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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Bundestagsdebatte Ã¼ber den Antrag von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen &quot;Zivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung braucht einen neuen Schub&quot;</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            Bundestagsdebatte Ã¼ber den Antrag von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen &quot;Zivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung braucht einen neuen Schub&quot;         </h1>
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Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=3">Webmaster</a> am 18. Juni 2009 08:19:46 +02:00 (103035 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Am 18. Juni 2009 wurde der Antrag von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen &quot;Zivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung braucht einen neuen Schub&quot; zu spÃ¤ter Stunde im Bundestagsplenum debattiert.</p>
<p>Winfried Nachtwei, Initiator des Antrages, hat die Aussprache mit seiner Rede erÃ¶ffnet. Bemerkenswert war, wieviel Zustimmung der grÃ¼ne Antrag gerade von den Rednern der Union und FDP erhielt - und  wie indigniert die SPD-Kollegin reagierte. Insgesamt war die Debatte aber auch ein ErnÃ¼chterungsschub: So viel, wie andernorts Ã¼ber das ZurÃ¼ckbleiben der zivilen FÃ¤higkeiten bei Stabilisierungs- und Friedensmissionen geklagt wird, so wenig Interesse, Initiative und Kompetenz gibt es in der auÃŸen- und sicherheitspolitischen Community des Parlaments, diese zivilen FÃ¤higkeiten voran zu bringen. Es ist weiter nur eine Sache von wenigen einzelnen. Die Debatte findet sich hier:</p></div>
            <div>    <p>Tagesordnungspunkt 14:</p>
<p>Antrag der Abgeordneten Winfried Nachtwei, Kerstin MÃ¼ller (KÃ¶ln), Ute Koczy, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÃœND-NISÂ 90/DIE GRÃœNEN: <strong>Zivile KrisenprÃ¤Â­vention und FriedensfÃ¶rderung brauchen einen neuen Schub<br /> </strong>(Drucksache 16/13392)</p>
<p>Winfried Nachtwei (BÃœNDNIS 90/<br /> DIE GRÃœNEN) ...................................</p>
<p>Holger Haibach (CDU/CSU) ...................</p>
<p>Hellmut KÃ¶nigshaus (FDP) ....................</p>
<p>Uta Zapf (SPD) .....................................</p>
<p>Paul SchÃ¤fer (KÃ¶ln) (DIE LINKE) ............</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr.Â Hermann Otto Solms:</p>
<p>Ich erÃ¶ffne die Aussprache und erteile als erstem Redner dem Kollegen Winfried Nachtwei vom BÃ¼ndnisÂ 90/ Die GrÃ¼nen das Wort.</p>
<p>Winfried Nachtwei (BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Bedeutung und der Vorrang ziviler KrisenprÃ¤vention sind eigentlich unstrittig. Gewaltkonflikte zu verhÃ¼ten und zu Ã¼berwinden, gebietet sich aus dem Friedensauftrag des Grundgesetzes und der Charta der Vereinten Nationen.</p>
<p>Die Erfahrungen der 90er-Jahre auf dem Balkan, in Afrika und in anderen Krisenregionen haben uns damals sehr deutlich gezeigt, dass die Mittel der Diplomatie und des traditionellen Peacekeepings nicht ausreichen, um diese Krisen bewÃ¤ltigen zu kÃ¶nnen. 1998/99 wurde mit dem Start der rot-grÃ¼nen Koalition einiges auf den Weg gebracht. Zehn Jahre danach ist es jetzt an der Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.</p>
<p>Es wurden in der Tat etliche Einrichtungen und neue Instrumente geschaffen, die zum Teil weltweit ihresgleichen suchen. Ich nenne als Beispiele nur das Zentrum fÃ¼r Internationale FriedenseinsÃ¤tze in Berlin, den Zivilen Friedensdienst, die Deutsche Stiftung Friedensforschung, die krisenprÃ¤ventive Ausrichtung der Entwicklungszusammenarbeit, die polizeilichen AusbildungsstÃ¤tten fÃ¼r AuslandseinsÃ¤tze und die im Jahr 2004 im Aktionsplan â€žZivile KrisenprÃ¤vention, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung&quot; der Bundesregierung zusammengefassten MaÃŸnahmen.</p>
<p>Ich mÃ¶chte die Gelegenheit ergreifen, an dieser Stelle all den Friedenspraktikerinnen und Friedenspraktikern zu danken, die seitdem in Krisenregionen VorzÃ¼gliches geleistet haben.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN, bei der CDU/CSU, der SPD und der FDP)</p>
<p>Beispielhaft dafÃ¼r mÃ¶chte ich den Direktor und Spiritus Rector des Zentrums fÃ¼r Internationale FriedenseinsÃ¤tze, Dr.Â Winrich KÃ¼hne, nennen, der jetzt leider in Pension geht. Ich mÃ¶chte diesem deutschen Mister Peacekeeping, wie ich ihn einmal nenne, unseren Antrag widmen.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Es schmÃ¤lert die Leistungen dieser Friedenspraktikerinnen und Friedenspraktiker bis auf die Ebene des AuswÃ¤rtigen Amtes in keiner Weise, wenn ich nach dem halbvollen Glas jetzt auf das halbleere Glas zu sprechen komme. Bei multinationalen Krisenengagements und Friedensmissionen zeigt sich immer deutlicher und dringlicher, wie rÃ¼ckstÃ¤ndig die zivilen und polizeilichen FÃ¤higkeiten sind. Ich erlebe als Mitglied des Verteidigungsausschusses besonders deutlich, dass die Bundeswehr bei der Transformation bzw. der Weiterentwicklung ihrer FÃ¤higkeiten viel schneller ist, als wir es im gesamten zivilen Sektor sind, und das bei sehr unterschiedlichen Ausgangsbasen.</p>
<p>Ich mÃ¶chte ein Beispiel nennen: Es macht Ã¤uÃŸerste MÃ¼he, fÃ¼r den viel gerÃ¼hmten Provincial Development Fund in Nordostafghanistan die gewÃ¼nschten 1 bis 2Â Millionen Euro zu erhalten. Gleichzeitig wurden gestern im Rahmen der groÃŸen Abstimmungen in den entsprechenden AusschÃ¼ssen RÃ¼stungsprojekte fÃ¼r mehr als 6Â Milliarden Euro beschlossen. Das zeigt, dass die Relationen offensichtlich nicht stimmen.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Wenn man sich die AktivitÃ¤ten anderer LÃ¤nder auf diesem Gebiet ansieht, muss man leider feststellen, dass die Bundesrepublik ihre Vorreiterrolle verloren hat. Das Politikfeld der zivilen KrisenprÃ¤vention und der FriedensfÃ¶rderung braucht also einen neuen Schub. Von unseren zahlreichen VorschlÃ¤gen mÃ¶chte ich daher einige wichtige benennen.</p>
<p>Der erste Punkt betrifft die konzeptionelle Ebene. In der Sicherheitspolitik ist es Ã¼blich, Risiko- und Bedrohungsanalysen anzufertigen. Wo aber sind die Chancenanalysen? Wenn wir den Frieden fÃ¶rdern wollen, brauchen wir Kenntnis von den entsprechenden Chancen und der Friedenspotenziale, die gefÃ¶rdert werden sollen, brauchen wir deren Identifizierung.</p>
<p>Eine weitere Ebene ist die KohÃ¤renz; das wissen alle, die mit Krisenengagements zu tun haben. Es geht also um das Zusammenwirken der verschiedenen Akteure. Unseres Erachtens ist es an dieser Stelle dringend notwendig, gemeinsame ressortÃ¼bergreifende Strukturen bei der FrÃ¼hwarnung, der Planung und der FÃ¼hrung solcher EinsÃ¤tze einzurichten. Hilfreich sind auch gemeinsame Finanzierungsinstrumente.</p>
<p>Der Ressortkreis â€žZivile KrisenprÃ¤vention&quot; muss mehr Steuerungskompetenz bekommen. SchlieÃŸlich geht es darum, die verschiedenen FÃ¤higkeiten im Bereich der zivilen KrisenprÃ¤vention endlich systematisch zu stÃ¤rken. Was ist dabei hilfreich? Hilfreich wÃ¤re ein Mittel, das auch die EuropÃ¤ische Union eingesetzt hat, nÃ¤mlich schlichtweg die Definition von zivilen Planzielen. Wie viele Polizeiberater brauchen wir? Wie viele Rechtsstaatsexperten brauchen wir? Diese kann man schlieÃŸlich nicht von jetzt auf gleich irgendwoher zaubern.</p>
<p>Ich komme zu meinem letzten Punkt. Die zivile KrisenprÃ¤vention ist in der Ã–ffentlichkeit sehr schwer verkÃ¤uflich. Sie ist kompliziert, sie ist langwierig, und sie ist prozessorientiert. Wenn sie erfolgreich ist und das Haus nicht brennt, ist sie nicht beweisbar und nicht sichtbar. Das ist ein Handicap sondergleichen. Man darf sich damit aber nicht abfinden. Im Gegenteil: Man muss sich Gedanken Ã¼ber eine entsprechende Kommunikationsstrategie machen. Es gibt gute Beispiele wie â€žPeace Counts&quot; oder andere Dinge, die von der Bundesregierung in der Vergangenheit unterstÃ¼tzt wurden. Wichtig ist eine Kommunikationsstrategie mit entsprechender UnterfÃ¼tterung.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN)</p>
<p>Seit 1994 versuche ich, vor allem zusammen mit Uta Zapf aus der SPD, mich fÃ¼r dieses Politikfeld stark zu machen und fÃ¼r die Umsetzung zu arbeiten. Ich vermute fast, dass unser Antrag heute nicht bei allen Zustimmung findet, auch wenn es inhaltlich bilateral so manchen Konsens gibt. Umso mehr mÃ¶chte ich Ihnen den Antrag fÃ¼r die nÃ¤chste Legislaturperiode ans Herz legen. Er soll als Material fÃ¼r die nÃ¤chsten Koalitionsverhandlungen - zwischen wem auch immer - dienen und berÃ¼cksichtigt werden.</p>
<p>Danke schÃ¶n.</p>
<p>(Beifall beim BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN sowie des Abg. Niels Annen [SPD] - Niels Annen [SPD]: Ich kÃ¼mmere mich dann darum!)</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr.Â Hermann Otto Solms:</p>
<p>Das Wort hat der Kollege Holger Haibach von der CDU/CSU-Fraktion.</p>
<p>Holger Haibach (CDU/CSU):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach den Worten des Kollegen Nachtwei fÃ¤llt es schwer, konfrontativ aufzutreten. Das hatte ich aber ohnehin nicht vor. Denn ich finde, dass das, was in Bezug auf die Zielsetzung im Antrag steht, zum groÃŸen Teil richtig ist. Auch Ã¼ber Parteigrenzen hinweg gibt es da durchaus einen Konsens.</p>
<p>Es ist allerdings fraglich, ob ich alle Bewertungen des Antrags wirklich teilen kann; das ist der Punkt, an dem sich die Geister scheiden. Dies betrifft insbesondere die Bewertungen im Hinblick auf die Frage, wo wir heute stehen und wo wir vor acht bzw. zehn Jahren gestanden haben, sowie die Bewertungen im Hinblick auf die Frage, was der Anteil der frÃ¼heren und was der Anteil der jetzigen Bundesregierung und der sie tragenden Mehrheitskoalition ist. In Bezug auf diese Punkte liegen unsere Beurteilungen sicherlich auseinander. Das ist aber eine Frage der Perspektive. Ich denke, im Ziel sind wir uns einig.</p>
<p>In einem Punkt haben Sie vollkommen recht: Eines der grÃ¶ÃŸten Probleme ist, als Erfolg etwas darzustellen, was nicht geschehen ist. Das ist im Menschenrechtsausschuss nichts anderes als in einer Debatte Ã¼ber zivile KrisenprÃ¤vention. Wie will man beweisen, dass eine humanitÃ¤re Katastrophe nicht eingetreten ist? Wie will man nachweisen, dass ein Konflikt durch gute PrÃ¤ventionsarbeit nicht zu einem Krieg geworden ist? All diese Fragen drÃ¤ngen sich einem auf, wenn man sich mit dieser durchaus nicht einfachen Materie befasst.</p>
<p>Es ist richtig: Deutschland hat, wie ich finde, ein ziemlich vorbildliches Instrumentarium mit dem ZIF, dem ZFD, dem Ressortkreis und vielen anderen wichtigen Organisationen. Es gibt vor allem eine reiche Szene an Nichtregierungsorganisationen, die sich in Deutschland dieses Themas annehmen. DafÃ¼r kÃ¶nnen wir dankbar sein; denn es ist eigentlich das, was uns in diesem Bereich weiterhilft. Wie wir wissen, wÃ¼rden wir ohne das Engagement der Nichtregierungsorganisationen keinen Erfolg haben.</p>
<p>Ich will deutlich machen, dass einiges in der Regierungszeit der GroÃŸen Koalition - auch durch das Engagement der sie tragenden Fraktionen - vorangebracht worden ist. Wir haben im letzten Jahr unter anderem dafÃ¼r gesorgt, dass der Etat fÃ¼r die zivile KrisenprÃ¤vention von 12Â Millionen auf 60Â Millionen Euro verfÃ¼nffacht wurde.</p>
<p>(Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN]: Das war gut!)</p>
<p>Das ist kein kleiner Beitrag. Ich finde, das darf man in dieser Debatte durchaus werbend sagen, weil es sich um gelebte Umsetzung politischer Zielsetzung handelt. Das ist der eine Punkt.</p>
<p>Der andere Punkt ist: Wir haben mit dem sogenannten Sekundierungsgesetz ein StÃ¼ck weit Rechtssicherheit fÃ¼r diejenigen geschaffen, die fÃ¼r uns zivile Friedensarbeit und PrÃ¤ventionsarbeit in zum Teil sehr schwierigen Auslandsmissionen leisten. Dieses Gesetz sorgt dafÃ¼r, dass diejenigen, die im Ausland fÃ¼r uns tÃ¤tig sind, sicher sein kÃ¶nnen, dass zumindest die ErfÃ¼llung der GrundbedÃ¼rfnisse gewÃ¤hrleistet ist, was Versicherungsfragen, zum Beispiel betreffend die Sozial- und Arbeitslosenversicherung, angeht. Darauf kÃ¶nnen wir durchaus stolz sein, und damit kÃ¶nnen wir zufrieden sein.</p>
<p>NatÃ¼rlich gibt es immer viel zu tun und Raum fÃ¼r Verbesserungen. Ich bin mir aber nicht ganz so sicher, ob Sie den einen oder anderen Punkt, den Sie in Ihrem Antrag beschreiben, ausgerechnet der GroÃŸen Koalition anlasten kÃ¶nnen. Sie klagen zum Beispiel darÃ¼ber, dass es VerbesserungsmÃ¶glichkeiten im Rahmen der interministeriellen Zusammenarbeit gibt. Die Auseinandersetzungen Ã¼ber die ZustÃ¤ndigkeiten zwischen BMZ und AuswÃ¤rtigem Amt sind vermutlich so alt wie die beiden Ministerien. Das heiÃŸt nicht, dass man nichts tun sollte. Aber ich glaube, dass gerade durch die Schaffung des Ressortkreises ein Schritt in die richtige Richtung gemacht worden ist.</p>
<p>Es liegt letzten Endes auch ein bisschen an uns Abgeordneten. Wenn ich mir anschaue, zu welcher Zeit und mit welcher PrÃ¤senz hier im Deutschen Bundestag Ã¼ber AuslandseinsÃ¤tze und die erste Aufsetzung des Plans zur zivilen KrisenprÃ¤vention diskutiert wurde, dann muss ich feststellen: Das sagt etwas darÃ¼ber aus, wie wir - ich meine nicht die Anwesenden; ich setze voraus, dass diese sich dafÃ¼r interessieren - mit der ganzen Sache umgehen. Wir sollten bei unseren Kolleginnen und Kollegen fÃ¼r die Sache werbend eintreten; denn sie ist zu wichtig, als darÃ¼ber zu einer relativ ungÃ¼nstigen Zeit und vor einem relativ kleinen Publikum zu diskutieren.</p>
<p>Ich versuche, ein ResÃ¼mee der Arbeit zu ziehen, die in den vier Jahren geleistet worden ist, in denen ich fÃ¼r die CDU/CSU in diesem Bereich tÃ¤tig war. Wir sind auch in dieser Legislaturperiode ein gutes StÃ¼ck vorangekommen. Es hat Verbesserungen in monetÃ¤rer Hinsicht, aber auch beim Schutz derjenigen gegeben, die fÃ¼r uns in AuslandseinsÃ¤tzen und zivilen Friedensmissionen tÃ¤tig sind. NatÃ¼rlich gibt es noch viel zu tun; denn zivile KrisenprÃ¤vention beleuchtet auch andere Politikbereiche. Wenn zum Beispiel Staatsminister Erler kÃ¼rzlich in einem Zeitungsinterview sagt, es sei schon ein Problem, dass wir mit den Kleinwaffenexporten nicht so zurande kÃ¤men, wie wir das eigentlich sollten, dann zeigt das, dass auch die Bundesregierung der Meinung ist, dass wir einen kompletten Blick auf die Dinge brauchen. Es geht nicht nur darum, PlÃ¤ne zu machen, diejenigen zu unterstÃ¼tzen, die in AuslandseinsÃ¤tzen tÃ¤tig sind, Auslands-einsÃ¤tze der Bundeswehr bzw. EinsÃ¤tze Deutschlands so zu gestalten, dass sie kohÃ¤rente AnsÃ¤tze bieten, sondern auch darum, dass wir unsere Aufgaben in anderen Bereichen wie beim RÃ¼stungsexport verantwortlich wahrnehmen. Ich bin durchaus der Meinung, dass wir uns mit den Resultaten nicht zu verstecken brauchen.</p>
<p>Ich will erwÃ¤hnen, dass Herr Nachtwei in seinem Antrag unter anderem die Rolle der USA in einem bestimmten Bereich der zivilen KrisenprÃ¤vention lobend hervorhebt. Ich hÃ¤tte nicht geglaubt, dass es einmal dazu kommt; aber es zeigt vielleicht, dass an dieser Stelle andere von uns gelernt haben.</p>
<p>(Uta Zapf [SPD]: Das ist auch nicht so dolle! Bei der CDU/CSU hat es auch lange gedauert!)</p>
<p>â€žVernetzte Sicherheit&quot; ist ein Begriff, der einmal bei uns seinen Anfang genommen hat. Wenn ich mir das Engagement der Bundeswehr und der gesamten deutschen Community in Afghanistan anschaue, komme ich zu dem Schluss, dass wir anderen Partnern, die an diesem Einsatz beteiligt gewesen sind, durchaus wichtige Impulse gegeben haben.</p>
<p>Insgesamt sind einige Erfolge vorzuweisen. In diesem Bereich gibt es immer viel zu tun. Ich wÃ¼rde mir mehr Aufmerksamkeit wÃ¼nschen. Eine Kommunikationsstrategie ist hier sicherlich der richtige Weg. Weil ich weiÃŸ, dass wir alle heute Abend noch etwas vorhaben - ich weiÃŸ, dass das ein wichtiges Thema ist -, mÃ¶chte ich Ihnen die zwei Minuten Redezeit, die ich noch habe, schenken und wÃ¼nsche Ihnen noch einen schÃ¶nen Abend und weiterhin eine gute Beratung.</p>
<p>(Beifall bei der CDU/CSU sowie bei Abgeordneten der LINKEN)</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr.Â Hermann Otto Solms:</p>
<p>Das Wort hat der Kollege Hellmut KÃ¶nigshaus von der FDP-Fraktion.</p>
<p>(Beifall bei der FDP)</p>
<p>Hellmut KÃ¶nigshaus (FDP):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Meine Damen und Herren! Ich glaube, dass es im Bereich der KrisenprÃ¤vention - da hat Herr Haibach recht - auch im Hinblick auf die Zielsetzung eine groÃŸe Ãœbereinstimmung gibt. Frau Zapf, Herr Haibach, Winfried Nachtwei und ich, gelegentlich auch die Linken</p>
<p>(HÃ¼seyin-Kenan Aydin [DIE LINKE]: Gelegentlich?)</p>
<p>- ich kann mich nicht erinnern, wann das war; aber mÃ¶glicherweise sind auch die Linken gelegentlich im Beirat anwesend -, sind an dem Thema ziemlich nah dran.</p>
<p>(Dr.Â Werner Hoyer [FDP]: Bring den SchÃ¤fer nicht in Schwierigkeiten!)</p>
<p>Nach einem Blick auf die Regierungsbank zeigt sich -Â wenn ich das einmal sagen darf -: Das gilt nicht fÃ¼r das BMZ. Das ist bedauerlich.</p>
<p>(Dr.Â Werner Hoyer [FDP]: Das passt ins Bild!)</p>
<p>Wir hatten schon einmal Anlass, darÃ¼ber zu klagen. Ich glaube, gerade im Bereich der EntwicklungsbemÃ¼hungen ist eine Verzahnung notwendig; andernfalls kÃ¶nnen wir hier nicht Ã¼ber echte KrisenprÃ¤vention reden.</p>
<p>Im Ansatz ist der von den GrÃ¼nen eingebrachte Antrag auch von unserer Seite ausdrÃ¼cklich zu begrÃ¼ÃŸen; denn KrisenprÃ¤vention ist eigentlich ein urliberales Thema, das die FDP schon seit ewigen Zeiten verfolgt,</p>
<p>(Uta Zapf [SPD]: Deswegen habt ihr vor ein paar Jahren noch dagegen angestunken!)</p>
<p>auch schon zu Zeiten der liberalen AuÃŸenminister Walter Scheel, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel. Bereits damals wurde dieses Thema als Teil der AuÃŸenpolitik insgesamt behandelt, ohne dass man ein groÃŸes Plakat vor sich hergetragen hÃ¤tte.</p>
<p>Das Thema ist fÃ¼r unsere AuÃŸen- und Sicherheitspolitik zentral und wichtig; denn der Aufbau stabiler Zivilgesellschaften, die FÃ¶rderung von Frieden in der Welt und die PrÃ¤vention von internationalen Krisen sind Vo-raussetzung dafÃ¼r, dass wir friedlich zusammenleben kÃ¶nnen. Deshalb habe ich mich, als ich zu Beginn der Legislaturperiode zum ersten Mal mit diesem Thema befasst wurde, sehr darÃ¼ber gefreut, dass ich mit Winfried Nachwei auf einen Menschen stieÃŸ, der in diesem Bereich ein Ã¼berzeugender und tatsÃ¤chlich weitsichtiger FÃ¼rsprecher war, natÃ¼rlich - ich will da niemanden zurÃ¼cksetzen - neben anderen. Ich spreche Winfried Nachtwei als Antragsteller gesondert an, weil er heute, wie wir wissen, wohl zum letzten Mal zu diesem Thema gesprochen hat.</p>
<p>Ich hÃ¤tte mich deshalb sehr darÃ¼ber gefreut, wenn wir zu diesem Anlass seinem Antrag hÃ¤tten zustimmen kÃ¶nnen. Das kÃ¶nnen wir leider nicht, jedenfalls nicht uneingeschrÃ¤nkt. Ich will das begrÃ¼nden. In weiten Teilen kann man dem Antrag folgen. Mit den konkreten Forderungen haben wir wenig Probleme. Schon der erste Teil zeigt aber, dass offenbar auch andere Auffassungen in die Bearbeitung eingeflossen sind, denen wir leider nicht folgen kÃ¶nnen; wir wollen es auch nicht. Teilweise kommen hier idealistische, pazifistische Vorbehalte zum Ausdruck, die fÃ¼r sich genommen ihre BegrÃ¼ndung haben, aber im Zusammenhang mit KrisenprÃ¤vention in dieser Absolutheit sicherlich falsch sind.</p>
<p>Nehmen Sie nur die dort enthaltene Behauptung - ich zitiere einmal -:</p>
<p>Mit RÃ¼stungsexporten in Krisenregionen wie Indien, Pakistan und Staaten des Nahen Ostens unterstÃ¼tzt die Bundesregierung die Gewaltspirale und das WettrÃ¼sten.</p>
<p>Allein die Formulierung â€žunterstÃ¼tzt die Bundesregierung&quot; sagt beinahe aus, die Bundesregierung heize vorsÃ¤tzlich die Gewaltspirale an. Das ist doch eine Ãœberzeichnung. Diese Formulierung kÃ¶nnte auch den Eindruck erwecken, es kÃ¤men irgendwelche antiisraelischen Einstellungen zum Ausdruck. Das ist ja die zentrale Frage im Nahen Osten.</p>
<p>Wir alle wissen auch, dass diese Behauptung eben nicht stimmt, dass manchmal militÃ¤rische Mittel notwendig und Teil oder sogar Voraussetzung der KrisenprÃ¤vention sein kÃ¶nnen. In Afghanistan oder Pakistan ist das ganz offenkundig. Dort kÃ¶nnen wir auf den Einsatz militÃ¤rischer Mittel nicht verzichten. Wir kÃ¶nnen doch den Terroristen dort nicht freie Hand lassen. Es steht auch auÃŸer Frage, dass ohne diese konkreten militÃ¤rischen MaÃŸnahmen in Kombination mit zivilen Aufbauarbeiten eine funktionierende Zivilgesellschaft gar nicht aufgebaut werden kÃ¶nnte.</p>
<p>NatÃ¼rlich ist der Einsatz von MilitÃ¤r allein nicht die LÃ¶sung. Wir brauchen zivile AufbaumaÃŸnahmen. Das ist vollkommen klar. Dies wurde - da haben Sie recht - von der Bundesregierung nicht mit dem notwendigen Nachdruck verfolgt.</p>
<p>(Uta Zapf [SPD]: Das ist gar nicht wahr!)</p>
<p>Ich habe eben schon angesprochen, welches Ministerium fÃ¼r diesen zivilen Teil zustÃ¤ndig wÃ¤re und gerade in diesem Bereich wenig Engagement zeigt, was sich allein schon an der PrÃ¤senz hier im Saal zeigt.</p>
<p>Sie haben recht: MilitÃ¤reinsÃ¤tze sind teurer als friedlicher Aufbau. Das stimmt, das ist eine Erkenntnis, die auch wir schon lange haben und auf deren Grundlage liberale AuÃŸenpolitik schon immer verfolgt wurde. Aber manchmal muss man beides einsetzen. Das wollen wir. Die Welt ist eben nicht nur gut oder nur schlecht, sie ist oftmals beides. Auf beides muss man entsprechend re-agieren.</p>
<p>Den Forderungen des Antrags, die wir mit groÃŸer Sympathie sehen, kÃ¶nnten wir zustimmen. Aber zur Abstimmung steht ein Antrag, in dem auch all diese anderen Komponenten enthalten sind. Deshalb werden wir uns bei der Abstimmung Ã¼ber den Antrag enthalten.</p>
<p>Ich danke Ihnen fÃ¼r die Aufmerksamkeit.</p>
<p>(Beifall bei der FDP sowie des Abg. Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN])</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr.Â Hermann Otto Solms:</p>
<p>Das Wort hat die Kollegin Uta Zapf von der SPD-Fraktion.</p>
<p>Uta Zapf (SPD):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Lieber Winni Nachtwei, ich gehe nicht so sanft mit dir um, wie es die Kollegen vor mir getan haben. Erster Punkt: Du hast uns diesen Antrag fÃ¼r die nÃ¤chste Legislaturperiode ans Herz gelegt. Wenn es dir und den GrÃ¼nen wirklich ernst gewesen wÃ¤re und es nicht um Wahlkampf gegangen wÃ¤re, dann hÃ¤ttet ihr zwei Monate vorher versucht, einen interfraktionellen Antrag unter Einschluss der FDP, der CDU/CSU, der SPD und der Linken vorzulegen; vielleicht hÃ¤tten die Linken dann mitgestimmt.</p>
<p>(Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN]: Das ist eine Unterstellung!)</p>
<p>Ich will etwas zu Herrn KÃ¶nigshaus sagen. Mein historisches GedÃ¤chtnis sagt mir etwas anderes als das, was Sie eben Ã¼ber die FDP gesagt haben. Als wir, Winni Nachtwei und ich, 1998 das erste rot-grÃ¼ne Konzept in den Bundestag eingebracht haben, hat der Kollege Irmer fÃ¼r die FDP gesprochen und Hohn und Spott Ã¼ber uns ausgeschÃ¼ttet. Ich habe ihn gerade getroffen.</p>
<p>(Ute Kumpf [SPD]: Er schÃ¼ttet immer noch!)</p>
<p>Er ist, ohne dass ich gesagt habe, dass wir heute Ã¼ber dieses Thema diskutieren, genau auf diesen Punkt gekommen. Ich denke, da hat ein Lernprozess stattgefunden.</p>
<p>Auch bei der CDU/CSU war das Konzept nicht so rasch akzeptiert. Der Erste, der von der CDU/CSU in einem sicherheitspolitischen Konzept den Begriff der zivilen KrisenprÃ¤vention verwendet hat, war Christian Schmidt. Seitdem hat sich ein politischer Prozess entwickelt, der zu guten Ergebnissen in der bundesrepublikanischen AuÃŸenpolitik gefÃ¼hrt hat.</p>
<p>Deshalb empfinde ich, lieber Winni, den ersten Satz in diesem Antrag als Provokation. Ich bin sehr wÃ¼tend gewesen, als ich ihn gelesen habe; denn du warst die ganzen vier Jahre ganz nahe dabei, und du weiÃŸt genau, was gelaufen und was nicht gelaufen ist und was wir auch gegen groÃŸe WiderstÃ¤nde haben durchsetzen kÃ¶nnen. Ich finde, du bist ungerecht gegenÃ¼ber denen vom AuswÃ¤rtigen Amt und von den anderen Ressorts, die sich in dem Ressortkreis bemÃ¼ht haben, eine wirklich kohÃ¤rente Politik zu gestalten, so schwer das ist.</p>
<p>Du fÃ¼hrst zum Beispiel an, dass man ressortÃ¼bergreifende Instrumente und Institutionen einfÃ¼hren soll, zum Beispiel FrÃ¼hwarn- und Planungsstrukturen. Ich mÃ¶chte daran erinnern, dass wir gar keine nationalen AlleingÃ¤nge machen. Wenn wir an zivilen FriedenseinsÃ¤tzen oder an gemischten EinsÃ¤tzen teilnehmen, dann geschieht das in der Regel auf der Ebene der EU, der OSZE oder der UNO. HierfÃ¼r eine Planungseinheit vorzusehen, wo auch immer sie angesiedelt wird, beim Ressortkreis oder im Himmel, ist vÃ¶lliger Unsinn.</p>
<p>(Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN]: Die Kanadier machen es zum Beispiel in Afghanistan!)</p>
<p>Es macht auch keinen Sinn, Planziele fÃ¼r die Bundesrepublik zu erstellen, denn es geht ja darum, in solche Missionen Leute zu entsenden, die erstens qualifiziert genug sind, zweitens abrufbar sind und drittens auch vor Ort gebraucht werden. Wenn man heute festlegte, einen Pool von 2 000 RechtsanwÃ¤lten vorzuhalten, um sie in Rechtsstaatlichkeitsmissionen zu entsenden, dann wÃ¤re dies meines Erachtens Verschwendung von Ressourcen. Wir haben aber in der Tat enorme Fortschritte in der Ausbildung von Experten gemacht, wie du genau weiÃŸt - du hast ja gestern bei deiner Rede zum siebten Geburtstag von ZIF und zum Abschied von Winrich KÃ¼hne ein entsprechendes Buch sehr gelobt -, die schnell einsetzbar sind und die auch eingesetzt werden.</p>
<p>Ich kann auch einmal die Zahlen nennen. Wir haben 2003 angefangen, diesen Pool zu bilden. Ende 2003 waren 400 Experten mit unterschiedlichsten Fachrichtungen in diesem Pool. Heute sind es 1Â 239 Experten. Dazu kommen die Ausbildungen, die fÃ¼r Polizisten gemacht worden sind, und die internationale Ausbildung, die wir auch fÃ¼r andere Organisationen durchfÃ¼hren. Hinzu kommt der Aufbau des Kofi-Annan-Centers in Afrika, in dem Wahlbeobachter ausgebildet werden und zum Beispiel auch entsprechende Trainings angeboten werden.</p>
<p>Meines Erachtens ist das, was die Bundesregierung in dieser Zeit - auch nach 2005, als die GrÃ¼nen nicht mehr in der Regierung waren - auf den Weg gebracht hat, enorm.</p>
<p>Die Aufstockung des Haushalts ist bereits erwÃ¤hnt worden. Ich bin stolz darauf, weil ich mich erinnere, dass wir unter Rot-GrÃ¼n aber wirklich jedes Jahr um jeden Pfennig und um jede Million kÃ¤mpfen mussten.</p>
<p>(Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN]: Richtig!)</p>
<p>So wurden nach dem Jugoslawienkrieg - das war ja ein guter Anlass - entsprechende Mittel in den Haushalt eingestellt, aber im nÃ¤chsten Jahr waren sie wieder verschwunden; da gab es dafÃ¼r keinen Pfennig mehr. Dann haben wir als Parlamentarier gemeinsam dafÃ¼r gekÃ¤mpft, dass sie restituiert wurden. Das waren damals 20 Millionen DM, also 10 Millionen Euro. Wir verzeichneten dann einen relativ geringen Zuwachs, aber von 2006 auf 2009 gab es nicht nur eine Verdopplung, sondern eine Steigerung von 10,9 Millionen Euro auf Ã¼ber 100 Millionen Euro. Ich meine, das ist ganz beachtlich.</p>
<p>AuÃŸerdem gibt es auch noch andere Mittel im Haushalt, die nicht beim AuswÃ¤rtigen Amt, sondern beim BMZ veranschlagt sind und dafÃ¼r verwendet werden kÃ¶nnen. Zudem gibt es Gelder im Haushalt des BMI. Ich halte daher die Kritik, die hier angefÃ¼hrt wurde, fÃ¼r ungerecht, und die Unterlassungen, die angeprangert werden, sind schlicht nicht wahr.</p>
<p>NatÃ¼rlich hat Herr Haibach recht: Es gibt immer noch VerbesserungsmÃ¶glichkeiten. Aber wir arbeiten wirklich intensiv daran. Gerade gab es eine Sitzung des Aufsichtsrats des ZIF, dem wir angehÃ¶ren. Bei dieser Gelegenheit haben wir unter anderem zur Kenntnis nehmen kÃ¶nnen, dass das von dir monierte Defizit zwar nicht ganz abgestellt wurde, aber dass jetzt wesentlich mehr Mittel zur VerfÃ¼gung stehen, um eine verstÃ¤rkte Ã–ffentlichkeitsarbeit zu betreiben.</p>
<p>Im Ãœbrigen, liebe Kolleginnen und Kollegen, muss ich Ihnen Folgendes sagen: Wir sind doch dafÃ¼r verantwortlich, diese Politik weiterzutragen. Wir sind doch verantwortlich, wenn es um Afghanistan geht, nicht nur Ã¼ber Soldaten und eventuelle ZwischenfÃ¤lle zu sprechen, sondern auch einmal darzulegen, welch weites Spektrum wir an Projekten zum Wiederaufbau verfolgen. Da geht es nicht nur um ein halb leeres oder halb volles Glas; das ist in der Regel ein gemischtes Bild, und zwar auch auf der militÃ¤rischen Seite. Niemand weiÃŸ das besser als du, Winni, der sich in diesem Bereich ja besonders hÃ¤ufig tummelt.</p>
<p>SchlieÃŸlich ist es verdammt befremdlich, wenn gesagt wird, die Soldaten mÃ¼ssten als LÃ¼ckenbÃ¼ÃŸer und Leidtragende dieser Politik der Unterlassungen herhalten. Es steht im ersten Absatz des Antrags, dass sie lÃ¤nger in AuslandseinsÃ¤tzen bleiben mÃ¼ssten. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, ist es so, dass wir die AuslandseinsÃ¤tze verkÃ¼rzt statt verlÃ¤ngert haben. AuÃŸerdem sagen ganz viele, es sei ein erheblicher Fehler, dass unsere Leute nach vier oder sechs Monaten schon wieder wechseln mÃ¼ssten, weil sie im Umfeld gar nicht das notwendige Vertrauen bilden kÃ¶nnten.</p>
<p>Ich wundere mich, dass es plÃ¶tzlich eine HÃ¤rte fÃ¼r die armen Soldaten und Soldatinnen sein soll, wenn sie auch zivile Aufgaben Ã¼bernehmen mÃ¼ssen. Ich meine, wir hÃ¤tten ganz bewusst die PRTs mit zivilen Aufgaben betraut und dies auch einmÃ¼tig im Bundestag so verabschiedet.</p>
<p>Ich sage noch ein Letztes: Ja, militÃ¤rische Operationen sind teuer. Aber wer im Gegenzug fÃ¼r die GewÃ¤hrung von 10 Millionen Euro an PrÃ¤ventionsmitteln einem milliardenschweren MilitÃ¤rprojekt zustimmt, der sollte lieber nicht den Mund so voll nehmen, lieber Winni.</p>
<p>(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der CDU/CSU - Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/ DIE GRÃœNEN]: Wenn sich alle anderen in der SPD wegducken!)</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr. Hermann Otto Solms:</p>
<p>NÃ¤chster Redner ist der Kollege Paul SchÃ¤fer von der Fraktion Die Linke.</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN)</p>
<p>Paul SchÃ¤fer (KÃ¶ln) (DIE LINKE):</p>
<p>Herr PrÃ¤sident! Meine Damen und Herren! Wie schÃ¶n, liebe Kolleginnen und Kollegen, dass wir zu vorgerÃ¼ckter Stunde nicht nur einen Bundeswehreinsatz mandatieren, sondern auch Ã¼ber zivile Konfliktbearbeitung reden. Aus dem Alltag kennen wir ja den sinnvollen Grundsatz â€žVorbeugen ist besser als Heilen&quot;. Ich finde, dieser ist auch unbedingt in der AuÃŸenpolitik zu beachten. Wenn dann doch geheilt werden muss, gilt allemal: Eine schonende Behandlung ist in aller Regel besser, als mit Brachialgewalt vorzugehen, schon allein deshalb, weil man dadurch die Nebenwirkungen - hier sollte ich vielleicht besser von KollateralschÃ¤den reden - geringer halten kann.</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN)</p>
<p>SchlieÃŸlich ist darauf zu achten, dass bei den Arzneimitteln auch das drin ist, was auÃŸen draufsteht. SpÃ¤testens seitdem im Zweiten Bericht der Bundesregierung Ã¼ber die Umsetzung des Aktionsplans â€žZivile KrisenprÃ¤vention, KonfliktlÃ¶sung und Friedenskonsolidierung&quot; European Battle-Groups, also schnelle Eingreiftruppen, als Instrumente der KrisenprÃ¤vention angefÃ¼hrt werden, weiÃŸ man, dass man es mit einer Mogelpackung zu tun hat, wenn die Bundesregierung von ziviler KrisenprÃ¤vention redet.</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN)</p>
<p>Dieses Beispiel zeigt, dass wir schon sehr genau gucken mÃ¼ssen, womit wir es zu tun haben, wenn heute von vernetzter Sicherheit und zivil-militÃ¤rischer Zusammenarbeit die Rede ist. Letztlich geht es um die Frage, ob wir es nicht vielleicht auch mit einer vergifteten Rezeptur zu tun haben.</p>
<p>Das Zivil-MilitÃ¤rische ist ja so bahnbrechend neu nicht. Die amerikanischen MilitÃ¤rs haben schon lÃ¤ngst gelernt, dass sie bei Interventionen in innerstaatliche Konflikte - darum handelt es sich ja auch heute zumeist - mit militÃ¤rischen Mitteln nicht weit kommen. Es steht schon in HandbÃ¼chern der US-Army zur AufstandsbekÃ¤mpfung aus den 50er-Jahren, dass der wirtschaftliche Aufbau entscheidend ist, dass es entscheidend ist, mÃ¶glichst schnell eine vernÃ¼nftige Regierung zu etablieren, und dass man die Herzen und KÃ¶pfe der Menschen gewinnen muss. Aber was ist im wirklichen Leben daraus geworden? Das kann man an Vietnam studieren, am Irak und konnte man auch lange Zeit in Afghanistan studieren. Deshalb ist Vorsicht geboten bei solchen Rezepten - diese muss man genau abklopfen -, die von militÃ¤risch gefÃ¼hrter AuÃŸenpolitik vereinnahmt werden, um damit weiterzukommen. Damit muss man sich kritisch auseinandersetzen. Die GrÃ¼nen tun dies nicht oder zu wenig; und das merkt man dem Antrag an.</p>
<p>Wer sich wirklich schlaumachen will und sich Ã¼ber KrisenprÃ¤vention und zivile Konfliktbearbeitung als eine Alternative und nicht als AnhÃ¤ngsel des MilitÃ¤rischen Gedanken machen will, dem empfehle ich die aktuelle, gerade erschienene Studie <em>Erfolgreich gewaltfrei</em> von Christine Schweitzer, die fÃ¼r das Institut fÃ¼r Auslandsbeziehungen erarbeitet worden ist<em>. </em>Dort sind eine Menge VorschlÃ¤ge enthalten, die durch praktische Politik umgesetzt werden kÃ¶nnten.</p>
<p>Ich mÃ¶chte nur drei Elemente nennen: Erstens. Es ist entscheidend, in Konflikte einzugreifen, bevor sie gewalttrÃ¤chtig werden. Das heiÃŸt, wir mÃ¼ssen uns Ã¼ber FrÃ¼hwarnsysteme Gedanken machen und uns vor allem auf die zivilgesellschaftlichen, lokalen Akteure vor Ort stÃ¼tzen.</p>
<p>Zweitens. Es darf nicht zu einer Arbeitsteilung der Art kommen, dass sich auf staatlicher Ebene um die militÃ¤rischen Mittel gekÃ¼mmert wird, wÃ¤hrend die zivilgesellschaftlichen Akteure fÃ¼r die zivilen Mittel zustÃ¤ndig sind. Der absolute Vorrang des Zivilen muss fÃ¼r alle Akteure gelten, weil nur so eine Zivilisierung von Konflikten zu erreichen ist.</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN)</p>
<p>Drittens. Die Konfliktbearbeitung muss entscheidend durch die staatlichen bzw. zivilgesellschaftlichen Akteure vor Ort erfolgen. Frieden ist nur zu erreichen, wenn er von der jeweiligen BevÃ¶lkerung mitgetragen wird. Das ist gleichbedeutend mit einer Absage an alle paternalistischen, bevormundenden Konzepte des sogenannten Nation-Building, das von auÃŸen und mit militÃ¤rischer Hilfe vorangetrieben wird. Das funktioniert nicht,</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN)</p>
<p>bzw. der Preis dafÃ¼r ist, wie man am Beispiel Irak sehen kann, zu hoch.</p>
<p>Der Antrag der GrÃ¼nen - leider haben wir sehr wenig Zeit, ihn zu diskutieren - enthÃ¤lt in der Tat vieles, was an Regierungshandeln in den nÃ¤chsten vier Jahren umgesetzt werden mÃ¼sste. Uns fehlt die TrennschÃ¤rfe zu dem, was ich als vergiftete Rezeptur bezeichnet habe. Es fehlt eine klare Distanz zum militÃ¤rischen Interventionismus der NATO und der EU. Deshalb werden wir dem Antrag in der vorliegenden Fassung nicht zustimmen kÃ¶nnen. Wir werden uns enthalten, um zu dokumentieren, dass er eine Menge enthÃ¤lt, was unterstÃ¼tzt und aufgegriffen werden muss, wenn wir den fÃ¤lligen Paradigmenwechsel in der AuÃŸenpolitik erreichen wollen.</p>
<p>Vielen Dank.</p>
<p>(Beifall bei der LINKEN - Winfried Nachtwei [BÃœNDNIS 90/DIE GRÃœNEN]: Zum Paradigmenwechsel ist von euch noch nichts Konstruktives gekommen!)</p>
<p>VizeprÃ¤sident Dr. Hermann Otto Solms:</p>
<p>Ich schlieÃŸe die Aussprache.</p>
<p>Wir kommen zur Abstimmung Ã¼ber den Antrag der Fraktion BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen auf Drucksache 16/13392 mit dem Titel â€žZivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung brauchen einen neuen Schub&quot;. Wer stimmt fÃ¼r diesen Antrag? - Gegenstimmen? - Enthaltungen? - Der Antrag ist mit den Stimmen der Koalitionsfraktionen bei Zustimmung von BÃ¼ndnis 90/Die GrÃ¼nen und Enthaltung der FDP-Fraktion und der Fraktion Die Linke abgelehnt.</p></div>
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Hin weis:&#160;
                <em>    <p><a class="xar-title" href="../../../../../index.php/articles/859">Antrag: Zivile KrisenprÃ¤vention und FriedensfÃ¶rderung brauchen einen neuen Schub</a></p></em></p>


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