Presse- und Ã–ffentlichkeitsarbeit sind auffÃ¤llig.</strong></p><p><strong>(4)    Der Ã¼bergreifende Ansatz von vier bzw. drei Ressorts ist in diesem AusmaÃŸ an Integration ein Pilotprojekt. Direktes militÃ¤risches Krisen- und Sicherheitsmanagement, Reform des Sicherheitssektors, kurz-, mittel- und langfristige MaÃŸnahmen des Institutionenaufbaus, der FÃ¶rderung von Wirtschaft und Zivilgesellschaft wirken hier eng zusammen. Da hierbei sehr ungleiche Akteure zusammenkommen mÃ¼ssen, sind Differenzen natÃ¼rlich. Das PRT-Experiment verdient deshalb besondere Begleitung und UnterstÃ¼tzung. Bei NATO und VN wird das dt. PRT mit groÃŸem Interesse beobachtet. </strong></p><p><strong>(5)   Die StÃ¤rke des militÃ¤rischen Teils PRT liegt in der klugen Mischung von bewaffneter PrÃ¤senz, Verbindungsarbeit und Konfliktmanagement. Mit traditionellen Vorstellungen von militÃ¤rischem Zwang hat das nichts mehr zu tun. Kritiken, Bundeswehr werde hier nicht gebraucht, verkennen die strukturell instabile Lage in der Region und die Notwendigkeit eines internationalen â€žDritten&quot; mit AutoritÃ¤t gegenÃ¼ber den vielen WaffentrÃ¤gern. Ohne einen solchen Stabilisator kann es wohl humanitÃ¤re Projekte, aber keine Reform des Sicherheitssektors geben. BefÃ¼rchtungen, das MilitÃ¤r beeintrÃ¤chtige die UnabhÃ¤ngigkeit humanitÃ¤rer Hilfe, bestÃ¤tigten sich nicht.</strong></p><p><strong>(6)   Das alles geschieht in einem zunÃ¤chst relativ ruhigen, potentiell aber hochbrisanten Umfeld. Hier kann das Stabilisierungsinteresse, bewaffnete Auseinandersetzungen zu vermeiden, in Konflikt geraten mit Entwicklungszielen der Zentralregierung und der Internationalen Gemeinschaft, insbesondere den Zielen Rechtsstaats- und DemokratiefÃ¶rderung und DrogenbekÃ¤mpfung. Eine Konfrontationsstrategie in Form eines Drogenkrieges wÃ¼rde sicher ins Desaster fÃ¼hren. Wenn sich die Bundeswehr ausdrÃ¼cklich nicht an der direkten DrogenbekÃ¤mpfung beteiligt, dann heiÃŸt das keineswegs â€žWegsehen&quot;. Durch AufklÃ¤rung, Absicherung der Polizeiarbeit trÃ¤gt sie indirekt sehr wohl zur DrogenbekÃ¤mpfung bei. Aussichtsreich scheint allen der jetzige integrierte â€žAssist&quot;-Ansatz der UnterstÃ¼tzung einheimischer KrÃ¤fte. Er ist eine Gradwanderung. Aber er scheint angesichts der komplexen Ã¶rtlichen Herausforderungen und eigenen FÃ¤higkeiten, der afghanischen Risiken und internationalen Risikobereitschaft der einzig angemessene zu sein.</strong></p><p><strong>(7)   Das besondere politische, militÃ¤rische, zivile und polizeiliche Engagement Deutschlands in Afghanistan entspricht zentralen Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik und ihrer Partner: der wirksamen EindÃ¤mmung des internationalen Terrorismus und des internationalen Drogenhandels an einem ihrer Quellgebiete. Das besonders hohe Ansehen der Bundesrepublik in Afghanistan verbessert ihre Wirkungschancen.</strong></p><p><u>Weitere Informationen</u>: </p><ul><li>- Unterrichtung des Deutschen Bundestages durch das AuswÃ¤rtige Amt Ã¼ber die relevanten Fragen der</li></ul><p>       Entwicklung und des Wiederaufbaus in Afghanistan, Stand 12.1.2004</p><p>-     Abschlussbericht des Sonderbeauftragten der VN fÃ¼r Afghanistan, Brahimi, vom 15. Januar 2004,</p><p>       www.un.org/Docs/sc/sgrep03 </p><ul><li>- Bei Bedarf kÃ¶nnen aktuelle Schaubilder zu Drogenproduktion und Handel in Afghanistan, herausgegeben vom United Nations Office on Drugs and Crime, Dezember 2003, per e-mail Ã¼bersandt werden</li></ul>Zur Vorgeschichte der Kunduz-Entscheidung: Internationale Afghanistanpolitik am Scheideweg, Kabul im August 2003, <a href="/">www.nachtwei.de</a></div>


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