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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Mein Brief an Gregor Gysi zu UN-Friedensmissionen und der Verweigerungshaltung der LINKEN gegenÃ¼ber Grundpflichten von UN-Mitgliedern</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            Mein Brief an Gregor Gysi zu UN-Friedensmissionen und der Verweigerungshaltung der LINKEN gegenÃ¼ber Grundpflichten von UN-Mitgliedern         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 26. Februar 2021 10:40:59 +02:00 (38211 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>An diesem Wochenende w&auml;hlt die Die Linke auf ihrem Parteitag einen neuen Bundesvorstand. Im Vorfeld tauchte wieder der Streit um Auslandseins&auml;tze der Bundeswehr auf, wo die Mehrheit bisher an der Pauschalablehnung auch von UN-Friedensmissionen festhielt - als parteipolitisches Alleinstellungsmerkmal, zugleich ohne jede R&uuml;cksicht auf wesentliche Pflichten von UN-Mitgliedern laut Charta und in beharrlicher Ignoranz gegen&uuml;ber der gewaltverh&uuml;tenden Praxis von UN-Friedensmissionen. Hierzu schrieb ich im letzten August dem ehemaligen Kollegen Gregor Gysi.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Mein Brief an Gregor Gysi zu UN-Friedensmissionen und der Verweigerungshaltung der LINKEN gegen&uuml;ber Grundpflichten von UN-Mitgliedern</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei (MdB 1004-2009) 26.02.2021</p>
<p><em>Anl&auml;sslich der Wahl Gregor Gysis zum au&szlig;enpolitischen Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag erschien in der ZEIT vom 06. August 2020 &bdquo;Er schon wieder&ldquo; von Robert Pausch, &bdquo;Wie der frischgebackene Au&szlig;enpolitiker Gregor Gysi die Linke doch noch regierungsf&auml;hig machen will.&ldquo; ( </em><a href="https://www.zeit.de/2020/33/gregor-gysi-aussenpolitischer-sprecher-die-linke/komplettansicht"><em>https://www.zeit.de/2020/33/gregor-gysi-aussenpolitischer-sprecher-die-linke/komplettansicht</em></a><em> &nbsp;) Der ZEIT-Artikel veranlasste mich, dem ehemaligen Kollegen&nbsp; ausf&uuml;hrlich zu schreiben: Zu einem Streitthema, das uns B&uuml;ndnisgr&uuml;ne vor 25/20 Jahren heftig aufw&uuml;hlte und wo wir vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit Massengewalt auf dem Balkan in politischen Praxis und programmatisch zu einer Kl&auml;rung und Verst&auml;ndigung gelangten.</em></p>
<p><em>Den Brief, auf den Gregor Gysi freundlich antwortete, ver&ouml;ffentliche ich jetzt, weil im Vorfeld des Linken-Parteitages an diesem Februarwochenende die erfahrungsresistente Pauschalablehnung von UN-Missionen erneut zu einem Thema geworden ist. Dazu Stefan Reinecke in der heutigen taz (</em><a href="https://taz.de/Linkspartei-vor-ihrem-Parteitag/!5750620/"><em>https://taz.de/Linkspartei-vor-ihrem-Parteitag/!5750620/</em></a><em> )</em></p>
<p><em>&ldquo;Noch schlimmer ist die z&auml;he Unf&auml;higkeit, Fehler zu korrigieren. Ein Beispiel f&uuml;r diese spektakul&auml;re Lernblockade ist die Debatte &uuml;ber Au&szlig;enpolitik und Bundeswehr. Debatten sollen einen neuen Konsens stiften &ndash; die Friedensdebatte der Linkspartei, seit 20 Jahren mit den gleichen Argumentationsstanzen betrieben, hat den umgekehrten Zweck: Es soll sich nichts &auml;ndern. Nach der Debatte ist vor der Debatte.&ldquo;</em></p>
<p>Lieber Kollege Gysi,</p>
<p>herzlichen Gl&uuml;ckwunsch zu Ihrer Wahl zum au&szlig;enpolitischen Sprecher der Linken-Fraktion im Bundestag! In einer Zeit geh&auml;ufter Krisen, n&auml;her r&uuml;ckender Gewaltkonflikte und konfrontativer Multipolarit&auml;t w&uuml;nsche ich Ihnen viele MitstreiterInnen mit klarem Kompass, Realit&auml;tssinn, Dialog- wie Kooperationsf&auml;higkeit und Ihnen in Ihrer Sprecheraufgabe neben Ihrer anregend-belebenden, viele Menschen erreichenden Redeweise auch eine gl&uuml;ckliche Hand! Der ZEIT-Artikel von Robert Pausch zu Ihrer R&uuml;ckkehr in ein wichtiges Sprecheramt veranlasst mich, Ihnen zu schreiben.</p>
<p>1994 bis 2009 waren wir in demselben Hohen Haus zu Werke. Begegnet sind wir uns nur im Plenum, kaum oder gar nicht pers&ouml;nlich.</p>
<p>Ich war damals Mitglied des Verteidigungsausschusses, des Unterausschusses Abr&uuml;stung, R&uuml;stungskontrolle und Nichtverbreitung und ein Treiber auf dem neuen Feld der zivilen Krisenpr&auml;vention. Von daher trafen wir vor allem bei Debatten um Auslandseins&auml;tze immer wieder zusammen. Auf dem wohl hei&szlig;esten Politikfeld habe ich die Br&uuml;che und Umbr&uuml;che, Erfahrungs- und Lernprozesse von Oppositions- und Regierungsphasen hautnah mitdurchgefochten.</p>
<p>(&hellip;)</p>
<p>R. Pausch berichtete, Dietmar Bartsch habe zu Ihnen gesagt &quot;An uns darf eine Mitte-links-Option nicht scheitern&quot;, als er sie bat, das Sprecheramt zu &uuml;bernehmen.</p>
<p>Gestatten Sie dazu einige Gedanken und Angebote:</p>
<p>Ihr und Ihrer Parteivorsitzenden erkl&auml;rter Wille, eine Bundesregierung unter Beteiligung der Linken m&ouml;glich zu machen, teile ich grunds&auml;tzlich. F&uuml;r die demokratische Kultur in Deutschland und eine sozialere/linkere Ausrichtung der Bundespolitik w&auml;re es w&uuml;nschenswert, wenn die Linke auf Bundesebene koalitions- und regierungsf&auml;hig w&uuml;rde.</p>
<p>&quot;Regierungsf&auml;higkeit&quot; darf nicht als Anpassung an die Politik der angeblich Regierungsf&auml;higen missverstanden werden. Allzu oft beweisen auch Abonnenten von &quot;Regierungsf&auml;higkeit&quot; krasse Regierungsunf&auml;higkeiten.</p>
<p>Aber - die Erfahrung haben wir Gr&uuml;ne in den Jahren 1998/99 knallhart machen m&uuml;ssen - Politik in Regierungsverantwortung vor allem auf Bundesebene ist nicht einfach ein Rollen-, sondern ein B&uuml;hnenwechsel sondergleichen.</p>
<p>Das vor allem bei der internationalen Krisenbew&auml;ltigung.</p>
<p>- Bei der muss ohne die M&ouml;glichkeit einer Vertagung im Hier und Jetzt unter gegebenen Bedingungen gehandelt werden. Kritik an fr&uuml;heren Fehlern und Beschw&ouml;ren des grunds&auml;tzlich Notwendigen - ein Grundmuster vieler Oppositionsreden, auch meiner - reichen nicht mehr aus.</p>
<p>- Alleing&auml;nge verbieten sich, agiert werden muss multilateral, zumindest mit Partnern und Verb&uuml;ndeten.</p>
<p>- Entscheidungen sind zu f&auml;llen in Verantwortung f&uuml;r die Folgen des eigenen Tuns und des eigenen Unterlassens.</p>
<p>Zu schaffen ist das nur mit Werte- und Prinzipienorientierung, Realit&auml;tssinn, Probleml&ouml;sungs- und Gestaltungswille, Lern-, Dialog- und demokratischer Streitf&auml;higkeit und Kompromissbereitschaft. Schwarz-Wei&szlig;-Denken, ideologische Verh&auml;rtungen, Identit&auml;tspolitik und Wunschdenken f&uuml;hren da ganz schnell in Sackgassen. Kooperations- und Regierungsunf&auml;higkeit sind da vorprogrammiert.</p>
<p>Ihre von R. Pausch angedeuteten Positionen zu UN-mandatierten Eins&auml;tzen, zur Einzelfallpr&uuml;fung von Eins&auml;tzen, zu Kriegseins&auml;tzen und zu einem Sofortabzug aus Afghanistan teile ich.<a title="" href="#_ftn1">[1]</a> In den Positionen etlicher Ihrer FraktionskollegInnen erkenne ich meine/unsere Position von 1994/95, als unsereiner kategorisch gegen Eins&auml;tze out of area war - weil alles verschlimmernd, Militarisierung der Au&szlig;enpolitik, Vernachl&auml;ssigung von Krisenpr&auml;vention.</p>
<p>Die Konfrontation mit Kriegs- und Massakerwirklichkeit auf dem Balkan stellte uns sp&auml;testens im Oktober 1996 am Hang &uuml;ber Sarajevo vor die Schl&uuml;sselfrage: Was tun, wenn Zivilbev&ouml;lkerung belagert, beschossen wird, wenn es f&uuml;r Krisenpr&auml;vention zu sp&auml;t ist, wenn enthemmte Massengewalt politisch nicht mehr beeinflusst werden kann, wenn akute Gro&szlig;gefahrenabwehr zum Schutz von Zivilbev&ouml;lkerung gefragt ist?</p>
<p>Eine Partei, die grunds&auml;tzlich Regierungsverantwortung &uuml;bernehmen wollte, konnte sich hier nicht l&auml;nger mit prinzipieller Gewaltfreiheit begn&uuml;gen, wie sie Individuen und Gruppen legitimer Weise und mit guten Gr&uuml;nden vertreten k&ouml;nnen. Eine Politik in staatlicher Verantwortung konnte ihre Schutzverantwortung nicht negieren, wo der Grundwert Gewaltfreiheit den Schutz der Bev&ouml;lkerung vor (Massen-)Gewalt einschlie&szlig;t, ggfs. mit Mitteln des rechtsstaatlichen Gewaltmonopols. Hinzu kam bei unserem Bosnien-Besuch (von Fraktions- und Parteif&uuml;hrung) im Herbst 1996 die Begegnung mit dem deutschen IFOR-Kontingent unter General Riechmann. &Uuml;berraschend f&uuml;r die Kriegsdienstverweigerer in unseren Reihen erlebten wir bei diesen Bundeswehroffizieren den klaren Willen, im UN-Auftrag f&uuml;r die Verhinderung erneuter Kriegsgewalt, f&uuml;r tats&auml;chliche Friedenssicherung zu arbeiten. In einem Kriegsgebiet sollten und wollten sie eben keinen Krieg bis zu einem vermeintlichen Sieg f&uuml;hren, sondern weiteren Krieg verhindern, basale Voraussetzungen f&uuml;r Frieden schaffen. Die &quot;&Uuml;berraschung&quot; dieses Treffens wiederholte sich seitdem zig Mal: Offiziere der Bundeswehr betonten durchg&auml;ngig und immer wieder, dass Milit&auml;r solche innerstaatlichen Konflikte nicht l&ouml;sen k&ouml;nne, sondern - im besten Fall - nur zur politischen Konfliktl&ouml;sung beitragen k&ouml;nne. (Von General Ramms stammte damals die Faustformel, dass 80% der Konfliktbearbeitung von zivilen Akteuren geleistet werden m&uuml;sse) Mit dieser Feststellung waren und sind diese Offiziere viel realistischer und n&uuml;chterner als so manche in der Politik und erst recht als viele verb&uuml;ndete Milit&auml;rs. Dass viele Pazifisten, Friedensbewegte und Vertreter Ihrer Partei der Bundeswehr pauschal Glauben an &quot;milit&auml;rische Konfliktl&ouml;sungen&quot; vorwerfen, ist eine gesinnungsstarke, aber erfahrungsschwache &quot;Ferndiagnose&quot;, ein beharrlich gepflegtes Zerr-, ja Feindbild. Die zweite Stufe dieser Zerrbildpflege ist, Auslandseins&auml;tze unterschiedslos als &quot;Kriegseins&auml;tze&quot; zu brandmarken und ihre Auftraggeber als &quot;Kriegsparteien&quot;. Mit der schlichten Gleichsetzung von Milit&auml;reins&auml;tzen und Kriegseins&auml;tzen werden nicht nur Hunderttausende BundeswehrsoldatInnen aus UN-mandatierten Stabilisierungseins&auml;tzen pauschal als Kriegst&auml;ter diffamiert, sondern auch alle UN-Eins&auml;tze implizit als v&ouml;lkerrechtswidrig denunziert.</p>
<p>Weil wir Gr&uuml;ne jahrelang hei&szlig; um die Notwendigkeit, Verantwortbarkeit, Verwerflichkeit von Auslandseins&auml;tzen gestritten haben, dabei mehrfach knapp an Koalitionsbruch und Parteispaltung vorbeigeschrammt sind, haben wir FachpolitikerInnen uns besonders intensiv um Einsatzkontrolle und sorgf&auml;ltige Mandatsentscheidungen gek&uuml;mmert und reingekniet. Es scheint so, dass ich in der &quot;Berliner Politik&quot; derjenige bin, der die inzwischen 25 Jahre Erfahrungen und Lernprozesse mit deutschen Auslandseins&auml;tzen am intensivsten begleitet und transparent gemacht hat: durch mehr als 40 Besuche in Einsatzgebieten (Ende 2019 der 20. in Afghanistan und der 13. auf dem Balkan) alle mit ausf&uuml;hrlichen Berichten, durch Berichte zur Unsicherheits- und Aufbaulage in Afghanistan seit 2008, durch Beitr&auml;ge zur Wirkungsabsch&auml;tzung und selbstkritischen Bilanzierung. Mit der von mir geleiteten Unabh&auml;ngigen G36-Kommission bekam ich so breite und uneingeschr&auml;nkte Einblicke in die scharfen Seiten der deutschen Auslandseins&auml;tze wie kein Bundeswehr-Externer bisher.</p>
<p>Milit&auml;rische Auslandseins&auml;tze sind weiterhin strittig und sollen es auch sein. Um die Linke erweiterte Koalitionsm&ouml;glichkeiten setzen aber voraus, dass bei der Auseinandersetzung um Auslandseins&auml;tze</p>
<p>- die UN-Charta mit ihren Normen und Pflichten sowie die Erfahrungen von UN-Friedenssicherung ernst genommen werden und dass</p>
<p>- ideologische Betonpositionen &uuml;berwunden werden - auch wenn sie Identit&auml;t st&uuml;tzen und Profil signalisieren.</p>
<p>Gestatten Sie, dass ich Ihnen aus unserem Erfahrungsprozess einige Materialien &uuml;bersende:</p>
<p><strong>Interventionen f&uuml;r den Frieden </strong><em>(mit Fragezeichen zu verstehen),</em> in: Hans-Joachim Giessmann/Bernhard Rinke, <strong>Handbuch Frieden</strong>, 2. aktualisierte und erweiterte Auflage, Wiesbaden 2019, S. 99-112, <a href="https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-23644-1_5" target="_blank">https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-23644-1_5</a></p>
<p><strong>Lehren aus deutschen Krisenengagements gibt es reichlich &ndash; aber auch Lernfortschritte? </strong>In SIRIUS &ndash; Zeitschrift f&uuml;r Strategische Analysen, Heft 4, Dez. 2019, S. 362-377, <a href="https://www.facebook.com/zeitschrift.sirius/posts/3587141544629379?__tn__=K-R" target="_blank">https://www.facebook.com/zeitschrift.sirius/posts/3587141544629379?__tn__=K-R</a></p>
<p><strong>Zivile Konfliktbearbeitung im Kontext vernetzter Sicherheit, </strong>in: Ines-Jacqueline Werkner/Heinz-G&uuml;nther Stobbe (Hrsg.), Friedensethische Pr&uuml;fsteine ziviler Konflikt-bearbeitung, Wiesbaden 2020, S. 109-130, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1622" target="_blank">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1622</a></p>
<p>und die Liste</p>
<p><strong>Grundlagenbeitr&auml;ge zur Friedens- und Sicherheitspolitik &ndash; </strong>Gr&uuml;ne und Krieg, Milit&auml;r, Schutzverantwortung und Gewaltfreiheit, 02/2020.</p>
<p>Falls Interesse besteht, w&uuml;rde ich mich gern mit Ihnen &uuml;ber die angesprochenen Erfahrungen und Lernprozesse austauschen.</p>
<p>Ansonsten bitte ich um Nachsicht f&uuml;r meine Textschwemme - und w&uuml;nsche noch einige erholsame Sommertage.</p>
<p>Mit besten Gr&uuml;&szlig;en</p>
<p>Winfried Nachtwei</p>
<p>MdB 1994-2009</p>
<p>Beirat Zivile Krisenpr&auml;vention der Bundesregierung</p>
<p>Beirat Innere F&uuml;hrung/BMVg</p>
<p>Vorstand DGVN<br /> <a href="http://www.nachtwei.de" target="_blank">www.nachtwe</a></p>
<div><br clear="all" /><hr align="left" size="1" width="33%" />
<div>
<p><a title="" href="#_ftnref1"><em><strong>[1]</strong></em></a><em><span style="text-decoration: underline;">Nachtr&auml;gliche Erg&auml;nzung (2021)</span></em><em>: </em><em>Die kategorische Absage an UN-Peacekeeping bedeutet eine Distanzierung von elementaren Teilen der UN-Charta: von einem wesentlichen Ziel (Art. 1.1 Bedrohungen des Friedens beseitigen, Angriffshandlungen und andere Friedensbr&uuml;che unterdr&uuml;cken) und von grunds&auml;tzlichen Pflichten eines UN-Mitglieds (Art. 2. 5, 43, 49 zu Beistandspflichten). Angesichts der Realit&auml;t von UN-gef&uuml;hrten Friedensmissionen ist eine solche kategorische Ablehnung von UN-Missionen friedenspolitisch in keiner Weise nachvollziehbar, sondern sch&auml;dlich und im Widerspruch zum Friedensauftrag des Grundgesetzes.</em></p>
<p><em>Solche Missionen erfolgen immer mit Einverst&auml;ndnis der Konfliktparteien, werden durch ein Mandat des UN-Sicherheitsrates legitimiert, haben durchweg den Auftrag Gewalt zu verh&uuml;ten, Frieden zu konsolidieren und insbesondere die Zivilbev&ouml;lkerung zu sch&uuml;tzen. Die politisch gef&uuml;hrten, integrierten UN-Missionen bestehen in der Regel aus einer milit&auml;rischen, polizeilichen und zivilen Komponente. UN-Friedensmissionen gelten trotz all ihrer Defizite als die relativ erfolgreichsten internationalen Kriseneins&auml;tze Sie verhindern nach Waffenstillst&auml;nden und Friedensabkommen erneute Gewaltausbr&uuml;che, schaffen Voraussetzungen f&uuml;r nachhaltigen Wiederaufbau und haben Abertausenden Menschen das Leben gerettet. UN-Missionen sind oft das letzte Netz vor dem Absturz ins Kriegschaos. </em></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
</div></div>


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