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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: Urteile gegen Spitzen-Kriegsverbrecher Karadzic und Bemba: Historische Fortschritte in Richtung Schutzverantwortung - und persÃ¶nliche BezÃ¼ge</title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Stellungnahme</span>

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        <h1>
            Urteile gegen Spitzen-Kriegsverbrecher Karadzic und Bemba: Historische Fortschritte in Richtung Schutzverantwortung - und persÃ¶nliche BezÃ¼ge         </h1>
        <div class="xar-floatright"></div>
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           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 26. März 2016 21:28:23 +02:00 (62766 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Die dreij&auml;hrige Belagerung von Sarajevo, der V&ouml;lkermord von Srebrenica, Milizenterror und sexualisierte Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik - Internationale Strafgerichtsh&ouml;fe verurteilen endlich Hauptschuldige. Wenig bekannt sind Konsequenzen, die von den Niederlanden aus der Schande von Srebrenica gezogen wurden. Die Urteile sind auch ein Kommentar zum &quot;Interventionsstreit&quot; in den 90er Jahren.&nbsp;</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>Urteile gegen Spitzen-Kriegsverbrecher Karadzic und Bemba: Historische Fortschritte zu &bdquo;nachtr&auml;glicher&ldquo; Schutzverantwortung &ndash; und einige pers&ouml;nliche Bez&uuml;ge</strong></p>
<p align="center">Winfried Nachtwei, MdB a.D. (26. M&auml;rz 2016)</p>
<p align="center">(Fotos auf <a href="http://www.facebook.com/winfried.nachtwei">www.facebook.com/winfried.nachtwei</a> )</p>
<p>Am 24. M&auml;rz verurteilte das UN-Kriegsverbrechertribunal zum fr&uuml;heren Jugoslawien in Den Haag den ehemaligen Serbenf&uuml;hrer <strong>Radovan Karadzic</strong> wegen V&ouml;lkermord (Srebrenica), Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen (44-monatige Belagerung von Sarajevo) und der Geiselnahme von Blauhelmsoldaten zu 40 Jahren Gef&auml;ngnis.</p>
<p>Am 21. M&auml;rz sprach der Internationale Strafgerichtshof in den Haag den ehemaligen Milizenf&uuml;hrer und sp&auml;teren kongolesischen Vizepr&auml;sidenten <strong>Jean-Pierre Bemba</strong> der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig. &Uuml;ber das Strafma&szlig; befinden die Richter sp&auml;ter.</p>
<p>Wo in der Weltgeschichte die gro&szlig;en Staatsverbrecher und V&ouml;lkerm&ouml;rder bis auf die Ausnahme der N&uuml;rnberger Prozesse in der Regel ungestraft blieben, sind die beiden Urteile ein historischer Fortschritt f&uuml;r die internationale Strafjustiz. Kein Gro&szlig;verbrecher kann mehr sicher sein, irgendwann nicht doch zur Rechenschaft gezogen zu werden. Es ist ein Schritt zu &bdquo;nachtr&auml;glicher&ldquo; Schutzverantwortung, die dringend eine pr&auml;ventive, unterst&uuml;tzende und auch eingreifende, Massengewalt verhindernde Responsibility to Protect werden muss.</p>
<p>Mit beiden F&auml;llen hatten wir, hatte ich auch politisch-pers&ouml;nlich zu tun: beim Streit um Menschenrechtsschutz und Gewaltfreiheit angesichts des Bosnienkrieges, beim Besuch der niederl&auml;ndischen ISAF-Soldaten 2008 in S&uuml;dafghanistan und bei der Begegnung mit Bemba in Kinshasa 2006.</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Radovan Karadzic, w&auml;hrend des Krieges in Bosnien Pr&auml;sident der bosnischen Serbenrepublik und Oberbefehlshaber ihrer Armee</span></strong></p>
<p>Das vom UN-Sicherheitsrat eingerichtete Tribunal erkl&auml;rte ihn nach mehr als sechs Jahren und fast 500 Verhandlungstagen in zehn von elf Anklagepunkten f&uuml;r schuldig: wegen des Massakers von Srebrenica, dem im Juli 1995 &uuml;ber 8.000 bosnische M&auml;nner zum Opfer fielen &ndash; dem gr&ouml;&szlig;ten Kriegsverbrechen in Europa seit dem 2. Weltkrieg; wegen der Kriegsverbrechen w&auml;hrend der Belagerung von Sarajevo, als 11.000 Zivilisten in der Stadt durch Scharfsch&uuml;tzen und Artilleriebeschuss aus den serbischen Stellungen auf den Bergen rund um Sarajevo get&ouml;tet wurden, und wegen weiterer Morde und Deportationen. (<span style="text-decoration: underline;">Vorz&uuml;glicher Artikel zum Urteil und Verfahren</span> gegen Karadzic von Mirko Vossen auf der DGVN-Seite <a href="http://menschenrechte-durchsetzen.dgvn.de/meldung/kriegsverbrecher-karadzic-zu-40-jahren-haft-verurteilt/">http://menschenrechte-durchsetzen.dgvn.de/meldung/kriegsverbrecher-karadzic-zu-40-jahren-haft-verurteilt/</a> ; Summary des ICTY-Urteils <a href="http://www.icty.org/x/cases/karadzic/tjug/en/160324_judgement_summary.pdf">http://www.icty.org/x/cases/karadzic/tjug/en/160324_judgement_summary.pdf</a> , das Gesamturteil mit seinen 2590 Seiten <a href="http://www.icty.org/x/cases/karadzic/tjug/en/160324_judgement.pdf">http://www.icty.org/x/cases/karadzic/tjug/en/160324_judgement.pdf</a> )</p>
<p>Am 24.3.2016 schilderte <span style="text-decoration: underline;">Michael Martens umfassend in der FAZ</span>, was im Juli in der Umgebung von Srebrenica geschah, z.B. in den Lagerhallen der Agrargenossenschaft von Kravica, wo Angeh&ouml;rige der 1. und 2. Rekrutenkompanie der Polizeischule Jahorina und eines Sondereinsatzbataillons der Polizei der Republik Srpska Aberhunderte bosnische Muslime erschossen; z.B. der Funkverkehr zwischen serbischen Offizieren nach der Einnahme von Srebrenica; z.B. Karadzic`s &bdquo;Direktive Nr. 7; z.B. die gro&szlig;e Abschiedsfeier der niederl&auml;ndischen Blauhelmtruppe, die vergeblich NATO-Luftunterst&uuml;tzung angefordert hatte, in Zagreb mit Kronprinz Wilhelm-Alexander und Milit&auml;rkapelle: &bdquo;<em>Die M&ouml;rder kamen w&auml;hrend der Himbeerernte</em>&ldquo;, <a href="http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/un-kriegsverbrechertribunal-faellt-urteil-ueber-radovan-karad-i-14142334.html">http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/un-kriegsverbrechertribunal-faellt-urteil-ueber-radovan-karad-i-14142334.html</a> .</p>
<p><strong>Streit um Menschenrechtsschutz und Gewaltfreiheit Mitte der 90er Jahre:</strong></p>
<p>Vor 21 Jahren wurde bei B&uuml;ndnis 90/Die Gr&uuml;nen wie auch in der geschrumpften Friedensbewegung hei&szlig; darum gestritten, was gegen den Krieg in Bosnien und die Massengewalt notwendig, legitim, verantwortbar sei - milit&auml;risches Eingreifen oder Beharren auf Gewaltfreiheit. In der Opposition standen wir noch nicht in dem &ndash; bei Regierungsbeteiligung unumg&auml;nglichen - Verantwortungsdilemma f&uuml;r die Folgen des eigenen Tuns oder Unterlassens. Beim Besuch der Partei- und Fraktionsspitze der Gr&uuml;nen im kriegszerst&ouml;rten Bosnien im Oktober 1996 wurde uns am Hang von Sarajevo und im Gespr&auml;ch mit dem katholischen Bischof von Banja Luka erst bewusst und klar, was Europa, was wir Europ&auml;er drei Jahre &ndash; nat&uuml;rlich &bdquo;zerrissen&ldquo; &ndash; mehrheitlich hingenommen hatten.</p>
<h1>(<em>vgl. auch &bdquo;<strong>Srebrenica vor 20 Jahren: &quot;Nie wieder!&quot; und der Ernstfall. Die Zeugin, der Streit, die Lehren&ldquo;</strong>, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=85&amp;aid=1364"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=85&amp;aid=1364</em></a><em> )</em></h1>
<p><strong>Nach Srebrenica: Zusehen? Eingreifen? Oder was?</strong></p>
<h1><em>(Mein</em><em>Beratungspapier vom 27.7.95, ver&ouml;ffentlicht in: Maulwurf, Zeitung von GAL/Gr&uuml;nen M&uuml;nster August 1995; </em></h1>
<p>In der ostbosnischen Enklave Srebrenica sind seit 1992 43.000 Menschen eingeschlossen und von Hilfsorganisationen nur unzureichend versorgt. Anfang Juli 1995 greifen Truppen des bosnischen Serbenf&uuml;hrers Ratko Mladic die UN-Schutzzone an. F&uuml;r die nur 200 niederl&auml;ndischen UN-Blauhelmsoldaten gibt es keine Verst&auml;rkung. Zur Entlastung angeforderte Luftangriffe kommen nicht zustande. Die Blauhelmsoldaten liefern den Angreifern die Fl&uuml;chtlinge aus: 23.000 Frauen und Kinder werden nach Tuzla gefahren. Hunderte m&auml;nnliche Gefangene werden au&szlig;erhalb des UNPROFOR-Lagers erschossen. 15.000 M&auml;nner versuchen sich im Fu&szlig;marsch &uuml;ber die Berge durchzuschlagen. Die Truppen der bosnischen Serben bringen etwa 8.000 Muslime aus Srebrenica auf der Flucht um.</p>
<h1><strong>&bdquo;Innerer Frieden&ldquo;</strong></h1>
<p>Am 30. Juni beschloss der Bundestag die Entsendung von Bundeswehreinheiten nach Ex-Jugoslawien. Aus den Reihen der Opposition sprachen auff&auml;llig viele Au&szlig;enpolitikerInnen und viele gerade derjenigen PolitikerInnen f&uuml;r die Regierungsvorlage, die seit Jahren besonders intensiv und menschlich mit den Angegriffenen verbunden sind. Zugleich war unverkennbar, dass vielen in Regierung und Koalition ziemlich mulmig zumute ist.</p>
<p>Die b&uuml;ndnisgr&uuml;ne Fraktion hat die Debatte mit wider Erwarten gro&szlig;er Geschlossenheit und zugleich Ehrlichkeit durchgestanden. Viele waren erleichtert, dass die Zerrei&szlig;probe an uns vor&uuml;ber ging. Zugleich standen viel mehr von uns, als nach au&szlig;en sichtbar wurde, in einem h&ouml;chst gradigen Gewissenskonflikt zwischen zwischenmenschlich-antifaschistischer und pazifistischer Grundhaltung und innergr&uuml;nen Erw&auml;gungen. Der innere Frieden, unser Parteifrieden blieb gewahrt.</p>
<h1><strong>Naher Krieg</strong></h1>
<p>V&ouml;llig entgegengesetzt die Entwicklung des nahen Krieges in Bosnien. Nach dem 30. Juni war schnell Schluss mit der relativen Entspannung nach der Massengeiselnahme von Blauhelmen. Die serbische Aggression eskalierte zur St&uuml;rmung von &bdquo;Schutzzonen&ldquo;, der Selektion, Massakrierung und Vertreibung tausender Menschen &ndash; unter den Augen der Welt&ouml;ffentlichkeit, in Anwesenheit der internationalen &bdquo;Gemeinschaft&ldquo; in Gestalt von VN-Blauhelmen. Karadzic und General Mladic k&uuml;ndigten die Eroberung &bdquo;aller muslimischen Enklaven bis zum Herbst&ldquo; an, falls diese nicht &bdquo;vollst&auml;ndig entmilitarisiert&ldquo; w&uuml;rden.</p>
<p><strong>Fischer`s &bdquo;Briefbombe&ldquo;</strong></p>
<p>In diesen Tagen der fortschreitenden serbischen Aggression entstand Joschkas Brief an die ParteifreundInnen, eine Woche vor der kroatischen Offensive, der R&uuml;ckgewinnung der Krajina, der Befreiung des belagerten Bihac und der serbischen Massenflucht.</p>
<p>Zu Recht sieht er die Folgen des zu diesem Zeitpunkt unaufhaltsam erscheinenden serbischen Sieges dramatisch. (...) In Europa sind Krieg und Vertreibung wieder zu einem erfolgversprechenden Mittel der Politik geworden. N&uuml;chtern beschreibt er das Versagen Westeuropas und der internationalen &bdquo;Gemeinschaft&ldquo;, in der es niemals einen politischen Willen, nur gegenl&auml;ufige Interessen gegen&uuml;ber dem Krieg in Ex-Jugoslawien gegeben habe.</p>
<p>Wider l&auml;ngeres &bdquo;Wegducken&ldquo; und &bdquo;Durchlavieren&ldquo; ruft Fischer dazu auf, der politischen Debatte nicht auszuweichen und Farbe zu bekennen. Auch ich beobachte seit Jahren dieses politische Wegducken in friedensbewegten und linken Kreisen, das sich oft hinter allen m&ouml;glichen Ausfl&uuml;chten verbirgt. H&ouml;chst engagierte Organisationen wie das Komitee f&uuml;r Grundrechte und der Bund f&uuml;r Soziale Verteidigung scheinen eher die Ausnahme von der Regel zu sein.</p>
<p>Ausgehend von der &ndash; zum Teil falschen &ndash; These, alle bisherigen Mittel wie Embargo, Schutzzonen, Kontrolle schwerer Waffen, Verhandlungsl&ouml;sungen h&auml;tten versagt, sieht Fischer nur noch die zugespitzte Alternative Weichen oder Widerstehen gegen&uuml;ber den verbliebenen Schutzzonen: Abzug oder milit&auml;rische Verteidigung. Er spricht sich f&uuml;r ihre milit&auml;rische&nbsp; Verteidigung aus, weil es zu ihr nur schlimmere Alternativen gebe.</p>
<p>Bei diesem Bekenntnis bleibt Fischer stehen, zu Umsetzungs- und Erfolgschancen nimmt er kaum noch Stellung. Hier setzen berechtigte Kritiken an. Kritiken hingegen, die seine konkrete Problemstellung (verzweifelte Lage der Schutzzonen) negieren und ihn zu einem Bef&uuml;rworter einer &bdquo;milit&auml;rischen Konfliktl&ouml;sung&ldquo; d&auml;monisieren, praktisieren eine Diskussionsunart, die nur die Gegnerbek&auml;mpfung im Sinn hat, in der Sache aber keinen Deut weiterbringt.</p>
<p>Bekenntnisdebatten um Grenzen des Pazifismus und Milit&auml;r gab es reichlich und meist fruchtlose. Ob jetzt nur noch Gewalt hilft oder Milit&auml;r weiter keine L&ouml;sung ist, angesichts der konkreten Kriegsrealit&auml;t in Bosnien zu &uuml;berpr&uuml;fen.</p>
<p><strong>Akute Schl&uuml;sselfragen</strong></p>
<p>Bei der Bundestagsdebatte hatten wir zur Tornado-Entsendung Stellung zu beziehen. Innenpolitische Erw&auml;gungen und die Perspektiven deutscher Au&szlig;enpolitik spielten dabei legitimerweise eine besondere Rolle. Die Argumente stimmen weiter.</p>
<p>In diesen Wochen m&uuml;ssen wir uns aber den Fragen stellen, zu denen die Gegner der Bundeswehrentsendung (also auch ich) in der Bundestagsdebatte nichts sagten, wozu wir auch keinerlei Antwort hatten:</p>
<ul>
<li>Wie kann die Zivilbev&ouml;lkerung wirksam gesch&uuml;tzt und versorgt werden?</li>
<li>Wie kann die fortschreitende serbische Aggression gestoppt werden?</li>
<li>Wie kann der Totalabzug der Blauhelme verhindert, ihre Pr&auml;senz wirksamer gemacht werden?</li>
<li>Was hilft kurzfristig, was nur langfristig?</li>
</ul>
<p>V&ouml;llig zu recht insistieren wir auf den Einsatz nichtmilit&auml;rischer Druckmittel, einem wirksamen Embargo, dem Aufnahmeangebot an Kriegsdienstverweigerer und Deserteure ... Aber offenkundig k&ouml;nnen diese Ma&szlig;nahmen nur mittelfristig wirken. Grunds&auml;tzlich richtig ist die Forderung, Anti-Kriegsgruppen zu unterst&uuml;tzen. Der Haken daran ist nur, dass die in Serbien zzt. auch nach eigener Einsch&auml;tzung v&ouml;llig randst&auml;ndig sind; dass die in Bosnien alle den bosnischen Verteidigungskampf unterst&uuml;tzen.</p>
<p>Aber was hilft kurzfristig?</p>
<p>Das Bekenntnis, man habe kein Patentrezept und es gebe keine kurzfristigen L&ouml;sungen, ist richtig, entbindet aber nicht von der Verpflichtung, nach Antworten zu suchen.</p>
<p>Zurzeit bestehen f&uuml;r die &bdquo;Staatengemeinschaft&ldquo; bezogen auf den Blauhelmeinsatz folgende Optionen:</p>
<ul>
<li>Weiter wie bisher mit starken Worten, viel Verhandeln und realer Tatenlosigkeit;</li>
<li>Abzug der Blauhelme und Aufhebung des Waffenembargos nach dem ehrlichen Eingest&auml;ndnis, dass man zu einem echten Schutz nicht bereit ist;</li>
<li>Evakuierung der Eingeschlossenen und Aufgabe der Schutzzonen;</li>
<li>Milit&auml;rische Verteidigung der letzten Schutzzonen und Schaffung eines Versorgungskorridors; offene Parteinahme f&uuml;r die Angegriffenen. (Hierzu ist kein westlicher Staat bereit)</li>
</ul>
<p>Alle Optionen beinhalten Eskalationsrisiken, beim Blauhelmabzug w&auml;ren sie am gef&auml;hrlichsten. Ist die Lage so verfahren, dass es nur noch schlechte Handlungsm&ouml;glichkeiten gibt, nicht einmal mehr ein kleineres &Uuml;bel? Einsatz f&uuml;r die Menschenrechte, Solidarit&auml;t mit Opfern und Gewaltfreiheit: Wie bekommen wir das angesichts des Krieges in Bosnien noch in Einklang &ndash; ohne Wegsehen, ohne Ausfl&uuml;chte, ohne Kollaboration mit T&auml;tern, ohne Naivit&auml;ten und Beg&uuml;nstigung milit&auml;rischen Denkens?</p>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Niederl&auml;ndische Truppen in der s&uuml;dafghanischen Provinz Uruzgan &ndash; </span></strong><strong><span style="text-decoration: underline;">und Konsequenzen aus Srebrenica</span></strong></p>
<p>(Auszug aus meinen &bdquo;Materialien zur aktuellen Sicherheitslage Afghanistan mit Pakistan&ldquo;, Juli 2009, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=997</a> )</p>
<p>&bdquo;&Uuml;ber Jahre war Uruzgan ein sicheres Versteck f&uuml;r die Taliban.</p>
<p>In Uruzgan sind im Sommer 2008 rund 1.600 niederl&auml;ndische und 700 australische Soldaten stationiert. Der Distrikt Deh Rawod wurde international bekannt, als in 2002 eine US AC-130 irrt&uuml;mlich das Feuer auf eine Hochzeitsfeier er&ouml;ffnete und 40 Menschen t&ouml;tete.</p>
<p><strong>K&auml;mpfe im Chora Valley 2007</strong>:</p>
<p>Die niederl&auml;ndische Wochenschrift &laquo;Elsevier&raquo; berichtet in ihrer Ausgabe vom 5. Januar von den K&auml;mpfen in dem strategisch bedeutsamen Tal n&ouml;rdlich von Tarin Kowt im Juni 2007, wo schon in der Startphase der NL-Pr&auml;senz in Uruzgan im Sommer 2006 heftige K&auml;mpfe stattgefunden hatten. Nachdem Aufst&auml;ndische am 26. April 2007 den Posten in Kala Kala genommen und alle Polizisten get&ouml;tet hatten, wurden in Chora &ndash; 30 km n&ouml;rdlich von Tarin Kowt - ca. 65 NL-Soldaten der luftbeweglichen Alphakompanie (&bdquo;Limburgse Jagers&ldquo;) und 40 ANA-Soldaten stationiert. <span style="text-decoration: underline;">(Der niederl&auml;ndische Kompaniechef war vor zw&ouml;lf Jahren in Srebrenica dabei.)</span> Nach einem schweren Sprengstoffanschlag auf ein PRT-Team, bei dem 11 Zivilisten starben, griffen am Morgen des 16. Juni ca. 800 (bis 1.100) Taliban und ausl&auml;ndische K&auml;mpfer alle Posten au&szlig;erhalb des Distriktortes Ali Shirzai an und kamen bis 200 m an das Distriktgeb&auml;ude heran. Nach Mobilisierung aller Kr&auml;fte des Hauptst&uuml;tzpunktes in Tarin Kowt und mit vollem Einsatz der Panzerhaubitze aus Tatin Kowt und Luftnahunterst&uuml;tzung durch eigene Apache und F-16 schlagen die &uuml;berwiegend NL Kr&auml;fte, unterst&uuml;tzt von afghanischer Miliz, den Angriff bis zum 20. Juni zur&uuml;ck. Dabei sollen zwischen 30 bis 88 Zivilisten umgekommen sein. Der Untersuchungsbericht von UNAMA und Unabh&auml;ngiger AFG Menschenrechtskommission kommt zu dem Ergebnis, dass die Taliban im Unterschied zu ISAF Zivilisten gezielt und absichtlich t&ouml;teten, dass aber den Artillerie- und Luftwaffeneins&auml;tzen von ISAF ca. viermal so viele Zivilisten zum Opfer fielen.&nbsp; (<em>www.oruzgan.web-log.nl; auf YouTube u.a. die Videos &bdquo;Chora Battle 1&ldquo; und &bdquo;Chora Battle 2&ldquo; )</em></p>
<p>Tom Hyland berichtet am 18.10.2007 (<a href="http://www.theage.com.au/"><em>www.theage.com.au</em></a>), dass im Juni die in Uruzgan stationierte australische Spezialeinheit (SAS) an der Planung der NL gef&uuml;hrten Gegenoffensive teilnahm, sich aber aus der 1. Reihe der Operation zur&uuml;ckzog, weil diese den eigen Rules of Engagement zuwider gelaufen w&auml;re. Es wurde bef&uuml;rchtet, dass nicht zureichend zwischen K&auml;mpfern und Zivilbev&ouml;lkerung&nbsp; unterschieden werden k&ouml;nnte. Schlussendlich seien die meisten der 60-70 toten Zivilisten durch Bomben und Artilleriefeuer (letzteres &uuml;ber 30 km Distanz aus Tarin Kowt) umgekommen.</p>
<p><em>(<span style="text-decoration: underline;">Anmerkung</span>: Von den K&auml;mpfen im Chora-Tal unterrichtete die Bundesregierung die zust&auml;ndigen Abgeordneten des Bundestages mit keinem Wort. Auch beim Obleutebesuch in Mazar nach dem 20. Juni 2007 bei den dt. Tornados in Mazar wurden sie &ndash; obwohl&nbsp; d e r&nbsp; ISAF-Brennpunkt zu dem Zeitpunkt - mit keinem Wort erw&auml;hnt. Im Gegenteil wurde der Eindruck erweckt, als h&auml;tten die NL-Truppen im Unterschied zu anderen keine zivilen Opfer&hellip;)</em></p>
<p>Ende September erlebte <span style="text-decoration: underline;">australische SAS</span> im <span style="text-decoration: underline;">Chora Valley</span> die heftigsten K&auml;mpfe australischer Soldaten seit dem Vietnamkrieg &ndash; zusammen mit 500 Soldaten einer Streitmacht aus sechs Nationen und gerade 15 km vom eigenen St&uuml;tzpunkt in Tarin Kowt entfernt.&ldquo;</p>
<p><strong>Auf YouTube etliche Filme zur Rolle der niederl&auml;ndischen Streitkr&auml;fte in Srebrenica, zu den K&auml;mpfen im Chora Tal und den Konsequenzen aus dem Srebrenica-Trauma</strong>:</p>
<ul>
<li><em>The Trauma of the Blue Berets. Srebrenica: The Dutch Role In The Massacre</em>, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=z51eYfN5KFs">https://www.youtube.com/watch?v=z51eYfN5KFs</a></li>
<li><em>Chora battle 1</em>, von Davis Axe, C-SPAN, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=N-BDzy6hMY4">https://www.youtube.com/watch?v=N-BDzy6hMY4</a></li>
<li><em>The battle of chora/pay back Srebrenica &bdquo;We can fight</em>&ldquo;, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=JFeX2jvA5rw">https://www.youtube.com/watch?v=JFeX2jvA5rw</a></li>
</ul>
<p><strong><span style="text-decoration: underline;">Jean-Pierre Bemba, ehemaliger Vizepr&auml;sident der DR Congo</span></strong></p>
<p>Der fr&uuml;here F&uuml;hrer der 1998 gegr&uuml;ndeten &bdquo;Kongolesischen Befreiungsbewegung&ldquo; (MLC) wurde schuldig gesprochen nicht wegen seiner Rolle im kongolesischen Krieg, sondern wegen des MLC-Einsatzes zur Niederschlagung eines Putschversuches in der benachbarten Zentralafrikanischen Republik 2002/3 kurz vor seiner Ernennung zum Vizepr&auml;sidenten der DRC. Die MLC-K&auml;mpfer hatten dabei Hunderte Zivilisten get&ouml;tet, D&ouml;rfer gepl&uuml;ndert und Frauen vergewaltigt. Dominic Johnson berichtet in der taz vom 22.3. von der Urteilsverk&uuml;ndigung (<a href="http://www.taz.de/!5285092/">http://www.taz.de/!5285092/</a> ):</p>
<p>&bdquo;Zeugin P79 wurde von einem Soldaten mit vorgehaltenem Gewehr festgehalten, w&auml;hrend zwei andere sie vergewaltigten und ein anderer sich &uuml;ber ihre Tochter hermachte., wobei weitere Kinder zuschauen mussten. Ein Opfer hatte gleich zw&ouml;lf Vergewaltiger hintereinander. Als Zeuge P69 sich der Pl&uuml;nderung seines Hauses in Bangui widersetzte, nahmen die MLC-Soldaten seine Schwester und schossen ihr in den Kopf. (&hellip;) &acute;Die MIC-T&auml;ter nahmen sich die Zivilbev&ouml;lkerung zum Ziel, um sich selbst f&uuml;r unzureichende Bezahlung und Rationen der MLC zu entsch&auml;digen`, so die Richterin. Es gab daf&uuml;r keine formalisierte Politik, aber &acute;das Versagen der MLC, dagegen einzuschreiten, ermutigte die Angriffe.` MLC-F&uuml;hrer Bemba ist als milit&auml;rischer Befehlshaber &nbsp;&acute;ausgedehnter und systematischer Angriffe auf eine Zivilbev&ouml;lkerung` schuldig&ldquo;, Bemba&nbsp; hatte, &bdquo;so das Urteil, die im deutschen Recht &acute;Tatverhinderungsmacht` genannte M&ouml;glichkeit, seine Untergebenen an Verbrechen zu hindern.&ldquo; &nbsp;</p>
<p>(Presseerkl&auml;rung des ICC mit Link zum Urteil <a href="https://www.icc-cpi.int/en_menus/icc/press%20and%20media/press%20releases/Pages/pr1200.aspx">https://www.icc-cpi.int/en_menus/icc/press%20and%20media/press%20releases/Pages/pr1200.aspx</a> ; Kommentar von Dominic Johnson in der taz, <a href="http://www.taz.de/Kommentar-Urteil-Jean-Pierre-Bemba/!5285012/">http://www.taz.de/Kommentar-Urteil-Jean-Pierre-Bemba/!5285012/</a> )</p>
<p><strong>Begegnung mit Bemba im April 2006</strong>: Bei einerErkundungsreise im Vorfeld der Wahlabsicherungsmission EUFOR DR Congo im April 2006 trafen MdB Hans-Christian Str&ouml;bele und ich nach Gespr&auml;chen mit Au&szlig;en- und Verteidigungsminister, kongolesischen Abgeordneten, Vertretern von MONUC, UNHCR, EUPOL + EUSEC, Menschenrechtsorganisationen, NGO`s, Misereor und deutscher Entwicklungszusammenarbeit auch mit Vizepr&auml;sident Bemba zusammen:</p>
<p><em>(Auszug aus meinem Reisebericht &bdquo;Erkundung in Kongo-Kinshasa - Erfahrungen, Schlussfolgerungen&ldquo;, April 2006, </em><a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=329"><em>http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=83&amp;aid=329</em></a><em> )</em></p>
<p>&bdquo;Seine Residenz wird von grimmig erscheinenden Bewaffneten bewacht. Der Empfangssaal ist pomp&ouml;s mit dicken Lederm&ouml;beln, Gro&szlig;bildschirm und afrikanischer Kunst ausgestattet. Uns tritt ein gro&szlig;er, massiver Mann in hoch geschlossenem Anzug entgegen, eingerahmt von zwei &auml;u&szlig;erlich eindrucksvollen M&auml;nnern. Neben ihm liegen griffbereit moderne Kommunikationsutensilien. Ihm werden besonders massive Kriegsverbrechen vorgeworfen. Er gilt als schlimmster Warlord und einer der ersten Anw&auml;rter f&uuml;r Den Haag. S&uuml;dlich Kinshasa soll er 2.-4.000 Bewaffnete stehen haben. Politisch korrekt bekennt er sich zu freien Wahlen, Menschenrechten und gegen Korruption. Er sei froh &uuml;ber Truppen, die die Wahlen absichern w&uuml;rden. Auch mit 100.000 EU-Soldaten h&auml;tte er kein Problem. Auf die Frage, ob Wahlverlierer Trouble machen k&ouml;nnten, stellt er die Gegenfrage, wer das denn sein k&ouml;nnte. Da m&uuml;ssen wir vor lauter H&ouml;flichkeit nat&uuml;rlich die Schultern zucken. Ob Umfang der EU-Truppe sinnvoll sei? Alles h&auml;nge von Auftrag und Ausstattung ab. Angesprochen auf die Armee, die von vielen als Hauptgefahr angesehen werde, reagiert er ausweichend und betont schlie&szlig;lich die Bedeutung von Leadership. Als Christian seine F&uuml;hrungsverantwortung mit den ausbleibenden Erfolgen der &Uuml;bergangsregierung konfrontiert, bilanziert B. mit gewisser Erregung die angeblichen Leistungen auf seinem Zust&auml;ndigkeitsfeld der Wirtschaft. Bei aller Verbindlichkeit des Gespr&auml;chs und der Umgangsformen sendet sein Blick keine Freundlichkeit oder W&auml;rme, sondern best&auml;tigt nur das allgemeine Bild von ihm &ndash; Vorsicht!&ldquo;</p>
<p><strong>F&uuml;nf Monate sp&auml;ter am 26.9.2006 zweite Begegnung mit Bemba in Kinshasa im Rahmen einer Delegationsreise von Verteidigungsminister Jung </strong>(Auszug aus meinem Reisebericht &bdquo;Hei&szlig; in jeder Hinsicht&ldquo;, <a href="index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=74&amp;aid=414">http://nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;catid=74&amp;aid=414</a> )</p>
<p>&bdquo;(&hellip;) Die Kongo-Erstlinge (in der Delegation) sind &uuml;berw&auml;ltigt-ersch&uuml;ttert von den Menschenmassen, von den verm&uuml;llten Fl&auml;chen, den &uuml;berladenen Schrottautos, den &auml;rmlichsten Provisorien. Umso bemerkenswerter die sehr saubere Kleidung der Menschen. Ab und zu sind am Stra&szlig;enrand kleine Parzellen mit Gem&uuml;se zu sehen.</p>
<p>Briefing im <span style="text-decoration: underline;">Force Headquarter von EUFOR</span> auf dem Innenstadt-Flugfeld N`Dolo: (&hellip;)</p>
<p>Die Pr&auml;sidentschaftswahlen: Inzwischen haben die dritt- und viertplazierten Kandidaten Gizenga (13%) und Mobutu (5%) Kabila (45%) ihre Unterst&uuml;tzung f&uuml;r den zweiten Wahlgang zugesagt. Der zweitplazierte Bemba, der vor allem in Kinshasa und Equateur gewann, ist deshalb ohne gr&ouml;&szlig;eren Partner. (Inzwischen wollen ihn aber Teile der Tschisekedi-Partei UDPS unterst&uuml;tzen.) Bemba, der am 21. August seinen Hubschrauber verlor und einen Monat sp&auml;ter durch Gro&szlig;brand seine beiden Fernseh- sowie seinen Radiosender (sie senden inzwischen wieder mit schwacher Kraft), m&uuml;sse jetzt schnell seinen Wahlkampf intensivieren. Auch wenn sein Sieg unwahrscheinlich sei, sei er nicht abgeschrieben. Seine demagogischen F&auml;higkeiten seien erheblich, Zwischenf&auml;lle k&ouml;nnten provoziert werden, Risiko von &Uuml;berreaktionen des Kabila-Lagers. Die beiden Lager st&uuml;nden sich antagonistisch gegen&uuml;ber. Die Lage in Kinshasa bleibe zerbrechlich. Hohes Gewaltrisiko bestehe um den Tag der Pr&auml;sidenten-Stichwahl und der Provinzwahlen am&nbsp; 29. Oktober und die Verk&uuml;ndigung des Wahlergebnisses der Stichwahl am 19. November.</p>
<p>MONUC und EUFOR bem&uuml;hen sich um Deeskalation und vertrauensbildende Ma&szlig;nahmen. Dazu geh&ouml;ren eine teilweise Demilitarisierung von Kinshasa, eine Kontrolle des Zugangs zu den Medien und ein Verhaltenskodex f&uuml;r die Wahlen.</p>
<p>Zusammengefasst: Kinshasa ist offenkundig der wichtigste Hotspot. Das EUFOR-Eingreifen vom 20./21. August hat die Glaubw&uuml;rdigkeit der Mission erh&ouml;ht. F&uuml;r eine effiziente Abschreckung ist die Synergie aller internationaler Partner essentiell. EUFOR und MONUC sind verst&auml;rkt als Schiedsrichter gefragt, der ein fair play beim restlichen Prozess garantieren soll. &bdquo;Wir sollten mit Forderungen rechnen, die EUFOR-Pr&auml;senz in Kinshasa &uuml;ber das Ende des laufenden Mandats (30. Nov.) hinaus zu halten.&ldquo;</p>
<p>(Der deutsche) Flottillenadmiral Bess schildert in Anwesenheit der Presse die <span style="text-decoration: underline;">Ereignisse ab 20. August</span>. F&uuml;r den Tag der Verk&uuml;ndigung des Ergebnisses der Pr&auml;sidentschaftswahl bestand f&uuml;r&nbsp; EUFOR hohe Alarmbereitschaft bei niedriger Einsatzschwelle. (Die Gewalteskalation am 21.8. wird recht genau im Bericht des VN-Generalsekret&auml;rs an den Sicherheitsrat vom 21. September, S/2006/759, <a href="http://www.un.org">www.un.org</a>, geschildert: Kleinere Gruppen der Pr&auml;sidentengarde lieferten sich an Bembas Residenz mit leichten und schwereren Kalibern Schusswechsel mit ca. 200 Milizion&auml;ren Bembas. Auf Seiten der Pr&auml;sidentengarde sollen auch einzelne T 54/55-Panzer &ndash; sowjetische Standardpanzer der 50er bis 70er Jahre &ndash; gewesen sein. In der Residenz befanden sich die Diplomaten der Internationalen Kommission zur Begleitung der Transition/CIAT, darunter der deutsche Botschafter. Zwei MONUC- und eine EUFOR-Kompanien holten die in der Residenz Eingeschlossenen, darunter internationale Botschafter, heraus. (&hellip;)</p>
<p>Mit dem intensiven Engagement des Sondergesandten des VN-Generalsekret&auml;rs und flankiert von MONUC und EUFOR gelang es, die Gewalt zu stoppen und einen Waffenstillstand zu vereinbaren.</p>
<p>Die MONUC-Bitte an EUFOR, Enforcement Patrols zu stellen, wurde &ndash; weil angeblich vom Mandat nicht gedeckt &ndash; abgelehnt. EUFOR beteiligt sich aber an Joint Verification Teams unter MONUC-Leitung. Diese sollen die Umsetzung der Waffenstillstandsvereinbarung vom 22. August &uuml;berwachen und zur Vertrauensbildung zwischen den Konfliktparteien beitragen. Nach bisher 25&nbsp; JVT-Eins&auml;tzen sei die Verifikation teilweise erfolgreich gelaufen. Die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Garden sei begrenzt.</p>
<p>EUFOR-Patrouillen zur Aufkl&auml;rung und Erkundung an Hotspots: anf&auml;nglich nur mit Fahrzeugen, inzwischen auch z.T. zu Fu&szlig;. In bestimmten Vierteln k&ouml;nne man sich gut bewegen.</p>
<p>Weitere Operationen laufen nach (a) Stabilization Plan Kinshasa, (b) Redeployment (R&uuml;ckverlegung) Plan. Man sei auf Worst-Case-Szenarien vorbereitet.</p>
<p>Die Strategische Reserve habe eine politische Seite (Signal von Entschlossenheit durch Ank&uuml;ndigung) und eine milit&auml;rische Seite (Erh&ouml;hung der Kapazit&auml;ten). Sie ist binnen 20-30 Tagen in Kinshasa verf&uuml;gbar. Hier sind Beschleunigungen notwendig, z.B. von Einzelelementen, und Vorausstationierungen von Ger&auml;t.</p>
<p>Die R&uuml;ckverlegung: Das Operation Headquarter in Potsdam ist schon intensiv damit befasst. Alle F&auml;higkeiten m&uuml;ssen bis zum 30. November auf 100% bleiben. Danach gibt es nur noch Force Protection (Selbstschutz). Angesichts der Tatsache, dass bis zum 29. November sp&auml;testens die Wahlergebnisse verk&uuml;ndet werden d&uuml;rfen und f&uuml;r den 10. Dezember die Amtseinf&uuml;hrung des Pr&auml;sidenten angesetzt ist, stellt die letzte Folie der Powerpoint-Pr&auml;sentation f&uuml;r die R&uuml;ckverlegungsphase ab 1. Dezember die Frage in den Raum: &bdquo;Military tasks 0%?&ldquo;</p>
<p>Minister Jung`s Antwort darauf ist hundertprozentig: Stabile Vorrausetzungen seien geschaffen. VN- und Bundestagsmandat gehen bis zum 30. November. Deutschland habe keinerlei Absicht, das Mandat zu verl&auml;ngern. Danach sei wieder MONUC allein verantwortlich.</p>
<p>Am 23. September hatte Chris Patton, Vorsitzender der International Crisis Group und ehemaliger EU-Au&szlig;enkommissar, in der SZ geschrieben, es w&auml;re &bdquo;Wahnsinn die EU-Operation wie geplant Ende November zu beenden. Die Europ&auml;er k&ouml;nnen dem Land doch kaum ausgerechnet in dem Moment den R&uuml;cken kehren, der der kritischste im ganzen Drama sein wird. Die von DEU gef&uuml;hrte EU-Truppe sollte ihr Mandat verl&auml;ngern, bis die neue Regierung vereidigt ist.&ldquo; Nach Kinshasa m&uuml;sste viel mehr Einsatztruppe verlegt werden. Von Deutschland fordert er &bdquo;k&uuml;hne F&uuml;hrung&ldquo;.</p>
<p>Seine Intervention wird mit der Bemerkung abgetan, es sei schleierhaft, wie er auf das Datum 17. Januar f&uuml;r die Amtseinf&uuml;hrung der neuen Regierung komme. (&hellip;)</p>
<p>Beim Gespr&auml;ch mit <span style="text-decoration: underline;">Vertrauensleuten</span> (des Bundeswehrkontingents geht es um passende Stiefel, fehlende Nachtsichtger&auml;te und den Antrag auf h&ouml;heren Auslandsverwendungszuschlag (hier zzt. Stufe 4/66,47 Euro/Tag&nbsp; bei &bdquo;hoher Belastung, b&uuml;rgerkriegs&auml;hnlichen Auseinandersetzungen&ldquo;)</p>
<p>Gespr&auml;ch mit dem <strong>Pr&auml;sidentschaftskandidaten und bisherigen Vizepr&auml;sidenten Jean-Pierre Bemba</strong> in seinem Dienstsitz, der auch von gepanzerten MONUC-Fahrzeugen gesichert wird. Trotz aller Vorabsprachen bedarf es massiver Interventionen, dass wir Abgeordnete von den grimmig-harten Bemba-M&auml;nnern rein gelassen werden. Im Hof sitzen ca. 200 Menschen. Es sind Bemba-Verb&uuml;ndete der &bdquo;Union f&uuml;r die Nation&ldquo;, die &uuml;ber die Wahlkampfstrategie beraten.</p>
<p>Im Unterschied zu unserem Treffen im April tritt der ber&uuml;chtigte ehemalige Warlord, der mich tats&auml;chlich wieder erkennt, jetzt seri&ouml;s, verbindlich und l&auml;ngst nicht so machtvoll-autorit&auml;r und bedrohlich auf &ndash; als h&auml;tte er ganz viel Kreide zu sich genommen. W&auml;hrend er mit seiner kompakten Statur zur&uuml;ckgelehnt unter einem Bild mit heroisch-muskul&ouml;sen Fischern in seinem Sessel thront, hocken einzelne Delegationsmitglieder auf der Vorderkante ihres Sessels.</p>
<p>F&uuml;nf Stunden lang sei er am 21. August zusammen mit dem Botschafter angegriffen und bombardiert worden. Er wolle den Prozess aufrechterhalten. Ohne die Pr&auml;senz der Botschafter w&auml;re der Prozess wohl zu Ende gewesen. Er sei EUFOR f&uuml;r ihr effizientes Handeln dankbar. Bei der Stichwahl d&uuml;rften sich solche Zwischenf&auml;lle nicht wiederholen. Das Ergebnis werde hoffentlich respektiert. Bei der Umsetzung der Vereinbarung vom 22. August sei EUFOR sehr wichtig.</p>
<p>Von deutscher Seite wird der Wille versichert, nach EUFOR zum Aufbau und zur weiteren friedlichen und demokratischen Entwicklung beitragen zu wollen. (Die Frage ist, ob Bemba die uns so leicht von den Lippen gehenden Werte und Ziele teilt oder sie eher als st&ouml;rend empfindet.)</p>
<p>Ich schnappe mir die einzige Abgeordnetenfrage: Er k&ouml;nne stolz auf sein Volk und dessen Engagement bei den Wahlen sein. Jeder Kandidat setze selbstverst&auml;ndlich auf Sieg. Das Problem bei ihm und Kabila sei die in ihren Wahlergebnissen zutage tretende Teilung des Landes. Wie wolle er nach einem Wahlsieg die Teilung &uuml;berwinden? Bemba: Das Wahlergebnis sei wohl geteilt, aber nicht aus inhaltlichen Gr&uuml;nden. Auch im Osten wollten die Menschen Sicherheit. Er trete f&uuml;r Sicherheit, Gerechtigkeit und Entwicklung ein. In der &bdquo;Union f&uuml;r die Nation&ldquo; seien Politiker aus allen Regionen.&nbsp;</p>
<p>Thomas Nehls (WDR) stellt ihm unter den Augen von Jung die Frage nach dem Mandatsende: Bemba, der sich im April eher ironisch zu EUFOR ge&auml;u&szlig;ert hatte, spricht sich jetzt f&uuml;r eine gewisse Verl&auml;ngerung aus.</p>
<p>Vor dem Geb&auml;ude spreche ich zwei uruguayische MONUC-Offiziere an und danke Ihnen f&uuml;r Ihre gute Arbeit und Ihr Engagement. In der notorischen Bundeswehr-Fixiertheit solcher Besuche wird MONUC praktisch nicht wahrgenommen.&ldquo;</p></div>


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