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        <title>www.nachtwei.de :: Pressemitteilung + BeitrÃ¤ge von Winfried Nachtwei :: &quot;Die unterschÃ¤tzte Macht&quot; der Vereinten Nationen: Wo Welten aus den Fugen geraten, sind die UN notwendiger denn je! </title>
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    <span class="xar-mod-title">Sicherheitspolitik und Bundeswehr + Internationale Politik und Regionen + Vereinte Nationen (UNO) + Stellungnahme</span>

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            &quot;Die unterschÃ¤tzte Macht&quot; der Vereinten Nationen: Wo Welten aus den Fugen geraten, sind die UN notwendiger denn je!          </h1>
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       <div class="xar-mod-content">
           <div class="xar-sub">
Veröffentlicht von: 
                    <a href="http://nachtwei.de/index.php?module=roles&amp;func=display&amp;uid=7">Nachtwei</a> am 1. Oktober 2014 21:59:58 +02:00 (60149 Aufrufe)            </div>
            <div>    <p>Kriegsbr&auml;nde in der europ&auml;ischen Nachbarschaft, transnationale islamistische Terrorbewegungen, Extrem-Destabilisierung schwacher Staaten durch die Ebola-Epidemie - da sind die Vereinten Nationen notwendiger denn je, da ist die verbreitete UN-Ignoranz kurzsichtig und dumm. Mein Beitrag in <strong>Publik-Forum</strong> hier in der erweiterten Fassung.</p></div>
            <div>    <p align="center"><strong>&bdquo;Die UN &ndash; die einzige Alternative zum Krieg&ldquo;:</strong></p>
<p align="center"><strong>Die Chancen der UN viel besser nutzen</strong></p>
<p align="center">Von Winfried Nachtwei, MdB a.D., Vorstandsmitglied der</p>
<p align="center">Deutschen Gesellschaft f&uuml;r die Vereinten Nationen DGVN (9/2014)</p>
<p><em>(Unter dem Titel &bdquo;Die untersch&auml;tzte Macht&ldquo; leicht gek&uuml;rzt erschienen in Publik-Forum 18/2014, 26. September 2014, <a href="http://www.publik-forum.de">www.publik-forum.de</a> )</em></p>
<p><strong>Vor 41 Jahren</strong>, am 18. September 1973, wurden die beiden deutschen Staaten in die Vereinten Nationen aufgenommen. Au&szlig;enminister Walter Scheel betonte vor der Generalversammlung:</p>
<p>&bdquo;<em>Wir m&uuml;ssen die Saat der Gewalt im Keim ersticken. Mit der Charta haben wir gemeinsam der Gewalt abgeschworen, bei aller Anerkennung des Rechts auf Selbstverteidigung. (&hellip;) Der Friede kommt an erster Stelle. (&hellip;) Unsere Zeit gibt keinen Raum mehr f&uuml;r das Faustrecht mit der Waffe in der Hand.</em> (&hellip;)<em> Nur die Vereinten Nationen k&ouml;nnen der Ort sein, wo der jetzt gesteigert um sich greifenden Gewalt Einhalt geboten wird. (&hellip;) Ich kann nur wiederholen, was Pr&auml;sident Kennedy vor 12 Jahren an dieser Stelle sagte: &bdquo;In der Entwicklung dieser Organisation liegt die einzige Alternative zum Krieg.&ldquo;</em></p>
<p>Bundeskanzler Willy Brandt wenige Tage sp&auml;ter am selben Ort:</p>
<p><em>&bdquo;Wir sind gekommen, um &ndash; auf der Grundlage unserer &Uuml;berzeugungen und im Rahmen unserer M&ouml;glichkeiten &ndash; weltpolitische Mitverantwortung zu &uuml;bernehmen. (&hellip;)</em></p>
<p><em>In einer Welt, in der zunehmend jeder auf jeden angewiesen ist und jeder von jedem abh&auml;ngt, darf Friedenspolitik nicht vor der eigenen Haust&uuml;r haltmachen. (&hellip;) Vermittlung und Ausgleich in Streitf&auml;llen messen wir besondere Bedeutung zu. (&hellip;)Der Kampf um den Frieden, der Kampf gegen die Not fordern das Bewusstsein, dass wir in der &bdquo;einen Welt&ldquo; zuletzt einem gemeinsamen Schicksal unterliegen. Die F&auml;higkeit der Menschen zur Vernunft hat die Vereinten Nationen m&ouml;glich gemacht. Der Hang der Menschen zur Unvernunft macht sie notwendig. (&hellip;)&ldquo; </em><em>(<a href="http://www.dgvn.de">www.dgvn.de</a>, <a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1238">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1238</a> )</em></p>
<p><strong>Heute hat die UN in Deutschland</strong> wohl hohe Sympathiewerte. In der &Ouml;ffentlichkeit und Politik spielt sie aber nur eine Nebenrolle, ja sie werden oft ignoriert. In der Sicherheitspolitik sind die UN prim&auml;r als Legitimit&auml;tsbeschaffer gefragt.</p>
<p>In der Debatte um mehr internationale Verantwortung Deutschlands in der Welt ist nur selten die Rede von der UN. Ihre Blauhelmmissionen finden im Unterschied zu NATO- und EU-Missionen kaum Beachtung. &Uuml;ber friedenspolitische Gro&szlig;veranstaltungen wie die Zehnjahresfeier des Zentrums Internationale Friedenseins&auml;tze (ZIF) 2012 und die beiden Tage des Peacekeepers 2013 und 2014, wo erstmalig in der deutschen Geschichte jeweils hunderte TeilnehmerInnen an Friedensmissionen zusammenkamen, wurde in den Medien praktisch nicht berichtet.</p>
<p>Bekannt ist das Versagen der UN in Ruanda und Srbrenica. Schnell ist die Rede vom Versagen der UN gegen&uuml;ber den heutigen Kriegsgr&auml;ueln. F&uuml;r viele sind die UN damit abgehakt.</p>
<p>Die UN sind aber keine Weltregierung. Sie sind nur so stark, wie ihre Mitgliedsstaaten sie machen, so aktiv, wie ihre Mitglieder in ihr aktiv sind, so einig, wie ihre Mitglieder kompromissf&auml;hig sind und so modern, wie ihre Mitglieder die n&ouml;tigen Reformen betreiben und zulassen.</p>
<p><strong>Gegr&uuml;ndet wurde die UN 1945</strong> als erste und umfassendste Konsequenz aus dem deutschen Menschheitsverbrechen, als globale Entsprechung des Schwures &bdquo;Nie wieder Krieg, nie wieder Auschwitz!&ldquo; in Deutschland. Die UN-Charta, die Allgemeine Erkl&auml;rung der Menschenrechte und andere Grundlagendokumente setzten die fundamentalen, weltweit g&uuml;ltigen Normen f&uuml;r ein friedliches Zusammenleben der Staaten und V&ouml;lker, gegen das &bdquo;Recht der St&auml;rkeren&ldquo;. Wenn heute &uuml;ber die R&uuml;ckkehr des Krieges in die Politik, &uuml;ber Milit&auml;r und internationale Friedenssicherung gestritten wird, w&uuml;rde ein Blick in die Charta oft helfen und manchen Streit er&uuml;brigen. Die Normsetzung f&uuml;r Regierungen und Einzelpersonen rund um den Globus ist wahrscheinlich die gr&ouml;&szlig;te Errungenschaft der UN. Die UN sind nicht weniger als der Anspruch einer universellen Wertegemeinschaft des V&ouml;lkerrechts und der Menschenrechte. Ihre Gremien sind in vielen Fragen der einzige Ort, wo Regierungen Rechenschaft ablegen m&uuml;ssen.</p>
<p>Mit der fortschreitenden Globalisierung wuchs die Einsicht, dass die UN das zentrale Forum f&uuml;r die L&ouml;sung globaler Probleme ist. In der multipolaren Welt mit ihren wachsenden Abh&auml;ngigkeiten und Vernetzungen, wo die Welt zunehmend aus den Fugen zu geraten scheint, ist die UN notwendiger denn je. Hier sitzen alle an einem Tisch, ist es nicht nur ein westlicher Club. Bei allen Alltagsm&uuml;hen des Multilateralismus - auch hier gibt es Wandel durch Ann&auml;herung.</p>
<p>Die UN haben nicht die Durchsetzungsm&ouml;glichkeit einer Regierung. Aber sie verf&uuml;gen &uuml;ber eine breite Palette an Instrumenten, die Realisierung ihrer Normen zu f&ouml;rdern. So bei der Kernaufgabe Friedenssicherung:</p>
<p><strong>- Die Pr&auml;vention bewaffneter Konflikte</strong> geh&ouml;rt zu den Hauptaufgaben der UN und ihres Generalsekret&auml;rs. Die Instrumente der pr&auml;ventiven Diplomatie sind heute so umfangreich wie nie: Sondergesandte und Mediatoren, politische Feldmissionen, die Einheit f&uuml;r Vermittlungsunterst&uuml;tzung, ein Standby-Team von Mediationsexperten, UN-Akteure der Entwicklungspolitik. Im Jahr 2013 waren zehn (Spitzen-)Mediatoren weltweit im Einsatz und 15 politische Missionen. Kernaufgaben dieser Missionen sind in Kooperation mit Regionalorganisationen wie lokalen Akteuren Gute Dienste, Vertrauensbildung, Schlichtung oder Begleitung von Friedensprozessen. Diese Aufgaben k&ouml;nnen auch an eine&nbsp; mehrdimensionale UN-Friedensmission angedockt sein.</p>
<p>Gegenw&auml;rtig arbeiten mehr als sechzig Pers&ouml;nlichkeiten als Sondergesandte des UN-Generalsekret&auml;rs, meist hinter den Kulissen, oft auch unentdeckt von den Medien. Sie sind Leiter von Friedensmissionen, Vermittler vor Ort oder Berater f&uuml;r spezielle Themen (z.B. Sonderberater f&uuml;r die Verh&uuml;tung von V&ouml;lkermord). Deutsche UN-Sondergesandte sind zzt. Martin Kobler als Chef der Kongo-Mission MONUSCO und Wolfgang Weisbrod-Weber als Leiter der Westsahara-Mission MINURSU. (In den letzten Jahren Michael von Schulenburg (Sierra Leone), Joachim R&uuml;cker (Kosovo) und Tom Koenigs (Afghanistan, Guatemala).)</p>
<p><strong>-</strong> <strong>Die 16 UN-gef&uuml;hrten Missionen</strong> (&bdquo;Blauhelme&ldquo;) zurzeit kommen durchweg mit Einverst&auml;ndnis der Konfliktparteien ins Land, sollen in der Regel Friedensprozesse absichern (Peacekeeping) und nachhaltig stabilisieren (Peacebuilding). Unter der zivilen Leitung eines Sondergesandten des Generalsekret&auml;rs wirken milit&auml;rische, polizeiliche und zivile Kr&auml;fte (z.B. zur Rechtsstaatsf&ouml;rderung/Rule of Law) zusammen. Der milit&auml;rische Teilauftrag ist ein quasi polizeilicher (Absicherung einer vereinbarten Ordnung, Grundsatz der Verh&auml;ltnism&auml;&szlig;igkeit) mit milit&auml;rischen Mitteln. 1996 begegnete ich erstmalig in Bosnien bei IFOR und im gerade gegr&uuml;ndeten UN-Ausbildungszentrum der Bundeswehr in&nbsp; Hammelburg Soldaten im UN-Auftrag und war &uuml;berrascht &uuml;ber ihre &bdquo;blaue&ldquo; Denk- und Verhaltensweise von &bdquo;firm, fair, friendly&ldquo;, ihrer neuen Bef&auml;higung zur Deeskalation. (<a href="http://www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1237">www.nachtwei.de/index.php?module=articles&amp;func=display&amp;aid=1237</a> )</p>
<p>Bekannt sind die gescheiteten Missionen. Sie &uuml;berschatten die vielen Missionen, die seltener voll erfolgreich, oft aber hilfreich und unverzichtbar waren, um bewaffnete Konflikte einzud&auml;mmen, einen wackligen Friedensschluss zu stabilisieren oder mithilfe von Milit&auml;rbeobachtern in Krisengebieten ein Fr&uuml;hwarnsystem aufzubauen. (Im September 2013 in einem Gesamtgebiet von 5 Mio. km<sup>2</sup> mit 169 Millionen Menschen, 7,33 Mrd $ Gesamtkosten, 0,5% der weltweiten Milit&auml;rausgaben; &uuml;ber 95% aller internationalen Eins&auml;tze laufen unter Peace Support, nur 3% unter Peace Enforcement) In vielen Konfliktl&auml;ndern sind die UN-Missionen das letzte Netz gegen den v&ouml;lligen Absturz. Eine Welt ohne sie w&auml;re noch viel unfriedlicher und chaotischer.</p>
<p>- <strong>Erfolg und Schatten</strong>: Zwischen 1990 und 2005 wurden so viele innerstaatliche bewaffnete Konflikte durch Verhandlungen und mit Hilfe der UN zum Stillstand gebracht, wie in 200 Jahren zuvor nicht. Ein enormer friedenspolitischer Erfolg! Allerdings rutschte die H&auml;lfte der L&auml;nder binnen f&uuml;nf Jahre wieder zur&uuml;ck in die Gewalt &ndash; ein Hinweis auf den Nachholbedarf beim Peacebuilding.</p>
<p>- <strong>Blockaden</strong>: Friedenspolitisch kaltgestellt sind die UN, wenn Vetom&auml;chte blockieren &ndash; wie gerade bei Syrien, Ukraine und Gaza. Dann sind sie reduziert auf die humanit&auml;re Hilfe im gro&szlig;en Stil und die Rolle des Ankl&auml;gers.</p>
<p><strong>Internationale Verantwortung konkret</strong>: Deutschland gilt im internationalen Vergleich als guter Freund der UN: engagiert in der ganzen Breite der UN-Aktivit&auml;ten, drittgr&ouml;&szlig;ter und verl&auml;sslicher Beitragszahler. Fachleute der UN-Community beobachten dabei aber ein eher blasses Profil, wo Deutschland unterhalb der eigenen M&ouml;glichkeiten bleibe. ( <em>Bericht zur Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und den Vereinten Nationen 2012/2013</em>, <a href="http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Friedenspolitik/VereinteNationen/Aktuell/120815_Bericht_Zusarbeit_node.html">www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Friedenspolitik/VereinteNationen/Aktuell/120815_Bericht_Zusarbeit_node.html</a> )</p>
<p>Unverst&auml;ndlich und kurzsichtig ist die kalte Schulter gegen&uuml;ber UN-gef&uuml;hrten Missionen, wo Deutschland nur 0,1% der Polizisten, 0,3% der Soldaten und 0.7% der Zivilexperten stellt. (USA, Kanada, EU und Japan bestreiten 80% des PK-Etats, stellen aber nur 8% des Personals. In 2000 stellten sie (ohne Japan) 44% der UN-Polizisten, 2012 nur noch 4,4%!)</p>
<p>Seit 1994 habe ich intensiv die au&szlig;en- und sicherheitspolitische Debatte in Bonn und Berlin verfolgt. Eine ausgesprochen ern&uuml;chternde Erfahrung dabei war, wie langsam und wenig institutionalisiert das Lernen dabei war. Auff&auml;llig war vor allem, wie wenig in der sicherheitspolitischen Community die selbstkritischen und umfassenden Lessons-Learned-Prozesse der UN wahrgenommen wurden. Der Brahimi-Report von 2000 und viele andere von globalen Teams erstellte Berichte sind bis heute eine Fundgrube an Erfahrungen, wie es das auf nationaler Ebene kaum gibt.</p>
<p><strong>Notwendig wie nie:</strong> Mit den Kriegsfurien in der Ukraine, im Irak, Syrien und dem Nahen Osten, in Libyen, im S&uuml;dsudan, Zentralafrikanischer Republik und Kongo ist kollektive Friedens- und Sicherheitspolitik so unter Druck und so gefordert wie seit langem nicht. Heute ist der globale Normen-, Dialog- und Kooperationsrahmen der UN wertvoller und notwendiger denn je. Jetzt kommt es darauf an, ihre Chancen zur kooperativen Friedenssicherung viel energischer zu nutzen. Hier ist mehr internationale Verantwortung auch von Deutschland gefragt.</p>
<p><em>Seit 2001 allj&auml;hrlich rufen die UN dazu auf, am 21. September, dem <strong>Internationalen Friedenstag, 24 Stunden weltweit alle Waffen ruhen zu lassen</strong> und f&uuml;r eine Kultur des Friedens zu werben. </em><em>Motto des Jahres 2014 ist &bdquo;The Right of Peoples to Peace&rdquo;.</em></p>
<p><em>In Afghanistan wurde der Tag seit 2006 von Tausenden Menschen in etlichen Provinzen begangen. 2009 wurde der Aufruf zur Waffenruhe in Afghanistan weitgehend befolgt. In Deutschland fand das nahezu keine Beachtung.</em> (<a href="http://www.un.org/en/events/peaceday/">www.un.org/en/events/peaceday/</a> )</p>
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