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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Rede Nachtweis zur Streumunition</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Libanon</span>

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        <h1>
            Rede Nachtweis zur Streumunition         </h1>
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           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 19. März 2009 17:37:24 +02:00 (99800 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Folgende Rede zur Streumunitionsproblematik gab Winfried Nachtwei zu Protokoll:</p></div>
            <div>    <p><strong>Winfried Nachtwei</strong> (BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN):</p>
<p>Wir haben nicht vergessen: Diese Bundesregierung war in der Frage der Streumunitionspolitik mit ihrer HalÂ­tung lange Zeit Bremser einer umfassenden und raschen Ã„chtung. Umso erfreulicher ist es, dass man sich im Mai vergangenen Jahres auf einen Kurswechsel eingelassen hat und im Dezember zu den 94 Unterzeichnern des Oslo-Abkommens gehÃ¶rte. Die grÃ¼ne Bundestagsfraktion beÂ­grÃ¼ÃŸt, dass die Bundesregierung dem Parlament nun binÂ­nen vergleichsweise kurzer Zeit den Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Osloer Streumunitionsabkommens vorÂ­legt.</p>
<p>Wir mÃ¶chten, dass das Abkommen so schnell wie mÃ¶gÂ­lich in Kraft tritt. Obwohl es eine Reihe offener Fragen gibt, auf die ich spÃ¤ter eingehen werde, sind wir an einer zÃ¼gigen Ratifizierung durch den Deutschen Bundestag inÂ­teressiert. Wir werden der Bundesregierung keine Steine in den Weg legen, sondern konstruktiv mitwirken. Ich denke, es wÃ¤re ein gutes Zeichen, wenn die BundesregieÂ­rung, sozusagen beseelt vom Geist der AbrÃ¼stung, die UrÂ­kunde zu Pfingsten hinterlegen kÃ¶nnte. Das macht sich auch fÃ¼r den bevorstehenden Wahlkampf gut. Dann kann man von abrÃ¼stungspolitischen SÃ¼ndenfÃ¤llen, ich nenne hier nur den indischen Nukleardeal, die NichtratifizieÂ­rung des AKSE-Vertrags und die verheerende RÃ¼stungsÂ­exportpolitik, ein wenig ablenken.</p>
<p>Ich mÃ¶chte an dieser Stelle nicht wiederholen, was wir in den vorangegangenen Debatten oder in unseren parlaÂ­mentarischen Anfragen und AntrÃ¤gen zum Thema zu ProÂ­tokoll gegeben haben. Das kann man nachlesen. Lassen Sie mich zunÃ¤chst nur noch einmal betonen, wie wichtig dieses Zeichen von Oslo auch Ã¼ber den StreumunitionsÂ­bereich hinaus ist. Im AbrÃ¼stungsbereich ist die weitgeÂ­hende Ã„chtung dieser besonders grausamen Waffe ein Licht in der Finsternis. Das Oslo-Abkommen stÃ¤rkt die Hoffnung, dass auch hier ein Wandel mÃ¶glich ist.</p>
<p>Dass die grÃ¶ÃŸten Streumunitionsstaaten, wie die USA, Russland, China, Indien, Pakistan usw., nicht dabei sind und damit nur etwa 10 Prozent der weltweiten BestÃ¤nde unter das Abkommen fallen, ist zweifellos ein Manko. Aber wir sind zuversichtlich, dass sich kÃ¼nftig kein Staat mehr erlauben kann, diese Waffen einzusetzen, ohne als Schurkenstaat an den Pranger gestellt zu werden. Wir haÂ­ben das schon im Georgienkrieg gesehen. Und wir wissen aus der Landminenerfahrung, dass solche Abkommen auch auf Nichtmitglieder eine hemmende Wirkung entfalÂ­ten. Die AnkÃ¼ndigung der US-Administration, kÃ¼nftig eine restriktivere Exportpolitik im Bereich der StreumuniÂ­tion verfolgen zu wollen, ist sicherlich eine erste, wenn auch nicht hinreichende Reaktion auf Oslo.</p>
<p>Der von Norwegen eingeleitete Prozess zeigt uns: Der Ansatz, immer auf die USA oder andere zu warten, hilft uns oft nicht weiter. Die USA und andere fÃ¼hrende AkÂ­teure mitzunehmen, ist zweifellos wichtig. Aber wir dÃ¼rÂ­fen uns, gerade wenn es um Fragen humanitÃ¤rer RÃ¼sÂ­tungskontrolle geht, nicht ausbremsen oder elementare Standards verwÃ¤ssern lassen. Der Ottawa- und Oslo-Prozess zeigen, dass wir in bestimmten Bereichen mit eiÂ­nem Avantgarde-Ansatz wesentlich erfolgreicher sind. Daraus mÃ¼ssen wir fÃ¼r die Zukunft - zum Beispiel im BeÂ­reich von Uranmunition oder Atomwaffen - Lehren zieÂ­hen. Und es wÃ¤re gut, wenn Deutschland mit zu den VorÂ­reitern und nicht zu den Bremsern gehÃ¶ren wÃ¼rde.</p>
<p>Zur Erinnerung sei nur gesagt: Wir GrÃ¼ne haben uns immer gegen die Augenwischerei von vermeintlich ungeÂ­fÃ¤hrlicher Streumunition gewehrt und uns fÃ¼r eine rasche Ã„chtung jeglicher Streumunition ausgesprochen. Was uns hier die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen als ungefÃ¤hrliche Streumunition unterjubeln wollten, war haarstrÃ¤ubend. Und wir waren es auch, die - Ã¼brigens als einzige Fraktion im Bundestag - schon frÃ¼h gefordert haÂ­ben, nicht nur auf den mÃ¼hsamen Weg Ã¼ber die VN-WafÂ­fenkonvention zu setzen, sondern dem Ottawaer Modell zu folgen. Ziel muss es sein, das Oslo-Ãœbereinkommen zu einem universell gÃ¼ltigen Abkommen mit grÃ¶ÃŸtmÃ¶glicher Mitgliedschaft zu machen. Die Standards sind jedenfalls gesetzt. Ein neues VN-Waffenprotokoll zu Streumunition kann und darf nicht hinter den Osloer Konsens zurÃ¼ckfalÂ­len.</p>
<p>Lassen Sie mich zum Schluss noch zu einigen kritiÂ­schen Punkten Stellung nehmen und unsere Erwartungen darlegen.</p>
<p>Sie wissen, dass wir uns bei der Definition, ab wann man von Streumunition sprechen kann, fÃ¼r eine mÃ¶glichst umfassende LÃ¶sung eingesetzt haben. Die BundesregieÂ­rung hat mit Erfolg durchgesetzt, dass wir jetzt eine weiÂ­chere Definition haben, die die sogenannte PunktzielmuÂ­nition wie die von Diehl und Rheinmetall hergestellte SMArt-Munition erlaubt. Die Bundesregierung ist nun in der Pflicht, zweifelsfrei nachzuweisen, dass diese MuniÂ­tion auch unter ungÃ¼nstigsten Bedingungen nicht denÂ­noch wie Streumunition wirkt und das Leben von ZivilisÂ­ten bedroht. Im Ãœbrigen, das sei hier erlaubt, habe ich kein VerstÃ¤ndnis dafÃ¼r, dass ein RÃ¼stungsunternehmen, das in nicht unerheblichem Umfang Mittel aus dem BunÂ­deshaushalt erhÃ¤lt, einen Journalisten vor Gericht zerrt, nur weil er eine Meinung vertritt, die dem Unternehmen nicht passt.</p>
<p>Obwohl 18 der 26 NATO-Staaten und 19 der 27 EU-Staaten die Konvention unterzeichnet haben, hat sich die Bundesregierung fÃ¼r eine Ausnahmeklausel fÃ¼r BÃ¼ndnisÂ­partner eingesetzt. Wir haben groÃŸe Bedenken, dass der â€žArtikel 21&quot; dazu fÃ¼hrt, dass andere Staaten StreumuniÂ­tion einsetzen und wir nichts dagegen unternehmen oder uns gar unterstÃ¼tzend beteiligen. Wir begrÃ¼ÃŸen, dass sich die Bundesregierung in der Denkschrift dafÃ¼r einsetzt, dass die BÃ¼ndnispartner auf den Einsatz von StreumuniÂ­tion verzichten und dem Abkommen beitreten. Allerdings untergrÃ¤bt die gleichzeitige AnkÃ¼ndigung, dass man im Rahmen der Befehlsstruktur Befehle zum StreumuniÂ­tionseinsatz ohne VertragsverstoÃŸ weitergeben kÃ¶nne, diese Zusicherung. Dies erschwert uns die Zustimmung zu dem Gesetzentwurf. Der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung sollten unmissverstÃ¤ndlich klarstellen: Es ist nach dem Oslo-Abkommen kein Zeichen von BÃ¼ndÂ­nisfÃ¤higkeit, wenn BÃ¼ndnispartner weiterhin diese besonÂ­ders verheerend wirkenden Streuwaffen einsetzen und wir wegschauen oder gar die Einsatzbefehle weitergeben. Die Bundesregierung muss in der NATO und in der EU darauf hinwirken, dass Streumunition nicht mehr zum zuÂ­lÃ¤ssigen Waffenarsenal auch im Rahmen von bÃ¼ndnisgeÂ­meinsamen Operationen gehÃ¶rt.</p>
<p>Der Deutsche Bundestag hat die Bundesregierung im Dezember unter anderem aufgefordert, das Oslo-AbkomÂ­men in Deutschland binnen vier Jahren umzusetzen. Wir erwarten, dass die Bundesregierung die in Deutschland vorhandenen StreumunitionsbestÃ¤nde offenlegt, zÃ¼gig vernichtet und auch anderen Staaten bei der Vernichtung ihrer BestÃ¤nde und OpferfÃ¼rsorge behilflich ist. Deutsche dÃ¼rfen sich nicht mehr an der Entwicklung, Herstellung, Lagerung, dem Erwerb und dem Einsatz dieser Waffen beteiligen. Das heiÃŸt fÃ¼r uns: auch keine Zulieferung von streumunitionsrelevanten Komponenten. Wir erwarten, dass es auch hinsichtlich der Investmentpolitik klare Richtlinien gibt, sich nicht mehr an Projekten zu beteiliÂ­gen, die die Entwicklung, Herstellung, Lagerung und den Einsatz von Streumunition unterstÃ¼tzen.</p>
<p>Lassen Sie mich zum Schluss all jenen danken, die dazu beigetragen haben, dass es zu diesem Abkommen und zum Kurswechsel innerhalb der Bundesregierung geÂ­kommen ist. Unser Dank geht dabei ausdrÃ¼cklich auch an Nichtregierungsorganisationen wie landmine.de und Handicap International, die sich beharrlich fÃ¼r dieses wichtige Thema eingesetzt und im besten Sinne LobbyarÂ­beit betrieben haben. Lassen Sie uns weiterhin gemeinÂ­sam und entschieden fÃ¼r die rasche und weltweite UmsetÂ­zung dieses Abkommens werben.</p></div>


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