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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Feierstunde 25 Jahre Internationale Polizeimissionen NRW im Haus der Geschichte: Friedenspraktiker in Polizeiuniform</title>
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    <span class="xar-mod-title">CIVPOL-IPM</span>

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<br />
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        <h1>
            Feierstunde 25 Jahre Internationale Polizeimissionen NRW im Haus der Geschichte: Friedenspraktiker in Polizeiuniform         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 4. Oktober 2019 21:55:47 +02:00 (38529 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>1994 nahmen erstmalig deutsche L&auml;nderpolizeien an Internationalen Polizei- und Friedensmissionen (IPM) teil - in Mostar. Das war keine Eintagsfliege, sondern wurde ein immer wichtigeres Instrument im Rahmen der UN-Friedenssicherung und -f&ouml;rderung. Die Polizei NRW war seitdem der gr&ouml;&szlig;te und verl&auml;ssliche Personalsteller unter den Bundesl&auml;ndern und stellte immer den Vorsitzenden der AG IPM. In letzter Zeit bleiben die deutschen Beitr&auml;ge zu IPM zunehmend hinter dem internationalen Bedarf zur&uuml;ck. Wo in Berlin inzwischen gern + viel &uuml;ber Krisenpr&auml;vention gesprochen wird, muss die IPM-Komponente endlich geb&uuml;hrend <strong>politisch</strong> beachtet und gest&auml;rkt werden.&nbsp; &nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Feierstunde 25 Jahre Internationale Polizeimissionen NRW,</strong></p>
<p align="center"><strong>Haus der Geschichte: Friedenspraktiker in Polizeiuniform, 2. Oktober 2019</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> (04.10.2019)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p><em>Der Konferenzsaal im Haus der Geschichte war bis auf den letzten Platz besetzt, als 25 Jahre Beteiligung der Polizei NRW an Internationalen Polizeimissionen (IPM) gefeiert wurde. Da ich diese internationalen Eins&auml;tze seit 1996 (WEU-Mission Mostar) bei zig Besuchen auf dem Balkan und in Afghanistan kennen und hoch sch&auml;tzen gelernt habe, nahm ich besonders gerne an der Feierstunde teil, wie auch 2004 zum 10-j&auml;hrigen und 2014 zum 20-j&auml;hrigen Jubil&auml;um.<a title="" href="#_ftn2"><strong>[2]</strong></a> Noch vor sechs Woche hatte ich das Trainingszentrum der NRW-Polizei in Br&uuml;hl besucht.<a title="" href="#_ftn3"><strong>[3]</strong></a></em></p>
<p>Bei dem Vorempfang viel herzliches Wiedersehen von Polizistinnen und Polizisten, die sich aus einem oder mehreren Eins&auml;tzen kennen und gemeinsam viel durchgemacht, erlebt, geleistet haben. So bekommen die verschiedenen Eins&auml;tze dieser 25 Jahre sofort Gesichter, kommen Erinnerungen hoch.</p>
<p>Zu Beginn spielt das Landespolizeiorchester &bdquo;Friends will be Friends&ldquo; von Queen. Prof. Dr. Hans Walter H&uuml;tter, Pr&auml;sident des Haus der Geschichte, spricht ein Gru&szlig;wort.</p>
<p><strong>Er&ouml;ffnungsrede von NRW-Innenminister Herbert Reul</strong></p>
<p>(<a href="https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/feier-nrw-polizisten-auslandseinsatz-100.html">https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/feier-nrw-polizisten-auslandseinsatz-100.html</a> )</p>
<p>Der Anschlag vor vier Wochen auf &bdquo;Green Village&ldquo; (<em>das Camp f&uuml;r internationale Polizisten und Helfer in Kabul</em>) bedeutete f&uuml;r das deutsche Engagement einen deutlichen D&auml;mpfer. Beschlossen wurde die Fortsetzung des bilateralen German Police Project Teams, auch weil die Politzisten weiter bereit seien, nach Afghanistan zu gehen. Auch die meisten Kollegen, die den Anschlag erlebten, wollen vor Ort bleiben. &bdquo;Wir wollen uns der Verantwortung nicht entziehen.&ldquo;</p>
<p>Die NRW-Landesverfassung verpflichte uns, dem &bdquo;inneren und &auml;u&szlig;eren Frieden zu dienen&ldquo;, ebenso der Friedensauftrag des Grundgesetzes. Internationale Verantwortung f&uuml;r den Frieden bedeute, die UN-Charta zu befolgen, die Kr&auml;fte der UN zu vereinen. Referenzrahmen sei die Agenda 2030, wo Frieden einer der f&uuml;nf Grundpfeiler sei. Es sei auch im nordrhein-westf&auml;lischen Interesse, die offene Gesellschaft zu sch&uuml;tzen, mit NRW-Hilfe in Krisengebieten Gewalt abzubauen und langfristig rechtsstaatliche Verh&auml;ltnisse aufzubauen.</p>
<p>Internationale Polizeimissionen sollen Vertrauen in &ouml;rtliche Polizei f&ouml;rdern, f&uuml;r die St&auml;rke des Rechts statt das Recht des St&auml;rkeren. Zivile Instrumente seien unverzichtbare Bestandteile von Kriseneins&auml;tzen, oft priorit&auml;re.</p>
<p>1994 begann die erste internationale Polizeimission unter Beteiligung der deutschen L&auml;nderpolizeien. Am 10. Oktober starteten die ersten 20 NRW-Polizisten und trafen am 12. Oktober in Mostar ein. Das erste Teilkontingent der L&auml;nder umfasste 35 Beamte, NRW war damit der gr&ouml;&szlig;te Personalsteller. Insgesamt wurden in den 25 Jahren 1.353 Beamte in IPM (<em>und bilaterale Projekte</em>) entsandt, im Durchschnitt 54 pro Jahr.</p>
<p>Stellvertretend f&uuml;r all Entsandten verdienen die heute anwesenden Missionsteilnehmer Dank und Anerkennung.</p>
<p>An Dienststellen- und Beh&ouml;rdenleiter: Sie unterst&uuml;tzen diese Eins&auml;tze, die einen mehr, die anderen weniger. Wir haben erhebliche Probleme zu meistern. Aber bei Entsendungen gebe es noch Luft nach oben. Er wisse, dass das nicht einfach sei. Aber Sie kriegen auch Menschen mit besonderen Erfahrungen zur&uuml;ck. Die Unterst&uuml;tzung Internationaler Polizeimissionen sei eine der wichtigen Aufgaben der Polizei! Ich ermuntere Sie f&uuml;r den Einsatz!</p>
<p>(<em>Anm.: Der Minister spricht &uuml;berzeugt und mit Herzblut f&uuml;r die Teilnahme an IPM. Klare Worte findet er zur Abk&ouml;mmlichkeit von Polizeibeamten. Damit die Freiwilligen auch von ihren Dienststellen- und Beh&ouml;rdenleitern gr&uuml;nes Licht bekommen, bedarf es meist der Intervention des Ministeriums</em>.)</p>
<p><strong>Film &bdquo;Our Mission for Peace</strong>&ldquo; (5 Min.)</p>
<p>&bdquo;Visitenkarte&ldquo; des Dezernat 13 Auslandsverwendungen im Landesamt f&uuml;r Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW in Br&uuml;hl. Die Musik wurde extra f&uuml;r den Film komponiert.</p>
<p>Der Film beginnt mit Zitaten: &bdquo;Der Frieden muss gestiftet werden. Er kommt nicht von allein&ldquo;&nbsp; (Immanuel Kant), &bdquo;Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, oder der Krieg setzt der Menschheit ein Ende&ldquo; (John F. Kennedy), &bdquo;Wenn wir wahren Frieden in der welt erlangen wollen, m&uuml;ssen wir bei denKindern anfangen&ldquo; (Mahatma Gandhi).</p>
<p>Es folgen Impressionen aus Krisenl&auml;ndern (Kinder, Stra&szlig;enh&auml;ndler &hellip;), aus dem Trainingszentrum in Br&uuml;hl und der Einsatzvorbereitung der IPM-Teilnehmer, von den Missionstr&auml;gern UN, EU, OSZE, vom Training im Gel&auml;nde, einer Zertifizierung, vom Einsatz. Alles wirkt durch Bilder und Musik, ohne Sprechtext</p>
<p><strong>Rede des Vorsitzenden der AG IPM und ehemaligen Inspekteur der Polizei NRW Dieter Wehe </strong>(seit 2002 AG-Vorsitzender)</p>
<p>Er begr&uuml;&szlig;t zu einem Silberjubil&auml;um. So lange w&uuml;rden Beziehungen oft nicht halten. Diese Beziehung habe gehalten.</p>
<p>NRW sei von vorne herein in Verantwortung gewesen, habe von Anfang an den Vorsitzenden gestellt.</p>
<p>Er danke allen Mitverantwortlichen f&uuml;r diese Erfolgsgeschichte &ndash; und den Kolleginnen und Kollegen im Ausland. Sie alle seien Teil einer Mission &ndash; im funktionalen, aber auch im ideellen Sinne: Frieden und Aufbau schaffen nach den bzw. trotz der Waffen.</p>
<p>Das alles verlange Frustrationstoleranz. Siehe Afghanistan. Da sei es wichtig, auf das Kleine zu blicken. Zum Beispiel das Projekt eines Deutsch-Afghanen, der als erster Afghanistan im Surfen bei der Olympiade 2022 in Tokio vertreten will. (<em>Artikel von Marco Seliger zu Afridun Amu in Frankfurter Allgemeine Quarterly 11.07.2019 mit dem Video &bdquo;Unsurfed Afghanistan&ldquo;, </em><a href="https://www.faz.net/aktuell/stil/quarterly/surfen-in-afghanistan-was-halten-die-taliban-davon-16275858.html"><em>https://www.faz.net/aktuell/stil/quarterly/surfen-in-afghanistan-was-halten-die-taliban-davon-16275858.html</em></a> ) Nach dem Angriff auf Green Village sei die die Botschaft der Missionsteilnehmer von gr&ouml;&szlig;ter Bedeutung gewesen. Die Frage bei einer Telefonkonferenz: Ziehen wir alle ab? Die allermeisten wollten da bleiben. Green Village wird nicht wiederaufgebaut, der Beschluss erfolgte einvernehmlich.</p>
<p>Einige kritische Worte (<em>im Juli n&auml;chsten Jahres wird Dieter Wehe den AG-Vorsitz abgeben</em>):</p>
<p>Polizeimissionen m&uuml;ssen raus aus dem Schattendasein. Es gehe nicht um Privilegierung, aber um Anerkennung. Er erinnert an die letzte Begegnung der Bundeskanzlerin mit Frauen von Soldaten und Polizisten im Auslandseinsatz. Bei Auslandsreisen erfahre sie, dass deutsche Polizisten einen &bdquo;Ruf wie Donnerhall&ldquo; h&auml;tten. Im Inland sei davon nichts zu h&ouml;ren.</p>
<p>Anerkennung sei von zentraler Bedeutung. Es funktioniere, wenn Minister es zur eigenen Sache machen, bei Minister Reul mit Herzblut.</p>
<p>Es brauche ein systematisches Personalkonzept. Bestes Beispiel sei Stefan Feller, bis vor kurzem leitender Polizeiberater des UN-Generalsekret&auml;rs. Wenn wir solche Karrieren f&ouml;rdern wollen, darf man das nicht dem Zufall &uuml;berlassen. NRW habe ein Konzept zur Besetzung solcher Stellen.</p>
<p>Es wird manchmal von einer Freistellung abgeraten, weil angeblich ohne den entsprechenden Beamten die Beh&ouml;rde zusammenbrechen w&uuml;rde. Und als er dann aus dem Einsatz zur&uuml;ckkehrte, gab es keinerlei Interesse.</p>
<p>Zum wegweisenden Bundestagsbeschluss von 23.09.2016<a title="" href="#_ftn4">[4]</a> und der Koalitionsvereinbarung, wo eine St&auml;rkung der deutschen Beitr&auml;ge zu IPM gefordert bzw. angek&uuml;ndigt wurde. Ein Stellenpool sei schwierig. Der Bund sei inzwischen bereit, die Inlandsbesoldung zu &uuml;bernehmen. F&uuml;r die L&auml;nder sei aber das Geld nicht das Entscheidende (&bdquo;das brauchen wir nicht&ldquo;). Sondern Stellen, Menschen. Da stehen sich zwei unterschiedliche Programme gegen&uuml;ber.</p>
<p><em>(Anm.: Die &Uuml;bernahme der Inlandsbesoldung ist nur eine reaktive Ma&szlig;nahme, die nichts an der mangelnden Abk&ouml;mmlichkeit/Verf&uuml;gbarkeit &auml;ndert. Wenn man die IPM-Beteiligung st&auml;rken will, braucht man einen quantifizierten level of ambition. Den gibt es: Wenn alle vom Bundeskabinett beschlossenen Polizeientsendungen bis zur jeweiligen Obergrenze ausgesch&ouml;pft w&uuml;rden plus 50 f&uuml;r das bilaterale GPPT(Afghanistan, dann g&auml;be das eine Gr&ouml;&szlig;enordnung von 310 IPM-Beamten insgesamt - zzt. sind knapp 100 in IPM. Zwei Drittel m&uuml;ssten davon die L&auml;nder stellen, der NRW-Anteil liegt bei 20%, also etwas &uuml;ber 60 Beamten. Die L&auml;nder m&uuml;ssten also zus&auml;tzliche, ihrem Anteil entsprechende Stellen finanziert bekommen, &uuml;ber die sich dann Vertretungen &bdquo;indirekt&ldquo; organisieren lie&szlig;en. In Hessen und Bayern soll es solche Modelle geben.)</em></p>
<p>Es gebe Kollegen, die sich &uuml;ber ihre Einsatzaufgaben hinaus in Krisengebieten humanit&auml;r engagieren. Ihnen und &bdquo;Lachen Helfen&ldquo; danke er sehr daf&uuml;r.</p>
<p>Zum neuen Fachgebiet &bdquo;Internationale polizeiliche Beziehungen&ldquo; an der Deutschen Hochschule der Polizei/DHPol in M&uuml;nster: Hier&uuml;ber erfahren die k&uuml;nftigen F&uuml;hrungskr&auml;fte von der Notwendigkeit der IPM. Bis 2022 sei die Finanzierung des Fachgebiets durch Projektmittel des BMI gesichert. Wie gehe es aber dann damit weiter?</p>
<p><em>(Anm.: Das neue Fachgebiet als wissenschaftsgest&uuml;tztes Kompetenzzentrum ist ein dringend notwendiger Fortschritt und mit seinem Fokus auf Evaluierung europaweit einzigartig. Damit die Kolleginnen und Kollegen auch m&ouml;glichst wirksam in Missionen arbeiten k&ouml;nnen, hat ein solches Fachgebiet fundamentale Bedeutung. Das muss der Bundestag, der die Einrichtung in seinem Beschluss von 2016 gefordert hat, politisch dauerhaft kl&auml;ren. </em><a href="https://www.dhpol.de/departements/departement_II/FG_II.6/fg-II_6.php"><em>https://www.dhpol.de/departements/departement_II/FG_II.6/fg-II_6.php</em></a><em> )</em></p>
<p><em>(Kr&auml;ftiger und anhaltender Beifall)</em></p>
<p><strong>Polizeidirektor Achim Raupach, Leiter Dezernat 13, &uuml;ber Historie und Gegenwart der Mission</strong></p>
<p>Eine Zeitreise von 1994 bis heute.</p>
<p>Das Trainingszentrum in Br&uuml;hl ist eines der gr&ouml;&szlig;ten europaweit. 90% der Ausbildung lief im Auftrag des Bundes. Insgesamt durchliefen 14.000 TeilnehmerInnen die verschiedenen Seminare: 4.304 TeilnehmerInnen in 211 Seminaren Basistraining, 4.013 in 255 Vorbereitungsseminaren (zu Bosnien, Kosovo, Georgien, Sudan, S&uuml;dsudan, Niger, Mali), 4.897 in 294 Nachbereitungsseminaren (zu Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Georgien, Sudan, S&uuml;dsudan) sowie 113 Interviewtrainings.</p>
<p>Internationale TeilnehmerInnen kamen aus 21 L&auml;ndern, die meisten aus den Niederlanden (264, inzwischen eigene Ausbildungsst&auml;tte), Belgien (79), Luxemburg (38), Schweiz (52), Ghana (11). Mit dem Kofi Annan Peacekeeping Center in Accra besteht auch eine Kooperation.</p>
<p>Seit 1994 gab es knapp 1.400 Entsendungen aus NRW, realisiert durch 770 MissionsteilnehmerInnen (wg. Mehrfachverwendungen), zzt. sind 23 aus NRW im Einsatz (2018 nur 14 Erstverwender!!). Zu Tode kamen drei Polizisten: einer in Bosnien, zwei nach den Eins&auml;tzen durch Suizid im Zusammenhang mit dem Einsatz).</p>
<p>Gewinn und Nutzen der IPM f&uuml;r die Polizei: Interkulturelle Kompetenz (insbesondere im Hinblick auf Fl&uuml;chtlinge), kommunikative und Sprachkompetenz, Stresstoleranz und Flexibilit&auml;t.</p>
<p>Zur Einsatzgeschichte:</p>
<p>Am 10.10.1994 starteten 20 NRW-Polizisten unter der Leitung von Gerd Ax<a title="" href="#_ftn5">[5]</a> per Bus nach Mostar, Im ethnisch gespaltenen Mostar sollte eine Mission der Westeurop&auml;ischen Union (WEU) eine funktionsf&auml;hige Verwaltung aufbauen. Daf&uuml;r brauche es laut Missionsleiter Hans Koschnik, vormals Regierender B&uuml;rgermeister von Bremen, auch L&auml;nderpolizisten.</p>
<p>An UN-Missionen beteiligten sich deutsche Polizisten in Namibia (51 nur vom BGS <em>plus Nationale Volkspolizei der DDR</em>), Kambodscha (105), Georgien (22), Bosnien 1.399), Kosovo (2.625), Westsahara (13).</p>
<p>An EU-Missionen in Bosnien (WEU 212, EUPM 1.786), auf der Donau (WEU, einziger Wasserschutzpolizeieinsatz, 173), Mazedonien (3, 36), Albanien (91), S&uuml;dsudan (64), Darfur (16), an OSZE-Missionen in Kroatien (20), Donauregion (31), Kosovo (KVM 16).</p>
<p>In den&nbsp; 1990er Jahren lag der Schwerpunkt auf dem Balkan bei wenigen personalstarken Eins&auml;tzen. In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts weiteten sich die Einsatzgebiete erheblich aus, heute mit einer Vielzahl von Kleinstbeteiligungen. Und wo die n&auml;chsten Eins&auml;tze &ndash; Syrien, Algerien, Zentralafrikanische Republik, &Auml;gypten?</p>
<p>Zu Frontex (Griechenland, Italien, Bulgarien, Spanien): Die Einsatzdauer betr&auml;gt acht Wochen, Die Einsatzvorbereitung hat denselben Umfang wie bei anderen Missionen. Die Obergrenze liegt bei 300, aus Deutschland sind dort zzt. 84 Polizisten eingesetzt.</p>
<p><strong>Interview mit Missionsteilnehmer der ersten Stunde und einer aktuellen Missionsteil-nehmerin</strong> (mit Polizeihauptkommissarin Laura von der Bank/LAFP NRW)</p>
<p>Polizeikommissarin Julia Sabass vom Polizeipr&auml;sidium (PP) Hamm, 30 Jahre, Mai 2018 bis Juni 2019 in Mali (MINUSMA)</p>
<p>Heinz Kurscheidt, 63, Jahre, &gt; 30 Jahre beim PP Bonn, dann sieben Jahre beim Dezernat 13 in Br&uuml;hl, 1995/96 bei WEU-Mission in &nbsp;Mostar. Er habe dort das &bdquo;Licht an- und ausgemacht&ldquo;, weitere Eins&auml;tze in Bosnien, Albanien. Hilfreich war, dass er in Bonn immer wieder auf dieselbe Position zur&uuml;ckkam. Auf die Idee, in einen Einsatz zu gehen, kam er angesichts einer Anfrage des BMI. Nach 14 Jahren Schichtdienst wollte er mal was ganz anderes machen. Was andere abschreckte, faszinierte ihn.</p>
<p>J. S.: Bei einem Familienfest in Br&uuml;hl ergab sich ein erster Kontakt, das gefiel ihr. Nach Beratungen folgten erste Trainings- und verschiedene Vorbereitungsma&szlig;nahmen. Am Schluss stand eine Telefonkonferenz zwischen Ney York und Bamako auf Franz&ouml;sisch. Das ganze ging &uuml;ber ein Jahr.</p>
<p>H. K.: Vorbereitung? Wunder Punkt damals. Mit 50 Kollegen ging es nach Essen. Vor einem Auditorium hatten sich die Bewerber in drei Minuten auf Englisch zu pr&auml;sentieren. 20 wurden ausgesucht. Die 30 anderen kamen beim n&auml;chsten Kontingent dran.</p>
<p>Am 10. Oktober 1994 ging es mit &bdquo;NRW-Bussen einfach&ldquo; (womit man sonst zum Schwimmbad fuhr) und je 100 kg Gep&auml;ck nach Rosenheim. Dort traf das ganze Kontingent zusammen. Weiter ging es mit einem Bus des BGS durch Kroatien an der K&uuml;ste entlang nach Mostar. Die deutsche Presse war schon vor Ort, fragte nach ersten Eindr&uuml;cken, die es aber noch gar nicht gab.</p>
<p>J. S.: Nach Mali ging es normal per Flugzeug. Vor Ort vor allem Streifendienst, viele B&uuml;rgergespr&auml;che und Informationsgewinnung. Untergebracht war man im Camp in Container. Die Hygienema&szlig;st&auml;be der nationalen Kontingente waren unterschiedlich.</p>
<p>Verpflegung haupts&auml;chlich aus Konserven. Bei Heimaturlaub war ein Koffer f&uuml;r Lebensmittel reserviert. Die medizinische Versorgung war sp&auml;rlich. Notfalls wurde man ausgeflogen.</p>
<p>H. K.: Die Mission war auf Milit&auml;r angewiesen. Von der lokalen Polizei wurden einige in die WEU-Streifen aufgenommen. Mit der Zeit waren Polizisten von der (<em>verfeindeten</em>) West- und Ostseite dabei. Nach zwei Jahren gab es eine deutliche Ann&auml;herung.</p>
<p>Nachbereitung war selbstverst&auml;ndlich. Schnell gab es Probleme, unterschiedliche Auffassungen zwischen BGS und L&auml;nderpolizeien. NRW-Innenminister Schnoor blieb einmal statt weniger Stunden einen ganzen Tag beim Kontingent.</p>
<p>J. S.: Die Nachbereitung komme noch, sie wird eine Woche dauern. Besonders in Erinnerung sei eine Begegnung mit einem Kind, das aus Dankbarkeit weinte. Sie konnte auch ein von &bdquo;Lachen Helfen&ldquo; gef&ouml;rdertes Schulprojekt unterst&uuml;tzen.</p>
<p><em>(In Takoti wurden bisher 40 Kinder in einem&nbsp; Ziegenstall unterrichtet. Jetzt entsteht dort eine Schule f&uuml;r 200 M&auml;dchen und Jungen zwischen 6 und 15 Jahren. Bericht und Fotos: </em><a href="https://www.lachen-helfen.de/2019/08/zukunftsperspektiven-fuer-200-schueler-in-mali/"><em>https://www.lachen-helfen.de/2019/08/zukunftsperspektiven-fuer-200-schueler-in-mali/</em></a> )</p>
<p>H. K.: Bleibend in Erinnerung sei ein Granateinschlag ganz in der N&auml;he. Da habe er sich grunds&auml;tzliche Fragen gestellt.</p>
<p><strong>Schlusswort des Inspekteurs der NRW-Polizei, Bernd Heinen</strong></p>
<p>Bei den IPM gehe es um Krisenbew&auml;ltigung, um ganz unterschiedliche Aufgaben mit unterschiedlichen Menschen. Da sei hohe Flexibilit&auml;t gefordert.</p>
<p>Verzicht auf Familie und Freunde. Am besten bleibe man gesund.</p>
<p>Warum? Dar&uuml;ber habe er Gespr&auml;che mit Missionsteilnehmern gef&uuml;hrt, vorher und nachher.</p>
<p>Die Eins&auml;tze zielen auf langfristig rechtsstaatliche Strukturen. Da gehe es um Beruf, um Berufung. Ihm sei da ein besonderer Spirit begegnet, um mehr Sicherheit zu schaffen, Menschenrechte zu f&ouml;rdern.</p>
<p>Dabei seien die Werte einer Gesellschaft, die Werteorientierung, die innere Haltung zentral.</p>
<p>Eine werteorientierte Grundhaltung sei ausschlaggebend bei einer Entscheidung zu einer Mission.</p>
<p><strong>Mit der Europahymne</strong> endet die Feierstunde.</p>
<p><strong>Begegnungen am Rande </strong>mit etlichen sehr einsatzerfahrenen und &ndash;freudigen Polizisten, darunter einigen der &bdquo;ersten Stunde&ldquo; und der Schwerpunkteins&auml;tze in Bosnien, Kosovo und Afghanistan. Besonders in Erinnerung ist mir gerade heute das Zusammentreffen mit <strong>Stefan Feller</strong>, dem damaligen UNMIK-Police-Chef, am 16. M&auml;rz 2004 in Pristina/Kosovo. Aus meinem Reisebericht: &bdquo;<em>Sofort nach Eintreffen in Pristina erfahren wir von den sich seit Wochen h&auml;ufenden gewaltt&auml;tigen Zwischenf&auml;llen. Im Gang zum UNMIK-Polizeichef h&auml;ngen vor dem B&uuml;ro eines Mitarbeiters Kleinplakate, die Martin Luther King vor einem Foto mit Mahatma Gandhi zeigen und zwei Zitaten von ihnen in Englisch und Albanisch:&bdquo; (&hellip;) Intolerance is violence to the intellect and hatred in violence to the heart.&rdquo; (Gandhi 1942) &ldquo;World peace through nonviolent means is neither absurd nor unattainable. All other methods have failed. Thus we must begin anew. Nonviolence is a good starting point. Those of us who believe in this method can be voices of reason, sanity, and understanding amid the voices of violence, hatred, and emotion. We can very well set a mood of peace out of which a system of peace can be built.&ldquo; (King 1964) ...</em>.&quot; Es war der Vorabend der &bdquo;M&auml;rzunruhen&ldquo;. Dass die heutige Feierstunde am 150. Geburtstag von Mahatma Gandhi stattfindet, ist wahrscheinlich zuf&auml;llig, aber keineswegs unpassend.</p>
<p>Der 1996 von Bundeswehrsoldaten auf dem Balkan gegr&uuml;ndete Verein &bdquo;<strong>Lachen Helfen</strong>&ldquo; wird seit 2009, also genau seit zehn Jahren, auch von Polizisten mitgetragen und ist seitdem eine &bdquo;Initiative von Soldaten und Polizisten f&uuml;r Kinder in Krisen- und Kriegsgebieten&ldquo;. Neben Roderich Thien, dem Vorsitzenden und der Seele des Vereins,&nbsp; sind Tom Litges (BOS, ALB, KOS, AFG) und Uwe Mainz (KOS, AFG) als Pioniere der Polizisten bei Lachen Helfen vor Ort. Und toll ist, was Heiko Lammertz (zusammen mit seinem K&ouml;lner Kollegen Toni Kirchmair) in seinem letzten Einsatz in&nbsp; Darfur alles auf dem Weg gebracht hat. (<a href="https://www.lachen-helfen.de/2019/03/die-zwei-neuen-helden/">https://www.lachen-helfen.de/2019/03/die-zwei-neuen-helden/</a> )</p>
<p>Vom neuen Fachgebiet &bdquo;Internationale Polizeiliche Beziehungen&ldquo; der DHPol nimmt Dr. Thorsten Stodiek an der Feierstunde teil. Er ist wohl der Wissenschaftler in Deutschland, der am l&auml;ngsten zu IPM und ihrer Praxis arbeitet. Schon im Oktober 2001 war er zu einem Fachgespr&auml;ch meiner Fraktion als Sachverst&auml;ndiger f&uuml;r Polizeimissionen eingeladen.<a title="" href="#_ftn6">[6]</a> Viele Jahre wirkte er bei der OSZE in Wien.</p>
<p>Neu lerne ich den pensionierten Leitenden Polizeidirektor und langj&auml;hrigen Essener Polizeichef Helmut Janiesch kennen, der 1995/96 im Stab der WEU-Mission mit Hans Koschnik zusammenarbeitete und sp&auml;ter zum &bdquo;Brahimi-Report&ldquo; zu UN-Friedensmissionen aus dem Jahr 2000 beitrug.</p>
<p>Neben einem Mostar-1994 Plakat warten vor Beginn der Feierstunde sieben PolizistInnen in Einsatzanz&uuml;gen &bdquo;W&uuml;ste&ldquo; auf ihre Chefs und Fotografen. Die zwei Frauen und f&uuml;nf M&auml;nner sind Ausbilder in Br&uuml;hl. Ich spreche sie an, berichte von vielen Begegnungen mit ihren Kollegen in Konfliktl&auml;ndern seit 1996 und meinem bleibenden Eindruck, dass sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen &bdquo;Diamanten deutscher Au&szlig;enpolitik&ldquo; seien. Ich danke Ihnen &uuml;berzeugt und von Herzen.</p>
<p><strong>Nachbemerkung:</strong> Bei der Erstellung dieses Berichts sto&szlig;e ich auf die Kurzstudie des hochrangig-einsatzerfahrenen, inzwischen pensionierten Bundespolizisten Detlef Buwitt, &bdquo;Internationale Polizeieins&auml;tze bei UNO-Friedensmissionen: Erfahrungen und Lehren aus Bosnien-Herzegowina und im Kosovo&ldquo;, BITS Research Report Dez. 2001. Nach den Beschl&uuml;ssen des EU-Gipfels zu Planzielen im zivilen Krisenmanagement von 2000 sollte Deutschland 910 Polizisten f&uuml;r EU-Missionen Verf&uuml;gung stellen k&ouml;nnen. Laut BMI h&auml;tten daf&uuml;r rund 2.500 Polizisten vorgehalten werden m&uuml;ssen. Die Studie ist auch 18 Jahre sp&auml;ter ganz und gar nicht &uuml;berholt. Sie offenbart den Schneckengang bei der Entwicklung neuer Instrumente der (zivilen) Krisenpr&auml;vention. ( <a href="https://www.bits.de/public/pdf/rr01-1.pdf">https://www.bits.de/public/pdf/rr01-1.pdf</a> )</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Mitglied im Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention und Friedensf&ouml;rderung der Bundesregierung, im Beirat Innere F&uuml;hrung/BMVg (Leiter AG &bdquo;Einsatzr&uuml;ckkehrer, -folgen und Soziales&ldquo;), im Vorstand von &bdquo;Lachen Helfen&ldquo; und der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen/DGVN</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> Bericht 2004 <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=77%2B81&amp;aid=507">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=77%2B81&amp;aid=507</a> ; Bericht 2014 <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1299">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1299</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> Mit weiteren Publikationen und Links vgl. <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1600">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1600</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref4">[4]</a> Bericht und Links zum Bundestagsbeschluss <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=124&amp;aid=1428">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=124&amp;aid=1428</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref5">[5]</a> Leitender Polizeidirektor, Chef des internationalen Stabes der WEU-Mission und Leiter des deutschen Polizeikontingents. Nach R&uuml;ckkehr Leiter der H&ouml;heren Landespolizeischule &bdquo;Carl Severing&ldquo; in M&uuml;nster.</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref6">[6]</a> Publikationen z.B. <a href="https://bundesstiftung-friedensforschung.de/blog/die-osze-und-der-aufbau-multiethnischer-polizeien-auf-dem-balkan-analyse-eines-bedeutenden-beitrags-zum-internationalen-post-conflict-peacebuilding/">https://bundesstiftung-friedensforschung.de/blog/die-osze-und-der-aufbau-multiethnischer-polizeien-auf-dem-balkan-analyse-eines-bedeutenden-beitrags-zum-internationalen-post-conflict-peacebuilding/</a></p>
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