    <rss version="2.0" xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/" xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/" xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/">
     <channel>
        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Redebeitrag von MdB Winfried Nachtwei zur Wehrpflicht aus Sicht eines Kritikers</title>
        <link>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;ptid=1&amp;catid=29&amp;aid=1003</link>
        <description></description>
        <dc:language>en-us</dc:language> 
        <dc:creator>Webmaster</dc:creator> 
        <admin:generatorAgent rdf:resource="http://www.xaraya.org" /> 
        <admin:errorReportsTo rdf:resource="mailto:webmaster@nachtwei.de" />
       <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
       <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
       <docs>http://backend.userland.com/rss</docs>
<div class="xar-mod-page">
   <div class="xar-mod-head">
    <!-- License: GPL http://www.gnu.org/copyleft/gpl.html -->
<ul class="xar-tabs">
            <li class="xar-tab">
                <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=viewmap&amp;ptid=1">View Article Map</a>
           </li>
</ul>
</div>
   <div class="xar-mod-body">
<div class="cattrails xar-displayinline-block xar-padding-thickbottom">
    <span class="xar-mod-title">Rede von Winfried Nachtwei</span>

    <table class="xar-width-auto">
    <tr>
        <td valign="top" class="xar-padding-none">Browse in:&#160;</td>
       <td valign="top" class="xar-padding-none">
                                            <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1">Alle(s)</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=1">Publikationstyp</a>
                     &#187;                         <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=view&amp;itemtype=1&amp;catid=29">Rede</a>
<br />
</td>
   </tr>
   </table>




</div>

        <h1>
            Redebeitrag von MdB Winfried Nachtwei zur Wehrpflicht aus Sicht eines Kritikers         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 23. September 2008 11:07:27 +02:00 (99153 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Mit folgendem Redebeitrag stellte Winfried Nachtwei seine Position bezÃ¼glich Wehrpflicht dar:</p></div>
            <div>    <h4><strong>Redebeitrag von MdB Winfried Nachtwei, sicherheitspolitischer Sprecher von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen, zur Wehrpflicht aus Sicht eines Kritikers</strong></h4>
<p align="center"><strong>beim Forum WEHRPFLICHT</strong></p>
<p align="center">von Beirat fÃ¼r Fragen der Inneren FÃ¼hrung, Verband der Reservisten, Deutscher Bundeswehrverband am 23.9.2008 in Berlin</p>
<p>Â </p>
<p>Guten Morgen meine Damen und Herren,</p>
<p>ich bin von den GrÃ¼nen und deshalb stehe ich natÃ¼rlich in dem Verdacht, dass ich von dem Thema keine Ahnung habe.</p>
<p>Ich erinnere mich daran immer noch sehr deutlich. Vor mehr als 40 Jahren war ich beim Bund und habe einiges von dem dort mitbekommen, was jetzt einzelne Wehrpflichtige, heutige Wehrpflichtige als Pluspunkte genannt haben.</p>
<p>Mir hat es damals auch SpaÃŸ gemacht. Ich will da jetzt nicht in Einzelheiten gehen. Ich kann Ihnen aber versichern: Als Ausbilder habe ich damals ein lautes Organ entwickelt, das hat mir hinterher in den 70er Jahren bei Demonstrationen sehr geholfen, das hat mir im Bundestag bei Zwischenrufen geholfen. PersÃ¶nlich mÃ¶chte ich diese Zeit gar nicht missen. Nichtsdestoweniger mache ich heute einige kritische Anmerkungen zur Wehrpflicht.</p>
<p>Seit 1994 bin ich im Bundestag, 1995 stellte ich meinen ersten Antrag zur Abschaffung der Wehrpflicht. Damals meinte ich, die Wehrpflicht brÃ¶ckelt, na ja, das tut sie bis heute. In den letzten Jahren erfahre ich den Streit um die Wehrpflicht als einen Schlagabtausch, wo die Wiederholungen ermÃ¼den. Deshalb mÃ¶chte ich jetzt nur ein paar DenkanstÃ¶ÃŸe dazu bringen. Zugleich bekenne ich, dass auch fÃ¼r mich einige Fragen offen sind, auch bei meinen VorschlÃ¤gen und Kritiken. Herr Schmelzer, bei den Erfahrungen mit uns Berufspolitikern, bitte achten Sie auf die Zeit, geben Sie mir rechtzeitig Zeichen, wenn ich Ã¼berziehen sollte. Ich mÃ¶chte folgenden Punkten nachgehen. Erstens eine Klarstellung zu den Zielen und Anforderungen, um die es geht. Andernfalls redet man immer wieder erfolgreich aneinander vorbei. Zweitens, inwieweit die Allgemeine Wehrpflicht heute sicherheitspolitisch notwendig und unverzichtbar ist. Drittens: Ist der Grundrechtseingriff durch die Wehrpflicht noch legitimierbar, ist er verhÃ¤ltnismÃ¤ÃŸig? Viertens die verschiedenen nÃ¼tzlichen Seiten der Wehrpflicht und schlieÃŸlich Gedanken zu mÃ¶glichen Alternativen.</p>
<p>ZunÃ¤chst zu den Ziele und Anforderungen. Wir haben alle mitbekommen, dass sich in den letzten 15 Jahren der Auftrag der Bundeswehr verschoben hat, auch wenn im Grundgesetz weiterhin die Landesverteidigung als Grundaufgabe festgeschrieben ist. Aber der reale Auftrag hat sich verschoben in Richtung Teilnahme an internationaler KrisenbewÃ¤ltigung und KriegseindÃ¤mmung im Auftrag der Vereinten Nationen. Um diesen Auftrag wirksam wahrnehmen zu kÃ¶nnen, braucht die Bundeswehr quantitativ und qualitativ guten und ausreichenden Nachwuchs. Dabei ist zu berÃ¼cksichtigen, dass die Anforderungen im RahmenÂ  dieses neuen Auftrages erheblich hÃ¶her und komplexer sind, als, sag ich mal, zu meiner Zeit. Dabei muss zureichende Nachwuchsgewinnung mit dem geringst mÃ¶glichen Grundrechtseingriff einhergehen. SchlieÃŸlich geht es darum, die Integration der StreitkrÃ¤fte in die Gesellschaft zu erhalten. Sie ist eine demokratische Errungenschaft, die nicht auf`s Spiel gesetzt werden darf. Das sind die Grundanforderungen, Ã¼ber die hier wohl auch Einigkeit besteht.</p>
<p>Und nun zu der nÃ¤chsten Frage, der nach der sicherheitspolitischen Notwendigkeit und Unverzichtbarkeit. Wir sollten uns daran erinnern, wie das so vor Jahrzehnten aussah, welchen Stellenwert da die Wehrpflicht hatte. 1989, also vor 19 Jahren, hatte die Bundeswehr noch 490.000 Soldaten, davon 218.000 Wehrpflichtige, also 44 %. Inzwischen umfasst die Bundeswehr 250.000 Soldaten, von denen nur noch ein FÃ¼nftel Wehrpflichtige sind und nur 12% Grundwehrdienstleistende. Andersherum: 88 % der jetzigen Soldaten sind Freiwillige. Vor dem Hintergrund von Rest- oder Pseudowehrpflicht zu sprechen, ist naheliegend.</p>
<p>Die Wehrpflicht ist grundsÃ¤tzlich begrÃ¼ndbar, gerade auch verfassungsrechtlich legitimierbar mit Landesverteidigung. Konkret leitet sie sich ab aus der Notwendigkeit einer sehr groÃŸen Massenarmee mit groÃŸer AufwuchsstÃ¤rke, also mit groÃŸen ReservekrÃ¤ften. Heute wird angesichts des neuen Auftrages eine Massenarmee mit groÃŸer AufwuchsstÃ¤rke nicht mehr gebraucht. DarÃ¼ber hinaus wÃ¤re es auch nicht verantwortbar, Grundwehrdienstleistende im Ausland einzusetzen. Auch ein Soldat, der nur im Feldlager Dienst tut, erlebt in Kunduz Raketenbedrohungen, kann in eine Evakuierungssituation kommen. In solche unberechenbaren Lagen unzureichend ausgebildete Soldaten zu schicken, wÃ¤re verantwortungslos. Zusammengefasst: Eine zwingende sicherheitspolitische Notwendigkeit fÃ¼r die Wehrpflicht besteht nicht mehr.</p>
<p>FÃ¼r die betroffenen Wehrpflichtigen bleibt die Wehrpflicht ein massiver Eingriff in ihre Grundrechte, in ihre Lebensplanung. Das hat sich nicht damit erledigt, dass es heute fÃ¼r junge MÃ¤nner eine ziemliche Wahlfreiheit gibt. Ein tauglich gemusterter Wehrpflichtiger entscheidet, ob er zum Bund gehen oder verweigern will. Das ist nicht mehr so strapaziÃ¶s wie frÃ¼her. Dieser besondere Grundrechtseingriff zeigt sich schon in der VerzÃ¶gerung von Ausbildung und Studium. In nicht wenigen EinzelfÃ¤llen werden Ausbildungs- und ArbeitsplÃ¤tze gefÃ¤hrdet. Vor allem die Zentralstelle fÃ¼r die Beratung von Kriegsdienstverweigerern hat immer wieder Irritierendes Ã¼ber die Benachteiligungen von Wehrpflichtigen zu berichten. Im Klartext bedeutet die Wehrpflicht fÃ¼r Grundwehrdienstleistende, dass sie eine Art Naturalsteuer an den Staat errichten, die der Mehrzahl der Gleichaltrigen erspart bleibt. Die Wehrpflicht heiÃŸt mit vollem Namen Allgemeine Wehrpflicht. Und wie sieht es damit aus? Von den ca. 400.000 jungen MÃ¤nnern pro Geburtsjahrgang werden de facto in den Bereichen Grundwehrdienst und freiwillig LÃ¤ngerdienende ungefÃ¤hr 60.000 gebraucht. 340.000 werden von der Bundeswehr faktisch nicht gebraucht. Von einer gleich belastenden Pflicht, die die Allgemeine Wehrpflicht laut Urteil des Bundeswehrfassungsgerichts sein soll, kann man da ja wohl nicht mehr reden. Und dieses wird auch nicht dadurch verÃ¤ndert, dass die Tauglichkeitsregelungen in den Jahren verschÃ¤rft wurden, auch schon unter Rot-GrÃ¼n. Damit werden nur die formalrechtlichen Voraussetzungen eingehalten. Es bleibt dabei, dass eine solche RealitÃ¤t gegen jedes Rechtsempfinden von Gleichbehandlung verstÃ¶ÃŸt.</p>
<p>NÃ¤chster Punkt: der Nutzen der Wehrpflicht. Wenn es so ist, dass Wehrpflichtige nach einigen Monaten Ausbildung fÃ¼r Funktionsstellen nur wenige Monate zur VerfÃ¼gung stehen, dann ist das schlicht gesagt ein sehr ineffizienter Einsatz von Personal. Und viele Zeit- und Berufssoldaten kommen zu der Schlussfolgerung, dass die Bundeswehr mit den Wehrpflichtigen insgesamt mehr Last als Nutzen hat. Behauptet wird, die Wehrpflicht sei â€žbilliger&quot;. Das stimmt hÃ¶chstens betriebswirtschaftlich. Volkswirtschaftlich trifft das ganz und gar nicht zu. Unbestreitbar ist die Bedeutung der Wehrpflicht fÃ¼r die Nachwuchsgewinnung von Zeit- und Berufssoldaten. Aus den Wehrpflichtigen rekrutiert die Bundeswehr einen erheblichen Teil des FÃ¼hrernachwuchses. Das will ich nicht negieren. Hier stellt sich aber die Frage, ob der â€žleichtere&quot; Weg ohne Alternative ist. Ein weiterer Aspekt ist der angebliche qualitative Nutzen der Wehrpflicht. Herr Minister, Sie haben wieder von der Wehrpflicht als der intelligenteren Armee gesprochen. Ich bezweifle, ob man das wirklich empirisch nachweisen kann. Zugleich muss man auf die Begleitbotschaft achten. Demnach wÃ¤ren die Freiwilligenarmeen der VerbÃ¼ndeten die dÃ¼mmeren; oder die jungen MÃ¤nner, die freiwillig zum Bund gehen, die dÃ¼mmeren im Vergleich zu den Wehrpflichtigen. Ihr VorgÃ¤nger, Herr Minister, hat hier wirklich mal voll daneben gehauen, als er Freiwilligenarmeen mit SÃ¶ldnerarmeen gleichsetzte. Damit stÃ¼nde schon der freiwillige Bundeswehrsoldat unter SÃ¶ldnerverdacht. Also bitte Vorsicht mit einer solchen Argumentation. Die Bundeswehrsoldaten haben sich in ihren EinsÃ¤tzen einen guten Ruf erworben. Das hat meiner Meinung nach mit der anderen MilitÃ¤rkultur, der Inneren FÃ¼hrung und dem StaatsbÃ¼rger in Uniform zu tun - und nicht mit der Wehrpflicht.</p>
<p>Dann der Aspekt Integration in die Gesellschaft. Die ist, ich sagte es schon, ein hohes Gut undÂ  unbedingt weiter zu gewÃ¤hrleisten. In der Vergangenheit hat die groÃŸe Zahl von Wehrdienstleistenden in der Tat zur Integration der StreitkrÃ¤fte in die Gesellschaft beigetragen. Aber heutzutage leisten die paar zehntausend Wehrpflichtigen nur noch einen sehr geringen Integrationsbeitrag.</p>
<p>Hier mÃ¶chte ich noch auf eine entgegen gesetzte Wirkung hinweisen. Beim Kriegsdienstverweigerungsverfahren wird von den jungen MÃ¤nnern eine weltanschauliche Absage an Bundeswehr und MilitÃ¤r insgesamt verlangt. Wo nicht politische und ethische Differenzierung, sondern ein allgemeines Bekenntnis gefragt ist: â€žMilitÃ¤r lÃ¤uft auf TÃ¶ten hinaus. Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.&quot; Mit anderen Worten: Die Wehrpflicht, zu der richtiger Weise das Recht der Kriegs- oder Wehrdienstverweigerung gehÃ¶rt, lÃ¤uft darauf hinaus, dass sich ein groÃŸen Teil der jungen MÃ¤nner nur weltanschaulich und nicht politisch mit Bundeswehr und MilitÃ¤r auseinandersetzt. Und das fÃ¼hrt dazu, ich kenne das aus meinem politischen Spektrum, dass sich viele nur einmal mit Bundeswehr und MilitÃ¤r auseinandergesetzt haben - bei ihrem KDV-Antrag und der geforderten weltanschaulichen Absage ans MilitÃ¤r. Diese Haltung setzt sich dann fort. Eine politische Auseinandersetzung, was bringt MilitÃ¤r, was kann es, was kann es nicht, wird dadurch erheblich erschwert. Der behaupteten Integrationswirkung der Wehrpflicht einerseits stehtÂ  eine Distanzierungswirkung andererseits gegenÃ¼ber.</p>
<p>Ein Vorredner behauptete, dass dank Wehrpflichtigenanteil die Bundeswehr zurÃ¼ckhaltender im Ausland eingesetzt wÃ¼rde. Diese Feststellung ist eindeutig falsch! Inzwischen bin ich ja Veteran im Verteidigungsausschuss, seit 94 habe ich alle Diskussionen um AuslandseinsÃ¤tze mitgekriegt. FÃ¼r uns war da nie ein Kriterium, welche Arten von Soldaten werden in den Einsatz geschickt? Ich kann bezeugen, dass das VerantwortungsgefÃ¼hl aller Abgeordneten den Soldaten ohne Unterschied galt, egal, ob es freiwillig LÃ¤ngerdienende, Zeit- und Berufssoldaten waren. Gott sei Dank war und ist es so.</p>
<p>Die Frage der Integration der StreitkrÃ¤fte in die Gesellschaft stellt sich heute als eine Herausforderung erheblich anders, als dass sie mit den paar Wehrpflichtigen geregelt werden kÃ¶nnte. Die Bundeswehr ist inzwischen in groÃŸen Teilen aus der sogenannten FlÃ¤che verschwunden. Die stÃ¤ndig ungefÃ¤hr 7.000 Soldatinnen und Soldaten im Auslandseinsatz bedeuten, dass Teile der BundeswehrangehÃ¶rigen lÃ¤ngere Zeit aus der hiesigen Zivilgesellschaft â€žausziehen&quot;. Gleichzeitig bestehen hÃ¶chst unterschiedlicheÂ  Erfahrungswelten. Hier die individualisierte, vergnÃ¼gungsorientierte Gesellschaft,Â  gleichzeitig in Kunduz und anderswo bei vielen Soldaten eine stÃ¤ndige Hochspannung. Dort muss ein Soldat auÃŸerhalb des Camps immer mit Angriffen und Sprengstofffallen rechnen. Wenn Soldaten nach Hause kommen, interessieren sich vielleicht noch die Familien dafÃ¼r, andere aber meist nicht mehr. Der BundesprÃ¤sident sprach von â€žfreundlichem Desinteresse&quot;. Inzwischen scheint mir das Desinteresse an Freundlichkeit zu verlieren. Soldaten bekommen nach RÃ¼ckkehr aus dem Einsatz zu hÃ¶ren, sie seien ja selber schuld. Eine solche kalte Schulter aus der Gesellschaft ist eine Herausforderung fÃ¼r uns als Politik, fÃ¼r uns als Gesellschaft. Die paar Wehrpflichtigen sind vÃ¶llig damit Ã¼berfordert, solchen Trends entgegenzuwirken. Wir sollten die wichtige Aufgabe der Integration derÂ  StreitkrÃ¤fte in die Gesellschaft und die FÃ¶r4derung des gesellschaftlichen Interesses an den StreitkrÃ¤ften nicht den letzten im Glied aufhalsen. Wir selbst haben hier unsere Aufgaben zu machen.</p>
<p>Letzter Punkt: Gibt es Alternativen? Ich habe mit einigen Zahlen darauf hingewiesen. Der Schrumpfungsprozess der Wehrpflicht ist offenkundig. Ihr Akzeptanzverlust bei den betroffenen JahrgÃ¤ngen ist auch eindeutig. Die Jugendoffiziere berichten in ihren Jahresberichten seit Jahren davon, dass bei den GesprÃ¤chen in den Schulen die Wehrpflicht lÃ¤ngst nicht mehr rÃ¼ber zu bringen ist. Auch im Bundestag brÃ¶ckelt die Zustimmung zur Wehrpflicht. Ich erinnere mich noch sehr deutlich an die Mahnung des frÃ¼heren Unionssprechers im Verteidigungsausschuss, Paul Breuer, zum Ende der 90er, die Wehrpflicht mÃ¼sse neu begrÃ¼ndet werden. Da hat sich nicht viel getan - trotz vieler Papiere.Â  Eine NeubegrÃ¼ndung der Wehrpflicht, die auch wirklich gezÃ¼ndet hÃ¤tte, die kann ich wirklich nicht sehen. Vor diesem Hintergrund schlage ich vor, mit diesem Thema offensiv umzugehen. Offensiv und nicht nur immer abwartend, wie das die vorwiegende Neigung in der Politik ist. Und deshalb meine einfache Frage: Was spricht denn dagegen, die Restwehrpflicht abzulÃ¶sen durch einen freiwilligen Kurzdienst, der offen wÃ¤re fÃ¼r junge MÃ¤nner und Frauen, der einen Zeitraum hÃ¤tte von 12 bis 24 Monaten, wo nach solider Vorbereitung bei einer Verpflichtungszeit zwischen 18 und 24 Monaten auch ein Auslandseinsatz dabei sein kÃ¶nnte. Ein solcher Kurzdienst mÃ¼sste von vornherein attraktiv gestaltet sein. Beide Seiten kÃ¶nnten sich gegenseitig erproben. Der junge Mann, die junge Frau, kann sehen, das ist was fÃ¼r mich oder auch nicht, ich kann verlÃ¤ngern.</p>
<p>Allerdings reicht es nicht, nur Ã¼ber die Frage von Wehrpflicht und Alternativen zu sprechen. Diese Diskussion muss eingebettet sein in eine wirklich breite sicherheits- und friedenspolitische Debatte in Politik und Gesellschaft Ã¼ber bestimmte AnlÃ¤sse hinaus. Bei dieser breiten Debatte muss es um Fragen gehen, die vielleicht in der sicherheitspolitischen Community geklÃ¤rt sind, aber keineswegs in der Gesellschaft: Was soll, was kann Bundeswehr leisten im Rahmen unserer sicherheitspolitischen Vorgaben? Welche anderen FÃ¤higkeiten brauchen wir zur KrisenbewÃ¤ltigung Ã¼ber Bundeswehr hinaus? In Zeiten der viel beschworenen vernetzten und umfassenden Sicherheit und angesichts wachsender RisikenÂ  in etlichen Krisenregionen: Wie kÃ¶nnen fÃ¼r diese Aufgaben nicht nur genÃ¼gend kompetente Soldaten entsandt, sondern auch genÃ¼gend kompetente Polizisten, FriedensfachkrÃ¤fte, Entwicklungshelfer gewonnen werden. Denn diese gehen alle freiwillig!</p>
<p>Zusammengefasst: Der 11. Beirat fÃ¼r Fragen der Inneren FÃ¼hrung stellte 2003 fest, die Wehrpflicht mÃ¼sse sinnvoll sein. Der Dienst muss fÃ¼r die Wehrpflichtigen einleuchtend sein. Er muss fÃ¼r die Bundeswehr nÃ¼tzlich sein, die Gesellschaft muss ihren Wert erkennen. Das sind lauter richtige Anforderungen. Die Antworten darauf sind allerdings wenig Ã¼berzeugend.Â  Deshalb bitte ich Sie, offensiv mit diesen Herausforderungen umzugehen und nicht auf das nÃ¤chste Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu warten. Danke schÃ¶n.</p>
<p>Â </p></div>


           <br />
                        </div>
   </div>
</div></channel>
</rss>
