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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Beratungspapier TORNADOS nach Afghanistan?</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Interview</span>

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        <h1>
            Beratungspapier TORNADOS nach Afghanistan?         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 23. Januar 2007 14:46:02 +02:00 (136596 Aufrufe)            </div>
            <div>    Das NATO-Hauptquartier SHAPE erbat in der ersten DezemberhÃ¤lfte 2006 in einem Brief an den Generalinspekteur deutsche RECCE-Tornados. Zur Vorbereitung der Positionierung der grÃ¼nen Bundestagsfraktion zu dieser Anfrage hat Winfried Nachtwei folgendes Beratungspapier verfasst:</div>
            <div>    <h5> Beratungspapier TORNADOS nach Afghanistan?</h5><p><strong>1.      </strong><strong>Klarstellungen</strong></p><ul><li>In AFG ist die Wechselwirkung von Sicherheit und Entwicklung besonders eng: ISAF bleibt unverzichtbar und muss erfolgreich sein. ISAF kann nur erfolgreich sein, wenn die Menschen eine spÃ¼rbare Verbesserung der Lebenssituation erfahren und der Aufbau breiter und schneller vorankommt. Darauf drÃ¤ngen seit Monaten insbesondere die MilitÃ¤rs. </li><li>Nach dem Winter wird sich zeigen, ob die landesweit koordinierte und seit einigen Monaten laufende ISAF-Operation â€žAdler&quot; mit ihren Sicherheits- und Emntwicklungszonen die Gewalteskalation des Vorjahres bremsen konnte oder ob die Aufstandsbewegung im SÃ¼den und die AnschlÃ¤ge landesweit weiter anwachsen. 2007 wird somit ein besonders kritisches Jahr mit enormen Herausforderungen. </li><li>Die geographischen, gesellschaftlichen, ethnischen und politischen GegensÃ¤tze in AFG erfordern sehr differenzierte und zugleich kohÃ¤rente Strategien und Vorgehensweisen.</li><li>Sicherheit und Aufbau in den verschiedenen Landesteilen beeinflussen sich gegenseitig. (Zustrom von KÃ¤mpfern aus PAK, Einsickern von GewalttÃ¤tern aus dem SÃ¼den in den Norden, Drogenschmuggel): Keine Stabilisierung im Norden ohne mehr Sicherheit im SÃ¼den. </li><li>Ein Stabilisierungs- und Statebuilding-Projekt wie AFG ist nur aussichtsreich als â€žGemeinschaftsunternehmen&quot; - bei der Strategieentwicklung genauso wie bei der Lastenverteilung. Zugleich stehen die nationalen BeitrÃ¤ge bei solcher Art Engagements unter nationalen Vorbehalten (Parlamente, KapazitÃ¤ten). </li></ul><p><strong>2.      </strong><strong>Die NATO-Anfrage</strong></p><p>Das NATO-Hauptquartier SHAPE erbat in der ersten DezemberhÃ¤lfte 2006 in einem Brief an den Generalinspekteur FÃ¤higkeiten der bemannten LuftaufklÃ¤rung fÃ¼r den Zeitraum ab April zur VerfÃ¼gung des Kommandeurs ISAF (COMISAF). Die gewÃ¼nschten RECCE-Tornados sollen die britischen GR-7 Harrier ersetzen/ entlasten, die bisher auch AufklÃ¤rung leisteten, aber vorrangig fÃ¼r close air support (LuftnahunterstÃ¼tzung) eingesetzt werden sollen. (Am 20. Januar z.B. waren in AFG acht AufklÃ¤rungsflugzeuge im Einsatz.) RECCE-Tornados sind Jagdbomber, die durch geringfÃ¼gige Ã„nderungen fÃ¼r die AufklÃ¤rungsfunktion umgerÃ¼stet sind und ihre Aufnahmen aus groÃŸen HÃ¶hen und Entfernungen - also ohne grÃ¶ÃŸeres Risiko - machen kÃ¶nnen. Ca. eine Stunde nach der Landung kann eine Grundauswertung des Bildmaterials vorliegen. Ãœber solche Art AufklÃ¤rer verfÃ¼gt kaum ein anderes Land. Die USA verfÃ¼gen Ã¼ber 57 unbemannte Predator-Drohnen, die fÃ¼r AufklÃ¤rung und Kampf eingesetzt werden kÃ¶nnen. </p><p>Im letzten Sommer war eine Ã¤hnliche Anfrage vom Generalinspekteur abgelehnt worden, weil im deutschen Haupteinsatzgebiet die notwendige NahbereichsaufklÃ¤rung besser mit den Drohnen Luna und Alladin zu gewÃ¤hrleisten sei und die Kosten-Nutzen-Relationen eines Tornado-Einsatzes nicht vertretbar seien. </p><p><strong>3. Operative Zwecke</strong></p><ul><li>GrundsÃ¤tzlich: Ein verlÃ¤sslicher AufklÃ¤rungsverbund ist unerlÃ¤sslich fÃ¼r einen solchen Einsatz. Angesichts der UnzugÃ¤nglichkeit weiter Landesteile, der erheblichen Risiken + Bedrohungen sowie der entlegenen Stationierung von ISAF-KrÃ¤ften ist eine effektive AufklÃ¤rung (luft- und bodengestÃ¼tzt, technisch und menschlich) lebensnotwendig.</li><li>Wieweit werden AufklÃ¤rungsflugzeuge zusÃ¤tzlich fÃ¼r die Stabilisierungsregionen von ISAF (Nord, West, Central und anderswo) benÃ¶tigt? Bei letzten Besuchen in Nord-AFG meldeten die deutschen Kommandeure nie einen solchen Bedarf.</li><li>Inwieweit und wofÃ¼r werden AufklÃ¤rungsflugzeuge bei der AufstandsbekÃ¤mpfung im SÃ¼den und Osten durch ISAF benÃ¶tigt? Kann man damit mit hinreichender Sicherheit in kleinen Gruppen operierende AufstÃ¤ndische, Taliban oder Al-Kaida-UnterstÃ¼tzer erkennen und von Zivilpersonen unterscheiden?</li><li>Wie sinnvoll, wirksam oder kontraproduktiv ist die die von US, GB, CAN und NL praktizierte und offenbar auch differierende AufstandsbekÃ¤mpfung/Counter-insur-gency? Inwieweit wird sie tatsÃ¤chlich als â€žKampf um LegitimitÃ¤t&quot; gefÃ¼hrt? Wieweit ist die Devise â€žSÃ¤ubern, sichern, aufbauen&quot; aussichtsreich oder eine gefÃ¤hrliche Illusion? (FÃ¼r uns Parlamentarier sind Counterinsurgency Operations/COIN vÃ¶lliges Neuland. Die Beurteilung wird behindert durch die schlechte Informationslage: Die ISAF-PresseerklÃ¤rungen erwecken den Eindruck einer sinnvollen und erfolgreichen Vorgehensweise im SÃ¼den + Osten. Ãœber die RealitÃ¤ten am Boden ist kaum etwas zu erfahren - am ehesten Ã¼ber niederlÃ¤ndische, britische websites wie <a href="http://www.oruzgan.web-log.nl/">http://www.oruzgan.web-log.nl/</a> , <a href="http://www.senliscouncil.com/">http://www.senliscouncil.com/</a>. Unklar bleibt, wieweit das neue von dem hochgelobten Generalleutnant Petraeus mitverantwortete Handbuch â€žCounterinsurgency&quot; FM 3-24 der US-Army in die Tat umgesetzt wird.) </li><li>Inwieweit werden AufklÃ¤rungsflugzeuge oder -ergebnisse bei der Antiterroroperation Enduring Freedom (OEF) benÃ¶tigt? WÃ¤re es bÃ¼ndnispolitisch und praktisch mÃ¶glich bzw. durchhaltbar, die im Rahmen der ISAF-Mission gewonnenen AufklÃ¤rungsergebnisse nicht fÃ¼r MilitÃ¤raktionen im Rahmen der OEF zu nutzen? HÃ¤tte die Bundesregierung die MÃ¶glichkeit, auf die Verwendung der AufklÃ¤rungsergebnisse Einfluss zu nehmen?</li><li>Wieweit werden AufklÃ¤rungsflugzeuge bei der Identifizierung von Mohnfeldern und zur Vorbereitung von Eradication-MaÃŸnahmen (ZerstÃ¶rung von Mohnfeldern) benÃ¶tigt? In den nÃ¤chsten Monaten (ab MÃ¤rz) sollen solche MaÃŸnahmen massiv ausgeweitet werden. Erwogen wird auch der Einsatz von Herbiziden. Nach den letzten UNODC-Berichten und Studien des Senlis Council (Afganistan`s Drug Industry; Afghanistan Opium Survey 2006; An Assessment of the Hearts and Minds Campaign in Southern Afghanistan) ist offenkundig, dass diese Art der DrogenbekÃ¤mpfung mit viel Korruption, einer VernachlÃ¤ssigung alternativer Entwicklung und SchÃ¤digung gerade der Ã¤rmsten Bauern einhergeht und deshalb Ã¤uÃŸerst umstritten ist. Welche Auswirkung hat diese Art der DrogenbekÃ¤mpfung auf die Sicherheitslage und den Stabilisierungsprozess insgesamt?  </li><li>Inwieweit kÃ¶nnten die Tornados auch zur LuftnahunterstÃ¼tzung eingesetzt werden?  </li><li>In welchen Relationen wÃ¼rden die RECCE-Tornados fÃ¼r den Norden, den SÃ¼den und andere Regionen sowie verschiedene operative Zwecke gebraucht? WÃ¤re es bÃ¼ndnispolitisch und praktisch durchzuhalten, AufklÃ¤rungsmaterial nur fÃ¼r bestimmte operative Zwecke zur VerfÃ¼gung zu stellen?</li></ul><p><strong>4. BÃ¼ndnispolitische Implikationen</strong></p><ul><li>Absehbare Konsequenzen einer Tornado-Zusage: Wie realistisch ist die Erwartung, damit das VerbÃ¼ndeten-DrÃ¤ngen auf ausgewogene Lasten- und Risiko-Verteilung zu beschwichtigen? Oder wÃ¤re eine Zusage eher ein TÃ¼rÃ¶ffner zum nÃ¤chsten Schritt - Bodentruppen? </li><li>Absehbare Konsequenzen einer Absage: Kann sich die Bundesregierung Ã¼berhaupt dem NATO-DrÃ¤ngen entziehen? Was wÃ¤ren die politischen Kosten? </li><li>WÃ¤re es nicht ehrlicher und konsequenter, angesichts der sich mÃ¶glicherweise in den nÃ¤chsten Monaten wieder verschÃ¤rfenden Lage im SÃ¼den jetzt generell Ã¼ber die Frage einer SÃ¼d-Beteiligung zu diskutieren? Sind angesichts der Erfahrungen in Afghanistan und mit AufstandsbekÃ¤mpfung im Irak â€žmore foreign troops&quot; Teil der Antwort oder Teil des Problems?</li><li>WÃ¼rde eine Tornado-Entsendung mit mehr Einblick in die OperationsfÃ¼hrung im SÃ¼den und mit mehr EinflussmÃ¶glichkeiten der Bundesregierung einhergehen? </li><li>Welche Bedeutung fÃ¼r den ISAF-Kurs hat die Neubesetzung einzelner FÃ¼hrungspositionen? (COMISAF und Stv. Security durch US-Generale; neuer US-Botschafter aus Kolumbien)</li></ul><p><strong>5. Politische  Relationen und Konsequenzen</strong></p><p>Eine Tornado-Entsendung kostet je nach Stationierungsort (Kabul, Bagram, Mazar) und Infrastrukturbedarf verschiedene zig Millionen Euro.  </p><ul><li>In welchem VerhÃ¤ltnis stehen solche Mehrausgaben zu Mehrbedarf und tatsÃ¤chlichen Mehraufwendungen fÃ¼r den Aufbau (Infrastruktur, Energie, Gesundheit, Alternative Entwicklungsprojekte; dt. Polizeihilfe, die wegen ihrer quantitativen RÃ¼ckstÃ¤nde bei ISAF, NATO und in den USA massiv in der Kritik steht)?</li><li>Wie wÃ¼rde eine deutsche direkte Beteiligung an der AufstandsbekÃ¤mpfung und Feldervernichtung auf der afghanischen Seite wahrgenommen? Was wÃ¼rde das fÃ¼r das bisher hohe GlaubwÃ¼rdigkeit Deutschlands in AFG bedeuten? </li></ul></div>


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