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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Meine Replik auf den Offenen Brief der Kooperation fÃ¼r den Frieden zum friedenspolitisch angeblich &quot;katastrophalen&quot; Grundsatzprogramm der GrÃ¼nen </title>
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    <span class="xar-mod-title">Offener Brief</span>

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<br />
</td>
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        <h1>
            Meine Replik auf den Offenen Brief der Kooperation fÃ¼r den Frieden zum friedenspolitisch angeblich &quot;katastrophalen&quot; Grundsatzprogramm der GrÃ¼nen          </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 5. Dezember 2020 19:56:45 +01:00 (34755 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Kritik ist selbstverst&auml;ndlich wichtig und willkommen. Schade nur, dass sie mit sehr viel selektiver Wahrnehmung und Fehlinterpretationen einhergeht. Hier die Antwort von einem alten Verwandten der Sprecher der Friedenskooperation, der neben toll vielen und j&uuml;ngeren anderen an der Erarbeitung des Grundsatzprogramms mitgewirkt hat.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Gr&uuml;nes Grundsatzprogramm: Antwort auf den Offenen Brief der </strong></p>
<p align="center"><strong>Kooperation f&uuml;r den Frieden &bdquo;Ist euch &bdquo;Frieden&ldquo; noch wichtig?&ldquo;</strong></p>
<p align="center">von Winni Nachtwei, 29.11.2020</p>
<p>&bdquo;Die Kooperation f&uuml;r den Frieden wertet das kommende Grundsatzprogramm der Partei Die Gr&uuml;nen als eine friedenspolitische Katastrophe. Sie fragt: &bdquo;Ist euch &bdquo;Frieden&ldquo; noch wichtig?&ldquo;</p>
<p>Laut Schreiben des Rates der Kooperation f&uuml;r den Frieden an die Partei- und Fraktionsvor-sitzenden von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen hat sich die diesj&auml;hrige Vollversammlung der Kooperative mit dem Programmentwurf auseinandergesetzt und ist &bdquo;mehrheitlich&ldquo; zu dem o.g. Urteil gekommen. Man hoffe, dass der Brief &bdquo;zu einer konstruktiven Diskussion beitr&auml;gt&ldquo;, an deren Fortf&uuml;hrung man sich beteiligen wolle. (<a href="http://www.koop-frieden.de/artikel-erstellen/ist-euch-frieden-noch-wichtig-offener-brief-die-vorsitzenden-annalena-baerbock">http://www.koop-frieden.de/artikel-erstellen/ist-euch-frieden-noch-wichtig-offener-brief-die-vorsitzenden-annalena-baerbock</a> &nbsp;)</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Vorbemerkungen</span></strong></p>
<p>Das Grundsatzprogramm (GSP) wurde in einem mehrstufigen demokratischen Prozess in knapp drei Jahren erarbeitet, mit breiter Beteiligung der Untergliederungen und Einzelmitglieder, aber auch Externer, mit Diskussionsforen und Kompromissfindungen. In diesem Prozess gab es erhebliche Ver&auml;nderungen (ich meine Verbesserungen) gegen&uuml;ber dem Ursprungstext, auch in der letzten Phase vom 2. Entwurf &uuml;ber viele &Auml;nderungsantr&auml;ge (180 allein zum Kapitel Internationale Zusammenarbeit) zur am 22. November von der digitalen Bundesdelegierten-konferenz beschlossenen Fassung.</p>
<p>Kann die Kooperative f&uuml;r den Frieden eine andere Partei nennen, die so intensiv an der Weiterentwicklung ihrer friedens- und sicherheitspolitischen Programmatik gearbeitet hat wie die B&uuml;ndnisgr&uuml;nen &ndash; und das mit einem erheblichen Anteil von j&uuml;ngeren Mitgliedern, die die massenwirksame Friedensbewegung der 1980er Jahre nur noch H&ouml;rensagen kennen?</p>
<p>Das Grundsatzprogramm soll grunds&auml;tzliche Orientierung und Leitlinien nach vorne (die Rede war von 20 Jahren) bringen, einen &bdquo;Kompass mit &Uuml;bersichtskarten&ldquo;, keine Wegbeschreibung. Die muss ein Wahlprogramm liefern, das im n&auml;chsten Jahr zu erarbeiten und zu beschlie&szlig;en ist.</p>
<p>Nach 15 Jahren Opposition auf Bundesebene und angesichts der Dringlichkeit zentraler politischer Herausforderungen, angefangen bei der galoppierenden Zerst&ouml;rung der Lebensgrundlagen auf unserem Planeten, w&auml;re es ein Gro&szlig;versagen sondergleichen, sich in bequemerer Opposition einzurichten. Dringend notwendig und angesichts des gewachsenen Zuspruchs zu den Gr&uuml;nen auch realistisch ist die &Uuml;bernahme von Regierungsverantwortung auch auf Bundesebene. Ein solches Ziel ist voraussetzungsreich.</p>
<p>Ausgehend von dem Selbstverst&auml;ndnis der Gr&uuml;nen als B&uuml;ndnispartei richtet sich das Programm als B&uuml;ndnisangebot erkennbar an die Breite der demokratisch-, sozial-, &ouml;kologisch- und friedensorientierten Gesellschaft, nicht nur an die engere eigene Klientel. (2002 ging es im au&szlig;enpolitischen Teil vorrangig um Selbstverst&auml;ndigung nach Umbr&uuml;chen). Die Sprache ist offen, nicht besserwisserisch oder im&nbsp; &uuml;blicher Politsprech. Umfang (2002 waren es 181 Seiten) und Textform&nbsp; verbessern die Lesbarkeit und Zug&auml;nglichkeit.</p>
<p>Die relativ hohe &bdquo;Flugh&ouml;he&ldquo; von Werteorientierung und Leitlinien geht nach dem Vorwort einher mit knappen Aussagen zu Problemlagen und&nbsp; Herausforderungen. Auf die Einordnung wichtiger Staaten (Partner, Konkurrenten, Kontrahenten) und die Benennung grundlegender au&szlig;en- und sicherheitspolitischer Erfahrungen der letzten 20 Jahre wird weitgehend verzichtet. Das Programm ist zukunftsgewandt und t&uuml;rmt nicht - wie es oft bei Daueroppositionellen geschieht &ndash; prim&auml;r Problemgebirge auf.</p>
<p>Zugleich kam bei der Programmerarbeitung das Risiko zur Sprache, durch die erhebliche Flugh&ouml;he des GSP-Entwurfs &uuml;ber die Wolken zu geraten, Bodenkontakt zu verlieren, mit vagen Aussagen weniger Farbe zu bekennen&nbsp; und ggfs. in Wunschdenken zu geraten.</p>
<p>Meines Erachtens bringt das GSP insgesamt umfassende und klare Grundorientierung f&uuml;r die friedens- und sicherheitspolitische Praxis der Gr&uuml;nen in Opposition wie Regierung. Dabei werden ehrlicherweise auch Zielkonflikte und Dilemmata nicht verschwiegen. Es ist Ausdruck von Erfahrungs- und Lernprozessen sowie Kompromissfindungen. Der Vergleich mit Positionen der Ur-Gr&uuml;nen ist beliebt, aber nur begrenzt sinnvoll. Andere Zeiten und Herausforderungen brauchen selbstverst&auml;ndlich programmatische Ver&auml;nderungen &ndash; ohne dass damit die Grundwerte und &ndash;prinzipien der Gr&uuml;nen verraten werden.</p>
<p>Ich antworte auf den Offenen Brief der Kooperative f&uuml;r den Frieden nicht im Auftrag eines Parteigremiums, sondern in Eigenverantwortung als jemand, der seit 40 Jahren bei den Gr&uuml;nen und viel au&szlig;erhalb zu Friedens- und Sicherheitspolitik arbeitet und an den Prozessen zu diesem GSP wie dem von 2002 beteiligt war.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> In drei Eurer Mitwirkenden-Organisationen bin ich &uuml;brigens Mitglied &ndash; nicht weil ich alle Positionen teile, sondern weil ich ihre Arbeit f&uuml;r sehr wichtig und unterst&uuml;tzenswert halte.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Im Einzelnen zur Kritik am</span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">friedens- und sicherheitspolitischen Kaptel 8 &bdquo;Internationale Zusammenarbeit&ldquo;</span></strong></p>
<p>(https://antraege.gruene.de/45bdk/kapitel_8_international_zusammenarbeiten-45797 )</p>
<p><strong>Atomare Abr&uuml;stung und Nichtverbreitung</strong>:</p>
<p>Im beschlossenen GSP hei&szlig;t es jetzt deutlicher:</p>
<p><em>&bdquo;(358) Es bedarf eines strengen Regelwerkes zur Abr&uuml;stung und zum Verbot von chemischen, biologischen und nuklearen Massenvernichtungswaffen. Der Beitritt Deutschlands zum VN-Atomwaffenverbotsvertrag und die St&auml;rkung des nuklearen Nichtverbreitungsvertrags geh&ouml;ren dazu. Daf&uuml;r muss gemeinsam mit den internationalen und europ&auml;ischen Partnern am Ziel eines atomwaffenfreien Europas gearbeitet werden. Dazu braucht es ein Deutschland frei von Atomwaffen und damit ein z&uuml;giges Ende der nuklearen Teilhabe. Der Anspruch ist nichts Geringeres als eine atomwaffenfreie Welt.&ldquo;</em></p>
<p>Die Ziele sind klar und gemeinsam mit den internationalen + europ&auml;ischen Partnern anzugehen.</p>
<p><strong>R&uuml;stungsexporte</strong>: Die Kritik, Gr&uuml;ne wollten &bdquo;R&uuml;stungsexporte nach europ&auml;ischen Normen gestalten&ldquo; und somit mehr Waffenexporte aus Deutschland erlauben, war nie die Absicht und hat sich mit der Endfassung des GSP erledigt:</p>
<p><em>&bdquo;(359) Exporte von Waffen und R&uuml;stungsg&uuml;tern an Diktatoren, menschenrechtsverachtende Regime und in Kriegsgebiete verbieten sich. F&uuml;r die Reduktion von R&uuml;stungsexporten braucht es eine gemeinsame restriktive R&uuml;stungsexportkontrolle der EU mit starken Institutionen und in EU-Gemeinschaftsrecht gegossene Exportkriterien. EU-Mitgliedstaaten, die gegen verbindliche R&uuml;stungsexportkriterien versto&szlig;en, m&uuml;ssen mit Sanktionen rechnen.&ldquo;</em></p>
<p><strong>Schutzverpflichtung</strong> (richtig hei&szlig;t es &bdquo;Schutzverantwortung&ldquo;R2P): Der Vorwurf, Gr&uuml;ne w&uuml;rden der &bdquo;Anwendung milit&auml;rischer Kriegsgewalt das Wort reden&ldquo;, ist &auml;u&szlig;erst schwerwiegend und&nbsp; verdreht die Programmformulierung, erst recht in der beschlossenen Fassung:</p>
<p><em>&bdquo;(362) Die Anwendung milit&auml;rischer Kriegsgewalt bringt immer massives Leid mit sich. Wir wissen aber auch, dass die Unterlassung in einzelnen F&auml;llen zu gr&ouml;&szlig;erem Leid f&uuml;hren kann. Deshalb ist es so wichtig, fr&uuml;hzeitig auf Konflikte einzuwirken und zu verhindern, dass sie zu bewaffneten Auseinandersetzungen eskalieren. Das Konzept der Schutzverantwortung (&bdquo;Responsibility to Protect&ldquo;) verpflichtet Staaten, ihre Bev&ouml;lkerung vor schwersten Menschenrechtsverletzungen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu sch&uuml;tzen. In diesen F&auml;llen k&ouml;nnen die Vereinten Nationen Zwangsma&szlig;nahmen beschlie&szlig;en. Die Schutzverant-wortung verpflichtet die Staatengemeinschaft gleicherma&szlig;en, ihre Instrumente f&uuml;r Pr&auml;ven tion, Krisenreaktion und Nachsorge bzw. Wiederaufbau kriegszerst&ouml;rter Gesellschaften auszubauen. Diplomatische Initiativen, Mediation und UN-Friedenseins&auml;tze k&ouml;nnen Gewalt eind&auml;mmen und Voraussetzungen f&uuml;r Friedensprozesse schaffen. Zentral f&uuml;r Frieden, Vers&ouml;hnung und Gerechtigkeit ist auch der Einsatz gegen die Straflosigkeit von Menschen-rechtsverbrechen.&ldquo;</em></p>
<p>Der erste Satz benennt ein Dilemma, vor dem VN-Friedenssicherung des &Ouml;fteren stand:</p>
<p>- Ruanda 1994, wo der sich anbahnende V&ouml;lkermord an mehr als 800.000 Menschen durch eine Verst&auml;rkung der UN-Blauhelm-Mission h&ouml;chstwahrscheinlich h&auml;tte verhindern lassen.<a title="" href="#_ftn2">[2]</a></p>
<p>- Die Belagerung und Beschie&szlig;ung von Sarajevo von 1992-1995 &uuml;ber 1.425 Tage mit etwa 11.000 Toten, davon 1.600 Kinder.</p>
<p>- Die Erst&uuml;rmung der UN-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 und die Ermordung von rund 8.000 muslimischen M&auml;nnern und&nbsp; Jungen durch relativ schwache bewaffnete serbische Kr&auml;fte.<a title="" href="#_ftn3">[3]</a></p>
<p>- Die Vernichtungsoffensiven des Saddam-Hussein-Regimes 1987/88 gegen die Kurden in Nordirak (Giftgasangriff auf Halabja, Anfal-Offensiven mit bis zu 100.000 kurdischen Todesopfern ) und ff.; Operation Provide Comfort von USA, GB, FR mit Flugverbotszone 1991 bis 1996 und &bdquo;Kurdenhilfe&ldquo;, wodurch vielen Tausenden kurdischen Menschen das Leben gerettet wurde.</p>
<p>Mit der Libyen-Intervention 2011 wurde die R2P in der Tat schwer gesch&auml;digt. Erneut best&auml;tigte sich, dass sich innerstaatliche Konflikte nicht milit&auml;risch l&ouml;sen lassen, dass das Wegbomben eines Diktators weder Frieden noch Demokratie ergibt.</p>
<p>Damit aber die Schutzverantwortung insgesamt f&uuml;r verbrannt zu erkl&auml;ren und auf den M&uuml;llhaufen der Geschichte zu werfen, zeigt eine &auml;u&szlig;erst verk&uuml;rzte Sicht der Schutz-verantwortung: Sie wird auf das &bdquo;React&ldquo; in Form einer Milit&auml;rintervention reduziert, die fundamentale Verantwortung von Staaten und Staatengemeinschaft, Bev&ouml;lkerung vor schwersten Menschenrechtsverbrechen zu sch&uuml;tzen, die vorrangige Bedeutung der Vorbeugung und Unterst&uuml;tzung dabei, all das ist offenbar nicht mehr der Rede wert.</p>
<p>Die Konvention &uuml;ber die Verh&uuml;tung und Bestrafung von V&ouml;lkermord von 1948, die UN-Sicherheitsratsresolution &bdquo;Protection of Civilians in Armed Conflicts&ldquo; von 2000, der High</p>
<p>&nbsp;Level Panel Report &bdquo;Eine sicherere Welt&ldquo; &uuml;ber Bedrohungen, Herausforderungen und Wandel von 2004, die Abschlusserkl&auml;rung des UN-Weltgipfels von 2005 &ndash; alle thematisierten die Schutzverantwortung gegen&uuml;ber Massengewalt. Sie gilt als &bdquo;v&ouml;lkerrechtliche Norm im Werden&ldquo;. Dass Gr&uuml;ne nach Euren Worten die Schutzverantwortung &bdquo;in die N&auml;he von internationalem Recht&ldquo; r&uuml;cken, sehe ich nicht als kritikw&uuml;rdig, im Gegenteil. In der Pr&auml;ambel des GSP hei&szlig;t es dementsprechend:</p>
<p><em>&bdquo;Wir tragen als internationale Gemeinschaft Verantwortung, gegen schwerste Menschenrechtsverletzungen und V&ouml;lkermord im Rahmen der Vereinten Nationen vorzugehen.&ldquo; (48) </em></p>
<p>Dies scheint Ihr nicht &ndash; oder nur mit gro&szlig;en Vorbehalten - zu teilen. Wenn dem so ist, dann h&auml;ttet Ihr zum doppelten &bdquo;Nie wieder!&ldquo; nach den Menschheitsverbrechen der Nazis ein gespaltenes Verh&auml;ltnis.</p>
<p><strong>Bewaffnete Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr</strong>: Eure Behauptung, Gr&uuml;ne wollten bei Einsatzentscheidungen nach Belieben mit UN-Mandat und v&ouml;lkerrechtlicher Legitimation umgehen, ist falsch. Im beschlossenen GSP hei&szlig;t es:</p>
<p><em>&bdquo;(363) Der Einsatz von milit&auml;rischer Gewalt ist immer nur &auml;u&szlig;erstes Mittel. Er kommt nur in <br /> Betracht, wenn alle alternativen M&ouml;glichkeiten wie Sanktionen oder Embargos aussichtslos <br /> sind. Ein Milit&auml;reinsatz braucht einen klaren und erf&uuml;llbaren Auftrag, ausgewogene zivile <br /> und milit&auml;rische F&auml;higkeiten und unabh&auml;ngige Evaluierungen. Bewaffnete Eins&auml;tze der <br /> Bundeswehr im Ausland sind in ein System gegenseitiger kollektiver Sicherheit, das hei&szlig;t <br /> nicht in verfassungswidrigen Koalitionen der Willigen, und in ein politisches Gesamtkonzept, <br /> basierend auf dem Grundgesetz und dem V&ouml;lkerrecht, einzubetten. Bei Eingriffen in die <br /> Souver&auml;nit&auml;t eines Staates oder dort, wo staatliche Souver&auml;nit&auml;t fehlt, braucht es ein Mandat der Vereinten Nationen. Wenn das Vetorecht im Sicherheitsrat missbraucht wird, um schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu decken, steht die Weltgemeinschaft vor <br /> einem Dilemma, weil Nichthandeln genauso Menschenrechte und V&ouml;lkerrecht sch&auml;digt wie <br /> Handeln.&ldquo; Und </em></p>
<p><em>&bdquo;(344) (&hellip;) Das Konzept der Vetom&auml;chte ist nicht mehr zeitgem&auml;&szlig; und mit diesem Anspruch <br /> nicht vereinbar. Das Vetorecht soll langfristig abgeschafft werden und als Zwischenschritt <br /> muss im Falle von schwersten Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein Veto im Sicherheits-rat mit einer Begr&uuml;ndung und einem Alternativvorschlag versehen werden. Wenn der Sicherheitsrat im Falle von schwersten Menschenrechtsverletzungen anhaltend blockiert ist, soll die Generalversammlung an seiner Stelle &uuml;ber friedenserzwingende Ma&szlig;nahmen mit qualifizierter Mehrheit beschlie&szlig;en.&ldquo;</em></p>
<p>Grunds&auml;tzlich hei&szlig;t in der beschlossenen Pr&auml;ambel:</p>
<p><em>&bdquo;Ziel bleibt, durch eine Politik f&uuml;r Gewaltfreiheit mittel- und langfristig die Institution des Krieges zu &uuml;berwinden.&ldquo; (49)</em></p>
<p>Das Desaster vieler Milit&auml;rinterventionen seit dem 11. September ist un&uuml;bersehbar, angefangen beim Global War on Terror, der den internationalen Terrorismus viel mehr anheizte, als ihn einzud&auml;mmen. Der v&ouml;lkerrechtswidrige Irakkrieg 2003 chaotisierte eine ganze Region. Der UN-mandatierte internationale Afghanistaneinsatz verfehlte aus identifizierbaren Gr&uuml;nden wesentliche seiner Ziele. Eure unterschiedslose Feststellung vom &bdquo;Desaster aller Milit&auml;rinterventionen&ldquo; ist allerdings zu pauschal. Regime-Change-Interven-tionen sind in der Tat &bdquo;effektive&ldquo; Chaostreiber sondergleichen. Bei UN-mandatierten Stabilisierungseins&auml;tzen sieht die Bilanz aber anders aus: Der SFOR- bzw. ALTHEA-Einsatz in Bosnien ab 1995 konnte in einem sehr konflikttr&auml;chtigen Umfeld den m&ouml;glichen Ausbruch erneuter Kriegsgewalt verhindern. Dasselbe gilt f&uuml;r den seit 1999 andauernden KFOR-Einsatz im Kosovo. Dass dabei bisher kein nachhaltig-positive Frieden entstand, lag prim&auml;r an der nicht gelungenen (weil viel schwierigeren und oft vernachl&auml;ssigten) politischen Konfliktbearbeitung.</p>
<p>Unterschiedlich, aber keineswegs durch die Bank desastr&ouml;s ist die Bilanz der UN-gef&uuml;hrten Friedensmissionen, die immer wieder ein letztes Netz vor dem Absturz ins volle Chaos sind und wohl Millionen Menschenleben retteten. Teilweise konnten diese Missionen, die ja auch Interventionen darstellen, stabilisierende Wirkung entfalten. UN-Missionen pauschal unter &bdquo;desastr&ouml;s&ldquo; abzuhaken, l&auml;sst den Verdacht aufkommen, dass Ihr Euch lange nicht mit realem UN-Peacekeeping besch&auml;ftigt habt oder sogar gar nicht an ihm interessiert seid.</p>
<p>&nbsp;<strong>Abr&uuml;stung und R&uuml;stungskontrolle: </strong>Wichtige Schritte der R&uuml;stungskontrolle nennt das GSP zu autonomen t&ouml;dlichen Waffensystemen (360), nicht aber zur dringenden Erneuerung der konventionellen R&uuml;stungskontrolle in Europa. (vgl. Wolfgang Richter, SWP). Hier wird das Wahlprogramm im n&auml;chsten Jahr nachlegen m&uuml;ssen. Mit dem Pr&auml;sidentenwechsel in den USA k&ouml;nnten sich die Rahmenbedingungen sprunghaft verbessern. Die R&uuml;ckkehr der USA in den Vertrag &uuml;ber den Offenen Himmel w&auml;re f&uuml;r Vertrauensbildung in Europa sehr wichtig. Mit dem Zentrum Verifikationsaufgaben der Bundeswehr verf&uuml;gt die Bundesrepublik &uuml;ber ein international besonders renommiertes Kompetenzzentrum der R&uuml;stungskontrolle.</p>
<p>Ihr erinnert an die Losung &bdquo;Bei uns anfangen&ldquo; in fr&uuml;heren Gr&uuml;nen-Programmen. Ja, Gr&uuml;ne traten in den 1980er Jahren f&uuml;r eine Strategie einseitiger Abr&uuml;stung, den Austritt aus der NATO, die Abkoppelung von den USA und den Abzug aller ausl&auml;ndischen Streitkr&auml;fte ein. Aber Ihr gestattet, dass man als politische Partei im Laufe der Jahre und einer politischen Praxis nicht nur in der Opposition Erfahrungen macht und lernt. Wir haben gelernt, dass die europ&auml;ische und transatlantische Integration, dass Multilateralismus und &bdquo;Nie mehr allein&ldquo; essentiell f&uuml;r gemeinsamen Frieden und Sicherheit in Europa und weltweit sind. Dass GEMEINSAME Sicherheit die erste und grundlegende Schlussfolgerungen aus zwei Weltkriegen und einem beispiellosen V&ouml;lkermord war, die zur Gr&uuml;ndung der Vereinten Nationen f&uuml;hrte. Mir wurde das erst seit den 1990er Jahren zunehmend klar. So notwendig friedens- und sicherheitspolitische Initiative ist, so gef&auml;hrlich sind Alleing&auml;nge. Und da ist der Satz im Abr&uuml;stungsabschnitt (358) schon wichtig:</p>
<p><em>&bdquo;Unser Anspruch ist es, alle L&auml;nder hier einzubeziehen, insbesondere auch die neue Supermacht China. Abr&uuml;stung und R&uuml;stungskontrolle bedeuten global mehr Sicherheit f&uuml;r alle.&ldquo;</em></p>
<p>Ihr mahnt die Gr&uuml;nen, sich klar zu den SDG`s, den Nachhaltigkeitszielen, zu bekennen. Das geschieht deutlich mit &sect; 52 zum Abschluss des Grundwertekapitels und vor allem unter Globaler Strukturpolitik.</p>
<p><em>(371) &bdquo;(&hellip;)Handlungsrahmen f&uuml;r das Gesamtregierungshandeln sind die Menschenrechte, die Klimaziele von Paris und die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen f&uuml;r eine nachhaltige Entwicklung. Sie sind Voraussetzung daf&uuml;r, Strukturen global und nachhaltig gestalten zu k&ouml;nnen. So konnten Erfolge bei der Bek&auml;mpfung von Armut und Hunger sowie beim Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem erreicht werden. Der Einsatz f&uuml;r Geschlechterge-rechtigkeit ist integraler Bestandteil einer queerfeministischen Strukturpolitik. Das Recht auf&nbsp; Entwicklung gilt weltweit. Um die globalen Nachhaltigkeitsziele im Rahmen der planetaren Grenzen einzuhalten und das globale Zusammenleben m&ouml;glichst krisenfest zu gestalten, braucht es eine globale sozial-&ouml;kologische Transformation.&ldquo;</em></p>
<p><strong>Milit&auml;rausgaben Deutschlands</strong>: Hierzu finden sich im GSP keine expliziten, nur wichtige indirekte Aussagen wie</p>
<p><em>- &bdquo;Der Auftrag und die Aufgaben der Bundeswehr orientieren sich an den realen und strategisch bedeutsamen Herausforderungen f&uuml;r Sicherheit und Friedenssicherung. Sie ist ein notwendiges Mittel staatlicher und internationaler Sicherheitspolitik. Deutschland soll sich auf seine B&uuml;ndnispartner verlassen k&ouml;nnen und genauso sollen sich die B&uuml;ndnispartner auf Deutschland verlassen.&ldquo; (364) Das allgemeine Gewaltverbot der VN-Charta ist eine gro&szlig;e Errungenschaft. VN-gef&uuml;hrte Friedenseins&auml;tze sind ein zentrales Instrument kollektiver Friedenssicherung und als solche trotz aller Defizite &ndash; gerade durch eine gr&ouml;&szlig;ere europ&auml;ische Beteiligung an Blauhelmeins&auml;tzen &ndash; zu st&auml;rken.&ldquo; (354)</em></p>
<p><em>- &bdquo;Die Bundeswehr ist eine im Grundgesetz und in internationalen B&uuml;ndnissen verankerte <br /> Parlamentsarmee. Daraus erw&auml;chst eine F&uuml;rsorgepflicht des Parlaments gegen&uuml;ber den aktiven und ehemaligen Soldat*innen und Zivilbesch&auml;ftigten sowie die Verpflichtung, sie entsprechend ihrem Auftrag und ihren Aufgaben personell und materiell auszustatten.&ldquo;</em></p>
<p>Zur Entwicklungsrichtung des deutschen Milit&auml;retats wird das Wahlprogramm Konkreteres sagen m&uuml;ssen. Diepolitische Absicht der Union, den Anteil des deutschen Milit&auml;retats von 1,3% auf 2% des Bruttoinlandprodukts zu erh&ouml;hen, ist abwegig und w&uuml;rde die Gewichte der deutschen ausw&auml;rtigen Politik massiv zum Milit&auml;rischen verschieben. Wo ein umfassendes Verst&auml;ndnis von Sicherheit und der ressort&uuml;bergreifend-vernetzte Ansatz gelten, k&ouml;nnen die notwendigen und verantwortbaren Haushaltsans&auml;tze nur im Gesamtkontext von Au&szlig;en-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik, von politisch-ziviler Krisenpr&auml;vention und milit&auml;rischer Krisenreaktion bestimmt werden.</p>
<p>Im Vergleich zur Bundeswehr ist die Infrastruktur f&uuml;r internationale zivile Krisenpr&auml;vention erheblich unterfinanziert. Vor allem fehlt ein planm&auml;&szlig;iges Aufholprogramm auf der Zeitschiene. Pauschale K&uuml;rzungs- und Umverteilungsforderungen zum Milit&auml;rhaushalt k&ouml;nnen deshalb plausibel erscheinen. Da bei diesen K&uuml;rzungsforderungen aber &uuml;ber die generelle Absage an Auslandseins&auml;tze hinaus meist nichts Konkreteres zu notwendigen, &uuml;berfl&uuml;ssigen, gar sch&auml;dlichen Aufgaben und F&auml;higkeiten der Bundeswehr gesagt wird, ist die Wirkung dieser Forderungen begrenzt. Wer mit pauschalen K&uuml;rzungsforderungen nur eine Abschaffung von Milit&auml;r durch Kaputtsparen bezweckt, sollte dann auch ehrlicherweise die Abschaffung des Art. 87a Grundgesetz (&bdquo;Der Bund stellt Streitkr&auml;fte zur Verteidigung auf&ldquo;) fordern.</p>
<p><strong>Zukunft der NATO: </strong>Eure Behauptung, die NATO sei seit der Aufl&ouml;sung des Warschauer Paktes obsolet, geh&ouml;rt wohl zum unver&auml;u&szlig;erlichen Glaubensbekenntnis von Sprecher*innen der Friedensbewegung und bei der Linken, ist aber bei genauerem Hinsehen und einem Minimum an europ&auml;ischer Erinnerung und Empathie nicht haltbar. F&uuml;r die europ&auml;ischen Nachbarn ist und bleibt unvergessen, dass sie, weil vereinzelt und wehrlos, von einem Nazi-Deutschland &uuml;berfallen, geschunden und Teile ihrer Bev&ouml;lkerung vernichtet werden konnten. Die Konsequenz lag seit 1945 auf der Hand: Nie mehr wehrlos! Nie mehr allein! Also kollektive Sicherheit! W&uuml;nschenswert w&auml;re, wenn das gesamteurop&auml;isch m&ouml;glich w&auml;re. Das ist vorl&auml;ufig mit einem Putin-Russland nicht m&ouml;glich. Immerhin pflegt es ein massives EU-Feindbild und attackiert EU-L&auml;nder und &ndash;Einrichtungen mit Cyber- und anderen Destabilisierungsoperationen. Es f&uuml;hrt in der Ostukraine einen verdeckten Krieg, in Syrien offen Krieg gegen Zivilbev&ouml;lkerung, Ohne NATO-R&uuml;ckhalt und &ndash;Integration w&auml;re eine ruin&ouml;se Renationalisierung von Sicherheitspolitik in Europa vorprogrammiert.</p>
<p>Ohne das sp&auml;te Eingreifen der NATO w&auml;ren die Kriegsbr&auml;nde auf dem Balkan wohl nicht gestoppt worden und h&auml;tten h&ouml;chstwahrscheinlich noch viel, viel mehr Opfer gefordert.&nbsp;</p>
<p>Eure Behauptung, mit der Existenz der NATO werde Friedenspolitik exklusiv an das Milit&auml;r delegiert, kann ich nicht nachvollziehen.</p>
<p>Das GSP zur NATO und zum transatlantischen Verh&auml;ltnis:</p>
<p><em>&bdquo;(368)Die NATO leidet unter divergierenden sicherheitspolitischen Interessen innerhalb der <br /> Allianz bis hin zur gegenseitigen milit&auml;rischen Bedrohung. Ihr fehlt in dieser tiefen Krise <br /> eine klare strategische Perspektive. Trotzdem bleibt sie aus europ&auml;ischer Sicht neben der EU <br /> unverzichtbarer Akteur, der die gemeinsame Sicherheit Europas garantieren kann und der als <br /> Staatenb&uuml;ndnis einer Renationalisierung der Sicherheitspolitik entgegenwirkt. Es braucht <br /> aber eine strategische Neuausrichtung. Mit einer st&auml;rkeren milit&auml;rischen Zusammenarbeit und Koordinierung innerhalb der EU und mit den europ&auml;ischen NATO-Partnern <strong>wie </strong>Gro&szlig;britannien und&nbsp; Norwegen k&ouml;nnen europ&auml;ische Werte und strategische Interessen geschlossen und &uuml;berzeugender vertreten werden.</em></p>
<p><strong>Benennung einzelner L&auml;nder</strong>: Das unterblieb in der Tat weitestgehend. Es geschah bewusst, weil dies zwangsl&auml;ufig das internationale Kapitel stark &uuml;berproportional ausgeweitet h&auml;tte.</p>
<p><strong>Grundlegende Absage an Krieg</strong>: Die ist an vielen Stellen durch Werte, Prinzipien, Politikans&auml;tze etc. eindeutig formuliert, so in der Pr&auml;ambel dank des &Auml;nderungsantrages von Thomas Mohr:</p>
<p><em>&bdquo;Ziel bleibt, durch eine Politik f&uuml;r Gewaltfreiheit mittel- und langfristig die Institution des Krieges zu &uuml;berwinden.&ldquo; (49)</em></p>
<p>Aber ich will nicht verhehlen, dass auch ich eine markant formulierte Absage an Krieg gew&uuml;nscht h&auml;tte. Denn gerade Generationen ohne Kriegserfahrungen brauchen da klare Ansagen.</p>
<p><strong>&bdquo;Ist euch &bdquo;Frieden&ldquo; noch wichtig?&ldquo;</strong></p>
<p>Von den grunds&auml;tzlichen Einstellungen her auf jeden Fall. Und die gr&uuml;nen Fachleute f&uuml;r Friedens- und Sicherheitspolitik erfahre ich als umfassend kompetent, st&auml;ndig lernbereit &ndash; und nicht zuletzt auch sehr anerkannt in nicht-gr&uuml;nen Fachkreisen.</p>
<p>Aber: Wie bei anderen Parteien ist auch bei Gr&uuml;n`s das Interesse an und das Engagement f&uuml;r internationale Politik unterproportional. Bei uns Gr&uuml;nen kommt hinzu, dass Friedens- und Sicherheitspolitik f&uuml;r uns ein besonderes Minenfeld war, wo die Partei die sch&auml;rfsten Auseinandersetzungen, h&auml;rtesten Br&uuml;che und die meisten Mitgliederverluste erlebte, wo die Partei zweimal knapp an Implosionen vorbeischrammte und politische Wunden blieben. Gr&uuml;ne Friedenspolitik &ndash; da kommen bis heute immer wieder Verratsvorw&uuml;rfe und unverarbeitete Schuldgef&uuml;hle hoch. Also lieber nicht dran r&uuml;hren. Auch wenn die Gr&uuml;nen soviel an selbstkritischer Aufarbeitung geleistet haben wie wohl keine andere Partei: siehe Grundsatzprogramm 2002, siehe Friedens- und Sicherheitspolitische Kommission 2008. Aber das sind Papiere, die man suchen m&uuml;sste.</p>
<p><strong>Wozu Eurer Brief nichts sagt</strong>: Eure Kritik ist fast ausschlie&szlig;lich milit&auml;rfixiert. Ihr sprecht fast nur an, wogegen eine Eurer Auffassung nach wirkliche Friedens- und Sicherheitspolitik sein sollte, praktisch nicht, WOF&Uuml;R - und was das GSP dazu sagt.</p>
<p>Die sehr klare und operationalisierte Menschenrechts- und UN-Orientierung des GSP &ndash; nicht der Rede wert?</p>
<p>Die entschiedene und operationalisierte Orientierung auf Multilateralismus und europ&auml;ische Integration &ndash; nicht der Rede wert?</p>
<p>Die Operationalisierung der Zivilen Krisenpr&auml;vention, die sonst meist nur plakativ beschworen wird &ndash; nicht der Rede wert?</p>
<p>Die Klimapolitik als Kernst&uuml;ck einer global-weitsichtigen Friedenspolitik par excellence &ndash; nicht der Rede wert?</p>
<p>Die feministische Dimension von Au&szlig;en-, Friedens- und Sicherheitspolitik &ndash; nicht der Rede wert?</p>
<p>Ihr gestattet, dass ich hier eine Schr&auml;glage im Mainstream von Friedensbewegung seit den 1980er Jahre wiedererkenne: Im Vordergrund das Wogegen, der notwendige Protest gegen Aufr&uuml;stung und Krieg. Das konkretere Wof&uuml;r, die friedenspolitischen Alternativen &nbsp;wurden nur von Minderheiten in der Friedensbewegung beackert, &uuml;berproportional von kirchlichen Friedensgruppen: mit vorbildlichem praktischen Pazifismus z.B. vom Bund f&uuml;r Soziale Verteidigung und vom Forum Ziviler Friedensdienst. In beiden bin ich weiterhin, wenn auch nur zahlend, Mitglied.</p>
<p><strong>Mehrheitsurteil &bdquo;katastrophal&ldquo;</strong>: Wenn f&uuml;r Euch bei der Aburteilung des gr&uuml;nen GSP die Haltung zur UN, zu Multilateralismus, zu Ziviler Krisenpr&auml;vention keine Rolle spielt, dann k&ouml;nnte man das auch &bdquo;katastrophal&ldquo; nennen. Ich empfinde es als ausgesprochen irritierend.</p>
<p>Interessant w&auml;re zu erfahren, wie das Urteil der Minderheit bei Euch aussah.</p>
<p><strong>Hier zentrale GSP-Passagen zu einer konstruktiven Friedens- und Sicherheitspolitik </strong></p>
<p><em>(328) Eine an Frieden, Freiheit, Solidarit&auml;t, Gewaltfreiheit, Menschenrechten und globaler <br /> Gerechtigkeit orientierte Politik braucht B&uuml;ndnisse all derer, die an den Wert von <br /> Kooperation und die St&auml;rke des Rechts in den internationalen Beziehungen glauben &ndash; gerade <br /> weil offene Gesellschaften und freiheitliche Demokratien immer st&auml;rker auch im globalen <br /> Systemwettbewerb mit autorit&auml;ren Staaten und Diktaturen stehen. Deutschland und Europa <br /> m&uuml;ssen sich selbstbewusst dieser Auseinandersetzung stellen. <strong>Multilaterale Zusammenarbeit</strong> in <br /> den internationalen Organisationen bleibt die beste Form, globale Politik zu gestalten.</em></p>
<p><em>(330) Eine friedliche und gerechte Weltordnung erfordert starke <strong>Vereinte Nationen</strong> mit dem <br /> Ziel einer Weltinnenpolitik. Sie sind das zentrale Forum, um v&ouml;lkerrechtliche Normen zu <br /> entwickeln und sich auf weltgemeinschaftliche Ziele zu verst&auml;ndigen. Sie haben wichtige <br /> Institutionen und Verfahren f&uuml;r die Vorbeugung, Beilegung und Nachsorge von Gewaltkonflikten <br /> entwickelt. Die Vereinten Nationen wie auch Regionalorganisationen m&uuml;ssen deshalb gest&auml;rkt <br /> werden.</em></p>
<p><em>(343) Die Vereinten Nationen bilden den multilateralen Rahmen der internationalen <br /> Zusammenarbeit. Mehr Verantwortung in den Vereinten Nationen erfordert von Deutschland und <br /> der EU, ihr Engagement finanziell, personell und diplomatisch substanziell zu verst&auml;rken, <br /> besser zu koordinieren und die internationalen Vereinbarungen auch konsequent und koh&auml;rent <br /> in nationale und europ&auml;ische Politik umzusetzen. Dabei geht es um das Prinzip der <strong>Reform <br /> durch St&auml;rkung</strong>. Das ist gerade wichtig, wenn nationale Egoismen zunehmen und wichtige <br /> Entscheidungen blockiert werden.<br /> </em><em>(352) &Uuml;ber Frieden und Sicherheit nachzudenken sollte nicht erst beginnen, wenn beides schon in Gefahr ist. Konsequent auf alle Politikfelder angewandt kann das <strong>Prinzip der Vorsorge</strong> viel Leid verhindern. Nachhaltige Sicherheit kann nur gemeinsam erreicht werden. <strong>Friedenslogisches Handeln</strong> muss die Interessen und Bedrohungswahrnehmungen der jeweils anderen Seiten ber&uuml;cksichtigen. Gespr&auml;che setzen nicht zwingend Vertrauen voraus, sondern Vertrauen entsteht durch den Abbau klischeehafter Feindbilder und eine gezielte Entspan-nungspolitik.</em></p>
<p><em>(353) <strong>Zivile Krisenpr&auml;vention</strong> und politische Konfliktbearbeitung m&uuml;ssen noch st&auml;rker <br /> institutionell verankert werden. Dazu bedarf es ausreichender Analysekapazit&auml;ten, Regional-kompetenz, Wirkungsforschung, eines intensivierten Wissenstransfers zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik und der unmittelbaren Verf&uuml;gbarkeit von Personal und Material. Zivile Krisenpr&auml;vention und politische Konfliktl&ouml;sung haben Vorrang vor dem Einsatz milit&auml;rischer Gewalt, was sich auch in der tats&auml;chlichen institutionellen, finanziellen und personellen Ausstattung widerspiegeln muss. Wo sich multiple Krisen h&auml;ufen, kommt es besonders darauf an, bei der Krisenpr&auml;vention schneller besser zu werden.</em></p>
<p><em>(355) Die <strong>Europ&auml;ische Union ist eine Friedensmacht</strong>. Das Primat des Zivilen und das breite <br /> Spektrum ziviler Instrumente zeichnen sie aus. Friedensmissionen, zivile Krisenpr&auml;vention, <br /> Diplomatie, internationale Zusammenarbeit, humanit&auml;re Hilfe und Ausw&auml;rtige Kultur- und <br /> Bildungspolitik, Mediation, die Bereitstellung von Zivil- und Sicherheitsexperten, <br /> Rechtsstaatsf&ouml;rderung und gesellschaftliche Verst&auml;ndigungsarbeit sind die St&auml;rken der <br /> Gemeinsamen Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik der EU. Sie muss institutionell, personell und <br /> finanziell gest&auml;rkt und noch enger verzahnt werden.</em></p>
<p><em>(356) Eine starke <strong>Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik ist feministisch</strong>. Die gleichberechtigte Vertretung von Frauen in der internationalen Politik sowie ihre gleichberechtigte Beteiligung und Mitbestimmung an diplomatischen Verhandlungen oder bei der Zusammensetzung sicherheits- und au&szlig;enpolitischer Gremien ist daf&uuml;r Ma&szlig;gabe. Feministische Au&szlig;enpolitik folgt dem Leitbild der &quot;menschlichen Sicherheit&quot;. Frauen und marginalisierte Gruppen sind in besonderem Ma&szlig;e von Kriegen und gewaltsamen Konflikten betroffen. Die migrantische <br /> Perspektive ist auch in au&szlig;en- und sicherheitspolitische Entscheidungen zu integrieren.</em></p>
<p><em>(357) Die Klimakrise ist ein globales Sicherheitsrisiko. <strong>Klimapolitik</strong> ist daher ein zentraler Bestandteil der globalen Au&szlig;en-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik. Daf&uuml;r ist ein internationales Rahmenwerk auf VN- und EU-Ebene zur Vermeidung von Klima- und Umweltkonflikten erforderlich, um Staaten und Regionen, die besonders von den Folgen der Klimakrise oder von Rohstoffknappheit, D&uuml;rren, Nahrungsknappheit und &Uuml;berschwemmun-gen betroffen sind, zu sch&uuml;tzen und zu unterst&uuml;tzen: die Responsibility to Prepare.</em></p>
<p>Bei aller Kritik an Eurem Verriss der friedenspolitischen Teile des neuen gr&uuml;nen Grundsatz-programms danke ich Euch f&uuml;r Eure politische Intervention.</p>
<p>Sie zeigt, was wie von gr&uuml;ner Programmatik in einem wichtigen Teil der Friedensbewegung (nicht) &uuml;berkommt und wahrgenommen wird, wie sehr Positionen in wichtigen Teilbereichen auseinander liegen, wie gro&szlig; schlie&szlig;lich der Gespr&auml;chsbedarf ist.</p>
<p>Wenn unsere gemeinsame Position ist, dass Dialogprozesse ein zentrales Mittel von Friedens-f&ouml;rderung sind, dann kann das selbstverst&auml;ndlich nicht nur f&uuml;r Konflikte in der Ferne gelten. dann sollte das selbstredend auch hierzulande gelten &ndash; zumal zwischen Akteuren, die f&uuml;r nachhaltigen Frieden und menschliche Sicherheit wirken wollen.</p>
<p>Eure Hoffnung auf eine konstruktive Diskussion teile ich. Ich will das gern unterst&uuml;tzen.</p>
<p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en, Winni Nachtwei</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">ANHANG</span></strong></p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Friedensbewegung/Bewegungen f&uuml;r Frieden </span></strong></p>
<p>(aus: W.N., <strong>Schl&uuml;sselfragen und Bausteine zur Friedens- und Sicherheitspolitik </strong>(03/2020)</p>
<p><em>Wie stehen die Gr&uuml;nen zur Friedensbewegung, wo die seit den 90er Jahren gewachsene Entfremdung unverkennbar ist und &bdquo;Die Linke&ldquo; sich als deren nat&uuml;rlicher B&uuml;ndnispartner gibt?</em></p>
<p>Kriegsverh&uuml;tung, Frieden, gemeinsame Sicherheit brauchen gesellschaftliche Bewegung, ihren Protest, Druck, Stachel, Antrieb.</p>
<p>Friedensbewegung zeichnete sich immer wieder durch hellsichtige Mahnungen vor Auf- und Wettr&uuml;sten, vor Milit&auml;rgl&auml;ubigkeit und Feindbildern aus, mobilisierte immer wieder Millionenmassen gegen drohende Kriegsgefahr. Kampagnen aus der Friedensbewegung bewirkten Verbote unterschiedslos wirkender Waffen (Landminen, Streumunition), bef&ouml;rder-ten neue Ans&auml;tze gesellschaftlicher Friedensf&ouml;rderung wie den Zivilen Friedensdienst und forderten hartn&auml;ckig friedliche Konfliktl&ouml;sungen. Aktive Pazifisten sind innovativ in der Entwicklung realit&auml;tst&uuml;chtiger gewaltfreier Handlungsans&auml;tze wie dem Zivilen Peacekeeping (Unarmed Civilian Peacekeeping).</p>
<p>Die Friedensbewegung in Deutschland ist vielf&auml;ltig in ihren Aktionsformen und Ans&auml;tzen. Uns verbindet das Eintreten f&uuml;r Abr&uuml;stung, f&uuml;r friedliche Konfliktl&ouml;sung, zivile Krisen-pr&auml;vention und nachhaltige Entwicklung. Im Hinblick auf die Notwendigkeiten und Ans&auml;tze kollektiver Friedenssicherung und der Rolle von Milit&auml;r dabei gehen unsere Positionen auseinander. Zwischen erheblichen Teilen der Friedensbewegung und den B&uuml;ndnisgr&uuml;nen wuchs Entfremdung. Hier ist wieder mehr Dialog und Kooperation n&ouml;tig und m&ouml;glich.</p>
<p>Vor allem im Kontext von Krisenengagements und VN-Friedensicherung machen wir seit Jahren zugleich die Erfahrung, dass es in Deutschland inzwischen bemerkenswert viele Menschen gibt, die &uuml;berzeugt, kompetent und ausdauernd f&uuml;r Frieden in Konfliktl&auml;ndern wie hierzulande arbeiten, sich selbst aber nicht der Friedensbewegung zurechnen.</p>
<p>Die B&uuml;ndnisgr&uuml;nen wollen dazu beitragen, dass das gesamte gesellschaftliche Friedens-potential mit seinen verschiedenen Spektren mehr wahrgenommen wird und politisch besser zur Geltung kommt.</p>
<p>Wir brauchen Bewegungen f&uuml;r Frieden, die durchdringen und in Gesellschaft wie Politik auch ankommen.</p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
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<p><a title="" href="#_ftnref1">[1]</a> Kooptiertes Mitglied der BAG Frieden + Internationales von B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen, Mitglied im Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention der Bundesregierung, im Beirat Innere F&uuml;hrung/Verteidigungsmini-sterium, Vorstand der Deutschen Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen, von &bdquo;Gegen Vergessen &ndash; F&uuml;r Demokratie&ldquo;, AG &bdquo;Gerechter Frieden&ldquo; von Justitia et Pax; 1994-2009 Mitglied des Bundstages</p>
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<p><a title="" href="#_ftnref2">[2]</a> W.N., V&ouml;lkermord in Ruanda 1994 &ndash; auch wir sahen weg, April 2014,</p>
<p><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1279">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1279</a></p>
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<p><a title="" href="#_ftnref3">[3]</a> W.N., Srebrenica &ndash; Was damals geschah. Ausz&uuml;ge aus dem vergriffenen Tag-f&uuml;r-Tag-Bericht des Pulitzer-Preistr&auml;gers Davis Rohde, Juli 2020, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=85&amp;aid=1647">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=85&amp;aid=1647</a></p>
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